Ur. 2 6 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen) Mittwoch, 6. Dezember (955 Aus der Provinzialhauptstadt er habe es noch nie gesehen. In den Häusern ist freilich nirgends mehr Licht, und als er doch versucht, an den Türen Hilfe für sein Tier zu erbitten, meint man in den dumpfen Schlafbutzen, daß sich jemand einen Scherz machen will, dreht sich auf die Seite und schläft weiter. Ist jemand vielleicht schon mit einem Esel durchs Moor gezogen, noch dazu in dunkler Nacht? Beim zweiten und dritten Hause geht es dem Alten um nichts besser, aber im letzten, der kleinsten Kate, ist noch Licht, und als er dort an die Tür klopft, steckt eine junge Frau den Kopf heraus. Die hat am Abend eine frischmilchende Kuh bekommen und muß nun während der Nacht noch wieder melken, wenn alles seine Richtigkeit kriegen soll. As ihr der Alte nun seine Not mit dem Esel klagt, meint sie, daß es ein reisender Händler ist, der da draußen steht, läßt ihn darum nach dem ersten Erschrecken über den späten Besuch auf die Diele sucht auch einen Hammer und ein paar Hufnägel herbei, damit der Alte am Herde den Schaden notdürftig bessern kann, und hält ihm bei der ungewohnten Arbeit die Laterne. Froh über die Hilfe, klopft der Alte denn auch den Beschlag wieder fest, kühlt dem Esel das geschwollene Gelenk, will aber nicht wieder gehen, ohne sich in seiner Weise dankbar erzeigt zu haben, und fragt sie, womit er ihr eine Freude machen könne, er habe so vielerlei in seinen Säcken, daß sie nur zu wünschen brauche. . Die junge Frau meint, daß es nur em Scherz ist, was der Alte da redet, bietet ihm eine Tasse warme Milch an und fragt, er komme wohl weit her, ganz von Bremen vielleicht? „Nein, ein Stück weiter noch", antwortet er und lächelt in seinen Bart. „Dann vielleicht gar von Hamburg? Nun, er kann ihr das nicht so genau sagen, es ist ja auch nicht weiter wichtig, sie soll nur anfangen, sich etwas zu wünschen. Ach, meint sie, nun will er mir etwas verkaufen, aber ich habe kein Geld und mag es ihm nicht einmal sagen. Dabei denkt sie an die Tasse auf dem Wandbord, und die paar Groschen, die sie darin ver- wahrt. Der Alte aber, der ihre Gedanken errat, sagt ihr, daß sie sich keine Sorge machen soll, denn alles was er bei sich führe, habe er nur mitgenommen, um es au verschenken. Aber das glaubt sie nun erst recht nicht nein, will ihn aber auch nicht kränken und steht nur und lächelt. Da bleibt ihm denn nichts anderes, als einen seiner Säcke vor ihr aufzutun und sie hineinschauen zu lassen. welche sich als Einzelmitglieder in die Arbeitsfront eingliedern, sich nicht in die NSBO., sondern in den Gesamtverband der deutschen Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibende in der deutschen Arbeitsfront, (GH G.) anzumelden haben, da diese Organisation für sie zuständig ist. Die Geschäftsstelle befindet sich für den Kreis Gießen, Gießen, Seltersweg 89, Telefon 3304. ÄZe dmannsbrtte an arte Mitbürger. Für jeden Naturfreund und Tierliebhaber dürfte die Belebung unserer heimischen Wälder und Felder mit dem herrlichen Fasan zur ungetrübten Freude gereichen. Leider hat die Kriegs- und Nachkriegszeit unsere Fasanenbestände nicht nur in erheblichem Maße vermindert, sondern stellenweise sogar gänzlich vernichtet. Die Sorge der weidgerechten Jäger; allmählich neue Bestände zu schaffen und sie zu vermehren, sind nicht ohne Erfolg geblieben. So gilt u. a. augenblicklich bei der vorgenannten Art Jäger Gießens und Umgegend das ungeschriebene Gesetz, die Hennen zu schonen und sich beim Abschuß der Hähne gewisse Beschränkung aufzuerlegen. Wenn trotzdem von einzelnen Jagdfreunden anders verfahren wird, so ist das ein Zeichen, daß das Gemeinschaftsgefühl noch nicht überall auf der richtigen Höhe steht. Jedenfalls muß eine solche Handlungsweise scharf verurteilt werden. In dem wohl mit am meisten von Spaziergängern Gießens besuchten Südgelände mit dem sich daran anschließenden Bergwerksgelände und -Wald hat sich der Fasanenbestand im letzten Jahre infolge weidgerechter Hege stark gehoben. Mancher Naturliebhaber hat schon des Oefteren seine Freude über das buntere Bild Ausdruck verliehen. Naturgemäß ist ein dauernder Erfolg nur dann gewährleistet, wenn auch seitens des Publikums die notwendige Rücksicht auf das Wild genommen und jede überflüssige Störung vermieden wird. Dazu ist erforderlich, daß die von Spaziergängern mit- geführten Hunde — entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen — auf nichtöffentlichen Verbindungswegen an der Leine geführt werden, die Gartenbesitzer und Anwohner ihren Katzen das verführerische Herumstrolchen im freien Gelände verwehren und die Jugend sich in dem zweifelsohne für Spiele teilweise idealen Gelände Beschränkung auferlegt. Kock, Oberst a. D. Werkmeister-Versammlung in Gießen. In der am Sonntag nachmittag im „Hause der Arbeit" abgehaltenen Werkmeisterversammlung der Ortsgruppe Gießen sprach der Vorsitzende des hiesigen Arbeitsamtes Dr. L i st über „Wirtschaftspolitik und Arbeitsbeschaffung im „Dritten Reich". Der Redner zeigte an zahlreichen Beispielen, daß die nicht unerheblichen Aufwendungen für die in den Arbeitsprozeß wieder eingegliederten Volksgenossen nicht vergeudet, sondern in jeder Hinsicht fruchtbringend angelegt gewesen sind. Mit besonderer Genugtuung wurde vernommen, daß sich die Zahl der Arbeitslosen schon soweit verringert habe, daß sie sich bereits dem Stande von 1929 zu nähern beginne. Dem gesteckten Ziele, alle Volksgenossen in absehbarer Zeit wieder in Arbeit und Brot zu bringen, werde mit zäher Energie zugestrebt. Lebhafter Beifall und herzlicher Dank des Vorsitzenden wurde dem Redner für seine vortrefflichen Ausführungen zuteil. In dem anschließenden geschäftlichen Teil der Versammlung sprach der Vorsitzende Bartholomäus seine Befriedigung über das erhebende Ergebnis der Volksabstimmung aus und forderte zu weiterer, strengster Pflichterfüllung innerhalb der Arbeitsfront auf, wozu