Zreitag.b.Zanuar (955 185. Jahrgang m. 5 Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vn'S und verlos: vrühl'lche Unweifiiäir-Vuch- und Steinöhiderei H. £ange in Sietzen. Schristleltnns und S-schäftsftelle: Schniitratze 7. Annahme von rtnzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil L V.TH.Kümmel sämtlich in (Dießen. Erlcheint täglich, auf;« Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat >m DUd Die Scholl» Monatsrvezugsprelr: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern Infolge höherer Gewalt. Hernsvrechanschlüsfe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siesten. Postscheckkonto: Sronffurt am Main 11686. Oer Wahlkampf in Lippe beginnt dem Ke- Aus- Nslische Korrespondenz betätigt jetzt die bereits in verschiedenen Blättern wiedergegebene Meldung, wonach zwischen Adolf Hitler und dem früheren Reichskanzler von Papen in Köln eine Unterredung stattgefunden hat. Ls überwunden werden könne. Die Börsenzeitung sagt, wir sind der Meinung, das; es sich in Köln um eine einfache Aussprache über die politische Lage gehandelt habe, und nichtum das Anspinneneiner großen Intrige gegen Schleicher. Ein derartiges Komplott sei weder der offenen Art des Herrn von Papen zuzutrauen, noch fei ein» zusehen, welche Erfolge sich Hitler von einem sol'chen Kulissenspiel versprechen könnte. — Die „Doss. Zt g.", die Papen loyal genug nennt, um nicht mit Hitler Intrigen gegen den Kanzler einzuleiten, meint, daß die Ziele Hitlers dabei weniger harmlos seien. Die Zusammenkunft, die auf Hitlers Wunsch zustandegekommen sei, passe durchaus an die mehr als zweideutige Taktik der Nationalsozialisten. Hitler probiere an den H'ntertüren zur Macht herum. — Das „B. T." sieht in der Unterredung einen erneuten Versuch, unter der Firma „Nationale Konzentration" habe sich dabei, so schreibt die Korrespondenz, lediglich um eine zwanglose Unterhaltung über die politischen Vorgänge der letzten Wochen gehandelt. Die Zusammenkunft habe im hause eines Freundes der NSDAP, in Köln stattgefunden. Reichskanzler a. D. von Papen erklärte zu feiner Aussprache mit Hitler: Anläßlich meiner Reise nach Düsseldorf zu meiner Mutter habe ich mit Herrn Hitler eine politische Aussprache in Köln gehabt. Wie mir mitgeteilt wird, knüpft ein Teil der Berliner Presse an die Meldung hierüber Kommentare, die frei erfunden sind, so insbesondere die Darstellung, als ob die Unterredung mit Herrn Hitler eine Spitze gegen den Reichskanzler oder die gegenwärtige Regierung gehabt habe. Das Gegenteil ist der Fall. Die Aussprache hat sich ausschließlich um die Lösung der Frage gedreht, der schon die Arbeit des letzten halben Jahres gewidmet war, der Frage der Eingliederung der NSDAP, in eine nationale Konzentration. Ein Vertreter der „Düsseldorfer Nachrichten" hatte Gelegenheit, mit Herrn v. Papen über feine Unterredung mit Hitler zu sprechen. Auf die Bemerkung des Interviewers, daß es doch auffalle, wenn Hitler mit dem von ihm schrankenlos bekämpften Kanzler eine Unterredung gehabt habe, erwiderte Herr von Papen: „Herr Hitler hat immer betont, daß sein Kampf niemals meiner Uer- f o n galt, und ich glaube, daß, wenn es dem Ziele eines großen nationalen Zusammenschlusses gilt, jeder nach seinen Krc 'en milhelfen muß, gleichviel was vorher einmal gewesen ist." Auf die Frage, ob der Nationalsozialismus heute noch die gleichen Bedingungen an eine Reiie- rungsbeteiligung knüpfen würde, wie im Monat November und Dezember, oder ob in dieser Hinsicht die Ansprüche und Absichten revidiert seien, gab der ehemalige Kanzler keine Antwort. sich gezeigt, d die Regierung Schleicher ebenso versagen ... .rde wie die Regierungen Brüning und Papen. Wenn aber der Reichstag am 24. Januar zusammenlrete, so sei es den Nationalsozialisten durchaus recht, wenn schon in der er st en Viertel st unde durch die Annahme i) es nationalsozialistischen Mißtrauensvotum s die Entscheidung über das Kabinett fallen würde. Wenn das Kabinett Schleicher gestürzt werde, dann dürfte sich vielleicht auch der Reichspräsident besinnen, den Reichstag aufzulösen. Neuwahlen hätten nur dann einen Sinn, wenn Hitler nicht mit der Neubildung der Regierung betraut würde. Erörterungen bildete die Frage der Behandlung des preußischen Etats vor dem Landtage. Wenn auch von amtlicher Seite keine Mitteilung über diese Unterredung herausgegeben wird, so ist man in politischen Kreisen doch der Auffassung, daß diese Besprechung, der noch weitere folgen dürsten, ganz in der Linie der Politik des Reichskanzlers gelegen hat, der um die Beilegung des Konfliktes zwischen Reich und der alten preußischen Oie Begegnung Hiiler-papen. Oie Möglichkeiten einer nationalen Konzentration werden weiter verfolgt.—Oer Reichskanzler von Schleicher unterrichtet.