Nr. 259 Erster Blatt 185. Zahrgang Samstag, 4. November 1955 Druck vnd Verlag: vrühl'sche Untversttäis-Vuch- und Stetndruckeret R. Lange in Stehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7. Erschein' t agltd), autzo Sonntage und Feiertag» Beilagen Die JOu|triertt Gießener Familienblättet Heimat linflen, die Stellung biefer Regierung zu erschüttern, auch nicht jener erlogenen (Breuelpropaganba. bic im Ausland gegen Die Regierung von üblen Elementen betrieben wird Es geht nicht um bas Schicksal ber Reaierung, sondern es geht um Das Schicksal des gesamten deutschen Volkes und um das Schicksal JeDes einzelnen Volksgenossen. Wir Nationalsozialisten sind keine Kriegshetzer. Unser Führer weih aus eigener Erfahrung, was Krieg heißt. Ihm liegt jeder Gedanke an einen neuen Krieg fern. Wir sind zu jeder BerftanDigung bereit, auch mit Frankreich, aber nur auf dem Boden der Gleichberechtigung und unserer Ehre. Wir Nationalsozialisten bieten jedem Volksgenossen. ber guten Willens ist, die Hand zur Versöhnung. Mir wollen einen Strich machen unter das, was war. Wir wollen keinen haß fortsehen, sondern uns alle finden in der Liebe zum deutschen Volk. 3n diesem Geiste Der Versöhnung soll auch der 12. November stehen. Nicht mehr um Parteien geht es, sondern allein um bas Ceben bet Jtatlon. Unb so richte ich auch an bie Volksgenossen, bie bisher uns ablehnend gegenüber standen, bie Bitte, hier nicht irgendwelche kleinlichen verstimmun- gen ober sonstigen Nebenrückflchten ausschlaggebend sein zu lasten an jenem 12. November, sondern nur dasgroheGanzeirn Auge zu behalten, nämlich das Schicksal bes beutschen Volkes. Unsere Parole am 12. November ist: ZU i I Hitler für einen Frieden der Ehre und Gleichberechtigung. Ersetzt die Schmach vom 9. November 1918 durch ben lag ber Ehre vom 12. November 1933. Die Rede des Ministers wurde des öfteren burch stürmische BeifaQslunbgebungen unterbrochen. Auch am Schluß seiner Rebe würben ihm Begeisterungsstürme zuteil. Neichsstatthatter Sprenger bei der jtrma Merck-Darmstadt. In wahrer Volksverbundenheit hinter dem Führer am 12. November. Frankfurt a.M , 3 Nov. (WSN.) Wie bas G a u • Presseamt mitteilt, besuchte ber Reichsstatthalter in Hessen Gauleiter Sprenger ben großen Betrieb ber weltbekannten Chemischen Fabrik Gebr. Merck, Darm st ab t. Nach einer lehrreichen unb interessanten Führung burch ben Betrieb, welche von ben Inhabern Der Firma selbst geleitet würbe, sprach ber (Bauleiterjur gesamten Belegschaft. Die runb 3000 Manner unb Frauen hatten sich in ber großen Halls bes Verlabebahnhofs um bie Fahne Der NSBO- Zelle gesammelt. Nach einer Begrüßung burch Den Chef ber Firma unb einem herzlichen Willkommen burch ben Leiter ber Betriebszelle gab ber (Bauleiter eine Begrünbung feines Besuches. In seinen weiteren Ausführungen erwähnte er bie in bie- fern Betrieb besonbers einbringlich anschauliche Not- wenbigkeit besten, baß keiner ohne ben anberen auskommen kann Dieses Aufeinan- ber-Angewiesensein führe zur r i ch t i g e n Werks- verbunbenheit. Als Bauernsohn sei es ihm ein Bebürfn's hinzuzufügen, daß zur Werksverbundenheit auch Bodenverbundenheit notwendig sei. Das W i n t e r h i l f s w e r k ist ein Opfer in diesem Sinne. Cs schließe die Volksgemeinschaft immer mehr unb mehr zusammen, woraus allein Arbeit geschafft werbe. Dann wandte sich der (Bauleiter zur außenpolitischen Lage und erklärte, baß es boch eine sehr merkwürdige Bölferbemotratie sein müsse, bie Deutschlanb nicht gleichberechtigt fein lassen wolle. Eine Ehrabschneibung müsse zurückgewiesen werben. Was allein schon im täglichen Leben eine Ehrabschneibung