Nr. 152 Erstes Blatt 183. Zahrgang Montag, 3. Juli 1935 ®r|d)etnt täglich, autzei Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustriert» ©iefeener Familienblätter Heimat im Bild Die Schall» monats-Bejngsprets: 'Mit 4 ‘Beilagen NM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Kernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten, poftschecllonto: Sranffutt am Main 11686. MetzemrAnzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen vnitk und Verlag: vrühl'sche Univerfitäl§-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Zchnftleitung und Geschäftsstelle: Zchlllstrahe 7. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mnt Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.TKyriot; für den übrigen Teil Lrnst Diumschein und für denAn- zeigenteil i. D. Th.Kümmel sämtlich in (Bießen. Amerika und England lehnen die Währungsformel ab. Keine Einigung mit den Golvstandard- ländern. — Ein neuer englischer Vorschlag. London, 3. Juli. (WTB.-Funkspruch.) Staatssekretär Hüll erklärte heute vormittag, er habe heute früh von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten eine Mitteilung erhalten, die die Stellungnahme der amerikanischen Regierung zu den Vorschlägen über eine internationale Maßnahme auf dem Gebiet des Währungswesens auseinandersetze. Er gebe diese Mitteilung als Staatssekretär und nicht als Führer der amerikanischen Delegation in London bekannt, da es sich bei dieser Frage um eine reine Angelegenheit des Schatzamtes handele, für die die Delegation niemals zuständig sei. In der Mitteilung Roosevelts heißt es u. a.: „Ich würde es als eine Katastrophe betrachten, die einer Delttragödie gleichkäme, wenn sich die große Konferenz der Rationen, die einberufen wurde, um allen Rationen größeren Wohlstand zu geben, durch ein Experiment, das nur die Währungen einiger Rationen betrifft, von ihrer Aufgabe ablenken la f - s e n würde. Das gesunde innere Wirtschaf l s s y st e m einer Ration ist ein größerer Faktor für ihren Wohlstand als der Stand ihrer Währung und die wechselnden Bedingungen der Währungen der anderen Rationen. Die Vereinigten Staaten suchen jene Art des Dollars, der nach einer Generation die gleiche Kaufkraft Hal, wie der Dollar, den wir in naher Zukunft zu erreichen hoffen. Dieses Ziel bedeutet mehr für das Wohl anderer Rationen als ein für ein oder zwei wonale feslgelegter Kurs des Pfundes oder des Franken. Unser größtes Ziel ist die dauernde Stabilisierung der Währungen aller Rationen, wenn die Welt sestumrissene Pläne für die Mehrheit ihrer Rationen ausarbeitet, um ausgeglichene Staatshaushalte zu erhalten, und innerhalb ihrer Mittel zu leben, dann können wir die bessere Verteilung von Gold und Silber als Reserve für die nationalen Währungen erörtern. Auch für den Welthandel ist die zeitweise Festsetzung von Währungen nicht die wahre Antwort. Die Konferenz ist einberufen worden, um grundlegende wirtschastsübel zu heilen. Sie darf nicht von dieser Aufgabe abgelenkt werden." Die Erklärung des Präsidenten Roosevelt ist in Kreisen der Goldwährungsländer sehr pessimistisch ausgenommen worden. Obwohl eine endgültige Stellungnahme noch nicht erfolgt ist, hört man, die Holländer seien der Ansicht, daß durch diese Erklärung die Konferenz die Bet- handlungsbasisverloren hat. Die Franzosen sind ebenfalls bestürzt. Man rechnet damit, daß die Goldwährungsländer heute nachmittag eine gemeinsame Erklärung abgeben werden. wie „Daily Telegraph" meldet, hat M a c d o - n a l d den Vertretern der Goldslandardländer mit- gekeill, daß Großbritannien sich ihrer Erklärung über den Goldstandard ohne Amerikas Teilnahme nicht anschliehen kann. Gleichzeitig habe der Premierminister gesagt, daß eine Erklärung Großbritanniens bevorstehe, für die gegenwärtig die Zustimmung der Dominien nachgesucht werde. England lehnt die Entschließung der Goldwährungsländer ab. Die in Aussicht genommene britische Erklärung hat nach dem „Daily Telegraph" folgenden Inhalt: 1. Es sei nicht wünschenswert, daß Staaten einen Währungswettkampf beginnen, um im internationalen Handelsverkehr einen zeitweiligen Vorteil zu erlangen, indem sie den ausländischen wert ihrer Währungen herabsehen. 2. Es sei wünschenswert, daß die Stellen, die die Währungen revidieren, Schwankungen in den Devisen, die von der Spekulation verursacht werden, soweit einschränken, wie ihre Hilfsquellen es erlauben. „Daily Telegraph" meint, eine solche Erklärung würde den Goldländern das notwendige vertrauen einflößen, ohnedahdadurchder Sterlingkurs verzettelt werde. Ein Anschluß Englands an die Goldwährungsländer würde von Amerika als feindliche Maßnahme betrachtet werden. Die englisch-russische Vereinigung Freilassung der Ingenieure. — Aufhebung der Einfuhrverbote. London, 1. Juli. (TU.) Eine Verlautbarung des englischen Außenministeriums bestätigt den erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen zwischen dem englischen Außenminister Simon und dem russischen Außenkommissar Litwinow. Die Strafe gegen die beiden englischen Ingenieure wegen Spionage wird aufgehoben. Sie werden sofort entlassen und kehren nach England zurück. Die englische Regierung hebt mit sofortiger Wirkung das Einfuhrverbot für russische Waren auf, wogegen sich die russische Regierung verpflichtet, sofort sämtliche Gegenmaßnabmen gegen das englische Einfuhrverbot aufzuheben. Dankgottesdienst in den evangelischen Kirchen Preußens. Berlin, 2. Juli. (ERB.) Aus Anlaß der Kirchenneuordnung waren heute die evangelischen Kirchen Preußens außer mit der Kirchenfahne auch mit schwor zweißroten und Hakenkreuzfahnen geschmückt. In allen preußischen Kirchen fanden Dankgottesdienste statt. Besonders eindrucksvoll war die Feier im Berliner Dom. Als das Geläut der Glocken verklungen war, hielten die Vertreter des evangelischen Oberkirchenrates und des Konsistoriums ihren Einzug, an ihrer Spitze Wehrkreispfarrer Müller und der Staatskommissar für die evangelische Landeskirche Preußens, Ministerialdirektor Jaeger. Wehrkreispfarrer Müller hielt die Predigt über das Wort aus dem Johannes-Evangelium: „Der Geist ist es, der das Leben schafft". Tille, die dem Aufbruch der Ration mit innerster Anteilnahme gefolgt seien, fühlten sich in tiefster Seele mit dem Ewigen verbunden, weil sie wüßten, daß gerade der Mann, der von Gott gesandt worden sei, das Vaterland zu retten ein so einfaches starkes, unkompliziertes Gottvertrauen habe. Die Kirche müsse das Wort Gottes in der Sprache unserer Zeit verkündigen, wenn sie wieder die innere Verbindung zum Herzen des Volkes finden wolle. Gott möge den Kämpfern unserer Tage tiefe innerliche Demut und lebendige Kraft von oben geben, bis endlich der Sieg erreicht sei, der die Einheit von Kirche und Volk schaffe. Die Gemeinde stimmte dann das Lutherlied „Ein feste Vurg ist unser Gott" an. In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche legte Pforrer Hossenfelder seiner Predigt das Wort aus dem Römerbrief zu Grunde: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt Über ihn hat". Kirche und Volk dürfen nicht auseinanderbrechen, denn es ist derselbe Mensch und dasselbe Volk, an die sich der Rus Gottes richtet. Cs darf in Deutschland keine Kanzel geben, auf der das Reich Gottes gegen das Vaterland ausgespielt würde. Der SA.