Nr. 260 Erster Blatt 183. Jahrgang Montag, 6. November 1933 Erschein» t ägltd), nutz« Sonntags und Feiertags Beilagen; Die Illustriert« Gießener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholl« Monatr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen U UL 1.95 Ohne Illustriert« . 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (Bemalt 5ernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach» richten- Anzeiger Gießen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Universtlüls-Vuch- und Zleindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20u/rt mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den An. zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in Bietzen. Richt Staatsverwaltung sondern Votköführung. Oer Reichskanzler spricht in Ostpreußen über das Ziel der politischen Erziehung im nationalsozialistischen Staat. Elbing, 5. Nov. (TU.) Die ostpreußische Industriestadt Elbing erscheint wie verwandelt. Die Straßen sind schwarz von Menschen. Hunderttausende sind aus ganz Ostpreußen und aus Danzig herbeigeeilt, um den Führer zu schen und sprechen zu hören. In eine ungeheure Maschinenhalle, deren Fassungsvermögen kaum zu berechnen ist, zumal ihr die Stirnwand fehlt und sogar noch Zehntausende auf dem Fabrikgelände über Lautsprecher den Kanzler hören können, strömen die Scharen. Biele Tausende hatten sich eigene Sitzgelegenheiten mitgebracht. Aber nicht nur in der Halle und auf dem weiten Fabrikgelände — überall auf Plätzen und Straßen und vor allem in allen Sälen konnte man durch Lautsprecher die Rede Adolf Hitlers hören. Mit Elbing hört ganz Ostpreußen zu, der Rundfunk verbreitet die Rede, und nicht weniger als 1300 Großlautsprecher übermitteln sie in der ganzen Provinz. Bon der Halle bis hinaus zum Flugplatz zieht sich ein fast lückenloses Spalier von SA., Stahlhelm, Hitlerjugend, Jungvolk und Arbeitsdienst. Durch die Straßen ziehen SA.-Formationen mit Fahnen, überall mit herzlicher Begeisterung begrüßt. In der Halle spielen Musikkapellen und verkürzen die Wartezeit. Um 14 Uhr erfolgt der feierliche Einmarsch der Fahnen durch das Spalier der SS., das sich durch den Mittelgang der riesigen Halle bis nach draußen zieht. Der Führer ist auf dem Flugplatz gelandet und begibt sich im Auto zur Halle. Unterwegs umbraust ihn nicht endenwollender begeisterter Jubel. Durch die riesige Halle geht ein Ruck, die Massen erheben sich und recken dem Führer die Hand entgegen. Ein jubelndes Heil durchbraust die Halle. Langsam schreitet er durch das SS.-Spalier, an dessen Ende ein kleiner Junge und drei Mädchen mit Rosensträußen ihn erwarten. Jedes Kind nimmt Hitler freundlich bei der Hand und dankt ihm. Dann empfängt ihn der Wehrkreiskommandant Generalmajor von B r auch i t s ch. Der Führer betritt die Rednertribüne, grüßt die Fahnen und wird wieder und wieder von endlosem Jubel begrüßt. Oberpräsident Koch spricht kurze Einführungsworte. Dann nimmt der Kanzler selbst das Wort. Oer Führer spricht. Er leitet seine Rede ein, indem er sich zu den zwei Grundsätzen, die im Vordergrund unseres Kampfes um die Abrüstung der andern Nationen stehen, erneut feierlich bekannte: „1. Das deutsche Volk hat ein Recht, auf Erfüllung der Verträge zu bestehen und damit seine Gleichberechtigung zu fordern. 2. Das deutsche Volk hat keinen anderen Wunsch, als in Frieden und Freundschaft mit den anderen Völkern zu leben!" Da die Welt weder das eine noch das andere anerkenne, aber keine Berechtigung habe, die Gesinnung und das Wollen des heutigen Deutschland irgendwie anzuzweifeln, sei es notwendig, das ganze deutsche Volk aufzurufen, daß es nun in seiner Gesamtheit Zeugnis dafür ablege. Der Er sprach sodann eingehend über die wirt- chen und politischen Folgen des Versailler ges, der das deutsche Volk in Lethargie und Verzweiflung gestürzt, aber auch die Siegermächte in seinen verheerenden Auswirkungen nicht verschont habe. Deutschland bekämpfe diesen Geist des Versailler Vertrages, „nicht etwa, weil wir Unfrieden wollen, nein weil wir überzeugt sind, daß dieser Vertrag der Feind jedes wahren Friedens, jeder Verständigung, jeder Versöhnung, ja überhaupt jeder menschlichen Vernunft ist." (Lebhafter anhaltender Beifall.) Die Voraussetzung zur Behebung der deutschen Rot sei die Wiederherstellung des Zusammengehörigkeitsempfinden. Um die Menschen allmählich wieder einander näher zu bringen, sei es notwendig, sie in den großen Schmelztiegel Nation hineinzuwerfen, um sie zu läutern und aneinanderzuschmieden. Die Parteien sind gewesen und kehren niemals mehr zurück. Das deutsche Volk wird eine neue Organisation der politischen Willensbildung bekommen und diese Organisation wird ausgebaut sein auf dem Gedanken der Autorität, der Führung von unten bis oben und diese Organisation wird die Zusammenfassung der deutschen Kraft garantieren. Wir werden sehen, welche gewaltige Kraft darin liegt, daß «ich die Hande, die sich gegenseitig abstießen, nun in-einanber-gefügt habe. Wenn der Gegner erklärt: Ich gehe doch nicht zu euch und ihr werdet mich auch nicht bekommen, „so sage ich