für Folgen haben könne, bas solle man nun auch am ganzen beutschen Volke erkennen. Ieber müsse zu stolz sein, mit benen zu verkehren. Die meinen, Deutschlanb Diffamieren za können. Wer am 12. November fehlt. Der schlägt sich selb st ins Gesicht. Wer an Diesem läge, gleich aus welchem Grunbe, fernsteht, schlägt auch bem ganzen Volke ins Gesicht. Es gibt keine Abhaltung, es gibt nur eine einzige Pflicht, Daß sich Der Führer auf uns verlassen kann, wie wir uns auf ihn verlassen. Konferenz der evangelischen Kirchenführer. Einheitliche Richtlinien für die Verfassung der Landeskirchen. B e r I i n, 3. Nov. (TU.) Auf einer Konferenz Der Führer sämtlicher beutscher Landeskirchen berührte Der Reichsbischof einleitend Die Stellung DerKirche zur Schicksals- stunDe Des Volkes. Es gehe Darum, ob im lieben Der Völker bie Wahrheit herrschen solle, ober Lüge. In diesem Kampf hätten bie Führer ber Kirche bte felbstoerstänbliche Pflicht, Dafür einzutreten, baß am 12. November ein großes einmütiges Ja zu bem Ruf bes Führers gesprochen werbe. Zur kirchenpolitischen Lage erklärte ber Reichsbischof, baß eine Befriebung ber Verhältnisse nur möglich lei, wenn bie Pfarrer s i ch von jeher Kirchenpolitik fernhielten und sich ausschließlich ihren eigenen Aufgaben ber Pre- b i g t unb Seelsorge wibmeten. Der Reichsbischof erörterte eingehend Das Verhältnis ber Deutschen evangelischen Kirche zu Den Kirchen Des Auslanbes Dem schwebischen Erzbischof Ei- Dem habe er versichert, daß bie neue beutsche Kirche sich nicht in eigensinniger Selbstgerechtigkeit abschlie- ßen, jonbern zu den evangelischen Kirchen aller Völker einVerhältnisesirlicherunDwahr- hastiger Zusammenarbeit haben wolle. Die Frage Der regionalen Neugliederung Der Deutschen Lanbeskirche mühte in enger Zu - lammenarbeit mit ber Staats- unb Reichsreform gesucht werben. Die Konferenz Der Kirchenführer beschäftigte sich Dann mit ben Richtlinien für Die zukünftigen Verfassungen ber Landeskirchen, bie Professor Heckel im Auftrage ber Reichskirchenregierung oorlegte unb begrünbete. Nach ber neuen Verfassung ist es eine ber wesentlichsten Aufgaben ber beutln evangelischen Kirche, bie Rechtseinheit unter Den Ilan- beskirchen auf Dem Gebiet Der Verwaltung und Rechtspflege zu förbern und einheitliche Richtlinien für deren Verfassung zu geben. Die Beratungen dienten ber Erarbeitung dieser Rechtsnormen Aus den Kreisen der Kirchenführer wurde eine Reihe von Wünschen Dorgetragen, bie eine Fülle von Anregungen für Die endgültige Fassung dieser Richtlinien gaben. h Mit m Slti|l| mat- B)k le der der. b'r/'^ J» lonbctn 1 f o n. hD) die bi». ' die Ditte, ^itnmuti- iS*«- >ts Mfa °°ember ist. Ieöen der °"S- krsehk 18 durch den «r 1933. "brachen. Ami 1 Vegeisterungß. tngerfrti rmfloöl hinter dem in. Bie dllsTau. ieichsstatthMr en großen Je. hen Fabrik iach einer lehr, durch den Je- er Firm selbst “leitet \ut unb 3000 Mn- r Stoßen hall« ie Der NSW.- ißung durch den )en Willkommen gab der Tau- Gesuches. In sei. ue er die in die- anschauliche Not. hne den an< tiefes Allseinan- igen Werks- ihn sei es ihm zur Werksocr. denheit not> wert ift ein ? Softsgc r zusammen, Dann roanbU iöV\W\6)tn e \et)t merk. e sein müsse, ckberechiigt »schneidung n. Was allein ibschneidung Ür n nun auch m Jeder mässe ji n, die meinen, len. Wer am |d)lägt fi.J fern Tage, gleich schlägt auch sicht. Ts gibt eine einzige aus unsoer« lui ihn oer« sich n. rer Der- e lufü-n Äedel ,sKs i l uiutl . und HsE en der $ .fragen, >l»'l k* für die ngelischen er. dieVcrsassang en. «K sse 5e darum, objn über# en die Wr?