- Mann im braunen Ehrenkleide versteht die Botschaft der Bibel nur dann, wenn auf der Kanzel Männer stehen, von denen er weiß, daß sie das Dritte Reich lieben. Rach der Predigt verlas Pfarrer D. Frehtag folgende Botschaft des OberkirchenraiS: „Es geht heute darum, die Kirche aus ihrer Ord- nungslosigkeit zu erlösen, ihr durch eine neue Ordnung er ft z u einer wahren Entfaltung ihrer Kraft allein aus dem Glaubensgrund der Reformation heran s zu verhelfen. Daß es der Staat ist, der Voraussetzungen zur Lösung reiner Ordnungsfragen der Kirche bei der Verwirrung der gegenwärtigen £age schafft, darf einen evangelischen, in den Grundanschauungen der Reformation erzogenen Christen nicht wundernehmen. Die Verkündigung des Evangeliums und der seelsorgerische Auftrag, den die Kirche allein von ihrem erhöhten Herrn und Heiland Jesus Christus hat, wird dadurch nicht berührt. Alle die, welche um eine sichere Gestaltung unserer Kirche in den großen Umbruch unserer Zeit besorgt sind, müssen daher tief dankbar sein für die große Last und Bürge, die der Staat bei all seinen ungeheuren Aufgaben auch noch mit der Neuordnung der Kirche übernommen hat. Bis zu der großen Stunde, da die evangelische Kirche des ganzen Reiches ihre neue Verfassung hat, bleiben Akte gegen die wohlgemeinte Absicht des Staates Akte des Ungehorsams, mögen sie kommen von wem und woher auch' immer. Wir rufen die Gemeinden hierdurch auf, sich freudig und tatbereit dem großen Werk der Neuordnung der Kirche, wie es nunmehr eingeleitet ist, lobend, betend, dankend und handelnd zur Verfügung zu stellen." „Brüder in Rot." Ein Aufruf des Tbcrkirchcnrates zu Gunsten der Deutschen in Rußland. Berlin, l.Juli. (Sil.) 2m Rahmen der Hilfsaktion für die hungernden Die englisch-russischen Handelsbeziehungen werden wieder von dem Zustande aus ausgenommen, wie er bestand, als seinerzeit die Handelsbeziehungen abgebrochen wurden. Wie aus Moskau verlautet, sind die beiden Engländer bereits am Samstagabend aus der Haft entlassen worden. Sie werden Moskau am Sonntag verlassen. Ein slawischer Friedenspaki. Litwinow verhandelt mit der Kleinen Entente. Prag, 1.Juli. (CNB.) Wie das Tschechoslowakische Pressebureau meldet, sind in London Verhandlungen zwischen dem russischen Volkskommissar Litwinow, dem rumänischen Außenminister Titulescu und einigen weiteren beteiligten Staaten mit dem Ziele im Gange, die Genfer D e - f inition des „Angreifers" zum Gegenstand zweier Konventionen zu machen, deren eine zwischen Rußland und den ihr benachbarten Staaten und deren zweite zwischen Rußland und der Kleinen Entente abgeschlossen werden soll. Der zweiten Konvention soll auch die Türkei beitreten. Volks» und Glaubensgenossen in Rußland findet am Sonntag, 9. Juli, im ganzen Reich eine allgemeine Straßen- s a m m l u n g statt. Es sollen die allernotwendigsten Mittel zusammengetragen werden, um die 1 500 000 deutschen Glaubensbrüder an der Wolga, in der H f r a i n e und im Rordkaukasus tätige Bruderliebe fühlen zu lassen und sie vor dem Hungertod zu bewahren. Der Evangelische Oberkirchenrat hat den Pfarrern und Gemeinden empfohlen, am Sonntag im Rahmen der Gottesdienste der Rot der deutschen Volksgenossen in Rußland zu gedenken. Dabei soll den Gemeindegliedern das Hilfswerk „Brüder in Rot" dringend ans Herz gelegt werden mit der Bitte, sich an der vom Reichsausschuß „Brüder in Rot" cingeleiteten Hilfsaktion durch Spenden zu beteiligen. Die Durchführung der Aktion hat der Volksbund für das Deutschtum im Ausland zusammen mit dem Roten Kreuz übernommen. Oer Reichskanzler bleibt in der Katholischen Kirche. Berlin, l.Juli. (WTB.) Amtlich wird mitgeteilt: In der ganzen Welt sind Meldungen des Inhalts verbreitet worden, daß Reichskanzler Adolf Hitler der Evangelischen Kirche b c i getreten sei. Diese Behauptungen sind frei e r - funden und erlogen. Reichskanzler Adolf Hitler gehört nach wie vor der Katholischen Kirche an und beabsichtigt nicht, fie zu verlassen. Goebbels und Baldur von Gchirach sprechen vor der schlesischen Hitlerjugend. V r e s l a u , 3. Juli. (ERB.) Aus Anlaß des Gebietsaufmarsches der schlesischen Hitlerjugend fand eine Kundgebung im Breslauer Stadion statt, zu der sich etwa 60 000 Personen eingefunden hatten. Zunächst dankte der Reichsjugend- führer v. S ch i r a ch der Hitlerjugend Schlesiens, daß sie gelobt habe, dieses Leben nicht als ihr Eigentum zu betrachten, sondern s i ch voll einzusetzen, wenn es gelte, u m d a s Leben der Ration zu kämpfen. Der Kampf gehe darum, den Geist der Hitlerjugend allmählich zum Geist der gesamten deutschen Jugend zu machen, damit einmal der Sag komme, da die gesamte deutsche Jugend eine Einheit darstelle. Im Anschluß an d^ese Ausführungen weihte der Reichsjugendführer etwa 80 Fahnen neuer Hitlerjugendgruppen. Während das Horst-Wessel-Lied gesungen wurde, traf im Stadion Reichspropagandaminister Dr. Goebbels ein, der, von den Tausenden mit stürmischen Heilrufen begrüßt, u. a. folgendes ausführte: Als die Rationalsozialisten am 30. Januar die Macht übernahmen, ahnten sie selbst nicht, wie schnell sich die Gleichschaltung in Deutschland vollziehen würde. Man hatte sich auf lange Kämpfe vorbereitet. Tlnser Vorzug war die Organisation der Jugend. Wir haben das Leben nicht hinter uns, sondern vor uns. Man hat uns Rationalsozialisten und besonders mir Vorhaltungen gemacht, daß wir zu radikal wären. Eines nur werfe ich mir selbst heute vor. nämlich, daß ich nicht radikal genug war. Was wir vorfanden, spottete jeder Beschreibung. Würde die Regelung dem Volke überlassen, dann weiß ich, daß dosDolkkür- zeren Prozeß machen würde als die Regierung. Die heutige Jugend habe die Möglichkeit, in den Staat hineinzumarschieren. Es sei sogar ihre Pflicht, den Staat für sich zu beanspruchen. Diese Jugend rc- spektiere auch d i e Alten. Der deutlichste Ausdruck hierfür sei der Bund zwischen dem Eeneralfeldmarschall v. Hindenburg und dem Führer des jungen Deutschland Adolf Hitler. Die Rede des Ministers klang aus in ein Treuebekenntnis zum deutschen Volk, dem Reichspräsidenten und dem Führer. SrrniNesenht Aea-rnmgr« des Beamkngesetzes Berlin, 2. Juli (TU.) Im Reichsgesetzblatt vom 1. Juli Rr. 74 wird ein Gesetz zur Aenderung von Vorschriften auf dem Gebiete des allgemeinen Beamten-, des Besoldungs- und des Versorgungs- rechts vom 30. Juni 1933 veröffentlicht. In dem Gesetz heißt es u. a.: Reichsbeamte dürfen nur eingestellt werden, soweit dauernd erforderliche Amtsstellen zu besehen sind, die die Wahrnehmung obrigkeitlicher Aufgaben in sich schließen ober die aus Gründen der Staatssicherheit nicht von Angestellten oder Arbeitern versehen werden dürfen. Die Wahrnehmung obrigkeitlicher Aufgaben liegt insbesondere nicht v o r bei Tätigkeiten, die sich ihrer Art nach von solchen des allgemeinen Wirtschaftslebens nicht unterscheiden, sowie bei solchen Tätigkeiten im Verwaltungsdienste, die sich ii mechcni ch n Hsl.s- leistungen im Schreibdienst und in einfachen Büroarbeiten erschöpfen. Das Beamtenverhältnis wird durch Aushändigung einer Ar - kunde begründet, in der die Worte „AnterBerufung in das Beamtenverhältnis" enthalten sind. Wer keine solche Arkunde erhalten hat, ist nicht Reichsbeamter im Sinne dieses Gesetzes. Die Rechte des Reichsbeamten stehen ihm nicht zu. Als Reichsbeamter darf nur berufen werden, wer die für feine Laufbahn vorgeschriebene oder übliche Vorbildung oder sonstige besondere Eignung für das ihm zu übertragende Amt be= sitzl und die Gewähr dafür bietet, daß er jederzeit rückhaltlos für d e n nationalen Staat eintritt. Weibliche Personen dürfen als planmäßige Reichsbeamte auf Lebenszeit erst nach Vollendung des 3 5. Lebensjahres berufen werden. Wer nicht arischer Abstammung oder mit einer Person nichtarischer Abstammung verheiratet ist, darf nicht als Reichsbeamter berufen werden. Reichsbeamte arischer Abstammung, die mit einer Person nichtarischer Abstammung die Ehe eingehen, sind zu entlassen. Die Vorschriften gelten für Reich, Länder, Gemeinden, Gemeindeverbände, Körperschaften de? öffentlichen Rechts, Reichsbahn-, Reichsbank sowie die öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften. Die vorgesetzte Dienstbehörde kann die Entlassung eines weiblichen