Donnerstag, 5. Oktober 1955 Nr. 255 Erstes Statt 185. Jahrgang t fv N Zransturi^K Handels verabschiedet, das gemeinsam mit den s e l n I Durchführungsbestimmungen demnächst oeröffent »arge- | licht werden wird. 'S itimation oder B e - 64.‘1 Berlin, 4.Off. (WIB.) Das Reichskabi- e 11 verabschiedete in seiner heutigen Sitzung das Das neue Gchristleitergeseh vom Reichskabineii verabschiedet. In der heutigen Kabinettssitzung wurde ferner ein Gesetz über die schiedsrichterliche Er- ledigung privatrechtlicher Streitigkeiten des Reichsfiskus angenommen, wonach in Zukunft Vereinbarungen, durch die sich das Reich unter Ausschluß der ordentlichen Rechtswege dem Spruch eines Schiedsgerichts unterwirft, grundsätzlich nur mit Zustimmung des Reichsministers der Finanzen abgeschlossen werden dürfen. Weiterhin ist in diesem Gesetz tue Lösung von S ch i e d s g e r i ch t s k l a u s"'- in laufenden Verträgen durch das Reich oorge- seits hat Dertil während seiner Militärzeit als Mitglied des Unpolitischen Wehrbunds auch eine Erklärung unterschrieben, er sei nicht n a t i o n a l s o - zialistischer Parteigänger. Dertil antwortet wiederholt, er habe die Öeffentlichkeit a u seinen Stiefvater Dr. Günther aufmerksam machen wollen als den einzigen Mann, der Oesterreich im jetzigen Augenblick retten könne. Dr. Günther, der in Schlaming von der Gendarmerie verhört wurde, ist, da ihm eine Beteiligung an dem Anschlag nicht nachgewiesen werden konnte, gleich wieder auf freien Fuß gesetzt worden, desgleichen seine Frau, die Mutter Dertils. Beiden war, nach ihren Aussagen, nichts bekannt, daß Dertil einer politischen Partei angehöre. Nach einem am späten Abend ausgegebenen Polizeibericht wurde ein Mechaniker- geben 1.42 35,01 II,62 1 3d) muß den versuch, aus diesem Umwege die in Frage stehenden deutschen Gesetze hier in die (Erörterung hineinzuziehen, mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Das Genfer Abkommen für Oberschlesien ist ein Abkommen, das lediglich für ein besonderes Gebiet Geltung hat. Niemand hat das Recht, die Bestimmungen dieses Abkommens als berufen fift die deutsche Gesetzgebung außerhalb Oberschlesiens hinzustellen. Für die Bewertung von Reichsgesehen fehlt der Sechsten Kommission jede Kompetenz. (Eine Kritik der deutschen Gesetzgebung ist nicht zuläsfig. 3n dieser Beziehung braucht nut wiederholt zu werden, daß dos jüdische Problem in Deutschland ein Problem sui generis ist, das hier nicht einfach als eine gewöhnliche Minderheitenfrage behandelt werden kann. Wie die deutsche Regierung dieses Problem ansieht, hat sie offen vor aller Welt und zwar auch hier in Genf klar gelegt. Es liegt kein Grund vor, dem Weiteres hinzuzufügen. Die heutige Erklärung bringt keinerlei neue Momente, die eine Aenderung unserer Haltung herbei- Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedt. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für denAn- zeigenteil i.B. Th.kümmel sämtlich in Gießen. vom Reichsminisierium für volksaufklärung und Propaganda oorgelegte Schtiflleilergeseh. Durch dieses Gesetz wird der Schristleiter- beruf ju einem Träger öffentlicher Aufgaben gemacht. Das Gesetz enthält Vorschriften über die Zulassung ;um Schriftleiterberuf, über seine Ausübung, seinen Schuh in vet- bondstechllichet und strafrechtlicher Beziehung und regelt die Ueberleitung in den neuen Rechtszustand. Der ReichsverbandderDeutschenpresse erhält die Eigenschaft einer Körperschaft des ö ffentlichenRechts.die alle Sdjriffleiter umfaßt. Das Gesetz sieht u. a. auch die Schaffung von Berussgerichten vor, denen Ausgaben des Rechtsschutzes und der Uebetwachung der Schriftleiter übertragen werden. 3,041 Ä 57,44 Gesandter v. Keller das Wort, um vor allem den Versuch des französischen Delegierten zurückzuweisen, auf Grund eines vom Vslkerbnd bereits erledigten Falles die deutsche Gesetzgebung in der Jubenfrage vor diesem 48,1 12,«j 3,053 169,11 64, ii 51,56 66,41 12.90 0,961 2,688 58,66 22.06 16-46 81,58 35,09 81.18 0.166 0,231 5,30 12.16 Eine peinliche Krage. Wie stellt Frankreich sich zu den eigenen Minderheiten? Oie Genfer Minderheitendebaite gibt erneut Anlaß zu ungerechtfertigten Angriffen gegen Deutschland Der Attentäter Rudolf Dertil. gehilse Karl Müller unter dem Verdacht ver- :>aftet, von den Anschlagsplänen Dertils Kenntnis gehabt zu haben. Die Polizei hat sieben Personen aus dem engeren Bekanntenkreis Dertils in Haft genommen. Ferner wurden der Stiefvater Dertils Dr. Raimund Günther und die Mutter des Täters wieder verhaftet. Wie der Polizeibericht behauptet, hat die Mutter erklärt, Nationalsozialistin zu sein. 1 gewidmet; warum enthält, weiß kein einer Gesamtheit die > Makro,'e, Sumer" ierfon, so bisher ge< geänöen: er ergötzt iinfaD, er liebt noch der rauhen Seesah- [en und seinen ver« oanne und den ging hinter Nauheim. immer ein Außen- schen dem grotesken und der primitiven igl oder genügt ihm s Werk aus einem ilfdjten Gefühl her- rangen ja aud) we> @:bid}te und <8e» *A1 ii.2 J4 ' 51.4' iz.ti 16," 169.69 64.13 4 81.96 Eriche,ni tägltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen; Die Illustriert» Gießener Familienblättei Heimat >m Bild Die Scholl» Monats: Bezugspreis; Mit 4 ‘Beilagen RM 1.95 Ohne Illustrierte . 1 80 Zustellgebühr , --25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlllsse unter SQmmelnummer 2251 Anfchrift für Drahtnach- richten Anzeiger Gießen, postschecktonto: gronffurt am Main 11686 Das Attentat auf Dollfuß. Wohlbefinden des Bundeskanzlers.-Auf der Jagd nach Mithelfern des Täters ronnYc, .pteiie iür ba Vidi V^ide waren nicht groß. narft ^"butter 133 bis T für 100 Pfund, Rutsche Molkers 'Ne MM. Len. führen könnte. Es muß Befremden erregen, daß uns die Idee der Anwendung des allgemeinen Minderheitenschutzes und seine angebliche Nichtbeachtung durch Deutschland gerade von dem Vertreter eines Landes vorgehalten wird, das sich seinerzeit gegen die Verwirklichung dieser Idee ausgesprochen und sich entschieden g e • gen jede rechtliche Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes verwahrt hat. Ich muß daran erinnern, daß Herr Briand als Vertreter Frankreichs vor drei Iahen in dieser Kommission bei der Erörterung der Frage des Minderheitenschutzes erklärte, daß er diesen Gedanken zwar als eine speziell die Minderheitenstaaten interessierende Hypothese gelten lassen könne, daß Frankreich aber nicht z u diesen Staaten gehöre. Wenn der Ausschuß sich ein Bild von den vorhandenen Möglichkeiten verschaffen will, erscheint es mir wichtig, zu erfahren, wie weit die hier vertretenen Regierungen vor allen Dingen die französische Regierung bereit ist, im Hinblick auf eine rechtliche Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes eine entsprechende Verpflichtung auch für die innerhalb ihres eigenen Staatsgebietes lebenden Angehörigen fremden Volkstumes zu übernehmen. N'LfpZ neu 6,40 „17A Xig. Jon> 1 bis ] io. Sv-90 6'5 li 0,90 bis Forum zur Diskussion zu steten. Die Ausführungen des deutschen Vertreters wurden von einem Teil Der Versammlung mit Beifall aufgenommen. Gesandter v. Keller erklärte, er sei durch die Ausführungen verschiedener Redner, auch die heutigen Darstellungen des englischen Vertreters, gezwungen, nochmals das Wort zu ergreifen. Der Vertreter Frankreichs hat es für richtig befunden, in dieser allgemeinen Aussprache den Fa l l Bernheim gegen Deutschland zu zitieren. Die in der Beschwerde Bernheim aufgeworfene Frage der Anwendung gewisser Reichsgesetze innerhalb der Bestimmungen des Genfer Oberschlesien-Abkommens ist in den Verhandlungen des Rates entschieden worden Die sehen. Die Vorschriften dieses Gesetzes finden'entsprechende Anwendung auf die Länder und auf Verträge, die ein Dritter im Auftrag oder für Rechnung der Länder abgeschlossen hat. Weiter beschloß das Reichskabinett ein Gesetz zur Gewährleistung des Rechtsfriedens, wonach Richter, Staatsanwälte oder Beamte, die mit politischen oder polizeilichen Aufgaben betraut sind, aber auch Angehörige der Wehrmacht, des Luftschutzverbands, der SA., der SS., des Stahlhelms und Amtswalter der NSDAP., sowie Schöffen, Geschworene, Zeugen oder Sachverständige vor Gericht unter einen besonderen Schutz gestellt werden. Danach wird mit dem Tode, lebenslänglichem Zuchthaus oder mit Zuchthaus bis zu 15 Jahren bestraft, wer es unternimmt, die angeführten Personen aus politischen Beweggründen oder wegen ihrer amtlichen oder dienstlichen Tätigkeit zu töten ober wer zu einer solchen Tötung auffordert, sich erbietet, ein solches Erbieten annimmt ober eine solche Tötung mit einem anberen oerabrebet. Die gleichen schweren Strafen werben festgesetzt f ü r bie Hersteller unb Verbreiter von hochverräterischen Druckschriften im Ausland» unb für bie Einführung unb Verbreitung solcher Druckschriften im Inland. Schließlich würbe ein Gesetz über organisatorische Maßnahmen zur Färberung des Außen- ■neu, $ 14.25 Abis 18^ b'z ■ 25; sm..' 3)iai5 2‘; b>°. öto’ftfc uÄ: 16.85 bisiiUfen* deutsche Regierung hat alle Maßnahmen getroffen, um eine entsprechende D u r ch f ü h r u n g des Genfer Abkommens für Oberschlesien sicherzustellen. Es ist nicht einzusehen, was für ein sachlicher Anlaß oorliegen könnte, bie Beschwerbe Bernheim hier noch ei n m a l zur Erörterung zu stellen. Nun hat allerbings ber Vertreter Frankreichs, Verenger, ben Versuch gemacht, von ben Bestimmungen bes Genfer Abkommens auf bie allgemeinen Verhältnisse in Deutschland» uberzugehen. Er hat bie Bestimmungen bes Artikels 67 bes Genfer Abkommens als Norm aufgestellt, । an