Nr. 257 Erstes Blatt 183. Jahrgang Donnerstag, 2. November 1933 Lrhcheini tägltd), außo Sonntage und Feiertag» Beilagen; Dte 3Ilu)tnertt Gietzener Familienblättei Heimat im Bild Die Scholl» monat$‘8e$ng$prei$: Mit 4 'Beilagen RM 1.95 Ohne Illustrierte . 1-80 Zustellgebühr . --25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Henisprechanschlüsse anterSammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Siesten Postscheckkonto: Kranlfvrt om Main 11686 Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für (Vberhessen Dn»d vnd Verlag: vrühl'fche Unweistiais-Bllch- unö StetnOruderei R. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchnkstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re« Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur Dr Erhebt. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein unö für den An« zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich m Biegen. Ein »olt, ein Witte, eine Tai! Oer Führer in Weimar -Em neuer November der deutschen Ehre wird alte Schmach löschen. Weimar, 1. Nov. (WTB.) Der Führer ist gegen 17 Uhr mit seiner Begleitung im Flughafen Erfurt eingetroffen und begab sich im Kraftwagen direkt n a ch W e i m a r. Die Zufahrtsstraßen zum Flughafen und die Straßen der Stadt waren mit dichten Menschenmengen besetzt, die dem Führer jubelnde Ovationen darbrachten. Es war dem Wagen des Reichskanzlers oft nicht möglich, zu passieren, da er wiederholt von der begeisterten Menschenmenge im Nu umzingelt war. In schnellem Tempo fuhr dann die elf Wagen starke Kolonne, an der Spitze das Auto des Führers, nach Weimar. In Weimar sind die Straßen und Plätze, vor allem der Fürstenplatz, voll von Menschen. Weimar hat wohl selten solche Menschenmengen in seinen Mauern ausgenommen. Die großen Zufahrtsstraßen sind voll von Wagen und Krafträdern. Die Reichsbahn läßt eine große Anzahl Sonderzüge verkehren, die unaufhörlich im Hauptbahnhof Weimar einrollen. Schon in den frühen Nachmittagsstunden begann sich das Zelt, das besonders für diesen Tag hergerichtet wurde und 50 000 Menschen faßt, zu füllen. Schon seit 14 Uhr konzertiert dort eine SA.-Kapelle. Zum Aufbau des gewaltigen Zelts waren seit Freitag voriger Woche 18 0 Arbeitsdienstwillige aus verschiedenen Arbeitsdienstlagern Tag und Nacht beschäftigt. Um 20 Uhr begann die große Kundgebung i n der Weimar-Halle, die bis auf den letzten Platz besetzt war. Fahnen und Blumen grüßten von den Wänden, Transparente wiesen in eindringlicher Sprache auf Deutschlands Kampf für Gleichberechtigung und seinen Friedenswillen hin. SA.-Abordnungen mit mehreren hundert Sturmfahnen und Standarten sowie eine Kompanie des Reichswehrinsanterieregiments 15 hatten Aufstellung genommen. Der Platz des Führers war mit Blumen geschmückt, zahlreiche Briefe aus der Bevölkerung waren nicdergelegt. Wenige Minuten nach 20 Uhr erschien der Führer, von brausenden Heilrusen empfangen. Reichsstatthalter Sauckel begrüßte ihn. Dann ergriff der Reichskanzler das Wort. Oie 'Rebe beet Führers Unter tosender Zustimmung der Massen führte Adolf Hitler einleitend aus, daß er, so wie er bisher im Kampf bewiesen habe, daß er sich unzertrennlich fühle mit dem Volk, er sich auch heute nicht scheue, in einer schicksalhaften Stunde wieder zum Volk zu gehen. Er tue es in der Ueberzeugung, daß das Schicksal der Nation nur dann zu ihrem Segen gestaltet werden könne, wenn das Volk selbst an dieser Gestaltung lebendigen Anteil nehme. Niemals aber sei die Notwendigkeit größer gewesen, daß das Volk sich selbst zu dem Wege bekennt, der allein Rettung bringt, als setzt am 12. November. Die Frage, die uns heute vorgelegt werde, sei eine entscheidende: Ls handele sich nicht nur um unsere Lhre, sondern darum, ob wir unseren Rang als gleichberechtigtes Volk in der Welt wieder einnehmen wollen oder ob wir darauf verzichten und die Folgen auf uns zu nehmen bereit seien, die sich aus einem solchen Verzicht ergeben. Der Führer stellte noch einmal in ergreifenden Worten das Bild unseres heroischen Kampfes, die Entwicklung der Bewegung vor Augen, die das Steuer des -Schiffes, das zu zerschellen drohte, herumgeworfen habe, um einen anderen und besseren Kurs zu steuern. Es sei selbstverständlich, daß für eine solche Bewegung der Tag der Machtübernahme nicht der Abschluß des Kampfes sein könne, sondern nur der Beginn der Erfüllung dessen, für das man gekämpft und was man dem Volk jahrelang durchzuführen versprochen habe. (Stürmische Zustimmung.) Der Führer sprach von der Kühnheit des Programms und der gewaltigen Bedeutung dessen, was die Bewegung bereits erreicht habe und von dem sich viele heute noch keine rechte Vorstellung machen könnten. „Wenn es heute noch in Deutschland Leute gibt, die sagen, wir fügen uns nicht ein in euere Gemeinschaft, sondern wir werden nach wie vor da sein, dann antworte ich; Ihr werdet vergehen, aber nach euch wird eine Jugend kommen, d i e nichts anderes mehr kennt! (Brausender langanhaltender Jubel.) Vor denen, die auch heute noch glauben, diese geschichtliche Entwicklung nicht anerkennen zu können, werden wir die Nation beschützen, die Jugend aber werden wir für diesen neuen Staat erziehen. Deutschland wolle den Frieden, aber auch seine Lhre und gleiches Recht, wenn man glaube, uns etwas diktieren zu können, dann ohne unsere Unterschrift. „Ich bin nicht Reichskanzler geworden, um anders zu handeln, als ich 14 Jahre lang gepredigt habe. Wir bekennen unszu denen,die nureinWortbe- sitzen." (Stürmischer Beifall.) Deutschland habe abgerustet. Run mögen die anderen folgen. IBenn ein Volk auf dieser Welt das Recht habe, sich bedroht zu fühlen, dann feien wir es. Niemals werde er sich vor einer Drohung beugen. „Ich habe es nicht getan in den 14 Jahren, in denen wir um die Wacht kämpften, und tue es auch heute nicht." Diese Wahl soll der Welt beweisen, daß das ganze deutsche Volk hinter dem Wunsch nach Frieden genau s o stehe wie vor feiner Ehre. „Dieser Appell wird der Welt zeigen, wer mehr Recht hat, im Namen eines Volkes zu reden: die, die glauben, unserem Volk die Ehre nehmen zu dürfen, ober wir, die wir die Ehre, das Recht und die Freiheit unseres Volks vertreten und verteidigen. Am 12. November treten wir vor diese Welt hin als ein Volk, ein Wille, ein Entschluß und damit auch eine Tat. (Anhaltende Heilrufe.) Es wird einst die Zeit kommen, da man neben den schicksalhaften Tag des November 1918 einen anderen schicksalhaften Tag setzen wird: den 12. November 1933 (Lebhafter Beifall und anhaltende Heilrufe), neben den Novembertag der deutschen Schande einen zwei- ten Novembertag der deutschen Ehre!" (Brausender Beifall und nichtendenwollende Heilrufe.) Nach der Kundgebung in der Weimarhalle begab sich der Kanzler unter Dem Jubel der Bevölkerung zum Riesenzelt, wo ihm die 50000 mit einem Sturm der Begeisterung empfingen. Noch einmal gelobte Reichsstatthalter Sauckel dem Führer die Treue aller Volksgenossen Thüringens. Ein kurzes Trompetensignal unterbrach die Ovationen der Massen und der Kanzler richtete noch einmal eindringliche Worte an die Menge, die eine kurze Zusammenfassung dessen waren, was er bereits in der Weimarhalle gesagt hatte. Das Deutschland-Lied erklang und Adolf Hitler verließ unter dem Jubel der Massen das Zelt. Deutschland als Vorkämpfer des Friedens. Reichspropagandaminister Dr. Goebbels spracht in Stuttgart. Stuttgart, 2. Nov. (TU.) Die Stuttgarter Stadthalle, in der Reichsminister Dr. Goebbels am Mitwochabend sprach, war schon Stunden vorher von über Zehntausend Personen bis zum letzten Platz besetzt. Unter den Klängen des Badenweiler Marsches und tosenden Heilrufen der Menge schritt Dr. Goebbels durch das lange Spalier der SS., begleitet von Reichsstatthalter Murr, Ministerpräsident Mergenthaler und den anderen württembergischen Ministern. Dr. G o e b b e l s führte dann u. a. etwa folgendes aus: Unsere Revolution hat nicht erst am 30. Januar begonnen. Sie ist vielmehr 14Jahrelangvor- bereitet worden. Die Revolution, die wir gemacht haben, hat in der Tat das ganze öffentliche Leben Deutschlands umgewälzt. Wir haben aus benKlassen u n d S t ä n d e n e i n V o l k geformt. Wir haben das Bewußtsein, daß sich unsere Kraft einmal mit der Kraft des deutschen Volkes vermählen würde. Wir haben nicht kapituliert vor den Drohungen des Bolschewismus. Wir haben vielmehr den Gegner in die