„ , .. m Reichs- sich DOnn'ti M’ Ver ten. aaer ^M'sdel b< Kirchen . ßrltniyi »ue deuli^h!chlie- tech^l^n! Dl' WÄ- ’crLben ®oüe’ ei« ‘nerllng euS '/ger Zu' e m ‘nL u"d Oer Leidensweg -er deutschen Minderheit in Polen. Bittere Beschwerde über fortgesetzte Drangsalierung der deutschen Volksgenossen. Warschau, 3. Noo. (TU.) Im polnischen Sejm gab Ministerpräsident I e n d r z e j e w i c z eine längere Regierungserklärung ab, worin in der Hauptsache wirtschaftspolitische Fragen bebanbe lt wurden. Die geringfügigen Ergebnisse der Londoner Wirtschaftskonferenz, der Sturz des Dollar und die Schutzmaßnahmen Deutschlands hätten keinesfalls zur Hebung des Vertrauens in der Welt beigetragen. Die Regierung werde jegliche waghalsigen Experimente in der Wirtschafts- und Finanzpolitik vermeiden. Die wirtschaftlichen Richtlinien dieser Politik seien Gleichgewicht des Haushaltes, Stabilität der Währung, Regelung der Preis- und Produktionswirtschaft, Belebung des Handelsumsatzes. Ein besonderes Augenmerk werde die Regierung ferner der Landwirtschaft, sowie den Jnvestierungsmöglichkeiten im Lande zuwenden. Der deutsche Vertreter aus Ostoberschlesien und Vorsitzende der deutschen Fraktion im Sejm, Abgeordneter Franz, führte bittere Beschwerde über die organisierten und von den Behörden unterstützten unglaublichen Gehässigkeiten, mit denen das Deutschtum namentlich in Ostoberschlesien auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens mit steigender Heftigkeit bekämpft werde. Sogar polnische Pfadfinder beteiligten sich hieran mit aller Kraft. In einer Pfadfinderflugschrift seien die Deutschen als Feinde des polnischen Volkes und als Mörder und Barbaren bezeichnet worden, ohne daß die Behörden dageyen eingeschritten wären, während deutsche Zeitungen wegen jeder Kleinigkeit der Beschlagnahme unterlägen. Die deutsche Minderheit in Polen sei den polnischen Stellen gegenüber loyal und werde auch im Kriegsfälle loyal bleiben. Die deutsche Minderheit wünsche nichts anderes als den Frieden zwischen dem deutschen und dem polnischen Volke. Sie sei sich ihrer Mission, eine Brücke zwischen diesen beiden Völkern zu bilden, bewußt. Sie könne aber diese Mission nur dann erfüllen, wenn Polen diese erkannt und ihre Politik danach eingerichtet habe. Bis jetzt sei jedoch nur das Gegenteil — eine überaus betrübliche Tatsache — zu verzeichnen. Schon allein das Bekenntnis zum deutschen Volkstum genüge, um von der polnischen Oeffentlichkeit und dem Staate aufs rücksichtsloseste bekämpft und drangsaliert zu werden. Aus diesem Grunde habe die deutsche Minderheit zur Negierung kein Vertrauen, und die deutsche Fraktion könne darum nicht für den Haushalt stimmen. Der Führer der Nationaldemokraten Professor Rybarski behandelte das Judenproblem. Polen sei an der Lösung dieser Frage besonders interessiert, da in Polen die Juden sowohl im Wirtschafts- als auch im Geistesleben einen unberechtigt großen Einfluß ausübten. Es fei unberechtigt, daß der Jude gleichzeitig als polnischer und als jüdischer Schriftsteller auftrete. Eine reinliche Scheidung sei dringend erforderlich. Er appellierte an die Regierung, den jüdischen Emigranten die Einreise nach Polen zu verwehren. England HM am Locarnopakt fest. Keine einseitige Bindung zu gunsten Frankreichs. — Gleiche Garantieen für alle Beteiligten. L o n d o n, 3. Nov. (TU.). Der englische Unterstaatssekretär im Foreign Office, Eden, beschäftigte sich in Skipton mit dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund. Er erklärte, es sei nicht erstaunlich, daß Deutschlands Ausscheiden aus der Abrüstungskonferenz und Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund Besorgnis und Beunruhigung in Europa