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SatNtal tartt 3m Franksmiq chäst zwar M rr Vorwoche ta m zunächst noch i mit Anhalte, d ein Aachgeden lausSpreise des r-Tonnens-. sich» )e QBadenbuttc, nbutter 118 bij 50,55 12,485 3,063 169,57 73,37 63,91 77,53 14.34 0,647 4,217 58.« 21 16,465 81,33 34.5 82.01 0,6»! 0,241 5,5« 13,01 äer-Seibertemvü :). Kirchlich ge« Ihrnen 5, Unter« 3). Kirchlich zu lerfonen (Ober« lnter-Seiberten« en in Ober« on 2993 Mn« Kindern, in esdiensten von 1816 Kindern; bei 31 Gottes. )2 Frauen und ite Gottesdienst« 10 360 Männer, r. Am Kinder« rod nahmen ia i und 160 Mäd« iröe in 13 3^ nd 123 Mädchen hl nahmen teil id 305 Frauen, nd 403 Frauen, Mer und 216 id 1014 Frauen, men. Die fto *1 n für die chrisi« en Betrag toi :n entfällt aus indeglieder des Betrag toi -fei [Q9 ein, die m r.W gingen ^'kum die hohen noch, daß die Witterung mü 'am. (fs notier» Bulgaren 7% Holländer 7# ipelte bayerisch. »'• yabttq iriem dn tu. >r und r. in biejm- d«n schrot n 6ie 222 ötvang^ ?len durch re, >2ach^ Ä! 183. Jahrgang Nr. 51 Erster Blatt Montag, 6. Februar 1933 GietzenerAMiger General-Anzeiger für Oberhessen Frrmksvt^am 1888. vrvS vnv Verlag: vrühl'sche Univerfitüir-Vuch' und Stetndruckerei !L Lange in Gießen. 8chriftlettung und Geschäftsstelle: Zchnlllraße 7. Annaymc von änjeiges für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klameanzeigen von 70 nun Breite 35 Reichspfennig, Platzvotschrist 2OU, mehr. Chefredakteur. Dr. Frredt. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THynot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den An» zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in Biegen. m Bild Die Scholle Monats: Bezugspreis: «Dlil 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. zernsorechanschlüfie unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen. In Breslau veranstaltete die Eiserne Front eine Kundgebung im Gewerkschaftshaus, bei der auch der frühere Rcichstagspräsibent L o e b c sprach. Anschließend folgte ein Demonstrationszug des Reichsbanners durch die Stadt, bei dem es an verschiedenen Stellen zu Zusammenstößen mit Nationalsozialisten kam. Ein Reichs- bannermann, der Student Walter Steinfeld, wurde hierbei getötet, acht Personen verletzt. Verbot sozialdemokratischer Zeitungen. Das mecklenburgische Ministerium des Innern hat die in Mecklenburg-Schwerin erscheinende sozialdeniotratische Presse, nämlich die sozialdemokratische „Mecklenburgische Volkszeitung" und das sozialdemokratische „Freie Wort" auf drei Tage, und zwar für die Zeit vom 5. bis 7. Februar, verboten. Das Verbot erfolgte wegen des Abdrucks des sozialdemokratischen Wahlaufrufs. ♦ Das thüringische Innenministerium hat das sozialdemokratische Organ für Thüringen „Das 23 o l k" in Jena auf die Dauer von zehn Tagen und die sozialdemokratische „Ostthü ringer Tribüne" in Gera auf die Dauer von vier- Aeue Beschränkung der preffe- und “ ‘ " Eine Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe des deutschen Volkes. zehn Tagen verboten. Das Verbot erfolgte wegen des Abdrucks des Aufrufs der Sozialdemokratischen Partei. Die sozialdemokratische „Rheinische Zeitung" in Köln ist für drei Tage verboten worden, weil sie den Aufruf des sozialdemokratischen Parteioorstandes mit der Aufforderung zu hochverräterischen Vergehen veröffentlicht hat. * Das in Breslau erscheinende Organ der So» zialdemokratischen Partei „Die Volksmacht" und ihre sechs in der Provinz Schlesien erscheinenden Kopfblätter sind wegen der Verbreitung des Wahlaufrufes der SPD. auf drei Tage vom 6. bis einschließlich 8. Februar verboten. Keine Landtagsauflösung in Hessen. D a r m st a d t, 6. Febr. (XU.) Der hessische Landtag beriet heule über den nationalsozialistischen Antrag auf Auflösung des Landtags. Dee Antrag wurde mit einer Stimme Mehrheit angenommen. Da zu seiner Verwirklichung aber eins Zweidrittelmehrheit (47 Stimmen) notwendig ist, erhält der Beschluß keine Gesetzes« traft. Der Landtag wird also nicht aufgelöst. Die Kommunisten hatten kur; zuvor im Aelte- ftenrat ihren gleichlautenden Antrag zurückgenommen und dies mit der veränderten politischen Lage begründet. Das Haus wurde dann auf unbestimmte Zeit vertagt. Berlin, 4. Febr. (WTB.) Amtlich wird mitge teilt: Bei Amtsantritt hatte die Reichsregierung vor der Presse die Hoffnung und den Wunsch zum ^Ausdruck gebracht, es möge ihr kein Anlaß geboten werden, frühere BeschränkungendesVersam m- lungs - und Presserechts wieder aufleben zu lassen. Allerdings wurde gleichzeitig die Mahnung ausgesprochen, alles zu vermeiden, was B e - u n r u h i g u n g in das Volk tragen und die öffentliche Sicherheit gefährden könnte. Diese Mahnung ist nicht befolgt worden. Vor allem in der Presse sind in den letzten Tagen unerhörte Beschimpfungen und Beleidigungen erhoben worden, die eine Regierung, die auf Autorität hält, sich nicht gefallen lassen kann. Ferner hat ein Teil der Presse, gaiu offensichtlich um Beunruhigung zu schaffen und das Vertrauen zur Regierung zu erschüttern, Gerüchte über angebliche wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen der Regierung verbreitet, die keinerlei Unterlagen besaßen. Die Reichsregierung hat sich daher veranlaßt gesehen, dem Herrn Reichspräsidenten eine Verordnung oorzuschlagen, die Beschränkungen desVersammlungs - und Presserechts enthält, wie sie zum Teil auch früher bestanden. Diese Verordnung gibt der Reichsregierung nunmehr die absolute handhabe, ihre Autorität wirksam zu wahren und ihre Aufbauarbeitungestört ourchzuführen. Somit dient sie dem Schutze des deutschen Volkes. Nie neuen Bestimmungen. B e r l i n, 6. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die heute veröffentlichte, auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 erlassene Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes regelt in ihren Abschnitten 1 bis 3 die Voraussetzungen, unter denen öffentliche politische Versammlungen und Auszüge verboten oder aufgelöst, p e - riodische Druckschriften beschlagnahmt oder verboten und Sammlungen zu politischen Zwecken untersagt werden können. Oeffentliche politische Versammlungen sowie alle Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel find fpäteftens 48 Stunden vor - h e r der Ortspolizeibehörde anzumelden. Sie können im Einzelfall verboten werden, wenn nach den Umständen eine unmittelbare (8 e - fahr für d i e öffentliche Sicherheit zu besorgen ist. Politische Versammlungen können aufgelöst werden, wenn zum Ungehorsam gegen d i e Gesetze aufgereizt wird und Organe des Staates oder Religionsgesellschaften öffentlichen Rechtsoer- ächtlich gemacht werden. Verbote von Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzügen dürfen nur für bestimmte Ortsteile und nur in Ein- zelfällen, nicht allgemein ausgesprochen werden. Druckschriften, deren Inhalt geeignet ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden, können polizeilich beschlagnahmt und ein» gezogen werden. Dem Staatsanwalt soll in bestimmten Fällen sofortige Beschwerde mit aufschiebender Wirkung zustehen, wenn die vorläufige Beschlagnahme durch Gerichtsbeschluß aufgehoben wird. Als Verbotsgründe werden bezeichnet: Verrat militärischer Geheimnisse, Aufforderungen zum Ungehorsam gegen die Gesetze, Aufforderungen zur Gewalttätigkeit, Aufforderung zum Generalstreik und zum Streik in lebenswichtigen Betrieben, Beschimpfung leitender Beamter des Staates, Verbreitung unrichtiger Nachrichten, in denen lebenswichtige Interessen des Staates gefährdet werden. Bei Tageszeitungen ist die Verbotsdauer auf vier Wochen beschränkt, bei mehrmaligen Wiederholungsfällen kann ein Verbot bis zu sechs Mona- ton ausgesprochen werden. Die obersten Landesbehörden können verbieten, daß Geld- oder Sachspenden zu politischen Zwecken ober zur Verwendung durch politische Organisationen von Haus zu Haus auf Straßen oder Plätzen, in Gast- oder Vergnügungsstätten eingesammelt werden. Sammlungen, die in Versammlungen stattfinden, sowie Sammlungen von Hous zu Haus, die sich auf Mitglieder der sammelnden Organisation beschränken, sind zulässig. Räumlichkeiten, von denen zu besorgen ist, daß sie von einer Mehrheit von Personen a l s Sammel st ätten oder Stützpunkte für Gewalttätigkeiten benutzt werden, oder in denen Schriften strafbaren Inhalts hergestellt oder zum Zwecke der Verbreitung vorrätig gehalten werden, können polizeilich ge schloss en werden. Gast- oder Schankwirtschaften kann die Erlaubnis zum Betriebe von der Ortspolizeibehörde bis zur Dauer von einem Jahr entzogen werden. Der Reichsverband der Deutschen presse gegen die Beschränkung der Pressefreiheit. Ein Protesttclcgramm an den Reichspräsidenten. Berlin, 5. Febr. (TU.) Der Reichsausschuß des Reichsverbandes der Deutschen Presse hat am Sonntag in seiner Tagung in Berlin die folgende