Montag, Z.ApriUYZZ 185. Jahrgang Nr. 7yKrüharrsgabe GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Dn»d iinb Verlag: vrvhl'sche Univerfitä1§-Vuch- und Stetnöruderei R. Lanae in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: 5chn^aße 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmitlag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Brette 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20" , mehr. Chefredakteur Dr. Friedr. Wich. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Icil Ernst Dlumschcin und kür den Anzeigenteil i.D.Th.Kümmel sämtlich in Gieyen. Ertcheint täglich, autzer Sonntags und Feiertags Betlagen: Die Illustrierte Gieizener Familienblätter Heimat'M Bild Die Scholle Monat,-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernlorechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anfchrist für Drahtnach- richten Anzeiger Eiehen. pofifdiedfonto: jfranlfiirt am Main 11686. Ein geschichtlicher Tag der deutschen Reichsmarine. Indienststellung des Panzerschiffes „Deutschland". — Stapellauf des Panzerschiffes „Admiral Scheer". „Deutschland" im Dienst. Wilhelmshaven, 1. April. ($11.) Die Indienststellung des neuen Panzer- schiff es „Deutschland" vollzog sich Pro- grammähig. An Bord des Schisses hatte die von der früheren „Emden" übernommene, durch weitere Mannschaften verstärkte Besatzung aus dem Achterdeck mit Front zum Flaggenstock Aufstellung genommen. Der Kommandant des neuen Schiffes, Kapitän zur See von F i s ch e l, nahm das Wort zu einer Ansprache, in der er u. a. ausführte: „Unsere Indienststellung erhält eine besondere Weihe durch den Umstand, daß das deutsche Volt heute Bismarcks Geburtstag feiert. Wiederum ist eine grobe Wendung Kapitän z. S. F l f d) c L im Schicksal des deutschen Volkes eingetreten. Dank dem Führer, der heute des Reiches Kanzler ist, ist das deutsche Volk aus seiner Ohnmacht erwacht. Es ist aufgerüttelt worden, es hat sich seiner selbst besonnen, und wenn noch vor kurzer Zeit große Teile unseres Volks der Wehrmacht gleichgültig, zum Teil feindlich gegenüberstanden, sieht das ganze deutsche Voll mit Stolz nunmehr wieder auf seine Wehrmacht. In diesem stolzen Bewußtsein wollen wir an Bord unseres stolzen Schiffes unseren Dienst tun.“ Bei präsentiertem Gewehr wurde dann die Kriegsflagge am Heck gehißt. Die Kapelle intonierte sodann das Deutschlandlied. Damit war die Indienststellung erfolgt. Das Panzerschiff „Deutschland" ist 181 Meter lang, 20,7 Meter breit und hat einen Tiefgang von 6,62 Meter bei voller Ausrüstung. 3m Interesse einer möglichst geringen Zielscheibe hat es eine auffallend niedrige Silhouette. Der ausaebauchte Schiffsrumpf kann in seinen breiten Wulsten Oel- bunker aufnehmen. Die Ilmpanzerung umfaßt eine über die ganze Länge ausgedehnte Schutzseite, zwei gepanzerte Deck- und starte innere Längsschotten. Zum ersten Male wurde mit der „Deutschland" ein reines Motor-Rennschiff geschaffen, dessen durch Oclfeuerung betriebene Dieselmotoren, die etwa 50 000 PS entwickeln, dem Schiff eine Geschwindigkeit von 26 Knoten verleihen. Bei nur 20 Knoten vermag das Schiss die gewaltige Strecke von 10 000 Seemeilen ohne Erneuerung des Brennstoffs zurückzulegen. Armiert wurde die „Deutschland" mit sechs 28-Zentimeter-Geschützeu in zwei Drillingstürmen, von denen einer vorn und einer hinten aus dem Schiff placiert ist, acht 15-Zentimeter- Gcschützen in Einzeltürmen, mehreren Flugzeug- abwchrkanonen und sechs Heberwasser-Torpedo- rohren. Die außerordentliche Fahrgeschwindigkeit und die große Schußweite der Geschütze verleihen dem Schiff hervorragende Kampffähigkeit, wie sie in solchem Ausmaß nur wenige Schlachtschiffe besitzen. Hindenburg an die „Deutschland". Bremen, 1. April. (TU., Reichspräsident von Hindenburg richtete an den Kommandanten des am Samstag in Dienst gestellten Panzerschiffes „Deutschland", Kapitänleutnant z. S. von Fischet, folgendes Telegramm „Dem Panzerschiff „Deutschland" sende ich am Tage seiner Indienststellung meine besten Wünsche. Ich erwarte, daß die Besatzung dem Ramen dieses neuen Schiffes alle Ehre macht Möge der Wille zur treuen Pflichterlul lang und opfermütigen Vaterlandsliebe das höchste Ziel der gesamten Besatzung sein, von Hindenbur g.“ Stapellauf des „Admiral Scheer" Wilhelmshaven, 1. April. (^TB.) Rach- dem heute früh das erste nach dem Krieg gebaute deutsche Panzerschiff „Deutschland" in Dienst gestellt worden war, fand gegen Mittag die Taufe des zweiten Rachkriegspanzerschiffs statt. In seiner Taufrede sagte Admiral von paeder: „Der 1. April ist ein Tag von hervorragender Bedeutung für das deutsche Volk und für die Die „Deutschland". — Ansprache des Kapitäns z. S. Fischet an die Besatzung. ■ - ¥ - \■ \w n.Vv chen Steckschuß und mußte sofort in die Klinik über- geführt werden, wo er in fehr ernstem Zu - st a n d öarmeöerliegt Der Mörder flüchtete und konnte erst nach längerem Sucher unter altem Gerümpel versteckt im Modenlager des väterlichen Geschäftes entdeckt werden Er sowie- sein Vater und alle sonstigen Familienmitglieder die im Geschäft angetroffen wurden, sind verhaftet. Die blutige Mordtat hat unter der Bevölkerung Kiels große Erregung hervorgerufen, umso m"hr, als gerade die SS. und SA durch ihr diszipliniertes Verhalten die Anerkennung aller Beoölkerungsschichten gefunden hat." lieber die blutigen Vorfälle am heutigen Samstag wird amtlich mitgeteilt: Der jüdische Rechtsanwalt und Rotor Schümm schoß heule vormittag gegen 11.30 Ahr den SS.-Mann Walter Ast Halter in der Kehden-Strahe durch Bauchschuß nieder, und zwar nach den bisherigen Meldungen ohne triftigen Grund. Eine erregte Menschenmenge sammelte sich vor Dein Polizeigefängnis an, bevor der vom Oberpräsi- denten angeordnete Abtransport des Rechtsanwaltes Schümm ermöglicht werden konnte. Die erregte Volksmenge drang in das Polizeigefängnis ein, wo Schümm durch Revotverschüsse getötet wurde. Das Ganze entwickelte sich so schnell, dah poli- leilich der Vorgang nicht verhindert werden konnte. Die Menge drang auch in das Geschäft des Vaters des Rechtsanwaltes Schümm in der Kehdcn- Straße ein und zerstörte das Inventar. Anordnungen des Zentralkomitees. München, 2.April. (WTv.) Das 3enfr*il- tom i fee zur Abwehr der Mischen Greuel- und Boykotthetze erläßt eine Anordnung Rr. 8, welche besagt. 1. Durch Anordnung der Reichsparteileitung des Zentralkomitees wurde der Boytott gegen jüdische Geschäfte, Aerzte, Rechlsanwälle usw. dis Mittwoch, 5 April 1933, 10 Ahr, ausgesetzt. Damit ist der frühere Z u st a n d wiederhergestellt. Plakate, Anklebezettel usw. die nut dem Boykott Zusammenhängen sind zu entfernen. 2. Der Boykott ist erst dann wi-der aufzunehmen, wenn vom Zentralkomitee die Weisung hierzu an die örtlichen Aktionskomitees ergeht. 