Nr. 284 Drittes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Montag, 4. Dezember 1935 Die Front des Verwaltungsgebäudes (ganz rechts der Anbau). tigften Voraussetzungen für gedeihliches Schaffen der Mitarbeiter. Neben dem Hauptbüro befinden sich in großer Zahl weitere Vuroräume für Spe- zialzwecke, u. a. ein besonderes Diktierzimmer, ein Zimmer für den Schreibmaschinenbetrieb, eine mo» dern ausgestattete Maschinenbuchhaltung, die große Kartothek, die Registratur, Anmelde- und Warte- räume, eine in modernster Weise heryestellte große Tresoranlage usw usw. Sämtliche Räume sind in neuzeitlichster Weise mit gutem Geschmack für Raumgestaltung hergerichtet und ehren den Dau. Herrn und den Architekten in gleicher Weise ob des vortrefflich gelungenen Werkes. Das gleiche ist von dem geschmackvoll und gediegen ausgestatteten Konferenzzimmer und den Kleiderablagen, ' sowie sonstigen Einrichtungen für die Angestelltenschaft, so- wie dem Treppenhaus usw. zu sagen. Als Ganzes gesehen ist festzusteUen, daß die Er« weiterungsbauten auf die zahlreichen Gäste — unter denen sich u. a als Vertreter der Kreisleitung der NSDAP. Gießen Herr Oberingenieur, Stadt- ratsmitglied und SA.-Reseroe-Sturmbannadjutant Kurz, sowie viele hervorragende Persönlichkeiten von auswärts befanden — den besten Eindruck machten und mit Recht allgemeine Anerkennung für die Firma und den Architekten auslösten. Ein Fest her Arbeit in Heuchelheim. Fabrikfeier in her Zigarrenfabrik von Rinn & Cloos anläßlich her Fertigstellung von Erweiterungsbauten. — Eindrucksvolle Bekundung des Gemeinschaftsgeistes zwischen Werkleitung und Belegschast. Gründer und Seniorchef der Firma Rinn & Cloos, Herrn Ludwig Rinn, durch die Umbenennung des bisherigen Sandwegs, an dem das Unterneh- schäft entspricht, konnte man am Samstagabend während der Fabrikfeier bei der Bekanntgabe der Ehrung durch den Ortsbürgermeister R i n n an dem stürmischen Beifall der etwa 700 Köpfe starken Fest- oersammlung bemerken. Diese berechtigte Ehrung des Mannes, auf den das wirtschaftliche Wohlergehen einer Gesamtbelegschaft von rund 4700 Personen in allen Betrieben der Rinn & Cloosschen Buntheit der Etikettenschmuck für die Zigarrenkistchen zu sehen war. Nach dem Durchschreiten des großen Packraumes mit anschließender Verladerampe und weiterer Betriebsräume nahmen die Gäste die ebenfalls unter der Gefamtbauleitung des feit vielen Jahren mit der Firma arbeitenden Architekten K ö ft e r durch Um- und Erweiterungsbau geschaffenen Räume der kaufmännifchen Verwaltung in Augenschein. Auch hier kommt in jeder Hinsicht die wohlüberlegte und weitgehende Fürsorge für die Schaffung bester räumlicher und hygienischer Arbeitsverhältnisse für alle Teile zur Geltung Das über 30 Meter lange Hauptbüro ist voll Licht und Luft und erfüllt damit eine der wich- In der Lokalgeschichte unseres Nachbarortes Heuchelheim wird der Samstag, 2. Dezember 1933, als ein besonders bemerkenswerter Tag für alle Zeiten ausgezeichnet bleiben. An diesem Tage beging nämlich das weithin in der ganzen Welt be- kannte und berühmte Unternehmen, das den Ort Heuchelheim bei Gießen überall bekannt werden ließ, die Zigarrenfabrik Rinn & Cloos die Fertigstellung ihrer großzügigen Erweiterungsbauten, die nicht nur für die Firma einen neuen Markstein ihrer Entwicklung bedeuten, sondern auch olle Familien des Ortes Heuchelheim, aus denen Angehörige in dem Betriebe Arbeit und Brot finden, in gleicher Weise angehen. Diese innige Verbundenheit des Unternehmens von bestem WeUruf mit der Gemeinde Heuchelheim und allen ihren Einwohnern ist es, die den Tag für beide Teile zur besonderen Denkwürdigkeit macht. Die enge Gemeinschaft fand ihre eindrucksvolle Bekundung am Samstag bei der von der Firma Rinn & Cloos veranstalteten Fabrikfeier nicht nur in der außerordentlich starken Beteiligung men liegt, auf den Namen Ludwig-Rinn- Straße bereitete. Wie sehr diese (Ehrung des um das Wohl von Heuchelheim in hohem Maße verdienten Fabrikherrn der Meinung der Einwohnerder Heuchelheimer Belegschaft des Unternehmens, sondern auch in der wohlverdienten und gebührenden Ehrung, die der Heuchelheimer Gemeinderat als Vertreter der gesamten Gemeinde dem Fabriken zurückzuführen ist und der in seiner Person den Typ des für alle seine Mitarbeiter in höchstem Maße sich verantwortlich fühlenden fürforgen- den Chefs und Wirtschaftsführers verkörpert, ist auch um deswellen besonders hervorzuheben, als eine außerordentlich verständnislose und kurzsichtige Kirchturmspolitik des bis zum nationalen Umbruch unserer Nation gerade in Heuchelheim herrschenden Marxismus diesem großzügig denkenden und sozial gesinnten Manne das Leben und Arbeiten besonders sauer gemacht hat. Die Ehrung Ludwig Rinns wird aber auch weit über Heuchelheims Ortsgrenzen hinaus Beachtung und Zustimmung finden, da Herr Rinn nicht nur als oberster Leiter seiner Betriebe, sondern auch als früherer Präsident der Industrie- und Handelskammer Gießen im Gesamt- wirtschaftsleben an hervorragender Stelle verdienstvoll zu wirken berufen war. Der große neugeschaffene Saal der Sortiererei. Oie Werkgemeinschast Während des Besichtigungsganges der Gäste nahm auf dem Fabrikhofe und auf der Straße vor dem Grundstück die große Menge der Belegschaft, mit vielen Lampions ausgerüstet und einer Musik- kapelle an der Spitze, Aufstellung, um unter Führung der Werkleitung und in Begleitung der Gäste gemeinsam nach der Turnhalle zu marschieren, wo die F a b r l k f e i e r unter Teilnahme von etwa 700 Personen stattfand. Bei dem Marsche durch bil Ortsstraßen sah man allenthalben starkes Interesse der in großer Zahl auf den Straßen als Zuschauer versammelten Ortsbewohner. In der Turnhalle wurde die Feier in sinniger Weise mit den Klängen des Chorals „Lobe den Herrn" durch eine Kapelle eingeleitet. Darauf kam sofort der Höhepunkt der Feier, die GedenkansprachedesGründersundSemorchchLudwigRinn Ein Gang durch den Beirieb. Die Fabrikfeier am Samstagabend wurde durch einen Besichtigungsgang der geladenen Gäste durch das Unternehmen eingeleitet. Voll staunender Bewunderung stand man dabei allenthalben vor der Größe dessen, was hier durch kühnen Unternehmergeist, weitblickende und verantwortungsbewußte Tatbereitschaft, sowie durch die weitgehende Schaffung aller hygienifchen Einrichtungen im Interesse der Belegschaft und des gesamten Betriebs erstanden ist. Zunächst konnte man sich in dem durch Erweiterung aus rund 1100 Quadratmeter Fläche und 4000 Kubikmeter Luftinhalt vergrößerten Sor- t i e r s a a l umsehen, in dem bis 150 Menschen beschäftigt werden können. Besonders bemerkenswert erschienen uns hier die auf allen neuzeitlichen Errungenschaften fußende automatische Klimatisierungs- anlage, die für den Aufenthalt in diesem Arbeitssaale gute hygienische und auch für das Material zuträgliche Verhältnisse ermöglicht. Anschließend sah man den Saal für den Zigarrenkistchenbau, in dem man eine Vorstellung davon gewann, was allein auf diesem Gebiete an weitreichenden Arbeitsmöglichkeiten vorhanden ist. Weiter ging es durch die Fertigmacherei und das Fertig- lager, wo man in einem weiten Raume, zwei Stockwerk hoch aufgestapelt, die fertige Zigarrenfabrikation in den verschiedenartigsten Qualitäten und Kistchen, aber unter gleicher fürsorglicher Pflege des Produkts sehen konnte; es war einfach unmöglich, auch nur schätzungsweise ohne Zuhilfenahme der Lagerbücher den Fragestellern zu sagen, wie- viele Zehntausende von Zigarren in diesem Raume des Versands harrten, und doch hatte man es hier nur mit einem kleinen Ausschnitt der Gesamtproduktion des Rinn LCloosschen Werkes zu tun. Ebenso eindrucksvoll wie die Umschau in diesem riesigen Lagersaale war ein Blick auf die große Etikettenabteilung, in der in vielfältigster Der große neuzeitliche Büroraum. 4 . \ t i. I! H, ■ • I . Wir haben unsere heutige Feier mit dem Choral „Lobe den Herren" eröffnet und wollen damit bekennen, daß wir Gott Dank wissen dafür, daß wir heute feiern dürfen. Es ist mir eine Freude, Sie in so großer Anzahl hier begrüßen zu können. Ich heiße Sie herzlich willkommen und gebe dem Wunsch Ausdruck, daß der heutige Abend Ihnen allen in freundlicher Erinnerung bleiben möge. Den Anlaß für die heutige Fabrikfeier gab die Fertigstellung unserer umfangreichen Neu- und Umbauten. Ich benutze gerne diese Gelegenheit, gleich an dieser Stelle allen denen herzlich zu danken, die daran mitgewirkt haben. Ich nenne hierbei in erster Linie unsere altbewährte Bauleitung, ich nenne die zahlreichen Unternehmer mit allen ihren Hilfskräften und hebe besonders hervor, daß auch innerhalb meiner Firma so viele Mitarbeiter während der störenden Bauzeit freudig Mehrarbeit geleistet und mancherlei Unbequemlichkeiten als selbstverständlich in Kauf genommen haben. Ein ganz besonders herz- licher Dank soll der verehrlichen Gemeindevertretung abgestattet sein. Nur durch das verständnisvolle Eingehen auf unsere Wünsche war uns die Bauausführung in der geschehenen Weise möglich. Ich bin überzeugt, daß der Gemeinde Heuchelheim diese Erweiterung zum Vorteil gereichen wird. Ich halte es für angebracht, Ihnen bei dieser Feier einen Ueberblick über die Entwicklung der Firma zu geben und bitte dabei zu beachten, daß ich natürlich nicht Einzelheiten ausführen kann, da dies zu lange Zeit in Anspruch nehmen würde. Die Gründung erfolgte am 8. Juni 1895 mit etwa 60 Arbeitern. Der Tag wurde mit einer größeren Feier begangen, an der die Gemeindevertretung und zahlreiche Gäste tellnahmen Die Entwicklung des jungen Unternehmens war überaus günstig. Schon vor Ablauf des ersten Jahres mußten Erweiterungen vorgenommen werden, und sehr schnell wuchs die Arbeiterzahl auf einige Hundert an. Es schien rätselhaft, wie eine vollkommen unbekannte und an einem kleinen Ort gegründete Firma so schnell und so erfolgreich sich ausdehnen konnte. Schon 1898 erfolgte die erste Filialgründung in Wißmar, 1899 der Ankauf der Firma Busch 8- Mylius. Nun tarnen in rascher Folge Filialgründungen und Ankäufe hinzu. Als wichtigen Abschnitt in der Entwicklung erwähne ich die 1907 errichtete Filialso b r i k in Brotterode in Thüringen, wichtig deshalb, weil hier zum erstenmal Dennalzigarren hergestellt wurden und damit der Grundstein für die feinere Qualitätsfabrikation geleat wurde. Diese Pennalzigarren sanden einen so großen Abnehmer- kreis, daß im Laufe der Jahre allein in diesem Fabrikationszweig 1200 Arbeiter beschäftigt wer- den konnten. So ist eine beispiellose Entwicklung in ununterbrochener Folge bis zum Kriegsausbruch feft- zuflellen. Als besonderes Zeichen für die Beliebtheit, die den R. 8i C.