Mittwoch, 6. September 1933 183. Jahrgang Nr. 208 Erstes Statt Gezinkt« Karten. tlge unter Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspsennig, Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: sü: Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschcin undfür denAn» zeigenteil i. B. Th.Kümmel sämtlich in Gießen. Neuer Vorstoß gegen die Abrüstung Oie Rüstungsmächte versuchen die Abrüstung zu sabotieren. London. 6. Sept (TBIB. Funkspruch.) Die heutige Zusammenkunft zwischen dem britischen Staatssekretär des Aeuheren Sir John Simon und dem amerikanischen Bevollmächtigten für Genf. Norman Davis, sowie die Nachricht von der auf den 18. September In Paris anberaumlen britisch - französischen Konferenz hat die Aufmerksamkeit der Presse wieder auf die Abrüstungsfrage gelenkt. Ls gilt als sicher, daß dec Unterstaatssekretär des Aeutzeren, Eden, als britischer Vertreter nach Paris gehen wird. „Times" sagt, Ldens Aufgabe wird es fein, in Paris deutlich zu machen, daß das britische Kabinett d e n s r a n z ö s i s ch e n v o r s ch l a g ü b e r eine halbjährlicheRüslungskontrolle nicht verwerfen wird. Jedoch soll er versuchen, genauere Angaben über den französischen Plan zu erlangen, um sestzustellen, wie weit Frankreich aus dem Gebiete der tatsächlichen Abrüstung zu gehen gedenkt, falls der französische Kontrollplan angenommen wird. Der Pariser „Times"-Korrespondent erwartet, daß Ministerpräsident D a l a d i e r energischer denn je auf den am 8. Juni gestellten Forderungen nach Kontrolle, mehrjährigerprobe- z e i t für diese Kontrolle und allseitig angenommener Definition des Angreifers bestehen werde. Der Korrespondent prophezeit, daß wahrscheinlich die Frage der künftigen Abrüstung Frankreich durch die Frage der „b e v o r st e h e n d e n deutschen Abrüstung" in den Schatten gestellt werde. Ls kann nicht überraschen, wenn die in der Diskussion über die Abrüstungssrage bereits un- Vor einer nationalen Diktatur in Japan Verständigung beider Parlamentsparteien.-Stärkung der Wehrmacht die Hauptaufgabe der Zukunst. Lrtche'ni lügtlch, autzei Sonntags und feiertags Beilage^ Die Illustriert» Gießener Familienblötter Heimat im Bild Die Scholl« Monanvezugrprets: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustriert» . 180 Zustellgebühr . -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Sern,pred)anld)lüfit anter Sammelnummer2251. Anschrift für Drahlnach- richten Anzeiger Liede». Postscheckkonto: granfjuri am Blain 11686. rühmlich bekannte französische Denkschrift über angebliche deutsche Verstöße wieder aus der Versenkung geholt wird, hierzu heißt es, der Nachrichten- dienst der sranzösischen Regierung sei nicht müßig gewesen: die Liste der Umgehungen sei vervollständigt. Jede Anschuldigung, für die kein überzeugendes Beweismaterial oorliege, sei aus dem Aktenstück entfernt worden. Die französische Regierung erwäge ernstlich, ob es nicht ratsam sei, die Angelegenheit in Genf vorzubringen, bevor es zu spät sei. Die endgültige Entscheidung darüber sei erheblich von dem Grade der Unter st ühung abhängig, die Frankreich von den anderen Regierungen erhalte. Die Billigung des französischen Kontrollplanes durch den amerikanischen Präsidenten werde in Paris als Zeichen amerikanischen Verständnisses begrüßt. Die britische Regierung werde den französischen Forderungen jetzt keinen starken Wider st and leisten. Weiter werde eine Bemühung umItaliens Unterstützung unternommen werden, auf die Paul-Boncours Außenpolitik sich gegenwärtig nahezu völlig konzentriere. Für das Maß von Abrüstungswillen, das sich auf der anderen Seite in Genf dokumentieren wird, ist es bezeichnend, wenn „Corning P o ff“ verlangt, daß die britische Regierung bei den vorbereitenden Besprechungen und später in (Senf alles tun werde, um die Beibehaltung von Bombenflugzeugen für Polizeizwecke an der indischen Nordwest- grenze durchzusehen. Werden England «nd Amerika der sranzösischen Forderung nach Äüsiungskonlrolle zusiimmen? Oie „Times" im Pariser Fahrwasser. scheu Druck befreit wird. Die verschlossenen und abgeriegelten Märkte werden sich wieder öffnen, die Arbeitslosen werden sich wieder in den Wirtschaftsprozeß einreihen, was sich auch die deut- che Regierung zur Ausgabe gemacht hat. Wer hat denn die Feststellung getroffen, daß cs keinen Ausweg aus der internationalen Wirtschaftskrise gäbe, olange Unfrieden und Unsicherheit bestünden, solange auf den Völkern das gegenseitige Mißtrauen laste? Es waren englische und amerikanische Sachverständige, im Auftrag und im Einverständnis mit allen Regierungen, die an den Tributverlrägen zu Lasten Deutschlands beteiligt gewesen sind, heute oll Deutschland der Störenfried sein, weil cs eine Schlacht gegen die Arbeitslosigkeit führt, weil es eine jungen Menschen in Ordnung und Zucht an >ie Arbeitsstätte zurückführen will. Es sind knapp neun Monate verflossen, seitdem Frankreich, England und Italien die Gl e i ch - berechtigung Deutschlands grundsätzlich anerkannten. Die Dezember-Erklärung ist noch nicht umgestoßen worden, aber die öffentliche Meinung in England und Frankreich tut so, als ob die Verhandlungen über die Abrüstung überh a u p t e i ft beginnen und davon auszugehen hätten, daß zunächst einmal alles beim alten bleiben Rückwirkung auf Europa ist unvermeidlich, denn es gibt europäische Großmächte, für die das Würfelspiel im Fernen Osten gewissermaßen auch Schicksal bedeutet. Sie werden also nicht geneigt sein, abzurüsten, ehe die Entscheidung im Fernen Osten gefallen ist. Es sieht fast so aus, als ob die unfreundliche Stimmungsmache gegen Deutschland nur deshalb geschieht, um England und Frankreich einen wohlfeilen Vorwand zu liefern, die eigene Ausrüstung für die Entscheidung im Fernen Osten beizubehalten und nach zu steigern. Auch das ist ein Spiel mit gezinkten Karten, das die französische Presse durch das abscheuliche Trommelfeuer auf Deutschland selbst aufgedeckt hat. Die Politik des Versailler Unfriedens hat die internationale Wirtschaft zerrüttet, hat die Märkte zerstört sowie einige Dutzend Millionen Menschen um Arbeit und Brot gebracht. Wenn die französisckL Presse sich darüber aufregt, daß die nationale Regierung in Deutschland tatkräftig und entschlossen Maßnahmen ergriffen hat, um das deutsche Volk in der wirtschaftlichen Krise nicht zusammcn- drecyen zu fassen, so braucht Frankreich mit seinem großen politischen Einfluß nur dafür zu sorgen, daß die internationale Wirtschaft von dem politi- müffe. Im Derfailler Vertrag ist die Abrüstung für alle Völker zwingend vorgesehen, wobei die Einschränkung der nationalen Sicherheit nur noch auf Deutschland Anwendung finden kann. Vierzehn Jahre lang haben sich die Sieger vor der Abrüstung gedrückt, so daß es mehr als ein kühnes Unterfangen ist, wenn sie erneut eine Frist von vier Jahren fordern, innerhalb deren die Nachprüfung über den militärischen Rüstungszustand erst einmal beginnen, soll. Wer leistet Gewähr dafür, daß diese vier Jahre nicht ebenso nutzlos verstreichen, wie die vierzehn Jahre vorher? Deutschland hält daran fest, daß cs einen Anspruch auf Gleichberechtigung hat, daß dieser Anspruch nicht dadurch umgangen werden kann, die stufenweise Abrüstung der Sieger und ihrer Mitläufer in Aussicht zu stellen. Es wäre ein Spiel mit dem Feuer, die erneute Frist von vier Jahren dazu zu benutzen, die Ausrüstung einzelner Länder noch weiter zu steigern, wobei sie sich unter Umständen darauf stützen können, daß bestimmte Abkommen zu Wasser und zu Lande diese Ausrüstung zulassen. Wenn die internationalen Spannungsverhältnisse sich so ver- schärfen, wenn die nationale Sicherheit Deutschlands in Frage steht, dann dars der Wille zur Verständigung nicht nur ein Lippenbekenntnis fein. gen Vorstellungen zu erheben. Der Besuch des amerikanischen Botschafters im Außenministerium hatte den Zweck, zu erfahren, ob die japanische Re- gierung die Ansicht des Marinevertreters teile. Der stellvertretende Außenminister war zur Erteilung einer Antwort nicht in der Lage, da die Angelegenheit noch vom Kabinett geprüft werde. Oer Stahlhelm in Nürnberg. Berlin, 5. Sept. (TU.) Unter der Ueberschrift „Nürnberg" schreibt der Stahlhelm-Pressedienst zum Reichsparteitag u. a.: Die politische Arbeit des Stahlhelm war in den Jahren des Kampfes gegen das Weimarer System wesentlich bestimmt durch seinen Gegensatz zu allem Partei- roelen. Der Stahlhelm, hatte sich um Parteien nie gekümmert und s i ch bewußt von allen Parteien ferngehalten: denn im Begriff Partei sah er die Zerstörung der staatlichen Einheit und die Teilung des Volksganzen. Aus dieser Ein» teUunq ergab sich ganz naturgemäß auch sein rüheres Verhältnis zur RS DAP trotz wesentlicher llebereinftimmung in Zielen und An» chauungen. Dabei hielt sich der Stahlhelm nicht >on der nationalsozialistischen Bewegung fern, andern von der Drganifationsform „Parte i". Ergab sich so aus dem geschichtlichen Werden des Stahlhelm auch der NSDAP, gegenüber eine ge- wisse Fremdheit, fo gilt das heute nicht mehr. Seinem ganzen Werden und Wollen nach gehörte darum der Stahlhelm auf einen Parteitag, der keinen Parteitag mehr dar» teilt, weil die nationalsozialistische Bewegung über die Parteiform hinaus zum ft a a t s t rage n t) e n Stand geworden ist. In eindrucksvoller Weife hat Nürnberg aus der ganzen Art des Zusammenlebens und des Zufam» menarbeitens zwischen den ursprünglichen Gliede- rungen der nationalsozialistischen Bewegung und dem neu zu ihm hinzugestoßenen Stahlhelm erkennen können, wie weit die Verschmelzung ieser großen Verbände bereits organisatorische © e ft alt gewonnen hat. Die Bo- geisterungskundgebungen für die beiderseitigen Führer und die Kameradschaftlichkeit der hunderttausend braunen, grauen und schwarzen Kämpfer untereinander waren etwas, was spontan aus dem großen E.rlebnis herauswuchs, das alle erfüllte: Das Erlebnis der gewaltigen E i n h e i t, die hier in Erscheinung trat. Der Stahlhelmer, neu zur Bewegung gestoßen und zum ersten Male auf einer Parteitagung, f ü h l t e sich nicht fremd und hatte nicht bas Gefühl, am Rande des gewaltigen politischen Geschehens zu schwimmen. Er wußte: da gehörst du hin und du stehst mitten drin im politischen Strom. DieserStaat ist u n f e r S t a a t. Mit voller Ueberzeugung können wir heute diese Feststellung treffen. Der Parteikongreß von Nürnberg hat den festen Grundstein zum Neubau einer neuen deutschen Nation gelegt, darum freuen wir uns seiner nicht nur, sondern b c» sahen in vollem Umfange seinenVer» lauf wie auch die politische Richtung, die er angegeben hat. Die Selbstauslösung der Deutschnationalen Volkspartei in Danzig Danzig, 6. Sept. (WTB.-Funkspruch.) Die Pressestelle des Senats veröffentlicht ein Schreiben des Führers der Deutschnationalen Volkspartei Danzig, Dr. Ziehm, in dem es u. a. heißt: Die politische Entwickelung der Freien Stadt Danzig ist dahin gegangen, daß für eine fruchtbare politische Arbeit der Deutschnationalen Volkspartei keine Möglichkeit mehr besteht. Als der bei den Wahlen von der Partei aufgestellte Führer der Liste der Deutschnationalen Volkspartei und als der von dem Vertrauen der Partei getragene politische Führer erkläre ich daher im ausdrücklichen Einverständnis einer großen Zahl unserer politischen Freunde und im Einvernehmen mit unserer Regierung d i e Deutschnationale Volkspartei für a u f g e l ö ft. Ich erwarte und hoffe, nach den mir zugegangenen Erklärungen der Regierung, daß die wertvollen, in unserer Partei vorhandenen Kräfte auch bei den veränderten Verhältnissen i m S t a a t e nutzbar gemacht werden. Englischer Besuch in Darmstadt. Ein interessanter Brief an die Times. London, 5. Sept. (TU.) In einem Brief an die „Times" tritt ein Engländer Stewart Brown den Lügenberichten über Deutschland entgegen. Wenn man die Spalten einiger englischer Zeitungen lese, so könne man glauben, daß das Reisen in Deutschland unangenehm sei, daß der Ausländer angefeindet würde und daß man jeden Tag d i e schlimm st en Grausamkeiten sehen könne. Im Gegensatz hierzu würde den wunderbaren Anstrengungen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit oder den sonstigen Errungenschaften entweder überhaupt keine Aufmerk sain- keit gewidmet oder doch nur sehr wenig darüber geschrieben. Auf Grund einer fast 1000 Kilometer betragenden Fahrt im Kraftwagen durch Deutschland könne er sagen, daß das Reisen in Deutschland genau so angenehm wie in England sei. UeberaU habe er d i e größte Höflichkeit und das größte Entgegenkoru- men gesunden. Er habe sich Schulen in D a r m ft a b t angesehen, dem englischen Unterricht ■ beigewohnt und selbst einige Worte über englische Erziehung sagen können. Der ßanbespolijeipräfibcnt von Hessen, Dr. 93 e ft, habe sich über eine Stunde i I mit ihm über die Ziele der nationalfozialiftifck/n - I Bewegung unterhalten. Dieser habe ihm ö i e - Lager gezeigt, wo die zukünftigen Führer Tokio, 5. Sept. (TU.) Am Dienstagmorgen ist es zwischen den Führern der beiden großen japanischen Parteien, M i n f e i t o und Seiyukai, zu einer Verständigung über d i e Umbildung der Regierung gekommen. Die beiden Parteien haben eine gemeinsame Verlautbarung herausgegeben, in der es heißt, daß die allgemeine politische Lage Japan zwinge, die Partei- fragen vorläufig zurückzustellen. Der Augenblick fordere von den nationalen japanischen Parteien den Wiederaufbau und die Stärkung der Zen trat macht der Regierung. An der Spitze Japans müsse eine Regierung stehen, die mit großen Vollmachten ausgerüstet in der Lage sei, das Land zu regieren ohn e R u ck- sicht a u f die parlamentarischenGrup- pen. Es fei im Augenblick nicht die Zeit dafür, das parlamentarische System umzubauen, denn die inner- und außenpolitische Lage fordere die Ko n z e n- trferung der ganzen Kraft des Volk e s in dem Ausbau feiner Wehrma ch t. Des weiteren haben sich die Parteien dahin verständigt, daß eine Verminderung der japanischen Armee und Marine nicht in Frage kommen könne. Die japanische Flotte, sowie die lapamiche Luftflotte sollen v e r ft ä r f t werden. Die Parteien würden für eine unbedingte Stärkung der japanischen Wehrmacht kämpfen. Am Montag war auch das japanische Kabinett unter Vorsitz des Ministerpräsidenten zusammengetreten, um die allgemeine politische Lage zu beraten. An der «itzung haben Vertreter der japanischen Admiralität und GietzeimAnzeiger General-Anzeiger für Oderhesfen Druck unb Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und rieindruckerel R. Lange in Sieben. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftraße 7. Am 18. September soll der englische Unterstaatssekretär des Auswärtigen nach Pans fahren. Die französische Presse spielt auch schon den Trumps aus, daß Norman Davis um diese Zeit ebenfalls nach Paris kommen werde, so daß nichts im Wege stunde, die Abrüstungstagung Dorjubereiten. Dem dient wohl auch die sonderbare Taktik der englischen Presse, die offenbar daraus oorbereiten soll, daß die englische Politik wieder einmal ztu gunften Frankreichs u m t a 11 e n will. Es ist noch in Erinnerung, daß Frankreich den Abrüstungs- plan MacDonalds damit durchkreuzte und unschädlich machte, daß die eigentliche Abrüstung aus vier Jahre hinausgeschoben werden oll, um inzwischen eine allgemeine Nachprü - un g der militärischen Rüstungsbe- t ä n o e einzurichten. England hatte diesen Vor- djlag abgelehnt in der durchaus richtigen Erkenntnis, daß die Abrüstung einfad) auf dem Papier stehen würde. Merkwürdig, wie schnell der Umfall erfolgt ist, noch merkwürdiger, wie die englische Presse sich Mühe gibt, die Nachprüfung als durchaus geeignet für den Beginn der Abrüstung hinzustellen. Und noch merkwürdiger, daß weder in Paris noch London an den Viermächtepakt erinnert wird, dessen Ausgabe es doch eigentlich wäre, gemeinsame Besprechungen der Vertragsstaaten einzuleiten und durchzusühren. Das sieht fast so aus wie ein Spiel mit gezinkten Karten, wobek der ahnungslose Spielpartner, der übers Ohr gehauen werden soll, Deutschland ist. Deutschland hat durch den Mund seines Kanzlers wiederholt erklärt, daß wir uns einem solchen Kontrollabkommen nicht widersetzen werden unter der strikten Bedingung, daß e s auf alle Unterzeichner gleichmäßig i u r Anwendung kommt. Eine e i n s e i - Kontrolle nur für Deutschland kann gar keinen Umständen in Frage kommen. Deutschlands Rüstunasstand ist durch den Versailler Vertrag eindeutig feftgelegt und wiederholt einer Kontrolle unterzogen worden. Wer einigermaßen guten Willens ist, wird zugeben, daß Deutschland als einzige Großmacht inmitten einer wassenstarrenden Welt s o gut wie ungerüstet dasteht. Es wäre ein mehr als unbilliges Verlangen, von uns über den Versailler Vertrag hinaus noch die Hinnahme weiterer Demütigungen — wie sie eine solche Kontrolle unbedingt darstellt — zu verlangen. Nur eine für alle Großmächte vollkommen gleichmäßig gehandhabte Kontrolle wäre allenfalls noch tragbar. Uns scheint viel notwendiger, zunächst überhaupt einmal erst zu einem eindeutigen Beschluß über dirAbrüstung s e l b st zu kommen, bevor man eine Kontrolle beschließt. Von Abrüstung bei all den hochgerüsteten Staaten hört man aber gar- nichts mehr. Im Gegenteil, während man dem ast waffenlosen Deutschland immer wieder kriegerische Neigungen unterstellt, hört man aus aller Welt von neuen Aufrüstungsplänen. Der amerikanische Marineminister hat erst jungft erklärt, daß Amerika seine Flotte bis an die Grenze des Londoner Vertrages ausbauen werde. Seine Seestreitmacht dürfe keiner der anderen an Stärke nachstehen. Auch in England und Japan befaßt man sich mit den gleichen Planen. Ob es sich bei diesem Vorhaben der erwähnten drei Länder um die Fertigstellung eines Planes handelt, ist belanglos gegenüber der Tatsache, daß trotz allgemeinen Abrüstungsverlangens zweifelsohne ausgerüstet wird. Man erkennt daran deutlich, wie wenig Zutrauen zu einem positiven Ausgang der Abrüstungskonferenz bei diesen Ländern vorhanden ist. Soll der Zustand bestehen bleiben, daß Deutschland entwaffnet ist, während die anderen Länder hoch ausgerüstet sind, daß überdies versucht wird, die politischen Spannungsverhältnisse zu steigern, so hat Deutschland nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die Frage der nationalen Sicherheit aufzuwerfen. Die politischen Spannungsverhältnisse sind doch nicht nur in Europa gegeben, sondern liegen besonders verstärkt über dem Ferne nO st en, bis wohin weder der Arm des Völkerbundes, noch seine Beschlüsse reichen. Die des Generalstabs teilgenommen. U. a. wurde die Errichtung einer nationalen Diktatur in Japan verlangt, wogegen sich Finanzminister T a k a h a s ch i aussprach und die Notwendigkeit der Beibehaltung des parlamentarischen Systems unterstrich. Wie es scheint, hat der Standpunkt des Finanzministers keinen Anklang im Kabinett gefunden. Man rechnet damit, daß bei der Umbildung des Kabinetts auf nationaler Grundlage Finanzminifter T a k a h a s ch i sowie der japanische Außenminister Utschia und zwei andere Regierungsmitglieder, a u s s ch e i d e n. Dem Kabinett wurde vom Innenministerium ein Gesetz unterbreitet, das die völlige Umgestaltung der japanischen Gewerkschaften vorsieht. Irgendwelche internationale V e r - binbungen der japanischen Gewerkschaften mit denen Europas oder Asiens sind danach unter keinen Umständen zulässig. Die Gewerkschaften sollen als ein nationales Instrument des japanischen Volkes weiter bestehen, um einen A cs- gleich gewisser Gegensätze herbeiführen zu können Vas japanische Innenministerium hofft, daß dieses Gesetz noch vor dem 1. November eon der Regierung zur Verabschiedung gelangen wird. Amerikanische Vorstellungen in Tokio. T o k io, 5. Sept. (TU.) Der amerikanische Botschafter sprach am Dienstag im japanischen Außenministerium vor, um wegen der Ausführungen eines Vertreters des japanischen Marineministeriums zur Frage der amerikanischen Seerüstun- frzvgrne Stummer sind zwei gleich ime gefallen, und ,w-i je mee >ft gieper Nummer in den beide» Abteilungen I und II 4. September 193J lag 194870 1öj26ö 222516 280891 SSS SS ZK isM tz 31903? 357031 len Bvmittagrzwbung wurden Gewinn, über 400 M. gezcgcn :"S°»eS6iiHs= im 2 . it 3000, Lß » s i»" OöO' joo 3000 ®. 69301 100505 1381« 846 309521 385851 6745J »2000 M. 41318 wm» 166651 80390 82427 111862 2395H s S ® S »* 169 391189 49374 47164 N @ S ------ 'eilSgB- ’Sg&S 283203 28663b ^039 32095- ' 295698 2.3749 3304^ . 324200 82b- 355b54 4-, ! 338220 3ZZ 382508 38287- , 373565 I 392443 397 fccn®tH)in« i ü $ s 5 WOM OKI 686 2' q16 545 Q92278 020 Agzs 284 3-2760 dartenführer Lull er feierlich in bei 'hing unb Universitäten, sowie er l Teilnehmer aus Hessen und Hess» erwartet. rnahen her ih’ebnftion. 