Nr.54 KeübauSgabe 185. Jahrgang Samstag, 4-März 1935 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnirf und Verlag: vrühl'sche Unlverfilülr-Vuch- und Steinöniderei K Lange in Sietzen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für \ mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrist 20“ , mehr. Thefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton l)r H.THyriot' für den übrigen Teil Ernst Dlumfchein und für denAn- zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Bezngrpreir: Mit 4 Beilagen RM.I.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernfprechanfchlllsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Postscheckkonto: gronlfurt am Main 11686. Amm'kaundderFerneOsten. Außenpolitische Umschau. Reichskanzler Hiller spricht in Hamburg. Don Dr. Otto Hoehsch, o. 6. Prof, der Geschichte an der Universität Berlin. Was ist heute weltpolitisch wichtiger: die Genfer Entscheidung Und der Beginn des japanisch-chinesischen Krieges oder die neue große Welle wirtschaftlicher Krisis in den Vereinigten Staaten? Wegen des großen Zusammenhangs des Schuldenproblems und Weltwirtschaftssanierung und Amerikas Einflußnahme in Politik und Wirtschaft wohl das zweite! Seit der dritten Februarwoche geht vom Staate Michigan aus eine Banken lrise in den Vereinigten Staaten, die von den Kleinbanken nun an die großen reicht. 3n zahlreichen Staaten sind schon Gesetze über Moratorien und Auszahlungsbeschränkungen erlassen. 3n diese Krise treten die Ergebnisse des Untersuchungs- ausschusses des Senats, der sich seit längerem mit der Vational-City-Dank und ihrem Verhalten während der Krisen von 1928 und 1929 beschäftigt. 3m Zusammenhang damit hat der Präsident dieser Dank, Mitchell, seinen Rücktritt erklärt und scheint sich ein Bankskandal allergrößten Ausmaßes vorzubereiten. Kurz: nachdem man geglaubt hatte, das Dankensterben, dem an 5000 kleinere Banken zum Opfer gefallen waren, habe eine Reinigung gebracht und den Beginn der Gesundung, zeigt diese neue Krise, wie erschüttert und wie krank der Wirtschaftskörpec der Vereinigten Staaten ist. Staatseingriff' und Staatsbürgschast wird ge- fordert, diskutiert, ja auch schon angewendet. Das Publikum hamstert Roten, das Kapital flüchtet, der Dollar zeigt Schwächezustände, die weithin wirken müssen. Unter sehr trüben Zeichen und vor größten Schwierigkeiten im 3nnern tritt Roosevelt sein Amt an. Der Versuch der Sanierung rührt eine weitere schwere Frage auf: Stützung der Banken oder Erhaltung der Währung? Schon haben Kreditausweitungen in erheblichem Maße stattgefunden, keine Wührungs-, aber eine Kreditinflation. Die weitere Entscheidung ist deshalb so schwer, weil sie in der Schuldenauseinandersetzung gleich einen wichtigen Punkt international berührt. Wie bekannt, hat Roosevelt für die nächsten Tage England zu einer Konferenz darüber eingeladen. Die Bedingungen für Amerikas Entgegenkommen sind Handelskompensationen und Rückkehr Englands zum Goldstandard. Kann jetzt aber Amerika die Banksanierung nicht mit unbedingter Erhaltung der Währung durchführen, so rutscht es umgekehrt i n d e n Kreis der u n t e r v a l u t a r i s ch e n Länder hinein. Richt England wäre entgegengekommen, sondern Amerika. Die Bedeutung dieses Schrittes liegt auf der Hand. So steht Roosevelt vor einer sehr schweren Aufgabe: wie die Banken erhalten und sanieren ohne Gefahr für Währung und Staatsfinanzen? Diese Schwäche Amerikas kommt bemerkenswert in einer Schwenkung gegenüber Frankreich zum Ausdruck. Ursprünglich sollte nur mit Schuldnern geredet werden, die ihre Rate am 15. Dezember bezahlt hatten. Jetzt ist aber sicher, daß Roosevelt die Schuldenverhandlungen auch auf Frankreich ausdehnt, um so mit ihm zu einer Zusammenarbeit zu kommen. In Paris ist das sehr wohl verstanden worden und die Meinung dort ist berechtigt, daß in der augenblicklichen Weltlage und Mirtschaftssituation Amerikas es gar nicht ohne oder gegen Frankreich agieren kann. Amerika muß einer internationalen Verständigung zustreben und sich mit Frankreich stellen, das ja immer nodfoon der Wirtschaftskrise verhältnismäßig am wenigsten erschüttert ist, auch die letzten Schwierigkeiten um sein Haushaltsdefizit überwunden hat. Jin übrigen wird in Paris auch auf eine gewisse gefühlsmäßige 91 e i g u n g des neuen Präsidenten Roosevelt zu Frankreich gerechnet. Wir wissen nicht, inwieweit diese Annahme gerechtfertigt ist, aber es genügt ja die Lage an sich, um ein Streben Roosevelts nach Zusammenarbeit mit Frankreich zu erklären. Roosevelts Kabinett ist jetzt vollständig. Kabinett ist ja ein falscher Ausdruck, weil der Präsident die Exekutive allein darstellt, keine Minister hat, die dem Parlament verantwortlich wären, sondern nur Staatssekretäre. Die neuen Männer, unter denen übrigens zum ersten Male in einer amerikanischen Bundesregierung eine Frau ist (für das Arbeitsministerium), sind nur zum Teil bekannt und alle nicht besonders bedeutend. Roosevelt scheint seine Mitarbeiter so zusammengestellt zu haben, daß er alle wichtigen Angelegenheiten f e I b ft in der Hand behalten kann. Bedeutende Namen der demokratischen Partei sind überhaupt nicht unter den Ernannten. Bekannt sind der Marineminister Senator S w a n f o n und der Justizminister Walsh. Der Außenminister Senator Hüll ist außerhalb Amerikas wenig bekannt. Er ist, früher Rechtsanwalt, Spezialist für Zollfragen, internationale Wirtschaftsbeziehungen und Steuersachen. Von ihm stammt die These: Revision der Kriegsschulden nur gegen Handelszugeständnisse und der Vorschlag, zur Belebung des Welthandels zunächst einmal allgemein die Zölle um 10 v. H. zu senken. Er wird als „d e r letzte Freihändler" in den Vereinigten Staaten bezeichnet. Seine Ernennung unterstreicht noch einmal, daß Roosevelt offenbar die nächste Arbeit vornehmlich auf die Senkung der Zölle richten wird. Amerika wird darin die bisherige Passivität schwerlich ändern, wenn nicht der fernöstliche Konflikt, letzt genauer gesagt: fernöstliche Krieg dazu zwingt. Am 24. Februar haben von 55 Völkerbunds- Mitgliedern 42, darunter sämtliche Ratsmächte, ge» Hamburg, 3. März. (CNB.) Reichskanzler Hitler sprach heute in Hamburg. Trotz des strömenden Regens hatten sich die Massen schon so frühzeitig zu der Kundgebung eingefunden, daß mehrere Stunden vor Versammlungsbeginn die riesige Ernst-Merck-Halle wegen Ueberfüllung gesperrt werden mußte. Dicht besetzt waren auch die Parallelversammlungen, in denen die Rede durch Lautsprecher übertragen wurde. Beim Einmarsch der Fahnen und Standarten wurden besonders lebhaft die Abteilungen der Mecklenburger Polizei begrüßt, die mit großen Hakenkreuzfahnen einzogen. Oer Reichskanzler ging zunächst auf die Vorgänge vom November 1918 ein und erklärte u. a.: Die Männer und Parteien, die mit der sogenannten Revolution auch äußerlich sichtbar die unumschränkte Herrschaft antraten, hatten tatsächlich schon o o r h e r , wenn auch weniger sichtbar, den maßgebenden Einfluß. Um sich die moralische Voraussetzung für die von ihnen gemachte Revolution zu schaffen, erklärten diese Männer und Parteien nun, Deutschland habe f e I b ft den Krieg verschuldet. Anders hätten sie es nicht verantworten können, die Revolution in einem Augenblick zu machen, wo sie notwendigerweise zur völligen Vernichtung Deutschlands führen mußte. Darum schrieb damals der „Vorwärts : Es ist unser Wille, daß die deutschen Fahnen nicht siegreich heimgebracht werden. (Pfuirufe.) Sie haben damals den Grund gelegt zu den Sühneforderungen der Feinde, zu der Begründung des Versailler Diktats und zu den Tributen, die uns in Form der Reparationen abgepreßt wurden. Dem Volk wurde gesagt, diese Forderungen könnte man leicht erfüllen, wenn nach marxistischem Rezept der Kapitalismus zu den Opfern 'herangezogen würde. Sie erklärten, Deutschland werde Gerechtigkeit und Freundschaft erreichen, wenn es nur abrüfte. So haben sie das Volk von einem Betrug zum anderen ins Verderben hineingelogen. Uns überlassen sie nun einen Staat, den sie 14 Jahre lang in furchtbarster Weise ruiniert haben. Von uns verlangen sie nun, daß wie diesen Staat in vier Wochen wieder in Ordnung bringen sollen. Diese Männer haben jedes Gefühl verloren für die Korruption, mit der sie sich befleckt haben. Sie nennen sich „Eiserne Front", aber eifern sind sie nur in ihrer Unverschämtheit. Die jetzt überwundenen Parteien kommen nun und machen Koalitions- oder Tolerierungsangebote. Sie fragen, was ich ihnen dafür biete. 3d) antworte: Gar nichts. Die Kuhhandelspolitik hat aufgehört. (Beifall.) Ob ich von euch toleriert werde als Partei, das ist mir gänzlich gleich- Ä3ch habe nur die eine Sehnsucht, daß utsche Volk mich toleriert. 3n seinen weiteren Ausführungen betonte der Kanzler die Notwendigkeit, für die Volksgemeinschaft ein gemeinsames Ideal aufzurichten, das aus dem Staat der Klassenspaltung, des Standesdünkels und der Ueberheblichkeit wieder den Begriff des einheitlichen Volkes macht. Alle Prinzipien, Parteiziele und Ideen müßen untergeordnet werden dem einen Dillen zum Dienst am Volk. Der größte Reichtum eines Volkes sind feine großen Männer. Sie dürfen nicht durch die Herrschaft der Zahl erstickt werden. Wenn im 3nteresse der Handelsbilanz der deutsche Bauer Prolet a r i s i e r t wird, dann verliert diese ganze wirtschaftliche Berechnung ihr Fundament. Man sagt uns: 3hr Rationalsozialisten wollt uns die Tür zu dem Weltmarkt zuschlagen. 3ch antworte: Rein, das wäre ein 3rrfinn, aber wir sind überzeugt, daß nur der auf dem Weltmarkt bestehen kann, der fest in feinerHeimatwurzelt und der auf seinem eigenen Boden steht. Der gen Japan gestimmt; 11 waren abwesend (besonders Australien und eine Reihe Südamerikaner). Ein Mitglied (Siam) enthielt sich der Stimme, nur Japan stimmte mit Nein. So ist die Entscheidung gefallen. Die Vötkerbundsmitglieder sind damit verpflichtet, nicht vereinzelt ovrzugehen. Amerika hat sofort, auffällig schnell, der Entscheidung des Völkerbundes zugestimmt, also eindeutig ebenfalls gegen Japan Stellung genommen und tritt dem Ausschuß bei. Von Rußland liegt eine Antwort noch nicht vor. Es scheint, als wenn Rußland auf einer anderen Linie: Verständigung mit Japan zur Grenzsicherheit vorgehen wolle. Gleichzeitig hat der Krieg, in dem Japan der Angreifer ist, begon- fnen. Die japanischen Truppen sind im vollen Vormarsch durch die Provinz Jehol. Die formellen Sriegsertlürungen sind noch nicht ausgesprochen. China ist nunmehr aber in der Lage, rechtmäßig den Krieg zu erklären, der Tatbestand des Artikels 15, Abs. 7, des Völkerbundspaktes ist gegeben. Was geschieht weiter? Bisher ist 3apan nicht aus dem Völkerbunde ausgetreten. Auch scheint es das gar nicht zu wollen. Seine Drohungen mit einem „asiatischen Völkerbunde" sind nicht ernst zu nehmen. Umgekehrt: Sanktionen nach Art. 16 des Paktes von feiten des Völkerbundes oder ein militärischer oder wirtschaftlicher Druck der Vereinigten Staaten auf 3apan sind nicht zu erwarten, jeden- alls nicht für die allernächste Zeit. Das nächste ist die Entscheidung über die Waffenausfuhr. Hier hat England überraschend mit osortiger Wirkung die Waffenausfuhr sowohl nach 3apan wie nach China verboten. D^e Kriegsmateriallixferung war schoq im vollen deutsche Dauer und der deutsche Handarbeiter müssen sich zusammenfinden mit den Vertretern der nationalen 3ntelligenz. Die Ration ist etwas Gewaltigeres als Stand, Herkunft, Klasse und Beruf. .