ganz ruhig: Dein Kind gehört uns bereits heule! (Lebhafter Beifall.) Lin Volk lebt ewig. Was bist du? Du vergehst, aber delneRachkom- men stehen schon im neuen Lager. Sie werden in kurzer Zeit überhaupt gar nichts anderes mehr kennen, als diese neue Gemeinschaft. Volk und Führung werden i mmer mehr eins. Richt Staatsverwaltung werden wir haben, sondern Volksführung i st unser Ziel, und wir werden dieses Ziel erreichen. Am Ende unserer Tage wird die Geschichte feststellen können, daß wir ein Reich und ein Volk hinterlassen haben." (Lebhafte Bravorufe und Beifall.) Um ein solches Programm durchzuführen, wollen wir den Frieden. Je größer unser Programm im Innern ist, um so notwendiger ist für uns der Friede, denn nur er allein kann a u f b a u e n. (Lebhafter Beifall.) Ich weiß ganz genau wie der Krieg ist. Ich habe ihn mit eigenen Augen gesehen, sehr zum Unterschied von vielen Staatsmännern, die ihn nicht selbst miterlebt haben. Freilich lehne ich ihn nicht ab, als Landesverräter, sondern ich lehne ihn ab als anständiger Deutscher, der auch als Soldat anständig gewesen ist und der auch in Zukunft gewillt ist, anständig zu sein. Ich werde deshalb nicht das Lebensrecht des deutschen Volkes preisgeben oder die deutsche Ehre. Wir wollen Aussöhnung mit unseren Gegnern von früher. Ich bin der Ueberzeugung, daß, wenn das deutsche Volk a m 12. November sein Votum abgibt, und ein neuer Reichstag, der auf diesen Prinzipien begründet ist, der Regierung ihre Arbeitsmöglichkeit gibt, die Welt dann gar nicht anders kann, als dieses Votum zur Kentniszu nehmen, als Ausdruck der innersten Gesinnung eines 65-Millionen-Volkes. Und gerade die Demokratien können nicht einfach darüber zur Tagesordnung übergehen. Ich bitte Sie, meine Volksgenossen: Er- üllen Sie am 12. November Ihre Pflicht! Nicht iir eine Regierung treten Sie ein, Sie kämpfen liefes Mal mit ihrem Votum für d i e Stellung der deutschen Nation der Welt gegenüber. Seien Sie sich dessen bewußt! Wir haben einmal am 9. November eine maßlose Schande vor 15 Jahren auf uns geladen. Sorgen Sie dafür, daß nun nach 15 Jahren am 12. November diese Schande wieder weggewaschen wird! Das kann kein Staatsmann tun, das kann keine Regierung tun — das kann nur das Volk. Das müssen Sie selbst tun! (Ungeheure Beifallsstürme.) Der Höhepunkt des Wahlkampses.-Ser Kanzler sprich! am Freitag zur deulschen Ardeilerschast. Betriebsruhe für eine Stunde. — Ganz Deutschland hört. —Berkehrsstillstand für eine Minute. Berlin, 6. Rov. (LRV.) Am kommenden Freitag, dem 10. November wird der Wahlkampf um Deutschlands Ehre, Freiheit und Frieden seinen Höhepunkt durch einen unmittelbaren Appell des Kanzlers an die gesamte deutsche Arbeiterschaft erreichen. Adolf Hitler wird um 13 Uhr dieses Tages in einem großen Berliner Werk sprechen. Um zu ermöglichen, daß die gesamte werktätige Bevölkerung Deutschlands die Rede Adolf Hitlers in dem Berliner Werk mit a n - hört, wird von 13 bis 14 Uhr die Arbeit in allen Betrieben des Reiches, mit Ausnahme der lebenswichtigen Betriebe, ruhen. Der Rundfunküberträgtdieganzever- a n st a l t u n g, und zwar übermittelt er zuerst um 13 Uhr das Sirenenzeichen des Berliner Werkes, das den Beginn der Kundgebung anzeigt. Alle Sirenen der Fabriken, der Schiffe, alle Alarminstru- mente in Deutschland werden auf dieses Zeichen hin ebenfalls ertönen. Die Belegschaften der werke haben sich um 13 Uhr zusammen mit ihren Arbeitgebern i n d e n Betrieben vor den Lautsprechern zu versammeln, um hier die große Kundgebung mitzuerleben. Sie wird eingeleilet durch eine Ansprache des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda Dr. G o e b b e l s , der einen Bericht von der schaffenden Arbeit gibt. Dann folgt d i e Rede Adolf Hitlers in dem Berliner Werk. Rach der Rede wird das Horst-Weffel-Lied den würdigen Abschluß geben, während die Sirenen in ganz Deutschland zum Zeichen der Wiederausnahme der Arbeit ertönen. Wit Beginn der Kundgebung um 13 Uhr soll zugleich der gesamte Straßenverkehr in Deutschland aller Fahrzeuge und Fußgänger für eine Minute stillgelegt werden, zum Zeichen dafür, daß das Volk geschlossen hinter der Politik seines Kanzlers steht. Auch hierzu gibt das Geheul der Sirenen das Signal. Um jedem einzelnen Deutschen die Teilnahme an der Kanzlerrede möglich zu machen, soll kein Rundfunkgerät in dieser Stunde von 13 bis 14 Uhr ruhen. In den Schulen wird die Jugend in die Aula geführt werden und hier die Rundfunksendung mit anhören. Die Rundfunkgeräte der Privatleute sollen so ausgestellt werden, daß möglichst viele Menschen mithören können. In den Villen soll sich das gesamte Personal um den Rundfunkapparat zusammenfinden und in den Ga st Häusern wird ebenfalls die Rundfunksen- dnng übermittelt werden. Gan; Deutschland soll teilnehmen können an dieser einzigartigen Veranstaltung, an dieser Rede des Kanzlers unmittelbar zur Arbeiterschaft, während die Arbeilgeberschaft in der Hauptsache die Lasten des 1. Mai getragen hat, so soll es diesmal die Arbeitnehmerschaft sein, zu der der Kanzler kommt, um zu ihr zu sprechen. Das