30 Uhr 16 ble 17 Uhr Semih . jloffen ErwirMULM 41. PreMch-LüddeuW Ltaats-Lolterie Nachdruck »erbolit für d i e Arbeitslager ausgebildet mürben T und Brown sagt, daß er sich alles habe mieten und auch Ausbildungspläne mit sich nehmen können. Er selbst sei kein Faschist, aber er setzte sich dafür ein, daß man mehr als bisher in England versuchen solle, den deutschen Standpunkt zu v e r st e h e n. Einstein verleugnet sein Braunbuch. Berlin, 5. Sept. (ERB.) Das vor einigen Tagen in London herausgekommene „Braun» buch gegen den Hitler-Terro r", „herausgegeben vom Aktionskomitee (Ein st ei n)", muß schon nach wenigen Tagen das peinliche Schicksal erfahren, von seinem geistigen Bater verleugnet zu werden. Kaum zwei Tage war das Buch erschienen, da veröffentlicht Einstein eine Erklärung, wonach er jede Beziehung z u seinem Buch ab st reitet. Das Abrücken E inst e i n s von dem Braunbuch wird in Berliner politischen Kreisen als ein nicht e r n st zu nehmendes Manöver angesehen, das in keiner Weise dazu angetan sei, Einstein irgenbtöie zu entlasten. In Berliner politischen Kreisen weist man barauf hin, baß das Buch von dem Aktionskomitee (Prof. Einstein) herausgegeben wurde. Diese Tatsache rolfcbe in dem Braunbuch ausdrücklich f e st g e st e l l t; auch enthalte das Buch zahlreiche Berufungen auf Einstein. Eine Londoner jüdische Sonntagszeitung schreibt, daß das Buch dadurch einen „besonderen Wert" erhalte, daß es von dem Aktionskomitee unter der Präsidentschaft Albert Einsteins herausgegeben worden sei. Das Braunbuch stellt sich als ein absolut geistloses kommuni st isches Machwerk dar, das auch zahlreiche Widerspräche enthält. U. a. wird behauptet, daß die deutsche Regierung bzw. die Nationalsozialistische Partei van der Lubbe nach Deutschland geholt habe, mit dem Auftrag, das Reichstagsgebäude in Brand zu stecken. Im Gegensatz hierzu steht eine andere Stelle des Buches, wo es heißt, daß van der Lubbe völlig mittellos 14 Tage lang auf den deutschen Landstraßen nach Berlin gewandert sei. Als kommunistisches Agitationsmittel kennzeichnet sich das Buch, wenn in ihm nach gesteigerter revolutionärer Tätigkeit der Arbeiterschaft im Sinne der 3. Internationale aufgerufen wird und wenn am Schlüsse die Kommuni st en Torgler und Thälmann verherrlicht werden. Aber nicht nur der Inhalt, sondern auch der Preis des Buches — es kostet nicht weniger als 18 Reichsmark — stellt eine ziemliche Zumutung der Herausgeber an das internationale Publikum bar. pauwels lehnt Verteidigung van der Lübbes ab. Amsterbam, 5. Sept. (ERB.) Der Amster- bamer Strafverteidiger Pauwels hat der Auf- forberung der Familienangehörigen van der Lübbes, von der von ihm beabsichtigten Uebernahme der Verteidigung des Reichstagsbrandstifters abzusehen, stattgegeben, weil sich herausgestellt habe, daß die Familie van der Lübbes vollkommen unter dem Einfluß des bolschewistischen von-der-Lübbe-Komitees stehe. Da dieses Komitee sich in die Angelegenheiten der Verteidigung einzumischen suche, müsse er seine Absicht, van der Lübbe zu verteidigen, aufgeben. Wie die Neichsautobahn in Bayern geführt werden wird. München, 5. Sept. (ERB.) Ein Mitglied der obersten Bauleitung für den Bau der Krastfahr- zeugbahn München—Landesgrenze (Salzburg) gewährte einem Redaktionsmitglied des „Volk. Beoo." eine eingehende Unterredung über den Stand der Vorbereitungsarbeiten. Die Straße wird von München durch den Weifenhofer und Hoftodin- ger Forst in die Gegend östlich von Holzkirchen führen. Diese Teilstrecke soll voraussichtlich zuerst ausgebaut werden. Dann biegt die Linie nach Osten ab, läuft den Seehammer See entlang und geht an das S ü b u f c r des Chiemsees. Es ist beabsichtigt, die Kraftfahrbahn südlich von Traunstein nach Südosten abzweigen au lassen, um sie über Illzell nach Reichenha11 zu führen. Noch in diesem Winter kann mit der Vergebung gewisser Arbeiten gerechnet werden. Die Gesamtlänge der neuen Straße wird 120 Kilometer betragen. Die Straße wird verhältnismäßig gradlinig gezogen werden. Der Bau ermöglicht vielen Tausenden von Menschen auf eine Reihe von Jahren Broterwerb. Normale Beziehungen zu Nußland. Pariser Störungsversuche. Berlin, 5. Sept. (END.) In der ausländischen Presse ist im Zusammenhang mit der Reise des sowjetrussischen Botschafters in Berlin Chinchuk nach Rom in sehr verworrener Form davon die Rede, baß Botschafter Chinchuk mit Mussolini über bie deuts ch ° russischen Beziehungen verhandeln soll. Der Pariser „Matin" führt in diesem Zusammenhang sogar noch weiter aus, daß man in Deutschland beabsichtige, bie w e i ßgar- distischen Kreise zu unterstützen und die Ukraine selb ständig zu machen. Von maßgebender politischer Seite wird dazu betont, daß die deutsch-russischen Beziehungen durchaus normal sind. Der kürzlich abgeschlossene italienisch-russische Vertrag ist gleichlautend mit dem schon lange bestehenden deutsch-russischen Vertrag, so daß auch hierdurch keine Aenderung der deutsch-russischen Beziehungen zu erwarten ist. Was die Querschüsse und die Vernebelungsversuche der Pariser Presse und vor allem des „Matin" betrifft, so kann demgegenüber nur festgestellt werden, daß, wie auch die amtliche russische Politik sehr genau weiß, Deutschland nicht die Absicht hat, in irgendeiner Form in das staatliche Leben Rußlands einzugreifen. Kriegsschiffe gegen Kaffee. Tokio, 5. Sept. (TU.) Die japanische Schiffsbaueroereinigung wird am 20. September zusammentreten, um über den von Brasilien erteilten Auftrag über den Bau von 30 Kriegschiffen zu beraten. Das brasilianische Schiff- lauprogramm, das sich über zwölf Jahre er- treckt, sieht den Bau von drei Kreuzern, neun Zer- törern und 18 Unterseebooten vor. Die Kosten hierfür werden auf über 180 Millionen Y e n veranschlagt. Der eingesetzte Ausschuß soll die Schwierigkeiten ausräumen, die durch die brasilianischen Bedingungen, die Hälfte des Preises in Kaffee und Manganerzen zu begleichen, bestehen. Aus aller Wett. Das Eisenbahnunglück im Staate Neuyork. Neuyork, 6. Sept. (WTB-Funkspruch.) Wie bas Reuter-Büro in Berichtigung seiner ersten Meldung mitteilt, hat es sich herausgestellt, daß bei dem schweren Eisenbahnunglück in Binghampton nur 14 Tote und 20 Verletzte zu beklagen sind. Um das Skelett des Sultans INkwawa. Die Wiederaufindung des Skeletts des Sultans M k w a w a , des Tanganjika-Häuptlings, der sich seinerzeit gegen die Deutschen erhob und bann Selbstmorb begangen hatte, ist, wie ein Brief in „East African-Stanaard“ anbeutet, wahrscheinlich schon vor zwölf Jahren erfolgt, aber bisher geheim- gehalten worben. Im Versailler Vertrag mar bestimmt worden, daß dieses Skelett von Deutschland ausgeliefert werden solle, und trotz der Versicherung der deutschen Behörden, daß es sich gar nicht in Deutschland befinde, haben immer wieder Verhandlungen darüber stattgefunden, in deren Verlauf Deutschland auch böser Wille nachgesagt wurde. Malcolm Roß, ein Land- und Häusermakler in Tanga, berichtet jetzt, daß er chon im Jahre 1921 in seiner Eigenschaft als Sachwalter ehemaligen Feindgutes in der Wohnung eines Bezirksbeamten des Bukoba, worin sich früher bie Geschäftsräume ber Firma Bahr 8t Co. befanden, eine Kiste entbeckte, in ber wieder in e ner zweiten Kiste ein Skelett eingepackt war. Er könne zwar nicht ganz bestimmt sagen, ob dieses Skelett Mkwawa war, aber auffallend sei die sorgfältige } Art der Verpackung gewesen. Der „Times"-Bericht sagt, daß, wenn dieses Skelett das des Sultans gewesen sei, dies die deutsche Behauptung beweifen würde, daß nämlich das Skelett niemals aus Deutsch-Oftaftika herausgebracht worden fei. Dieses Eingeständnis sucht ber Berichterstatter dann aber sofort abzuschwächen, indem er meint, daß das erwähnte Skelett vielleicht auch em archäologischer Fund gewesen sei. Großer Erfolg des Fischtages in Hamburg. Die Anregung des Hamburger Senats und des Magistrats von Altona, zur Förderung des Fischverbrauchs einen Fischtag einzuführen, ist bei ber Groß-Hanrburger Bevölkerung auf fruchtbarsten Boden gefallen. Der letzte von allen staatlichen und städtischen Behörden unterstützte Fischtag war ein voller Erfolg. Zahlreiche Fischgeschäfte hatten schon am Mittag ihre Vorräte ausverkauft, so daß die Annahme berechtigt erscheint, daß in der übergroßen Mehrzahl aller Hamburger Familien nur Fischgerichte auf den Tisch kamen. Im Hamburger und im Altonaer Fischereihafen löschten insgesamt zehn Fischdampfer ihre Ladung, und die Fischhändler haben z. T. die dreifache Menge ihres sonstigen Bedarfs eingetauft. Neue Revolution auf Kuba. Oie Armee meutert. —Oer Präsident zurückgetreten.-Eine linksradikale Junta bildet die provisorische ^Regierung. Havanna, 5. Sept. (TU.) In Kuba hat die gesamte Armee, Marine und Polizei gemeutert und ihre Offiziere abgesetzt. Die Unteroffiziere haben bie Führung übernommen. In ber Nacht mürben ben Offizieren in den verschiebe- nen Garnisonen unb Kasernen von ben Unteroffizieren erklärt, baß sie abgesetzt seien unb baß ihr Widerstand keinen Zweck habe. Die Soldaten hatten sich in denBesltz derWaffen undMu- n i t i o n gesetzt und erklärten, daß sie nötigenfalls kämpfen würden, falls man ihnen Schwierigkeiten in ben Weg lege. Offiziere in ben Provinzen telephonierten an ihre Vorgesetzten in Havanna unb baten um weitere Anweisungen. Ihnen würbe mitgeteilt, baß man die Revolution als eine Tatsache hinnehmen solle. Der Führer ber Truppen ist jetzt, soweit festgestellt werben kann, ber Sergeant B a t i st a. Der Sergeant Gonza » l e 3 hat bie Führung ber kubanischen Marine übernommen, währenb der Leutnant Laurent das Kommando über bie Polizeistreitkräfte hat. Die neue Revolution richtete sich gegen bie Regierung bes Dr. Cespedes, dem man zum Vorwurf macht, daß er nicht genug revolutionär sei. Die Studenten unb bie nieberen Chargen ber Marine Haden sich ben Meuterern a n a e s ch l o s sie n, bie in Havanna an den bie Stabt deherrschenben Punkten, besonders an ben Straßenecken, Maschinengewehre in Stellung gebrockt haben. Die Offiziere sinb von ben Aufttändischen gefangen genommen worben. Wie man hört, beabsichtigen bie Meuterer, eine linfsrabifale Regierung einzusetzen. Präsibent de C e s p e b e s ist, dem Druck ber revolutionären Massen weichend, zurückgetre- t e n. Die unter Führung des Kommunisten Carbo stehende Junta hat die provisorische Regierung übernommen. Die neue provisorische Regierung, der neben dem kommunistischen Journalisten Carbo ber Unioersitätsprofessor San Martin unb ber Sergeant 23 a t i ft a angehören, hat in einem Aufruf erklärt, sie werde Leben unb Eigentum aller Bürger schützen und die finanziellen Verpflichtungen bes Staates erfüllen. Sie werbe roieber zurücktreten, sobald eine endgültige Regierung auf Grund von Wahlen gebildet sei. In Havanna herrscht nach wie vor Ruhe. Die Straßen ber Stabt werden von Aufständischen mit Maschinengewehren bewacht. Außer ber Polizei, bie sich sofort ben revolutionären Solbaten angeschlossen hat, unterstützen auch bie stubentischen Verbänbe und die geheime Vereinigung ABC. die Bewegung. In Santiago stehen ebenfalls alle Soldaten und Studenten auf Seiten der Revolution. Der Oberst D e l g a b o , ber mit seinen Truppen den bisherigen Präsidenten unterstützt hatte, erklärte, daß nach der Meuterei ber Truppen ein Eingreifen ber Vereinigten Staaten die beste Lösung für Kuba sein würbe. Die höheren Offiziere sollen von den aufständischen Truppen im Lager von Colombia eingeschlossen worden sein. Vier Mitglieder ber Geheimpolizei bes Präsidenten Machado wurden gestern vomPöbel ermordet, der ein Arsenal plünderte und sich mit Waffen versah. Soldaten legten sich ins Mittel und verhinderten weitere Plünderungen. Amerika will abwarten. Washington, 5. Sept. (TU.) Die amerikanische Regierung hat beschlossen, gegenüber ben Ereignissen in Kuba völlige Unparteilichkeit zu wahren. Präsibent Roosevelt hat bem Gesanbten Welles entsprechende Anweisungen erteilt. — In Havanna sind alle dort nicht ansässigen Amerikaner im Hotel „National" untergebracht worden. Ein amerikanischer Zerstörer hat in der Nähe des Hotels Anker geworfen. Der korporaltve Mklschastsstaat in Italien. Italiens nationale Revolution ging ber deutschen um eine Reihe von Jahren voraus. Aber mit dem Neuaufbau ber Wirtschaft ist Mussolini außerordentlich langsam unb zögernd vorgegangen. Man darf nicht vergessen, daß die italienische Wirtschaft vor der Machtergreifung bes Faschismus schon weitgehend durch marxistische Kräfte und Organisationen durchsetzt war. Langsam und schrittweise, vorsichtig zwischen kapitalistischen und sozialistischen Jdeengängen sich vorarbeitend hat der Faschismus den Neubau bes korporativen Wirisch a f t s st a a t e s in Angriff genommen. Jetzt steht dieser vor ber Dollenbung. Bisher gab es in Italien nur bie einzelnen „Syndikate" ber Arbeitgeber unb A r - beitnehmer. lieber ihnen stand ber Nationalrat der Korporationen, ber etwa unserem früheren beutschen Reichswirtschaftsrat vergleichbar ist. Der Unterschieb besteht nur darin, daß dieser eine parlamentarische Körperschaft war, während der italienische Nationalrat ber Korporationen bie höchste Spitze der neuen faschistischen Wirtschaftsleitung barftellt. Aber Mussolini hielt es für nötig, bie Verbindung zwischen diesem Nationalrat und den Syndikaten erst nach deren innerer Neugestaltung herzustellen. Etwa sieben Jahre hat es gedauert, bis diese in Italien besonders schwierige Aufgabe gelost war. Jetzt hält Mussolini den Augenblick für gekommen, um als Bindeglied zwischen dem Nationalrat unb ben Einzelorganisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Korporationen ins Leden zu rufen, die künftig die eigentlichen Träger des neuen faschistischen Wirtschaftsgebäudes werden sollen. Schon vor etwa zwei Monaten ist in einer Sitzung bes korporativen Zentralkomitees ber Beschluß gefaßt worden, nunmehr die Korporationen zu schaffen, die sich als Organe bes Staates auf bem Gebiete ber wirtschaftlichen Beziehungen zwischen ben oerschiebenen Gruppen als aus- gleichende Faktoren betätigen sollen. Ihre besondere Aufgabe besteht darin, auf eine einheitliche Disziplin der Produktion hinzuwirken. Tatsächlich ist hier etwas ganz Neues im Werden. Darum hat es so lange gedauert, bis man sich über die Verwirklichung ber Idee des korporativen italienischen Wirtschastsstaates geeinigt hat. lieber bas Ziel ber Wirtschaftsreform waren sich die maßgebenden Kreise bes Faschismus natürlich längst klar. Aber sie wollten keine Experimente machen, nicht bie gerade in ben romanischen Ländern so sehr gefürchtete ^Dirtschaftsbürokratie ins Leben rufen, sonbern lebendige Organisationen, die von ber Mitarbeit ber besten Kräfte ber italienischen Wirtschaft, ber Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer, getragen werden. Man würde dem Wesen und der Bedeutung ber faschistischen Korporationen nicht gerecht werden, wenn man sie etwa nur als Arb eitsgemein- schäften der Unternehmer- und'Arbeiterverbände bezeichnen wollte. Das sind sie natürlich auch. Sie bedeuten bie endgültige Ueberroinbung unb die Ausschaltung bes Klassenkampfgedankens aus dem sozialen Leben bes italienischen Volkes. Ader sie sind noch weit mehr, benn es werben ihnen die wichtigsten Funktionen, bie ber Staat auf wirtschaftlichem unb sozialem Gebiet besitzt, übertragen. Darum steht an ber Spitze der für jeden einzelnen Berufszweig zu errichtenden Korporation nicht etwa ein von den Vertretern ber Arbeitgeber und ber Arbeitnehmer gewählter „Unparteiischer", sonbern ein Unter- Staatssekretär, also ein hoher Regierungsbeamter. Die Korporation umfaßt alle ©lieber bes großen Berufszweigs, für ben sie errichtet ist, Unternehmer, Arbeiter und Angestellte, Erzeuger und Händler, Rohstoffproduzenten, Weiterverarbeiter und Verbraucher. Sie ist in dem ihr zugewiesenen Wirkungskreise der Träger des wirtschaftlichen Ausgleichs und zugleich der Schöpfer einer neuen wirtschaftlichen Ordnung, die ber Staat durch seine eigene Autorität stützt. Sie setzt die Arbeitsbedingungen fest, also auch die Löhne, berät die Regierung in allen wirtschaftlichen und sozialen Fragen, die ihr Fach betreffen, wird bei allen gesetzlichen Maßnahmen vorher gehört und um ihr Guthaben ersucht, sie vermittelt schließlich bei allen Differenzen und Jnteressenkonflikten, entlastet also hierdurch bie staatlichen Arbeitsämter. Die wesentlichste Aufgabe ber Korporationen ist also die Ordnung ber Wirtschaft. Sie sichern ben Arbeitsfrieden unb verhindern alle Ausschreitungen des zügellosen Konkurrenzkampfes. Hier wie dort sollen sie ben wirtschaftlich Schwachen stützen. Sie nehmen bamit bem Staate eine seiner wichtigsten Funktionen ab, weil sie biese weit besser als irgenbeine bürokratische Behörde ausüben können. Der korporative Wirtschaftsstaat setzt sich selbst Schranken, um einerseits die Auswirkungen einer schrankenlosen Freiheit wirtschaftlicher Betätigung, andererseits die Lahmlegung der privatwirtschaftlichen Initiative durch eine staatliche Bürokratie und eine von dieser geleitete Planwirtschaft zu oer» meiden. Er will bas Schiff ber Wirtschaft zwischen der Scylla eines hemmungslosen Kapitalismus und ber Charybbis einer sozialistischen ober staatskapi- talistischen Bürokratisierung hindurchsteuern unb in den Hafen einer ruhigen, von den natürlichen Gesetzen bes Wirtschaftens beherrschten Arbeit leiten. Daten für Mittwoch, 6. September. 1634: Schlacht bei Nörblingen. — 1813: Sieg der Preußen über die Franzosen, Sachsen und Württemberger bet Dennewitz. — 1830: Die Braunschweiger vertreiben den Diamantenherzvg Karl II. Aus her proviuzialhaupistahl. Bubenstreiche. Äon £oni Lauxmann-Kinzelmann. Wer selber einen Jungen daheim hat, womöglich noch ein paar Mädels dazu, der weiß allerlei über dieses Kapitel zu schreiben. Gerade weil in solcher Familie der Vergleich zwischen dem wilden Jungen unb dem stilleren, artigeren Mädchen so besonders stark ins Auge fällt, wird über Die Streiche des Jungen viel geseufzt. Wir müssen immer unterscheiden lernen, ob Mutwille und Uebermut ober bösartige Charakteranlage des Knaben Tun beeinflußt Haden, benn bie aus Lebensübermut unb Kraftfülle entsprungenen Streiche find meist ganz harmloser Natur. Allerdings wäre es gut, wenn man diese Lebensfülle in andere, bessere Bahnen zu lenken versuchte. „Austoben" muß sich nun einmal ein frischer, gesunder Junge. Drum bedeutet Spiel und Sport nicht nur eine gesunde Betätigung, sonderen gibt auch dem sprühenden Kampfgeist bestimmte Grenzen unb Ziele. Viele Eltern, benen selbst in der Jugend so eine Betätigung versagt ward, nörgeln über die „Sportwut" des Jungen. Doch gerade das Gegenteil wünschen wir von den Eltern: lebendige, frohe Anteilnahme, wenn sich die Jugend im Sport die Glieder stählt. Gerade dieses „Mittun" der Eltern — und sei es auch durch ein „Anteilnehmen" —• ist für beide Teile von Vorteil. Wir Erwachsenen müssen überhaupt dem Kinde gegenüber viel mehr in ein Verhältnis des Vertrauens kommen. Nicht immer verbieten unb befehlen — sich mit richtigem Verständnis für die jugendliche Seele uns auf sie einstellen. Gerade ein Befehl — sei er in unrechter Weise vorgebracht, ober würbe er von dem Knaben nicht ganz verstanden oder gefühlsmäßig verstanden, — bringt den Jungen gar zu gern in eine Kampfstellung gegenüber den Erwachsenen. Er empfindet es dann als gewollte Herrschsucht — und lehnt sich dagegen auf. Man kläre den Knaben in netter Form über bie Dinge des täglichen Lebens auf. Man verbiete ihm einfach nicht bas „Werfen mit Steinen" oder dergleichen, sondern erzähle ihm an Beispielen, weich' traurige Folgen ein Steinwurf haben kann, wieviel Unglück schon so eine Werferei gebracht hat. Man mache immer wieder darauf aufmerksam, welche Schuld man auf sich laden kann, wen ein Stein einem andern ins Auge fliegt, und wie, wenn evtl, die Sehkraft zerstört ist, so ein armer Mensch für fein ganzes Leben erblindet ist. „Obststehlen" in fremden Gärten gehört zu den beliebtesten Streichen unserer Buben. Dabei lockt nicht einmal immer bas Obst, denn sie haben oft genug daheim, aber was lockt, ist die Gefahr, in bie man sich begibt, nicht die Beute. Man wandelt dabei phantasievoll auf den Pfaden seiner Indianer- geschichten. Wenn man den Jungen vorhält, baß dies „Diebstahl" ist, so sieht man meist völlig erstaunte, überraschte Gesichter. Denn das dies „Stehlen" meist gar nicht der Beweggrund solcher Streifzüge war, kann man sich von vielen Erwachsenen aus Erinnerung an ihre Knabenzeit bestätigen lassen. Gerade diese' Aufregung der Gefahr lockt so manchen Knaben zu einem solchen Streich. Alle diese Streiche aber sind harmloser Natur — und verlieren sich, wenn ber Knabe in Spiel und Sport eine andere Richtung seines Lebensübermutes findet. Dagegen sind bösartige Streiche, wie das Qualen und Täten von Tieren, raffinierte kleinere Diebstähle ufw., meist oder immer sehr bedenklich, denn sie zeigen einen schweren Charakterfehler unb einen moralischen Defekt, der zu schwersten Befürchtungen Anlaß gibt. Allerdings heißt es nicht immer sofort ben Stab über solcy einen Jungen brechen. Man versuche genau die Beweggründe ber Tat aufzuklären, benn es gibt auch willenlose Knaben, bie sich schnell ben fremden Einflüssen schlechter Kameraden hingeben. So heißt es auch ben Umgang bes Knaben überwachen, benn was ein gutes Elternhaus aufbaut, — in kurzer Zeit können es schlechte Spielgefährten nieberreißen. Vertrauen zu eurem Jungen und Vertrauen des Jungen zu euch — das ist bas Schönste, was man sich als Eltern wünschen kann. Dadurch wird manches Böse verhütet und manch' Großes aufgebaut. Und macht mal der Junge einen Streich — nrr nicht gleich das Schlimmste denken. Fragt unfzre großen Männer, ob sie keine harmlosen 