-Fabrikaten schon damals in Verbraucher« kreisen entgegengebracht wurde, mochte ich anrüfo« ren, daß mit den Ende Mai 1914 vorliegenden Aufträgen Beschäftigung für das ganze Jahr gegeben war. Diese günstige Entwicklung wurde durch den Kriegsausbruch gestört, und auch der durch den Krieg verursachte gesteigerte Bedarf konnte für unsere Firma fein Vorteil fein, da keinerlei Lagervorräte vorhanden waren. Die später folgende Kontingentierung brachte empfindliche Rückschläge. Das Fabrikat konnte die seitherige Ausnahmestellung nicht mehr einnehmen, da die Rohstoffe von einer Verteilungsstelle aus zugewiesen wurden. Dies war für eine Spezialfabrikation wie die unserige, die nur auf Sandblatt eingestellt war, außerordentlich hemmend. Trotzdem haben wir die Qualität auch in dieser Zeit auf einer überragenden Hohe gehalten. Diese Leistung wurde besonders von Kriegsteilnehmern hundertfältig anerkannt, und wir find stolz darauf, daß uns Lieferungen für das Hauptquartier übertragen und bis zum Kriegsende belassen wurden. Auch von dieser Stelle wurde uns wärmste Anerkennung zuteil. Im Jahre 1917 schied nach freundschaftlicher Der- einbarung mein Teilhaber Kommerzienrat Cloos aus. 1920 konnten wir bei außergewöhnlicher Beteiligung — auch ganz besonders von Abnehmerkreisen — das 25. Jubiläum feiern. Aus diesem Anlaß errichteten wir eine Pensionskasse mit 1 Million Mark, die nach den damaligen Vorschriften bei zwei mündelsicheren Banken angelegt werden mußten. In dem gleichen Jahr — am 20. November — wurde die offene Handelsgesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Das Aktienkapital betrug 3 Millionen Mark und ist trotz Inflation bis ;um heutiaen Tage nicht geändert worden und im Familienbesih geblieben. Die nun folgende Zeit war für uns unglaublich schwer, und es kostete gewaltige Anstrengungen, dar- über Hinwegzukommen. Die nicht scharf genug zu verurteilende Politik der damaligen Regierung machte es den Unternehmern unmöglich, auf weite Sicht zu bteoonieren. Oft mußten von heute auf morgen Entscheidungen getroffen werden, deren Tragweite sich nicht im geringsten öorausfeben ließ. Die planlose Ausgabenwirtschoft zwana zu neuen Steuergueüen So wurde am 1. Januar 1931 der Zoll für Rohtabak von 80 Pfennig auf 1,80 Mark nro Pfund und die Banderolenabgabe von 20 v. H. des Kleinverkaufspreises auf 23 v. H. erhöht. Und dies alles in einer Zeit der sinkenden Kaufkraft! Die schwierige Lage des Gewerbes zwang zu einem selbstmörderischen Konkurrenzkampf, dem zahlreiche, zum Teil alte und solide Firmen zum Opfer gefallen sind. Dazu kam die anhaltende Krise der letzten Jahre, die das schon geschwächte und notleidende Gewerbe ganz besonders hart traf. Mil stolzer Jrende darf ich festflellen. daß unier Betrieb alle diese Stürme dank seiner gesunden Grundlage und der solide« Geschäft»- fuhrung überstanden hat und heute aus seiner vollen höhe ist. Dir unterhalten seht 43 her- stellvngsbelriebe und fünf Sortierfabriken mit 4700 Arbeitern und Angestellten. Die Absicht, die Erweiterungen hier vorzuneh« men, liegt schon jahrelang zuruck. Wir hätten uns auch jetzt noch nicht zur Ausführung entschließen können, wenn nicht nunmehr durch die A e n b e • rung des Regierungssystems uns die Zuversicht gegeben wäre, daß die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland wieder in g e - sunde Bahnen kommt und auch unser Gewerbe feinen Anteil daran haben wird. Im Gegensatz zur Firma ist die 1920 errichtete Stiftung der Inflation zum Opfer gefallen. Rur ein sehr bescheidener Aufwertungsbetraa konnte gerettet werden. Um die für unsere Arbeiter und Angestellten vorgesehenen Leistungen wieder zu ermöglichen, wurden bereits im ersten Jahre der Stabilisierung der Stiftung erstmalig 50 000 Mark Angeführt. In den darauffolgenden Jahren wurde der Fonds je nach den Geschäftsergebnissen weiter gestärkt und ist heute soweit gefördert, daß die Summe von einer Million Mark nun überschrillen ist. Für diejenigen unserer verehrten Gäste, die den Wortlaut der Stiftung nicht kennen, möchte ich noch ergänzend bemerke«, daß wir se nach der Dienstzeit Einzelleistungen von 100, 200 und 200 Mark gewähren, während nach 50jähriger Tätig- keitjederArbeiterAnspruchaufFort- Zahlung eines Drittels seines v r - beitslohnes bis zum Lebensende hat. Für die Festsetzung des Ruhegehalles der Beamten und Anaeftelllcn sind Dienstzeit und Art der Tätigkeit maßgebend. Ich habe Ihnen mit meinen Ausführungen einen kurzen Ueberblick über den Werdegang meiner Firma gegeben und darf ohne Ueberhebung sagen, daß das Unlernehme« heute an der Spitze der deutschen Zigarrenfabrikatiou steht. Um dieses Ziel trotz der vielfachen Ungunst der Berhällnisse au erreichen, mußten alle Faktoren Aufammenroinen: die Führung, indem sie weitaus- schauenden Blicks die gegebenen Möglichkeiten erkannte und auszuwirken wußte, die Mitarbeiter, indem sie vertrauensvoll und freudig der Führung Folge leisteteten. So ist es in den 38 Jahren des seitherigen Bestehens gewesen, so wird es auch weiterhin sein. Der alte Geist derZusammen- gehörigkeit wird mit Einzug halten in die neuen Räume und damit der Firma weiteres Gedeihen und weiteren Aufschwung gewährleisten zum Segen für uns alle. Das walte Gott! (Schluß des Berichts folgt morgen.) Aus der Provinzialhauptstadt. Reichsstattbatter und Gauleiter Sprenger in Gietzen. Wie mir vom Amt für Aufklärung und Werbung der Gießener Studentenschaft hören, wird Herr Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger am kommenden Mittwochnachmittag in Gießen weilen. Er wird zunächst an der feierlichen (Eröffnung des Kameradschaftshauses im Gießener Studentenhaus am Leihgesterner Weg teilnehmen, anschließend wird er das Institut für politische Erziehung an der Universität Gießen, welches das erste dieser Art in Deutschland ist, eröffnen. Weitere Mitteilungen über den bedeutsamen Tag folgen noch. Linser neuer ZRomon. Nachdem wir am Samstag den Roman „Doktor Grudes Ehe" von I. Echneider-Foerstt zum Abschluß gebracht haben, beginnen mir in der heutigen Ausgabe des Gießener Anzeigers mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romanmerkes, mit dessen Erwerbung mir unseren Leserinnen und Lesern in Stadt und Land eine besondere Dorweih- nachtsfreude zu bereiten hoffen. Dieser Roman roirb sich, roenn nicht alles täuscht, als ein Publikumsschlager von ganz außergemöhnlicher Anziehungs- kraft crmeifen; er heißt: „B 518 * Yvonnes Geheimnis" von Klothilde von (Stegmann und ist das erst vor wenigen Wochen zum Abschluß gelangte jüngste Werk der begabten und sehr beliebten Autorin, aus deren Feder mir früher bereits im Gießener Anzeiger die Romane „Deiner Hände Werk" und „Ich hab dir oerziehn" zum Abdruck gebracht Haden; beide werden sicher vielen unserer Leser noch in angenehmer Erinnerung sein. Mit ihrer letzten Arbeit aber hat sich Frau von Stegmann, wie mir glauben, selbst übertroffen: „B. 518" ist die ungemein geschickte und glückliche Verbindung eines Spionageromans mit einer Liebesgeschichte von außerordentlicher Spannung, die höchst fesselnd geschriebene und dramatisch ge- steigerte Erzählung vom Kriea im Dunkel, dessen Spieler und Gegenspieler den Leser sofort in Bann chlagen und bis zur letzten Szene nicht mehr frei- ,eben. „B 518" — bestimmt der letzte, ohne Zwei- el der schönste und höchstwahrscheinlich der erfolgreichste Roman des Gießener Anzeigers im Jahre 1933! Beseitigung der Siempelgebühr für Lichtspieltheater. Aus Darmstadt roirb berichtet: In Hessen besteht seit vielen Jahren eine Stempelgebühr für Jo- genannte ambulante 23ergnügungsbetriebe, wie Schießbuden, Schifssschaukeln, Karuffels usw. Mit dieser Stempelgebühr waren u. a. auch die früheren sog. Lebenden Bilder belastet, und diese Gebühr wurde auch für die Kinos, die als Nachfolger dieser „Lebenden Bilder" in Frage kommen, erhoben. Da die Gebühr nur noch in Hessen bestand, während sie die andern Länder bereits abtzeschafft hatten, wurde sie von den hessischen Kmobesitzern als besonders ungerecht empfunden. Die früheren Machthaber in Hetzen glaubten aber mit Rücksicht auf die Finanzlage auf die Steuer nicht verzichten zu tonnen. Den Bemühungen des Vorsitzenden des ßan- desverbandes Hetzen und Hessen-Nassau der Licht- spiellheaterbesitzer ist es gelungen, daß diese Stern- pelgebühr, die bereits vorher ermäßigt worden war, vollkommen abgeschafft roirb. Sie roirb ab 1. De- zember 1933 nicht mehr erhoben. ^Deutsche Ruhmesstätten in Württemberg.^ Die Dortragsgerneinschast Goethebund, Kaufmännischer Verein und Ortsgeroerbeverein hatte für den Freitag der oergangenen Woche in die Neue Aula der Universität zu einem Vortragsabend eingelaben. Die Heimatrebnerin, Emma K o 11 e - Stuttgart sprach über deutsche Ruhmesstätten in Württemberg. In vielen herrlichen und sehr geschickt kolorierten Bildern erstand das Land, das dem deutschen Vaterland so große kulturelle und ethische Werte vermittelte, das Land, das eine Fülle der baulichen Schätze birgt und durch feine Landschaft immer wieder die Besucher aus allen Teilen unseres Vaterlandes in feinen Bann zieht. Der Vortrag führte von Stuttgart aus in das schwäbische Land. Man sah Stuttgarts schöne Bauwerke und Anlagen, die Schlösser (Aufnahmen von dem Brand des alten Schlosses), das Theater, die Gärten zum Neckar und vieles andere mehr. Eßlingen mit feiner Burg und dem „Dicken Turm", eine ehemalige Kaiserpfalz, war die nächste Station. Eine Fülle liebenswürdigster Schönheit brachten die Bilder von Ludwigsburg, gleichzeitig aber überraschte hier auch der entfaltete ungeheure Prunk, der durch das farbige Bild zu vollem Leben erweckt war. Nach Marbach führte dann die Reise, zum Das Ausschlachlen durch Landwirte. Die SRinifterialabteilunp 3 (Arbeit und Wirtschaft) des Hessischen Staatsministeriums hat zu Nr. A u. W. 45 074, betr.: Das Ausfchlachten durch Landwirte, nachstehende Verfügung an bk Hetz. Kreis- ämier erlassen: „Vorkommnisse der letzten Zell geben uns Veranlassung, auf das Ausjchreiben des Hessischen Ministers für Arbeit und Wirtschaft vom 23. Juni 1927 zu Nr. M. A. W. 8816 erneut hinzuweisen. Es liegt nicht im Interetze eines berufsftänbischen Aufbaues der Wirtschaft, wenn Erzeuger selbstgezo- genes Vieh in der Absicht schlachten, das anfallende Fleisch und aus chm hergestellte Durst selbst zu verkaufen. Bei der Prüfung der Frage bes gern e r b (i d) e n Eharakters solcher Schlachtungen ist davon auszugehen, daß in der Regel als gewerbsmäßig jede Schlachtung durch den Erzeuger anzusehen ist, die zum Zwecke des Verkaufs von Fleisch und Wurst und insbesondere in der Absicht öfterer Wiederholung erfolgt. Auch wo diese Absicht fehlt, ist eine Durchbrechung des erwähnten Grundsatzes zur klaren Scheidung der den einzelnen Berufsstäichen im neuen Staat obliegenden Aufgaben nur insoweit zu vertreten, als es die zur Zelt der Landwirtschaft gegenüber gebotene Rücksicht In einzelnen besonders gelagerten fällen erfordert. 