kann durch Rachholen der Arbeit geschehen. Kein Friede ohne Ehre. Reichsmimster Seldte spricht zum Stahlhelm in Düsseldorf. Düsseldorf, 5.Nov. (WTB.) Eine riesige Wahlkundgebung veranstaltete der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, in den Räumen der Städtischen Tonhalle. Schon lange vor Beginn der Veranstaltung waren die Säle dicht besetzt, so daß zahlreiche Teilnehmer keinen Platz finden konnten. Kurz nach 20 Uhr erfolgte der Einmarsch der Stahlhelm-Fahnen aus dem Gau Düsseldorf sowie einer Anzahl Sturmfahnen der NSDAP. Zu der Veranstaltung hatten sich sämtliche höheren Führer des Stahlhelms sowie Vertreter der Gauleitung der NSDAP., der Behörden usw. emge- funden. Um etwa 20.30 Uhr betrat Reichsarbeüs- minifter Seldte unter stürmischem Beifall den Saal. Nach Begrüßungsworten des Gebietsführers Bockmann ergriff Minister Seldte das Wort. Er führte u. a. aus: Wir müssen unseren Kameraden der Westmark, die nun eine Grenzmark geworden ist und unter besonderem Druck stand und steht, die Hand reichen um des Zusammenhalts des Ganzen willen, und dieses Ganze heißt immer Deutschland. Der Minister erinnerte an den Frontsoldatentag zu Pfingsten 1926, an dem in friedlichem Vormarsch die schwarzweihroten Stahlhelm-Fahnen zum erstenmal an den Rhein bei Düsseldorf getragen worden seien. Deutschlands Freiheit muhte und sollte werden, ob auch innere und äußere Feinde dagegenstanden, ob auch das, was man nationale Bewegung in Deutschland nannt, damals noch getrennt auf verschiedenen Anmarschstraßen diesem gleichen Ziel zustrebte. Schließlich waren es nach dem Aufsaugen oder dem Wegfällen der. vielen kleinen zwei große Kraftströme, die auf das gleiche Ziel, auf die Erringung der inneren und äußeren Freiheit in Deutschland gingen. Es war, vom Süden ausgehend und Deutschland erfassend, die Bewegung Adolf Hitlers. Es war von Nord- deutscyland ausgehend die Traditionsbewegung des feldgrauen Frontsoldatentums, der Stahlhelm. Beide Bewegungen kommen, was auch immer wieder Adolf Hitler betont, aus dem gleichen Urgrund, aus dem gleichen seelischen Erlebnis, aus dem gleichen Rhythmus des deutschen Blutes. Diesesmal haben in der entscheidenden Schicksalsstunde die Führungen der nationalen Kräfte nicht versagt. Mit Dank ist unser Herz erfüllt, und diesen Dank wollen wir vom Stahlhelm ehrlich aussprechen und abstatten dem Führer, der uns die Hand offen und großzügig reichte, dem Führer der braunen Front, dem Volkskanzler Adolf Hitler. Der Friedenswille der deutschen Regierung ist ehr- l i ch. Das Wort ehrlich aber kommt von dem Worte „E h r e", und darum kann es keinen Frieden hne Ehre geben. Die Worte Les Reichsarbeitsministers wurden wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen. Der Verbandsführer des Stahlhelms W i e de r h o f f dankte dem Minister für feine Ausführungen und sprach das Gelöbnis aus, om 12. November mit altem Frontsoldaten- geift für öie Regierung und den Führer Adolf Hisler einzutreten. Der Redner brachte ein dreifaches Siegheil auf den Reichspräsidenten, das deutsche Vaterland und den Führer Adolf Hitler aus. Deutschland-, Horst-Wessel- und Stahlhelm-Bundeslied bildeten den Ausklang der Kundgebung. Die Spaltung der sozialistischen Partei Frankreichs. 29 neusozialistische Abgeordnete ausgeschlossen. Bor einer neuen Parteigründung. Paris, 5. Nov. (WTB.) Der erste Bruch innerhalb der Sozialistischen Partei Frankreichs wurde offiziell vollzogen. Der Nationalrat hat d i e linksextremistischen Elemente der Action So- cialiste, die gegen den Willen der Parteileitung a m Amsterdamer Kongreß gegen den Krieg teilgenommen hatten, aus der Partei ausgeschlossen. Der Ausschluß der n e u s o - Weißt Du: daß Frankreich mehr Geschütze hat als wir Maschinengewehre, und mehr Maschinengewehre als Deutschland Gewehre? zialistischen Richtung Renaudel erfolgte ebenfalls, so daß ein Mittelblack übrig bleibt, der unter Ablehnung jeder Kompromißpolitik im Lande für d i e Uebernahrne der gesamten Macht durch die Sozialisten und die Sozialisierung sämtlicher öffentlichen Betriebe werben In der Debatte über die Spaltung der Partei hatte der Abgeordnete Vincent A u r i o l vergeblich sich für eine Vergleichslösung eingesetzt. Leon Blum verlangte, daß man über das Schicksal der insgesamt 29 Abgeordneten, die entgegen der Abstimmungsparole der Partei für öie Regierung Daladier gestimmt hatten, noch nicht entscheiden möge. Er erklärte, wenn es etwas nütze, um die Einheit der Partei wiederherzustellen, sei er bereit, sich vom politischen Leben ganz zurückzuziehen. Die Anhänger Renaudels und M a r q u e t s schritten, als die Annahme der Entschließung der Altsozialisten gegen sie bekannt wurde, zur Gründung einer eigenen Partei. Als Gründungstag wurde der 3. Dezember anaefetzt. Die Neusozialisten fordern im ganzen Lande zur Schaffung von Jean-Jaures-Vereini» gungen auf, die den Grundstock zu der neuen Partei bilden sollen, deren Name und deren Statuten bis zum 3. Dezember ausgearbeitet werden sollen. Außerdem wird die neue Partei wegen des Ausschlusses der sieben neusozialistischen