(Beifall.» 3ch will nicht sagen, daß alle Mächte der Vergangenheit bewußt das Schlechte gewollt hätten. Wenn sie aber selbst das Gute tun wollten, so fehlten ihnen die Kräfte dazu, und sie mußten ihnen fehlen, denn die Kraft lag zu allen Zeiten nur in der Gemeinschaft eines Volkes. (Beifall.) Wenn man mich einen blassen Theoretiker nennen will, so verweise ich auf mein Werk, die aus kleinen Anfängen geschaffene Bewegung. Sie ist wchrha tig keine Theorie. Sie ist Blut und Leben. (Stürmischer Beifall.) Als Rationalsozialist habe ich kein anderes Ziel, als in meinem Volk die große Versöhnung herbeizuführen. Wir reichen jetzt den Volksgenossen die Hand, und wenn uns aber einer statt dessen die Faust entgegenballt, dem brechen wir sie auf. (Beifall.) Die Brandfackeln werden wir austreten und ihre Träger Niederschlagen. (Stürmische Zustimmung.) Mein Leben steht in Gottes Hand. 3ch hätte es auf dem Schlachtfeld ebenso verlieren können wie viele meiner Kameraden. 3ctzt aber, da mir das Leben geblieben ist, wende ich es an im Kampf für mein Volk, um für Deutschland das zu erreichen, was die gefallenen Kameraden in ihrem Opfertod erringen wollten. Wenn sie es nicht erleben konnten, so soll es erkämpft werden für ihre Kinder: ein Deutschland, in dem alle Deutschen Freiheit, Brot und Ehre sinden. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschland- und HorstWessel-Liedes wurde die Kundgebung geschlossen. Vizekanzler von papen spricht in Stuttgart. Oer wahre Föderalismus. — Lleberwindung des parieienstaats. $ür eine geistige, soziale und politische Entproletarisierung. Stuttgart, 3. März. (CRB.) 3n der mit etwa 7000 Personen besetzten Stadthalle sprach auf einer Kundgebung der Kampffront Schwarz- Weih-Rot Vizekanzler v. Papen, der bei seinem Erscheinen enthusiastisch begrüßt wurde. Er führte in seiner Rede u. a. aus: Die sogenannte Einheitsfront dersüddeutschenLän- der ist weniger innerlich als durch parteipolitische Konstellationen begründet. Gerade als Föderalist hüte ich mich, die Dinge in allen deutschen Ländern gleich zu sehen. Der Grad der inneren Eigenständigkeit und des Staatsbewußtseins ist in den dei»tschen Ländern verschieden. Der Schematismus der Weimarer Verfassung, der zwischen Land und Land nicht unterscheidet, bedeutet deshalb die Erstarrung des föderalistisch e n P r i n z i p s , die Verewigung des Paragraphenstreits statt der Ruhbarmachung deutscher Vielheit für die deutsche Geschichte. Man muß das föderalistische Prinzip neu unterbauen in zwei Richtungen: in der des Rechtsauf- b a u e s und in der der Verwaltung. Aufbruch der Ration heißt nicht nur neue Führung in Staat und Wirtschaft, sondern auch Vertiefung des deutschen Volksgedankens und Ausbau des äußeren Bestandes des deutschen Volkstums. Mir schwebt ein deutsches Volk vor Augen, das so deutsch ist, daß es die Worte deutsch und national möglichst wenig in den Mund nimmt. Man muß echbesFührerlum an Stelle von Inleresfenkliquen sehen, die niemals dem Volk dienen, sondern nur herrschen wollen. Do wären wir heute ohne unser glänzendes pflichttreues Beamtentum. Ls wird auch in Zukunft, wenn — so Gott will — der Begriff des politischen Beamten oet- schwindet, das stärkste Fundament jeder sauberen Staatsführung sein. Wahre Führung beruht nicht auf Anmaßung, auf Demagogie, sondern darauf, daß der Mensch guter Rasse und innerer Qualität in höherem Maße geeignet ist, Verantwortung zu tragen als der Durchschnitt. Wir stehen bei einem geistigen Umschwung unserer sozialen und ethischen Auffassungen, dessen Ziel es ist, dem Klassenkampf und dem moralischen Zerfall zu steuern. Das große Werk der geistigen, sozialen und politischen Cnt- proletarisierung beginnt. Wir muhten -erst ein armes Volk werden, um das zu begreifen. Wir wollen das deutsche Volk nicht entrechten, im Gegenteil: statt Steine Brot geben. Wir wollen auch nicht die Linke entrechten oder uns an ihr rächen. Sie bezieht lediglich ihren Lohn dafür, daß sie sich nicht zur <5ad>- walterin des gesamtdeutschen Volkes ausgeschwungen hat, daß sie die verlogene Humanität einiger Asphaltliteraten für deutsche Kultur hielt, daß sie es für deutsch erachtet, das Recht eines Volks auf Widerstand und Freiheit lächerlich zu machen und zu unterdrücken, daß sie sich niemals offen und ehrlich zur Wahrhaftigkeit bekannte und daß sie sich an den Rotbau von Weimar klammerte und in einer entsetzlichen Sterilität des politischen Denkens versank- Warum hat das deutsche Volk einer Regierung, die von dem Treuesten und Größten aller Deutschen eingesetzt worden war, das Vertrauen verweigert? Die Kräfte der nationalen Bewegung haben sich zusammengefchlosfen und eine Regierung gebildet, die bei Gott nicht die Aufgabe hat, andereParteienvonderMitarbeit auszuschließen, sondern als letztes Ziel die Ueberroinbung des Parteien- ftaates als solchen erstrebt, wenn der weg zum neuen Reich nicht gepflastert ist mit weggeworfenen Parteibüchern, dann wäre er ein Irrweg, und wenn die nationale Bewegung sich nicht zum Sachwalter des gesamten deutschen Volkes macht, so hätte sie ihren geschichtlichen Auftrag nicht begriffen. Hugenbergs letzte Wahlrede. Die Grundlagen des wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufbaus. Stettin, 3. März. (ERB.) 3n den Zentralhallen in Stettin hielt Reichsminister Dr. Hugen- berg heute nachmittag im Rahmen einer Kundgebung der Kampffront Schwarz-We:ß-Rot seine letzte Rede vor den Wahlen. Er führte u. a. aus: 3d) habe mit der Uebernahme der gesamten Wirtschaftsministerien die Aufgabe übernommen, dem deutschen Volk wieder zu Brot und Arbeit zu verhelfen. Cs wird eine Zeitlang dauern, bis wir das 3nstrument der landwirtschaftlichen Preisbildung wirklich in die Hand bekommen, aber zum Wohle der Landwirtschaft und der gesamten deutschen Wirtschaft werden wir es in die Hand bekom- Gang, auch die Ueberleitung an 3apan über dritte Mächte, besonders über Siam. Für England war die Entscheidung sehr schwer: sowohl wegen der Beschäftigung der Industrie, wie auch wegen der Gefahr einer Blockade der chinesischen Küste durch die japanische Kriegsflotte. Trotzdem hat es schnell diese Entscheidung gefällt, der nun die anderen Mächte folgen müssen, auch Amerika. Rur so kann der Krieg im Fernen Osten auf eine kurze Dauer beschränkt bleiben- Ob er überhaupt zu lokalisieren ist, das weiß heute noch kein Mensch. Ebenso nicht, welche Wirkungen in die Ferne dieser in der Geschichte des Imperialismus nun dritte japanische Vorstoß ausüben wird. Landhilfe durch jugendliche Erwerbslose. Berlin, 3. März. (WTD.) Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat den Erlaß über die Landhilfe herausgegcben, der bäuerlichen Betrieben Beihilfen für die Beschäftigung zusätzlicher Arbeitskräfte aus den Reihen der arbeitslosen 3uaend zusichert. Damit wird eine weitere Maßnahme der Reichsregierung zugunsten erwerbsloser 3ugendlicher in die Wege geleitet und gleichzeitig eine Hilfe für die bäuerlichen Familienwirtschaften verwirklicht. Die Förderung ist auf Betriebe bis zu 40 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche beschränkt. Die Arbeitsämter sind ermächtigt, für zusätzliche Arbeitskräfte, die sich auf mindestens sechs Monate verpflichten, dem Betriebsinhaber eine monatliche Beihilfe bis zu 25 Mk. (für weibliche Kräfte bis zu 20 Mk.) zu gewähren. Der Betriebsinhaber ist verpflichtet, den Helfer in die Hausgemeinschaft aufzunehmen, ihm eine gute Kost und gesundheitlich einwandfreie Unterkunft zu gewähren und die vereinbarte Vergütung zu zahlen. Die Reichsregierung behält sich vor, in den Fällen, in denen das Arbeitsverhältnis mindestens 12 Monate gebau«>rt hat, nachträglich eine besondere Prämie zu gewähren. 3edoch ist eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen. Der Antrag auf Zuweisung eines Helfers — mehr als zwei Helfer dürfen nicht zugewiesen werden — ist bei der Gemeindebehörde zu stellen, die den Antrag mit einem Gutachten an das Arbeitsamt weitergibt. Die Helfer stellen ihren Antrag auf Vermittlung unmittelbar beim Arbeitsamt ihres Wohnorts. Der zugelassene Personenkreis beschränkt sich nicht auf Unterstützungsempfänger. Es kommen vornehmlich jüngere Arbeitslose in Frage; wer im Freiwilligen A r b e i t i ö i e rvß, tätig war, wird bevorzugt. Den Helfern können die Kosten der Reise nach dem Arbeitsort erstattet und Beihilfen für die Arbeitsaus- rüftung gewährt werden. Es ist nun Sache der Landwirtschaft, noch für die bevorstehende Frühjahrsbestellung von der Landhilfe Gebrauch zu machen. Merkblätter für die Detriebs- inhaber und für arbeitslose 3ugendliche, aus denen sich alles Nähere ergibt, werden in Kürz« her ausgegeben. men. Die Landwirtschaft will keine Almosen, sondern Wiederher st ellung ihrer Le - bensgrundlagen. die ihr von einem bau* ernfeindlichen System genommen wurden. Die Sanierung der Landwirtschaft ist der Hintergrund, auf dem der Wiederaufbau der übrigen Wirtschaft. Industrie und Handel, Handwerk und Gewerbe, erfolgen muh. Der Mittelstand in Handwerk und Gewerbe, der durch die Verschuldung der Landwirtschaft und die Politik der letzten 14 Jahre in seiner Existenz bedroht ist, soll nicht nur vor dem Verfall bewahrt, sondern In seinem Wiederaufbau tatkräftig unterstützt werden. Die Notwendigkeit der Erhaltung der mittleren unb verarbeitenden Industrie, die eines der Opfer falscher Handelspolitik ist, gehört in den gleichen Aufgabenbereich. Untere Arbeit wird von dem Grundsatz geleitet, daß der Wert und die Widerstandsfähigkeit einer Wirtschaft nicht nach der Gröhe von Konzernen oder gar nach der ungesunden Zusammenballung spekulativer Kapitalkräfte gemessen wird, sondern nach der Zahl und dem Wohl st and von Millionen von Einzelexistenzen. Mit diesem organischen Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft wird auch dem Arbeiter am meisten geholfen. Er will nicht Renten empfangen, sondern Arbeit haben. Er hat die sozialistischen Experimente satt. Er will wie jeder andere Stand zu Eigentum und bescheidenem Wohlstand gelangen und die Zukunft seiner Familie gesichert sehen. Der wirtschaftliche Wiederaufbau ist nur gefiebert, wenn er sich auf die nötigen kulturellen Grundlagen stützen kann. Deshalb wende ich mich besonders an die deutsche Frau und Mutter. Selbstlose Hingabe an die Sache. Treue. Redlichkeit, Fleih und Tüchtigkeit müssen wieder zur Norm unseres Lebens werden. Die Erziehung in der Schule und die Erziehung in der Familie ergänzen sich und hüben zusammen die notwendige Voraussetzung dafür, dah diejenigen Eigenschaften wieder Geltung bekommen, die das deutsche Voll stark und groh gemacht haben. Der Sinn dieser Wahl, schloh Dr. Hugenberg, liegt nicht in parlamentarischen Augenblickserfolgen, sondern er liegt darin, vor aller Welt festzustellen, dah das deutsche Volk sich entschlossen hinter die nationale Regierung und ihre Mahnahmen stellt. Der Anschauungsunterricht, den uns derVolschewismusin diesen Tagen erteilt hat, die Visitenkarte, die er mit der Brandfackel im Reichstag abgegeben hat, kann nur den Erfolg haben, dah das deutsche Volk sich seines Lebenswillens umso stärker bewuht wird. Rur wenn wir den Bolschewismus und seine Brutstätten mit Stumpf und Stiel ausrotten, nur wenn Sicherheit und Ordnung in deutschen Landen unerschütterlich da- stehen, kann der Wiederaufbau aus den Trümmern der Revolutionsjahre erfolgen. Imning sprich! auf einer Zentrums-Kundgebung im Verliner Sportpalast. Berlin. 