nicht zuletzt der regelmäßige und pünktliche Besuch der Versammlungen der Arbeitsfront gehöre. Da infolge der zahlenmäßigen, wie auch räumlichen Ausdehnung der Ortsgruppe Gießen eine Zelleneinteilung erforderlich war, wurden vom Vorsitzenden Zellenobleute bestimmt. Nach Oer Weihnachts- und Neujahrsverkehr bei der Post. Die Deutsche Reichspost bittet, zur Vermeidung von Anhäufungen und Verzögerungen Weihnachtssendungen (Postpakete, Postgüter und Päckchen) möglichst frühzeitig einzuliefern, sie gut zu ver-, packen, die Aufschrift haltbar anzubringen und den Bestimmungsort besonders groß und kräftig niederzuschreiben. Auf den Sendungen muß die'vollständige Anschrift des Absenders angegeben werden. In Pakete und Postgüter muß ein Doppel der Aufschrift gelegt werden, auch für Päckchen empfiehlt stch.dies, Hohlräume sind mit Holzwolle usw. aus- zusüllen, damit die Sendungen bei der Beförderung in Säcken und beim Stapeln nicht eingedrückt werden. Päckchen müssen deutlich als „Briefpäckchen" oder „Päckchen" gekennzeichnet fein. Während des Weihnachtsverkehrs einschl. 23. Dezember nehmen die Postanstalten nach Möglichkeit auch außerhalb der regelmäßigen Schalterstunden Pakete und Postgüter ohne die besondere Ein- lieferungsgebühr von 20 Pf. an. Am Sonntag, 24. Dezember, wird der Post-, Telegraphen- und Fernsprechdienst bei den Postanstalten dem Ver- kehrsbedürfnis angepaßt und die Regelung des Schalter-, Briefkastenentleerungs- und Zustelldienstes besonders bekanntgegeben. Auch am Jahreswechsel wickelt sich der Postoer- kehr glatter ab, wenn die Neujahrsbriefsendungen frühzeitig eingeliefert und mit genauer Anschrift des Empfängers (Straße, Hausnummer, Gebäudeteil, Stockwerk, Postbezirk und Zustellanstalt) versehen werden. Durch die Angabe der Zustellpostanstalt auf den Briefsendungen nach Berlin und anderen Großstädten wird die Aushändigung wesentlich beschleunigt. Dringend empfohlen wird auch, die Freimarken für Neujahrsbriefsendungen nicht erst am 30. und 31. Dezember, sondern früher einzukaufen, damit im Schalterverkehr keine Stockungen eintreten. Oie Verkaufssonntage vor Weihnachten Auf Grund des § 105e der Gewerbeordnung und des Ausschreibens des Hessischen Staatsministeriums, Abteilung III (Arbeit und Wirtschaft) vom 31. Oktober 1933 ist folgendes angeordnet worden: 1. Am 10., 17. und 24. Dezember 1933 dürfen alle Verkaufsstellen offengehalten werden mit Ausnahme 2. der Verkaufsstellen folgender Branchen: Lebensmittel, Spirituosen, Schokolade, Drogen, Blumen, Papier- und Tabakwaren, für die die Offen» Haltung für 17., 24. und 31. Dezember 1933 gestattet wird. 3. Als Verkaufszeit wird die Zeit von 13 bis 18 Uhr festgesetzt. Gemäß Artikel 1 des Gesetzes über den Ladenschluß am 24. Dezember vom 13. Dezember 1929 dürfen Geschäfte am 24. Dezember nur bis 17 Uhr, Verkaufsstellen, die ausschließlich und überwiegend Lebensmittel, Genußmittel und Blumen verkaufen, bis 18 Uhr offengehalten werden. Verkauf von christlichen Symbolen. Die NS.-Hago-Kreisarntsleitung Gießen hat be- kunntgegeben, daß im Hinblick auf die Einstellung weiter Bevölkerungskreise zum bevorstehenden Weih- nachtsfest alle nichtchristlichen Geschäftsinhaber ersucht werden, bei Dekorationen oder Geschäftsreklame die Verwendung christlicher Symbole zu unterlassen. Dasselbe gilt für den Verkauf christlicher Kultgegenstände und Symbole durch nicht» christliche Geschäfte. Handwerker, Kaufleute, Gewerbetreibende und Arbeitsfront. Um Mißverständnissen oorzubeugen. macht die Kreis-Amtsleitung der NS.-Hago und der GHG. nochmals ausdrücklich darauf aufmerksam, daß Handwerker, Kaufleute und Gewerbetreibende, St. Nikolaus und sein Eset. Von Wilhelm Gcharrelmann. Zu der Zeit, als der gute St. Nikolaus noch alljährlich in den Tagen vor Weihnachten mit seinem Eselchen durch die Dörfer und Städte zog, war er einmal in einer dunklen Dezembernacht zu einem der verlassensten Dörfer im Teufelsmoor unterwegs. Wie er dabei über den Berg nach Worpswede' und auf die geplasterte Dorfstraße kommt, merkt er, wie das Tier, das ihn schon auf so mancher Fahrt begleitete, auf einem Fuße lahmt, und wie er nach- schaut, was es damit für eine Bewandtnis hat, sieht er, daß sich eins der silbernen Hufeisen gelockert hat, die es trägt. Wie er nun vor die Schmiede zieht, um den Schaden wieder gutmachen zu lassen, liegt der Schmied zu der späten Stunde schon längst im Schlaf, will auch wegen einer solchen Kleinigkeit, und einem unbekannten Laufkunden zuliebe, nicht wieder aus dem Bett, so daß der Alte unverrichteter Dinge weiter muß. Besorgt um das Tier, das unter seinen Säcken lahm und müde hinter ihm hertrottet, achtet der Alte wenig auf den Weg, und kaum, daß er eine Viertelstunde weit ins Moor hinausgewandert ist, verirrt er sich dort in der rabenschwarzen Nacht so sehr, daß er zuletzt weder vorwärts noch rückwärts weiß. Nun hat er wohl ein Laternchen bei sich gehabt, aber so hoch er es auch hebt, findet er sich doch in dem engen Lichtkreis nicht zurecht und kann hinterher noch von Glück sagen, daß er nicht unversehens in einen Moorgraber geraten ist, der so breit und finster vor ihm liegt, daß ihm nichts anderes übrig hleibt, als daran entlang zu wandern und zu sehen, wohin er kommt. Das wäre nun alles weiter nicht so schlimm gewesen, wenn nicht der Esel bei jedem Schritt in den weichen Moorgrund gesunken wäre und zuletzt fast nicht mehr weiter kann. Aber so einem Freudenbringer wie dem Alten muß auch das Abwegigste noch irgendwie zum Guten geraten, und er wundert sich darum gar nicht, als er bald darauf ein leeres Lorfschiff auf dem Wasser liegen sieht. Zufrieden steigt er darin ein, zieht das erschöpfte Tier nach sich und beginnt in der Freude, seinem Weggenossen eine Ruhepause zu gönnen, den Graben hmunter- zufahren. Nach einer traumstillen Fahrt, zuletzt über überschwemmtes Land hinweg, kommt er so an einen Moordamm und in ein Dorf, das so weltverlassen unter dem Schein der Sterne liegt, daß er meint, deren Bekanntgabe an die Mitglieder fand die Ver- sammlung mit einem dreifachen „Sieg-Heil" auf den Führer ihren Abschluß. Taten für Mittwoch, 6.Dezember. 