Abgeordneten eine Eingabe an die zweite Internationale machen und die politische Seite des Problems der Spaltung der französischen sozialistischen Partei aufwerfen. Landesverraterisches Verhalten von SpD.nndZentrnm inDanzig Danzig, 4. Rov. (WTB.) In Danzig haben sich Vertreter der Sozialdemokratie und der Restgruppe des Z e n t r u m s in landesverräterischer Welse zur Einleitung eines Vorstoßes dervölkerbundsinstanzen gegen die Freie Stadt Danzig hergegeben. Der Danziger Senat hatte sich veranlaßt gesehen, die Organe der beiden Parteien wegen ihres, den Staat schädigenden Verhaltens zu verbieten. Die beiden Zeitungen haben daraufhin, anstatt sich auf die Verwaltungsbeschwerde zu beschränken, gleichzeitig das Eingreifea des völkerbundskom- missars veranlaßt, der die Petitionen und auch die Stellungnahme des Senats dem Generalsekretär des Völkerbunds zugeschickt hat mit der Bitte, die Angelegenheit dem Völkerbundsrat, als dem Garanten der Danziger Verfassung, zu unterbreiten. Die beiden Parteigruppen haben damit die primitiv st en Pflichten verletzt, die bei der besonderen Lage Danzigs den Danziger Bürgern obliegen, indem sie sich zu Werkzeugen einer die Selbständigkeit Danzigs gefährdenden Aktion des Auslandes gemacht haben. Der Verlagsdirektor der sozialdemokratischen „Danziger Volksstimme", F o o k e n, ist auf Grund des vom Danziger Polizeipräsidenten erlassenen Schuhhaftbefehls in Schutzhaft genommen worden. Die beiden verantwortlichen Leiter des Zentrumsorgans, der „Danziger Landeszeitung", k i l l i a n und Teipel, konnten bisher nicht aufgefunden werden. Ls besteht der Verdacht, daß sie über öle polnische Grenze geflüchtet sind. Henry Zord und das nationale Wiederausbauwerk. Washington, 4. Nov. (WTB.) (Reuter.) Die Fordwerke haben erklären lassen, daß sie, um sich auf die vorn Staat geforderte 35 - Stunden- Woche umgu ft eilen, 45 000 Arbeiter, und Zwar 9000 wöchentlich, entlassen und die Fabrik in Dearborn auf sieben Tage stillegen werden. Henry Ford scheint durch seine Erklärung einen strategischen Sieg errungen zu haben. General Johnson hat erklärt, daß, wenn Ford diese Werkmänner weiter zu beschäftigen wünsche, die Nationale Wiederaufbau-Verwaltung geneigt sei, die Frage zu prüfen, ob nicht für die Automobilindustrie aus- nahm sweise von den Arbeitsbestimmungen Ad st and genommen werden könnte. »---1 Ministerpräsident Göring als Zeuge im Neichstagsbrandstifierprozeß. Berlin. 4. Noo. (WTB.) Die Samstagverhandlung des Reichstagsbrandstifterprozesses eröffnet der Vorsitzende mit folgender Erklärung: Auf der Tagesordnung steht heute die Vernehmung des Herrn Ministerpräsidenten und Reichstagspräsidenten Göring als Zeugen. Bei der Wichtig- feit dieser Zeugenaussage hat der Senat geglaubt, die über den Angeklagten D i m i t r o f f verhängte Strafe des Ausschlusses für den Komplex dieser Vernehmung aufheben zu sollen. Dimitroff ist demgemäß heute oorgeführt worden. Ministerpräsident Göring erscheint in einfacher brauner Uniform ohne jegliche Abzeicken. Er wird von den Prozeßbeteiligten und sämtlichen Anwesen- den mit dem Deutschen Gruß begrüßt. Senatspräsident Bänger führt aus: Der Ober- reichsamvalt hat Sie. Herr Ministerpräsident, und den Herrn Reichsminister Dr. Goebbels als Zeugen benannt und hat dabei ausgeführt, daß man Ihnen nicht das Recht versagen könne, sich über die Verdächtigungen und Derleum- d u n g e n , die von gewisser Seite imAuslande, insbesondere im sogenannten Braunbuch gegen Sie mit Bezug auf den Gegenstand dieses Prozesses ausgesprochen worden sind, unter Eid zu äußern. Das Reichsgericht hot dieser Auffassung zugestimmt und Ihre und des Reichsministers Dr. Goebbels Vernehmung beschlossen. Heute sind Sie als Zeuge erschienen. Sie müssen Ähre Aussage eidlich abgeben. Ich weise Sie auf die Heiligkeit und Bedeutung des Eides hin und bitte Sie, die Eidesformel mir nachzusprechen. Ministerpräsident Göring leistet daraufhin den Eid. Ministerpräsident Göring führt dann u. a. aus: Herr Präsident, Sie sagten vorhin, daß ich als Zeuge geladen wäre, um mich sozusagen gegenüber den Vorwürfen und Behauptungen des Braunbuches, die über meine Person aufgestellt worden sind zu rechtfertigen. Die Vorwürfe im Braunbuch sind derart grotesk, daß ich es fast für überflüssig halte, die Einzelheiten darüber vor dem Gericht noch darzulegen. Ich weiß durch meine Vertrauensmänner, daß jeder rote Strolch, der etwas Geld brauchte, in jenen Tagen eine verhältnismäßig lukrative Beschäftigung damit fand, wenn er irgendwelche Behauptungen ü b e r G r e u e l o d e r den Reichstags, brand, die mich als den Verbrecher darstellten, im Auslande zu Papier bringen konnte. Wir wissen weiter, daß sogar direkte Werbebüros in Deutschland funktionierten, daß Wer- der herumgingen in den Spelunken der Unterwelt, um die „hervorragenden Zeugen" zusammenzusuchen, die damals in der geradezu grotesken Behandlung dieses Falles in London als „seriöse Zeugen" auf- getreten sind. Ich muß es deshalb zurückweisen, mich zu rechtfertigen gegenüber Aussagen dieses Ge- sindels. In großen