3. Desien ungeachtet haben die Aktionskomitees ihre Vorbereitungen so zu treffen, daß auf Weisung der Boykott zur festgesehien Zeit ausgenommen und planmäßig durchgeführt werden kann. 4. Um eine Einheitlichkeit der Abwehraktion herbeizuführen, wurde jüc den Fall der Wiederaufnahme des Boykotts bestimmt, dah an jüdischen Geschäften Pta- täte anzubringen sind mit der Aufschrift „Jude", an öeutfdjen Geschäften mit der Aus- schrift „Deutsches Geschäft". Erklärungen Streichers. Wahrscheinlich keine Wiederaufnahme des Boykotts. Berlin, 2. April. (211) Gegenüber einem Vertreter der RSDAP.-Korrespondenz erklärte der Leiter des Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze, Iulius Streicher, als dos erfreulichste Kenirzeichen der Aktion könne festgestellt werden, dost sie vom ganzen Volte getragen war. Auf die Frage, ob er glaube, daß eine Wiederaufnahme der Aktion am nächsten Mittwoch notwendig fein werde, erklärte Streicher nach den Meldungen, die aus dem Auslande bisher ein» gegangen seien, sei zu erwarten, daß eine Wiederaufnahme vermieden werden könne. Sollte aber das internationale Judentum den Kampf fortgeführt haben wollen, so sei die ASDA P. zu diesem Kampfe gern st et. Aber auch wenn diese 2lbwehrbewegung heute ihren Abschluß finde, so werde doch ein großes Ergebnis festzustellen sein: 1. Das internationale Judentum sehe, daß das neue Deutschland nicht mit sich Schindluder treiben lasse: 2. daß nicht nur das deutsch, Volk, sondern die ganze Welt durch den uns von den Juden selbst aufgezwungenen Abwehrkampf auf die Judenfrage hingewiesen worden sei, die nicht nur eine Frage des deutschen Volkes, sondern eine Frage der Menschheit sei. (Sm skandalöser Aprilscherz in Belgrad. Belgrad, 31. März. (TA.) Die Hetze gegen das neue Deutschland erreichte in Belgrad einen unglaublichen Höhepunkt, hinter dem Vorwand 2ines Aprilscherzes erschien eine Sonderausgabe der „Aovo st i". Das Blatt brachte die Äachricht von einem Attentat auf Hitler, der beim Verlassen seiner Wohnung durch drei Revolverschüsse getötet worden sein sollte. Der erfundene Bericht über den angeblichen Mordanschlag wurde ausführlich mit zahlreichen Einzelheiten ausgeschmückt. In Belgrad entstand beim Erscheinen des Blattes beispiellose Aufregung. Die einzelnen Exemplare wurden den Zeitungsverkäufern aus den Händen gerissen. Bei den deutschen amtlichen Vertretern liefen ununterbrochen telephonische Anfragen und Beileidskundgebungen, auch von feiten des diplomatischen Korps, ein. Die Verwirrung war um so größer, als das Blatt die Vordatierung vom 1.April erst auf der zweiten Seite brachte, so daß sie nicht gleich bemerkt werden konnte. Als eine Rückfrage der deutschen Gesandtschaft in Berlin ergab, daß die Meldungen der „Ro- wosti" unzutreffend seien, verlangte der deutsche Gesandte v. Dufour-Feronce so- g eich ein. iln.errebung mit demAußenminister, protestierte entschieden gegen diesen unerhörten Vorfall und verlangte die B e st r a - fung der Schuldigen. Außenminister Ief - titsch gab seinem Bedauern über die rohe Hetze Ausdruck und versicherte dem Gesandten, dem Verlangen nach Bestrafung der Beschuldigten nachkommen zu wollen. Zenissbeamlentiim und nationale Revolution. Eine Rede des Reichsinnenministers Frick. Berlin, 1. April. (TU.) Am Samstognachmit- tag fand auf dem Tempelhofer Feld ein eindrucksvoller Massenaufmarsch der Nation abf^o zialist i s ch e n Beamtenabteilungen von Groß- Berlin statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Weihe von etwa 70 Fahnen der nationalsozialistischen Beamtenfachschaften in Verbindung mit einer Rede des nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten und Abteilungsleiters Dr. F a - bricius. Er richtete an die Beamtenschaft die Mahnung, der Notwendigkeit einer gemeinsamen Arbeit an der Wiederherstellung der deutschen Volksgemeinschaft eingedenk zu sein. Am Schluß seiner Rede weihte Dr. Fabricius die Fachschafts- fahnen auf dem gemeinsamen Spruch: „Nichts für uns, alles für das Volk!" Das Horft-Wefsel-Lieü und das Deutschlandlied beschlossen die Veranstaltung. Nach Beendigung der Fahnenweihe zogen die nationalen Beamtenschaften geschlossen durch die Stadt, vorbei an den Gebäuden der Reichs- und Staatsbehörden. Vor dem Gebäude des Reichsinnen- ministeriums am Königsplag, das die schwarzweißrote und die Hakenkreuzfahne aufgezogen hatte, sammelten sich die Züge. Vom Balkon des Gebäudes, von dem ebenfalls die schwarzweißrote und die Hakenkreuzflagge wehten, hielt Reichsinnenminister Jricf eine Anlprachc, in der er eingangs auf die weltgeschichtliche Umwälzung in Deutschland und den tsieg der nationalen Revolution hinwies. Die Revolution sei noch im Gange und die Arbeit beginne erst. Die Beamtenschaft sei durch das System der letzten 15 Jahre schwer in Mitleidenschaft gezogen. Das Parteibeamtenbuch sei das Unglück geworden für die ganze öffentliche Verwaltung Deutschlands. Fremdrassige und Fremdstämmige seien in großer Zahl in das deutsche Be- rufsbeamtentum aufgenommen worden. Das System der letzten 15 Jahre müsse endgültig ausgeräumt werden. Das deutsche Volk könne nur von Deutschen regiert werden. Der Minister kündigte für die nächste Woche ein Gesetz an, das Vorsicht, daß nur deutschblütigc Beamte Slaatscmtorität in Deutschland verkörpern dürfen. Das alte System habe sich willenlos dem Gegner unterworfen und dadurch den wirtschaftlichen Zu- sammenbruch herbeigeführt. Auch die Beamtenschaft hätte darunter zu leiden. Es sei Ehrenpflicht der Regierung der nationalen Erhebung, daß vom alten System wegen nationaler Betätigung an Beamten begangene Unrecht wieder gutzumachen. Mit Stolz könne festgestellt werden, daß die nationale Revolution die Stellung der Regierung so befestigt habe, daß innenpolitisch die Macht fest in ihren Händen sei. Es gelte nun, sie auch außenpolitisch zu erneuern. Unter Hinweis auf die Greuelpropaganda des Auslandes erklärte der Minister: Heute habe sich das deutsche Volk nur in einer kleinen Probe zur Wehr gesetzt, die schon genügen dürfte, um die Feinde des Deutschtums zur Besinnung und die Greuelpropaganda zum Schweigen zu bringen. Das deutsche Berufsbeamtentum müsse wieder in seiner Reinheit hergestellt werden. Man müsse sich hinwenden zu dem Idealismus der nationalen Freiheitsbewegung. Der wirtschaftliche Zusammenbruch, unter dem Deutschland dank dem System der letzten Jahre gelitten habe, könne nicht mit einem Schlage beseitigt werden. Es werde noch großer Entbehrungen bedürfen. Aber die zu tragenden Lasten würden nach Maßgabe der Leistungen gleichmäßig verteilt werden. Die Regierung der nationalen Erhebung werde dahin arbeiten, daß Deutschland wieder angesehen und mächtig in der Welt werde, wie es nach seiner ruhmreichen Geschichte einen Anspruch habe. Der Minister schloß mit dem Ruf: „Sieg-Heil!" auf die nationale Erhebung und auf Adolf Hiller. Nach dm Gesang des Horst-Wessel- und des Deutschlandliedes setzten sich die Züge wieder in Bewegung. Reichögeseh zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Wie das Nachrichtenbüro des VdZ. meldet, sind bei den zuständigen Stellen der Reichsregierung gegenwärtig die Vorarbeiten für einen sehr bedeutsamen Gesetzentwurf im Gange. Es handelt sich dabei um die gesetzliche Fundierung der von der Reichsregierung