erregt habe. Man müsse aber einen kühlen Kopf bewahren und seine Verpflichtungen halten. Der Locarnovertrag sei eines der wirksamsten Instrumente zur Aufrechterhaltung des Friedens in Westeuropa. Der wichtigste Teil dieses Vertrages seidasAbkommenüber diegegen- fertige Garantie. Das fei kein Bündnis Englands und Frankreichs gegen Deutschland, es sei vielmehr ein Abkommen, das ln gleicher Weise außer England und Frankreich Italien, Belgien und Deutsch- -land ein sch ließe. Die Abmachungen hätten rein defensiven Charakter und ergänzten den Völkerbundspakt. Die Mächte garantierten sich gemeinsam gegenseitig ihr Gebiet, und zwar insbesondere den Status-g u o der Grenzen zwischen Deutschland und- Belgien und zwischen Deutschland und Frankreich, sowie außer der Unverletzlichkeit dieser Gebiete auch die Entmilitarisierung der R h ei nla n d z o n e. Der Vertrag sei aufs engste mit der Maschinerie des Völkerbundes verknüpft. Mit einer einzigen Ausnahme müßten alle Entscheidungen unter diesen Vertrag durch den Dölkerdundsrat getroffen werden. Der Völkerbundsrat könne nur einstimmige Entscheidungen treffen. Da England ein ständiges Mitglied des Völkerbundsrates sei, sei es daher selbstverständlich, daß keine Entscheidung ohne Englands Zustimmung getroffen werden könne. Nur, wenn eine flagrante Verletzung der Verpflichtung, keinen Krieg zu führen, vorliege, oder wenn die entmilitarisierte Rheinlandzone verletzt werde, müsse England sofort dem Verletzten zu Hilfe eilen aber auch das nur dann,wennEng land überzeugt sei, daß die Verletzung einen nicht provozierten Angriff darstelle und wenn ein sofortiges Handeln notwendig sei. Ob das der Fall sei, das entscheide England allein. Großbritannien fei noch immer eine Großmacht und habe auch die Verpflichtungen einer solchen. Wenn England sich fürchte, diesen Verpflichtungen nachzukommen, so rufe es damit das Verhängnis herbei. DiePolitikberJsolierung würde heutzutage eine Politik des Wahn- f i n n 5 sein. Durch die Entwicklung der Luftwaffe habe England aufgehört, eine I n - sel zu sein. Wie Baldwin schon letzthin ausgeführt habe, werde Großbritannien das halten, was es unterzeichnet habe. „Time s" und „M orningpo ft" stellen sich hinter die Ausführungen des Unterstaatssekretärs Eden, in denen er das Festhalten am Locarnopakt verteidigte. „Morningpost" betont vor allem das beträchtliche Ausmaß der Entschlußfreiheit, das der britischen Regierung trotz des Locarnopaktes bleibe. „Times" ist der Ansicht, daß der Locarnopakt der Sache des Friedens insofern einen großen Dienst geleistet habe, als er die freiwillige Anerkennung Sines großen und bedeutenden Teils des Versailler Vertrags durch Deutschland festgelegt habe. Man könnte vernünftigerweise vorbringen, daß der Locarnopakt, wie die meisten anderen Verträge in regelmäßigen Abständen e r - neuert werden sollte und daß es notwendig werden könnte, ihn in gewissen Einzelheiten 3 u ändern, aber, wie Eden sagte: Großbritannien ist noch eine Großmacht und hat deren Verantwortlichkeiten in Europa unb auch sonst. Zeugen aus Moskau im Neichsiagsbrandstisterprozeß sie Dimitroff vom Spätsommer 1932 bis Anfang 1933 gesehen hätten. Popoff war Ihnen nicht erinnerlich, und von Taneff sagten Sie, daß Sie ihn schon aus früherer Zeit kennen. Zeuge: Im Jahre 1932 habe ich ihn bestimmt gesehen. Der Angeklagte Taneff erklärt dazu, was der Zeuge ausgesagt habe, sei unwahr, weil er vom 22. Oktober 1931 bis Anfang Oktober 1932 i n Bulgarien war und dann in Moskau bis zum 22. Februar. Dem Gericht lägen amtliche Bescheinungen darüber vor, außerdem auch sein Paß, aus'dem deutlich