-Lebhastes Interesse der Berliner Presse. g i e r u n g bemüht ist. Handwerksvertreter beim Reichskanzler. Sie ASDAp. und das Kabinett Schleicher Frick kündigt Mißtrauensvotum für den 24. Januar an. des Handwerks die Notwendigkeit einer möglichst beschleunigten Hilfsaktion für die gewerblichen Kreditgenossenschaften. Der Reichskanzler sagte die beschleunigte Ent- (Reibung hierüber zu. hinsichtlich der von deut- chen Genossenschastsverbänden in Verbindung mit dem gewerblichen Spitzen-Kreditinstitut und den Berufsoertretungen des Handwerks geforderten mittelbaren Reichsunterstützung für eine zu gründende Mobilisierungskasse für die Gewerbliche Kreditgenossenschaft wurde von den Vertretern der Reichsregierung wohlwollende Prüfung zugesagt. Die Vertreter des Handwerks begründeten schließlich noch einmal die Forderung nach einer starken organisatorischen Verbindung der Spitzenvertretungen des Handwerks mit der Reichs- regierung. Der Reichskanzler behielt seine Entscheidung hierüber vor und sagte zu, mit dem zuständigen Ressortminister Rücksprache zu nehmen. Oie Margarineverordnung bleibt in Krass. Berlin, 5. Jan. (TL1.) Ein Berliner Blatt meldet, die ernstliche Warnung an die Reichs- reg'erung aus den Kreisen des Molkereigewerbes in der Frage der Duttermarga- rinemischung und die einhellige Ablehnung aus Verbraucherkreisen hätten das Reichsernährungsministerium veranlaßt, vor Erlaß der Ausführungsbestimmungen das Problem zunächst noch einmal in erweitertem Sachver- ftändigenkreis zu besprechen. Ob die Beimischung in der vorgesehenen Form überhaupt komme, sei fraglich. Lazu erfahren wir von zuständiger Stelle auf Anfrage, daß die Reichsregierung an der Durchführung i hrer Verordnung f e st h a l t e. Auch in anderen Ländern habe sich der Butterbeimischungszwang bewährt. Eine Verteuerung der Margarine sei im Hinblick auf die Verdienstspanne der Margarine- fabrikanten nicht notwendig. Im übrigen fei es selbstverständlich, daß das Aeichsernäh- rungsministerium vor Erlaß der Ausfüh.- rungsbestimmungen mchgebl'che Sachverständige hinzuziehe, was aber nur für und nicht gigen die Durchführung der Verordnung spreche. Keine Landfagssitznng in Hessen. Eine Hrtle -Rede in Oetmold. Detmold, 5. Jan. (ZU.) In Detmold sprach der Führer der nationalsozialistischen Fraktion im preu- sischen Landtag, Kube, vor fast 6000 Personen. Um 24 Uhr erschien Hitler. Er führte u. a. aus, daß die NSDAP, mit eisernem Willen bereit sei, den Endkampf bis zum endgültigen Siege durchzusetzen. Wenn bürgerliche Parteien nicht begreifen könnten, daß es der NSDAP, nicht auf die Regierung ankomme, sondern auf höhere Ziele, so komme das daher, daß er — Hitler — nicht wie die Bürgerlichen hinter den Kulissen zu arbeiten verstehe, daß es ihm nicht auf Titel oder Posten an- komme, sondern darauf, in vielleicht fernerer Zukunft Deutschland zu retten und dafür jetzt Stein auf Stein aufzubauen. Die Herren in Berlin hätten keine eigenen Gedanken, was von ihnen jetzt gemacht sei, sei von den Nationalsozialisten, und was nicht von den Nationalsozialisten sei, sei unter aller Kanone. Die Nationalsozialisten dürsten sich nicht auf eine falsche Ebene schieben lassen. Er werde sich treu bleiben und auf seine Stunde warten. Hugenbergs Bedenken gegen den Gereke-Plan. Lage (Lippe), 6. Jan. (Sil.) Im Rahmen des Landtagswahlkampfes in Lippe sprach am Donnerstagabend der Führer der Deutschnationalen Volkspartei, Geheimrat Dr. H u ge nb er g. Er betonte u. a.: Das Arbeitsbeschaffungsprogramm Gerekes trage die Gefahr in sich daß die Vergebung der Arbeiten wieder durch die großen Gemeinden erfolge, die dabei wieder besondere Schulden machten Für die Gemeinden müsse im Sinne von Handwerk und Mittelstand die Parole gelten: Hände weg von der Wirtschaft! Wenn die Rationalsozialiften, die im Kampfe gegen den Voungplan und auf der Harzburger Tagung die nationale Opposition zunächst hätten verwirklichen helfen wollen, in dieser Front geblieben wären, würde das Jahr 1932 eine klare und restlose Herrschaft der Vereinigten Ratio- nalen gebracht haben. Daran, daß die Eingliederung der RSDAP. in die nationale Front nicht erreicht worden sei, trage B r ü n i n g die Haupt- Verantwortung. Oie Arbeitsbeschaffung. Die Beratungen über das Sofortprogramm abgeschloffcn. Berlin, 5. Jan. (CNB.) Der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung Dr. Gereke hat in den letzten Tagen mit Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowie mit ben Ländern die Richtlinien für bie Durchführung bes So- Pa p e n wieder ans Ruder zu bringen und meint, wenn Herr v. Schleicher wohl beraten sei, werde er aus der Beobachtung dieser Vorgänge einige nützliche Hinweise entnehmen, wo er seine Freunde und Feinde zu suchen habe. — Die „Germania" glaubt, daß man gut daran tue, den politischen Wert dieser Zusammenkunft und vor allem ihr praktisches Ergebnis nicht zu überschätzen. — Die Berliner Ausgabe des „Völkischen Beobachters" betont, daß die Anregung zu der Besprechung nach ihren Informationen nicht von Hitler ausgegangen sei. Die Dinge dürften sich vielmehr so verhalten, daß umgekehrt Herr von Papen das Bedürfnis fühlte, den Führer der größten deutschen Partei gewisse interessante Einzelheiten über die Vorgeschichte mitzuteilen, die zum Sturze seiner Regierung im Ro- vember v. I. führten. Der Führer der Deutschen Freiheitsbewegung habe bestimmtkeine Absicht, sich mit den Vertretern einer Politik zusammenzutun, die er als sachlich falsch erkannt habe. Zu der Unterredung zwischen Adolf Hitler und dem früheren Reichskanzler von Papen nehmen nur vereinzelte Berliner Blätter Stellung. Im „Lokalanzeiger" (Hugenberg) heißt es, die Unterredung habe natürlich eine ganze Reihe von Gerüchten aufgebracht; u. a. werde auch behauptet, daß über die Möglichkeit einer