Mittwoch. 4- Januar 1955 Nr.Z Erstes Blatt 185. Jahrgang Rom. Januar 1933. I Wieder einmal ein „Jahr der Entscheidung. Für die Krisis, wie e$. heißt, für die große Po- litik, die in Wirklichkeit gemeint ist. Für jenes Europa, mit dem sich Frankreich identi,iziert, lautet die Frage einfach: Wie sprengen wir Deutschland und Italien ausernan- der? Wobei als richtig unterstellt wird, was noch zu beweisen wäre — daß nämlich der alte Dreibund in etwas veränderter Form schon wieder vorhanden sei und nicht mehr und nicht weniger als eine Schicksalsgemeinschaft für Rom erscheine. Auch Ungarn, Du l g ar ien, durch eine königliche Heirat verbunden, und die T u r k e i gelten als bereits gewonnen. Und der bewahrte Zündstoff ist in Serbien reichlich vorhanden. So sieht man die Dinge jedenfalls in Paris an und ruft daher mit wachsender Nervosität nach dem „großen Botschafter", einem neuen Dar- r e r e dem die gleiche Ausgabe wiederum zufalle, wie sie 1914/15 so überaus glücklich gelost worden sei. Das „Journal des Debats" fügt auch sogleich hinzu wie die Sache angepackt werden müsse: Schluß mit den bisherigen Tastversuchen! Daß der Quai d'Orsay entschlossen sei, eine radikale Aenderung herbeizuführen, Italien, koste es, was es wolle, herüberzuziehen, wissen „Intransigent wie .Liberte". Man müsse die Sentimentalismen über Dord werfen, nicht immer mit pathetischem Augenausschlag von der lateinischen Schwester schwärmen und die lateinische fraternite anrufen, denn es habe sich herausgestellt, daß das fascht- stische Italien für solche Mandolinenständchen taub sei. Reale Angebote, also! Sin rauchender Trümmerhaufen. Wie die Japaner Lchanhaikwan erstürmten. Peking, 3. Ian. (Reuter.) Aach Meldungen aus zuverlässiger chine, sicher Quelle besteht Schan- haikwan nur noch aus rauchenden Trümmerhaufen, unter denen die verkohlten Leichen von 500 Soldaten und zahlreichen Zivilisten lägen. Don chinesischer Seite wird weiter erklärt, daß die Japaner bei dem Schlußangriff am Dienstagnachmittag auch Tanks einsehten, und unter dem hö l schen Feuer der Artillerie der keine weiteren Kreise ziehen wird. Während von sozialistischer und linksliberaler Seite Maßnahmen des Dölkerbundes gegen Japan zum Deispiel in Form eines Doykotts befürwortet werden, hält die konservative Presse an der Auffassung fest, daß sich jede Aktion dritter Mächte auf Bemühungen zur Wiederherstellung des Friedens beschränken sollte. Erwähnenswert ist eine Aeuherung des „Daily Telegraph", Groß- britannien habe keinen Grund, sich mit seinem altenund stolzen Freund und vormaligen Bundesgenossen Japan zu ent- zweien, „das mit Recht als Hauptbollwerk gegen den Bolschewismus im Fernen Osten betrachtet wird'. annaqme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Neichspfennig, Plahvorschrist 20' , mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich sür Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und lür den Anzeigenteil i.D.TH.Kümmel iämtlid) in Gie;en. the right place! Und so präsentierte man ihn zum Jahreswechsel dem Duce als Regenten für den Palazzo Farnese, als den ersehnten großen Botschafter. De Jouvenel wurde mit seiner Wahl an der blauen Küste „überrascht" und beeilte sich mit der höflichen Bescheidenheit, die den Politiker von Rang auszeichnet, zu versichern, daß er sich der schweren Ausgabe kaum gewachsen fül)le. Nimmt aber vielleicht doch an. In der deutschen Botschaft wetzt man schon die Klingen, und der neue Herr in der Billa Wolkonsky, vonHasse11, ist froh, daß er kein o in seinem Namen hat. Denn böse Zungen verbreiten die Mär, alle die mit einem o gezeichneten Botschafter des Reiches in Rom hätten ihm nur Unglück gebracht. Dor allem Monts und Bülow. Tritt man aus den diplomatischen Lehrsälen ins Freie, in die harte Klarheit der römischen Sonne, so will es einem allerdings scheinen, als ob das Duell nicht übers Schnupftuch hinweg entschieden werden könne, als ob auch Italien dabei mitzureden habe, das Italien von 1933, das nicht das willensschwache Kind von 1914 ist. Es ist in einer Kriegsschule groß geworden, es ist mit seinen Schwachen fertig geworden und bringt einen ungewohnt energischen Ton in das feine Spiel der Kabinette. Es fragt zum Beispiel nur: Wollt ihr eure Hand von Serbien zurückziehen, wollt ihr das Mare nostro ohne Umschweife anerkennen? Und schon wird der große Botschafter um eine klare Antwort verlegen sein. pogramtschnaja von den Japanern besetzt. Peking, 4. Ian. (WTD. Reuter) Wie verlautet, sollen trotz der Bewegungen chinesischer Truppen in der Provinz Tschili die japanischen Militärbehörden davon überzeugt sein, daß Tschangsuelian nicht beabsichtige, zu kämpfen. Die hiesige japanische Gesandtschaft erklärt, daß Japan bereit sei, ein Kompromiß m i t China einzugehen, falls China es ebenfalls wünsche. Aus Tscharbin wird gemeldet, daß die Japaner die Stadt Pogranitschnaja, die mandschurische Endstatton der ost-chinesischen Bahn, besetzt haben. Oer neue Krieg im Fernen Osten Was sagen die Mächte zum Vorstoß Japans? Ein „großer Botschafter" gesucht $rati ei -s Fühlungnahme in Hom. Bon unserem römischen ^-Korrespondenten. Erfcheini täglich, nutze, Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert« (BieRener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl» Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. §ernsprechanschlüfse unter Sammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach» richten Anzeiger Stehen. Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Jahresbilanz der Weltwirtschaft. Don Dr Hermann Levy, Professor an der Universität Lettin. Wellwirtschaftlich gesehen ist das Jahr 1932 voller Hoffnungen gewesen, die aber nur zum Teil in Erfüllung gegangen sind und deren zukünftige Verwirklichung an der Wende des Jahres noch zweifelhaft erscheint. Das hinter uns liegende Jahr hat einerseits — und schon das allein könnte ein wirtschaftlicher Markstein sein — eine endgültige Bereinigung der deutschen Re- jarationslei ft ungen gebracht, aber diese Bereinigung ist viel zu spät erfolgt, um etwa ofortige umwälzende Veränderungen der chroni- chen Weltwirtschaftskrise bedeuten zu können. Außerdem hat diesem Plus in der wirtschaftspolitischen Entwicklung sogleich ein Minus gegenüber» gestanden: Die Vereinigten Staaten haben sich einem Schuldennachlaß gegenüber ihren früheren Verbündeten und jetzigen Schuldnern unnachgiebig gezeigt und damit die Weltwirtschaft nach wie vor mit einem Faktor belastet, der die Belebung weiter Handelsgebiete unter» höhlt. Unzweifelhaft haben sich, besonders in der ersten Hälfte des Jahres 1932 Symptome einej allmählichen Besserung der Weltwirtschaft- lichen Lage, besser gesagt: eines gewissen Stillstandes in der Verschärfung der seit 1929 immer heftiger werdenden Krisis gezeigt. Diese Besserung ging von den großen überseeischen Roh- stosf-, Nahrungs- und Genußmittel- ländern aus; es zeigte sich, daß die verhängnisvolle Usbererzeugung, die sich in einer bisher in der Wettwirtschaft noch nicht dagewesenen Häufung von Vorräten und Lagern ausdrückte, allmählich zu verebben beginnt; das zeigte sich bei der Wolle in Australien, vielen Metallen der Weltwirtschaft, dem Kautschuk der so schwer bedrängten ostindischen Gebiete, der Seide Japans, und zahlreichen überseeischen Nahrungsmitteln. Die „kleine" Rohstoffhausse, die sich hier zu entwickeln schien, wurde vielleicht als der Ausgangspunkt einer vielleicht universellen Wirtschaftsbelebung der Welt aufgefaht, da ja die überseeischen Nahrungsmittel- und Rohstoffgebiete wiederum als Kunden europäischer Industrien eine besondere Bedeutung haben. Aber der Fortbestand dieser „Hausse" erscheint am Ende des Jahres keineswegs gesichert, obschon die Tatsache einer gewissen Schrumpfung der bisher vorhandenen übermäßigen Bestände, die von einer Saison in die andre hinüber einen Druck übten, fortbesteht. Aber gerade auf diesem überseeischen Gebiete ist eine große Hoffnung enttäuscht worden: nämlich die Erwartung einer Wiederbelebung der Wirtschaft i n den Vereinigten Staaten von Amerika. Diese Hoffnung war genährt worden durch das großzügige Kreditprogramm der Reconsttuktion Finance Corporation, von der man eine Ankurbelung der Wirtschaft erwartete, vor allem aber hoffte man, daß nach der neuen Präsidentenwahl die politische Beruhigung die latenten Kräfte einer Wohlstandsentwicklung in der Union zur Entfaltung gelangen lassen werde. Hiervon ist nun leider wenig zu spüren. Im Gegenteil. Der englische „Economist" läßt sich am 3. Dezember aus Neuyork berichten- „Die nach allen industriellen Richtungen hin erhoffte Steigerung des Order-Eingangs wie man sie nach der Präsidentenwahl erwartete, ist ausgeblieben." Man wird sich berechtigterweise fragen, woher es kommt, daß trotz mancher Ansätze zu einer Besserung, wie man sie im Jahre 1932 konstatieren kann — auch für Deutschland sind unzweifelhaft solche Symptome vorhanden: Stillstand in der Steigerung der Arbeitslosigkeit, Besserung auf ver chiede- nen Gebieten der Schwerindustrie beute von einer durchgreifenden und vor allem von einer gesicherten Aufwärtsbewegung noch n i ch t gesprochen werden kann. Die Antwort ist leider nicht allzu schwer. Es gibt genügend Entwicklungen in der Weltwirtschaft gerade dieses Jahres, welche eindeutig bartun können, daß ihre Krankheit n och keineswegs an der Wurzel geheilt ist. Im Laufe des Jahres haben sich auf dem so wichtigen Gebiete der internationalen Währung immer größere Schwierigkeiten ergeben. Auch hier sind Hoffnungen und Enttäuschungen festzustellen. England hatte im Herbst 1931 von dem Verlassen des Goldstandards erhebliche Vorteile erwartet Es hoffte einen Teil seiner Schulden (nämlich die in Pfund Sterling zu zahlenden) mit einem Federstrich herabzusetzen, wenn das Pfund Sterling einen geringeren Wert erhalte es hoffte ferner, daß das sinkende Pfund eine Ausfuhrprämie für die englische Industrie bedeuten werde. Diese Hoffnungen haben sich nid) t e r f ü I l t. Erstens hat der hauptsächlichste Gläubiger Englands, die USA., seine Forderungen d.e in Dollars zu zahlen sind, nicht ermäßigt, so datz heute die englische Staatsschuld in .^funben ausgebrud, hierdurch gesteigert wird, zweitens haben bie Lander der Weltwirtschaft sehr prompt aus ben eng- lischen Währungs-„Schachzug .^°6^t 'N^msie sich entweder dem Papierpfunde anhangten oder, wenn sie beim Golde blieben, ha"delspolitische Maßnahmen gegen bas gefahrvolle Dalutabumping schufen ihre Zölle gegen England steigerten, Einfuhrerschwerungen erließen usw. Die Folge 'st Spesen, daß die Ausfuhr Englands im Jahre 1932 gegenüber dem letzten vollen Jahre mit noch vorhandener Goldwährung, also deml Jahre 1930» erbe b l i ch durüdgegangen ist, in den ersten neun Monaten 1932 um zirka 40 v. H. und gerade am stärksten nach den Goldstandardlandern, von und der Kriegsschiffe seien die Stadtmauern niedergelegt worden, so daß japanische Infanterie und Kavallerie durch die Breschen in die Stadt eindringen konnten. Es habe sich e i n wilder Straßenkampf entwickelt, bei dem ein Bataillon Chinesen vollständig aufgerieben worden sei. Bald flammten durch Brandbomben zahlreiche Feuer auf, in deren Schein es zu Rah- tämpfen kam, bis die Chinesen sich in die zweite Verteidigungsstellung etwa zwei Kilometer außerhalb der Stadt zurückziehen mußten, wo sie sich wieder sammelten und zu neuem Widerstand rüsteten. Rach we t.'ren chinesischen Meldungen sollen noch drei japanische Kriegsschiffe in Tschingwangtau eingetrofsen sein. Sie sollen versucht haben, Marinesoldaten an Land zu sehen, was jedoch durch die chinesischen Truppen verhindert worden sei. Geteilte Meinung in Paris. Die Linke fordert Intervention Frankreichs. Paris, 5. Jan. (WTB. Funkspruch.) Die Verschärfung des chinesisch-japanischen Konfliktes nimmt bie Aufmerksamkeit der französischen Ocffentlichkeit stark in Anspruch. Die Linkspresse, bie bie Vö 1- ferbunbsgrunbfäfje burch Japan verletzt glaubt, erwartet, baß bie französische Negierung von sick) aus einen Schritt unternehmen werde. Die Rechtspresse bagegen, bie im mandschurischen Konflikt offen für Japan Partei er grif- f e n hatte, sucht für bie jetzige Lage ben Völkerbunb verantwortlich zu machen. So erklärt ber Außen- politiker des „Echo be Paris", durch die Intervention von Genf fei ber Streit überhaupt nicht mehr auf ein bestimmtes Gebiet beschränkt, bie gemäß ben Grunbsätzen des Völkerbundes vorgenommene internationale Dermittlungsaktion habe nur ein Intrigenspiel heraufbeschworen, dessen Ende man nicht absehen könne. „ ., Im „Populaire" erklärt L6on Blum, Frankreich müsse unverzüglich die Initiative übernehmen und den Angreifer brandmarken und entwaffnen, die offiziellen Beziehungen zu ihm abbrechen, ihm jede öffentliche und private Unterstützung nehmen und vor allem seinen unerschütterlichen Beschluß proklamieren, niemals eine vollendete Tatsache anzuerkennen. Wenn man daraus Hinweise, daß Japan aus dem Völkerbund ausschei- den werde, so sei zu antworten, daß em verstümmelter Völkerbund immer noch besser sei, als em entehrter. Besorgnis in England. London, 4. Ian. (WTB. Funkspruch.) Der Ausbruch neuer Kämpfe an der chinesischen und mandschurischen Grenze wird von der Londoner Presse mit Bedauern und Besorgnis besprochen doch wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es sich um einen örtlichen Vorgang handele, Die Stunde hat geschlagen, vorwärts! Der gute be Beaumarchais ist trotz feinem vielen Hin unb Her zwischen Rom und Paris mit leeren Händen gestorben, setzen wir also einen Mann auf ben Botschasterstuhl, einen Marfchall, mit einem Wort einen Sarrere! Hat nicht ber Senator Henri Verenger, Dorsitzenber im Auswärtigen Ausschuß vom römischen Vottakongreß bie Überzeugung'mitgebracht, baß man Italien gewinnen könne, wenn man nur ben Faschismus streichle? (Unb bas ist wahr, so überschwänglich hat noch selten em Aus- Innber bas Weihrauchfaß vor bem Duce unb dem denen man erwartet hatte, sie würben sich bas i , billige" Pfund durch Einkäufe zunutze machen. Als Folge