1834: Adolf Freiherr von Lützow, Führer bei Freischar 1812/13, in Berlin gestorben (geboren 1782); — 1849: Generalfeldmarschall August von Mackensen in Hausleipnitz geboren; — 1864: der Schriftsteller Rudolf (Straf' in Heidelberg geboren (gestorben 1928); — 1892: Werner von Siemens, Erfinder der Dynamomaschine, gestorben. •■touriiuiucn — Tageskalen derfürMittwoch: Stabt» theater, 19.30 Uhr bis 22 Uhr „Der Strom". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Uwe Karsten". — Astoria-Lichtspiele Seltersweg: 20.30 Uhr „Winter in Oberbayerns Bergen". — Turmhaus am Brand, 16 bis 18.30 Uhr, Kunftaustellung. — Deutsche Frauenkultur, Eaf6 Amend, 10 bis 20 Uhr, Weihnachtsmesse, — VHC., 20.30 Uhr, Hotel Hopfeld, Lichtbilder-Vortrag über „Entwicklung der deutschen Schiffahrt" und „Orientreise". — 21 u s b e m Stadttheaterbüro wirb uns geschrieben: Heute 19,30 Uhr 9. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement und zu gewöhnlichen Preisen das Drama: „Der Strom" von Max Halbe. Spielleitung: Anton Neuhaus. Ende: 22 Uhr. — Donnerstag, 7. Dezember, Deutsche Bühne Reihe 1: Ungerade Mitgliedsnummern (1. Dezember-Vorstellung) das Volksstück: „Wenn der Hahn kräht" van August Hinrichs. Spielleitung: Anton Neuhaus. Spieldauer von 20 bis 22 Uhr. — Sepp Rackl-München, DSV.-Berufs- Skilehrer spricht am heutigen Mittwoch Abend in den Ästoria-Lichtspielen an Hand prächtiger Lichtbilder über „Winter in Oberbayerns Bergen". Allen Freunden des schönen Skisports und allen, die ihren Urlaub in den schönen Winterspartplätzen Oberbayern verleben wollen, sei der Vortrag empfohlen. Siehe gestrige Anzeige. — DHV., Ortsgruppe Gießen. Donnerstag, 7. Dezember, 20.15 Uhr, Pflichtmonatsversammlung im Cafe Leib. Es wird über das Thema „Nationalsozialistische Berufs- und Wirtschaftsgesinnung" gesprochen. Erscheinen ist Pflicht. * ** Die Sprech st unden des Kreisschul- a m t e s Gießen sind nunmehr wieder auf Mittwoch von 9 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr festgesetzt worden. ** Die Gewäh'rung von Sachleistungen an Hilfsbedürftige und die Zulassung zur Annahme der Bedarfsdeckungsscheine B betrifft eine Bekanntmachung im gestrigen Anzeigenteil. Es sei besonders darauf aufmerksam gemacht. ** Nachahmenswertes Beispiel. Vom städtischen Wohlfahrtsamt wird uns mitgeteilt: Der Hausbesitzerverein e. V. Gießen hat angesichts der herrschenden Not dem Wohlfahrtsamt den Betrag von 120 Mark gespendet, der an 40 bedürftige Kleinrentner-Familien in Form von Gutscheinen gleichmäßig zu verteilen ist. Die Gutscheine sollen zum Bezug von Fleisch- und Wurstwaren bei hiesigen Metzgermeistern berechtigen. Dem Spender sei für die hochherzige Gabe hierdurch herzlichst gedankt. ** Vorsicht beim Baumfällen. Vom Postamt Gießen wird uns mitgeteilt: In der Zeit des Baumfällens werden an den Straßen und in den Ortschaften die Reichs-Telegraphen- und Fernsprechleitungen durch umstürzende Bäume oder durch herabfallende Aeste häufig beschädigt, weil die Personen, denen das Baumfällen obliegt, in der Regel die zur Sicherung der Telegraphenanlagen gegen Beschädigungen erforderlichen Vorkehrungen überhaupt nicht oder in ungenügendem Maße treffen und es unterlassen, von den bevorstehenden Arbeiten der nächsten Postanstalt rechtzeitig Mitteilung zu machen. Da auch fahrlässige Beschädigung der Telegraphenanlagen im § 318 des Reichs-Strafgesetzbuches mit Strafe bedroht sind, wird den Baum- befitzern empfohlen, die nächste Postanstalt von der bevorstehenden Baumfällung so rechtzeitig zu be» Aber so weihnachtlich ihr über dem Anblick auch wird und soviel Glanz sich vor ihr auftut, daß ihr fast der Atem darüber vergeht, — es ist doch alles nicht das, was sie sich im stillen wünscht. Denn wenn sie es verlauten lassen darf, wäre ihr ein Kleidchen für ihr Kind und ein paar Schuhe, wenn es im kommenden Jahr nun laufen lernen wird, noch lieber als die schimmernde Herrlichkeit da vor ihren Augen. Aber so große Dinge kann sie nicht erwarten, nein, und sie hat es nur so hingesagt, und er solle nur um Gotteswillen nicht denken, daß sie so unbescheiden sei. Aber der Alte lächelt nur und knüpft dafür nun den anderen Sack auf, — ein richtiger Segeltuchsack ist es gewesen, der jedes Wetter hat vertragen können, und nimmt heraus, was sie sich wünscht: ein Kleidchen, rot gewürfelt und mit einer silbernen Litze am Halsausschnitt, und ein paar Erstlingsschuhe aus blankem Leder und mit goldenen Knöpfen, und legt ihr die Sachen hin, als müßte das so sein. „Ach, das träume ich ja bloß", sagt sie und weiß nicht, ob sie lachen ober meinen soll. Gibt es auch jemand, der bei dunkler Nacht stundenlang durchs Moor läuft, nur um den Leuten unter ihren Strohdächern etwas zu Weihnachten zu schenken? Und nun gar so schöne Dinge? Aber ansehen muß sie die Sachen wieder und wieder, und kann sich van dem Anblick so wenig trennen, daß sie sich erst abwendet, als der Kleine in der Wiege neben dem Herde zu meinen beginnt und sie ihn herausnehmen und an die Brust legen muß. Dann setzt sie sich auf den Binsenstuhl am Herde, und der Alte, der ihr zusieht, weiß nicht, ist es ein Glanz von innen her ober ist es nur ber Wiberschein bes Herdfeuers, der aus ihrem Gesichte erstrahlt? Aber mir er fo steht, kommt es rvie ein Erinnern über ihn, ein Erinnern an eine der Kammern feiner eroigen Heimat, in denen die Ereignisse ber Welt aufbewahrt werben, sowie die Himmlischen si-> sehen, und er kann nicht anders, er muß seinen Mantel, blau wie der nächtige Himmel über ber Hütte, ber jungen Frau über die Schultern legen und vor ihr das Knie beugen, die hier in Armut und Einsamkeit ihr Kind nährt. Dann tappt er leise, den Esel hinter sich, ins Freie hinaus, und die junge Mutter, eingefponnen in lauter Traum, hört kaum, daß die Tür