für notwendig gehaltenen b e - amtenpolitifchen Maßnahmen, insbesondere hinsichtlich der früheren oder gegenwärtig noch im Amte befindlichen leitenden Beamten in Reich, Ländern und Gemeinden. Die nationale Regierung will sich mit diesem Gesetz die erforderlichen Grundlagen schaffen, um unerwünschte Mitarbeiter aus dem Beamtenkörper der öffentlichen Hand entfernen zu können. Nicht zuletzt wird es sich dabei auch darum handeln, in den Kommu - n e y in Deutschland diejenigen Bürgermeister Intendant Dr. prasch Leiter des Landestheaters in Darmstadt. wsv. Darmstadt, 2.April. Intendant Dr. Prasch, der Leiter des Gießener Stadttheakers, wird, wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, die Leitung des Hessischen Landesthea- t e r s übernehmen. Mit der vorliegenden Meldung aus Darmstadt bestätigen sich Gerüchte, die uns bereits vor Tagen zu Ohren gekommen sind und die davon wissen wollten, day der Intendant unseres Stadttheaters, Dr. Rolf Prasch, in nächster Zeit die Stätte feines hiesigen Wirkens verlassen werde, eine Äachricht, welche die Freunde des Gießener Theaters zugleich bedauern wie — im Interesse von Dr. Prasch — begrüßen werden. Wir haben erst zu Beginn dieser Spiel- zeit, tz^z^^^er-Jubiläums, die hiesige Tätigkeit Praschs einer Würdigung unterzogen: am 24. Oktober 1927 wählte die Gießener Stadtverordnetenversammlung unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Dr. Keller den Oberspiel- leiter Dr. Prasch von Stuttgart zum Intendanten des Gießener Stadttheaters: mit der jefjt erfolgten, bzw. bevorstehenden Berufung Praschs nach Darmstadt findet seine überaus erfolgreiche Tätigkeit in Gießen ihr Ende. Prasch hatte damals, als er das Erbe von Hosrak Steingoetter antrat, nicht voraussehen können, unter welch schwierigen Verhältnissen er schon bald werde arbeiten müssen, und daß beispielsweise die Feier des 25jährigen Jubiläums in eine Zeit wirtschaftlicher und kultureller Depression fallen würde, wie sie zuvor noch nicht erlebt worden war. Die Amtszeit des Intendanten Prasch (von 1928 bis heute) war, dank seiner persönlichen Energie und optimistischenTheaterfreudig- keit eine Zeit entschiedener Aufwärtsentwicklung: Dr. Prasch hat während dieser fünf Jahre als Bühnenleiter, als Regisseur und — wie wir uns gerne erinnern — auch als Schauspieler dem Gießener Stadttheater Riveau, persönliches Profil und ein Ansehen zu geben vermocht, das unser Theater weit über die Grenzen der Stadt, unserer Heimatprovinz und selbst des gesamten Hessenlandes hinaus rühmlich bekannt gemacht hat. Die Stellung, die den von Gießen Scheidenden in Darmstadt am Hessischen Landestheater erwartet, ist von verpflichtender Tradition umgeben und nicht minder verantwortungsvoll als jene, die Prasch 1928 hier übernommen hat: aber wir zweifeln nicht, daß die menschlichen und künstlerischen Qualitäten unseres Intendanten den Anforderungen vollauf gerecht werden, die man in Darmstadt an ihn stellt. Für das Gießener Theater ist es sehr ehrenvoll, daß man sein repräsentativstes Mitglied in eine so sichtbare und gewichtige Stellung berufen hat: die Gießener werden, zumal in Erinnerung an feine letzte schöne Schauspielerleistung (»Bor Sonnenuntergang"), ihren scheidenden Intendanten mit allen guten Wünschen begleiten. Rolf Prasch ist 1883 in Karlsruhe (Baden) als einziger Sohn des verstorbenen Intendanten am Mannheimer Rationaltheater, Aloys Prasch, und dessen Ehefrau, der bekannten Schauspielerin Auguste Prgsch-Grevenberg, geboren. Rach bestandener Reifeprüfung in Berlin studierte Prasch zunächst in Freiburg und Berlin die Rechte und ging im Jahre 1908 nach Ablegung seines Referendar-Examens, einer seit langem gehegten Reigung folgend, zur Bühnenlaufbahn über. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er durch Arthur Kraußneck (Staatstheater Berlin) sowie durch seine Mutter, die dem Gießener Publikum durch ihre zahlreichen Gastspiele wohlbekannt ist. Rach seinem Debüt in Düsseldorf 1908 erhielt Prasch sein erstes Engagement in Zwickau _ und hatte während seiner dortigen Bühnentätigkeit Gelegenheit, sein Studium zum Abschluß zu bringen und in Heidelberg zum Dr. jur. zu promovieren. Dr. Prasch wurde hiernach an das Stadttheater in Bremen verpflichtet, ging von dort an die Vereinigten städtischen Bühnen in Zürich, bis er durch Geh. '.Rat Grube an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg engagiert wurde, wo er bis zum Jahre 1915 tätig mar; durch den Krieg wurde er verhindert, einem Rufe Max Reinhardts nach Berlin Folge zu leisten. Prasch war bann über fünf Jahre lang kaufmännisch und organisatorisch in einer Kriegsgesellschaft tätig. Nach Beendigung des Krieges wandte er sich wieder seinem eigentlichen Berufe 511 und wirkte in leitender Stellung und auch als Darsteller an verschiedenen Berliner Bühnen, später am Stadttheater in Basel, dann am Neuen Schauspielhaus in Königsberg, als Oberspielleiter und Dramaturg am Staatstheater in Kassel und am Danziger Stadttheater. Nach einer einjährigen Tätigkeit an den Barnowsky-Bühnen in Berlin war Dr. Prasch vom 1. Oktober 1927 bis zu seinem Engagement in Gießen als Oberspielleiter am Stuttgarter Schauspielhaus beschäftigt. vorzeitig ausdem Amtezu entfernen, deren Verträge an sich noch langfristig lausen, die aber von einem Stadtparlament gewählt wurden, dessen Zusammensetzung nun sich völlig geändert hat. Es ist anzunehmen, daß der Gesetzentwurf neben der Möglichkeit der Entfernung solcher beamteter Kräfte auch Bestimmungen über die Gewährung von Ruhegehaltsbezügen für die zu entlassenden Beamten enthält, wobei vermutlich den finanziellen Notwendigkeiten äußerster Sparsamkeit Rechnung getragen werde wird. Erörterung von Beamtenfragen beim Reichskanzler. Berlin, 1. April. (WTB.) Der Herr Reichskanzler empfing heute nachmittag den Leiter der nationalsozialistischen Beamtenabteilung M. d. R. Sprenger und dessen Organisationsleiter Reef. Die Fragen des Berufs- beamtentums, insbesondere die der Stan- desorganisationen der Beamtenschaft, wurden eingehend besprochen. Korruptionsskandal beim Krankenkaffenverband. Berlin, 1. April. (RB.) Vor einer Woche wurde dem preußischen Ministerium des Innern umfangreiches Material zugeleitet, das das Vorliegen großer Unregelmäßig- leiten beim Verband der Krankenkassen im Bezirk des Oberversicherungsamtes Berlin betraf. Eine Durchsuchung im Hause des Krankenkassenverbandes und in den Geschäftsräumen des Hauptverbandes der Krankenkassen Deutschlands förderte außerordentlich belastendes Material zutage. Acht Mitglieder der Geschäftsführung des Krankenkassenverbandes wurden in Hast genommen, darunter Direktor Lehmann vom Hauptverband der Krankenkassen, Direktor 'Sen- big, Direktor Schulz, der bisherige sozialdemokratische Stadtrat Ahrens und einige Geschäftsführer. Die ilnterfudjung hat bereits zahlreiche Fälle von Untreue und Betrug ergeben. Schiebungen sind besonders in der Weise vorgenommen worden, daß die Vorstandsmitglieder des Krankenkassenverbandes für eine Reihe von Sonderausgaben