Knie gezwungen. Die Partei wurde Staat, die Ansichten, die wir vertreten hatten, wurden nun von einem ganzen Volk übernommen. Daß wir heute ein Volk sind, ist darauf zurückzuführen, daß wir uns als Volk kennengelernt haben. Wir besitzen heute in Deutschland den einzigen Autoritätsstaat, den es in Europa, außer Jta- lien, gibt. Wer wäre vermessen genug, zu denken. daß unser System je einmal gestürzt werden könnte. Unsere Feinde sollen wissen, wie schwer es ist, uns die Macht wieder zu nehmen. (Tosender Beifall.) Unsere nationalsozialistischen Kundgebungen standen nicht im Zeichen der Revanche, sondern der Arbeit, des Friedens, des Zusammenschlusses, der lieber- Windung der Parteien und unserer inneren Einigkeit. E s ist nicht wahr, daß die Völker den Krieg lieben. Die Völker lieben vielmehr den Frieden. Dieser wird nicht erhalten dadurch, daß man ein anderes Volk entrechtet. Wir haben auf das Wort der Welt, die uns Gleichberechtigung versprach, vertraut. Wir haben bis zum letzten I-Punkt den Buchstaben und den Geist des Versailler Vertrages erfüllt. Unterdessen rüstet die Well und bewaffnet sich bis an die Zähne. Wir werden niemals einen Vertrag unterschreiben, von Dem wir mit bestem Wissen und Gewissen überzeugt sind, daß er nicht gehalten werden kann. Ein oonHitler unterschriebenerDertragwird eingehalten. Nur, wenn ein Volk im Besitz seiner Ehre ist, kann es überhaupt den Vertrag einhalten. Am 12. November schlagen wir der Welt die gefährlichste Waffe aus der Hand, nämlich die Behauptung, daß am 12. November zwischen dem deutschen Volk und der Regierung ein Gegensatz bestände. Ich glaube, wir sind die Bahnbrecher eines glücklicheren Europas. Das deutsche Volk wird uns am 12. November seinen Segen geben. Em Wo« des Soldaten zur Volksabstimmung. Neichswehrminister von Blomberg über den Sinn des 12. November. Poro e:Ia! Berlin, 1. Nov. (TU.) Unter der Ueberschrift: „Parole: Ja!" veröffentlicht Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg in der Berliner Börsenzeitung folgende bemerkenswerte Ausführungen zum 12. November: Wenn am 12. November das deutsche Volk an die Wahlurne tritt, dann geht es nicht um einen Streit der Parteien, nicht um innerpolitischen Zank wie in vergangenen Jahren, es geht um die Lebensfrage der deutschen Nation. Frieden und Gleichberechtigung heißt die Losung. Deutschlands Kampf in Genf um die Abrüstung der hochgerüsteteten Staaten, um dieses einzige im Versailler Vertrag für Deutschland sprechende Recht hat kein Ergebnis aehabt. Nirgends in der Welt, außer bei Deutschland und seinen einstigen Verbündeten eine tatsächliche Abrüstung; überall in der Welt außer bei Deutschland unveränderte Kriegsstärken, vermehrtes Kriegsmaterial, neue Rüstungskredite. Deutschland allein liegt in Fesseln. Die ihm zugestandene Gleichberechtigung ist nicht erfüllt. Deshalb unser Abschied. Uns treibt nicht der Wunsch nach Aus- rüstung und nicht der Wille zum Krieg. Wir wollen kein Wettrüsten und fordern keine Angriffswaffen, wir fordern nur ein Recht, das jedem anderen Staat unbenommen ist, das Recht auf Sicherheit. Deutschland will Frieden. Es will in Ruhe seinen Staat neuaufbauen; es will ungestört die Wunden heilen, die ein unglücklicher Krieg und ein unseliger Frieden der deutschen Wirtschaft schlug. Es will dem deutschen Menschen das Glück der Arbeit wiedergeben. Nie hat ein Staatsmann vor aller Welt seinen Friedenswillen eindringlicher verkündet als der deutsche Reichskanzler; nie hat ein Führer so ehrlich sein Volk zur Bekundung dieses Friedenswillens zur Abstimmung gerufen, wie Adolf Hitler. Wir deutschen Soldaten folgen ihm. Wir deutschen Soldaten haben die Schrecken des Krieges kennengelernt, wie kein anderer Soldat der Welt. Wir deutschen Soldaten wissen, daß ein Krieg der Zukunft ein Krieg der Völker sein würde. Wir deutschen Soldaten wollen deshalb mit Adolf Hitler den Frieden. Dieser Friedenswille gibt uns das Recht, zu fordern, daß man dem deutschen Soldaten die Waffen gibt, ohne die er den Frieden nicht erhalten kann, die Waffen, die er aur Verteidigung seiner Heimat b r a u ch t. So ist der Sinn von Volksabstimmung und Wahl am 12. November. Wer von Abstimmung und Wahl fernbleibt, der schädigt Volk und Staat. Wer eine ungültige Stimme abgibt, der stimmt für Deutschlands Gegner. Wer am 12. November nicht „Ja" sagt, ist ein Verräter an Deutschland. Noch nie bisher hat die Wehrmacht beklagt, daß ein kluges Gesetz ihr das Stimmrecht versagte. Jetzt vor der Schicksalsfrage des 12. November tritt sie mit schmerzlichem Bedauern zur Seite; denn für den deutschen Soldaten gäbe es nur eine Parole und die heißt: I a 1 Oer Neichsstand des deutschen Handwerks zum 12. November. Berlin, 1. Nov. (CNB.) Der Reichsstand des Deutschen Handwerks hat einen Aufruf zum 12. November erlassen, in dem es u. a. heißt: Das deutsche Handwerk bekennt sich am 12. November geschlossen zur Politik des Führers und Volkskanzlers AdolfHit- l e r. Es hat den Schritt der Reichsregierung mit aufrichtiger Zustimmung und ungeteilter Befriedigung begrüßt. Mit dem Volkskanzler und mit allen deutschen Volksgenossen will es eine Politik des Friedens und der internationalen Verständigung, aber nur unter der Voraussetzung, daß ein dauerhafter Friede auf echter Grundlage die Ehre der deutschen Nation und ihre Gleichberechtigung unter den Völkern wahrt. Freilassung und Landesverweisung Panters. Berlin 1. Nov. (CNB.) Wie wir erfahren, ist angeordnet, daß der englische Journalist Panter, der vor einigen Tagen unter dem Verdacht der Spionage in München in Haft g e - nommen wurde, auf freien Fuß gesetzt wird. Nach Abschluß der Ermittlungen war das Ergebnis dem Oberreichsanwalt vorgelegt worden. Dieser hat nach Prüfung des Materials keinen Anlaß gesehen, die formale An - klage zu erheben. Andererseits hat Panter seine journalistische Tätigkeit in einer Weise ausgeübt, die sein Verbleiben in Deutschland unerwünscht erscheinen läßt. Er wird daher des Landes verwiesen werden. Das Palästina-Problem Die Unruhen in Palästina, dem „heiligen Lande", lenken ihre Aufmerksamkeit erneut auf dieses Staatswesen, das als englisches Mandats-Land regiert wird. Die Vorgeschichte dieser sonderbaren Staatengründung ist bekannt. Ehemals zur türkischen Provinz Syrien gehörend, war Palästina wegen seiner heiligen Stätten sowohl für die Christen aller Bekenntnisse, wie auch für die Anhänger des Islam ein Land, das stets besonderes Interesse in Anspruch nahm und den Reiseverkehr fast aller Nationen auf sich zog. Trotzdem die amerikanischen, englischen und russischen kirchlichen Niederlassungen und Stiftungen viel Geld nach Jerusalem und an- Weißt Ou: daß acht Jahre hindurch die deutsche Abrüstung durch fremde Kommissionen peinlichst nachkontrolliert worden ist? dere Städte getragen haben, war d i e wirtschaftliche Entwicklung in der Vorkriegszeit in bescheidenen Grenzen geblieben. Das Alttürkentum hatte nur geringe volkswirtschaftliche Energien zu entfalten, es war zufrieden, Steuern aus den Provinzen des weiten Reiches herauszuholen und war in Palästina noch speziell damit beschäftigt, Streitigkeiten unter den Anhängern dort vertretener religiöser Richtungen zu schlichten. Das Judentum spielte zahlenmäßig eine be» scheidene Rolle, seitdem die Zerstörung Jerusalems seine Anhänger in alle Weltteile zerstreut hatte. Trotzdem war es das ideelle Ziel des Zionismus, das Land der Väter zu seiner nationalen Heimstätte zu machen. Die zionistische Agitation hat in Europa und Amerika wohl in den Kreisen Der ärmeren Mischen Bevölkerung Anklang gefunDen, Die Mehrheit Der in Den westlichen Kulturlänbein lebenDen JuDen hat diese Bewegung abgelehnt, allenfalls finanziell unterstützt. Das Ganze schien eine Utopie zu sein — bis der Weltkrieg kam. England suchte Sympathien, wo es nur möglich war. Eines seiner Kampfmittel war die Deklaration des konservativen Politikers Lord Balfour vom 2. November 1917, wonach den Juden die E r r i ch - t u n g einer „nationalen Heimstätte" in Palästina versprochen wurde. Von Aegypten aus begann im Weltkriege die Offensive der Engländer gegen die arabischen Provinzen der Türkei, vor allem auch gegen Palästina. Jahrelang haben schwache türkische Streitkräfte, von deutschen Bataillonen unterstützt, diese Angriffe wesllich des Jordans abgewiesen. Mancher deutschen Mutter Sohn schrieb wohl enttäuscht