Tolerierung Popens bei einer Rückkehr zum Kanzleramt gesprochen worden sei. Die „V o s s i s ch e Zeitung" (Dem.) hält es nicht für wahrscheinlich, dvh Papen sich für die Rolle des Pacemachers für Hitler zur Verfügung gestellt habe. Bezeichnend für die innere Unsicherheit Hitlers sei es aber, daß er vor einigen Wochen keine Annäherung an Hugenberg versucht und jetzt die Vermittlung des Mannes erbeten habe, dem er im Rovember mündliche Verhandlungen über die Regierungsbildung schroff verweigerte. Der „V o r - wärts" (Soz.) schreibt: Daß Hitler ein Komplott schmieden sollte mit dem Mann, den er monatelang in der blutigsten Form als den Herrenreiter, ben Ches der feinen Leute aus dem Herrenklub hat höhnen lassen, das erschien als haarsträubende Unwahrfcheinlichkeit. Wenn er mit Papen an einem Tisch sitzt und Komplotte schmiedet, kann er nicht gut beschwören, daß er mit Papen nichts zu tun habe. Die Verlogenheit der nationalsozialistischen Agitation, insbesondere des Geschreis gegen die feinen Leute, wird durch die neue Intimität Hitlers mit Papen ins rechte Licht gerückt. Die „Deutsche Zeitung" (Alldeutsch) kommt zu der Schlußfolgerung, Schleicher hält seine Stellung für so stark erschüttert, daß alle Versuche zu einer Verständigung zwischen anderen Persönlichkeiten im nationalen Lager ihm gefährlich erscheinen. Daher das vorzeitige Störungsfeuer der „Täglichen Rundschau", daher vor allem auch deren Verdächtigung Papens beim Reichspräsidenten. Als bezeichnendes Gegenstück sei übrigens erwähnt, daß unwidersprochenen Rachrichten zufolge Gregor Straßer sich seit zwei Tagen in Berlin aufhalt und daß Gerüchte über Besprechungen Straßers mit Schleicher von zuständiger Stelle nicht eindeutig dementiert wer» den konnten. Auch Herr von Schleicher scheint also hinter den Kulissen nicht ganz untätig zu fein. Wie die „D A Z." berichtet, hat Herr von Papen der Reichsregierung eine Mittel ung über seine Unterredung mit Hitler zukommen lassen. In ähnlicher Weise schreibt der Deutsche Schnellbien st, man burfe gewiß sein, oatz nicht nur ber General von Schleicher voll ms -ö.LD gesetzt wurde, sondern daß auch der --Kavalier ohne Furcht und Tadel" dabei nur als ehrlicher Makler gewirkt habe. Wie die „Börsenzeitung aus ftoln erfährt, hat Baron v o n S ch r o e b e r m dessen Hause sich Papen unb Hitler getroffen haben, aus Ansage sehr entschieben alle Gerüchte demen- tiert wonach bie Zusammenkunft sich lrgenb- einer Weise gegen ben Reichskanzler von «chleicher gerichtet habe. Vielmehr soll nach ben Angaben Berlin, 5. Jan. (ZU.) Die vorgesehene spräche von Vertretern bes Reichsverbandes des Deutschen Hanbwerks unb bem Reichskanzler hat am Donnerstag im Beisein bes Reichswirtschaftsministers, bes Reichskommissars für Arbeitsbeschaffung unb bes Reichskommissars für Hanbwerk unb Kleingewerbe ftattgefunben. Es würbe weitgehenbe Uebereinftimmung über bie Notwenbigkeit balbiger positiver Maßnah. men hauptsächlich auf bem Gebiete ber A r b e i t s • beschaffung, vor allem ber I n st a n b s e tz u n g bes Althausbesitzes erzielt. In Verbinbung bamit würben auch bie Fragen ber Schwarzarbeit erörtert. Außerbem betonten bie Vertreter fortprogramms zur Arbeitsbeschaffung burch- gesprochen. Der Arbeitsbeschaffungsausschuß bes Reichskabinetts hat seine Beratungen ebenfalls ab- gefchloffen. Die Ausführungsverorbnung für bas Sofortprogramm wirb aller Wahrscheinlichkeit nach bereits (En b e ber Woche veröffentlicht werben. Diese Verorbnung wirb zunächst bie Grunbsätze für bie Arbeitsbeschaffung regeln, d. h. es wirb barin bestimmt werben, welche Arbeiten in Angriff zu nehmen sinb. Ferner wirb sich bie Verorbnung mit ber Art ber Finanzierung beschaffen. Schließlich wirb in ber Verorbnung bas geschäftsmäßige Verfahren behandelt werben, b. h. es werben bie Stellen angegeben, bie für bie Einreichung ber Anträge zu- ftänbig finb. Für bie Durchführung bes Programms sollen bie vorhanbenen Organe in Anspruch genommen werben. Neue Stellen werben nicht ins Leben gerufen. UnterredungzwischendemReichskanzler und Ministerpfäsident Braun. Berlin, 6. Ian. (LNB. Funkspruch.) Die schon seit lagen angekündigte Besprechung des Reichs- kanzlers von Schleicher mit bem preußischen Ministerpräsidenten Braun hat heute vormittag um 10.30 Uhr ftattgefunben. Das Hauptthema der D ar m ft abt, 5. Jan. (WHP.) Der Leitest e n r a t bes Hessischen ßanbtags hat, wie ein amtlicher Bericht mitteilt, mit Zustimmung bes Staatspräfibenten gegen bie Stimmen ber Korn» munistischen Partei beschlossen, von einer Tagung des Plenums vorläufig abzu- sehen und die bereits verhandlungsreifen Anträge, Anfragen und Eingaben mit der Beratung des Staatsvoranschlages zu verbinden. Maßgebend für diesen Beschluß war einmal die Tatsache, daß eine große Reihe Punkte noch in den Ausschüssen behandelt werden soll, um die darauf folgende Beratung des Staatsvoranschlages unbehindert vor sich gehen zu lassen, anderseits versprach man sich nach Anhören der Regierung keinen Vorteil von einer Behandlung der Winterhilfe- und Erwerbslosenfrage, nachdem die Regierung erklärt hatte, daß sie j e tz t schon alle ihrzur Verfügung stehenden Mittel c e ft l o s a u s f cf) ü 11 e , um die Not der Erwerbslosen zu lindern. Eine Debatte über die Frage der Erwerbslosenhilfe