Entschließung gefaßt, die telegraphisch dem Reichspräsidenten übermittelt wurde und in der es u. a. heißt: „Der Reichsoerband der Deutschen Presse hatte die Aufhebung der wesentlichsten Beschränkungen der Pressefreiheit als einen Beginn zur Wie - derherstellung jenerVoraussetzungen begrüßt, die für die Wirksamkeit einer verantwortungsbewußten, dem Staatswohl dienenden Presse lebensnotwendig sind. Mit starkem Befremden hat deshalb der Reichs- ausfchuß davon Kenntnis genommen, daß die Reichsregierung Ihnen, Herr Reichspräsident, eine neue Verordnung vorschläat, die die frühere Knebelung der Pressefreiheit wiederherstellen und anscheinend noch verschärfen will. D"r Reichsoerband der Deutschen Presse, in dem Journalisten aus allen deutschen Gauen ohne Unterschied der politischen Parteirichtung zusammengeschlossen sind, erhebt seine warnende Stimme gegen eine solchen Versuch, der der Presse die Erfüllungihrer im Staatsinteresse liegenden Aufgaben der Mitwirkung an der Bildung der öffentlichen Meinung unmöglich machen und nach allen Erfahrungen der letzten Jahre fein Ziel völlig verfehlen würde." Abschriften dieses Telegramms wurden dem Reichskanzler, dem Reichsinnenminister und dem Reichs- jüstlzminister zugeleitet. Eine schwere politische Bluttat. Der Bürgermeister von S-atzsurt von 17jätzrigemGymnasiasten niedergeschossen. Staßfurt, 5. Febr. (WTB.) Der erste Bürgermeister der Stadt, K a ft e n , der als sozialdemokratischer Abgeordneter den Wahlkreis Magdeburg im Preußischen Landtag vertritt, wurde Samstagabend von einem 17jährigen Gymnasiasten erschossen. Nach einem Umzuge der NSDAP, und des Stahlhelms war cs am Samstag zu politischen Reibereien gekommen, bei denen ein Arbeitersamariter verletzt wurde. Bürgermeister Kasten ließ darauf eine Person verhaften und vernahm diese im Rathaus. Als er sich dann in seine Wohnung begeben wollte, trat ihm ein 17jahriger Gymnasiast entgegen und schoß ihn mit den Worten: „Mann, jetzt heißt's abrechnen!" nieder. Kasten wurde sofort operiert, erlag aber nach einigen Stunden seiner schweren Verletzung. Sofort nach der Tat wurde die Mordkommission aus Magdeburg verständigt, die alsbald zur Stelle war. Bei der Untersuchung fiel der Verdacht auf drei Schüler, von denen nur der Gymnasiast Matthes als Täter in Frage kommen konnte. Man konnte seiner jedoch zunächst nicht habhaft werden. Die Rationalsozia- listen rückten sofort von der Tat ab und erklärten, daß sie diese unter keinen Tlmständen billigten. Sie versprachen im Falle des Austauchens des Täters diesen sofort der Polizei zu übergeben. Am Sonntag um 6.30 Ahr erschien der Kreisleiter W i e n e ck e der RSDAP. bei der Polizei mit dem Ge suchte n, der sofort i n H a f t genommen wurde. Obwohl der Verhaftete die Tat leugnet, verdichteten sich die Verdachtsmomente bei seiner Vernehmung so sehr, daß an seiner Schuld kein Zweifel mehr bestehen kann. Der Täter ist nicht Angehöriger der RSDAP. Am Sonntag versuchten Reichsbanner und Kommunisten zu demonstrieren, doch konnte die Polizei größere Ansammlungen verhindern. Als dann das Reichsbanner von auswärts teilweise durch Lastkraftwagen Verstärkungen erhalten sollte, wurden alle Straßen nach Staßfurt abgeriegelt und alle Demonstrationen verboten. politische Ausschreitungen. Berlin. 6. Febr. Während des Wochenendes ist es an verschiedenen Stellen des Reiches, so in München, Fürth. Bochum, Düsseldorf, Wiesbaden, Duisburg-Hamborn zum Teil im Anschluß an Demonstrationszüge zu schweren Ausschreitungen und Zusammenstößen zwischen Angehörigen der RSDAP., des Reichsbanners und der KPD. gekommen, bei denen es eine Reihe von Verletzten gegeben hat. * In Berlin-Schöneberg drangen 15 SA.- Leute in das kommunistische Verkehrslokal „Pappschachtel" und demolierten die Inneneinrichtung. Die Wirtin des Lokals erhielt einen schweren Bauchschuß, der bald darauf i h r e n T o d herbeiführte. Die Polizei verhaftete alle 15 SA.-Leute und brachte sie auf das Polizeipräsidium, wo sie bei ihrer Vernehmung angaben, aus Rache gehandelt zu haben, da sie am Vortage von Kommunisten überfal- l e n worden seien. In Bochum wurde auf der Dietrich Becking- straße der SA-Führer Paul Paßmann durch fünf Pistolenschüsse getötet. Pahmann befand sich ohne Begleitung auf dem Heimwege. Plötzlich wurde er von mehreren Kommunisten gestellt. Es fielen alsbald mehrere Schüsse, und schwer verletzt brach Pah- mann zusammen. Kurze Zeit später ist er dann seinen Verletzungen erlegen. Es wurden insgesamt 31 Kommunisten festgenommen. • In Chemnitz ereignete sich zwischen Mitgliedern des Reichsbanners und Rationalsozialisten ein politischer Zusammenstoß. Ein Reichsbannermann wurde getötet, zwei weitere wurden schwer verletzt. Das Staatsbegräbnis für die beiden Opfer des Jenernberfatls am Mend des 30. Zannar. Trauerfeier im Dom in Anwesenheit des Reichskanzlers. — Beisetzung des GA.-SturmführerS auf dem Lnvalidenfriedhof. Die Särge der Opfer werden aus dem Dorn getragen. Berlin, 5. Febr. (CNB.) Am Sonntagnachmit- tag erfolgte die Beisetzung der im Anschluß an den Fackelzug zu Ehren des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers in Charlottenburg bei einem Feuerüberfall von Kommunisten Getöteten, des Haupt- wachtmeisters der Schutzpolizei Zauritz und des SA.-Führers Markowski. Die staatlichen Gebäude hatten die schwarzweiße Flagge auf Halbmast gesetzt. Im Lustgarten hatten die Formationen der SA. und SS.- Berlin und Brandenburg Aufstellung genommen. Vor der Schloßfrei- heit war der Stahlhelm aufmarschiert. Vor dem Dom hatte eine berittene Abteilung und eine Abteilung der Schutzpolizei zu Fuß mit Karabinern Aufstellung genommen. Der Dom war bis auf den letzten Platz gefüllt. Zu Füßen des Altars standen die beiden Särge, an denen je sechs Kameraden die Totenwache hielten. In der ersten Reihe vor dem Altar sah man neben den Angehörigen der Toten den Reichskanzler Hitler und den Minister Goe - ring in SA-Aniforrn. Weiter bemerkte man Polizeipräsident Dr. M e l ch e r, den Kommandeur der Berliner Schutzpolizei P o t e n, den ehemaligen Kronprinzen in der Uniform der Totenkopf-Husaren, den Prinzen August Wilhelm in der SA-Äniform sowie Major Stephani vom Stahlhelm. Der Geistliche legte seiner Predigt das Wort zugrunde: Keiner hat größere Liebe denn die, daß er fein Leben läßt für seine Brüder! Rach dem Lied vom guten Kameraden wurden die Särge aus der Kirche getragen. Die Schupomannschaften und die vor dem Dom auf- gestellten SA-Formationen grüßten die toten Kameraden, als man sie zur letzten Fahrt auf den Wagen trug, ileber dem Lustgarten kreisten Flugzeuge mit dem Hakenkreuz auf Öen Tragflächen und mit schwarzen Wimpeln. Rach der Trauerfeier im Dom formierte sich im Lustgarten der Zug, eröffnet durch eine Abteilung berittener Schutzpolizei. Dem Leichenwagen desPolizeibearnten folgten Minister Göring, Polizeipräsident Melcher, der Kommandeur der Schutzpolizei Poten und in langet Reihe Offiziere und Beamten der Berliner Schutzpolizei, Abordnungen der SA. und des Stahlhelms. In längerem Zwischenraum folgt der Leichenzug für den Sturmführer. Hinter den Angehörigen folgten die Fahnen der SA., Dr. Goebbels, Graf Helldorf, die SA.-For* mationen Berlin und Brandenburg und der Stahlhelm unter Führung von Major v. Stephani. Im Lustgarten standen rund 300 000 Menschen. In allen Straßen, durch die der Trauerzug seinen Weg nahm, harrte ein dichtes Spalier von Menschen stundenlang trotz des Regens. Auf dem Invaliden-Friedhof sprach am Grabe des SA.