Zügen wird im Braunbuch behauptet, daß mein Freund Goebbels mir diesen Plan beigebracht hätte, den Reichstag an- zuzünden und daß ich ihn dann freudig ausgeführt hätte. Es wird weiter behauptet, daß ich diesem Brande zugesehen hätte, ich glaube „in eine blauseidene Toga gehüllt" (Heiterkeit), es fehlt nur noch, daß man behauptet, ich hätte, wie Rero, beim Brande Roms, Laute gespielt. Es wird im Braunbuch weiter behauptet, daß ich den Reichstag angezündet hätte, um damit die KPD. zu belasten. Der Reichstagsbrand kam für mich ebenso überraschend wie für jeden anderen anständig denkenden Menschen. Wenn wir selbst auch gewiß den Parlamentarismus bekämpften und die- (en Kampf jahrelang geführt haben, so hatten wir ihn doch vom Jahre 1924 ab in durchaus legalerweise durchgeführt und niemals in Abrede gestellt, daß auch der natio. nalsozialistische Staat durchaus wert darauf lege, ein Gremium zu besitzen, das a u s dem Volke selbst heraus und durch das Volk g e w ä h l t, die Regierung zu beraten habe. Es war also nicht für uns symbolhaft notwendig, zu zeigen, daß wir nun den par- lamentarischen Staat vernichtet hatten, indem wir nun auch das äußere Haus noch vernichteten. Cs war auch keinesfalls notwendig, daß ich nun den Reichstag in Flammen aufgehen lassen mußte, um die Unschuldslämmer von Kommunisten irgendwie belasten zu können, um gegen sie vorzugehen. aufgegangen ist. Sie muhte irgendwie handeln, sie muhte ihre tief erschütterten Schäflein bei der Stange halten, wenn es nachher so lächerlich ausgeführt wurde, wenn Lübbe ans lächerliche weise Brand zu legen suchte, dann wendet man sich gegen die Untauglichkeit der Mittel, aber die Absicht, das zu tun, hat doch bestanden, öffentliche Gebäude in Flammen anfgehen zu lasten und aktiv zu sein. Nun kann gefragt werden, warum ich denn nicht am 1. Februar die KPD. schlankweg verbot. Ich age keine Geheimnisse, wenn ich festslelle, daß Minister Hugenberg sofort am ersten Tage leidenschaftlich das Verbot gefordert hat und daß der Führer und wir nationalsozialistischen Minister uns ebenso leidenschaftlich dagegen gestemmt heben. Wir kennen den Rummel, wie ich dann eine Partei tarnt. Wozu sollte ich mir den Kamps dadurch erschweren, daß ich die Partei verbot? Wir wollten nicht das Verbot, andern die Partei total vernichten. Dieser Kampf geht ununterbrochen weiter, bis er Der Ministerpräsident gab bann eine ausführliche Schilderung der Ereignisse an dem Brandabend. Als er die erste Nachricht erhielt, sei er überhaupt nicht auf den Gedanken gekommen, daß er angezündet worden sei. Erst als er am Brandenburger Tor von irgendeinem Beamten das Wort „Brandstiftung" hörte, sei es für ihn gewesen, als wenn mit einem Schlage der ganze Vorhang herunterfällt. In dem Augenblick habe er gewußt: D i e KPD. i st die Schuldige am Reichstagsbrand. Ich hatte vor, van der Lübbe In der Rocht sofort aufzuhängen, wenn ich es nicht getan habe, so nur aus dem Grunde, weil ich mir sagte, wir haben nur einen, aber es muh eine ganze Schar gewesen sein, vielleicht brauche ich den Monn noch als Zeugen. Als ich das konterfei dieses Burschen sah, muhte ich sofort, warum nur dieser Mann gesoßt morden ist. Die anderen haben sich a u 6 getan n L Der Ausländer hat den Ausgang nicht endlich beendet ift Meine Ausführunaen zu dem eigentlichen Reichstagsbrand möchte ich damit beginnen, daß ich mich mit dem Vorwurf beschäftige, der häutig erhoben worden ist, nämlich mit oem Vorwurf, ich hätte den Reichstag angezündet, um eine Wahlpropaganda zu haben und um den Kommunismus mit einer Schuld zu belasten. Der Reichstagsbrand ist mir sogar unbequem gewesen, äußerst unbequem. Ich hatte mir vorgenommen, noch eine gewisse Zeit den ganzen Aufbau um die KPD. herum wctter durchzuprüfen. Keiner hätte mich von der Auffastung abbringen können, daß spätestens nach dem Wieberzusammentritt des Reichstages die Kommunisten zu einem Angriff kommen mußten. Diesen kommunistischen Angriff mußte ich abwarten. Ich erkläre hier vor der ganzen Welt, daß durch den Reichstagsbrand eine gewisse kommunistische Führung sich vor dem Galgen gerettet hat. Es war meine feste Absicht, im ersten Moment der Auf- ftbndshandlung die kommunistische Führung äu zer- schmettern. Das war mein Plan, den wollte ich durchführen, um in dem Moment, der mir gepaßt hätte, zuzuschlagen. Lediglich die Rücksicht aus die allgemeine Volksstimmung hat mich dazu bewogen, daß ich damals in der Brandnacht schon den ersten Angriff eröffnete. Insofern paßte mir also der Reichstagsbrand ganz und gar nicht. Der Kampf muß jetzt anders burd)geführt werden, aber er wird auch jetzt absolut durchgeführt bis zur Entscheidung. gekannt, er ift umhergelaufen wie eia wilder Igel. Die anderen sind längst entschlüpft. Meiner Ueberzeugung nach haben sie den unterirdischen Gang benutzt. Der führt hinten znm Maschinenhaus hinaus. Ls ist eine Leichtigkeit, von dort über die Mauer znm Spreeufer zu gelangen. Wir setzten den ganzen Polizeiapparat ein. Weil er nicht ausreichte, setzte ich selbstverständlich auch den Apparat der SA. und SS. ein.