3. März. (ERB.) Die Berliner Zentrumspartei veranstaltete in den Räumen des Sportpalastes eine Wahltundgebung, bei der als Hauptredner der frühere Reichskanzler Dr. Brüning auftrat, der von der Versammlung durch Aufstehen und lebhafte Zurufe herzlich begrubt wurde. Der ehemalige Reichskanzler erklärte u. a.: Cs dürfe nur noch einen Kampf geben, den Kampf zur Verhinderung des Umsturzes. Die Reichsregierung werde bei der Bekämpfung des Kommunismus bte vollste Unterstützung des Zentrums haben. Das Zentrum verlange aber, dah über die Brandstiftung im Reichstag eine möglichst schnelle und vor der Oeffentlichkeit stattfindende Untersuchung durchgeführt werde. Der Demichtungs- kampf gegen die bolschewistische Gefahr könne niemals ausschliehlich mit dem Schwert geführt werden. Rur wer im Christentum lebe, diene und optere, werde allein der Sieger über die bolschewistische Gefahr sein. Druck erzeuge Gegendruck. Die größte Gefahr sei eine dumpfe Atmosphäre, die man nicht mehr kontrollieren und überwachen könne. Wenn man in vier Jahren die deutsche Wirtschaft retten wolle, so wäre politische Ruhe die erste Voraussetzung. Die Konjunktur der Steuerscheine sei verpufft, weil kein Vertrauen in die politische Ruhe und Stabilität eingetreten sei. Cs werde noch manches zu geschehen haben, um eine vorübergehende Besserung zu bringen. Richt möglich sei es, die Weltwirtschaftskrise zu lösen, wenn man nicht mit der Welt Hand in Hand an die Fragen heranginge und wenn man nicht im Innern Vertrauen zueinander und in der Welt Vertrauen zu uns schaffe. In jeder groben Krise gebe es einen Tiefpunkt, bann bessere sich die Wirtschaftslage gewissermaßen automatisch. Dieser Tiefpunkt fei im Mai und Iuni erreicht worden. Seitdem sei das Ansteigen der Konjunktur künstlich beeinträchtigt. Wenn man heute von einem System spreche, baä auf die Anklagebank gehört, dann sei es das System der Austenpolitik der zwei Iahrzehnte vor dem Krieg, das uns in den Krieg hin- eingeraten lieh, in einem so ungünstigen Augenblick. dah aller Heroismus nichts mehr retten konnte. Wenn man heute einem System die Schuld geben kann, so ist es das System der Vergeudung des Bismarckschen Erbes. Unser Weg ist auf Frieden gestimmt, solange Verfassung und Recht Grundlage des politischen Lebens sind. Aber er führt zu entscheidendem Kamps, wenn man wagt, Recht und Verfassungssicherheit im deutschen Volk zu un- terwühlen. Wir wissen, daß bei Druck von außen die Freiheit nur errungen werden kann durch ein Volk, dem die Freiheit im Innern gegeben ist. Ich bin für den Reichspräsidenten in den Kamps gegangen und habe ihn geliebt, weil ich der Ueberzeugung war und bin, daß der Reichspräsident es e r n ft nimmt auf Grund seiner religiösen Ueberzeugung mit der Innehaltung der Verfassung, und aus diesem Grunde muß ich in diesem Augenblick vor der Oeffentlichkeit den Appell an ihn richten: Aktiv zu sein als Hüter der Verfassung, als Schützer der Unterdrückten, als Vater des Vaterlandes, auch für die, die ihn gewählt haben und die jetzt von seinen Gegnern ihrer Rechte beraubt werden. Wir sind bis zum äußersten entschlossen, zusammenzuhalten und zu kämpfen. Wir werden es zwingen, denn die, die das Vaterland auf Rechtund Gerechtigkeit und Freiheit aufbauen, sind niemals verloren und vergessen, sondern sie werden wiederkehren, weil es ums Vaterland und ums Ganze geht. Oer Reichspräsident an die Fuldaer Bischofskonferenz. Breslau, 3.Mörz. (ERB. Funkspruch.) Aus Anfragen des preußischen Episkopats über den Schutz der Wahlfreiheit bei den bevorstehenden Wahlen ist vom Herrn Reichspräsidenten an den Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz Kardinal-Fürst-Erzbischof Bertram- Breslau folgende Antwort erteilt: „Ich bitte Ew. Eminenz versichert zu fein, daß ich alles in meinen Kräften Liegende tun werde, um die Wahlfreiheit der Staatsbürger zu sichern und Ausschreitungen im Wahlkampf zu verhindern, und ich bin auch überzeugt, daß die Reichsregierung von derselben Absicht geleitet ist. Abschrift Ihres Schrei- Die Erdbebenkatastrophe in Japan. Bisher 591 Tote, 600 Vermißte, 1000 Verletzte. 2 o t i o , 3. Marz. (121.) Rach den bisherigen Feststellungen der rintersuchungs. und Vergungskom- mission ist die Zahl der Todesopfer beim Erd- beben auf bisher 591 gestiegen. Etwa 1000 Personen wurden verteht, 600 Personen werden noch vermißt. Gegen 8000 Häuser wurden zerstört. Feuerwehr. Polizei und Truppen sind mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Sämtliche Fernsprech- und Tete- graphen-Leitungen in den betroffenen Gebieten sind zerstört. 3n Tokio wurden am Frettagvormittag noch leichte Erdstöße verspürt. Das Erdbebengebiel wird von einem großen Truppenaufgebot abgesperrt. Man befürchtet, daß die Verlustzahl sich noch weiter steigern wird. Erdbebenschäden wurden weiter angerichlet in den Bezirken von Fikushima. Miyaji, Lhiba und Ivate. Die japanische Regierung hat sofort von der Marine- station Ominato Kreuzer ausgesandt, die den betroffenen Häfen in dem Erdbebengebiet Hilfe bringen sollen. Die Erdbebenkatastrophe in Iapan wurde auch von den Erdbebenwarten in Deutschland aufgezeichnet. So verzeichneten die Instrumente der Reichsanstalt für Erdbebenforschung in Jena die Aufzeichnung am Donnerstag um 18 Uhr 43 Minuten 35 Sekunden. Die toürttem- bergische Erdbebenwarte in Stuttgart stellte fest, daß die Bodenverschiebung im Bereich der Oberflächenwellen annähernd 4 Millimeter betrug. Die Warte bezeichnet das Beben als d a S stärkste in den letzten 30 Jahren. 480 Todesopfer der Sturmflut Etwa 40 Minuten nach dem Erdbeben setzte an der ganzen Küste von Tokio bis Sairiya an der Rordküste von Honshiu eine große Flutwelle ein, die viele Dörfer an der Küste vollständig zerstörte. Am meisten litten die Häfen ' von Kamaishi, llZamada' und Myako. Die Verkehrsverbindungen haben außerordentlich stark gelitten. In Tanohata sind zwölf Menschen getötet und 45 werden vermißt. Aehnliche MÄdungen liegen aus Hokkaido, Sabishiro und Kisennuma vor. Im ganzen hat die verheerende Sturmflut nach den bisherigen amtlichen Mitteilungen etwa 480 Todesopfer gefordert. Ferner werden 1800 Verletzte und ^Vermißte gemeldet. bens habe ich unverzüglich dem Herrn Reichskanzler und dem Herrn Reichskommissar für das Land Preußen übersandt." Eine Kundgebung der Evangelischen Kirche. Berlin, 3.März. (CRD.) Der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß wendet sich mit einer Kundgebung an die Oeffentlichkeit. in der es heißt: „Die Evangelische Kirche hat den Berus, unabhängig vom Wechsel der politischen Lage dem ganzen Volk zu dienen. Daher hat die Kirche Recht und Pflicht zu seelsorgerischen Mahnungen, welche sich ohne Unterschied der Partei an alle Kirchenglieder richten: Ie mehr des Hasses, desto mehr Liebe. Ie mehr der Lüge, desto strengere Wahrhaftigkeit! Rehmt es ernst mit dem achten Gebot. Ie mehr des selbstischen Wesens, desto mehr selbstlose Hingebung an das, was des Rächsten ist und an das. was über alles steht: an das deutsche Volk, an das ganze Vaterland!" Keine Antastung der Beamtenrechte. Berlin, 3. März. (WTB.) Amtlich. Von übelwollender Seite werden Gerüchte verbreitet, wonach die Reichsregierung beabsichtige, nach den Wahlen die Rechte der Beamten anzu- t ast en. Jeder Einsichtige weiß, daß es sich hier wieder um eine verantwortungslose Wahlmache handelt. Ebenso wie der Herr Reichskanzler hat auch Herr Reichsminister Dr. Frick bei Üedernahme seines Ministeriums erklärt, daß die jetzige Reichsregierung den größten Wert auf ein sauberes, pflichttreues Beamtentum legt, das zu dem Staatsaufbau unentbehrlich ist. Selbstverständlich werden die Rechte eines solchen Beamtentums von der Reichsregierung geschützt werden. Verbot des Oruckereibetriebs der Frankfurter „Vottsstimme". Frankfurt a. M., 3. März. (WSN.) Heute morgen wurde in den Räumen der Frankfurter „V o l k s ft i m m e" eine polizeiliche Durchsuchung vorgenommen und einige politische Flugschriften beschlagnahmt. Die Fertigstellung der „Oberhessischen Volkszeitun g", die im Betrieb der „Dolksstimme" hergestellt wird, wurde verhindert. Auf Grund einer polizeilichen Verfügung wurde der „Volksstimme" die Fortsetzung des Druckereibetriebes bis einschließlich 14. März verbot en, well durch die Fortsetzung des Betriebs die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet sei. Erlaubt ift nur der Druck des von der Stadt Frankfurt herausgegebenen „Städtischen Anzeigenblattes". Umfangreiche Schiebungen beim Dortmunder Voltshausbund. Dortmund. 3. Marz. (WTB.) Auf Anordnung des Polizeipräsidenten hat oie Kriminalpolizei gegen die Dokshausbund GmbH, in Dortmund-Wellinghofen, die im Herbst 1932 in Konkurs geraten ift und zu deren Gesellschaftern der frühere Landrat des Kreises Hörde. Hansmann, der Stadtbaumeister Schilling, der frühere Amtmann von Wellinghofen D r e f i n g, jetziger Magistratsrat der Stadt Dortmund, und der un Jahre 1928 verunglückte Wirtschaftsdirektor Küch gehörten, ein Ermittlungsverfahren wegen Betruges, Untreue undKonkursverbrechen eingelex- tet. In diesem Ermittlungsverfahren wurde vorläufig festgestellt, daß die Geschäftsführer Hansmann und Schilling die Bolkshausbund GmbH., die einen rein privaten Charakter hatte, mit öffentlichen Geldern errichtet haben. U. a. soll der Landrat a. D. Hansmann eine Million Mark unverzinslichesundunkünd- bares Darlehen von der Kreisbau* g e s e l l s ch a f t sich habe geben lassen, die wahrscheinlich ähnlich verwendet worden sind, wie die Gelder der Bolkshausbund GmbH. Die Buchführung, die den Nachweis über den Verbrauch von 320 000 Mark Baugeldern erbringen sollte, war derart unsachlich geführt, daß die Klarstellung der Verhältnisse bei der Vollshausbund GmbH, außerordentliche Schwierigkeiten bereitet. Bei den Ermittlungen ist von Zeugen angegeben worden, daß Hansmann in den Jahren 1925 bis 1926 drei Millionen Mark von BerlinerStel- I e n für soziale Zwecke erhalten habe, über deren Verwendung er sich jede Kontrolle verbeten haben soll. Hansmannhat (ebenfalls nach Zeugenaussagen) in diesem Jahre eine Erholungsreise nach Norderney unternommen, für die er 1905 Mark beim Kreis liquidiert hat. Die von dem Äon- trollausschuh des Landkreises Hörde beim Minister des Innern in Berlin über diese Ausgaben erhobenen Vorstellungen sind zurückgeteie- s e n worden. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungsaktion sofort an die Staatsanwaltschaft abgegeben, die die Angelegenheit weiter verfolgt. Geschichte einer Narbe. Von Victor Klages. Die junge Dame sieht auf meine linke Hand. Springend, nervös ist ihr Blick. Biel Neugierde spricht daraus, aber nicht nur das. Ich fühle auch einen leisen Schauder. Was hab' ich denn an meiner linken Hand? Ich kenne sie doch seit über vierzig Jahren, und ich bin mir nicht bewußt, daß etwas Besonderes daran sei. Unwillkürlich betrachte ich die Hand. Die junge Dame lächelt. Ein bißchen gezwungen. Sann sagt sie: „Da — die Narbe." Ach so, die Narbe am kleinen Finger. Vorn Krieg? Nein, nicht vom Krieg. Die ist viel älter. Das war südlich von Neuseeland... „Erzählen", haucht die junge Dame. Gut. Aber es ist keine liebliche Geschichte. Heute, wenn ich zurückdcnke, lach' ich allerdings darüber. Damals hab' auch ich nicht gelacht. Seh' ich so aus, als ob ich Leichtmatrose auf einem Segelschiff gewesen wäre, das in der Südsee herumvagabundiert? Nein, nicht wahr? Ehemalige Seeleute stellt man sich für gewöhnlich anders vor. Ich spucke nicht ins Zimmer, ich trinke den Rum nicht aus dem Wasserglas, und mein Gesicht ist nicht pockennarbig — obwohl in den Iungensbüchern ehemalige' Seeleute immer pockennarbige Gesichter haben. Es läßt sich aber nicht leugnen, dah ich mit 17 Iahren Leichtmatrose auf der „Alcedo" war, die Kohlen von Australien nach Chile brachte. Wir hatten, der Windverhältnisse halber, den Kurs tief südlich um Neuseeland genommen, es gab schlechtes Wetter, und da der Kahn bis an die Luken mit Kohle vollgestopft war, konnten wir fast täglich — und nächtlich — Schwimmübungen an Deck machen. Das Thermometer zeigte nur ein paar Grad Wärme. Kein trockenes Hemd mehr in der Kiste, das Oelzeug, die Stiefel gründlich durchweicht: es ist einem nicht sehr wohl zumut in solcher Situation, eine warme Ecke bin- term Ofen bei Muttern geistert als Wunschbild in den kurzen Träumen. Ich war also keineswegs böse, als mich der Kapitän zur Aushllse in die Pantry befahl. Die Päntöh-ist ein netter Aufenthalt für Drückeberger. Da steht in dem engen Raum, geschützt vor Wind und Wellen, ein junger Mensch und putzt dem „Alten" und den Steuerleuten die Tischmesser, alle Minute einmal zieht er das Messer übers Putzbrtftt, und dann geht er hin und macht die Betten unh fegt aus und deckt den Tisch — es ist keine sehr romantische Beschäftigung, die der Kajütsjunge hat, aber im schlechten Weller ist sie Goldes teert Der Kajütsjunge lag mit Bauchgrimmen in seiner Koje. Da muhte nun ein anderer ran. „Hast du Schwein", sagten die Kameraden, als ich in das neue Quartier übersiedelte. Vielleicht eine halbe Stunde bin ich Kajütsjunge gewesen. Da passierte es. Donnerndes Poltern aus dem Salon des Kapitäns schreckt mich auf. Der Salon wird Segelschiffen während der Fahrt ausgeräumt, der Teppich wird weggenommen, Stühle und Tische werden zusammengesetzt und festgebunden, damit das Rollen des Schiffes nicht alles durcheinallderwürselt. Was kann da poltern? Eins, zwei bin ich an der Salontür, schon kommt der Kapitän schimpfend die Treppe zum Kartenhaus heruntergesprungen, — wir beide starren auf die Bescherung, aber wir müssen uns an der Türkante festhalten, denn die Bark macht ganz verrückte Hopser. „Lausebengel!" faucht der Alte. Ich versuche darauf hinzuweisen, daß der andere 3unge die Schuld habe, ich sei doch erst seit einer halben Stunde anwesend. Was hilft das! Wer da ist, hat immer schuld. Die große Medizinkiste, die auf einem Regal stand, ist herabgepurzelt: mein Vorgänger hatte vergessen, sie festzubinden. Das Schiff rollt stark, das heißt: mal liegt es nach Steuerbord über, mal nach Backbord. Die Medizinkiste macht daher Rutschpartien von Wand zu Wand. Und sie rutscht wunderbar. Denn in der Medizinkiste, die sich beim Stürzen geöffnet hat, war eine Flasche mit fünf Liter Rizinusöl: das blanke Parkett ist mit einem spiegelnden Teich von Rizinusöl bedeckt, und darin tummelt sich alles, was einmal schön geordnet in der Kiste lag. „Die Chininpulver!" brüllt der Alte. „Hol die Chininpulver aus dem Dreck heraus!" Ich bin in Seestiefeln. Die Stiefel sind gut gefettet; auch die Sohlen. Das Schiff taumelt hin und her, gestoßen von der mächtigen See. Ich werde auf dem Rizinusöl herrlich ins Schlittern kommen. Dreißig, vierzig zerschlagene Flaschen kollern am Boden... Befehl ist Befehl. Nirgends so tote an Bord eines Segelschiffes. Also hinein in den Teich und die Chininpulver gerettet. Ich stehe an der Steuerbordwand, will mich vorsichtig bücken. Da macht die „Alcedo" hops, und hatti hallo saust einer über die Rizinusbahn, schlägt hart an die Dackbordwand, kippt nach hinten und fällt. Mit der linlen Hand, die sich abwehrend ausstreckt, stürzt er in eine zersplitterte Glasflasche. Breit flieht das rote Blut. Der Alte schreit. Der Erste Steuermann kommt. Der Erste Steuermann pfeift. Ein Matrose rennt herbei. Ich bin aus dem Rizinus herausgekrvchen, I Fäuste pressen meinen linken Arm. Rund um den kleinen Finger ist das Fleisch bis auf den Knochen glatt durchschnitten. Ich kriege einen Verband und bin Kajütsjunge gewesen. Der Nächste vor! Auf meiner Seekiste im Logis hockend, mache ich drei Kreuze über dem kleinen Finger. Hoffentlich bleibt er dran. Zunächst einmal blieb der Verband. Der Alte hatte eine Scheu davor, ihn abzunehmen. „Laß das man erst ein bißchen heilen", sagte er. Das schlechte Wetter verzog sich. Da rief mich der Kapitän. Ich weiß es, als ob es gestern gewesen wäre. Der Alte sah auf der Fleischkiste, die auf dem Achterdeck stand, und neben ihm lauerte mit einem brennenden Lächeln der Zweite Steuermann Jessen. Der Verband wird abgewickelt. Es zeigt sich, dah der Finger zwar schon locker angeheilt ist, aber die Wundränder passen nicht auseinander. Der obere Wundrand steht um einen kleinen halben Zentimeter über. „Jessen", sagt der Alte, „holen Sie mal Ihr Koffergrammophon." Jessen holt schweigend das Grammophon. Offensichtlich ahnt er, was der Alte vorhat. Die Konservenmusik wird aufgezogen: es ertönt das Lied „Vilja, o Villa, du Waldmägdelein" — damals der neueste Schlager. „Schön, was?" sagt der Alte, und während diese merkwürdige Narkose durch das Gehör ein wenig zu wirken beginnt, reiht er mit einem Ruck den angeheilten Finger wieder ab — schwarz wurde der blaue Himmel, ganz schwarz. Als ich, Jahre später, nach Deutschland zurückgekehrt war, horte ich das Vilja-Lied in einem Kaffeehaus spielen. Die Leute, die mit mir am Tisch sahen, haben sich gewundert, dah ich plötzlich so bläh wurde... Dies, gnädiges Fräulein, ist die Geschichte meiner Narbe. * Ibsen als Maler. In Heisingborg hat die Ausstellung von zwei Gemälden des großen Dramatikers Henrik Ibsen viel Aufsehen erregt, und Tausende kamen, um sich diese Kunstleistungen des Dichters auf einem ihm fremden Gebiet zu betrachten. Die Bilder fesseln mehr durch die Persönlichkeit ihres Schöpfers als durch ihren künstlerischen Wert. Das eine stellt eine norwegische Gebirgslandschaft dar, das andere ein biblisches Motiv: den Erzengel Gabriel, wie er auf die Erde hinabsteigt. Ibsen hat nur ganz kurze Zeit in seiner Iugend gemalt und immerhin dadurch bewiesen, daß auch ihm ein Doppeltalent eigen war, wie es viele Poeten besitzen. CS sind nur fedj£ Bilder Ibsens aus der Jugendzeit bekannt, von denen zwei im Besitz der Familie Ibsen sind; das Schicksal zweier anderer ist unbekannt. Die beiden ausgestellten Werke gehören Dr. Odd Reimann, einem Urenkel des Apothekers, bei dem Ibsen in Grimstad seine Lehrjahre verbrachte. Die beiden Gemälde wurden vor einiger Zeit durch Zufall in einer Kammer der Apotheke von Grimstad entdeckt und jetzt wegen der Berühmtheit ihres Schöpfers der Ausstellung für würdig befunden. Zeitschriften. — Die Süddeutschen Monatshefte (München) bringen in ihrem neuesten Heft „Rote Kulturrevolution" durch Hans Richard Mertel, einen besonderen Kenner des ganzen Stoffes, zum erstenmal einen umfassenden, erschreckenden Ueberblid mit sehr vielen, bisher kaum bekannten Einzelheiten. Da ist ein besonders interessantes Kapitel „Der Sowjetrund- funk droht". Durch Briefwechsel mit den nach tausend Dingen fragenden deutschen Hörem spannt dieser Sender allmählich ein lückenloses Netz von Korrespondenten über Deutschland. Er arbeitet eng zusammen mit der deutschen kommunistischen Parteiorganisation, insbesondere mit dem „Freien deutschen Radiobund", dessen Mitglieder z.T. auch in der Funkspionage und in der Bedienung von Kurzwellensendern ausgebildet werden. Eine Reihe kommunistischer Geheimsender ist in Deutschland in Betrieb. Auch auf dem Gebiete der Schule empfangen die deutschen Kommunisten von Moskau bis in alle Einzelheiten gehende Weisungen. Der wichtigste Abschnitt über die geistige Bolschewisierung Deutschlands gibt einen umfassenden Ueberblid über Kultur und Literatur im roten Rußland, wobei die Anerkennung der angeborenen hohen künstlerischen Begabung des Russen für Theater und filmische Darstellung deren Vergewalllgung im Dienste des Bolschewismus nur um so greller hervortreten läßt. In Deutschland sind die roten „Kulturverbände" in einer Dachorganisation, der „Ifa", d. h. „Interessengemeinschaft für Arbeiterkultur", straff zusammengefaßt, angefangen von der «Proletarischen Freidenkerjugend" über die „3unge Volksbühne" und den „Arbeiter-Theater- bund" bis zum „Einheitsverband für proletarisch« Sexualreform". —• Nicht nur die Städte, auch das ganze flache Land wird durch die „Roten Spieltrupps" planmäßig bearbeitet, Jahr für Iahr stärker. Der Bolschewismus hat erkannt, dah der letzte Endkampf nicht ein Kampf zwischen wirtschaftlichen Programmen, sondern ein Kampf zwischen Religion und Gottlosigkeit fein wird. Dieses Heft zeigt jedem, daß das Wort .Kulturbolschewismus" wahrhasttg kein leeres Schlagwort ist. Aus der Provinzialhauptsiadt. Gegen die Nundfunk-Sabotage. Amtlich wird aus Berlin mitgeteilt: Die Versuche in der letzten Seit, Kundgebungen der Reichsregie' rung im Rundfunk zu stören, haben Anlaß zur erhöhten Wachsamkeit gegeben. Insbesondere wird auf das schärfste eingegrifsen werden, wenn absichtlich zum Zwecke der Störung des Rundfunks elektrische Anlagen in Betrieb gesetzt ober Störungen durch Rückkovvelungen heroorgerufen werden. 5)anblu**aen dieser Art werden nach dem Gesetz über Fernmeldeanlagen mit Gefängnis bestraft. Der Gesattenengedenktag in Lessen. Da- Hessische Gesamtministerium hat alle unterstellten Behörden angewiesen, aus Anlaß der am 12. März stattfindenden Gedenkfeier für bte im Weltkrieg Gefallenen sämtliche staatlichen und kommunalen Dienstgebäude halbmast zu flaggen. Wenn nn dem Gebäude nur ein Fahnenstock vorhanden ist, dann sind die Reichsfarben aufzuziehen: sonst sind neben der Reichsflagge auch Vie hessischen Landesfarben zu zeigen. Zackeizug der NSDAP, in Sietzen. Am heutigen Samstagabend findet im Rahmen der von der NSDAP, durchgeführten Werbung „Der Tag der erwachenden Nation" einFackelzugder Gießener Nationalsozialisten statt. Der Zug wird sich auf dem Brand platz formieren und von dort um 21.30 Uhr (9.30 Uhr abends) durch «Straßen marschieren: vom Brandplatzdurch inlage, Walltorstraße, Kirchenplatz, Markt- platz, Echulstraße, Sonnenstraße, Seltersweg, West- anlage, Bahnhofstraße, Neustadt zum Oswalds- garten, wo die Fackeln zusammengeworfen werden. Volksrechtpartei. Die Dollsrechtpartei hielt gemeinsam mit dem Sparerbund am Mittwoch im „Pfälzer Hof" eine Mitgliederversammlung ab. Bankbeamter Lorenz behandelte — wie man uns berichtet — das Thema: „Reichstagswahl und entrechteter Mittelstand". Zu Beginn seiner Ausführungen würdigte der Redner die Politik der am 30. 