23xben- streiche in ihrer Jugend machten. Sie werden lachend „Ja" sagen... ASOAP. Gießen, Am heutigen Mittwoch, 21,15 Uhr, ist Zellen- abend der NS. - Frauenschaft Gießen- Mitte, Zelle 2, im Cafe Ebel. Berichterstattung über Nürnberg. Von ber NS. -Frauenschaft Gießen- Nord kommt am morgen Donnerstag, 20,30 Uhr, ber Turn- unb Singekreis unter Leitung von Frl. Messinger erstmalig im Cafä Ebel zusammen. m t Die Ortsgruppe Gießen-Sud oeran- stattet am morgigen Donnerstag, 20,15 Uhr, im Physiologischen Institut, Friedrichstraße, für die Zellen Kliniken (3) und Frankfurter Straße (4) einen Luftschutzkursus. Zu dieser Veranstaltung ist das Erscheinen aller Parteigenossen Pflicht, darüber hinaus sind auch die übrigen Volksgenossen in diesen Straßen zum Besuche herzlich eingeladen. Büdesheimer Weinsestwoche. Eine der originellsten Veranstaltungen ist bie Weinfe st woche, die die altberühmte Rheinstadt Rüdesheim alljährlich veranstaltet. In dksem Jahre beginnt die Weinfestwoche am San/stag, 9. September, und endigt am 17. September. An ben beiden Haupttagen (Sonntag, 10., unb Sonntag, 17. September) bewegen sich durch die malerischen Straßen der Stadt Festzüge, die im ersten Teil Küfer und Winzer in ihren Serufstrad/ten und mit ihren Fachgeräten, im zweiten Te'1 ein Spiegelbild der Beziehungen des Menschen zum Wein zu allen Zeiten zeigen. Dazu läuft täglich der Weinbrunnen, einer der begehrtesten Anzie- hungspunkte; auf bem reizvollen Marktplatz Rübes- Heims werden am Samstag, 9., Mittwoch, 13., und Samstag, 16. September, volkstümliche Veranstaltungen geboten. Zu alledem bewirkt die luftige Weinlotterie, deren am Orte erzeugte Gewinne — Wein, Schaumwein, Weinbrand und Pralinen — sofort in Empfang genommen werden können, Hebung ber rheinisch-frohen Stimmung. Wer über die Weinfestwoche noch Näheres hören möchte, wenbe sich an ben Verkehrsverein in Rüdesheim. (Siehe heutige Anzeige.) Bornotizen. — Tageskalender für Mittwochs Deutsche Arbeitsfront, 20,30 Uhr, Dolkshalle, öffent* SÄK-iSs £ "ltb Ntz Ä MK L-r-D fftt*«Vn'ää9'”6l-r bedenklich, denn ,wer en Lcharatterfechter und einen , der zu schwersten Befürchtungen dlngs W es nicht immer sofort old)' einen Jungen brechen. Man ie Beweggründe der lat aufzuklö- ,t auch willenlose Knaben, die sich )en Einflüssen schlechter Kameraden M es auch den Umgang des Kna- , denn was ein gutes Ellnnhaus ürzer Zeit können es schlechte-M- i Sungen uni Mrauen les ÄSeiÄ^nr: , Lchlimmste denken. Fragt u^r nZ sj- keine harmlosen ö^en ^DAP. ließen. Mittwoch, 21,15 W, 3 * ** Nürnberg. (jlegen* 6-'3rflU;nn,UeX am worg'gku 2 &//w DOn ;acn Donnerstag, ' die Sm (« 31 und ^rantf erQTX«altun^ rst L Zu baruber i,?ua,S£»ii™inbie|i'1 tf»***, . Men lLeran!l?llE^ ^,^t ^«•'• hrlicb veranftaltet- , ß|Qg, filÖKrt'wÄ’S ‘ÄÄ *w'**t*^w* WS-- 5S-=* ltche Versammlung; Redner: Pg. Karwahne- Hannover: Thema: „Kamps gegen versteckte mar- ristifche Sabotage und Komps für die nationalsozialistische berussstandische Organisation des deutschen Fabrikarbeiter-Verbandes." - Lichtspielhaus Bahn- hosstraße: „Brennendes Geheimnis" mit Willi Forst und Hilde Wagener. • . " Straßenschilder und Hausnum- mern müssen gut sichtbar sein. In * einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil macht das städtische Hoch- und Tiesbauamt daraus aufmerksam, daß Straßen- und Hausnummern- schilder nicht durch das Laubwerk der Baume und Büsche in den Vorgärten verdeckt sein dürsen, sondern gut sichtbar sein müssen. Hausbesitzer seien aus die Bekanntmachung besonders aufmerksam gemacht. "Sitzung desProvinzialousschus- s e s. Am Samstag, 9. September, 8.30 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tages- Ordnung: 1. Klage des Bezirksfürsorgeverbandes Stadt Neustadt a. d. H., vertreten durch das Wohlfahrts- und Jugendamt, gegen den Landesfürsorge- verband Hessen, vertreten durch den Bezirksfürjorge- verband Kreis Friedberg, auf Erstattung von Verpflegungskosten für Maria Schott aus Dudeldorf. 2. Klage des Landesfürsorgeverbandes des Bezirksverbandes Kassel, vertreten, durch den Landeshauptmann zu Kassel, gegen a) den Landesfürsorgever- band Dolksstaat Hessen, oertreien durch den Bezirks- sürsorgeverband Stadt Gießen, b) den Bezirksfür- iorgeverband Kreis Gießen, wegen Erstattung von Fürsorgekosten für Vitalin Schleimowitsch. ** Kellerbrand. Heute vormittag gegen 10 Uhr bemerkten die Bewohner des Hauses Wieseckerweg 40 einen Kellerbrand. Die sofort her- beigerusene Feuerwache brauchte jedoch nicht in Tätigkeit zu treten, da es den Bewohnern möglich war, schon vor der Ankunst der Feuerwehr den Brand zu löschen. ** DHE. - Gießen. Am vorigen Sonntag fand die neunte Planwanderung des DHE. Gießen statt, an der sich 60 Personen beteiligten. Bis Rodheim wurde mit der Biebertalbahn gefahren. Don dort führte der Weg an dem Schmitterhof vorbei durch schöne Buchenwälder über den Himberg und dessen höchste Erhebung, den Königsstuhl, durch das liebliche Schwalbenbachtal zur Dicken Eiche und weiter nach dem idyllisch gelegenen Bubenröderhof, wo bei Milch und Kassee im schön gepflegten Hausgarten Frühstücksrast gehalten wurde. Bei strahlendem Sonnenschein und Harb lauem Himmel ging die Won- berung dann nach dem Altenberg. Don dem wiederhergestellten steinernen Aussichtsturm bot sich den Wanderern ein überwältigender Rundblick bis zu den fernen Höhen des Vogelsbergs, Taunus und Westerwalds. Nach dem Abstieg wanderten die Teilnehmer auf schönen Waldpfaden durch prächtige Buchen- und Eichenbestände nach Blasbach, wo gerastet wurde. Dann ging es weiter über den Sim- berg, der eine entzückende Sicht auf Wetzlar und das Lahntal bietet, nach Nieder-Girmes, zur Schluß- einkehr. Hier konnten die Wanderer durch Radio die Ansprache unseres Dolkskanzlers vom Reichsparteitag in Nürnberg hören. Gefesselt durch seine überzeugenden Worte wurde der Abmorsch möglichst lange hinausgeschoben. Dann noch ein dreifaches Sieg-Heil und unter Singen ging es in flottem Tempo nach dem Bahnhof Wetzlar, dem Endziel der Wanderung. Fünfzig Jahre deutsches Wandern. Zur 50 Zahrfeier des Reichsverbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine zu Frankfurt a. :DL 16. —18. (September. Die alte Kaiser- und Goethestadt Frankfurt a. ÖH. rüstet sich, die Abgeordneten der deutschen Gebirgs- und Wandervereine zu empfangen. Sie wollen in ihren Mauern den 4 2. Wandertag in den Tagen vom 16.—18. September abhalten. Der heurige Wandertag erhält feine besondere Bedeutung dadurch, daß er verbunden ist mit der Feier des 50jährigen Bestehens des ReichsverbandesDeutscherGebirgs- und Wandervereine, der heute unter der Leitung des Reichsiührers, des $crrn Ministerpräsidenten und Staatsministers Prof. Dr. Werner- Harmstadt 300 000 deutsche Wanderer umschließt. Aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes werden Vertreter nach Frankfurt eilen, zu ernsten Beratungen und zu machtvollem Bekenntnis zum neuen Reiche Adolf Hitlers und zur deutschen Wanderfache. Die Wanderfreunde aus der Mark und der Heide, vom Rhein und von der Elbe, vom Sauerland und der Schwäbischen Alb, von der Pfalz und Saar und vom Erz- und Riefengebirge werden mit den Vertretern der mitteldeutschen Gebirgsvereine eine geschlossene Front der deutschen Wanderer bilden. Der Taunus- k l u b als festgebender Verein hat alle Vorbereitungen getroffen, die Gäste würdig zu empfangen. Am 15. September treffen die Teilnehmer der Tagung ein und werden am Abend mit dem berühmten Frankfurter „Aeppelwoi" bekannt gemacht. Zu ernster Arbeit versammelt sie der 16. September. Sitzungen des Beirates und die Hauptversammlung füllen den Tag aus. Der De- grüßungsabend im Palmengarten hat die Form eines Heimatabends und schließt den Tag würdig ab. Am 17. September tritt der Verband in die breitere Oeffentlichkeit. Die um Frankfurt liegenden großen Wanderverbände, wie Taunusklub. Odenwaldklub, VogelsbergerHöhenclub und Spessartbund werden in Sonderzügen ihre Mitglieder in größerer Zahl nach Frankfurt bringen, um in einer Kundgebung auf dem Römerberg ein eindrucksvolles Bekenntnis für das deutsche Wandern abzulegen. Diese schlichte Feier um 12.30 Ahr bildet den Höhepunkt des Verbands ubiläums. Vorher ist ein Empfang der Tagungsteilnehmer durch die Verwaltung der Stadt Frankfurt im Äaiferfaal des Römers und eine akademische Feier des 50jährigen Bestehe, s des Verbandes im Bür- gerfaal des Rathauses. Der Rachmittag des 17. September ist in landsmannschaftlichen Zusammenkünften der Tagungsteilnehmer und einem Besuch der Saalburg und Hornburgs Vorbehalten. Am Montag wird eine großangelegte Rundfahrt durch den Taunus und das Lahngebiet den Gästen die Schönheiten dieser gesegneten Gegenden erschließen und die Kenntnis des Weltbades Wiesbaden vermitteln. Wanderungen in die umliegenden Gebirge schließen am 19. September die Tagung wirkungsvoll ab. Es steht zü erwarten, daß ihr Programm großen Anklang finden und zahlreiche Wanderer nach der Feststadt bringen wird. Dr. Götz. Zugendherbergs-Werbetage. Von Or. W. Flörte. Am 9. und 10. September tritt der Reichsver - banb für deutsche Jugendherbergen an die Oeffentlichkeit mit der Bitte, ihm bei der Erhaltung unb dem Ausbau ber deutschen Jugendherbergen durch Spenden unb Erwerbung der Mitgliedschaft zu helfen. Die Jugend selbst hat es übernommen, für bas Herbergswerk zu werben. Hitlerjugend, Jungvolk und Bund deutscher Mädchen werden Gaben erbittend mahnen, mitzuhelfen, daß in Deutschland eine gesunde unb fröhliche Jugenb heranwachsen kann, die ihre Hei- mat sich erwandert und dadurch ihr wurzelhaft verbunden wird. Da ist es an der Zeit, einen Rückblick auf das Vergangene zu tun. Dabei sollen uns besonders die Jugendherbergen unserer engeren Hei- mat beschäftigen. Steil fteigt in dem vergangenen Jahrzehnt bte Kurve der Uebernachtungen an, sprunghaft wächst von Jahr zu Jahr die Zahl der jungen Wanderer, denen die Jugendherbergen ein freundliches Obdach auf ihren Fahrten durch deutsches Land gewährten. 4,3 Millionen Uebernadjtungen im Jahre 1931! Eine gewaltige Zahl! Und doch wie klein im Vergleich zu der Gesamtzahl aller deutschen Buben und Mädchen, die die Sehnsucht hinaustreibt in die Ferne, die wenigstens einmal im Jahr auf ein paar Tage der Steinwüste der großen Städte den Rücken kehren und hinauswandern sollten in das sonnige Land. Jrn Jahre 1931 aber nimmt die Zahl der Herbergsgäste nicht mehr zu, ja in manchen Bezirken, wie z. B. im Gau Main-Rhein-Lahn-Fulda geht sie seit 1930 zurück, wenn das Ausmaß dieses Rückgangs auch nicht sehr erheblich ist, und die Zahlen noch weit über dem Stand von 1929 liegen, so ist damit doch durch Not unb Elend in ber Entwicklung bes beutschen Jugendwanderns ein Stillstand eingetreten, dem wir mit allen Mitteln steuern müssen. Ls ist eine der vornehmsten Aufgaben des neuen Staate» und feiner Jugend, das IDanbern der Jugend zu fördern und zu pflegen und immer weitere fireife dafür zu gewinnen. In O b e r h e s s e n ist im vergangenen Jahr der Ausbau des Jugendherbergsnetzes zu einem ge> wißen Abschluß gelangt durch den Ausbau der neuen Friedberger Herberge. Wir haben jetzt in diesem Gebiet 14 Herbergen mit rund 600 Betten und lOONotlagern. Im Jahre 1931 hatten sie 15 315 Uebernachtungen zu verzeichnen. Stark zurückgegangen ist leider die Benutzung der Herbergen durch Volksschulklassen. Im Jahre 1927 wiesen unsere oberhessischen Herbergsbucher 3433, im Jahre 1932 1263 Wanderer aus Volksschulen aus. Auch bei Schülern aus höheren Schulen ist in den letzten Jahren ein erheblicher Rückgang zu verzeichnen, 6025 in 1930 und nur 3497 in 1932. Dabei zeigen die Zahlen für jugendliche Wanderer, die in kleinen Gruppen ober einzeln kommen, ein dauerndes Anwachsen und gleichen den Rückgang der Schulgruppen ziemlich aus. Wir zählten: 1927 1373, 1932 5303. Vor allem das teure Fahrgeld macht das Wandern der Schulklassen heute so schwierig. Wo wir auf Eisenbahnfahrt verzichten können, brauchen wir für Uebernachten und Verpflegung, die wir uns in den Herbergen selbst bereiten, wirklich nur kleine Beträge, die vielfach auch heute noch aufzubringen sind, wenn längere Zeit dafür in kleinen Pfennigbeträgen gespart wird. So kostete z. B. eine dreitägige Wanderung in den Vogelsberg mit Benutzung der herbergen in Laubach und auf dem hoherodskopf einschließlich 0,75 Mark für Bahnfahrt nur rund 2 Mark. Zweitägige Wanderungen ohne Benutzung der Bahn, wobei die Jugendherbergen in Hohensolms, Lau- bach, Butzbach, Wetzlar für Gießener Gruppen in Frage kommen, kosten nur wenige Pfennige. Es ist ja für die Schulwanderungen nicht immer in erster Linie wesentlich, daß ferne Ziele erreicht, oder daß berühmte Ausflugspunkte aufgefutht werden. Wichtiger ist das Erlebnis der Gemeinschaft, das Zusammenleben in der Gruppe, das Füreinandersorgen und nicht zuletzt auch das (Ertragen der kleinen Mühsale und Anstrengungen, die eine solche Wanderung mit sich bringt. Da muß ein kleiner Bursche zum ersten Male im Leben, ohne von der sorgenden Hand der Mutter betreut zu werden, in ein fremdes Bett kriechen, auf den molligen Federberg verzichten und sich mit Schlafsack und Wolldecke zurechtfinden ; oder er lernt es, seine Schuhe selbst zu putzen, damit er bann, wenn zum Abmarsch angetreten wird, nicht auffällt. Ein anderer, der noch nie in der Küche half, lernt hier Feuerwachen, Kaffeekochen ober Suppe zubereiten. Dann gar das Bettenmachen, das Auskehren und Ordnen der Herberge am Morgen, damit die nächsten alles wieder sauber und nett vorfinden, so wie wir es selber antreffen wollen. Einmal hatte ein Schüler gerade noch acht Tage vor der lange vorbereiteten und heiß ersehnten Wanderfahrt den Arm gebrochen. Mit dem Einverständnis des Arztes durfte er doch mitgeben. Seine Kameraden trugen feine Sachen und sorgten in jeder Weise für ihn. Wirklich ein schönes Beispiel für echte Kameradschaft, bedeutete doch der Zuwachs an Gepäck, wo jeder selbst schon einen schweren Rucksack hatte, eine spürbare Mehrbelastung. Diese wenigen Andeutungen mögen genügen, um zu zeigen, welche Fülle erzieherischer Werte das mehrtägige Wandern, das erst durch die Jugendherbergen zum Allgemeingut der deutschen Jugend werden konnte, in sich birgt. Der neue Staat hat auch die Jugend unter starker Führung geeint. Der Jugendbund erfaßt immer weitere Kreise für seine Erziehungsaufgabe. Das Jugendwandern wird in den nächsten Jahren immer größeren Umfang an- nehmen. Dafür gilt es, unsere Jugendherbergen leiftungs- sähig zu erhalten und sie für die neuen Aufgaben auszubauen. Und das ist Zweck und Sinn bes kommenden Reichsherb ergswerbetages. Mögen unsere Buben und Mädchen verständnisvolle Herzen und offene Hände finden für das Jugendherbergswerk. Giegheil Leib-Dragoner! Man berichtet uns: Die alte Reiterftadt Langensalza machte am Samstag und Soauüag ihrem Namen alle Ehr. Die Wiedersehens- feier der Angehörigen bes ehemaligen Leib-Dragoner-Regiwen ts (2. Großh. Hess.) R r. 2 4 nahm einen so glänjenben Verlauf, daß sie allen Leib-Dragonern, und nicht zuletzt der Traditionseskadron, noch lange in (Erinnerung bleiben wird. Einen würdigen Auftakt des Treffens bißiete der am Samstag in der Reich alle abgehaltene Feslkommers, der alle in froher unb herzlicher Kameradschaft vereinte. Die Reitbahn war in prächtiger Weise her- gerichtet. Ein Meer von Fahnen und Girlanden zierte die Wände. Die alten schwarzweißroten Farben, die Reichskriegsslaggen und die sieghaften Hakenkreuzbanner des neuen Deutschland leuchteten entgegen. Ueber dem Rednerpodium waren die mit Eichenlaub umkränzten Bitter bes Generalfettmarschalls v. Hindenburg und unseres Dolks- kanzlers Adolf Hitler angebracht. Unter den Klängen der Musik erfolgte der feierliche Einmarsch der Vereine und Verbände mit ihren Fahnen und Standarten. Die Abordnungen ber ehemaligen hessischen Leib-Dragoner, ber ehemaligen Jäger zu Pferde und ber verschiedenen Kavallerieoereine boten ein farbenfrohes Bitt, das durch die braunen und schwarzen Uniformen der SA. unb SS. unb durch bas Feldgrau des Stahlhelm wirkungsvoll ergänzt wurde. - Der Führer der Traditionseskadron und Ehrenmitglied des Vereins ehemaliger hessischer Leib- Dragoner des Kreises Gießen, Rittmeister Buck, hieß alle herzlich willkommen unb gab feiner Freude über die unerwartet große Beteiligung lebhaften Ausdruck. Er begrüßte die Gäste mit dem Ruf: „j)eil Leib-Dragoner!", der von seinen Steilem mit einem jubelnden „Sieg, Herr Rittmeister!" erwidert wurde. Nachdem ergriff der Führer des Offizieroereins der Leib-Dragoner, Rittmeister W ä t j e n - Bremen, das Wort und betonte, daß die ehemaligen hessischen Leib-Dragoner dem Ruf ber Eskadron gerne gefolgt feien, um in Langensalza im alten Kameradentreise einige frohe Stunden verleben Zu können. Nach einem kurzen Rückblick auf die heldenhaften Leistungen, die bas Regiment im Weltkriege vollbracht hat, rechnete der Redner scharf mit denen ab, die in der Stunde ber höchsten Not dem kämpfenben Frontheere den Dolch in den Rücken stießen und all das zerstörten, was dem alten Soldaten heilig war. Stadtverordneten-Vorsteher Pg. Beyer hieß die ehemaligen hessischen Leib-Dragoner im N"men der Stabt Langensalza herzlich willkommen 1 einem Bekenntnis zu unserem unvergleichlich Führer Adolf Hitler schloß er seine vortreffUchen, von echtem, unverwüstlichem Soldatenhumor getragenen Ausführungen. Pg. Kraushaar- Langensalza gab eine kurze Uebersicht über den opfervollen Kampf der NSDAP. Der Bundespräsident der Leib-Dragoner, Rittmeister a. D. Dr. C h a l o n s - Gießen, sprach seinen Dank aus für die überaus gastliche und herzliche Aufnahme. Der Großherzog von Hessen sandte ein Begrüßungstelegramm. Der Führer des Vereins ehemaliger hessischer Leib-Dragoner des Kreises Gießen, E i d m a n n , überreichte einigen Angehörigen der Traditions- estabron, sowie den Mitgründern des Bereins, Polizeihauptwachtmeister S t e i h , Telcgrefenbau» iefretär Dagenbach, Rittmeister Dr. Cha- Ions und Willi Lauufp ach bas Mackensen- Ehrenkreuz. Der Führer bes Savallcrie*Bereins Marburg, S e i p, überbrachte ber Eskadron ein Hitterbitt. Weiter sprachen der Ortsgruppenführer bes Stahlhelms Langensalza, Walter; Pg. Buch- Holz, als persönlicher Ldjutant des Äreisleitcrs der NSDAP., unb MdR. Trübenbach, sowie Sanbtagsabgeorbneter Reinhardt. Kittelschal im Namen des Thürmrpschen Sanbtages unb des Präsidenten Hille. Damit nahm der offizielle Teil fein Ende. Echtes komeradschaftfiches Skif neunen- fein begann, das alle Anwesenden noch einige Stunden in froher Stimmung vereinte. Der Sonntag brachte auf dem Kasernenhofe einen Aridgottes dienst und die feierliche Enthüllung des von den Kameraden des Vereins ehemaliger hessischer Leib-Dragoner des Kreises Gießen und dem Offizierverein gestifteten Dragoner-Gedenksteines, die mtt dem Niederländischen DanTgcbet eingeleitet wurde. Superintendent Lic. Seitz- Langensalza sprach über das Pauluswort: „So jemand auch kämpft, wird er doch nicht gefrönt rr kämpfe denn recht!" In schlichten, ergreifenden Worten gedachte er des unerhörten Heldentums der Kämpfer, Leibens und Sterbens unserer Väter und Brüder hn großen Kriege. Ihre Treue, ihre selbstlose Hingabe, ihre Pflichterfüllung und ihr Gottvertrauen sollen uns allezeit ein leuchtendes Vorbild fein. Dann fiel die Hülle des Gedenksteins. Der Führer des Leiddragoner • Offiziervereins, Wüt- j e n, ehrte die gefallenen Helden in echt soldalifcher Weise und übergab das Ehrenmal ber Obhut der Traditions-Eskadron. Seife ertlnng das Lieb vom guten Kameraden, unterbrochen von Aommando- rufen und dem dreimaligen donnernden Ehrensalut der Eskadron. Mit dem Gesang des Deutfchland-Liedes und des Hvrft-Wesset-Liedes fand die Wechestunde ihr Ende. Das Zeichen der Nachmittagsverrlnstaltung war erstklassiger Sport, ob es sich nun um die Reit-, Fahr- ober Krastfahr- vorführungen handelte. 