geht. Draußen aber ist nun der Mond aufgekommen und legt einen breiten Streifen von Licht über bas überschwemmte Moor, als ginge eine Straße gerabemegs von der nachtdunklen Erde zu den Sternenwiesen des Himmels hinauf, auf der Siedlungen im Gau Hessen-Nassau. Ich habe in der kehlen Zeil fesislellen müssen, daß von den verschiedensten Stellen sogenannke „Sied- lungsgruppen" bzw. „Siedlungsunlernehmen" auf- gezogen wurden und noch werden. Diese Unter- nehmen sind, wenn sie auch zum Teil von Idealisten gegründet wurden, unstatthaft. Ich verbiete deshalb hiermit mit sofortiger Wirkung allen nicht ausdrücklich anerkannten Siedlungsträgern jede Propaganda und jede Tätigteit. Ich verbiete weiterhin, daß sich derartige Stellen und Privatpersonen direkt mit ber Reichsregierung oder sonstigen vorgesetzten Behörden selbständig in Verbindung sehen. Für olle Siedlungsfragen sind allein der Landesbouern- f ü h r e r oder die von ihm beauftragen Stellen zuständig. Ich werde rücksichtslos gegen jeden vorgehen, der meine Anordnung nicht beachtet. Der (Bauleiter: gez. Sprenger. Anordnung des Reichsstatthalters in Hessen. Beschwerden über Verwaltungsbehörden (Bürgermeistereien, Kreisämter, Provinzialdireklionen) sind grundsätzlich an das hessische Staatsmini- sl e r i u m , das allein zur Erledigung von Beschwerden zuständig ist, zu richten. Gez.: Sprenger. nachrichtigen, daß e. F. die Entsendung eines Beamten zur Sicherung der Leitungen veranlaßt werben kann. ** Aufhebung ber Durch schnittssätze der Werbungs'sätze freier Berufe. Wie bas Bdz.-Büro meldet, hat das Reichsfinanzministerium die Verordnung über die Festsetzung von Durchschnittssätzen für die Werbungskosten bei Angehörigen der freien Berufe und ähnlicher Erwerbs- zweige vom 30 Januar 1930 aufgehoben, und zwar ist diese Verordnung schon bei der Veranlagung ber Einkommensteuer für Steuerabschnitte, die im Ka- lenderjahr 1933 geendet haben, nicht mehr anzuwenden. Die Angehörigen freier Berufe haben also künftig höhere als die gesetzlichen Werbungskosten im Einzelfalle gesondert nachzuweisen. ** Die Frauengruppe Gießen des VDA. lädt zu einer Veranstaltung am 10. Dezember, 16 Uhr, im Katholischen Vereinshaus ein. Diese Veranstaltung, die in Wort, Gesang, Tanz und Tracht uns kleine Einblicke in volksdeutsches Leben gibt, bient einem zweifachen Zweck: sie soll dem Gedanken ber Verbunbenheit mit unseren Deutschen im Ausland lebendigen Ausdruck verleihen, helfen, ihn in immer weitere Kreise zu bringen, sie soll ferner durch den Ertrag bes Nachmittags auch unsere Auslanbsbeutschen in bas große Winterhilfswerk eingliebern, benn auch sie (eiben Not unb bar- ben. Opferbereit heben sich sämtliche Mitwirkende ber Aufführungen ehrenamtlich für bie gute Sache zur Verfügung gestellt unb keine Mühe gescheut, den Zuschauern ein paar frohe Stunden zu bereiten. — Der „Volksbund für das Deutschtum im Ausland", kurz „VDA." genannt, kämpft ben Kampf für Geltung unb Erhaltung des deutschen Volkstums für die auf Außenposten stehenden unb baher um fo härter bebrängten beutschen Volksgenossen außerhalb ber deutschen Reichsgrenzen in ben Gebieten, in denen sie staatlich einer anderen Regierung, einem anderen Land unterstellt sind. Das aber hindert nicht, daß sie sich ihres Volkstums bewußt bleiben, daß sie sich in Sprache unb Kultur ihrem großen deutschen Vaterland verbunden süh- len, daß sie dies Gut hegen unb pflegen, vor allem in Familie unb Schule. Wie hart sie ringen um ihr Volkstum, wie schwer es für sie ist, sich zu behaupten im Lebenskamvft lehrt uns ihre leidvolle der Alte, nun wieder auf gewohntem Wege, aufwärts zu steigen beginnt, feinen Esel, der immer noch ein wenig hinkt, am Zaume mit sich führend. Zeitschriften. — Die neueste Nummer der 5IIu ft ritten Zeitung (I. I. Weber, Leipzig) bringt u. a. einen ausführlichen Bericht über Sinn, Zweck und Wir- fungsbereit der Reichskulturkammer und führt uns jene Männer im Bilde vor, in deren Hände die Pflege der neuen deutschen Kultur gelegt ist. — Die Kunst dem Volke: dies ist auch bie Zielrichtung einer jetzt in Dresben gezeigten Ausstellung im Sächsischen Künstlerverein. Auch sie roenbet sich gegen Mobe, Rekvrbe und gesellschaftlichen Snobismus und ist bestrebt, dem Volke bas Seine zu geben. — lieber ben inbuftriellen Gasschutz, wie er in ber Hauptstelle für bas Grubenrettungswesen beim Verein für bergbauliche Interessen in Essen gelehrt wird, berichtet ein interessanter illustrierter Artikel, ber von ber hohen Bebeutung auch dieser Art Gasschutz überzeugt. — Das noch heute viel- umstrittene Kaspar-Hauser-Problem, bas vor hundert Jahren bie Gemüter bewegte unb ben Vorwurf mancher Dichtung bilbet, wirb in biefen Tagen roieber aktuell; am 17. Dezember jährt sich zum 100. Male ber Tobestag jenes rätselhaften Finb- lings, dessen Herkunft unb Tod, trotz aller Bemühungen, vielleicht niemals aufgeklärt werden, '"’n rin-'r •’inr-'n. knavv-m Bicmrcwhie schildert Dr. Valerian Tornius den kurzen tragischen Lebenslauf Kaspar Hausers. £od)fcbutna*rid>fcn Der ordentliche Professor für praktische Theologie an ber Universität Königsberg, D. Alfred Uckeley, ist in gleicher Eigenschaft an die theologische Fakultät der Universität Marburg versetzt worden. Professor Dr. Gottfried Raestrup von der Universität Frankfurt a. M. hat ben an ihn ergangenen Ruf auf bas Drbinariat ber gerichtlichen Medizin an ber Universität Leipzig als Nachfolger von Professor R. Kockel zum 1 April 1934 angenommen. Die Lehrbefugnis an der Frankfurter Universität ist entzogen worden dem nichtbeamteten außerordentlichen Professor für bürgerliches Recht unb Handelsrecht einschließlich Privat-Versicherungs- recht, Rechtsanwalt Dr. August Saenger, dem Privatdozenten für normale unb pathologische Physiologie, Dr. ©erbarb Schmidt, unb dem Honorarprofessor für Geld- und Kreditwesen, Dr. jur. et phil. Albert Hahn. Geschichte — sie lebenskräftig und widerstandsfähig äu erhalten, ihnen das sichere Gefühl ihrer Zugehörigkeit zu ihren Brüdern und «Schwestern tm Reich zu geben, sie daher auch in dos große Winterhilfswerk einzuschließen, ist Pflicht des deutschen Mutterlandes. In der Erkenntnis des ungeheuren Wertes dieser gewaltigen deutschen Front da draußen für unser Gesamtvolk, fördert und stützt der Führer den VDA., wünscht er, daß die Kenntnis seiner großen und mannigfachen Aufgaben weiter und tiefer Wurzel schlage im deutschen Volke. 