nach Hause, daß das Land, in dem einst „Milch und Honig" floß, über- wiegend eine graue Wüste sei. Viele deutsche Soldaten sind in diesem Sande begraben. Schließlich sank der Halbmond von den Städten Palästinas herab, Die Türkei verlor ihre Provinzen in Syrien unD Arabien, Die Siegermächte teilten Die Beute auf. England machte nun Die große Geste, seine Versprechungen gegenüber Dem JuDentum Der Welt ein- zulösen: am 1. September 1922 rourDe Die 23 er- f a ff u n g Palästinas verkündet. Es steht unter einem englischen Oberkommissar, Der die Verwaltung leiten und Ruhe und Ordnung im Lande sichern soll. Das zionistische Weltkomitee hat im Lande eine eigene halbamtliche Vertretung. Daneben aber läuft Das weltpolitische Interesse EnglanDs, das mit Palästina den Landweg von Aegypten nach dem Irak und weiter die Verbindung bis ins ferne Indien in Der Hand hat. Die Flugzeuge halten die schnellste Verbindung mit London aufrecht. Das vielbegehrte Del aus den Quellen von Mofful wird in langen Rohrleitungen durch Palästina geführt und in den dor- tigen Häfen in die Tankschiffe Englands gefüllt. Die Lebensfragen Englands sind also bei diesen „idealen" Gedanken Der Mischen Heimstätte voll gewahrt morDen, zumal auch Das benachbarte Oft« jorDanlanb von englischen Vasallen regiert wirb. Vierzehn Jahre haben genügt, um das kulturelle Gesicht Palästinas vollkommen zu ändern. Während es früher ein von jeglicher Zivilisation unberührtes Land gewesen ist, dessen Bewohner ein vom Weltgetriebe abgesondertes, beschauliches Dasein führten, ist Palästina heute durch die fortschreitende Modernisierung ein Gebiet geworden, in dem sich die kulturelle Atmosphäre Europas an den Brennpunkten des öffentlichen Lebens entscheidend aus- drückt. Heute gibt es in Palästina eine ganze Reihe moderner Straßen, Die von eleganten Automobilen befahren werben. Der alte ägyptische Holzpflug mußte bem amerikanischen Dampflug weichen. Das Lanb verlor immer mehr seinen ursprünglichen Charakter unb verwanbelte sich in eine Stätte europäischer Probuktion. Charakteristisch ist hierfür die unglaublich rasche Entstehung ber berühmten Ju- benstabt Tel-Aviv bei Jaffa, bie in weniger als zehn Jahren geschaffen würbe unb Jerusalem überflügelte. Währenb Palästina früher ein wüstes, wegloses Lanb gewesen ist, wirb es heute von einem engen Eisenbahnnetz burchzogen. Moberne Hochbauten sinb keine Seltenheit. In rascher Folge wurden Dampfmühlen, Zement- unb Delfabrtfen errichtet, unb am Toten Meer würben Riesensalz- geroinnungsanlagen ausgebaut. Von befonberef Wichtigkeit ist bas Jorban-Kraft- und Stauwerk, bas ganz Palästina unb Transsor- banien mit elektrischem Strom versorgt. Die nord- liche Hafenstadt Halfo, die über 50 000 Einwohner zählt, ist ein Luftverkehrsmittelpunkt de, erratischen Weltreiches geworden. Haifa hat auch als Kriegs- und Handelshafen große Bedeutung. Rohrleitungen in einer Länge von mehr als 1400 Kilometer dienen ba^u, die mesopotamischen Oelfunde nach Haifa zu bringen. Die Entwicklung Palästinas zu einem modernen Handelszentrum des Orients wäre ohne die jüdisch« Einwanderung kaum so schnell erfolgt, wie e» tatsächlich der Fall gewesen ist. Die Luden, die zuerst nach Palästina kamen, waren meist wohlhabende Leute, denen e» nicht schwer siel, sich den nötigen Grundbesitz anzueignen, und welche die finanziellen Mittel besaßen, die geschäftlichen Möglichkeiten auszu- nützen. Ueberall wurde mit fieberhafter Tätigkeit am Aufbau Palästinas gearbeitet. Der ungeheure Touristenstrom brachte viel Geld in, Land, die Ta- bakanpslanzungen wurden vervielfacht, und die Jaffa-Orange eroberte den englischen Markt. Aber mit der Einwanderung mittelloser Juden erlahmte die Kapitalkraft, und e, fehlte schließlich an dem nötigen Betriebskapital, um die Produktionsmöglichkeiten zu erschöpfen. Diese jüdische Einwanderung hat den englischen Oberkommisjaren viel Sorge bereitet. Da» Land, in das die Einwanderer in steigender Zahl hinein- kamen, war ja nicht menschenleer, sondern von arabischen Bauern und Fellachen bewohnt. Da die jüdischen Einwanderer Pala- stina bevölkern und Siedlungen anlegen wollten, mußte zwangsläufig früher oder spater der Zusammenstoß mit bem arabischen Element erfolgen. 3n Palästina leben heute über 180 000 Juden. 3n der Mitte des 19. Jahrhunderts waren es kaum 10 000. Außer ihnen gibt es noch 750 000 Mohammedaner und etwa 90 000 Christen. Die Gesamtbeoolkerung beträgt also mehr als eine Million Einwohner. Wenn nun auch die Zahl der jüdischen Einwanderer relativ gering ist, so waren sie doch dank ihrer großen kulturellen Erfahrungen, die sie aus Europa mitbrachten, in der Lage, den Araber nach und nach wirtschaftlich erheblich zu be- drängen, so daß heute die Araber von der britischen Mandatsverwaltung die Einstellung der jüdischen Einwanderung verlangen und auch fordern, daß an Juden kein Land mehr verkauft werden soll. Sie glauben mit Recht ein Land verteidigen zu dürfen, das sie lange vor der jüdischen Einwanderung be- siedelt haben. So ist zum Nationalen und Religiösen der wirtschaftliche Gegensatz gekommen, wie es nicht anders sein kann, wenn ein Land von überwiegend patriarchalischem Lebenszuschnitt rasch in die moderne Geldwirtschaft hineingezogen wird. Der wachsende Nationalismus der arabischen Stämme, die in den neuen Staaten der arabischen Halbinsel geistige Zentren sinden, ist im Wachsen begriffen und richtet sich naturgemäß ebenfalls gegen die jüdische Invasion. Die arabischen Kreise verlangen — nach europäischem Vorbilde — eine Selbstverwaltung Palästinas, gegen die das jüdische Komitee an sich nichts einwenoen wollte, wenn es nicht befürchtete, unter der Herrschaft der arabischen Mehrheit zu gelangen, also in dem Lande der „nationalen Heimstätte" eine geduldete Minderheit zu sein. Kamen die Zuwanderer aus dem osteuropäischen jüdischen Proletariat, das sich auch in ländliche Ver- hältnisse einfügte, so ist besonders durch die Er- eignisse In Deutschland in der letzten Zeit der Zu- ström aus der städtischen Intelligenz gestiegen. Die Einwanderung hatte in früheren Jahren höchstens 13 000 Personen jährlich betragen, in- folge der Krisenzeiten war ein Teil davon sogar wieder zurückgekehrt. Dagegen rechnet man für 1933 mit einem Zuwachs von mehr als 30 000. Diese Entwicklung hat zwar auf die wirtschaftlichen 93er- hältnisse günstig gewirkt, aber bei den Arabern die Befürchtung erweckt, nach und nach in die Minderheit gedrängt zu werden. Besonders sind es in den muselmanischen Kreisen die Kräfte der Jugend, die zum offenen Widerstand aufrufen und sich auch des modernen Kampfmittels, des General- ftreiks und des Boykottes bedienen. Aus solchen Gegensätzen heraus find die Revolten und Aufstände in Jerusalem, Haifa, Nablus usw. entstanden, die der englischen Verwaltung ebenso schwere Verlegen- heiten bereiten, wie dem jüdischen Siedlungswerk. Man versucht naturgemäß den Ausgleich zwischen den beiden gegnerischen Parteien, aber die Brücke des Verstehens wird sich nur sehr schwer Herstellen lasien. England möchte zwar seine Zusage den Juden gegenüber halten, will es aber mit den vielen Millionen von Mohammedanern, die in seinen Kolonien wohnen, nicht verderben. Besonders die Rück- sicht auf die Bekenner des Islam in Indien mahnt London zur Vorsicht. So stellt sich Palästina, das Land der religiösen Kämpfe und Bewegungen von altersher, als ein neues Problem dar. Eine evangelische Reichsjugendkammer. Berlin , 1. Noo (IU.) lieber die Einordnung der evangelischen Jugendverbände in den Neubau der Kirche und die Neuordnung ihre» Verhältnisse» zu der politischen Jugend sand nach Fuh- lungnahme mit dem Reichsjugendführer Baldur von Schirach dei Kirchenminister Hoffen- selber eine Aussprache der Führer der evangelischen Jugendverbände statt. Unter dem Vorsitz des Pfarrers Hoff wurden bann von einem engeren Ausschuß Vorschläge ausgearbeitet, die der Füdrung der Hitler-Jugend unterbreitet werden tollten Nachdem diese Richtlinien der Reichskirchenregierung vorgelegt waren und der Reichsbischof sich ausdrücklich bereiterklärt hatte, b i e Befehlsgewalt über bie gesamte evangelische Jugend zu übernehmen, wurden die Berhandlungen dieser Tage mit der Reichssühruna der Hitlerjugend fortgesetzt Hierbei kam man sich In vielen Punkten sehr nahe. Was noch an strittigen Punkten vorhanden ist, dürfe in einer demnächst stattfindenden Zusammenkunft zwischen dem Reichsbischof und dem Reichsjuyend- sührer geklärt werden. Zur weiteren Behandlung der mit der evangelischen Jugenb zusammenhängenden Fragen ist von dem Reich»- vischof eine vorläufige evangelische Reichs- fugenbfammer einberufen worben, ber folgende Mitglieder angehören: Reichswart D. Stange, Pfarrer Riethmüller vom Burck- harbthau», Oberkirchenrat Dr. P o l st e r, Stiftspfarrer Draubt-Cid) (Oberhessen), Pfarrer vom Berg, von Meyenn al» Vertreter ber Stubentenschaft, Jungvolkwart Dannemann- Berlin, Pfarrer IuhI - Barmen. Pfarrer Schi l- 11 n g • Baden. Pfarrer Ä l e i m i n g e r • Schwerin, sowie bie hierfür beauftragten Mitglieder der Reichskirchenregierung. Englische Wahlen im Zeichen der Abrüflungsfrage. Grotze Wahlerfolge der Arbeiterpartei be. den Gemembewahlen. - Scharfe Kritik an der Abrüstungspolitik des Kabinetts. - Rationalisierung der Rüstungsindustrie gefordert. condaa. 