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Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. poftschecttonto: firanlfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vniik und Verlag: vrühl'sche Univerfttätr-Vuch- und Steinöruderei R. Lange in Giehen. Zchriftlettung und Seschäftrstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20° „ mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wich. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wich. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in Giehen. i Das Zentrum beschließt feine Auflösung. 3m Einvernehmen mit dem Reichskanzler. - Kür parteipolitische Betätigung kein jRaum. Entsendung von Verbindungsleuten zur NSDAP. Berlin, 5. Juli. (TU.) Die Deutsche 3 e n- trumsparlei veröffentlicht eine Mitteilung, wonach das Zentrum auf Grund der völlig veränderten politifchen Lage im Einvernehmen mit dem Reichskanzler beschlossen hat, sich mit sofortiger Wirkung a n f z u l ö s e n. Der Auflösungs- beschluh hat folgenden Wortlaut: „Die politische Umwälzung hat das deutsche Staatsleben auf eine völlig neue Grundlage gestellt, die für eine bis vor kurzem mögliche parteipolitische Betätigung keinen Raum mehr l ä h t. Die Deutsche Zentrumspartei löst sich daher im Einvernehmen mit dem Herrn Reichskanzler Hitler mit sofortiger Wirkung auf. Mil dieser Auflösung gibt sie ihren Anhängern die TNög- lichkeit, ihre Kräfte und Erfahrungen der unter Führung des Herrn Reichskanzlers stehenden nationalen Front zur positiven Mitarbeit im Sinne der Festigung unserer nationalen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse zur Mitwirkung am Neuaufbau einer rechtsstaatlichen Ordnung rückhaltlos zur Verfügung zu stellen. Die Zentrumspartei vollzieht den notwendigen organisatorischen Abbau mit tunlichster Beschleunigung. Sie darf hierbei loyalerweise damit rechnen, daß die Abwicklungsarbeiten nicht gestört werden, _i>afj die Beschlagnahme von bisherigem Parteigut sowie politisch bedingte Verhaftungen von ehemaligen .Parteiangehörigen in Zukunft unterbleiben und bereits Verhaftete wieder freigelassen werden, soweit nicht Verdacht strafbarer Handlungen vorliegt. Sie gibt ferner der berechtigten Hoffnung Ausdruck, daß die bisherigen Anhänger der Zentrumspartei von dem Führer der nationalfozialistifchen Bewegung in Zukunft vor Diffamierung und Zurücksetzung geschützt werden, und dah die katholische zum nationalen Staat positiv eingestellte Presse die gleiche Behandlung erfährt, wie die übrige nationale Presse. Den Mandatsträgern im Reichstage, dem Landtage und den kommunalen Körperschaften ist hinsichtlich der Beibehaltung ihrer Mandate völlige Enlschlutzsceiheit anheimgegeben. Die Mitglieder der bisherigen Zentrumsfraktion treten also nicht geschlossen als Hospitanten in die Fraktionen der NSDAP, über, sondern bleiben oorer ft fraktionslos und lediglich durch Verbindungsmänner mit den Fraktionen der NSDAP, in Fühlung. Die Bestellung diefer ver- binöungsmänner erfolgt in unmittelbarer Verständigung mit den zuständigen Fraktionsoorfihenden der NSDAP. Im Einvernehmen mit Herr« Reichskanzler Hitler und dem zuständigen Fraktionsvor- sthenden der NSDAP, wird als Verbindungsmann der bisherigen Reichstagsfraktion des Zentrums Herr Dr. Hackelsberger bei der Reichstagsfraktion der NSDAP, bestimmt. * Gleichzeitig mit dem Auflösungsbeschluß erfolgt folgende letzte Verlautbarung der bisherigen Zentrumsleitung: Das Deutsche Zentrum ist nicht mehr. Sein Rücktritt vom Schauplatz der politischen Geschichte erfolgt wie seine Geburt vor nunmehr sieben Jahrzehnten unter den Stürmen einer neuen Zeit. Fest und tief im katholischen Volksteil verwurzelt und auch auf seine Volksverbundenheit oft hart erprobt, hat das Zentrum stets vermocht, Millionen Deutscher mit Achtung vor der Obrigkeit, mit Liebe zum Vaterlande, mit Respekt vor der Heberjeugung der Mitmenschen zu einem Staatsbürgerbewußtsein zu erziehen, das auch für das neue Reich von unerläßlichem Vor- teil ist. Diese zur Staatstreue und zum selbstlosen Dienst am Volksganzen erzogenen Millionen sind ein so wertvolles Element im Gemeinschaftsleben, daß sie auf die Dauer weder übersehen werden können, noch übersehen werden wollen, wenn es gilt, die Polkskräfte unauflöslich ineinander zu schweißen und Staat und Volk gegen die feindlichen Machte der Zersetzung zu schützen. Im ehrlichen Streben, am N e ua u f b a u ö es Staates und der Volksgemein sch a s t mitzuwirken, dürfen und werden sich die ehemaligen Zentrumsleute auch heute von niemandem übertreffen lassen. Die Stunde des Abschieds sei eine Stunde ehrfurchtvollen Gedenkens an unsere Führer und aufrichtigen Dankes an alle, die treu zur alten yapne gestanden haben. Wenn wir jetzt den zeitbedingten Rahmen der Partei losen so tun wir das in dem festen Willen, auch weiterhin dem V o l k s g a n z e n z u d i e n e n getreu unserer stolzen Ueberüeferung, die stets Staat und Vaterland über die Partei gestellt hat. heil Deutschland! Zur Auflösung Der Bayrischen Volkspartei. München, 5.3uli. (MTV.) Der Staats- Minister des Innern Adolf Wagner hat aus Anlaß der Auflösung der Bayrischen VolksPartei zur Durchführung der notwendigen Auf- lösungsmahnahmen und zur Befriedung des politischen Lebens u. a. verfügt: Sämtliche in Schutz- Haft befindlichen Funktionäre der ehemaligen BVP. sind freizulassen. Diejenigen Angehörigen der ehemaligen BVP-, die gegen die bestehenden Gesetze und Verordnungen verstoßen haben, sind beschleunigt den Gerichten zu überantworten. Allen jenen, die bisher im Vordergründe des politischen Lebens standen. ist allerorts äußerste Zurückhaltung, besser noch Abtreten von der politischen Bühne anzuraten. 2m übrigen darf die unbelastete bisherige Zugehörigkeit zu der Partei weder für Beamte und Angestellte des Staates noch für andere ein Grund zur Verfolgung, Zurücksetzung oder Ausschließung aus der Mitarbeit am Aufbau des Staates sein. Das Echo her presse. Berlin, 6.3uli. (Täl.) Zu der Selbstauslösung des Zentrums, die im wesentlichen nur noch als eine Formsache betrachtet wird, nimmt nur ein kleiner Teil der Berliner Blätter Stellung Der „Völkische Beobachter" versieht die Tatsachenmeldung mit der Feststellung: „Nach den bisherigen Ankündigungen über den Zerfall des Zentrums war diese Erklärung nur noch eine Formsache. Das Zentrum hat also nunmehr ebenfalls ausgespielt." Der „Tag" schreibt unter der Ueberschrist „Reiner Tisch",' die Geschichte des Zentrums sei niemals die Geschichte einer Idee gewesen. Geboren aus einer Abwehrhaltung, innerlich doch von den konservativen Kräften des Katholizismus erfüllt, aber äußerlich in einen wesensfremden politischen Betrieb ausgehend, der die Erreichung des konser- vativen Ziels ermöglichen sollte, sei die Partei immer mehr Mittel zum Zweck geworden und in Ziel und Methode ein ständiger Widerspruch in sich selb st. Die Nation habe auch über die Parteien gesiegt, die ihr Dasein auf die Glaubensspaltung gründeten. Der deutsche Katholizismus sei befreit von einer Last, die ihn in einen gefährlichen Strudel hinadriß. Ein Erdbeben habe die Apostel der Spaltung verschlungen. Es sei nur bezeichnend, daß die Zentrumspartei die bewegende Dynamik der Zeit und deren ewig gültigen Antrieb zuletzt verstanden habe. Die „DAZ" stellt fest, der völlig auf positive Mitarbeit abgestellte Grundton mag dem Ausland zeigen, wie groß die Gewalt des unaufhaltsamen Einschmelzungsprozesses geworden sei, der alles Alte beseitigt und nur die großen neuen Aufgaben der Nation bestehen lasse. Don heute ab gebe es in Deutschland nur noch eine Partei: d e n Nationalsozialismus. Eine entscheidende Epoche zur Gestaltung neuer Formen unseres innerstaatlichen Lebens habe begonnen. Die „Rassische Zeitung" erklärt, der deutsche Katholizismus werde-künftig über keine eigene Partei mehr verfügen. Da kein vernünftiger Politiker mehr einen Kulturkampf wünsche, werde ihm die Befreiung von den Rückwirkungen des parteipolitischen Tageskampfes nur zum Vorteil dienen können. Die Verhältnisse lägen heute nicht anders als vor rund zehn Jahren für die katholische Kirche in Italien. Jener geschichtliche Vorgang sollte darum heute von den deutschen Katholiken als wegweisendes Beispiel angesehen werden. Der „Berliner Börsenkurier" meint, der katholische Volksteil werde über die Liquidierung des Zentrums keine nGrund zur Klage haben; denn die Partei sei s ch o n l a n g e nicht m e h r die Vertretung des katholischen Volkes gewesen. Beste Katholiken hätten einen anderen Begriff von der politischen Mission der Partei im Staate gehabt, als Kaas und andere, die mehr als einmal unberechtigt Sonderrechte im Staat beanspruchten. Es sei eigenartig, daß die Ehemaligen heute ihr Bekenntnis zur Regierung betonten, mit einem etwas zu lauten Schrei nach dem Nationalsozialismus. Man könne es heute nicht recht verstehen, dah die, die Jahrzehnte lang in einer der heutigen Zeit entgegengeseh- ten Ideologie lebten, in einigen Stunden z u glühend Lieberzeugten wurden. Nicht ohne Charakter wäre es, wenn die Erkenntnis die wäre, daß man das politische Ziel verloren habe. Die „Kölnische Zeitung" schreibt, wenn bald das gesamte Verhältnis der Staatsmacht zum Katholizismus durch ein Reichskonkordat auf die breiteste Grundlage gestellt sein wird, die überhaupt möglich ist. dann ist auch der letzte Schein eines Rechtsanspruches verblaßt, daß der Katholizismus einer besonderen politischen Vertretung bedürfe, um seine Rechte und Freiheiten zu sichern. Nachdem das Zentrum als letzte Partei aus dem politischen Leben Deutschlands ausgeschieden und in die Geschichte übergegangen sei, habe die politische Totalität der nationalsozialistischen Bewegung den völligen Sieg errungen. Schafft Arbeit und Brot! Oer Aufruf für die Spende zur nationalen Arbeit. Auf Wunsch wiederholen wir nachstehenden Aufruf des Staatssekretärs im Reichssinanzministerium Fritz Reinhardt: Die Reichsregierung der nationalsozialistischen Revolution ruft alle Volksgenossen und Volks- gcnossinnen auf, freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit zu leisten. Die Spende kann in bar, durch Zählkarte, Postschecküberweifung oder Banküberweisung geleistet werden. Für die Entgegennahme der Spende ist das Finanzamt zuständig. Der Spender muh also den Spendebctrag bei der Kasse des Finanzamts einzahlen oder durch Zählkarte, Postschecküberweisung oder Banküberweisung auf das Postscheckkonto des Finanzamtes überweisen. Arbeiter und Angestellte können ihren Arbeitgeber bitten, bei der nächsten Lohn- oder Gehaltszahlung einen bestimmten Betrag einzubchallen und für sie als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit an das Finanzamt abju- fiihren. Es sollte kein Angestellter und kein Beamter unterlassen, sofort zu veranlassen, daß von seinem Gehalt ein bestimmter Beitag als freiwillige Spende einbehalten und für ihn an das Finanzamt ab geführt wird, wo die Berücksichtigung dieses Wunsches aus technischen Gründen nicht mehr möglich sein sollte, ist es Sache des Angestellten oder Beamten, den Spendenbetrag durch