1L a. folgte eine Quadrille des Vereins ehern, heff. Leiöbragoner des Kreises Gießen, die üi Vorkriegsuni- fornj unter Leitung des ehemaligen Wachtmeisters S ch ö m b s geritten wurde unb lebhaften Beifall fand. Ganz große Klasse war bas General-Meister- Erinnerungsspringen. Luch hier war der Verein Gießen erfolgreich. Am Montagfrüh folgte eine Besichtigung der Eskadron auf dem Exerzierplatz und nach dem Parademarsch ein Gefechtsexerzieren, das den in großer Zahl erschienenen Zuschauern zeigte, daß die Traditions-Eskadron ber Hess. Leib- braaoner, unter ihrem Chef, Rittmeister Auch, in Höchstform ist. Immer ist es deutscher Reitergeist und Wagemut gewesen, der den Sieg errungen hat und die besten Eigenschaften verkörpert, die eine Ration durch die Tiefen wieder zur Höhe führt: Kraft, Aufopferung, Treue» tollkühnes, wildes Draufgängertum, gepaart mit unerschütterlicher Zuversicht unb selbstlosem Heldentum. Dieser alte Reitergeist lebt unvermindert in unserer jungen Reichswehr fort, das hat auch das Leibdragoner-Treffen in Langensalza erneut bewiesen! Sieg Heil, Leibdragonerl Wirischast. Frankfurt beruhigt und erholt. Frankfurt, 6. Sept. (WTB. Drahtmeldung.) In Fortsetzung der Beruhigung an ber gestrigen Abendbörse eröffnete auch ber Mittagsverkehr weiter erholt, da auf der ermäßigten Basis kleines Kaufinteresse der Bankkundfchaft vorhanden war, während die Kulisse noch gewisse Zurückhaltung an den Tag legte. Daher war auch die Um- satztätigkeit nicht sonderlich groß. Die Kursgestaltung wies keine einheitliche Richtung nach oben auf, da in einigen Werten noch etwas Angebot vorlag, doch waren überwiegend Besserungen von 0,5 bis 1 o. H. im Durchschnitt zu verzeichnen. Einige Anregungen auf die Börse ging von dem neuen Interview Dr. Schachts über Die deutsche Transferpolitik aus, aud) ein Plan des Hanfabun- des zur Exportförderung fand viel Beachtung. Niedriger lagen noch Süddeutsche Zucker und Elektrische Lieferungen mit je minus 2,25 o. H., Bekula mit minus 1,65 v. H., sowie Holzmann mit minus 0,50 v. H. unb Aku mtt minus 0,13 o. H. IG. eröffneten zunächst 0,25 v. H. leichter, waren aber rasch um 1,25 v. H. auf 116 v. H. erhöht. Rüt- gerswerke gewannen 1,50 o. H. Scheideanstalt nach unverändertem Beginn 1 v. H. Der Montanaktienmarkt zeigte durchweg Erholungen von 0,50 bis 1 o. H. Rheinftahl zogen 1,65 v. H. an. Siemens lagen nach dem ersten Kurs 1,75 v. H. fester. Daimler gewannen 1,50 v. H. Gut behauptet lagen Reichsbankanteile. Unter Bevorzugung von Altbesitz gewannen Deutschen Anleihen bis zu 0,40 v. H., auch späte Reichs- schuldbuchforderungen und die Amnestieanleihe mürben bis 0,5 o. H. hoher umgesetzt. Bon Jndustrie- obligationen waren Stahlvereinbonds knapp, Reichsbahnvorzugsaktien gut gehalten. Der Pfanbbrief- martt lag recht uneinheitlich, wobei aber Goldpfand- triefe doch meist etwas freundlicher waren, während Liquidationspfandbriefe unb Kommunalobligationen ber Frankfurter Institute erneut 0,5 bis 0,75 o. H. verloren. Staatsanleihen waren noch unentwickelt, Stadtanleihen meist unverändert. Der Verlauf war außerordentlich ruhig, da ein vorübergehender Rückgang von IG. um 1,25 v. H. etwas zur Zurückhaltung mahnte. Später waren IG. jedoch wieder leicht befestigt. Die übrigen Werte blieben gut behauptet, ebenso Deutsche Anleihen. Tagesgeld war zu 3 o. H. unverändert und leicht. Herbstmarkt in Nidda. X Nidda, 4. Sept. Auf dem heute hier abge« hattenen Herb st markt waren 70 Stück Großvieh, 87 Ziegen und junge Böcke, 946 Ferkel und 13 Eber aufgetrieben. Der Handel mit Rindvieh war mäßig. Es wurden meist nur Jungtiere verkauft. Für einjährige Rinder wurden 65 bis 80 Mark, für ältere Tiere 120 bis 200 Mark bezahlt. Ferkel kosteten, sechs Wochen alt, das Stuck 8 Mark, acht Wochen alte 12 bis 15 Mark, zehn Wochen alte 17 bis 24 Mark. Die Eber wurden zu 80 Mark durchschnittlich verkauft. Zur Prämiierung waren 57 Bullen, Kühe und Kalbinnen aufgetrieben. Davon waren 42 Fleckvieh unb 15 Stück Vogelsberger. Zum ersten Stale war die Bestimmung getroffen, daß Züchter aus der weiteren Umgebung von hier und die schon zahlreiche Preise in den letzten Jahren erhalten hatten, nicht zugelassen wurden. Ferner wurden die Preise nicht, wie in früheren Jahren, in Geld, sondern in Gutscheinen, für die man in Niddaer Geschäften Waren einkaufen kann, ausgeteilt. Die zur Versteigerung angemeldeten Bullen und Ziegenböcke wurden nicht prämiiert. Ueber das Ergebnis der Prämiierung werden wir noch berichten. Von 12 bei der Versteigerung ausgebotenen Bullen wurden 10 verkauft. Bei den zwei übrigen war das Angebot zu gering. Den höchsten Preis mit 650 Mark erzielte Landwirt Otto Weitz in Heuchel- heim (Wetterau). Käufer war die Gemeinde Holzheim. Die nächfthöchften Erlöse betrugen 620 Mark, 500 Mark usw. Durchschnittspreis für einen Bullen waren 450 Mark. Sehr groß war die Anmeldung yy Ziegenbockauktion mit 64 Stück, so daß nicht alle Tiere verkauft werden konnten. Die Preise schwankten zwischen 30 bis 58 Mark je Stück. Obwohl sehr viele Marktbesucher sich eingefunden hatten, waren die Preise bei allen Tiergattungen etwas niedriger als seither. Schtvememartt in Gießen. Auf dem heutigen Schweinemarkt in Gießen standen 190 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten Ferkel bis sechs Wochen alt, 11 bis 13 Mark, sechs bis acht Wochen alt, 13 bis 17; acht bis dreizehn Wochen alt, 18 bis 22 Mark. Tendenz: mittel, es verbleibt Ueber-- stand. Wettervoraussage. Das Hochdruckgebiet hat sich über Skandinavien noch verstärkt, während über Deutschland das Barometer etwas zurückgegangen ist. Bei vorwiegend kontinentaler Luftzufuhr wird sich bei uns der hohe Druck vorerst noch auswirken und zur Fortdauer der Schönwetterlage führen, doch werden sich mit der Zeit unter weiterem Luftdruckfall Störungsein- flösse bemerkbar machen, die sich anfangs in Dunst- bildungen unb Aufzug hoher Bewölkung äußern. Aussichten für Donnerstag: Zeitweise dunstig oder leicht wolkig, im wesentlichen aber aufheiternd, Temperaturen wenig verändert, trocken. Lufttemperaturen am 5. September: mittags 20,3 Grad Celsius^ abends 11,8 Grad; am 6. September: morgens 9 Grad. Maximum 20,3 Grad, Minimum 5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. September: abends 20,4 Grad; am 6. September: morgens 13,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 9/4 Stunden. O»VL Rat ZAHNPASTA Das Wunder der Magussi Weiser Vornan von $r. Lehne. Urheberschutz durch E. Ackermann, Stuttgart. 29. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Ja, warum?" Sinnend sah er vor sich hin. „Das ist auch ein Kapitel für sich! — Vielleicht, wenn die eine, die Blonde mit den weißen Händen und der süßen Stimme, mich gewollt hätte. — Sie hat mir den Geschmack an den anderen Frauen verdorben! So wandert man eben einschichtig durchs Leben." Eine kleine, inhaltschwere Pause entstand. Was sollte Magussi darauf erwidern! Ein so echter Ton hatte aus seinen Worten geklungen, daß es sie ganz eigen berührte. Das hatte sie nie gedacht. Nachdenklich folgten ihre Augen einem braunen Schmetterling, der sich durch das offene Fenster ins Zimmer verirrt und nun ruhig umherflatterte. Endlich fetzte er sich auf einen Fliederzweig in einer Vase und breitete die goldbraunen Flügel aus, die leise zitterten. Kurt von Langen war Magussis Blicken gefolgt. Er stand auf. „Da sehen Sie meine Seele, Frau Magussi. Meine Seele, die gefangen ist und nun nicht mehr ein noch aus weiß. Komm, armer Kerl, ich will dir die Freiheit geben!" — Schnell, mit geschickten Fingern, griff er nach dem bunten Sommervogel, hielt die Hand zum Fenster hinaus und ließ ihn davonflattern. „Der Schmetterling muß fliegen!" „Wie geht es eigentlich Frau von Konfilius?" Magussi hatte überlegt, ob sie diese Frage stellen sollte; schließlich war sie doch, beinahe wider Willen, über die Lippen geglitten. Er zuckte leicht die Achseln. „Wie es ihr geht, entzieht sich meiner Kenntnis! Ich weiß nur, daß sie seit ungefähr zwei Jahren mit einem Filmregisseur in Berlin verheiratet ist und daß sie in kleinen Rollen auch mitspielt. Sie will durchaus von sich reden machen — ein krankhafter Ehrgeiz von ihr. Sie wünscht um jeden Preis aufzufallen. Pikant und rassig ist sie ja und hat besonderen Schick, sich anzuziehen, das sind große Vorzüge beim Film. Sie hat nun vielleicht den richtigen Kreis gefunden, in dem sie sich wohl fühlt. Erlebnisse, Abenteuer, Abwechslung! Ich habe nie wieder direkt von ihr gehört, — es gab da einige Meinungsverschiedenheiten zwischen uns, die sich nicht beilegen ließen." „Lilo war ein schwieriger, unberechenbarer Charakter. Auch ich bin mit ihr ganz außer Fühlung gekommen, obwohl uns eine jahrelange Freundschaft von der Kinderzeit her verbunden hatte. Doch seit meinem ersten öffentlichen Auftreten — vielleicht entsinnen Sie sich noch des Wohltätigkeitsk zertes .— _ und unaufrichtig gegen mich geworden. Und ein mich verleumdender Brief ohne Unterschrift an meinen Mann war ganz sicher auf Lilo zurückzu- führen." „Gerade diese Frage, Frau Magussi, ist der Grund meiner Trennung von Frau v. Konsilius gewesen!" sagte er lebhaft, „ich erlaubte mir über solche Briefe ein ungeschminktes Urteil abzugeben, — doch das ist viel zu wenig wichtig, um Sie jetzt damit zu langweilen, ich habe Sie schon Über Gebühr aufgehalten. Aber mit lieben Freunden verplaudert sich die Zeit so schnell." „Mir war es tatsächlich eine Freude!" Herzlich streckte Magussi ihm die Hand entgegen, die er festhielt. „Frau Magussi, wenn man dem Teufel den kleinen Finger gibt, dann nimmt er die ganze Hand! Ich betrachte mich nämlich noch nicht endgültig als entlassen! Heute abend fahre ich weiter, — was tue ich da mit dem Nachmittag? Schenken Sie mir, bitte, noch eine Stunde zum gemütlichen Plaudern, — wir trinken irgendwo Kaffee! — Bestimmen Sie die Zeit, wann ich Sie abholen darf." Sie überlegte einen Augenblick. „Zwischen drei und halb vier wird es mir sehr angenehm sein! Mit leiser Stimme fetzte sie hinzu: „Sie müssen mir noch viel mehr von der Mama erzählen!" Und ganz heimlich lebte der Wunsch in ihr, auch etwas von dem früheren Gatten zu hören! „Tausend Dank, Frau Magussi! Ich werde pünktlich sein!" Mit eigentümlichem Blick, in den Mundwinkeln ein verstecktes Lächeln, sah er sie an. Er küßte ihr die Hand und verabschiedete sich. Magussi sah ihm vom Fenster aus nach, wie er die Straße 'mit seinen leichten, schlendernden Schritten überquerte und ein Auto anrief. Welche Erinnerungen hatte sein Besuch doch in ihr wachgerufen! Das liebe Elternhaus, die Vaterstadt, die Zeit ihrer kurzen Ehe — alles wurde lebendig vor ihr! Und die schweren Kämpfe, bis sie ihre Freiheit hatte, um den Weg zu gehen, nach dem es sie mit allen Fasern ihres Seins verlangte! Und wenn es zu ihrem Verderben war, wie sie in ihrem hartnäckigen Trotz dachte! Aber er führte nicht ins Verderben — er führte in schwindelnd schneller Zeit zur Höhe! Ihre wundervolle Stimme, die seltene Anmut ihrer schönen Erscheinung, ihr beseeltes Spiel machten sie schnell bekannt; erste Bühnen legten ihr glänzende Verträge vor. Nun hatte sie erreicht, wonach sie gestrebt: sie konnte sich künstlerisch ganz auswirken! Ihr Name war in aller Munde, ihr Bild in allen Zeitschriften — als ein Wunder wurde sie gerühmt — und dennoch war da etwas in ihrem Innern, was trotz allem Erreichten eine Lücke ließ, eine wunde Stelle, die keine Berührung vertrug, nicht einen zurückfchweifenden Gedanken! Ach, wäre Eduard doch nicht gar so ablehnend gewesen! Wie schön hätte es sein können! Aber er Eduard war im Ausland. Seit jener Aussprache am Abend seiner Rückkehr hatten sie sich nicht wiedergesehen. Von der Fürstin hatte sie erfahren, daß er sie in der Wiederholung der Oper gehört und daß er sehr ergriffen gewesen sei. Es war ihr dies eine wehmütige Genugtuung, nun mußte er sie doch besser verstehen! Aber nichts hörte sie von ihm. Der Rechtsanwalt hatte alles erledigt. Ein vornehmes Angebot des Gatten in der Geldfrage war von ihr abgelehnt worden. Eines Tages hielt sie den Bescheid in Händen — frei! Mit tränenoerDunfelten Augen las sie. Der liebe, geliebte Mann! Wie unbarmherzig hatte er doch gegen sich gewütet --- sie fühlte es — sie wußte, wie sehr er sie geliebt! Aber er war sich selbst nicht untreu geworden! Sonst hatte er ihr immer nachgegeben, doch wo es sich darum handelte, seine Grundsätze zu wahren, da war er bis zur Selbstzerfleischung unbarmherzig. Jede noch so lose Verbindung mit dem Elternhause fehlte. Ein Brief, an die Mutter gerichtet, war uneröffnet zurückgekommen; wahrscheinlich war er dem Vater zuerst in die Hände gefallen, der dann die Annahme verweigerte! Fühlung mit Freunden und Bekannten in der Heimatstadt zu suchen, unterließ sie mit Rücksicht auf die nächsten Verwandten. So ging das Leben weiter, und ihr junger Ruhm wuchs. Don Erfolg zu Erfolg eilte sie. Kurz nachdem die Scheidung ihrer Ehe ausgesprochen, suchte Bruno Halling sie auf. Er hatte sich ihr bis dahin ferngehalten; nun aber wollte er sie sich holen! Sie war bestürzt, als er ihr von seiner heißen Liebe sprach, daran hatte sie nicht gedacht; sie hatte sein lebhaftes Interesse für sie lediglich für ein künstlerisches gehalten! „Sie gehören in mein Leben, Magussi, Sie sind meine Muse, durch Sie werde ich Unerhörtes schaffen können!" Heiß und leidenschaftlich sprach er auf sie ein, doch sie schüttelte den Kopf, und Schmerz zitterte in ihren Mundwinkeln, als sie entgegnete: „Nein, Bruno Halling, es kann nicht fein! Denn wenn mein Mann und ich uns auch getrennt haben, nie habe ich aufgehört, ihn zu lieben!" „Magussi, das darf Ihr letztes Wort nicht fein! Sie haben alle Brücken hinter sich abgebrochen; an meiner Hand will ich Sie in Ihr neues Leben führen." „Nein, Bruno Halling, mein Herz ijt tot!" „Ich will es wieder zu neuem Leben erwecken! Mit meiner Liebe! Seit ich dich kenne, liebe ich dich! Du bringst alles in mir zum Singen und mußte ich bemerken, daß Lilo neidisch I beharrte: entweder ganz bei ihm bleiben — oder nonon tntrfi npmnrhpn llnh Pin • Trennung! Und da gab bei solcher Einseitigkeit des Den- kens und Beurteilens ihr Trotz fein Zurückweichen zu — wenn der Gatte sie in ihrem tiefsten Lebensbedürfnis nicht verstand und sie zum künstlerischen Verschmachten verurteilen wollte, — dann mußte sie versuchen, ohne ihn auszukommen! Erst kam das Leben, dann das Glück! Klingen! Fühlst du denn nicht, daß wir zusammen- gehören, von Ewigkeit her füreinander bestimmt? Magussi, wir beide — du und ich — die Welt wird auf uns schauen, auf uns hören —" er preßte seine heißen Lippen auf ihre Hände — „der andere hat dich in dem Besten, was in dir lebte, ja nie ver- standen! Und meine Liebe wird dich lehren, ihn zu vergessen." „Nicht, Bruno Halling! Wenn wir Freunde bleiben wollen, sprechen wir nie mehr davon." Mit beinahe irrem Blick sah er sie an. „Ich habe dich wohl zu sehr erschreckt, ich war zu ungeduldig! Doch ich lasse dich nicht, Magussi, und eines Tages werde ich kommen und dich holen! Glaubst du, ich will verschmachten? Du gehörst zu mir, als Weib und als Künstlerin! Für dich nur schaffe ich." „Und alles will ich Ihnen fingen! Können wir denn nicht künstlerisch als zwei gute Kameraden weiter so Zusammenarbeiten wie bisher, einer dem anderen gebend? Muß denn das andere immer fein?" fragte sie fast traurig. „Dann müßtest du nicht die fein, die du bist, Magussi!" Wie glühend seine dunklen Augen sie anblickten! Nie war ihr Mannesleidenschaft so hemmungslos begegnet. Eduard war in feiner Tiefe des Empfindens immer wortkarg geblieben, aber in jedem Blick des Gatten fühlte sie, was sie ihm war, und dieses Gefühl war ihm immer sehr köstlich und ruhevoll gewesen! „Warum quäleji Sie mich so, Bruno Halling? Wieviel ist doch auf mich eingestürmt!" klagte sie. „Habe ich dich erschreckt, verzeihe mir! Ich will geduldig warten, aber du mußt mir Hoffnung geben, daß ich dich einstmals holen darf!" Und er ließ sie nicht aus den Augen. Wo er cs nur einrichten konnte, kam er ihr in den Weg. Glücklicherweise waren sie durch den Ort ihrer Tätigkeit räumlich sehr getrennt; aber feinen Urlaub suchte er in ihrer Nähe zu verbringen. Und an verschiedenen Theatern wurde feine Oper aufgeführt, wozu man ihn als Gastdirigenten einlud und sie bat, die Hero zu fingen! Wie gern hätte sie doch weiter künstlerisch mit ihm gearbeitet; jedoch wollte sie kein Feuer schüren, wenn sie es nicht löschen konnte! Und dann auch: cs mußte alles vermieden wer- den, was dem Klatsch Nahrung gab! Sie hatte genügend erfahren, wie falsch von vielen Seiten ihr Verhältnis zu Bruno Halling beurteilt wurde! Es quälte sie doch in dem Gedanken an ihre Familie — an Eduard! An ihr selbst prallte solcher Klatsch ab, ebenso der Neid und die Jntriguen der Kolleginnen! Denn sie hatte auch in kurzer Zeit die Schattenseiten ihres Berufes gründlich kennen gelernt. Aber unbeirrt ging sie ihren Weg, wie eine Traumwandlerin, rechts unb> links der Gefahren nicht achtend. Ihre strahlende Persönlichkeit, ihre vollende Kunst hatte alles überwunden! (Fortsetzung folgt.) laW-Kiffi (die Grundlage KilliÖsf 2 jeder Düngung) —S C-Rühsanien/Fernrui 3659 Bekanntmachung. Ji. unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 22. August 1933 bei der Firma Buderus fche Eisenwerte lvehlar, Zweigniederlassung Lollar, folgendes eingetragen: Hüttendirektor Karl Humperdink in Wetzlar ist infolge Todes aus dem Vorstand aus- geschieden. Hüttendirektor Fritz Gorfchlüter in Wetzlar ist zum stellvertretenden Vorstandsmitglied bestellt. 5520D Gießen, den 4. September 1933. __________Hessisches Amtsgericht.__________ MSmMlWWT Gerichtsvollzieher Wilhelm Hebbel zu Gießen ist am 1. September 1933 in den Ruhestand getreten, und steht die Rückgabe der von ihm geleisteten Dienstkaution in Frage. Es ergeht daher die Aufforderung, etwaige Ansprüche aus dem Dienstverhältnis des genannten Gerichtsvollziehers binnen einer Frist von 3 Monaten bei dem Amtsgericht Gießen schriftlich oder zu Protokoll des Urtunöbeamten der Geschäftsstelle anzumelden, widrigenfalls die Dienstkaution zurückgegeben wird. (5519D Gießen, den 4. September 1933. Der dienstaufsichtführende Richter ____________des Amtsgerichts.____________ Bekanntmachung. Wir haben festgestellt, daß bei vielen Gebäuden des Stadtgebietes die Hausnummern und Straßenschilder durch das Laubwerk in den Vorgärten ober an den Häusern verdeckt werden und unsichtbar sind. 5512V Wir richten an alle Eigentümer die Aufforderung, biefe Schilber so frei zu legen, daß sie leicht aufzufinden sind und sichtbar bleiben, Gießen, den 5. September 1933. Städtisches Hoch- und Tiefbauamt. ________________Graoert.________________ Donnerstag, den 7. September 1933, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im „Cö- wen", Reuenweg 28. dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 5517D 2 Registrierkassen, 1 Flügel, 1 Radioanlage, 6 Sofas, 4 Warenschränke, 4 Schreibmaschinen, 3 Registraturschränke, 2 Klaviere, 1 Frisiertoilette, 1 Haarschneidemaschine, verschiedene Sorten Papier, 1 Perforier- und Rillmaschine, 3 Vertikos, 1 Trumeauspiegel, 2 Kleiberschränke, 3 Schreibtische, 3 Tische, 6 Stühle, 1 Teppich, 2 Rohrsessel, 1 Blumenkrippe, 3 Gläserschränke, 1 Wirtschaftsbüfett, 1 Babeofen mit Wanne, 1 Labentheke, 1 Kommode, 2 Grammophone, 1 Wanduhr, 1 Wäscheschrank, 1 Vitrine, 1 Büfett, 1 Spiegel, 1 Waschtisch, 1 Nähmaschine, 1 Harmonium, 1 Rauchtisch. Ferner an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im versteigerungslokal): 1 Kassenschrank, 1 Eiskonservator. Wöll Gerichtsvollzieher in Gießen Ludwigstraße 33 — Telephon 3239 Genau wie manche Menschen farbenblind sind, zeichnet auch das Photo- material nicht alle Farben tonwertrichtig. Blau wirkt wie weiß, rot wie schwarz. Abhilfe schafft ein Gelbfilter. Dann haben Sie auch die Wolken auf Ihren Bildern! Aber nur ein optisches Glas nehmen! Ich zeige Ihnen gerne die verschiedenen Gelbfilter und erkläre Ihnen auch den Unterschied. ••HiiHeMHteeeeeeHH« Smnkbus-SKbvteer! Preise bedeutend ermäßigt | Sportvereine Sonderrabatt! o C. Hoos, Telefon Gießen 3646 ©®®®®®®®®®®®®®o®®®®®®e®®® Sauber? Bevor Sie mit dem Fenster-Putzen oder Wohnungsreinigenbeginnen, denken Sie auch an diese Hilfsmittel: Leiter, Fenstereimer, Teppichkehrmaschine, Bohnerbürste, Mop, Schrubber, Scheuerbürste, Staubwedel, Staubtuch Kommen Sie recht bald deshalb einmal zu J.B. Häuser Am Oswaldsgarten Gießen, Ruf 2145/2146 5277 a BERGSCHENKE Morgen abend 8 Uhr KÜNSTLER-KONZERT Kapelle Einbrod 5521 a Eintritt frei! Kein Preisaufschlag! Bahnhofgaststätte breitag, den 8 d. M. Feldhuhn mit Kraut und Kartoffelbrei Mk. 1.70. 5513 D lanzunterricht Meine WINTER-KURSE beginnen Dienstag, den 26. September Gefl. Anmeldungen werden jederzeit entgegengenommen. O5°oi W. Will Unlversitäls-Turn- und Tanzlehrer Löberstraße 12 VevUeLsevung. Donnerstag, den 7. September, von 2 Uhr ab, versteigere ich wegzugshalber Steinstraße 19 vart.: 1 Büfett, 1 Sofa, 1 Auszugstisch, zwei Sessel, 20 Stühle, 3 Spiegel, 5 vollständige Betten nebst Federbetten, drei Kleiderschränke, 3 Kommoden, 1 Glasschrank, 1 Küchenschrank, 1 Schreibtisch- stuhl, 2 Kinderwagen, Küchengeräte, Nähmaschine, Gasbackofen (Junker & Ruh Usw.). 05195 Besichtigung von 10 Uhr ab erwünscht. 6.Bennerll,MtionalorunöIfi[ator. Versteig, bestimmt (ohne 10% Aufschlag). Bauen heißt Vertrauen! i Fragen Sie Abermann KYfWA-USER TECHNIKUM BAD Alte deutsche velMkiiW-GesellWsl mit allen Branchen sucht Zezirls-Verlreter gegen Zuschuß, Tagegelder u. Provision. Nichtfachlente erhalten sofort Leistungszuschüsse. Schriftliche Angebote unt. 05179 a. d. Gieß.Anz. I Vermietungen | Ruh., sonnige [Ossis 5-Zimiuer-Wohnung 3. Stock, z. 1.10. zu vermieten. 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Ländern angenommen bemerkt den Aerorömm Italiens, Polens, im konnte den ÄerschHern nicht genügen, toeil faum nennender gen bradjte. - Deutschland, befindet fid g'.erung in einer noch nie hing und einem tzevaiiigr' au! dem Gebiete der 'Ku? des Tierschutz;. Leit. Energie von den Lierschi umtämpste Probleme ii beseitigt worden. Cs f t e n erinnert. Mit star schwierigere Problem : Preußischen Ministers den In dem Erlaß m daß die livi.elion von gesamte preußische Eta, »erzüglich ein Gesetz 0 zulegen ist. Daß mit dem allerß dem Gefühl der Dankb. auf genommenen Erlaß ^'erschützer restlos man nicht erwarten erwiesen iß, daß „jet wtrd. G 4Jwi Gr ein 9,'V05 i. c'n W im Ngust. j i« r*m L-L'r. $°hPan!inen L?