-Mannes, der neben dem Kampfflieger Freiherrn von Richthofen seinen letzten Ruheplatz fand, Dr. Goebbels, der die Opferbereitschaft des Sturmführers hervorhob. Für Reichskanzler Hitler legte Graf He11dorf einen Kranz nieder. Minister ® Gering betonte, hätte die nationalsozialistische Bewegung nicht solche Sturmführer gehabt wie Maikowski, bann wäre sie jetzt am Ende ihrer Kraft. Mit Hilfe solcher Menschen, voll von Aufopferung und Treue, hoffe er, daß das Vaterland wieder auf die alte Höhe gebracht werden konnte. Der Sarg des Polizei» beamten wurde in die schlesische Heimat des Verstorbenen überführt. DaspreußischeSlaaismiliisterium ausgeschaltet. Der Reichskommissar erhält die Befugnisse des Preußischen Staatsministeriums. B e r l i n, 6. Febr. (WIB. Funkspruch.) Es wird eine „Verordnung zur Herstellung geordneter Regierungsverhältnisse in Preußen" veröffentlicht, deren wichtigster Artikel lautet: Durch das Verhalten des Landes Preußen gegenüber dem Urteil des Staatsgerichlshofes für das Deutsche Reich vom 25- Oktober 1932 ist eine Verwirrung im Staatslebeu eingetreten, die das Staats- (eben gefährdet. Ich übertrage deshalb bis auf weiteres dem Reichskommissar für das Land Preußen und seinen Beauftragten die Befugnisse, die nach dem erwähnten Urteil dem preußischen Staatsministerium und seinen Mitgliedern zustehen. Der Reichspräsident, gez. von Hindenburg. Für den Reichskanzler: gez. v. Popen, Stellvertreter des Reichskanzlers. Hugenbergs Wirtschaftspolitik Wiederherstellung des Vertrauens im Interesse von Gläubiger und Schuldner. Berlin, 6. Febr. (ERB. Funkspruch.) Einem Mitarbeiter des „Lokalanzeigers" erklärte Reichs» Minister Dr. hu gen berg u. a.: Ich bitte davon auszugeben, daß alles falsch ist, was in diesen Tagen über wirtschaftspolitische 21b» sichten geschrieben wird, wenn es nicht von mir kommt. Insbesondere bin ich mir darüber klar, daß es eine Börse gibt und daß es nicht die Aufgabe des Wirtfchaftsministers sein kann, zu spekulativen Mitteln Anlaß zu geben. Mir scheint sogar, daß diejenigen schlecht beraten sind. Die jetzt auf unseren Rentenmarkt drücken. Zwangseingriffe in die bestehenden Zinsoe^einbarungen, wie sie die Dezemberverordnung des Kabinetts Brüning empfiehlt, entsprechen meinen wirtschaftspolitischen Auffassungen ebenso wenig, wie sonstiges herumpfuschen des Staates an Dingen, die sich organisch aus sich selbst entwickeln können. Damit vertrete ich natürlich nicht die Theorie vom Staate als Nachtwächter. Daß Staat und Wirtschaft an einer organischen Senkung des übermäßig hohen Zinsfußes gleichmäßig interessiert sind, bedarf keines Wortes. Auch für die Gläubiger ist die so oft bedrohte Sicherheit des Sparkapitals wichtiger als die höhe des durch die oraanische Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse bedingten Zinsfußes. Darum gibt es in Wahrheit keinen Gegensatz zwischen Schuldner und Gläubiger. Ihr gemeinsames Interesse besteht in der Wiederher st ellung der Sicherheit, d. h. des Vertrauens. Wie und wo im einzelnen die brennenden Fragen anzufassen sind, möchte ich mit derjenigen Ruhe entscheiden, die man auch in unruhigen Zeiten nicht verlieren soll. Zu übereilten Experimenten ist die Zeit ebensowenig angetan, wie zur Passivität. Der Kranz der „Sydney" für die Helden der Wen. Feier in Wilhelmshaven. Wilhelmshaven, 5. Febr. (ERB.) Am Sonntagmittag erfolgte in der evangelischen Standortkirche, der Elisabeth-Kirche, die feierliche Diederlegung des von der früheren Besatzung des australischen Kreuzers „Sydney" für die erste „Emden" gestifteten und von Australien nach Deutschland übergeführten Kranzes. Zu der Feier waren Abordnungen aller Marineteile mit dem Chef der Marinestation der Nordsee. Admiral F ö r st e r. und dem Befehlshaber der Linienschiffe, Commodore Bastian, erschienen. Der mächtige, glasklare Block von Eis. in dem sich der Kranz befindet, war vor dem Altar ausgestellt. Deutlich sah man den frifchgrünen Lor- oeerkranz mit blutroten Blüten und die alte Kriegsflagge davor ausgebreitet. Eine Rettungsboje des Kreuzers „Emden", an den Eisblock gelehnt, deutete auf die Derbindung der jetzigen Reichsmarine mit der Bergangenheit hin. An einem Flaggenstock war die alte Kriegsflagge halbmast gesetzt. Rach einem Musikvortrag der Kapelle der II. Marine-Artillerie-Abteilung und dem gemeinsamen Gesang „Harre meine Seele" begann Marinestationspfarrer Ronneberger seine Ansprache. Wenn jetzt in dieser Feierstunde, so führte er aus. unsere Blicke auf den Lorbeerkranz fallen, der dort umschlossen ist vom kristallenen Eis und der nach langer Fahrt von Australiens Küste, aus Australiens Hauptstadt von ehemaligen Desatzungsangehörigen des australischen Kreuzers „Sydney" gesandt, zu uns gekommen ist. dann sehen wir die Worte geschrieben: Sag' nicht, daß Helden sterben. Hm ihrer Taten willen haben die ehemaligen Gegner dieses äußere Zeichen ihres Erinnerns von Australien nach Deutschland geschickt. Mit dem Lied „Ich hatt' einen Kameraden" und gemeinsamem Gesang schloß die Gedenkfeier. Keine Klärung für Daladier. P a r i s. 4. Febr. (CRB.-Funkspruch.) Das Debüt des Ministeriums Daladier hat sich ohne besonderes Interesse vollzogen. Die S o z i a l i st e n deren Unterstützung für die Lebensfähigkeit der neuen Regierung erforderlich ist, haben sich nicht ohne Zögern erst im Laufe des Abends dazu bereit erklärt, die gleiche Haltung einzunehmen, wie sie seit dem Monat Juli vorigen Jahres festzustellen war. Eine Bindung jedoch sind die Sozialisten nicht eingegangen und so kann man wohl sagen, daß Ministerpräsident Daladier sich die Stimmen der Sozialisten von Fall zu Fall neu verdienen muß. Hinzu kommt, daß der jetzige Fraktionsvorsitzende der Radikalen Edouard Herriot, gegen Ende der Debatte sich höchst seltsam über die Regierungsmehrheit geäußert hat. Er sprach nämlich von einer demokratischen Mehrheit, die soweit wie irgend möglich gehen solle, was dahingedeutet wurde, daß Herriot sich dem Gedanken der Konzentration genähert habe und daß er andeuten wolle, was er als der Führer der Radikalen au begünstigen gedenke. Die Sozialisten haben deshalb nach Schluß der Rede Herriots keine Hand gerührt und unter eisigem Schweigen der Linken mußte Herriot die Rednertribüne verlassen. Daladier wird erst am Dienstag sein Finanzsanierungsprogramm der Kammer unterbreiten, dann wird sich auch möglicherweise die Situation für ihn klären. Das gestrige Debüt hat jedenfalls nichts geklärt. Die innenpolitische Lage in Frankreich bleibt nach wie vor abhängig von der Lösung der Finanzreform, für die das ANeinmittel auch nach den gestrigen Erklärungen Daladiers noch nicht gefunden zu sein scheint. Kleine politische Nachrichten. Vizekanzler v. P a p e n hatte eine Unterredung mit dem Vorsitzenden Der Bayerischen Dolkspar- tei, Staatsrat Schäffer, der Erkundigungen über die Absichten eingezogen hat, die die Reichsregierung in verfassungsrechtlicher Hinsicht habe. In der Presse wird behauptet, die Reichsregierung erwäge die Einsetzung von Reichskommissaren in Ländern mit ge- fchäftsführenden Regierungen. Von der Reichsregierung wird Wert darauf gelegt, festzustellen, daß die Einsetzung derartiger Reichskommissare nicht beabsichtigt sei. * Englische Blätter haben über angebliche Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Reichskabinetts in bezug auf eine Heimkehr des Kaisers nach Deutschland berichtet. 11. a. soll Reichskanzler Hitler dem von Hugenberg vorgeschlagenen Plan einer Wiedereinsetzung des Kaisers zugestimmt haben. Alle diese Meldungen werden von amtlicher Seite als grober Unfug bezeichnet. * Amtlich wird unter Hinweis auf das Verbot der thüringischen Regierung, Rathäuser mit roten Fahnen zu beflaggen, mitgeteilt, daß in $) e f - s e n grundsätzlich keine Parteifahnen auf Rathäusern gehißt werden dürfen. Wo dies dennoch erfolgt, sind die Kreisämter zum Einschreiten aufaefordert worden, und zwar gegen jegliche Parteibeflaggung. Die thüringische Regierung hat eine Anordnung erlassen, nach der es unzulässig ist, daß die fom- monistischen Vertreter in den Gemeindeparlamenten den Kommunalverwaltungs- a u s s ch ü s s e n angehören. * Die Hagener Polizei hat eine von der Kommunistischen Partei unterhaltene geheime Vervielfältig gungs- und Verbreitungszentrale für illegale Zersetzungsschriften hochverräterischen Inhalts ausgehoben, die seit langem eine wohlorganisierte umstürzlerische Propaganda in ganz Südwestfalen betrieb' Der Polizei ist wichtiges Schriftenmaterial in großem Umfange in die Hände gefallen. Die Rädelsführer wurden verhaftet. Reichsminister Göring übernimmt die Leitung der Lustfahrt. Berlin, 4. Febr. (TU.) Im Reichsverkehrsministerium übergab Reichsverkehrsminister Freiherr v. Elh - Rübenach dem Reichsminister Göring als Reichskommissar für die Luftfahrt die Luftfahrtabteilung des RDM. Der verstorbene Reichsverkehrsminister Oeser habe das Verdienst, damals in Ministerialdirektor D.