aller dieser sowohl finanzpolitisch wie kommerziell für England sehr unliebsamen Entwicklungen hat sich im letzten Teil des Jahres eine neue Pfundbaisse herausgebildet, welche nicht nur für England, sondern für bie ganze übrige Weltwirtschaft neue Gefahren bringt. Denn diese Pfundbaisse hat die erwartete Stabilifierung des Pfundes wieder in weitere Fernen geruckt und damit bleibt einer ber größten währungspolitischen Unsicherheitsfaktoren in ber jetzigen Weltwirtschaft bestehen. Die Zerklüftung ber Valuten, bie bis zum Jahre 1929 schon zu einer gewissen W,ederaus- aleichung geführt hatte, ist ^iber im Jahre 1332 weiter gebiehen als je, und die Mitschuld hieran trägt unzweifelhaft bas englische ^ührungsexpen- ment vom vorigen Jahre, bas in diesem Jahre eine jo ganz andre wie bie erwartete, „günstige Wirkung gezeigt hat. Damit ist aber auch schon eines zweiten Fragenkomplexes gebacht, ber bie Wettwirtfchastslage weiter ungünstig beeinflußt. Nicht nur die valutansche, sondern, eng damit zusammenhängend, aud) Die handelspolitische Zerklüftung hat zugenommen. Die erhöhten Zölle gegen das Valutadumping sind nur ein Teil ber Gesamtentwicklung gewesen, die darauf abziett, die weltwirtschaftlichen Länder immer mehr von einander zu trennen. Zollerhöhungen, Einfuhrerschwerungen, Elnsuhrkontm- gente, Bestimmungen über den Devlsenverkehr welche den Handel lähmen, sind auch cm Jahre 1 *32 das „Zeichen der Zeit" gewesen. Keine Erleichterung ist hier zu verspüren, im Gegenteil bie Abmachungen Englands mit seinen großen Dominions und Kolonien Kanada, Südafrika, Australien und Ostindien zum Zwecke gegenseitiger Bevorzugung haben einen weiteren ..Block "/Uerhalb der Wellwirtschaft geschaffen, der, vom brittsch-impe- Italienische Zottunionsplane. Albanien Witt nicht. Albanien scheint offenbar im Begriff zu sein, auf dem europäischen Schachbrett wieder eine Rolle zu spielen. Nach einer englischen Zeitungsmeldung soll es sich gegen ben Vorschlag Italiens, einen Z o 11 u n i o n s v e r t r a g abzuschließen, zur Wehr gesetzt haben. Wenn bas richtig ist, bann müssen plötzlich gewisse Mächte in Tirana Oberwasser bekommen haben, die nicht italienfreunblid) sind und die Albanien jetzt aufputschen wollen, sich allmählich von der italienischen Vormundschaft zu befreien. Vorläufig glauben wir aber nicht daran, daß bie albanische Ablehnung auf Einwirkungen von außen, etwa von Sübf laroien her, zurückzufuhren ist. Italien hat es verstauben, Albanien in ein ausgesprochenes Hörigkeitsverhält- n i s hineinzumanövrieren. Albanien ist für ben italienischen Nachbarn lebiglid) die eingangs» pfortezumBalkan. Italien hat ja auch in ben letzten Jahren aus Albanien einen militärischen Stützpunkt erster Drbnung gemacht, besten Ausgabe barin dejteht, bei einer künftigen Auseinanbersetzung auf bem Balkan einem italienischen Landungskorps ben Rücken zu becken. Sollten bie Italiener tatsächlich ben Albanern nah ege legt haben, einen Zoll- unionsDertrag abzuschließen, so Haden wir es hier doch mit einem recht interessanten Vorgang zu tun, ber an bem gescheiterten Versuch, Zwischen Deutschland unbOe st erreich ein ähnliche» Abkommen zustandezubringen erinnert. Damals war Oesterreich bereit, sich wegen seiner wirtschaftlichen Schwäche mit uns zu einigen, es befanb sich also in einer ähnlichen Situation wie Albanien« Nur hat auch Italien mitgeholfen, die Zollunion zu zerschlagen. , „ rialen Stanbpunkt aus gesehen vielleicht ein Fortschritt ist, vom Standpunkt der auf internationalen Austau ch gerichteten Weltwirtschaft aber lediglich eine neue gefährliche Zerklüftung bedeutet. Vor allem aber ging England, um überhaupt der Konferenz von Ottawa die Wege zu bereiten, im Fruh- ahr 1932 endgültig vom Freihandel a b unb schuf ein umfaffenbes Schutzzollsystem, dessen Kernstück bie Vorzugsbehanblung ber Ko l o - nie n ist. Aber auch bie heute golbreidjen Lanber, die sich bisher von ber Wettwirtschaftskrifis verschont glaubten, haben biefe im Jahre 1932 schwer zu spuren bekommen. So bie Schwe i z, deren Goldbestände heute trotz ihrer nur vier Millionen betragenden Bevölkerung an vierter Stelle unter ben Staaten ber Well stehen; bie Verkehrs- und Fremdenindustrie ber Schweiz liegt brach, well der Frembenstrom im Verebben ist, was sich wieberum aus den Dcllutaschwierigkeiten der Lander ergibt, deren Menschen bisher die Schweiz besuchten, die Ausfuhr ist stark im Sinken und em größeres Defizit meldet sich im Schweizer Staatsbudget. Man kann zusammenfassen: bas Jahr 1932 hat bewiesen, baß Seime ber © e f u n b u n g m ber Weltwirtschaft vorhanben sinb. Aber diese Keime scheinen burch das Fortbestehen wirtschaftspolitischer Fehlsysteme ber Gefahr bes E r stickt werdens ausgesetzt. Die internationale Wahrungsfrage unb bas interalliierte Schulbenproblem sinb noch ungelöst. Ihre enbgültige Lösung wurde gleichzeitig eine Aushebung der ^ehlleitung bes Goldes unb eine Wieberbelebung der internationalen Tauschwirtschaft bedeuten. Wirb die kommende Wettwirtschaftskonferenz diesen Fragen mit wirklicher Energie gegenübertreten? Nur wenn sie dies tut, besteht die Hoffnung, daß bas Jahr 1933 mehr an Erwartungen erfüllen wirb als es tm abgelaufenen Jahre ber Fall gewesen ist. GieheiierAiizeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vri'd tmb Verlag: vrW'sche Univerfitäts-Vuch- und Stcinöruderei R. Lange in Gietzei. $d)riftleitung und Geschäftsstelle: ZchMraßeT. Ißiftorenbünbel geschwungen, wie dieser Senator.) Sagt er nicht daß Rom schon mit einem Kolonial» manbat zu töbern sei? Und sollte es nicht anbeißen, nun, so kann man mindestens einen Keil zwischen Italien unb Deutschlanb treiben, indem man bem er ft en bie Kolonien bes andern offeriert. Fangen wir mal mit Syrien an, bas ist am ungefährlichsten, sprengt aber immerhin bereits ben „Weg nach Bagbab", ber ben Deutschen s o am Herzen liegt. War nicht ein Kollege Berengers einmal hoher Kommissar für Syrien? Doch: Henry de Jouvenel! Ausgezeichnet. The right man on Fastnachtsbeginn in Mainz. * __ Trotz der wirtschaftlichen Notlage wird in diesem Jahre der Mainzer Karneval wieder in vollem Umfange durchgesiihrt werden, nachdem man im vorigen Jahr den R o > e n m o n t a g s $ u g hat ausfallen lassen. Bereits jetzt hat eine eifrige Dor- bcreitungsarbeit begonnen. Zum ersten Male nach dem Kriege fand am N e u j a h r s t a g um 11.11 Uhr nach altem Herkommen ein Umzug der Prinzengarde statt, womit die diesjährige Fastnacht eingeleitet wurde. Französische Quertreiber gegen die Abrüstung. Bischof und General Hetzen gegen Deutschland. Paris, 3. Ian. (CNB.) Das nationalistische „Echo de Paris" veröffentlicht einen Hirtenbrief des Bischofs oon Chalons, der in einem religiösen Wochenblatt kurz vor Weihnachten erschienen war. Darin wendet sich der Kir- chenfürst gegen die Abrüstung Frank- re ichs, indem er erklärt, bis zur Verwirklichung der göttlichen Wahrheit des Evangeliums durch eine viel weitergehende Befolgung der sozialen und internationalen Gesetze der Zehn Gebote könne es angesichts schlecht verheimlichter Begehrlichkeiten ehrgeiziger, gieriger Nachbarn vertretbar (ein, daß man stark und auf der Hut bleibe um das nationale Erbe an Reichtümern, Freiheiten und Ruhm zu schützen. Die Schwäche eines Volkes, die die Nachbarvölker in Versuchung bringen würde, laufe der Erhaltung des Friedens ebenso zuwider wie der Kriegsgeist, der nicht durch Achtung der Rechte anderer gezügelt werde. Zugleich bringt „Echo de Paris" Ausführungen des ehemaligen französischen Militärattaches in Berlin, Generals TournLs, der sich in leidenschaft- licher Weise gegen den konstruktiven Plan Herriots und P a u 1 - B o n c o u r s wendet und gegen jeden Versuch, auch nur irgend etwas vom Versailler Vertrag fortzunehmen. Tur- n6s erklärt u. a., Frankreich habe in Gens sogar feine ursprüngliche Abrüstungsthese, die Unantastbarkeit des Versailler Vertrages, a u f ge g e b e n. Im Austausch dagegen habe es nur das Versprechen erhalten, daß man seine Forderungen nach Organisierung der Sicherheit erörtern werde. Deutschland dagegen habe alles erhalten, was es verlangte: Die Freiheit, in dem gleichen Maße zu rüsten, wie die anderen Bereits jetzt habe Deutschland fast restlos die Vorteile, die es von der Abrüstungskonferenz erhoffen konnte, erreicht. Der Erfolg sei also auf feiten Deutschlands Darüber habe man sich auch in Mitteleuropa nicht getäuscht. Staaten, wie Oesterreich, Bulgarien, Ungarn, deren Forderungen gleichzeitig mit denen Deutschlands zum Siege geführt worden seien, seien sich darüber ebenso klar wie diejenigen Staaten, die aus dem Siege der Alliierten entstanden. In Polen, in der Tschechoslowakei und sogar in Südslawien sei die Beunruhigung wegen des französischen Versagens in Genf groß. Revisionsdebatte in der pariser presse. Um die Rückgabe der deutschen Kolonien und Regelung der Korridorfrage. Paris. 3. 3an. (LU.) Bei einer Betrachtung der letzten Auslegungen der deutschen Gleichberechtigung belaßt sich die der Regierung nahestehende „G r e R o u v e l l e" mit der deutschen Forderung nach Revision derOstgre n z e n und gibt der Auffassung Ausdruck, daß das Berschwinden des Korridors die Wirtschaftlage des Reiches nicht bessern werde. Man müsse allerdings berücksichtigen, daß Deutschland nach der Revision der Ostgrenze auch die Rückgabe derKolonien verlangen werde, um seine wirtschaftliche Ausdehnung zu fördern. Es sei sehr wahrscheinlich, daß England sehr viel energischer dagegen Stellung nehmen werde, als das bisher der Fall gewesen sei. Auf alle Fälle seien aber die ,übertriebenen For- derungen" Deutschlands nicht geeignet, eine europäische Verständigung und eine internationale Zusammenarbeit zu fördern, die an der Wurzel jeder wirtschaftlichen Wiederau, rüstung liege. Die dem linken Flügel der Regierung nahestehende .,R e p u b l i q u e" ist im Gegensatz dazu der Auffassung, daß die franzöfistze Regierung unverzüglich eine großzügige Revisionspolitik einleiten müsse, auf deren Arbeitspro- gramm als Hauptpunkte die Rückgabe der Kolonien an Deutschland und die Regelung der Korridorfrage stände. Der Xkit- artikler des Blattes. Albert Dayet, erinnert daran, daß alle franz fischen Zugeständnisse bisher erst nach langem Zögern und mit einem gewissen Widerwillen gemacht worden seien, weshalb man Frankreich dafür auch keinerlei Dank gewußt habe. Es sei nicht ratsam, diese Methode auch fernerhin sortzusetzen. Diel besser sei es, eine Initiative der Gerechtigkeit und des gesunden Menschenverstandes zu ergrci en, die zur Rückgabe der Deutschland widerrechtlich entrissenen Kolonien und zu einer baldigen Regelung der Korridorfrage führe. Der Kamps um den Veimischungszwaug. ElneAttionderZreienGewerkschasten beim Aeichsernährungsminister Berlin, 4. Ian. (CNB.) Wie der „Vorwärts" berichtet, hatten Vertreter der Freien Gewerkschaften eine Unterredung mit dem Reichslandwirtschafts- minifter über Die Margarineprojekte der Reichsregierung. Nach ihrem Ermessen könne die Notverordnung vom 23. Dez. 1932 mit dem Art. 48 RV. nicht begründet werden. Die Gewerkschaftsvertreter forderten die A u f h e b u n g der Notverordnung mit dem Ziel, den Zwang zur Beimischung von Butter zur Margarine zu beseitigen. Der Minister habe sich der Schilderung der N o tla ge weite- ft er Kreise der städtifchen Bevölkerung nicht verschließen können, ander eits sei die Lage der Landwirtschaft, besonders die der Veredelungsprodukte erzeugenden Betriebe, u n • haltbar geworden. Der Rückgang des Verbrauches an Frischmilch habe eine g e ft e i • gerte Erzeugung von Butter zur Folge, die wiederum unverkäuflich bleibe. Die Regierung müsse Maßnahmen treffen, die der Landwirtschaft einen gesteigerten Absatz von Ber - edelungsprodukten ermöglichten, ohne daß deshalb der Fettverbrauch, namentlich der Minderbemittelten und Erwerbslosen, beeinträchtigt werde. Oie Regierung antwortet dem Margarineverband. Zu der Erklärung des Margarineverbandes wird amtlich folgendes festgestellt: Der Einwand der techn ischen Undurchführbarkeit der Dutterbeimischung kann von der besonders in Deutschland hoch entwickelten Margarineindustrie um so weniger mit Recht erhoben werden, als namentlich die Konzernfabriken infolge ihrer internationalen Verflechtung sich mühelos die Erfahrungen der irn Auslande gelegenen Fabriken zunutze machen können. Einen Butterbeimischungszwang haben Holland (25 v. H.), Norwegen und Schweden durchgeführt; die Schweiz, England, Frankreich, Finnland und Estland gestatten die Beimischung von Butter in verschiedenem Umfange. Angesichts der Tatsache, daß die Preise der Margarinerohstoffe in den letzten Jahren irn größeren Ausmaße gefal- l e n sind als die deutschen Margarinepreise, sowie ferner, daß die Rohstoffe untereinander austauschfähig sind und es sich im allgemeinen um eine Industrie mit guten Derdienstmöglichkeiten handelt, ist die Reichsregierung der Auffassung, daß bei gutem Willen der Beteiligten sich eine Regelung der Butterbeimischung finden lassen muß, die eine Verteuerung der für den Konsum der breiten Massen bestimmten Margarine ausschlieht. Die Butterpreise sind in der letzten Zeit wesentlich unter die Vorkriegspreise gesunken; infolgedessen erlöst der Landwirt in der Regel nicht mehr als sechs Pfennig je Liter für seine Milch. Diese katastrophale Preisentwicklung macht es der Reichsregierung zur Pflicht, kein Mittel unversucht zu lassen, das geeignet fein kann, der deutschen Dutterproduktion einen größeren A n- te i I an derDeckung des einheimischen Fettbedarfs zu sichern. Kunst und Wissenschaft. Jntendantenkrise an der Kölner Oper. Der Generalintendant des Kölner Opernhauses, Professor Max H o f m ü l l e r, hat an Oberbürgermeister Dr. Adenauer ein Schreiben folgenden Inhalts gerichtet: Die Einstellung eines Teiles des Theaterausschusses zwingt mich, Sbnen zu erklären, daß eine Fortsetzung meines Ver- tragsverhältnisses mit der Kölner Oper unter den gegenwärtigen Arbeitsbedingungen unmöglich ist. Für Ihre Bemühungen, mich weiterhin an die