^chne den dankenswerten Einsatz unserer SA. und SS. wäre überhaupt der kolossale Erfolg, in einer Nacht5000 Führer hinter Schloß und Riegel zu bringen, gar nicht denkbar gewesen. Die weiteren Vorgänge sind bekannt. Wenn das Gericht hier die Aufgabe hat, die Schuldigen bei diesem^einen Akt festzustellen, ist es meine Ausgabe, die Schuldi • gen und Drahtzieher an der ganzen furcht- baren Verhetzung unseres Volkes f e st z u stell e n. Plag der Prozeß ausgehen wie er will, die Schuldigen werde i ch f i n d e n und werde sie ihrer Strafe zuführen. Görings Kamps gegen die kommuniffische Gefahr. Am Abend des Reichstagsbrandes Ich möchte der Auffassung entgegentreten, als ob wir erst am 30. Januar auf den Gedanken gekommen wären, den Bolschewismus zu bekämpfen. Wir stehen schonseiteinemJahrzehnt ununterbrochen in diesem Kampf. Es ist unsere SA. gewesen, nicht etwa der Staat des 9. November, die den Kommunismus nicht zur Macht kommen lieh. Sonst säßen Sie, meine Herren Richter, nicht hier. Sonst wären wir alle nicht hier, denn ich bilde mir nicht ein, daß das Revolutionstribunal des Herrn Dimitroff mit uns so verfahren wäre, wie hier das höchste deutsche Gericht verfährt. Die Kommunisten wurden vom 30. Januar überrascht. Wir wissen aus ihren Schriften und Erlassen, daß sie damit gerechnet haben, daß wir zurückgehen würden. Nun mußten die Kommunisten ihre Taktik umstellen. Sie mußten jetzt irgendwie auch aktiv werden. Sie wußten, daß es keinen Zweck hatte, in diesem Augenblick spontan einen Aufstand her- vorzurufen, aber er mußte vorbereitet werden. Sie griffen jetzt zu ihrem Mittel des Streiks. Dazu gehört die Bildung von illegalen Selbstschutzorganisationen. Diese wurden bereits von der Polizei im Dezember 1932 registriert. Die Leute waren in den verbotenen Rotfrontkämpferbund eingegliedert. Das waren jene Selbstschutzorganlsa- tioncn, wie man sie höhnisch nannte, die nichts anderes zu tun hatten, als den Mord z u organisieren. Sie richteten ihre Attenate immer gegen nationalsozialistische Arbeiter, die ihnen als besonders gefährlich erschienen. Sie erhöhten dann diese Terrorgruppen nach den Aufteilungen der Polizei bis etwa zu 200 Mann. Diese Icrtorgruppen waren nicht mehr dazu da, einen kleinen Mann zu überfallen, sondern das war der erste Kern jener Terrorgruppen, die bei dem Zerfall der staatlichen Autorität und der kommenden Auseinandersetzung die Sloftrappe zu sein hatten, die von seilen des Kommunismus aktiv in Erscheinung traten. Schon vor der Machtergreifung, aber schlagartig mit dem läge der Machtergreifung, setzten die Terrorakte der KPD. ein, die mit Uniform und Ausweisen unserer Leute ausgeführt wurden. Das hat später zu jenem sehr klaren Gesetz geführt, wonach solche Dinge mit dem Tode bestraft werden können. Diese Terrorakte, die die Kommunist en selbst ausgeführt haben, sind zum Teil dieselben Terrorakte, die sie im vraunbuch dann a l s nationalsozialistische Dokumente bekanntgaben. Der grüßte Teil der dort genannten Terrorakte ist von k o m m u n i st i - scheu Spitzeln durchgeführt worden. Wir haben damals einen ganzen Haufen mit falschen Ausweisen abführen können. Die Aktion dieser Terrorgruppen war ja nicht unbedenklich, besonders die Angriffe, die die Gruppen zum Teil aus Ausländer geführt haben. Im Rahmen dieses Ge- dankengangcs lag nun auch jener gefälschte SA. •'Befehl über den Aufmarsch am 5 und 6. Hierbei ging der (Bebanfengang dahin, sofort eine Spaltung und Zersplitterung in der gesamten nationalen Konzentration herbei» zuführen Diese gefälschten Befehle wurden deshalb in der Hauptsache auch dem Herrn Reichspräsidenten zugeschickt mit der liebenswürdigen Randbemerkung, daß damit offenbar er selbst be- fcltlgt werden sollte, sie wurden Hugenberg und dem Stahlhelm zugefchickt, der Reichswehr usw. Ja, sie wurden sogar unverfrorenerweife mir f e I b ft zugeschickt mit dem Bemerken, daß die SA. jetzt vollständig die ganze Leitung übernehmen wolle, auch die Polizei und das Innenministerium zu beseitigen wünsche. Diese Befehle sollten in erster Linie dazu beitragen, den größten Wirrwarr in die noch bestehende Konzentration der nationalen Kräfte hineinzubringen. Damals bestand noch nach der alten Organisation die sogenannte waffentechnische Versuchs- a b t e 11 u n g ber Polizei. Dort befanden sich einmal alle schweren Waffen der Poll. zei für ben S t r a ß e n k a m p f, bie uns ge- stattet waren, bie Panzerwagen, bie schweren Maschinengewehre usw., auch der gesamte Fahrpark für schnelle Streifen. Hier taucht nun plötzlich ein Befehl auf, daß am so und so vielten, abends um so und so viel Uhr, die Panzerwagen, die Kraftwagen mit den Maschinengewehren den 6 A. • Leuten von der Untergruppe und dem Sturm so und so zu übergeben wären. Wer diese SA.