5a- nuar d. 3. zurückgetretenen Regierung Schleicher, die in einem Arbeitsbeschaffungsprogramm, sowie in der Beseitigung mancher Härten früherer Rotverordnungen den Grundstein zum Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes legte. Es sei zu hosfen, daß nach den Wahlen am 5. März wieder ernstliche Maßnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft getroffen würden. Es gelte, der Zusammenfassung aller christlichen und nationalen Vollskräfte und einer auf das Wohl des gesamten Volles gerichteten Regierungsarbeit die Wege zu ebnen. Für die Dollsrechtpartei, die sich diesmal nicht mit eigenen Listen an der Wahl beteiligen könne, komme nur die Unter- stützung einer der Parteien des Christlich-nationalen Blocks in Betracht, wobei der Redner besonders den Ch.istlich-Sozialen Dollsdienst her- vorhob. der sich grade auf sozialpolitischem Gebiet sehr bewährt hätte, llebrigens habe die Dollsrechtpartei schon wiederholt bei früheren Wahlen mit dem Dollsdienst Listenverbindung vereinbart gehabt. Auch sei diese Bewegung nicht mit der Jnflationspolitik und mit der Erfüllungspolitik belastet. Rur eine Regierung der breiten nationalen Konzentration könne sich Der- trauen bei der überwiegenden Mehrheit des deutschen Dolles verschaffen und den Aufbau auf allen Gebieten fördern. Der Kommunismus müsse auch durch eine Politll der nationalen Tat, durch Schaffung von Arbeit und Brot niedergerungen werden. Don der Regierung müsse man verlangen, daß sie nun mit einem klaren Programm hervortrete. Die Dollsrechtpartei gedenke heute weniger denn je im Kampfe für das deutsche Recht zu erlahmen, zumal ohne Erfüllung ihrer Forderungen auf Wiederherstellung des deutschen Dolks- vermögens, Zerreißung sämtlicher Tributverträge und endgültige Beseitigung der Kriegsschuld- und Entschuldungslüge die Kaufkraft der breiten Dollsmassen niemals wirksam gestärkt, die Produktion gehoben und die Arbeitslosigkeit vollkommen beseitigt werde. In diesem Wahlkampf gehe eS nicht um Sonderinteressen, sondern um Deutschland. Den mit Beifall aufgenommenen Ausführungen folgte eine kurze Aussprache, wobei noch einmal besonders die Unterstützung des Christlich-Sozialen DollSdiensteS hervorgehoben wurde. Bornotizerr. — Aus dem Stadttheaterbürv wird unS geschrieben: Sonntag, 5. März, zum letzten Male das ßuftfotel .Bargeld lacht" als Dolks- vorstellung zu kleinen Preisen. Don 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr. — Am DienStag. 7. März, 22. Dor- stellung im Dienstag-Abonnement, zum letztenmal daS Dauernkriegsdrama „Der Bundschuh" von Karl Reurath, 2. Abend im ZhkluS hessischer Dramatiker. Gewöhnliche Preise. Don 20 bis nach 22.30 Uhr. — Mittwoch, 8. März, 21. Dorstellung im Mittwoch-Abonnement, der Schwank .Da stimmt was nicht" von Franz Arnold. Gewöhnliche Preise. Don 20 bis 22.15 Uhr. - Freitag, 10. März, aus Anlaß der Feier des 70. Geburtstages des Dichters Gerhart Hauptmann, Erstaufführung des Schauspiels „Vor Sonnenuntergang" unter der Spielleitung des Intendanten, der auch die Rolle des Geheimrats Clausen spielt. 22. Darstellung im Freitag-Abonnement. Gewöhnliche Preise. Don 20 bis 22.45 Uhr. — Samstag, 11. Mä^z, letzte Aufführung der Operette .Das DreimäderlhauS". — Der Bezirksverein Rord-Ost hält am nächsten Donnerstag, 9. Februar, im Cafö Leib seine ordentliche Generalversammlung ab. Hiermit verbunden ist ein öffentlicher Lichtbilder- vartrag des Stadtbaurats G r a v e r t über das Thema: „Die bauliche Entwicklung des Rord- Ost^Biertels von Gießen". Zu diesem Dortrag hat jedermann freien Eintritt. Alle, die an der baulichen Entwicklung unserer Stadt Antell nehmen, seien schon heute auf diese Veranstaltung aufmerksam gemacht. Roheres in der Anzeige am kommenden Dienstag. ** Die Bier st euer- und Getränke- fteuerorbnung der Stadt Gießen liegen seit gestern während einer Woche im Stadthaus zur Einsichtnahme und Geltendmachung von eventuellen Einwendungen offen. Näheres ist aus der gestrigen Bekanntmachung ersichtlich.. ** Promenadenkonzert. Am Sonntag, 5. März, findet auf der Südanlage von 11 bis 12 Uhr ein Promenadenkonzert der Stahlhelmkapelle Gießen statt. ** Die Museen und Sammlungen im Alten und Neuen Schloß sind am morgigen Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet. ** Vom Fuhrwerk abgestürzt. Gestern nachmittag stürzte der Gefreite Karl Jung von unserem Bataillon, der am Bahnhof auf einem Mlli- tärfuhrwerk mit Strohladen beschäftigt war, infolge Scheuens der Pferde vor einer vorbeifahrenden Lokomotive vom Wagen herab. Der bedauernswerte Soldat erlitt dabei Kopfverletzungen, die aber zum Glück nur leichter Art find. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz brachte ihn nach der Chirurgischen Klinik. ** Städtische Brennholzversteige- rung. Bei der gestrigen Brennholzversteige- rung in den Waldungen der Stadt Gießen (Försterei Hochwart Fernewald) wurden im Durchschnitt folgende Preise erzielt: Buchenscheiter 9,00 Mark per Raummeter, Eichenscheiter 7,00 Mk., Kiefernscheiter 2. Kl. 5,00 Mk., Buchenknüppel 8,00 OHL, Hainbuchenknüppel 6.00 Mk., Eichenknüppel 1. Kl. 4,80 Mk., 2. Kl. 3,30 Mk., Ahornknüppel 5,40 Mk., Dirkcnknüppel 8,20 Mk., Aspenknüppel 2. Kl. 3,00 Mk., Kiefernknüpvel 2. Kl. 4,00 Mk., Fichtenknüppel 2. Kl. 3,40 Mk., Fichtenknüppelreisig 2,60 Mk., Buchenstöcke 4,40 Mk., Eichenstöcke 4,00 Mk., Kiefernstöcke 3,20 Mk., Cichennutzknüppel (Gartenpfosten) 7,00 Mk., per Raummeter, Eichenderbstangen (Deichseln) 2,00 Mark per Stück, Fichtenderbstangen 1. Kl. 1,20 Mark, 2. Kl. 0,90 Mk. per Stück, Buchenreisig 3. Kl. 16,00 Mk. per 100 Wellen. Rundfunkprogramm. Sonntag, 5. März. 6.35 älhr: Don Bremen: Hasenkonzert. 8.30: Friedenskirche Kassel: Morgenseier. 9.30: Stunde deS Chorgesangs. 11.30: Don Leipzig: Kantate von Iohann Sebastian Bach. 12: Marktredwitz: Mittagskonzert l. 13: Mittagskonzert i!. 14.40: Stunde des Landes. 15.30: Stunde der Iugend. 16.30: Rachnlittagskonzert. 18: „Aus der Arbeit der evangelischen Frauenhilfe", Dortrag von Kirchenrat D. Eisenberg (Kassel). 18.25: Vergnügliches Zwischenspiel. 19; Von Berlin: Konzert: dazwischen: Bekanntgabe der Wahlergebnisse bis zur Feststellung des vorläufigen Endergebnisses. Montag, 6. Marz. 7.30 Uhr: Frühkonzert. 12: Mittagskonzert I deS Rundfunkor^sters. 13.30: Mittagskonzert II. 17: Rachmittagskonzert. 18.25: Zwei Soldaten unterhalten sich: .Hessische Gardedragoner in Frankreich", Gespräch zwischen Walter Oertel und Hermann Koester. 18.50: Englischer Sprachunterricht. 19.30: Die Schleier fallen: Bilder aus der neuen Türkei von Prof. Klinghardt. 20.10: Trier: Drahms-Konzert. 21.35: Rahel Darnhagen - von Ense. Zu ihrem 100. Todestag. Vortrag von Dr. Hannah Arendt-Stern, Berttn. 22.05: Eine Frau begegnet Goethe. Aus den Briefen von Rahel. 22.50: Rachtmusik. Dienstag, 7. März. 7.30 Uhr: Frühkonzert. 12: Mittagskonzert I. 13.30: Mittagskonzert ll. 1520 bis 15.50: Haus« frauen-Rachmittag. 17: Rachmittagskonzert erwerbsloser Derussmusiker. 18.25: .Von der Häuslichkeit im 19. Jahrhundert", Skizzen von Dr. Helene Turnau, Frankfurt a. M. 18.50: „Die Frau im Lebensraum des Mannes", Gespräch zwischen Direktor Dr. Rompel, Mainz, und Frau Genzmer, Wiesbaden. 19.30: Balalaika-Konzert. 20: Hörfolge von Oscar Ludwig Brandt. 21: Operetten- Konzert. 22.30 bis 24: Rachtmusik. Mittwoch, 8. März. 7.30 Uhr: Frühkonzert. 10.10 bis 10.40: „Deutschen Handwerks Ehren-Kränzlein"; eine Hörfolge von Franz Wallner. 12: Freiburg: Mittagskon- gert I. 13.30: Mittagskonzert II. 15.15 bis 16.15: Stunde der Iugend. 17: Konzert. 18.25: „Am Schalter einer Krankenkasse", Gespräch« auS der Praxis. 18.50: Zeitfunk. 19.20: Selbstanzeige H. Heyck. 19.40: Kleine Stücke für Violine. Gespielt von Elisabeth Bischoff. 20.10: Unbekanntes Europa. Irland, die grüne Insel. Zusammengestellt von Ios. Eberle und K. Köstlin. 21.10: Konzert. 22.30: Krenek-Lieder. 23 bis 24: Rachtmusik. Donnerstag, S. März. 7.30 Uhr: Frühkonzert erwerbsloser Berufsmusiker. 12: Mittagskonzert I. 13.30: Mittagskonzert II. 15.30 bis 16.30: Stunde der Iugend. 17: Konzert. 18.25: „Ueber den Kulturfilm der Gegenwart", Gespräch zwischen Franz Taver 'Wartenberg und Richard Plaut. 18.50: „Krise des Schlichtungswesens?", Gespräch zwischen Stadtrat Dr. Michel und Clemens Rörpet. 19.20: Selbstanzeige: Edwin Erich Dwinger. 19.35: Mandolinen-Konzert. 20: Kampf um Land: Trockenlegung der Zuidersee. 21: Unterhaltungskonzert. Freitag, 10. März. 7.30 Uhr: Frühkonzert. 10.10 bis 10.40: Schulfunk „Meister Morse schreibt in die Ferne", Lehrspiel von Tissot. 12: Mittagskonzert I erwerbsloser Berusömusiker. 13.30: Mittagskonzert II. 17: "Nürnberg: Konzert. 18.25: „Fragen einer innerpolitischen Reugestaltung der Schweiz", Vortrag von Dr. H. A. Wyh. 18.50: Aerzte- Vortrag: „Ueber Blasenleiden". 19.30: „März": Das dritte Kalenderblatt. 20.05: Festsaal der Liederhalle Stuttgart: Symphoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Stuttgart. 22.45 bis 24: Darmstadt: Konzert des Darmstädter Kammerorchesters des Kampfbundes für Deutsche Kultur. Samstag, 11. März. 7.30 Uhr: Frühkonzert. 10.10 bis'10.40: Schulfunk: „Ein Tag im Auswärtigen Amt", Hörbild von Fr. C. Westphal. 12: Schallplattenkonzert. 13.30 bis 14.40: Mittagskonzert. 15.30 bis 16.30: Stunde der Iugend. 17: Konzert. 18.25: „Bei solchem Wetter wollen Sie fliegen?", Gespräch zwischen Dr. Orlovius, H. Brauer und Dr. Schmidt-Reps. 1850: „Berufsständische Fragen der Selbstverwaltung in der Landwirtschaft", Gespräch zwischen Redakteur Dr. Fritz Meske und Diplomlandwirt Völling. 19.40: Freiburg: Sol- datenlieder gesungen von Bruno Kerell. 20.30: Latin ö, Oper von DelibeS. 22.45 bis 24: Rachtmusik. Ein Polizei-Noirusauto verunglückt. WSR. Darmstadt, 3. März. In der vergangenen Rächt kam ein Polizei - R otruf- Auto, das einem anderen Fahrzeug ausweichen wollte, auf der vom Regen glatten Straße Bensheim—Dickenbach inS Rutschen und fuhr gegen einenTelegraphenmast, der zertrümmert wurde. Das Auto, wurde beschädigt und mußte abgeschleppt werden. Zwei Polizeibeamte tarnen mit leichten Verletzungen davon; die übrigen Insassen blleben unverletzt. 1 Daten für Samstag, 4. Marz. 1829: Der Ingenieur Karl Heinrich von Siemens in Menzendorf geboren. 1849: Verkündung der österreichischen Verfassung. 1852: Der russische Schriftsteller A. W. Gogol in Moskau gestorben. 1931: Der Biologe Erich Wasmann S. I. zu Dallenburg in Holland gestorben. Das WersinMe - hier ivird's Ereignis... Tatsachenberichte aus dem Reich des Okkulten. Gesammelt und nacherzählt von F. K Schlichters. VI. Astrologie, Chiromantie und der „Böse Blick". „In den Sternen steht's geschrieben .. Uralt ist der Menschheitsglaube, daß Menschen- und Weltengeschick von der Stellung der Gestirne bestimmt und regiert werde: die Astrologie, die aus diesen Stellungen alles Kommende zu errechnen sich vermißt, ist wohl die älteste aller Wissenschaften. Man kannte und übte sie aus im alten Aegypten, bei den Phöniziern, im alten Rom: jene Astronomen des Mittelalters, die uns die noch heute gültige Kenntnis der Planetensysteme schenkten, sind zumeist auch Astrologen gewesen: und gerade in unseren Tagen erlebt die Astrologie einen neuerlichen gewaltigen Aufschwung. Sterngläubiger war der Feldherr Wallen- st e i n, der auf die Berechnungen seines Astrologen ©ent schwor. Sterngläubiger war auch Rapoleon. So wird unter anderem berichtet, daß im Iahre 1806 einmal der General Rapp, in Rapoleons Zimmer eintretend, den Kaiser ganz in sich versunken fand. Dis der sich plötzlich umtoanbte, Rapp am Arm ergriff und chn fragte, ob er den Stern da oben sehe. Auf Rapps Antwort, er sehe nichts, fuhr Rapoleon fort: „Es ist mein Slem, er steht glänzend vor Ihnen. Er hat mich nie verlassen, ich sehe ihn bei allen großen Gelegenheiten. Er befiehlt mir, vorwärtszugehen, und ist für mich ein beständiges Zeichen des Glücks ..." Die Welt besitzt eine große Anzahl von aus den Gestirnen errechneten Prophezeiungen, die in Erfüllung gingen. Ein solcher Astrolog ist der schon einmal herangezogene große mittelalterliche „Magier" Rostradamus gewesen. Seine Prophezeiungen stützen sich zum großen Teil auf Errechnungen, die er aus der „Konjunktur" der Gestirne gewann. Wir