besondere Gesellschaften.grünbeten, bei benen sie ebenfalls Vorstanbsmitglieber waren unb gleichfalls Gehälter bezogen. Die einzelnen Stellungen schoben sich bie Direktoren gegenseitig zu. Durch ben Zugriff ber Kriminalpolizei konnten Millionenwerte sichergestellt unb ben Mitgliebern ber Krankenkassen erhalten werben. Gleichschaltung im Reichsver- band der Deutschen Industrie. Berlin, 1. April. (WTB.) Der »Völkische Beobachter" veröffentlicht folgende parteioffiziöse Mitteilung ber RED AP.: Die nationale Revolution hat eine entsprech enbe Anpassung ber industriellen Verbandspolitik erforderlich gemacht. Dr. Otto CIB a g en e r im Verbindungsstabe der RSDAP. hat sich deshalb heute mit dem Präsidium des Reichsverbandes ber Deutschen Jn- bustrie in Verbinbung gesetzt unb folgenbe Beschlüsse erwirkt: 1. Als Vertrauensmann ber RSDAP. wirb Dr. Hans von Lucke, als Vertrauensmann deutschnationaler Wirtschaftskreise Herr Alsreb Möllers, M. d. R., ber Vorsitzenbe bes Bundes für nationale Wirtschaft unb Werkgemeinschaft, in bie Geschäftsführung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie ausgenommen. 2. Präsidium und Geschäs tsfüh- rung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie werden in personeller Hinsicht umgestaltet. 3. Dem Urlaubsgesuch des bisherigen geschäftsführenden Präsidialmitgliedes Herrn Geheimrat Käst l wird stattgegeben. Mit dieser beginnenden Aenderung der industriellen Wirtschaftspolitik soll unserer weltanschaulichen Einstellung zur Wirtschaft Rechnung getragen werben. Die wirtschaftspolitischen 'Organe ber RSDAP. haben in wirtschaftspolitischen Fragen aufs engste mit unserem neuen Vertrauensmann in der Geschäftsführung bes Reichsverbandes ber Deutschen In- bustrie zusammenzuarbeiten, jegliches eigenmächtige Vorgehen einzelner Gruppen hat zu unterbleiben. In bringenben unb wichtigen Fällen sind die bisherigen Wirtschaftsbeauftragten der RSDAP. zur Herbeiführung einer vorläufigen Entscheidung befugt. Sie halten dauernde Verbindung mit unserem Vertrauensmann im Reichsverband der Deutschen Industrie. Die Gorge für das Handwerk. Reichskonnnisfar Wienbeck über seine Aufgabe. Hannover, 31. März. (ERB.) Auf einer Vorstandssihung des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages in Hannover bezeichnete der Reichskommissar für den Mittelstand Ministerialdirektor Dr. Wienbeck als vordringlich eine Minderung der Belastung desHand- Werks durch Steuern, Sozialabga- b e n und die Auswirkungen des landwirtschaftlichen Vollstreckungsschutzes. Durch Senkung der Hauszinssteuer müßten neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden. Grundsätzlich sei diese Steuer baldmöglichst zu beseitigen. Wichtig seien ferner bieBekämpfungderSchwarz-- arbeit und eine Reform des Kreditwesens sowie in organisatorischer Hinsicht die Aenderung des Wahlrechts zu den Handwerkskammern, der Umbau des Reichswirtschastsrates und die Am- gliederung des handwerklichen Organisationswesens im berufsständischen Sinne. 3n der Aussprache wurde diesen Ausführungen zugestimmt. Der Vorstand sprach sich dafür aus, daß zur Vermeidung unnötiger Kosten für d i e bevorstehenden Kammerw.ahlen Ein- h e i t s I i st e n aufzustellen seien. An den Reichskanzler wurde ein Telegramm abgesandt, in dem bie beruflichen Spitzenvertretungen bes Handwerks sich der nationalen Regierung restlos zur Verfügung stellen, sie würden getreu der sozialen Mission des Handweirs an dem Wiederaufbau der deutschen Volksgemeinschaft mithelfen. Kleine politische Nachrichten. Der Deutsche Rundfunk überträgt auf alle Sender am Donnerstag, dem 6. April, um 20.15 Ahr aus dem Großen Saal des Reichsministeriums für Volksaufklärung unb Propo- ganba denpolitischenEmpfangsabend des Berliner Verbands der auswärtigen Presse. Programm: Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Dr. Thum, Absprache des Reichsministers Dr. Goebbels. Rede des Reichskanzlers Adolf Hitler, Schlußansprache des Kommerzienrats Dr. Krumbhaar. Das Aeichsministerium für Volks- aufklärung und Propaganda nimmt den Geschäftsbetrieb am 1. April auf. Weitere Bewerbungen sind aussichtslos. Ferner wenden sich an das Ministerium täglich Hunderte von Personen mit Anträgen und Vorschlägen, welche mit dem Arbeitsgebiet des Ministeriums nicht das Geringste zu tun habe. Das Reichsministerium bittet die Oesfentlichkeit, daß ber allen Besuchen unb Zuschriften zunächst sorgsam geprüft wird, ob diese auch in den Arbeitsbereich des Ministeriums fallen. • Der preußische Kultusminister hat die Akademie der Arbeit an der Aniversität Frankfurt a. M. geschlossen. Die sogenannte Akademie der Arbeit war in Wirklichkeit eine Brutstätte des Marxismus und ein Tummelplatz volksfeindlicher volksfremder Elemente. Geheimer Hofrat Professor Dr. Gerhard Anschütz, der Staatsrechtslehrer an der Aniversität Heidelberg, hat beim badischen Staatsministerium um seine Enthebung vom Amt unb Versetzung in den Ruhestand nachgesucht. Geheimrat Anschütz ist ber Kommentator ber preußischen Verfassung unb ber Weimarer Reichsverfassung. Alter Mann im Frühling. Von Peter Bauer. Er geht bebächtig bie vier ausgetretenen Stein- ftufen zum Garten hinunter, indem er jede von ihnen mit seinen kleinen wässerigen Augen abtastet. Dabei knickt er stark in die Knie und tritt hart aus, toiil bie febernben Bänber und Sehnen längst lahm sind. Erst auf ebener Erde werden seine Schritte wieder sicherer, was ihn mit einem Male etliche Jahre jünger erscheinen läßt. Er braucht jetzt nicht mehr die Blicke am Boden gleiten zu lassen. Sie können beim Gehen in den blühenden Baumkronen verweilen, deretwegen er gekommen ist. Vor und in ben winzigen Blütenzelten summen Dienen, die sich wie fröhliche Menschen auf einem Festplah tummeln. Linker einem breitwipseligen Apfelbaum sitzt der Alte nieder. Er kann, wenn er den Arm hebt, die die ft e greifen, so tief haben sie ihr weitvorspringendes Blütenbach über bie Bank gebaut. ■ Er muß seine Pfeife wieder anzünden. Immer, wenn er nachdenklich wirb, vergißt er bas Ziehen. Sie ist rasch in Brand gesetzt. Man merkt die Gewohnheit. Schneller als gewöhnlich folgen jetzt die emporschwebenden Rauchwölkchen einander. Die Erinnerung hat ihn wieder. Da kann er nicht sitzen bleiben. Er geht den Gartenpfad vor dem Apfelbaum hin und zurück, so weit der Duft der Blüten reicht, den er trotz des Qualmens riecht. Vor zwanzig Jahren hatte er ihn das erstemal blühen gesehen. Da hatte er zur silbernen Hochzeit mit seiner Frau unter dem üppigen Flor gesessen, den schon der Wind abzuflocken begonnen und der ihnen ins Haar geschneit. Den Hos hatte er kurz zuvor, da er sich noch rüstig genug gefühlt, unb vor allem auch bes Sohnes wegen gekauft. Ihm hatte er kein Glück gebracht. Roch bevor der Apfelbaum aufs neue in die Blüten gegangen, hatte man ihm feine Frau auf den Friedhof getragen. Da war ihm die Freude und ber Mut zur Arbeit vergangen. Dafür hatte sich bas Gefühl bei ihm eingeschlichen, baß er sich zu viel zugetraut, baß ihn der Hos belaste. Wie wenn er die Bürde