ber er bie beutsche Gesetzgebung messen zu bür- I fen glaubt. Wien, 4. Ott. (WTB.) Bunbeskanzler Doll- s u ß befinbet sich wohl. Er beabsichtigt sogar, bereits am Samstag bei einer Kunbgebung ber Bater» limbischen Front zu sprechen. Nach einer Mitteilung bes Staatssekretärs für Sicherheitswesen, Dr. Kar- winsky, werben nunmehr für ben Bunbeskanzler weitergehenbe Sicherheitsmaßnahmen als bisher getroffen werben, lieber bie bisherigen Ergebnisse ber zur Aufklärung bes Anschlags auf Dr. Dollfuß von ber Polizei geführten Untersuchung wirb weiter bekannt, baß in bem in ber Wohnung bes Täters Dertil beschlagnahmten umfangreichen Schriftenmaterial auch politischen Inhalts keinerlei Legitimation ober Belege bafür gefunden worben seien, bah er Mitglieb ber NSDAP, gewesen sei. Die Schriften hätten nichts Bebenkliches ergeben. Anber- GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnid und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Zteindruckerei K. Lange in Gießen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Schnlstraße 7. Genf, 4. Ott. (TU.) Die große Aussprache über bie Jubenfrage im politischen Ausschuß wurde am Mittwoch mit einem neuen verschärften Angriff a u f Deutschlanb fortgesetzt. Oer griechische Konsul Zrangulis, ber erstaunlicherweise als Vertreter ber Neger- republik Haiti auftrat, überbot sich in gehässigen Anspielungen unb Verdächtigungen unb forderte - Garantien unb verschärfte Sanktionsmaßnahmen gegen biejenigen Regierungen, bie bie Grundsätze des Minderheitenschutzes gegenüber den eigenen Staatsangehörigen nicht einhalten. Frangulis ging schließlich zu direkten Angriffen auf Deutschland über unb suchte ben Nachweis zu erbringen, daß bei ber Schaffung bes Manbats von Palästina nicht nur sämtliche Völkerbunbsmächte ben Schutz der Juden nicht nur in Palästina, sondern i n allen Ländern übernommen hätten. Frangulis behauptete, diese Verpflichtung sei jedoch ohne Erfolg geblieben. Der Völkerbundsrat könne angesichts bestimmter Ereignisse in bestimmten Ländern nicht mehr gleichgültig sein. Die öffentliche Meinung der ganzen Welt verlange stürmisch ein sofortiges energisches Einschreiten. Oer englische llnterstaaissekretär Ormsby Gore entwickelte fodann in einer großen Rede den Standpunkt der englischen Regierung zur Minderheiten- unb Jubenfrage Die englische Regierung lehne ein Regierungssystem, bas auf dem Rassegrunb - s a tz aufgebaut sei, von vornherein mit größter Entschiedenheit ab. Eine derartige Auffassung wäre das "6 n b e bes englichen Weltreichs. Die von Dr Goebbels vor ber internationalen Presse vertretene Auffassung über ben Zusammenbruch bes Parlamentarismus stehe in schroffem Gegensatz zu ber Auffassung bes englischen Volkes. Die Freiheit Englands beruhe auf bem feit 600 Jahren destehenben Parlamentarismus. Niemals werbe bas englische Volk bieses System aufgeben. Die Rassenthefe ber deutschen Regierung müsse zur Anerkennung der jüdischen Rassegemeinschaft in der ganzen Welt führen. Die jüdischen Minderheiten mußten in allen Ländern die gleichen Rechte unb ben gleichen Schutz genießen wie bie übrigen Minderheiten. Alle hätten die große Rede bes Reichskanzlers gelesen unb suchten Deutsch- lanb in ber Behanblung ber Jubenfrage zu verstehen. Der englische Vertreter lehnte sobann bie deutschen Verbesserungsvorschläge für bas Beschwerbeoerfahren der Minderheiten ab, insbesondere ben beutschen Vorschlag auf Schaffung eines stänbigen Miriberheitenausschustes unb direkte Anhörung ber Minberheitenvertreter unb bezeichnete bas bisherige Verfahren als burchaus wirksam unb genügen b. Jeboch schlug er eine gewisse technische Verbesserung bes Verfahrens burch Bekanntgabe der Ablehnung von Minderheitenbeschwerben unb Unterrichtung ber Minderheiten über bie Ablehnung ihrer Beschwerden vor. Die Dölkerbunbsversammlung müsse dieses Jahr von neuem offiziell die große Minderheitenentschließung von 1932 bestätigen, in ber ausbruck- lich für sämtliche Minberheiten ber Schutz ihrer Rechte unb ihrer Rasse, Religion unb Sprache garantiert werbe. Oer tschechische Außenminister Benesch stellte fest, baß die Aussprache in diesem Jahre völlig neue Formen angenommen habe. Es entspreche zweifellos nicht den Grundsätzen des Völkerbundes unb ber allgemeinen Moral, baß in gewissen Staaten keinerlei Minberheitenverpflichtun- gen beständen unb baß bie Minberheitenrechte ohne Einschreiten bes Völkerbunbes verletzt werben konnten Die politischen unb juristischen Folgen ber deutschen These über bie Rasfeneinheit führen zwangsläufig zu einer grunblegenben Umgestaltung ber Minberheitenverträge unb ber internationalen Beziehungen zwischen ben Staaten. Eine derartige Auffassung müsse letzten Endes die Frieden sichernde Tätigkeit bes Völkerbunbes unterbinben. Durch bie Minberheitenverträge seien bie Juben als eine Minberheit ber Rasse unb Religion anerkannt worben. Auch die allgemeinen Grundsätze des Dölkerbundpaktes erkennten das Judentum als eine rassenmäßige Minderheit in den einzelnen Ländern an. Benesch verteidigte dann die angeblich äußerst loyale Haltung der tschechvslvwa- kischen Regierung gegenüber ben Minderheiten unb wibersetzte s i ch scharf jeher Abänbe > rung bes Minderheitenoersahrens. Er legte bem Ausschuß umfangreiche Urkunden vor, aus denen die angebliri loyale Behandlung der ungarischen Minderheit in ber Tschechoslowakei her- vorgehen soll. Das bemokratische System sei bie beste Garantie für bie Freiheit aller Staatsbürger. Der Vertreter Norwegens A n b w o r b erläuterte tm einzelnen ben englischen Antrag über bie 93er- bcfierung bes Minberheitenschutzversahrens, dem sich die dänische, die holländische und die norwegische Delegation angeschlos- fen haben, und setzte sich mit Wärme dafür em. Zum Schluß ergriff noch einmal der deutsche Delegierte Attentate wenden als Mittel ber Politik von allen Parteien mit Ausnahme der Nihilisten und Kommu- nisten schon weltanfchaulich abgelehnt. Ein Menschenleben bars wenigstens als Objekt niemals ber Einsatz sein, um ben gewürfelt wirb. Deshalb ist es auch selbstverstänblich, baß bie ganze Kulturwelt sich mit Entrüstung,unb Abscheu von bem Wirrkopf abroenbet, ber geglaubt hat, burch einige Schüsse bas Rab der österreichischen Geschichte in andere Umdrehungen bringen zu können. Die ganze deutsche Presse hat einmütig den Mann und seine Tat auf bas Schärfste verurteilt. Unb bie Reichsregierung war eine der ersten, bie durch den Reichsaußenminister von Neurath Herrn Dollfuß ihre aufrichtigen Glückwünsche aussprechen ließ, eine Geste, die eigentlich besonders hätte geroür- bigt werden müssen angesichts der gespannten politischen Beziehungen, die zwischen Berlin unb Wien bestehen. . Wir bebauern es menschlich, baß in Wien bafur nur ein sehr geringes Verstänbnis aufgebracht wird, bebauern es doppelt, baß dieses Attentat schon wenige Stunden später für einen politischen Zweck ausgewertet werben soll. Wenn bie Franzosen, unb selbstverstänblich auch bie Tschechen, bie Gelegenheit benutzten, Del ins Feuer zu gießen, so konnten wir mit einem Achselzucken darüber hinweggehen. Von ber Seite ist nichts anberes zu erwarten., Aber es berührt uns boch peinlich, daß trotz ber eigenen Angaben bes Attentäters bie Wiener Presse ben Nationalsozialismus für die Tat verantwortlich zu machen sucht. Wollten wir Gleiches mit Gleichem vergelten, bann läge boch bie Frage sehr nahe, wer benn eigentlich von bem mißlungenen Anschlag etwas zu erwarten hat, unb es ließe sich baran erinnern, baß bie Stellung bes Bunbeskanzlers doch keineswegs so stark war, wie er sich nach außen hin gab. Die Umbildung feines Kabinetts hat nicht ganz den erwünschten Erfolg gehabt. Jedenfalls sind die Gegensätze innerhalb der vaterländischen Front noch nicht überwunden. Herr Dollfuß hatte noch Sorge genug, die weit auseinanberftrebenben Wünsche der Gruppen, die hinter ihm stehen, zusammenzuhalten. Denn es ist ja ein Öffentliches Geheimnis, daß die Christlichsozialen sich von der parlamentarisch-demokratischen Plattform noch nicht trennen wollten, während Fürst Starhemberg immer weiter zur Diktatur hindrängt. Durch die Schüsse ist die Uneinigkeit zum mindesten in ben Hintergrunb geschoben worben, Dollfuß ist roieber ber starke Mann. Er hat an Boben gewonnen Er kann, politisch gesehen, bem Zufall nur bantbar sein, ber ihm biesen Trumpf in bie Hanb spielte. Aber es wäre boch lächerlich, wenn man aus bieser Erkenntnis irgenbwelche Rückschlüsse auf bie Beweggrünbe bes Attentäters ziehen wollte. Ebenso lächerlich ist es inbessen, Deutschland irgenbroie mit jenem Herrn Dertil in Verbinbung zu bringen unb von einer „planmäßigen Aktion" zu sprechen ober gar einen Vergleich mit Sarajewo anzustellen. Schließlich ist es nicht bie Schuld Deutschlands, wenn bie Beziehung zu Oester- reich sich berartig verschlechtert haben. Die Verantwortung bafür trägt Herr Dollfuß, ber boch zweifellos barauf gerechnet hat, baß nur eine scharfe Kampfstellung gegen die deutsche Regierung ihm außenpolitische Unterstützung von anderen Staaten her sichern würde, unb besten Rechnung boch auch bisher nicht falsch gewesen ist. Nur müßte er sich herüber klar sein, baß durch die Art, wie er alles wahllos burcheinanderwarf, innerpolitisch her öfter- reichische Jesse! ftarf überheizt würbe. Unb wenn es jetzt zu einer Explosion gekommen ist, bann ist bas ein bedauerliches Unglück, für bas aber bie beutsche Politik weher mittelbar noch unmittelbar bie gering ft c Ver» antroortung trägt. Riesige Hakenkreuzfahne vor der Wiener Oper. Wien, 4. Okt. (TU.) In ber Stabt erregte es größtes Aufsehen, als plötzlich genau 12 Uhr mittags an ber Opernkreuzung, ber belebtesten Sira» r\x\ Windhund ‘Berlin. Preis drosch. Morl. - (147) (Ein Leute, ein unterhalt' Tagungen und wert Hamlett. Eine Novelle von öl Seiten Text und f. geschenkband 2,- München 13. - (7-) Novelle von Anna ■(t'cnfbflnb 2,— Nik. i 13. - (8.) - Hielt im Sturz. VII-(496)-^5 n, denen es S-'dursi lünft wenigslens zu a' Eine wahrheits« ten des Weltkrieges. 