Kölner Oper zu binden, bin ich außerordentlich dankbar, doch sehe ich mich außerstande, angesichts der Widerstände, die ich hier in lebenswichtigen Fragen der Oper finde, auf verantwortlichem Posten zu bleiben. Kleine politische Nachrichten. Wie verlautet, haben die am Tarifvertrag im deutschen Bankgewerbe beteiligten Parteien beschlossen, von dem ihnen zustehende Recht der Kündigung des Tarifvertrages keinen Gebrauch zu machen. Der deutsche Gesandte in Kowno, M o r a t h, der zum Gesandten in Montevideo (Uruguay) ausersehen ist, verläßt in den nächsten Tagen seinen Posten. Sein Nachfolger wird der bisherige Generalkonsul in Leningrad, Dr. Erich Zech l in, ein Bruder des früheren Pressechefs der Reichsregierung. • An Stelle des zum Präsidenten des T^rwal- tungsgerichtshoses ausersehenen ungarischen Ministers des Aeußern, Dr. Puky, wird bei Berliner Gesandte Dr. K a n y a zum Minister des Aeußern ernannt werden. • General Guillaumat, einstiger Oberbefehlshaber der franzvsischen Rheinlandarmee, tritt dieser Tage in den Ruhestand, nachdem et 70 Jahre alt geworden ist. Er war zuletzt Mitglied des Obersten Kriegsrates. Der italienische Regierungschef Mussolini, der Präsident der französischen Republik, Lebrun, und König Albert von Belgien sind zum Besuch der Chicagoer Weltausstellung eingeladen worden. Aus aller Welt. Vrand eines französischen Ozeandampfers. Paris, 4. Jan. (WTB. Funkspruch.) Auf dem französischen 40 000 Tonnen großen Ozeandampfer „Atlantique" brach heute um 6 Uhr ein B r a n b aus. An Bord des Schiffes, das sich auf dem Wege nach Le Havre befand, um dort ausgebessert zu werden, befanden sich 2 6 0 Mann Besatzung, von denen 80 durch das deutsche Motorschiff „Ruhr" gerettet werden konnten. (Ein englischer Dampfer befindet sich gleichfalls in der Rahe der „Atlantique". Weitere Hilfsschiffe sind von Le Havre angefordert worden. Der Brand auf dem Schiffe dauert an. Das Ministerium der Handelsmarine hat ein (Kommunique veröffentlicht, in dem die franjö- sische Marinebehörde von Cherbourg aufgefordert wird, dem deutschen Motorschiff „Ruhr" für seine Hilfeleistung den Dank der französischen Regierung auszusprechen. Der Ueberseedampser „Atlantigue". der den Dienst zwischen Bordeaux und Buenos Aires versah, war der zweitgrößte der französischen Handelsflotte. Der Bau war besonders kostspielig, da man das Schiss mit allem nur erdenklichen Komfort ausgestattet hatte. Als besondere Jlcuerung galt ein 10 Meter breites und 150 ZHcter langes Promenadendeck. auf dem sich Berkaufsstände der bekannte ft en pariser Modehäuser befanden (örofjfeuei in einem holländischen Dominikanerkloster. In dem Dominikanerkloster in Zwolle brach ein Brand aus, durch den das Klosterge» bäude zerstört und die Klosterkirche beschädigt wurde. Als der Brand ausbrach, sand in der Kirche gerade Gottesdienst statt. Das Feuer, dessen Entstehungsursache noch unbekannt ist, dehnte sich mit großer Geschwindigkeit aus und innerhalb kurzer Zeit stand das vierstöckige Gebäude in Flammen. Die Feuerwehr mußte ihre Arbeit darauf beschränken, ein Uebergreisen des Brandes auf die Kirche zu verhindern. Nur ein Türmchen wurde durch das Feuer beschädigt. Aus dem Kloster selbst konnte nur wenig gerettet werden, so z. B. das Klosterarchiv. Die Klosterbibliothek dagegen, sowie viele wertvolle Gemälde des Kirchenmalers Pater van Bergen fielen den Flammen zum Opfer. Tod in den Bergen. Ein junger Engländer, der sich vom Jung- fraujoch aus zu Fuß nach dem oberen Mönchisch begeben wollte, ist beim oberen Iungfrau- joch abseits vorn Wege in einen etwa 30 Meter tiefen Bergschrund gestürzt. Er war sofort tot. Seine Leiche konnte geborgen werden. Polen führt den Schuldturm wieder ein. Das polnische Justizministerium hat eine Der- Ordnung erlassen, wonach ein Schuldner in Haft genommen werden kann, wenn er die Schuld nicht gutwillig bezahlen will. Bedingung ist jedoch, daß der Gläubiger vorher d i e Verpflegungskosten erlegt. Roch lebend im Sarg. In dem.französischen Dorf Greges wurde der 65jährige S e m b a t zu Grabe getragen. Da er weit bekannt und sehr geachtet war, folgte eine beachtliche Menge dem Sarge. Plötzlich hörte man merkwürdige Geräusche von dem Leichenwagen und stellte bei näherer Untersuchung fest, daß sie aus dem Sarge stammten. Eiligst wurde der Deckel geöffnet und zum größten Erstaunen der Anwesenden erwies sich der Totgeglaubte als lebendig. Sofort wurde nach einem Arzt geschickt, aber als er eintraf, konnte er nur noch den T o d feststellen, der inzwischen wirklich eingetreten war. Hungermarsch Heilbronner Arbeiter nach Hannover. Die seit dem 29. 8. 1932 ausgesperrte Arbeiterschaft der Glashütte Heilbronn AG. hat einen Hungermarsch angetreten. Cs handelt sich um etwa 60 Arbeiter, die vor dem Hauptvorstand des Fabrikarbeiterverbandes in Hannover, der chnen vor ungefähr drei Wochen die Unterstützung gesperrt hat, demonstrieren wollen. Unter Mitführung von Plakaten setzte sich der Zug in Richtung Neckarsulm in Bewegung. Die Arbeiter hoffen, durch Unterstützung von Verbandsmitgliedern und durch Inanspruchnahme der Obdachlosenhilfe sich durchschlagen zu können. Die Familien der verheirateten Teilnehmer sind zurückgebieben. (Ein Hotel bei den Riagarafällen abgebrannt Das berühmte Clifton-Hotel, das in unmittelbarer Nähe der Niagarafälle gelegen ist, wurde durch einen Brand zerstört. Den Sachschaden schätzt man auf eine halbe Million Dollars. Gäste tarnen nicht zu Schaden, da das Hotel während des Winters geschloffen ist. Autobus verbrannt. — (Ein Todesopfer. In der Silvesternacht geriet bei Nickelshagen im Kreise Mohrungen (Ostpreußen) ein mit Artisten besetzter Autobus in Brand. Zwei Insassen konnten sich retten; Der neben Dem Chauffeur sitzenDe Lea Stefanski ist verbrannt. Die Ehefrau auf offener Straße niedergeschosfen. In Stuhm (Wrstpreußen) schoß Der 33 Jahre alte Arbeiter Koslowski seine seit einigen Tagen von ihm getrennt lebenDe Ehefrau auf Der Straße mit Drei Pistolenschüssen nieDer. Schwer verletzt rourDe Die unglückliche Frau vom Platze getragen. Der Täter stellte sich sofort freiwillig Der Polizei unD gab bei seiner Vernehmung an, sich wegen fortgesetzter Untreue seiner Ehefrau seit einigen Tagen von ihr getrennt zu haben. Mißglückter Raubüberfall im O-Zug Leipzig—Berlin. Am Anhalter Bahnhof in Berrin wurde nach Eintreffen des O-Zuges Leipzig—Berlin ein Fahrgast aus Leipzig verhaftet, der im fahrenden Zug auf die mitreifende Stühe Anna Müller aus Berlin einen Raubüberfall versucht hatte. Der Mann, der in Leipzig mit einer Bahnsteigkarte in den Zug gestiegen war. hatte die Müller überfallen und ihr mehrere Kopfwunden bcigebracht. Seine Absicht, die Uebersallene zu berauben, wurde durch das Hin- zukommen anderer Passagiere durchkreuzt. Es gelang dann dem Räuber, sich im Zuge bis zur Ankunft verborgen zu halten. Der Zugführer hatte jedoch während der Fahrt telegraphisch die Berliner Kriminalpolizei verständigt, die den Täter dann sestnahm. Nach längerem Leugnen gab er zu, den Raubüberfall geplant zu haben und begründete dies mit Mittellosigkeit. Lastauto vom O-Zug überfahren. In Der Nähe von Zwolle in HollanD wurDe an einem Bahnübergang, Dessen Schranken nicht geschlossen waren, ein mit 25 Schweinen belaDener Lastkraftwagen von einem O-Zug überfahren. Der ViehhäMer unD ein Angestellter, Die Den Transport begleiteten, fanDen auf Der Stelle Den ToD. Von Den Schweinen wurden 20 getötet. derlei vornneinqe. MilDe ozeanische Luft, Die Durch Die SüDseite Des islänDischen Tiefs herangebracht wirb, wirkt sich zunächst weiter aus. JnfolgeDessen bleibt Das Wetter ziemlich milD und teilweise noch regnerisch. Da etwas kühlere Luft nachfolgt, wirD späterhin ein leichtes Schwanken Der Temperaturen zu erkennen sein, wobei Dann auch Die WolkenDecke zeitweise aufreibt. VorhersagefürDonnerstag. Wechselnd bewölkt, noch einzelne NiDerschläge, für Die Jahreszeit zu milD, Doch Temperaturen etwas zurückgehend. Vorhersage für Freitag: Temperaturen noch meist über 0 Grad, bewölkt mit kurzem Auf- klaren, einzelne Niederschläge. Lufttemperaturen am 3. Januar: mittags 5,1 Grad Celsius, abends 4,9 Grad; am 4. Januar: morgens 6 Grab Maximum 6,5 Grad, Minimum 2,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 3. Januar: abends 0 Grad; am 4. Januar: morgens 0 Grad.— Niederschläge 4,3 mm. Ein Autoschlitten wird erprobt. Der französische Autokonstrukteur Citroen vor einem von ihm erbauten Motor-Schlttten-Wagen tntt Vorderkufen und Raupen-Hinterrädern, den er jetzt in den Schneefeldern von St. Moritz erprobt. Aus der Provinzialhauptstadt WwlUllUv UlvlUI UUV — / --- schieben. Ein erhebender Anblick für das Auge Landesversammlung des Hessischen Landbundes wbt 1 Schlachtfest auf dem Lande. Es iß noch heute ein Fest, wenn :auch nicht mehr so viel Leute geladen werden wie früher. Aber ein Familienfest ist es. Am Abend vereinigt die Metzelsuppe die Verwandten, Nachbarn und Freunde. Vielleicht erinnern diese Schlachtfeste noch an alte heidnische Familienopfer. Morgens, wenn es noch dunkel ist. wird der Kaffee getrunken, das Schwein aus dem Stall geholt, getötet und gesäubert. Dann wird es an einem starken Haken aufgehängt, ausgenommen und zerschnitten. Nun folgt ein kräftiges frühstück. Es gehört sich, daß wir von der vorigen „Schlacht" noch einen guten Schwartenmagen aufgehoben haben. Dieser wird als letzte Erinnerung '^ährend nun das Fleisch kocht, wird die „rohe Wurst" gemacht, Servelat- und Bratwurst. Das ist immer ein feierlicher Augenblick, wenn sich die glänzenden, rosa gefärbten Dratwürste einer Lohnlonflikt in der Siegerländer Metallindustrie. Kündigung von 8000 Arbeitern. Siegen, 3. Jan. (WTB.) Zur Herbeiführung eines neuen Arbeiteroertrags hat der Arbeitgeberverband der Siegerländer Gruben und Hütten am Dienstag den gesamten Belegschaften in den Metallbetrieben zum 14. Januar gekündigt. Auch auf dem Walzblechwerk der Bereinigten Stahlwerke AG. wurde der Belegschaft die Kündigung zugestellt. Don dieser Maßnahme werden im Siegerland etwa 8 00 0 Arbeiter betroffen. In den Kündigungsschreiben wird der Schritt damit begründet, daß eine Lohnkürzung aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiter hinausgeschoben werden könne. ersten Nedner Dr. Schindler vom Deutschen Landwirtschaftsrat, Berlin, das Wort zu seinem Vortrag „Der Kampf der landwirtschaftlichen Vered- lungserzeugung um die Erhaltung und Erweiterung ihres Absatzes auf dem Inlanbsmarkt. Der Nedner klärte zunächst den unberechtigten Vorwurf «inseitiger Devorzugung des Getreidebaues zum Schaden der Deredelungswirtschaft dahingehend auf, daß die Getreidezölle geringeren Widerstand bei der Export-3ndustrie mit Rücksicht auf die geringen Ausfuhrmöglichkeiten deutscher industrieller Erzeugnisse nach den Hauptweizen-Importländern Kanada, Argentinien, Australien usw. gefunden hätten. Der Kampf um die Einführung der Kontingente müsse von der gesamten deutschen Landwirtschaft geschlossen und tatkräftig wieder ausgenommen werden. Nedner ging ausführlich auf den Derwendungszwang für deutsche Vutter, Wolle, Fett, Schmalz, Oele und anderes mehr ein, der jedoch nur dann wirksam werden könne, wenn die Einfuhr entbehrlicher landwirtschaftlicher Erzeugnisse durch entsprechende Kontingente begrenzt werde. Der Vortrag wurde von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen. A.,schii?f,e..d sprach Dr Schmitt von der land- wirtschastlichen Versuchsstation Darmstadt über das Thema „Die Voraussetzungen für die beste Wirksamkeit der künstlichen Düngemittel unter besonderer Berücksichtigung der Phosphorsäuredüngemittel". Der Redner verbreitet sich im einzelnen über die Wechselbeziehungen zwischen dem Neaktionszu- stand des Bodens und der Wirksamkeit der verschiedenen Düngemittel, kennzeichnete die Gebiete mit Kalk-, Phosphorsäure- und Kalimangel und behandelte die vor längerer Zeit eingeleiteten mehrjährigen Versuche über den Einfluß der Doden- säure auf die Wirksamkeit der verschiedenen Stickstoff-, Phosphors rure- und Kalidüngemittel. Auch dieser Vortrag wurde beifällig ausgenommen. Anschließend erfolgte eine längere Aussprach«, in der die beiden Redner noch zu verschiedenen Anfragen Stellung nahmen. unser Recht! (Beifall.) Landwirt Stein-Stumpertenrod tnh|ierte zahlreiche Mängel der landwirtschaftfeindlichen Schlachtsteuer und entwarf ein düsteres Bild der Landwirtschaftsnot im hohen Vogelsberg, der durch rich Hochstätter, Kaufmann, 80 Jahre, Seltersweg 54; Emma Brandus geb. Walther, 67 Iahre, Weidengasse 18. 19.: Julie Weiß geb. Goß, Witwe, 80 3ahre, Bruchstraße 13. 20.: Regnier Cickworth, Diplom-Volkswirt, 23 Jahre, Gvethe- straße 72. 26.: Klara Schäser, Schneiderin, 19 3., Schottstraße 5. 27.: Luise Wagner geb. Röhrig, 54 3ahre, Labnstratze 15; Otto Täubert, Kaufmann, 60 Jahre, Deltersweg 70; Heinrich Funk, Fuhrmann. 42 Jahre, Kaiserallee 123. 28.: Theodor Behm, Oberpostschnffner, t2 Iahre, Krof- dorfer Straße 23; Heinrich Hilz, Reichsbahn-Dau- inspektor i. R., 54 3ahre, Frankfurter Straße 29. 29.: Anna Henrich geb. Meyer, 45 3ahre, Mittelweg 14; Adolf Heß, Kaufmann, 63 Jahre. Alicen- straße 18. 30.: Elise Geisel, ohne Beruf, 70 3ahre, Seltersweg 32. 31.: Luise Hardt geb. Dornnkirch, 70 3ahre, Kreuzplah 9. ** Drei Brennholzver st eigerungen der Stadt Gießen werden in unserem Heuti- 1‘Quä. ^geschossen, 's 33 Jahre alte Tazen oon ber Strahe mit w: verlegt ,We getragen. ,ü,9 der fßoiijei sich wegen (ort« t einigen lagen iqe. die Südseite der irb, wirkt sich i[eibt dar Detter Misch. Da etwas erhin ein W4 -rtennen fein, reise auW 51 a g: Wechselnd e für die Zahres« tmas jurörfgejenb. Temperaturen mit kurzem Auf- ganuar: mE Lum 2,5 M je am 3. War. gensOW" 1 öot Ute Zuhrung N w Jjk durch und durch ^*1’4 durch. abgebrannt i in unmittd- ift, wurde '^.Denbüch. Million M k Da das Hotel T Hopser. Eshagen im Erlisten be« uttsassen tonnten tur sitzende Lea rung. Die Turnhalle war bis auf den letzten Platz besetzt; wohl über 900 Personen folgten in angeregtester Laune dem Spiel auf der Bühne. Die lustige Handlung, der heimatliche vertraute Dialekt und die von herzlichem Humor erfüllten Szenen schufen bald eine Stimmung allgemeiner Heiterkeit und Freude. Karl Löffler, der Bühnenbildner des Stadttheaters Gießen, schuf stimmungsvolle und bunte Bühnenbilder, die die Schauplätze der tragikomischen Begebenheiten sind. Für effektvolle Beleuchtung sorgte Ludwig Keim. Aus der Schar der Darsteller, die mit Liebe, Frische und Humor dabei waren, mag nur Heinrich Hub als Spielleiter und als „Datterich" genannt werden. Unter seiner Spielführung wickelte sich ein flotter Theaterabend ab. Lebhafter Beifall wurde den Darstellern zuteil. t Treis a.b.