-Leute gewesen sind, brauche ich nicht weiter zu erörtern. Sie haben zu früh den Braten "gerochen und sind nicht erschienen. Angenommen, der Befehl wäre ausgeführt worden! Vielleicht wird Herr Torgier nachher sagen, die Kommunisten wollten mit den Wagen spazieren fahren, einen Ausflug nach der Grenze machen (Heiterkeit). Es waren Pläne da, bie führenden Persönlichkeiten sofort burch Ueberfall in f) a f t z u nehmen. Sie sollten niedergeschossen bzw. als Geiseln festgenommen werden, hier taucht zum ersten Male auch die Erwähnung der Frauen und Kinder auf. Und wenn sich heute die KPD. — wie gesagt, sie ist nur eine „geistige" Partei — hinstellt und behauptet, daß sie niemals beabsichtigt habe, Frauen und Kinder als Geiseln zu nehmen, so möchte ich dem entgegentreten. Auch die Giftmord- versuche in Gemeinschaftsküchen der SA. und des Stahlhelms find nicht etwa Erzählungen der Königin von Ravarra, sondern das sind alles Tatsachen. Sie liegen sogar zum Teil zurück in einer Zeit, als wir noch nicht an der Macht waren. Da fühlte sich sogar einmal die Polizei dazu bewogen — Herr Seoe- ring war es — uns wissen zu lassen, wir möchten etwas vorsichtig sein und Speisen und Lebensmittel nur durch zuverlässige Hände gehen lassen. Ich glaube, das war nicht lediglich ein geistiges Ringen ber Gehirnkräfte, fonbern hier tobte ber Morb, bas Verbrechen in schlimm- ft e r Form. Ich sehe in ben Kommunisten überhaupt nur bie Henkersknechte unb Büttel ber verkommensten fabistifchen Auffassung, bie überhaupt in menschlichen Hirnen Platz haben kann. Wir können ja bienen mit Material barüber, wie bestialisch sie Menschen ermordet, hingerichtet, gefoltert, zu lobe gebracht haben. Unb ba will man mir plötzlich sagen, diese Unschulbslärnrner seien nicht imftanbe, einen Giftmord zu begehen? Nein, ber Morb ist für bie Kommunisten überhaupt bie erste Anweisung, bie ausgegeben würbe. Der Ministerpräsident beschäftigte sich bann mit bem geplanten kommunistischen Generalstreik, ber mit allen Mitteln inszeniert werben sollte. Aber ein Generalstreik ging nicht so schnell, wenn ein Teil ber Arbeiterschaft bem Staat treu ergeben ist. Deshalb ist ber Generalstreik nicht zur Ausführung gekommen. Am 1. Februar setzte bereits hier eine Aktion ein, bie zunächst mal zu einer planmäßigen Ueberwachung ber KPD.- Führer unb zu einer planmäßigen Durchsuchung ber KPD -Organisationen führte. Vom ersten Tage an setzte diese intensive Arbeit ein. Ich sage das jetzt schon, weil man sich gewundert hat, daß in ber Brandnacht ein von mir herausgegebener Befehl, die kommunistischen Funktionäre festzusehen, so prompt ausgeführt wurde. Man hat gesagt, ber Schlaumeier habe bas schon gewußt und sei auf den Brand vorbereitet gewesen. Es war selbstverständlich für mich, nachdem ich am 30. nachts ein berühmtes Aktenstück gesehen hatte, daß hier eine klare Ueberwachung cintr ten mußte. Am 22. Februar wurden in gleicher Weise alle Regierungspräsidenten aufmerksam gemacht, daß bie KPD. durch die Teilnahme an Kundgebungen der Eisernen Front und ber SPD. Pas Verbot zu umgehen suchte. Das hineintragen neuer Aktivität in die Massen war bas Entscheidende bei den KPD. und daraus erklärt sich auch, daß dieses Haus In Flammen Das gMchie Sbersohren-Mmorandum. Ministerpräsident Göring legt die wahren Hintergründe des Selbstmordes Obersohrens dar. Es beginnt nun bie Frage st ellung. Auf eine Frage bes Oberreichsanwaltes zum Oberfohren- Memoranbum erklärte Ministerpräsident Gö- ring: Das Oberfohren-Memoranbum ist seldstver- stänblich gefälscht. Ich muß hier auf eine Sache zu sprechen kommen, die mir nicht ganz leicht ist. Aber es muß klipp unb klar die Wahrheit des Oderfohrenschen Selbstmordes festgestellt werden. In keiner Weise hat er mit bem Reichstagsbrand z u tun. Mögen uns im Kabinett manche wirtschaftliche und technische Fragen von Minister Hugenberg barm und wann geschieden haben, aber gerade in ber Ablehnung bes Kommunismus unb Marxismus, in ber ganzen Ablehnung bes Novern- bersystems, war Minister Hugenberg so auf meiner Linie, baß ih mvon unserer Seite ge- rabe beshald Sympathien so stark gesichert waren, baß wir ihn auch jetzt w i e b e r auf unser e r Liste auf gestellt haben, weil er hier kristallklar unseren Stanbpunkt vertreten hat unb jebes Kompromiß ablehnte. Aber nun das Ober- fohren-Memorandum. Das hat er geschrieben, n a ch- b e m er tot war. Oberfohren hat sich erschossen aus einem Grunde, der nach gewissen Auffassungen, die wir noch von Ehre haben, eigenttlch das vorausgesetzt hat. Minister hugenberg führte bie deutschnationale Partei sehr stark selbständig nach bem Führerprinzip. Sein Fraktionsführer Obersohren gab ihm wohl in der Oessentlichkeit recht unb stellte sich an seine Seite. Aber hinter bem Rücken kämpfte er auf bas schärfste gegen seinen eigenen Führer. Die Herren werben sich vielleicht erinnern, wie vor mehr als Jahresfrist sogenannte Briefe an alle Führer ber Wirtschaft, an führenbe Persönlichkeiten ber DNVP. unb anberer Parteien herumgeschickt würben, Briefe, bie Hugenberg sehr stark angriffen, sachlich unb persönlich, die ihn schmutzig gemacht hätten. Bei ber Haussuchung in bem Berliner Büro Obersohrens sand man bie Klischees zu ben anonymen Briefen gegen feinen Führer. Man erinnert sich noch, baß Oberfohren aus Krankheitsrücksichten plötzlich seinen Vorsitz nicberlegte. Er mußte ihn nieberlegen, ein Leugnen gab