6 Zeichnungen und 30 Pf. Derlaasbuch- Jeenken), Berlin. Versailles. D't ot üto 19 3*"- ;..bt jur Sott und Ä Stenten, Verlag, ■ 91.MM K •" -- ßenkreuzung in Wien, sich wie auf Äommanbo eine r i e fi g e Hakenkreuzfahne von einem Lichtmast entrollte. Die Feuerwehr brauchte ziemlich lange Zeit, um die Fahne zu entfernen. Ungefähr eine Stunde vorher waren, wie nachträglich sestgestellt werden konnte, zwei Männer in Arbeitsanzügen, wie sie Angestellte der Gemeinde Wien tragen, bei dem Lichtmast vorgefahren und hatten eine Rolle daran befestigt. Auf welche Weise diese Rolle gerade zu-Mittag auseinanderging und die Fahne erschien, ist noch nicht geklärt. Es scheint sich um einen Ausloser gehandelt zu haben oder um eine Reißleine, die von einem vorüberfahrenden Auto um diese Zeit gerissen wurde. Die Feuerwehr entfernte die Fahne. Tausende von Personen hatten sich inzwischen angesammelt. Die Polizei hatte Mühe, den Straßenverkehr aufrechtzuerhalten. Englische Betrachtungen. London, 4. Oft. (TU.) Die Londoner Presse beglückwünscht den österreichischen Bundeskanzler Dollfuß zu der Errettung von der Hand eines politischen Attentäters. Die Tat eines verbrecherisch veranlagten Jugendlichen und die Mißachtung von Gefahr, die Dollfuß gezeigt habe, würden, so schreibt die „Times", dazu beitragen, die Zahl seiner Freunde um ihn herum zu vermehren. Auch die konservative „M o r n i n g p o ft" rechnet mit der Möglichkeit, daß Dollfuß' Stellung durch den Anschlag fester geworden sei. „Daily Telegraph" knüpft an seine Sympathiebezeugung eine politische Betrachtung über Oesterreich an und sagt, daß Doll- fuß nicht als der nationale Führer an* gesprochen werden könne, der das ganze Volk hinter sich habe. Die Wirtschaftslage Oesterreichs fei ein herzzereißendes Problem, für das weder Dollfuß noch die ausländischen Regierungen, die seinen Bemühungen (Erfolg wünschen, bisher eine Lösung gesunden hätten. Die bitteren Parteigegen- säße in Oesterreich hätten sich als unheilbar erwiesen. Die Masse des österreichischen Volkes steh« dem Gedanken einer Bereinigung mit Deutschland nicht feindselig gegenüber. Der Wunsch für den Anschluß sei bei Kleinen und Großen gleich stark und sei durch die möglichen wirtschaftlichen Vorteile, die sich aus einer Vereinigung mit' Deutschland ergeben könnten, nur gestärkt worden. Man müsse ernstlich hoffen, daß das gestrige Verbrechen keine politischen Folgen bade, die die an sich schon traurige Lage noch verschlechtern würden. Der 9. November. Große Hrinncrungsfeier in München. München, 4. Okt. (ERB.) In einer Parteiversammlung teilte der stellvertretende Gauleiter R i p p o l d nähere Einzelheiten über die großen Feiern am 9. November mit. Der Zug mit dem Führer wird sich genau wie am 9. November 1923 vom Bürgerbräu-Keller zur Feld- herrnhalle bewegen. Dort wird die Weihe eines Ehrenmals für die Gefallenen des 9. November vorgenommen werden., später auch die Vereidigung der H i tler - S tandarte und die Vereidigung von 10 000 bayerischen Bürgermeistern durch Innenminister Adolf Wagner. Schließlich wird auch am 9. November die Grund st einlegung des Führerhauses in der Arcisstraße vollzogen werden. Oer Dank des Reichspräsidenten. Berlin, 4. Okt. (WTB.) Der Herr Reichs- Präsident gibt folgendes bekannt: Auch in diesem Jahre sind mir zu meinem Geburtstag aus allen Teilen des Reichs und allen Kreisen der Bevölkerung, besonders auch von Deutschen i m Ausland, zahllose Glückwünsche, telegraphisch, brieflich, sowie durch die Presse zugegangen, die mich herzlich erfreut haben. Da es mir unmöglich ist, jedem einzelnen zu danken, spreche ich allen, die meiner freundlichst gedacht haben, auf diesem Wege meinen tiefempfundenen Dank aus. — Der Herr Reichspräsident hat dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft. Darr 6, folgendes Danktelegramm gesandt: Ihr freundliches Meingedenken anläßlich des 1. Deutschen Erntedanktages war mir eine besondere Freude. Ich erwidere die Grüße der deutschen Bauern in treuer Verbundenheit. v. Hindenburg, Reichspräsident. Wie weit war -er Kommunist Torgler an der Reichstagsbrandstistung beteiligt? Leipzig, 4. Okt. (WTB.) Nach mehrtägiger Unterbrechung durch den Juristentag wurde der Prozeß wegen der Reichstagsbrandftistung vor dem Reichsgericht am Mittwoch fortgesetzt. Bevor der Angeklagte Torgler vernommen wird, stellt Rechts- anwalt Dr. Teichert einige Fragen an den Ange- geklagten van der Lubbe, der bestätigt, am 26. Februar, dem Tage zwischen dem Brande des Schlosses und dem Brande des Reichstages, in Hennigsdorf sich bei der Polizei gemeldet zu haben, um eine Unterkunft zu bekommen. Im Hennigsdorfer Asyl habe er mehrere Personen kennengelernt, deren Namen er aber nicht wisse. Auf Verlangen des Angeklagten Dimitroff richtet der Vorsitzende dann an van der Lubbe die Frage, ob er Dimitroff vor der Untersuchung schon einmal gesehen habe. Dan der Lubbe antwortet mit Nein, und eine weitere Frage des Vorsitzenden, ob ihm Dimitroff ganz unbekannt fei, beantwortet van der Lubbe mit Ja. Auch die beiden anderen bulgarischen Angeklagten Taneff und P o p o f f will van der Lubbe vor diesem Verfahren nicht gesehen haben. Es wird bann über die Beteiligung des Angeklagten Torgler an dem Reichstagsbrand verhandelt. Auf die Frage des Vorsitzenden erwidert Torgler, daß er am Abend vor dem Reichstagsbrand etwa bis 20.15 ober 20.20 Uhr im Reichs- tagsgebäube gewesen sei. Auf den Vorhalt des Präsidenten, bah einige Zeugen eine spätere Zeit genannt haben, antwortet Torgler, das sei ihm nicht verständlich. Er erinnere sich genau, um 20.35 Uhr das Restaurant Aschinger am Bahnhof Friedrichstraße betreten zu haben. Er habe zusam- men mit dem früheren kommunistischen Abgeordneten K o e n e n und der Sekretärin der kommunistischen Reichstagsfraktion das Reichstagsgebäude verlassen. Der Vorsitzende hall dem Angeklagten dann vor, daß er am 27.Februar mit zwei Aktentaschen in den Reichstag gegangen sei. die besonders schwer gewesen sein sollen und den Eindruck erweckt haben, als ob sie einen ganz besonderen Inhalt hätten. Torgler erklärt, er habe wiederholt, fast jeden Samstag und jeden THonlag, den Reichstag mit zwei Aktentaschen verlassen und betreten. In den Taschen hätten sich Zeitungon befunden, die er noch nicht gelesen habe. Er könne sogar noch angeben, welche Zeitungen darin waren und was er an sonstigem Material in den Taschen hatte. Die eine Tasche müsse noch im Zimmer 9B des Reichstages in seinem Rollschrank stehen. Der Vorsitzende weist auf zwei Zeugenaussagen hin, nach denen es nicht die beiden Taschen gewesen seien, die Torgler angegeben habe. In der Voruntersuchung, fuhr der Vorsitzende fort, haben Sie gesagt, es käme vielleicht b i e Fraktions- tasche in Frage. Nach Bekundungen der Sekre- tärin sei aber die Fraktionstasche an diesem Tage ganz wo anders gewesen. Der Angeklagte erklärt daraufhin, es könne sich um einen Irrtum handeln, da er tagtäglich mit Taschen und auch sehr häusig mit der Fraktionstasche in den Reichstag gegangen sei. Der Vorsitzende bemerkt, daß die beiden Zeugen ihre Aussagen noch dahin ergänzt haben, daß der Angeklagte Torgler sich scheu umgesehen hätte. Torgler erklärt, daß er dazu feine r I e i Veranlassung gehabt habe. Es könne höchstens (ein, daß er an dem Vormittag nicht ganz frisch gewesen sei. Vorsitzender: Wir müssen uns jetzt damit beschästigen, wo Sie sich am Tage der Brand- st i f t u n g aufgehalten haben. Wann sind Sie in den Reichstag gekommen? Torgler: Etwa zwischen 11 und 11.15 Uhr habe Id) den Reichstag durch Portal 2 betreten. Ich bin an dem Brandtage nicht eine einzige Minute aus dem Reichstage heraus- gegangen. Ich bin nur zweimal ins Hauptge- schoß gekommen, und zwar vormittags zwischen 11.30 und 11.45 Uhr und bann etwa um 16.30 Uhr, um meine Post zu holen. Vorsitzender: In der Anklage wird die Möglichkeit erörtert, daß Sie um 14 Uhr etwa von dem Zeugen Schmal vor dem Reichstag gesehen wurden. Er hat gesagt, er hätte Sie bald nachdem er van der Lubbe gesehen hatte, auch auf der Straße gesehen, wie Sie mit einem Paket bie Straßenbahn verlassen hätten. Er hat aber gesagt, es wäre auch entfernt möglich, daß dies an einem ander en Tage gewesen sei. Torgler: Ich kann mit aller Bestimmtheit sagen, daß ich am Montag, dem Tage der Brandstiftung zwischen 11.45 und 20 20 Uhr weder rgendeln Reichstagsportal berührt habe, noch aus dem Reichstage heraus- gcgangen bin, dagegen ist cs richtig, daß ich am Samstag, um 13 Uhr den Reichstag verlassen habe, um bei Aschinger am Potsdamer Platz eine Kleinigkeit zu essen. Ich bin bann le btt Straßenbahn wieder zum Reichstag zurückgefahren. Ls ist möglich, daß mich bei dieser Gelegenheit der Zeuge Schmal mit einem Kuchenpaket gesehen hat. Vorsitzender: Nach dem Gespräch mit Birkenhauer sind Sie wieder ins Obergeschoß hinaufgegangen, und bann haben Sie zusammen mit Koe- nen und Fräulein Rehme den Reichstag verlassen. Sie waren die letzten, die an diesem Abend aus dem Reichstag gingen. Torgler: Am Tage nach dem Reichstagsbrand las