schien der großen Mehrheit auch um deswillen überflüssig, well aus dieser Besprechung der uferlosen und undurchführbaren Anträge zur Winterhilfe für die Erwerbslosen praktisch nicht das geringste herauskäme und weil die Meinung vorherrsche, daß bereits alles geschieht, um bei der katstrophalen Finanzlage des hessischen Staates den Erwerbslosen möglichst zu helfen. Da die große Mehrheit des Aelteftenrates einsah, daß nur auf diesem Weg praktische Realpolitik getrieben werden könne, entschloß man sich, von einer Tagung des Plenums bis auf weiteres abzusehen. Der Staatsvoran- schlag für 1933 wird spätestens am 1. Februar dem Landtag vorgelegt und dann im Finanzausschuß zur Beratung kommen. Oer Polizeibeamtenkonflikt in Braunschweig. Braunschweig, 5. Jan. (CNB.) Bei einer Besichtigung der Braunschweiger Schutzpolizei durch den braunschweigischen Innenminister K l a g g e s gab dieser in einer Ansprache zu der Angelegenheit des seit Jahresfrist bestehenden Konflikts wegen der Zugehörigkeit zum Braunschweigischen Polizeibeamtenverband die Erklärung ab, daß er bereit sei, die Mitgliedschaft zum Landesverband der Polizeibeamten wieder zu- z u l a s s e n , wenn der Deutsche Beamtenbund für sich und seine Unterverbände die Erklärung abgebe, daß er Kommunisten zu seinen Veranstaltungen nicht mehr zulassen werde. Der Minister erklärte, er sei davon überzeugt, daß die Leitung des Deutschen Beamtenbundes das erforderliche nationale und staatliche Verantwortungsbewusstsein besitze, um diese Forderung als unerläßlich anzuerkennen und zu erfüflen. Kommunistisches Stadtverordneten- Präsidium in Chemnitz. Chemnitz, 5. Jan. (TU.) Die erste Sitzung des neuen Chemnitzer Stadtparlaments am Donnerstag das sich aus 25 Rationalsozialisten. 17 Sozialdemokraten, 14 Kommunisten und 5 Bürgerlichen zusammensetzt, nahm bei der Wahl des Präsidiums einen überraschenden Verlauf. Da die Rationalsozialisten keine Aussicht hatten, München, 5. Jan. (CNB.) Im überfüllten Bürgerbräukeller erklärte der Vorsitzende der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion Dr. F r i ck, das Kabinett Schleicher sei von den Nationalsozialisten begrüßt worden, weil damit endlich der Mann in das Licht der Oefsentlichkeit getreten sei, der verantwortlich sei für die Regierungskrisen in den letzt en 2 Jahren und mitverantwortlich für die Politik der letzten 13 Jahre überhaupt. Man habe es vermeiden wollen, die Vertrauensfrage für das Kabinett Schleicher schon gleich bei Beginn der ersten Reichstagssession zu stellen, unb der Redner selbst hätte mit dem Reichstagsbeginn lieber bis zum Februar gewartet; denn, so erklärte er, bis dahin hätte München, 5. Ian. (LNB.) Die Nationalsozia- | Baron Schroeders lediglich die Frage erörtert wor- ........... * “ den fein, wie die im Augenblick noch bestehende Zersplitterung der nationalen Kräfte die eigenen Kandidaten durchzubekommen, font* mandierten sie, um den Sozialbemokraten nicht den Sieg zu lassen, fünf Stadtverordnete ab, die für d i e k o m m u n i st i s ch e n K a n d i d a t e n stimmten. So wurden zum Vorsteher und zu dessen ersten Stellvertreter Kommuni st en gewählt. Auch der zweite Stellvertreter und die Schriftführer wurden Kommunisten, so baß sich das neue Stadtverordnctenpräsidium also aus fünf Kommunisten zusammensetzt. Geheimrat Ernst von Borfigf Berlin, 6. Ian. (D3TB. Funkspruch.) Geheimer Kommerzienrat Dr.-Jng. Ernst von B o r | i g ist heute früh auf seinem Gut Groß-Behnih, 63 Jahre alt. am Herzschlag verschieden. * Ernst v. Borsig wurde 1871 in Berlin als zweiter der drei Söhne von Albert Borsig geboren. Der Vater hatte 1854 die weltbekannte Maschinenfabrik A. Borsig von s.inem Vater A 'gust Borsig überirommen, der das Werk 1837 in Berlin begründet hatte und schon im Jahre 1847 nicht weniger als 67 Lokomotiven herstellte. Albert Borsig hatte von 1859 bis 1862 das Hochofen- werk Borsigwerk in Oberschlesien erbaut und auch Kohlenfelder bei Biskupih erworben. 1894 übernahmen Albert Dorsigs drei Söhne Arnold, Ernst und Conrad die Verwaltung der Werke aus den Händen eines Kuratoriums, in denen sie seit des Vaters Tod 1878 gelegen hatte. Arnold Borsig verunglückte tödlich 1897 in einer seiner oberschlesischen Gruben, so baß Conrad und Ernst die beiden (Inhaber der Firma waren. Ernst v. Borsig war bis 1931 Vorsitzender der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände. Dor- sig war Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank, der Borsigwerke AG., in welche Gesellschaftsform die Familiengründung im Jahre 1920 verwandelt wurde, und vieler anderer älntemch- mungeir, ferner Vorsitzender des Gesamtverbandes Deutscher Metallindustrieller. Erhöhte Zeuersgefahr auf -er „Atlaniique". Paris, 6. Jan. (CNB. Funkspruch.) In der französischen Presse war die Behauptung aufgestellt worden, daß der Brand der „Atlantique" auf einen Sabotageakt zurückgeführt werden müsse, und ein Abendblatt war sogar soweit gegangen, in versteckter Weise Deutschland zu verdächtigen. Gegen die grotesken Beschuldigungen wendet sich aufs schärfste Heros in seiner „Bictoire". Er erklärt, man muß die Annahme einer böswilligen Handlung ausschalten, und sich hüten, dem an sich schon erregten Publikum den Verfolgungswahn ein- zuimpfen. Die „Atlantique", fährt Heros