3m Dienste dieser Aufgabe steht auch der Nachmittag der Frauengruppe. Mögen dem Nus viele folgen! Näheres ist aus der morgigen Anzeige ersichtlich. •* Zuschneidevorführung. Am morgigen Donnerstag, am Freitag und am Samstag fin- den täglich zweimal die Vorführungen eines neuen, palentamtlich und gesetzlich geschützten Zuschneiüe- verfahrens statt, das — wie man uns mitteilt — auf dem Gebiete der Hausschneiderei eine Umwälzung darstellen dürfte. Auf die heutige Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht. AS-Lehrerbund des Kreises Gießen. Unter außerordentlich starker Beteiligung hielt der NS.-Lehrerbund des Kreises Gießen am Sams« taaobend und nachmittag im Restaurant .Liebigs- höhe" seine Dezember-Pslichwersammlung ab. Das Orchester des Bundes, das inzwischen auf eine stattliche Besetzung und bereits zu einem recht harmonischen Klangkörver angewachsen ist, leitete mit einem Marsch die Versammlung ein und trug, wie auch der Chor des Bundes, sehr zur Verschönerung bet. Rektor N e b e l i n g begrüßte die Kollegen und gab in der Folge eine Reihe geschäftlicher Mitteilungen bekannt, denen die Versammlung insbesondere gewidmet war. Die Versammlung sei einberufen worden auf die besondere Veranlassung des Gauobmanns, Ministerialrat Ringshausen. Die Lehrerschaft von Hessen und Hessen-Nassau sei nunmehr zu einer hessischen Erziehergemeinschaft vereinigt worden und stehe unter der Leitung von Ministerialrat Ringshausen. Die ganie zukünftige Arbeit des J15CB. stehe im Zeichen der Reichsreform, und da dürfe niemand untätig sein. Für den Untätigen sei kein Raum in der Volksgemeinschaft. Außerdem müsse jeder zum Opfer bereit fein. Es gelle auch nicht, immer nur an die Rechte des Einzelnen zu denken, sondern an die Pflichten der Gemeinschaft gegenüber. Die Erzieher müßten im Hinblick auf die Pflichterfüllung vor- bildlich sein. Eine wahre Gemeinschaft bleibe nur durch Bereitschaft, Opfersinn und Dienst aufrechterhalten. Ein Staat, in dem jeder nur egoistische Ziele verfolge, könne nicht bestehen. Zeder solle dankbar sein dafür, daß er Mitarbeiten und Opfer bringen dürfe für den Neubau Deutschlands. Das, was bisher in der kurzen Zeit von 8 Monaten geleistet worden sei, müsse als erstaunlich bezeichnet werden. Man wolle in Zukunft nicht klagen, sondern tragen. Man dürfe aber auch nicht müßig sein im Kampf gegen die Not. Zum Bau des neuen Reiches feien zwar die Lehrer reichlich spät angetreten, bei einem Bau könnten aber auch nicht alle Handwerker zu gleicher Zeit beginnen. Arbeit aber fei für jeden genug vorhanden. Zn seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich Rektor N e b e l i n g mit rein geschäftlichen Erörterungen. Was die Jung- lehrer anbetreffe, so solle diese Frage rasch beseitigt werden Schon sei es gelungen, dafür zu sorgen, daß es bald keinen Junglehrer mehr gebe, der ohne Beschäftigung sei. Er wies aber besonders auf den Beitrag zum Haus der Deutschen Erzie- her hin. das in Bayreuth erstellt werden und ein Zeugnis deutschen Kulturwillens fein solle. Don hier aus soll der deutschen Erzieherschaft immer neue Kraft zuströmen. Es sollen Kurse abgehalten werden, deren Arbeit dem ganzen Dolke dienstbar sei. Schließlich beschäftigte sich der Redner mit dem Verhältnis des NSLD. zum Phllologenoerein und erhob die Forderung, daß sich der Philologenoerband endgültig der nationalsozialistifchcn Erzieher- schäft eingliedere. Es dürfe in Zukunft keine andere Eczn^ergemeinschaft mehr bestehen, denn der 3m 715CB. könne jeder in den entsprechenden Fachschaften arbeiten und seine Arbeit pflegen. Jeder Hobe darin Gelegenheit, sich vollwertig und ganz zu entfalten. Dom l.Zanuor ab trete für den NSLB. eine Mit- gliederscherre in Kraft, und nachher würden nur noch jene aufgenommen, die neu zum Berufe kommen. Die Arbeit in den einzelnen Arbeitsgemeinschaften werde nun ausgenommen. Zeder Lehrer müsse in einer der Fachgruppen mitarbeiten. Möglichkeiten seien in den Pflicht- und Wahlfächern genug gegeben (der Redner erläuterte den Ausbau der Arbeitsgemeinschaften). Zn den Arbeitsgemeinschaften sollten aber nicht endlose Aussprachen geführt werden, sondern zielbewußt aufbauende Arbeit, über die auch Rechenschaft abgelegt werden solle. Die Arbeit in diesen einzelnen Arbeitsgemein, schäften mühte auf die nationalsozialistische Weltanschauung gegründet sein. Nach einer Pause ergriff der stellvertretende Kreisobmann Dr. Leonhardt das Wort und beschäftigte sich kurz mit der Sachlage zwischen NSLB. und Philologenoerband, und zwar in Berücksichtigung der jüngsten Situation. Eine Doppel- Mitgliedschaft sei, so führte er u. a. aus, nach dem 1. Januar nicht mehr möglich. Es gelte, an einem Ziel zu arbeiten, Einzelinteressen zurückzustellen und für die Jugend das Beste zu schaffen. Der NSLB. sehe mit Vertrauen in die Zukunft, denn der Nationalsozialismus werde auch im Erzieher- stand langsam aber sicher seine Wege gehen. Nachdem das Orchester mit einer symphonischen Darbietung in sehr guter Wiedergabe erfreut hatte, beschloß Rektor Nebeling mit einigen weiteren geschäftlichen Mitteilungen die anregende Versammlung. In einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler und mit dem aemeinfamen Gesang des ersten Verses des Horft-Wefsel-Liedes klang die Tagung aus. Tagung des AS.-Amlebundes Oberheffen Nord Am Sonntag fand eine Tagung der N S. • Aerztefchaft von Oberhessen ■ Nord im Hotel Viktoria zu Gießen statt. Der Obmann des NS.