ich in der Presse, daß Koenen, Fräulein Rehme und ich fluchtartig den Reichstag verlassen hätten. Ich lege größten Wert auf die Feststellung, daß davon keine Rede sein kann. Wir sind im Gegenteil sehr gemütlich und langsamer als sonst gegangen, und das lag daran, daß Fräulein Rehme schon wegen ihrer starken Figur schleckt gehen kann, und daß sie an diesem Tage außerdem an einer Venenentzündung litt. Der Oberreichsanwalt fragt den Angeklagten, warum er das Gespräch mit Birkenhauer nicht in feinem Zimmer, sondern im Fraktionszimmer abgewartet habe. Torgler erklärt dazu, es fei üblich gewesen, daß man nach der Erledigung der sigentlichen Arbeit sich im Fraktionszimmer aufhielt. Er habe sich dort mit Koenen, der ein luftiger Erzähler sei, über private Dinge unterhalten. Vorsitzender: Run kommen wir zu den Bekundungen der Zeugen Sarwahne, Frey und kroyer. Die Zeugen sagen. Sie halten am Rachmlt - tag des 27. Februar, also am Brandtage, etwa um 15 Uhr oder um 15.30 Uhr von rechts kommend, eine Begegnung mit Ihnen gehabt, wie Sie im Vorraum des hanshaltsausschuh- saales zusam men mit van der Lubbe in entgegengesetzter Richtung entlang kamen. Angeklagter: Ich weiß nichts von einer Begegnung, die so ausgesehen hätte, daß ick von rechts den Zeugen entaegengefommen bin. Ich weiß aber ganz positiv und habe davon schon bei meiner ersten Vernehmung gesagt, daß ich am Brandtage nicht über bie Glastür, die zum Haushaltsausschußsaal führt, hinausgekorn- men bin. Es ist also ganz ausgeschlossen, daß ich von rechts her gekommen bin. Ich habe aber die erste Begegnung in ganz deutlicher Erinnerung. Ich habe dabei auf Dem Sofa in der Ecke links gesessen. Die Glastür ging auf und die Herren kamen herein. .Der erste wandte sich noch mit der Glastür in der Hand zu den anderen herum und stellte mich gewissermaßen vor. Die anderen beiden haben mich daraufhin genau fixiert. Ich sehe noch ganz deutlich vor mir, wie der letzte, nämlich Herr Frey, sich noch einmal nach mir um- drehte. Das fiel mir so auf, daß ich zu meinem Gesprächspartner sagte: „Herrgott, was gucken mich denn die so an?" Mir war auch ausgefallen, daß die Herren große Abzeichen trugen. In dem Halbdunkel des Vorraumes konnte ich aber nicht erkennen, ob es Abzeichen des Stahlhelms ober der nationalsozialistischen Partei waren. Kannte Torgler die andern Angeklagten? Dos van der Lubbe anbelangt, so erkläre ich nochmals mit aller Bestimmtheit: Ich habe nie in meinem Leben van der Lubbe kennengelernt, habe ihn nie gesehen, gesprochen oder auch nur seinen Rainen gekannt. Zum ersten Male sah ich ihn am Dienstag, dem 28. Februar, 11 Uhr, als Kriminalkommissar Heisig mich ihm gegenüberstellte. Ich habe auf dessen Frage bann wahrheitsgemäß geantwortet: Ich kenne van der Lubbe nicht und habe ihn nie in meinem Leben gesehen. Der Vorsitzende stellt fest, daß die Zeugenaus- sagen mit den Angaben des Angeklagten m dem Hauptinhalt übereinstimmen, nur nicht in dem entscheidenden Punkt, daß nämlich die drei Zeugen mit Bestimmtheit erklären, Torgler sei ihnen entgegengekommen. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten weiter vor, daß die gleichen Zeugen ihn dann, als sie noch einmal zurück- tarnen, erneut gesehen hätten, und zwar soll diesmal ein Mann mit ihm aus dem Sofa gesessen haben, der einen H u t insGesicht gezogen hatte und nach der Behauptung der Anklage der Angeklagte Poposs gerne- s e n fein soll. Torgler erklärt, daß er von den drei Bulgaren erstmalig in der Schutzhaft, etwa am 12. März, gehört habe. Bei der ersten Begegnung mit den drei Zeugen sei der Abgeordnete Florin dabei gewesen. Poposs habe er zum ersten Male in seinem Leben am 2 4. April gesehen. Aus die Frage, wer es denn gewesen sei, erklärt Torgler, der Abgeordnete Dr. ’Jleubauer. Er könne sich an die zweite Begegnung nicht mehr so genau erinnern, habe aber schon am 6. März an den Kriminalkommissar Heisig einen Brief geschickt, in dem er diese Tatsache mitteilte. Dem Angeklagten Torgler werken bann die verschiedenen Vernehmungsprotokolle vorgehalten, um bie Abweichungen in seinen Aussagen festzustellen. Der Vorsitzende stellt fest, daß der Angeklagte am 2. März an Oberregierungsrat Diehls in einem Briefe nochmals mitgeteilt habe, daß er das Fraktionszimmer nicht verlassen habe. Torgler erklärt, er habe immer unter dem Eindruck gestanden, man wolle von ihm lediglich wissen, wie oft und wann er im Hauptgeschäftsgeschoß gewesen sei und wann er den Reichstag verlassen hat. Nach- dem diese Frage ihm aber vorgelegt worden sei, habe er sofort geschildert, woran er sich erinnert habe. Der Vorsitzende hält ihm weiter vor, daß er am 5. März in einer Vernehmung gesagt habe, er sei mit dem Journalisten Oehme zusammen gewesen. Oehme habe dies bestritten. Torgler erwidert, das Gespräch mit Oehme habe stattgefunden, aber früher als er damals gesagt habe. Das sei ihm erst später eingefallen, daß er sich hier in der Zeit geirrt hatte. Er habe sich bann baran erinnert, baß das Gespräch, das die drei Zeugen beobachtet hätten, mit dem Abgeordneten Flo r i n ftattgefunben habe. Auf den Hinweis des Vorsitzenden, daß auch Florin flüchtig sei, erklärt Torgler, er wi'se das nicht Lus dem weiteren zur Verlesung kommenden Verlesungsprotokoll hebt lorglers Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Sack, besonders eine Stelle hervor, in der davon die Rede ist, daß Torgler und Dr. Neubauer für den nächsten Tag, also für den Tag nach dem Reichstagsbrand, Besprechungen im Reichstag ntlt Abgeordneten zur Anbahnung einer Einheitsfront der Linken vereinbart hatten. Der Vorsitzende wendet sich nun an den Ange- klagten van der Lubbe und fragt ihn, ob er am Tage der Brandstiftung nachmittags im Reichstage gewesen sei, und zwar zusammen mit dem Angeklagten Torgler. Van der Lubbe (nach einigem Zögern): Rein, das glaube ich nicht. Vorsitzender: Daraus können Sie doch nur mit 3a ober Rein antworten. Sie sind also nicht mit Torgler zusammengewesen? Van der Lubbe: Rein. Vorsitzender: kennen Sie Torgler von früher? Van der Lubbe: Rein. Vorsitzender: Lr ist Ihnen also ganz unbekannt? van der Lubbe: Ia. Vorsitzender: Liner Anregung des Verteidigers folgend, frage ich Sie (van der Lubbe) ausdrücklich, ob Sie den Reichstag allein angesteckt haben oder ob Ihnen irgendwelche Leute dabei geholfen haben, van der Lubbe zögert zunächst, dann ging ein Lächeln über seine Züge und er antwortet: Rein. Vorsitzender: Das denn? Sie müssen uns die Wahrheit sagen. Ist Ihnen bekannt, daß durch Gutachten nachzuweisen ist, daß Sie allein es gar nicht gemacht haben können? Dan der Lubbe: Ia. Vorsitzender: haben Sie den Reichstag allein angesteckt ober mit anderen? van der Lubbe: Allein. Vorsitzender: Riemand hat etwas oorgerichtek? van der Lubbe.? Rein. Vorsitzender.- Wie erklären Sie sich denn, daß drei Sachverständige festgestellt haben. Sie können die Sache nicht allein gemacht haben? van der Lubbe: kann ich nicht sagen. Rechtsanwalt Dr. Sack fragt van der Lubbe, ob er, als er die Kohlenanzünder kaufte, diesen Kauf von sich aus unternommen oder ob er es auf Grund einer Verabredung mit anderen getan habe, die er nicht nennen wolle. Dan der Lubbe verneint das Letztere. Rechtsanwalt Dr. Sack fragt weiter, ob ihm jemand b i e Einsteigsstelle in das Reicks- tagsgebäube vorher gezeigt habe. Dan der Lubbe verneint auch dkls. Der Vorsitzende erklärt, es sei notwendig, noch einmal den Tatbestand näher durch die Sachverständigen- und Zeugenaussagen festzustellen, worauf Rechtsanwalt Dr. Sack erwidert, daß die Gutach- tep seines Erachtens einen Fehler enthielten, daß nämlich nicht unter denselben Verhältnissen wie der Reichstagsbrand im Plenarsaal entstanden ist, auch nachher die Brandoer- suche oorgenommen wurden. Die Brand versuche hätte» nicht die kolossale Wirkung, die dieser Neuordnung des Strafvollzugs. Tagung der TtrafvollzugSreferenteu in Darmstadt. Darmstadt, 4.Okt. (WSN.) Auf Einladung des Reichsministers der Justiz sind in. Fortsetzung bisheriger Uebung bie Strafoollzugsrese- renten der Justizministerien für den 5. und 6. Oktober 1933 in D a r m ft a b t zusammen- gekommen, um im Oebäube bes Hessischen Landtags über aktuelle Fragen ihres Arbeitsgebiets zu beraten. Der Reichskommissar für Die Gleich- schaltung der Justiz in den Ländern und für die Erneuerung der Rechtsordnung läßt sich auf der Konferenz, die auch der Dereinheillichung des Strafvollzugs in den Ländern dient, oertreten. Die Beratungen haben Fragen der Revision der Grundsätze für den Vollzug von Frei- heitsstrasen vom 7. Juni 1923, des Strafvollzugs in Stufen der (Befangenenarbeit und der Sttafvoll- zugsstatistik zum Gegenstand. Weiter stehen auf der Tagesordnung die Ueberführung der Festungshaft- gefangenen in Festungen, die infolge der Lende- nmg Des § 17 bet Strafgesetzbuchs durch bas GesH große Kuppelbrand habe, da ein starker Suff« z ug aus einem kleinen Fenster komme. nngefiagter Dimitroff: Da es absolut ausgeschlossen ist, daß van der Lubbe allein diese -Sache meistern konnte, stelle ich an ihn bie Frager Wie kann er selbst bie merkwürdige Tatsache erklären, daß es ihm beimWohlfahrtsamtnicht gelungen ist, diese kleine Bude anzustecken, während bei dem großen kolossalen massiven Reichs- tagsgebäuoe, das ständig bewacht ist, er behaupten will, daß er allein in einer Sier- telftunbe diesen Riesenbrand ent« fachen konnte. Vorsitzender: Dan der Lubbe, können Sie eine Ausklärung darüber geben, weshalb Sie die Brandstiftung im Wohlfahrtsamt nicht durchführen konnten? Van der