-Ing. Brandenburg einen Mann an die Spitze der Luftfahrt berufen zu haben, der trotz schwerster Kriegsverletzung berufen gewesen sei, mit seiner flammenden Begeisterung die deutsche Luftfahrt einem Hellen Morgen entgegenzusteuern. Reben der Tüchtigkeit und Aufopferung der deutschen Luftfahrer, neben dem Genie, dem Erfindungsgeist der deutschen Ingenieure und der erfolgreichen Forschung der deutschen Wissenschaft sei alles, was auf dem Gebiete der deutschen Luftfahrt die Anerkennung der deutschen Welt gefunden habe, das Verdienst von Ministerialdirektor Brandenburg und seiner Mitarbeiter, denen der Minister den Dank der Reichsregierung aussprach. Frhr. v. Eltz begrüßte Minister Göring als einen der hervorragendsten und ruhmreichsten Kampfflieger im Weltkriege und als unermüdlichen Vertreter des Luftfahrtgedankens im Frieden. Seine Person biete die sicherste Gewähr dafür. daß der Aufstieg der deutschen Luftfahrt sich nunmehr durch scharfe Zusammenfassung aller Kräfte im gesteigerten Tempo fortsehen und uns schließlich auf dem Boden der Gleichberechtigung die seit vierzehn Iahren entbehrte Sicherheit zur Luft geben werde. Reichsminister Goring erllärte: Mit Ministerialdirektor Brandenburg fühle er sich durch die tiefe heilige Kameradschaft aus dem gemeinsamen Fronterlebnis eng verbunden. Stets habe er Brandenburgs Leistungen im Krieg und Frieden in verehrungsvoller Bewunderung verfolgt. Bei aller Größe seiner Leistunge>n im Kriege verdienten vielleicht seine Bemühungen um die Rettung der deutschen Luftfahrt in der Friedenszeit noch höhere Anerkennung. Ministerialdirektor Brandenburg sei er mit dem ganzen deutschen Volke dankbar, daß er in Genf die nationale Würde beim Ringen um die Freiheit mit Rachdruck vertreten habe. Deshalb habe er ihn auch gebeten, diese große Aufgabe fortzuführen, die ebenso wichtig sei, wie die Aufbauaufgabe im Innern. Für letztere habe er sich in Direktor Milch, seinem alten Kriegskameraden, einen Mann aus der praktischen Arbeit des Luftverkehrs herangezogen, um so die beiden besten Faktoren in den Dienst der deutschen Luftfahrt zu stellen, die vorwärts zu treiben er als heiligstes Vermächtnis empfinde. Er hoffe, daß der Gedanke der Luftfahrt tief in das Volk eindringe und damit dazu beitrage, den hehren Gedanken der Volksgemeinschaft zu fördern. In der deutschen Jugend müsse der Geist Richthofens, Boelckes und Jmmelmanns tief verwurzelt fein. Sein Kampf um die Freiheit und Entwicklung der Luftfahrt sei eine Ehrenfrage unseres Vaterlandes, damit wir auch auf diesem Gebiete gleichberechtigt in den Reihen der Kulturvölker dastehen. Aus der Provinzialhauptstadt. Weltflieger von Gronau in Gießen, t Auf Einladung der Stadt und der Universität Gießen, der Provinzialdirektion und des Kreis- I amtes, sowie des Oberhessischen Automobilklubs | und des Vereins für Luftfahrt sprach der bekannte deutsche Weltflieger von Gronau gestern abend im Stadttheater über seine Erlebnisse bei seinem großen Fluge um die Welt. Die in ihrer Art für Gießen seltene Vorträgsveranstaltung hatte starkes Interesse in der Bürgerschaft ausgelöst, so daß das Theater gut besucht war; immerhin hätte die Beteiligung unserer Mitbürger noch stärker sein können, denn der aufschlußreiche Vortrag hätte ein ausverkauftes Haus verdient. Bürgermeister Dr. Hamm als Dezernent des Stadttheaters und der Gießener Verkehrsverwaltung entbot dem prominenten Gast in herzlichen Worten den Willkommengruh unserer Stadt und versicherte, daß Gießen diesen Besuch als eine Auszeichnung empfinde. Dem Gast gab er weiterhin die Gewißheit, daß die Fliegerei in unserer Stadt eine gute Pflege und Förderung genießt, um dadurch beizutragen zur Wiedererringnng der angesehenen deutschen Stellung in der Luftfahrt, die unser Vaterland vor dem Kriege bereits besaß. Herr von Gronau, von starkem und langanhaltendem Beifall empfangen, der ihm die herzliche Freude der Zuhörer über seinen Besuch Überzeugend zunv Ausdruck brachte, sprach zunächst über die grundlegenden Erwägungen, die für den großen Weltflug ausschlaggebend waren und die zum Ziel hatten, noch einmal die im Jahre 1930 bereits beflogene nördliche Route nach Amerika über Island und Grönland zu erproben, dann aber die weitere Strecke über den amerikanischen Kontinent, den Stillen Ozean, Ostasien und den Orient zurück nach Europa zu ermitteln und dabei festzustellen, unter welchen Bedingungen auf dieser Strecke eine gedeihliche Verkehrsfliegerei entwickelt werden kann. Es handelte sich also bei dem Weltflug nicht um ein flugsportliches llnternehmen, sondern um eine auf wissenschaftlicher Grundlage aufgebaute und weit in die Zukunft hineinragende Aktion, die mit Recht als Pwniertat ersten Ranges bewertet wurde. Rach- dem Herr v. G r o n a u seine mit großer Spannung lauschende Zuhörerschaft noch mit den wichtigsten technischen Einzelheiten der Flugboot-Einrichtung vertraut und im Bilde die Bekanntschaft mit der Besatzung vermittelt hatte, schilderte er in außerordentlich fesselnder, oftmals von feinem Humor gewürzter Erzählung im Plauderton seinen epochemachenden Flug. Im Geiste begleitete man ihn und seine Gefährten vom Ausgangspunkt des Fluges (Insel Sylt) nach Island, dann über Sudgrönland hinweg nach Alaska, Kanada den amerikanischen Kontinent, weiter bei der lleberquerung des Stillen Ozeans über die Meuten nach Japan, dann über Südchina, die holländischen Besitzungen, Indien, Ceylon, den Golf von Bengalen, über den Irak und das Mittelmeer hinweg nach Griechenland und Italien bis Genua von hier über die Alpen «ach dem Bodensee dann das Rheintal hinunter zum Riederrhein, hierauf über die Ems und die Rordsee nach Warnemünde zurück. Eine gewaltige Fülle von 'Eindrücken der I verschiedensten Art und von großen Erkenntnissen in flugtechnischer, aber auch in wirtschaftlicher und politischer Beziehung, daneben ein reiches Maß landschaftlicher Schönheiten entrollten sich durch die Erzählung des Vortragenden und durch die Illustrierung an Hand vieler und guter Lichtbilder vor der sehr interessierten Zuhörerschaft. Es ist unmöglich, aus den reichen und vielseitigen Erlebnissen Gronaus und seiner Begleiter an dieser Stelle auch nur einen Auszug wiederzugeben, denn der Stoff ist zu gewaltig und die Leistungen und Erlebnisse sind samt und sonders so hervorragend, daß man schlechthin keine Auslese vornehmen kann, wenn man nicht der Gesamtleistung schaden will. Beherrschend war wohl für jeden Besucher dieses denkwürdigen Vortragserlebnisses der Eindruck, daß Herr von Gronau und seine Gefährten dem deutschen 21 amen und der deutschen Sache durch diesen Weltflug einen ganz Hervorragenden Dienst erwiesen haben, der ihnen berechtigten Anspruch auf den Dank und die Anerkennung der ganzen Ration verleiht. Aus dieser Auffassung heraus dürfte wohl auch der sehr starke und langandauernde Beifall, der dem Vortragenden am Schlüsse seiner Erzählung für den unvergleichlichen Abend dankte, zu erklären sein. Wer diesen Vortrag besuchte, darf sich um den Besitz eines großen geistigen Erlebnisses reicher schätzen. Mit dankbarer Anerkennung sei aber auch der Veranstalter gedacht, die der Gießener Bürgerschaft diese denkwürdige Bekanntschaft mit einem der Besten unseres Volkes vermittelten. Forstmeister Graf Bernstorff f. In Angenrod bei Alsfeld, seinem Ruhesitz, verstarb als einer der Senioren der deutschen Jägerei der mecklenburgische Forstmeister i.R. Eberhard G r a f B e r n st o r f f. Ein Weidmann aus der alten strengen Schule der hirschgerechten Jäger ist mit ihm dahingegangen, dessen Name über die Grenzen des Reiches hinaus einen guten Klang besaß. Wenn heute noch eine der edelsten deutschen Hunderassen, der Hannoversche Schweißhund, des Rotwildjägers Weidgeselle ist, so wird man im Verein „Hirschmann" die hohen Verdienste des Verstorbenen daran nicht vergessen. Aber auch jeher wahre Gebrauchshunde' mann kennt den langjährigen ständigen Richter der großen Berliner Prüfungen für den in allen Sätteln des praktischen Jagdbetriebes gerechten deutschen (3e- brauchshund. Auch der Gebrauchshundebewegung in Hessen hat er durch seine Arbeit auf den Prüfungen des „Hubertus" in Gießen wertvolle Dienste geleistet. Daneben verdankt die Jagdwissenschaft ihm dadurch sehr viel, daß er die planmäßige und einheitliche Wildmarkierung ins Leben gerufen hat, eine Tat, die in ihrer Bedeutung gerade jetzt gewürdigt werden kann, weil praktische Ergebnisse in größerer Zahl zu Überblicken sind. „Den Vater der Wildmarken" hat ihn die Iägerwelt genannt, und der Allgemeine Deutsche Iagofchutzverein, der ihm und seiner Arbeit sehr viel verdankt, verlieh ihm seine höchsten Auszeichnungen. Freundlich und hilfsbereit, wo es gatt, gutes deutsches Weidwerk zu pflegen, scharf in Wort und Schrift, wenn es der Bekämpfung des Schie- ßertums und der Iagdschinderei galt, so steht der „alte Bernstorfs", wie ihn die oberhessischen Jäger voll Ehrfurcht nannten, vor dem Auge der deutschen Jägerei, wenn sie seinen Grabhügel mit grünen Brüchen schmückt. v Oer Kreis-Obst- und Garienbauverein Gießen im Zahre 1932. Der Kreis-, Obst- und Gartenbauverein Gießen hielt am Samstag im Ka- tholischen Vereinshaus seine diesjährige Jahreshauptversammlung ab. Der stellvertretende Vorsitzende, Gartenbauinspektor Rehnelt -Gießen, gedachte des im Laufe des Jahres nach Alzey versetzten 1. Vorsitzenden, Kreisdirektor Wolf, und hob dessen Verdienste um die Führung des Vereins hervor. Er schlug sodann die Wahl von Regierungsrat Dr. Krüger vom Kreisamt Gießen Aum neuen Vorsitzenden vor. Einstimmig wurde der Vorschlag angenommen. Degierungsrat Dr. Krüger versprach, alles zu tun, was in seinen Kräften stände, um die von seinem CBorgänger geschaffene Aufwärtsentwicklung des Vereins weiter zu fördern. Auf Beschluß des Vorstandes wurde Kreisdirektor Wolf einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Landwirt Wolf- Düdelsheim überbrachte die Grüße des Landwirtschaftskammer- Ausschusses für die Provinz Oberhessen. Die Rechnungsablage durch