körperlich auf Rücken und Racken drücken gespürt, war seine bis dahin aufrechte Haltung in einem kleinen Winkel nach vorn gesunken. Man wächst langsam der Erde zu, hatte er mit einem Lächeln den nächsten Bekannten geäußert, denen feine Veränderung ausgefallen war. Richtig froh war er erst wieder geworden, als überall das kräftige Zupacken des heimgekehrten Sohnes fruchtete. And beim Einzug der Schwiegertochter hatte er mitgefeiert, als wäre damit wieder alles tote früher geworden. Daß er sich getäuscht, war ihm erst später um so schmerzlicher zum Bewußtsein gekommen. Ja, wer wie du wieder blühen könnte, murmelt der Greis vor dem Apfelbaum stehenbleibend. Mit einer kraftlosen Geste hebt er die Arme nach ihm hin unb läßt sie toieber sinken. Da kläfft plötzlich! eine helle Hunbestimme in bie Gartenstille. And schon ist ein rehbrauner Pinscher bei ihm und tobt in Sprüngen um ihn herum. So toll kann sich nur ein Hund freuen. Der wedelnde Schwanz- stummel kommt nicht zur Ruhe. Das ganze Hintergestell tanzt. Der Alte muß sich bücken und streicheln. Immer wieder streicheln und sich die Hand lecken lassen. „Sif! Sis!" Ein kleines Mädchen rennt über die Gartenstufen herab und beginnt sich mit dem Hund um die Gunst des Großvaters zu balgen. Dem Alten gibt es zu viel Ansturm. Er zieht es vor, sich wieder zu sehen. So bekommt er am schnellsten Ruhe. Die Kleine will eine Geschichte erzählt haben und Sif hat sich ausgestreckt und lauscht mit gespitzten Ohren, ob nicht einmal sein Rame fällt. Schließlich scheint er eine andere Aeberraschung zu wittern. Er jagt bellend davon. Eine Katze, denkt der Alte. Aber da springt auch das Mädchen fort. Jetzt hört auch der Alte Stimmen: Sein Sohn unb seine Schwiegertochter kommen, von Kind und Hund umspielt. Glückliche Menschen, empfindet der Alte. Blühend wie der Apfelbaum. Sie sollen sich freuen. Das andere kommt früh genug. And es wird einem schwer, weil jede Weisheit errungen sein will. Auch das Sich-Bescheiden-Lernen. Mer dann kann dieses Letzte auch Glück sein, denkt er noch, während er den Kommenden entgegengeht, das Glück: um sich herum Glückliche zu sehen... Zeitschriften. Die Aprilnummer von Westermanns Monatsheften bringt eine Rovelle von Th. W Elbertzhägen „Die Reunte'. Sie schildert einen entscheidenden Zeitraum aus dem Schaffen Beethovens, den Aufschwung zu seinem größten Werk: ber neunten Sinfonie. Besonbere Beachtung wird bie Abhanblung von Regierungsrat Matthias Schmitt „Die Arbarinachung unb die Besiedlung der Pontinischen Sümpfe" finden. Das schon unter Cäsar, später unter vielen Päpsten in Angriff genommene, aber nie burcngeführte Werk, geht seiner Vottenbung entgegen. Die Faschisten werden bis zum 13. Jahrestag ihrer Herrschaft hier aus einem unwegsamen Fiebergebiet eine ber blühendsten italienischen Provinzen, geschaffen haben. Aus der Provinzialhauptstadt Oer Abwehrboykott in Gießen. , Der von der NSDAP, veranstaltete Abwchr- boylott gegen jüdische Geschäfte zur Niederrin- gung der Greuclpropaganda im Auslande ist am Samstag in unserer Stadt ohne jeden Zwischensall verlaufen. Kurz vor zehn Llhr nahmen — wie wir am Samstag schon berichteten — die SA.-Posten Aufstellung vor den Eingängen der jüdischen Ge- schästc, um den Boykott durchzusühren. Eine Anzahl Geschäfte hatte von sich aus gar nicht gcössnet und hielt auch den ganzen Tag über geschlossen. In den offenstehenden Geschäften war nach unseren Beobachtungen kein Kundenverkehr zu bemerken. Sowohl beim Aufzug der SA.-Posten am Bormittag, wie auch während des ganzen Tages herrschte in den Geschäftsstrassen großer Publikumsverkehr, jedoch ging alles reibungslos vor sich, da von allen Seiten gute Disziplin gewahrt wurde. Gegen 18 Llhr Wurden die SA.-Posten zum Teil zurückgezogen, aber auch danach herrschte in den von dem Boykott betroffenen Geschäften I völlige Ruhe und verlief der Straßenverkehr ohne jeden Zwischenfall. . Als Abschluß des Tages sand am Abend auf dem Landgraf-Philipp-Plah eine von der NSDAP, veranstaltete öffentliche Kundgebung statt, die sehr stark besucht war. Hierbei sprach Herr Bartholomäus, Gießen, über tue Bedeutung und die Ergebnisse des Boykott-Tages. I Der Redner sprach u. a. der Gießener Bürgerschaft Dank dafür aus, daß sie, bis auf wenige Ausnahmen, dem Boykottaufruf der NSDAP, geschlossen gefolgt sei und den Boykott in entschiedener Weise durchgeführt habe. Der Feldzug sei vorläufig unterbrochen worden, denn Adolf Hitler habe in bewundernswerter Langmut und Vornehmheit dem Judentum des Inlandes und des Auslandes noch einmal eine Frist zur Lieberlegung und Selbstbesinnung gegeben. Wenn bis Mittwochvormittag die lügenhafte Greuelpropa- ganda eingestellt sei, werde die NSDAP, alsbald die normale Lage wiederherstellen, sollte aber die Hetze gegen Deutschland auch dann noch andauern, so werde der Boykott sofort mit äußerster Schärfe und mit noch nie erlebter Kraft wieder begonnen und rücksichtslos durchgeführt ! werden, dann werde die NSDAP, zeigen, daß sie mit dem ganzen Judentum, auch in Deutschland, fertig werde. Der Redner betonte noch, daß die NSDAP, sich immer nachdrücklich für den Schuh des Mittelstandes einlehen und dabei auch den Kampf gegen die Warenhäuser, gan- gleich ob jüdische oder christliche, unentwegt fort- sühren werde. Ieht sei es die dringliche Auf- gäbe des deutschen Volkes, die nationale Regierung bei ihrer Ausbauarbeit mit aller Kraft und Hingebung zu unterstützen und den vom greisen Reichspräsidenten als nationale Reichs- regierung berufenen Männer treue Gefolgschaft zu leisten. Die Ansprache schloß mit einem Treu- qelöbnis für das große, einige deutsche Vaterland. Anschließend sang die Menge entblößten Hauptes den ersten Vers des Deutschlandliedes. Mit kurzen Huldigungsworten des Redners für den Reichskanzler Adolf Hitler, den Führer zu einem besseren Deutschland der Zukunft, begeistert auf genommenen Sieg-Heil-Rufen auf den Führer und dem gemeinsamen Gesang des Horst-Wessel-' Liedes fand die Kundgebung ihren Abschluß. Eine SA-Musikkapelle umrahmte mit flotter Marschmusik die Kundgebung und geleitete am Schlüsse die abrückenden Formationen der SA., während die große Menschenmenge sich nach allen Stadtteilen zerstreute. Buntes Allerlei. Prozeß um die „Attantique". Um die Ueberreste des französischen Luxusdarnp- fers „Atlantique", der vor einigen Monaten wirken kann." Napoleon Hatje das schönste Haus der Stadt für sie richten lassen, doch sic zog es vor, in dem Heim, das man dem Gatten angeboten hatte, Wohnung zu nehmen. Kaiser Alexander, Friedrich Wilhelm und einige Minister erwarteten sie. und jeder bemühte sich, ihr die peinliche Situation zu erleichtern. Man unterrichtete sie von allem Wissenswerten, dann überließ man sie dem Schicksal. Zwei Hofdamen empfingen Napoleon. Er war zu Pferde gekommen und hatte seinen ganzen Generalstab zu diesem Besuch mitgebracht. Er sprang mit raschen Schritten die Treppe hinauf und wurde Luise vom König vorgestellt. Sie war an diesem Tage schöner als je, und es war kein Wunder, daß