2m Einvernehmen mit dem Herrn Landesbauem- Präsidenten empfehlen wir daher, nur bann ein Ausschlachten durch Landwirte als nicht gewerbsmäßig ju behandeln, roenn 1) der Landwirt glaubhaft macht, daß er das zu schlachtende Tier nicht zu einem angemessenen Preis abzusetzen vermag, 2) die wirtschaftliche Lage des Landwirts eine derartige Nvtmaßnahme rechtfertigt, 3) die Genehmigung nur solchen Personen erteilt roirb, die im Hauptberuf Landwirte sind und ihre Lebsucht vorwiegenb' aus chrer eigenen Erzeugung bestreiten, 4) es sich um nicht mehr als ein Tier und zwar ein Stück (Kleinvieh) im Kalenderjahr handelt, 5) roenn ein Tier notgeschlachtet werben muß. gez. Dr. Ära tz. Häuschen der Familie Schiller, in die Schillersttttre, die in ihrer Schlichtheit ergreifend wirkt. Markgröningen und Schwäbisch-Gmünd waren im Bilde estgehalten; die große Feste Rechberg in großartig- ter Lage, erschien als Zeugnis mannhaftesten Deutschtums. Don Schwäbisch-Hall zeigte die Rednerin die schönsten Partien und wußte außerdem interessant von den berühmt-berüchtigten „drei Zwieträchten" zu erzählen, die Awischen der Büryer- schast und dem Adel in jahrelangen Streitigkeiten gehegt wurden. Die Rednerin führte dann weiter nach dem idyllischen Langenburg, der Heimat Agnes Günthers und der Gestalten ihres Romans „Die Heilige und ihr Narr": Mergentheim, Schönthal, Heilbronn und Laufen tauchten in charakteristischen Bildern auf. Das herrliche Besigheim ließ deutsche Städtebaukunst in schönstem Beispiel erkennen. Dann aber führte die Reise die Zuhörer im Geiste nach Kloster Maulbronn, das ein einzigartiges deutsches Baudenkmal ist. Freudenstadt, der Kniebis und die bewaldeten, tief verschneiten Schwarzwaldhöhen offenbarten ihre ganze Schönheit im winterlichen Schmuck. Der zweite Teil der Reise im Dortrag begann in Tübingen, und die Rednerin nahm Gelegenheit, besonders auf das schwäbische geistige Leben in dieser Stadt Bezug zu nehmen. Bebenhausen und sein Zisterzienserkloster tauchten, umgeben von den Wäldern des Schönbuch auf; der Weg führte dann nach der Burg Hohenzollern, die, das Land beherrschend, auf hohem Bergeskegel liegt. Das idyllische Horb am Neckar, Reutlingen, mit seinen feinen baulichen Werken, die stolze Burg Liechtenstein, die Hauff zum Schauplatz seiner großen Dichtung machte, der wuchtige Neufen, das klüftige Tal der oberen Donau und viele andere landschaftliche Schönheiten wurden lebendig. Die berühmte Zwiefaltener Kirche, das hnnmelstürmende Ulmer Münster, die Klosterkirchen von Neresheim und Weingarten, beide letztere unnachahmliche Prachtbauten des späten Barocks, erstanden in hervorragend schönen Silbern zu märchenhaftem Reiz. Mit Bildern von Friedrichshafen und mit der (Erinnerung an den Genius des Grafen Zeppelin fand der Lichtbildervortrag feinen Abschluß. Der Rednerin wurde stärkster Beifall zuteil. Besondere Erwähnung verdienen die Lichtbilder, in denen mit unbeirrbarer Sicherheit bas Wesentliche vollendet künstlerisch erfaßt war. Neue Vergünstigung der Reichsbahn für Gesellschafter ährten. Die Reichsbahn hat für Gesellschaftsfahrten, die in die Zeit vom 15. Dezember 19 3 3 bis 15. April 1 934 fallen, die Zugabe von Freikarten erweitert. Wurde seither erst bei mindestens 20 Personen eine Freikarte gewährt, so wird jetzt schon bei 12 Personen ein Teilnehmer frei befördert. Bei größerer Teilnehmerzahl erhöht sich die Zahl der Freikarten entsprechend Die neue Seraünftigung sieht vor, daß bei 12 bis 19 Erwachsenen eine Freikarte, bei 20 bis 39 Erwachsenen zwei Freikarten und bei 40 dis 99 Erwachsenen drei Freikarten gegeben werden. Die Fahrpreisermäßigung für Gesellschaftsfahrten beträgt bei 12 bis 50 Erwachsenen 33'/, v. H. und bei mehr als 50 Erwachsenen 40 v. H. Dazu werden die oben angegebenen Freikarten ausgegeben. Weihnachten tm Güdwestsuak. Im Südwestsunk werden in dieser Woche als Wei- nachtsdarbietungen gebracht: Montag, 4. Dezember: 18.35 Uhr: „Alte deutsche Adventsgebräuche, Dortrag. — 19.00 Uhr von Leipzig: „Der große Gabentisch". Ein Hörbericht aus der mitteldeutschen Weih- nachtsinbustrie. Mittwoch, 6. Dezember: 18.35 Uhr: „Sankt Nikolaus ist ein lieber Mann". — 19.00 Uhr von Stuttgart: „Der Nikolaus kommt" Eine bunte Stunde für jung und alt. — 22.45 Uhr von Freiburg: „Nikolaus geht durch den Schwarzwald". Hörbilder aus einem Schwarzwaldtal. Sonntag. 10. Dezember: 18.00 Uhr: „Weihnachtsantiphonen". Gesungen von den Weißen Vätern in Trier. Oer vorläufige Steuerbescheid. In den vom Wirtschaftsprüfer Hermann Will zu Gießen herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. 23) lesen wir folgenbes: Der Erlaß eines Steuerbescheides hat für den Pflichtigen nicht nur die unangenehme Wirkung, daß seine Zahlungspflicht festgestcllt wirb, sondern auch die angenehme Wirkung, daß durch den Steuerbescheid seine Zahlungspflicht nach oben grundsätzlich begrenzt hin soll. Nur bei einem Bekanntwerden neuer Tatsachen und Beweismittel bars eine Berichtigungsveranlagung erfolgen und auch biese ist in der Regel nur innerhalb des fünfjährigen Ber- jährungszeitraumcs zulässig. Einige Finanzämter haben diese steuerbegrenzende Wirkung des Veranlagungsbescheides dadurch abzuschwächen versucht, daß sie sormularmäßig jeden Bescheid als „vorläusigen Steuerbescheid" bezeichneten, wodurch sie insbesondere bei Dornahme einer Buch- und Betriebsprüfung eine unbeschränkte Nachveranlagungsmöglichkeit zu erhalten glaubten. Der Reichsfinanzhof hat aber in ständiger Rechtsprechung dieses Verfahren als Mißbrauch der den Finanzämtern gegebenen Befugnisse gekennze chnet und solchen als „vorläufig" bezeichneten Steuerbescheiden stets die Wirkung endgültiger Steuerbescheide beigelegt, wodurch dem Vorbehalt „vor- läufig" jede rechtliche Wirkung genommen worden ist. Nur roenn tatsächlich gewisse Besteuerungsgrundlagen ungewiß sind, kann unter den Doraussetzun- gen des Paragraphen 100 Reichsabgabenordnung ein vorläufiger Steuerbescheid ergehen. „Heideschulmeister Live Karsten" Lichtspielhaus. Der berühmte Fontaneiche Sers aus dem „Archibald Douglas", mit dem der Film austlingenb den Beschauer entläßt, kann gleichsam als Motto und Leitmotiv über dem Ganzen stehen: „Der ist in tief- {ter Seele treu, wer die Heimat liebt wie du". Die Isa hat mit diesem Film, der in der Herstellungs- gruppe Alfred Zeisler nach dem Roman ,^)eibe- jchulmeister Uwe Karsten" von Felicitas R o s e — Bearbeitung: Christian Uhlenbrock — gedreht wurde, bewußt die Forderungen einer neuen deutschen Kulturpolitik auf ihre Arbeit angewendet. Dos geschah einmal mit der Wahl des Stosses, der ganz im Boden der deutschen Heimat wurzelt und der die Liebe zur Heimat als tragendes und beherrschendes Motiv der Handlung gestaltet: zum andern aber m.t der Einführung der Landschaft, die hier, was früher selten geschah, nicht als ein zufälliger, begleitender, nebensächlicher oder allenfalls stimmunggebender Faktor behandelt wird, sondern als ein gewichtiges, gleichsam mitspielendes Stilelement, das die breite und feste Grundlage abgibt, auf der die Handlung sich aufbaul. Der Spielleiter Carl Hein,; Wolfs hat die dankbaren neuartigen Möglichkeiten erkannt, die das Drehbuch ihm anbot, und in der Tat hat er mit der Erschließung und Durchdringung des landschaftlichen Elementes die schönste und nachhaltigste Wirkung seiner Regiearbeit erzielt: ep hat die Heide- landsck-aft, die durch Hermann Löns recht eigenllich für das deutsche Schrifttum unserer Zeit gewonnen wurde, in schonen, weiträumig photographierten und panoramaartig abrollenden Bildern eingesanqen und dem Film damit seinen eigentümlichen Cha- ratter gegeben. Die Schwierigkeiten, die nicht allent- Jiatben bewältigt wurden, ergaben sich, wie früher chon so oft, in der Herkunft des Drehbuchs aus der literarischen Vorlage: man spürt steNenweise, daß der Film vom Roman abhängig ist: die epische Form der Vorgänge macht sich, besonders in der ersten Hälfte des Strebens, noch bemerkbar Gut aber und csiucklich gelöst im Sinne eines neuen deutschen Filmschaffens ist der liedhafte, volkstüm- Ache, naturhafte Grundzug, der die Handlung entschieden auszeichnet, auch wenn sie kontrastierend aus der Heideeinsamkeit in die große und groß- städtische Welt hanseatischen Patriziertumes hinüber- wechselt. Die Besetzung ist dem Stil unb der Stimmung des Werke? geschickt angegltchen. Den Heide schulmeister gibt Hans Sch 1 enck ipmpafhtld) männ- •ich mit wortkarg verhaltenem Gefühl 21's Ursula sieht man Marianne Hoppe die von der Bühne zum Film überging: sie trifft mit ihrem klaren und ruhigem Gesicht und einer gewissen herben Kühle in Haltung und Ausdruck genau den norddeutschen Menschenschlag und Lolkscharakter, der hier gemeint war. Heinrich Heilinger entwickelt scharf und knapp den brutalen und haltlosen Spekulanten Heinsius. Brigitte H o r n e y, Olga Tschechowa, Waller S t e i n b e cf, Günther Ballier, Ernst Behmer und Paul Henkels stehen in den übrigen Rollen tüchtig an ihrem Platz. — Der fjilm läuft seit Sonntag im Lichtspielhaus; im Beiprogramm sieht man u. a.