-Aerztebundes Pg. Dr. Kranz (Gießen), eröffnete die Sitzung und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Tagung ein derartiges Interesse gefunden habe, wie es der überfüllte Saal beweise. Den ersten 23ertrag hielt der hessische Familienforscher pg. Pfarrer Knodt, Bad-Aaubeim, über das Thema „Familienforschung". Der Dortragende behandelte vor allem folgende Fragen: 1. Die große volkserzieherische Bedeutung der Familienforschung als der Grundlage aller Rassen» sorschung. 2. Praktische Wege und Winke zur Familien- forschung. 3. Förderung einer planmäßigen Familienfor- schung als Grundlage einer neuen deutschen Eugenik. Aus den angeführten Aussprüchen großer deutscher Männer ging hervor, daß wir uns in der Familienforschung selbst erkennen und in der Geschichte unserer Ahnen die Geschichte unseres Volkes, daß wir nicht Einzelwesen sind, sondern Glieder einer Kette, Blätter auf einem Baum und Träger einer Erbmasse. FamiNenslerdcn ist Dolkssterben. Familien- entartnng ist Dolksentartung. Familienaufstieg ist Volksaufstieg. An einem Stammbaum sehen wir, wie aus einem Baar ein Dolk werden kann. An der Ahnentafel erkennen wir die blutsmäßige Verwandtschaft aller Volksgenossen. Es ist als eine Großtat unseres Führers zu bezeichnen, daß er uns alle durch das Gesetz über die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums gezwunaen hat, uns wieder mit unseren Vorfahren zu beschäftigen. Die Hauptguelle der Fa- milienforschung sind die K i r ch e n b ü ch e r , die als ein Ehrendenkmal der Kirche bezeichnet werden müssen. Um sie zu schützen und die Fami- liensorschung jedem Deutschen zu erleichtern und zu verbilligen, hat der Vortragende sowohl dem Reichs- discbof, als auch dem Sachverständigen für Rasten- künde im Reichsmiinsterium. Dr. Gercke, einen diesbezüglichen Vorschlag unterbreitet. Die Familienforschung ist in der Lage, jeden Standesdünkel und klafsengeist ,n beseitigen, da fle beweist, daß In jeder Ahnentafel alle Stände von den höchsten bis zu den einfachsten vertreten find. Die Ahnenprobe, die heute das Reich von jedem Beamten verlangt, ist nichts neues, lonöern etwas uraltes. Ferner wurde auf die verschiedensten Quellen und Hilfsmittel der Familienforschung hingewie- fen. (Das deutsche Geschlechterbuch mit seinen 70 Bänden, von denen der Dorttagende die Hessen- Bande bearbeitet, und die deutsche Ahnengemein, schäft, die sich jetzt in Berlin befindet.s Zweck aller Familienforschung im Dritten Reich ist nicht ein persönliches, ionbern ein völkisches Dollen, nämlich die Grundlage zu schaffen zu einer das ganze Dolk umfassenden E r b g c f u n b : c t s - pflege. Aerzte, Geistliche und Lehrer find berufen, hier zusammenzuwirken. Den zweiten Vortrag hielt der neue Direktor der hiesigen Universitäts-Neroenklinik, Pg. profeffor ör. Hoffmann, (3imn, über die „Erbprognose in der Pfychia- t r i e". Der fortschreitende Verlust wertvoller Erbmassen durch die dauernde Abnahme der Geburtenzahl sowie die zunehmende Ausbreitung von Erbübeln und Erbkrankheiten in unserem deutschen Dolke muß notgedrungen eine Entartung der kommenden Generation zur Folge haben. Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Tlach- wuchses, das am 1. Januar 1934 in Kraft treten soll, ist eine der Maßnahmen unserer nationalsozialistischen Regierung, welche zn- künstige Geschlechter vor der drohenden Gefahr eines rassischen Unterganges bewahren soll. Schon seit Jahren ist der medizinischen Dererdungs- forschung bekannt, welche Krankheiten erblich sind und nach welchen Gesetzen sie sich durch Generationen hindurch übertragen. Kranke und minderwertige Erbmassen spielen vor ollem auch bei Geistesstörungen, Geistesschwäche und bei der charakterlichen Entartung eine hervorragende Rolle Bei den vom Ge- setz erfaßten psych.schen Krankheiten uyd Adnormi- täten lehrt uns die Betrachtung der Familien, daß in ihnen die erbliche Belastung mit psychischen Störungen ein oft grauenvolles Unwesen treibt. Den Kranken selbst bedeutet ihr Kranksein Elend und Qualen, den gesunden Angehörigen seelische Not und wirtschaftliche Lest: Kasten und Fürsorgeeinrichtungen müssen Unsummen von Geldern opfern, die von tüchtigen, arbeitsfähigen Menschen aufgebracht werden. Chronische unheilbare Krankheiten, w e sie unter den Geistesstörungen so häufig sind, zehren an der gesamten Wirtschaft, die produktiven Zielen die- nen soll. Die Erbkrankheiten zu verhüten, die kranken Erbmassen auszumerzen, das ist der Sinn des Gesetzes. So bestimmt das Gesetz, daß die Kranken, die an bestimmten erblichen psych chen St rungen und Anomalien leiden, unfruchtbar zu machen sind, falls nach ärztlicher Erfahrung mit großer Wahrscheinlichkeit ein erbkranker Nachwuchs zu erwarten ist. Die Forschungen des letzten Jahrzehnts führen uns mit erschreckender Klarheit vor Augen, wie hach in den einzelnen Fällen die Erkrankungswahrscheinlich- keit der Nachkommen einzuschätzen ist, so daß bis 50 o H In einer Geschwisterschast von der Erbkrank- heit befallen sein können. Dies aibt uns die Wei- sung, n-d) der im Sinne des Gesetzes verfahren werden soll im Intereste des Volksganzcn zum Wohle der kommenden Geschlechter. Linficht in den Ernst der Lage und veranlwor- tungsbewußtsein für die Gemeinschaft sollen diesem gewaltigen Werk zum Siege verhelfen. Im letzten Teil der Tagung fand eine Mitgliederversammlung statt, in der von dem Be- zirksodmInn über die Richtlinien referiert wurde, nad) denen die rastenhygienische Arbeit des NS • Aerztebundes fortgesetzt wird Ein „Sieg-Heil'" auf den Führer schloß die eindrucksvolle und an Anregung reiche Tagung. Gemeindeabend der Mtthänsgemeinde. In der Fülle der winterlichen Veranstaltungen nehmen die Gemeindeabende unserer Kirchengemeinden einen besonderen Platz ein. Sie zeigen die Kirche auf neuen Wegen, Wurzel zu fasten im Volk und zu werben für den Kirchenaedanken. Daß die Gemeindeabende der Matthäusaemeinde eine starke Anziehungskraft ausüben, hat auch der Gemeindeabend am oonntag im Caf6 Leib