fort, sei ebenso wie der im Roten Meer durch einen Brand vernichtete Passagierdampfer „Georges Philippen" von derselben Werft erbaut und von derselben Gesellschaft ausgerüstet worden. Bereits im vorigen Jahr habe ein bekannter Architekt von Bord der „Atlantique" seiner Familie geschrieben, daß eigentlich nur der Schiffsrumpf und die Maschinen als einwandfrei gelten können, während die gesamte Jnnenaus- stattung beweise, daß die Ingenieure und Architekten Landratten seien. Bei der Einrichtung sei außerordentlich viel Holz verwendet worden, um dem ganzen einen luxuriösen Anstrich zu geben, wodurch aber die Feuersgefahr sehr gestiegen sei. Darauf hätten dann auch die großen Versicherungsgesellschaften hingewiesen und es abgelehnt, das volle Risiko zu übernehmen. In der Frühausgabe brachten wir eine Beschreibung der Inneneinrichtung der „Atlantique", in der auch von einer Gärtnerei die Rede war. Sie zeigte natürlich die herrlichsten Züchtungen südländischer Flora (nicht Fauna, wie es dort fälschlich hieß). Sn Irourn doid W Roman von Margarete Antelmann. Copyright by Martin Feuchtwanger. Halle (Saale) 24 Fortsetzung. Nachdruck oerboten. 3n dem zweiten Jahre ihrer Ehe hatte sie einen herzigen Knaben bekommen. Mit drei Jahren war der Junge einer Grippe erlegen, zum ungeheuren Schmerz seiner Eltern. Allmählich hatten sie sich mit diesem Schicksal abgefunden. Edith Calonni war eine zufriedene Frau. Ihr Mann war tüchtig, hatte eine gute Stellung als Werkmeister in einer Makkaronifabrik, war arbeitsam und sparsam; er liebte sie. und sie war glücklich. Magdalene war wieder in die Sphäre zurück- gekehrt, aus der sie gekommen war. Wie ein leuchtendes Meteor war eine Helle Zukunft vor ihr aufgetaucht, um ebenso schnell wieder zu versinken; nichts zurücklassend als Dunkelheit und Sehnsucht. Als August Richter den Genueser Hafen erreichte. lag das Schiff schon seit zwei Stunden vor Anker. Die Ausschiffung der Pafsagiere war noch nicht beendet. Doktor Richter lieh sich zu dem Kapitän führen. Er erzählte ihm alles, was sich in der Zwischenzeit ereignet hatte, und breitete schließlich den Inhalt der Aktentasche vor ihm aus, wenigstens soweit er die Schmucksachen der Schiffspassagiere betraf. Daß er die Papiere und Gelder Magdalene Winters gefunden hatte, verschwieg er dem Kapi- tän. Diese Angelegenheit wollte er selbst in die Hand nehmen. Der Kapitän beschloß, alle jene Passagiere zusammenzurufen, die das Schiff noch nicht verlassen hatten, um ihnen ihr Eigentum wieder zurückzugeben. „Haben denn viele Passagiere das Schiff verlassen?" fragte August Richter. „Ja! Einige sind schon weg, unter ihnen auch Madame Wintere, die es am eiligsten hatte, fortzukommen." „Wissen Sie, wohin Madame Wintere gefahren ist?" Man teilte ihm mit, daß Madame die Adresse eines Mailänder Hotels angegeben hatte, und daß sie heute noch nach Mailand hatte fahren wollen. Der Kapitän sprach August Richter gegenüber den Verdacht aus, ob nicht Madame Wintöre unter einer Decke mit dem Verbrecherpaar gesteckt habe. August Richter vermochte ihn indes von der Haltlosigkeit dieses Verdachts zu überzeugen. Beide waren sich einig über die Rotwendigkeit. ZrankreichverstärltdieGamisonenanderOstMenze Oer Betonwall gegen Deutschland erhält Leben. Paris, 5. Ian. (WTB.) Der Kriegsminister und der Große Generalstab sind ermächtigt worden, bestimmte neue Truppeneinheiten zu schaffen, die für di« Befestigungsanlagen an der Ost grenze bestimmt sind. Die Durchführung der Grenzbefestigungsanlagen mache es notwendig, bereitszu Friedenszeiten nicht nur über besondere Fuhartillerie und Pionierabteilungen zu verfügen, sondern auch über Infanterie- und Feldartillerie-Cinheiten, die dauernd in dieDefestigungsanla- gen gelegt werden und evtl, für di« Verteidigung ihres Frontabschnittes eingesetzt werden sollen. Zu diesem Zweck werden acht französische Infanterie-Regimenter besonders z u- famniengeseht und verstärkt werden und zwar zwei zu je sechs Bataillonen, zwe- ehen und so im Geiste eine Reise machen, die die Wirklichkeit oftmals versagt. Gs ist zu erwarten, daß auch dieser Film vielen, die den Landschaftsfilm lieben, eine unterhaltsame Stunde bereitet. Räheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich. — Der Reichsbund der Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familie, Ortsgruppe Gießen, veranstaltet am Sonntna, 15 Uhr, im Kath. Dereinshaus eine Kundgeoung. Es spricht der Bundespräsident Konrad über „Zwecke und Ziele des Reichs- bunbk>*. (Siehe heutige Anzeige.) * Rollen - Umbesetzung im Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbüro schreibt man uns: Infolge Erkrankung von Fräulein Eve- line Sybille Flemming spielt die Partie d?r „Rößlwirtin" in dir heutigen Verstellung Fräulein Luise D u r a t h vom Mainzer Stadttheater. ** Rückständige Zahlungen für Elektrizitätsbezug betrifft eine Bekanntmachung des Städtischen Elektrizitätswerkes im heutigen Anzeigenteil, auf die wir säumige Zahler besonders aufmerksam machen. ** Gießener Friedhofs-Statistik. Auf dem Gießener Friedhof wurd-m im Laufe des Jahres 1932 insgesamt 284 Erdbestattungen (gegen 352 im Jahre 1931) vorgenommen. Auf den Friedhof am Rodberg entfielen von der Ge- somtziffcr 270 (334), auf den Alten Friedhof am Rahrungsberg 14 (18) Bestattungen. Weiter wurden im vorigen Jahre 62 (62) älrnenbestattungen vorgrnommen, und zwar 50 (46) auf dem Reuen Friedhof und 12 (16) auf dem Alten Friedhof. Im Gießener Krematorium auf dem Reuen«Friedhof fanden im vorigen Jahre 117 (97) Einäscherungen statt, darunter 64 (48) Verstorbener von Gießen und 53 (49) Ortsfremder: eingräschert wurden 69 Männer, 45 Frauen und 3 Kinder. •* „Der Schühenköni g". Der Film, der seit gestern im Lichtspielhaus Bahnhofstraße läuft, bringt wieder einmal ein altes, aber immer be luftigendes Thema: den Preutzenhaß des Altbayern. Aber s o wie der Preußenhaß der Bayern nicht ganz waschecht ist, so ist es auch der spezielle Preußenhaß des Weinstubenbesihers und Ter- tilienhändlers Siebzehnrübel aus Bad Tölz nicht. Immerhin giftete er sich sehr darüber, daß ihm eines Tages, und dazu noch am Tage seiner Silbernen Hochzeit, so ein „Reingeschmeckter" ihm gerade vor der Rase ein großes und ganz modernes Kaufhaus eröffnet mit der unverkennbaren Absicht, ihn zu ruinieren, daß ihm der Eindring» ling ferner die Würde des Schützenkönigs ernsthaft streitig machen und ihm der Sohn des Berliners gar noch die Tochter vom Fleck wegheiraten will: dos alles ist für ein bayerisches Herz zuviel. Wenn nicht die Geister des Alkohols eine Versöh- rrung improvisiert hätten, so hätte es bestimmt einen ganz großen Krach gegeben. So aber wendet sich alles zum Guten. Anni Siebzehnrübel kriegt den Otto Funke, der alte Siebzehnrübel wieder seine Königswürde, und all die guten und schlechten Scherze sind vergessen, als sich der Siebzehnrübel und der Berliner auf dem Schützen, feste versöhnt in die Arme fallen. Der Siebzehnrübel ist natürlich Weiß-Ferdl. Schwerlich ist einer im deutschen Daterlande, der den Bayern so mimen könnte, wie er. Ludwig Thomas Figuren mühten vor Reid erblassen, wenn sie ihn Eniiäuschie Hoffnungen. Eine Betrachtung des deutschen Handwerks an der Schwelle des neuen Jahres. Don der Handwerkskammer-Nebenstelle in Gießen wird uns geschrieben: Das Jahr 1932 war für das deutsche Handwerk ein Jahr großer Enttäuschungen. Seine wirtschaftliche Lage verschlechterte sich von Monat zu Monat. An dieser Gesamtfeststellung vermag auch die Tatsache nichts zu ändern, daß sich gegen Herbst im Dau- und Baunebengewerbe eine gewisse Belebung bemerkbar machte. Ausreichende Beschäftigung fehlte in allen Zweigen. Die wenigen Aufträge, die noch vorhanden waren, wurden dem Handwerk durch die sich immer mehr breitmachende Schwarzarbeit streitig gemacht. Die große Arbeitslosigkeit, deren gegenwärtiger Stand 5,6 Millionen beträgt, führte im Zusammenhang mit den herabgesetzten Löhnen und Gehältern zu einer weiteren Schrumpfung der Kaufkraft. Selbst das Weihnachts- geschäft, aus das sich alle Hoffnungen setzten, entsprach nicht den Erwartungen. Nur die notwendigsten Dinge wurden gekauft und auch diese nur in den billigsten Preislagen. Dazu nahm das Borg- Unwesen weiter überhand. Die Summe der Außenstände wird immer größer. Es wäre für das Handwerk eine aufrichtige Neujahrsfreude, wenn endlich einmal die Käuferschaft sich bemühte, ihre Rückstände zu bezahlen. Die große Notlage im Handwerk, die vor allem auf die Zunahme der Schwarzarbeit und auf die starke Ileberfehung in den eigenen Reihen zurückgeht, erheischt besondere Maßnahmen. So fordern der Reichsverband des deutschen Handwerks und der Deutsche Handwerks- und Gewerbe- kammertag die Einschränkung der Gewerbefreiheit. Hiernach soll in Zukunft unter Einschaltung einer Uebergangszeit die Ausübung eines Handwerksbetriebes abhängig gemacht werden von der Ausfertigung einer Handwerkerkarte, die auf der Grundlage der Handwerksrolle auszustellen ist. Als Voraussetzung wird neben der elbständigen Ausübung eines Handwerks als tehendes Gewerbe die Berechtigung zur Führung >es Meistertitels, oder die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen vorgesehen. Das Verlangen des Handwerks nach Einschränkung der Gewerbefreiheit geht letzten Endes auch von der Erkenntnis aus, daß sich die Ablösung des gegenwärtigen Wirtschaftssystems durch eine beruf s- ständisch geordnete Individualwirtschaft nicht 'länger mehr aufhalten läßt, eine Individualwirtschaft, die die Erhaltung der Einzelpersönlichkeit verbürgt, der Freiheit des einzelnen aber auch durch die Einordnung in einen Gemeinschaftszusammenhang notwendige Grenzen zieht. Was das Handwerk in erster Linie braucht, ist Arbeit. Es ist ihm eine Qual, müßig zu stehen. Die neue Reichsregierung hat zwar als einzigen Programmpunkt ihre 2lbficht herausgestellt, A r - beit 3 u schaffen, allein die kürzliche Rundfunk- rede des Reichskommissars für Arbeitsbeschaffung vermochte die Bedenken des Berufsstandes nicht zu zerstreuen, daß eine unmittelbare Belebung seiner Wirtschaft nicht zu erwarten ist. Man sollte im Lause der Jahre gelernt haben, daß Arbeitsbeschafjungs- Programme für die öffentliche Hand immer Krücken für die Wirtschaft und damit künstliche Maßnahmen bleiben,chie in ihrer Wirkung keine natürliche Belebung der Wirtschaft auslösen können und so verpuffen müssen. Die Reichsregierung Papen hat durch die Re- reitstellung eines Sonderbetrages von 50 Millionen Mark für die Vornahme von Althaus- reparaluren eine recht günstige Teilbelebung der wirtschaft erreicht. Dieser