Beamten verfügen, wenn die wirtschaftliche Versorgung des weiblichen Beamten nach der Höhe des Familieneinkommens dauernd gesichert erscheint. Die Voraussetzung liegt stets dann vor, wenn der Ehemann unkündbar angestellter Beamter ist. Jeder Reichsbeamte bedarf der vorherigen Genehmigung zur Aebernahme eines Reben am tes sowie zur Aebernahme einer Rebenbeschäftigung gegen Vergütung. Richtgenehmigungspflichtig ist eine schrift st ellerische, wissenschaftliche, künstlerische oder Vortragstätigkeit der Beamten, sowie die mit der Lehr- und Forschungstätigkeit zusammenhängende Gutachtertätigkeit von Lehrern an öffentlichen Hochschulen. Das Gesetz enthält weiter wichtige besoldungs- und versorgungsrechtliche Bestimmungen. Bereits im vorigen Jahre tauchte im Zusammenhang mit dem französischen Eingehen auf die russischen Paktwünsche der Gedanke eines gleichzeitigen Abschlusses mit Polen und Rumänien auf. Bekanntlich kam der Pakt mit Rumänien wegen der bessarabischen Streitfrage sowie wegen der noch unentschiedenen Haltung der übrigen Staaten der Kleinen Entente gegenüber der Sowjetunion nicht zustande. Bei dem starken Bedürfnis Rußlands nach einer Rückendeckung im Westen war es verständlich, daß Litwinow die verschiedenen europäischen Konferenzen zu einer Fortsetzung seiner Bemühungen benutzte. Die Verpflichtung der Staaten, sich eines Angriffs zu enthalten, ist auch für Rußland, Polen und die Kleine Entente bereits im Kellogg-Pakt feftgelegt. Der neue Nichtangriffspakt kann immerhin einen Fortschritt bringen, indem er alte Streitfragen beseitigt und die allgemeine Atmosphäre verbessert. Der Pakt verrät deutlich das allseitige Streben nach Bekundung friedlicher Absichten und vor allem den Wunsch Rußlands, die Normalisierung seiner allgemeinen Beziehungen zu den Nachbarstaaten auf vertrag- kichern Wege fortzusetzen. Das Verhältnis Deutschlands zu den vertragsschließenden Staaten bleibt unverändert. Was insbesondere die Beziehungen zu Rußland betrifft, so hat Deutschland schon vor elf Jahren, als andere Länder noch die Anerkennung der Sowjetunion ablehnten, sich entschlossen auf den Boden eines Freundschaftsoertrages gestellt. Der neue Kurs der Agrarpolitik. Reichsernährungsminister Tarr6 vor der Presse. Berlin, 1. Juli. (CNB.) Vor Pressevertretern erklärte der neu ernannte Reichsminister für Land- roirttoaft und Ernährung Darre über seine künftige Landwirtschaftspolitik u. a., daß sein Ziel gewissermaßen a u f zw ei grundsätzlich verschiedenen Wegen erreicht werden müsse. Die Stadt zehre den deutschen Menschen, und bas Land liefere nur noch mühsam die letzten Reste, die Deutschland als Volk erhalten. Man habe gar keine andere Wahl, als sich die B l u t s q u e l l e im Bauerntum zu erhalten, die notwendig fei, das deutsche Volk und die gesamte deutsche Kultur zu erhalten. Von diesem siittlichen Standpunkt aus gedenke er an das Problem der Siedlung heranzugehen. Er verstehe unter Siedlung d i e Neubildung deutschen Bauerntums. Das fei das eine große Hauptgebiet. Zum a n d e - r c n müsse vom Standpunkt des gesamten Volkes aus auch wirtschaftlich und landwirtschaftlich die Landwirtschaft in Ordnung gebracht werden, um die Ernährung des Volkes sicher- sttftellen. Wenn man diese grundsätzliche Einstellung habe und sie erkenne, dann spielten die Methoden, um die Landwirtschaft in Ordnung zu bringen eine zweite Rolle. Das seien Fragen der Zweckmäßigkeit. Während früher der Blick auf den einzelnen Bauern und Gutshof gerichtet gewesen sei und man sich in dem Begriff der Rentabilität festgerannt habe, gehe er vom Ganzen aus, dem Landwirt die notwendige Rentabilität und Lebensmöglichkeiten zu sichern. Der Minister betonte, daß er im Augenblick nicht über einzelne Maßnahmen sprechen wolle. Er halte es für besser, statt ein Programm zu entwickeln, von Fall zu Fall die Maßnahmen aufzuzeigen. Auflösung des Iungdeutschen Ordens. Berlin, 2. Juli. (OB.) Der Jungdeutsche Orden wird am Montag in Berlin mit einer kurzen Schlußbesprechung seiner Landeskomture seine Auflösung vollziehen. Gleichzeitig wird die Tageszeitung „Der Jungdeutsche" ihr Erscheinen ein st eilen. Der Jungdeutsche Orden ist bereits in verschiedenen Teilen Deutschlands, so z. B. in Sachsen und in Württemberg, verboten. Der Hochmeister M a h r a u n und die übrigSü noch vorhandenen Führer wollen s i ch a u s dem politischen Leben zurückziehen. Keine Blumen werfen! Berlin, 1. Juli. (ERB.) Der Adjutant des Reichskanzlers, Brückner, teilt mit: Bei den letzten großen Aufmärschen und Fahrten haben die Zuschauer wieder ein Bombar- dementmit Blumen auf den Wagen des Führers eröffnet. Dieses Werfen mit Blumen ist mit Gefahren für die Wageninsassen verbunden, wie wiederholte Vorfälle gezeigt haben. So erhielt kürzlich einer der Begleiter durch einen mit voller Wucht geschleuderten, auf Draht gebundenen Blumenstrauß eine Gesichtsver- letzung und hatte es nur einer rechtzeitigen Kopf- Wendung zu verdanken, daß nicht ein Auge gefährdet wurde. Das Werfen von Blumen auf den Wagen des Führers ist deshalb str i kt untersagt. Aus aller Well. Oer Deutsche Kavalkeristeniag in Düsseldorf. Düsseldorf steht ganz im Zeichen des dritten Waffcntages der deutschen Kavallerie. Cs ist der erste Waffentag der Kavallerie im neuen nationalsozialistischen Staat, der den Gedanken der Kameradschaft pflegt und fördert. Äeberall, wohin das Auge reicht, Fahnen- und Blumenschmuck. Aus dem ganzen Reich sind die Kavalleristen eingetroffen, auch zahlreiche Abordnungen der früheren Kavallerieregimenter, die zu einem großen Teil mit ihren schönen alten Paradeuniformen angetan sind. Diele Offiziere der alten Armee sind angekommen, darunter der Schutzherr des Waffenringes der deutschen Kavallerie, Generalfeldmarschall von Mackensen. Feldmarschall von Mackensen legte am Grabe Schlageters einen Kranz nieder. An sämtlichen Düsseldorfer Krieger- und Ehrendenkmälern wurden Kränze niedergelegt. In Anwesenheit des Generalfeldmarschalls v. Mackensen und zahlreicher anderer hoher Gäste wurde ein Erinnerungsdenkmal der l. Husaren auf dem Hof der ehemaligen Alanenkaserne enthüllt. Während im Rheinstadion das große Reitturnier seine Fortsetzung fand, setzte sich der Zug der Standarten unter Vorantritt des Musikkorps der König-Husaren in Bewegung, überall herzlich begrüßt. Am Rhein sind die Vertreter aller früheren Kavallerieregimenter in ihren bunten Paradeuniformen und mit ihren Fahnen in Spalieraufstellung angetreten. Durch das Spalier wurden die Standarten unter einem Ehrensalut von 21 Schüssen und dein Präsentiermarsch einer Reichswehrkapelle auf den Dampfer geführt. Während das Standartenschiff unter den Klängen des Reichswehr-Trompeterkorps sich in Bewegung setzte, nahm die große vaterländische Rheinstrom-Kundgebung unter dem Motto „Deutsch der Rhein" ihren Anfang. Nach dieser Ehrung der alten Standarten fand im Stadion ein „Deutscher Abend" statt. Der Sonntag, der mit dem Festzug seinen Höhepunkt erreichte, wurde nach alter Tradition durch einen Feldgottesdienst eingeleitet. Auf den Rheinparkwiesen sammelten sich dann die Regimentsabordnungen und Kavallerievereine zum Festzug. Eine gewaltige Menschenmenge umsäumte den Platz vor der Rheinterrasfe. Im Paradeschritt zogen die Kavalleristen an dem Generalfeldmarschall von Mackensen, dem Kronprinzen und den alten Kavalleriegeneralen vorbei. Rach dem Vorbeimarsch wurden dem Kronprinzen und dem Generalfeldmarschall nochmals stürmische Kundgebungen dargebracht. 