es nicht, er war entlarvt, unb aus dieser Tatsache her» aus hat er sich schließlich erschossen. Dimitroff wegen unerhört provokatorischen verhaltens erneut ausgeschloffen. Unter allgemeiner Spannung im Saal erhebt sich nun ber Angeklagte Dimitroff, um an ben Th- nifterpräfibenten einige Fragen zu stellen. Er meint: Der Zeuge ist Ministerpräsibent von Preußen unb gehört der Nationalsozialistischen Partei an. Graf H e 11 b o r f hat ausgesagt, daß am 27. Februar gegen 23 30 Uhr er selbst aus eigener Initiative den Befehl gegeben haß bie kommunistischen unb so- ziaidemotratischen Führer zu verhaften. Ich frage ben Herrn Ministerpräsibenten: Hat damals Graf Hellborf mit Herrn Göring die Maßnahmen im Zusammenhang mit ber Reichstagsbrandstiftung besprochen ober nicht. Ministerpräsident Göring: Die Frage ist eigent- sich schon von mir beantwortet. Als Graf Helldorf von bem Branb hörte, war ihm, wie jedem von uns klar, daß die KPD. es gewesen sein mußte. Er hat in seiner nächsten Umgebung schon bie Anorb- nungen getroffen. Aber ich habe ihm bann felbftoer- ftänblid) gefagt, baß ich jetzt ihn bitten müsse, seine SA. jur Verfügung zu stellen. Es müßten jetzt alle verhaftet werben, worauf er mir wieder sagte, bah habe er zum Teil schon angeorbnet. Dimitroff: Die nationalsozialistischen Reichs- tagsabgeorbneten Karwahne unb Frey und ber österreichische Nationalsozialist Kroyer haben ausgesagt, sie seien gegen 11 Uhr im Snnenmini- Iterium gewesen unb hätten dort Mitteilung gemacht, daß sie Torgier und van der Lübbe zusammen gesehen hätten. Haben diese Zeugen mit bem Herrn Ttinifterpuäfibenten gesprochen? Zeuge: Nein. Ich habe aber die Mitteilung am Tage daraus erhalten. Dimitroff wird von dem Präsidenten mehrfach ersucht, präzise Fragen zu stellen und nicht immer drum herum zu reden. Dimitroff fragt dann weiter, ob nicht bie Ansicht des Ministers, daß die Kommunisten die Reichstagsbrandstister gewesen seien, auch für die Ein st ellung der polizeilichen Unter- \ u th u n g und der richterlichen Untersuchung richtunggebend gewesen sei. Zeuge Die Kriminalpolizei hat gesetzlich festgelegte Anweisungen, daß sie bei allen Verbrechen | ihre Untersuchungen in jeder Richtung vortreibt, gleichgültig wohin sie führen. Die Kriminalpolizei wird allen Spuren nachgehen. Beruhigen Sie sich! Ich habe festzustellen, ob es sich um ein politisches Verbrechen handelt Es war ein p o l i- t i s ch e s Verbrechen und in demselben Augenblick war es für mich klar, daß in Ihrer Partei die Verbrecher sitzen. Dimitroff wirst mit höhnischen Gesten enu Die Partei, bie, wie der Zeuge sagt, diese verbrecherische Weltanschauung hat, regiert aber den secb- ften Teil der Erde. Die Sowjetunion hat di- plomatische, politische unb wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland. Durch ihre Bestellungen bekam- men deutsche Arbeiter Arbeit Ist das bekannt, sa fragt Dimitroff frech. ,rx . Ministerpräsident Göring! Das ist mir schon bekannt. Es handelt sich hier um eine aus Ian« bische Macht, und was in Ruhlanb gemacht wirb, ift mir gleichgültig. Ich habe nur mit ber Kommunistischen Partei in Deutschland zu hin unb — so ruft ber Ministerpräsibent, immer schärfer — mit ben auslänbischen Gaunern, die hierher kommen, um ben Reichstag anzu- st e ck e n (Vernehmliche Bravorufe im Sporer* raum.) Er erklärt bann weiter: Diese bolschewistische Weltanschauung regiert nun die Sowietunion. das größte unb beste Land ber Well. (Heiterkeit.) Ist bas bekannt? Göring (scharf): Bekannt Ist im deutschen Volk, daß Sie sich hier unverschämt benehmen, und hierhergelaufen kommen, den Reichstag anslecken unb sich bann nach hier mit dem deutschen Volke solche Frechheiten leisten. Ich bin aber nicht dazu ba, mich von Ihnen aushorchen zu lassen. Sie sinb auch einer von ben Gaunern, der an ben Galgen gehört. (Lebhafte Bravorufe im Zuhörerraum.) Präsident Dünger: Dimitroff, ich hab« Ihnen bereits gesagt, daß Sie hier keine komm» niskische Propaganda zu treiben haben. Sie dürfen sich dann nicht wundern, wenn der Herr Zeuge derartig cmfbraust. Ich untersage Ihne» nach rbet J der Der - aber ■ Ent. littet einet >lhn inen, hott len. u Beil i) auch en dan. j re über« 15000 ' ie( zu i liieren I jier die i ien Akt I uM. i surcht. :e(hn. e ed)ul* ihrer i offimgen, das vor- ijrte bie J nach is^tet Mchleit hinter schärf- rer. Die vor mehr le Führer iten her lieft wur> uk an- schmchtz dem 8er- lilcheer 1 Führer, ns Arant' ’ieberiegtt. i gab es lache her- sich war Auf. zer. e ich epaht Ministerpräsident Göring spricht in Frankfurt. Lleberreichung von Ehrenbürgerurkunde und Ehrenschwert für den ersten Paladin des Führers dem Re, oem • um 1 um “tm orflc. lsbau einer nnen, t bes "griff "griff ung vor- Kriminal* ■ <8erui)ifltn h um em in pviv \ en W ' Partei die (Heften «m lese °ey i den W on Hai Leziehun' gen beto">' t bekannt,!» i micM ausia" ih aernachl >nÄ- °L w«* Metunlo". cheiterkeü-) deuts^ fchärnl koMlne"« «0 tadttheaters. Montag, den 6. November 1933 20.15 Uhr, im Stndentenhani, Leihgast. 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