‘ interessante Ausnahmen von Laich und Leuten in Norwegen, der Heimat Peer Gynts. Leutnant Fiedeborn. Don ßand Henning Freiherrn Grote. Auf dem freien Platze vor dem Schlosse Sanssouci wartete die Wachtkompanie. Aufmerksam hielt der Hauptmann Ausschau, denn jeden Augenblick konnte der König heraustreten Am rechten Flügel der Leutnant Fiedeborn. Das Gesicht mit den nachdenklichen Augen, den drei Falten auf der kantigen Stirn zeugte weniger von einem Soldaten denn von einem gelehrten Stubenhocker. Dem Leutnant Fiedeborn war heute nicht wohl in seiner Haut. Sein Freund, der Adjutant, hatte es ihm gesteckte Im Rapport an den König berichtete der Regimentskommandeur: „Der Leutnant Fiedeborn ist ein schlechter Soldat, aber ein guter Dichter." Und im heutigen Wachtbesehl war ausdrücklich von des Honigs Hand bemerkt worden: „Will den Fiedeborn sehen!" Die Uhr tat den ersten Schlag. Durch die klare Winterlust schwang der Schall deutlich bis zu der harrenden Truppe. Pünktlich mit dem zwölften Schlage sah man den König. Kommandos hieben zusammen, starr stand die Front, an der Friedrich, leicht auf den Krückstock gestützt, langsam hinunter- schritt. Schon glaubte der Leutnant Fiedeborn, der Kelch würde noch einmal an ihm Vorbeigehen. Denn nur von obenhin, gleichgültig war des Königs blaues Augenpaar an ihm vorübergeglitten, suchte schon i n nächsten Grenadier, und suchte so mit dem langsamen Gang Mann nach Mann. Jetzt wandte sich Friedrich vor die Front der Kompanie, winkte den Hauptmann näher und sprach ein kurzes Wort. Da wußte Leutnant Fiedeborn mit Entsetzen, daß der toiirfel gefallen sei, und schon hallte auch ein befehlender Rus: .Leutnant Fiedeborn zu Seiner Majestät!" Nun hilft es nichts! dachte der Leutnant und sühtte plötzlich den Mut der Lerzweislung. Mehr als den Kopf kann es nicht kosten, und dichten tut e r auch. In straffer Haltung trat er vor den Könitz. Friedrich musterte den Befohlenen nicht ungnädig. In seinem sonst ewig ftrengen und verschlossenen Blick, dem niemand zu widerstehen vermochte, kam so etwas wie ein fröhliches Lächeln. Aber schon schob es der König wieder in das Verborgene zurück, herrschte den Leutnant an: „Mir ist rapportiert worden, daß Er Verse macht... geb Er Antwort, ob bas schicklich sei für einen Soldaten?" Leutnant Fiedeborn ahnte, daß jetzt seine Stunde gekommen sei; ohne feine straffe Haltung zu verändern, sprach er unverzüglich: ,Lch weiß, daß Seine Majestät der beste Soldat Preußens ift!" Neben ihm der Hauptmann wankte. War der stille Fiedeborn verrückt geworden, daß er solche Antwort wagte? Aber den König schien die Anspielung des Offiziers auf feine eigene Dichtkunst hochsttich zu belustigen. „Er scheint keine Angst zu haben", sagte Friedrich langsam und nachdenklich, „und Er kann seine fortune meichen, roenn Er's weiter so hält." Unvermittelt fuhr (ein Krückstock hoch, tippte dem Leutnant auf die Brust. „Also reite Er mal los und mache mir auf der Stelle einen Vers!" „3u Befehl!" sagte der Leutnant Fiedeborn und stand noch ftrammer denn zuvor, als er jetzt munter reimte: „Gott sprach in feinem Zorn: Der Leutnant Fiedeborn Soll als Soldat auf Erden Nie mehr als Leutnant werden." Da war das fröhliche Lächeln wieder in Friedrichs Augen. „Eh Dien“, sprach der König, „nicht schlecht gedichtet, aber was Er von dem lieben Gott meint, glaube ich nicht. Denn in meinem Regiment befehle ich ganz allein, und deshals avanciert Er mir auf der Stelle zum Hauptmann!" Der Leutnant Fiedeborn wußte nicht, wie ihm geschah, und der Hauptmann, der ein schlimme» Strafgericht erwartet hatte, noch weit weniger; es war ein Glück, daß der König ihn in diesem Augenblick nicht ansah, sondern forderte: „Also, Haupt- mann Fiedeborn, mache Er mir geschwind noch einen zweiten Vers!" Wenn Friedrich geglaubt hatte, das unerwartete Glück würde die Reimkunst bes jungen Offiziers versiegen lassen, so sah er sich gröblich getäuscht. Denn auch jetzt beburfte der neugebackene Hauptmann nicht eines Augenblickes der Ueberlegung, sondern sprach entschlossen „Der Zorn bat sich gewandt, Hauptmann bin ich genannt; Doch bätt ich Equipage, Hätt ich auch mehr Courage." Da ließ der König cm kurzes trockenes Lachen hören und hob die Hand. ,Hch sehe schon. Er kann noch viel besser dichten als ich, jedenfalls ist Er recht vive dabei, und darum soll Er auch seine Haupt- manns-Equipage von mir haben. Doch nun laste Er die Reimerei ichan sein, einen dritten Sers will ich nicht mehr Horen, denn sonst will Er mit einem Mal König werden und ich dars Leutnant sein." 3eiffd>nften. — In der Dezember-Nummer von Wester- manns Monatsheften entwickelt Dr. 9t Henrici von der Reichsleitung des Arbellsdienstes das Entstehen des Gemeinschastsgedankens aus dem Gerneinschastserlebnis des Krieges und aus der inneren und äußeren Not der Nachkriegszeit. Auf dem so gewachsenen unb gefestigten Gedanken und Gefühl Der Gemeinschaft ruhl der Arbeitsdienst. Dr. Hellmuth Langenducher zeigt an Beispielen wesentlicher Romane, wo der neue Mittelpunkt unseres fieb-ns gesucht wird: in der Ewigkeit der Erbe, in ber Kraft reinen Ledens unb reiner Seele. Diese Arbeit ist ber Anfang einer regelmäßigen Folge von kritischen Beiträgen, bie d^m Aufbau de» neuen deutschen Stristtums grundsätzlich dienen sollen. Aus dem Dezemberheft sind weiter zu n-nnen: brr Anfang bes neuen Romans von Ernst Wiechrrt „Die Ma'vrin", „Nordische Weihnacht" von Dr. 8 O. Plahmann unb die Plauderei fber unsere deutsch n Familiennamen von Hjalmar Kutzleb „Müller unb Schulze". 6o*fd>ulno*ridtftiL Professor Dr. Erwin Baur, ber bekannte Der- erbungsiorscher unb Direktor bes Kaiser-Wilhelm- Institutes für Züchtungsforschung in Müncheberg (Mark), ist am Sonntag im Alter von 58 Jahren an den Folgen einer Angina gestorben. In Baur, ber 1875 in Ichenheim in Baden als Sohn eines Avotbekers geboren wurde, verliert die deutsche Wissenschaft einen G'lehrten, ber insbesond re auf ben ®:bieten ber Pflanzenzüchtung, Rassen- Hygiene und Erblichkeitslehre Hervorragendes geleistet bat. Durch (eine Arbeiten ist z. B. der deutschen Landwirtschaft die Möallchkell gegeben worden, sich von dem Bezug ausländischer Eiweißfutter- mittel unabhängig zu machen. Baur habilitierte (ich 1904 in Berlin und wurde 1911 Ordinarius an der Berliner Landwirtschaftlichen Hochschule, von seinen Arbeiten nennen rott: „Einführung in die erperi- menteQe vererbenaslehre" unb „Wissenschaftliche Bruoblagen der Pflanzenzüchtung". Baur war auch Herausgeber ber .„Zeitschrift für induktive Lbstan'- mungs» und Vererbungslehre". ZK ' nur Sau?rn. ;6airt» ■!«<»„. te" «hil isst» !ri>en muß. Kräh. bis 19 Er. L? Erwachse. 1 Svenen J?.HrPreis= n betragt bei 12 i?ei Mr 0i5 °Erbtn die oben 'vefffM. !r Dache als &/, ber: 'tbgebräuche, ^vr- J« Si°be ©oben, teüechchm Teih- It Wffl. ““5 fSft.S j h?T Arbeitsbuch- St*®1? ■■ MitteipunU un 1 reiner e» DOn möc0enSn?u!n MSj-ä? 5**j*’* idM 6!en«^d”' ttS > ng “L 58 ÄJ ^.7°rb^h! «»L died^' :SS- Stag ’S »r CT: in lieber «Rann“. Molaus kommt' nit. - 22.45 Uhr cd) den Schwarz- oarzwaM. btt: "un“. tzesuWn er. erbescheid. heiMmo Bill Inellen €teuerfra= n wir jolgenbes: ides hat im den itndjme Wirkung, teilt wirb, sondern i durch den Steuer- I oben grundsätzlich m Setanntwerben ttd bars eine 8e» und auch diese ist fünfjährigen 8er- !e[e fteueiNrtit‘ 'efdjeibes doduch mlarmäßig jebei oechevd' bleich \ ’B.ombmt einet ine unbeschränkte erhalten glaubten, n ständiger Recht- Mißbrauch der den niste gekennzeichnet zeichneten Steuer- ndgültiger Steuer n Vorbehalt „vor genommen worden Zesteuerungsgrund- r den Voraussetzun-, hsabgabenordmmg ejen.__ trockenes Lachen he schon, 6r tmm .ensaiis ist Er recht . auch seine iMpt- 2od) nun loste 6t dritten Bees wlll will 6t mit einem j Leutnant stm- Bornotizen. — Tageskalender für Montag: Stadttheater: 20 bis 22 Uhr, Tanzgastspiel Mathilde Buhr, Joachim von Seewitz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Heideschulmeister Uwe Karsten".— Turmhaus am Brand, 16 bis 18.30 Uhr, Kunstausstellung. — Gesellschastsverein e. B. (Klub), 18 Uhr, Gartensaal, Mitgliederversammlung. — Deutsche Frauenkultur, Ortsgruppe Gießen, Eaf6 Amend, Billardsaal, 14 bis 20 Uhr, Weihnachts-Messe. — Evangelische Stadtmission, 16.30 (für Kinder) und 20.30 Uhr, Lichtbildervortrag: „China". — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Heute, 20 Uhr, einmaliges Tanz- Gastfpiel des bekannten Tanzpaares Mathilde Buhr und Joachim von Seewitz. Das Programm des Abends bringt: „Phantastische Tänze". Leitung des Stadttheater-Orchesters hat Kapellmei- ster Fritz C u j e. Das Gastspiel ist außer Abonnement und zu kleinen Preisen von 0,30 bis 1,50 Mk. Ende: 22 Uhr. — Dienstag, 5. Dezember, als 10. Vorstellung im Dienstag-Abonnement das Schauspiel: „Am Himmel Europas" von Schwenzen-Malina. Spielleitung: Anton Neuhaus. Gewöhnliche Preise. Spieldauer von 20 bis 22.15 Uhr. * ** Der Tag des Pferdes wurde gestern in unserer Stadt in schöner Weise begangen. Von Oswaldsgarten aus bewegte sich ein langer Zug von Pferden und Wagen mit vielen abwechslungsreichen Bildern durch zahlreiche Straßen der Stadt und fand dabei die volle Aufmerksamkeit der Bürgerschaft. Nach bem Umzuge folgte der Aufmarsch auf Oswaldsgarten, wo der Direktor des Tierzuchtinstituts an der Universität Gießen, Professor Dr. Gedenket der hungernden Vögel! Schuht dieZugtiere vor derMte! Craemer, eine eindrucksvolle Ansprache über das Pferd und seine herrliche Kameradschaft mit dem Menschen hielt. Anschließend wurden zahlreiche Pferde, die Veteranen des Weltkrieges sind, von einem Vertreter des Tierschutzoereins mit Kränzen geehrt, lieber den Verlauf dieser Veranstaltung werden wir morgen näher berichten. ** Sperrung der Schloßgasse. Don der Polizeidirektion Gießen wird uns mitgeteilt: Wegen Abbruchs des Hauses Schloßgasse Nr. 13 wird die Schloßgasse vom 4. Dezember ab auf die Dauer von drei Wochen für jeglichen Fahrzeugoerkehr gesperrt. ** D t e Gemeinde-Hunde st euer, die für das Kalenderjahr 1934 festgesetzt wurde, betrifft eine Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil. Hundebesitzer feien besonders darauf aufmerksam gemacht. ** Vor der Inbetriebnahme der Eisbahn. Der strenge Frost in den vergangenen Nächten hat die Eisdecke für die Eisbahn an der Moltke- ftrafje geschlossen und bereits zu 5 Zentimeter Dicke anwachsen lassen. Wenn der Frost auch heute Nacht anhält, wird voraussichtlich morgen um 11 Uhr die Eisbahn eröffnet werden können. ** Frist für Steuererklärungen vom 1. bis 15. Februar. Wie das DdZ.-Büro meldet, hat des Reichsfinanzministerium als Frist für die allgemeine Abgabe der Steuererklärungen für die Veranlagung zur Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer für die im Kalenderjahr 1933 endenden Steuerabschnitte die Zeit vom 1. bis 15. Februar 1934 bestimmt. ** Keine Selbstversorgung der Gast- wirte mit Branntwein. Gastwirte, die nicht bei der Zollbehörde als Trinkbranntweinhersteller angemeldet sind, dürfen sich nicht Sprit beschaffen und daraus die für ihren Ausschank erforderlichen Trinkbranntweine durch Mischung mit Wasser und Essenzen selbst Herstellen. Das Reichsfinanzministerium macht darauf aufmerksam, daß hierin eine Hinterziehung der Branntweinzuschlagssteuer liegt, die zu bestrafen ist und die Entziehung der Schankerlaubnis nach sich ziehen kann. Die Zollbehörden sind angewiesen, gegen solche Gastwirte unnachsichtlich vorzugehen. ** Spende für das Winterhilfswerk. Je 730 Mk. führen die Angestellten und Arbeiter von Schade & Füllarabe A.