35. Jahrestag des Deutschen Flottenvereins. Die 35. Jahrestagung des deutschen Flottenvereins in der Königsberger Stadt- Halle eröffnete der geschäftsführende Vorsitzende, Admiral a. D. Bauer. Nachdem Kapitän zur See Krafft, die Grüße des Admirals Dr. b. c. R a e - der übermittelt und die Verbundenheit zwischen Reichsmarine und Flottenverein durch ein Hurra auf den Flottenverein bekräftigt hatte, Geheimrat S ch e l l o n g die Grüße der deutschen Kolonialgesellschaft und Korvettenkapitän Wirsbitzki die des Bundes deutscher Marinevereine übermittelt hatte, machte Exzellenz Bauer Mitteilung über seine Unterredung mit dem Reichskanzler über die Weiterarbeit des Flottenoereins. Der Kanzler habe gesagt, der Flottenverein solle so weiter arbeiten, wie bisher, unter derselben Leitung, es werde durch eine Vereinbarung mit dem Reichs- jugendführer auch die Nachwuchsfrage für den Flottenverein geregelt werden. Eine Entschließung der Hauptversammlung, die den Präsidenten ermächtigt, von sich aus die notwendigen Satzungsänderungen vorzunehmen, fand die einstimmige Billigung der Hauptversammlung. „Graf Zeppelin" zur dritten Südamerikafahrt aufgestiegen. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Samstag, 20.34 Uhr, in Friedrichshafen zu seiner dritten diesjährigen Südamerikafahrt unter Führung von Kapitän Lehmann aufgestiegen. An Bord befinden sich 14 Passagiere. Außer 124 Kilogramm Post werden 160 Kilogramm Frachtstücke, darunter acht Nachrichtentauben, befördert. Mit dem Luftschiff ist folgendes Schreiben abgegangen: An die Ortsgruppe Der NSDAP, in Pernambuco. Mit großer Freude haben die Friedrichshafener Parteigenossen von der Gründung Ihrer Ortsgruppe durch den Funkoffizier des „Graf Zeppelin", Pg. Dumke, erfahren. Wir wünschen Ihnen fern von der Heimat für Ihre Weiterentwicklung alles Gute und hoffen, daß unser stolzes Luftschiff zwischen den beiden Erdteilen und den Landesstellen dazu beitragen möge, die Weltanschauung des Nationalsozialismus bei Ihnen zu festigen und zu vertiefen. Als äußeres Zeichen unserer Verbundenheit mit den Volksgenossen im Ausland und besonders mit Ihrer Ortsgruppe als dem Gegenpol des deutschen Weltluftschiffsoerkehrs senden Ihnen die Kreisleitung Tettnang und Ortsgruppe Friedrichshafen zusammen Flagge und Wimpel des Dritten Reiches. Mögen die Farben, die heute über den Straßen Deutschlands wehen, bei Ihren Veranstaltungen alle Deutschen daran erinnern, daß nach 14- jähriger Schmach ein junges Deutschland entstanden ist, das sich rastlos einsetzt für ein Reich der alten Größe und Weltgeltung, in dem jeder Volksgenosse Lebensmöglichkeiten besitzt. Dies danken mir unserem Führer Adolf Hitler! Heil und Sieg! NSDAP. Kreisleitung Tettnang, (gez.) Göttin- Roman von Helma von Hellermann. 8. Fortsetzung. Rachdruck verbotenl Die blonde Frau nickte. „Wird dankend angenommen." Es klang durchaus gleichmütig. Aber den Mann ärgerte es, daß er ihr den Willen hatte tun müssen. Er glaubte nicht an das Zufällige dieser Begegnung. „Der Wagen kommt", meldete der kleine Page, dessen Augen mit seinen blankgeputzten Messingknöpfen um die Wette funkelten. Diensteifrig riß er die Glastür auf, um die Herrschaften hinaus- ^ulassen. Magnus Steinherr war sein heimliches „Nanu", lachte Gebier, die sonderbaren Zickmck- kuroen bemerkend, in denen der langgestreckte Helle Wagen angefahren kam, „Ihr Chauffeur glaubt wohl, auf der Eisbahn zu fein, daß er so schöne Bogen fährt?" Steinherr runzelte die Stirn. Sollte der Kerl schon wieder--Der Wagen kam in schnellstem Tempo näher, fuhr vorrüber, wurde so scharf gebremst, daß er sich, die Vorderräder in der Luft, um die eigene Achse drehte, und hielt dann endlich, halb auf dem Bürgersteig stehend. „Nee, so 'ne Glätte — was is'n das — Bremse kaputt", krähte eine -heisere Stimme fidel vom Führersitz. „'n Abend, Herr Doktor, 'n Abend — immer einsteigen die Herrschaften, is schon gut! Olle Bremse kaputt, das Luder..." Ein quiekendes Geräusch zu scharf angedrehter Mechanik. Magnus Steinherr trat an den Wagen und öffnete den Schlag. „Ich bin nid) besoffen, Herr Doktor", beteuerte die Stimme treuherzig, „bloß die Beine, ich kann nid)..." Mit einem Griff hatte der Mann im offenen Abendpelz den Inhaber des Führersitzes heraus- gezogen, schüttelte ihn wie ein Bündel alter Lappen und setzte ihn dann hart aufs Pflaster, ohne ein Wort zu verlieren. „Einen Moment", bat er. „Ich will den Wagen nur richtig stellen, dann können Sie einsteigen." Er hatte schon den Fuß auf dem Trittbrett, als er sich umwandte. Ein Fremder stand neben ihm, den Hut in der Hand. „Verzeihen Sie, mein Herr — wenn ich Ihnen aushelfen dürfte?" Das Licht des Hoteleingangs fiel auf ein fcymales, vornehmes Gesicht. Der Kragen des dünnen Mantels war hochgeschlagen. Was den anderen bewog, innezuhalten, wußte er nicht. War es der angenehme Klang einer kultivierten Stimme, war es der Anzug, der Armut verriet? Unzählige Male steuerte er doch seinen Wagen allein; man nahm doch keinen Fremden so von der Straße weg! „Sind Sie Chauffeur?" fragte er statt der abweisenden Worte, die nicht über seine Lippen gewollt. „Jawohl." „Und stellungslos?" Wieder ein leichtes Verneigen. „Im Besitz Ihres Führerscheins?" „Ich habe alle meine Papiere bei mir." Die beiden Männer sahen sich an, der ältere im kostbaren Pelz, vom Hauche des Erfolgs und Luxus' umgeben, und der jüngere im Mantel, der bessere Tage gesehen, die Zeichen ärmlichen Lebens in seinen feinen Zügen, auf die das Licht der elektrischen Bogenlampen grelle Weiße und seltsame Schatten warf. Und der Reiche hatte plötzlich einen ganz eigenen Zug im schönen, kühnen Gesicht, das so selten Gefühl verriet. „Gut." Er trat zurück. „Steigen Sie ein und zeigen Sie mal Ihre Kunst. Das Weitere nachher." Geschickt manövrierte der neue Fahrer den Wagen in die richtige Stellung, sprang dann herunter und öffnete in korrekter Haltung Den Schlag. Beide Damen betrachteten ihn in flüchtiger Neugierde; sie hatten die kleine Szene vom Hoteleingang aus beobachtet. Gebier tippte an seinen Hut. Steinherr nickte, freundlicher als es sonst seine Gew 'mheit war. „Ihr Name?" „Vandro", sagte der Fremde, der e Pelzdecke über die Knie der Damen gebreitet hatte und nun auf das Einsteigen des Besitzers wartete, um den Schlag zu schließen. „Vandro ...", wiederholte Hans-Heinrich Gebier, halb zu den Damen gewandt. „Komisch, so hieß der Versicherungsfritze, der mir dieser Tage unbedingt eine Police andrehen wollte. Aber ein nobles „von" prangte auf feiner Karte." Er hatte nicht laut gesprochen, aber die beiden Drauhenstehenden horten es dennoch. Steinherr sah, wie eine dunkle Blutwelle in das Gesicht des andern stieg. Seine Nasenflügel bebten. „Es ist mein Bruder", sagte er leise auf den stumm fragenden Blick, „den Adel führen wir mit Fug und Recht." Sehr schlank und sehr gerade stand er da, den Hut in der Hand. Sein blondes Haar flatterte im wehenden Wind. „Ich glaube Ihnen", sagte Steinherr ruhig. Und wieder war jener forschende Ausdruck in seinen Zügen, der Teilnahme ohne Mitleid verriet. Der Betrunkene, der bis dahin still auf dem Steinpflaster gesessen und vor sich hingedost hatte, wurde plötzlich munter, als er das Geräusch des angekurbelten Motors hörte, und versuchte, aufzu- siehen. „Mitnehmen, Sie, Herr — ich will mit! Hier is so kalt", rief er weinerlich und begann vor sich hinzuschimpfen, als die Beine wiederum versagten und niemand Miene machte, ihm zu helfen. Ein patrouillierender Schutzmann kam über die g e r, Ortsgruppenleiter (gez.) Seibold, Kreisleiter, MdL. SS.-THann In Braunschweig von Kommunisten erschossen. Der SS.-Mann Gerhard Land mann wurde in Braunschweig von Kommunisten e r s ch o s - s e n. Landmann war mit einem Sonderkommando von einigen SS.-Männern im Auftrage der SS.