Lubbe: Nein. Der Vorsitzende hält dem Angeklagten lorglef dann die Aussage einer Zeugin Frau Feldmann vor, die Torgler im Reichstag zusammen mit einer unbekannten Person im Gespräch „Dor dem Saal Des Haushaltsausjchusses etwa gegen 12.30 Uhr gesehen hat. Die Zeugin hat angegeben, daß bei ihrem Vorbeikommen das Gespräch unterbrochen wurde. Torgler erklärt, daß er um diese Zeit ein Gespräch mit dem kommunistischen Wahlleiter Petersen gehabt habe. Weiterhin wird dem Angeklagten Torgler die Aussage eines Zeugen Genschel oorgehallen,- der ein geheimnisvolles Gespräch in dem Dorraum zum Saal 12 beobachtet haben will, das von Torgler sofort abgebrochen wurde, als der Zeuge in den Raum kam. Der Angeklagte Torgler erklärt, er halte das für ausgeschlossen und wirst die Frage auf, ob es nicht möglich sei, daß sich die Zeugen im Tage g e - irrt haben, da ihre Berneomungen doch erst Ende März ober April stattgefunden hätten. Als letzter Punkt in der heutigen Verhandlung wirb dem Angeklagten Torgler die Aussage des Zeugen Weberstedt oorgehalten, der angegeben hat, daß er am Brandtage oder an einem der beiden vorhergehenden Tage gegenüber demFrak- tlonszlmmer der Kommunisten zwei Männergetroffenhabe, von denen der eine Taneff und der andere van der Lubbe gewesen sein soll. Der Größere habe eine Klsteauf der Schulter getragen. Angeklagter Torgler erklärte mit aller Bestimmtheit, daß er nie einen Menschen mit einer Kiste gesehen habe. Im übrigen gingen durch diesen Vorraum so viele Menschen hindurch, die er Überhaupt nicht kenne. Ls gäbe aber auch noch eine andere Erklärung. Am Freitag vor dem Braadtag seien der Kaufmann B e r n st e 1 n , der geschäftliche Angelegenheiten für die Fraks \ erledigte, und ein gewisser Wundersee in das Fraktionszimmer gekommen, um eine Rücksprache wegen der Beschlagnahme des Karl-Lieb- knechthauses zu führen. Aus den späteren Gegenüberstellungen habe er feststellen können, daß Ta- neff tatsächlich eine große Aehnllch- feit mit Bernstein habe und daß auch bei Wundersee und van der Lubbe eine Verwechslung möglich fei. Torgler betonte, daß er damals mit den beiden zusammen auch den Reichstag verlassen habe. Vorsitzender: Dan der Lubbe, Sie haben gehört, daß Sie nach der Aussage eines Zeugen am Tag vor dem Reichstagsbrand mit Taneff zusam. men im Reichstag gewesen fein sollen. Ist das richtig? Dan der Lubbe — nach längerem Zögern —t Nein. Vorsitzender: Sind Sie überhaupt vor dem Brand jemals im Reichstag gewesen? Dan der Lubbe: Ja (Bewegung im Zuhörerraum). Vorsitzender: Wann denn? Dan der Lubbe: Dor dem Brand. Vorsitzender: Am Tag des Brands oder am Tag vorher? Dan der Lubbe: Am selben Tag. Vorsitzender: Am selben Tag waren Sie schon im Reichstag. Van der Lubbe: Nein. Nach einem längeren Hin und Her.zwischen dem Vorsitzenden und van der Lubbe, bei dem dieser lauter widersprechende und verwirrte Auskünfte gibt, fragt der Vorsitzende schließlich: Sie haben vorhin gesagt, daß Sie sich den Reichstag o o r e r ft schon einmal angesehen hätten, um zu sehen, wo Sie hineinkommen könnten. Waren Sie schon vorher einmal drin im Reichstag? Dan der Lubbe: Nein. Vorsitzender: Ihre Antwort ist also so zu verstehen, daß Sie vor dem Reichstag waren, etwa um 14 Uhr, wo der Zeuge Schmal Sie gesehen hat. Ist das damals gewesen? van der Lubbe: Ja- Vorsitzender: Innen drin im Reichstag sind Sie vorher nicht gewesen? van der Lubbe: Nein. Der Vorsitzende fragt nun den Angeklagten Taneff, ob er mit van der Lubbe einmal im Reichstag gewesen sei. Taneff: Ich habe nan der Lubbe zum ersten Mal im Reichstag gesehen, als ich das erste Mal vernommen wurde. Auch Torgler habe ich vor meiner Verhaftung nie gekannt Dem Angeklagten Poposs wird bii Zeugenaussage vorgehalten, wonach er am Brandtag etwa um 15.30 Uhr zusammen mit Torgler im Vorraum des Haushaltsausschuß- s a a l s gewesen fein soll. Popoff: Niemals bin Id) bis zu meiner Verhaftung im Reichstag gewesen. Den Ange- klagten Torgler habe ich zum ersten Mal nach meiner Verhaftung gesehen. Weiterverhondlung: Donnerstag. V M ist in den OSRAM u n g der Nationalitäten- waltsame ■_ 8 7. Oberst Tietz überreichte dem Reichskanzler Ehrengabe des Offiziersbundes den „Löwen Nr. des Denkmals bei Waterloo. (Ost- Der Parteivorstand der Deutschen Nationalsozia- listischen Arbeiterpartei in der tschechoslowakischen Republik hatte bereits aufgrund der ihm vom außerordentlichen Parteitag in Bodenbach erteilten Vollmacht die Einstellung der Tätigkeit der Partei und ihre Liquidierung be° als Ehrengabe von Waterlo o", eine verkleinerte Nachbildung Der Kronprinz weilte am Dienstag zu einem privaten Besuch beim Reichspräsidenten in Neudeck. Berlin — Stettin in Frage. Mit dem Beginn des Baues dieser Strecke ist in wenigen Wochen zu rechnen. Die Vorarbeiten sind soweit gediehen, daß die Bauleitung der Strecke Berlin—Stettin demnächst in Angermünde eingesetzt wird. Aus aller Welt, verschüttete Bergleute lebend geborgen. 3en Tag. i waren 6it schon m Hutes LM. LS Der Dölkerbundsrat hat in einer kurzen Sitzung die Schaffung eines 15. nichtständigen Ratssitzes einstimmig beschlossen. Die Wahl für Len neugeschaffenen Ratssitz, für Len die Türkei und Portugal kandidieren, soll Ende der Woche stattfinden. „Petit Parisien" meldet die Ankunft des süd slawisch en Königspaares in Istan - bul an Bord des Kreuzers „Dobrownik". König Alexander und die Königin sind G ä st e M u st a - pha Kemal Paschas im Palais Dolma Bagdfche, wo sie am Mittwoch den Besuch des griechischen Ministerpräsidenten V e n i z e l o s empfingen, der sich augenblicklich als Gast Ismet Paschas in Istanbul aufhält. Das südslawische Köniyspaar wird am Donnerstag nach Korfu Weiterreisen. Prag, 4.Ott. Amtlich wird mitgeteilt: „Am heutigen Tage wurde die Tätigkeit der Zentrale der SudetendeutschenTrationalsozialisti- schen Arbeiterpartei und die Tätigkeit aller ihrer Bezirks-. Kreis- und Landesorganifationen amtlich eingestellt und verboten, da alle Bestrebungen der DRSAP. nach Durchführung ihres terroristischen Programmes die Vereinigung aller Deutschen schon begriffsmäßig in ich die Zeichen der Gewalt einschlie- ; e n und sowohl das Strafgesetz, wie auch die ö f - entllche Ruhe und Ordnung im Sinne des Paragraphen 113 der Verfassungsurkunde der tschechoslowakischen Republik verletzen und weiter aus dem Grunde, daß ihre gesetzwidrige Existenz der öffentlichen Ruhe und Sicherheit widerspricht. Aus dem gleichen Grunde wurde auch die Tätigkeit der Deutschen Rationalparle i in der Tschecho- lowakei eingestellt und verboten, welche das offensichtliche Bestreben kundgetan hat, sich mit der DRSAP. zu verschmelzen." von der Prager Regierung wird dazu erklärt, die Entwicklung der Verhältnisse in einigen Nachbarstaaten habe besonders in den deutschen Teilen der Tschechoslowakei gewisse Zersehungserscheinun- gen gezeigt, die den regierungsfreundlichen Parteien nicht nur ernstliche Sorgen bereiteten, sondern auch ihre weitere nützliche Arbeit für den Staat gefährdeten. Das Parlament werde eine Reihe von Anträgen zu beraten haben, die den Schuh der Demokratie vorsähen. Befürchtungen, daß es sich dabei um gewaltsame Unterdrückung der Parteien überhaupt handeln würde, seien unbegründet. Die Regierung müsse jedoch von allen politischen Parteien, gleich ob von Regierungs- oder Oppositionsparteien, verlangen, daß sie sich als Trägerder Staatsidee bekennten und sich vorbehaltlos auf den Boden des Staates stellten. Die Maßnahmen, die die Regierung durchzuführen int Begriff sei, seien der Widerschein einer außerordentlichen Zeit. 3n normalen Zeiten könnte man aus sie verzichten. Auf der Polska-Kohlengrube in Eichenau . . Oberschlesien) stürzte während des Schichtwechsels der Förderturm und Ler Förderschacht anscheinend infolge Unterspülung der Schachtwände ein. Elf Deutschland und Frankreich Ein Sauerwein-Interview mit Ministerpräsident Göring. Die Emigrantensrage als wirtschaftliche Angelegenheit vor dem Völkerbund. Deutschland erklärt seine Uninteressiertheit. eie fjaben gehört, 's faßen am Ls Eant\\ \tn Men. Äst ingerem Zögern urhaupt vor dem hstag gewesen? ing im Zühöremnim). Srand. Branbs ober am lag Der Reichskanzler empfing Oberst Tietz, den Vorsitzenden Les Offiziersbundes des alten e r st e n Nassauischen Infanterieregiments Wettervoraussage. An der Rückseite der nordöstlichen Störung fließt maritime Luft nach dem Festlande, die den Witte- rungscharakter wechselhaft gestalten wird. Es kommt daher auch bei uns zum Aufzug veränderlicher Bewölkung, wobei vereinzelt Regenschauer auftreten dürften. Da der Wolkenschirm die Ausstrahlung be- hindert, gehen in der Nacht die Temperaturen nicht mehr so stark zurück. Aussichten für Freitag: Wechselnd bewölkt mit zwischenzeitlicher Aufheiterung, nachts etwas milder, Neigung zu einzelnen Schauern. Lufttemperaturen am 4. Oktober: mittags 14,8 Grad Celsius, abends 5,7 Grad: am 5. Oktober: morgens 4,9 Grad. Maximum 17,2 Grad, Minimum 0,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 4. Oktober: abends 11,3 Grad: am 5. Oktober: morgens 9,4 Grad. — Sonnenscheindauer 9 Stunden. MeIeuWenverschunginderTschechoslowakei Oie nationalsozialistischen Parteien der Sudetendeutschen verboten. Abgeordnete verhaftet. .* iln bhVMt *sjs. -IStiX hcDa*t ,^'chr. ausiX J» ®e. ötöNes 5?