Napoleon ihr in Verlegenheit und grenzenlosem Staunen gegenüber stand. Wie anders war diese Frau, als er geglaubt hatte. Engelhaft anzujehen, mit der ihr eigenen Anmut der Bewegungen, elegant gekleidet und von einer hoheitsvollen Würde, die ihren Eindruck auf niemanden verfehlte. Doch Napoleon war schwierige Lagen gewöhnt und wurde bald Herr über seine Verlegenheit. Luise ging mit Tapferkeit auf ihre Ziele los, und seine Ablenkungen wurden von ihr abgewehrt. Aus die Frage, wo sie ihre Toiletten bezöge, antwortete sie: „Sire, sind wir hierher gc- tommen. um von nichtigen Dingen zu sprechen/" Darauf hörte er aufmerksamer zu. Wer weiß, was geschehen wäre, wenn nicht nach einftünöiqcr Unterhaltung unvermutet der König ins Zimmer getreten wäre? Napoleon hat darüber geäußert, „eine Viertel stunde später hätte ich ihr alles versprochen!" Zweifellos hatte ihre Frpuen- schönheit, ihre Würde und ihre Klugheit, die sie stets in weiblichen Grenzen hielt, einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht. . Er scheidet mit Versprechungen und ladt den Hos für den Abend zu einem Fest ein. Voller Hoffnungen fuhr Luise um 20 Uhr in feinem Staate wagen zum Galadiner. Sie findet viele Gaste in bester Stimmung versammelt. Das Diner verlaust munter, angeregte Unterhaltungen kürzen die Stunden. Als der Kaiser der Königin eine Rose überreicht, nimmt sie sie mit den Worten: „Aber nur mit Magdeburg, Sire". Ihr Opfer war umsonst gebracht. Napoleon konnte sich zu keinen leichteren Friedensbedingungen verstehen und man mußte weiter leiden und kämpfen. 1 (Schluß folgt.) Reichspräsident von Hindenburg Ehrenbürger von Gedern. v Gedern, 31.März. Zu dem gestrigen Bericht über die Sitzung des Gemeinde ra t es. in der einstimmig beschlossen wurde, den Reichskanzler Adolf Hitler zum Ehrenbürger von Gedern zu ernennen, ist ergänzend mitzu- teilen daß durch Beschluß des Gemeinderats auch Reichspräsident von Hindenburg zum EhrenbürgervonGedern ernannt wurde. Im Anschluß an die Sitzung machte Bürgermeister Müller bei einer großen nationalen Kundgebung vor dem Rathaus der Einwohnerschaft Mitteilung von den Beschlüssen des Gemeinderates. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP. Alfred Klein forderte von der Bevölkerung die genaue Durchführung der angeorbneten Boy- kottbestimmungen, sowie auch weiterhin Ordnung und Disziplin. Auf seinen Wunsch hin beschloß die Gemeindevertretung noch während der Kundgebung, den freien Platz an Brühl- und Otto« Müller-Straße „A d o l f - H i tl er - P la tz zu benennen. Dort wird am 20. April, dem Geburtslage des Kanzlers, eine Eiche gepflanzt werden. Das neue Frankfurter Gtadt- parlament. Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Hitler Ehrenbürger von Frankfurt. WSN. Frankfurt a. M., 31. März. Das ncugewählte Frankfurter Stadtparlament trat heute zu seiner ersten Sitzung zusammen. Diese gestaltete sich zu einer feierlichen Kundgebung für die neue Regierung. Der Sitzungssaal war geschmückt mit den Frankfurter Farben, der Reichsflagge Schwarzweißrot und dem Hakenkreuzbanner. Der Andrang des Publikums war außerordentlich stark, und ein großer Teil der Bevölkerung folgte auf dem Römerberg der durch Lautsprecher übertragenen Sitzung. Bereits um 16 Llhr war der Platz bis zur letzten Ecke gefüllt. Eine SA.-Kapelle konzertierte bis zum Beginn der Sitzung unter dem hakenkreuzgeschmückten Balkon des Römer. . Nach feierlichem Einzug der nationalsozialistischen Stadtverordneten eröffnete der kommissarische Oberbürgermeister die Sitzung mit einer Ansprache, in der er die Maßnahmen des Magistrats zum Wiederaufbau der Frankfurter Wirtschaft darlegte. An die Rede schloß sich die Ver- | pflichtung der Stadtverordneten an. Darauf fand unter Leitung des Alterspräsidenten Stadtv. F e y (DNDP.) die W a h l d e s Präsidiums statt. Zum Stadtverordneten- Vorsteher wurde Stadtv. Lange (NSDAP.) ge- I wählt, der dann die Leitung der Sitzung übernahm. Nach einer Rede des Gauleiters^ der NSDAP.. Sprenger, wurde mit den Stimmen der Nationalsozialisten eine neue ®e- schäftsordnung angenommen. Die Wahl der übrigen Mitglieder des Präsidiums ergab Stimmenmehrheit für die nationalsozialistischen Stadtverordneten Dr. L u e r als stellvertretenden Vorsitzenden. Wehl. Schriftführer, B e i I 2. Schrift- Luise von Preußen. Der Lebens- und Leidensweg einer edlen Königin. Don Irene Hagedorn. allemal ausradierk habe. Zur Erinnerung an den Vorkämpser der nationalsozialistischen Bewegung Horst Wessel beantragte Stadtverord- netcr Kramer dem Rathenauplatz den Namen „Hör st-Wessel-Platz" zu geben. Auch diese Anträge wurden mit den Stimmen der Nationalsozialisten angenommen. Die Sitzung schloß mit dem Absingen der ersten Strophe des Deutschlandliedes und des Horst- Wessel-Liedes. Amtsniederlegung des Friedberger Handelskammerpräsidenten. WEN. Friedberg, 31.März. Kaufmann Louis Hirsch hat sein Amt als Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer niedergelegt. Dom Maurer zum Studienrat. WSN. M a r b u r g . 31. März. Es dürfte nicht allgemein bekannt sein, daß der kriegsblinde Studienrat Dr. Hans Ludwig, der gelegentlich der Reichstagseröfsnung in der Potsdamer Garnisonkirche sprach, vor Dem Kriege als Maurer seiner Arbeit nachging. Nachdem er im Iahre 1915 blind geschossen war, arbeitete er sich in unermüdlichem Studium zu seiner jetzigen Stm» lung empor. Ludwig ist aus Erksdorf bei Kirchhain gebürtig. Straßenumbenennungen in Groß-Gerau WSN. Groß-Gerau, 31. März. Der Gemeinderat hat beschlossen, folgende Straßen umzubenennen: Walther-Rathenau-Straße in Adolf-Hitler-Straße, August-Bebel- Straße in Peter-Gemeinder-Straße, Karl-Liebknecht-Straße in H o r st - Wessel- Straße, Heinrich-Heine-Strahe in H e r - mann-Löns-Straße. Waffen st ill st andsangcbot und bricht damit sein Bündnis. Das war der grausamste Augenblick im Leben der Königin Luise! Sic hatte an diesen Mann geglaubt und einen verehrungswur- digen Freund und Berater in ihm gesehen, und mußte nun ihren Irrtum erkennen. Napoleon ist gern bereit, Alexanders Wünschen nachzukomnicm Man vereinbarte in seinem kostbaren Zelt, das aus einem Floß auf dem Memelfluß lag, eine 11 n t c r - redung, an der auch Friedrich Wilhelm III. teil nehmen sollte. Doch nur der Russcnkaiser wird zu- gelassen. Um so recht seine Verachtung zu zeigen, läßt Napoleon den Preußentönig zwei Stunden lang im strömenden Regen am Ufer warten. Erst der nächste Tag sieht die drei Monarchen zusammen. Napoleon behandelt Friedrich Wilhelm mit pein voller Herablassung. — Die Friedensverhandlungen kamen nicht vom Fleck. Napoleon ließ bald diesc, bald jene Lösung Vorschlägen, ohne sich sestzulege:i. War es Laune, daß er eines Tages freundlicher auf Friedrich Wilhelm III. zu sprechen war ober kluge Berechnung. Während einer Mahlzeit hob er fein Glas, und zur Verwunderung aller Anwesenden trank er auf das Wohl der Königin Luise. Sollte man dieser Aeußerung eine Bedeutung beimessen/ Es war anzunehmen, da man von seiner Seite keine Scherze mit derartigen