-G. in den 6 Monaten Oktober 1933 bis März 1934 = 4380 Mark an das Winterhilfswerk ab. ** Neue Bücher in der Bücherhalle. In den letzten - Wochen sind in der Bücherhalle folgende Bücher neu eingestellt worden: Gedichte: A. Miegel, Gesammelte Gedichte. H. Sachs, ausgewählte poetische und dramatische Werke. L e - oensbeschrelbungen: E. Czech - Jochberg, Unser Führer. P. de Krull, Kämpfer für das Leben. I. Plüschow, Günther Plüschow, deutfcher Seemann und Flieger. Reisebeschreibungen: A. Karlin, Einsame Weltreise K. Faber, Weltwanderers letzte Fahrten und Abenteuer. H Jngstad, Pelz- jäqerleben in Kanada. W Langewiesche, Das amerikanische Abenteuer. W. Penck, Puna de Atacarrna, G. v. Jungenfeld, Ein deutsches Schicksal im Urwald. E. v. Kapherr, Die Abenteuer des Fürsten Dschaparidse. Geschichte, Kriegsgeschichte: H. Gumprecht, Die magischen Wälder. H. ©rote, Das Schicksalsbuch des deutschen Volkes. Steinhardt, Wir reiten still, wir reiten stumm. R. Schneider, Die Hohenzollern. M. v. Richthofen, Der rote Kampfflieger. Volkswirtschaft, Politik: A. Ehrt, Bewaffneter Aufstand Th. Lüddecke, Meisterung der Maschinenwelt. Fr. Burgdörfer, Volk ohne Jugend. ©. Gedye, Die Revolverrepublik. R. W. Darr6, Neuadel aus Blut und Boden. Technik: C. Matschoß, Technische Kulturdenkmale. Philosophie, Erziehung: F. Kunkel, Die Arbeit am ©ha* ifter. A M Roos, Verborgene Kräfte. H. Duvert, Die Frau von heute, ihr Weg und Ziel. W. Hoffmann, Die Flegeljahre. Krankheitslehre: E. Liek, Krebsverbreitung, Krebsbekämpfung, Krebsverhütung. G. V-mzrner, R-gler des Stoffwechsels. Romane: I. Klepver, Kahn der fröhlichen Leute. H. Brandenburg, Pan- froi der Hirt-nbub. R. S-xan, Brigitta. E. Reger, Schiffer im Sttorn. F Beielstein, Rauch nn der Ruhr. Th. ©oote, Die Fahne hoch. H. W G"ißler, Der letzte Biedermeier. M Hänsmann, Abel mit 6er Mundharmonika. R. Schaumann, Simei. K. Schenfinger. Hitlerjunge Quer. W. Desver, Sam in Schnabelweide I. Frank, Keine Angst vor morgen S. G. Millin, Gottes Stiefkinder D. Ziegel, Der Mann, der die Frauen anzog. F. Kraze, Die schöne und wunderbare Jugend der Hadumoth Sieb-nstern. O. Brües, Das Mädchen von Uttecht. W. Scharrelmann, Das Fahrhaus. I. v. Arnmers» Küller, Der stille Kampf. W. Deeping, Der Schick- jalshof. RS-Vvlkswohlfahrl des Kreises Gießen. Cs kommt in letzter Zeit wiederholt vor, daß auf das Konto der NS.-Volkswohlfahrt bei der Bezirks- sparkasse Gießen — Konto Nr. 4513 — von Privatpersonen Beträge eingezahlt werden, ohne nähere Angabe, welchem Zweck der eingezahlte Betrag dienen soll. Verschiedene Mitglieder der NS.-volks- Wohlfahrt sind dazu übergegangen, ihren Monats- beitcag einzuzahlen, ohne den Verwendungszweck mitzuteilen. Bei der Vielseitigkeit der Einzahlungen ist es schwer, alsdann diese Beträge als Mitgliedsbeiträge zu erkennen. Bei Einzahlungen auf das Konto 4513 bei der Bezirkssparkasse Gießen ist immer anzugeben, ob der Betrag für bas Winter- hilsswerk, oder für die NS.-Volkswohlfahrt (N S V.) bestimmt ist. Die NS.-volks- wohlfahrt ist eine vom Führer geschaffene Mohlfahrtsorganisation und ist nicht zugleich das Winterhilfswerk. Lediglich die Durchführung des Winterhilfswerks unter Mitarbeit der anderen Wohlfahrts-Einrichtungen und -verbände bildet zur Zeit die Hauptarbeitsleistung der HSV. Ls ist daher unbedingt erforderlich, daß für die Zukunft bei Einzahlung von Beträgen auf obenerwähntes Konto der Verwendungszweck angegeben wird. heil Hitler! Gez. K l ö ß, kreiswalter der HSV. Gondergenchi in Gießen. Unter dem Vorsitz von Lan^gerichtsdirektor H e ck l e r (Darmstadt) hatte sich am Samstag das Sondergericht mit fünf Vergehen gegen den § 3 der Verordnung des Reichspräsidenten vom 21. März 1933 zum Schutze der nationalen Regierung und der hinter ihr stehenden nationalen Verbände gegen heimtückische Angriffe zu befassen. Der in Berlin wohnhafte Kaufmann Albert Bleicheröther, zur Zeit in Untersuchungshaft, schickte von Bad-Nauheim aus, wo er sich zur Kur aufhielt, einen Zeitungsausschnitt, der sich mit der seiner Zeit erfolgten Verhaftung bayerischer SA.» Leute durch die Dollfuß-Regierung befaßte, an den Stabschef der SA., indem er u. a. seine Billigung der Verhaftung zum Ausdruck brachte. Außerdem gebrauchte er auf diesem Zettel gegenüber den Ministern Göring, Goebbels, Frick und Frank schwer beleidigende Ausdrücke. In Anbetracht seiner verminderten geistigen Konstellatton und anderer körperlicher Gebrechen erkannte das Gericht, entsprechend dem Antrag des Vertreters der Anklage, auf eine Gefängnisstrafe von fünf M o - nuten unter Anrechnung von vier Monaten Untersuchungshaft. Die Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte. Der bei Ockstadt beschäftigt gewesene Schweizer Franz Meisner äußerte Ende Oktober d. I. bezüglich des Reichstagsbrandes zu einer Haus- angestellten schwer beleidigende Worte gegen Hitler und Göring. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte schon bei früherer Gelegenheit seine kommunistische Einstellung zeigte. Der Staatsanwalt beantragte ein Jahr Gefängnis. Das Urteil lautete in Anbettacht des Geständnisses des Angeklagten und der Tatsache, daß er bis jetzt unbestraft ist. auf neun Monate Gefängnis. Eine Ehefrau hatte sich wegen dummer Schwätze- reien über den Führer zu verantworten, u. a. meinte sie anläßlich der Reichstagsauflösung im Oktober, „Hitler wäre zurückgetteten, die alten Parteien wären wieder aufgenommen und das fei ganz gut, sonst gäbe es bis zum Frühjahr Bürgerkrieg". In Anbettacht des Widerrufes der einen Aeußerung erkannte das Gericht auf vier W o - chen Gefängnis. Außerdem trägt die Angeklagte die Kosten des Verfahrens. Wegen ähnlicher dummer Schwätzereien und Bemerkungen stand bann ihr Ehemann vor Gericht. Nach dem Sachverständigengutachten handelt es sich bei dem Angeklagten um einen etwas beschränkten Menschen. Jedoch konnte der § 51 RStGB. keine Anwendung finden. Nachdem der Anklagevertreter die Entscheidung in das Ermessen des Gerichts stellte, lautete das Urteil auf eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen, die mit der erlittenen Untersuchungshaft als verbüßt gilt. Schließlich hatte sich das Gericht mit dem Hilfsarbeiter Heinrich Richard M a r s ch e ck aus Wieseck zu befassen. Durch die Beweisaufnahme, insbesondere durch das Gutachten eines Schriftsachver- ftändigen aus Darmstadt, wurde festgestellt, daß der Slngetlagte in den Hof des jetzigen Bürgermeisters sowohl als auch auf die Treppe eines Wiesecker Geschäftsmannes Zettel mit folgender Aufschrift warf: „Wir gedenken des 1. Mai, wo unser Blut geflossen in ganz Deutschland. Einst kommt der Tag, da wir uns rächen werden. Es lebe die Weltrevolution. Wir gedenken der Genossen, die ihr Leben ließen durch die braunen Mordbanditen" usw. In feinem Plädoyer betonte der Staatsanwalt, daß dieser Fall im Vergleich zu den vorhergehenden Fällen besonders schwer gelagert sei und zwar so schwer, wie man ihn selten selbst vor den Sondergerichten finde. Die Persönlichkeit des Angeklagten sei so, daß man ihm die Tat zutrauen könne. Nach den Zeugenaussagen war er nicht nur gewöhnliches Parteimitglied der KPD., sondern ein aktiver Kommunist. Die Tat beging er im August. Er war also gewillt, trotz Verbotes noch für die Partei zu arbeiten. Nach Ansicht des Staatsanwalts hat man es hier mit einem gefährlichen Gegner der nationalen Regle- rung zu tun, der keine Einsicht kenne. Entsprechend seinem Anttag erkannte das Gericht, das sich auch in der Urteilsbegründung der Auffassung des An- flageoertrefers anschloß, auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis. Die Kosten des Verfahrens trägt der Angeklagte. Gin Gefpensterschiff kreist um den Nordpol. Amundsens ,/Slaub* als „Fliegender Holländer^ im ewigen Eis. Von Franz Langer. Die „M a u d", bas berühmte Expebitions- sch ff Amundsens, ist ohne Mannschaft im Packeis zwischen Spitzbergen unb Grönland gesichtet worden. Das Schiff war nach dem tragischen Tod des großen Forschers verkauft worden und wurde 1931 von feiner kanadischen Besatzung, die der Pelztierjaad und dem Pelzhandel nachgingen, verlassen. Das Schiss ist aber nicht gesunken, sondern scheint vom Eis umschlossen, seit dieser Zeit in einer Kreisbahn um den Pol zu treiben. Grausig sind meist jene Geschichten, die alte Seebären den Landratten aufzubinden pflegen; es wimmelt, wenn man biesen Erzählungen glauben sollte, auf allen Weltmeeren von fliegenben Holländern, von der Mannschaft verlassenen, herrenlos da- hintreibenden Schiften, die dem Schift, in besten Kurs sie kommen, Unheil künden. Sie treiben da- hin, von geheimnisvoll-geisterhaftem Steuermann gelenkt, und, betritt man frevelnd das Gespensterschiff, findet man vielleicht noch Blutspuren, die von schrecklichen Kämpfen zwischen der ehemaligen Besatzung und unbekannten Gegnern herrühren. Oft ist man mit Recht geneigt, diese Seebärenerzählungen in das Bereich zu verweisen, bas bie Seeschlange regiert. Es gibt aber auch Schisse, bie, von der Mannschaft verlassen, aus den Weltmeeren treiben. Sie können auch Unheil bebeuten, benn oft genug sind bei Nacht und Nebel diese verlorenen Schiffe zu schweren Gefahren für bie Schiffahrt geworden. Nun bringt aus Skandinavien die Kunde zu uns, daß unweit des Nordpols ein Schiff, das von allen Lebewesen längst verlassen ist, gesichtet worden ist. Es ist nicht einmal ein gewöhnliches Schift Ganz Europa, die ganze Kulturwelt hatte einst den Klang [eines Namens im Ohr, als der große Norweger Roald Amundsen auf ihm seine kühnen For- scherfahrten ausführte: die „M a u d". Wechselnd wie selten das Schicksal eines Schiffes war das der „Maud", ehe es nun, in den Bann des Polareises geraten, in geheimnisvollem Kurs um den Pol gleitet, von keines Menschen Hand geführt. Einst wurde es als Werkzeug kühnen Forscherdranges in bie ewigen Weiten der Volarmeere gelenkt, und nun läßt der Pol das Schiff nicht mehr los, genau fo wenig wie den Mann, der es einst führte. Beide sind in Nacht und Eis verschollen, Amundsen und seine „Maud". Vielleicht führt einmal der Zu- fall einen Menschen zu der Stelle, an der Amundsen nach heldenhaftem Rettungsversuch seine letzten Atemzüge tat, wie man vor einiger Zeit den Schweden Andräe fand, nachdem mehr als drei Jahr- zehnte seit seinem verwegenen Polslug mit dem Ballon vergangen waren. Und vielleicht gelingt es einmal, das Schift, das man jetzt wieder gesichtet hat, Heimzubringen in das Land des toten Forschers, zu seinem Andenken, nachdem längst die Fragen erstorben sind, ob Amundsen noch zurückkehren könnte, und nachdem es wohl ganz sicher ist, baß die unendliche Eiswüste unerbittlich und grausam bas Geschick des Wiking-Nachfahren erfüllt hat. Ungewöhnlich wie bas Schicksal dieses Schisses, das jetzt der Vergessenheit wieder entrissen wurde, war auch seine Entstehung. Er war ganz das Werk seines großen Besitzers, auch äußerlich, in feiner ungewohnten Bauart. Lange Erfahrungen hat damals Amundsen ausgenutzt, als er den Hilfsmotorschoner „Maud" bauen ließ. Er lernte kennen, welche Fehler für den Arktisforscher die „Gjöa" hatte, mit der er den magnetischen Nordpol und die Nordwestpassage sand, und nicht weniger die „F r a m", das alte Schiss Nansens, mit der er im August 1910 ausgefahren war, um