Zahl- karte, Poftfchecküberweisung oder Banküberweisung dem Konto des Finanzamtes zuzuleiten. Es sollte auch kein Arbeiter unterlassen, seinen Arbeitgeber zu bitten, von der Lohnzahlung einen bestimmten Betrag einzubchallen und als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit für ihn an das Finanzamt weiterzuleiten. Alle volksgenoffen und Genossinnen, die nicht in einem Arbeilnehmerverhältnis stehen, sondern U n - tcrnehmer, Angehörige eines freien Berufs oder Rentner find, überweisen, soweit es noch nicht geschehen ist, einen Betrag als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit auf das Konto des Finanzamtes. Die Reichsregierung der nationalsozialistischen Revolution erwartet, dah alle deutschen Männer und Frauen den Begriff der Volksgemeinschaft erfassen, wer sich zur deutschen Volksgemeinschaft bekennt, der muh bereit sein, von seinem Einkommen freiwillig einen Betrag zur Förderung der nationalen Arbeit zu fpenden. Die Spende wird verwendet zur Beschaffung von Arbeit für solche Volksgenossen, die bereits seit vier Jahren ohne Einkommen sind. Ein Mindestbetrag ist nicht vorgeschrieben. Auch der kleinste Betrag, der als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit gegeben wird, bildet einen Teil der Hilfe zur Verminderung der Arbeitslosigkeit und damit des sozialen Elends. Volksgenossen und Volksgenossinnen, spendet, spendet alle, spendet sofort! Arbeitsbeschaffung her Reichsbahn. Berlin, 5. Juli. (WTB.) Der dem Dermal- tungsrat der Deutschen Reichsbahn oorgelegte vorläufige Ueberblid über die Entwicklung der Einnahmen für das erste Halbjahr 1933 zeigt, daß gegenüber der gleichen Zeit des Dorjahres die Gesamteinnahmen um 4,3 Prozent, gegenüber 1929 aber um 47,7 Prozent ^urütf gegangen sind. Gegenüber 1932 sind lediglich die Ein- nahmen im Personenverkehr beträchtlich niedriger. Die Einnahmen im Güterverkehr liegen um rund 2 Prozent höher. Diese Tatsache berechtigt zu der Hoffnung, daß die wirtschaftliche Entwicklung die bisherige Einnahmeschätzung für 1933 rechtfertigen wird. Die Reichsbahn wird ihrerseits die Entwicklung durch ein großes Arbeitsbeschaffungsprogramm fördern. Es ist ein Arbeitsprogramm in höhe von 65 Millionen aufgestellt und finanziert worden. Mit den Arbeiten können 250 000 Arbeitskräfte durchschnittlich für d i e Dauer eines Jahres beschäftigt werden. Der Derwaltungsrat beschloß ferner, von der reichsgesetzlichen Ermächtigung zur Gründung des Zweigunternehmens „R e i ch s a u t o b a h n e n" Gebrauch zu machen. Damit die Arbeiten sofort in Angriff genommen werden können, ohne die endgültige Finanzierung abzuwarten, stellt die Reichsbahn dem neuen Unternehmen ein Darlehen v o n 50 Millionen Mark zur Verfügung. Die Arbeiten haben auf der Strecke Frankfurt—Mannheim b e - reits begonnen. Wirtschastsbelebung auch in her Seeschiffahrt. Der Hamburger „Lchiffsfriedhof" wird kleiner. Hamburg, 5. Juli. (WTB.) Ruch in der Seeschiffahrt ist in Verfolg der wirtschaftsfördernden Maßnahmen der Reichsregierung eine zunehmende Besserung deutlich erkennbar. So betrug die Zahl der aufliegenden Seeschiffe am 1. Juli in Hamburg 94 gegen 125 am 1. 3uni. Der Raumgehalt belief sich auf 401 770 DRT. bzw. 240 358 RRT. gegen 515147 bzw. 307 459. Unter den 94 Seeschiffen befanden sich 89 deutsche (120) am 1. 3uni. Ist der Rückgang der aufgelegten Tonnage gegenüber dem Vormonat mit 113 000 Tonnen, d. h. über 2 0 Prozent, schon sehr beträchtlich, so wird die günstige Entwicklung besonders deutlich, wenn man dieZahlen vom 1. Juli v. 3. zum Vergleich heranzieht. Damals lagen im Hamburger Hafen 718116 BRT. auf, so daß der Rückgang gegen das Vorjahr bereits rund 44 Prozent beträgt. Die Hamburg-Amerika-Linie hat sich entschlossen, zwecks Unterstützung der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Deichsregierungs Aufträge an die Werften herauszugeben. Die vier Schiffe der B a 11 i n - K l a s s e (Albert Ballin, Deutschland, Hamburg und Reuyork) werden umgebaut werden. Die Schiffe werden um 12 Meter verlängert und erhalten eine zweckmäßigere Form. Durch die neue Schiffsform wird eine Verringerung der Betriebskosten insbesondere des Treibölverbrauches erreicht. Die dadurch erzielten Ersparnisse ermöglichen eine Amortisation der Umbaukosten im Laufe von etwa vier Jahren. Die Baukosten werden j e Schiff etwas mehr als 800000 Mark betragen. Der Gesamtaufwand stellt sich auf rund 3,5 Millionen Mark. Großzügige Aktion zur Rettung Ostpreußens. Besondere Maßnahmen aus wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet. Berlin, 5. Juli. (TU.) Amtlich wird mitgeteilt: Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Adolf Hitler und in Gegenwart des Oberpräsidenten von Ostpreußen, Erich K o ch, fand heute in der Reichskanzlei eine Besprechung über Maß- nahmen zum Wiederaufbau der o ft - preußischen Wirtschaft statt. Hierbei wurde festgestellt, daß die Rettung Ostpreußens aus seiner gegenwärtigen Notlage gesondert von den Landwirtschaftsproblemen und auch von dem Ost Hilfeproblem in Angriff genommen werden muß. Es soll eine großzügige Aktion eingeleitet werden, durch die öffentliche und private Aufträge aus dem ganzen Reich bevorzugt nach O st preußen gelegt werden. Darüber hinaus sollen in Ostpreußen auch auf dem Kulturgebiete vom Reich aus weitgreifende Pläne durchgeführt werden. Die ostpreußische Bevölkerung soll gerade jetzt bei Beginn der Erntearbeit das Bewußtsein haben, daß der Ertrag aus der Arbeit gesichert ist und daß der Lebens- und Aufbauwille des gesamten deutschen Volkes heute mehr denn je g e - schlossen hinter dem Leidenslande Ostpreußen steht. Massenkundgebungen des schaffenden Volkes. Auch die Unternehmer sollen tcilnehmcn. Berlin, 5. 3uli. (ERB.) Das Presseamt der Deutschen Arbeitsfront teilt mit: Die erste große Dersam'mlungswelle der Deutschen Arbeitsfront rollt. 2n allen großen Städten Deütschlands finden gewaltige Massenkundgebungen des schaffenden Volks statt. 3n Nürnberg, Frankfurt a. M., Koblenz und Köln marschierten zehn- und hunderttausende deutscher Volksgenossen und legten ein Bekenntnis zu Volk und Vaterland ab. Arbeiter und Angestellte al- l e r D e r u f e demonstrierten gegen denzer- st ö r e n d e n K l a s s e n k a m p f für die deutsche Volksgemeinschaft. Cs ist der Wunsch des Führers der Deutschen Arbeitsfront Dr. Leh, daß a u ch d i e deutschen älnternehmer als Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront sich an den Kundgebungen b e te i l i g e n. Der zusammen mit seinen Mitarbeitern, mit den Arbeitern und Angestellten in der Demonstration marschierende Llnternehmer vervollständigt auch nach außen das Bild wahrer Volksgemeinschaft. Alle deutschen Unternehmer werden deshalb aufgefordert, durch re st lose Teilnahme an den Veranstaltungen der Deutschen Arbeitsfront für die Ueberwindung des Klassenkampfgedankens zu demonstrieren. H t Aus aller Welt ■ a A. Dr. echter Begeisterung gefeiert. 8 ■ 'M* ordne ich ab 10. juii 1933 eine Aufnahmesperre bis auf weiteres an. Ausnahmen in besonders gelagerten Fällen fjnb jn jedem Falle der Genehmigung der obersten SA.-Führung Vorbehalten. Die 240 •r Breit ausgesponnene lyrische Gesangslinien geben 6er Musik ihr charakteristisches Gepräge. 3hre edle Haltung, ihr Schmelz werden weithin ihren unwiderstehlichen Zauder ausüben. Die Baritrnpartie des Mandryka ist ein Meisterstück der Charakteristik: die beiden Schwestern lassen die unvergängliche Schönheit Strauhischer Melodik lebendig werden. Das Orchester ist äußerst dezent gehalten bei aller Bielfalt der instrumentalen Farben. Das Werk ist eine Huldigung an die menschliche Gesangsstimme. Die Dresdener Oper stellte ihre besten Solisten, durch erlesene Gäste vervollständigt, und ihr virtuoses Orchester zur Verfügung. Clemens Krauß aus Wien dirigierte mit feinstem Empfinden für die Grazie dieser Wiener ßtjrif. Alfred Sergen (Wien) war unübertrefflich als Sänger und Darsteller des eigenartigen Freiers Mandryka, und Diorica LI r s u l e a c kreierte die Litelpartie mit wundervoller Stimmkunst. Angela Kolwiak (Zdenka) und Martin Kremer (Matteo) sangen nicht weniger vortrefflich das zweite Paar. Eva Plaschke v. L. Osten und Josef Gielen sorgten für höchste gesangliche Kultur und für die Anordnung des Szenischen. Auch darstellerisch und dekorativ bedeutete die Aufführung einen Triumph für die Dresdener Oper. Richard Strauß und alle Mitwirkenden wurden überschwenglich und mit der Wärme versorg denen sorge zubilllg währen Alisenn Fami mehr ii dem u und s sah d wese ftalt sahrts s« verbü den' Ged Die ' den in b ausgi sondei Berlin, 5. 3uli. (TL1.) Der Dundesfüh- rer des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten. Reichsarbeitsminister S e l d t e, sprach im Rundfunk über die Eingliederung des Stahlhelm in die nationalsozialistische Bewegung. Er führte etwa folgendes aus: Allen Stahlhelmern, die als Gäste an der großen SA. -Tagung in Reichenhall teilgenommen haben, meinen Stahlhelmführern und mir selbst ist das Herz noch voll von den Erlebnissen dieser drei Tage. Als Gäste sind wir Stahlhelmer hinuntergefahren, als Kameraden der Gastgeber, erfüllt von Gefühlen des Dankes und der Freude sind wir zurückgekehrt. Echtes Frontsoldatentum ist für immer vereint. Lins Stahlhelmer erfüllt Freude und neuer Mut im Kampf um das neue Deutschland. Wir danken ganz besonders dem Kanzler Adolf Hitler, dem Führer, für seine Großzügigkeit, mit der er uns die Hand reichte. Kameraden, der ewige Bund ist geschlossen. Wir marschieren vereint zur Erreichung der großen deutschen Zukunft. Möge es denn auch bald überall so sein, daß es keine Parteien, sondern daß es nur noch Deutsche gibt Linser Kampf um die deutsche Zukunft ist nicht vergeblich gewesen. Wir grauen und braunen Frontsoldaten haben uns durchgesetzt. Das gesamte deutsche Frontsoldatentum steht wieder führend an der Spitze der deutschen Ration, steht unter dem deutschen Reichskanzler. der ein Frontsoldat ist. Ich bin glücklich, daß es möglich gewesen ist. einen Bruderkampf unter uns soldatischen Menschen zu vermeiden, und daß ich dem Bolkskanzler Hitler die Palme des Sieges reichen kann. Dank seiner Großzügigkeit sind wir nun eins, steht der gesamte Stahlhelm in der nationalsozialistischen Bewegung. Wir kommen ehrlich und gerade nach werks ein furchtbares Explof iousunglück dem drei Menschenleben zum Opfer fielen. Lin schwerer Feuerwerkskörper explodierte nicht in der gewohnten weise, sondern „blies aus". Dabei wurden ein junges Mädchen und ein 14jähriger Dunge sofort getötet, ein achtjähriger Knabe wurde so schwer verletzt, daß er kurz darauf starb, weitere acht Personen wurden mehr oder weniger schwer verletzt. lieber die Ursache des furchtbaren Unglücks find die Untersuchungen noch im Gange. Start des „Graf Zeppelin" nach Rio de Janeiro. Nachdem das Luftschiff „Graf Zeppelin" am Dienstagabend planmäßig in Pernambuco gelandet ist, hat es gestern nachmittag die Weiterfahrt nach dem Zielhafen Rio de Janeiro angetreten. Die Wetterlage ist günstig. Marga von Lhdorss letzte Fahrt Mit dem Dampfer „Westfalia" trafen am Mittwoch die sterblichen Lieberreste der Fliegerin Marga v. Etzdorf in Hamburg ein. Der Deutsche Luftsportverband, Landesgruppe Rord, veranstaltet an Bord des Dampfers am Freitag eine Trauerfeier. Die vom Aeroklub von Deutschland für sein mehrfach ausgezeichnetes Mitglied veranstaltete Trauerfeierlichkeir findet am Montag, 10. Suli, in der Berliner invaliden- kirche statt. Lehrerin während des Unterrichts von einem Geisteskranken ermordet. In dem Essener Vorort lleberruhr ereignete sich eine schwere Bluttat. Der 21 Jahre alte Schuhmachergeselle R o n i g, der erst vor kurzer Zeit aus der Irrenanstalt entlassen worden war, drang in eine Mädchenklasse der katholischen Volksschule ein und stürzte sich mit einem Dolch auf die den Unterricht abhaltende 43 Jahre alte Lehrerin. Durch mehrere Stiche in Brust und Kopf wurde die Lehrerin von dem Wahnsinnigen auf der Stelle getötet. Die Kinder mußten der Bluttat zusehen, ohne Hilfe leisten zu können. Der Täter flüchtete, konnte aber kurz darauf festgenommen werden. Zeitschriften. — Die soziale Umschichtung, wie sie sich in den beiden letzten schicksalhaften Jahrzehnten in Deutschland vollzog, schildert Prof. Dr. Karl C. Thalheim in einem Beitrag der „311 u st r i r - ■ t e n Zeitung" (3. 