ßumba, 3.3an. 3n unserer Gemeinde besteht seit alten Zeiten die Sitte, daß in derReujahrsnacht nach Beendigung des Läutens die Burschen und Mädchen sich auf dem Kirchhof versammeln und zwei Choräle singen, »Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren", und »Run danket alle Gott", und zwar sämrliche Strophen. Diese Sitte war in der Kriegszeit eingeschlafen, wurde aber zu Neujahr 1919 wieder ausgenommen. Seit 1929 wirkt auch der hiesig« Posaunenchor, der kurz vorher gegründet worden war, an der Feier mit. Das geschah auch in diesem Jahre wieder. — Der hiesige Obstbauverein hielt in der Wirtschaft von Konrad A m e n d eine gut besuchte Versammlung ab, bei der Obstbauinspcktor Enkler (Gießen) über Sortenwahl bei Anpflanzungen und Umpfropfung der Obstbäume, über Behandlung der Bäume im Winter durch । Reinigung und Spritzen, über Düngung u. a. m. sprach. Eine rege Aussprache, bei der viele Fragen an den Vortragenden gestellt und eingehend beantwortet wurden, schloß sich an. Entlastung des Vorstandes. „öer Verzweiflungskamps der hessischen Bauernstandes^ war das Thema, das sich die vier Redner gestellt hatten. Der stellvertretende Provinzialvorsitzende @ru = newald - Harreshausen betonte das „Zu spät!" der wenigen Hilfsmaßnahmen, die von den einzelnen Regierungen aus Rücksicht auf den reinen Kon- sumentenstandpunkt endlich durchgeführt wurden. Angesichts der katastrophalen Preise aus der Viehwirtschaft und der weit über Vorkriegshöhe liegen- den Steuern und sozialen Abgaben sei die Landwirtschaft vielfach zum „bargeldlosen" Verkehr gelungen. Die Bauernschaft habe es satt, noch weiter für die Exportindustrie unmögliche Lasten zu bringen. Um des Phantoms des Exportüberschusses wegen sei der Binnenmarkt ausgehöhlt und zerstört worden. Die Landwirtschaft und Industrie müssen gleichgestellt werden. Die Mehrzahl der Arbeitslosen könne von der Industrie niemals mehr bejchäf- tigt werden und muh angesiedelt werden. Existenzfragen der hessischenLandwirtschast Landwirtschaftlicher Vortragskursus in Darmstadt. Landwirtschaftsrates beim Reichsernährungsminifter vertreten habe. (Rufe: „Abtreten!") Abg. ® l a f e r (Lv.) bedauerte, daß die Mehr« zahl der Regierungsvertreter wegen einer De- sprechung mit Preußenvertvetern über die Milchverhältnisse im Frankfurter Bezirk der weiteren Beratung nicht mehr beiwohnen. Die Finanz- und Wirtschaftspolitik der letzten 14 Jahre drohe heute Deutschland zu erdrücken. 3n fast jeder Gemeinde schaue der Bankerott schon zur Türe heraus. Die Einheitswcrte wären schon längst in Kraft, wenn sie für die öffentliche Hand immer größere Einnahmen bringen würden. Bel den katastrophalen Viehpreisen war es unverständlich, dah auch in Hessen die Schlacht- steuer eingeführt wurde. Wenn im Reichstag die Rentenkürzung bei der landwirtschaftlichen Derufsgenossenschaft wieder aufgehoben würde, dann müßte die in Hessen erfolgte Senkung der Umlage von 18 auf 13 Pf. wieder rückgängig gemacht werden. (Unruhe.) Auch hier helfe nur völlige Ehrlichkeit. Der Redner nahm zum Schluß den Reichsernährungsminister Schiele in Schutz. Landesgeschäftsführer D ü m a s wies die in Millionen von ehrlichen Deutschen wurzelnde Meinung als falsch nach, daß auf dem Bauernhof als Le^nsmittelproduktionsstätte keine direkte Not herrschen könne. 3n allen Bauernhöfen drückten schwere Betriebsschulden. Mit ungeheuerer Rigorosität betrieben die Kreisämter heute die Zwangsbeitreibung von Gemeindesteuern und Abgaben. Die Landwirtschaft fordere von der Reichsregierung Einlösung der 1930er-Osterbotschast des Reichspräsidenten von Hindenburg. Unter Popen habe Ernährungsminister von Braun der Landwirtschaft die Kontingentierung fest versprochen. Der Kampf, der zur Zeit im Kabinett Schleicher um die Landwirtschaftsrettung gehe, entscheide über mehr als die Landwirtschaft. Wenn Gewerkschaften und Industrie den Kampf auf die Spitze treiben, dann könnte es sein, daß die Landwirtschaft einmal die Parolen ausgebe: »Herbei mit billigen amerikanischen Maschinen ohne Zollschutz! Herbei mit Chilesalpeter; was geht uns Leuna an! Herbei mit billigen Kulis aus dem Ausland!" Die Landwirtschaft gehöre heute noch ganz Deutschland, aber sie fordere gleiches Recht. Landtag und Reichstag hätten heute nichts mehr zu sagen, da eine Regierungsmehrheit noch immer nicht zu» standekomme. Dadurch sinke die Bedeutung der Parteien immer mehr, dagegen steige das Gewicht der berufsständischen Organisationen um so stärker. Die Landwirtschaft müsse lernen, ihre Dcrufsstandesorganisation so stark zu machen, dah ihr« Führer das gleiche Gewicht verkörpern, wie ein Gewerkschaftsführer. Der Kanzler fordere Vertrauen; die Landwirtschaft erwidere ihm: »Erwirb es, um es zu besitzen!" (Beifall!) Entschließung gegen die Schlachtsleuer. In einer von den nationalsozialistischen Abgeordneten Seipel eingebrachten Entschließung wird oon der hessischen Regierung wegen der Schlachtsteuer, die allein auf die Landwirtschaft abgewalzt worden sei, gefordert: „Die Schlachtfteuer in Hessen hat sich, wie es von uns oorausgesagt wurde, vollkommen auf die Schultern der bankerotten Landwirtschaft gelegt. Dagegen protestieren wir auf das schärfste. Von feiten der Regierung hat man die Notwendigkeit der Schlachtsteuer mit der Tatsache begründet, daß der hessische Staat ein Defizit in Höhe oon 5,3 Millionen Mark habe. Wie immer, versucht man auch diesmal, das Defizit von der Einnahmeseite aus auszugleichen, 2 Millionen werde die Schlachtsteuer schätzungsweise einbringen, 3,3 Millionen werden ungedeckt bleiben. Der Hessische Landbund erklärt heute schon, daß, wenn es die Regierung wiederum wagen sollte, das Defizit in einer irgendwie gearteten Steuer auf die Landwirtschaft abzuwälzen, die hessische Landwirtschaft zum Widerstand bis zur letzten Konsequenz übergehen werde. Wir Bauern erklären rückhaltlos, daß wir dazu entschlossen sind, wenn man uns das rauben will, was unsere Väter erarbeitet, was wir uns in schwerer Arbeit erhalten haben, uns endlich auch mit den Mitteln engegen« setzen werden, die nicht aus Papier, sondern die wirksam (mb." Als der frühere Landvolkabgeordnete Dr. Müller von der schwindenden Bedeutung der Parteien und dem größer werdenden Gewicht der Berufsstände auf das politisch« G«schehen sprach, kam es zu T u m u I t s z e n e n. Unter Führung der nationalsozialistischen Landtagsabgeordneten G ö ck e l und Hauck versuchte eine kleine Gruppe Nationalsozialisten den Redner durch Zwischenrufe und sehr scharfe persönliche Bemerkungen am Weitersprechen zu verhindern. Der Vorsitzende von H e l m o l t und der nationalsozialistische Abgeordnete Seipel, der dem Landbundvorstand angehört, griffen beruhigend ein, so daß Dr. Müller weitersprechen tonnte. Landtagsabgeordneter Seipel hält im Gegensatz zu dem Vorredner die politische Bedeutung der großen Parteien für unerschüttert. Er betonte, daß die Schlachtsteuer auch in Hessen gegen den Willen der Parteien auf Grund der Reichsnotverordnung eingeführt worden sei. Erst die nationalsozialistische Massenbewegung habe das heute bestehende Verständnis im Volk für die Belange der Landwirtschaft geschaffen. Der Vorsitzende von Helmolt schloß darauf die Versammlung mit der Hoffnung, dah das neue Jahr für die Landwirtschaft Besseres bringen werde, als das abgelaufene. Durch Niederschlagung mehrerer Raten der Grundsteuer der unwettergeschädigten Betriebe sei die schlimmste Rot in zahlreichen Betrieben ver- L<»icbenfund I mieden woroen. . . , / 7 Sodann überbrachte Bürgermeister Delp die in bet OVßCDronntCtt (yClOfd)CUnt. Grüße der Stadt Darmstadt und verband diese Bei den Aufräumungsarbeiten an der durch mit den besten Wünschen für einen guten Verlauf Feuer in der Nacht zum Dienstag völlig ver- des Dortragskursus. nickteten Feldscheune des Hofgutes 3m Namen des he,sischen Landtages sprach des- Birklar wurden, wie wir von der Landes- fen Präsident Professor Dr. Werner herzlich« kriminalpolizeistelle Giehen hören, gestern die Worte der Begrüßung und betonte daß im M- Ueberreste einer verbrannten männlichen Leich« fischen Landtag eine starke Mehrheit für die De- gefunden. Allem Anschein nach handelt es sich lange der h^sis^ Landtmrtschast vorhanden sei. um einen Handwerksburschen, der in der Feld- 3m wirtschafllicheii Alphabet müße der Ackerbau scheune übernachtet hat Die Persönlichkeit des zuerst genannt werden Nur durch> Wiedexfcrftel- Toten ist noch nicht genau festgestellt, es wird lung der Rentabilität der landwirtschaftlichen Be- jedoch zu ihrer Ermittlung auf Grund von vor- triebe konnten wieder mehr Menschen auf deut- gefuntxmen Merkmalen eine bestimmte Spur ver- scher Scholle Arbeit finden. ^gt Alsdann erteilte Oetononuerat Hensel dem Aus Birklar wird uns zu dem Brand noch berichtet, dah der Schaden, den der Hofgutspächter durch den Scheunenbrand und die Vernichtung großer landwirtschaftlicher Vorräte, Wagen usw. erleidet, beträchtlich und nur zum | Teil durch Versicherung gedeckt ist. Der verbrannte Strohvorrat entspricht allein der halben 3ahresernte des Gutes. Vornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: Stadttheater, 15.45 bis 18.15 Uhr: „Aschenbrödel", 19.30 bis 22.45 Uhr: „Die endlose Straße". — Lichtspielhaus, Dahnhofstr.: „F. P. 1 antwortet nicht". — Vom Konzertverein wird uns geschrieben: Am Sonntag, 8. Januar, findet um 17 Uhr in der Universitätsaula das vierte Abonnementskonzert statt. Einem langgehegten und oft geäußerten Wunsche folgend, ist diesmal für den Kammermusikabend eine Klavier-Triovereini- gung verpflichtet worden, und zwar ist es gelungen, Geh. Rat Prof. Dr. Hermann Z i l ch e r, den Leiter der Musikhochschule in Würzburg, mit Prof. Adolf Schiering (Geige), und Prof. Emst Eahnbley (Cello) für diesen Abend zu gewinnen. Es werden folgende Werke gespielt werden: Trio in E-Dur von Brahms, op. 87, Trio in H-OEotl von 3. B. Loeillet (1653 bis 1728), und das große V-Dur-Trio von Beethoven, op. 97. Man darf also mit den größten Erwartungen diesem Konzert entgegensehen. Alles Nähere bei Emst Challier, Neuenweg 10, und m den Anzeigen. . *♦ In den Ruhestand versetzt. Huf fein Nachsuchen wurde der Dberregicrungsrat Ludwig Haberkorn bei der Provinzialdirektion Starkenburg in Darmstadt mit Wirkung vom 1. Januar 1933 an in den Ruhestand versetzt. Dberregierungs- rat Haberkorn ist in Gießen als Staatskommissar. der am 30. Dezember 1930 die vom Stadt- rat seinerzeit abgelehnte rückwirkende Erhöhung der Realsteuern diktierte, bekannt geworden. * Sterbefälle in Gießen. 3n unterer Stadt verstorben in der Zeit vom 16. bis 31. Dezember 1932: 17.: Emil Klee, ohne Beruf 16 3., Walltorstraße 18; Gertmde Theisen geb. Schöler, Witwe, 86 3ahre, Südanlage 11; Marie Schmitt geb. Weller, 56 3ahre, Dammstraße 45. 18.: Hern- yg-Betiin. tiin toutbe nach jig—‘Serlin ein ei. der im sah« de Stütze Anna aubübetf all in Leipzig mit g gestiegen Dar, mb ihr mehrere eine Absicht, dir i durch das Hin« -ch/reitzt. gc« 3uge biß zur Der Zugführer riWchM die G, die den Tä- em Leugnen gab ü zu haben und seit. erfaßten. jotland mürbe an >ranhn nicht gemeinen beladener l überfahren, fallter, die den i( der Stelle den >n 20 getötet. Zum Reichstag haben mir kein Vertrauen. Wir for- dern von den Machthabern: Wir wollen keine Sub- ventionen und Gnadengelder, sondern wir wollen seine klimatischen Verhältnisse auf Tierzucht angewiesen ist. Leider habe auch der Finanzausschuß des Hessischen Landtags die Belange der Landwirtschaft nicht gewahrt und nicht die Kurage besessen, die Einheitsbewertung für Hessen durch- zusctzen. Die Molkereigenossenschaft Groh-Felda habe 1932 allein für 3,5 Millionen Liter Milch 15 845 Mark Steuern bezahlen müssen, wozu die oberhessischen Kleinbauern noch ca. 7 000 Mark Umsatzsteuer beipflichten mußten, fast das 30fache der Dorkriegsbelastung. Wie in den 80er Jahren unter Caprivi gebe es heute nur eine Parole: Zusammenschluß aller Landwirte und energischste Vertretung der landwirtschaftlichen Belange bei Regierungen und Parlamenten! Erfolge nicht schnellstens Hilse, dann sei der Schritt von der infolge der Schuldenlast bereits „kollektivistischen" Bauernwirtschaft zum Kommunismus nicht mehr groß. Abg. Seipel- Fauerbach (Natsoz.) meinte, daß gerade heute die Voraussetzungen für die „Tat" zur Hilfe der Landwirtschaft sehr günstig lägen. Die Landwirtschaft werde ihre Forderungen immer wieder erheben. Der jetzt in die Taschen der Börsianer fliehende RMliarden-Zwischengewinn müsse durch Um- organisation des TNarktes den Erzeugern und Verbrauchern zugeführt werden. Eine „Glücksgeburt" sei der Zwangsoollstreckungs- schutz für die deutsche Landwirtschaft, das müsse anerkannt werden, weil er der Erhaltung der Substanz in dieser Deflation diene. Notwendig sei Zins- senkung und Umschuldungsaktion für den Westen und Hessen. Der Redner forderte von der Regierung „revolutionäre Maßnahmen" gegenüber der Reichsregierung, um endlich wirksame Hilfe für Landwirtschaft zu erzwingen. Ministerialdirektor Röhler erklärte, dah die Regierung die Nöte des Bauernstandes „aus erster Hand" kenne und durch persönliche Darstellungen des Finanzministers die Fordemngen des deutschen D a r m st a d t, 3. Jan. (WSN.) Heute Nachmittag hielt der Hessische Landbund im Rummelbräu seine Landesversammlung ab. Der Bundesvorsitzende Dr. von H e l m o 11-Nie- der-Wöllstadt eröffnete die Versammlung nut dem Jahresbericht. Er betonte die große Enttäuschung, die das Jahr 1932 der Landwirtschaft bereitet habe. Trotz der wirtschaftlichen Not und der politischen Verhältnisse habe sich die Landbund-Organisation gehalten. Eine Satzungsänderung bezüglich des Austritts wurde einstimmig genehmigt; ebenso die _______ - gen Anzeigenteil angefünbigt. Interessenten seien Schlang« gleich aus dem Rohr d«r Wurstmaschine besonders darauf hingewiesen. n-:- otnMtrf für das Auae I ♦* Neue ßchraänae in der Einheits- eines* Feinschmeckers. Gar manchem Städter ist k u rz s ch r i f t. Wie aus der heutigen Anzeige er- dabei das Wasser im Munde zusammengelaufen, sichtlich ist, eröffnet die 1. Reichskurzschriftgesellschaft Heutzutage ist ja viel von der Poesie des wieder neue Lehrgänge in der deutschen Einheits- Schi achtens verlorengegangen. Die Maschine macht kurzschrift. Erwerbslose erhalten, wie man uns mitfast alles. Mein Großvater sah einst noch am teilt, besondere Vergünstigungen. Fenster und schnitzte die dünnen Birkenhölzchen, die schon einige Tage vorher auf dem Ofen ge- V'vvriJVUVil- trocknet worden waren. Sie wurden von der Landkreis fttteften. fam und zeitraubend, aber für alle doch eine recht liebliche Musik. Heimlich oder „schwarz" konnte damals nicht geschlachtet werden; denn man hörte das Klappern der Hackmesser schon auf hundert Meter Entfernung. 