* lrroQrtunQ5D0Aen fi K'rmeslieS. Kommt Q(ie lllr ß. es ist iebi Jur Kir He mani?5 fre m 1,(111 sind fipn9e.3eit e|n?n der r ln,9uno L'Ü die "erstehe^ 2e'WSr' Mittwoch, b.Zeptnnber 1955 Eiehener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Gberheffen) Nr. 208 Zweiter Blatt philis, Versuche versuche a u 100 Jahre Kaiserswecher SiakoMenanstall b) ' oeziöil' 3000 RN. G.R.G. 0 B. auf il»! Frank denn: an lebenden Tieren be der Nierentuberkulose u. a. m. a u f Fünf Tage im vereisten Soor. Die furchtbaren Erlebnisse in einem offenen Voot dem stürmischen Polarmeer hat jetzt einer von den der Schulmediziner und ihrer Kreise erklärlicher- lveise besonders groß. Die Tierschutzvereine forderten daher, soweit sie selbst Vertreter obiger Weltanschauung waren — zumal ja die Tier- _. 4- er Hilfe und Rettung der Tiere von Seuchen aller Art galten—, n u r d i e äußerste Einschränkung, trotzdem sie innerlich die Vivisektion als die grausamste Quä- plötzlich nicht mehr zu sehen. Statt dessen wogt und quillt eine dichtgedrängte Menschenmenge hin und her, die uns an Breughel denken läßt, den Maler flandrischer Lebensfreude, dessen Werke in den großen Museen Wiens und Berlins, in Brüssel und in Antwerpen hängen. Aber nicht nur in den Bildern dieses Malers lebt die Freude flandrischer Bauern, auch in alten Liedern und Gedichten lebt sie. Und sie läßt sich immer noch nicht besser ausdrücken als in diesem Kirmeslied aus dem 17. Jahrhundert: Die Bauern schmelzen vor Freud und Plaisir, wenn der August begonnen hat. Sie gehen mit ihren Bäurinnen zum Bier und machen sich einen guten Tag. Der Besen steckt zum Fenster raus, man tanzt und lärmt in jedem Haus. Aus Töpfen und Pfannen, auf Gläsern und Kannen, auf allerlei Geläut. Aus Messern, auf Schuppen und auf hohlem Faß, auf Hangei, auf lange!, auf dies und auf das, auf Trommeln herum, domdomme, dom, dom, auf Kesseln, auf Löffeln, tikke, tik, lang. ruhen und obne weitere Deichrendung von Tieren undenkbar sind, so waren die Widerstände gegen die Beseitigung der Vivisektion aus den Reihen dreien, die bei dem Untergang des Sowjet-Eisbrechers .Aublan" gerettet wurden. Nikolai Belusow nach feinerRückiehr aus dem Krankenhaus in Tromsö in Norwegen geschildert. Die .Rußlan" sank in der Nähe von Spitzbergen: ffe hatte Barenisburg auf Spitzbergen verlassen trotz des Befehls, den Eisbrecher „Krassin" dort zu erwarten. „Bald nachdem wir abgefahren waren", berichtet Bekusow, „erhob sich ein starker Nordost-Wind, und die Sturzwellen schlugen über die „Ruhlan", so daß die Steuerbord- seile von den eisigen Waffern mit einer dichten Eisdecke bedeckt wurde. Wir waren in beständiger Gefahr zu sinken und begannen, brusttief im Waffer stehend, das Eis wegzuschneiden. Das half jedoch nur für wenige Stunden, der Wind wurde immer heftiger und die Steuerbordseite war wieder mit Eis bedeckt. Acht Stunden lang wurde das Schiff hilflos hin- und hergeschleudert und wir hofften gegen jede Erwartung, daß irgendwer unseren Derzweiflunas- kampf bemerken würde. Doch bei dem Sturm waren keine Schiffe ausgefahren. Dann entstand ein Leck unter dem Heizraum, und die Manns 1,ast stürzte entschloffen an die Pumpen, — um alsbald ' estzu- stellen. daß sie nicht arbeiteten. Immer noch kämpften wir weiter, aber als der Ingeniuer rief, daß der ganze tzeizraum unter Waffer stände, eilten wir in die Boote. Eins der Boote, das neun Mann trug, wurde von den Sturzwellen ubersiutet, ging unter und ward nicht mehr gesehen. 3m andern Boot waren wir 13 Mann, darunter auch der Kapitän Kliujew. Wir litten unter der furchtbaren Kälte, aber verloren den Mut nicht. Der Kapitän sagte, daß das Land nicht mehr als 15 km entfernt sei. doch wir kamen niemals nahe heran. Der Sturm wütete 43 Stunden lang, und einer von uns nach dem andern erlitt den Tod durch Erfrieren. Zuletzt waren nur nock, drei übrig, der erste 21taat Tochilow, ein Matrose namens Popow und ich. Tochilow und Popow hallen erfrorene Beine: wir waren alle vom Hunger erschöpft, das Boot war leck, wir hatten keine Kraft mehr, um zu rudern. So hißten wir ein Segel, das aus einem Tuch und einem Ruder bestand. Tochilow und Popow konnten sich nicht mehr bewegen. Ich suchte das Waffer herauszufchöpfen. aber die Kräfte verliehen mich mehr und mehr. Ich dachte an meine Familie und meine Freunde und dah ich sie niemals mehr Wiedersehen würde. Rach fünf Tagen wurden wir endlich von einem norwegischen Schiff ausgesucht." Rekusow hat sich von diese» furchtbaren Strapazen nach einem Aufenthalt von zwei Monaten im Krankenhaus vollständig erholt und leidet nur noch an einem nervösen Zucken im Gesicht. Links- Pastor Disselhoff, ein Großenkel Fliedners, des Begründers der Diakonie, bei der Gedenkrede vor dem Fliedner-Häuschen in Kaiserswerth. — Rechts: Der Feftumzug in den malerischen Straßen von Kaiserswerth. __________________ ^Tierschutz bedeutet die Erfüllung einer Kulturausgabe. Reben der praktischen Hilfe welche die Tierschutzvereine der stummen, wehrlosen, ost sinnlos gequälten Kreatur zu leisten sich bemühen, steht obenan das Ziel, an ihrem Teile kulturfördernd zu wirken. Unter allen diesem Zwecke dienenden Fragen war von jeher das Thema der Vivisektion das bedeutendste, aber auch das schwierigste: hängt doch die Stellungnahme zu ihr von einer Weltanschauung, nämlich dem Verhältnis des Menschen zum Tier, ab. In der Ratur herrscht das Recht des Stärkeren, d. h. in vorliegendem Falle das Recht des Menschen, das Tier sich nutzbar zu machen. Da die Erfolge auf vielen Gebieten der medizinischen Wissenschaft, insbesondere in der Bekämpfung der Schlafkrankheit, der Sy- Vivisektion und Tierschutz. Don £. von Skopnit, Hauptgeschästssührer des Deutschen Tierschuhoereins. ^3? z'u r Fest stellung von Seuchen, falls die Diagnose nicht mit anderen Mitteln oder auf andere Weise gestellt werden kann und sofern die hierzu erforderlich« Infektion nicht an Gehirn oder Augen vorgenommen wird, zum Zwecke von diagnostischen Ernährungsversuchen, sofern diese nicht am Menschen vorgenommen oder das Ergebnis nicht auf rein chemischem Wege feftge- stellt werden können, jedoch mit Ausschluß von Versuchen, die durch Entziehung von Trank und Nahrung, durch Erhitzen oder Erfrieren vor- >ets.et verboten und unverzüglich ein Gesetz gegen die Vivisektion vorzulegen ist. Daß mit dem allerseits mit Begeisterung und dem Gefühl der Dankbarkeit gegen dessen Schöpfer aufgenommenen Erlaß die Wünsch« der radikalen Tierschüher r e st l o s erfüllt fein warben, konnte man nicht erwarten. Solange nicht einwandfrei erwiesen ist, dah „jeder Tierversuch überflüssig, ja irreführend" ist, fo lange muh die Regierung neben den ethischen Momenten auch die rein menschlichen Interessen vertreten. Die Erklärungen, die der Ministerialrat Dr. Conti vom Preußischen Ministerium des Innern am 17. August gab, lassen diese Einstellung der Regierung klar erkennen. Eie zeigen die außerordentliche Einschränkung der Vivisektion im eigentlichen Sinne, vor allem das Verbot des Zerschneidens unbetäubter Tiere und die Erteilung der Genehmigung zur Vivisektion nur an Professoren wissenschaftlicher Institute. Sie entsprechen ganz unseren bisherigen Forderungen auf dem Gebiete der Vivisektion. Der Erlaß gilt zunächst nur für Preußen. Der Wunsch der Tierschutzvereine geht dahin, dah alle den Tierschutz betreffenden Verordnungen und Gesetze in einem R e i ch s t i e r s ch u tz g e s e tz z u- sammengefaht werden, unabhängig vom Reichsstrafgesehbuch, dessen Umarbeitung ja noch lange Zeit in Anspruch nimmt. Bisher enthält das Reichsstrafgesetzbuch einige wenige, den Tierschutz betreffende, absolut unzulängliche, eines Kulturvolkes unwürdige Paragraphen, die er t unterer neuen Regierung Strafverschärfungen erfuhren. Preuhen ist bereits bei der Ausarbeitung des Gesetzes, das das Reich dann übernehmen wird. Auf Anfordern des Staatssekretärs von Rohr vom Reichswirtschaftsministerium hat der Deutsche Tierschutzverein einen „Entwurf für ein neues Tierschutzgefeh" eingereicht, der bei den Verhandlungen nach Mitteilung des Ministeriums Berücksichtigung finden wird. Dieser Entwurf ist auch den anderen mahgebenden Deichs- und Länderministerien xugeleitet worden. Ein Reichsgesetz kann sich natürlich nicht mit allen Einzelheiten des Tierschutzes befassen. Es kann nur den Rahmen abgeben zu ergänzenden Verordnungen, wie wir es beim Gesetz über das Schlachten von Tieren vom 21. April 1933 gesehen haben. — Die Forderungen des Deutschen Tierschutzvereins für das Reichstierschuhgesetz sind folgend«: 1. Wer vorsätzlich ein Tier mißhandelt oder an seiner Gesundheit beschädigt (Tierquälerei), wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft. 2. Der wissenschaftliche Versuch an lebenden Tieren ist mit folgenden Ausnahmen verboten. Er ist - jedoch nicht zu Lehrzwecken — nur rtionaj1/0 iml WoD. S“.6xf“|ünfe legung von Rechtsmitteln nach ergangenem Urteil geschehen. 12. Die Reichsministerien werden ermächtigt, Verordnungen jeglicher Art zum Schuhe der Tiere zu erlaßen, insbesondere auch im Verordnung swege Vorschriften zu erlassen über den wissenschaftlichen Tierversuch, die Regelung des Schlachtwesens und der Betäubung von Schlachttieren, des Tierlransportes und der Jagdbarkeit und Schonzeit freilebender Tiere. Soweit die Reichsministerien von dieser Ermächtigung keinen G.brauch mach n s n) die obersten Landes- behörden und die Verwaltungsbehörden Aum Erlasse solcher Vorschriften ermächtigt mit Ausnahme der Vorschriften über den wissenschaftlichen Tierversuch und über di« Jagdbarkeit und Schonzeit freilebender Tiere. 13. Die Verwaltungsbehörden sollen Vorsitzende von Vereinen oder von ihnen vorgeschlagene Mitglieder solcher Vereine, sofern gegen ihre Persönlichkeit keine Bedenken bestehen, auf Antrag beauftragen, d i e Erfüllung zum Schutze von Tieren erlassener Vorschriften zu überwachen und die Strafverfvlgungsbehvrden bei der Verfolgung von Zuwiderhandlungen gegen Tierschuh- aesetze und -Verordnungen zu unterstützen. Di« Beauftragten gelten im Rahmen ihres Auftrages als Hilfspolizeibeamte. Die Ausführungsbestimmungen werden von den Landesbehörden erlassen. Die Forderungen sind etwas weiter gestellt als bisher, muh man doch immer mit Abstrichen rechnen. Deutschland, das schon in seinem Rcichs- vogelschuhgeseh von 1908 beispielgebend war, schreitet jetzt in den wichtigsten Fragen des Tierschutzes mit gewaltigen Schritten voran, und es kann kein Zweifel bestehen, daß das neue Reichstierschutzgcsetz einzig in der Kulturwelt da- stehen wird. 2m Interesse der Tiere ist zu erhoffen, daß alle Kulturländer dem Beispiel Deutschlands folgen werden. Rur ein Lieber- einftimmen und ein Zusammengehen auf diesem Gebiet kann der Tierwelt in ihrer Gesamtheit helfen. Die Achtung vor dem Leben der Tier« wird den inneren sittlichen Wert des Menschen heben. des Berhoogs macht er die Fahne fest. Auch die breiten Seidenbänder, die jedes eine Erinnerung an ein ruhmvoll verlaufenes Fest find, faltet er sorgfältig auseinander, damit sie gut zur Geltung kommen. Dann wischt er sich den Schweiß von der Stirn. Inzwischen haben die anderen ihre Notenblätter zurecht gelegt. Da hebt der Dirigent auch schon sein Stöckchen. Die Clairons blinken in der Hellen Sonne. Jan läßt schnell nochmal das Mundstück seines Jnstru- mentes auslaujen, Willem rückt sich das Notenblatt zurecht, der dicke Stan steckt sich ein frisches Taschentuch hinter den Kragen. Nun sind sie soweit. Einmal noch holen alle Lust und schon schmettern sie ihr Preislich auf die Menschen herunter, die Kopf an Kopf den Berhooa umstehen. Das ist eine Musik. Die geht durch Mark und Pfennige und macht die Knochen leicht Da muß die Kapelle gleich noch ein Stück spielen. Und noch ein Stück Dann aber muß sie den Platz freigeben. Auch die Akkordeoniften wollen ihre Kunst zeigen. Und während vor den Kirmesbuden rundum die ersten Schaulustigen sich drängen und die Orgeln der Karussels kaum noch an sich halten können vor unbändiger Lust und Begier sich auszutoben, ertönt leichtbeschwingt und melodisch das Spiel der Akkordeonisten über den Platz. Allmählich wird es Zeit, den Umzug zu machen. Die Trompeter machen die Spitze. Hinter ihnen kommen die kirchlichen Vereine. Die Akkordeonspieler reihen sich ebenfalls ein Und natürlich die Drieftaubenvereine und die Bogenschützen mit chren zwei Meter langen Bogen und den gefüllten Köchern. Hinter ihnen drängen sich die übrigen Bewohner der Stadt und die Kinder. Auch ein paar bunte Fahnen, zwei Meter hoch und drei Meter lang das flatternde Tuch, wehen über den Köpfen der Marschierenden. Und während die Musik spielt und der Zug sich in Bewegung setzt, beginnen die ersten Orgeln ihr Gedudel. Gummiblasen quietschen. Vor der Stadt dröhnen noch ein paar verspätete Böllerschüsse. Plötzlich beginnen alle Glocken der Stadt zu dröhnen, und ein Kreischen geht an und ein Juchheen, daß selbst die alten Frauen und Männer, die zu Hause hinter dem Ofen hocken, davon angesteckt werden und um ein paar Jahrzehnte jünger sein möchten Der Zug zieht einmal durch die Stadt, macht eine Runde auf dem Kirmesplatz und ist bann wird, sofern nicht eine strafbare Handlung vor- I liegt, mit Gefängnis bis zu drei Monaten oder > mit Geldstrafe bestraft. 6. Wer Kinder oder andere unter feiner Gewalt stehende Personen, die seiner Aufsicht unterliegen und zu seiner Hausgenossenschaft gehören, von der Begehung strafbarer Verletzung der zum Schutz der Tiere erlassenen Gesetze oder Verordnungen abzuhalten unterläßt, wird mit Geldstrafe bestraft. 7. Wer im Inland« wegen eines Vergehens oder wegen eines vorsätzlichen Vergehens zu Freiheitsstrafen verurteilt ist, darauf abermals eine dieser Handlungen begangen hat und wegen dieser wiederum zu Freiheitsstrafe verurteilt ist, wird, wenn er ein Vergehen begeht, mit Gefängnis nicht unter einem Monat, und wenn er ein vorsätzliches Vergehen begeht, mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft. 8. Tiere, an denen ein Vergehen oder ein vorsätzliches Vergehen begangen ist, können, wenn sie dem Täter oder einem Teilnehmer gehören, ein- gesogen werden. Aus die Einziehung ist zu erkennen, wenn die Tat im Rückfall begangen ist. Die Einziehung ist im Urteil auszusprechen. 9. Ist die Verfolgung oder Verurteilung einer bestimmten Person nicht ausführbar, so kann auf die Einziehung selbständig erkannt werden. 10. Neben einer Bestrafung kann in dem Urteile ausgesprochen werden, dah dem Täter die Haltung, die berufsmäßige Beschäftigung mit Tieren oder der Handel mit ihnen, und zwar von Tieren allgemein oder bestimmter Gattungen für dauernd oder bestimmte Zeit verboten wird. Im Falle einer Bestrafung ist, wenn die Tierquälerei an einem Tiere begangen ist, das von dem Täter gehalten wird, mit dem er sich berufsmäßig beschäftigt oder das den Gegenstand seines Handels bildet, ein solches Verbot auszusprechen. 11. Rechtsfähige Vereine, deren Zweck nach ihrer Satzung der Schutz der Tiere im allgemeinen oder von besonderen Tiergattungen ist, sind berechtigt, sich der auf Grund dieses Gesetzes erhobenen öffentlichen Klage in iei»r Lage des Verfahrens als Nebenkläger an$u- fchließen. Der Anschluß kann auch zwecks Eingenommen werden. Die näheren Bestimmungen über den wissenschaftlichen Tierversuch erläßt das Reichsinnen- miniftcrium mit der Maßgabe, daß zur Ausführung von Tierversuchen höchstens drei Universitäten und jeweils an diesen wirkende bestimmte Persönlichkeiten ermächtigt werden dürfen. 3 W.rd die Tierqu.üerei aus Fahrlässigkeit begangen, so tritt Gefängnis bis zu 3 Monaten ober Geldstrafe ein. 4. Wer vorsätzlich ein Tier tötet, ohne daß dies in Wahrnehmung eines gerechtfertigten menschlich«n 'Belanges oder im Belange des Tieres selbst geschieht, wird, sofern nicht nach § 303 des Reichsstrafgesetzbuches eine höhere Bestrafung einzutreten hat, mit Gefängnis bis zu 6 Monaten und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft. 5. Wer einer zum Tierschutz erlassenen Vorschrift rorsählich oder fahrlässig zuwiderhandelt, Donnerstags ovn 5'/, Uhr nachmittags Zwiebel- Kuchen VackereiLange Neustadt 37. W? "Hühneraugen Dänen, Hornhaut werden iiM1 TlelenwiriMB auch indenbartnE todsicher u. Garant. ' ; rz-6 Tagen restl-w. ■ Wurzel beseit, durch W. W 1 [VersSedenes] »S Wert' itt- 'sen ServEicht. -'"El ErjWLwM" Wenn Kirmes ist im Flandernland, da trinkt man Bier, viel Liters, im Land van den Palieters, van Rubens und van Dyck. Da wird geflirtet und getanzt, gesungen und getrunken, denn Kirmes ist nur einmal im Jahr Und sich freuen ist keine Sünde. Kirmes 'N Flandern. Uon Erich Gnsar Als ich das erstemal in dieses Land kam, war es ein Abend im August. Aus der Ferne grollte der Donner anhaltenden Trommelfeuers zu uns herüber und erschreckte das Land. Auch jetzt hörten wir den Donner schwerer Detonationen, aber es waren Böller, mit denen die Bauern des Landes, das in sommerlicher Reife sich dehnte, den Beginn der Kirmes begrüßten. UeberaU auf den Wegen, die zur Stadt führen, sehen wir junge Mädchen und Burschen, die aus blanken Fahrrädern an uns vorüberrollen. Gestern sahen wir sie noch aus den Feldern Flachs wenden oder das geschnittene Korn zu Garben schichten. Heute haben sie sich mit bunten Bändern und irischem Grün geschmückt, um sich des Feiertags zu freuen. Die ganze Stadt ist auf den Beinen. Auf dem Marktplatz sind große Buden aufgebaut, die jedoch noch verhangen sind. Erft am Nachmittag wird die dickste Frau des Kontinents sich den Bürgern dieser Stadt zeigen und die Karussells sich drehen. Ein halbes Dutzend ausgelassener Jungen in dicken Holzpantinen, bahnen sich einen Weg durch die erwartungsvolle Menge. Laut fingen |ie das alte Kirmeslied: Kommt alle zur Kirmes, wer ihr auch leib, es ist jetzt alles Freude und Fröhlichkeit Die man lange Zeit nicht sah, heut sind sie miteinander da. Nun beginnt das Fest. Die Trompeterveremigung kommt eben um die Ecke der Marktstraße. Nach dem Brieftaubcnoerein, der in diesem Land der Taubenzüchter natürlich die größte Rolle spielt, gehört die Trompeterveremigung zu den angesehensten Vereinen der kleinen Stadt, der die Kunst der Trom- peter viel Ehre bringt. Erst im letzten Sommer haben die Trompeter sich noch auf einem Trom- peterfeft den ersten Preis geholt. Und die Preise, die sie sich schon aus dem Ausland geholt haben, wohin sie fast in jedem Jahre einmal fahren Da kann man verstehen, warum Brmkopps Jesfken, der die Fahne trägt, so stolz ist. Hängt doch viel Ehre an dieser Fahne. Nun filtert er als elfter die acht Stufen hoch, die zu dem „Verhoog" fuhren, dem Kiosk, der jeden Samstag abend auf dem Marktplatz aufgebaut wird. Gleich neben dem Aufgang Eine ssosD izpresse L Näh.i.d. ftsst, d. G. Ä. MÄH Meter breit, Meier hoch- >t 5 eiserne w* Meter lichte .eite, vre'sw. kaufen. I cs»? lahn hrUns höre^ 7 die ßtzW kW 6eVbli'htn! J tn Seiner liefe h?1”^95105 f Wieben, gber - was ie° 5 I'°dem Me zu oer’brinqen 'S UrIaub n wurde seine Der- >°ch IXfcW»* »y®e alles vermieden wer. $?nfrn9 gab! Sie hatte g. vie falsch von vielen Seiten ihr J° Nlmg beurteilt würbe1 ff5 Lm Snte" Qnri!)re Familie jy prallte solcher Klatsch MiUHb ble,9nfn9uen der Ko? S °uch m kurzer Zeit die s Berufes gründlich fermen ae- njjng sie ihren Weg, wie eine rechts und' links der Gesahren Persönlichkeit, ihre vollende Kunst undenl iortsehung folgt. I ebraucktes äMtn f Zeiifragen des Mittelstandes. Wie erlange ich Steueramnestie durch Spendenleistung? £on Steuersyndilus Dr. jur. et. rer. pol. Brönner, Äerlin. ‘Sei der freiwilligen Leistung von Vrbeitsspende ist vor allem die Möglichkeit zu berücksichtigen, durch die Spende alte Steuern, die infolge des Verhaltens des Steuerpflichtigen früher zuwenig gezahlt find — sog. ablösungsfähige Steuerschulden —. abzulösen, um insbesondere Straffreiheit für die begangenen Steuerzuwiderhandlungen zu erlangen. Der Spender hat, um die Amnestie tatsächlich zu erreichen, jedoch mancherlei zu beachten, wie sich insbesondere aus dem umfangreichen Durchführungsverordnung zum Arbeitslpendengesetz ergibt. Eingehendere Hinweise sind daher erforderlich. Zur Erlangung der Amnestie müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein: 1. Voraussetzungen. a) Abgelöst können nur zu wenig gezahlte Steuern des Spenders — oder anderer Personen, für deren Steuerschulden er haftet — vom Einkommen, vom Ertrage, vom Dernrögen und vom Llmsah werden. Zu diesen Steuern gehören: Einkommensteuer nebst Zuschlägen, Körperschaftssteuer, Krisensteuer (Krisenlohnsteuer und Krisensteuer der Veranlagten), Abgabe zur Arbeits- loserchilfe, Vürgersteuer, Vermögenssteuer, Aufbringungsumlage, Grundsteuer (auch Gebäudesteuer, Haussteuer), Gewerbesteuer vom stehenden Gewerbe (auch Gewerbekapitalsteuer und Lohnsummensteuer), Gebäudeentschuldungssteuer (Hauszins'teuer, Geldentwertungsausgle'.ch bei bebauten Grundstücken), Kirchensteuer, Erbschaftssteuer (einschl. Schenkungssteuer) und Umsatzsteuer (ausschl. Ausgleichssteuer). Die Zuschläge der Länder, Gemeinden, Kirchen usw. zu den Grund- und Gewerbesteuern sind ablösungsfähig nur insoweit, als es sich um Steuern hatrdelt. Dies trifft nicht zu für die Beiträge zu den Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern usw., Verufsschulbeiträge, Kanalisa- tions-, Müllabfuhr- und ähnliche Deiträge. b) Die genannten Steuern sind nur ablösungsfähig, wenn vor dem 1. 