3. Weber, Leipzig). Er zeigt hier die schwere Gefahr, die dem Volks- ganzen durch die Erschütterung des Mittelstandes droht, und weist auf die beiden großen Auf- gaben der neuen Staatsführung hin: die Mittelstandspolitik und die Eingliederung des Proletariats in Bolk und Staat. Einen Blick hinter ! die Kulissen des Wiener Burgtheaters vermittelt . Max Kayek, indem er die Ausstattungsschätze j dieser klassischen Bühne vorführt. Dem Ratur- i freund wird der Beitrag „Spaziergänge durch , einen Tiergarten" von HanS Brost, mit lebens- j nahen Tierbildnissen von Heinz Schubert, viel Freude bereiten. Jn c Reich wohne engster Amt bi ratio gram ganzen sein büj höchste auch inn una eim hie he ‘Rnbinbu bntsdesch zi diesen kunmisso bm Sta diuck. D fnangri Herr aus: Sie 2 der beul Umstellu gcrung «leigen durch ei die Stä nen un Ausbau Diel der ßan rieten bi beitsgele Honen, f, land für Eiedlech W de kann e Ä tntn1“; AiO' farlt 5& nunrneC von f „Arabella". Die neue Lper von Richard Strauß. Bor zahlreichen offiziellen Vertretern der gesamten Kunstwelt, vor staatlichen Würdenträgern und einer erwartungsvollen Schar von einheimischen und auswärtigen Kunstfreunden ging in der Dresdener Stoatsoper, wie schon kurz berichtet, die Llraufführung der neuesten Schöpfung von Richard Strauß mit großem, rauschendem Erfolg in Szene. Der Komponist hat seine alte Tradition, die Dresden seit Jahrzehnten zur Stätte fast aller feiner Llraufführungen machte, wiederum bei» behalten. Das neue Werk gründet sich auf ein nachgelassenes Textbuch von Hugo von Hof- mannsthal, der sein Libretto einer eigenen, früher erschienenen Rovelle „ßueibor“ entnahm. Der Stoff und die handelnden Personen der Erzählung sind mit wenigen Abänderungen in das Opernbuch übergegangen. Es ist die Geschichte zweier Schwestern, die nach spannenden Llmwegen zu ihren Freiern kommen. Das Besondere dabei ist, daß das eine der Mädchen als 3üngling verkleidet herumläult. Hofmannsthal hat also hier, wie im „Rosenkavalier", eine Hosenrolle für eine Sopranistin geschrieben. Die jüngere der beiden Schwestern, Zdenka (in der Rovelle ßueibor genannt), erobert den Offizier Matteo, ben Arabella, bie ältere, zugunsten eines reichen auslänbischen Verehrers, Manbryka, plötzlich ablehnt. Die Oper seht sich aus zwei Elementen zusammen: einer ausgesprochen wienerischen ßhrik unb einem heiteren Komöbienton. Der Humor ist zart und graziös, die beherrschende ßyrik gibt den ernsten Grundgehalt. Textdichter und Komponist knüpfen an ihr eigenes Erfolgswerk, an den „Rosenkavalier", an. Aus der antiken Umwelt in der „Aegyptischen Helena" kehrten sie diesmal in ihre ureigenste Sphäre, in das heitere, glanzvoll festliche und verliebte Wien des vorigen 3ahrhunderts, zurück. Sogar ein „Fiakerball" ersteht mit seinem ßeben und Treiben im zweiten Akt, der allerdings musikalisch nicht alle Erwartungen erfüllte. Der erste Akt bringt eine geschickte Exposition: auch musikalisch enthält er bereits alle Elemente der Gesamtidee. Die Dichtung kam der besonderen Eigenart von Strauß entgegen. Er entfaltet ein leuchtendes Bukett hinreißender Melodien. Selten ist eine Partitur von ihm so verschwenderisch mit klangvollen, liedhaften Einfällen ausgestattet worben. J* ist ein lammenlei jnöerlieg; «norönun St« An eJ>enfo wie «rfparnis, neuen lQiJes bet D'e zu "urnnbi ek°gi ei Siedlung Lohende Allerdj die cö| vorstöd 9en far laut Jerrgt . M jjeff »5 Feldln Kleine dem Kampfe der 14 schweren 3ahre, kommen ohne Vorbehalte. Adolf Hitler hat mit seiner Bewegung, mit seinen treuen Kämpfern, mit seinen Idealen den Sieg errungen. Heute sehen wir, daß auch wir immer ben gleichen 3 dealen nachaestrebt haben. Heute wissen wir, daß es die 3bee des Rationalsozialismus gewesen ist, der wir uns auf Gedeih und Verderb verpflichtet hatten, unb barum sage ich, daß wir heute einen großen Teil der uns gesetzten Ziele erreicht haben. Das Dünbnis ist gesichert. Wir Soldaten sind in einem Bund zusammengeschlossen. Das Kampfziel ist einmütig festgestellt. Der Stahlhelm, erzogen zum Soldatentum, folgt dem Führer Adolf Hitler und strebt dem hohen Ziele nach, das er uns in seiner großen Rebe in Reichenhall so meisterhaft zeichnete. Den Dank, den ich in Reichenhall Adolf Hitler ausgesprochen habe, wiederhole ich hier auch für meine Stahlhelmkameraden mit dem Gelöbnis der Treue und des Vertrauens. Das ßieb, beffen Gesang uns früher verboten war, „Hakenkreuz am Stahlhelm" erhebe ich hiemit z u m Dun- beslie b. Seine feierlichen unb stolzen Weisen sollen erklingen, wenn wir mit Adolf Hitler unb unter seiner Führung ben Kampf um ein neues Deutschlanb zum Siege führen. Sieg-Heil Abolf Hitler unb Frontheil ihr alten und neuen Kameraden. Oie Aufnahmesperre fürSA.,SS. und Stahlhelm Eine Anordnung des Stabschefs Röhm. Berlin, 5. Juli. (IDIB.) Die Pressestelle der obersten SA.-Führung teilt mit: Für die gesamten der obersten SA.-Führung unterstellten Gliederungen (SA., SS., Stahlhelm) wiesen; sie reicht auch bei den germanischen Völkern bis in vorgeschichtliche Zeit zurück. Freilich war diese primitive Eisengewinnung noch sehr verbesserungsbedürftig, denn man konnte in den offenen Feuer- Herden nur eine etwa kindskopfaroße, Schlacken durchsetzte, teigige Masse, die sog. Luppe, erzeugen. Erst in den sog. Hochöfen gelang es, etwa im 14. Jahrhundert, das Eisen flüssig zu machen und zu gießen. Dann vergingen weitere Jahrhunderte, bis vom Jahre 1784 ab die Umwandlung des Roheisens in Stahl mit Hilfe der Steinkohle glückte. Dieses sog. Puddel-Verfahren, wurde erst im 19. Jahrhun- dert bei uns in größerem Umfang cmgewendet. Die Festigkeit des Eisens wurde bereits von den Baumeistern der Gotik und Renaissance ausgenutzt, um die Gewölbe und Kuppeln zu stützen, für deren Sicherheit her Stein allein nicht mehr ausreichte. So erhielten die Kuppel der Markus-Kirche in Venedig unb wenig später die Peterskuppel Michelangelos in Rom eiserne Derankerungsringe, aber man verbarg das Eisen noch sorgfältig unter der Steinverkleidung. Erst im Brückenbau trat das Eisen als selbständige konstruktive Macht hervor. Wann unb wo die erste eijerne Brücke errichtet wurde, ist heute nicht mit Sicherheit festzustellen, aber in China soll schon um die Zeit Christi eine eiserne Kettenbrücke errichtet worden sein, und ums Jahr 1600 machte der venezianische Ingenieur Ve- rantius den Vorschlag, Drücken, Decken unb Dächer in Eisen zu gießen. Es vergingen aber noch mehr als VA Jahrhunderte, bis dieser Gedanke zur Tat reifte. Die erfte Gußeisen-Drücke wurde 1777 bei her englischen Stadt Coalbrookdale, bie davon den Namen Jronbridge erhielt, über den Severn geschlagen, unb seitdem sind unzählige solcher Brücken entftanben, bis nach der Erfindung des Puddel-Ver- fahrens und der Ausbildung der Waldtechnik, die gußeiserne Brücke an ihre Stelle trat, die dann seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts vom Fluß-Stahl abgelöst wurde. Der Hochbau wurde von diesen Erfolgen im Brückenbau mitgerissen, unb um die Mitte des vorigen Jahrhunderts traten zum erstenmal an den Bauten sichtbare Eisenteile auf, worauf besonders in Amerika unzählige gußeiserne Baufronten entstanden. Die Schmiedeeisenzeit fand ihren mächtig- sten Ausdruck in den gewaltigen Ausstellungshallen der Weltausstellungen des 19 Jahrhunderts und in dem 300 Meter hohen Eiffelturm in Paris. Doch blieb auch im Bauwesen der glorreichste Siegeszug dem Flußstahl vorbehalten. Die Stahlskelett- Bauten, bei denen die Trag-Gerippe aus Stahl mit leichten porösen Baustoffen ausgefüllt werden, haben der modernen Baukunst ihre Prägung ver- Darmstadt, 5. Juli. (WSN.) Dom Büro des Reichs ft atthalters in Hessen wird mitgeteilt: Das Reichsstatthaltergesetz vom 7. April 1933 hat wichtige staatspolitische Befugnisse der Landesgewalt im Lande Hessen auf den Reichsstatthalter übertragen. Der Reichsstatthalter übt die ihm übertragenen Rechte im N a - men des Reiches traft des ihm übertragenen Reichsamts aus. Welch wichtiges und verantwortungsvolles Amt der Reichsstatthalter bekleidet, ergibt sich daraus, daß ihm die Ernennung und Entlassung der R e g i e r u n g s m i t g l i e- der, die Auflösung des Landtags und Anordnung von Neuwahlen, sowie die Ausfertigung und Verkündung der Landesgesetze übertragen ist. Von besonderer Bedeutung für jeden einzelnen Volksgenossen sind aber zwei weitere Befugnisse des Reichsstatthalters: Die Ernennung und Entlassung der Staatsbeamten, sowie das Begnadigungsrecht. Bei der Fülle der Aufgaben und der ungeheuren Arbeitslast, die auf dem Reichsstatthalter in Hessen ruhen, ist es selbstverständlich nicht möglich, daß der Reichsstatthalter in allen Fällen die Ernennung und Entlassung der Staatsbeamten selbst Dornhnmt und das Begnadigungsrecht persönlich ausübt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Im hessi- schon Justizministerium sind im Jahre 1932 16 977 Eingänge in Gnadensachen zu verzeichnen gewesen. Das Reichsstatthaltergesetz hat deshalb auch in kluger Voraussicht den Reichsstatthallern gestattet, die Befugnis zur Ernennung und Entlassung der Beamten unb bas Begnadigungsrecht teilweise a u f bie Regierungen z u übertragen. Hiervon hat der Reichsstatthalter in Hessen Gebrauch gemacht. Der Reichsstatthalter ernennt unb entläßt selbst: Richter unb Staatsanwälte. Hochschullehrer, höhere Verwaltungsbeamte, Polizeioffiziere, Genbarmerie- unb Polizeimeister, Beamte aller Dienstgrabe in Ministerien unb Mini- fterialabteilungen, Leiter von Lehranstalten, sowie mittlere Beamte in Schlußstellungen, denen Geschäftsleitung bei einer Behörbe übertragen ist. Die Ernennung unb Entlassung aller übrigen Beamten hat ber Reichsstatthalter der hessischen Regierung übertragen. Das Begnadigungsrecht übt ber Reichs- statthalter selbst aus: Bei Verurteilung zum Tobe, lebenslänglicher