Dingen gewöhnt war. Vielleicht hieß es, bessere Bedingungen zu bekommen ' In vorsichtigen Worten berichtete man die Tatsache der Königin und machte ihr den Vorschlag, m i t Napoleon persönlich zu verhandeln. Luise begriff, um was es ging, und der Wunsch, sich für ihr Volk zu opfern, bestimmte ihre Antwort. Sie willigte ein. Was waren die schändlichsten Beleidigungen gegen ihre Person, wenn es um das Wohl des Volkes ging! Schon am nächsten Tage schreibt sic Dem Gatten: „Ich komme, ich fliege nach Tilsit, wenn Du cs wünschest, und wenn Du glaubst, daß ich Gutes er- Weitere Veränderungen im hessischen Schulwesen. Das Ministerium für Kultus und Dildungs- toclen gibt bekannt: Mit sofortiger Wirkung wurden bis auf weiteres beurlaubt: Studienrat Rupp an Der Oberrealschule Heppenheim. EtuDienrat Von Der Schmitt an Der Realschule Neu-Isenburg, StuDienrat Albert Mannheimeran Der LuDwigs-Oberrealschule in DarmstaDt. Ober- ftuDienrat Wilhelm Koch an Der LuDwigs-Oberrealschule DarmstaDt. StuDienrat Franz Como an Dem Realgymnasium DarmstaDt. Reallehrerin Martin an Der Realschule Oppenheim. ©tuDien- rat Karl Hehl an Der Oberrealschule Worms. Oberreallehrerin Sichel an Der StuDienanstalt Mainz, Oberreallehrerin Cahn an Der StuDienanstalt Maiiu, Rektor Remy in Offenbach. Direktorin Faßbender in Offenbach. Mit sofortiger Wirkung entzogen wurDe Dem etuDicnDircttor Dr. Mahr Die Leitung Der Cleonorenschule in DarmstaDt, Oberstudien- Direktor R o l o f f Die Leitung Der Oberrealschule in MichelstaDt, StuDienrat Professor Simon Die Stellvertretung Des Direktors am Gymnasium I in Bingen. Mit sofortiger Wirkung beauftragt wur- Den: StuDienrat August Beck mit Der Führung Der Geschäfte Des Direktors Der Eleonorenschule in DarmstaDt, OberftuDienrat Prof. 2 i eb r ich mit Der Führung Der Geschäfte Des Direktors Der Oberrealschule in MichelstaDt, StuDienrat Schmahl mit Der Führung Der Direktionsgeschäfte am Gymnasium in Bingen, Lehrer A. Roth in Offenbach mit Der kommissarischen Leitung Der Schule an Der Goethestraße m Offenbach Lehrer Wißner in Offenbach mit Der kommissarischen Leitung Der Schule an Der Wil- helmstraße in Offenbach. spornte. Mit ergebenem Gottoertrauen nimmt Luise alles hin Er Der Gerechte, wird ihn strafen. Als Alexander' am' 2. April nach Memel kommt, blüht die alte Freundschaft wieder auf, und man gelobt sich unverbrüchliches Zusammenhalten g egen Napoleon, keinen Sonderfrieden, Zuruckdrangung der Franzosen über den Rhein, Wiederherstellung Preußens im Umfange von 1805, Errichtung eines deutschen Staatenbundes, darin führend Preußen und Oesterreich. UeberaU setzte eine straffere Führung ein, dazu der Schutz des hochgefchatzten Alexander' Auch Friedrich Wilhelms größere Tatkraft schafft das Gefühl, daß das Schlimmste überwunden ist. Da kommt die Schreckensnachricht: D a n z i g i st ge f a 11 c n ! So stark steht Luise unter Dem Em- druck dieses Unglücks, daß sie ihre ganze Kraft aus- bietet um Alexander zu einem Gegenschlag zu ermuntern. Tatsächlich rreicht sie, daß die Franzosen eine empfindliche Niederlage erhalten. Zwei Tage später, am 14. Juni, wendet sich das Schicksal, und das russisch-preußische Heer wird bei Friedland io endgültig geschlagen und zersprengt, daß man den Krieg als verloren ansehen muß. Doch die Königin verzweifelt nicht. Immer wieder richtet sie ihre Umgebung auf, und ihre beiden Grundsätze — wir vertrauen aus Gott, und wir gehen in Ehren unter —, verfehlen ihre Wirkung nicht. Man hofft noch immer. _ Alexander beginnt fein wahres Gesicht zu zeigen, das er unter der Maske des liebenswürdigen Freundes so lange verstecken konnte, als es um seine eigene Vorteile ging. Er richtete an Napoleon ein IV. Oie Begegnung mit Napoleon. Die Königin Überstand die Fahrt nach M c- m e l wider Erwarten gut. Es schien überhaupt, als ob mit dem neuen Jahr neue Hoffnungen keimen foUten. Alexander hatte Hilfe geschickt, und im Verein mit seinen Truppen konnte man im ßebruar Die Franzosen bei Königsberg schlagen. Napoleon horchte auf. War Gefahr im Anzuge? Er schickte ein Waffen st ill st andsangebot mit leidlichen Bedingungen, doch man lehnte es ab, da man ihm nicht traute. Der König war nach diesem Siege aufgelebt. Er begann Entschlüsse zu fassen. Da setzte Frankreich mit doppeltem Druck die Lügen über Luise in die Welt. Dem Kaiser war jedes Mittel der Kriegsführung recht, aber daß der H a ß g e ge n Preußens leitende Männer ihn jede Ritterlichkeit vergessen ließ, und daß er seinen Unmut an einer Frau ausließ, nahm ihm selbst seine nächste Umgebung übel. In Preußen hatte er das Gegenteil von dem erreicht, was er erreichen wollte. Das Volk liebte und verehrte seine Königin. Je mehr es sic beschmutzt sah, um so mehr grub sich die Empörung tief in Die Herzen der Menschen ein. In dieser Stimmung wurde der Grundstein geschaffen, der |pater zu den Befreiungskriegen führte. Wörtlich schreibt Napoleon einmal in einem Bulletin: „Die Empörung über die Urheber dieses Krieges hat den höchsten Grad erreicht. Jedermann weiß, daß die Kon>- qin an allen Leiden, die das preußische Volk erdulden muß, schuld ist. UeberaU hört man sagen, sic war so gut und sanft vor einem Jahr, aber wie jat sie sich nach der verhängnisvollen Zusammenkunft mit Alexander verändert! In ihren Gemächern hat man das Bild des Kaisers von Rußland gefunden, das er ihr geschenkt hat. In Charlottenburg fand man ihren Briefwechsel mit dem König während der letzten drei Jahre, darunter von Engländern verfaßte Schreiben, die auseinandersetzten, daß man den mit Napoleon geschlossenen Verträgen keinerlei Rechnung tragen dürfe, sondern sich ganz an Rußland hallen müsse. Sie beweisen, wenn es eines Beweises bedürfte, wie unglücklich die dürften sind, Die Weibern Einfluß auf politische Angelegenhellen gestatten. Die Noten, die Berichte und die Staats- papierc rochen nach Moschus und fanden sich unter Bändern und Spitzen und anderen Toilettegegen- ständen. Die Fürstin hat allen Frauen den Kop verdreht, aber heute sind sie anderer Meinung. Napoleon vergleicht sie mit Tassos Armida und der schönen Helena, die Trojas Unglück heraufbeschworen hatte und zu immer neuen Kriegstaten an» durch einen großen Brand fast völlig vernichtet wurde, entspinnt sich jetzt ein gerichtliches Nachspiel, das einen bedeutenden Umsang annehmen wird. Nachdem alle Verhandlungen über eine Auszahlung der Versicherungssum m c vergeblich geblieben sind sah sich die Gesellschaft, der der zerstörte Dampfer gehört, die Süd-Atlantik-Compagme, genötigt, 7 2 Versicherungsgesellschaften, die gemeinsam die Versicherung des «chiffes übernommen hatten, auf Zahlung der gesamten Versicherungssumme in Höhe von 170 Millionen Franken, über 30 Millionen Mark, zu verklagen. In Dem Prozeß vor dem Pariser Zivilgerichtshof soll vor allem die Frage geklärt werden, ob das Schiss, wie die Schiffahrtsgesellschaft behauptet, völlig zerstört sei und nicht wieder hergcstellt werden kann, oder ob das Urteil der Sachverständigen der Versicherungsgesellschaften zutrifst. die in