« SrES- *’ 0,5 Ä * tku fü, Mwbtanj ' l« üusf«ge ba ’ * "Wteu I|,l ’ ta Mbn bet tat. BD°IOen jb>,/ »onbenmbfteint 1 tubbt g«. ^rluekisleavs Ungeflagler lotglet .Mi et nie einet gelegen Babe. •n Borraum |o viele jaupl nldjl kenne. L, ne Märnng. ieien bet Kaufmann Üngelegen^eilea für gewisser Dunbetfa men, um eine KW- hme des Karl-Lieb. )en späteren Hegen- m können, daß la. lrohe Lehnlich- mb bah auch bei Dao. e Verwechslung , dah et damals tnil n Reichstag verlassen Bergarbeiter wurden verschüttet. Don den umliegenden Gruben waren 13 Rettungskolonnen mit den Rettungsarbeiten beschäftigt. Den fast übermenschlichen Anstrengungen dieser Mannschaften ist es wider Erwarten gelungen, an die bereits tot- geglaubten Bergknappen heranzukommen und sie schlossen. In einem vom ersten Präsidenten der Partei, Abg. Ingenieur Jung, erlassenen Aufruf wird erklärt, daß angesichts der durch das Urteil des Obersten Gerichts gegebenen Sachlage eine Weiterführ u n g der Parteitätigkeit ausgeschlossen erscheine. Im übrigen habe die Partei niemals eine Politik deraewalt- samen Lostrennung der deutschen Gebiete von der tschechoslowakischen Republik betrieben oder gebilligt und niemals eine g e • N** UM®«'"'“ ®«I«W efD°.l,2 für ben 51 NZS unb K pr l. gu bee läßt Eichung n b‘n wgen en haben FJ yei« »3, be* straf1’!! Mtz Der spanische Staatspräsident hat nach Verhandlungen mit zahlreichen Parteivertretern den Professor für Zivilrecht an der Universität Madrid, Sanchez Roman, mit der Bildung eines Konzentrationskabinetts unter gleichzeitiger Erteilung des A u f l ö s u n g s d e k r e t e s für das Parlament beauftragt. Sanchez Roman ist parteipolitisch nicht gebunden, aber durchaus links eingestellt. nb f)tr zwischen dem Ne, bei b?m dicht verwirrte Auskünfte schlich: Sie haben 3 Reichstag vorerst j e n baden, um 3“ (önnien. B«« Sie n Skeichrtag? I ist al|o Io ju Der« cid)5tag waren, etwa Sie gefeben ßubbe:^ , Reichstag sind Sie . gubbe: Nein. , ben Än^vagten , ßubbe einmal ti eiA habe van rÄ? ^halt-aurfchuv ‘ärS’*? gewe • M »ach «um ersten »leben. Krieg wollen. Frankreich und Deutschland können unmöglich sich gegenseitig vernichten wollen. Sie sind in keinem größerem Krieg soweit gekommen, und es wird ihnen auch niemals gelingen. Dir erinnern uns der Jahre, in denen soviel Heldenmut gezeigt worden ist. Um ein Stückchen Erde soll niemals Krieg geführt werden, aber gegen einen Feind, der uns vernichten möchte, muh Krieg sein bis auf den letzten Dann und bis zum letzten Atemzug. DirhabenkelneRevanchegedanken. Lin altes deutsches Lied begann mit den Dorten: Siegreich wollen wir Frankreich schlagen. Ich hebe Befehl erteilt, es nicht mehr zu fingen. Ministerpräsident Göring ging alsdann zum Flugwesen über, indem er sagte: Ich brauche Verteidigungswaffen. Als Chef des deutschen Flugwesens gehe ich von drei Grundsätzen aus, die ich anführe. Zunächst muß ich das L e r - kehrsslugwesen aufbauen, dessen Budget 1929 dezimiert worden ist. Das Material ist nicht mehr modern. Es entspricht nickt mehr den Sicherheitserfordernissen. Wir brauchen überall breimotorige Flugzeuge. Und zweitens will ich nicht in Deutsch- land Öen Fliegergeist unte'rgehen lassen. Die deutsche Jugend muh Geschmack am Fliegen behalten. Drittens will ick beweisen, daß wir ein Mindestmaß von Defensive m der Luft benötigen, wie zu Lande und zu Wasser. Wir sind völlig von Ländern umgeben, die mit Frankreich befreundet oder verbündet sind. Wir können v a n allen Seiten angegriffen und ver- n i ch t e t werden. Will man wirklich, daß wir völlig wehrlos sind? Will man behaupten, daß wir mit so geringen Land- und Seestreitkräften einem Luftangriff Widerstand leisten könnten? All das ist sehr ernst. Man plant gegen uns Sanktionen und Luftangriffe, die man ohne em SDiftPa AiidFührAH mnAlö ‘TSpM tt htP hni'LWntQlC ajCV* Genf, 4. Okt. (WTB.) Im Wirtschaftsausschuß der Völkerbundsoersammlung wurde der holländische Antrag über die Frage der deut- fchen Auswanderer behandelt. Der holländische Außenminister de G r a e f f betonte, daß es der holländischen Regierung vollkommen fern liege, sich in die inneren deutschen Angelegenheiten einzumischen und daß der holländische Antrag in keiner Weise als eine Kritik des gegenwärtigen Regimes in Deutschland und der von ihm ergriffenen Maßnahmen aufgefaßt werden dürfe. Es handele sich um eine rein wirtschaftlich-technische Angelegenheit, wobei man von der Tatsache auszugehen habe, daß die Wirtschaft und der Arbeitsmarkt der übrigen Länder von der Abwanderung aus Deutschland betroffen würden. De ©raeff bezifferte die Gesamtzahl der deutschen Emigranten auf 50 000 bis 60 000, die Zahl der nach Holland Ausgewanderten auf 6000 bis 7000. Der holländische Außenminister entwickelte sodann im einzelnen e in e n Plan über die technische und finanzielle Durchführung der von ihm oorgeschlagenen Organisation. Der deutsche Delegierte erklärte dazu u. a.: Die Personen, auf die der Antrag sich bezieht, haben sich aus den verschiedensten Gründen veranlaßt gesehen, ins Ausland zu gehen. Ein Teil hat dies getan, weil ihm die durch die nationale Erhebung geschaffene Lage nicht mehr die gleiche bevorzugte soziale und geschäftliche Stellung gewährleistet, die er über bas berechtigte Maß hinaus früher in Deutschland genossen hat; ein anderer Teil, weil Paris, 4. Okt. (TU.) Jules Sauerwein veröffentlicht im „Paris Soir" eine Unterredung mit dem preußischen Minsterpräsidenten Hermann Göring. Göring erklärte u. a.: Was man die deutsche Republik nannte, hat d i e Seele unseres Volkes mit unerhörter 11 n g e • schicklichkeit verkannt, verletzt und verwundet. Der Deutsche ist begeistert für seine Hierarchie und seine Uniform. Die Republik hat Gewollt, daß diese Tradition der Verachtung anheim alle. Deshalb ist sie besonders leicht zusammen- gebrochen. Wir wollen mit diesem Zwiespalt zwischen Vergangenheit und Gegenwart aufräumen und deshalb ehren wir in Berlin und Potsdam Friedrich den Großen. Zur Judenfrage erklärte Ministerpräsident Göring: Der Jude kann und darf nicht Deutschland regieren. Ebensowenig auch Frankreich. Er besitzt gewisse Fähigkeiten, aber um ein Volk zu befehligen, muß man vom Blut dieses Volkes sein. Das verwirklicht Deutschland mit uns. Der Führer, der Arbeiter stehen einander nahe, weil sie gleichen Blutes sind. Unser einziges wirkliches Verdienst und das einzige Geheimnis unseres Erfolges besteht darin, daß wir und das Polk die gleiche Sprache gesprochen haben. Wir haben es verstanden und es hat uns begriffen. Auf einen Einwurf des Berichterstatters, der Stresemann betraf, erklärte Ministerpräsident Göring: Stresemann war ein wirklicher Deutscher, und ich bin weit davon entfernt, sein Gedächtnis herabmindern zu wollen; aber allgemeine Ideen, ein humanitärer Intellektualismus und ein ganzer Galünatias haben fein Gehirn in Verwirrung gebracht. Es war, als ab dieser arme Mensch sich eine verhängnisvolle Pazifismusspritze gegeben hätte. Daher die Verwirrung seiner Ideen. Zu den Gegenwartsproblemen übergehend führte Alinisterpräsident Göring aus: Dir wollen keinen Krieg. Ich sage es als Soldat, dessen Tätigkeit jahrelang irin bestand, Krieg zu zur Abänderung strafrechtlicher Vorschriften vom 26. Mai 1933 notwendig wird, und die Vereinbarung von Grundsätzen für den Vollzug der mit Freiheitsentziehung verbundenen Maßregeln der Sicherung und Besserung, die das von der Reichsregierung beabsichtigte Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher und über Maßregeln der Sicherung und Besserung in das Strafgesetzbuch einführen wird. Kleine politische Nachrichten. Der Reichskanzler empfing heute den deutschen Botschafter in London, von H o e s ch. nach kurzer Zeit lebendzu bergen. Wie Lurch ein Wunder haben die Bergleute außer geringfügigen Hautabschürfungen keiner Verletzungen davongetragen. Sie unterstützten die Rettungsarbeiten ihrer Kameraden dadurch, daß sie ihrerseits in der Richtung, in der die Rettungsmannschaften arbeiteten, oarstießen. Lin Unterschlupf lichtscheuen Gesindels. Durch spielende Kinder wurde im sogenannten Zimmertal bei Plaue (Landkreis Arnstadt) ein unterirdischer Gang entdeckt, der ziemlich tief in einen Berg hineinführte. Die benachrichtigte Gendarmerie drang nach längerer Beobachtung des Höhleneinganges gemeinsam mit SA. in die Höhle ein, wo man einen bretterverschalten, äußerst wohnlich ausgestatteten Raum entdeckte. Die Einrichtungsgegenstände, Tisch, Stühle, Eßbestecke, Petroleumlampen und sonstige Ausstattung, deuteten bar» auf hin, daß der Raum noch vor kurzem bewohnt gewesen und von den Bewohnern offenbar durch einen zweiten Ausgang auf der anderen Seite des Berges verlassen worden sein muß. Die Polizei nimmt an, daß die Höhlenwohnung flüchtigen KPD.-Führern, nach denen gefahndet wird, als Unterschlupf gedient hat. Auffindung eines Goldschatzes in Dänemark. Bei Bauarbeiten im Niddelfart (Dänemark) sind Arbeiter auf ein Versteck gestoßen, in dem sie eine goldene Krone, ein großes 'g o I b e n e s Kreuz und eine schwere goldene Kette fanden. Vermutlich stammt dieser Schatz aus der katholischen Zeit und ist während der Religionswirren verborgen worden. Ob es sich bei der goldenen Krone um den Kopfschmuck eines Heiligenbildes oder um eine Brautkrone handelt, muß die wissenschaftliche Untersuchung erweisen. Das Gerücht, daß man es mit einer alten dänischen Königskrone zu tun habe, dürste sich nicht bewahrheiten. Lungenpest-Lpidemie in der Mandschurei. In der Umgebung von Chardin ist die Lun- gen pest ausgebrochen. Bis jetzt wurden 122 Erkrankungen festgestellt. Die Bekämpfung der Epidemie gestaltet sich sehr schwierig, weil die Chinesen sich weigern, ihre Toten zu verbrennen. 