Freiheitsstrafe unb zeitiger Freiheitsstrafe von mehr als fünf 3ahren, bei Verurteilung wegen Hochverrats, Lanbesverrats, Verrats militärischer Geheimnisse, Angriffs gegen ben Reichspräsibenten unb Verbrechens gegen bas Sprengstoffgeseh, schließlich bei Verurteilung wegen Verbrechens ber Schäbigung bes Volks» wohls (Gesetz vom 26. Mai 1933) unb bei Verurteilung zu Freiheitsstrafe von mehr als einem 3ahr wegen Verbrechen unb Vergehen gegen die Gesetze unb Verorbnungen ber letzten beiben 3ahre über Waffenmihbrauch, Verstärkung bes Ehrenschuhes, Erhaltung bes inneren Friebens, Schutz von Volk unb Staat, Abwehr politischer Gewalttaten usw. 3n allen übrigen Süllen hat ber Reichsstatthalter bas Begnabigungs- recht auf bie hessische Regierung übertragen. schusses für bie deutsche Evangelische Gesamt-« kirche stellen. Man darf hier nicht zunächst kompetenzmähige Bedenken erheben wollen. Rur in gemeinsamer Zusammenarbeit kann echtes Vertrauen entstehen. Das brauchen wir zum Abschluß des Kirchenstreites jetzt am allernotwendigsten. Vor Abschluß des kirchlichen Derfaffungswerkes. Keine Neuwahlen sondern Gleichschaltung der Kirchenvertretungen. Berlin, 5. Juli. (TU.) Wie vom Reichsinnenministerium mitgeteilt wird, hat Reichsminister Dr. Frick bei seinen Verhandlungen über die mit der Neuordnung der evangelischen Kirche zusammenhängenden Fragen allerseits guten Willen festgestellt. Es könne angenommen werden, daß der Abschluß bes kirchlichen Verfassungswerkes Ende dieser oder späte st e n s Anfang näch ster Woche vollzogen sei. Eine letzte Fühlungnahme des Reichsinnenministers mit dem Generalsuperintendenten stehe unmittelbar bevor. Im einzelnen verlautet, daß die anfänglich von der Glaubensbewegung „Deutsche Christen" geforderten Neuwahlen zu den Kirchenvertretungen sich erübrigt hätten, weil man die Kirchenoertretungen nach den Grundsätzen des Gesetzes über die Gleichschaltung der Länder- und Gemeindeparlamente gleichschalten wolle. Gestützt auf die letzten großen Wahlen und die weitere politische Entwicklung werde bestimmt, daß in den neuen Kirchenvertretungen 7 0 Prozent der Mitglieder Nationalsozialisten, also Vertreter der Glaubensbewegung „Deutsche Christen" sein müssen. . Balbo-Geschwader in Island gelandet Dublin, 5. Juli. (TU.) Das italienische Luft- gescbwader startete am Mittwochnachmittag um 12 Uhr 40 unter Führung General Balbos von Culmore Point bei Londonderry nach Reykja - v i k. Eine riesige Menschenmenge hatte sich zum Start eingefunden und bereitete den italienischen Fliegern große Beifallskundgebungen. Als letzter traf General Dalbo im Wagen von Londonderry ein, nachdem Oberst Longo in einer Rede an die italienischen Flieger mitgeteilt hatte, daß die letzten Wetternachrichten von der Jslandstrecke günstig lauteten. Er wünschte den Fliegern Glück auf ihrem Flug über den Ozean. Diele hohe englische und italienische Beamte wohnten dem Start bei. Als erstes Flugzeug erhob sich die Maschine Dalbos, die anderen folgten in kurzen Abständen. Um 13 Uhr waren sämtliche Maschinen unter brausendem Beifall der Menge gestartet. Die silberglänzenden Flugzeuge entschwanden rasch in westlicher Richtung. Das Fluggeschwader überflog um 16.03 Uhr die West- marn-Jnseln. Die Ankunft in Reykjavik erfolgte um 16 Uhr 55. Wie aus Reykjavik gemeldet wird, hat bas At- lantikgeschwader auf der Etappe Irland—Island eine Höchstgeschwindigkeit von 245 Stundenkilometern erreicht. Während der ersten zwei Stunden war das Wetter durchaus sichtig. Dann geriet das Geschwader in eine Nebelwand. 200 Kilometer konnten nur nach dem Kompaß geflogen werden. Während bes letzten Teiles des Fluges war das Meer sehr bewegt: ein starker Wind wehte und ein Regen ging hernieder. Unter diesen Witterungsverhältnissen stellten sich der Wasserung der Flugzeuge große Schwierigkeiten entgegen. Trotzdem gelang sie innerhalb 15 Minuten. Die Flugleitung hat wegen der ungünstigen atmosphärischen Verhältnisse beschlossen, den Flug für einige Tage in Reykjavik zu unterbrechen. Drei Todesopfer eines Explosionsunglücks in Bautzen. Auf der Bautzener Schiehbleiche wurde das übliche Feuerwerk der Bautzener Schühengesellfchast abgebrannt Dabei ereignete sich gegen Schluß des Feuerliehen. On diesem Verfahren sind die riesigen Wolkenkratzer erbaut worden, aber auch sonst Gebäude 1 aller Art und aller Größengattungen. Wie hoch der / volkswirtschaftliche Wert dieser Bauweise zu veran- 1 schlagen ist, ergibt sich schon aus der folgenden Berechnung: Bei 1000 kleinen Einfamilien-Häusern von je 60 Quadratmeter Grundfläche nimmt allein das Außenwand-Mauerwerk in der Ziegelstein-Ausführung die große Fläche von 12 000 Quadratmeter ein, das'sind 30 Grundstücke von je 400 Quadratmeter Größe. Bei der Verwendung des Stahlskelett-Baues lassen sich mindestens %, also 20 Grundstücke, einsparen, und so hilft der Stahl bei uns, die wir ein „Volk ohne Raum" sind, am kostbarsten Gut, den« 1 Grund und Boden, sparen. Doch so groß die Dienste sind, die der Stahl dem Bauwesen leistet, so verschwinden sie fast, gemessen an der Rolle, die dieser Werkstoff auf andern Gebieten spielt. Baut doch die gesamte Entwicklung des Maschinenwesens, der Elek- 1 trotechnik, des Eisenbahn- und Kraftfahr-Verkehrs, i der Schiffahrt und Luftfahrt auf der Möglichkeit auf, Stahl in genügender Menge und Qualität zu erzeugen. Mindestens 90 Prozent aller technischen Hilfs- ' mittel, die die Menschheit heute besitzt, verdanken erst den großen Erfindungen auf dem Gebiet der Fluß-Stahl-Erzeugung ihr Dasein. Diese Entwick- hing ist aber noch keineswegs abgeschlossen. Auf allen Gebieten ergeben sich immer wieder neue Mög- lichkeiten, die nur durch den Stahl verwirklicht werden können. Das ist nicht nur in der Technik der Fall, sondern auch in unserer alltäglichen Umgebung, in Haushalt, Geschäft und Bureau, von der Wasch- einrichtung, dem Mülleimer und Staubsauger bis zur Rasierklinge unb der Schreibfeber. Me das Eisen die Wett eroberte. Man hat davon gesprochen, daß wir in einem „eisernen Zeitalter" leben, und tatsächlich hat das Eisen in seinen vielfachen Formen, besonders in der des Stahls, erst die Möglichkeit geschaffen, daß die Menschheit sicy zu der jetzigen Höhe entwickeln konnte. Wir denken beim Eisen mei t nur an seine Verwendung im Kriege, aber diese i t nur ein winziger Bruchteil der Dienste, die uns dieser Werkstoff überall in unserem Leben leistet, lieber die Eroberung der Welt durch das Eisen macht O. v. Halem nähere Angaben in einem Aufsatz der Leipziger „Illustrirten Zeitung", bie sich in ihrer neuesten Nummer eingehend mit ber Eisen- und Stahl-Industrie beschäftigt. Die erste Gewinnung des Eisens aus seinen Erzen geschah durch Zufall, unb zwar da, wo reine Eisenerze leicht zu gewinnen waren unb gleichzeitig ein gewisser Holzreichtum die Herstellung der zum Ausschmelzen notwendigen Holzkohle gestattete. Diese Erzeugung ist um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrtausend in Aegypten nachge- Das Treugelöbnis -es Stahlhelm Seldte spricht über die Eingliederung in die nationalsozialistische Bewegung. Der Lhef des Stabes: Röhm. „Wir alle muffen erst wieder Kirche werden." Wehrkreispfarrer Müller über das Gebot der Stunde. Berlin, 4.3uli. (TL1.) Zur gegenwärtigen kirchlichen Lage äußerte sich Wehrkreispfarrer Müller gegenüber einem Vertreter des Evangelischen Pressedienstes wie folgt: „Wir müssen uns daran gewöhnen, daß weder die „Deutschen Christen" noch die 3ungref or m a t orisch e Bewegung, weder die Kommissare des Staates noch die alten Kirchenvertretungen die Kirche sind. Wir alle müssen erst wieder Kirche werden. Das Wichtigste ist im Augenblick die neue Verfassung der Kirche, die Verfassung der neuen deutschen evangelischen Gesamtkirche. Aber dieses große Werk, das in Kürze gelingen muß. ist gering und beinahe unansehnlich, verglichen mit der ungeheueren geradezu unvorstellbaren Aufgabe, dieser Kirchenorganisation d i e lebendigenGliederzu gewinnen, das kirchentfremdete Volk organisch neu zu erfassen.“ Wer diese Aufgabe sieht und ernst nimmt — so fügt der Evangelische Pressedienst hinzu — muh sich innerlich hinter die Arbeit des nunmehr zusammengetretenen Verfassungsaus- Das Amt des ReichsstaHMs in Hessen. Oie Regelung der Befugnisse zur Ernennung und Entlassung der Staatsbeamten und zum Begnadigungsrecht zwischen Reichsstatthalter und Landesbehörde. Aus der Provinzialhauptstadt. Erweiterte Maßnahmen zur Zettverbilligung. Für den Monat 3uli hat der Reichsarbeits- Minister gemeinsam mit den anderen beteiligten Reichsmlnisterien die Ausgabe von Zeitkarten an weitere P e r s o n e n k r e i s e zugelasscn. Damit wird den Wünschen vieler minderbemittelter Volksgenossen entsprochen, die bisher keine Fettkarten erhalten konnten. Anspruch auf den Reichsverbilligungsschein haben nunmehr auch die Rotstandsarbeitcr und Fürsorgearbeiter, die Empfänger von Vorzugsrente, die Empfänger von Versorgungsbezügen nach dem Reichsversorgungsgesetz sowie Versorgungsberechtigte denen andere Reichsgesehe soziale Für- । > 0 r 8 e im Sinne des Reichsversorgungsgesetzes zubilligen. Krankengeldempfänger, die : wahrend des Bezuges von Arbeitslosen- oder i Krisenunterstützung erkrankt sind, kinderreiche Familien mit vier (bei Witwen mit 3) oder mehr unterhaltsberechtigten minderjährigen Kindern und alle Personen, deren Lohn- und sonstiges Einkommen den Richtsatz der öffentlichen Fürsorge nicht wesentlich übersteigt. Auch die Anstalten der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege erhalten unter bestimmten Voraussetzungen Reichsverbilligungsscheine. Der Reichsverbilligungsschein für Speisefette darf aber dann nicht gewährt werden, wenn ein De d ü r f n i s dafür offenbar nicht vorliegt. Die Reichsverbilligungsscheine werden auch nach den neuen Richtlinien von den Fürsorgestellen, in bestimmten Fällen von den Arbeitsämtern, ausgegeben. Die Ausgabetage werden noch besonders bekannt gemacht werden. Bestandene Stenographen-prüfungen. Die Prüfung an der Handelskammer als Geschäftsstenographen haben am 18. 3uni bestanden: 240 Silben: Kurt Moosdorf, Gießen. 203 Silben: Willy Drückmann, Gießen: 3o- hanna Dohl, Giehen: Wilhelm Rieh, Giehen. 180 Silben: Wilhelm Drück, Hohensolms. 150 Silben: Franz Koch, Giehen: Emilie Lang, Drauerschwend; Otto Wilhelm, Giehen. Als eine ganz besondere Leistung muh neben der Arbeit des Herrn M o o s d o r f diejenige von der Schülerin Emilie Lang, Drauerschwend, bezeichnet werden, denn diese erfolgreiche De- werberin ist erst 12 3ahre alt und besucht nur die Volksschule. 3hre Leistung kann daher als nachahmenswertes Vorbild bezeichnet werden. Die Dcwerber haben damit das Prädikat als Ge- schästSstenographen erworben. Die Vorprüfung in der Abteilung 120 Silken haben an der Handelskammer bestanden: Paula Jünger, Raimund Leopold Hoog, Walter 2 ende, Alwin Rüffer, Wilma Leip old. Vornotizcn. — T a g e s k a l e n d e r f ü r Donnerstag. Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Eine Tür geht auf" und „Sergeant Mc. Kenna". * ** Sterbesälle in Gießen. In der Zeit vom 16. bis 30. Juni 1933 verstorben in Gießen: 16. Friedrich Kopp, Rentner, 71, Jahre alt, Bis. morckstraße 30; 17. Heinrich T ü r ck, Oberbahn. assistent i. R.. 86 Jahre alt, Frankfurter Straße 28; 18. Gustav Albert Handrich, Schneidermeister, 77 Jahre alt, Neuenweg 25; 18. Johanna Pfeif- f e r geb. Hannes, Wwe., 72 Jahre alt, Walltorstraße 21; 20. Amtsobersekretär Ludwig Goppelt, 52 Jahre alt. Am Riegelpfad 20; 23. Karl Ludwig Klingelhöfer, Eisenbahnsekretär i. R., 44 Jahre alt, Bleichstraße 37; 25. Friedrich Wörner, Kaufmann, 53 Jahre alt, Schützenstraße 12; 25. Jenny Wetterhahn geb. Haas, 56 Jahre alt, Liebig- straße 3; 26. Heinrich Ludwig Funk, Kellner, 54 Jahre all, Friedrichstraße 8; 27. Karl Paul H i e - mann, Kaufmann, 46 Jahre alt, Ederstrahe 23; 28. Karoline Zinn geb. Kühl, Wwe., 74 Jahre alt, Steinstraße 76; 29. Edmund W e b e r, 38 Jahre alt, Kaufmann, Weserstraße 31; 30. Elisabeth M e n g e l, ohne Beruf, 46 Jahre alt, Gartenstraße 15. oolle Losung liegt also in der Einführung einer produktiven Kreditschöpfung, so daß das ganze Unternehmen keinesfalls des internationalen Finanz, kapitals bedarf. „Siedlung ist Bauernsache und kein Bankgeschäft". Der ganze Hauptplan erstreckt sich über einen Zeitraum von 24 Jahren. Die Bauzeit für den General- kulturplan für das hessische Ried, der ja die Hauptrolle in dem ganzen Plan spielt, soll in 8 Jahren beendet [ein. schon im dritten Jahre sollen die ersten Siedler angesiedelt werden, nachdem diese die beiden ersten Jahre dazu benutzt haben, sich durch produktive Mitarbeit einen Teil der Kosten zu erarbeiten, und in eigens hergerichteten Siedlerschulen ausgebildet worden sind. Alles in allem ein umfassender Plan, der, wenn er gelingt, und wir zweifeln nicht daran, einen ge- waltigen Fortschritt bedeuten würde. Zwar nur ein Glied in der Kette des Arbeitsbeschaffungsprogramms, jedoch als ein Glied von Gewicht, das auch über die Grenzen von Hessen hinaus von einschneidender Bedeutung ein wird. — Hinsichtlich der in letzter Zeit auf- zetauchten Plane eines deutschen Generals, der An- ledlung von vielen Tausenden deutschen Menschen in Südamerika kann nur gesagt werden, was unser Führer Adolf Hitler in seinem Buch „Mein Kamps" fordert: „Sorgt dafür, daß die Stärke unseres Volkes ihre Grundlagen nicht in Kolonien, sondern im Boden der Heimat, in Europa erhält. Haltet das Reich nie für gesichert wenn es nicht auf Jahrhunderte hinaus jedem sprossen unseres Volkes sein eignes Stück Grund und Boden zu geben vermag. Vergeßt nie daß das heiligste Recht auf dieser Welt das Reckst auf Erde ist, die man selbst bebauen will, und das heiligste Opfer das Blut, das man für diese Erde vergießt. w. K. Kunst und Wissenschaft. Dankschreiben des Reichspräsidenten an Geh. Rat Dr. Appel. In diesen Tagen schied der langjährige verdienstvolle Direktor der Biologischen Reichsanstalt für Land, und Forstwirtschaft Professor Dr. Appel aus dem Reichsdienst aus und trat in den Ruhestand. Aus diesem Anlaß hat der Reichspräsident an Geheimrat Appel folgendes Dankschreiben ge- richtet: sehr geehrter Herr Direktor! Mit dem Dank für treue Pflichterfüllung im Dienste des Vaterlandes verbinde ich meine besondere Anerkennung ihrer dem Wohle der deutschen Land- wirtschaft gewidmeten Lebensarbeit. Die Bio- logische Reichsanstalt verdankt Ihnen ihren jetzigen Aufbau, der im In- und Auslande der deutschen Pslanzenschutzarbeit zu hohem Ansehen und zu der ihr gebührenden Geltung verhalfen hat. Möge es Ihnen vergönnt sein, zum Wohle der deutschen Landwirtschaft noch lange in Rüstigkeit und Schaf, fenskraft als Hochschullehrer sich der Heranbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu widmen und den landwirtschaftlichen Berufsoerbänden und Körperschaften weiterhin Ihren Rat und Ihre Mitarbeit zur Verfügung zu stellen. Mit freundlichen Grüßen (gez) v. Hindenburg. Einweihung de» neuen Wagner-Museums in Luzern. Das neue Wagner-Museum im Hause von Triebschen in Luzern wurde feierlich einaeweiht. Im Hause von Triebschen weilte Richard Wagner von April 1866 bis April 1872 und schrieb dort die „Meistersinger", „Siegfried", „Götterdämmerung", den „Fliegenden Holländer" und das „Sieasried"- Jdyll, sowie mehrere Schriften. Bei der Eröffnungsfeier hielt der Stadtpräsident von Luzern eine Bc- grüßungsansprache, in der er besonders die Anwesenheit zweier Töchter des Hauses Wagner, Frau Gräfin Blandina G r a o i n a und Frau Eva Chamberlain, sowie des Grafen Guilbert Gravina heroorhob. Prof. Dr. Max Fehr, Winterthur, unterstrich in seiner Rede die Bedeutung des Hauses Triebschen und der Schweiz für das Leben und das Werk Richard Wagners. Der französische Wagnerforscher Graf Guy de Bucharow sprach als Vertreter der französischen Wagner-Gemeindc. Die Feier wurde umrahmt von Musikvorträgen aus Wagners Werken. Ein Rundgang durch das Haus schloß sich an. Im Theatersaal des Kurgartens fand ein Festkonzert statt, bei dem Werke Richard und Siegfried Wagners zur Aufführung kamen. 40 österreichische Schriftsteller aus dem Pen-Llub ausgetreten. Nach der Generalversammlung des Wiener Pen- Clubs, in der eine Entschließung gegen Deutschland angenommen wurde, sind mit der Gründerin Grete Urbanitzky etwa 40 nationale Schriftsteller aus dem Pen-Club ausgetreten. Em Melioraiionsarbeiis- und Siedlungsprogramm für Hessen. 3um Aufbau und zur Belebung des Binnenmarktes. In einer Arbeit von anderthalb Jahren hat Herr Reich, der als gebürtiger Gießener vielen Einwohnern Gießens nicht unbekannt sein dürfte, in engster Zusammenarbeit mit dem Agrarpolitischen Amt des Gaues Hessen der NSDAP., ein Melio - rationsarbeits- und S i e d l u n g s p r o- gramm für Hessen ausgearbeitet, das seinem Ganzen Aufbau nach, neben der Ostsiedlung, berufen ein dürfte, auch für größere Gebiete Deutschlands, höchste Bedeutung zu erlangen. Dieser Plan wird auch innerhalb des Vierjahresplanes der Reichsregie- una eine erhebliche Rolle spielen. Die hessische Regierung hat auch sogleich die große Bedeutung dieses Planes, der auf einer einzigartigen Verbindung von Feldbereinigung, Siedlung und Ar britsbeschaffung beruht, erkannt. In einem Vorwort ZU diesem Plan bringt Herr Dr. Wagner, Staats- kammissar für Landwirtschaft in Hessen, eindeutig dm Standpunkt der hessischen Regierung zum Ausdruck. Wie die Dinge liegen, kann mit der baldigen Inangriffnahme des Planes gerechnet werden. Herr Reich geht von folgenden Gesichtspunkten aus: Die Arbeitsbeschaffung erfordert die Umstellung der deutschen Wirtschaft auf den Binnenmarkt. Diese Umstellung muß Hand in Hand gehen mit einer Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung. Eine Steigerung der Produktion wird aber nur erreicht durch eine intensivere Bodenbearbeitung, sowie durch die Stärkung und Vermehrung der selbständigen kleinen und mittleren Existenzen und nicht durch den Ausbau der Großbetriebe. Die Lösung all dieser Fragen liegt in der Hebung der Landwirtschaft, durch Arrondierung und Meliorieren des Grundbesitzes, in der Beschaffung von Arbeitsgelegenheit durch Ausführung von Meliorationen, sowie in der Bereitstellung von Siedlungsland für Unterbringung geeigneter Volksgenossen in Siedlerstellen. Erst der bereinigte und meliorierte Grundbesitz kann eine intensive Bewirtschaftung gewährleisten. Es ist eine unbestrittene Tatsache, daß durch die Zusammenlegung von früher meistens weit auseinander liegenden Grundstücken, durch die zweckmäßige Anordnung des Wegnetzes, und die hierdurch bedingte Anwendung von neuzeitlichen Ackergeräten, ebenso wie durch die überaus große Kraft- und Zeitersparnis, trotz Abgabe von Land zur Herstellung des neuen Wegnetzes, eine Ertragssteigerung von durchweg mehr als 20 Prozent erzielt wird. Der Mehrgewinn eines nunmehr richtig bearbeiteten Geländes beträgt pro Hektar und Jahr 200 Mark. 2)ie zu bereinigende Fläche in Hessen (man denke nur an die hessischen pontinischen Sümpfe: das Ried) betragt etwa 300 000 Hektar. Hier liegt die Möglich- reu, Hand in Hand mit der Feldbereinigung, die Siedlung vorwärtszutreiben, und so eine national mie vottswirtschaftlich gar nicht hoch genug einzu- schätzende Arbeit zu leisten. Allerdings muß man sich klar darüber sein, daß die Lösung aller dieser Fragen niemals in der vorstädtischen klein- und Stadtrandsiedlung liegen kann, sondern nur in der gärtnerischen und landwirtschaftlichen Vollerwerbssiedlung. Herr Reich macht nun folgenden Vorschlag: In Hessen besteht der Brauch, zur Kostendeckung des Felbbereinigungsverfcchren, einen Beitrag in Form eines Geländeabzugs in Höhe von etwa 3 o.H., von selten des Grundbesitzers zu realisieren. Das heißt: der Grundbesitzer kann einen Teil der Kosten, die er ja selbst tragen muß, in Land abstatten. Dies bedeutet für ihn feinen Verlust, denn neben die schon früher erwähnten, durch die Feldbereinigung bedingten, Vorteile eines höheren Ertrags, tritt nun, ebenfalls durch die Feldbereinigung bedingt, ein Landgewinn von durchschnittlich 3 v. H. und mehr. (Durch Rodung, Auffüllung, Wegfall von Rainen und Ackerfurchen usw.) Hierzu kommt noch ein Ge- ländeadzug von 1 v. H. für die unvermeidliche Bildung mißförmiger Grundstücke. Der Gesamtprozentsatz für das zur Masse auszuscheidende Gelände einschließlich Wege beträgt also im Durchschnitt 6 bis 7 o. H. Nach Vorschlag von Herrn Reich soll nun von der noch zu bereinigenden Fläche Hessens ein Beitrag von 1% o.H. zur Kostendeckung des Verfahrens seitens der Grundbesitzer erhoben werden. Mit diesem Geländeabzug sind alle auf den Grundstückseigentümer entfallenden Feldbereinigungskosten vollständig abgegolten. Das aus diesem Geländeabzug erhaltene Masseland geht auf den Staat über. Dieser finanziert als Gegenleistung das ganze Unternehmen, und stellt das so gewonnene Land zu Siedlungszwecken zur Verfügung. Aus diesem Masseland können nun etwa 1000 landwirtschaftliche Vollerwerbssiedlungen zu je 20 Morgen und 4300 gärtnerische Vollsiedlungen zu je 20 Morgen errichtet werden. Die Frage, ob landwirtschaftliche ober gärtnerische Aollerwerbssiedlung wird durch die Lage der einzelnen Gemarkungen entschieden. Der scheinbare Geländeoerlust wird sich für den Grundstückseigentümer bei der Ernte nicht nur ausgleichen, sondern der Ertrag wird sogar noch gesteigert werden. Außerdem fallen die Unkosten, die ja ein Haupthindernis für die Inangriffnahme der Feldbereinigung bildeten, ganz weg. Also für alle Teile bedeutende Vorteile! Die Existenz der Siedler scheint gesichert, wenn man bedenkt, daß das auf diese Weise ausgeschiedene Gelände, meist aus wohloorbereitetem Boden besteht. Die Regelung des Absatzes kann immer nur eine Organisationsfrage von feiten des Staates fein. Allerdings eine Frage erster Ordnung. Auch der Zusammenschluß der Siedler in Genossenschaften ist Voraussetzung für das Gelingen des Projektes. Zur Durchführung des Meliorationsarbeilspro- gramms sollen 26 Feldbereinigungsabteilungen. davon in Oberhessen 6. in Rheinhessen 7 und in Starkenburg 13 Abteilungen eingesetzt werden. Von letzteren allein 12 Abteilungen zur Durchführung des Generalkulturplans für