P. Happel- Gießen ergab bei 2042,12 Mk. Einnahme und 1418,27 Mk. Ausgabe einen Heberschuß von 623,84 Mk., der teilweise zinstragend angelegt wurde. Dem Rechner wurde für seine einwandfreie Arbeit der Dank des Vereins ausgesprochen und ihm Entlastung erteilt. Der Voranschlag für 1933 ist mit 2050 Mk. ausgeglichen. Der größte Teil der eingehenden Beiträge kommt wieder den 40 Ortsvereinen zugute. Für die Weiterbildung der Baumwärter wurde eine Summe von 250 Mark vorgesehen. Erstmalig wurden sechs Vereine mit Prämien bedacht, deren Daumpflege als mustergültig bezeichnet wurde. Es sind dies Bellersheim, Wieseck, Holzheim, Dettenhausen, Grün berg und Saubringen. Anschließend erstattete Obstbauinspektor Enk - Ier (Gießen) den Rechenschaftsbericht. Er teilte u. a. mit, daß im Kreise Gießen im Jahre 1932 3812 Bäume mit 36168 Pfropfköpfen veredelt worden feien, und zwar in der Hauptsache mit den Standardsorten. Rund 6500 Pfropfreiser wurden seitens des Landwirtschaftskammer-Ausschusses Gießen zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse der an verschiedenen Stellen mit verschiedenen Pflanzenschutzmitteln durchgeführten Spritzversuche waren teilweise sehr befriedigend. Heber 41 800 Obstbäume wurden einer planmäßigen Winterspritzung mit Obstbaumkarbolineum unterworfen. Reben 29 Vorträgen und 26 Ge- markungsrundgängen wurde noch ein Pfropf- und Schnittkursus abgehalten. In der Zusammensetzung des Vorstandes gab es einige Aenderungen. Für den zurückgetretenen, 20 Jahre dem Vorstände angehörenden Rektor • Bender (Watzenborn-Steinberg) wurde Bürgermeister Schäfer (Watzenborn-Steinberg) gewählt. Ferner wurde der Vorstand um zwei weitere Beisitzer, Bürgermeister Lang (Grohen- Linden) und Bürgermeister Metzger (Röthges), erweitert. Im Mittelpunkt der Versammlung stand ein Vortrag von Obstbau-Oberinspektor Mazarin- Worms über: Wie erzielen wir in Oberhessen Qualitätsobst?" Der Redner wies auf Grund feiner jahrzehntelangen Erfahrungen auf die Rotwendigkeit verbesserter Baumpflege und besonders der Düngung hin und forderte die Anpflanzung von Hochbüschen, sowie ein besseres Sortieren und Verpacken des Obstes und den Anbau der in die Augen fallenden Sorten. Reicher Beifall lohnte seine Ausführungen. Eine Verlosung von Obstbäumen, Beerensträuchern, Rosen, Sämereien und Risthöhlen beschloß die anregend verlaufene Tagung. Am Vormittag fand eine Versammlung der „Arbeitsgemeinschaft derBaumwär- ter des Kreises Gießen" statt, die sich unter Leitung von Baumwart W. Kopf I. - Bellersheim mit Fachfragen beschäftigte und bei der Obstbauinspektor Metternich-Büdingen. Obstbauinspektor E n k l e r-Gießen und Baum- Wart Weisel- Muschenheim Vorträge aus dem Gebiete des Obstbaues hielten. Daten für Montag, 6. Februar. 1846: der oberbayrische Maler Karl Haider in München geboren; — 1860: der Dichter und Philosoph Bruno Wille in Magdeburg geboren; — 1864: der Dichter Henry Mackay in Greenrock geboren; — 1866: der Geograph Karl Sapper in Wittislingen geboren; — 1919: Eröffnung der Deutschen Nationalversammlung in Weimar; — 1922: Kardinal Ratti wird Papst (Pius XL). Vornotizen. — Tageskalender für Montag. Stadt- theater: 20 bis 23 Uhr: „Die endlose Straße". — Allgemeiner Deutscher Frauenverein, Turmhaus am Brandplatz: 11 bis 13, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung der Arbeiten des Freiwilligen weiblichen Arbeitsdienstes. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die luftigen Weiber von Wien". — Wiesecker Lichtspiele: 20.30 Uhr, „Der Geheimagent". ** Vom Stadttheaterbureau werden wir gebeten, darauf hinzuweisen, daß „Das Drei- mäderlhaus" nicht als 17. Vorstellung im Mittwoch- Abonnement, sondern als 17. Vorstellung im Dienstag- Abonnement gegeben wird. In der Vornotiz des Stadttheaterbureaus in der heutigen Frühausgabe war ein Fehler unterlaufen. ** Außerordentliche Generalversammlung des Gleiberg-V er eins. Der Vorstand des Gleiberg-Vereins hatte auf Samstag nachmittag eine außerordentliche Generalversammlung einberufen, die unter starker Teilnahme der Mitglieder (viele waren auch aus Krofdorf erschienen) im Saale des „Aquariums" stattfand. Der einzige Punkt der Tagesordnung betraf die Reuverpachtung der Gleiberg-Bewirtschaftung. Der Vereins-Vorsitzende, Provinzialdirektor G r a e f, gab bekannt, daß sich der Vorstand nach eingehender Beratung in sechs Sitzungen entschlossen habe, eine Reuverpachtung der Gleiberg-Bewirtschaftung in die Wege zu leiten. In Einzelheiten begründete er diese Rotwendigkeit und gab der Versammlung von einem inzwischen vorbereiteten Vertrag Kenntnis, der mit einer hiesigen Drauereifirrna abgeschlossen werden solle und bei neuzeitlicher bzw. zeitgemäßer Bewirtschaftung der Burg dem Verein statt der bisherigen 800 Mark eine Pachtsumme von 1500 Mark einbringe. In der eingehenden Aussprache erklärten sich die meisten Redner für die Belassung des bisherigen Pächters. Die Versammlung ergab, daß eine Einigung zwischen den Mitglie- bern und den Absichten deS Vorstandes nicht her- beizuführen war. Der Vorstand zog sich daher nach Abschluß der Aussprache zurück, um über feine Stellungnahme zu beraten. Aach kurzer Zeit verkündete Provinzialdirektor Graes den Be- schluh des Vorstandes: .Der Vorstand glaubt, die Verantwortung für die Bewirtschaftung des Glei- berges in der bisherigen Form und für die Möglichkeit der Erfüllung der Aufgaben des Gleiberg- Vereins um die Erhaltung der Burg nicht übernehmen zu können und tritt deshalb geschlossen von seinen Aemtern zurück." Landrat Miß (Wehlar, teilte mit, daß er als Vertreter der preußischen Aufsichtsbehörde demnächst eine neue Generalversammlung einberufen werde, die sich mit der Reuwahl des Vorstandes zu befassen habe. ** Verhängnisvoller Sturz von der Treppe. Heute gegen 13 Uhr stürzte der 54jährige Hausverwalter Heinrich E r n st, wohnhaft Licher Straße 75, im Hause einer hiesigen Firma so unglücklich von der Treppe, daß er bewußtlos liegen blieb. Durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz wurde der bedauernswerte Mann nach der Chirurgischen Klinik gebracht. ** Das Fundsachen-Berzeichnis. Das Polizeiamt teilt mit: Das Verzeichnis über die im Monat Januar gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur des Polizeiamts, Landgraf-Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefoc- dert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbureau während der Dienststunden geltend zu machen. Stenograpbieunterricht fällt aus! Die 1. Reichskurzschriftgesellschaft und der Kurzschristverein „Gabelsberger" machen im heutigen An- zeigenteil darauf aufmerksam, daß der Unterricht für Anfänger und fortgeschrittene Stenographen mit Rücksicht aus die Schulschließungen in dieser Woche ausfallen muß. Der Unterricht beginnt erst wieder am 13. Februar. Auf die Anzeigen sei hingewiesen. ♦* Einbruch. In der letzten Rächt wurde in dem Uhrmachergeschäft von Beyer in der Bahn- Hofstraße ein Einbruch verübt. Was dem Täter, der in der Hauptsache die Reparaturwerkstatt aufsuchte, dabei in die Hände gefallen ist, steht bis jetzt noch nicht endgültig fest. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Trauer im Licher Fürstenhaus. — Lich, 5. Febr. Das Schloß hat heute a u f Halbmast geflaggt. Prinzessin Marie zu S o l m s - H o h e n s o l m s - L i ch , die am 19. Februar d. 3. ihr 96. Lebensjahr hatte vollenden können, ist nach kurzem Krankenlager heute früh gestorben. Die Entschlafene, eine Tante der Großherzogin Eleonore von Hessen und des derzeitigen Fürsten Reinhardt zu Solms-Hohensolms-Lich, erfreute sich bis in die letzten Lebenstage einer seltenen geistigen Frische. Sie war eine Philanthropin im wahrsten Sinne des Wortes. 