in siegreichem und stürmischem Vordringen den Südpol zu erreichen, während fein unglücklicher Widerfacher Kapitän Scott wenig später ans Ziel kam, aber nie heimkehrte. Aus all diesen Erfahrungen und auf Grupd der Theorien, die ihm in feinen Jünglingsjahren der damalige Direktor der Hamburger Seewarte, Dr. N e u m a i e r, eingepaukt hatte, baute er nun die „Maud", als er berühmt genug geworden war unb damit bie Mittel in bie Hanb bekam, um den Plan eines Spezialschiftes zu verwirklichen. Das Problem für Amundsen war, ein Schift zu bauen, das den vesonders schweren Beanspruchungen der Arktis gewachsen war. Das Schift mußte es aushalten, vpn der ungeheuren Gewalt Der Eispressung in die Höhe gehoben und zur Seite gelegt zu werden. Also baute Amundsen bie „Maub" f a st in Ei form unb fast ohne [eben Kiel So konnte es ber Bezwinger bes Sübpols enblich wagen, sich bem Eis zu überlasten, benn dieses Schift bot den Eismassen nur sehr wenig Angriffsfläche, würde also überhaupt nicht zerdrückt werden. Amundsens Theorie hat sich dann auch als richtig erwiesen. Nur — das Wetter hat Amundsen und seinem Schiff einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn als er 1918 durch die Norbostpassage im Norden Sibiriens Kurs nahm, um die „Maub" möglichst rasch in bie Oberslächensttömung hinein- Aubringen, wo es einfrieren unb mit ber „Trift" dem Nordpol zugetrieben werden sollte, begann eine Reihe schlechtester Eisjahre. In drei Wintern fror die Expedition im Norden Sibiriens fest unb konnte nicht weiterkommen. Fast schien es, als ob an Amundsen und an seiner „Maud" sich bas Schicksal ber Polarnacht erfüllen sollte, schon würbe ein amerikanischer Zollkutter entfanbt, um ben verschollenen Forscher zu suchen. Unb noch ein brittes Mal versucht es ber Forscher, auf einer Triftfahrt bem ersehnten Ziel nahezukommen, ehe er von ber „Maud" Abschied nimmt, um es mit dem neuen Verkehrsmittel, dem Flugzeug, zu versuchen: bas waren jene zwei deutschen Dornier-Wal-Flugbovte, mit denen er auch für lange, bange Wochen verschollen blieb, ehe es ihm gelang, die eine der Maschinen ilottzumachen unb dem Lande der Nacht und des Eises zu entfliehen. Für das Schiff schien die große Zett vorbei, es sollte fortan einen sehr prosaischen Zweck erfüllen. Als es 1925 heimkehrte, kaufte es eine amerikanische Gesellschaft für ben Pelztierfang in ber Nordwest passage. Lange war die „Maud" oergeffen, wenn auch in Norwegen immer wieder der Plan trroogen wurde, das berühmte Schiff zu erwerben. Das Geld fehlte aber. Dann kam vor ein paar Jahren eine letzte Nachricht: In der Cambridge-Bucht war die „Maud" gestrandet, und die Mannschaft verließ das Schiff. Aber Schiffe sterben schwerer als Menschen. Während sein aroßer Führer das Opfer seiner heldenhaften Hilfsbereitschaft gegenüber wurde, ist sein Schiff wohl auch von Eismassen umschlossen, aber mit ihnen treibt es auf bem Rücken ber Meeresströ- - > -AM mungen runb um ben Pol. Den hat trotz gewaltigster Ansttengungen boch nicht Amundsen zuerst erreicht, weil ein anderer, Glücklicherer, der Amerikaner Byrd, chm zuvorgekommen war, wie er selbst einst Scott ben Ruhm bes Sübpol» Entdeckers abgejagt hatte. Ohne Rast treibt bas Schiff, fern ben von Menschen bewohnbaren Gebieten, immer in geheimnisvollen Kreisen um den Pol herum. Der hat bas Schiff in feinen Bann geschlagen und läßt es nicht mehr los. Zeitlos ist der Weg, riesige Entfernun- aen hat die „Maud" schon zurückgelegt, feit die letzten Menschen sie verließen; teils wird es vom Eise getragen, teils von den eisig-grünen Fluten bes arktischen Meeres. Wohin geht sein Weg? Der Mann, ber es jetzt sah, glaubt, es könnte vielleicht allmählich zwischen Grönlanb unb Spitzbergen getrieben werben, wo es ben Menschen leichter erreichbar wäre. Aber bas kann Jahre bauern. Oberbeffen. Ministerialrat Ningshausen in Langsdorf. oo Langsdorf, 3. Dez. Unsere Drganifatio- nen der NSDAP, hatten auf heute zu einer fett langem erwarteten Kundgebung eingeladen. Wir hatten die Freude, den nach Sprache und Gesamthaltung ganz oberhessischen Ministerialrat Ringshausen zu hören. Bei vollbesetztem Hause eröffnete Sfützpunktleiter Fabian die Zusammenkunft mit Worten der Begrüßung. Unser Gesangver- ein brachte deutsche Lieder zu Gehör. Ministerialrat Ringshausen erinnerte an eine Versammlung vor etwa acht Jahren im gleichen Raume, wo damals die Gewalten des inzwischen rühmlos versunkenen Deutschland gegen das dagegen anfämp- fende neue Deutschland aufbegehrten. Dann machte der Redner in großem Zuge den Unterschied zwischen einst und jetzt deutlich und umriß sowohl die Ausgaben des unter dem gottgeschenkten Führer geeinten Deutschlands, wie auch das Wesen des auf Glauben, Blut, Rasse und Boden begründeten nationalsozialistischen Menschen. Die Langsdorser Ver- fammlung, der aus der Geschichte ihres Dorfes diese Ausführungen nichts durchaus Neues waren, beantwortete Ringshausens Darlegungen mit bem freu- bigen Gesang bes Deutschland- und bes Horst- Wessel-Liedes. Landkreis Gtetzen. X Wieseck, 3. Dez. Die Ortsgruppe Wieseck der Deutschen Stenographenschaft hielt gestern im Lokal Döbus eine Versammlung ab, bie von Ortsgruppenführer Abolf Kling eröffnet würbe. In Erledigung ber Tagesorbnung gab er bekannt, baß bie Ortsgruppe in ber nächsten Zeit viele Neuanmelbungen aus ben Ansängerkursen erhalten wirb. Weiter würben bie Diplome vom Ver- banbswettschreiben in Friedberg verteilt, auf bem unsere Teilnehmer gute Erfolge erzielten. Es erhielten in 80 Silben ben 1. Preis: Elfriede Kai - f e r. In 100 Silben Friba D ö r i n g e r, Lina Bötz unb Friebrich H i l b e b r a n b ben 1. Preis. In 100 Silben ben 1. unb Ehrenpreis Emmi Schäfer. In 120 Silben Abolf Schmidt ben 1. Preis. Nach ber Umgestaltung bes Unterrichts- planes übernimmt Ortsgruppenführer Kling einem vorangegangenen Vorstandsdeschluß zufolge ben aus dem Anfängerkursus gebilbeten Fortbilbungskursus, Otto Deibel ben jetzigen Fortbilbungskursus. Für ben aus biensttichen ©rynben scheidenden Rechner Fr. Hildebrand wurde Walter F a a tz zum Kassierer bestimmt. An Stelle des sonst üblichen Winterfestes wird am Samstag, 9. Dezember, im Saal von Döbus bie Ortsgruppe für ihre Mitglieder, deren Angehörige sowie Freunde der Sache eine Weihnachtsabendfeier veranstalten. £ Wieseck, 4. Dez. Am Donnerstag, 7. Dezember, nachmittags und abends wird im Saale von Heinrich Braun ber Tonfilm vom Deut- schen Turn fest in Stuttgart „Treue unserem Volk" gezeigt. Allen Svortsfreund-'n wirb dies Gelegenheit aeben, das Fest von Stuttgart im Geiste zu erleben. z Großen-Linden, 3. Dez. Das e v a n o e - l i f ch - k i r ch l iche Sterberegister des Kir- Schlecht Wetter droht! Jetzt, wo schneidende Kälte und naßkaltes Wetter miteinander abwechseln, braucht die Haut besondere Pflege, soll sie nicht rissig und spröde werden. Bei dem Hinaus- gehen findet die Haut in Leokrem, der tief in die Haut eindringt, einen idealen Schutz gegen alle Wiüerungs- Einflüsse. Durch seinen Gehalt an naturechtem Sonnen- Bitamin fördert Leokrem zugleich den Aufbau der Haut. Machen Sie noch heute einen Versuch! Dosen zu 90,50,22, 15 Psg. in allen Chlorodont-Verkaussstellen erhältlich. chenjahres 1932/33 weist 27 Todesfälle auf. Zwei der Verstorbenen waren m Großen-Linden geboren, wohnten auswärts, wurden aber hier bestattet. — Anstelle des verstorbenen Müllers Wilhelm S p r u ck, der 25 Jahre den Posten als @ e • meinbemüller in der Bauernmühle versehen bat, wurde mit Wirkung von 1. Dezember der Mül- ter Wilhelm Quast von hier aus einen Beschluß des Gemeinderats hin verpflichtet. Q Lollar, 3. Dez. In der jüngsten Gemein- r a t s s i tz u n g wurde beschlossen, das Hassia-Jn- g e n b heim käuflich zu erwerben unb ben Jugendorganisationen für ihre Zusammenkünfte zur Verfügung zu stellen. Ein Stück des anliegenden Geländes soll dazu gekauft werden. Ferner wurde dem Kaninchenzuchtoerein auf Antrag eine Unterstützung zu der Kreisgruppenschau in Höhe von 29 Mark bewilligt. ' Z Wirberg, 2. Dez. Unsere seit dem Weggang des Pfarrers DÖll nach Steinbach verwaiste P f a r r st e l l e wird nun wieder besetzt werden. Wie wir hören, wird voraussichtlich am 2. Advent Pfarrverwolter W. Volz hier ordiniert und in fein Amt eingeführt werden. Damit wird nicht nur ein dringender Wunsch der Gemeinden erfüllt, sondern auch der aus die Dauer unhaltbare Zustand, wie er jetzt war, beseitigt. Kreis ölls-cld. • Aus dem Streife Alsfeld, 2. Dez. Auf Veranlassung der Kreisleitung Alsfeld der NSDAP, fanden in Kirtorf, Homberg und Grebenau Gastspiele des bekannten Freiheitssängers des Dritten Reiches Sepp Summer statt. Der Gast bereitete seinen zahlreichen Zuhörern einen bedeutsamen Abend unb schone Oie Mart in der Hand st weniger, als das stolze Bewußtsein, Arbeit und Brot verschafft zu haben. Feierstunben. Lebhafter Beifall empfing ben Sänger, ber zuerst bie Zuhörer im Geiste in bas göttliche Weltall führte unb bazu einige seiner herrlichen, weltweiten Lieber sang. Er schilderte im weiteren Verlauf ber Abenbe wahres Helbentum unb vertiefte seine Worte burch schöne Landsknechts- lieber. Er sprach von ber beutschen Frau unb Mutter, von bem heiligen Symbol ber Ehe und der Bedeutung ber Rasse für unser Volk. Zum Schluß ging er ben Ursachen bes Verfalls bes alten Reiches nach unb schilberte bann in berebten Worten bas Werben bes Dritten Reiches, seine hohe Senbung für Deutschlanbs Zukunft. Er gebuchte auch ber Gefallenen bes Weltkrieges unb ber beutschen Freiheitsbewegung, beren Anbenken in würdiger Weise geehrt würbe. Schöne vaterlänbische Lieber unb ein nationalsozialistisches Kampflieb, bas nach kurzer Instruktion auch von ben Besuchern mttgesungen werben konnte, umrahmten ben Abenb. Das Deutschlanb- unb Horst-Wessel-Lied ließen die Feierstunden ausklingen. ll. Merlau, 2. Dez. Hier fand die D e r ft e i • gerung der Massegrundstücke aus ber Feldbereinigung statt. Während aus der Gemarkung Merlau etwa 53 Morgen zum Verkauf kamen, wurden aus der Gemarkung Kirsch- garten 14 846 Quadratmeter, aus der Gemarkung Nieder-Ohmen 3071 Quadratmeter und 893 Quadratmeter aus der Gemarkung Ilsdorf verkauft. Es wurden gute Verkaufspreise erzielt. Insgesamt wurden etwa 35 000 Mark gelöst, so daß der Mor- Sen auf etwa 660 Mark kam. Die Derkaufssummen nb in 6 Raten zahlbar. II. Flensungen, 2. Dez. Auf Einladung des Evangelischen Pfarramtes sprach hier der ehemalige Durenkommandant Koos I o st e über „Afrika und das Burenland". Mit besonderem Interesse wurden feine Ausführungen über den Burenkrieg ausgenommen. Durch Vorträge des hiesigen Gesangvereins und der Schulkinder wurde die Veranstaltung verschönt. Preußen. Ärcie Metzlar. # Krofdorf, 