3eht aber kommen die Metzger mit ihren Fleischmaschinen, an denen ein kleiner Motor befestigt ist. An jeden Lichtstecker kann man diese Maschine anschliehen, , und bald ist das Fleisch vorschriftsmäßig „durch- * Darmstadt, 3. 3an 3m ube^ulltenSaale acleiert" des Restaurants „Rummelbrau in Darmstadt er- Daß zu einem Schlachtfest auch Kuchen ge- öffnete Oekonomierat Hensel, Dortelweil, Dor- backen werden, versteht sich. Und so gibt es am sitzender der hessischen Landwirtschaftskammer, nn Abend nach Suppe und Wellfle sch mit Sauer- Namen der veranstaltenden Körperschaften den kraut 'nach eingemachten Früchten usw. noch diesjährigen l a nd w l r t schaf t llche n Vor- Kaffee und Kuchen. Den Abschluß bildet die tr agskurs us und wies ln seinen eineiten- Bratwurst mit Apfelbrei. Zwischendurch wandert den Worten mit besonderem Nachdruck darauf hin, das kleine Gläschen mit Kümmel oder Frucht daß schleunigste S 11 f 3 m a fon a & ^£6“' am Tisch. Denn „das fette Essen verträgt man gunsten der deutschen und hessischen Landwirt- so besser^' sagte mir mein Nachbar. schäft getroffen werden müssen, um einen Zusam- Auch die ^Kinder der ganzen Nachbarschaft menbruch unserer gesamten Volkswirtschaft zu vernehmen teil an dem Schlachtfest. Leider werden hüten, ehe es zu spät 'st- die alten Sprüchlein nicht mohr gesungen. Finanzminister Dr. Kirnberger ^rifffur t.2H- die yesfische Regierung das Wort zu einigen 3$ 6«hort, ihr hatt S^chtocht Ausführungen über die Hilfsmaßnahmen tn und hack ,o 0 oh« Wurst gern ch . Hessen, die darin bestanden haben, daß die hessi- n* sche Negierung in letzter Zeit zahlreiche Anträge laßt die kurzen hangen! . an maßgeblicher Stell« unterstützt und vertreten Mit diesem Derschen haben wir noch vor vier- ßat <^e Negierung wird sich dafür einsetzen, daß zig 3cchr«n Glück gehabt. Fast immer wurde uns XTX ^>ec Frage der Winzerkredite dem hessischen «ine schöne Wurst an die Stange, die ww zum I W^jnhau entgegen gekommen wird. Minister Dr. Fenster hineinreichten, gehängt. Kirnberger sprach sich gleichfalls für Zölle, Aber auch heute ist noch viel Schones geb«ic- Kontingente und Derwendungszwäng« bei den ben. Die Orlsarmen, und wo gibt es sie n.cht, roichtigsten Deredlungserzeugnissen aus. freuen sich. Sie bekommen ihre Wurstsuppe am ... . „ . . . nächsten Morgen, auch ein Stück Wurst oder Auch bemühe sich die Regierung, harten in bet Speck. Wenn dann das Fleisch eingesalzen ist, Zahlung der Canbesfteuecn weilgehenbst zu die Würste in der Rauchkammer hängen und aus | vermeiden, den Töpfen das schneeweiße Schmalz leuchtet, dann ist es so, wie mir «in alter Dauer sagte: „Es riecht ganz anders im Haus!" P. X N KflBöl OOm W Jtoman von Margarete Antelmann. Copyright by Martin Feuchttvangor, Halle (Saale) 22 itortlefiung Nachdruck verboten Magdalene plauderte noch einige Minuten mit der alten Lame, dann suchte sie ihre Kabine auf. Sie war froh, als sic allein war. Sie war sehr, sehr traurig. Ihre Gedanken kamen nicht von Äugust Richter los. Der war jetzt fort, war gegangen, weil er ihr grollte. Wenn sie nur wüßte, wie sie das wieder gutmachen konnte. Sie fuhr erst aus ihren Gedanken auf, als der Gong zur Abendtafel rief. Dann besann sie sich, daß Joe noch nicht da war. Wo blieb sie nur so lange? Es war nicht schön von ihr, sie auch zum Abendessen allein zu lassen. Magdalene zog sich um und ging in den Speisesaal. Rach dem Essen wurde sie von ein paar netten Menschen in einen lustigen Kreis gezogen, so daß sie für eine Weile ihren Kummer vergaß. Cs war schon gegen elf Llhr, als sie auf ihre Llhr sah. Plötzlich merkte sie, wie müde sie war. Sie stand auf, verabschiedete sich und ging in ihre Kabine. Joe mochte wohl schon schlafen gegangen sein. Sicher war sie von der Stadtbesichtigung zu abgespannt, um noch einmal die Gesellschaftsräume aufzusuchen. Als Magdalene ihre Kabine betrat, mußte sie zu ihrem Erstaunen sehen, daß Joe nicht da war. Sie klingelte und fragte den Steward nach Herrn van Jolliet. Sie erhielt die Auskunft, der Herr sei von dem Stadtausflug noch nicht zurückgekehrt. Magdalene war ernstlich verärgert. Schließlich waren die Geschwister von ihr engagiert, wurden von ihr bezahlt und hatten sich wenigi.ens einigermaßen nach ihr zu richten. Was war das für eine Art, einfach über den Abend auszubleiben! Wahrscheinlich amüsieren sie sich in der Stadt und kamen mitten in der Rächt aufs Schiff. Magdalene entkleidete sich und legte sich zu R 'tt. Aber sie konnte, trotz ihrer Mü'.ig eit, keinen S.blaf finden. Die Gedanken kamen und gingen. Eine bittere Erkenntnis stieg in diesen stillen Rachtstunden in ihr auf; es war nicht das richtige Leben, das sie jetzt führte. Sie gab unendlich viel Geld aus, warf es geradezu um sich. Lind was hatte sie davon? Joe und Titus waren eigentlich doch nicht die richtige Gesellschaft für sie, darüber war sie sich in diesen Tagen klargcworden. Lind wie gut sie ohne sie fertig wurde, das hatte der heutige Lag gezeigt. Es war zweifellos, daß beide stark überzahlt wurden, und daß sie das viele Geld für oessere Zwecke verwenden konnte. Was hatte es überhaupt für einen Sinn, in aller Welt herumzugondeln? Gewiß, es war schön, fremde Länder zu sehen, Reues kennenzulernen. Aber so allein, ohne einen Menschen, der wirklich zu einem gehörte? Man war so schnell übersättigt, toeitn man ohne kauere Anteilnahme reiste. Ach Gott, sie wußte jetzt schon bald selbst nicht mehr, was ihr eigentlich Freude machte. Damals, als sie arm war, hatte sie gemeint, sich mit Geld alles erkaufen zu können, und hatte im Luxus die Glückseligkeit gesehen. Wie anders sah die Wirklichkeit aus als ihre damaligen Träume. Sie wußte jedenfalls, daß sie nicht glücklich war. Als sie noch ein Rüromädel gewesen war — welcher Genuß war es gewesen, sich abends den neuesten Film anzusehen, obwohl das Geld für den ersten Platz mühselig abgespart worden war. Jetzt gab es nichts mehr, worauf sie sich so freuen konnte wie damals auf den armseligen Kinobesuch. Sie war übersättigt. Wohl deshalb, weil sie zu viel und zu schnell all das genossen hatte, was der Reichtum ihr bot. Sie hatte sich ja förmlich hineingestürzt in den Strudel, ohne Besinnen und ohne Lieberlegung. Irgendeine Sehnsucht fühlte sie in sich, nach etwas, das sie nicht nennen konnte, das sie pur ahnte. Sie wußte nur, daß sie unter ihrem jetzigen Leben litt, daß ihr etwas Wertvolles fehlte. Sie hatte mit einem Male gar keine Lust mehr, diese Reise fortzusehen. Das träge Dahingleiten des Schiffes war ihr unerträglich, gerade so zuwider, wie die ewige Anhimmelung der männlichen Schiffsgäste. Lind der eine, nach dem sie sich sehnte, der war fort. Wie sie es bereute, was sie getan hatte! War sie denn blind gewesen, daß sie das nicht schon die ganze Zeit gewußt hatte? Dom ersten Augenblick an hatte er ihr gefallen, sie hatte immer an ihn gedacht, wenn sie nicht mit ihm beisammen war. Lind aus lauter Oberflächlichkeit hatte sie ihn zurückgewiesen. Hatte ihn mit einem Rein fort» gehen lassen. Sie stellte sich August Richter in ihren Gedanken vor. Sie sah seine hohe, elastische Gestalt, seinen schmalen Kopf, seine guten Äugen. Gewiß, er war nicht nach der letzten Mode gekleidet, war äußerlich kein Gent, wie etwa Titus van Jolliet. Aber er war ein Mann, auf dessen scharfgeschnittenem Gesicht ein ernster, nachdenklicher Zug lag, und er war besonders hübsch, wenn er lachte. Es war schön, in seine klaren, grauen Augen zu sehen, die einen so unbekümmert und eindringlich mustern konnten. Diese kühlen Augen waren Magdalene oft unbequem geworden; ihr war gewesen, als ob er herauslesen konnte, daß sie nicht die war, für die sie sich hier ausgab. Lind trotzdem hatte sie sich nach feinem Anblick gesehnt, so oft er nicht bei ihr war. Lind jetzt, jetzt war er fortgegangen, für immer. Wie glücklich wäre sie, wenn sie sich jetzt an ihn hätte schmiegen, ihm sagen können, wie sehr sie ihn liebte. Aber das war vorbei, ganz vorbei! Aufstöhnend preßte Magdalene ihren Kopf in die Kissen. Cs war sehr spät, als sie endlich einschlief. Es war auch sehr spät, als sie am anderen Morgen erwachte. Sic spürte, daß der Dampfer schon wieder fuhr. Also lag man nicht mehr vor Barcelona. Sie sah nach Joes Bett hinüber und sa>h, daß es leer war. Mit einem Aufschrei fuhr Magdalene in die Höhe. Was sollte das heißen? Im Ru war sie mit ihrer Toilette fertig, ging hinaus, um sich nach den Geschwistern zu erkundigen. Sie erfuhr, daß Joe Rowakowska und Titus van Jolliet nicht aufs Schiff zurückgekehrt waren, obwohl auf ausdrücklichen Befehl des Kapitäns alle Passagiere um Mitternacht an Bord sein mußten. Die Geschwister waren indes auch am Morgen nicht gekommen, und so war das Schiff, das seine Reiseroute einhalten mußte, abgefahren. Fassungslos starrte Magdalene den Kapitän an. „Es tut mir gewiß außerordentlich leid, gnädiges Fräulein. Aber ich kann auf unpünktliche Passagiere keine Rücksicht nehmen, das ist gegen meine Vorschrift. Wir müssen unseren Fahrplan einhalten; sonst würde immer wieder der Fall eintreten, daß sich ein Passagier irgendwo zurückhalten läßt. Sie werden das sicher einsehen, gnädiges Fräulein. Ich kann Ihnen zu Ihrem Trost sagen, daß noch drei weitere Passagiere ausgeblieben sind. Vermutlich werden die Rach- zügler . mit einem fahrplanmäßigen spanischen Dampfer nachkommen und uns in Genua erreichen." In diesem Augenblick betrat einer der Offiziere die Kapitänskajüte. Man sah ihm an, wie erregt er war. Er nahm keine Rücksicht auf Magdalene, sondern rief dem Kapitän zu: „Kommen Sie, bitte, schnell Herr Kapitän. Es herrscht eine ungeheure Aufregung unter den Passagieren. Ein großer Tell von denen, die gestern die Stadtbesichtigung mitgemacht hatten, ist beraubt worden." Der Kapitän war schon draußen. Heberall waren die Passagiere in Bewegung, alles stürzte sich auf den Kapitän. Die Leute hatten erst am Morgen bemerkt, daß man ihnen alle möglichen Wertsachen geraubt hatte. Eine Helle Empörung flutete über das Schiff. Man verlangte eine ernstliche Llntersuchung des Personals und der SchisssgLste. Die Llntersuchung ergab keinerlei belastende Momente. Man wußte indes, daß in Barcelona einer der Heizer abgoheuert hatte. Der Verdacht richtete sich auf diesen Mann, und der Kapitän versicherte, daß er die Behörden auf ihn aufmerksam machen werde. Einem großen Teil der Passagiere war indes die Weiterreise auf dem Schiff verleidet. Diese Reisenden beschlossen, in Genua den Dampfer zu verlassen. Auch Magdalene hatte genug von der Seereise. Sie wollte von Genua aus gleich mit der Bahn nach Deutschland zurückkehren. Sie ließ sich ihre Koffer bringen und holte ihre Schatulle und ihre Schmucksachen aus dem Safe. Dann kehrte sie in ihre Kabine zurück, sich ans Packen zu machen. Das war ja wirklich zu dumm, daß sie jetzt nicht nur ihre Koffer allein packen, sondern daß sie sich auch noch um Joe- Gepäck kümmern mußte. Außerdem wußte sie nicht, auf welche Weise sie die Geschwister erreichen konnte. Sie konnte nur hoffen, daß in Genua eine Depesche für sie da war. Magdalene schloß ihren Schmuckkasten auf. Ein Ausruf des Entsetzens entfloh ihren Lippen. Sie sah auf den ersten Blick, daß viele ihrer Dchmucksachen gestohlen worden waren. Da fehlten das herrliche Brillantenarmband, zwei Ringe, eine große Radel, ein Perlenanhänger. Alles das war verschwunden. Tränen der Empörung stürzten aus Magdalenes Augen. Sie hatte sich die Sachen mit solch großer Freude ausgesucht, hatte sie sorgfältig aufbewahrt, und jetzt war alles fort, einem gemeinen Dieb zum Opfer gefallen. Cs war wirklich höchste Zeit, daß sie von diesem Schiff herunterkam. Sie konnte den Diebstahl verschmerzen, konnte sich neuen Schmuck kaufen; aber es sollte ihr eine Warnung sein, nie wieder solche Kostbarkeiten mit auf die Reise zu nehmen. Ein jäher Schreck durchzuckte Magdalene, als sie an ihre Schatulle dachte. Zitternd schloß sie das Sicherheitsschloß auf. Ihr Herz setzte für einen Moment aus. dann fiel sie jäh vornüber, ohne einen Laut von sich zu geben. Ein Schmerz an der Stirn brachte sie wieder zu sich. Sie hatte sich am Kofferdeckel ziemlich stark verletzt. Es dauerte eine Weile, bis sie wieder einen Gedanken fassen konnte. Dann sah sie den Brief, der den einzigen Inhalt der Schatulle bildete: „Fräulein Tippmamsell! Besten Dank für Ihre Vertrauensseligkeit. Wein Mann und ich sind der Meinung, daß das viele Geld besser zu uns paßt als zu Ihnen, und (wir stehen deshalb nicht an. es uns zu nehmen. Es wird Ihnen nichts schaden, wenn Sie tote«, der an Ihre Schreibmaschine zurückkehren. Joe Rowakowska. Mit einem irren Wehlaut sank Magdalene von neuem zusammen. Alles, alles war ihr gestohlen worden, nichts war ihr geblieben von ihrcm ganzen Reichtum. Auch ihre Papiere waren den Banditen in die Hände gefallen. Sie stand da mit leeren Händen, ohne irgendeinen Ausweis. Machtlos war sie und tief beschämt. Sie wußte, was die Menschen sagen würden. Daß ihr recht geschehen sei, mit ihrem Hochmutsteufel und ihrer Sucht, sich nach außen hin mit Glanz zu umgeben. Rur auf disse Weise war sie den Betrügern ins Retz gegangen. Jetzt war sie wieder bettelarm. Wie sollte sie dieses Schicksal ertragen, jetzt, wo alles noch bitterer war als je zuvor? ffiortkhnnrt > Denken Sie an Stoffe, denken Sie an L Bernard Danksagung. Für die vielen wohltuenden Beweise liebevoller Anteilnahme, die uns beim Hinscheiden meines lieben unvergeßlichen Mannes, unseres treusorgenden Vaters zuteil wurden, sprechen wir hierdurch unseren herzlichsten Dank aus. Meta Täubert im Namen aller trauernden Hinterbliebenen. Januar 1933. 