3hr segensreiches, stilles Wirken auf dem Gebiete der Wohlfahrts- und Armenpflege brachte ihr dankbare Verehrung in allen Bevölkerungskreisen der Stadt und des Solmser Landes. Prinzessin M a - r i e war der älteste Einwohner unserer Stadt. Interessanter Münzenfund in Ober-Gleen. • Ober-Gleen, 5. Febr. Der Landwirt Oohannes H a s e n f l u g , der gegenwärtig ein neues Wohnhaus bauen läßt, stieß bei den Abbrucharbeiten des alten Hauses auf einen wertvollen Münzenfund. Ein Kästchen, etwas größer als ein Zigarrenkistchen, das über der Haustüre in einem besonderen, aus Lehm gefertigten Gefach eingemauert war, wurde vor- gefunden und enthielt Münzen, die wahrscheinlich aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammen. Insbesondere handelt es sich um Kronentaler in der Gröhe unserer gegenwärtigen Fünfmarkstücke. Die Geldstücke sind aus reinem Silber geprägt. Wirtschaft. Berlin nach schwachem Beginn erholt. Berlin, 6. Febr. (WTB. Funkspruch.) Zum Wochenbeginn war die Tendenz wieder als s ch w ä - ch e r zu bezeichnen. Zwar bat das Angebot im Vergleich zu den Vortagen wesentlich nachgelassen, doch genügte das nur in geringem Umfang herauskommende Material, um bei der allgemeinen Zurückhaltung Kursrückgänge von XA bis 1 v. H., bei einigen Spezialpapieren, unter Führung von Tarifwerten, sogar bis zu 2% v.H. herbeizuführen. Man konnte aber doch eine etwas beruhigtere Stimmung feststellen, da man hofft, daß die Reichsregierung noch heute die erwartete Erklärung zu der Z i n s f r a g e veröffentlichen wird, wodurch natürlich ein Unftcherheitsmoment von der Börse genommen werden dürfte. Auch am Rentenmarkt hat das Angebot in Erwartung dieser Erklärung nachgelassen. An einigen Märkten lagen niedrigst limitierte Kauforders vor, durch die sich die davon betroffenen Werte etwas befestigen konnten. So zogen Siemens in Erwartung der Bilanz um % v. H. an, Gelsenkirchen, Harpener, Rheinstahl, verschiedene Braunkohlenpapiere, Berliner Maschinen und Schiffahrtswerte besserten sich um Bruchteile eines Prozentes, während Tietz VA o. H. und AG. für Verkehrswesen VA v.H. gewannen. Den stärksten Rückgang hatten heute Salzdetfurth aufzuweisen, die um 4$ o. H. zurückgingen. Anregungen aus der Wirtschaft lagen im allgemeinen nicht vor. Der Rückgang des Ruhrkohlenabsatzes im Januar blieb ebenso wie der unregelmäßige Verlauf der Reuyorker Samstagbörse ohne stärkeren Eindruck. Mit Befriedigung nahm man die Mitteilungen über die Finanzierung des 500-Mil- lionen-Planes zur Arbeitsbeschaffung zur Kenntnis. Felten waren angeboten, da man für das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem wenig befriedigenden Ergebnis rechnet. Ziemlich schwach lag die Altbesitzanleihe, die um 1,60 v. H. zurückging, während Nepbesitzanleihe nur einen geringen Verlust aufwies. Im Verlaufe wurde es allgemein freundlicher. Die Kurse konnten sich allgemein kräftig befestigen, es wurden Deckungen und Rückkäufe vorgenommen, und man konnte daher Besserungen bis zu 1 v. H. feststellen. Siemens befestigten sich sogar um weitere 3% v. H., auch Reichsbank holten einen Verlust von über 1 v. H. im Verlaufe wieder auf. Die Erleichterung am Geldmarkt machte weitere Fortschritte, doch blieben die Sätze unverändert, d. h. Tagesgeld 4% bzw. 4A o. H. an der unteren Grenze. Nach Privatdiskonten, Reichswechseln per 3 Monate und Reichsschatzanweisungen per 16. August hielt die Nachfrage unvermindert an. Frankfurt unsicher. Frankfurt a. M., 6. Februar. (WTB. Drahtmeldung.) Die Börse eröffnete auch zu Beginn der neuen Woche infolge der innerpolitischen Lage i n starker Zurückhaltung. Wegen der weiteren Ziele und Absichten der Regierung herrschte weiterhin Unsicherheit, zu der auch die Zurückhaltung der Neichsregierung gegenüber den am Wochenschluß umlaufenden Gerüchten über ein Moratorium für die Landwirtschaft stark beitrug. Die ersten Notierungen zeigten bei sehr kleinem Geschäft auf Abgaben der Kulisse überwiegend noch Abschwächungen von 0,50 bis 1 v. H. Die Kundschaft, fehlte weiterhin noch fast vollkommen. Am Rentenmarkt war die Stimmung eher noch etwas schwächer, wobei die noch nicht veröffentlichte Erklärung gegenüber Gerüchten einer Zinsversion verstimmte. Stärker abgeschwächt waren am Aktienmarkt erneut Reichsbankanteile, die 5,50 v. H. niedriger eröffneten, und Kali Salzdetfurth, die 6 v. H. verloren. Deutliche Rückgänge ergaben sich auch noch am Elektromarkt, an dem Bekula 3,50 v. H., Elektrische Liefe- rungen 2,33 v. H., Licht & Kraft und Schuckert bis zu 1,50 v. H. verloren. AEG. und Gesfürel gaben je 0,75 v. H. nach. IG. eröffneten mit 101,75 v. H. nur mäßig schwächer. Deutsche Erdöl gingen um 0,65 v. H. zurück. Don Montanwerten lagen Gelsenkirchen 1 v. H., Mannesmann und Rheinstahl je 0,50 v. H. niedriger, Stahlverein waren zu 31,75 v. H. unverändert. Don Nebenwerten büßten Deutsche Atlanten Telegraf 3 v.H. ein. Holzmann und Schiffahrtswerte gaben bis zu 0,50 v. H. nach. Nach den ersten Notierungen zeigten die Kurse verschiedentlich Erhöhungen bis zu 0,50 v. H. Deutsche Anleihen waren weiter abgeschwächt. Altbesitz verloren 0,50 v. H., Neubesitz 0,30 v. H., wogegen späte Reichsschuldbuchforderungen mit 70,25 v. H. kaum verändert waren. Von variabel gehandelten Jnduftrieobligationen gingen Reichsbahnvorzugsaktien um 1,25 v. H. und Stahloereinbonds um 0,65 o. H. zurück. Von Auslandrenten lagen Anatolier und Zolltürken etwas höher, während 4-o.H.-Einheitsrumänen 0,13 v.H. verloren. Am festverzinslichen Markt waren Goldpfandbriefe stärker angeboten und durchschnittlich bis zu 1 v. H., teilweise auch bis zu 1A v. H. schwächer. Liquidationspfandbriefe gaben XA bis XA, Kommunalobligationen % bis 1 v. H. nach. Auf den übrigen Marktgebieten war das Geschäft noch unentwickelt. Im Verlaufe waren die Aktienkurse meist weiter leicht erholt, die Stimmung blieb aber unsicher und das Geschäft außerordentlich klein. Am Geldmarkt setzte sich die Erleichterung fort, Tagesgeld stellte sich auf 3% v. H. Frankfurter Schlachtvichmarkt. Frankfurt a. M., 6. Februar. Auftrieb: 1233 Stück Rinder, 341 Ochsen, 95 Bullen, 412 Kühe, 305 Färsen, 627 Kälber, 103 Schafe, 3855 Schweine. — Ochsen: oollfleischige, jüngere 25 bis 28; ältere 22 bis 24; sonstige vollfleischige 19 bis 21. Bullen: jüngere, vollfleischige 24 cis 26; sonstige oollfleischige 20 bis 23. Kühe: jüngere, vollfleischige 21 bis 23; sonstige vollfleischige 18 bis 20; fleischige 15 bis 17; gering genährte 12 bis 14. Färsen: vollfleischige 27 bis 29; oollfleischige 24 bis 26; fleischige 20 bis 23. Kälber: beste Mast- und Saugkälber 30 bis 35; mittlere Mast- und Saugkälber 26 bis 30; geringe Kälber 21 bis 25. Schweine: oollfleischige Schweine, 240 bis 800 Pfd, 36 bis 38; vollfleischige, 200 bis 240 Pfd., 35 bis 38; oollfleischige, 160 bis 200 Pfd., 34 bis 37; fleischige, 120 bis 160 Pfd., 31 bis 36. — Marktverlauf: Rinder ruhig, geringer lieber- stand, Kälber und Schafe ruhig, geräumt; Schweine schleppend, ausverkauft. LLettervorausfage Die Störungstätigkeit im Rorden hat ihr Ende noch nicht erreicht. Der gestern über Schottland gelegene Wirbel ist ziemlich schnell östlich weitergewandert und die von Island her vordringende Kaltluft hat über 'den britischen Inseln Baro- meteranftieg hervorgerufen. Da aber im Raume zwischen Irland und Island ein neues Fallgebiet erschienen ist, wird die Kaltluftzufuhr wieder ab- geschnitten, älnser Wetter verbleibt somit unter dem Einfluß feucht-milder Luft, die mit dem Wei- terzug der neuen Störung vorgeschoben wird, so daß neben wechselhafter Bewölkung weiterhin zeitweise Riederschläge auftreten. Aussichten für Dienstag: Weiterhin mildes und wechselnd wolkiges Wetter mit Rieder- schlügen. Aussichten für Mittwoch: Fortdauer des ziemlich milden und wechselhaften Westwetters. Lufttemperaturen am 5. Februar: mittags 11 Grad Celsius, abends 9,2 Grad; am 6. Februar: morgens 9,2 Grad. Maximum 11,2 Grad, Minimum 8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 5. Februar: abends 0,2 Grad; am 6. Februar: morgens 0,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 2% Stunden. G. A.-Sport. Internationales Berliner Reitturnier. Drei Entscheidungen am Samstagabend. MH Oberleutnant Sa bla mit „Ublitf", auf dem er das .Kanonen-Jagdfpringen" des Berliner Reitturniers mit einer Serie schwierigster Hindernisse gewann. 3m Berliner internationalen Reitturnier fiel am Samstagabend die Entscheidung im Trost- springen. Der alte Schimmel Tommy unter seinem Besitzer I. Pasch und Edelfräulein unter Rittmeister Gleininger blieben als einzige fehlerlos. In der Amazonen-Prüfung teilten sich Gudrun (Frau Fischer) und Bulgarenfürst (Baronin v. Eich sied t) in den Sieg, während Teut in der Vielseitigkeits-Prüfung um den Amateur- Preis das bessere Ende für sich behielt. • Den Höhepunkt des Turniers bildete der „Preis der Rationen" am Sonntagnachmittag, zu dem Deutschland, Irland und die Tschechoslowakei antraten. Die einzelnen Reiter hatten einen ziemlich schwierigen Kurs je zweimal zurückzulegen, wobei für das Gesamtklassement die drei Besten jedes Landes gewertet wurden. Der Held des Tages war Oblt. M o m m auf Baccarat, der den Parcours beide Male fehlerlos beendete. Im Gesamtergebnis tarnen die deutschen Retter auf 24, die Iren auf 28*/2 und die Tschechen auf 4872 Fehler. Wiederum haben die deutschen Reiter mit diesem Siege bewiesen, daß sie zur Zett als die besten der Welt anzusprechen sind. Brausender Jubel dankte den deutschen Reitern, als am Siegesmast die deutsche Flagge erschien. ^Attacke gegen Schaufensterscheiben. * Friedberg, 5. Febr. Im Verlaufe der letzten Rächt wurden an dem hiesigen Kaufhaus Geschwister Mayer wiederum drei große Schaufensterscheiben eingeschlagen, nachdem erst vor etwa vier Wochen fünf dieser Schaufenster und einige Wochen vorher deren drei zertrümmert worden waren. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 llhr. 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. । 