das hessische Ried. Das fehlende untere Beamtenpersonal soll aus technisch vorgebildeten Arbeitsdienstpflichtigen gebildet werden. Alle zu leistenden Arbeitstagewerke sollen durch den Arbeitsdienst oder im Wege der produktiven Erwerbslosenfürsorge vorgenommen werden. Die Siedlung selbst zerfällt in drei Gruppen. a) gärtnerische Dollerwerbssiedlung in der Nähe von verkehrsreichen Gebieten; b) landwirtschaftliche Dollerwerbssiedlung in abseits liegenden Orten; c) durch Landzuteilung an halbbäuerliche Betriebe unter 20 Morgen. Für die gärtnerische Siedlung kommen als Siedler geeignete erwerbslose Volksgenossen in Frage. Für die landwirtschaftliche Siedlung Bauernsöhne, die schon über eine besondere -(Eignung und erforderliche Mittel verfügen, lieber die Größe der Siedlung wurde schon oben berichtet. Die Erwerbskosten der Siedler st e l - len betragen: a) für eine gärtnerische Vollerwerbsstelle zu vier Morgen mit Wohnhaus und Klein- viehftall 4000 Mark. Die Gestehungskosten betragen etwa 500 bis 1000 Mk. mehr. Diesen Betrag müssen die Siedler aus Eigenmitteln oder durch Selbsthilfe beim Bau des Siedlerhauses aufbringen; b) für eine landwirtschaftliche Vollerwerbsstelle zu 20 Morgen mit Wohnhaus, Stallungen und Scheuer 12 000 Mark. Die Gestehungskosten belaufen sich auf 16 000 bis 17 000 Mark. Den 12 000 Mark übersteigenden Betrag hat der Siedler aus eignen Mitteln aufzubringen. Die Tilgungszeit für eine Siedlerstelle erstreckt sich auf 20 Jahre. Die ersten 2 Jahre sind frei. Die Tilgung erfolgt zinslos, lediglich ist ein Satz von 1 v. H. des abaurentenben Betrags als Verwaltungskosten ein- zusetzen. Die kosten für das ganze Meliorationsprogramm betragen nach den Berechnungen von h. Reich, auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll, rund 17 Millionen Mark. Der Wert des bereitgestellten Siedlungslandes beträgt 18,7 Millionen Mark. Das Unternehmen trägt stch also selbst, und schließt sogar mit einem Gewinn in Höhe von 7,2 Millionen Ttarf ab. Die wirkungs- Geschichten ans aller Welt len muß. Geistesgegenwart. (Z. R.) Warscha u. Stanislav Wilczeck begegnete auf der Treppe seines Hauses einem Mann, der mit einem zusam- mengerollten großen Teppich auf der Schulter ausruhend am Treppenabsatz verweilte, so daß man nicht feststellen konnte, ob er hinauf oder hinunter gehen wollte. Wilczeck fragte den Teppichträger: „Wo wollen Sie denn hin?" „Der Mann sah Wilczeck an und antwortete: „j)ier zieht der Leutnant Nawrath ein." Wilczeck war erst verblüfft, dann aber berichtigte er jenen ziemlich unwirsch: „In diesem Hause wohne ich allein, hier zieht niemand ein, auch fein Leutnant Nawrath." Der Teppichträger kramte mühevoll aus feiner Tasche einen Zettel hervor und las daraus mit fra- genöer Stimme Straße und Hausnummer ab. Wilczeck zuckte die Schultern und meinte: „Freilich, bas stimmt schon, trotzdem aber hat es auch seine Richtigkeit damit, daß in mein Haus niemand ein» Zieht." Der Teppichträger stöhnte: „Da hat man mir eine falsche Adresse aufgeschrieben, habe ich mich umsonst hier herauf geschleppt, so eine Gemeinheit ... Darauf schulterte er seinen Teppich und schritt mit den Worten: „Also, entschuldigen Sie schon", an Stanislav Wilczeck vorüber, die Treppe hinunter. Als Wilczeck dann in seine Wohnung kam und nach einiger Zeit das Herrenzimmer betrat, stellte er zu seinem Entsetzen fest, daß ihm sein wertvollster Teppich, ein kostbarer Buchara, gestohlen worden war. Er rannte sofort auf die Straße hinunter, aber von dem „falsch geschickten" Teppichträger konnte er natürlich nichts mehr erblicken. behördlichen „Schweinezentrale" nachzuprüfen, wonach der Angeklagte sich weigere, an seinen drei Schweinen die vom Gesetz vorgeschriebene Ohrmarke anzubringen. Der Landjäger stellte gleich beim (Eintritt in die Küche fest, daß in einem Verschlage nebenan ein frischgeschlachtetes Ferkel hing, dem diese Ohrmarken fehlten, und da der Bürgermeister in der letzten Zeit nicht um Schlachterlaubnis nach- gefudjt hatte, war der Beamte somit auf ein neues Vergehen des Angeschuldigten gestoßen und erklärte ihm, dies geschlachtete Ferkel mitnehmen zu müssen. Damit hatte er einen Griff in ein Wespen- rieft getan. Denn wie auf Kommando stürmten bei dieser seiner Ankündigung aus einem Nebenraume die übrigen Familienmitglieder des Angeklagten in die Küche herein, allen anderen voran die Schwiegermutter des Bürgermeisters und ihr Mann, der „Opa", der trotz seiner achtundachtzig Jahre noch über eine erfreuliche Gelenkigkeit verfüge Während die alte Schwiegermama dem Ci Wahrend Die alte Schwiegermama dem Landjäger mit der hageren Faust vor den Augen herumfuchtelte und ihm erklärte, er, der Landjäger, werde binnen fünf Minuten das Anwesen verlassen, das Ferkel aber nicht, ergriff der ehrwürdige alte Großpapa ein Schlachtmesser, krempelte sich die Aermel hoch und erklärte mit der Entschiedenheit, die Leuten seines Alters eigentümlich ist, er sei nun mal eben in der Hebung, und ob er ein Schwein ober einen „rijksvelbwachter" schlachte, komme für seine Empfindung so ziemlich auf eins heraus. Der Beamte jedoch ließ sich nicht einschüchtern und mochte Miene, das geschlachtete Tier vom Nagel herunterzuheben. Man ließ ihn erst gar nicht heran, denn mit Hämmern, Aexten und anderen nützlichen Werkzeugen bewaffnet deckte die Familie des Bürgermeisters, Frau, Söhne, Schwiegersohn usw. mit: ihren Leibern das nahrhafte Streitobjekt, und der Landjäger mußte schließlich abziehen. Merkwürdigerweise ist seitdem in der Familie des Bürgermeisters eine sonst von der medizinischen Wissenschaft noch nie beobachtete Epidemie ausge- brocken: sämtliche Familienmitglieder sind taub geworden. Auf alle vom Gerichtshof gestellten Fragen antworteten sie ohne Ausnahme und, indem sie die hohle Hand an die Ohrmuschel legten, mit der Frage: ,He?" „Und sowas nennt sich nun Bürgermeister und gar Hilfsbeamter der Justiz!" rief der Vorsitzende verzweifelt aus. Aber die Taubheit nutzte nichts, und die Familienmitglieder dürften nunmehr untereinander die Reihenfolge ausraten, wie sie ihre mehrmonatlichen Gefängnisstrafen abbüßen wollen... (Aachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten I) Der Hirsch als Kanalschwimmer. (o. G.) Paris. In le Touauet wird für den im Herbst zu einem vorübergehenden Aufenthalt erwarteten englischen Thronfolger der ausgeftopfte Kopf eines Hirsches als Geschenk bereit gehalten, der vor einigen Jahren Öen Kanal von der englischen Küste aus schwimmend bezwungen hat. Als der Hirsch noch in le Touquet im Garten eines Restaurants lustwandelte, hatte der Prinz von Wales ihm seine Freundschaft geschenkt und der Erbe der Krone Großbritanniens soll ihn daher zum Andenken erhalten. Mit der Ueberquerung des Kanals war es übrigens keine so einfache Geschichte, wie es den Anhängern der inzwischen so zahlreich gewordenen Kanalschwimmermnen vielleicht scheinen mag vor allem hatte sie ein sehr langes Nachspiel. Der Hirsch stammte aus der Grafschaft Kent. Eines Tages im ^ahre des Heils 1924 wurde er wieder einmal durch bas Geläut ber Stcwhounbs, ber oielgefürchteteu Meute des Generals Pitt aufgeschreckt. In langen Fluchten stob er davon, aber die Stavhounds rückten immer näher auf. Alle Haken blieben vergeblich und |o schlug das gehetzte Wild in seiner Todesangst bie Richtung auf das Meer ein und stürzte sich ohne Besinnen in die Fluten des Kanals. Als die rotbefrackten Reiter hinter der lechzenden Meute an den Stand herangaloppierten, konnten sie das Geweih des Hirsches über dem Wasserspiegel an der Spitze einer langen schmalen Kiellinie eben noch erkennen. Zu gleicher Zeit war ein französischer Locher aus Dünkirchen in See gestochen. Am Steuer sitzend hatte er sich seinen Hoffnungen auf einen reichen Fang hingegeben, als er plötzlich ein unbekanntes Seegetier auf die Barke zutreiben sah. Er rieb sich die Augen, aber es bestand fein Zweifel: bas Ungeheuer hatte dazu noch ein Geweih auf. sofort würben Boote mit Netzen ausgesetzt unb es gelang nach mühevoller Arbeit, ben erschöpften Hirsch an Borb zu ziehen unb nach Dünkirchen ein- zubringen. Hier erwies es sich aber, baß so ein gehörnter Fisch Scherereien verursachen kann. Die Be- bärben erklärten dem (Eigner ber Barke, baß er ben Hirsch nicht auslaben bürfe, wenn er keine Strafe Zahlen wolle, da er keine (Erlaubnis für Beförderung von Wild besaß. Der einzige Ausweg erschien ein Gesuch an das Landwirtschaftsministerium. Aber das Landwirtschaftsministerium antwortete, daß der Hirsch aus dem Auslande käme und daß es folglich nicht zuständig sei. Nun wollte der Fischer den Hirsch erschießen, aber er wurde von ber Polizei darauf aufmerksam gemacht, baß er sich daburch strafbar machen würde, da inzwischen die Schonzeit für Hirsche begonnen hatte. Darauf wurden Schritte beim englischen Konsul eingeleitet, um den Hirsch roieber in seine Heimat abzuschieben. Alles schien in Drbnung, bis das englische Landwirtschaftsmini, sterium eine Einfuhr-Quarantäne von mehreren Monaten verlangte. Schließlich wurde bas schwierige Problem von bem Besitzer eines Restaurants in le Touquet gelöst, inbem er ben Hirsch kaufte, alle Strafen bezahlte, bie sich allmählich angehäuft hatten unb das arme Tier in feinen Garten ließ. Dort hat ber Hirsch, ber auf ben Namen Dftert getauft würbe, in Ruhe unb Frieben gelebt, bis er in bie ewigen Jagdgrünbe abberufen würbe. Wegen ber Berühmtheit, die er erlangt hatte, beschloß man. sein stolzes Haupt auszustopfen; diese Trophäe will man dem Prinzen von Wales schenken. Kampf um ein Ferkel. (z.) A m st e r b a m. Dor dem Gericht in Roermond hatte sich dieser Tage die ganze Familie des Bürgermeisters des Dorfes Hunsel, der Dorfgewaltige an ber Spitze, wegen Wiberstanbes gegen bie öffentliche Gewalt unb anderer in dieses Fach schlagender Vergehen zu verantworten. Der der Anklage zugrunde liegende Vorfall unb insbefonbere die sich daraus ergebende Charakteristik des 88jährigen (!) Großvaters ber Famiüe könnten Stoff zu einer wirksamen Bauernkomöbie abgeben. Der Vorgang spielte sich bereits im November vorigen Jahres ab. Damals erschien ber „rijksoelbwachter", b. h. Land- Jäger H. aus Kelpen auf bem Gehöft bes ange- klagten Bürgermeisters, um eine Anschuldigung ber Gießener Schützen in Berlin erfolgreich. Vom Kyffhäuser-Knegerbunb wurde ein Verbands- schießen, für die Jungschützen in Potsdam, für die Altschützen aus der Versuchsanstalt für Handfeuerwaffen in Wannsee bei Berlin abgehalten. Zu diesem Schießen der Alt-Schützen-Abteilung hatten sämtliche Striegeruerbänbe der deutschen Bundesstaaten die besten Schützengruppen, bestehend aus je vier Schützen und einem Führer entsandt. Es waren etwa HO Gruppen (550 Schützen) für Kleinkaliber und etwa 45 Gruppen (220 Schützen) für Wehrmannschießen angetreten. Bedingungen waren für Wehrmann je Schütze 5 Schuß liegend freihändig auf eine 20er Ringscheibe (100 Meter Entfernung) in 4 Minuten abzufeuern. Für Kleinkaliber je 15 Schuß (5 Schuß liegend, 5 Schuß kniend oder sitzend, 5 Schuß stehend, alles freihändig) auf eine 12-Ring- scheibe, 50 Meter Entfernung nach Kommando unter strengster Aufsicht, ebenfalls in vier Minuten je 5 Schuß abzufeuern. Die hessische Kriegerkameradschaft „Hassia" (Sitz Darmstadt) entsandte die Schützengruppe der Kleinkaliberabteilung des Kriegervereins Gieße n , die in den Jahren 1929, 1930, 1931 und 1932 im Hessischen Kriegerverband die besten Schießergebnisse erringen konnten. Die Gruppe hatte am 1. Juli auf der Schießanlage Wannsee anzutreten, und zwar waren es die Schutzen Heinrich Appel, Willi Georg, Wilhelm H a i n b a ch , Georg Schilling und Führer Otto Schönau, sämtlich aus Gießen. Im Wehrmannschießen errang die Gießener Gruppe das beste Ergebnis. Es schossen der Schütze Hainbach 95, Schilling 89, Georg 87, Appel 86 Ringe, zusammen also 357 Ringe. Die Gruppe errang damit den ersten Preis, der in einem Bild des Reichspräsidenten von Hindenburg und einer Wchrmann-Meisterschaftsbüchse bestand. Außerdem errangen alle vier Schützen je einen Ehrenpreis, Will). Hainbach den 1. Preis. Beim Kleinkaliberschießen wurden folgende Ergebnisse erzi'lt: Schilling 149, Hainbach 147, Appel 132 und Georg 129 Ringe, zusammen also 557 Ringe. Die Gruppe erhielt den 6. Preis, außerdem errangen alle vier Schützen je einen Ehrenpreis. Der Schütze Schilling errang den 22. Preis. Gießener leichtathletisches Abendsportfest. 