finden unter seinen berühmten Vierzeilern sogar Prophezeiungen des — Weltkrieges! Darin sind erwähnt Flugzeuge und Unterseeboote — Weissagungen, die noch zu Ende des vorigen Iahrhunderts völlig dunkel und unverständlich waren und verlacht wurden ... Verblüffend sind eine Reihe von astrologischen Voraussagungen, die das Auftreten Luthers und des Dauernkrieges weissagten. So gibt es „Eine Weissagung Meister Antoni Torquatten, der Freyen Künste und Artzney Dr. und Sternsehers, von zukünftigem, unglücklichem Krieg und Verderben des ganhen Europa. Zugeschrieben dem theuren Fürsten Matthias, König zu Hungarn. Rach der Geburt Christi 1480“. Da heißt es: „Zu diesen Zeiten, Anno 1524 und 1525 werden viel und groß Aufruhr in deutschen Landen erwachsen. Die Bauern werden sich wider den Adel sehen ..." Aber wir brauchen in diesem Zusammenhang gar nicht so weit in der Geschichte zurückzuschauen! Achtzehn Iahre vor Ausbruch des Weltkrieges stellte der englische Astrologe Se - pH ar i al dem deutschen Kaiser Wilhelm II. das Horoskop. Es heihj darin: „Es rann kein verhängnisvolleres und weniger königliches Horoskop unter den Regierenden von Europa gefunden werden, als das des Kaisers, ausgenommen etwa das des Sultans der Türkei Abdul Hamid. Das Los des Kaisers ist so, daß er fast den ganzen Besitz verlieren wird." Verblüffend in diesem Zusammenhang ist, daß Sepharial auch ans dem Horoskop Friedrich Eberts, des ersten Präsidenten der deutschen Republik, seinen beispiellosen Ausstieg zur Macht las ... Reben der Astrologie ist auch die Kunst der Chiromantie, der Handlesekunst, in unseren Tagen zu neuem Ausschwung gekommen. Ein Beispiel einprägsamer Art erzählt Schrenck- Rotzing in seiner Schrift „Handlesekunst und Wissenschaft". Rach ihm hat seinerzeit die berühmte französische „Meisterin der Handlesekunst", Madame Fraya, dem stellvertretenden Direktor des Laboratoriums für pathologische Psychologie an der Pariser Hochschule Dr. Da - s ch i d e seinen Tod genau aus den Handlinien borauSgefagt. Der Gelehrte, der häufig mit Madam^ Fraya experimentierte, hatte sie wiederholt im Scherz gefragt, wann er „abmarschieren" werde. Sie versprach ihm noch eine ganze Anzahl von Jahren: aber im Iahre 1904 eröffnete zsie ihm eines Tages, fast ohne es selbst zu wollen, daß er nach drei Jahren an einer Lungenentzündung sterben werde. Die Prophezeiung erfüllte sich —: Dr. Vaschide erlag am 13. Oktober 1907 im Alter von nur dreiunddreißig Jayren einer Lungenentzündung ... Zum Schluß noch ein Beispiel vom „Lesen" der Zukunft —: vom Kartenlegen. Die englische Schriftstellerin Florence M a r r y a t erzählt: Als ich — viele Jahre bevor ich etwas vom Spiritismus hörte — in Brüssel lebte, machte ich die Bekanntschaft einer Mrs. Thorpe, einer Witwe, die als Erzieherin einiger junger Belgierinnen von vornehmer Herkunft angestellt war. Rach einiger Zeit hörte ich von anderen Bekannten, daß Mrs. Thorpe sehr geschickt im Kartenlegen sei, und als wir eines Tages allein waren, bat ich sie, mir doch meine Zukunft vorauszusagen. Mrs. Thorpe bat anfangs, davon abzustehen. Ihre Prophezeiungen hätten sich immer als so zutreffend erwiesen, daß sie sich geradezu davor fürchte, Blicke in die Zukunft zu tun. Auch habe der Baron, in dessen Hause sie angestellt sei, ihr ernstlich verboten, sich, solange sie bei ihm weile, mit Kartenlegen abzugeben. Aber ich bat sie unter Zusicherung unverbrüchlichen Stillschweigens so lange, bis sie endlich nachgab. Sie sagte mir dann voraus, daß mein erster Gatte, der Oberst Roß-Church. der öamalS In Indien schwer krank darniederlag, nicht sterben werde, wohl aber sein Bruder Edward Church: daß ich in meiner ersten Ehe noch ein Kind bekommen würde, eine Tochter mit besonder- schönem Haar und Teint, die sich als das begabtere von meinen Kindern erweisen werde: daß ich nach der Geburt dieser Tochter nicht mehr lange mit meinem Manne Zusammenleben werde. Alle diese zu jener Zeit wenig wahrscheinlichen Ereignisse sind in der Tat restlos genau eingetroffen! Mrs. Thorpe vertraute mir noch, sie habe ihre Kunst von einer Schülerin jener italienischen Oräfin, die dem ersten Rapoleon immer die Karten legte. Aber das Kartenlegen sei keine Kunst und könne nicht gelehrt und nicht gelernt werden — es beruhe auf Inspiration... Gibt es den sog. bösen Blick, so, wie ihn viele Menschen und Völker — vor allem die Südländer — als Tatsächlichkeit glauben? — Diese Frage läßt sich für uns nicht stellen: es handelt sich für uns nur um jene Fälle, bei denen dieser sogenannte „böse Blick" als okkultes Phänomen aufgetreten sein soll. Es gibt in diesem Zusammenhang einen Bericht der französischen Reisenden Madame d'Aulnoh, die 1679 durch Spanien reiste und ihre dortigen Eindrücke und Erfahrungen in ein Buch bannte. Sie hat u. a. folgende Geschichte von einer jungen Spanierin zu hören bekommen: „Mit Ihrer freundlichen Erlaubnis! Sie müssen wissen, daß es in diesem Lande Leute gibt, die ein solches Gift in den Augen haben, daß sie, wenn sie jemanden, vor allem ei,n kleines Kind, starr ansehen, verursachen, daß er an der Auszehrung stirbt. Ich habe einen Menschen gesehen, der ein also süchtiges Auge hatte: da er nurt die Leute krank machte, wenn er sie mit diesem Auge ansah, so zwang man ihn, es mit einem Pflaster zu bedecken, denn das andere war unschädlich. Wenn er manchmal bei guten Freunden war, brachte man ihm wohl einige Hühner, worauf er sagte: Sucht euch eins aus, daS ich totsehen soll. Zeigte man nun auf ein kleines, bann blickte er dies starr an. llnö dann sah man es ein paar Mal im Kreise umher taumeln und nach kurzer Zeit tot niederfallen ..." Daß die Schlangen „tötende Augen" besitzen, ist ein alter Volksglaube. Er wird — laut Seligmann, „Zauberkraft des Auges" — belegt durch den französischen Forscher Levaillant, der in der Beschreibung seiner „Zweiten Reise im Innern Afrikas" — 1755 — folgende Beobachtung berichtet: Auf einem Daum sitzt ein Buntspecht und schreit und windet sich in Krämpfen. In seiner Rähe liegt auf einem Zweig eine große Schlange, regungslos, mit vorgestrecktem Kopf, die den Vogel mit funkelnden Augen anstarrt. Der hat anscheinend die Fähigkeit, davonzufliegen, verloren. Ein Begleiter des Forschers geht eine Flinte holen. AIS er zurückkommt, ist dcr Dunt- specht tot: ein Schuß tötet die Schlange. Levaillant untersucht den Vogel aufs genaueste: keine Spur irgendeiner Verletzung. Die Entfernung zwischen den Tieren hatte ungefähr vier Fuß betragen. Ein S^ingenerlebnis, vielleicht von noch grausigerer Art, erzählt auch Schopenhauer in seinem Werk „Dre Welt als Wille und Vorstellung" : Ein europäischer Reisender auf Java geriet während einer Bergbesteigung in einen luchten Wald. Mit einem Mal bemerkt er auf den Aesten eines hohen DaumeS eines der reizenden javanischen Eichhörnchen, deren Köpfchen ganz weiß sind. Zierlich und behend kletterte es vergnügt auf und ab. Kaum aber war es etwas tiefer hinuntergekommen, als es plötzlich in größter Aufregung wieder hinauf rannte. Jetzt werden die (Befragungen des anscheinend schreckentsehten Tieres wild. Dem Reisenden schien eS, als suchte das Eichhörnchen ein Hindernis zwischen sich und den unteren Teil des Baumes zu legen. Schließlich aber duckte es sich und verblieb unbeweglich in derselben Stellung zwischen zwei Aesten. Der Reisende begriff, daß das Geschöpfchen in Gefahr schwebte, sah aber nichts Gefährliches ringsum. Er kam näher, und wie er nun aufmerksam spähte, entdeckte er in einer Vertiefung des Baumes eine schwarze Ratter, deren Augen unverwandt aus das Eichhörnchen gerichtet waren. Die Schlangen Jjaben keinen besonders feinen Gehörsinn, und überdies war die Ratter derart mit ihrem Opfer beschäftigt, daß sie die Gegenwart eines Menschen gar nicht zu bemerken schien. Unter Reisender war bewaffnet und hätte dem armen Tierchen zu Hilfe kommen können, indem er die Schlange tötete. Allein die Reugier siegte über das Milleid: er wollte den Ausgang deS spannenden Schauspiels ansehen. Der Ausgang war ein tragischer. Das Eichhörnchen stieß jetzt einen jammernden Schrei auS, der denjenigen, die ihn kennen, die Rähe einet Schlange verrät. Run kam es näher, nun versuchte es au entrinnen, kam wieder näher, versuchte wieder zu entweichen, rückte aber immer mehr in die Rähe der Ratter. Diese, zusammengerollt, mit dem Kopf aus den Windungen ragend und unbeweglich gleich einem Stück Holz, wandte ihren Blick nicht von der Deute. Das Eichhörnchen kletterte von Ast zu Ast immer tiefer, bis es endllch auf dem kahlen Tell des Daumastes angelangt war. Das arme Tier, als es so weit war, versuchte nicht mehr, seinem Vev- hängnis zu entfliehen. Wie von einer unbesiegbaren Macht angezogen und gleichsam im Taumel, stürzte es sich in den Rachen, den die Schlange Plötzlich gewaltig aufgerissen hatte, um eS m Empfang zu nehmen... ...... S.Ji.-^pOTt Kampf um die Punkte. Wiederum zwei Verbandsspiele. Die Kämpfe um die Meisterschaft in der 1. Bezirksklasse der Gruppe Lahn im Bezirk Hessen-Hannover neigen sich ihrem Ende zu. Der morgige Sonntag bringt für die Gießener Mannschaften zwei Verbandsspiele, die allerdings nach Lage der Sache, noch keinen entscheidenden Einfluß auf die Klärung der Frage nach dem Meister der 1. Bezirksklasse bringen können. Immerhin stehen den beiden Mannschaften hartnäckige Kämpfe bevor. vfv. I. — Frohnhausen 1. VfB. empfängt die 1. Elf von Frohnhausen auf dem Waldsportplatz. Ob das Spiel ausgetragen werden kann, ist nicht so sehr sicher. Es wird auf die Platzverhältnisse ankommen, die gegenwärtig wenig töstlich sind. Wie das Spiel ausgehen wird, ist nicht vorherzusagen. Die Frohnhausener haben in ihrem jüngsten Spiel gegen die 1900er auf ihrem eigenen kleinen Platz sehr geschickt, teilweise auch sehr körperlich gespielt und nicht zuletzt dadurch den Sieg an sich gerissen. Die Frohnhausener spielen auf Erfolg, und die Grünweißen werden sich darauf einstellen müssen, wenn nicht eine unangenehme Ueberraschung beschert sein soll. Zeigen die Grünweißen wieder ein Spiel, wie es am Vorsonntag geschah, dann sind die Aussichten nicht schlecht. Allerdings wird in der Mannschaft Knaus und Singel fehlen. Knauß wird durch Kreß ersetzt. Die Mannschaft tritt in folgender Aufstellung an: Balser; Wilhelm, Leutheuser; Lehrmund, Kreß, Feuster; Schmidt, Mattern, Fehling, Haupt, Ritter. * Die 2. Elf des V f B. empfängt auf eigenem Platz einen sehr schwer zu nehmenden Gegner und zwar die l.Elf des VfR. Butzbach zum Ver» bandsspiel. Das Vorspiel in Butzbach wurde von den Grünweißen knapp verloren. Die Butzbacher stellen eine sehr starke Mannschaft, die mit Recht gefürchtet ist. Die BfB.er, die. sich für dieses Spiel viel vorgenommen haben, werden sich allerdings sehr anstrengen müssen, wenn sie gewinnen wollen. Die 3. Mannschaft spielt, ebenfalls auf dem Waldsportplatz, gegen die l.Elf des VfR. Lich. Der Ausgang des Spieles ist nicht vorauszusagen. 