57D Griinberger Pferde-Versicherongs-VereiD | zu ttrünbcrg (Hessen). Die Besichtigung und Neuaufnahme der Pferde findet statt: 48D Für die Orte der Rabenau: Jceitag, den 6. Januar 1933: in Londorf: 2 Uhr nachmittags. Für Gießen und Umgegend: IHonlag, den 9. Januar 1933: in Gießen, am „Rheinischen Hof": 1214 Uhr nachmittags. Für Schiffenberg und Umgegend: Montag, den 9. Januar 1933: in Garbenteich: 2 Uhr nachmittags. Für die Orte des Buseckertals: Montag, den 9. Januar 1933: in Reiskirchen: 9% Uhr vormittags. Die Pferde find ausgespannt und ohne Geschirr oorzuführen. Die nicht vorgeführten Tiere werden auf Kosten der Besitzer besichtigt. Grünberg, den 4. Januar 1933. Schäfer, Direktor. Holzversteigerung. Die Fürst zu Solms-Lich'sche Oberförsterei Hohensolms versteigert am Montag, dem 9. Januar, aus dem Distrikt Dindel- bach an Ort und Stelle Nutzholz: Eiche: Rollen (2 m l.) 9 rm; Fichte: Derbstangen 1 bis 3. Kl. 65 Stück, Reisslängen 4. Kl. 25 Stück. Brennholz: Buche: scheit- und Prügelholz 340 rm, Reisholz 94,00 Hdt. Wellen; Eiche: Scheit- und Prügelholz 24 rm, Reisholz 8,50 Hdt. Wellen. Zusammenkunft 10% Uhr beim Pflanzgarten. 49D Drennholzverkauf Oberförsterei Brandoberndorf. Montag, den 9. Januar, 10 Uhr, „Deutsches Haus" in Brandoberndorf, werden aus Göns'-od und Sankhardt verkauft: Eiche: 66 Scheit, 34 Knüppel. 39D Luche: 413 Scheit, 131 Knüppel, 3620 Dellen. Der Preußische Staatsoberförster. Holzversteigerung im Fürst zu Solms-Braunfelsfchen Forstrevier Hungen, Distrikt Klafterschlag bei Langsdorf, am Freitag, dem 6. Januar d. J. Zusammenkunft 10 Uhr vormittags an. Alten Langsdorf-Nonnenröther Weg an der ersten Wiese. Zum Verkauf kommen: 78 rm Buchenscheiter 61 rm Buchen- und Hainbuchenknüppel 164 rm Buchen- und Hainbucyen-Reiser- knüppel 210 rm Buchen-Ast- und Stammreiser 38 rm Eichenknüppel 8 rm Aspenknüppel 35 rm Grien-Stammreifer 185 rm Schlagraum._____________38D Nuhbolzsubmission der Gemeinden Salzböden und Odenhausen (fircis Metzlar). Die Gemeinden bringen das nachstehende, noch zu schlagende Nutzholz zum Ausgebot: I. Gemeindewald Salzböden. Zirka 50 fm Eichenstämme der Klassen 2 bis 5. Zirka 200 Fichtenstämme der Klassen la bis 4b. II. Gemeindewald Odenhausen. Zirka 135 fm Fichtenstämme der Klassen la bis 2b. Zirka 50 rm Fichten-Papierholz der Klassen 1 und 2. Nähere Auskunft erteilen Herr Hegemeister Saleck, Salzböden, und die Unterzeichneten. 43D Angebote sind schriftlich, mit der Aufschrift „Holzsubmission" versehen, bis zum 20. Januar 1933 an die Unterzeichneten einzureichen. Eröffnungstermin: Freitag, den 20. Januar 1933, nachmittags 2 Uhr. Salzböden, Odenhausen, 30. Dez. 1932. Die Gemeindevorsteher. B o d e n b e n d e r.______Pfaff, Wirksame Werbe-Drucksachen liefert di« BrüMFsche Druckerei Vrennholzverstetzerungen der Stadl Gießen. Aus den Waldungen der Stadt Gießen ollen versteigert werden: 47C A. Montag, den 9. Januar 1933, vormittags 9’/2 Uhr, aus den Abt. 87, 95a und 96a des Stadtwaldes, Försterei Hoch- wart: 240,0 rm Buchenscheiter 1. Kl. 32,6 rm Buchenjcheiter 2. Kl. 47,0 rm Buchenmüppel 7,0 rm Eschen- und Eichenknüppel 10,0 rm Fichtenknüppel 1850 Wellen Buchenreisig 3. Kl. 2,0 rm Eschenreisig 1. Kl. 69,0 rm Buchenstöcke 9,0 rm Buchen-Nutzscheiter 1. Kl. (gespalten) 4,0 rm Fichten-Nutzknüppel 2. Klasse (3 m lang). Das Holz aus Abt. 87 wird nicht vorgezeigt. Zusammenkunft: am Forsthaus Hochwart, Licher Straße. B. Mittwoch, den 11. Januar 1933, 9% Uhr, aus den Abt. 51b und 52 des Stadl- waldes, Försterei Rödgen: 98,0 rm Buchenscheiter 1. Kl. 6,0 rm Buchenscheiter 2. Kl. 2,0 rm Eichenscheiter 1. Kl. 74,2 rm Buchentnüppel 2,0 rm Hainbuchenknüppel 29,8 rm Eichenknüppel 3,5 rm Fichtenknüppcl 2370 Wellen Buchenreisig 3. Kl. 100 Wellen Hainbuchenreisig 3. Kl. 615 Wellen Eichenreisig 3. Kl. 160 Wellen Douglasfichtenreisig 3. Kl. 12,8 rm Buchenstöcke 1,8 rm Fichten-Nutzknüppelreisig 59,0 rm Fichten-Derbstangen 1. Kl. 36,0 rm Fichten-Derbstangen 2. Kl. 59,0 rm Fichten-Derbstangen 3. Kl. Zusammenkunft: Kreuzung 11. Schneise- Wannschneise. C. Freitag, den 13. Januar 1933, 9% Uhr, aus den Abt. 50a und 51a des Sladl- waldes, Försterei Bödgen: 157,1 rm Buchenscheiter 1. Kl. 2,9 rm Buchenscheiter 2. Kl. 21,4 rm Eichenscheiter 1. Kl. 1,0 rm Eichenscheiter 2. Kl. 1,7 rm Kiefernscheiter 1. Kl. 34,5 rm Buchenknüppel 10,5 rm Eichenknüppel 1,5 rm Kiefern- und Elsbeereknüppel 1760 Wellen Buchenreisig 3. KJ. 19,7 rm Buchenstöcke 7,6 rm Eichenstöcke. Zusammenkunft: Kreuzung 12. Schneise- Wannschneise. Die Holzgeldschuldigkeiten können zinslos bis 11. November 1933 gestundet werden. Gießen, den 3. Januar 1933. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. Rosenberg Mehrere Schlalziminer nndMirlien verkauft zu staunend herabgesetzten Preisen Louis Vetter Kaiserallee19. v2?ov Schellfische ohne Kopf Pfd. 80) Seelachs Pfd. 20 1 Filet Ptd.354 Landbrot 4-Pfund-Laib 57 ->) Molkerei-Butler 59D Pfd. 1.2V.« IttliH Lieblgitr.68.Tel. 8685 Donnerstag, den 5. Januar 1933, nach-1 mittags 2 Uhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 26, dahier, zwangsweise gegen Barzahlung: 53DI 1 Registrierkasse, 2 Trumeauspiegel, 3 Radioanlagen mit Lautsprecher, 8 Diwans, 3 Klaviere, 3 Grammophone, 3 Schreibmaschinen, 11 Sofas, 1 Schlafzimmer, 1 Frisiertoilette, 1 Haarschneidemaschine, 75 Weinbücher, 1 Broschüren- Heftmaschin,e, 1 Jagdbild, 2 Ständerlampen, 4 Kinderwagen, 2 Puppenwagen, 1 Kindersportfahrzeug, 1 Leiter, 7 Schreibtische, 3 Bücherschränke, 7 Vertikos, 4 Nähmaschinen, 2 Wäscheschränke, 6 Büfetts, 1 Flurgarderobe, 3 Spiegel, 17 Bände Brockhaus, 4 Bilder, 2 Sessel, 3 Kleiderschränke, 6 Tische, 20 Stühle, 1 Regulator, 1 Teppich, 1 Kommode, 2 Chaiselongues, 1 Warenschrank, 1 Harmonium, 2 Oefen, 2 Mantelkessel, 1 Vervielfältigungsapparat 1 Hobelbank, 1 Bohrmaschine, 1 Kreoenz. Ferner an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im versteigerungslokal): 2 Kühlschränke, 1 Horch-Personenwagen, 1 Opel-Personenwagen. Müll Gerichtsvollzieher in Gießen Ludmigstraße 33 — Telephon 3239 Die Gemeinde Frankenbach bietet folgende Hölzer vor dem Einschlag an: Fichte: Stämme = 530 fm. Eiche: Stämme = 14,55 fm Klasse 2 u. 3. Eiche: Nutzscheit = 60 rm (2 m und 2,50 m lang). Kiefer: Nutzscheit --- 43 rm (2 m und 2,50 m lang). 41D Angebote sind an die Bürgermeisterei zu senden. Der Bürgermeister. Bernhardt. !IIII!III!IIIIIII!IIIIIIIIIIIIIII!II Klgllll Donnerstag, 12.1. 33, abends 8.30 Uhr im Postkeller: Ordentliche General-Versammlung Tagesordnung: 1. Tätigkeitsbericht des Vorstandes. 2. Tätigkeitsbericht der Ausschüsse. 3. Cntl. des Vorst, u. d. Ausschüsse. 4. Neuwahlen. 5. Verschiedenes. 42D Ter Vorstand. iiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiiiD GießenerKonzertverein Sonntag, 8. Januar 1933, 17 Uhr, Üntv.-Anla Viertes Konzert Das Zilcher-Trio aus Würzburg. Pro!. Dr. H. Zilcher — Prof. A. Schiering Prof. E. Cahnbley. Klaviertrios von Brahms in C-Dur — Loiellet in G-Moll — Beethoven in B-Dur. Der Konzert-Flügel ist aus dem Pianohaus Schönau. Eintrittskarten 2, 3 und 4 Mk. bei Emst Cballier und abends an der Kasse. Studentenkarten 1 Mk. bei Herrn Sekretär Ritter u. im neuen Studenten haus. 93340 Kleinschreibmaschinen große Auswahl erster Fabrikate finden Sie zu niedrigsten Preisen bei Niederhausen&Co. Seitenweg 17ersterStck. von Kleider Köhler. R954D Lahnfreunde Sonntag, 8.Januar pünktlich 4 Uhr WeihnachtsFeier im Kath. Vereinshaus. Eintritt frei. Zutritt nur für Mitglieder u. geladene Gäste. Mitglieds- u. Gast - Einlaßkarten bei allen Vorstandsmitgliedern. 046 Donnerstag,nackm. 3‘/» Uhr, treffen sich die Damen bei (seD Bünscl, Hammstr. Kavall.-Verein Gießen e. V. Montag, «.Januar, 19 Uhr, eröffnen mir in derGoetlieschule, Westanlage43,einen Anfänger- Lehrgang in der deutschen Einheits-Kurzschrift für Damen und Herren unter Leitung eines staatlich gevr. Kurz- schristlehrers. Unterrichtsg. 8 Mk. Anmeldungen und Auskunft durch Hrn. Franz Haustein, Löberstraße9II,od. z.Uiiterrichtsbeginlu Kurzschriftverein v. 1861 mit Damenabtlg, e.V. Donnerstag, 5.1.33, 20.30 Uhr im Heim Vortrag von Museumsassist. Szczeck sid Gießens Urgeschichte Gäste millfommen. Salomon 1006 A Modehaus Rranf uiaui • ■whm -Strümpfe • Mittwoch, ^.Zanuar 1955 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen) Nr. 5 Zweites Blatt Zeitfragen des Mittelstandes Das Handwerk im Jahre 1932. Don Friedrich Derlien, Hannover, Vorsitzendem des Veichsverbandes des deutschen Hondwerts. das vollständige Darniederliegen der Bautätigkeit, das auf den völligen Mangel an Bauaufträgen zurückzuführen war. Infolge der Schwierigkeiten in der Kapitalbeschaffung, sowie der rigorosen Sparmaßnahmen der Behörden gelangten Sieu- bauten kaum zur Durchführung. Auch in Len Baunebengewerben blieb die Auftragstätigleit auf kleinere Reparaturen beschränkt. Eine geringe Belebung hatten nur die Handwerkszweige auszuwei- sen die zu den ausgesprochenen Saisonbrrufen zählen. So ergab sich eine gewisse vermehrte Beschäftigung bei den Malern, Töpfern, Tapezierern und Elektrikern infolge der regen Hrnzugstatigkert. Für die mit der Landwirtschaft zusammenarbeiten- Len Handwerksberufe , wie Sattler, Schmiede, Stellmacher usw., blieb die vermehrte Auftragserteilung weit hinter Len Erwartungen zurück. 3m Bekleidungshandwerk fetzte die saisonmäßige Belebung erst im Mai und nur zögernd em. Das gesamte Geschäft blieb geringer als im Borjahre. Auch für das dritte Vierteljahr blieb die allgemeine Lage im Handwerk entsprechend der Entwicklung der gesamten Wirtschaftstätigkeit äußerst gedrückt. So nahm vor allen Dingen m den holzverarbeitenden Handwerken die Beschäftigung allgemein wieder ab. Sie erstreckte sich auch hier in erster Linie nur auf Instandsetzungsarbeiten. Der Umfang an Aufträgen im Klempner- und Installateurgewerbe hielt sich weiter in engen Grenzen. Auch die Reisezeit vermochte weder die Ver- kauss- noch die Wertstattätigleit merklich zu be- leben So blieben gerade im Schnerderhandwerk die sonst üblichen Aufträge für Reisekleidung aus. Auch das Sattlerhandwerk, dessen Hmfatze sich Kaust deutsche Waren! Einige Gedanken zur ernsten Lleberlegung. Steuerpflichtigen abhängig sind, z. B. «chuler, Lehrlinge, Studenten. Minderjährig ist nach 2 und 3 BGB. ein Kind bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres, oder bis zu einer früheren Voll- jährigkeitserklärung. Es find mithin alle zum Haushalt zählenden minderjährigen Kinder, die am 10. Oktober 1932 Arbeitseinkommen nicht bezogen haben — fei es, weil sie überhaupt noch in keinem Dienstverhältnis gestanden haben, oder weil sie am Stichtage erwerbslos waren — bei Eintragung des Familienstandes auf der Steuerkarte mitzuzählcn. Infolgedessen steht dem Haushaltungsvorstand (Vater bzw. fDlutter) für das ganze auf den Stichtag folgende Kalenderjahr die familienermäßigung zu, und zwar auch dann, wenn das Kind nach'dem 10. Oktober 1932 Arbeitslohn bezieht. Eine Berichtigung der Eintragung auf der Steuerkarte mit Rücksicht aus eine nach dem 10. Oktober 1932 eingetretene Aenderung zu Ungunsten des Arbeitsnehmers (z.B. Tod der Ehefrau oder eines Kindes) kommt nicht in Frage. Weist der Arbeitnehmer nach, daß die Zahl der Personen, für die die Familienermäßigung in Frage kommt, größer ist, als auf der Steuerkarte angegeben, so hat die Gemeindebehörde auf seinen Antrag die Tatsache auf der Steuerkarte zu vermerken. In diesem Falle tritt die Ermäßigung für die hinzu- gekommene Person (z. B. Ehefrau, Geburt von Kindern) bei der ersten Lohnzahlung, bei der die ergänzte Steuerkarte vorgelegt wird, in Kraft. bungskosten um den Hundertsatz der Erwerbsbeschränkung ohne Einzelnachweis, sosern der Steuerpflichtige mindestens um 25 v. H. erwerbsbeschränkt ist. Die Erhöhung gilt, da sie in der Hauptsache ihren Grund in den besonderen, durch die Beschädigung verursachten Ausgaben hat, die bei der Ausübung einer Erwerbstätigkeit entstehen, nur für den Steuerabzug von den Bezügen aus einem gegenwärtigen Dienstverhältnis, nicht dagegen für den Steuerabzug von den etwa gezahlten Ruhegehalts- und ähnlichen Bezügen für eine frühere Dienstleistung. Bei anderen Gruppen von Arbeitnehmern, wie z. B. Bühnenangehörigen, Artisten, Musikern, Bergleuten werden die Werbungskosten und Sonderleistungen nach bestimmten Richtlinien ohne Einzelnachweis erhöht. Die gesetzlich festgelegte Familienermäßigung richtet sich nach dem von der Gemeindebehörde aus der Steuerkarte eingetragenen Familienstand am 10. Oktober des dem Steuerabschnitt vorausgegange- nen Kalenderjahres (für 1933 somit der 10. Oktober 1932). Hierbei sind die zur Haushaltung des Arbeitnehmers zählende Ehefrau und die zu feiner Haus- haltuno zählenden minderjährigen Kinder, mit Ausnahme" der Kinder im Alter von mehr als 18 Jahren, die Einkünfte aus selbständiger (freier) Berufstätigkeit oder aus nicht selbständiger Arbeit haben zu berücksichtigen. Als zur Haushaltung gehörig zählen auch die minderjährigen Kinder, die mit dem Willen des Haushaltungsvorstandes außerhalb der Haushaltung untergebracht, aber wirtschaftlich vom (Kalenderjahr 