1. Roo. (1DIB.) Jn mehr al» 300 Stätten Eng land» (mit Ausnahme von Conbon) und Wale» fanden gestern Gemeinberats-Ersatz- wahlen für ein Drittel der Gemeind:- Vertreter stall. Die bi» jetzt vorliegenden Wahl- ergebnisse au» den großen Industrie- und Handels- Zentren lassen eine starke Zu nahmederver- treter der Arbeiterpartei auf kosten der konservativen, Liberalen und Unabhängigen erkennen. Rach den um 2320 Uhr aus 87 Orten vorliegenden Ergebnissen gewann die Arbeiterpartei 137 Sitze, während die konservativen einen Verlust von 89, die Liberalen von 18 und die Unabhängigen von 30 Litzen hatten. Wie bie Nachwahlen zum Parlament so standen auch bie Gerneindcwahlen im Zeichen ber Außenpolitik Die Trennung zwischen den hinter der nationalen Regierung stehenben Par- leien und ber Arbeiterpartei tritt besonders markant in der Rüstungsfrage zutage. Die Opposition verdankt ihre gestrigen großen Erchlge zweifellos zum großen Teil der energischen Pro- paganda, bie die Arbeiterführer mit Unterstützung ber Presse gegendieRüstungspolitikder Regierung getrieben haben. Daß auch die Regierung den Enthüllungen des „Daily Herold" über angebliche geheime Rüstungspläne der Regierung Bedeutung bei- mißt, geht daraus hervor, daß der Kriegsminlster Lord H a i l s h a m sich mit den Vorwürfen, die das Arbeiterblatt erhoben hatte, in einem von ber heutigen Morgenpresse veröffentlichten Schreiben aus- einanbersetzt und sie dahin richtigstellt, daß es sich bei den angeführten Rüstungsaufträgen nicht um ein geheimes Rüstungsprogramm, sondern lediglich um laufende Bestellungen für das Heer handele. Trotzdem bleibt „Daily Herald" bei seinen Behauptungen, daß bie Admiralität und bie Leitung ber Luftstreitkräfte ungeheure 2Iufrüftungs- pläne vorbereiteten. Der Flottensachoerständige des „Daily Telegraph" bemerkt andererseits, daß die dauernden Erklärungen, wonach die Flotte sehr verstärkt werde, durch die Tatsache widerlegt werde, daß bas Programm für den Ersatz veralteter Schiffe erheblich im Rückstände fei. Nicht ein einziger der im März 1933 bewilligten Kreuzer würde im nächsten Jahre vom Stapel laufen, und die 1932 bewilligten seien soeben er st in Auftrag gegeben worden, während mit dem Bau der in diesem Jahre bewilligten Kreuzer nicht vor Februar oder März begonnen werde. Der diplomatische Korrespondent des Blattes führt den Sieg ber Sozialisten darauf zurück, daß die Haltung ber Regierung gegenüber ber Abrüstung „falsch aus- ?e I e g r werde. Deshalb müsse jetzt Propaganda ür die Regierung getrieben werden. — „News Chronicle" stellt sich in seinem heutigen Leitartikel voll und ganz hinter bie von Lorb Cecil in Oxford erhobene Forderung, daß bas Element des Privatnutzens bei der Rüstungsindustrie vollkommen wegfallen müßte. Das Blatt fordert bie Regierung auf, ben anberen Staaten in dieser Hinsicht mit gutem Beispiel voranzugehen. Auch der Führer der Arbeiterpartei, Sans- bury, erklärte in einer Wahlrede, wir müssen den Willen zum Frieden haben, und wir müssen den Willen haben, andere Nationen so zu behandeln, wie wir verlangen, daß wir auch behandelt werden. Eine allgemeine Abrüstung ließe sich nach seiner Ansicht jetzt durch Uebereintunft zwischen den Mächten herbeiführen. Die englische Regierung sollte vorangehen, vor allem bannt, daß ber privaten Herstellung von Waffen e in Enbe bereitet werde. Niemand sollte aus der Erzeugung von Kriegsmaterial Geld gewinnen. Ferner wünsche die Arbeiterpartei, daß bie Regierung ein Beispiel gebe, in dem sie sich bereit erkläre, den Lustkrieg abzusHaf - sen und eine internationale Kontrolle des zivilen Lustfahrtwesens unterstütze. Gespannte Lage auf Malta. London, 1. Noo. (TU.) In Malta hat sich eine neue scharfe Spannung zwischen den englischen Regierungsbehörden und dem Maltesischen Nationalministerium des Sir Ugo Missud entwickelt. Die Polizei ist alarmiert Gerüchtweise verlautet, daß auch das Militär angewiesen worden sei, sich bereit zu hallen. Der englische Gouverneur von Malta, General Sir David Campbell, hielt am Dienstag eine Sondersitzung des Vollzugsausschusses ab, um die Lage zu besprechen. Man glaubt, daß in Malta eine neue politische Krise beoorsieht, da die englischen Behörden der einheimischen Regierung vorwerfen, ihre Politik verstoße gegen bie Verfassung Das maltesische Ministerium setzt sich energisch für die Wiebereinfuhr u n g der italienifchen Sprache in den Schulen ein. Aus diesem Grunde und infolge der angeblichen Betätigung italienischer Staatsangehöriger in Matta, tzabcn die englischen Behörden bereits vor einiger Zeit eine Verordnung erlassen, daß Ausländer nur mit besonderer Regierungserlaubnis f i ch am Unterricht beteiligen dürfen. Bereits vor 14 Tagen hatte die Regierung die Abhaltung öffentlicher Versammlungen und Kundgebungen verboten. Der Kampf um den ‘Dollar. Wie werden die Karmcr beruhigt? Washington, l.Noo. (DTD) In Washingtoner Finanzkreisen aeht die Auffassung über bie Währungspolitik Roosevelt» dahin, daß nicht so sehr eine weitere Senkung be» Dollars, sonbern eine Verhütung ber Steigerung be» Dollarkurfe» beabsichtigt werbe, um Den Farmern für ihre Rohstoffe, wie Baumwolle und Weizen, auf längere Zeit ben gegenwärtigen Ertrag z u garantieren. Diese Taktik ähnele ber ber britischen Regierung, bie burch ein Ausgleichskonto da» Anziehen des Pfunbkurses verhindere. Man wolle zur Vermeidung einer Dollarsteigerung die Frank»- und Pfundkonten in Pari» und London benutzen. Man hoffe, daß die Exporteure, die ja ihrer- seit» Derofttckuungen innerhalb Amerikas abbeckcn mühten. Die Angebote der Reconstruction Finance Torporation annehmea würde». Mit ber Durchführung dieser WährungsoveratIonen sind der Präsident der Refico Jones, Gouver- neur Black von der Bundesreservebehörde und Gouverneur Harrison von der Neuyorker Bun- desreseroebank beauftragt worden. Die so angestrebte Stabilisierung des Dollars auf dem gegenwärtigen niedrigenNiveau wird insbesondere von den Staaten des Mittelwe- sie n s gefordert, wo bekanntlich unter den Farmern starke Unruhe, verbunden mit örtlichen Zusammen- stoßen und Lieferstreiks, herrscht. Die Farmer verlangen die Festsetzung der Preise für ihre Produkte in einer Höhe, die die Herstellungskosten deckt und außerdem ihnen einen kleinen Gewinn bringt Der seit der Amtsübernahme des Präsidenten Roojeoetts bestehende politische Waffenstillstand wurde plötzlich gebrochen, da b a s republikanische nationale Komitee ein Manifest erließ, in dem der Präsident beschuldigt wird, viele seiner Wahloersprechungen einschließlich ber, die sich auf die g e s u n b e W ä h r u n g , die internationale Wirtschastskonferenz. ein ausgeglichenes Budget und Verringerung der Slaalsausgaden bezogen, verletzt zu haben. Oie presse im Wahlkampf. Don Z. H. Wowenes, Führer des Rhei -Main-Derdandes deutscher presse. Das ©aupreffeamt bittet um Veröffentlichung des nachstehenden Artikels. Der bekannte Leitartikeler der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", Dr. Fritz Klein, hat eine neue Wochenzeitung herausgebracht. In ihrem ersten Leitartikel, der den Titel „Neuer Anfang" trägt, schreibt der genannte Herausgeber unter anderem folgendes Bekenntnis: Der Jahrmarkt und die Eitelkeiten der Politik des Zwifchenreiches sind versunken. Die neue Zeit erfordert neue Pflicht . . . DasTagesschrifttum steht in einer Krise. Die alten Aufgaben sind dahin. Der Wille der Nation ist