3uni 1933 eine Verkürzung von Steuereinnahmen zum Vachteil des Reichs usw. eingetreten ist. Ein schuldhaftes oder nicht schuldhaftes Verhalten des Spenders — oder einer anderen Person, die für ihn die steuerlichen Verpflichtungen zu erfüllen batte (z. B. des Geschäftsführers für eine Gesellschaft m. b. H.) — muh dazu geführt haben, daß vor dem 1. Juni 1933 die Steuerbehörde den geschuldeten Steuerbetrag nicht oder nicht in voller Höhe angefordert hat. Die Verkürzung der Steuereinnahmen muh also auf einer unrichtigen Steuererklärung, Llmsatz- steuer-Doranmeldung, Anmeldung zur Lohnsteuer, Lohnsummensteuer oder dgl. oder deren Versäumung beruhen. c) Ablösungsfähig sind nicht Steuern, die auf Vermögensstücke entfallen, die sich am 1. Öuni 1933 im Ausland befanden, oder auf Devisen, die am 1. Juni 1933 anbietungspflichtig waren und demgemäß bis zum 31. August 1933 anzuzeigen sind. Das gleiche gilt für Zahlungsmittel oder sonstige Werte, die zum Erwerb dieser Werte unmittelbar oder mittelbar verwendet worden sind und den Ertrag oder das Einkommen aus diesen Werten sowie mit ihnen etwa getätigte Llmsätze. d) Zur Erlangung der Steueramnestie durch Ablösung alter Steuern muß die Spende bis zum 31. März 1934 geleistet sein. e) Die Spende darf nicht erst geleistet werden, nachdem dem Steuerpflichtigen — oder der anderen Person, die die Steuerpflichten für sie zu erfüllen hat — eröffnet worden ist, daß die Steuerbehörde Kenntnis von der Verkürzung der Steuereinnahmen hatte. Als Steuerbehörde kommt jede Behörde in Betracht, die die oben unter b ge- nanntenn ablösungsfähigen Steuern verwaltet. Llls Kenntnis der Steuerbehörde gilt auch die Kenntnis eines Buchprüfers. Die Kenntnis der Steuerbehörde muh sich jedoch auf eine bestimmte Verkürzung von Steuereinnahmen, wenn auch nicht den genauen Dettag, b^iehen. Cs genügt nicht, wenn z. B. die Steuerbehörde lediglich ganz allgemein erfahren hat, daß der Steuerpflichtige außer dem von ihm angegebenen Vermögen oder Einkommen noch weiteres gehabt hat. Die Eröffnung kann auch durch andere Amtsträger (z. B. den Staatsanwalt) erfolgt fern. Eine behördliche Eröffnung erübrigt sich insoweit, als der Steuerpflichtige die Steuerbehörde selbst vor dem 16. Juni von der Verkürzung der Steuereinnahmen in Kenntnis gesetzt hat. Hat der Steuerpflichtige oder sein DevoUmäch- tigter oder dgl. nach dem 15. Juni der Steuerbehörde seine Absicht mitgeteilt, freiwillige Spende zu leisten, so daß die Steuerbehörde dadurch Kenntnis von der Verkürzung der Steuereinnahmen erlangt hat, so wird dem Steuerpflichtigen oder seinem Bevollmächtigten - bei ihrer Anwesenheit kann dies mündlich geschehen —, eine Frist zur Spendenleistung von mindestens 2 Wochen bis regelmäßig nicht länger als 1 Monat gesetzt. Mit dem Ablauf der Frist gilt die Eröffnung, daß die Steuerbehörde Kenntnis von der Verkürzung der Steuereinnahmen hat, als erfolgt, so daß Amnestie nicht mehr erlangt werden kann. 2. Die Auswirkungen der Ablösung. Die ablösungsfähigen Steuerschulden werden durch die Spendenleistung bei Hingabe des Spendenscheins in Höhe des Annahmewerts zuzüglich eines Aufgeldes in der Weise abgelöst, daß sie insoweit nicht nacherhoben werden können: der nicht abgelöste Steuerbetrag kann jedoch ' vom Finanzamt nachgefordert werden. Auch fallen Zinsen und Verzugszuschläge, die auf abgelöste Steuerschulden entfallen, fort. Der Spendenschein wird bei Stiftung der Spende bis zum 30. September 1933 mit 125 v. H., bei Leistung im vierten Kalenderoierteljahr 1933 mit 120 o. H., bei Leistung im ersten Kalenderoierteljahr 1934 mit 115 v. 5). des Annahmewerts auf die ablösungsfähigen Steuerschulden in Zahlung genommen. Für die begangene Steuerhinterziehung oder sonstige Steuerzuwiderhandlung tritt Straffreiheit (einschl. Befreiung von Disziplinär- strafe- ein, wenn der hinterzogene Steuerbettag mindestens zur Hälfte abgelöst wird. Zur Erreichung der Amnestie ist es also erforderlich, daß bei ßeiftung bis zum 30. September 1933 40 v. H., bei Leistung der Spende im vierten Kalendervierteljahr 1933 41,67 v. Sy, bei Leistung der Spende im ersten Kalendervierteljahr 1934 43,48 v. H. der zu wenig gezahlten Steuer durch Spendenleistung abgelöst werden. Vicht erforderlich ist, daß der Steuerpflichtige sämtliche alten Steuerschulden, bei denen durch sein Verhalten eine Steuerverkürzung eingetreten ist, ablöst. Jede einheitliche Steuerzuwiderhandlung wird für sich behandelt. Die durch eine einheitliche Steuerzuwiderhandlung verkürzten Steuereinnahmen müssen mindestens zur Hälfte, wie oben angegeben, abgelöst werden. Eine einheitliche Steuerzuwiderhandlung liegt z. B. auch dann vor, sofern das Verhalten des Steuerpflichtigen sich als eine fortgesetzte Handlung oder als ein Dauervergehen darstellt, wenn z. B. ein Steuerpflichtiger in sämtlichen Einkommensteuererklärungen seit 1930 auf Grund eines von Anfang an gefaßten Entschlusses erhaltene Schmiergelder nicht angegeben ober Einkünfte aus Wertpapieren ve^chwiegen hat. Verjährte Steuern bleiben außer Betracht. Die Verjährungsfrist beträgt bei hinterzogenen Steuern 10 Jahre, bei anderen Steuern 5 Jahre. Bereits gezahlte Steuerbeträge (nicht gezeichnete Reichsbahnanleihe 1931) sind abzusehen. 3. verhallen des Steuerpflichtigen. Der Steuerpflichttge hat — abgesehen von den oben (unter 1) angegebenen Voraussetzungen — bei der Spendenleistung zwecks Erlangung von Steueramnestie verschiedenes zu berücksichtigen. Für die Erlangung der Amnestie kommt es auf den Tag der Leistung der Spende an. Sie darf, wie oben gesagt, nicht nach dem 31. März 1934 und nicht nach einer Mitteilung der Behörde, daß sie Kenntnis von der Verkürzung der Steuereinnahmen habe, erfolgen. Auch für die Höhe des Aufgeldes ist der Zeitpunkt der Spendenleistung maßgebend. Die Hingabe des Spendenscheins kann jedoch, wenn sie auch grundsätzlich möglichst bald erfolgen soll, zu einem beliebigen Zeitpunkt erfolgen, also z. D. erst bann, wenn die früher begangene Steuerzuwiderhandlung aufgedeckt ist. Vur darf bei der Hingabe noch nicht rechtskräftig auf Strafe erkannt sein. Bei der Hingabe des Spendenscheins muß der Spender die Steuerschulden, die er ablösen will, genau nach Steuerart und Zeitraum, auf den die Steuer entfällt, bezeichnen z. B. Einkommensteuer für 1931). Die Steuerbehörde kann zwecks Feststellung des Zeitpunkts und des Llmfangs der Steuerverkürzung weitere Angaben verlangen. Reicht der Annahmewert des Spendenscheins zuzüglich Aufgeld zur Ablösung sämtlicher ablösungsfähiger Steuern nicht aus, so bestimmt der Spender die abzulösende Steuer bei Hingabe: hieran bleibt er gebunden. 4. Ablösung der Steuern und Steuerfestsetzung. Vach Hingabe des Spendenscheins zur Ablösung alter Steuern erhält der Spender vom Finanzamt einen Steuerbescheid, der mit den gewöhnlichen Rechtsmitteln anfechtbar ist. Die in dem Bescheid — gegebenenfalls durch Berichtigungsoeranla- gimg — festgesetzte Steuer ist maßgebend auch für Zuschläge, die auf die Steuer entfallen (z. D. Ledigcnzuscblag), für andere Steuern, die daran anknüpfen (z. B. Kirchensteuern) und für Steuer- Vorauszahlungen, die entsprechend der festgesetzten Steuer (z. D. Einkommensteuer) erhoben werden. Heues von den Ehestandsdarlehen. Von Gg. Lind, Rechtsanwalt, Grünberg i. &*) Durch die dritte Durchführungsverordnung über die EUwährung von Ehestandsdarlehen vom 22. August 1933 ist der Kreis der Ehestandsbarlehensberechtigten so beträchtlich erweitert worden, daß ein kurzes Eingehen auf die neue Verordnung angebracht erscheint. An der Neuregelung sind nicht nur die Veuberechtigten, sondern auch die für die Annahme non Debarfsdeckungsscheinen zugelassenen Verkaufsstellen in gleicher Weise interessiert. Zur Forderung der Eheschließung durch das Reich wird in zielbewußter Weise die Möglichkeit, Ehestandsdarlehen zu erhalten, nach drei Richtungen hin ergänzt und erweitert: Die Zeit der Eheschließung, die halbjährige Arbeitsnehmertätigkeit der Ehefrau und die Anrechnung der Tä°- tigteit der Ehefrau im Haushalt und im Betrieb bei Verwandten. Alle diese Voraussetzungen sind zugunsten der Ehestandsdarlehenberechttgten ergänzt und erweitert worden, so daß der Kreis der Berechtigten gegen früher mit einem viel größeren Radius gezogen ist. wann muß die Eheschließung erfolgt sein? Llrsprünglich lautete die Vorschrift, daß Ehen, die vor dem 3. Juni 1933 geschlossen waren, für die Gewährurrg von Ehestandsdarlehen überhaupt nicht in Betracht tarnen, auch wenn die sonstigen persönlichen unb rechtlichen Voraussetzungen zu- ttafen. Jetzt werden Ehestandsdarlehen auch gewährt für Ehen, die in der Zeit vorn 1. Juli 1932 bis 2. Juli 1933 geschlossen worden waren. Es kommen jetzt also auch die zahlreichen Eheschließungen in Betracht, die im letzten vergangenen Jahre erfolgt sind, soweit die sonstigen Voraussetzungen vorliegen. Dann muß die Jran Arbeitnehmerin gewesen sein? Auch die zweite Bedingung für die Gewährung von Ehestandsdarlehen ist wesentlich günstiger gestaltet worden und zieht zahlreiche Ehefrauen in den neuen Kreis, die seither vorn Empfang von Ehestandsdarlehen ausgeschlossen waren. Bei einer Ehefrau wirb verlangt, baß sie mindestens sechs Monate lang im Inland in einem Arbeitnehmer- Verhältnis gestanden hat. Das Gesetz vom 1. Juni 1933 ließ Ehestandsdarlehen nur zu, wenn die Frau in der Zeitspanne vom 1. Juni 1931 bis 31. Mai 1933 in einem solchen Arbeitsverhältni s geftanben hatte. Diese Zeitspanne ist durch die zweite Durchführungsverordnung erstreckt worben auf die Zeit vom 1. Juni 1928 bis 31. Mai 1933 unter der Voraussetzung, daß die Ehefrau noch in einem Arbeitsverhältnis von mindestens sechsmonatlicher Dauer stand unb bieses vor der Auszahlung des beantragten Darlehens aufgibt. Vach •) Dgl. Gießener Anzeiger vom 31. Juli 1933. der neuesten Vorschrift kann ein Ehestandsdarlehen gewährt werden, wenn die Ehe auch schon in der Zeit vom 1. Juni 1932 bis zum 2. Juni 1933 geschlossen worden war und die Frau zwischen dem 1. Juni 1928 und dem 31. Mai 1933 mindestens sechs Monate lang im Inland in einem Arbeitnehmerverhältnis gestanden hat. Zahlreiche bereits verheiratete Frauen sind somit in den Kreis der Berechtigten gezogen worden, wenn bei ihnen die übrigen Voraussetzungen vorliegen. Wie wird die Tätigkeit im haushalt und im Betrieb bei Verwandten gewertet? Die hierüber neu erlassenen Bestimmungen betreffen viele seither nicht erfüllten Wünsche und verdienen ganz besondere Beachtung. Llrsprüng- lich galt die Tätigkeit der künftigen Ehefrau im Haushalt und Betrieb bei den nächsten Verwandten nicht als Arbeitnehmertätigkeit der Frau im Sinne des Gesetzes, auch wenn alle sonstigen Voraussetzungen vorlagen. Der Arbeitgeber muhte in der nach § 3 der Durchführungsverordnung erforderlichen Bescheinigung sogar ausdrücklich bescheinigen, daß er nicht ein Verwandter aufsteigen- der Linie der künftigen Ehefrau sei. Diese ungünstige Bewertung der Arbeitsleistung der Mädchen im Haushalt oder Geschäft ihrer Angehörigen wurde dieser auch volkswirtschaftlich nicht zu unterschätzenden Tätigkeit in keiner Weise gerecht und erheischte eine Aenderung, die dann auch nicht lange auf sich warten lieh und die die Bedeutung der Töchterarbeit in Haushalt und Eigenbettieb auch gesetzlich hervorhob. Vach der neuen Vorschrift ist auch die seitherige Deschäf- tigung der künftigen Ehefrau im Haushalt ober im Betrieb bei Verwandten aufsteigender Linie als Arbeitnehmerverhältnis im Sinne des Gesetzes arrzusehen. Jedoch ist die Bedirv- gung daran geknüpft, baß infolge der Aufgabe dieses Arbeitnehmerverhältnisses der künftigen Ehefrau die Einstellung einer fremden Arbeits- fraft erfolgt ist und der V a ch w e i s für eine solche Einstellung erbracht wird. Die zahlreichen Mädchen, die im elterlichen oder großelterlichen Haushalt ober Geschäftsbetrieb tätig waren, galten seither nicht als im Arbeitsverhältnis stehend und waren von der Berechtigung auf Gewährung eines Ehest and sbarlehens ausgeschlossen, auch wenn sonst alle gesetzlichen Voraussetzungen Vorlagen. Jetzt wird auch ihnen das Ehestandsdarlehen zugänglich gemacht, wenn ihre seitherige Stelle oder Tätigkeit von einer fremden Arbeitskraft ausgefüllt wird. Den Töchtern unb Enkelinnen im elterlichen oder großelterlichen Betrieb ober Haushalt stehen die Sties- und Adoptivtöchter und -Enkelinnen gleich. Die Sicherung der Getreidepreise. Von Oiplomlandwirt H. Zimmermann. Den Kampf um eine erträgliche Gestaltung der Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte Haden heute nicht nur die deutsche, sondern alle Regierungen der Kulturstaaten zu führen. Hält man sich vor Äugen, daß erst vor kurzem in den Vereinigten Staaten von Amerika der an sich schon lächerlich geringe Getreidepreis neuerdings um etwa ein Drittel gefallen ist, daß eben erst in Dänemark die verzweifelten Bauern zum letzten Mittel des Milchlieferstreiks gegriffen haben und daß selbst in dem wirtschaftlich noch am günstigsten stehenden Frankreich sich die Regierung fortgesetzt mit der Stabilisierung der Erzeugerpreise befassen muß, so kann man die Riesenhaftigkeit der Aufgabe ermessen, die sich die deutsche Regierung gestellt hat: den deutschen Bauern in diesem Erntejahr zu sichern vor H e r a b d r ü ck u n g der Getreidepreise, vor Berschleuderung seiner Erzeugnisse, vor dem Absatzmangel vergangener Jahre. Es weckt von vornherein Vertrauen, daß die Regierung neben den Maßnahmen, die zur Regulierung der natürlichen Preisbildungsuvsachen ergriffen werden mußten, mit erfreulicher Deutlichkeit in Form einer Warnung an diejenigen sich gewandt hat, denen der Handel mit Erzeugnissen des Bauern nur dazu dienen soll, ohne Rücksicht auf das Volkswohl und die Existenzmöglichkeit der Landwirtschaft sich selbst zu bereichern. Daß diese Warnung an das Spekulantentum nur zu berechtigt ist, mag allein die Tatsache beweisen, daß man in Händlerkreisen schon Wochen vor der Ernte von Getreidepreisen sprach, die ein Hohn auf die angestrengten Bemühungen der Negierung, dem Bauern den gerechten Lohn zu sichern, wären. Und das, noch ehe überhaupt der erste Sensenhieb auf Getreidefeldern getan ■roar. Ja, die Leitung der Breslauer Produktenbörse konnte sich vor dem Treiben gewissenloser Spekulanten nicht anders mehr helfen, als daß sie einem Angriff, den die Baissespekulanten kürzlich unternahmen, mit der Streichung jeder Getreidepreisnotierung zu begegnen versuchte. War diese Maßnahme auch ein Fehlgriff (weil sie nichts nützen kann, da die Spekulanten ohne Börse ihre dunklen Geschäfte noch lieber abwickeln), so zeigt der Vorfall doch, wie stark selbst heute noch sich das Börsenjobbertum fühlt. Es ist erfreulich, daß die Regierung, unterstützt von den anständigen Maklern, gegen diese Volksschädlinge mit den schärfsten Mitteln vorzugehen, entschlossen ist. Faßt man die Faktoren ins Slucje, die nach den natürlichen Gesetzen der Wirtschaft die Getteide- preisbildung bestimmen, so ergibt sich heuer für die Landwirte ein reckt günstiges Bild. Von einer Ueberproduktion kann heuer keine Rede sein, da die Ernteerträge hinter den Ziffern des Vorjahres Zurückbleiben werden. Andererseits wird die Jnlandserzeugung jedoch völlig ausreichen, die E i g e n e r n ä h r u n g des deutschen Volkes sicherzu st eilen. Eine unnötige Einfuhr von Getreide wird deshalb auch unter keinen Umständen zugelassen werden, außer es ergibt sich die Möglichkeit, im Tauschverfahren die gleiche Menge derselben ober einer anderen Getreideart wieder auszuführen. Damit sind alle Gefahren für die Preisbildung, die das katastrophale Absinken der Getreidepreise in Uebersee mit sich bringen könnte, abgebogen und unschädlich gemacht. Einer der Hauptumstände, die den Getreidemarkt in früheren Jahren ständig beunruhigten, waren die verschiedenen, oft recht planlosen Aktionen zur Verbilligung gewisser Getreidemengen. Mit dieser falschen Politik ist Schluß gemacht worden. Man will den Getreidemarkt auf natürlichem Wege gesunden lassen. Richt wenig wird dabei die Steigerung des Konsums durch die Wiedereingliederung von 2 Millionen Arbeitslosen in den Wirtschaftsprozeß und den mit Beginn des nächsten Jahres zu erwartenden Brotbedarf für das Arbeitsdienstheer usw. ins Gewicht fallen. Die Tatsache, daß sich Heuer die Ernte und damit der Drusch um gute acht Tage verzögert hat, wirkt sich in der Richtung äußerst günstig aus, daß die aus der alten Ernte noch vorhandenen Vorräte zunächst aufgebraudji wurden und so keinen Druck auf die neue Ernt« mehr ausüben können. Eine der stärksten Stützen für den Getreidemarkt ist auch die Futtermittel- Politik der Regierung. Die scharfe Drosselung bei Einfuhr von Öelkuchen zwingt bie Lanbwirte zu erhöhter Verfütterung von (betreibe als Kraftfutter so baß auf biefc Weise ber Markt um etwa 800 000 Tonnen (Setreibe entlastet werben wirb. Die Ersparnis an Devisen, bie sonst für bie Einfuhr von Öelkuchen ins Auslanb geflossen wären, kommt bei Sicherung unserer Währung zugute. Alle diese Mittel müssen jedoch letzten Endes versagen, wenn nicht bie Bauern selbst Heuer einen Schritt unterlassen, ber bisher mit bie Hauptschulb an ben Preiseinbrüchen kurz nach ber Ernte trug: bas sofortige Aus - ben - Markt-Werfen ber Ernte muß unter allen Umftänben unterbleiben, ba bas plötzliche Riesen- angebot naturgemäß ben Preis brücken würbe. Es verschleudert zwar der Bauer seine Ernte selbst nicht gerne, sondern meist nur deshalb, weil er dringend Geld braucht. Das weiß auch die Regierung, und sie hat deshalb im Zusammenwirken mit den Genossenschaften und dem Landhandel umfassende Finanzierungsvorbereitungen getroffen, um in weitgehendem Maße Vorschüsse auf einzulagerndes Getreide geben zu können. Auch von dieser Seite her ist also, wenn die Bauern Disziplin halten, keine Gefahr zu fürchten. Es ist daher eine Hauptaufgabe des im neuen Reich vorzüglich arbeitenden Propagandaapparates, immer wieder den Landwirten einzuhämmern, ihr Getreide nicht auf einmal und kurz nach der Ernte, sondern möglichst verteilt auf die nächsten zwölf Monate, zu verkaufen, ferner statt ausländischer Kraftfuttermittel eigenes Getteide zu verfüttern, was infolge des Preisausgleiches zwischen Getreide und Krastfuttermitteln kein finanzieller Nachteil ist. OieersteGieuererleichierungs- Akiion. Die Ueberzeugung, daß die frühere deutsche Steuerpolitik in eine Sackgasse geraten ist, hgt sich in dem Maße Bahn gebrochen, daß ein Umbau des gesamten Steuersystems nur noch eine Frage der Zeit ist. Man Fann freilich die alten Steuern' erst abbauen, oder durch neue ersetzen, wenn man eine neue Grundlage für die finanzielle Existenz des Reiches und der übrigen öffentlichen Körperschaften gefunden hat. Das ist natürlich mitten in einer schweren Krise nicht möglich. Die Erholung der Wirtschaft muß daher der Reorganisation des Steuerwesens zeitlich vorangehen. Nur allmählich und schrittweise wird man die verfehlten Steuern abschaffen und durch andere, wirtschaftlich vernünftigere ersetzen können. Dennoch gibt es in Deutschland gegenwärtig steuerliche Belastungen, die jo dringend einer Erleichterung bedürfen, daß diese schon jetzt, also beim ersten Beginn des Wirtschaftsaufschwunges, vorgenommen werden muß. Das ist insbesondere dann unumgänglich notwendig, wenn die Ueberfteigerung der Steuerlasten dem Wirtschaftsaufschwung hindernd im Wege steht. Die Reichsregierung hat deshalb bereits am 15. Juli ein Steuererleichterungsgesetz zu dem Zwecke erlassen, die produktive Wirtschaft von Hindernissen, die ihrem Wiederanstieg erschweren, schon jetzt zu befreien. Auf drei Gebieten bringt dieses erste Steuererlheichterungsgesetz Entlastungen zu- | guoffen produktiver Betätigung des deutschen Kapitals. Das eine davon sind die Instandsetzungen und Ergänzungen an Betriebs- ge bä üben. Das neue Gesetz bestimmt, daß gel)n Prozent der für solche Arbeiten gemachten Aufwendungen sofort in dem gleichen Steuerabschnitt, in dem die Ausgaben erfolgt sind, von der Einkommen- unb Körperschafts-Steuerschuld in Abzug gebracht werben dürfen. Bisher mußten diese Abschreibungen auf mehrere Jahre verteilt werden, wodurch den ; Betrieben bie Durchführung solcher Instandsetzungen sehr erschwert wurde. Der Zweck der erleichternden Bestimmungen besteht, wie in den jetzt veröffentlichten Erläuterungen des Staatssekretärs Dr. Reinhardt bargelegt wird, darin, die Umsätze unb bie Avbeitnehmerzahl im Baugewerbe zu erhöhen, also bie Arbeitslosigkeit zu vermindern. Je geringer diese aber wird, desto mehr wachsen wiederum bie Steuereinnahmen des Reichs. An bie Stelle produktionshemmender Steuererträge treten also solche, die durch bie Belebung ber Wirtschaft hereingeholt werden. Dem gleichen Zweck wie bie Steuerbefreiung ber Aufwendung für Instandsetzungen an gewerblich genutzten Gebäuden bienen auch die beiden anderen Hauptbestimmungen des Steuererleichterungsgesetzes. Da ist zunächst die Steuerfreiheit für einmalige Zuwendungen der Betriebe an ihre Arbeitnehmer. Der Zweck dieser Maßnahme ist die Stärkung ber bisher durch eine verfehlte Steuerpolitik übermäßig geschwächten Kaufkraft der breiten Arbeitnehmerschichten. Da die Zuwendungen in Gestalt von Bedarfsdek» kungsscheinen gewährt werden müssen, dienen sie zugleich der Hebung der Produktion und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Das gleiche gilt, i wie man nicht erst nachzuweisen braucht, auch für die Befreiung neuerrichteter produktiver Unternehmungen von allen Ein- ! kommen, Uipsatz, Ertrag und Vermögen belastenden Steuern. Voraussetzung für die Steuerbefreiung ist hier lediglich, daß die neuen Unternehmungen ein überragendes Bedürfnis der deutschen Volkswirtschaft befriedigen, und daß sie nicht anderen bestehenden Unternehmungen Konkurrenz machen. Ihr Zweck ist in erster Linie die Förderung neuer Herstellungsverfahren und neuer Produktionen. Das Gesetz vom 15. Juli stellt nur den B e - ginn einer steuerpolitischen Umkehr dar. Aber es zeigt zugleich, in welcher Richtung diese durchgeführt werden wird. Der schrittweise Abbau ber überfteigerten Steuerbelastungen schasst neue Kauf« kraft, bie sich bann wiederum in erhöhte Steuererträge aus wirklichen Produktionsüberschüssen um- setzt. , LSrs Mn wrschlc^ M vergo bie Ans KM S riJe rol»m6i8‘ T» baten van be Al buttrr, Schultze .Frauen^Danda v. Iber Frau v. Versuche auch teuw Kleides noch zu viel doch zugleich von em Vorstellung aus M freien und die W' Pariser Mode Hchultze-AaumI nament bestckte unc Buch: .Die Kultur Grundlage der Frc Entwicklung vorvai genannten Frauen j mal gewonnenen Le eigenen Leibe" alle Besonders Hedwig ihnen Grundlegende wohnten verküns weg zu den einfachst und aus ihnen gest Damals vollzogen schon alle Dorausfch erst int Jahr 1917, bc yqeufrtung „Äittellte fucfye ber Kvnsthanöwe ständigen deutschen Fr W. bah diese Fran Meindmgen unb K Kleidsamen einsehlen sie wesentlich zur 1 Vorbildern beigetrc^ gezwungen, sich allir anzupassen, zuerst ii im „Poiretkleid .Kittelkleid". C endgültig den gesr einer stühensteien, u gestaltung zu. Dich -Professor Dr Kultur im Bil tafeln. In Sammln Gebunden 2,20 Mac! '"Leipzig - (210, richtige Vorstellung D jje auf taufend und “ "chere Zeit oorl ungeheurer Reichtum uns von Lamers fu Sn w die Blütezei Dor en in die antike 5>P'N und Wesen« ^'Steit zweckmäßiger ^53? nach öen iCi n >" Verlag ^kannie «2)M Pri Nen, bie ho. ’ ckne y-rE Pe'd)nVerbSet Ul w°»I aus ?,ne" 'Dir °U5 der fSlplQr?n Dl '?