1933) beeinflussen. Reben einer Erhöhung des steuerfreien Lohnbetrages aus besonderen wirtschaftlichen Verhältnissen erfolgt auf Antrag eine Erhöhung der Pauschbeträge für Sonderleistungen und Werbungskosten, wenn diese zusammen den Betrag von 40 Mk. monatlich ober 480 Mk. im Jahr übersteigen. Zu den Werbungskosten zählen die zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der steuerpflichtigen Einkünfte gemachten Aufwendungen, insbesondere auch die nob wendigen Ausgaben des Steuerpflichtigen durch Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, sofern er hierfür von dem Arbeitgeber keinen Ersatz erhält. Auch die Aufwendungen des Arbeitnehmers für Arbeitsmittel (Werkzeuge und Berufskleidung) zählen zu den Werbungskosten. Rach einer Regierungserklärung anläßlich der Beratung des Ein- I kommensteuergefetzes gehören die Aufwendungen I für die tägliche Kleidung, die innerhalb und außerhalb des Berufes getragen wird, zu den Haushaltsausgaben und sind daher keine Werbungskosten. Wenn aber jemand neben seinen gewöhnlichen Kleidern noch eine besondere Berufskleidung hat, (z. B. der Arbeiter im Bergwerk oder der Chemiker im Laboratorium), fo stellen die Ausgaben hierfür Werbungskosten dar. Auch Ausgaben, die em Steuerpflichtiger machen muß, um sich in seinem Berus wettbewerbsfähig zu erhalten, sind Aufwendungen zur Erhaltung der Einkünfte und somit Werbungskosten. Jedoch sind von diesen Ausgaben solche zur Erlernung eines Berufs (Ausdildungs- I kosten) und solche zur Fortbildung (^ortbildungs- kosten) zu unterscheiden. Während Ausblldungs- kosten überhaupt nicht adzugsfahig sind, find Fortbildungskosten als Sonderleistungen nur m beschränktem Umfange zu berücksichtigen. Zu den Sonderleistungen zählen: 1. Beiträge, die der Steuerpflichtige für sich und seine nicht selbständig veranlagten Hausha - tungsangehörigen zu Kranken-, Unfall-, Haftpflicht-, Angestellten-, Invaliden- und Erwerbs- losenversicherungs-, Witwen-, Waisen- und Pen- fionskassen zu zahlen hat: | 2. Beiträge zu Sterbekassen für den steuerpflichtigen und seine nicht selbständig veranlagten Haushaltsangehörigen; 3. Versicherungsprämien, die für Versicherungen des Steuerpflichtigen und feine nicht selbständig veranlagten Haushaltungsangehörigen auf den Todes- oder Lebensfall gezahlt werden; den Versicherungsprämien werden gleichgestellt Spareinlagen, sofern Öle Rückzahlung des Kapitals nur für den Todesfall, oder für den Fall des Erlebens innerhalb einer Zeit von nicht weniger als 20 Jahren vereinbart ist und die Vereinbarung unter Verzicht beider Vertragsteile auf eine Abänderung oder Aufhebung dem für den Steuerpflichtigen zuständigen Fi-- nanzamt angezeigt wird; 4. Ausgaben für die Fortbildung m dem Beruf, den der Steuerpflichtige ausübt; 5. Kirchensteuern, soweit diese in dem »teuerab- lchnitt fällig werden; . 6. Beiträge zu den öffentlich-rechtlichen Beruss- oder Wirtschaftsoertretungen sowie zu Berufs- verbändcn ohne öffentlich-rechtlichen Charak^r, deren Zweck nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist. ... . Die Sonderleistungen unter Nr. ^b.s 4 dur en zusammen den Iahresbetrag von 600 Mk nicht übersteigen; dieser Betrag erhöht sich silr dle zur Haushaltung des Steuerpflichtigen zahlende Ehefrau, sowie für jedes zu feiner Haushaltung zahlende und nicht selbständig zu^ veranlagende mmberjaonge ^Für"bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern ist zur Vereinsachung der Verwaltungsarbeit eine «om oerregelung getroffen. Bei Kriegs- und Zwilbe cha- bigten erfolgt auf Antrag eine Erhöhung des steuerfreien Betrags, der Sonderleiftungen und der Wer- Jm Hinblick auf den von der Hearst-Presse — vgl. die vorgestrige Meldung — eingeleite« ten Propagandafeldzug gegen den Verbrauch ausländischer, auch deutscher Waren in Amerika sind die nachstehenden Zeilen besonders beherzigenswert. D. Red. Wir stehen wieder einmal vor den Inventur- A u s v e r k ä u f e n. Mit allen Mitteln der Reklame suchen die Geschäftsleute die Käufer anzulocken, sie wollen ihre Läger räumen, sich „flüssiger" gestalten, wie es im Kaufmannsdeutsch lautet. Die Kauser- kreise warten auf die billigeren Preise und vergleichen an der Hand der Zeitungsanzeigen, wo sie am billigsten ankommen können. Wie wäre es, wenn die Käufer auch einmal einen anderen Gesichtspunkt bei ihren Einkäufen gelten lassen wollten, nicht nur den der Billigkeit und Güte, sondern auch den der Herkunft? „Kauft deutsche Waren!" Und wie wäre es, wenn die Derkäuser den deutschen Ursprung ihrer Waren kennzeichneten? ,Jchverkaufenur deutsche W a r e n!"? Es dürfte wohl kaum einen. Menschen in Deutschland geben, der nicht einsieht, daß wir die Einfuhr entbehrlicher Waren aus dem Ausland ein- schränken müssen, weil wir es uns bei unserer Armut nicht gestatten können, jährlich Hunderte von Millionen Mark ans Ausland zu zahlen für Lebensmittel, Genußmittel und Waren aller Art, die wir entweder ohne Schädigung unserer Volksgesundheit entbehren, oder ebenso gut und preiswert im eigenen Lande Herstellen können. ,Ja" sagten, schrieben und schrien viele Leute „da muß der Staat eingreifen, die Einfuhr muß 'unterbunden werden, wir müssen uns aus uns selbst erhalten können." Da man bei uns alles mit Fremdwörtern belegen muß, damit die anderen glauben, man fei gebildet, wenn man diese für viele unverständliche Worte gebrauche, nannte man diese Beschränkung auf die eigene Produktion mit dem j schönen Worte „Autarkie". Wir wollen hier nicht * den Beweis erbringen, daß die rücksichtslose Durch- i führung dieses Gedankens ganz unmöglich ist, wir wollen nur betonen, daß die staatliche Hilfe, die man herbeirief und die mit strengen Emsuhroec- boten ober -Einschränkungen unserer notleidenden Landwirtschaft zu Hilfe kommen wollte, em Fehlschlag war. Wohin führte der Schrei nach Staats- hilse? Die deutsche Industrie — auch m unserem engeren Wirtschaftsgebiet — kann em Lied davon singen, wie durch diese gewaltsame Unterbindung der Einfuhr die Ausfuhr deutscher Jndustrieerzeug- nisse gedrosselt, ja teilweise ganz unterbunden wurde. Die Lage des Handwerks im Iahre 1932 toar ein getreues Spiegelbild der allgemeinen Wirtschaftslage. Sie war schlecht, sehr schlecht. Selbst die RahrungsmittelhandLerle, die am letzten die Auswirkungen schlechter Zecken verspüren, mußten einen fühlbaren weiteren Absatzruckgang fcststeUen. Von einer Beschäftigung mit Reuaustragen konnte kaum noch die Rede fein. Soweit überhaupt Beschäftigung vorlag, beschränkte sie sich im wesentlichen auf unerläßliche Reparaturen, von denen jedoch die Schwarzarbeit wieder einen großen Teil an sich zu reißen vermochte. Für die Entwicklung des Handwerks im ersten Vierteljahr 1932 verdient die Preissenkungsamon der Reichsregierung Erwähnung, die zum Leck durch die Form ihrer Durchführung un Handwerk außerordentliche Erbitterung ausloste. Es wird bei der Forderung nach Senkung der Preise tm Handwerk nur zu leicht vergessen daß das Handwerk in seiner Preisgestaltung nicht frei ist, son- dern wesentlich von den Preisen seiner Dorll^e- ranten, von der Belastung mit Steuern und Sozialbeiträgen, die noch keine wesentliche Senkung erfahren haben, abhängig ist. S'abei hat sich yn* folge der feit Iahre.i andauernden Depression im Handwerk allmählich ein Derartiger Hunger nach Arbeit entwickelt, daß die Preise ganz von felbit auf das niedrigste Maß bemessen Und. Die von der Reichsregierung «ingeschlagene Deflations- Politik konnte im Handwerk keme Belebung aus- lösen, im Gegenteil, der Lohn- und Gehaltsabbau mußte sich in einem weiteren Rückgang an Austra- ^Für das zweite Vierteljahr blieb charakteristisch sonst durch den Verkauf von Reiseartileln im Sommer heben, vermißte die Üblick e Belebung. Das vierte Vierteljahr stand unter den ersten Auswirkungen des Programms der Rerchsregie- rung von Papen. Reueinstellungen konnten ie- doch nicht vorgcnommen werden, da es in erster Linie darauf ankam, einmal ausreichende Arbeit für den Meister selbst za schaffen. Beachtenswert bleibt immerhin, daß das Dauhaupt- und auch die Baunebengewerbe eine gewisse Belebung erfahren konnten, eine Belebung, die ohne leben Zweifel auf die Gewährung von Zuschüssen für die Vornahme von Reparaturarbeiten am Alt- hausbesitz zurückzuführen war. Jedenfalls bleibt festzustellen, daß durch die Bereitstellung eines Fonds von 50 Millionen Mk. vielen arbeitswilligen und arbeitsfreudigen Menschen im Handwerk Brot und Verdienst zugcführt werden konnte, eme Belebung der mittelständischen Wirtschaft, die auch ihre günstigen Auswirkungen auf andere Gruppen nicht verfehlt hat. Das Weihnachtsgeschäft brachte für einzelne Zweige des Handwerks eine vermehrte Hmfatztätigkeit. Die Schwarzarbeit der arbeitslosen Gesellen hat im abgelaufenen Jahre ebenfalls zugenommen und so dem Handwerk viele Aufträge entzogen. Hm diesen unheilvollen Auswirkungen auf das Handwerk zu begegnen, wird nunmehr ein gesetzliches Verbot der Schwarzarbeit gefordert, wobei neben einer Bestrafung des Schwarzarbeiters auch der Auftraggeber selbstschuldnerisch für die den Schwarzarbeiter treffende Geldstrafe haften soll. Reuerdings sind Städte, wie Kassel, auch noch dazu übergegangen, infolge ihrer finanziellen Schwierigkeiten die Bezahlung der Handwerke^ red'-nungen auszusetzen. So muh denn nun auch noch das Handwerk, während es selbst den schwersten Kampf um seine Existenz zu führen hat und harten Steuerbeitreibungen ausgesetzt bleibt, zwangsweise als Kreditgeber für die Städte herhalten. _ „ ... Für das Jahr 1933 fordert das Handwerk die endgültige Abkehr von der bisherigen Deflationspolitik, denn soviel steht ohne allen Zweifel fest daß durch diese Maßnahmen der gewerbliche Mittelstand in einer Weise geschwächt wurde, die auch vom staatspolitischen Standpunkt aus außerordentlich bedauerlich bleibt. Das Handwerk selbst will keine Sonderstellung. Cs weiß, daß das deutsche Volk eine Schicksalsgemeinschaft bildet und daß die allgemeine Rot auch den eigenen Berufsstand nicht verschonen kann. Aber was es will, das ist die Forderung nach Gerechtigkeit und Freiheit für seine ehrliche Arbeit. Die Sürgerfleuer 1933. Die Gemeinden sind berechtigt und, sofern die Gemeindegrundsteuern oder die Gemeindegewerbesteuern eine gewisse Höhe übersteigen, verpflichtet, für das Jahr 1933 die Bürgersteuer zu erheben. In diesen Fällen wird die Dürgerfteuer von allen natürlichen Personen erhoben, die am 10. Oktober 1932 im Gemeindebezirk wohnten. Dies gilt auch für Ausländer und für Minderjährige, wenn sie am 10. Oktober 1932 das 18. Lebensjahr vollendet haben. Ausgenommen sind Personen, die am 10. Oktober 1932 vom Wahlrecht ausgeschlossen, oder rechtlich in der Ausübung des Wahlrechtes behindert toaren, oder bei denen die Ausübung des Wahlrechtes ruhte. _ Die Dürgersteuer wird in gleichen Teil betragen fällig. Sofern der Steuerpflichtige am Fälligkeitstage einer Rate Arbeitslosenunterstützung, Krisen» unterstühung bezieht, oder zu dieser Zeit lausende Fürsorge auf Grund der Verordnung über die Fürsorgepflicht genießt (Kleinrentner) bzw.Ren» ten aus der reichsgesetzlichen Sozialversicherung (Sozialrentner) empfängt — sofern das gesamte Jahreseinkommen des Sozialrentners 900 Mark nicht übersteigt — darf die betreffende Rate der Dürgersteuer nicht erhoben werden. Das gleiche gilt für Empfänger einer Zusatzrente nach tz 88 des Reichsversorgungsgesetzes, sowie von Personen. Deren lanDwirtschaftliches, forstwirtschaftliches, gärtnerisches Vermögen, Grundvermögen und Betriebsvermögen im Sinne des Reichsbewertungsgesetzes zusammen 5200 Mark nicht über» steigt und von denen nach den Verhältnissen am Fälligkeitstage anzunehmen ist, daß ihre gesamten Jahreseinkünfte im Jahre 1933 den Betrag nicht übersteigen, den der Steuerpflichtige nach seinem Familienstand im Falle der Hilfsbedürstigkeit von dem zuständigen Fürsorgeverband nach Den Richtsätzen der allgemeinen Fürsorge als Woyl- fahrtsunterstühung erhalten würde. Die Höhe der Dürgersteuer für das Kalenderjahr ist nach Dem Jahreseinkommen gestaffelt und bemißt sich nach Dem für Die betreffende Gemeinde festgesetzten Hundertsah vom Landessah. Erhebt eine hessische Gemeinde eine Dürgersteuer in Höhe von 500 Prozent des Landessahes. so beträgt die (Steuer z. D. für Personen mit einem Jahreseinkommen von nicht mehr als 4500 Mark 500 Prozent von 6 Mark (Landessah) gleich 30 Mark und bei einem Einkommen von 4500 bis 6000 Mark 500 Prozent von 9 Mark gleich 45 Mark usw. Zur Feststellung, in welche Stufe der Steuerpflichtige einzureihen ist, ist im allgemeinen das Jahreseinkommen 1931 maßgebend. Die Werbungskosten, Sonderleiftungen und gegebenenfalls der steuerfreie Einkommensteil sind abzuziehen. Der Landdessatz ermäßigt sich für Personen, die einkommen- steuerfrei sind, auf die Hälfte des niedrigsten Landessahes (500 Prozent von 3 Mark gleich 15Mk.). Die Ermäßigung gilt nicht für Personen, deren landwirtschaftliches, forstwirtschaftliches und gärtnerisches Vermögen, Grundvermögen und Betriebsvermögen im Sinne Les Reichsbewertungsgesetzes zusammen 10 000 Mark (nach dem Stande vom 1. Januar 1931) übersteigt. Für 1933 werden Ehegatten, die nicht dauernd getrennt leben, zu lammen mit demselben Satze wie Unverheiratete herangezogen, gegenüber der seitherigen Regelung in sozialer Hinsicht eine erfreuliche Besserung. Die Bürgersteuer wird auf Antrag ermäßigt: 1. bei Personen, von Denen anzunehmen ist, daß sie für das Kalenderjahr 1933, ober für den in diesem Jahre endenden Steuerabschnitt einkommensteuerfrei fein werben, auf ben ber Hälfte bes niebrigften Lanbessatzes entiprc« chenden Betrag, sofern nicht bereits biefer Betrag nngeforbert ist, ober der betreffende Steuerpflichtige Realvermögen mit einem Ein heitswert (1. Januar 1931) von zusammen Lohnsteuerermäßigungen. Don (Sfeuerinfpeftor KreeS, Eießen. Durch bie fßerorbnung vom 5. 6. 