1900 knapper Sieger. Die gestrige Abendveranstaltung auf dem Sportplatz der Spvgg. 1900 sah den Veranstalter mit 81 Punkten siegreich vor dem Olympischen Sportclub mit 7914 Punkten, Männer-Turnverein mit 5514 Punkten und Turnerfachschaft der Universität mit 5214 P. Das Bataillon hatte leider noch zuletzt absagen müssen. SA. und Stahlhelm nahmen ebenfalls teil. Näherer Bericht folgt. Kreissührer Topp seiner Aemter enthoben. Der erst vor kurzeni zum Führer des Mitte l r h e i n k r e i s e s der Deutschen Turne r s ch a f t und des Gaues Frankfurt erwählte Llniversitätsturnlehrer Topp ist vom Führer der DT., Professor Neuendorff, seiner Aemter enthoben worden. Ihm wurden alle Amtshandlungen untersagt. Maßgebend für die Amtsenthebung Topps dürfte seine Kampfstellung gegen den DT.-Führer gewesen sein. Ein Nachfolger für Topp ist noch nicht bestimmt. SpielvereLnigung 1900 bei den Bezirksmeisterschasten in Kassel. 6 Bezirks-Meisterschasten/ 7 zweite und 7 dritte Siege. Die Gießener Leichtathletik wurde in Kassel noch nie so gut vertreten, wie in diesem Jahr. Dieser Erfolg wird nur übertroffen von dem Ergebnis aus dem Jahr 1930, in dem es 1900 gelang, in Gießen im Gesamtergebnis den ersten Platz zu belegen. Hessen-Preußen Kassel sicherte sich die Mehrzahl der Siege, allerdings nur durch ein überaus zahlreiches und gutes Läufermaterial, während in den technischen Hebungen Gießen die besseren Vertreter hatte. An zweiter Stelle rangiert die Spielvereinigung 1900 und an dritter Stelle OSC. Gießen vor ASC. Göttingen und Kurhessen Kassel. Bei den Frauenmeisterschaften war die Ueberlegenheit von Hessen- Preußen außerordentlich. Bei den „älteren Herren" dominierte Kurhessen Kassel. In den Läufen verhinderte Gegenwind und zu nasse Bahn bessere Leistungen. Besonders erfreulich war der Erfolg von Eugen E l d r a ch e r , der in fabelhaftem Tempo einen Sieg herauslies. Jung zeigte sich im 400-Meter-Hürdenlauf stark verbessert. Im 800-Meter-Lauf gaben sich Bepperling und Peters erst nach hartem Kampf geschlagen. Sehr interessant verlief der 5000-Meter-Lauf, da Gerhardt dem Hessen-Preußen Wilhelm nur dem schnelleren Spurt des talentierten Gegners unterlag. In der 4X100-Meter-Staffel machte sich das Fehlen von Koch stark bemerkbar. Sehr gut gefiel Unteroffizier Steines im Stabhochsprung. In guter Form zeigte sich Kilo im Diskuswerfen; er holte sich zum drittenmal hintereinander den Meistertitel. Unteroffizier Gugel kam zu einem schönen Doppelerfolg im Kugelstoßen und Schleuderballwerfen. Oie Ergebnisse: 100 - M e t e r = 2 a u f: 1. Eldracher, 1900, 11,2 Sek.; 2. Stein, Kurh. Kassel, 11,4 Sek.; 3. Knappe, Hessen-Pr., 11,4 Sek. Eldracher gewann durch seine außerordentliche Endgeschwindigkeit. 8000 - Meter-Laus: 1. Danz, Hessen-Pr., 2:01,2 Min.; 2. Leube, ASC. Göttingen, 2,04; 3. Bepperling, 1900, 2:04,8; 4. Peters, 1900, 2:05,6. Danz, der bekannte Olympiakämpfer, hatte Mühe, seinen Sieg sicherzustellen. 5000 -Meter-Lauf: 1. Wilhelm, Hessen-Pr., 16,09 Min.; 2. Gerhardt, 1900, 16,30; 3. Scheyhing, Hessen-Pr., 16,40. Gerhardt lief sehr tapfer, und nur die größere Schnelligkeit im Spurt entschied zu Gunsten des Hessen-Preußen. 110 - M e - ter-Hürdenlauf: 1 Mergard, Hessen-Pr., 18 Sek.; 2. Dornseifer, Kurh., 18; 3. Jung, 1900, 18,2. Jung lief trotz mangelnden Trainings ein beachtliches Rennen 400-Meter-Hürdenlauf: 1 Jung, 1900, 59 Sek.; 2. Schumann, Hessen-Pr., 61,2; 3. Becker, Kurh., 63,4. Jung war seinen Konkurrenten weit überlegen. 4X100 -Meter-Staffel: 1. Hessen-Pr. 44,1 Sek.; 2. SpVg. 1900 Gießen 44,3 Sek.; 3. Kurhessen 45,7; 4. Göttingen 05 46,2. Durch einen völlig verunglückten 2. Wechsel ging 1900 einer sicheren Sache verlustig. 1900 startete mit Felsing, Eldracher, Tiez, Müller. 4X400 - Meter-Staffel: 1. ASC. Göttingen 3:35,2 Min.; 2. Hessen-Pr. 3:36,7; 3. SpVg. 1900 Gießen 3:42,2. (Mannschaft Baurnstie- ger, Peters, Jung, Bepperling.) Der Sieg der Göttinger Studenten bedeutet eine große Ueberraschung. Die Gießener hielten sich recht gut. Stabhochsprung: 1. Steines, 1900, 3,35 Meter; 2. Jung, 1900, 3,15 Meter; 3. Schroer, ASC., 3,05 Meter. Steines ist wieder stark im Kommen. Jung war bereits ermüdet durch die Hürdenläufe und den Dreisprung. Dreisprung: 1. Mergard, Hessen-Pr., 12,83 Meter; 2. Kermer, Hes- sen-Pr., 12,50; 3. Jung, 1900, 12 Meter. Jung sprang als einziger die vorschriftsmäßige Technik unb konnte sich daher nicht durchsetzen. Diskuswerfen: 1. Kilo, 1900, 42,27 Meter; 2. Luh, OSC. Gießen, 39,01; 3. Junghenn, Hessen-Pr., 38,48 Meter. Kilo warf sicher und beständig. K u g e l st o - ß e n : 1. Gugel, 1900, 13,49 Meter; 2. Luh, OSC., 13,20; 3. Mohl, OSC., 12,81. Gugel war im Stoß zu langsam und konnte seine letzten Leistungen nicht erreichen. S ch l e u d e r b a l l: 1. Gugel, 1900, 54,88 Meter; 2. Mohl, OSC., 53,75 Meter; 3. Gary, Marburg, 52,22 Meter. Gugel kann in dieser Disziplin noch bessere Weiten erzielen. Stein st oßen : 1. Mohl, OSC., 8,90 Meter; 2. Luh, OSC., 8,47 Meter; 3. Gugel, 1900, 8,43 Meter. Alte Herren: 100- Meter-Lauf: 1. Alt- Hoff, Kurh. Kassel, 12,8 Sek.; 2. Schmidt, 1900 Gießen, 13,2 Sek.; 3. Katzenmeier, Kurh., 13,5 Sek. Weitsprung: 1. Althoff, Kurh., 5,35 Meter; 2. Katzenmeier, Kurh., 5,16 Meter. 3. Schmidt, 1900, 4,98 Meter. Schmidt war hier stark von Pech verfolgt. K u g e l st o h e n : 1. Dr. Lederer, Kurhessen Kassel, 9,28 Meter; 2. Schmidt, 1900, 9,08 Meter, 3. Althoff, 8,28 Meter. D r e i k a m p f: 1. Althoff 1221,15 Punkte; 2. Schmidt 1120,20 P.; 3. Katzenmeier 1015,55 Punkte. Frauen: 200 - M e t e r - L a u f: 1. Hadler, Hessen-Pr., 25,8 Sek.; 2. Störig, VfL. Wetzlar, 29,2; 3. Brede, Hessen-Pr., 29,8; 4. Hublitz, 1900, 30,1. Frl. Hublitz hatte einen schlechten Start und war auf dem ersten Teil der Strecke viel zu langsam, immerhin bedeutet der Platz im Endlauf einen Achtungserfolg. 4X100 -Meter-Staffel: 1. Hessen-Pr. I 55 Sek.; 2. VfL. Wetzlar 57,8; 3. Hessen-Pr. II 57,8; 4. 1900 Gießen 58,4 Sek.; 5. Kurhessen Kassel. Auch hier ein Achtungserfolg der Gießenerinnen. Weitsprung: 1. Hadler, Hessen-Pr., 4,92 Meter; 2. L. Diehl, 1900, 4,42; 3. Hücker, Kurh., 4,28 Meter. Lotte Diehl als jüngste Teilnehmerin konnte selbst so gute Sportlerinnen wie Kuhl und Störig, Wetzlar, schlagen. Hochsprung: 1. Leschen, Hessen- Pr., 1,40 Meter; 2. Störig, VfL. Wetzlar, 1,40; 3. R. Lippert, 1900, 1,35 Meter. Die 1900erin gehört ebenfalls noch der Mädchenklasse an und kämpfte gegen etwa 20 Teilnehmerinnen. Oer Reichssportkommiffar beim Deutschen Bundeskegeln. Der Reichssportkommissar vonTschammer- O st e n hat seine Teilnahme am 18. Deutschen Bundeskegeln vom 15. bis 23. Juli in Frankfurt a. M. in sichere Aussicht gestellt. Der Reichssportkommissar legt Wert darauf, mit allen Sportarten in engster persönlicher Berbindung zu stehen und will die Gelegenheit zur Besichtigung des großen Keglertreffens benutzen, auch mit dem Kegelsport in engste Berbindung zu kommen. Oie 8. Etappe der „Tour". Die 8. Etappe der Tour de France führte am Mittwoch von Grenoble über 101 Kilometer nach Gap. Trotz der Kürze der Strecke wurde das Feld völlig zerrissen, da kurz vor dem Ziel der 2400 Meter hohe Col Bayard zu erklettern war. Sieger der Etappe wurde der Franzose Speicher in 3:25,40 Stunden vor ßemaire und Camusso. Bester Deutscher war Thierbach, der auf dem achten Platz vor Stöpel einkam. Buse belegte den 17. und Geyer den 21. Platz. Kurze Gportnotizen. Vines und Crawford haben sich für das Endspiel im Einzel der All-England-Tennismeister- schaften in Wimbledon qualifiziert. Vines schlug Cvchet 6:2, 8:6, 3:6, 6:1 und Crawford schaltete Jiro Satoh mit 6:3, 6:4, 2:6, 6:4 aus. Im Herrendoppel gab es einen deutschen Sieg. Gottfried von Cramm/Noumey schlugen die Neuseeländer An- drews/Stedmann und drangen damit in die Vorschlußrunde vor. AufderThemsebegannamMittwoch die 95. Internationale Henley-Ruder-Regatta. Die Deutschen griffen noch nicht in die Kämpfe ein, lediglich der Skuller G. v. Opel startete für den Thames Rowing Club London im Großen Einer um die Diamond-Sculls. Er gewann feinen Vorlauf leicht gegen feinen Klubkameraden B. S. Fidler. Oer Säuberungsprozeß bei der Friedberger Ortskrankenkasse. Friedberg, 5. Juli. (WSN.) Gelegentlich des Säuberungsprozesses bei der hiesigen Allgemeinen Ortskrankenkasse wurden acht Kündigungen ausae» sprachen. Der Geschäftsführer der Krankenkasse, Kühn, wurde beurlaubt. Bei einem Teil der Gehälter, die an den gegenwärtigen Verhältnissen gemessen als zu hoch erschienen, wurden Abstriche vorgenommen. Der Untersuchungsausschuß wird seine Tätigkeit fortsetzen. Schwere Zuchthausstrafen im Höchster Landsriedensbruchprozeß. Darmftabt, 5. Juli. (WSN.) Nach mehrtägiger Verhanblung fällte heute das Sondergericht gegen die 19 angeklagten Reichsbannerleute und Kommuni ft en aus Höchst i. O. wegen Landfriedensbruchs das Urteil. Bekanntlich war es bei der Übertragung der Reichskanzlerrede am 2. März in Höchst zu einer Schlägerei gekommen, bei der ein Nationalsozialist und ein Reichsbannermann getötet wurden. Das Gericht schloß sich der Auffassung des Staatsanwalts an, daß die Angeklagten zweifellos den Ueberfall auf die auf dem Marktplatz in Höchst der Rede des Kanzlers lauschende Menge geplant hatten und deshalb eine schwere Strafe vollkommen gerechtfertigt sei. Zwei Angeklagte, die bei dem Vorfall geschossen hatten, wurden zu je acht Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust, ein Angeklagter, der mit einem Messer gestochen hatte, zu zwei Jahren Zuchthaus, ein weiterer Angeklagter, der mit einer Latte geschlagen hatte, zu VA Jahren Zuchthaus verurteilt. Vier Angeklagte wurden mangels Beweises freigesprochen. Alle übrigen Angeklagten erhielten wegen Teilnahme am Landfriedensbruch je ein Jahr Gefängnis. Das Urteil ist rechtskräftig. Daten für Donnerstag, den 6. Juli. 1415: Der Reformator Johann Hus in Konstanz verbrannt (geb. wahrscheinlich 1369). — 1535: Der englische Kanzler Thomas Moore im Londoner Tower enthauptet (geb. 1478). — 1553: Der Dichter Lodovico Ariosto in Ferrara geft. (geb. 1474). — 1832: Ferdinand Maximilian, Kaiser von Mexiko geb. (1867 in Querstaro erschossen.) — 1853: Der Hygieniker Mar v. Gruber in Wien geb. (geft. 1927). — 1854: Der Physiker Georg Simon Ohm in München geft. (geb. 1789). — 1887: Der Dichter Walter Flex in Eisenach geb. (gefallen 1917 im Kampf auf Defel). Wirtschaft. Aktive Zinspolitik der Sparkassen. Der Deutsche Sparkassen- und Giro-Berband hat, wie bereits auf der Tagung des Verbandes öffentlich-rechtlicher Kreditanstalten in Bad-Pyrmont mitgeteilt wurde, der dort gefaßten Entschließung zur umgehenden Ermäßigung der Zinssätze grundsätzlich zugestimmt. In Durchführung des Beschlusses hat der Verband die ihm angeschlossenen Sparkassen und Bankanstalten ersucht, vom 1. Juli d. I. ab den Zinssatz für mündelsichere Hypotheken und sonstige langfristige Ausleihungen auf 5 Prozent zuzüglich % Prozent Verwaltungskostenbeitrag, also auf höchstens SVa Prozent herabzusetzen. Im Personalkredit soll der Zinssatz mit gleicher Wirkung auf 6>2 Prozent einschließlich aller Provisionen ermäßigt werden. In dem angegebenen Höchstzinssatz sind sämtliche kreditoerteuernden Nebenforderungen und Provisionen enthalten. Die Durchführung dieser Beschlüsse wird, wie WTB.