bewiesen. Er zeichnete sich aus durch Geschlossenheit und Reinheit und entartete nicht, was leicht die Gefahr ist, in ein Allerlei von Anregung und Unterhaltung. Eröffnet wurde der Abend durch zwei Choräle der Choraloereinigung der Stadtkirche unter Leitung des Organisten der Stadtkirchc, Herrn Heinz Simon. Es ist erfreulich, zu sehen, wie der Chorleiter in zäher und bewußter Arbeit im Laufe von zwei Jahren einen Chor schuf, der sich hören lasten kann. Der dreistimmige Frauenchor: „Nun laßt uns Gott dem Herrn dankfagen und ihn ehren" sprach besonders an. Die Sängerin des Abends, Fräulein von der Heydt, sang Lieder von Bach, Ed. Rößler, A. Winterberger, Reger. Sie hat einen sympathischen Sopran und gewinnt sofort die Hörer durch ihren beseelten und schlichten Vortrag. Kraft- voll kam das Lied Nößlers heraus: .Emmanuel! Der Herr ist hier"-, vortrefflich aetang ihr das Lied der Maria an der Krippe, von A. Winterberger oertönt. Fräulein B. Möller begleitete am Klavier. Zum erstenmal hörten wir das Trio der Herren Studienrat Dr. Hillenbrandt (Cello), stuck. K. Rabenau (Violine), Studienreferendar P. Zoll iKtavier). Die Herren spielten Schuberts herrliches Klaoiertrio Es-Dur vom Jahre 1826, jenem glücksreichen Jahr der Schubertschen Muse, dem wir eine Reihe der vollendetsten Gaben verdanken: Streichquartette und zwei Messen, die große C-Dur-Sqm- phonie, die Liederzyklen „Winterreise" und „Schwa- nengefang". Mit JRedjt stellte man neben Schuberts Klaoiertrio das herrliche Klaoiertrio C-Moll von L. v. Beethoven. Die Herren spielten mit Hingabe. Virtuos geradezu spielte Herr P. Z o l l den Klavierpart: Cello und Violine erfreuten durch Weichheit des Tones und Wohlklang der Musik. Die Gemeinde begrüßte Pfarrer Mahr als Ge- meinbepfarrer. Er wies auf die Kirche und ihre Bedeutung im Leben hin: wie sie uns durch ihr Dafein und ihren Ruf mitten hieinstellt in ein heiliges Geichehen, das unserem Leben erst Sinn und Ordnung gibt, wie sie Gemeinschaft begründet im ©lau- ben, und wie rechtes Gemeindeleben gleichen muß dem Adventskranz in den Häusern, gestochten aus vielen einzelnen Tannenzweigen und doch verbunden zu einer starken Einheit, tragend die L chter des Advents, die Hinweisen auf das Heil der Welt. Daß jeder von uns ein Hinweis auf Christus, Botschafter (Hjrifti werden müsse, führte Stubentenpfarrer Tucker nachher in seiner packenden, gewlstrnan- fastenden Aussprache aus. Er sprach von dem Widerstand heute gegen Christentum und Kirche, von jener Richtung tn unserem Dolk, die das Christen- tum für den größten Verderb unseres Volkstums hält und dem nordischen Glauben das Wort redet. Demgegenüber wies der Redner darauf hin, wie das Christentum geradezu die stärkste «rast unserer Vorfahren war, deutlich im Heiland, in den großen Gottvertrauensliedern aus dem 30jährigen Krieg. Wunderbar richtete der christliche Glaube die deutschen Menschen auf: in Luther und In Bismarck schließen Deutschtum und Christentum einen unzertrennlichen Bund. Die große Parole „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" kann nur gelernt werden, wo Menschen sich beugen vor Christus, dem Mann des Gemeinnutzes, und mit ihm verwachsen. Christus bedeutet nicht nur Erinnerung, sondern Gegenwart; er bedeutet die Revolution unseres gesamten Ledens. Den Schluß des Abends machte das Advents- spiel von Franz Herwig, vom Bühnen- volksbund herausgegeben, in drei Bildern Welt und Menschen schildernd, die In der Not des Lebens sehnsüchtig sich verzehren nach dem Licht, ihre Seele verlieren an die Welt, und nur wenige sind es, die die Stimme Johannes des Täufers hören, die zur Buße und zum Himmelreich führt. Das Stück stellt große Anforderunaen an eine Spielschar. Die altbewährte Spielichar der Gemeinde wußte der Schwierigkeiten Herr zu werden Johannes den Täufer spielte stuck. K. Müller, Frau West Fräulein Dora Kern: auch die übrigen Rollen tagen ijt guten Händen. Ueberreich war das Programm des schönen Abends. Solche Gemeindeabende sind ein wertvolles Mittel, kirchliche Gemeinschaft zu festigen und den Gemeindegedanken hinienzutragen in die große Öffentlichkeit. Der Obstbau im Kreise Gießen. Eine bemerkenswerte Versammlung des Obst» und Gartenbauvereins Gießen. Zur Gleichschaltung des Obst- und Gartenbauvereins Gießen fand am Sonntag im Hotel Hopseld eine außerordentliche Hauptversammlung statt, in der sämtliche Mitglieder des Vorstandes ihre Sein- ter niederlegten. Um eine ungestörte Weiterarbeit zu ermöglichen, war auf schriftlichem Wege durch den Kreisbauernführer, Gutspächter Dorrs ch u ck von Hofgut Friedelhausen, der seitherige 1. Bor- sitzende, Garteninspektor Rehnelt (Gießen) zum vorläufigen kommissarischen Führer ernannt worden. Von den übrigen Vorstandsmitgliedern haben die Herren Löwer, Ampt, Hahn und Simon ihre Aemter bis zur endgültigen Regelung durch die zuständige Bauernkammer behalten. Daher tonnten die vorgesehene Erstattung des Jahresberichtes und die Kassenablage bis nach dem Beginn des neuen Jahres verschoben werden. Die Mitteilungen über die Ergebnisse der letzten Obstbaumzählung in Hessen, wie im Reich lauten wie folgt: Stadt und Gemarkung Gießen haben 24 000, darunter 2000 noch nicht tragende, Obftbäume und über 300 Pfirsiche. An zweiter Stelle im Kreise Gießen folgt Dich mit rund 12 000 Bäumen. Der volksstaat Hessen besitzt insgesamt 5 Millionen Obffbäume. Das entspricht einer Zunahme von fast einer halben Million Bäume seit der letzten Zählung von 1913. Im ganzen Reich sind an Aepfeln 69,5, Dirnen 26, Pflaumen, Zwetschen, Reineklauden und Mirabel- len 36, Kirschen 9 Millionen Bäume vorhanden. Der Anbau von Steinobst, namentlich der Aprikosen, ist allgemein stark zurückgegangen. Die Abnahme der Süßkirschen dürfte auf Verheerungen während des strengen Winters 1928/29 zurückzufichren (ein. Das sollte eine Mahnung an die Gemeinden bedeuten, billiges Land, das für die Süßkirsche geeignet ist, damit zu bepflanzen. Der Obstverbrauch