° Hilsspolizei unterwegs, um Durchsuchungen nach verbotenen Flugschriften vorzunehmen. Kurz nach Mitternacht wurde in einer Wirtschaft eine große Anzahl kommunistischer Flugschriften festgestellt, Die Besitzer der Flugschriften flüchteten. Als Landmann die Fliehenden anrief, fielen einige Schüsse, von denen Landmann so schwer an Kopf und Hals getroffen wurde, daß er kurze Zeit darauf verblutete. Das ganze Straßenviertel wurde sofort abgeriegelt und etwa 30 Verdächtige festgenommen. * In Braunschweig legten Ministerpräsident Klag- g e 5 und Staatsminister Albers an der Stelle, an der in der Nacht zum Freitag der SS.-Mcmn Landmann von Kommunisten erschossen wurde, je einen Strauß roter Rosen nieder und ehrten das Andenken des Ermordeten durch ein stilles Gedenken. In der Straße, in der die Mordtat geschah, hat sich in der Nacht zum Samstag ein unglaublicher Vorgang abgespielt. Eine Abordnung Hilfspolizei, die an Der Stelle, wo Landmann fein Leben lassen mußte, die Ehrenwache hielt, wurde gegen Morgen aus dem gleichen Garten, aus dem in der Nacht Zum Freitag die tödlichen Schüsse fielen, beschos. f e n. Die Hilfspolizisten erwiderten das Feuer. Eine von Verstärkungen der Hilfspolizei und der Schutz- polizei sofort oorgenommene Durchsuchung des ©artens blieb ergebnislos, desgleichen eine Durchkämmung des gesamten Häuserblocks. Gleichschaltung aller deutschen Slenographenverelne auf die Cinheitskurzschrift. Die Reichsleitung des RS.-Lehrerbundes meldet: Der Reichsminister des Innern hat die Reichsleitung des Rationalsozialistischen Lehrerbundes mit der Gleichschaltung aller Kurzschrift- Verbände und -Vereine Deutschlands beauftragt. Der Verband Stolze-Schreh hat sich jetzt auf den Boden der Denkschrift des RS. - Lehrerbundes gestellt und wird fortan für die Einheitskurzschrift werben. Eine Vereinfachung ihres Regelwerkes entspricht den Ausführungen der Denkschrift des RS.-Lehrerbundes. Das System der Cinheitskurzschrift selbst wird dadurch nicht geändert. Damit ist das Ziel der Durchführung einer einheitlichen deutschen Kurzschrift, für die der Deutsche Stenographenbund von jeher eingetreten ist, erreicht. Ueberschwemmungen in Rordoslkorea. Infolge schwerer Regenfälle kam es, wie ein Funkspruch aus Tokio meldet, in Nordostkorea zu Ueberschwemmungen. 35 Personen sind e r - trunken, sechs werden vermißt. Es ist umfangreicher Materialschaden angerichtet worden. Die Verkehrslinien sind unterbrochen. Aus der Provinzialhauptstadt. Konzert des Reichs Symphonie- Orchesterö in der Volkshajle. Eine Ansprache des Reichsstatthalters. Das große Symphonie-Konzert, das am gestrigen Abend in Der Volkshalle stattfand, gestaltete fich zu einem großen musikalischen Ereignis in unserer Stadt. Die Veranstaltung vereinigte eine große Anzahl aufmerksamer Zuhörer aus allen Kreisen Der Bürgerschaft unserer Stadt. Die Volkshalle war bis auf den letzten Platz besetzt. Nach Der Aufführung Der 1. Symphonie in C-Moll von Joh. Brahms hielt Reichsstatthalter Sprenger eine längere Ansprache. Er führte u. a. aus: Das Konzert unD Das Orchester seien ein Beweis, Daß Die NSDAP, auf allen Gebieten aufbauen wolle. Es sei erfreulich, daß das Orchester nach jahrelangen Bemühungen heute eine so überaus stattliche Zahl von Zuhörern vor sich habe. Er freue sich aber besonders, daß die neue Konzertreise des Orchesters in Hessen und Hessen-Nassau, in seinem Gaugebiete also, beginne. Gießen habe von jeher eine Vorrangstellung auf dem Gebiete der Musik eingenommen; man müsse sich dabei dessen erinnern, daß man in Gießen vor allem die deutschen Meister in ihren Werken zu Gehör brachte und insbesondere Max Reger viel aufgeführt worden sei, der anderswo nicht zur Geltung gekommen sei. ßeiber. habe sich schon in der Zeit vor dem Kriege in der Musik eine gewisse Anonymität breit gemacht, da es an geeigneten Persönlichkeiten gefehlt habe, die deutsche Musik gepflegt hätten. Träger einer Kultur müsse aber immer die Gesamtheit sein, wenn auch die Höhepunkte im musikalischen und im künstlerischen Leben immer von Persönlichkeiten bestimmt würden. Heute sei liberalistische Denkungsart in der Musik überwunden und eine gesunde natürliche Reaktion habe Platz gegriffen. Die Zeit des Jazz fei vorüber. Die gesunde Reaktion habe ja einsetzen müssen, etwa so, wie eine Gesundung noch einem Krankheitsprozeß. So wie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens haben sich nun auch in der Musik Zellen gebildet; aus ihnen seien schon herrlick)e Orchester hervorgegangen. So sei auch das Reichs- Symphonie-Orchester entstanden und es setzte sich aus Kräften zusammen, die der anderen Musik zu dienen nicht gewillt gewesen seien. Nun aber könnten sie ernten, was sie an Gutem gesät haben. So wie fremder politischer Wille in Deutschland aus- geschaltet worden sei, so werde jetzt auch fremder Geist in der deutschen Kultur ausgeschaltet. Adolf Hitler habe die NSDAP, nicht lebiglid) als Partei gegrünbet, sonbern mit ihr gleichzeitig eine neue Weltanschauung "aufgerufen. Diese Weltanschauung müsse ein Volk breit untermauert werben. Deutschland habe auf dem Gebiete Der Musik immer an erster Stelle in Der Welt geftanben, und wenn, wie Beethoven sage, Musik Offenbarung sei und höher als alle Weisheit und Philosophie, so müsse diese Offenbarung dem Volke nahe gebracht werden. Das Volk müsse Träger der Politik und Der Kultur sei, also auch Der Musik. Dann werde der Weg frei sein für Männer, wie es Der Kapellmeister Adam, Der Dirigent Des Reichssymphonie-Orchesters sei. Er möge Die Deutsche Musik hinaustragen in alle Gaue, ja über Die Deutschen Grenzen hinaus, Denn Dann werDe Deutschland auch wieder zur Anerkennung in Der Welt auch auf Dem Gebiete der Musik kommen. Man habe aber auch bem Führer zu bauten für bie Vorsorge, mit Der er sich allem wibme. Er sei ber Schirmherr bes Orchesters. Alle Welt müsse verstehen lernen bas „Dennoch!" unb bas „Deutschlanb, Deutschlanb über alles!" Lebhafter Beifall bankte bem Rebner. Gemeinsam würbe sobann bas Deutschlanb-Lieb gesungen. Heber die musikalische Bebeutung bes Konzerts wirb an anderer Stelle berichtet. Neue kommissarische Bürgermeister und Beigeordnete. Die Staats presse st eile teilt mit: Die nachstehenden Bürgermeister unb Beigeordneten wurden kommissarisch in ihr Amt eingesetzt: Klein-Karben: Philipp Meiß an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Gg. Dietrich; Butzbach: Heinrich Weickhardt an Stelle des zurückgetretenen zweiten Beigeordneten L. Ioutz; Straße. Magnus Steinherr rief ihr herbei und gab ihm seine Karte. „Er kommt auf bie Wache", versprach der Hüter ber Drbnung unb begab sich zu bem Sünber, bft aus voller Kehle zu fingen begann. „Unb nun wollen wir fahren", sagte Steinherr. „Sie kennen sich in ber Stadt aus?" — Gut. Gnädige Frau, Ihre Adresse, bitte?" „Bendlerstraße 18", tarn die Stimme der Malo- reen aus dem Wagen. „Zuerst dorthin." Steinherr stieg ein. Gleich darauf glitt der Wagen leicht und lautlos dahin. 