111_____9 ■■■'. —— Nachruf. Die Beamten der Oberförsterei Krofdorf. 867 D 2 Gießen, km Februar 1933. 859 D |Verschiedenes| 865 A Kein Laden 857 D iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii) Else Gräfe, geb.Wigandt im Namen aller Hinterbliebenen. In der kurzen Zeit, die es ihm vergönnt war, die Oberförsterei Krofdorf zu verwalten, hat er sich die Wertschätzung und Verehrung seiner Untergebenen erworben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Ingenieur- XTföÄ 1 Schule Elg. Lehrwerkstätten Maschinenbau, ■■■ - Elektrotechnik, Uf fi I IH Ä f Automobilbau »» " ■ Oeffenlliche Aufforderung zur Abgabe von Steuererklärungen bei der Veranlagung für die 1932 endenden Steuerabschnitte. Die Steuererklärungen für die Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer sind in der Zeit vom 15. bis 28. Februar 1933 unter Benutzung der oorgeschriebenen Vordrucke abzugeben. Steuerpflichtige, die zur Abgabe einer Erklärung verpflichtet find, erhalten vom Finanzamt einen Vordruck zugesandt. Die durch das Einkommensteuergesetz, Körper- schaftssteuergesetz und Umsatzsteuergesetz begründete Berpflichtung, eine Steuererklärung abzugeben, auch wenn ein Vor- druck nicht übersandt worden ist, bleibt unberüht, erforderlichenfalls haben die Steuerpflichtigen Vordrucke vom Finanzamt anzufordern. 8580 Gießen, Grünberg, Hungen, den 3. Februar 1933. Dje Finanzämter. Statt Karten. Für alle Beweise liebevoller Teilnahme, die uns bei dem Heimgänge unseres Heben Entschlafenen Karl Wigan dt zuteil wurden, sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. Am 4. Februar 1933 entschlief nach kurzer, schwerer Krankheit der preußische Staatsobertörster Walter Schede 3000-5000 fflOIt als 1. Hvv. 8. 7,5% auf Einsam llienh. (Neubau) hier zu leiben gef. Schrim. Angeb. u. 0702 a. d. Gießener Anzeiger. !1!!H!2!!!!!I!!!!!!1!!hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Neue und gebrauchte Klaviere empfiehlt zu günstigen Zahlungsbedingungen Georg Ebert, Klaviermacher Gießen. Ludwigstr. 5 p, Teleph. 2403 200 Mk. zu hohen Zinsen gegen Sicherheit zu leihen gesucht. Schriftl. Angeb. u. 0754a. d. Gieß. Anz. Werbe-Drucksachen bei Brllhl, Schulstraße 7 SMWWWWW, OvemlsW MÜSMMWRWkll Oie Anmeldungen für das neue (Schuljahr werden Mittwoch, den s.Februar 1933, vormittags von io bis 1 Uhr im Direktor- zimmer der betteffendenAnstatt entgegengenommenLierbei sind Geburtsschein,lehter Impfschein u.Abgangszeugnis vorzulegen. Für die Aufnahme in die Sexta ist der vierjährige erfolgreiche Besuch der Grundschule erforderlich, doch können besonders leistungsfähige Schulkinder mit Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde auch schon nach dreijährigem Grundschulbesuch ausgenommen werden. 646D Mendorf Angelberger Nr. Kotter Or. Kalbfleisch Hühneraugen Warzen,Hornballen beseitigt restlos auch in den hartnäckigst Fällen totsicher unt Gar. innerh. 5-6 Tg. Bühneraugen-Rapid Erbältl. nur. Löwen- Drogerie W. Kilblnger Macht., Seitenweg 68. Illlllllllllllllllllllllllllllllllll Besondere Belegenheiten In Schreibmaschinen bei Niederhausen Seltersweg 17, l. Stock v. Kleiderhaus Köhler3MeD llllllllllllllllllllllllllllllllllll B ei Katarrh, Husten Asthma wirkt auch in veralteten Fällen der nuffalld. schleimlös. Kemni-Asthma-Tee. Zu haben in allen Apotheken, bestimmt Pelikan-Apotheke, Kreuzplatz. 861V Was ist „Sandblatt“? Die müdesten und reifsten Blätter an der Tabakpflanze sind die sogenannten Sandblätter. Ganz unten am Stock wachsend, sind dieselben gegen allzu grelle Sonne geschützt. Die vom Boden ausströmende Wärme fördert in besonderer Weise die Reife der Sandblätter. Der sandblattgedeckte ViUiger Mocca- Spezialzu lOPfg. ist in seinem Aroma mit einer herrlichen, reifen Frucht zu vergleichen. Villiger-Stumpen sind etwas Besonderes! Preislagen 8, 10 und 15 Pfg. Fabriklager Frankfurt a, M„ Br. Eschenheimer Str. 25, Tel. 25615. trat und ibea» ib cs Un- >gust. um sittlich . das ßas er Die n daS chnell 1 zur dort •rum» ' aus ; Zau- if ein war. vurde Man gegen । über des eifrig jenem ohlen Freu- r zur Schluß oschie- in. ul g e r i. Die ugenb- orben. a inne. >a 200 wirb, wachsen Haus Iburgs- ager eben« ’ig fin- nähen, n Ar- kochen, ’irlorge ,)zialen junge cri sich ichsten ch er- hiesige durch g mit r weit >inau8 werke, riefte um " er» 5, be» i Ver- 1 zum 5rt seit chnlal- « Ge- »Därr, der anges- id bäte für at hier leider . Zwei Man- ebenS- st o r - usen Hus- dessen b toei- Wet- ) nach Durch cdings über gebige )lichen n ab- Druck Ikigem n sich päter» ieder- 3 und roden, elsach 3 und mild, Grad irgens limum 0 cm März: 0 mm. I I MimWWWliMl Vornan von Gert Gothberg. (Llrheberschuh durch ^Ackermann, Romanzentrale Stuttgart.) 21 Fortsetzung. Nachdruck verboten. Lizza Dalmor fuhr auf, als habe man sie geschlagen. „Oh, eine Hohenbrück, eine echte Hohenbrück! Geizig, schmutzig, geizig und unerbittlich." Pia trat zum Fenster, blickte hinunter aus die Kinder, denen ihre Aufopferung ein Heim gab, und die Worte der fremden Frau prallten in ihr ab. Sie wandte sich ins Zimmer zurück. „Eine Frau muh wissen, was für Pflichten sie auf sich nimmt mit einer Ehe. Sie haben sich jederzeit über Pflicht und Sitte hinweggeseht, haben nicht gefragt, was für Folgen Ihre Schritte nach sich ziehen. Sie hatten nicht das Recht, nur Ihren eigenen Trieben zu folgert, zwei gute, anständige Männer unglücklich zu machen. Heute, wo das Alter kommt, den Weg zurückfinden, ist wahrlich kein Kunststück. Lind auch heute kommen Sie nur, um Geld zu holen! Wo sind denn heute die Menschen, um derentwillen Sie beide Male Mann und Kind verliehen? sie hätten doch wahrlich mehr Ursache, für Sie zu sorgen, als die Verlassenen, auf die Sie sich plötzlich besinnen, weil Sie in Hot sind." Eine seltsame Veränderung ging plötzlich mit der Artistin vor. Das Gesicht fiel ein, wurde alt, verfallen. Zwei grohe Tränen rannen über dieses veränderte Gesicht, wischten die Schminke fort. Lizza Dalmor sah lange auf das schlanke Mädchen, das jede Verwandtschaft mit ihr zurückwie« und — sie verachtete! Jawohl, verachtete! Lizza Dalmor schritt zur Tür. Von dorther sagte sie: „Ich kann nicht dafür, dah ich das ruhelose Blut meines Vaters, eines ungarischen Geigers, in den Adern habe. Mich treibt es fort, ich kann nicht im Zwang leben. Ich kann nun einmal nicht. Mir ist der Beifall der Menge alles. Du hast recht, kleine Hohenbrück, ich kam, weil ich das Alter nahen fühlte, aber ich werde wieder gehen. Es ist besser so. Vergih die fremde Frau, die ohne jedes Recht hier eindrang und noch Bezahlung dafür verlangte, dah sie deine Mutter einst verlieh." In Pia regte es sich jetzt doch wie Mitleid. Sie hob die Hand. Lizza schüttelte den dunklen Kopf. Langsam ging sie hinaus. Sie war in dieser Stunde eine alte Frau geworden. Flamette Lizza war alt — Widerwillig ging Ängsten in die Wohnung des Verwalters. Er hatte den Scheck bei sich und auch die schriftliche Vereinbarung auf Verdoppelung der monatlichen Rente für Lizza. Die Frau des Verwalters kam ihm entgegen. „Gnädiger Herr, wir konnten Ihre Bestellung, die Frau Dalmor nach ihrer Rückkehr sofort $u Ihnen zu schicken, nicht ausführen, die Dame ist gestern fortgegangen und bis jetzt nicht wiedergekommen. Es fehlt auch ein kleiner Koffer. Sonst ist alles noch da." Augsten mühte sich, ein gleichgültiges Gesicht zu machen. .Abgereist also! Ja, hatten Sie denn mit der Dame eine Meinungsverschiedenheit?" „Rein, nicht die geringste." „So, na dann muh ich wohl auf eine schriftliche Erklärung warten", sagte Augsten gleichgültig. Als er zurückging, dachte er: „Was für ein Umstand hat denn da wieder mitgesprochen?" Ihm war leichter zumute, als in den letzten Tagen, denn jetzt konnte er es sich ja eingestehen, er hatte die ganze Zeit geglaubt, dah Lizza irgend etwas anftellen werde, wodurch es ans Licht gebracht wurde, wer sie war. Rach einigen Tagen erhielt er ein paar Zeilen: „Du wirst Dich wundern, doch ich kann Dir nicht sagen, was mich forttreibt. Ich kehre nie wieder zurück. Ich will auch Dein Geld nicht. Du sollst es mir nicht noch bezahlen müssen, dah ich Dich einst vxrließ. Dich und die Kinder. Ich kenne keine Liebel Auch keine Sehnsucht. Klage die Ratur art, dah sie ein solches Wesen schaffen konnte. Ich weih jetzt, was ich wert bin, ein reines Geschöpf hat es mir gezeigt. Leb' wohl und vergiß mich? Lizza." Augsten senkte den Kopf. Ohne Geld? Wenn Lizza kein Geld mehr wollte, dann — brauchte sie nichts mehr! Vierzehntes Kapitel. Harrh von Achern saß seiner Frau gegenüber. Wochenlang war sie in der Klinik Lansings gewesen, ohne daß er ihr hatte helfen können. Gelb und verfallen sah ihr Gesicht aus. Lansing hatte ihm gesagt, dah Eoelgarde nicht mehr lange zu leben habe. Seit dieser Unterredung ging Achern nicht mehr viel aus. Er widmete sich