zum Durchbruch gekommen... Soweit Klein. Es wäre nun nicht schwer, ähnliche Feststellungen auch aus der Feder bekanntester Nationalsozialisten zu zitteren, es erscheint mir jedoch bedeutsam, daß auch nichtnationalsozialistische Feberführer der nunmehr hinter uns liegenden Epoche in der Bezeichnung .Hahrmarktseitelkeiten" eine treffende Charakterisierung geben. Es soll nun hier weder mit der Vergangenheit gerichtet werden, noch untersucht werden, wieweit die Presse aktiv oder passiv an solcher „Jahrmarktseitelkeit" beteiligt war. Was hinter uns liegt ist abgeschlossen. Das neue Reich liegt in festen Händen und der Blick aller muß nach vorn gerichtet werden. Die Presse, welche nicht um ber sittlichen Aufgabe des gedruckten Wortes willen erschien, sondern aus privatpersönlichen ober volksfeindlicher Gesinnung entstand, die ist nicht mehr. Die Presse, welche heute noch erscheint, darf berechtigten Anspruch darauf erhalten, in der Deutschheit ihrer Gesinnung anerkannt zu fein. Etwaige Ausnahmen würden diese grundsätzliche Feststellung nicht entkräften können. Wenn ber oben zitierte Schriftleiter nun eine Krise des Tagesschrifttums feststellen zu können meint, bann könnte damit nur die ganz natürliche Krise alles Neugeborenwerdens gemeint fein. Eine Krise des alten Geistes der liberalistifchen Losge- löstheit und Selbherrlichkeit, kurz eine fruchtbare Krise, aus welcher schließlich unserer neuen Zeit der neu Typ der Presse geboren wird. Der Typ, welcher in sich die publizi st Ische Harmonie zwischen nationaler Disziplin und persönlicher, geistiger Initiative verkörpert. Es ist der Typ, ber zugleich mit bem „Durchbruch bes Willens zur Nation" in bas öffentliche Leben getreten ist. Beinahe würbe ich lieber sagen, baß biefer Typ bes ftaatsoerbunbenen Journalisten mit bem „Durchbruch des Willens zur Nation" hätte in Erscheinung treten sollen. Denn nicht überall sind alle zur Neugestaltung vorhandenen publizistischen Möglichkeiten etwa mit der gleichen Anstrengung aufgegriffen worden, wie bie riesenhaften Anstrengungen ber neuen Regierung es oerbient hätten. Nun will es bas beutsche Schicksal, baß jedem Volks- genossen zum ernftenmal eine entscheibungs- schwere Möglichkeit geaeben worben ist, sich ber Leistungen unserer neuen Regierung würdig zu zeigen. Neben der nattonalsozialisttschen Parteiorganisation und ihren unmittelbaren publizistischen Möglichkeiten kann nunmehr die gesamte deutsche Presse ihre öffentliche Macht einfetzen zur unüber- heblichen und ernsten üßa^rung ber nationalen Ehre und zur Ermöglichung eines auch bif kühnsten Erwartungen übertreffenben Ergebnisses bes 12. Novembers. Hier kann sich in diesen bedeutsamen Tagen jede Zeitung mit buchstäblich äußersten Kräften einjetzen, völlig unabhängig von ihrer früheren politi- schen Einstellung und auch ohne in den peinlichen Verdacht konjunkturbedingter Anbiederungsversuche zu geraten. Es geht um Zukünftiges, nicht um Vergangenes. Wer zurückschaut, stolpert. Je stärker dieser ernste Einsatz für das Reich und feine Ehre in Erscheinung tritt, um so stärker kommt bie ntue Verbundenheit von Staat und Presse über gesetzliche Formen hinaus praktisch jum lebendigen Ausdruck. Je nachdrücklicher dies im ganzen Volke empfunden wird, um so tiefer wirb das Ansehen und die Vertrauenswürdigkeit zur deutschen Presse wieder den Platz einnehmen, welcher in Millionen Herzen bisher nur Mißtrauen unj> Schlimmeres eingenommen hatte. Jede Zeit hat bie Presse, bie sie verdient, dieser Satz kann ber Journalistik nur Verpflichtung sein, ber erhabenen Größe unserer Zeit würdig zu werden. Ich habe vor einigen Tagen vor der in Frank- furt versammelten Amtswalterschaft bes gesamten Gaues über Pressefragen ausführlich sprechen dürfen. Die rhein-mainische Presse möge darin den Beweis der verstänisvollen Bereitschaft zum gemeinsamen Arbeiten sehen. Sie soll die Ueberzeugung gewinnen, daß die nationalsozialistische Bewegung auch im Rhcin- Main-Gebiet zurKampfkameradschaft mit der gesamten hier erscheinenden Presse bereit ist und den Wahlkampf zum 12. November gemeinsam in der aufrichtigen lieber- zcugung führen will, daß keine Möglichkeit der Erfolgsverbesserung in der traurigen Etappe einer unverantwortlichen Zurückhaltung verbleiben darf. Die Welt wird im Ergebnis des 12. November eine Kraftprobe des getarnten deutschen Lebens sehen, das neue Deutschland wird im Ergebnis des 12. November eine Prüfung aller nicht nur aufbauwillig erscheinenden, sondern auch ausbaufähigen Kräfte zu sehen haben. Ich glaube daran, daß die im Zeichen der neuen Gesetze geehrte deutsche Presse auch Im Rhein-Main-Gebiet nicht zu leicht befunden, sondern ihren Mann st e h e n wirb. Ich glaube Daran so fest, wie ich von einem Sieg des geeinten Volkes gegenüber einer in Schuld verstrickten Wett überzeugt bin. Oer Reichsiagsbrandstisterprozeß. Frau Torgler als Zeugin. — Ein weiterer KPO.-Kurier sagt aus. Berlin, 1. Noo. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Verhandlung kommt es zu einer erregten Auseinandersetzung. Als Senatspräsident Dr. D u n- ?e r eine, gestern nach der Vernehmung de» Zeugen ebermann gemachte beleidigende Aeußerung des Angeklagten Dimitroff nachttäglich rügt, ergebt sich dieser in wüsten Beschimpfungen, sodaß sein sofortiger Ausschluß von der Sitzung verfügt wird. Wütend schimpfend wird Dimitroff aus bem Saal a b g e f ü lj r t. Der Äriminalaffiftent Spieß, der Torgier in feiner Wohnung verhaften sollte, |agt dann aus, daß Frau Torgler ihm auf die Frage nach ihrem Mann geantwortet habe, daß er sich in der Provinz auf Reisen befinde. Gegen 8 und gegen 10 Uhr fei angerufen worden und zwar von einer Frauenstimme. Frau Torgler habe geantwortet, daß Besuch da sei, bezw. bah noch immer Besuch ba fei unb sie nicht kommen könne. Torgler erklärte dazu, baß seine Frau sehr wohl habe annehmen können, bah er in ber Pro- vinz aus Reisen sei, da er sich verpflichtet hatte, in dieser Woche vor der Reichstagswahl Versammlungen in der Provinz abzuhalten. Der erste Anruf fei wahrscheinlich von Frau Kühne, ber zweite von ber Frau des Adg Halpcr gekommen. Der Oberreichsanwalt bezeichnet es als auffallend, dah Torgler nicht selbst seine Gattin anrief Torgler erwidert, bah er etwa um ’/»10 Uhr vormittags selbst angerufen unb seiner Frau mit- geteilt habe, baß er sich zur Polizei begebe Der Zeuge Spieß erklärt, bah nur zwei Telefongespräche geführt worben seien und es sei beide Male eine weibliche Stimme gewesen. Auf die Frage be» Vorsitzen den, ob Frau Torgler aussagen wolle, erklärt sie sich dazu bereit Um 8 Uhr etwa habe Frau kasper angerufen und gefragt, ob ihr Mann (Torgler) da fei. Sie habe verneint. Frau kafper sagte bann: „Denke mal. bei mir ist heute in aller Frühe Polizei gewesen". Sie habe geantwortet: Ich habe auch denselben Besuch." Der zweite Anruf erfolgte etwa um 9 Uhr von Frau kühne. Sie teilte mit, daß bei ihr Polizei gewesen sei und Ihren Mann verhaftet hätte. Sie habe gesagt, dah sie jetzt diesen Besuch habe. Frau kühne wollte sich bann mit ihr treffen, ma» sie aber unter fjlntod» auf diesen Besuch ablehnen muhte. Auf die Frage de» Oberreich»- anroalf», wann Frau Torgler zuerst von dem Reichslagsbrand gehört habe, erklärt die Zeugin: Erst am nächsten vormittag. Die weitere Frage, ob ihr 2Hann bei feinem Anruf den Grund angegeben habe, weshalb er bei ft ü b n c übernachtet hätte, beantwortet Frau Torgler mit Rein. Es fei oft oorgekommeu. dah er in Berlin übernachtete, wenn e» sehr fpdt ge- worden fei. Der nächste Zeuge, Kriminalafsistent Hohmann, der den kommunistischen Fraktionssekretär Kühne in seiner Wohnung verhaftete, sagt aus, er habe Kühne in feiner Wohnung in Pankow getroffen und festgenommen. In einem kleinen Zimmer der Wohnung habe er auch einen Mann getroffen, der gerade aus dem Bett aufgestanden war. Auf feine Frage, wer bas fei, habe Frau Kühne geantwortet: Das i ft Besuch! Er habe darauf den Mann nicht weiter behelligt. Auf die Frage de» Vorsitzenden, ob der Zeuge, wenn er erfahren hätte, daß e» Torgler war, diesen Mann festgenommen hätte, erklärt Hohmann „Nein". Er habe ja nur Befehl gehabt, Kühne festzunehmen. Journalist Zimmermann macht Bekundungen über einZusammentreffen mit Torgler in der Straßenbahn kurz vor bem Reichstagsbranb. Bei ber Unterhaltung habe Torgler gesagt, es bereite sich allerhanb vor, e» sei bicke