10. Kapitel. Li Kalesso betrachtete bas Profil des vor ihr sitzenden Mannes, das sich wie eine Silhouette gegen bas Halbbunkel abhob. Gern hätte sie bie klaren, festen Linien mit zarten Fingerspitzen nachgezeichnet. Wie wunberooll der Kopf auf den Schultern saß, gegen bie sie sich beim letzten Tanz leise gelehnt. Sie atmete tief. „Es war boch ein schöner Abenb", sagte sie aus ihren Gedanken heraus. Steinherr wandte den Kopf und lächelte ihr zu. Glücklich und selbstvergessen hing ihr Blick an dem seinen. Die Frau neben ihr zog den Pelz am Hals fester zusammen, als fröre sie, und lehnte sich tiefer in ihre Ecke zurück. Nur einmal züngelten ihre Augen wie ein grünlicher Blitz zwischen Den beiDen hin und her, dann senkten sich die breiten Lider. Sie sprach kein Wort. Gebier betrachtete sie in demütiger Ergebenheit. Wie lange warb er schon um sie; aber immer noch stand er wie ein Bettler vor verschlossenem Tor. Schweigend glitt der Wagen dahin. Unb biefes Schweigen wurde allmählich erfüllt von ber Gegenwart jener blassen Frau, deren blonbes Haupt so still auf bem zarten bunflcn Samtpolster ruhte. Der Duft irgenbeines zarten Parfüms schwebte in bem geschlossenen Raum wie ein geheimnisvolles Fluidum, dem man sich nicht entziehen konnte. Eine aufreizende Unruhe ging aus von dieser stummen Reglosigkeit, die ins Blut kroch unb den Atem beengte. Die Kalesso saß zusammengesunken da, plötzlich bedrückt und ängstlich, ohne zu wissen, warum — und sah unverwandt auf Steinhcrr, als erwarte sie von ihm Hilfe aus einer Gefahr. Gebier starrte auf die ringgeschmückten Hände der anderen, die wie schlanke weiße Blüten auf dem Hermelin lagen. Wunderschöne Hände waren es. Nur Steinherr sah ruhig und scheinbar unbewegt durchs Fenster auf seinen neuen Chauffeur, ber so sicher und gewandt den schweren Wagen lenkte! Aber auch ihm war die Nähe der schweigenden Frau fühlbar bis in die Nervenspitzen. Nur einmal drehte er sich um, sah wie zufällig in jene Ecke. Lautlos war Die kleine Bewegung gewesen, aber sofort hoben sich bie Liber. Wie Smaragben, wenn ein Lichtstrahl sie trifft, erstrahlten die grünlichen Augen — und schlossen sich wieder. Wie geheimer Gruß wirkte dieses jähe Aufblitzen. Die schwarzen Brauen bes Mannes schoben sich bicht zusammen. Was wollte sie von ihm: Ihn zu sich zwingen? Sein Wille war stärker. Der Wagen verlangsamte die Fahrt und hielt vor einer kleinen Villa, deren Fenster auf das Hupen des Chauffeurs sich wie auf ein Zauberwort erleuchteten. Aus der geöffneten Haustür floß ein heller Lichtftreifen. Ein Diener lief ans Gartentor. Die Herren waren ausgestiegen. Mit lächelndem Kopfneigen verabschiedete sich Frau Maloreen von ihrer Nachbarin, mit einem leichten Streicheln über Wange und Arm von Oehler, der sie flehend ansah. Sie schüttelte den Kopf. Erst als Magnus Steinherr sich über ihre Hand beugte, sprach sie. Nur zwei Worte: „Auf Wiedersehen!" Es klang wie Befehl und Bitte zugleich. Sie sah empor zu ihm, der sie um Kopfeslänge überragte. Geheimnisvoll leuchteten bie Augen in bem weißen Gesicht. „Guten Abenb, meine gnäbige Frau", sagte Steinherr ruhig. Da lachte sie ganz leise. Voll überraschenden Scharms waren plötzlich Die blassen Züge. UnD war im Hause verschwunden, während der lockende Laut noch in der kalten, stillen Nachtluft zu schweben schien. Einen tiefen Atemzug der Erleichterung tat Li Kalesso, als der Wagen sich wieder in Bewegung setzte. Sie würden Gebier im Klub auf der Königsallee absetzen, wo er seine Nächte zu verbringen pflegte, und dann zu zweien weiterfahren nach ihrer Wohnung. Magnus hatte die neue Einrichtung des Dämenzimmers noch nicht gesehen, alles aus eigenem Verdienst angeschafft. Sie war stolz auf ihr reizendes Heim. Aber der Wagen bog um die Ecke, glitt durch die nachtstillen Straßen des vornehmen Villenviertels, in das sie vor kurzem gezogen, ehe der Dritte sie verlassen hatte. Grenzenlos enttäuscht starrte sie zum Fenster hinaus, an dem Mauern, Bäume, Laternen wie schattenhafte Schemen vorüberhuschten. Warum kam Magnus nicht zu ihr? Wohin wollte er? Was erfüllte sein. Gedanken, daß er den schönen Abend so jäh beschloß? Er war so unmöglich zu halten wie fließendes Wasser, entglitt, wenn man ihn am festesten gebunden wähnte. Nie besaß man ihn ganz. „Verzeih, wenn ich nicht mitkomme, Li — ich habe aber noch dringende Geschäfte zu erledigen." Er hielt ihre beiden Hände fest, küßte sie. Sie spürte die Wärme seiner Sippen und zitterte. „Magnus, wirklich Geschäfte?" Ach, daß er doch bliebe. „Ich lüge dich nie an, Li." Seine Stimme war sanft wie selten. Ein unterdrückter Seufzer. „Morgen?" „Vielleicht, wenn die Aufsichtsratssitzung sich nicht zu lange ausdehnt." „Rufe mich doch auf jeden Fall an, ja? Ab zwei Uhr bin ich zu Hause. Gute Nacht, Magnus." (Fortsetzung folgt.) Mmeister rie. i teilt mit: Die ib Beigeordneten llmt eingesetzt: > Weih an Stelle clen &g. Dietrich: iröt an Stelle des ebneten L. 2ouh; -St. AL gesa haben. So Deutschland aus- W "uch sremder ^eichaltet. AdE >>M) als Partei 13^'9 eine neue Weltanschauung werden. -biete der Musik -u gestanden, und F Osienbarunq lei d Philosophie (o Ite nafje gebracht -r Politik und der Dann werde der - es der Kapell- «5 Reichssympho- euische Musik hin- >ie deutschen Eren- Deutschland auch Welt auch aus dem n habe aber auch Borsorge, mit der r Schirmherr des stehen lernen das >, Deutschland über dem Redner. @e- eutschland-Lied ge< ing des Konzerts »Ls-, 6I, Her 1 b«t Stast illt °ez Ä ;t£B LdD dostkorea. °°^.DieU. annes schoben sich von ihm: Ihn zu rker. sahrt und hielt vor er aus das hupen n Zauberwort er- haustür floß ein lies ans Eartentor. verabschiedete sich ibarin, mit einem nd Am von Seb' hüttelte den Sopf. । über ihre de: ,M Meder. Bitte zugleich. ->e deslange überragte- gen in dem mißen Frau", sagte Stein- zoll überraschenden len W- \ b der lockende Laut 1« B** rleichterung tat L' r in Semgung S Lf der Honigs» /rfahren nach '*)rtr 'Einrichtung^ n alles aus < oar stolZ aus 4«*' * ,t Holzhausen: Christian Kunz an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Dach: Griedel: Hch. Bopp an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Becker: Saasen: Heinrich Schepp I. an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Wilhelm Schmitt V. Uetzhansen: Johannes Dueckert IV. an Stelle des zurückgetretenen Beigeordneten Johannes Bohlander. Frischborn: Karl Block an Stelle des Bürgermeisters Keutzer. Vockenrod: Anton Garg, seither Beigeord- neter, an Stelle des verstorbenen kommissarischen Bürgermeisters Otto Fey. Vockenrod: Adam Reuter an Stelle des zum kommissarischen Bürgermeister bestellten seitherigen Beigeordneten Anton Garg. Sprendlingen (Kreis Offenbach): Geor^ Ott für die seit längerer Zeit unbesetzte Beigeordnetenstelle. Gedern: Schmiedemeister Heinrich Beyer an Stelle des Bürgermeisters Müller. Ober-Klingen: Elektromonteur Georg Rauch, seither kommissarischer Beigeordneter, an Stelle des Bürgermeisters Jakob Lutz X. Ober-Klingen: Heinrich Walter II. an Stelle des seitherigen Beigeordneten Rauch. Lichtenberg: Landwirt Fritz Daab an Stelle des Bürgermeisters Schellhaas. Rieder-Klingen: Georg Himmclheber. seither Beigeordneter, an Stelle des freiwillig zurückgetretenen Bürgermeisters Grünerwald: Dieder-Klingen: Valentin Willems II. ' an Stelle des zum kommissarischen Bürgermeister ernannten seitherigen Beigeordneten Himmelheber: Harpertshausen: Landwirt Phil. Funk an Stelle des freiwillig zurückgetretenen Beigeordneten Lautenschläger: Mommenheim : Landwirt Drückbauer, seither Beigeordneter, an Stelle des Bürgermeisters Philipp Leib: Mommenheim: Georg Windischll. mit Wirkung vom 2. August 1933 an Stelle des zum kommissarischen Bürgermeister ernannten Beigeordneten Brückbauer: Lörzweiler: Landwirt Jakob Becker I. an 2telle des Beigeordneten Lorenz Holzenthal. Abschied von Standartenführer Engmann. Am Samstagabend verabschiedete sich der Standartenführer Engmann von der Gießener SA Zu dieser kleinen Feier hatten sich verschiedene Stürme eingefunden, die gemeinsam Don der Schulstraße zu einem Hofe am Selters- . I ‘icg marschierten. Als erster Redner sprach der ' I ’uc Standartenführer Luther, Friedberg. Er führte u. a. aus, daß er ein herzliches Verhältnis zu den Mannschaften haben wolle, denen er sicherlich nicht ganz unbekannt sei. Er wolle der Führer sein, aber nicht in der Gegenüberstellung Befehlender und Untergebene, sondern in kameradschaftlichem Sinne, so wie sich die Bewegung überhaupt aus kameradschaftlichem Geiste aufbauen müsse und aufbaue. Er gedachte kurz des -Wirkens des bisherigen Standartenführers, der in einen anderen Wirkungskreis berufen sei. . Mit einem Treugelöbnis und einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf den Führer und Volkskanzler Adolf Hitler beschloß er seine Worte. Sodann verabschiedete sich Standartenführer ®ngrann: Die SA. habe ihm mit dieser Abschieds-Ehrung eine große Freude gemacht. Von allen SA.