ihrem Gutachten behaupten, daß kein Totalschaden vorliegt, sondern der Schiffskörper und die Maschinenanlagen nur unwesentliche Schäden aufweisen, und der allerdings vernichtete Innenausbau von einer englischen Werft für etwa 100 Millionen Franken neu aus» geführt werden könnte. Da jedoch die Sachverstan digen des Seegerichts anderer Meinung find, und das Schiff als verloren betrachten, werden die Ver- sicherungsgesellschaften mit Dem Gutachten ihrer Sachverständigen vor Gericht wohl >ucht durch bringen Deswegen wird von dieser Seite weiter behauptet: das Feuer konnte sich nur wegen eines Konstruktionsfehlers derart schnell über ba* Schiff ausbreiten, daß nicht einmal alle an Bord befindlichen Passagiere gerettet werden konnten und in den Flammen umkamen. Liegt nun tatsächlich em Konstruktionsfehler vor, dann muß die Werst, die das Schiff erbaute, Die Kosten für die Wiederherstellungsarbeiten oder für den notwendigen Neubau tragen. Interessant ist es, daß Die Versicherung von Den Gesellschaften erst am Mbrgen Der Katastrophe übernommen wurde. Ein Einwands kann daraus jedoch nicht erhoben werden, da das Sch'fs bei Ausbruch des Brandes schon voll versichert war Wahrscheinlich wird der Prozeß, in Anbetracht der Bc- tragshöhe über Die erste Instanz hmausgehen und bis zu feiner endgültigen Entscheidung lange Zeit in Anspruch nehmen. Dta Münchmeycr. _ _ t s , Goddelau: Bürgermeister /2% Franks. Hyp. Bank-Ligu.-Pfandbriese ..... 86,5 87 _ V/i% ehem. 4/2% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpse..... 85,5 87,75 _ 6% ehem. 8% Pr. Landespsand briefanslalt, Pfandbriefe R. 19 89 89 89 6% ehem. 7% Pr. Landespsand briefanslalt, Pfandbriefe R. 10 89 89 <% Oeslerreichischc Golvrenie.... 13,4 13,4 _ 14 4,20% Oesterretchische Silberrente 1,13 1,13 — 1,15 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 — — — — — 4>/r% de-gi. von 1913 ....... — — — _ 6% obgesl. Goldmertkaner von 99 — 6,25 — — <% Türkische Zollanleihe von 1911 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Seriel .................... 4,7 4,65 4,75 4,8 5 5,2 4% desgl. Serie II ............. 4,9 5 5 5,4 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 6,75 6,75 7 4%%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente . 11,05 10,8 10,75 — 5.55 5 5 75 4,85 3*4% Anatolier ............... 26,3 24,75 .vranuuri u. jd(. Serlm Schlußkurs Schluß!. Abend» börse Schlußkurs Schluß!. Miliag« börse Datum 31.3. 1.4. 31.3. 1-4. Hamburg.Amerika-Paket .... 0 18,25 — 18 21,75 Hamburg-Südam. Dampsschisf. 0 — —— Hansa Tampsschiss ........... 0 — — — 33 Norddeutscher Lloyd ......... 0 19,4 — 19.4 23 A G. sür Verkehrswesen Akt. .. 0 47.75 — 45,25 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 96 — 96,5 Commerz- und Prival-Bank... 0 — 53,5 — 53,5 Deutsche Bank und Discont» Gesellschaft................ 0 70 70 — 70 Dresdner Bank.............. 0 61,5 61,5 — 61,5 Reichebank ................. 1 137 148 135,25 146,25 A.E.G...................... 0 27,25 32,25 27,4 32 Elektr. Liefcrungstgesellschaft ... 6 80 — 79 89,5 Licht und Kraft ..... 6 97,5 102,75 95 103,75 Felten & Guilleaume ........ 0 59 65 59,25 — Gesellschaft für Elektrische Unter- nehmungeu ............. •1 85 92 84,5 93,75 Rheinische Elektrizität ........ 5 91 — 90 96 Schuckert & Eo.............. 0 90,25 — 89,13 — Siemens« Halske........... 142 156,5 144,75 158 Lahmeyer & Co.............. f) ]99 199 19? 130 Buderus ................... (1 52 59,5 53,25 59 Deutsche Erdöl ............. •1 92 100 90,25 100 Gelsenkirchener.............. 0 60 64,5 59 64,5 Harvener................... 0 8U5 84.5 80 85 £>oe[d) Eisen—Köln-Neuessen.. 0 59 68 Ilse Bergbau ............. 7 — — 168 Ilse Bergbau Genüsse........ 7 106 — 108.5 109,5 Klöcknerwerke ............ 0 4,25 — 53,65 61 Mannesmann-Röhren........ 0 62 69,75 61,5 69,5 Mansfelder Bergbau......... 0 26 25 26 Oberjchles. Kokswerke......... 0 — 72 77 Phönix Bergbau............. 0 40 45,5 40 45 Nheinlsckw Braunkohlen ...... .0 199 196 203 Rhetnstah. ................. 0 — 75,13 83,75 Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schluß«. Abend» börs Schluß« kurs Schluß!. Miliag- börw Saturn 31.3. 1-4. 31.3- 1-4. Bereinigte Stahlwerke........ 0 39 44 39,4 44,25 Olavi Äinen ............... 0 17 — 16,75 17,75 Kaliwerke Aschersleben........ 6 125 128 124 129,13 Kaliwerke Westeregeln........ 6 128,5 134,5 128,5 132 Kaliwerke Salzdetfurth....... I 196,5 200,75 194 203 I G. Farben-I ouhrie....... 116 127,75 117,5 127 Scheideansiali.............. LO 160 — — Goldschmidt ................ O 49,25 55,5 49 — RütgerSwerke ............... O 48,25 52 48 54 Metällgelellschaft............. 0 36 36 36 36,5 Philipp Holzmann........... Zementwerk Heidelberg ...... 0 51 _ 52 52,75 4 62,5 65 Eementwerk Karlstadt......... O — — — Wayß & Frey tag ............ O 6,4 — — — Schultheis Patzenhofer........ Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 _ _ 104 112,5 0 36 38 34,75 38,5 Bemberg ................ 0 46 — 46 51 Zellstosk Waldhos ............ 0 19,5 54 49,25 53 Zellstotz Aschaffenburg ....... 0 25 25 25,75 27,9 Dessauer GaS ............... 7 — — 109 114 Daimler Motoren.......... Deutsche Linoleum .......... O 27,65 30 26,5 30,25 O 38.5 40,5 37,5 42 Orenslein L Koppel ......... 0 45 50,5 Leonhard Tietz.............. G 25 26 22 27,25 Lhade ...................... 12 — — 122,5 129 Grttzner.................... O - 33 34 Mainkrasiiverke Höchst a.M. ... Ä 69,25 69 Süddeutscher Zuüer ......... 6 152 153,75 154 154,5 Deoifenmarkl Berlin — Frankfurt a. 2H. 31. März I.Apiii Amtliche Notierung Amiliche Notierung Geld Brie Geld Brie Helsingforo. 6,339 6,351 6,339 6,351 Wien....... 47,95 48,05 47,70 47,80 Prag....... — — — Budapest ... —— — — — Sofia ...... .4,047 3,053 3,047 3,053 Holtänd .... 169,23 169,57 169,43 169,77 Oslo....... 73,63 73,77 73,53 73,67 Kopenhagen. 64,24 64,36 76,23 64,14 76,02 64,26 Stockholm... 76,07 76,18 London ..... 14,39 14,43 14,36 14,40 Buenos Aires 0,818 0,822 0,818 0,822 Neunori.... 4,196 4,204 4,194 4,202 Brüssel----- 58,51 58,63 58,51 58,63 Italien..... 21,53 21,57 21,53 21,57 Paris ..... 16,48 16,52 16,48 16,52 Schweiz ... 81,00 81,16 80,97 81,13 Spanien.... 35,26 35,34 82,13 35,36 35,44 Danzig ..... 81,97 81,97 82,13 Japan...... 0,899 0,901 0,899 0,901 Rio ec Jan. 0,239 0,241 0,239 0,241 Jugoslawien Lissabon.... 5,155 5,165 5,155 5,165 13,09 13,11 13,07 13,09 Banknoten. Berlin, 1. April Gelb Brief Amerikanische Noten.............. 4,178 4.198 Belgische Noten.................. 58,35 58,59 Dänische Nolen ................. 63,77 64,03 Englische Noten ................. 14,32 14,38 Französische Nolen............... 16,44 16,50 Holländische Noten............... 169,06 169,74 Italienische Nolen................ 21,51 21,59 Norwegische Noten .............. 73.35 73.65 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling Rumänische Nolen............... 9.46 9.48 Schwedische Noten............... 75 85 78,16 Schweizer Noten................. 80 79 81,11 35,93 35 37 Ungarische Roten.............—