3. Dez. Aus ber jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung von Krofdorf-Gleiberg ist zu berichten: Die beiden neu bestellten Gemeinde- verordneten Weißbinder Karl Leib zu Gleiberg unb Buchbrucker Karl Schmitt zu Krofbors wurden burch ben Ortsbürgermeister in ihr Amt ringe- führt. Als Schiebsmann wählte bie Vertretung den Justizfckretär Wilh. Wagner, als Stellvertreter ben Maurermeister Karl Drescher sen. Die beantragte Anschaffung vonFahnenfürbieKirche würbe abgelehnt: die politische Gemeinde ist dazu nicht ver- pflichtet unb hat auch keine Geldmittel dafür zur Verfügung. Die seither übliche Sargbeschaffung auf Gemeindekosten wird ab 1. Januar 1934 aufgehoben. In Rot geratene Gemeinde- Mitgliedern steht es frei beim Sterbefall von An- gehörigen eine Kostenerstattung bei der Gemeinde zu beantragen. -o- Bieber, 2. Dez. Die NSBO -Zelle Bieder hielt dieser Tage wieder einen Schulungsabend im Saalbau Scherer ab, ber sehr gut besucht war. Zellenleiter Süß gab zunächst bie neuen Verfügungen ber Reichs-, Gau- unb Kreis- leitung bekannt. Presiewart Peter sprach über bas Thema „Sozialismus- unb bie NSBO ", Heinrich Soll über bie deutsche Innenpolitik. Die Vor- trüge würben mit großer Aufmerksamkeit ausgenommen. Im weiteren Verlaufe der Versammlung wurde bekanntgegeben, daß in unserem Orte eine Hitlerjugend durch Pressewart Peter gegründet worden sei. # Dutenhofen, 3.Dez. Der Gemeinde- Haushaltsplan für 1933 wurde durch den (Semeinberat beraten unb in ben einzelnen Positiv- nen festgesetzt. Der Etat schließt in Einnahme unb in Ausgabe mit 107 610 Mark ab. Die Gemeindesteuern bleiben dieselben wie im Vorjahre: 410 v. H. Der Grunbvermögenssteuer I, 350 o. H. ber Grunb- steuer II, je 410 v. H. ber Gewerbesteuer vom (Ertrag unb von bem Kapital, bas 1'/,fache bes Landes- satzes der Bürgersteuer und das einfache ber Biersteuer. Kunst und Wissenschaft. Der Maler Albert Lang f. Der Maler Albert Lang, der letzte aus dem Streife der großen Deutsch-Römer Feuerbach. Ma- rte», Hildebrand, ist in Bern 86jährig gestorben. Q.A.-'fpoTt SA. und Spott Hand in Hand. Rcichsminifter Röhm schafft ein LA.-Sportabzeichen. Der Chef des Stabes der SA-, Röhrn, erläßt unter dem 2. Dezember folgende Anordnung: „Der neue Staat verlangt ein widerstandsfähiges hartes Geschlecht. Neben der weltanschaulichen Schulung bes Geistes muß eine kämpferische Schulung bes Leibes burch einfache, nützliche und natürliche Körperübung gefordert werden. Um dem Streben der Jugend vermehrten Anreiz und Richtung zu geben, verfüge ich für die getarnte SA. einschließlich aller unterstellten Gliederungen die Schaffung eines SA.-Sportabzeichens, welches nach Abschluß einer gewissenhaft durchge- führten Ausbildungszeit durch Ablegung einer Leistungsprüfung erworben wirb. Um der Verantwortung ber SA. als Garant bes neuen Staates für bie Pflege wehrhaften Geistes ber Iugenb in allen Teilen bes deutschen Volkes bewußten Ausdruck zu verleihen, bestimme ich ferner daß dieses SA.-Sportabzeichen auch von allen Nichtangehörigen der SA. erworben unb getragen werben darf, sofern sie praktisch unb weltanschaulich ben SA.-mäßigen Voraussetzungen entsprechen. Die Erlaubnis zum Tragen bes Abzeichens wirb daher nur von besonders bestimmten SA.-Führern erteilt werden. Ausführungsbestimmungen erläßt der Chef des Ausbildungswesens der SA." Der Chef des Stabes gez. Röhm. Die Derbandsfpiele in Nordheffen. Die beiden ehemals süddeutschen Dezirksllgisten Hanau und Friedberg operierten am Sonntag bei den Gauligakämpfen des Gaues Nordhefsen wenig glücklich. Hanau erreichte auf eigenem Plaltz gegen SC. Kastel 03 trog starker Uederlegenheit nur ein 1:1 Unentschieden, behält jedoch bie Führung mit einem Punkt Vorsprung weiter bei. Der VfB. Friedberg enttäuschte in Hersfeld schwer. Wie schon Hanau bei seinem ersten Auftreten m ber Lullus- ftaöt, so muhten auch bie Friedberger geschlagen den Platz verlassen. Mit 3:0 fiel diese Niederlage zudem noch sehr deuttich aus. In ben beiden Kastrier Lokalspielen gab es bie erwarteten Siege von Sport über Hermannio mit 4:2 und von Kurhesten über ben Spieloerein mit 2:1. Borussia Fulda fertigte Kurhesten Marburg überlegen mit 9:0 ab. Oie Ergebnisse der Bezirksklaffe. Die Fußballspiele im hiesigen Bezirk enbeten mit folgenben Ergebnisten: Germania Marburg — Bad- Nauheim 1:1 DfR. Butzbach — „Teutonia" Watzen- born-Steinberg 0:2; Lollar — Wetzlar 2:2. Das Ge- sellschaftsspiel 1900 gegen Germania Fulda fiel aus. Gaukiga-VerbandSspiele in Süddeutschland. (Bau Südwest. Eintracht — FSV. Frankfurt 0:2; Mainz 05 — SD. Wiesbaden 3:2; A. O Worms — Wormatia Worms 0:2; Phönix Ludwigshafen — Offenbacher Kickers 1:2. (Bau Bayern: Bayern München — 1860 München 1:0; FC. Bayreuth — ASV. Nürnberg 2:3; 1. FC. Nürnberg — Schweinfurt 05 2:1; Schwaben Augsburg gegen Wacker München 2:5; Würzburger FV. — FC. München 2:1. Deutscher Kußballsieg über Polen. Entscheidung in vorletzter Minute. Die Fachleute, die bem Deutschen Fußball-Bunb geraten hatten, gegen bie Polen nur bie allerbeste Mannschaft zu stellen, haben recht behalten. Die Polen haben in Berlin sowohl burch ihr sehr beachtliches Können, wie auch burch ihren großen Kampfeiser imponiert, unb erst in ber vorletzten Minute bieses rassigen Kampfes ist es ber beutschen Mannschaft gelungen, durch einen Treffer bes Westdeutschen Rafselnberg ben Kampf zu entscheiben. 30 000 Zuschauer hatten sich bereits ba- mit abgefunben, baß berStampf torlos enben würbe. Der Spielboben bes Poststabions hatte burch ben Frost gelitten, mit bem steinhartenFelb hatten beibe Mannschaften ihre Schwierigkeiten. Die polnischen Fußballspieler würben schon bei ihrem Erscheinen mit lebhaftem Beifall begrüßt, bie Sympathien ber Zuschauer steigerten sich aber noch im Kampfverlauf, ba bie Polen burch ihr Können bie Massen überraschten. Als bie Deutschen erschienen, brauste ein Jubelsturm auf. Die Nationalhymnen ertönten, bann begann ber Kampf. Oer Spielverlauf. Die brutsche Mannschaft griff gleich munter an, aber ber harte unb glatte Boben machte bie Stürmer im Schuh unsicher. Nach fünf Minuten zeigte auch ber Gegner seinen ersten gefährlichen Angriff, im allgemeinen behielten aber bie schnelleren Deutschen bie Oberhanb. Chancen ergaben sich auf beiden Seiten, aber bie Hintermannschaften waren sehr aufmerksam. Im zweiten Teil ber Halbzeit würbe ber Kampf immer offener. Die Polen zeigten nun gleichfalls eine erstaunliche Schnelligkeit in allen Bewegungen unb Aktionen. Sie spielten aber auch sehr sauber zu.- In den letzten Minuten vor ber Pause war bann bie beutsche Mannschaft roieber stärker im Angriff, doch Tore fielen nicht. Dr. Goebbels als Zuschauer. Währenb ber Pause erschien — vom Publikum stürmisch begrüßt — Reichsminister Dr. Joseph Goebbels mit seiner Gemahlin. Unter ben Ehrengästen bemerkte man auch u. a. ben Reichssportführer v. Tschammer unb Osten, sowie den polnischen Gesandten L i p s k i. Harter Kampf nach der Pause. Nach der Pause wurde ber Kamps wechselooller, aber auch härter. Beiberseits sah man gute Tormöglichkeiten, boch schossen bie Stürmer nicht sicher genug. Die Polen griffen zeitweise sehr ungestüm an, aber unsere ausgezeichnete Abwehr schlug sie zurück. Gegen Schluß würbe ber Druck ber beutschen Mannschaft roieber stärker, aber es mangelte ber plazierte Torschuß. Einmal sah man eine Bombe von Lachner, bie aber von Albanski meisterhaft gehalten würbe. Enblich in ber 88. Minute fiel bie Entscheidung. Hohmann legte zu Rasselnberg vor unb ber schoß plaziert ein. Der Beifall ber Zuschauer war kaum verklungen, ba ertönte schon Der Schlußpfiff. Kurze Kritik. Es würbe schon gesagt, baß der glatte Boben kein ganz einwanbfteies Spiel zulieh. Dennoch hätte man von unserem Sturm, ber sonst recht gut zu- fammenarbeitete, etwas mehr Schußsreubigkeit sehen mögen. Die Läuferreihe unserer Mannschaft hatte in Janes ihren besten Mann. Mit zu ben besten Leuten unserer Mannschaft zählten H a r i n g e r unb Jakob. Die Polen hinterließen als Mannschaft einen recht guten Einbruck. Ihre besten Kräfte waren bie beiben Flügelstürmer, ber grohe 23er- teibiger Martynia unb ber Tormann A l • banski. Mit ber Spielleitung bes Schweben Olsson konnte man zufrieben fein. Skisport auf dem Hoherobskopf. Gestern, zu früher Stunbe, schrttten mit geschulterten Skiern, bie Freunbe bes Wintersportes durch bie Straßen unserer Stadt, bem Lubwigsplatz zu. Punkt 7 Uhr rollten bort zwei große Omnibusse ber Reichspost an; schnell würben bie Skier auf dem Verdeck verstaut, rasch hatten sich bie Teilnehmer der Sonbersahrt im Wagen zurechtgerückt unb in rascher Fahrt strebten bie Kraftwagen bem Vogels- berg zu. Schon am Waldausgang ber Strahe nach Lich (vor Steinbach) war Der Hoherobskopf zu sehen, ber im ersten Frühlicht fchckrf gegen ben helleren Himmel ftanb. Lich, Laubach unb Schotten passierten bie Wagen, ließen bie in frieblicher Stille liegenben Stäbtchen balb hinter sich unb langsamer ging es bann ben Berg hinauf, bem Hoherobskopf zu. Gegen 9 Uhr war Breungeshain erreicht. Schneibende Kälte überfiel hier bie Sportler. 