Luft. Wenn bas Fanal aufleuchte, würben sich bie Herrschaften in ihre Mauerlöcher verkriechen. Auf bie Frage bes Vorsitzenden, was bei Zeuge unter Fanal verstehe, antwortet ber Zeuge, er habe nicht an ein Feuerzeichen, sonbern an ein Alarm Zeichen gebucht Er sei ähnliche Aus- brücke bei ber KPD. gewöhnt gewesen und kannte auch von Torgler au» seiner politischen Tätigkeit solche drohenden Ausdrücke. Der Zeuge wiederholt solche bem Sinne nach. Der Vorsitzende ersucht den Angeklagten Torg- l e r, sich zu ber Aussage zu äußern. Torgler: Herr Präsibent, ich habe mich gestern schon gewundert, bah ein Mann wie ßcbermann dem höchsten deutschen Gericht so hanebüchene Unwahrheiten vorzusetzen wagt, ich errtäre, daß ich mich wundere, baß ein Mensch, ber Anspruch auf Intelligenz erbebt, e» wagt, dem höchsten deutschen Gericht ein« solche Ausgeburt ber Phantasie vor- zusetzen. Hält mich Zimmermann für einen solchen Trottel, glaubt er, daß ich ihm, von dem ich weiß, daß er Deutschnationaler ist, sage: ein Fanal wird kommen, es wird alles anders werden. Ich bitte, sich nach meiner politischen Tätigkeit zu erkundigen. Einer solchen Trottelet mich für fähig zu halten, bekommt nur ein kleiner Scherl-Reporter fertig. Der Vorsitzende untersagt dem Ange- klagten derartige Beleidigungen. Der Vorsitzende fragt den Zeugen, ob er sich in dem Wort Fanal getäuscht haben könne? Zeuge: Nein. Ich habe mich nicht getäuscht, diese Ausdrucksform hat sich bei mir eingemeißelt aus einem bestimmten Grunde. Ich arbeite an einem Buch, in dem ich den Typ des Politikers schildern will, der die i r r e g e f ü h r t e n A r b e i ° termassen vor seinen Wagen spannt, um Karriere zu machen. Dieser Typ war für mich der Angeklagte T o r g l e r. Vorsitzender: Warum haben Sie das erst am 6. Oktober angegeben. Zeuge: Zunächst hatte ich die Ausdrucksform nicht für fo erheblich gehalten. Als dann der Reichstagsbrand ausbrach, habe ich Torgler mit dem Wort „Fanal" in Verbindung gebracht. Ich sagte mir aber, gegen Torgler würden so schwere Verdachtsmomente vorliegen, daß meine Aussage dabei belanglos sein würde. Torgler: Ich habe gar nicht daran gedacht, mich in dieser Weise mit dem Zeugen zu unterhalten. Ich habe mit ganz anderen Herren der deutschnationalen Fraktion gesprochen, die für die politischen Fragen kompetenter waren als Herr Zimmermann. Da wird festzustellen zu sein, daß gerade ich die damalige politische Situation genau kennen mußte, und daß es gerade für mich der größte Irrsinn gewesen wäre, wenn ich nicht alles getan hätte, um ein solches Attentat wie den Reichstagsbrand mit allen Mitteln zu verhindern, weil ich wissen mußte, daß diese Aktion, wenn sie politische. Auswirkungen hatte, durchaus schädlich sich gegen die KPD. richten würde. Als Zeuge wird dann der Bergmann K u n z a ck vernommen, dessen Vereidigung einstweilen ausgesetzt wird. K. ist zweimal wegen Sittlichkeitsverbrechens, einmal wegen Zuhälterei und auch sonst vorbestraft. Kunzack war früher bei der USPD, und seit der Verschmelzung bis Anfang 1932 in der KPD. Aus dieser wurde er Anfang 1932 ausgeschlossen. Während der Zeit hat er auch Kurierdienste geleistet. Der Zeuge bekundet, sich daran zu erinnern, daß auf einer Konferenz in Düsseldorf im Jahre 1925, die Heinz Neumann geleitet habe, drei Holländer erschienen waren, unter ihnen van berCubbe. Dan der Lubbe habe sich bereit erklärt, die Jugend beroe- gu ng aufzubauen. Lubbe hat ein paar Worte gesprochen, aber in so schlechtem Deutsch, daß man ihn nicht verstehen konnte. Sein Alter hat der Zeuge damals auf 16 Jahre geschäht. Rechtsanwalt S e u f e r t hält dem Zeugen ein Schreiben an den Untersuchungsrichter vor, in dem Kunzack sich als Zeuge anbietet und schreibt, daß er die Mittäter van der Lübbes auffinden müßte, und sich erbietet, die Schlupfwinkel der illegalen T e r r o r g r u p p e n bei den weiblichen Genossen festzustellen. In dem Schreiben heißt es bann weiter, ich garantiere, daß ich das innerhalb von acht Tagen zuwegegebracht habe. Rechtsanwalt Dr. Sack bemerkt dazu, es sei auffällig, daß gerade Kunzack, der zweimal wegen Sittlichkeitsverbrechens zu je einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde, sich dazu erbiete, die Schlupfwinkel der Illegalen bei den weiblichen Genossen sestzustellen (Heiterkeit). Der Zeuge macht dann weitere Bekundungen über die Sprengversuche in der Wuhlheide. Auf die Frage des Vorsitzenden, wer aicher Kasper und den anderen noch dabei gewesen sei, antwortete der Zeuge: Meines Erachtens dem Aussehen nach noch Torgler. Der Vorsitzende hält dem Zeugen eine frühere Aussage vor, in der er mit aller Bestimmtheit versicherte, daß zwei der anwesenden Personen Torgler und Kasper waren. Der Zeuge gibt zu, daß er Torgler nur vom Sehen kannte. Vorsitzender: Ist es nun Torgler oder nicht? Zeuge: Meines Erachtens, ja. Der Zeuge schildert weiter, wie man bann nach den Sprengversuchen wieder in die Stadt fuhr und schließlich in eine Gastwirtschaft in der Görlitzer Straße kam, wo der Oberfeuerwerker, der die Sprengversuche leitete, einen Vortrag hielt. U. a. habe dieser erklärt, wenn man so weit wäre, sollte man nicht schonen, sondern, wo es möglich sei, öffentliche Gebäude in die Luft sprengen. Vorsitzender: Hat er etwas von Brandstiftung gesagt? ■ Zeuge: Nein! Vorsitzender: Früher haben Sie gesagt, der Mann habe erklärt, daß die Aktion vornehmlich sich auf öffentliche Gebäude zu erstrecken hätte. Wenn solche Sprengungen nicht möglich seien, sollte man z u Brandstiftungen übergehen. Jetzt sagen Sie, von Brandstiftungen habe er nicht gesprochen. Zeuge: Das hat er nicht im Zusammenhang ge- faat, sondern nachher für sich. Vorsitzender: Sie haben noch etwas Weiteres bei Ihrer gerichtlichen Vernehmung gesagt, wie die Terrorakte vorgenommen werden sollten. Zeuge: Bei der Bildung der Terrorgruppen sollten auch zum Teil weibliche Personen herangezogen werden. Dorsihender: Sind Sie darauf hingewiesen worden, daß das am besten durch ausländische Genossen geschehe? So haben Sie früher ausgesagt. Ist das nun richtig ober nicht? Zeuge: Ja. durch illegale auslänbische Genossen, bie sollten, wenn sie anroefenb wären, mit dazu verwenbet werben. ' Angeklagter Torgler: Der Zeuge sagt, daß er mich kenne. Wo Haden Sie mich kennengelernt? Zeuge: In Ihrem Bü > und in Versammlungen. Torgler: Wo war mein Büro? Zeuge: Im Karl-Liebknecht-Haus. Torgler: In welchem Stockwerk? Zeuge: Im zweiten Stockwerk. Torgler: In welchen Versammlungen haben Sie mich gehört? Zeuge: In der Neuen Welt in Neukölln im Jahre 1930 und früher. Torgler: Ich stelle fest, baß ich nur einmal Im Saale ber Neuen Welt gesprochen habe, und zwar 1925, seitdem nie wieder. Ich habe nie im Karl - Liebknecht - Haus ein Büro gehabt und mich nur sehr selten vorüber- gehend in diesem Hause aufgehalten. Zeuge: Ich wollte nur sagen, daß ich ihn im Karl-Liebknecht-Haus, wo das Büro ist, getroffen habe. Rechtsanwalt Dr. Sack: Es ergibt sich aus einer Darstellung der Verwandten des Angeklagten van der Lubbe, daß dieser im Januar oder Februar 1925 gar nicht In Düsseldorf ge- wesen fein kann. Kriminalassistent Staneck, ber den Zeugen Kunzack wiederholt über die Sprengoersuche in der Wuhlheide vernommen hat, betont, Kunzack habe mit aller Bestimmtheit auf die wiederholten Fragen immer wieder gesagt, er wisse ganz genau, daß bie kommunistischen Abgeorbneten Kas - per und Torgler bei den Sprengversuchen dabei gewesen seien. Der Zeuge hat mit Kunzack die Wuhlheide ausgesucht, um die Höhle, in der die Sprengversuche gemacht wurden, ausfindig zu machen. Kunzack konnte aber bie Stelle nicht roieberfinben, auch ber Revierförster habe nichts von einer Höhle gewußt. Am 2. Mai ist bann bet Zeuge mit einem Kriminalbeamten nochmals in bie Wuhlheibe gefahren, um Graboersuche zu unternehmen. Es würbe tatsächlich eine höhle von ungefähr 1,80 bis 2 Meter Im Quadrat und 1,25 Meter Tiefe gefunben, Reste von Linoleum, ein abgebrochener Hammerstiel unb der Rest eine# Pakets mit Hageln würben gefunden. Angeklagter Torgler erklärt, baß er niemals in feinem Leden Kunzack kennengelernt habe. Er fei niemals zu Sprengversuchen in ber Wuhlheide gewesen unb wisse auch nichts von einer Höhle und Sprengversuchen. Alles, was Kunzack gesagt habe, könne in keinem Falle ber Wahrheit entsprechen. Der Vorsitzende fragt den Zeugen eindringlich, ob