in Deutschland ist, unabhängig von wirtschaftlichen Verhältnissen, fortgesetzt im Steigen begriffen. Eine Zunahme von Pfirsich ist gegenwärtig auch in solchen Landesteilen zu bemerken, in denen sesther diese Obstart kaum gezogen wurde. Der anschließende Vortrag über Obstsorten, zu dem über 30 verschiedene Aepsel und einige Winter- birnen ausgestellt waren, ließ durch die lebhafte Aussprache erkennen, daß man dem Thema alle Aufmerksamkeit entgegenbrachte. Zur Besprechung kamen die drei bekannten Reichsobstsorten „Schöner von Boskop", »Zakob fieber und „Ontario" unter Angabe ihrer bekannten Fehler und Vorzüge, die zum allgemeinen Anbau weiter empfohlenen ilepfel und Birnen für Oberheffen, außerdem die sogenannten Liebhabersorten für den geschlossenen Garten. Zufammensafiend kann berichtet werden, daß es gegenwärtig unter den immer noch nach Hunderten zählenden Kernobstforlen nicht eine gibt, welche überall mit gleichbefriedigendem Erfolg angebaut werden kann. Das wird wegen der verschiedenen klimattschen und Bodenoerhältnisie wahrscheinlich immer so bleiben. Außerdem gibt es bestimmte, früher allgemein als vorzüglich anerkannte Obstbaumsorten, die im Laufe der letzten Jahre für allerlei Krankheiten anfällig Seworden sind und darum auf die „S ch w a r z e i st e" zu setzen sind. Don Aepfeln gehören hier- her: Große Kasseler Renette, Kanada-Renett--, Kaiser Alexander, Harberts Renette, Muskat-Renette; von Birnen: Amanlis Butterbirne, Gute Luise, Diels - Hofrats, Napoleons - Butterbirne, Pastorenbirne und in vielen Lagen auch Williams Christbirne. Alle diese Sorten faulen stark am Baum und werden auch dann schorfia, wenn rechtzeitig und genügend gespritzt wird, so daß sie entweder umgepfropft, ober durch Neupflanzung anderer ersetzt werden müssen. Schädlingsbekämpfung allein genügt nicht, um gutes pbst aus den eignen lisch und den Markt zu bringen. Ebenso wichtig, in vielen Fällen ausschlaggebend, sind die Anwendung von Volldünger, reichliche Wassergaben bei trockenem Untergrund (bereits frühzeitig) und Lockerhalten des Bodens. Ein Fehler ist es auch, wenn Immer nur frühzeitig tragende Obstsorten zur Anpflanzung kommen, denn diese verlangen nicht nur mehr Nahrung als allgemein geboten werden kann, sondern sie sind auch früh abgetragen und werden bann mehr als andere von Krankheiten heimgesucht. Nachdem der Bauer auf seinem Erbhofe damit rechnen kann, daß die Früchte des von ihm gesetzten Baumes auch noch den Enkeln und Urenkeln zukommrn können, sollten wieder die alten Sorten mehr Beachtung finden. Große Strafkammer Gießen. Ein Einwohner aus Homberg war vom Gießener Schöffengericht wegen Vergehens gegen die Deoisen- oerorbnung zu einer Geldstrafe von 80 Mark verurteilt worben. Die von der Staatsanwaltschaft zum Zwecke der Erhöhung der Strafe eingelegte Berufung war insofern erfolgreich, als das zweitinstanzliche Gericht die Strafe auf 300 Mark erhöht. Im Jahre 1930 unterhielt der Angeklagte bei einer Baseler Bank ein Konto von etwa 5000 Mark in Schweizer Franken umgewanbelt, ohne den Betrag der Reichsbank anzubieten. 1932 kaufte er bann von einem Teil dieses Geldes IG.- Färben-Aktien und für den anderen Teil Gold- Pfünbbriefe von Frankfurt. Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens. Der Viehhändler Sally Sonneberg aus Langsdorf schädigte eine Kaste in Höhe eines Betrages von 18000 Mark Durch das Geständnis des Angeklagten wurde festgestellt, daß er 66 Wech- sei gefälscht und an die Kasse rociteracqeben hatte, daß er weiterhin eine Kreditbürgschaft fälschte und sie mit falscher Unterschrift versah. Der Angeklagte trieb diese einzelnen Straftaten längere Zeit. Entsprechend dem Anttag des Staatsanwalts erkannte das Gericht auf zwei Jahre Gefängnis. Außerdem trägt der Angeklagte die Kosten des Verfahrens. Unter Ausschluß der veffenttichkeit hatte sich das Gericht mit dem zur Zeit in Strafhaft sitzenden Hugo Filan zu befassen, dem die Anklage Betrug, fahrlässige Körperverletzung und ein Verbrechen im Sinne des § 176 Z. 3 zur Last legte. Der Angeklagte, der schon vorbestraft ist, gab sich u. a. bet einer Frau als Arzt aus und machte — die Frau hatte ein Beinleiden — gänzlich unfachmännische Eingriffe, so daß sich der Zustand der Frau wesentlich verschlechterte. Das Urteil lautete auf ein Jahr zwei Monate Gefängnis, nachdem der Vcrrreter der Anklage ein Jahr vier Monate beantragt hatte. Der Kaufmann Hans Koppmaier und das Hausmädchen Ottilie Eller in Gießen wurden feiner Zeit durch das Gießener Schöffengericht wegen fortgesetzten Verbrechens der Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug Koppmaier zu drei Monaten, die Eller, seine Braut, zu einem Monat Gefängnis verurteilt Beide Angeklagten verfolgten dagegen Berufung. Die Eller nahm gestern ihr Rechtsmittel zurück. In der geftrigen Hauptverhandlung ergab sich folgendes: Koppmaier war Provisionsreisender bei einem 6tutt- aarter Zeitschrlsten-Derlag. Der Angeklagte gab Bestellscheine auf, die er mit in Arbeit stehenden volljährigen „Beziehern" unterzeichnete. In Wirk- lichkett handelte es sich aber um minderjährige Personen, die eine solche rechtsgeschäftliche Verpflichtung nie eingehen konnten. Auf diese Weise versuchte der Angeklagte, sich in den Besitz der vereinbarten Provision zu setzen. Dabei war ihm f-’ne Braut behilflich Das Gericht wies sowohl die Be- rufuno des Angeklagten, als auch die der Staats» anwaltschaft zurück und bürdete bezüglich der des Angeklagten ihm d'e Kosten au'. Im anderen Falle ttö-tt die Staatskasse die Kosten. Schließlich stand noch eine Beruftmgsfache des rar Zeit in Butzbach sitzenden Hausierers Friedrich Kuhn zur Verhandlung, der anläßlich ein»* Schreib-ns an das Gericht in der übelsten Weise zwei Beamte von Butzbach befeibiate und besiegen vom hiesigen Schöffengericht zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Entsprechend dem Anttag des Bertreters der Anklag* wurde die Berufung zurückgewiesen.