69 Todesfälle sind bereits gemeldet. Der Reichsleiter der N S. - F r a u e n s ch a f t, Landrat Dr. Krummacher, berief in die Reichsleitung der NS.-Frauenfchaft - Fräulein Melta Bottke (Köln-Lindenthal) als Organisationsleiterin und Frau Herta Breuer (Köln) zur Leiterin des Amtes für kinderreiche Mütter. Frau Herta Breuer wurde zugleich in die Reichsleitung . des Deutschen Frauenwerkes berufen, wo sie das gleiche Amt verwaltet. * Wie der „Angriff" von zuständiger Stelle hört, kommt als nächste Autobahn die Strecke teidigung vermag nichts gegen den vertikalen Angriff aus der Lust. Ich verlange eine kleine Luftflotte, bestehend aus Flugzeugen, die zu leicht gebaut sind, um für den Abwurf von Bomben zu dienen, und wenn man will, sogar mit einem Brennstofsoorrat, der keine lange Flugzeit gestattet. Diese kleinen Jagdflugzeuge, die zum Angriff ungeeignet sind, können uns gegen Angreifer nützen. Man sollte mir, wenn man will, einen Sachverständigen für das Flugwesen herschicken, mit dem ich verhandeln könnte, und der sich selbst von meinen Absichten überzeugen wird. Ich würde gern mit ihm verhandeln. Und jetzt zum Schluß folgendes: Ist es nicht elend und absurd, dieser ewige Streit und diese Spannung, die niemals zwischen unseren beiden Völkern aufhören? Glauben Sie, daß wir ejnen einzigen Gegenstand der Zwietracht kennen, der es lohnte, daß wir unsere Existenz derart vergiften? Ich sehe keinen. Von beiden Seiten müssen Manner einander gegenübertreten von ungeheurem Mut und ungeheurer Gewalt, um sich auszusprechen. Hier in Deutschland i st Lieser Mann vorhanden. Wenn der Führer sich für das deutsche Volk verpflichtet, handelt es sich um eine endgültige vorbehaltlose Verpflichtung und die ganze Nation wird ihm folgen. Aber haben Sie in Frankreich trotz ihres Parteistreites und ihrer parlamentarischen Kompromisse diesen Mann? Wenn ich recht überlege, habe ich Angst, daß wir zwangsläufig entweder Freund oder Feind fein müssen. Eine halbe Maßnahme gibt es nicht. Personalveränderungen in Preußen. Berlin, 4. Okt. (CNB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, sind in den Ruhestand versetzt u. a.: Oberregierungsrat Florschütz beim Oberpräsidium in Kassel; Oberregierungsrat Dr. Kurtzig bei der Preußischen Bau- und Finanzdirektion in Berlin. Auf Grund der §§ 2 bis 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 find entlassen oder in den Ruhestand versetzt u. a.: Regierungspräsident i. e. R. Ehrler In Wiesbaden; Landrat i. e. R. Kaiser, früher in Hanau a. M.; Landrat i. e. R. Graf v. Wedel, früher in Hersfeld. Die Ortsgruppe D i l l i n g e n der Deutsch-Saarländischen Volkspartei hat ihre Auflösung beschlossen und den Mitgliedern den Ueber - tritt zur NSDAP, empfohlen. die innerpolitischen Verhältnisse in Deutschland seinen egoistischen Wünschen nicht entsprechen; endlich ist auch ein nicht geringer Teil durch sein schlechtes Gewissen auf den Weg ins Ausland getrieben worden. Daneben hat aber bei dieser Abwanderung eine besondere Rolle die allgemein d Minute Tatsache gespielt, dah Deutschland seit langer Zeit, besonders aber nach dem Weltkriege, in ungewöhnlichem Maße der Zuwanderung aus östlichen Gebieten ausgesetzt gewesen ist und trotz eigener Not eine große Zahl landfremder Personen ausgenommen hat. Wenn die Nachbarländer jetzt internationale Maßnahmen für notwendig halten, um die Frage der Behandlung der in Rede stehenden Personen zu regeln, so muß die deutsche Delegation die Prüfung und Notwendigkeit solcher Maßnahmen den Delegationen derjenigen Länder überlassen, die an der Angelegenheit interessiert sind. Es darf allerdings unter keinen Umständen dazu kommen, daß die etwa geplanten Maßnahmen in anderer Weise zueinem Stützpunkt derjenigen Elemente werden, die das Ziel verfolgen, vom Ausland her die deutsche Regierung offen oder heimlich zu bekämpfen. An die Ausführungen des deutschen Vertreters schloß sich eine kurze Debatte an, die damit endete, daß ein Unterausschuß für diese Frage eingesetzt wurde. Berichterstatter ist der Vertreter Uruguays. Auf die Frage des Präsidenten, ob die deutsche Delegation ebenfalls in dem Ausschuß vertreten zu sein wünsche, erklärte der deutsche Delegierte, daß die Deutschen einen solchen Wunsch nicht hätten. frage angestrebt ober gefordert. Haftbefehl gegen vier sudeien- deulsche Abgeordnete. Drei Abgeordnete über die Grenze geflüchtet. Das Prager Abgeordnetenhaus hatte im Früh, fahr im Zusammenhang mit dem Volkssport-Prozeß vier Abgeordnete der Sudetenbeutsckm Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, Jung, Kr^'s, Schubert und Kasper an die Gerichte ausgeliefert mit der Beschuldigung, sich durch die Parteiarbeit gegen das Gesetz zum Schutz der tschechoslowakischen Republik vergangen zu haben. Krebs und Schubert wurden seinerzeit verhaftet und nach einigen Monaten Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß gesetzt. Nunmehr hat die Staatsanwaltschaft gegen alle vier A b - georbneten neuerdings Haftbefehl erlass e n. Dazu wird von der Polizei amtlich mitgeteilt: Der sudetenbeutsche nationalsozialistische Abgeordnete Krebs hatte der Aussiger Staatspolizei mit- geteilt, daß er nach Brünn fahren werbe, um an ber Verhanblung über die Nichtigkeitsbeschwerbe im Volkssportprozeß vor dem obersten Gericht teilzunehmen. Als Krebs in Brünn nicht ankam, forschte die Staatspolizei nach und stellte fest, daß er statt nach Brünn zu fahren, in der Nacht zum 4. Oktober nach Deutschland ge« flohen ist. Da der Abgeordnete Kasper beschul- digt wird, Krebs bei der Flucht Vorschub g e - leistet zu haben und da auch bei ihm Flucht- gesahr bestand, wurde auch er verhaftet. Wegen Fluchtgefahr wurde auch gegen die beiden anderen im Februar ausgelieferten fudetendeutschen nationalsozialistischen Abgeordneten Jung und Schubert Haftbefehl erlassen und die beiden Abgeordneten im Laufe des gestrigen Nachmittags, und zwar Jung in Troppau und Schubert in Fulnek (Mähren) verhaftet. Lin Lied vom Glück. Vornan von Anny von ponhuys. 16. Fortsetzung Nachdruck verboten! Frau von Malten kehrte zurück: doch als Marlene erschreckt von ihm abrücken wollte, lächelte Achim. „Mutter hat doch schon gesehen, daß wir uns küßten." Frau von Malten winkte ab: „Laßt, Kinder! Ich störte euch ja auch nur ungern, aber Roberta Olbers möchte mit dir sprechen, Achim. Sie behauptet, es bandle sich um Wichtiges. Sie wartet in deinem Arbeitszimmer." Achim von Malten erhob sich zögernd. ,Lch bitte um Entschuldigung, Liebste, aber da es sich um etwas Wichtiges handeln soll, will ich doch lieber gleich hinübergehen." Roberta stand am Fenster seines Arbeitszimmers und wandte sich um, als Achim von Malten eintrat. Sie bemerkte sofort den strahlenden Ausdruck seiner Züge. Aber in den letzten Tagen hatte er sich doch so sehr verändert, daß ein wenig mehr kaum noch auffiel. Er bot ihr die Hand. „Was gibt es Neues, Infpektorchen?" Ein bißchen burschikos klang es. „Sie sagte: „Ich habe die beiden Milchkühe, die bei Freising im Dorf versteigert wurden, gekauft: das wollte ich Ihnen nur mitteilen. Es ist doch recht so?" Er war etwas erstaunt. „Dergleichen bedarf nachträglich doch kaum noch meiner Genehmigung. Ich ließ Ihnen in solchen Sachen seit langem freie Hand. Natürlich ist es recht." Er fuhr nach kurzem Zögern fort: „Aber bei der Gelegenheit möchte ich Ihnen gleich sagen, von nun an wollen wir es etwas anders halten. Ich gab Ihnen unumschränktes Recht, hier alles nach Ihrem Ermeßen zu behandeln, doch fortan werde ich wieder selbst die Oberleitung des Gutes übernehmen." Sie ließ ihn nicht ausreden und fragte erregt: „Sie haben kein Vertrauen mehr zu mir?" „Doch, doch", aawortete er oeruhigend, „ich setze volles Vertrauen in Sie und bin auch in jeder Beziehung mit Ihnen zufrieden. Aber ich fühle mich wieder wohler: die Stumpfheit, die mich so gleichgültig gegen alles gemacht, ist gewichen, und ich verspüre große Arbeitslust. Sie sollen natürlich nach wie vor den Jnspektorposten hier behalten: doch es ist wieder ein Herr hier. Ich bin gesund geworden, und staunen Sie, Fräulein Olbers, ich will mich verheiraten! Meine Kindheitsfreundin soll eine der ersten fein, die es erfährt. Maltstein bekommt eine junge Herrin! Ich werde Fräulein Werner heiraten!" Roberta Olbers war wie vor den Kapf geschlagen. Ihre Sicherheit hatte sie momentan ganz verlassen. Sie war sich dessen vollkommen bewußt, wollte gleichmütig lächeln und verzog nur unschön den Mund. Achim von Malten fiel es eben erst ein, Roberta liebte ihn anscheinend. Ganz vergeßen hatte er das in diesem Augenblick. Aber er hätte ihr die Mitteilung doch machen müssen. Wenn nicht heute, so doch bald. Schade! Er hatte ihr jetzt sicher sehr weh getan. Ihr Benehmen war auffallend und sonderbar. Wenn es sich aber so verhielt, daß sie ihn liebte, wie er seit einiger Zeit annehmen mußte, war natürlich am besten, sie verließ Maltstein, es blieb gar nichts anderes übrig. Schon Marlenes wegen. Inzwischen aber fand Roberta ihre äußere Ruhe wieder. Sie brachte sogar ein ganz vergnügtes und lächelndes Gesicht fertig. „Welch eine Ueberraschung! Nun begreife ich auch, aus welchem Grunde Sie wieder arbeitsfreudig geworden find, Herr von Malten. Ich gratuliere von ganzem Herzen! Fräulein Werner hat sehr schöne Augen und ist reizend. Also, meinen herzlichsten Glückwunsch!" Sie reichte ihm die Rechte und drückte sie so männlich kräftig, sah so vergnügt aus, daß Achim von | Malten sofort den Gedanken fallen ließ, Robertas j Liede zu ihm könne besonders tief fein. Man sieht leicht gern alles so, wie man es sehen möchte. Roberta fragte: „Wann