seiner Frau, soviel er konnte, wenn auch jede Zärtlichkeit von seiner Seite unterblieb. Edelgarde aber wachte mit eifersüchtigen Augen auf jeden seiner Schritte. Die Rachbarn hatten schon. verschiedene Einladungen gesandt, doch Edelgarde fühlte sich viel zu schwach, um mitgehen zu können. Ging Harry dann allein, so klagte sie, dah man auf sie überhaupt keine Rücksicht nehme. Sie sei so viel allein. Ein paarmal hatte et im letzten Augenblick abgesagt, aber jedesmal ging das natürlich nicht. Achern las, feine braune, schlanke Hand lag auf dem Tisch. Edelgarde starrte darauf nieder. Ihr Herz zuckte. Plötzlich legte sie ihre kleine, durchsichtige Hand auf diese braune Männerhand. Er blickte auf. „Wolltest du mir etwas sagen?" fragte er. Sie sah vor sich nieder, dann hob sie mit raschem Entschluh den Kopf. „Warum kannst du mir noch immer nicht verzeihen, Harrh? Du verstellst dich, wenn du hier bei mir bist, dein Herz ist ja ganz wo anders. Lind ich liebe dich, Harrh, ich liebe dich doch!" Erschüttert sah er sie an. Diese Frau konnte ihm nichts mehr sein, das wußte er längst, und doch hoffte sie noch immer auf völlige Genesung. Er liebte sie nicht mehr, sie war ihm völlig gleichgültig geworden. Doch er war stets rücksichtsvoll und besorgt um sie. Sie hatte früher seine Liebe hingenommen wie etwas Selbstverständliches. Run, da sie diese verloren, kämpfte sie darum, und er wußte doch schon heute, dah er ihr nie mehr etwas geben konnte. „Es ist jetzt an der Zeit, dah auch wir ein Fest geben, Harry. Darf Ingeborg kommen und mir arrangieren helfen? Lind — wir laden auch Pia ein. Sie soll sich nicht so von uns zurückziehen. Man denkt gewih in der ganzen Rachbarschaft, dah ich Pia die Heimat genommen habe." Prüfend glitt sein Blick über sie hin. Er spürte irgendeine Hinterhältigkeit und wußte nicht gleich, was er entgegnen sollte. Wollte sie ihn und Pia vielleicht belauern? Das würde vergebliche Mühe sein. Pia ging ganz und gar in ihrem Beruf auf und hatte keinen Blick für ihn, den nicht jeder Dritte hätte bemerken können. Er hatte sie längere Zeit nicht mehr gesehen; es war auch gut so. Er schämte sich vor ihren reinen Augen, wenn er an das letzte halbe Jahr dachte. Aber es war doch schließlich das einzige getoefen, um das elende, verpfuschte Leben zu ertragen. Er liebte Pia noch immer, doch er wußte auch, dah sie ihm auf immer verloren war. Sie würde nicht nach Achern kommen, auch wenn hier das armselige Lebensflämmchen verlöschte, das seine Gesundheit selbst ruiniert hatte. Achern hatte schon manchmal mit dem Gedanken gespielt, seinen Stammsitz zu verkaufen und von hier fortzugehen, doch dann hielt ihn wieder die alte Gewohnheit hier fest. Man muhte eben sehen, mit dem Leben fertig zu werden. Ganz in Gedanken brannte er sich eine Zigarette an. Erst das leise Hüsteln seiner Frau brachte ihn in die Gegenwart zurück. Er warf die Zigarette weg. „Ich warte noch immer auf deine Antwort, Harry. Wollen wir das Fest geben? Lind wäre es dir recht, wenn ich es arrangiere? Mit Ingeborgs Hilfe? Du hast ja doch wenig dafür Zeit übrig, und mir macht es Freude." Er streichelte ihre Hand. „Ratürlich, Edel, warum soll es mir nicht recht sein? Mir ist alles recht, was dir Freude macht. Brauchst du Geld, dann laß es mich wissen. Scheue dich nicht. Ich möchte nicht, dah du deinen Vater um Geld bittest, ich werde dir alles geben, was du benötigst. Ich habe nur Sorge, daß du dich überanstrengt." Edelgarde lächelte ihn an. Es war das frühere, stets berückend wirkende Lächeln, doch heute verzerrte es nur das gelbe Gesicht. Ächern stand auf. „Ich muß noch einmal aufs Feld. Es ist sehr nett von Ingeborg, daß sie immer Zeit für dich hat, wenn du sie rufst." „Ach ja, die Kleine ist jetzt sehr lieb mit mir. Sie hat sich übrigens mit Kurt Brenden verlobt." Ein spöttisches Lächeln zuckte um seinen Mund. „Lind dieses wichtige Ereignis erfahre ich erst jetzt von dir?" fragte er. „Hast du etwas gegen Brenden?" Er sah sie erstaunt an. Dann sagte er: „Rein, wie kommst du darauf? Ich meinte Verlobungen im allgemeinen. Aber manchmal kann es ja auch wirklich ein Glück bedeuten." Es zuckte um Cdelgardes Mund. Wie oft hatte sie sich in letzter Zeit vor ihm gebemütigt, hatte ihm gesagt, daß sie ihn liebe! Und er? Stets war er darüber hinweggegangen. Hatte gesagt: „Kind, wenn du 'erft wieder gesund bist, soll alles anders werden." Auch heute küßte er sie flüchtig zum Abschied und ging dann schnell hinaus. Edelgarde sah ihm nach, Zorn und Liebe im Herzen. Wann endlich würde es wieder anders werden zwischen ihnen? Wie lange wollte er sie noch strafen? Wem gab er hier die Schuld? Trug er sie nicht selbst? Aber das war es vielleicht nicht einmal. Vielleicht hatten die schwarzen Ge- banfen, bie ba immer wieberkamen, boch recht? Er liebte sie nicht mehr, weil er eine andere liebt — Pia!? Warum kam sie nicht nach Achern? Warum schützte sie stets Arbeit vor? Oh, mit dieser Arbeit wollte sie vielleicht nur ihr Gewissen zudecken? Harry schützte ja auch immer Arbeit vor. Immer tiefer verrannte die unglückliche Frau sich in diesen Gedanken an die Sünde, die zwischen Pia und Harrh sein sollte. Edelgardes Hände krampften sich um die Stuhllehne. Pia! Ihr hatte Vetter Lansing geholfen, — warum ihr, Edelgarde, nicht? Hatte er es nicht gewollt? Oder hatte Harry ihm einen Wink gegeben? Edelgarde ächzte. Wollte man, dah sie starb, damit Harry eine gesunde Frau heiraten konnte? Edelgarde steckte in schwarzen Gedanken, die ihre nächsten Angehörigen umkreisten. Einige Stunden später kam Ingeborg. Harry hatte angerufen. Run stand sie vor der Schwester mit glühenden Wangen und zerzaustem blondem Haar, die blauen Augen strahlend auf die Schwester gerichtet. (Fortsetzung folgt.) GOETHE-BUND Dienstag, 7. Februar, abends 8 Uhr, Neue Aula 4. Dichterabend 779 D der große flämische Dichter Felix Timmermans erzählt aus seinem Leben und Schaffen Eintritte?Irarton numeriert: Bnndesmitglieder bis sa iwel LinuinSKdriClI piätien frei gegen Einlösung des Gutscheines Nr. 1 aus dem weißlichen Gutscheinheft; Verbands- Mitglieder gegen Einlösung des Gutscheines Nr. 1 aus dem grünen Gutscheinheft des Goethebundes, und für Mitglieder des Kaufmännischen Vereins und Gewerbevereins gegen Gutscheine Nr. 16 90 Pfennig, Kichtmltglieder 1.50 und 2 Mark (Challier und Abendkasse). Studentenkarten 40 Pfennig (Asta). Lichtspielhaus ■ Gießen Achtung! Achtung! 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Geburt»-Anzeigen 11efert Brühl, Gießen Vereine Mittwoch, 8. Febr. abends 8'/, Uhr Hindenburg. Ul kick«. nein Die Unterrichtsstunden fallen in der Woche d.6.—11. II. weg.Schliebung der (schulen aus. 8«D illllllllllllllllMlllllllllllllim Kurzschriftverein Stadttheater Criefien. «,0 . Dienstag, 7. Febr.» 20—23 Uhr 18. Dienst.-Abonn. Operettenvreise. Schülerk. Gültigkeit Das Dreimäderlhaus Operette in 3 Akten v Millneru.Reichett Musik nach Franz Schubert von Hein- rich Bertö. von 1861 DadieGoetheschule in dieser Woche geschlossen, muß unser Unterricht ausfall. Wiederbeginn: Montag, 13.Febr., 8640 Ter Vorstand, miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim dazu ist sie schließlich da. Die Nase hat den Zweck, zu kalte, zu trockene oder mit Staub und Bakterien beladene Luft zu erwärmen, zu durchfeuchten und zu reinigen. Gelangt die Luft nämlich kalt, trocken und unfiltriert in Rachen, Kehlkopf und Bronchien, so ist das leicht die Ursache von Erkältung, Schnupfen, Halsentzündung oder noch Schlimmerem: Bronchialkatarrh und Lungenentzündung. Bewahren Sie sich davor, indem Sie durch die Nase atmen und WYBERT nehmen! Wybert-Pastillen regen die Speichelsekretion an und überziehen die Schleimhäute der Atemwege mit einer erfrischenden, reizmildernden und schützenden Schicht. Aus reinen Naturprodukten hergestellt, werden Wybert auch vom empfindlichsten Magen ausgezeichnet vertragen. Große Dose mit ca. 400 Wybert . . 90 Pf. Kleinere Dose für die Tasche ... 45 Pf. »** <Ä> re o* w = E = r- o = L» <>> -G ts <1* t= Cf « r> LL3..3 80 . EeeZ E : A^o O -3 eo f o'f JS c e tjfic; WS^.Ei 2 — xa A S 3 es »45- r-^Z 3:®s 05 Iß s = 85. S I B E = Bx •2 e 4.® o E-e ^55 = wB 3 0'2 = gf -e-o <5 a 8**8 s Ado2 - Ü3*b o ZZ°E fit -SA -Sb5 "E g 22 E5 h&S8 A 2 8 °Lss § ib"»r6 Tr. - p c ü «Zs-L^L Z-S c.x'2cy'e"E' 7 tf> 'S §19-^ ; O o 2 g o . p £ " 2 •*■■ --e E-g-e ’j8i5-9 o 3 e|g«2s Ert-E^o-^* X rr EßS-^lx- ---EL-L-4 u 5ä -c _ *3-. 3 fi -P":2 -hl "6" cs 2 3 x 8 «S x-D o eo^j £ LA _ = c‘c55 - 19^-— " . OSO o rOA 2 S b-hc = 3 S 2 S'h €e®E.I L^B-B^Z o «t—_ E ‘ ^Ö°L€ .® = 3 UZ H' 5€3»flSA O 13 "€" O SC s 3 L^KU-ZAZ 3^,0 !R °2 e •&E ö ^(5®E ZL s 3 E E2 XDZXZ 5-:E O- * p == ö — '-3 £ B c ® ”3 A 21 K o *E o‘3££ 5332^*8^ BC78 e=o;° Ro3 \2i E c $ a ^o“ o LSo^-3 - 3X ,2-r.o. .£££.. 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