-Kameraden. denen er bisher als Führer gegenüber gestanden habe, sei ihm die SA. der Standarte 116 die liebste gewesen. Die SA. stehe nun vor einem entscheidenden Abschnitt. Die Zeit der Siegesfeiern sei vorbei, jetzt gelte es ernsteste Arbeit vorzubereiten. Er selbst müsse Gießen verlassen um ein SA.°Führerschulungslager zu übernehmen. Mit einem herzlichen „Lebt wohl Kameraden!" schloß Standartenführer Engmann seine Ansprache. Zum Schluß hielt noch Truppführer Gerichtsreferendar Müller (17/11/116) im Rainen der Kameraden der Standarte eine kurze Rede. Dem scheidenden Standartenführer rufe er ein herzliches „Lebewohl!" zu. Er sei der SA. ein prächtiger Kamerad gewesen und wenn der heutige Abend auch nicht alle Stürme vereinige, so möge der Scheidende doch die Gewißheit mit sich nehmen, daß die Kameraden der Standarte ihn stets in guter Erinnerung halten würden. Als ein Zeichen der Erinnerung an die Gießener SA. überreichte Truppführer Müller dem scheidenden Standartenführer ein Andenken. Nachdem noch gemeinsam ein Lied gesungen worden war, rückten die Stürme wieder in geschlossenen Zügen ab. Oie Säuberung der bessischen Polizei. Die Staatspresse st eile teilt mir: Das Per- sonalamt der hessischen obersten Landesoerwaltung gibt bekannt, daß es sich bei dem Artikel „Die Säuberung der hessischen Polizei vollendet" nur um die Beendigung der ersten Maßnahmen handelt, die auf Grund bereits vorhandener Unterlagen seitens der Behörden sofort erfolgen konnten. Selbstverständlich wird die Nachprüfung der personellen Angelegenheiten auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berussbeamtentums auch für die Polizei fortgesetzt. Denn aus grundsätzlichen Erwägungen und zur Sicherung des neuen Deutschlands muß bei der Reinigungsaktion besonders bei den Polizeien der Länder ein besonders strenger Maßstab angelegt werden. Lustfahrt tut not! Preisaufgabe des Gießener Anzeigers. Aus Anlaß der Deutschen Luftfahrt-Werbewoche stellte der „Gießener Anzeiger" eine Preisausgabe, die in der Beantwortung von 10 Fragen bestand, beider ließ das Ergebnis gemessen an den außerordentlichen Erfolgen früherer Preisausschreiben sehr zu wünschen übrig. Eine Reihe von Fragen wurden falsch beantwortet: den meisten Teilnehmern ist es ofsentsichtlich schwer gefallen, die auf die Entwicklung des Flugsportes in Gießen sich beziehenden Fragen richtig zu beantworten, während die allgemeiner gehaltenen Fragen richtig getroffen wurden. Da ein großer Teil der Antworten nur in unbestimmter Form gehalten wurde, konnte von den zur Verfügung stehenden Preisen nur eine beschrankte Zahl zur Verteilung gelangen. Die Auslösung. Die Beantwortungen mußten folgendermaßen touten: 1. Am 28. Mai 1933; 2. am 5. Juli 1925; 3. Maier; 4. canck mecl. Schmidt; 5. Oktober 1924 auf den Wiesen am Gerichtsgebäude: 6. 200 m (oder 205 m); 7. G 38 (oder D 2500, oder Generalfeldmarschall von Hindenburg); 8. Manfred von Richt- hosen; 9. Wolfgang von Gronau; 10. Ministerpräsident Göring. Die Preisträger. 1. Ursula Burg, Gießen, Frankfurter Straße Nr. 143: ein Freiflug. 2. Walter Lutz, Gießen, Wilhelmstraße 54: ein Freiflug. 3. Marie Knapp, Gießen, Mühlstraße 5p: ein Freiflug. , 4. Heinrich Gröninger, Gießen, Grünberger Straße 50: „Luftschiff voraus". 5. Ernst August Noll, Gießen, Bismarckstraße Nr. 6 II: „Bremsklötze weg!" 6. Karl R a u , Gießen, Am Kugelberg 22: „Der rote Kampfflieger". Die Abholung der Preise. sofern die Preisträger ihre Anerkennung nicht schon in der Form , eines Freiflugs erhielten, kann in der Zeit von 15 bis 17 Uhr am morgigen Dienstag in der Redaktion des „Gießener Anzeigers", Schulstraße 7, erfolgen. Giehener „Lützower" an den Reichskanzler. Die Deutsche Webrschaft (DW.) übersandte am Tage der Unterzeichnung des Versailler Schanddiktats, dem Gründungstage der Deutschen Wehrschaft, ihrem Ehrenführer, 'dem Volkskanzler Adolf Hitler, aus allen Teilen Deutschlands Ergebenheitstelegramme. Die Gießener Wehrschaft „Die Lützower" in der DW. richtete an Adolf Hitler folgendes Telegramm: „Ihrem Ehrenführer am Tage der Unterzeichnung des Versailler Schanddiktats Heilgruß und Gelöbnis treuer Gefolgschaft im Geiste der alten Lützower. Gießener Wehrschaft.Die Lützower'." Tagung des Evangelischen Landeskirchentags. Der Evangelische Landeskirchentag ist zu einer eintägigen Sitzung auf Donnerstag, 6. Juli 1933, 9 Uhr, einberufen worden. Äornvtizcu. — Tageskalender für Montag. Deutscher Bekleidungsarbeiter-Verband: 20 Uhr, Gewerkschaftshaus, Versammlung. — Lichtspielhaus (Bahn- bofstraße): „Eine Tür geht auf" sowie „Sergeant Mc. Kenna". * * * „H essische Polizeidirektion Gie- ß e n." Auf Anordnung des Herrn Staatskommissars für das Polizeiwesen in Hessen führt das Polizeiamt Gießen nunmehr die Bezeichnung: „Hessische Polizeidirektion Gießen". * * 3n Öen Ruhestand getreten. Post- assistent Konrad Frees ist am 1. Juki nach 48jähriger treuer Dienstzeit wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand getreten. * * Spende zur Schaffung der nationalen Arbeit. Auf Veranlassung des Angestelltenrates der Firma Poppe & Co. wurde bei der Gehaltszahlung am 30. 3uni durch eine Listensammlung ein Betrag von 76 Mark eingesammelt, der als Spende zur Schaffung der nationalen Arbeit dem Finanzamt Gießen überwiesen wurde. ** Oeffentliche Bücherhalle. Im Juni wurden 1053 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Erzählende Literatur 707, Literaturgeschichte 2, Zeitschriften 22, Gedichte und Dramen 7, Jugendschriften 60, Länder- und Völkerkunde 70, Kulturgeschichte 3, Geschichte und Biographien 102, Kunstgeschichte 2, Naturwissenschaft und Technologie 22, Heer- und Seewesen 5, Haus- und Landwirtschaft 6, Gesundheits- lehre 13, Religion und Philosophie 13, Staatswissen- 17, Sport 2 Bände. Nach auswärts kamen 2 Bande. Die Gießener Gastwirte in Lich. Dieser Tage folgten die Gastwirte von Gießen und Umgegenö einer Einladung des Brauerei- beschers Hans 3 h r i n g und fuhren unter zahl- racher Beteiligung nach Lich. Die Teilnehmer wurden von dem Chef und den Angestellten der Sirma 3hring herzlich begrüßt. Unter Vorantritt der Feuerwehrkapelle von Lich bewegte sich ein stattlicher Zug durch die Straßen der Stadt nach dem „Holländischen Hof". Dann ging es, wieder unter Dorantritt der Musik und der Fahne des neuen Reiches, durch den Schlohpark zu dem Hardtberg. 3n vorsorglicher Weife war hier ein großes Festzelt erstellt worden. Nachdem Brauereibesiher Hans 3 h r i n g seine Gäste nochmals willkommen geheißen hatte, dankte ihm der Vorsitzende der Innung Fran; Sold an tn längeren Ausführungen und schilderte die derzeitige Lage des Gaststättengewerbes. Zum Schluß brachte er auf den alten Generalseidmarschall v. Hindenburg und auf den Volks- kanzler Adolf Hitler ein dreifaches „Sieg- Heil" aus. Den Reden folgte das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied. Man verbrachte noch manche Stunde in geselliger Unterhaltung. •• Rachsendung von Postsendungen. Das Postamt Gießen teilt mit: Zu Anträgen auf Rachsendung von Postsendungen sind möglichst die amtlichen Formblätter zu benützen, die an den Postschaltern und von den Postzustellern zur Abgabe bereit gehalten werden. Die Verwendung dieser amtlichen Formblätter gewährleistet die pünktliche Rachsendung der Post und ist daher zum Vorteil der Empfänger- S.J.