darf ich Fräulein Werner Glück wünschen?" „Gleich, wenn Sie mögen", gab er zurück. „Sie ist drüben bei meiner Mutter." „Dann werde ich hinübergehen", erklärte sie und nahm die Baskenmütze in die Hand, strich glättend über das glänzende Schwarzhaar. Auch bei Marlene zeigte Roberta Olbers ein vergnügtes Gesicht. Sie schien sich sogar wirklich über die Verlobung zu freuen, und Marlene schämte sich fast der Abneigung, die sie trotzdem gegen die Inspektorin empfand. Roberta Olbers aber fuhr bald darauf mit dem Iagdwagen über die Grenze. Wenn es nötig gewesen, hätte sie leicht einen Grund dafür gefunden: doch niemand fragte sie, was sie tat. und warum sie es tat. Drüben, jenseits der Grenzpfähle, pütschte sie sich unauffällig an das Gehöft von Bernd Brussak heran. Ein Bauernhaus war es, mit kärglichem Garten, kleinem Hof und Stall. Sie fuhr in den offenen Hof ein und stellte den Wagen so geschickt, daß man ihn von außen gar nicht sah. Sie klingelte an der Haustür. Ein Fenster öffnete sich. Noch ungewaschen und ungekämmt kam Bernd Brußaks Kopf zum Vorschein, fuhr gleich mit einem: „Teufel noch mal!" zurück. Es dauerte fast zehn Minuten, bis sich die verschloßene Tür endlich öffnete. Aber das Gesicht des Mannes war jetzt rasiert, und die Haare verrieten sorgfältigen Bürstenstrich. Roberta trat rasch in den Flur. „Meinetwegen hättest du dich nicht anzustrengen brauchen", brummte sie, ihn spöttisch musternd. „Ich weiß ja. wie wenig schön du aussehen kannst, wenn du so bleibt, wie du bist." Er war eitel, vergaß nie, daß er einmal ein sogenannter schöner Mann gewesen war, und fühlte sich immer noch als solcher. Er gab zurück: „Laß doch deine schlechte Laune nicht an mir aus! Was ist denn los? Ohne besonderen Grund kommst du nicht hierher. Es gelingt mir in letzter Zeit nur äußerst selten, dich hier zu sehen. Leider! Also — wo brennt es?" Sie stieß eine Tür auf. Ein einfaches Zimmer nach dem Hof zu war es, in das sie eintrat Schlicht bürgerliche Möbel standen hier sparsam oerteiü. Sie warf sich in einen Armftuhl, begann erregt: „Nun ist der Kladderadatsch schon da — schneller, als ich es für möglich gehalten hätte. Mallen ist mit der Gesellschafterin einig. Er macht nächstens feine Verlobung bekannt, und meine Hoffnung, entweder so oder so Maltstein zu schnappen, ist aus. Wenn die zwei Weibsbilder nicht nach Maltstein gekommen wären, hätte sicher alles geklappt. Er hätte mich geheiratet: ich hätte das wohl fertiggebracht. Er war ja schon so willenlos. Und wenn nicht, hätten Mutter und Sohn mich zur Erbin eingesetzt. Was ist jetzt zu tun? Irgendein Gewaltstreich wird keinen Zweck haben. Wir hätten uns eher zu irgend etwas entschließen müssen. Da haben wir nachts im Gartensaale babattiert und sind uns nicht einig geworden. Jetzt ift’s zu spät." Er setzte sich auch und blickte sie kopfschüttelnd an. „Liebe Roberta, wie du bisher alles entscheiden wolltest, ging es nicht. Es wäre dabei nur eine große Sensation für die Leute herausgekommen, wir beide aber wären in Nummer Sicher gewandert. Ich konnte einfach nicht tun, was du mir allen Ernstes vorgefchlagen hattest." Er zuckte die Achseln. „Ich bin froh, noch in Freiheit zu sein, und verspüre kein Verlangen nach einer Zelle und schlimmeren Dingen. Ihre dunklen Augen sprühten vor Zorn. „Du bist feige, unglaublich feige! Ich verspreche dir, die Werner irgendwohin zu locken, wo du sie in Empfang nehmen kannst. Ich habe da allerlei Ideen, von denen die eine oder andere sicher gut ist. Draußen wird sie betäubt und zu dir geschleppt. Ist sie erst mal hier in diesen Mauern, hast du freie Hand. Ich verspreche, sie dir sogar bis ins Haus zu schicken: freiwillig wird sie kommen." Sie sah sich um, als fürchte sie, man könne sie be- lauschen, und wußte doch genau, es befand sich kein Mensch sonst im Hause. Die Aufwärterin aus dem böhmischen Orte, zu dem das weit draußen gelegene Haus gehörte, kam erst nachmittags, um ihre Einkäufe abzuliefern und aufzUräumen. Roberta Olbers sprach von ganz nahe in das Ohr des Mannes hinein, ganz leise. Er machte keinen Einwurf. Aber als sie fertig war, seufzte er laut auf. „Ich habe keinen Mut dazu, das bekenne ich ehrlich, wenn du mich auch feige schiltst. Und schließlich, wenn ich alles wagte und es gelänge auch, denkt Malten nachher doch nicht daran. dick zu heiraten oder dich zur Erbin einzusetzen. Das letzte ist über» Haupt eine etwas fixe Idee von dir, während da, erste immerhin sehr im Bereich der Möglichkeit lag und vielleicht io gar noch liegt, wenn diese Person rechtzeitig verschwände. Aber ich mochte kein Risiko mehr übernehmen. Ich wäre aus Klugheitsgründcn jetzt überhaupt mehr dafür, du begehst bei nächster Gelegenheit eine Unterschlagung ganz großen Stils, und wir reisen schleunigst ins Ausland. Don meinen Zirkusjahren her weiß ich draußen überall Bescheid " Sie verzog die Lippen, schalt: „Du bist so schreck- lich feige. Schade! Einen feigen Mann kann ich nicht lieben. Ich soll Geld unterschlagen und dann mit dir in die weite Welt laufen, überall in Angst leben: Die Häscher sind hinter uns her. Und du er- zählst bann, wenn wir gefaßt werden, gliederbebend: Bitte schön, meine Herren, ich bin an der Sache un» schuldig. Hätte ich geahnt, woher die Olbers das viele Geld hat, wäre ich ihr in großem Bogen aus der., Wege gegangen!" Sic lachte böse. „Nein, mein teurer Freund, ich setze lieber alles auf eine Karte. Ich habe das bestimmte Gefühl, alles glückt dock noch nach Wunsch. Verschwindet diese Werner so oder fo für immer aus seinem Leben, fällt er sicher wieder in seine alte Stumpfheit zurück. Nein, stumpfer noch als vorher wird er werden, und bann werbe ich m.ch so unentbehrlich machen, baß er froh sein wirb, mich überhaupt zur Seite zu haben. Wenn die Werner nicht hierhergekommen wäre, konnte ich jetzt vielleicht schon triumphieren. Ich war Mutter unb Sohn schon unentbehrlich geworben. Wie oft ließ mich Frau von Malten zu sich bitten! Und er ließ m.ch schalten und walten wie ich wollte. Nur der Form halber fragte ich ihn ab und zu noch etwas. Und jetzt fühlt er sich mit einemmal wieder als der Herr auf dem Gut: ich stehe wieder unter Oberaufsicht" Sie packte ihn bei den Schultern. „Du tust, was ich will, oder es ist aus mit uns beiden!" Er lachte. „Erzähle mir bas doch nicht immer wieder, es wird ja bald langweilig. Du weißt genau, solange ich lebe, kommst du von mir nicht mehr los." Sie umarmte ihn plötzlich. „Narr, geliebter Narr du, ich will ja auch gar nicht wieder von dir los. Weil ich dich liebe! Aber tue das, was ich dir geraten, tue, um was ich dich bitte! Halte dir immer vor Augen, du wirst eines Tages der Herr von Schloß und Gut Maltstein." Sie küßte ihn, und er ahnte nicht, mit welchem Widerwillen sie es tat, und daß sie schon jetzt daran dachte, wie sie sich seiner am schnellsten entledigen konnte, wenn sie am Ziele märe. Der verliebte Mann fand nicht mehr die Kraft zu weiterer Weigerung. Er flüsterte in ihre leidenschast- lich scheinenden und doch so leidenschaftslosen Küße hinein: ,Zch tue alles, was du willst, Roberta — alles, alles!" (Fortsetzung folgt.) 6129D Dolkechalle unb Liebigshöhe Gießen! Geöffnet tägliches bis 21 Llhr Braune Meße 30. September bis 8. Oktober 1933 Deutsche Bühne hur Vorstellung „Hermannsschlacht") für Donnerstag-Abonnenten am Donnerstag, dem k>. Oktober, an der Theaterkasse von 16 bis 20 Uhr. 6136V II1HIIIIIHIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII Bekanntmachung. Bett.: Personenstands- unb Betriebsaufnahme am 10. Oktober 1933. Der Herr Reichsminister ber Finanzen hat zum 10. Oktober 1933 eine Personenstands- und Bctriebsauf- nähme angeordnet. Durch Beamte des Polizeiamts Gießen werden in den näch> fttn Tagen an alle Hausbesitzer Haus- Ilften, Haushaltungsliften und Betriebs- blätter ausgegeben, die nach dem Stand vom 10. Oktober 1933 auszufüllen find; d>e Nichterfüllung dieser Verpflichtung kann mit Geldstrafe belegt werden. Das Abholen der Listen erfolgt ab 11. Oktober 1933. Die Haushaltungsliften, die von jedem Inhaber einer selbständigen Woh. nung auszufüllen sind, bilden die Unterlage für die Steuertartcnau5ftcUung 1934. Im Interesse aller Arbeitnehmer (Ge- Halts-, Lohn-, Pensions- und Renten- empfänger) liegt es, die Haushaltungsliften (insbesondere die Spalte 11 über das Arbeitsverhällnis) so sorgfältig und voll- ständig wie irgend möglich auszufüllen, damit bei der Ausstellung der Steuerfar- ten für 1934 Unrichtigkeiten vermieden werden. Nachdem die für den 1. Januar 1934 vorgesehene Bewertung des Grundbesitzes nicht ftattfindet, find von den Haus- eigentümern oder deren Stellvertretern in den Hausliften auf der 1. Seite nur die Ziffer 1 (Eigentümer) unb auf ben Seiten 2—4 nur die Spalten 1—3 ober 3a auszufüllen. Die Angaben über die Jahres- rohmieten ukw. find nicht erforderlich Gießen, Den 4. Oktober 1933. (6135C Bürgermeisterei Gießen. I. B.: Or. Seid. In unser. Häusern i. derBeethovenstraße haben wir 60810 2X3»Zim.»Wohng. mit eingerichtetem Bad u.ötqgenheiAg. undinderHändelstr. Ixs-Zim.-Wolmg. m. eingerichtet. Bad ver sofort ob. später au vermieten. eoyD Gieß. Wohnungsbau-fle- nossenschft.Llcherstr.S p Praxis-Räume (13 Jahre vr. Arzt) für Arzt, Zahnarzt ob. Dentist mit ob. ohne möbl.Wohn- unb Schlafzimmer in bicht bevölkerter Gegend z. 1. Jan. 1934 zu vermiet. Angebote an Fran Ella Klein, Kassel, Weserstr. 22. («i«»v Zwei große euso Moräume vart. zu vermieten. Oorft-Wenel-Wan 91 Mietgesucne SU. möbl. 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