11 n- oerbroffen machte man sich aber auf ben Weg zur Höhe. Ein gehässiger eisiger Winb wehte von Norb- ost, fegte ben körnigen Schnee vor sich her, wirbelte ihn auf unb warf ihn ben Menschen ins Gesicht, die ba, einer hinter bem anberen, auswärts strebten Es stach nKe mit tausenb Nabeln. Im hellen 'Sonnenschein leuchtete ber Schnee wie Silber. Zu kurzer Pause unb zu einer Tasse Kaffee verschwanden zunächst bie meisten im Klubhaus bes Vogelsberger Höhenklubs. Dann aber begab man sich zu ben getreuen Brettern, bie erst jetzt angc- schnallt wurden, glitt hinein in ben winterlichen ©alb, fuhr zur Rennbahn, übte, probierte Stemmbogen unb Christianja, Quersprung, um schließlich einige Male in rafenber Schlußfahrt jene unbeschreibliche Freude zu erleben, bie eine rasche Talfahrt auf Skiern — sei es auch nur im Rahmen ber bescheidenen Möglichkeiten bes Hoherobskopfes — immer bebeutet. Kein Aufstieg über bie glatt gefahrenen Hänge ist zu viel, keine Anstrengung zu groß, um bie Freube dieser Abfahrt immer roieber zu erleben. So war aus den Uebungshügel vom frühen Morgen bis jum Abend lebhafter Betrieb. Jedermann war bemüht, die Gliedmaßen wieder an die Skiern zu gewöhnen, die heute zum ersten Male nach langer Zeit wieder hervorgeholt worden waren. Ader man beschränkte sich nicht auf die Hebung im Gelände der Rennbahn. Die meisten gingen „auf Strecke", zwar nicht zum Wettkampf, wohl aber zu einer der herrlichen Wanderungen auf Skiern, rote sie gerade der Vogelsberg in unenb- licher Fülle und Verschtebenheit zuläht. Die einen wanderten nach der Herchenhainer Höhe, andere machten sich auf ben Weg zum Bilstein, viele besuchten den Taufstein und den Bismarckturm, die Reinbornwiese, man fuhr in den langen Schneisen zwischen den tief verschneiten Tannen hindurch, die sich im winterlichen Schmuck in märchenhafter unwirklicher Schönheit barboten. In tiefem klarem Blau wölbte sich ber Himmel über ben Höhen des heimatlichen Gebirges. Der Mittag sah dann die Zunft der Skiläufer und der Skiläuferinnen wieder im Klubhaus. Das Eintopfgericht, Erbsen und Linsen mit Wurst, wurde nach ber gesunbcn Bewegung in ber kalten Luft mit umfo größerem Behagen verzehrt. Was aber bie richtigen „Zünftigen" waren, bie litt es nicht lange in ber Hütte und die Mittagspause dauerte nicht viel länger, als unbedingt notwendig war. Um 17 Uhr war ber Tag zu Enbe, benn um biefe Zeit mußte man roieber zur Rückfahrt in Breungeshain fein. So würben benn bie Nachmittagsstunben burch neue Uebungs- unb Wanberfahrten ausgefüllt unb bann folgte bie Abfahrt nach Breungeshain, auf bie man sich Diesmal allerbings nicht zu freuen brauchte, benn bie Strecke war zum großen Teil verweht unb selbst bie Geübteren der Zunft hatten es nicht leicht, die unter normalen Verhältnissen in fünf Minuten zurückgelegte Strecke zu überwinden. Mit gespanntester Aufmerksamkeit lotste man die Skier uno sich selbst über vereiste Flächen, über bas Gras, bas stellenweise vom Winbe freigelegt worben war, glitt bann roieber rasch über bie Wehen hinweg, bie ber Winb zusammengetragen hatte und gelangte schließlich nach Breungeshain, wo die Omnibusse der Rückkehr ber Wintersportler harrten. Schnell waren bie Skier abgeschnallt, roieber auf bem Derbeck verstaut und es hätte zur Heimfahrt losgehen können, wenn nicht gerade der erste Wagen Defekt gehabt hätte, dem zweiten Wagen dabei ben Weg versperrte, so baß bie Fahrt erst mit einer halben Stunbe Verspätung angetreten werden konnte. Im Wagen hatte sich inzwischen eine vergnügliche Stimmung entwickelt, in froher gleichgesinnter Gemeinschaft wurden Lieder gesungen, man unterhielt sich über die Erlebnisse des Tages, sprach von kommenden sportlichen Ereignissen, kramte schließlich auch das letzte Desperbrot aus dem Rucksack und so verging die Zeit im Fluge Gegen 19.30 Uhr traf man wieder auf dem Ludwigsplatz ein unb war tief befriedigt von bem Tag, der wohl manche Anstrengung brachte, dafür aber auch viel von jener Freude, bie eben nur der Wintersport zu geben vermag. Handball: 1900I.-TV Hachenbu'gl 4:0(2:0). Der glatte 4:0-Sieg der 1900er über den spielstarken TD. Hachenburg ist als eine kleine lieber- raschung zu werten Wenn man auch erwarten konnte, daß die Spteloereinigungsleute den Verlust bes Dorspiels auszugleichen versuchen würden, so hatte man boch an eine derart deutliche Überlegenheit nicht geglaubt. Die Gießener Elf, bie Hoffmann, Volkmonn und Schott I ersetzen mußte, stand wie folgt: Lott; Birkenstock, Funke, Bepperling, Cremers. Mann; Betz, Krüger, Schüler, Steines, Diefenbach. Die 1900er hatten in der ersten Halbzeit den Wind zum Bunbesgenolfen und kamen dadurch zu einer Feldüberlegenheit. Die Hachenburger muhten sich auf einige Durchbrüche beschränken, die aber stets recht gefährlich waren. Nach Verlaus von etwa einer Viertelstunde formte sich Betz im gegnerischen Strafraum gut durchsetzen und durch schön placierten Ball ben Führungstreffer erzielen. Wenige Minuten später erhöhte Steines auf 2:0. Einige Versuche ber Gäste, ben Vorsprung der Gießener bis Halbzeit aufzuholen, scheiterten an der geschickten Arbeit der Gießener Hintermannschaft. Luftschutz ist Selbstschutz! Nach dem Wechsel schlug die 1900er Elf sofort die richtige Taktik ein, den Gegner, ber jetzt ben Wind im Rücken hatte, nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Durch bas ausopferungsvolle Spiel aller Mannschaftsteile gelang bies auch vollkommen. Nachbem bie Torpfosten einigemale hinbernd im Wege gestanden hatten, gelang es schließlich Krüge r, einen Strafwurf zu verwandeln Demselben Spieler glückte bann noch ein wunderschönes weiteres Tor Die Westerwälder gaben sich noch keineswegs geschlagen, konnten aber bis zum Schlußpfiff bei ber Aufmerksamkeit ber Gießener Hintermannschaft nichts Zählbares erreichen Zur Mannschaftskritik >st zu sagen, daß die 190Qer zu einem durchaus verdienten Sieg kamen. An dem Schlußdreieck war nichts auszuletzen. In der Läuferreihe versah Cremers den Mittelläuferposten an Stelle von Hoffmann ausgezeichnet. Der Sturm hatte durch das Mitwirken von Schüler unverkennbar an Durchschlagskraft gewonnen. Es wird jedoch notwendig fein, daß einzelne Leute in Zukunft nocy mehr auf Einzelaktionen verzichten. Die Hachenburger Mannschaft führte durchaus keinen schlechten Handball vor. Die Hintermann» schast, insbesondere der Torwart, ist an der Niederlage schuldlos. Läuferreihe und Sturm waren im einzelnen auch gut besetzt, brachten jedoch nicht viel einheitliche Aktionen zustande. Das Spiel verlief jederzeit fair und wurde gut geleitet. Tv. Beuern — 1900 II 4:8. Auch 1900s 2. Mannschaft hatte trotz Ersatzleuten einen guten Tag. Sie brachte vom Rückspiel in Beuern einen 8:4-Sieg und damit auch zwei wertvolle Punkte mit nach Hause. Die Tore wurden von Enders (4), Herbert (3) und F. Schmidt (1) erzielt. Werbeabend des Turnvereins Viereck. Der Turnverein 1862 Wieseck veranstaltete Samstag im Saale Braun einen Werbeabend, besten (Ertrag dem Winterhilfswerk überwiesen wurde. Die Feier wurde durch bie Schüler- und Schülerinnen mit einem Singspiel eröffnet. Kinder trugen ein Gedicht vor, bas starken Beifall fand. Hierauf würbe ber erste Vers bes Deutschlandliedes gesungen. Der« einsführer Karl Daupert begrüßte die Teilnehmer, besonders aber Bürgermeister Eu 1 er. Er wies besonders auf die kulturelle Bedeutung bes Turn- nens und bes Sports hin. Wie bereits Turnvater Jahn für bie Freiheit feines Vaterlandes gekämpft habe, so habe bie DT. immer in vorderster Reihe gekämpft. Auch im Dritten Reich wolle bie DT. biefe Aufgaben erfüllen. Mit einem „Gut Hell" auf Führer unb Vaterland schloß Herr Daupert seine Ansprache, der das Horft-Westcl-Lied folgte. Sodann begann der unterhaltende Teil mit zwei Volksliedern der Gesangsabteilung bes Vereins In bunter Folge tarnen nun Singspiele der Mädchen, Uebungen der Schüler an der Schwedenbank, Sprünge am Pferd unb Volkstänze ber Schülerin- nen, Gymnastik ber Schüler. Keulenübungen ber Schülerinnen, Turnen am Pferb unb Darren der Schüler, Turnen am Barren ber Zöglinge, der Aktiven am Pferb und Reck, sowie ein Walzerreigen der Turnerinnen. Die Darbietungen bewiesen bie beachtliche Höhe, auf ber der Verein steht unb zeigten, baß wahrer Volkssport gepflegt unb dabei auch Spitzenleistungen erzielt werden. In der Pause begrüßte Herr Daupert Sturmbannführer Hobel- Gießen, sowie die SA., bie Hitlerjugend und ben BDM. Herr Hobel wies in kurzer Ansprache barauf hin, baß ihn mit Wieseck vieles oerbinbe unb er stets bestrebt sein werde, mit den Turnern zusammen zu arbeiten. Er erkannte an, daß neben ber SA. auch bie Turner stets ihre Pflicht getan hätten Dem Winterbilfswerk werden vom Turnverein 100 Mark überwiesen. „Soviel Gold habe leb noch nie gefunden. Joe! Das mH-ietj wh heule ubend gebührend begießen " „Einverstanden, Jack! Aber vergiß nicht, mir ein paar Packungen Posterisan mH zubringen, wenn Du in Sidney Dein Gold versilberst’ Du ühnst ja nicht, was ich hier bei der schweren Arbeit unter den verwünschten Hämorrhoiden zu leiden habe. Dieses gute, deutsche Mittel hat mir noch immer geholfen. Es ist zwar etwas teurer als viele andere Präparate, aber dafür auch unübertroffen" „Gemacht, Jack, rede nicht davon, an guten Mittel ist nie zu teuer!“ In allen Apotheken: Posterisan-Salbe für RAL 1,63, Posterisan-Zäpfchen für RJL schuh! « ®f sofort bit J, W den Sßinb ^”9 kommen iu )0“f Spiel Mr J Emmen. ^ hindernd im Metzllch Krü. ^derlchon« 0,i. 1 sich noch keines- 1 M SchlutzM eiwr Hintermann' 4:°u:0) 8Vj*S **&*• nburger mil?U .onken bi?"S? 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Erwies ituhing des Turn- bereits Turnvater terlandes gekämpjt orderster Reihe ge» e die TT. diese Auf- heil' auf Führer aupert seine An> d folgte. nde Teil mit Zwei a des Vereins. 3n iele der TläiM - Schwedenbank, ]>e der Schülerin» c'jlenübungtn der i und Wen W Zöglinge, der M' ■ ein -aen bcm* * rein steht unW legt und dabei auch ^pcrtSturuFfwm ^7 §A, die hüler bcl wies in kurzer mit in werde, Mt den 6t erkannte an- turnet W £ -biliswerk werden ciefen. ’L m-'ti her ver»„ mll* fe'cdd 'S AÄ 1 d> ,«* jeo ,lP HS gv ö s e w Ä* e r> *-» Ä> E <-» ♦o o (Ä G o -o «s e o er «— E E G « s Ä- r— o ** £ s o <5 2 E g«s G £2» o s g -2 o K' Q 8 <3 K — O 2 g $3 r“ e. EÄ3 •8 8g ÄL « ‘-'Gas Oft _ C 3 O a .ffi 4» eG A ■m ä o 4> o2 «G 3W V s-Sg a 2 m. -»I® «o eMO .« 4> q K- — e 22 's ’S oft fti^S «ÖO C??o 4» S- « s £65 3 3 j-» o 3 Oft , 3© *2 c — ZI W O Q VD TV §1 E *. ** s> es i-- *» v « w w « c 2cuc ZEZI 'M Q ir e U“o» c 2 _ «8““*^.**" = w ’S « G o -4 *" « S G-io o ^-c, c S ä^sS G"r -o c «- t ~ — _S M EaSopS®« Ls wQ «Q ZG Oft « •c S a 6> s s a s o s « Oft Q K a e os.' 4?' «o 's K 4» -* z> S 4, CO 4» Oft — 41 VD A = =» S 6 >s | s C. ' c c S®'=? s g** "C = s. K s Oft Q- 4. ftfc .2“® c oft 3 S c. So S 4> sLo- ES-s ’S 20 G«S_ vd -y ,-y s "c — st S 3 g eG *~ s ecQ; tfj 4» >4 ” VD C G <= S 4>G *»3*4. » - O tD 5 N W r»ss tt a 3 4» 2,5.2 E e C V s^d Oft « ®5 SO c j* ® SviM- s 3.2 c o © 2 S 3,25 Lr ? O S’o-O S10 •- 2g *c „j-o _ s s5 gse c® « C 2 VD £ oft — -D- 4> S .« A “ Q w -3O 4V s " E"O vo5? S^o 3 5 .JDsg. vd es $ 4» «ft •—-g-tTS o T, o s e K e «3 2^S S 4» *• *- 4 2 3 4,2 = 2 e 2 L§§3 2 4» — E ZO =£ «K 4, es 2 2 D c 2 M C = S 3 3 s 2 Z&‘ 3G S-s S K 3 EE S<9K2 2 «o 2 3 8 3 3 3 4, ’S rt, ;Ei9 r« 2=* sZ s 3 Z2 K£ 2 's 2 C SO ’s © 5 2e £ SZG 7K Q 9 Oft o Oft — O 3 Z-Z c Oft g -3 ft» (9 Oft <3 £ s-® tS w ZK 32 M C 2,2 3 c E Qc 4,^2 Eg 3 4» » 3’S 2 S 32 e^Z •° 5« LZ3 Ö Q E^ « 4» «O 2’~ Gvd -Z Os 82 = 3 4, 4, eg dS 3K3 o Ö? *-• o ** s^L 5 410 2*° 2 ^2 Ei-B ■«sSg-i 8S5 3 :-O E Z^sL' eg«G g CG tz - 4» 4, Oft ijs -ü Oft «I Oo Uli 5S " c ^tz 2, E2 "O E os .E 3 c, a EG 2.5 2 E’q i °3 - 8? ft* 3 g H E 5 2 3z% Aiß £. 4» »£I .58 = ogö ft» M- „ G e " CJ 4> 4,' ^*0 S ?GQS IZ 3^ZN S-3 3 S8?O 3 ZI 2^3 ftE- 2^2 wl g55 G. g 4> I O-Em e S--G ege Iss «’S 3 ° 28^g 3§ ES ^3^^ s-iI33 2 s 3 2 « o Ib d 4» S85 yo 3 8 2 Z'® ^§Z V « 25 M oj» ®GQiE og s SG§ sä) g 02 30 3 "«'O 2 o G (Ü.2 G Ä VD 4, w ZAZZ 3 M o to tzs ^5'c c 8 c 3 K^-SLK °SZ3LI o- «G c 3 3 c e Q 3 ® £ 3 G 51^2 v g e:gw 2 o E-E Oft 3 3 sH O s 3 o « 8? <2^8 G Z^2Z E ** 3 3 3 L^K IZ-S v s-s-’- S«oS 2«E os-x »ÖA^ 3 g 3 e:O -SCQ S4> 3 SS 2? 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