hervorgehe, daß er erst am 2 4. Februar 1933 nach Berlin gekommen fei. Der Zeuge erklärt, daß er Popoff nicht wieder- erfenne. Ihm sei nur aufgefallen, daß der Direktor des Büros in der Lindenstraße Popoff eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Bilde des Angeklagten Popoff habe. Der Kellner Heyta erklärt, auf die Frage des Vorsitzenden, wann er 1932 und 1933 Taneff, Dimitroff und Popoff in Berlin gesehen habe, 1932 überhaupt nicht, sondern nur 1933, und zwar nur im Februar. Die 73jährige Frau Hartung, die bis .3um Jahre 1929 Mitglied der KPD. war, erklärte, sie wisse bestimmt, daß D i m i t r 0 f f 1 9 2 8 w i e d e r- holt das Büro der Roten Hilfe ausgesucht habe. Sie habe damals seinen Namen nicht gekannt, aber der Sekretär habe ihr gesagt, das sei der Vertreter der in Deutschland lebenden bulgarischen Emigranten. Po- po f f habe ich bei einer Frau gesehen, bei der bulgarische Emigranten wohnten. Das war 1928. Bei der Gegenüberstellung vor dem Untersuchungsrichter habe ich ihn sofort wieder erkannt. Taneff ist mir auch zunächst bekannt vorgekommen, und ich habe mich gefragt, ob er vielleicht der bulgarische Schuster gewesen fein kann, der seinerzeit für die Emigranten arbeitete. Ich kann aber nicht mit Be- stimmtheit sagen, daß cs der Angeklagte Taneff gewesen ist. Rechtsanwalt Dr. T e i ch e r t: Frau Eischkowski, in deren Wohnung Sie Popoff gesehen haben wollen, hat in der Voruntersuchung gesagt, daß sie Popoff nicht kenne. Als Sie Frau Eischkowski gegenübergestellt wurden, haben Sie gesagt Sie Berlin, 3. Nov. Im Reichstagsbrandstifter- Prozeß waren auch zwei Frauen aus Moskau auf die öffentliche Benachrichtigung hin erschienen, um über die Anwesenheit des Angeklagten Popoff in Moskau in der Zeit vom Mai bis Oktober 1932 Bekundungen zu machen. Als erste Zeugin erklärt Frau Weiß aus Moskau, ihr Mann sei bulgarischer Kommunist und lebe jetzt mit ihr als Emigrant in Moskau. Im gleichen Hause in Moskau habe auch P 0 p 0 f f mit seiner Frau gewohnt. Sie und Popoffs hätten Mitte Mai 1932 eine Sommerfrische in einem ländlichen Vorort Moskaus bezogen. Der Aufenthalt habe sich auf etwa drei Monate erstreckt. Ende Juli seien die Popoffs nach einem Kurort gezogen. In Moskau habe sie dann Ende September und im Oktober die Popoffs wiederholt getroffen. Im November und Dezember habe sie sie aber nicht mehr in Moskau getroffen. Reichsanwalt Parifius macht die Zeugin ' Weiß darauf aufmerksam, daß in der Voruntersuchung ein halbes Dutzend Zeugen bekundet hätten, Popoff sei im Sommer 1932 in Berlin gewesen. Demgegenüber bleibt die Zeugin Frau Weiß bei ihrer Aussage. Dimitroff richtete dann ungerechtfertigte Angriffe gegen den Oberreichsanwalt und wird dafür für heute und die beiden folgenden Sitzungstage von der Verhandlung ausgeschlossen. Die zweite Zeugin, eine 59jährige Frau A r b 0 r e aus Moskau bekundet, >aß sie mit P 0 p 0 f f im gleichen Hause in Moskau gewohnt yabe, und zwar imSeptemberund Oktober 19 3 2. Aus den Akten stellt der Berichterstatter beglau- bigt^Ll uskünfte von der deutschen Botschaft in Moskau fest, die den von Popoff behaupteten Aufenthalt in der Sommerfrische bei Moskau, in einem Sanatorium auf der Halbinsel Krim und in der Moskauer Wohnung b e - ft ä t i g e n. Dann wird der Konditormeister M i ch a l s k i als Zeuge vernommen, der gesehen haben will, daß Dimitroff und Taneff im Hause ßIn/ den st raße 94 ein- und ausgingen. Die drei bulgarischen Angeklagten habe man da stets gesehen. , . . , Vorsitzenden Sie haben früher gejagt, datz Die ReichslnHurlainnter wird eingerichtet Berlin, 3. Noo. (TU.) Im Reichsgesetzblatt wird die erste Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes veröffentlicht. Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnung erhalten die im folgenden genannten Vereinigungen die Eigenschaft von Körperschaften des öffentlichen Rechts mit den beigefügten Bezeichnungen: 1. Das Reichskartell der deutschen Musikerschaft (R e i ck s - M u s i k k a rn m e r), 2. das Reichskartell der bildenden Künste (Reichskammer der bildenden Künste), 3. die Reichstheaterkammer, 4. der Reichsverband der deutschen Schriftsteller (Reichsschrifttumskammer), 5. die Reichsarbeitsgemeinschaft der deutschen Presse (Reichs-Pressekammer), 6. Die Nationalsozialistische Rukldfunkkammer (Reichsrundfunkkammer). Diese Kammern werden gemeinsam mit der Reichsfilmkammer zu einer Gesamtkörperschaft des öffentlichen Rechts vereinigt, die die Bezeichnung Reichskulturkammer trägt. Die Reichskulturkammer hat nach den Durchführungsbestimmungen die Aufgabe, durch Zusammenwirken der Angehörigen aller von ihr umfaßten Tätigkeitszweige unter der Führung des Reichsministers für Bolksaufklärung und Propaganda die deutsche Kultur in Verantwortung für Volk und Reich zu fördern, die wirtschaftlichen und sozialen Angelegenheiten der Kulturberufe zu regeln und zwischen allen Bestrebungen der ihr angehörenden Gruppen einen Ausgleich zu bewirken. Weitere Bestimmungen regeln die Zugehörigkeit zur Kammer. Wer bei der Erzeugung, der Wiedergabe, der geistigen oder technischen Verarbeitung, der Verbreitung, der Erhaltung, dem Absatz oder der Vermittlung des Absatzes von Kulturgut mitwirkt, muß Mitglied der Einzelkammer sein, die für seine Tätigkeit zuständig ist. Eine Verbreitung ist auch die Erzeugung und der Absatz technischer Verbreitungsmittel. Kulturgut im Sinne dieser Verordnung ist: 1. Jede Schöpfung oder Leistung der Kunst, wenn sie der Oeffentlichkeit übermittelt wird, 2. jede andere geistige Schöpfung ober Leistung, wenn sie durch Theater, Film ober Funk ber Oeffentlichkeit übermittelt wirb. 3n § 6 wirb ber Grundsatz ber persönlichen Mitgliebschaft zur Kulturkammer festgelegt. Dabei ist hier bewußt unb gewollt ber Gebaute des ständischen Aufbaues verlassen worden in der Richtung, daß von den Kammern nur Kulturb erufe als solche erfaßt werden, nicht aber diejenigen Personen, die rein kaufmännische, büromäßige, technische Berufe ausüben. § 10 bestimmt, daß Mitglieder ausgeschlossen ober abgelehnt werben können, wenn sie zur Ausübung ihrer Tätigkeit bie erfor= berliche Zuverlässigkeit unb Eignung nicht besitzen. Die Kammerverfassung sieht ein Präsibium unb bie ihm zur Seite stehenben Instanzen vor. Präsi- bent ist traft Amtes ber Reichsminister für Volks- aufklärung unb Prvpagcmba. Stellvertreter wirb ber Staatssekretär sein. Außerbem können noch mehrere Stellvertreter unb Geschäftsführer ernannt werben. Der Kulturbeirat besteht aus ben Präsi- benten ber sieben Einzelkammern ober ihren Vertretern. § 12 eröffnet bie Möglichkeit, einenReichs- kultur senat ins Leben zu rufen, in ben hervor- ragenbe, um Volk unb Kultur verdiente Persönlichkeiten berufen würden. Die Organisation der Ein- Oie Parole Reichsernährungsminister Darre in hamburg- Vergeborf: „Am 12. November fallen die Würfel darüber. ob wir wieder aufersiehen unb gefunden oder ob wir einstmals vor unseren Enkeln erröten müssen. Das Landvolk steht und fällt mit der Person Adolf Hitlers und mit der Ent- scheidung am 12. November." Am ^.November: Za! zelkammern ist entsprechend. Im vierten Abschnitt 8 25 sind die Bestimmungen über Betrieb, (Eröffnung und Schließung von Unternehmungen festgelegt. Maßnahmen auf Grund dieses Paragraphen