°s klärchen Sld) [ _e,'n e 3ß uJ y.jtxfpoit Weltmeisterschaften der Studenten Neues für den Büchertisch Obecheffen vor Tagung der evangelischen Zrauenvereine. In Watzenborn- Steinberg fand am Sonntag ein Bezirkstag der Frauenvereine des Krei - fes Gießen des Verbandes Evangelisch-kirchlicher F r a u e n o e r e i n e Hes- le n s statt. Die beiden Dörfer wiesen stattlichen Fahnenschmuck aus. und die Einwohner hatten die Liebenswürdigkeit, alle fremben Gäste — es waren ihrer ein paar hundert — zu sich zum Kaffee Herbert Buhtz, der hervorragende deutsche Ruderer, wurde Meister im Einer-Rudern. Siegfried V i e b a h n stellte im Kunstspringen die besten Leistungen auf. gelischen Frau im neuen Reich und wer sie in diese Aufgaben weist. Mit großer Aufmerksamkeit folgten die Hörer den Ausführungen des Redners. Wenn man zuweilen Aeußcrungen dahin hört, daß die Kirche und das Volk einander fremd gegenüber^ stünden, so bewies die Predigt des Festpredigers oas Gegenteil. Die Nachfeier vollzog sich in der Gastwirtschaft „Zur Krone", die bis auf das letzte Plätzchen besetzt war. Auch hier beteiligte sich noch einmal der Kirchenchor mit einer Anzahl geistlicher und nahe,' well^wir alle^deutsche und Evangelische Frauen | Gegen 18.30 Uhr fand die und Männer feien. Zum TH-mn tjatte sich der Red. 1 ner den Gedanken gestellt: die Ausgaben der eoan------------------- Deutsches Kunsthandwerk und deutsches Modeschaffen Don AgneS Gerlach, Verband Deutsche Frauenkultur. im Verband Deutsche Frauenkultur mit feinen 70 Ortsgruppen zusammengeschlosfen. Ihre De- mühunacn waren unterstützt durch die eigene 1897 gegründete Zeitschrift. Die Versuche zu selbständiger deutscher Kleid- gestaltung wurden durch die Neubelebung des gesamten textilkunsthandwerklichen Schassens wirkungsvoll ergänzt 3n der Vorkriegszeit auf dem Gebiet der Stickerei - und Spihenerzeu- g u n g, in der Kriegszcit durch Wiederaufnahme alter Handtechniken, bei der Handweberei und Handdruckerei, in der Strick- und Häkelwarenerzeugung. Dekannte textile Kunsthandwcrkerinnen nahmen sich um diese Neu» schöpf ungen an. Auf dem Gebiet der Spitzenerzeugung besonders Leni Matthaei und Margarete Baumann, denen sich in der Nachkriegszeit noch bekannte Kunstschulen, Spihenschulen und Spihentünftlerinnen wie Elfriede v. H ü g e l und Johanna Harre u. a. anschlossen. Margarete Naumann begann 1914 mit aufsehenerregenden Arbeiten und Erfindungen nach neuen Gestaltungsgesetzen. Professor Forkel, der verdienstvolle, nur allzu früh verstorbene Leiter der textilen Fachschule in Plauen, hat die Arbeit von Margarete Naumann besonders durch die Errichtung von Kursen in der dortigen Schule gestützt. Er hatte mit Erfolg diese Gestaltungsweise auf die M a s ch i n e n s p i tz e n übertragen. Leider hat die Industrie diese Versuche viel zu wenig anerkannt und ausgewertet. Die Handwcberei und Handdruckerei nahm durch die in der Kriegszeit gewonnenen Erfahrungen in kurzer Zeit einen großen Aufschwung. Alte Werkstätten wurden wieder neu belebt und neue gegründet. Die Erzeugnisse dieser Werkstätten konnten sich nicht nur neben der industriellen Stofferzeugung erfolgreich behaupten, sondern haben diese technisch und geschmacklich stark beeinflußt, ergänzt und gefördert. Die deutsche Erfindung und Erzeugung licht- und waschechter Farben und die Fortschritte in der deutschen Kunstsasererzeugung haben diese neue Stofferzeugung wirkungsvoll unterstützt. Es ist festzustellen, daß der ausländische Textilmarkt eine starke Deeinflusfung durch diese hochwertigen Arbeiten erfahren hat. Leider kamen aber auch immer wieder geschmacklich schlechte Musterungen des Auslandes nach Deutschland und haben die Fortschritte auf dem Gebiet der Stoffdruckerei häufig gestört und beeinträchtigt. Aus der handwerklichen Strick- und Häkelwarenerzeugung hat sich in den Nachkriegsjahren eine lohnende und erfolgreiche Industrie entwickelt, die einen sehr beachtlichen Absatz auf dem Weltmarkt erzielte und heute eine kaum zu überbietende Vielfältigkeit bei bester technischer, geschmacklicher und künstlerischer Durchführung aufweist. So zeigt sich Deutschland auf allen Gebieten textilen Ähaffens heute selbständig und gerüstet zur Tlnabhängigkeit vom Pariser Modemarkt. Die deutschen modeschaffenden Fähigkeiten müssen nicht neu bewiesen werden, sondern sind somit lange bewiesen. Es muß aber alles vermieden werden., die neugewonnenen schöpferischen Fähigkeiten einzuengen, und in vorgeschriebene Dahnen zu führen .sondern es muß ihnen durch planmäßige älnterstühung volle Auswirkungsmöglichkeit gesichert werden. Der Reichtum, den Deutschland heute an schöpferischen Kräften auf diesen Gebieten besitzt, ist noch nicht annähernd ausgewertet. Das Ziel deutschen Modeschaffens wird nicht mehr auf Klebern ahme oder Nachahmung der französischen Modeherrschaft gerichtet sein, sondern deutscher Selbstbehauptung, deutscher Wesenssormung und Volkswertung dienen. Die deutschen Frauen haben dabei eine verpflichtende Ausgabe. „G n e i J e n a u" aus der Feder des genialen Gra» fen Schliessen. — Herbert Dlank. Preußische Anekdoten 1. Teil. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Preis gebunden 1 Mt. (197) Wer diese sorgfältig und sinnvoll ausgewählten kleinen Geschichten und Apercus aus Preußens stärksten Tagen liest, wird mit Erstaunen gewahr, wie stark die Revolution von heute ihre besten Kräfte aus jener friderizianischen Vergangenheit schöpft. — Ein sehr unterhaltsames und nachdenkliches Duch zugleich. — Der Reiter im Morgenrot. Eine Novelle von Johannes Schuck. 80 Seiten Text und 6 Bilder in Kupfertiefdruck. Geschenkband RM. 2.—. Verlag Josef Müller, München 13. — (10.) — Im Siebenjährigen Krieg. Tollkühne Husaren, umsichtige und tapfere Bürger, Ueberfälle und Brandschatzungen, ein selbstherrlicher Vater und ein unbändiger öohn, der in das Morgenrot eines neuen Lebens reiten will, dabei aber durch den Verrat eines eifersüchtigen (Taliban in einem furchtbaren Kampf au der Brücke seiner fränkischen Vaterstadt den frühen Tod findet. Gpielvereinigung 1900 Gießen. Bieder L — 1900 III. 4 :6 (2 :4). Die Fußballmannschaften der Spielvereinigung 1900 waren mit einer Ausnahme spielfrei. Die III. Els kam einer Rückspielverpflichtung in Bieber nach, spielte dort gegen die I. Mannschaft des Platzbesitzers und brachte einen Sieg von 4 :6 Toren mit nach Hause. Die Gießener Mannschaft war durch zwei Mann aus der Liga verstärkt und ständig tonangebend. Der Kamps wurde vor vielen Zuschauern als ein Propagandaspiel ausgetragen. r FC.Teutoma" Watzenborn-Steinberg Am Sonntag tarnen die erste und Iugenbmann- schäft aus Aßlar einer Rückspieloerpflichtung nach. Beide Mannfchaften der Teutonen konnten gegen die Gäste 3:0 siegen. Das Iugendspiel wurde recht eifrig geführt, beide Mannschaften strengten sich sehr an. Der Ehren- treffer für die Aßlarer wäre verdient gewesen Im Spiel der ersten Mannschaften sah man einen zähen Kampf. Die Einheimischen zeigten sich stets leicht überlegen, mußten sich aber voll ausgeben, um Erfolge des kampffreudigen Gegners zu verhindern. Die Gäste spielten reichlich hoch Das stets faire Tressen wurde von Schiri Michel (Gießen) sicher geleitet. Im Spiel der Schüler gegen die Schüler des DfB. Gießen blieben die Gäste 2:1 Sieger. Abturnen des Turnvereins Großen-Linden. ? Bei günstigem Wetter fand am Sonntag das Abturnen des Turnvereins Gr.-Linden statt. Vor Beginn der Wettkämpfe hielt der Ortsgeistliche, Pst. V A. Das nationalsozialistische Deutschland will und wird sich eine heimische, dem deutschen Wesen angepahte Mode schassen! Wie stehl es um die Voraussetzungen? «Wie weit sind wir . Die grundlegende Vorbedingung einer Unabhängigkeit auf modischem Gebiet bildet das hochentwickelte deutsche Kunsthandwerk. Da ist es interessant, festzustellen daß in den letzten Jahrzehnten von diesem Schaffen sogar eine starke Deeinslussung auch des ausländischen Marktes ausging. In Deutschland wurde diese Tatsache bisher leider noch zu wenig gewürdigt und ausgewertet. Die Fortschritte auf textilhandwerklichem Gebiet er- weisen sich hier als besonders weittragend. Die bisher von Paris aus geleitete Deeinslussung der deutschen Modepresse hat diese Tatsachen weitgehend zu verschleiern gewußt, so daß auch Fachkreise des deutschen Mode- gewerbes viel zu wenig darüber unterrichtet sind. Die reisen Erzeugnisse deutschen textilen Kunsthandweicks werden als Selbstverständlichkeit hingenommen. Die deutschen Bemühungen um eine Unabhängigkeit von überholten historischen Formen und ausländischen Vorbildern reichen bis in die neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. Wenn auch die Anfangsversuche des „Jugendstils" noch teilweise Irrwege waren, so bedeuten fie doch ein Losreißen von erstarrten Formen, eine Revolution auf kunsthandwerklichem Gebiet und eine notwendige Entwicklungsstufe zu neuen Wegen. ' Um die Neugestaltungen der Frauenkleidung haben sich um die Jahrhundertwende die bekanntesten Künstler und Kunstgewerbler mit Erfolg bemüht und verdient gemacht, so van de Velde. Muthesius, Mohrbutter, Schultze-Naumburg; unter den Frauen: Wanda v. K r a n a ch, Veil v. N e a n - Der, Frau v. Drauchitsch, Fia Wille, Hedwig Duschmann und andere. Wenn diese Versuche auch teilweise auf den Schmuck des Kbeides noch zu viel Wert legten, so gingen sie doch zugleich von einer organisch richtigen Form- Vorstellung aus. suchten den Frauenkörper zu befreien und die Widernatürlichkeit der Pariser Mode zu überwinden. Sieben Schultze-Naumburg, der sich gam vom Ornament befreite und mit seinem bahnbrechenden Buch: „Die Kultur des weiblichen Körpers" als Grundlage der Frauenkleidung die angebahnte Entwicklung Vorwärtstrug, haben besonders die genannten Frauen große Verdienste an der einmal gewonnenen Selbst des reiung, weil sie ja „am eigenen Leibe" alle Versuche erproben konnten. Besonders Hedwig Duschmann hat unter ihnen Grundlegend^ geleistet, da sie von den gewohnten verkünstelten Schnittfvrmen weg zu den einfachsten Grundfonnen zurückführte und aus ihnen gestaltete. Damals vollzogen sich für die Frauenkleidung schon alle Voraussetzungen, auf denen die Mode erst im Jahr 1917, dann sogar mit der deutschen Bezeichnung „Kittelkleid" weiterbaute. Diese Versuche der Kunsthandwerkerinnen wurden von selbständigen deutschen Frauenkreisen dadurch unterstützt. daß diese Frauen unabhängig von allen Anfeindungen und Ärititen sich für die neuen Kleidformen einsehten und diese trugen. So haben sie wesentlich zur Defreiung von ausländischen Vorbildern beigetragen und die Pariser Mode gezwungen, sich allmählich diesen neuen Formen anzupassen, zuerst im „Prinzeß kleid", dann im „Poire tkleid" und 1917. wie erwähnt, im „Kittelkleid". Mit ihm wandte sich die Mode endgültig den gesundheitlichen Formen, einer stühensreien, unversteiften, futterlosen Kleidgestaltung zu. Diese Frauenkreise sind heute noch Erfolgreiche Arbeitsschlacht im Kreise Alzey. D a r m st a d t, 5. Sept. (WSN.) Die Staats« Pressestelle teilt mit: Die vorn Kreisamt Alzey gemeinsam mit der Kreisleitung der NSDAP, und dem Arbeitsamt Mainz aufgenommene Arbeits- schlacht im Kreis Alzey hat zu einem sehr schönen Erfolg geführt. In mehr als ein Drittel der 49 Gemeinden des Kreises sind keine Arbeitslosen mehr. Die Zahl der gesamten Arbeitslosen ist von rund 1450 (384 Arbeitslosenunterstützungsempfänger, 412 Krisenunterstützungsempfänger, 645 Wohlsahrtsunterstützungsempsänger) auf rund 850 (115 Alu, 336 Kru, 393 WE) zuruckge- gangen. Die erwähnten Stellen weisen erneut darauf hin, daß es nunmehr gilt, den errungenen Vorteil zu behaupten und die Inangriffnahme weiterer Arbeiten zu ermöglichen. Jeder in der Bevölkerung, dem auch die Schaffung von geringer Arbeit nur möglich ist, soll mithelfen. Deshalb heraus mit den Aufträgen an die Handwerker, wenn sie auch noch so klein sind! Bei weiterem Fortschritt auf dem gleichen Weg kann und wird das Endziel der Aktion, die vollständige Beseitigung der Arbeitslosigkett, nicht ausbleiben. — Professor Dr. H. Samer: Römische Kultur i m Bilde. 161 Abbildungen auf 96 Tafeln In Sammlung „Wissenschaft und Bildung". Gebunden 2,20 Mark. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig — (210) — Wie wenige haben eine richtige Vorstellung von der Hochkultur der Romer, die auf tausend und aber tausend Gebieten noch für unsere Zeit vorbildlich geblieben sind! Welch ungeheurer Reichtum erschließt sich uns, wenn wir uns von Lamers kundiger Hand hineinversetzen lassen in die Blütezeit des alten Rom. Dazu hat Lamer einen Text geschrieben, der uns mit wenigen Worten in die antike Kultur einführt und das Typische und Wesentliche der abgebildeten Bauten, Kunstwerke ober Geräte herausstellt. Unfern Schulen ist hier ein Hilfsmittel zur Einführung in die Kulturtaten der Alten geboten, wie es bei gleicher Billigkeit zweckmäßiger nicht gefunden werden kann. — Deutsche Heldensagen. Herausgegeben von Severin Rüttgers, ausgeftattet von Walter Tiemann, im Insel-Verlag zu Leipzig. Preis in Leinen geb. 4,50. — (85.) — Die großen, uns von Jugend auf menschlich nahen Gestalten der deutschen Heldensage werden in diesen schlichten Erzählungen nach den Quellen wieder lebendig. Das Hiloebranbs- lied, Beowulf, Walther und Hildegund, Siegfried und dir Nibelungen, Wieland der Schmied, König Rother, der getreue Wolfdietrich, König Dietrich von Bern, Kudrun, Der Niebelungen Not, der ganze reiche Schatz wird hier in der einprägsamsten Form einem Geschlecht bargeboten, bas bas Helbische zum Maßstab bes Lebens, bie Treue zur höchsten Tugenb männlicher Gemeinschaft erklärt hat. — In ber bekannten Insel-Bücherei (Jnsel- Verlag, Leipzig, Preis je Band 0,80 Mart — (237 242) — ist eine Reihe neuer Bänbchen erschienen bie bei größter Vielseitigkeit im Einzelnen bas große Gemeinsame ber Vermittlung wertvollsten Geistesgut beutscher unb frember Literaturen in aus- gezeichneter Auswahl burch sachkunbige Hanb unb in buchtechnisch oollenbeter Form zeigen. Von neuen Bänben nennen wir eine entzückenbe kleine Auswahl aus bem berühmten Blumenbuch bes Offenbacher Meisters Rubolf K o ch , Heinrich Hoffmanns unvergänglicher Struwwelpeter in einem Nachbruck ber ersten, heute nur noch in wenigen Exemplaren oorhanbenen Ausgabe, ferner aus ber Schatzkammer alten beutfchen Volksgutes die Hausmärchen der Brüder Grimm und „Das kleine W u n d e r h o r n", eine von F. A. Hünlch liebevoll veranstaltete Sammlung deutscher Volkslieder, die bis ins 16. Jahrhundert zurück- führt, schließlich noch die glänzende Portratstudie Der Einzug der deutschen Studenten-Sportler in das Stadion „Mussolini". An der Spitze sieht man Stechemesser (links) und Eberle als Fahnenträger. Nlirkt e^Niachj ‘ $ht L: durch bi. »i Meg> rotbebarff-be5 nfaÄ015- SBorwu QUs der n,d)lu”P BNN Don (Betreib! a Ntfrnt Mastel m!,? Um etwa 800 £ wirb. CT « wW' "b" M bie ttjfr End« en snQ-'en' Heuer 7??beindLv mit bi. en\ |0|0tf' « d-r na6 den ^reis brtS1' '-^'^'’' )ern meist nur L^' W rNt »as Zift « deshalb im \u?flÜc galten und öem 5eIn?lr,en Dungsoorber-ie>,»„. Gondel um- Maße Aorfchüs?g!??n^l"'um ,en können *!? SUä ntteln fein finanzieller Nachteil i[t zu laben. In dem überfüllten Gotteshause fand um 14.15 Uhr Festgo11esdienst statt, an dem wenigstens 500 Personen teilnahmen. Ein Teil der Hörer hatte keinen Platz mehr gefunden und nahm vor der Kirche Aufstellung. Der evangelische Kirchen- gesangverein unter der vorzüglichen Leitung des 5)errn Sommer verschönte den Gottesdienst durch den Vortrag zweier Lieder. Für die Festpredigt hatte man den neuen Pfarrer von Heuchelheim, Pfarrer Weisel, gewonnen, der fast drei Jahrzehnte Pfarrer in Rheinhessen war. Obwohl er, so sagte er in seiner Einleitung, seither immer nur Schultheiß, eine Morgenandacht bei der Turnhalle ab. Die Wettkämpfe, die recht beachtliche Leistungen brachten, nahmen fast den ganzen Vormittag in Anspruch. Es kamen auch Volkssport- kämpse zum Austrag, an denen sich viele Angehörige ber SA, der SS. und HI. beteiligten. Am frühen Nachmittag erfolgte ein großer Umzug unter Teilnahme sämtlicher Formationen der piefigen NSDAP., sowie der SA. von Leihgestern und Allendors durch die Ortsstraßen. Anschließend sanden auf dem Sportplatz bei der Turnhalle in Anwefenheit einer großen Zuschauer- menge turnerische Vorführungen aller Art statt. Den Höhepunkt bot das Reckturnen, wo insbesondere der Zehnkampfsieger vom Deutschen Turnsest, Richard Seth, wohl kaum noch zu überbietende Leistungen zeigte. Bei der Siegerehrung hielt der Vereinsführer Dr. Römer eine Ansprache, in der er allen denen, die zu dem Gelingen der Veranstaltung beigetragen hatten, herzlichen Dank aussprach, außerdem dankte er den NSDAP.-Formationen für ihre Teilnahme. Nachstehend ein Auszug aus den Sieger- listen: Dolkssport-Dreikampf (über 18 Jahre), Weitsprung, Keulenwersen, Lauf: 1. Heinrich Fach. 2. Walter Guter. 3. Erich Volk. — Unter 18 Jahre: 1. Albert Hardt. 2. Albert Riehm. 3. Richard Wag- ner und Karl Klaum. Geräte-Zehnkampf (Jugendturner): _ 1. Otto Weiß. 2. Hermann Schorge. 3. Albert Zörb. — Schüler: 1. Herbert Fischer. 2. Albert Weiß. 3. Heinz Fischer I. — Schülerinnen: Oberstufe: 1. Irmgard Kräht. Mittelstufe: 1. Monika Dem, Unterstufe: 1. Elfriede Mehl. 5feuerer(eid)ferunM; Aktion. lgung, daß bie frühere deutsche eine Sackgasse geraten ist, hat. sich .Lahn gebrochen, daß ein Umbau -teuechslems nur noch eine Frage an kann freilich bie alten Steuern1 ier durch neue ersehen, wenn man Wage für bie finanzielle Cristen; ber übrigen öffentlidjen Körper- bat. Das ift natürliä) mitten in rife nid)t nwgtid). Die Srtjotunq ß daher ber Heorganifation b:s lich vorangehen. Nur attmätyxt) iirb man die verjeWu Stt\u:n rch andere, wichchaMch oernün - men. Dennoch gibt es in Deutsch- g steuerliche Belastungen, die io Erleichterung bedürfen, daß dieie leim ersten Beginn des Wirtschast-- orgenommen werden muß. Das ist nn unumgänglich notwendig, wenn rung der Steuerlasten dem Wirt' ig hindernd im Wege steht, gierung hat deshalb bereits am Steuererleichterungsgeseß .zu dem bie produktive Wirtschaft von -m- rnem Wiederanstieg erschweren, schon n. Auf drei Gebieten bringt dieses heichterungsgesetz Entlastungen zu- t-PS-S;: sLLss en des Staatsfetretars t wird,» <40 lim Bausewerbe k h eit zu vermindern, Steuer- mehr wachsenw^rodultions. uerertrage ' ^lt werben, er 2*’ *^teueibefteiung er 2meck wie die vt ' ^erblich ür N'^Qbie beiden anje- öienCL St^edeid)^"« q e” 3 uwend ungen q^eck 9e A rb eUnehw'" her durch reÄie Stärkung der ^Men -.