1931 ist bie Anwendung bes § 93 Einkommensteuergesetzes, ber bie Erstattung von einbehaltenem Steuerabzug vom Arbeitslohn nach Ablauf bes Jahres regelt, aufgehoben. Hierburch gewinnt bie Möglichkeit ber Erhöhung bes steuerfreien Lohnbetrags, sowie ber Erhöhung ber Pauschbeträge für Sonderleiftungen unb Werbungskosten bei Arbeitnehmern auf ber Steuerkarte erhöhte Bedeutung. Da bie bewilligten Erhöhungen bei ber Berechnung ber Lohnsteuer erst zu berücksichtigen sinb, wenn bem Arbeitgeber bie mit ber Aenberung versehene Steuerkarte vorgelegt wirb, empfiehlt sich beim Dorliegen ber entsprechenden Voraussetzungen umgehende Antragstellung unter Beifügung ber erforberlichen Belege unb ber Steuerkarte 1933. Auf Antrag bes Steuerpflichtigen erfolgt burch bas Finanzamt eine Erhöhung bes steuerfreien Lahnbetrags, ber, ebenso wie bei ben zu veranlagenden steuerpflichtigen Personen mit einem Einkommen unter 10 000 Mk., jährlich 720 Mk. beträgt, wenn bie Voraussetzungen für bie Anwenbung des § 56 Einkommensteuergesetz oorliegen. Nach biefer gesetzlichen Bestimmung können besonbere wirtschaftliche Verhältnisse, bie bie Leistungsfähigkeit bes Steuerpflichtigen wesentlich beeinträchtigen, berücksichtigt werben, wenn das Einkommen 30 000 Mk. nicht übersteigt. Als Verhältnisse dieser Art gelten insbesondere außergewöhnliche Belastungen durch Unterhall ober Erziehung einschließlich Be- rufsausbilbung ber Kinder, durch gesetzliche ober sittliche Verpflichtung zum Unterhalt mittelloser Angehöriger, auch wenn sie nicht zur Haushaltung bes Steuerpflichtigen zählen, burch Krankheit, Körperverletzung, Derschulbung, Unglücksfälle ober burch besonbere Ausweisungen im Haushalt, bie burch bie Erwerbstätigkeit einer Witwe mit minberjahngen Kindern veranlaßt worden sind. Nach der Rechtsprechung des Reichsfinanzhofes stelll bie Anwendung des § 56 Einkommensteuergesetz eine Ausnahmevorschrift bar, unb es sinb hierbei bie Ruck- sichten auf ben Einzelnen unb bie Allgemeinheit, der im Ergebnis jede besonbere Ermäßigung zur Last fällt, in einen vernünftigen Ausgleich zu bringen. Nach ben Vorschriften bes Einkommensteuergesetzes können sowohl bie in einem Steuerabschnitt (z. B. Kalenberjahr 1933) oorliegenben befonberen wirtschaftlichen Verhältnisse im Sinne bes § 56 Einkommensteuergesetz als auch bie Werbungskosten unb Sonberleistungen eines Steuerabschnittes immer nur bie Lohnsteuer bieses Steuerabschnittes Denn bas Auslanb griff sofort zu Gegenmaßregeln, bie sich in unserer Notlage besonders schmerzlich aus« wirkten. Zwang Hilst hier nicht, fonbern nur Erziehung bes Volkes zu verantwortlichem Denken unb Hanbeln. Blicken mir dock) einmal auf anbere ßänber, wie bort bas Volk zum Kauf einheimischer Erzeugnisse erzogen wirb! In Englanb heißt es: „Buy british goods", „British goods are best", in Frankreich: „Achetez fran- pais", in ber Schweiz: „Kauft Schweizer Waren", in Dänemark: „Dansk Arbejde", in Italien: „Battaglia per il grano“ ober „Battaglia econo- mista“. Wenn wir bas gleiche getan hätten, ober tun würben, könnte uns bies kein Mensch verübeln. Läßt bie Nachfrage nach auslänbischen Waren nach, weil sie bei uns nicht mehr in bem bisherigen Maße gekauft werben, bann nimmt auch bas Angebot ab. Kommt aber bie Regierung mit Zwangsmaßnahmen, bann sieht die Sache ganz anders aus unb es kommt leicht zu einem Wirtschaftskrieg, ber keinen Nutzen, aber ungeheuren Schaben stiftet. Wer soll aber ber Träger dieser Erziehungsarbeit sein, wenn bie Regierung ausgeschaltet bleiben muß? Alle I n t e r e s s e n v e r b ä n d e, Industrie unb Hanbelskammern, Großhanbel, Klein- hanbel, Innungen, Angestelltenvertretungen, Verkehrsvereine unb nicht zum wenigsten alle Frauen -Vereinigungen, benn unsere Frauen stellen boch wohl ben größten unb einflußreichsten Teil unserer Käuferschicht bar! Es muß jebem einzelnen eingehämmert werben: wir brauchen keine fremben Weine unb Parfüms, keine englischen Stoffe, keine tschechischen Biere unb Schuhe, leine auslänbischen Automobile, keine amerikanischen Aepfel und Bananen, ober Maschinen, keine italienischen ober spanischen Apfelsinen usw., wenigstens nicht in bem erschreckenben Ausmaße wie bisher. Es muh jedem Deutschen täglich immer wieder von neuem zum Bewußtsein gebracht werden, daß man deutsche Waren und Produkte kau- f e n muß, soweit sie nicht ebenso gut und ebenso billig sind, wie die fremden Waren. Also denkt deutsch, kauft deutsche Waren, veranstaltet Deutsche Wochen, und hämmert diese Gedanken durch geeignete Reklame in Wort, Schrift und Licht in die Köpfe unseres Volkes! Dann bleiben jährlich Hunderte von Mll- lionen Mark im Lande unb befruchten Hanbel, Gewerbe unb Industrie zum Nutzen unseres ganzen Volkes. XY- 10 000 RM. besitzt. Bei der Schätzung der ge- samten Jahreseinkmifte sind die wirtschaftlichen Verhältnisse vom jeweiligen Fälligkeits- tage zugrunde zu legen. Hinsichtlich des 2k» bcttslohnes ist zur Berechnuna der gesamten Jahrcseinkünstc von dem Lohn auszugehen, der bei der nächsten auf den Fälligkeitstag folgenden Lohnzahlung zu zahlen ist. Hinsichtlich de-t sonstigen Einkommens sind die voraussichtlichen gesamten Jahreseinkünfte des Kalenderjahres 1933 im Wege der Schätzung zu ermitteln-, hierbei kann von den feftgesteU» ten oder schätzungsweise ermittelten Einkünften des Stenerabschnittes 1932 ausgegangen werden; 2. bei Personen, von denen anzunehmen ist, daß ihr Einkommen im Steuerabschnitt 1932 gegenüber dem Einkommen im Steuerabschnitt 1931 um mehr als 50 v. H. zurückgegangen ist, mindestens entsprechend dem Hundertsatze des Einkommensrückganges, wobei jedoch ein Einkommensrückgang von 50 v. H. außer Betracht zu lassen ist. In diesen Fällen würde also z. B. bei einem Einkommensrückgang von 80 v. H. von der an sich maßgebenden Steuer ein Abschlag von mindestens 30 v. H. zu machen fein. Die Erhebung der Bürgersteuer erfolgt bei den Lohn- und Gehaltsempfängern durch Einbehalten eines Lohnteiles. Die Höhe des einzubehaltenden Betrages ergibt sich aus der Steuerkarte des Arbeitnehmers für 1933. In diesen Fällen haftet der Arbeitgeber für die von ihm einzubehaltenden Beträge und für deren ordnungsmäßige Abführung. Die Einbehaltung ist bei her nächsten auf den Fälligkeitstag folgenden Lohnzahlung vorzunehmen. Die Abführung der einbehaltenen Beträge an die zuständigen Gemeindetassen durch den Arbeitgeber hat bis zum 5. des auf die Einbehaltung folgenden Kalendermonats stattzufinden. Soweit jedoch die Bürgersteuer von der Gemeinde anaeforbert ist, in der die den Lohn zahlende Betriebsstätte liegt, sind die bei den Lohnzahlungen vom 1. bis 15. eines Kalendermonats einbehaltenen Beträge bereits bis zum 20. dieses Kalendermonats abzu- führen, wenn die abzuführende Summe 200 RM. und mehr beträgt. Sofern ein Lohn- und Gehaltsempfänger im Steuerabschnitt 1931 neben dem Arbeitslohn noch ein sonstiges Einkommen von mehr als 500 RM. gehabt hat, erhält er, sofern infolge des fonftigen Einkommens eine Höhere Bürger- steuer bedingt wird, außerdem einen zusätzlichen Steuerbescheid. Bei den übrigen Steuerpflichtigen erfolgt die Erhebung auf Grund eines besonderen Steuerbescheides. Außerdem ist aber auch Anforderung durch öffentliche Bekanntmachung der Gemeindebehörde möglich. Steuerberechtigt für den vollen Steuerbetrag ist die Gemeinde, in deren Bezirk der Steuerpflichtige am 10. Oktober 1932 gewohnt hat. Dies gilt auch dann, wenn der Steuerpflichtige nach dem Stich- tage seinen Wohnsitz in den Bezirk einer anderen Gemeinde verlegt. Hat der Steuerpslichtige im Inland einen mehrfachen Wohnsitz, so ist die Steuer nur an diejenige Gemeinde zu entrichten, die nach dem Stande vom 21. Oktober 1932 die höchste Bürgersteuer erhebt. Die Steuerpflicht beschränkt sich aus die Teilbeträge, deren Fälligkeitstag der Steuerpflichtige erlebt. SieLrhallungderVarbawffabmginGelnhausen. WSMD tii V Die Barbarossaburg Gelnhausen, die, wie die meisten Wasserburgen auf Pfählen erbaut ist, deren Zahl man nach den Ausgrabungsarbeiten auf 15 000 bis 20 000 schätzte, war durch das Absinken des Wasserspiegels der Kinzig in Gefahr geraten, der Vernichtung anheimzusallen. Das Preußische Kultusministerium hatte die Mittel bewilligt, die nunmehr dazu benutzt worden sind, nach Absprießung der Mauer an Stelle der verfaulten Pfähle einen Betonunterbau auszusühren. Bei diesen Arbeiten konnten die Forschungen über die Geschichte der Burg weitere Antriebe erhalten, so daß der Plan besteht, ein Werk über die Forschungsergebnisse her- auszubringen. Auch über die Bauzeit der Büro, die Ende des 11 Jahrhunderts begann, werden durch die Ausgrabungsarbeiten neue Forschungen mög lief) sein, zumal der umfangreiche Pfahlroftbau nach Schätzungen des die Arbeiten leitenden Baurats Tuczek-Hanau allein mindestens 15 bis 20 Jahre in Anspruch genommen hat. Unser Bild zeigt die Sicherung der Arkadenmauer mittels Preßbeton- pfählen. Wirtschaft. Berlin abaeschwächt. Berlin, 4. Jan. (WTB. Funkspruch.) An den Aktienmärkten bestand heute überwiegend A b g a b e n n e i g u n g , die sich zwar in der Hauptsache auf die Börse selbst beschränkte und kaum auf stärkere Verkaufslust des Publikums zurückzuführen war, dennoch aber genügte, um ziemAus dem Fußball-Länderkampf Deuischland-Men. Packende Spielszene während des Fußball-Länderkampfes, der in Bologna zwischen Deutschland (weißes Trikot mit schwarzer Hose) und Italien ausgetragen wurde, und der die Italiener mit 3:1 Toren sieg- reich sah. 2 U 1 ■ sA,- „.*1 t W&- w*- lich allgemein Verluste herbeizuführen. Die Rück- änge betrugen im allgemeinen bis zu 1,50 o. H., in Sonderfällen bis zu 2,50 o. H. Die weiter undurchsichtige Lage in der Innenpolitik war der Hauptgrund für die schwächere Stimmung der Spekulation und die Unternehmungsunlust des Publikums. Die anhaltende Festigkeit der deutschen Bonds in Reuyork und der befriedigende Monatsbericht des Stahlwerksverbandes konnten demgegenüber nicht zu Neuengagements anreizen. Montane büßten, mit Ausnahme von Stolberger Zink, die 1,50 v. H. fester lagen, ziemlich allgemein bis zu 1 o. H. ein. Braunkohlenwerte lagen bis zu 1,50 v. H. schwächer, Kalipapiere lagen geschäftslos, Aschersleben waren 2 v. H. gedrückt. Chemiewerte waren ebenfalls niedriger, doch bestand für Farben auch etwa Kaufneigung. Durchweg angeboten und rückgängig waren Elektro- und Gas-Werte, be- sonders letztere büßten dis zu 2,50 v. H. ein. Demgegenüber lagen Autowerte auffallend freundlich und bis zu 1 v. H. höher. Maschinenfabriken gaben bis zu 2 v. H. nach. Metall-, Bau- und Kunfkfeide- aftien bröckelten bei kleinem Geschäft ab. Andere Textilwerte zeigten dagegen widerstandsfähige Haltung. Don Papier- und Zellstoffwerten fielen Aschaffenburg Zellstoff mit einem Verlust von 2,50 o. H. auf. Unter Brauereien wurden nur Schult- S zu etwas niedrigerem Kurse umgesetzt. Die .'ihen von Wasserwerken verloren bis zu 1 v. H. Danken und Schiffahrtswerte bröckelten leicht ab. Unter Verkehrswerten find Allgemeine Lokal- und Kraft mit einem Verlust von 2 v. H. und AG. für Verkehrswesen mit einem Gewinn von 1,25 v. H. zu erwähnen. Auch Eisenbahnoerkehrsmittel gewannen 2,25 v. H. Deutsche Anleihen, Reichsschuldbuchforderungen, Industrieobligationen, Pfandbriefe ufro. neigten eher zur Schwäche. Rur Hoesch-Obligationen waren 0,90 d. H. höher. Ausländer tendierten nicht ganz einheitlich. Lissaboner Stadtanleihe verloren 1 v. H. Srantfurf abbröckelnd Frankfurt a. M., 4. Jan. (MTB. Drahtmel- düng.) Auch an der heutigen Börse herrschte mangels jeglicher Anregung größte Geschäfts- fi i (l e, da sowohl die Spekulation, als auch die Kundschaft stärkste Zurückhaltung befunöeten. Die wieder mehr in den Vordergrund tretende inner- politische Situation läßt außerdem keine Unternehmungslust aufkommen. Die Kursgestaltung war wieder uneinheitlich, jedoch überwiegend nach unten orientiert. Durch feste Haltung zeichneten sich nur Dollarbonds aus, die bei lebhaften Umsätzen durchweg einen Punkt über gestern lagen, wobei die anhaltende Aufwärtsbewegung in Reuyork anregend wirkte. Durchweg schwächer lag heute der Elektro- markt; Rhein-Elektro-Mannheim verloren 3, Licht und Kraft, Schuckert & Siemens je 1 Prozent. Rur Gesfiirel lagen um Bruchteile eines Prozentes höher. Von Montanwerten gaben Phönix-Bergbau % Prozent ab, Buderus lagen dagegen im gleichen Ausmaß höher. IG.-Farben eröffneten mit 95X Prozent knapp behauptet, Rütgers-Werke büßten % Prozent ein, während Goldschmidt und Metallgesellschaft leicht anzogen. Schiffahrtspapiere bröckelten bis % Prozent ab. Von sonstigen Werten blieben Reichsbank, Süddeutsche Zucker, Conti-Linoleum Zürich und Daimler-Motoren unverändert, wogegen Holzmann 1% Prozent- verloren. Junghanns gaben 3A Prozent nach. Am Rentenmarkt konnte sich Neubesitzanleihe leicht bessern, Altbesitz gaben dagegen % Prozent nach, ebenso auch späte Reichsschuldbuchforderungen. Am Pfandbriefmarkt gaben die Kurse bei sehr geringen Umsätzen von 0,50 bis 0,75 v. H. nach. Kommunalobligationen lagen sehr ruhig und kaum verändert. Von Jndustrieobligationen blieben Stahlvereinbonds behauptet. Am Auslandsrentenmarkt lagen Rumänen etwas freundlicher. Infolge der anhaltenden Geschäftsstille bröckelten die Kurse im Verlause weiter um Bruchteile eines Prozentes ab. Tagesgeld war zum Satz von 3,25 zwar leicht, die Tendenz jedoch ausgeglichen. frankfurter Getreid b irfe. Frankfurt, 4. Jan. (WTB.-Drahtmeldung.) Bei geringen Umsätzen war die Grundstimmung an der heutigen Getreidebörse ziemlich st e t i g. Das Angebot an Brotgetreide hielt sich weiterhin in engen Grenzen, die Preise lagen unverändert. Für Weizen- und Roggenmehl konnten sich die gestern oorgenommenen Erhöhungen um 0,25 Mark galten. Das Geschäft war aber sehr gering. Der Futtermittelmarkt war geschäftslos bei unveränderten Preisen. Es wurden notiert: Weizen 1, gut, gesund, trocken, bis zu 1 Prozent Auswuchs 202,50; Roggen 162,50; Sommergerste für Brauzwecke 180 bis 185; Hafer, inländischer 132,50 bis 135; Weizenmehl, süddeutsches Spezial 0 27,85 bis 28,75, niederrh. Weizenmehl 27,85 bis 28,50; Roggenmehl 22,25 bis 23,25; Weizenkleie 7,40; Roggenkleie 8 Mark. 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