- Handelsdienst erfährt, umso leichter möglich sein, als eine größere Anzahl von Girozentralen und Sparkassen von sich aus bereits entsprechende Zinsermäßigungen vorgenommen haben. Der Deutsche Sparkassen- unb Giro-Verbanb bringe damit erneut feine Auffassung zum Ausdruck, daß es Pflicht aller öffentlich-rechtlichen gemeinnützigen Geldanstalten sei, in der für die Belebung unserer Wirtschaft so entscheidenden Frage der Zinsherabsetzung mit gutem Beispiel voranzugehen. Sranffurtcr Abendbörse lustlos. Frankfurt a.M., 5. Juli. Die Frankfurter Abendbörse zeigte an den Aktienmärkten etwas schwächere Tendenz, gegenüber den Berliner Schlußkursen verloren Conti Gummi 2 Prozent, Holzmann 1,5 Prozent, Junghans 1 Prozent und 2G.-Farben 0,5 Prozent, dagegen zogen Reichsbank-Anteile um 0,4 Prozent, Stahlvercin und Rütgerswerke um Bruchteile eines Prozentes an. Deutsche Linoleum blieben gut behauptet. Der Rentenmarkt war weiter freundlich, späte Reichsschuldbuchforderungen gewannen 0,75 Prozent, Alt- und Neubesitzanleihe bis 0,25 Prozent. Bon Ausländern lagen Schweizer Bundesbahn um weitere 1 Prozent erholt. 3m Berlaufe blieb die Haltung recht still und die Kurse bröckelten allgemein bis 0,5 Prozent ab. Neubesih 10,40 bis 10,50, Altbcsih 75,40, Schutzgebiete 1914er 6.L0, Bayrische Hypotheken- und Wechselbank 64, Reichsbank 144,50 bis 144,75, Gelsenkirchen 56,25, Harpener 91,50, Klöcknerwerke 52, Phönix 33, Rheinstahl 85, Laurahutte 15.75, Stahlverein 33 bis 33,25, Accumulatoren 156, Aku 41,75, AEG. 22,25, Bekula 105, Bemberg 52, Chade 197, Cement Heidelberg 80,75, Conti Gummi 153,50, Daimler 29,25, Scheideanstalt 171, Deutsche Linoleum 44, Licht und Kraft 135,. IG-Farben 127,50 bis 127,10, dito Bonds 114,75, Felten 49, Gesfürel 82. Goldschmidt 42,50, Holz- mann 55, Iunghans 30, Lahmayer 120,50, Lechwerke 80. Metallgesellschaft 58,50, Rütgerswerke 61, Tietz 15,50, Reichsbahn Borzüge 99,25, Norddeutscher Lloyd 16,25, Hapag 14,75- * * Neueinstellungen bei der I G. - F a r beninbuftrie A. - G. Wie WTB.-Hanbelsbiensi auf Anfrage erfährt, finb bei ber JG.-Farbcninbw ftrie A.-G. einschl. Ammoniakwerk Merseburg GmbH. Kalle & Co. A.-G., Wiesbaben-Biebrich unb bei A.-G. für Stirfftoffbünger, Knapsack, in ber Zeil vom 1. Januar bis 1. Juli 1933 etwa 5000 Arbeiter unb Angestellte neu eingestellt wordey. Schwcincmarkt in Friedberg. Friedberg, 5. Juli. (WSN.) Auf dem heuti gen Schweinemarkt wurden folgende Preise bezahlt: 6 Wochen alte Tiere 12 bis 14 Mark, 6 bis 8 Wochen alte Tiere 14 bis 18 Mark, 8 bis 12 Wochen alte Tiere 18 bis 22 Mark. Bei lebhaftem Geschäft wurde der Markt geräumt. Verantwortlich für Lokales, Provinz, Wirtschaft und Sport: I. V.: H. L. Neuner. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben Die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 0 H Lombardzinsfuß 5 0 H. Jranfiun a. JJl. Scrlm Frankfurt a.M. Serkin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Miltagbörse Schlußkurs Schlußk. Bbend- börsr Schluß- kurS Schluß!. Miliag« börle Datum 4 7- 5.7 4.7. 5.7- Datum 4.7- 5.7- 4.7- 5-7. 6% Deupche Reichranleihe v. 1921 6% ef>em.7% Dt. Reichsans. v. 1929 6%% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............ TeSgl. ohne Auslos.-Rechte...... 6% ehern. 8% Hess, Volksstaat 1929 trückzahlb. 102%)............ Oberhessen Provinz-Anleihe ml Auslos.-Rechten ............ 6% Hess. Landesbank Darmstadt GoldR. 12.......... 6%% Hess. Landes Hypotheken- bank Darmstadt Ligul...... Deutsche Komm. Sammelab l.An leihe Seriel mit Auslos.-Rechten 6% ehern. 8% Franks. Hyp.-Baw Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6% ehern. 7% Franks. Hvp.-Ban Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 t>¥i% ehem. 4'4% Franks. Hyp. Bank-Liau.-Pfandbriese ..... 6%% ehem. 4*4% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe. ... 6% ehem. 8% Pr. Landespfand briesanstali, Pfandbriefe M. 19 6% ehem. 7% Pr. LandeSpfand briesanstalt. Pfandbriefe R. 1* Verrechnungskurs . ... 4% Oesterreichilche Goldrente... 4,20% Oesterreichilche Silberrente 4% Ungarische Goldrente...... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4%% desgl. von 191.3...... 84 89,9 78 75 10,25 65 79,5 83.4 66,25 80 79,5 82,9 82,75 81 'n,25 86 1,25 6,13 5,6 6,05 84 90,25 78 75,4 10,4 75,75 65,5 79 83,25 66,5 80,4 79,9 83,5 84 80,25 81 86 1,13 5,5 11,2 5,9 84 89,75 78 74,65 10,15 74,5 79 65,75 80,5 86 6,1 5,75 5,9 12,25 6 83,75 89,9 78 75,25 10,4 75,25 79 66,5 80,5 80,75 86 1,3 6 5,65 5,65 11,75 5,8 6,05 4% desgl. Serie 11............ 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4'/r%Rumän.vereinh.Rentev.l913 t% Rumänische vereinh. Renke . 8%% Anatolier.............. Hamburg-Amerika-Paket .....i Hamburg-Südam. Dampfschisf. 0 Hansa Dampfschiff...........0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 Commerz- und Privak-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschast............ v Dresdner Bank............ 6 Reichsbank .................j A.E.G......................( Elekir. Lieferungsgesellschaft ... 6 Licht und Kraft .............r Felten & Guilleaume ........c Gesellschaft für Elektrische Unter- nehmungen............... 4 Rheinische Elektrizität ........6 Schuckeri & Go..............v Siemens & Halske...........k Lahmeyer L Co..............10 Buderus ...................< Deutsche Erdöl .............4 Gelsenkirchener..............0 Harpener...................0 Hoejch Eisen—Köln-Neuesten.. C Ilse Bergbau .............. 1 Ilse Bergbau Genüsse........7 Klöcknerwerke ...............o Mannesmann-Rohren........C 6,1 5,5 9,5 4,5 27 15,25 16,5 43 91 50,5 56 45,5 144 23,5 84 106,5 50 86 96 157,75 122,5 73 f 13,5 57,5 95 157 114 52 5,9 5,4 4,4 27 14,75 16,25 44 91 50,5 55 45,5 144,75 22,25 85 105 49 82 97 103,75 156,5 120,5 73 112,5 56,25 91,5 155 113 52 63 6,05 4,4 26,75 14,75 16,4 91 50,75 56 45,5 144 23,75 83,75 106,75 50,5 85,5 97,5 104 158,5 121,5 72,9 113,13 58 94,25 63,25 155 113,5 52,25 62,75 5, 5, 4, 2 14, 24, 1 44,2 9 50,7 5 45, 144, 22,2 85, 104, 49,2 82,1 95,7 102,7 15 12 7 111,7 56, 91, 60, 15 112, 52. 62,2 5% äbgell. Goldmexikaner von 90 4% Türkische Zollanleihe von 191 > 4% Türkische Bagdavbahn-Anleih Serie 1..................... '-Datum •JJian-neloer Bergbau.........0 -ftotäroerfe ..................0 Phönix Bergbau.............0 Rheinische Braunkohlen ......in Nheinstahl................0 Bereinig» Stahlwerke........0 Otavi Minen ...............0 Kaliwerke Aschersleben........6 Kaliwerke Westeregeln........6 Kaliwerke Salzdetfurth.......l> 3 G. Farben-Jndustrie....... 7 Scheideanstalt...............10 Goldschmidt ................o Rütgerswerke ...............0 Metallgesellschaft..»..........< Phllivv Holzmann...........0| Zementwerk Heidelberg ......4 Cementwerk Karlstadt.........o| Schultheis Patzenhoser........0 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 Bemberg...................0 Zellstoff Waldhos ............0 Zellstoss Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas ............... 7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum ..........0 Orenstein & koppel ..........0 Leonhard Lieh..............6 Chade......................12 Grihner.................... < I Mainkraftwerke Höchst a.M. ... 4 Süddeutscher Zucker ......... 11 5rant[urt a. JJl. Seriin Gchluß- furd Schluß!. Abenk» börke Schluß- lurS Schlußk. Minag- börfe 4 7. 5-7. 4.7. 5.7. 22,75 22 21,4 21,9 — — 79,4 78 34 33 33,65 33 203 201 201,75 202 88,25 85 88,25 85,25 34 33,25 34,13 33,13 16,4 16,25 16,5 16 122,5 119 121 120,5 124,5 120 120 120,5 172 163,5 168,5 166 129,65 127,13 129,75 128 170.5 171 — — 46,5 42,5 46,75 42.5 62,5 61 62,9 60,75 58,25 58,5 — 58 55,5 55 55 5 56,5 80,5 80,75 - —• - - — _ _ 117 116,5 42,65 41,75 43 41,75 52,5 52 52,75 52,25 43 43,25 43,4 43,5 22,25 22 21,75 21,75 — — 108,75 108,25 29,25 29,25 29,4 29 44 44 43,5 44 — —— 42,25 41,75 15,5 15,75 16 15,75 - 196 197 196,5 197,25 23 — 2,5 23,75 61 - - 152 — 151 152 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. 4.Juli 5.Juli Amtliche Notierung Amtliche Geld Dotierung Srie, Geld I Sriei Hestingfora. 6,284 6,296 6,254 6,266 Wien.'..... 46,95 47,05 46,95 47.05 Prag...... 12,54 12,56 12,54 12,56 Budapest .. — — —— —— Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Holland .... 169,33 169,67 169,58 169,92 Oslo....... 71,53 71,67 70,83 70,97 Kopenhagen. 63,54 63,66 62,94 63,06 Stockholm... 73,28 73,42 72,58 72,72 London ..... 14,24 14,28 14,10 14,14 Buenos Airn 0,928 3,162 0,932 0,928 0,932 Neunori .... 3,168 3,127 3,133 Brüssel..... 58,86 58,98 58,99 22,36 59,11 Italien..... 22,28 22,32 22,40 Paris..... 16,58 16,62 16,59 81,37 16,63 Schweiz ... 81,22 81,38 81,53 Spanien... 35,26 35,34 35,26 35,34 Danzig.... 82,12 82,28 82,12 82,28 Japan..... 0,899 0,901 0,894 0,896 Rio de Jan. 0,229 0,231 0,229 0,231 Jugoslawien 5.195 5.205 5,195 5.205 Lissabon... 12,97 12.99 12,85 12,87 Bantnoten Seriin, 5.Juli Geld »rief Amerikanyche Noten.............. 3,08 3,10 Belgische Noten.................. 58,83 59,07 Dänische Noten ................ 62,62 62,88 Englische Noten ................. 14,06 14,12 Französische Noten.............. 16,55 16,6'/ Holländische Noten............... 169,21 169,89 Italienische Noten................ 22,24 22,32 Norwegische Noten .............. 70,66 70,94 Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling — — Rumänische Noten............... — — Schwedische Noten............... 72.40 72,70 Schweizer Noten................. 81.19 81,51 Spanische Noten................ 35,13 35,27 Ungarische Rote»................ — —