weg sollte mit aller Energie weiter beschritten werden. Dor allem aber darf die strukturelle Umschichtung der Wirtschaft als Voraussetzung für eine endgültige Lösung des Arbeitslosenproblems nicht außer Acht gelassen werden. Seit Jahren verlangt das Handwerk bei allen Maßnahmen, die in der Reichsregierung für die Ueberwindung der Wirtschaftskrise und für die Umstellung des Wirtschaftssystems getroffen werden, die Mitwirkung eines Vertrauensmannes der mittel ft ändischen Wirtschaft an entscheidender Stelle. Auch das Jahr 1932 brachte dieser Forderung keine Erfüllung. Und doch bleibt ihre Berücksichtigung um so notwendiger, wenn man bedenkt, daß sich alle übrigen Berufsstände im Reichskabinett unmittelbar Gehör verschaffen können. Gegenüber 5 Millionen landwirtschaftlicher Betriebe sollte man auch den 3% Millionen gewerblicher Betriebe des selbständigen Mit- telstandes das Recht zu einer einheitlichen Vertretung ihrer Interessen einräumen. Gerade darin liegt ja der Nachteil für den gewerblichen Mittelstand, daß sich seine Belange bei den Reichsministe- rien auf verschiedene Ministerien verteilen. Um die- sen Mißständen abzuhelfen, hat der Reichsoerband des deutschen Handwerks die Forderung nach Errichtung eines besonderen Reichsministeriums für den gewerblichen Mittelstand erhoben. Ihre Verwirklichung wird dem Handwerk wieder neuen Mut und neue Hoffnung geben können. Eine durchgreifende Handwerkspolltik dient der Stärkung der selbftändia wirtschaftenden und verantwortlichen Menschen in Klein- und Mittelbetrieben und damit auch gleichzeitig der Ueberwindung der großen Wirtschaftskrise. sehen könnten. In Max A d a l b e r t hat er aber einen ausgezeichneten Gegenspieler. Man sieht noch GretlTheimer und Bertie O st vn in den Hauptrollen, ferner ausgezeichnete Landschaftsbilder, feine Aufnahmen von bunten Schühensestzügen und noch manches andere mehr. ** Winterfest der Gastwirte-Jnnung. Die Gastwirte treten nicht häufig mit Veranstaltungen an die Öffentlichkeit. Das Winterfest der Gastwirte-Jnnung für Gießen und Umgebung ist das einzige Fest des Jahres, das diese Berufsorga- nifation begeht. Gestern abend fand man sich wieder im Saale der Liebigshöhe ein, um in Geselligkeit einige Stunden zu verbringen. Die Veranstaltung nahm einen sehr harmonischen Verlauf. Das Musikkorps des hiesigen Bataillons konzertierte unter persönlicher Leitung von Obermusikmeister Krauße in starker Besetzung und wartete wieder mit ausgezeichneten musikalischen Darbietungen auf. Schneidige Märsche, Potpourris, Märsche für Fanfaren- trompeten und Kesselpauken, fanden verdienten starken Beifall. Besondere Anerkennung erwarben sich Unterfeldwebel Hofmann und Grenadier Kleinert rrtit einem Konzertpolka für Solotrompeten. Mit großer Aufmerksamkeit folgten die zahlreichen Zuschauer den radsportlichen Darbietungen der Herren Haas und N o h l vom Radklub „Germania", die im Zweier- und Einer-Kunstfahren außerordentliche Leistungen zeigten und ebenfalls lebhaften Beifall fanden. Der 2. Vorsitzende der Innung, Herr Keil, begrüßte im Laufe des Abends die Mitglieder und die Gäste, und wünschte allen Teilnehmern einige fröhliche Stunden. Er betonte, daß es nicht nötig fei, im Rahmen eines derartigen Abends auf die mannigfachen Nöte der Gastwirte aufmerksam zu machen, der Abend solle vielmehr dazu angetan fein, ihn in fröhlicher Gemeinsamkeit zu verbringen, um daraus neue Kraft zu schöpfen für den Kampf im Alltag. Eine mit schönen Gewinnen ausgestattete Tombola erfreute sich lebhaftesten Zuspruchs. Große Strafkammer Gießen. • Gießen, 3. Ian. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit wurde in der heutigen Sitzung gegen einen bereits einschlägig vorbestraften Angeklagten wegen Sittlichkeitsverbrechens verhandelt. Die Anklage warf ihm vor, in fünf Fällen mit Personen unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben. Da der Angeklagte die ihm zur Last gelegten Taten bestritt, war zur Ueberführung des Angeklagten eine große Anzahl Zeugen notwendig geworden. 2m Lause der Verhandlung legte der Angeklagte jedoch bezüglich 4 Fälle ein Geständnis ab. Aber auch im fünften Falle hielt ihn das Gericht auf Grund der Beweisaufnahme für überführt. Mit Rücksicht auf die Reue, die der Angeklagte offensichtlich über seine Straftaten empfand, billigte ihm das Gericht mildernde Umstände zu. Straferschwerend kam allerdings seine Vorstrafe in Betracht. Er erhielt eine Gesamtgefängnis straf« von 1 Jahr 8 Monaten, auf die 2 Monate erlittener Untersuchungshaft Anrechnung fanden. Einsturz eines Kabelbaggeriurms in Wölfersheim. LPD. Wölfersheim, 5. Ian. Im Wölfers- Heimer Velrieb des Braunkohten-Schwellrastwer- kes Hessen-Frankfurt AG. (Hefrag) ereignete sich am Mittwoch nach Einbruch der Dunkelb.?it ein schwerer Teiriebsunfä l, der glückliche weise k.iae Opfer forderte. Ein 40 Meter hoher Maschinenturm des Kabelbaggers, der die Braunkohle aus der Erde holt, st ü r z t e ein. । Die Ursache konnte bisher noch nicht ermittelt wer- den. Der Sachschaden beläuft sich auf etwa 200 000 \ Mark, jedoch hat die Verwaltung sofort Maß- I nahmen getroffen, die die Weiterführung des De- I triebes ermöglichen. Wirtschaft. Berlin allgemein fest. Berlin, 6. Jan. (WTB. Funkspruch.) Die Börse zeigte, den Erwartungen des