begründen keine Entschädigungsansprüche. Da die Kammern öffentlich-rechtliche Körperschaften sind, können ihre Verfügungen mit Hilfe der Polizei durchgesetzt werden. Bei der Schaffung der Reichskulturkammer ist darauf Bedacht genommen worden, soweit wie möglich auf dem Be - stehenden aufzubauen Es sind deshalb keine neuen Träger der Aufgaben geschaffen worden, sondern die be st enden Verbände sind zum Teil mit, zum Teil ohne Aenderung ihres bisherigen Wesens bestimmt worden, in die Kammer eingegliedert zu werden. Aufgabe der Vereinigungen soll es nun sein, sich die noch fehlenden Fachoerbände anzugliedern. Die bereits bestehenden und in ben letzten Monaten gewachsenen freien Körperschaften werben bazu benutzt, um bie Reichskulturkammer von vornherein mit eigenem Leben auszustatten. Am 15. November erfolgt bie Verkünbung ber 23er- orbnung burch ben Reichsminister für Volksaufklärung unb Propaganba. könnten nicht genau sagen, wo Sie Popoff gesehen hätten. Der Angeklagte P 0 p 0 f f erklärt, er sei tm Jahre 1928 nicht einen einzigen Tag in Deutschlanb gewesen, sonbern in Rußlanb, in den Monaten Juni bis August zur Kur am Schwarzen Meer. Weiterverhandlung Samstag. Wie wir erfahren, wird Ministerpräsident Goring um 9.30 Uhr a l s Zeuge erscheinen. Ernste Lage im amerikanischen Miiielwesten. Auswirkungen des Farmerstreiks. N e u t) 0 r f, 3. Nov. (TU.) In De Maines (Iowa) erklärte der Führer des amerikanischen Farmerstreiks, Milo R e n 0 , daß die Streikbewegung völlig den Händen der Führer entglitten ist. Die streikenden Farmer hätten das Ergebnis der Washingtoner Verhandlungen zwischen Roosevelt und den fünf Gouverneuren nicht abgewartet. Es fei vielmehr in den letzten 24 Stunden zu Bombenanschlägen, Ueberfäl- len auf Transporte von landwirtschaftlichen Erzeugnissen und zu blutigen Zusammen st äßen zwischen Polizeibeamten unb Farmern gekommen, bie bie ßanb- straßen abzusperren suchten. Die Unruhen irti Streikgebiet hätten heftige Formen angenommen. Der gesamte Farmgürtel bes amerikanischen Mittelwestens säße auf einem Pulverfaß, bas jebe Minute explobieren könne, falls Roosevelt nicht sofort wirksame Maßnahmen zu Gunsten ber Farmer ergreife. ZtaÜen und die Vorgänge auf Malta. Rom, 3.Nov. (TU.) Die Absetzung ber nationalistischen Regierung von Malta hat in Italien st arte Erregung ausgelöst. Die englischen Maßnahmen werben hier als gegen bie italienische Kultur ber Insel gerichtet empfun- ben. In ber Presse aUerbings begegnet man einer derartigen Beurteilung nur in den Berichten der Londoner unb Malteser Vertreter ber einzelnen Plätter, währenb rebattionell nicht Stellung genommen wirb. Die Ueberschriften bie(er Berichte sinb allerbings beutlich, z. B. „Das kleine Malta unter ber eisernen Faust Britanniens" ober „Verletzung ber elementarsten Freiheiten ber Inselbewohner". Aus aller Welt. Der Tag bes Deutschen Jägers. Schwerer Nebel lagerte über dem Hainberg, als am Hubertustag, dem Tag der Deutschen Jäger, sich die träumerische Waldeinsamkeit um bas Jägerhaus über ber Hubertuskapelle im Hübe sheimer Bergland sich in den Schauplatz eines für bie deutsche Jägerei bedeutungsvollen Aktes verwandelte. Nachbern das einleitende Waldhorn- quartett verklungen war, erinnerte Landesprvpagan- baftellenleiter Huxhagen an bie Bebeutung des Hubertustages für bie deutsche Jägerei. Für den allgemeinen deutschen Jagdschutzverband sprach Dr. Heinze. Der heilige Hubtertus, im Relief dieser Felswand dargestellt, sei gleichsam das Symbol der Zusammengehörigkeit der deutschen Jägerei. Dem Führer und seiner großen Bewegung sei es Vorbehalten geblieben, den Weg zur Einigung