-fpor/ 1900 sechsmal, OGE. einmal Bezirksmeister in Kassel. Unter starker Beteiligung aus allen Teilen des Bezirks kamen am Sonntag die Leichtathletik-Meisterschaften von Hessen-Hannover in Kassel zum Aus- trag. Die Gießener Vertreter schlugen sich bei der äußerst starken Konkurrenz recht gut und brachten neben wertvollen Plätzen folgende Meisterschaften an sich. 100 Meter: Eldracher (1900) 11,2 Sek.; 400 Meter Hürden: Jung (1900) 59 Sek.; Stabhochsprung: Unteroffizier Steines (1900) 3,35 Meter; Diskuswerfen: Kilo (1900) 42,17 Meter; Kugel st oßen und Schleuderballwerfen: Unteroffizier Gugel (1900) 13,49 Meter bzw. 54,88 Meter; S t e i n st o ß e n : Unteroffizier Mohl (OSE.) 8,90 Meter. Leichtathletische Abendveranstaltung auf dem 1900-Sportplah. Am Mittwochabend di-ser Woche kommt auf dem 1900-Sportplatz eine Leichtathletik - Veranstaltung zur Durchführung, die allgemeines Interesse auf sich ziehen dürfte. Es ist der bereits in den Jahren 1930 I und 1931 — im Vorjahre konnte kein passender I Termin gefunden werden — zum Austraa gekommene Mannschaftskampf zwischen dem hiesigen Bataillon, der Universität und den Gießener Turn- und Sportvereinen. Am kommenden Mittwoch sind die Vereine vertreten durch den Männerturnvercin, Olympischen Sportklub und Spielvcreinigung 1900 als dem Veranstalter. Stärker als bisher ist dies- nial der Mannschaftsgedanke herausgestellt. Es sind drei Gruppen von Hebungen zu unterscheiden. Ein Fünfkampf aus 100 Meter, 1000 Meter, Weitsprung, Steinstoßcn und Keulenwerfen, zu dem jede Partei 3 Leute stellt; drei Einzelwettbewerbe, nämlich 100 Meter, 3000 Meter und Diskuswerfen, die von je 2 Mann beschickt werden können und eine 10 X>--Runde staffel. In jeder Gruppe wird die Placierung der einzelnen Parteien festgestellt, die sich aus den Gesamtleistungen ihrer Leute ergibt und nach Punkten gewertet. Es wird also die beste Ausgeglichenheit im Können der einzelnen Vertreter ausschlaggebend für den Ausgang des Kampfes sein. Eine Voraussage ist daher kaum möglich. Es steht zu erwarten, daß Bataillon, Universität und Spieloereinigung wieder das Ende unter sich ausmachen. Als Rahmenkonkurrenz findet noch ein Gepäckmarsch statt, zu dem auch SS., SA. und Stahlhelm eingeladen sind. Konkurseund Vergleichsverfahren i m 3 u n i. Rach einer Mitteilung des Stattstischen Reichsamtes wurden im Monat 3uni durch den Reichsanzeiger 264 neue Konkurse — ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 123 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 394 bzw. 140. Frankfurt uneinheitlich. Frankfurt a. M., 3. Juli. (WTB.-Drahtmel- düng.) Die Tatsache, daß Roosevelt eine Bindung in der Goldstandard-Frage nicht eingehen will, wurde von der Anfangsbörse zunächst nicht allzu pessimistisch beurteilt, da man glaubte, daß sich Amerika auf diese Weise nur ein Druckmittel verschaffen will. Nach den ersten Kursen war jedoch zunächst dieses Moment zusammen mit der Erklärung Englands, das sich dem Vorgehen der Goldstandardländer nicht anschließen will und die weiter überwiegende Geschäftsstille ein Grund für Abschwächungen bis zu 1,75 Prozent. Am Montanmarkt gaben Buderus und Klöckner je 0,50 Prozent, Mannesmann Phönix, Rheinstahl und Stahlverein bis zu 1,50 Prozent nach. Die Stimmung konnte sich hier jedoch bald wieder bessern, so daß Rhein- stahl den Anfangsverlustt nach kurzer Zeit bis % Prozent wiedereinholen konnte. Harpener lagen von Anbeginn 0,50 Prozent höher. Von Spezialwerten notierten JG.-Farben unverändert, Scheideanstatt und Rüdgerswerke 0,25 Prozent niedriger. Auch der Elektromarkt wies Abschwächungen auf, Ges- fürel und Schuckert waren bis 1,75 Prozent Siemens und Lahmeyer !e 0,50 Prozent gedrückt. Mit Plus-Plus-Zeichen erschienen Chadeaktien, die um 12 Mark anzogen. Im Verlaufe wurde die Stimmung uneinheitlich. Während andererseits Reichsbank, Zellstoff Waldhof und Süddeutsche Zucker bis 1 Prozent und Aku 2 Prozent gewannen, gaben Akkumulatoren Berlin, Gelsenkirchen und Deutsche Linoleum 1,75 Prozent und Jlse-Bergbau 3 Prozent nach. Merklich ruhiger wurde das Geschäft auch späterhin. Jlse-Bergbau blieben mit dem Verlust von 3 Prozent unerholt. Am Rentenmarkt wiesen die variablen Werte mehrfach Schwankungen auf. Altbesitz eröffneten y% Prozent höher, Neubesitz gaben, 0,10 Prozent ab. Don den heute erstmalig nach Serien getrennten Schutzgebiete lagen die 1913er und 1914er Serien 7 bis 7,10 Prozent. Späte Reichsschulbuchsorderungen waren 0,25 Prozent schwächer. Vn Jndustrie-Ooligationen konnten Stahlverein einen Anfangsverlusl von % Prozent wieder aufholen, Reichsbahn-Vorzugsaktien gewannen 0,25 Prozent. Von fremden Werten gewannen Anatolier 1% Prozent, Zolltürken blieben behauptet. Am Pfandbriefmarkt lag mehr Angebot vor, das größtenteils aufgenommen wurde. Es ergaben sich somit Abschwächungen bis 0,50 Prozent. Kommunalobli- gationen waren widerstandsfähiger. Der Satz für Tagesgeld ermäßigte sich auf 3,50 Prozent. Frankfurter Schlachtvichmarkt. Frankfurt a. M., 3. Juli. Auftrieb: 1335 Rin- der, darunter 361 Ochsen, 150 Bullen, 452 Kühe, 390 Färsen; 486 Kälber, 38 Schafe, 3522 Schweine. Es wurden bezahlt: Ochsen, vollst., ausgemäftete, höchsten Schlachtwerts, jüngere 29 bis 32, ältere 25 bis 28, sonstige vollfleischige 22 bis 24 Mark; Bullen, jüngere vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 26 bis 29, sonstige vollst, oder ausgemäftete 21 bis 25 Mark; Kühe, jüngere, vollst, höchsten Schlacht- werts 24 bis 28, sonstige vollst, oder ausgemäftete 20 bis 23, fleischige 16 bis 19, gering genährte 12 bis 15 Mark; Färsen, vollfleischige, ausgemäftete höchsten Schlachtwerts 29 bis 33, vollfleischige 25 bis 28, fleischige 22 bis 24 Mark; Kälber: beste Mast- und Saugkälber 37 bis 40, mittlere Mast- und Saugkälber 33 bis 36, geringe 26 bis 32 Mark; Schweine, vollfleischige von etwa '240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 37 bis 40, von 200 bis 240 Pfund 37 bis 40, von 160 bis 200 Pfund 35 bis 39, fleischige von 120 bis 160 Pfund 34 bis 35 Mark. — Marktverkauf: Rinder ruhig, ausverkauft, Kälber und Schafe mittelmäßig, ausverkauft, Schweine mittelmäßig, ausoerkaufk. Daten für Montag, den 3. Juli. 1676: Leopold Fürst von Anhalt-Dessau geboren (gestorben 1747); — 1709: Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth in Berlin geboren (gestorben 1758); — 1792: der Feldherr Prinz Ferdinand von Braunschweig gestorben (geboren 1721); — 1866: Schlacht bei Königgrätz (Sadowa); — 1890: der Schriftsteller Hanns Johst in Seehausen (Sachsen) geboren; — 1926: der Erfinder der autosuggestiven Heilmethode Emil Cou6 in Nancy gestorben (geboren 1856). Wettervoraussage. Der hohe Druck hat sich noch verstärkt und bestimmt weiterhin die Wetterlage. Bei vielfach auf- heiterndem Himmel werden infolge der Sonnenstrah. lung die Temperaturen tagsüber kräftig ansteigen. Aussichten für Dienstag: Meist heiter, weitere Erwärmung und trocken. Aussichten für Mittwoch: Fortdauer der Schönwetterlage. Lufttemperaturen am 2. Juli: mittags 21,5 Grad Celsius, abends 15,5 Grad; am 3. Juli: morgens 16,5 Grad. Maximum 23,6 Grad, Minimum 14,0 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 2. Juli: abends 20,5 Grad; am 3. Juli: morgens 17,1 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 9K Stunden. Verantwortlich für Lokales, Provinz, Wirtschaft und Sport: I. V.: H. L. N e u n e r. ■J. Fortschritte im Motorenbau bedingen auch Fortschritte In der Motorenschmierung. Wir ha* ben es von jeher als unsere wichtigste Aufgabe betrachtet, die Qualität unserer SHELL AUTOOELE — zum Teil in Gemeinschaft mit den Motorenfabriken — so zu entwickeln, daß heute für alle Motortypen und alle Jahreszeiten die jeweils geeignetste, absolut zuverlässige SHELL AUTOOEL-Sorte vorhanden ist. In unseren Fabriken, den bedeutendsten ihrer Art in Deutschland, und In unseren Büros beschäftigen wir allein viele Tausende von Arbeitern und Angestellten. ELE schütz! 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