1900 l. in Ockershausen. Die Punkte sind der Mannschaft sicher. Ockershausen trägt das Spiel auf Grund besonderer Umstände ohne Anspruch auf die Punkte aus An sich und nur sportlich gesehen, bedeutet das Spiel gegen Ockershausen für' die Blauweißen einen schweren Gang. Es wird nicht leicht sein, auf dem Platz von Ockershausen Lorbeeren zu ernten. Die 1900er haben sich in letzter Zeit auch nicht so zuverlässig gezeigt, daß man mit einer bestimmten und genau einzuschätzenden Leistung rechnen könnte. Die Aussichten, in Ockershausen zu gewinnen, sind nicht sehr groß. Wenn sich die Mannschaft in der Spitzengruppe halten will, ist sie auf die Punkte angewiesen, die aus den noch ausstehenden Spielen zu erringen sind. Die Situation in der Tabelle ist gegenwärtig noch reichlich unklar. Ockershausen führte mit knappem Vorsprung von VfB. und 1900 Gießen. Die Marburger verscherzten sich, wie man von gutunterrichteter Seite hört, allerdings eine Reihe von Punkten und gerieten dadurch in das Hintertreffen, so daß VfB. Gießen an der Spitze der Tabelle liegt. 1900 folgt punktgleick) mit weiteren Konkurrenten. Gegenwärtig läuft allerdings noch ein Protest der Spielvereinigung, der feinen Abschluß in der Neu- ansetzung des Spieles gegen Frohnhausen finden kann. Dadurch würde den Blauweißen eine Chance von entscheidender Bedeutung gegeben sein. Rach Lage der Sache liegt die Möglichkeit nahe, daß die endgültige Entscheidung über die Meisterschaft der 1. Bezirksklasse im Lokalderby 1900 — VfB. fällt. Für das Gießener Sportpublikum würde das die interessanteste ^Begegnung der Saison bedeuten. Zunächst bleiben aber die Ergebnisse des morgigen Sonntags abzuwarten. öonöbail im Gau Hessen (D.T.) T-v. Heuchelheim — Spvg. 1900 Gießen. Heuchelheim erwartet am morgigen Sonntag auf eignem Platze die Mannschaften der Spielvereinigung 1900 Gießen zu fälligen Rückspielen. Die 1. Mannschaft der Gäste unterlag in ihrem letzten Spiel gegen den Gegner vom Vorsonntag, 1846 Gießen I nur ganz knapp und hat in letzter Zeit noch an Spiel- stärke gewonnen, so daß für die Einheimischen auch diesmal eine Niederlage unvermeidlich sein wird. Jedenfalls ist ein spannender Kampf zu erwarten. Vorher stehen sich die 2. Mannschaften beider Vereine ebenfalls im Gesellschaftsspiel gegenüber. Rettungsschwimmer-Lehrgang der DLRG. Der Bezirk Oberhessen der Deutschen Lebens- Rettungs-Gesellschaft (DLRG.) beginnt in der nächsten Woche mit einem Lehrgang zur Ausbildung von Rettungsschwimmern, zu dem sich über 50 Personen, darunter auch einige Damen, gemeldet haben. Ein einleitender Bortrag geht dem praktischen Teil voraus. Ein Vortrag, der von Regierungs-Medizinalrat Dr. Kortüm gehalten wird, schließt sich dem praktischen Teil an. Der Lehrgang ist öffentlich. Die Ausbildung im Rettungsschwimmen geschieht an sechs Abenden im städtischen Volksbad. Am Ende des Lehrgangs findet die Prüfung statt. Unterricht und Prüfung erteilen bzw. halten ab die Lehrscheininhaber der DLRG. und Mitglieder der Sanitätskolonne. Neuer Sieg von Anton Seeros. Slalomlauf des Deutschen Skiverbandes. Bei prächtigem Sonnenschein und famosen Schnceverhältnissen wurde am Donnerstag im Gebiet der Hochalm der Slalomlauf des Deutschen Ski-Verbandes ausgetragen. Die Organisation durch den Ski--Elub Garmisch klappte in allen Einzelheiten, die zahlreichen Zuschauer erlebten auf dem schwierigen Hinderniskurs tollkühne Fahrten der besten deutschen und österreichischen Abfahrtsläufer. Der in ganz großer Form befindliche Tiroler Anton S e e l o s - Seefeld lief wieder mit 59^4 Sekunden für einen Lauf die beste Zeit des Tages heraus und nach seinem Erfolg in der Abfahrt ging er damit als überlegener Sieger in der Kombination hervor. Bei den Damen war im Slalom die Salzburgerin Käte Lettner die Schnellste und auf Grund ihrer guten Rote im Slalom gewann sie auch die Kombination vor der Abfahrt-Siegerin Life Resche-Partenkirchen. OZB.-Mannschast gegen Kombination Eintracht-ZSV. Der Deutsche Fußball-Bund hat sich endgültig entschlossen, am Mittwoch, 8. März, in graut» Wochenbericht vom frankfurter Schlachtviebmarkt. Wie wenig stabil die Preise an den Viehmärkten sind, zeigte auch der letzte Frankfurter Schlachtviehmarkt. Trotz der Bemühungen um eine Auftriebsregelung sind die Preise wieder nicht unerheblich gefallen. Die infolge der enorm verringerten Zufuhr in der Vorwoche erfolgte Hausse auf dem Schweine- markt ist in dieser Woche zunächst zusammengebrochen. Die Nachfrage der Metzgerschaft ließ deutlich erkennen, daß die auch bei den Ladenpreisen eingetretene Erhöhung eine noch schwächere Kaufneitzung auslöste. Die Beschickung stellte sich mit 5 664 Stück um rund 1108 Tiere höher. Trotz ermäßigter Preise war der Verkauf schleppend; selbst am Nebenmarkt verlief das Geschäft bei einem Zutrieb von nur 508 Schweinen langsam und es verblieb noch Ueberstand. Die Preise gingen um 5 bis 6 Mark per Zentner zurück und notierten wie folgt: c) 36 bis 40, d) 35 bis 39. Am Rindermarkt betrug der Auftrieb 1537 gegen 1429 Stück, war also um 106 Stück stärker. Nach ruhigem Handel und durchweg bis zu 1 Mark nachgebenden Preisen verblieb Ueberstand. Ochsen al) 26 bis 29, a2) 23 bis 25, bl) 20 bis 22. Bullen a) 25 bis 28, b) 21 bis 24. Kühe a) 22 bis 25, b) 19 bis 21, c) 16 bis 18, d) 12 bis 15. Färsen a) 27 bis 30, b) 24 bis 26, c) 21 bis 23. Dagegen zeigte sich der Kälbermarkt dank seiner wesentlich geringeren Beschickung (1431 gegen 1814 Stück) ziemlich widerstandsfähig. Der Markt konnte bei um 1 bis 2 Mark anziehenden Preisen ausverkauft werden. Kälber b) 36 bis 40, c) 30 bis 35, d) 25 bis 29. Auch am Schafmarkt konnten sich die erhöhten Preise der Vorwoche gut behaupten. Das Geschäft verlies-ziemlich lebhaft, so daß der Auftrieb von 270 (minus 8) Stück geräumt wurde. Schafe al) 25 bis 28, b) 21 bis 24. * Guter Erfolg der Bayerischen 40-Millionen-Anleihe. Die neue 40» Millionen-Anleihe des Bayerischen Staates hat, wie der Landesdienst des SEB. erfährt, eine rund 50prozentige Tleberzeichnung des aufgelegten furt a. M. ein Tlebungsspiel für das am 19. März in Berlin stattfindende Länderspiel gegen Frankreich auszutragen. Das Spiel wird mit Reichstrainer Otto Rerz als Schiedsrichter durch- gcsührt. Da Rerz die ursprünglich vorgesehene südbayerische Hintermannschaft (Jakob—Haringer —Wendl) für dieses Spiel nicht freibekommen. konnte, hat er auf die altbewährte und zur Zeit wieder in bester Form spielende Eintracht-Verteidigung Schütz-Stubb zurückgegriffen, die durch Buchloh (Speldorf) im Tor ergänzt wird. Die Läuferreihe bilden Grämlich (Eintracht), Bender (Fortuna Düsseldorf) und Mantel (Eintracht). Im Sturm seht sich die Mischung von süddeutschem mit westdeutschem Clement fort. Cs spielen: Langenbein (VfR. Mannheim), Fischer (Pforzheim), Hohmann, Rasselnberg (beide VfL. Benrath) und Kobierski (Fortuna Düsseldorf). Den Gegner gibt eine Kombination der beiden Frankfurter Mannschaften Eintracht und Fußballsportverein ab. Fußballsportverein wird voraussichtlich die Hintermannschaft und die Läuferreihe stellen, während im Angriff hauptsächlich Eintrachtspieler zu finden sein dürften. Niederrhein auch gegen profi-fußbatt. Bei seiner Propagandafahrt für den Berufs- Fußball stieß der Vorstand des Westdeutschen Spiel-Verbandes auch in dem sehr starken Bezirk Riederrhein (Duisburg — Hamborn — Oberhausen—Mülheim) auf Widerstand. Es wurde zwar keine Abstimmung vorgenommen, aber die Versammlung sprach sich eindeutig gegen die Pläne des WSV. aus, man will keinen Berufs-Fußball, sondern ein „gemischtes System". Mach den bislang abgehaltenen Versammlungen zu urteilen, steht schon jetzt fest, daß der MSV. auf seiner Wahlversammlung für die Einführung des Derufsfpielertums keine Mehrheit finden wird. Massachusetts Rangers in München. Der Eishockey-Weltmeister Massachusetts Rangers gab am Donnerstag ein Gastspiel in München und trat gegen den deutschen Meister SC. Rießersee an. Die Münchener lieferten eine ganz famose Partie, waren aber den Amerikanern, die schließlich 5:1 (2:0, 0:0, 3:1) gewannen, in der Stocktechnik und in der Schnelligkeit unterlegen. Betrages bisher ergeben. Dabei ist festzustellen, daß Tlmtauschmeldungen bei weitem nicht in dem möglichen Betrag vorliegen, so daß also der weitaus größere Teil der Zeichnungen sich aus Reuzeichnungen zusammensetzt. Berlin lebhafter und fest. Berlin, 3. März. (WTB. Funkspruch.) Die Kaufneigung des Publikums hat eine weitere, nicht unbeträchtliche Belebung erfahren, wss ausschließlich auf anregende Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft zurückzuführen war. Der gute Abschluß der Seehandlung, das Zustandekommen der Verlängerung des Stillhalteabkommens der Länder und Gemeinden, abnehmenden Feierschichten im Ruhrbergbau, steigende Sparkasseneinlagen im Januar und die Möglichkeit einer Rückzahlung von 16 Millionen Dollar des Reichsbankkrediskontkredites waren solche Momente. Demgegenüber zeigten sich die Aktienmärkte gegenüber den alarmierenden Nachrichten aus Amerika, wo die Bankenkrise rasch um sich greift, völlig immun. Das schwache Neuyork wurde lediglich zur Kenntnis genommen. Das Kurs- nioeau lag zu Beginn des Verkehrs bis zu 2 v. H. höher. Nennenswerte Rückgänge waren überhaupt nicht zu verzeichnen, dagegen erschienen einige Papiere mit Plus-Plus-Zeichen. Werte wie Schlesische B.-Gas, Deutsche Waffen, Dortmunder Union, Eisenbahnverkehr, Schuckert, RWE., Rheag, Chade, (Eontigummi und Ilse Bergbau waren 2,50 bis 5 v. H. gesteigert. Rheinische Braunkohlen, die allerdings einen recht engen Markt haben, gewannen 8,50 o. H. Im Verlaufe vermochten sich die auf ein seit geraumer Zeit nicht mehr erreichtes Niveau gestiegenen Kurse durchweg gut zu behaupten. Verschiedentlich setzten sich sogar weitere Besserungen bis zu 1 v. H. durch. Salzdetfurth zogen nochmals um fast 3 v. H. an. In Farben, Rheinstahl, RWE. und einigen anderen Werten kamen wieder Stillhaltegelder zur Anlage. Deutsche Anleihen, variable Jnduftrieobligationen und Reichsschuldbuchforderungen blieben gefragt und etwas fester. Auch für die übrigen festverzinslichen Werte erhielt sich Interesse, was um so beachtlicher ist, als die gestrige Neuyorker Diskonterhöhung die Hoffnungen auf eine Ermäßigung des Wirtschaft. deutschen Satzes fürs erste zurückgedrängt hat. AuSh länber lagen leicht unregelmäßig. frankfurter Abendbörse fest. Frankfurt a. M., 3. März. Die Abendbörse blieb auf der ganzen Linie f e ft Auf neu eintref« sende Kundenorders hin nahm auch die Kulisse weitere Deckungen vor, so daß sich das Geschäft ziemlich lebhaft gestaltete, wenngleich sich das Hauptinteresse auf Spezialwerte konzentrierte. Die Aufwärtsbewegung wurde vielfach durch austretenden Materialmangel begünstigt. Im Mittelpunkt der Nachfrage standen Montanwerte und JG.-Farben, die gegen den Berliner Schluß bis zu 1 v. H. höher eröffneten. Auf den übrigen Marktgebieten betrugen die Befestigungen von 0,50 bis 0,75 v. H. Aus eine angeblich im Verlauf der Neuyorker Börse aus- gebrochene Hausse setzten sich die Kurssteigerungen im Verlauf der Abendbörse fort. JG.-Farben erneut plus 1 v. H., im übrigen etwa 0,50 bis 0,75 o. H. Weiter gefragt waren Conti-Gummi, die zunächst 4 v. H. höher taxiert wurden und schließlich mit 132 v. H. rationiert zuv Notiz kamen. Am R e n t e n m a r 11 lag die Altbesitzanleihe relativ lebhaft. Späte Reichsschuldbuchforderungen, Dekosama sowie einige Goldpfandbriefe waren bis zu 0,50 v. H. fester. Neubesitz 9,10, Altbesitz 70,25, Dekosama 64,25, Reichsbank 150,75, Gelsenkirchen 61,50, Harpener 89,75, Mannesmann 61,50 bis 62, Rheinstahl 78,50, Aku 38 bis 39, Deutsche Erdöl 94 bis 95, JG.-Farben 114,75 bis 115,75. Eewinnauszug 5. Klaffe 40. Preuß.-Süddeutfche (266. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lofe gleicher Nummer in den beiden ___________Abteilungen I und II_____________ 20. Ziehungstag 2. März 1933 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinne zu 75000 HL 105108 2 Gewinne zu 26000 M. 81822 4 Gewinne zu 1 0000 M. 14 Gew "ne zu 6000 M. 184498 46507 285912 94185 185064 246779 271925 327997 24 Gewinne zu 3000 M. 389843 4774 33381 102891 105484 157382 222032 297304 304613 359717 367283 369395 372996 54 Gewinne z» 2000 M. 3824 6896 8890 12488 51499 64983 62885 142213 149591 156185 163646 180387 198957 205908 215517 219116 220943 243973 265037 272748 304762 326777 326901 347034 361618 106 Gewinne zu 1000 M. 365480 12448 393096 16778 17886 24305 37407 40383 44450 57650 71287 72977 77525 85197 93177 106742 117231 124115 131658 139630 144878 149563 151031 153711 167542 167594 169734 169748 171058 194909 196267 196893 211072 236981 239735 241415 244977 246162 247937 250703 256083 263714 283946 298157 304768 316564 317859 319914 340515 371025 371757 375080 384239 390484 396522 204 Gewinne zu 500 M. 1622 9024 9437 10299 27269 34398 34838 37218 39286 40088 44900 47135 60561 60200 63731 63858 70554 71680 73975 85476 89564 89969 92378 103905 105312 109012 109530 118921 127758 129290 130910 131043 136115 142572 145176 145899 147051 152624 160260 163895 166080 166197 171082 178727 181817 188901 189623 190156 195158 208723 212946 214455 221867 223891 227589 231008 232264 235206 235876 264774 272189 273428 280044 284499 286887 287373 287488 287793 288218 291245 301498 302630 307584 308997 310884 313095 316946 323178 327361 327861 329055 334645 335171 335827 336477 338173 347022 356810 357631 360653 364106 366081 366455 367907 388032 372100 393204 377550 396529 384517 386461 386778 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 12 Gewinne.u 5000 M. 170823 223803 270701 348833 356758 377075 24 Gewinne zu 3000 M. 61289 87154 111710 130650 182288 205630 207614 228932 265527 289428 298954 397874 52 Gewinne zu 2000 M. 8065 33645 40851 48864 51693 57632 80022 100331 123021 125040 127632 128271 153368 166273 186767 237784 262144 272198 299581 301908 315519 320585 342780 352139 366450 385641 78 Gewinne zu 1000 M. 30195 30791 31043 45859 63930 69803 70908 92237 97024 101065 129885 134047 139325 144503 182132 185832 205451 205498 210786 258475 259166 260244 262686 279549 281721 287262 290700 293161 313074 315341 342185 342410 348375 356773 362672 373331 393023 393849 394821 144 Gewinn- zu 500 M. 5137 14285 27526 27706 34584 38167 39793 45084 63317 60769 64283 66655; 75343 81042 93535 110009 113037 121340 128074 130377 133522 135692 141762 149216 1496581 151386 153597 159596 165994 169563 174556 179505 190097 191663 196731 201404 204812 229731 238636 240642 247558 248399 263076 255560 261644 262431 269276 274990 277328 285232 285759 290989 296898 302923 304054 308717 309458 309734 321151 326842 341777 343012 351043 352450 352768 357795 358891 370913 377399 378640 379713 393662 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 100000, 2 zu je 50000, 14 zu je 25000, 60 zu je 10000, 158 zu je 5000, 276 zu je 3000, 882 zu je 2000, 1830 zu je 1000, 2964 zu je 500, 8596 zu je 400, u. 100 Schluß. Prämien zu je 3000 M. Kurszettel der Berliner und frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., 8ornbardzinsfuß 5 o. H. Iranlfun a. JJL Berlin Schluß«! kurs Schlußk. Abend« börsc Schluß» turs Schlüße. Ulittag« börse Datum 2.3. | 3.3. 2-3- 3-3. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1921 78,25 78,5 78,5 78,5 6% ef)em.7% Di. Reichsani. v. 1929 92,13 91,8 91,75 92,25 &/t% Doung-Anleive von 1930 .. 80 79,75 80 79,75 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mü Auslos.-Rechten ............ 69,13 70,25 69,13 69,5 TeSgl. ohne Auölos.-Rechie...... 8,9 9,1 8,9 9 6% ehern. 8% Hess. Bolksstaat 1929 trückzahlb 102%) ........... 77,5 77,5 77 77 Oberhessen Provinz-Anleihe mu Auslos.-Rechten ............ 64 64 Deutsche Komm. Sammelab l.Am leihe Seriel mit Auslos.-Rechten 63 64,25 62,75 63,65 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Banl Golvpse. 15 unkündbar biö 1935 84,5 85,5 6% ehem. 7% Franks. Hyp.-Bmil Goldvse. 16 unkündbar bis 1936 84,5 — _ y/i% ehern. 4Y2% Franks. Hhp.. Bank-Liau.-Pfandbriefe ..... 85,75 86,65 _ 6%% ehem. 4Yt% Rheinische Hyp.-Bank-Liau.-Goldpfe..... 6% ehem. 8% Pr. Landespfand briesanstall, Pfandbriefe R. 19 85,5 86,25 84 84,25 83,75 84 6% ehem. 7% Pr. LandeSpfand- Brief an ft alt, Pfandbriefe R. 10 84 84 4% Oesterreichische Goldrenre... 14 13,75 13,75 13,5 4,20% Oesterreichische Silberrente — 1,25 4% Ungarische Goldrenre ....... — — — 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 — —- — 4%% desgl. von 1913 ........ — — — 6% abgest. Goldmexikaner von 99 6,13 6,13 — — 4% Türkische Zoll anleihe von 1911 5,2 5,35 5,3 5,4 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie! ................... — — j ,65 4% desgl. Serie 11 ............. 5,5 5,65 5,6 5,7 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 6,9 6,9 10.4 4^,%Rumän.vereinh.Rentev.l913 10,4 — — 4% Rumänische vereinh. Rente .. ■%% Anatolier............... 5,4 5,525 — 5,5 26,5 25,5 25,4 25,3 ;vraniiun a. jji. Äcr.in Schluß« kurs Schlüße. Abend« börse Schluß» lurch Schlüße, mittag» börse Datum 2.3- 3.3. 2.3. 3.3. Hamburg-Ämerika-Pakei ..... u 17,4 17,65 16,9 17.4 Hamburg-Südam. Dampsschisf. 0 — — — —— Hansa Dampsschifs........... 0 — —— — Norddeutscher Lloyd ......... 0 17,13 18 17,13 17,75 A G. für Verkehrüwesen Akt. .. 0 40,5 43 41 43,5 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 98 98 98 98 Commerz, und Privai-Bank... 0 53 53 53,5 53,5 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................ 0 71 70,75 71 7^75 Dresdner Bank.............. 0 61,75 61,5 61,5 61,5 Reichsbank ................. 1 148,5 150,75 147,75 149,75 A.E.G...................... 0 30 31,75 30,13 31,4 Elektt. LiefenmgSgesellschaft... 6 80,5 82,5 —— 82,75 Licht und Kraft ............. 6 92 94,5 92 93,5 Felten & Guilleaume ........ 0 52,5 54 51,75 53, /d Gesellschaft für Elektrische Unter- 79 82 81,25 nehmungen............... 4 79 Rheinische Elektrizität ........ ö 95.5 100 95,5 100 Schuckert LCo.............. 0 87,5 91,25 87,25 90,5 Siemens & Halske........... 9 132 137 132 136 Lahmeyer L Eo.............. 10 117,5 118,5 115,75 118,5 Buderus ................... 0 47,5 90,25 48,5 47 48,5 Deutsche Erdöl ............. 4 95 —— 93,5 Gelsenkirchener.............. 0 59,5 87 61,5 59,13 60,65 Harpener................... 0 89,75 87 88,5 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen.. 0 —— — 54.65 57 Ilse Bergbau ............. 7 —- — —— 141 Ilse Bergbau Genüsse........ 7 101,75 103,5 101,75 103 Klöcknerwerke ............... 0 46 48 45,5 47 Mannesmann-Röhren........ 0 59,5 61,5 59,4 60,75 Mansselder Bergbau......... 0 25,5 26,5 26 27,25 Oberschles. Kokswerke......... 0 — 68 5 70 Phönix Bergbau............. 0 35 35,75 34,5 35,25 Rheinische Braunkohlen ...... Rheinstahl.................. 10 204,5 214 206 213,5 0 76,5 78,5 76,75 77,75 Frankfurt a.M. Serlin Echluß- kurs Schluß!. Abendbörse Schluß« kurs Schlußk. Mittag» börie Datum 2.3. 3.3. 2.3. 3.3. Bereinigte Stahlwerke........ u 35,25 36 5 35,13 35,75 Otavt Minen ............... 0 14,25 15,25 14,5 15,25 Kaliwerke Aschersleben........ 6 117 119 117 25 118,5 Kaliwerke Westeregeln........ 6 118,5 120,5 119,5 120,75 Kaliwerke Salzdetrurth....... 9 172 176,5 173 176,5 3. G. Farben-Jndustrie....... 7 111,5 115,75 111 113,65 Scheideanstalt............... 10 158,5 160,75 — — Goldschmidt ................ 0 38,5 40.25 37.65 34 Rütgerswerke ............... 0 43 45 42,75 44,75 Metallgesellschaft............. 0 33 33 — — Philipp Holzmann........... 0 48,25 50 48,5 49,75 Zementwerk Heidelberg ...... Cementwerk Karlstadt......... 4 0 49,5 50,25 — —— Wayß & Frehtag ............ 0 4 4 _ Schultheis Payenhoser........ 0 100 102,5 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 37,25 39 36,75 38 Bemberg................... 0 43,75 46 43,25 46,25 Zellstosi Waldhos............ 0 47,5 51,25 48 25 50 Zellstoss Aschassenburg ....... 0 22 25 22,5 23 Dessauer Gas .............. 7 — — 113,4 115 Daimler Motoren............ 0 ?4 5 Deutsche Linoleum .......... 0 36,5 36,5 35,75 Orenstein & Koppel .......... 0 39,5 43,9 Leonhard Tietz.............. 6 35 35 34.25 33 Lhade ...................... 12 123,5 126 123.13 125,25 Krihner.................... 0 26 25,5 26 26,25 Mainkrafiwerke Höchst a.M. ... 4 67,5 67,5 — - Süddeutscher Zucker ........ « 1 145,5 146,65 146,5 147 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. N. 2. Mär, 3. März Amtliche Notierung Amtliche Notierung («eld Brie Geld Brie- Helsingfors.. 6,354 6,366 6,384 6,396 Wien....... 48,45 48,55 48,45 48,55 12.465 12,485 12,465 12,485 Budapest ... Sofia ...... 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland .... 170.33 170,67 170,38 170,72 73.48 73,62 73,88 74,02 Kopenhagen. 63,99 64,11 64,24 64,36 Stockholm... 76,12 76,28 76 47 76,63 London ..... 14,34 14,38 14,46 14,50 Buenos Aires 0,833 0,837 0,833 0,837 Neuyork.... 4,209 4,217 4,209 4,217 Brüssel----- 59,12 59,24 59,12 59.24 Italien..... 21,52 21,56 21.52 21,56 Paris...... 16,605 16,645 16,61 16,65 Schweiz ... 82,12 82,28 82,17 82,33 Spanien.... 34,87 34,93 34,87 34,93 Danzig.... 82,47 82,63 82,47 82,63 Japan ...... 0,859 0,861 0,869 0.871 Rio de Jan. 0,239 0,241 0,239 0,241 Jugoslawien 5,554 5,566 5,554 5,566 Lissabon.... 13,07 13,09 13,15 13,17 Banknoten Berlin, 3.März Geld Bries Amerikanische Noten.............. 4,20 4,22 Belgische Noten.................. 58,96 59,20 Dänische Noten ................. 63,87 64,13 Englische Noten ................. 14,42 14,48 Französische Noten............... 16,57 16,63 Holländische Noten............... 170,01 170,69 Italienische Noten................ 21,45 21,53 Norwegische Noten .............. 73,70 74,00 Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling — —- Rumanikche Noten............... 2,46 2,48 Schwedische Noten............... 76,30 76,60 Schweizer Noten................. 81,99 82,31 34,73 34,87 Ungarische Koten................ ti, 311 SZS sW -fest 0er ei' Mir kommt Sx M terW K । "„Ufa®/* Eigentum »«■ Wien veE Augenblicks, ohn rilt, um aus der unö Fach zu kom nicht nur derer die kommen wer Ordnung de> ein LnM --u- » letzt Sebrciben zu oe>r ton Grund a |o einrammen w nimmer als nur1 m vertilgen sind. jrohePenok kommt daraus an vas wir jetzt tw für eine Aeihe^ Messender kann 1 gäbe, vor die sich cines neuen 2ke uichnct werden a zriedrich Lis Zchnbrccher eines Mich die Ersü! an den glücklichen geknüpft hatte, n geschah grade da um die Zukunft d< Man begnügte sich auf der alten 6tä |ii kommen, und M Form und > mb Wirtschaft v mpaßte Gelege tieberum an eil Sie entscheidende men jeden von Kation die and ist sie geteilt öeschlechter nicht \ Bitterfeit zurüäb - üuinnis, das «f Machen toar? Denn diese Wahl eil, 6nbe und I kr Schlußstein sei jungen, mit bei Mentarischen Den fr eine praktische Nöten des Auc cie muh aber auch , fitr, aus bem unfi m „anbere Drbn "licht, ben Orunbfl ton, wenn wir i HWn unb Pr, [wm Jahrzehnt er haben. Es kai tifin wir aus ber . Weimar in ih *5yng ein Lruch ■iilung war, entf< ? ,'m «inne e ,:.£Mrung Wer S5- der ben ( i 'W5 nach [einer ( .|»Äs । Wach von Weimi "I ^r Qtabemi« r "enn er sagst ■ ^.mofratie n L Jnten und VV'nem sp«j ■ L'tz-n-L sobald ste nr i ^tlvickillng te^inb.: EMke ^5n£-öeife ! rStzLZi § non %! ^Itv 'n m Ani9en bl Js\^te ste ! !rnrtei[ “°es 9Üt, i ’Menfi reatt 'ReiS"-die h.J,2ni >uz d'-Aus > Staa ^um nur f0‘ Ser R ». NuZ beuut ^nte^^lid ■ bs» -