Vormittags entsprechend, ein durchaus festes Aussehen. Das Geschäft war lebhafter als an den Vortagen, und in den bevorzuaten Papieren kamen größere Umsätze zustande. Das Hauptmoment war in der anhaltend großen Nachsrage für Farben zu suchen, deren Kurs die Parigrenze um 1 Prozent überschritt. Demgegenüber maß man dem Rückschlag zum Schluß der gestrigen Neuyorker keine größere Bedeutung bei. Aus der deutschen Wirtschaft lagen wichtigere Nachrichten nicht vor, und in der politischen Lage hat sich nichts geändert. Montane fetzten bis zu VA v. H. höher ein und waren trotz des katholischen Feiertages ziemlich gut gefragt. Im Verlaufe kam es an diesem Markt zu weiteren Besserungen von XA d. Sy; Rheinstahl hatten insgesamt 2>i v. H. gewonnen. Braunkohlenwerte tendierten uneinheitlich. Rheinische Braunkohlen und Niederlausitzer waren etwa 2 v. H. fester, Jlse-Genuß-Scheine gaben VA v. H. nach. Kaliwerke hatten Erholungen bis zu 2 v. Sy aufzuweisen. Don chemischen Werten, die allgemein fester tendierten, waren Farben im Verlaufe weiter kräftig anziehend, der Tagesgewinn belief sich auf 4 v. Sy Gummi und Linoleum lagen zunächst ruhig, später zogen Conti-Gummi um 4 v. H. an. Elektropapiere gewannen bis zu VA o. Sy, nur Akkumulatoren büßten 2 3A ö. Sy ein. HEW. waren dagegen um VA d. Sy gesteigert. Gaswerke zogen bis zu VA vorn Hundert an. Kabel und Drahtwerke und Me- taUpapiere waren vernachlässigt. Autowerke, Maschinenfabriken, Bau-, Papier- und Zellstoffwerte hatten kleine Gewinne zu verzeichnen. Holzmann zogen 1% d. Sy an. Textilwerte, darunter Kunst- feibeaftien, waren etwa gehalten. Von Brauereien waren Schultheis 2 v. Sy höher. Von Wasserwerten lagen Charlottenburger Wasser 1 v. H. fester. Verkehrswerte und Banken gewannen bis zu 1 v. Sy Sonst sind noch Deutsche Atlanten mit einem Gewinn von 2 v. H. zu erwähnen. Süddeutsche Zucker notierten exklusive 7,2 d. Sy Dividende 138% nach 144 v.H. Deutsche Anleihen, Jndustrievbligationen, Reichsschuldbuchsorderungen, Pfandbriefe usw. lagen weiter fest und bis zu 1 v. Sy höher. Ausländer tendierten bei kleinem Geschäft leicht unregelmäßig. Am Geldmarkt machte Die Erleichterung weitere Fortschritte, Tagesgeld war an der unteren Grenze mit 4% d. Sy erhältlich. Die Nachfrage nach Privatdiskonten, Reichswechseln und Reichsschatzanweisungen hielt unvermindert an. Frankfurt fest. Frankfurt a. M., 6. Jan. (WTB. Drahtmeß bung.) Die Börse eröffnete im Anschluß an bie weitere Erholung im gestrigen Abenbverkehr in f e ft e r T e n b e n z. Auf allen Märkten traten Besserungen von 0,50 bis 1 v. Sy ein. Jrn Mittelpunkt des Interesses standen weiterhin JG.-Farben, die den Pari- stanb erreichten und später 1 v. H. darüber lagen. Es erhielten sich Hoffnungen auf eine unveränderte Vorjahresdividende. Die Urnsatztätigkeik an diesem Markt war auf Käufe von außen her und auf Käufe der Spekulation wieder recht lebhaft. Im übrigen blieb das Geschäft sehr klein, es war aber doch mäßig belebter als in den Vortagen. Besondere Anregungen lagen zwar nicht vor, doch beurteilte man bie Unterrebung Hitlers mit von Papen im Hinblick auf die weitere Entwicklung der innerpvlitischen Verhältnisse nicht ungünstig. Mehr Interesse wandte sich auch dem Montanmarkt zu, an dem angeblich Käufe des Rheinlandes vorgelegen haben sollen. Rheinstahl gewannen 1,65 v. H., Gelsenkirchen, Skahloerein und Buderus bis zu 1,25 v. H. und bie übrigen Werte von 0,50 bis 1 v. Sy Leicht fester lagen ferner Deutsche Erdöl, Metallgesellschaft, Zement Heidelberg und AG. für Verkehr mit je 1,25 v. Sy plus. Am Elekkromarkt betrugen bie durchschnittlichen Besserungen bis zu 1 d. Sy AEG. eröffneten 1,25 d. Sy höher. Reichsbankanteile, Deutsche Linoleum, Aku, Aschassenbur- ger Zellstoff unb Daimler Motoren lagen bis zu 0,50 d. Sy freunblicher. Schiffahrtsaktien tendierten unverändert» Deutsche Anleihen lagen gleichfalls weiter f e st. Alkbesitzanleihe erreichten mit plus 0,50 d. Sy einen Kursstand von 65,25 v. Sy, Neubesitzanleihe mit plus 0,25 d. Sy einen solchen von 8,25 v.H.: späte Reichsschulbbuchforberungen zogen etwa 0,25 v. Sy an. oder aber mit NIVEA-ÖL NIVEA CREME Schmerzloses Rasieren durch vorheriges Einreiben mit Brunnenschriften durch das Fachmger Zentralbüro, Berlin 131 W 8, Wih.elmstr. 55. hrna.tl. in iv.ineralw.-Hdl .. 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Stiftungsfest und Winterfest abends 8 Uhr im Caf6 Leib. i05D Näheres siehe »Hessischer Kamerad«. Wirtschaft unO Metzgerei Henkel, WMorstraße Morgen Tamötag: o»r GroßesSchlachtsest Ab morgens 10llhr: Schlachtplatten Jnppnipur- Hugzeugbau.FHeger- ngeniCUi tChule, Papiertechnik Schule Elg. Lehrwerkstätten Maschinenbau, ... . Elektrotechnik, Räl A D BW 9 V Automobllbau IW ■ III U I Turn- und Sportverein Butzbach Samstag, den 7. Januar, abends 8Ubr wevbe-Slbend im großen Saale des hessischen Hofes" unter Mitwirkung der verstärkten Setten - iftunftttren - Kiese (16 Turner) lotBUorfWiwii Oer Ionierinnen llöt. Zonntag, den 8. Januar, nachm. 2 Uhr Sandball - Vevbespiel Mr.-Meister Ium- n. Spottoereiti UJutms-öetnisDeiin gegen 1. Mannschaft Turn- und Sportverein Butzbach. Ter Borstand o«v des Turn- und Sportvereins Butzbach. J.A.: K. Schneider, Ehrenvorsitzender. 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