zu weisen, die im April b. I. in Köln vollzogen würbe. Freiherr v. Düngern überbrachte bie Grüße bes Schirmherrn ber Jagd, des Ministerpräsidenten Göring, der fest entschlossen sei, ber deutschen Jägerei im neuen Staat schwere Pflichten aufzu- erlegen, ihr anderseits aber auch einen ehrenvollen Platz zu sichern. Staatsminister Alpers (Braunschweig) führte in der Schlußansprache aus: Wir haben den einzelnen Volksgenossen gewonnen mit der Parole: Arbeit und Brot. Unb nun wenden wir uns an die Außenwelt, wiederum mit einer Parole, die friedlich ist: Frieden und Gleichberechtigung. Die 2BeÜ mag uns Frieden und Gleichberechtigung geben ober nicht. Die Ehre muß sie uns lassen, oenn darüber verfügen wir selbst. Von bem Waldhvrnquartett begleitet, klang zum Abschluß bes Festaktes das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied vom Jägerhaus über den Hainberg hinab in uralte deutsche Wälder. Umstellung der Reichsbahn auf Schnelltriebwagenverkehr. Gelegentlich ber 8. wissenschaftlichen Tagung ber Vereinigung höherer technischer Reichsbeamter in Berlin machte, wie ber „Völkische Beobachter" mitte ilt, ber Direktor ber Deutschen Reichsbahngesellschaft Dr. ßeibbranb sensationelle Ausführungen über Geschwinbigkeitserhöhungen auf ben beutschen Reichsbahnstrecken. Der beutsche Personen- unb, Eilzugoerkehr solle allmählich ganz auf Schnelltriebwagenverkehr umgestellt werben. Es werbe in absehbarer Zeit möglich sein, von Berlin aus jebe beutsche Stabt mit einem Frühzug bereits mittags z-u erreichen unb nach einigen Stunben Aufenthalt abends wieder in Berlin zu fein. Die Haltezeit der Triebwagen auf den einzelnen Stationen solle auf 15 bis 30 Sekunden herabgedrückt werden. Zur Verkehrswerbung soll auch bie 3. Klasse mit Polsterung versehen werden. Auch auf den Nebenbahnen würde die Geschwindigkeit von 60 auf 100 Kilometer her- aufgesetzt werben. Die ßokomotiven würben für ben Güterverkehr unb für bie großen internationalen Züge ihre Geltung behalten. Die Umstellung werbe natürlich Jahre bauern. Die Kosten würben etwa 2 Milliarben Mark betragen. Das Projekt werbe zur Zeit in allen Einzelheiten geprüft. Acht Neger verbrannt. Bei bem Brand eines Mietshauses in Brooklyn (USA.) sind acht Neger verbrannt. Die ßeichen wurden zusammengedrängt im obersten Stockwerk bes Hauses gefunden, wohin bie Unglücklichen vor ben Flammen geflohen waren. Wettervoraussage. Nachbem sich bie norböstliche Störung weiter abgeflacht hat, breitet sich ein Ausläufer bes westlichen Hochs über bas Festlanb aus. Unter seiner Einwirkung bleibt bas Wetter zunächst ruhig, nach nebliger Bewölkung wird es tagsüber zeitweise aufheitern. Dabei werden sich bie Temperaturgegensätze zwischen Tag unb Nacht verschärfen. Da aber bei Jslanb ein neues Tief erschienen ist unb somit bie Kaltluftzufuhr abgeschnitten wirb, kann sich bas Hoch wahrscheinlich nicht stabilisieren, so baß für später wieber Verschlechterung in Aussicht steht. Aussichten für Sonntag: Neblig-wolkig mit Aufheiterung, nachts Temperaturen etwas unter Null, tagsüber milber, meist trocken. Aussichten für Montag: Zunächst noch Fortdauer ber Wetterlage, boch später wieber Verschlechterung wahrscheinlich. ßufttemperaturen am 3. November: mittags 7,4 Grab Celsius, abenbs 3,3 Grad: am 4. November: morgens 2,4 Grad. Maximum 8,1 Grab, Minimum 0,1 Grab. — Grbtempcraturcn in 10 cm Tiefe am 3. November: abenbs 5,4 Grad: am 4. November: morgens 4,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer Vi Stunde. ODOL S ERPROBT 'BEWÄHRT SPARSÄM urürf) u. näheren npoben unt.06345 rt den Olieft. 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