«Ss-Os lun® r fielt mir nrklich-" wettlicher Lieber. In bie Reben ber Nachoersamm- lung teilten sich ber Ortspfarrer Staubach, ber grüßte, bankte unb appellierte an bas im Volkstum wurzelnbe evangelische Gewissen, bie stellver- tretenbe Vorsitzenbe bes Bezirkes, Frau Lehrer Rau, Klein-Linben, bie vor allem bie Kasseiiver- hältnisse erörterte, unb Fräulein Wahrenbor f f, Alsbach an ber Bergstraße, bie Geschäftsführerin bes Hessischen Verbanbes. In einem ausführlichen Referat unterstrich bie Rebnerin bie Ausführungen bes Festprebigers, gab zahlreiche Hinweise, wie sich bie Arbeit ber Frcmenoereine noch fruchtbringender gestalten könnte, unb machte bie Herzen ber ciclen rh'eini's'chen 'Fraüen unb Männern gepredigt I Hörerinnen unb Hörer warm für die schönen unb M e er sich den Oberhessen dennoch se?r I ^oßen Ausgaben ber evangelischen Frauenoereme , suyre juy u .. -----ex.. Gegen 18.30 Uhr fanb bie Tagung ihren Abschluß, I mit bem gemeinsam gesungenen Liebe „Ach bleib . I mit deiner Gnabe". posaunenfest -er oberhessischen Gemeinschaften. > Holzheim, 4. Sept. Am Sonntag fand hier das Jugend - und Posaunenfest des Verbandes der o b e r h e s s i s ch e n Gemeinschaften statt. Das Fest wurde eingeleitet durch eine Vorfeier am Samstagabend auf dem freien Platze an der Bismarck-Linde. Die Feier wurde umrahmt durch Vorträge der Posaunen- chöre von Watzenborn-Steinberg und Holzheim. Prediger Petersen von Lich hielt eine kurze Ansprache an die Gemeindeglieder. Mit Gebet wurde die Feier beendet. Der Sonntagmorgen brachte schon viele Festtcil- nehmer, sowie über 30 Posaunen- und gemischte Chöre nach Holzheim. Um 8 Uhr fand die Hauptprobe der Posaunenchöre statt, anschließend die Probe der gemischten und Männerchöre. Der Morgengottesdienst wurde auf der Festwiese abgehalten, wobei Pfarrer Arndt- Weidenau die Festpredigt hielt. Sämtliche auswärtige Festteilnehmer bekamen dann bei den gastfreundlichen Einwohnern Mittagessen. Mittags bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Straßen des Dorfes nach dem Festplatze. Hier hatte sich eine nach Tausenden zählende Menschenmenge eingefunden. Der Festplatz war mit den alten und den neuen Farben des Reiches geschmückt. Prediger Peters- Mücke hielt die Begrüßungsansprache. Ferner sprachen noch Prediger Pfeiffer- Grünberg, Keil- Bettenhausen, Prediger Meng- Gießen u. a. Die Hauptfestansprache hielt Pfarrer Arndt- Weidenau. Zwischen den Ansprachen fanden Vorträge der Posaunen- und gemischten Chöre statt, ferner folgten gemeinsam gesungene Lieder. Verbunden mit dem Jugend- und Posaunenfest war das 50- jährige Jubiläum der hiesigen Gemeinschaft. Am Montag und Dienstag fand noch eine Eoange- listenkonferenz statt. preishüten in Hungen. = Hungen, 5. Sept. Am vergangenen Sonntag veranstaltete her Herein für deutsche Schäferhunde, Ortsgruppe Gießen'und Umgegend, dahier sein diesjähriges Preishüten. Ein Begrüßungsabend am Samstag war der Veranstaltung vorangegangen. Im Namen des Landesverbandes Rhein-Main des Deutschen Schäferhunde- Vcrbandes begrüßte Herr D r e s d e mit einer Ansprache die Erschienenen. Insbesondere gab er seiner Freude darüber Ausdruck, daß sich die Stadt Hungen und ebenso die beiden Gesangvereine „Eintracht" und „Liederkranz", sowie der Turnverein zur Verfügung gestellt hätten, um der guten Sache zu dienen. Weitere Ansprachen wurden gehalten von Bürgermeister Fendt, Preisrichter Lenz-Ehringshausen und Preisrichter Reisenweber-Jena. Neben Konzertstücken der Kapelle, sowie der ausgezeichneten Wiedergabe verschiedener Gesangsvorträge der beiden Gesangvereine und Darbietungen des Turnvereins Hungen, der eine Musterriege am Barren gestellt hatte, fand der Abend mit dem üblichen Tanz seinen Abschluß. Das Preishüten nahm Sonntagfrüh 9*/2 Uhr seinen Anfang und zog sich bis in die späten Nachmittagsstunden hinaus. Se. Kgl. Hoheit der G r o ß- tz e r z o g als Protektor hatte eine goldene Medaille als Wanderpreis, das Hessische Ministerium, Abt. für Arbeit und Wirtschaft, eine Staatsmedaille gestiftet, außerdem standen wertvolle Ehrenpreise zur Verfügung. Den Wanderpreis um die Staatsmedaille erhielt der Rüde des Herrn Dr. Sachs in Darmstadt (Führer Karl Römer-Götzen) mit der Bewertung: vorzüglich. „Sehr gut" erhielten die Hunde der Herren Hch. Müller-Ehringshausen, Wilhelm Schmidt- Betzenrod, Alfred Hahn- Großen-Buseck, Otto Langsdorf - Pohl-Göns ^Besitzer K. Baumann-Feuerbach), des Frl. Lotte Engler- Schotten (Führer W. Funk-Schotten), des Herrn Fr. Groß- Darmstadt (Führer Th. Sprück-Steinberg). Weiterhin konnte noch eine Anzahl Ehren- und Geldpreise verteilt werden. Derbands-Meifterschafisschießen der Hassia. O Alsfeld, 5. Sept. Das alljährlich zum Austrag gelangende Verbands-Meisterschaftsschießen der Hassia fand in diesem Jahr am 2. und 3. September in Alsfeld statt. Am Samstagnachmittag fand eine Beratung der Bezirksschießleiter unter Leitung von Major Pohl- Büdingen, dem Schießleiter der Hassia, statt. Am Abend veranstaltete der hiesige Veteranen- und Kriegerverein im großen Saale des „Deutschen Hauses" einen Begrüßungsabend zu Ehren der auswärtigen Gäste, mit dem zugleich eine Sedanfeier verbunden war. Der 1. Führer des Vereins, Lehrer Hartmann, begrüßte die zahlreichen Gäste und sprach über den Geist und die Aufgaben der Kriegeroereine. Bürgermeister Dr. Völsing entbot den Willkommens- gruß der Stadt Alsfeld. Der Führer der Hassia, Exzellenz von Oidtman, feierte mit begeisterten Worten den neuen Aufschwung, den Deutschland endlich wieder unter der Führung Adolf Hitlers nach langen dunklen und schmachvollen Jahren genommen habe. Für den Stahlhelm sprach Kreisleiter Lehrer Eichenauer. Zu dem anschließenden unterhaltenden Teil des Abends trug in hervorragender Weise der nassauische Mundartdichter Rudolf Dietz- Wiesbaden bei, der mit seinen lebendigen Mundartdichtungen lebhaften Beifall erntete. Verdiente Anerkennung fanden auch die Volkstrachtentänze der Damenabteilung des Alsfelder Turnvereins. Dazwischen hörte man schöne deutsche Volkslieder, von einer Abteilung des Bundes Deutscher Mädchen vorgetragen. Tanz beschloß den schön verlaufenen Abend. Am Sonntag wurden die Landes-Mei st er- schäften auf den zweckmäßigen und gut eingerichteten Schießständen des Alsfelder Kriegervereins ausgetragen. Den Abschluß des Tages bildete ein Schießen des Kriegervereins Alsfeld, das als Nationales E r y e b u n g s - P r e i s s ch i e - h e n mit schönen, sinnentsprechenden Preisen aus- geftattet war. Im nahen „Kronenhof" konzertierte die Alsfelder Sturmbannkapelle. Ein Kasperletheater fand die gebührende Aufmerksamkeit der zahlreich erschienen kleinen Gäste. Die Schießergebnisse, die als recht gut anzusprechen sind, wurden am Abend verkündet. Der Alsfelder Veteranen- und Kriegerverein kann auf die mustergültig durchgeführte Veranstaltung stolz sein. Ergebnisse: A. Altschützen: Gruppe Gießen (Appel, Schilling, Hainbach, Georg) 600 Ringe. Einzel- m e i st e r : Appel-Gießen 154 R. B. Jungschützen: Gruppe Offenthal (Fritsch, Seibert, Würz, G. Seibert) 517 Ringe. Einzelmeister: Schüßler-Groß-Rohrheim 151 R. Bezirks- Schießwarte: Graulich-Maulbach. LanvkrclS Gictzen. * Watzenborn-Steinberg, 5. Sept. Am Sonntagnachmittag ereignete sich hier ein Verkehrsunfall. Das dreieinhalbjährige Söhnchen des Bürovorstehers Laux wurde von einem Motorradfahrer angefahren und so heftig zu Boden geschleudert, daß es besinnungslos liegen blieb. Mit verschiedenen Kopfverletzungen uno in bedenklichem Zustand wurde das bedauernswerte Kind in die elterliche Wohnung gebracht. Der Motorradfahrer, der sich zunächst nicht um den verunglückten Knaben kümmerte und weiterfuhr, gab sich von Gießen aus zu erkennen. Die Ermittlungen über die Schuldfrage sind im Gange. z. Großen-Linden, 5. Sept. Der hiesige Kriegerverein hielt in der Wirtschaft Post Wwe. eine außerordentliche Generalversammlung ab, in der u. a. die Gleichschaltung vorgenommen und über die Sterbegeldversicherung beraten wurde. Der Bezirksvorsitzende Professor Dr. Craemer, Gießen, nahm die Gleichschaltung vor. Zuvor überreichte er dem Ehrenvorsitzenden Altbürgermeister Leun, den Altoeteranen Gg. Müller und Ludwig Menges das „Hassia"-Ehrenkreuz und an Ludwig S t e i n m ü 11 e r die Kyffhäuser-Kriegs- aedenkmünze. Zum 1. Führer bestimmte er den seitherigen 1. Vorsitzenden Wilh. P o st und zum 2. Führer Dr. August Becker. Hierauf ernannte der 1..Führer den weiteren Vorstand und zwar die Kameraden Ludwig L a u n s p a ch als Rechner, den Gemeinderechner Karl Faber als Schriftführer. Zu Beisitzern wurden berufen: Förster Georg Seipp und Kaufmann Georg T e x t o r. Nach einem dreifachen „Hoch" auf den Reichspräsidenten von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler wurde das Horst-Wessel- und Deutschland- Lied gesungen und die Versammlung geschlossen.— Die hiesige Spar- und Darlehenskasse hielt am Samstag in der Wirtschaft „Zum Rebstock" zum Zwecke der Gleichschaltung eine Generalversammlung ab. In Anwesenheit des landwirtschaftlichen Fachberaters Gutsbesitzer D ö r r s ch u ck- Friedelhausen und des Oberrevisors Hartmann- Gießen wurde die Gleichschaltung vorgenommen. Ernannt wurden zum Direktor der Maurermeister Wilhelm Weiß, zu dessen Stellvertreter Wilhelm M a g n u s, Rechner blieb der seitherige Ludwig P i r r. Der Aufsichtsrat setzt sich zusammen wie folgt: Ioh. Leun 9., 1. Präsident, dessen Stellvertreter Weißbindermeister Phil. Schmidt. Zu Beisitzern wurden bestimmt Phil. Naumann, Emil Schwarz, Hch. Faber, Albert Klotz, Ioh. S t e i n a g e I und Georg Textor. ~ Lang-Göns, 3. Sept. Ein schönes Zeichen von Verbundenheit und Volksgemeinschaft gaben der hiesige Krieger- und Turnverein, indem sie am heutigen Tage ein gemein) ames Fest feierten. Für den Kriegerverein war es das Fest des 60jährigen Bestehens, für den Turnverein zugleich das QI b t u r n e n. Am Vormittag fanden Sport- und Kleinkaliberschießübungen statt. Ein langer Festzug, an dem sich außer der Fugend, den einzelnen Verbänden und Vereinen auch zahlreiche auswärtige Vereine beteiligten, ging am Vachmittag durch die reichgeschmückten Dorfstraßen. Auf-dem Festplah sprach der Vorsitzende des Kriegervereins. K. Kd. V e r n, die Begrüßungsworte. Sodann hielt der Orts- geistliche, Pfarrer Wahl, die Festrede. Er wies in seinen Ausführungen auf unsere stolze Vergangenheit hin, auf den gestrigen Sedantag, der vor vielen Fahren unser Deutsches Veich schaffen half. Fm Fahre 1873 wurde der hiesige Kriegerverein gegründet, wie viele andere in den deutschen Landen. Und wenn nach dem Weltkrieg eine öde Strecke in der deutschen Geschichte folgte, so verzagte das gesunde deutsche Volk doch nicht. Die Krregcrvereine halfen auch mit und hielten den Glauben an den Wiederaufstieg hoch. Denn als treuer Hüter und Wächter stand ja seit Fahren < unser greiser Reichspräsident v. Hindenburg an der Spitze des Reiches. Reben ihm trat im Fanuar dieses Fahrcs der Volkskanzler Adolf Hitler. So sind uns diese beiden, Reichspräsident und Reichskanzler, die Vertreter des alten und des neuen Deutschland, ein Symbol, ja noch mehr, eine Gewißheit, daß es nun wieder aufwärts geht, und daß unferm Vaterlande endlich die wahre Volksgemeinschaft zuteil wird, wie Adolf H i t - l e r es will. Die Rede klang aus in dem Siegheil auf Hindenburg und Hitler. Anschließend wurden das Deutschland- und das Horst- Wessel-Lied gesungen. Die Gesangvereine trugen Chöre vor, von der SA. und dem Turnverein wurde gemeinsam ein Hindernislauf durchgeführt, daran schlossen sich turnerische Vorführungen, Tanz usw. * Steinbach, 5. Sept. Am Sonntagabend wurde nach der Kirchweih auf der Straße Steinbach —Garbenteich ein Ob Ct bäum von roher Hand abgebrochen. Sachdienliche Angaben sind an die Gendarmerie zu richten. 8 Alten -Buseck, 5. Sept. Im Saale von Otto Rabenau fand am Sonntagabend eine öffentliche Versammlung statt, in welcher der ßeiter der Landwirtschaftsschule in Grünberg, Direktor T r a u t m a n n , über „Anbau von Oel- f r ü ch t e n" sprach. Nachdem der Redner mit kurzen Worten auf den seitherigen Umfang der Oel- und Fetteinfuhr eingegangen war, gab er im zweiten Teile feines Vortrags genaue Anweisungen über Düngungsfrage, Bodenbeschaffenheit, Saat- und Erntezeiten und alle sonstigen beim Anbau von Oelfrüchten zu beobachtenden Punkte Als geeignetste Oelfrucht für die hiesigen Verhältnisse wurde Rübsen bezeichnet. Die an den sehr lehrreichen Vortrag sich anschließende rege Aussprache bewies, daß den Ausführungen des Redners starkes Interesse entgegengebracht wurde. Landwirt Wilh. Kahl dankte dem Redner im Namen der Besucher für seinen Vortrag. Ein stärkerer Besuch der Versammlung wäre in Anbetracht der Wichtigkeit des behandelten Themas erwünscht gewesen. — Mainzlar, 5. Sept. In der Gastwirtschaft „Zum Adler" fand eine Kundgebung der NSBO. und der Ortsgruppe der NSDAP, statt, zu der fast alle Mitglieder aus den Orten Lollar, Staufenberg, Mainzlar, Daubringen und Ruttershausen erschienen waren. Der Saal war stark besetzt. Der Ortsgruppenleiter Pg. Schrot eröffnete die Kundgebung und begrüßte die Erschienenen und erteilte dem Gewerkschaftskommissar Pg- Hch- Bartholomäus-Gießen das Wort zu seinem Vortrage über „Generalangriff auf die Arbeitslosigkeit! Wir wollen helfen!". In seinen Ausführungen ging der Redner eingehend auf die Ursachen der Arbeitslosigkeit ein, streifte dabei vor allem die Nachkriegsverhältnisse unter dem libera- listischen System und kam bann auf das großzügige Arbeitsbeschaffungsprogramm der neuen Regierung zu sprechen. Nach seiner Ueberzeugung wird es nach vier Jahren keinen Arbeitslosen in Deutschland mehr geben, wenn jeder deutsche Volksgenosse, gleich, welchen Standes und Berufes, an feinem Teile mithilft. Die Wege hierzu find, zunächst die Spende zur Förderung der nationalen Arbeit weit- gehendft zu unterstützen, das Doppelverdienertum zu beseitigen und die Frauen aus den für sie unnatürlichen Betrieben zu entfernen. Opfer werden von jedem verlangt. Besondere Aufmerksamkeit wird seitens der Regierung auch dem Problem des Geburtenrückganges gewidmet werden. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des Redners, der in feinem Schlußwort alle Anwesenden aufforderte, jeder an seinem Platze mitzuhelfen, daß Deutschland wieder besseren Zeiten entgegengeht. Mit einem dreifachen Sieg Heil!, dem Deutschland- und Horst-Wessel-Lied wurde die eindrucksvolle Kundgebung geschlossen. I ß o U a r, 5. Sept. Der Veteranen- und Kriegeroerein Lollar hielt am Sonntag eine außerordentliche Hauptversammlung ab, um den neuen Richtlinien entsprechend die Führerschaft neu zu bilden. Der Bezirksführer Professor Dr. Kraemer (Gießen) ernannte unter Zustimmung der gesamten Versammlung den seitherigen 1. Vorsitzenden, Steuerinspektor und Beigeordneter Kamerad Martin Zaubert, zum ersten Führer. Dieser dankte dem seitherigen Rechner Kamerad Deibel, sowie dem seitherigen 2. Schriftführer Alt-Bürgermeister Kamerad Schmidt für ihre langjährige Mitarbeit und ernannte beide Kameraden zu Ehrenmitgliedern. Als seine Mitarbeiter ernannte er die folgenden Kameraden: Dr. R. ßimberqer, Zweiter Führer; A. Rau, 1. Schriftführer; Wilh. Fink, 2. Schriftführer; K. Brück, Rechner; ferner Ioh. Schäfer, H. Geißler VIII., Wilhelm ß e n n a r 3 und W. Zajic als Beiräte und K. Pfeffer als Schießleiter. Die gesamte Führerschaft, mit Ausnahme eines Kameraden, gehörte schon seither dem Vorstand an. Weiter stand die Verwendung des im vorigen Jahre erbauten Hassia-Jugendheimes zur Beratung. Die Versammlung sprach sich einstimmig dafür aus, das Jugendheim seinem Zweck, nämlich der Jugendpflege, zu erhalten und es gegebenenfalls an die Gemeinde zu verkaufen. Der Bezirksführer nahm bann noch folgende Ehrungen vor: Dem ehemaligen Jugendabteilungsführer K. Brück dankte der Bezirksführer in längeren Ausführungen für seine aufopfernde Tätigkeit und für seine großen Ver- I bienfte um bie Jugend und überreichte ihm im Auf- I trage des ersten ßanbesführers Generalleutnant a. D. Exzellenz von Oibman bie höchste Auszeichnung ber Hassia, bas „Hassia-Ehrenkreuz", sowie ein Hindenburgbild mit einer Widmung des ersten ßandesführers. Ferner erhielten die Führerin der ehemaligen Jungmädchenabteilung Frl. El. Seipp die „Führer-Ehrennadel"; die ehemaligen Jungmannen O. Schneider, W. Komp und Fr. Z ü cf bie „Ehrennabel". Der erste Vers bes Deutsch- lanbliedes, sowie bes Horst-Wessel-ßiebes befchlossen bie Ehrungen. 0 Harbach, 5. Sept. Unser Pg. ßehrer Stork, ber in Nürnberg an ten Feiern teilnahm, erkrankte bort an ßungenentzündung unb mußte einem Krankenhaus zugeführt werben. Hoffentlich kann er balb genesen in seine Heimat zurückkehren. * Grünberg, 5. Sept. Am Montag würbe ein hiesiger Einwohner wegen befunbeter antinationaler Gesinnung f e st genommen und in bas Polizeigefängnis nach Gießen gebracht. ch ß a u t e r , 5. Sept. Die Verwaltung bes Hess. Forstamts ßaubach hat gestern ben Bau bes Lautertalwegs, bes Verbinbungsweges zwischen Lauter unb Weickartshain, mit ungefähr 20 Mann Wohlfahrtsempfängern aus Lauter unb Münster roieber ausgenommen. Die Bauarbeiten wurden im letzten Jahr durch eine offene Maßnahme des Freiwilligen Arbeitsdienstes begonnen, der Weg blieb dann nach Beendigung der Maßnahme in halbfertigem Zustande liegen. Wenn die' Arbeit, dem allgemeinen Wunsche der Bevölkerung entsprechend, nunmehr durchgeführt wird, so werden viele Erwerbslose auf lange Zeit Beschäftigung finden. Verbandöiagung der he fischen Hebammen. D a r rn st a d t, 5. Sept. (WSN.) Jrn Rummel- bräu hielt gestern der etwa 850 Mitglieder zählende hessische Hebammenoerband seine diesjährige Verbandstagung ab. Der Vertreter des hessischen Ministerpräsidenten Obermedizinalrat Dr. med. Schmitt erklärte, daß sich die Regierung mit besonderem Nachdruck des Hebammenwesens und der Belange der Hebammen annehmen werde. Das Problem der Bevölkerungspolitik behandelte Frau Conti (Berlin), die u. a. erklärte, der Wille zum Kind müsse in unserem Volke wieder gehoben werden und jede Familie müsse in einem Kinde ein Gottesgeschenk sehen. 12 Personen verhaftet. WSN. Gimbsheim, 5. Sept. Hier wurden nach Haussuchungen durch die Polizei 12 Personen fe ft genommen. Es handelt sich um Dinge, die mit dem vor einem Jahre an dem S 21.» Mann Hobelsberger verübten Mord im Zusammenhang stehen. Preußen. Schwerer Einbru i sdiebstahl. * Lützellinden, 5. Sept. Anfang August wurde bei einem hiesigen Landwirt, während er sich vormittags mit seinen Angehörigen auf dem Felde befand, eingebrochen. Die Diebe stahlen aus einer verschlossenen Tischschublade im Wohnzimmer ein Sparkassenbuch, woraus sie bei einer Sparkasse in Gießen 300 Mk. abhoben. Außerdem plünderten sie dem Landwirt die Räucherkammer aus und nahmen fast alle Wurstwaren mit. Da sie diese nicht alle transportieren konnten, warfen sie einen Teil in das Iaucheloch. Ein außerdem gestohlenes Fahrrad wurde am andern Tage auf dem Domplatz in Wetzlar herrenlos vorgefunden. Der Täter, der das Geld abhob, wird wie folgt beschrieben: Etwa 22 bis 25 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß, schmales Gesicht, bartlos. Er trug dunkelblauen Anzug mit dunkelblauer Mütze und Autobrille. Die von der Polizei sofort angestellten Ermittlungen waren bis jetzt ergebnislos. Zweckdienliche Mitteilungen werden an die Polizeiverwaltung in Groß-Rechtenbach (Telefon Wetzlar 2401) erbeten. Gefängnis we en Verächtlichmachung der Reichsfahnen. Marburg, 5. Sept. (WSN.) In der Nacht nach dem kürzlich in Treysa abgehaltenen Kreis-Krieger- verbandsfest wurden an der zum Festplatz führenden Straße verschiedene Flaggenmaste umgerissen und die daran befindlichen Hakenkreuz - und schwarzweißroten Flaggen teils im Straßenschmutz herumgeschleift, teils entwendet. Auf Grund mehrerer Zeugenaussagen hin wurden die Treysaer Einwohner Zimmerling, Schenk und Keim als der Tat dringend verdächtig in Haft genommen. Während sie in der Voruntersuchung mehr oder weniger zugegeben hatten, daß der Mißbrauch der Flaggen vielleicht in Trunkenheit ausgeführt sein könnte, bestritten vor dem Schöffengericht alle Angeklagten die Täterschaft. Die Zeugenvernehmungen ergaben jedoch ein anderes Bild, so daß das Gericht wegen Verächtlichmachung d"r Reichsfahne für Schenk und Keim auf je vier Monate Gefängnis unter Ablehnung von Bewährungsfrist erkannte. Zimmerling mußte mangels genügenden Beweises freigesprochen werden. Gießen, Osthofen, Berlin, den 5. September 1933. 5503 D Beerdigung: Donnerstag, den 7. September, nachmittags 4 Uhr auf dem Neuen Friedhof zu Gießen. - Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Statt besonderer Anzeige. Heute früh entschlief santt meine liebe Frau, unsre treue Mutter, Schwiegermutter u. Großmutter, unsre gute Schwester u. Schwägerin Luise Wagner, geb. Ferber. Die trauernden Hinterbliebenen: D. Karl Wagner, Oberkirchenrat Dr. Wilhelm Wagner, Zahnarzt, und Frau Liesl, geb. Bansbach Dr. Kurt Nischk, Regierungsrat, und Frau Maria, geb. Wagner Anna Gisela Wagner Dr. Karl Wagner, Assistenzarzt Hans Wagner, Ingenieur und 3 Enkel. Warum ? kaufst du deinen Stoff nicht bei deinem Schneidermeister? Bringst du das Holz auch zum Schreiner ? Bringst du das Leder auch zum Sattler ? Bringst du das Mehl auch zum Bäcker? Nein? Du kaufst bei deinem Schneidermeister genau so billig und besser, denn dann übernimmt er die Garantie für die Paßform des Anzuges u. auch für die Tragfähigkeit des Stoffes Also denke daran! Den Stoff nur vom Schneidermeister ? 5515 D LvifcheMche zumBacken u.Kochen heute eintreffend Frische Vveitzelbeeven zum Einkochen Pfd. 30 -z, die Kiste mit 50 Pfd. 14.00 Mk. 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