er bei seiner Angabe bleibe, daß Torgler und Kasper in der Wuhlheide zugegen waren. Der Zeuge antwortet mit einem Ja. Rechtsanwalt Dr. Sack beantragt, den früheren Abgeordneten Kasper als Zeugen zu laden. Dr. Sack ersucht ferner, den früheren Rechtsanwalt Rosenfeld, der zur Zeit in Paris lebe, zu vernehmen. Rosenfeld sei an sich bereit, nach Deutschland zu kommen, ebenso die frühere Abgeordnete Frau Reese, den früheren sozialdemokratischen Parteisekretär Dr. Hertz und den früheren sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Breitscheid. Der Oberreichsanwalt erklärt, das Gericht könne freies Geleit nur erteilen für Dinge, die zu feiner Zuständigkeit gehören für die Verfolgung strafbarer Handlungen. Die Verhandlung wird dann auf Freitag vertagt. Der hessische Stahlhelm fordert einmütiges Za am i2.Aovember. Ein Aufruf des Landesführers. Frankfurt a. M., 1. Noo. (WSN.) Das Landesamt des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, Landesverband Groß-Hessen, erläßt folgenden Aufruf: Kameraden vom Stahlhelm! Die deutsche Regierung mit Adolf Hitler, unserem Führer, an der Spitze, hat mit ihrem klaren „Nein" den verblendeten, ehemaligen Feindstaaten gegenüber das getan, wonach sich jeder ehr» liebende, aufrechte Deutsche seit langen Jahren unter schwächlichen, unfähigen Regierungen vergeblich sehnte! Ein Jubelschrei stolzester Freude ging durch das deutsche Volk, als der Führer seinen Entschluß, aus dem Völkerbund auszutreten, bekannt gab. Der Führer hat inzwischen mehrfach in großangelegten Reden die Gründe dargelegt, die zu diesem Entschluß führen mußten und der jubelnde Beifall, den seine Worte fanden, bewiesen, daß es wohl kaum einen Deutschen gibt, ber nicht re ft los hinter seinem Führer ftünbe! So hat auch die von ihm angeordnete Volksabstimmung zweifellos nur symbolischen Charakter, um dem gesamten Auslande zu zeigen und zu beweisen, in welch einmütiger Geschlossenheit und Treue das deutsche Volk mit feinem Kanzler durch d ick unb dünn geht! Der 12. November muß ein überwältigendes Zeugnis hierfür fein, in feinem Ergebnis zu einem geistigen Bollwerk werden, an dem aller Haß und alle Heuchelei unserer früheren Gegner zerschellen muß! Kein deutscher Mann und keine deutsche Frau darf am Wahltage fehlen! Wer nicht wählt oder gar sich der Stimme enthält, treibt Verrat am Volke und stellt sich außerhalb unserer Volksgemeinschaft! Zur Urne zu gehen kann keine Pflicht sein, sondern ein Akt freudiger Bejahung eines Führers, der Deutschland wieder hat deutsch werden lassen! Frontheil! Heil Hitler? gez. Keßler, Hptm. a. D., Landesführer. Oie Siuden en im Wahlkampf. Berlin, 31. Okt. (VdZ.) Der National- sozialistische Deutsche Studentenbund sendet etwa 100 Redner zur Aufklärung ber breiten Massen hinaus, darunter bekannte Studentenführer wie Dr. v. Seers, o. Hadeln usw. In einer Massenkundgebung im Sportpalast zu Berlin wird der Reichsführer des NSDStB. Dr. S t ä b e l sprechen. Bis zum 12. November stellen sich die Studenten völlig in den Dienst des Wahlkampfes. Sie stellen Radfahrerkolonnen in den Dienst der Propaganda und Autos. Auch die Arbeitsgemeinschaft Nationalsozialistischer Studentinnen arbeitet geschlossen mit. Der Einsatz ber Studenten soll nicht nur die akademischen Kreise erfassen, sondern er soll ins Volk hineindringcn, Hand in Hand mit den Arbeitern. Oas ganze OeuifchSand soll es sein! Berlin, 1. Noo. (WTB.) Außer den bereits bekanntgegebenen 220 Verbänden haben weitere 21 Organisationen das Treuebekenntnis für den 12. November unterzeichnet. Begeisterte Zustimmungskundgebungen zur Politik der Reichsregierung sind auch aus Kreisen des deutschen Theaterwesens eingegan- gen. Es befinden sich darunter Schreiben von Heinrich George und Friedrich K a y ß l e r. Oie Verteilung der Winterhilfsspende Berlin, 1. Noo. (TU.) Die Reichsführung des Winterhilfswerks teilt in Beantwortung verschiede- ner Anfragen mit, daß die Verteilung der Spende für das Winterhilfswerk in der Weise vorgenommen wird, daß 50 v. H. im Ortsbezirk bzw. in den Kreisarbeitsgemeinschaften verbleiben, 2 5 v. H. ber Gauleitung zugeführt wird und 25 v. H. innerhalb des Reiches verbleiben. Aus den Notstandsgebieten werden von der Reichsführung des Winterhilfswerks keine Mittel abgerufen, sondern Reichsmittel zugeführt. Auf diese Weise hat bie Reichsführuna bereits mehrere Millionen für bie Notstandsgebiete zur Verfügung gestellt. Sozialismus der Tai. Berlin, 1. Noo. (CNB.) Der Posteingang bei ber Reichsführung bes Winterhilfswerks enthält täglich rührende Beweise des Opferwillens. Die Menschen erdenken die vielseitigsten Möglichkeiten, nach denen praktische Hilfe gebracht werden kann. Ein Kind schreibt vom Lande, daß es in den Herbsttagen beim Kühehüten ein Paar Handschuhe gestrickt habe, und bestellt an den Führer einen recht schönen Gruß. Aus dem Innern von Nordamerika schreibt ein Arbeitertruppführer, daß sie drei Deutsche in diesem Trupp seien, daß sie trotz aller Bedrängnisse ihre deutsche Nationalität nicht aufgegeben hatten und von ihrem kärglichen Lohn 6 Dollar einfchickten. Eine arbeitslose Oefterreicherin schreibt aus Neuyork, daß sie jeden Monat 1 Dollar übersenden wolle. Aus Bulgarien kommt ein anderes Schreiben, in dem mitgeteilt wird, daß sich die dortige Kolonie zu einer Opfergemeinschaft der Deutschen zusammengeschlossen habe und eine Sammlung für das WHW. aller Deutschen veranstalte. Die heimatlosen Wanderer, die in einer pommerscken 21 r - beitertotonie untergebracht find, haben zusammen mit den Veteranen der Arbeit aus dem Altersheim ber Meierei Moitzelfitz in kleinen Beträgen die Summe von 86.70 NM. für bie Winterhilfe gesammelt. Gesundheit der Lugend unser kostbarstes Gut. Der Reichsinnenminister untersagt über- mätzige Inanspruchnahme von Hitler- Jugend und Jungvolk. Berlin, 1. Nov. (WTB.) Reichsrninister bes Inneren Dr. Frick hat in einem Erlaß an b en Jugendführer des Reiches der Besorgnis Ausdruck gegeben, daß die Hitler-Jugend, namentlich das Jungvolk, durch zu starke Inanspruchnahme, insbesondere bei Kundgebungen und bei der Vor- bereitungderWahl am 12. November durch zu weite An- und Abmarschwege überan = ftrengt, ber notwendigen Nachtruhe, beraubt unb baburd) an der Gesundheit geschädigt werden könne. Der Reichs- minifter des Inneren hat daher den Jugendführer gebeten, dafür Sorge zu tragen, daß das Jungvolk möglichst nicht nach Einbruch ber Dunkelheit ober gar noch in ben fpä- t e n 2Ibenbftunben zum Dienst heran- gezogen wirb. Auch der Dienst der Hitler- Jugend fall sich höchstens einmal in der Woche auf den Abend ausdehnen und bann nur solange, baß sie sich im allgemeinen spätestens um 22 Uhr z u Hause befindet. Die Gesundheit unserer Jugend ist ein kostbares, sorgsam zu hütendes Gut. Der Reichsminister des Inneren erwartet daher, daß seinem Ersuchen von allen in Betracht kommenden Stellen Rechnung getragen wird. Die Länderregierungen sind entsprechend verständigt. Sine Treue-Kundgebung berDeutschenGewerkschastsfront an der Saar. Saarbrücken, 30. Okt. (TU.) Nachdem die deutschen gewerkschaftlichen Organisationen an der Saar sich entschlossen haben, sich zu einerDeut- schen Gewerkschaftsfront zu vereinigen, wurde dieser Zusammenschluß am Sonntag in einer großen Kundgebung proklamiert. Der Vorsitzende der Gewerkschaftsfront, Peter Kiefer, brachte bie Schicksalsgemeinschaft, bie wir Deutschen insgesamt und die Saardeutschen im besonderen tragen, in eindrucksvoller Weise zum Ausdruck. Die Deutsche Gewerkschaftsfront wolle diese Schicksalsgemeinschaft, so führte er aus, und wolle dieser echten Volksgemeinschaft, die sich auf der Grundlage der Gerechtigkeit aufbaue, überall zum Durchbruch verhelfen. Die Deutsche Gewerkschaftsfront wolle keinen Saardeutschen ausschalten. Für alle deutschen Arbeitnehmer des Saargebietes mache die Deutsche Gewerkschaftsfront die Tore weit auf. Ein deutliches Wort richtet Kiefer an die Adresse der Bergwerksdirektion: „Wir olle werden in der Erreichung ber Rechte unserer Werksangestellten und Bergleute wie ein Mann zusammenstehen." Darüber hinaus richtete er eine ernste Mahnung an Frankreich, ben Saarbergmann von ben seelischen Schmerzen zu befreien, bie ihm heute auferlegt werden. Frankreich könnte fo dem Saargebiet ben Beweis erbringen, ob es ihm ernst ist mit ber Verständigung mit Deutschland unb einem stieblichen Verhältnis zwischen der Saarwirtschaft und ben französischen Nachbarn. Um das zu erreichen, sei aber notwendig, daß man aufhöre, deutsche Bergleute deshalb zu strafen, weil sie ihrem deutschen Volk die Treue halten. Beim Saarbergmann heißt es immer: Uns alle zieht bas Herz zum Vaterland. Aus aller Wett. Heimkehr des Luftschiffes „Graf Zeppelin". Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat seine große Dreieckfahrt beendet und ist heute Donnerstag etwa um 5.30 über Friedrichshafen eingetroffen. Da die Haltemannschaften erst auf 7 Uhr bestellt waren, kreuzte das Luftschiff im strömenden Regen noch längere Zeit über dem Bodenseegebiet unb l a n b e t e bann bei starkem Bodenwinb um 7.15 Uhr glatt auf bem Werftgelände. An Bord befanden sich 24 Passagiere und 330 Kilogramm Post. Das Luftschiff hatte auf der letzten Teilstrecke Sevilla—Friedrichshafen um 17 Uhr MEZ. Barcelona passiert. Um 21.30 Uhr (MEZ.) stand es über bem Lyon-Golf, nur noch 75 Kilometer von ber Rhone- Mündung entfernt. Infolge starkem Mistrals legte es nur 70 Kilometer pro Stunde zurück. Während der Zwischenlandung des Luftschiffes in Sevilla äußerte sich Dr. Eckener über den Rückflug nach Europa, der dieses Mal unter besonders ungünstigen Witterungsverhältnissen vor sich ging. Das Luftschiff habe über Öen Azoren ft ä r t • ft e n Sturm erlebt und habe sich dabei glänzend bewährt. Die ungewöhnlich starken Gegenwinde seien auch die Ursache gewesen, daß das Luftschiff mit lOftünbiger Verspätung in Sevilla eingetroffen sei. Großes Aufsehen erregte in Spanien bie Flug- leiftung eines Heinkel-Schnellflugzeuges ber Lufthansa, bas bie Strecke von Berlin nach Mabrid in 8 Stunden zurückgelegt hat und am Dienstag in der erstaunlichen Zeit von einer Stunde 10 Minuten von Madrid nach Seviua flog, während die Eisenbahn für diese Strecke 10 bis 12 Stunden benötigt. Diese Leistung eines deutschen Flugzeuges findet vor allem in spanischen Fliegerkreisen höchste Anerkennung. Die erste Luftverblndung der Reichsbahn: Berlin-Königsberg. Im Flughafen Tempelhof wurde die erste Luftverkehrslinie der Deutschen Reichsbahn feierlich eröffnet. Generaldirektor Dorp- m ü 11 e r wies auf die Bedeutung dieser ersten Reichsbahnluftstrecke hin und begrüßte es, daß nunmehr auch bas Flugzeug in den Dienst ber Reichs- bahn gestellt worden sei. Staatssekretär Ohne- sorge vom Reichspostministerium stellte fest, daß nunmehr auch gewöhnliche Post, die am späten Abend in Berlin ober Königsberg aufgeliefert werde jetzt zum ersten Bestellgang am nächsten Tage in beiden Städten zurechtkomme. Direktor Wronski von der Deutschen Lufthansa gab dem Wunsche Ausdruck, daß es recht bald möglich sein werde, mit größeren Flugzeugen noch mehr Gelegenheit zur Beförderung von Post und Fracht zu geben. Staatssekretär Milch vom Neichsluftfahrtminifterium sagte, die Einrichtung dieser Lustverbindung komme einem dringenden Wunsch des Führers entgegen, der gerade zwischen Ostpreußen und dem Reich eine Verbesserung der Verkehrsmöglichkeiten wünsche. — Pünktlich startete bann das Verkehrsflugzeug zu seinem ersten Fluge nach bem Osten. Arbeitsbeschaffung der Dolfsfürforge. Wie das Gaupresseamt mitteilt, hat sich die V o l k s f ü r s o r g e , Lebensversicherung AG., Hamburg (Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Allerheiligenstrahe 51), das größte Versicherungsunternehmen der Deutschen Arbeitsfront, entschlos- sen, das von ihr im Frühjahr übernommene ehemalige alte Gewerkschaftshaus (5 Häuser) in 40 Wohnungen umzu bauen. Es handelt sich um eine Errichtung von 2-, 2'/r- und 3» Zimmerwohnungen, also um Kleinwohnungen, die der deutsche Arbeitsmensch braucht. Umarbeitung des horst-wessel-Ailms. Wie WTB. erfährt, hat Herr Reichsminister Dr. Goebbels das Verbot desHor st- Wessel- Films unter folgender Begründung aufgehoben: Das Verbot des Horst-Weffel-Films ist des- halb ergangen, weil es sich bei Hor^t Wessel um ben bekanntesten unb Verehrtesten Märtyrer ber nationalsozialistischen Bewegung handelt. Es besteht kein Anlaß, dieses Verbot weiter aufrechtzuerhalten, wenn dieser Film unter einem neutralen Titel läuft und direkte Anspielungen auf Horst Wessel unb sein Leben und Sterben vermieden werden. Der unter dem Titel „Horst Wessel" beanstandet gewesene Bildstreifen wird nunmehr mit Genehmigung des Herrn Neichsministers Dr. Goebbels unter dem Titel erscheinen: „5) ans Westmar, einer von viele n", ein deutsches Schicksal aus dem Jahre 1929; Manuskript nach dem Buche ,Horst Wessel" von Hanns Heinz Ewers. Autounglück Mannheimer Segelflieger. — Ein Toter, zwei Verletzte. Auf ber Straße zwischen Hockenheim und Neulußheim (Baden) ereignete sich bei der Kreuzung nach Altlußheim ein Autounglück. Bei einem Gewitter wurde der Fahrer eines Mannheimer Personenautos, Ganter, durch einen Blitz geblendet und fuhr in scharfem Tempo gegen einen Baum. Ein in dem Notsitz mitfahrender aewisser Lerch wurde derart an den Baum geschleudert, daß sein Tod sofort eintrat. Der Fahrer Ganter hat nur leichte Schürfungen davongetragen, während der Segelflieger Julius Johann schwere Verletzungen, darunter einen Kieferbruch, erlitt. Die Verletzten wurden in das Schwetzinger Krankenhaus gebracht. Bei den Verunglückten handelt es sich um drei bekannte Mannheimer Flugsportler. Ein Teilabschnitt des nordsibirischen Seewege# erschlossen. Wie die Telegrafenagentur ber Sowjetunion mitteilt, traf in Jakutsk oas neue als Eisbrecher gebaute Motorschiff „Perwaja Jatiletka" ein, bas zu m er st en Male auf dem Seewege Lebensmittel und technische Artikel aus dem Westen nachJakutsk brachte. Dieser Schiffahrtsweg beginnt normalerweise in Archangelsk am Weißen Meer unb führt burch bas Karische Meer, das Sibirische Eismeer unb die Nord-Eskjoeld-See nach der Mündung des ß e n a ft r o m e s. Bisher mußten sämtliche Frachten nach diesem Nordgebiete der Sowjetunion auf Hundeschlitten befördert werden. Überschwemmungskatastrophe in Albanien. Die Stadt Permeti in Südalbanien ist von einer schweren Überschwemmungskatastrophe heimgesucht worden. Der Fluß Viosa ist infolge starker Regenfälle aus den Ufern getreten unb hat die Stadt zum größten Teil unter Wasser gesetzt. 24 Häuser find eingestürzt. 26 Einwohner fanden dabei den Tod, während vier in schwerverletztem Zustande geborgen werden konnten. Der Schaden beläuft sich auf über 100 000 Mark. Wettervoraussage. Da sich immer noch ein Tiefdruckwirbel über der Ostsee bewegt unb im Westen sich hoher Druck befindet, fließt fortgesetzt maritime Lust nach dem Kontinent. Der Witterungscharakter bleibt daher vorerst veränderlich, so baß bei wechselhafter Bewölkung noch Regen-, in den Bergen Schneeschauer auftreten. Mit dem weiteren Vordringen des hohen Druckes dürfte späterhin Beruhigung der Wetterlage, damit auch gleichzeitig nachts Temperaturrückgang bis in Gefrierpunktnähe verbunden (ein. Aussichten für Freitag: Wechselnd-wolkig mit Aufheiterung, kühl, nachts stellenweise Temperaturen in Gefrierpunktnähe, einzelne Schauer. Lufttemperaturen am 1. November, mittags 6,1 Grad Celsius, abends 5,1 Grad; am 2. November: morgens 4,6 Grad. Maximum 6 6 Grad, Minimum 3,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. November: abends 6,3 Grad; am 2. November: morgens 5,4 Grad Celsius. — Niederschläge 2,1 mm. (Schluß des redaktionellen Teils.» Da# ist stets wertvoll gewesen, sich die Erfahrungen älterer Leute zunutze zu machen. Mutter und Großmutter wußten wohl, warum sie für alle Wäsche, zum Abseisen, Schrubben und Scheuern Dr. Thompson'# Schwan-Pulver in dem roten Paket verwandt haben — weil Schwan-Pulver gut und billig ist. 6131A Kinder und Erwerbslose 10 Pfennig. 6752 D 669« Neuausqabe 4933 erscheint Ende November! Vereine Einträge der Glädte und Gemeinden des Landkreises Gießen Aerzteverzeichnis der Gtadt und des Kreises Gießen H5I* Oberhessischer Adreßbuchverlag Gießen Schwan benutzen! 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Da wir in verschiedenen Fällen feststellen muhten, dah der Monat September nicht bezahlt ist, ebenso nicht genügend Ab- schlagszahlungen auf die Rückstände erfolgten, bitten wir nochmals um sofortige Erfüllung der Verpflichtungen. Die Beitreibung erfolgt am 5. d. M. 6755V Allgemeine Ortskrankenkasse Giehen-Stadl. Die Vollstreckungsstelle. Wegen Aalgabe des Artikels farbige, elegante Kinderwagen (Harke Brennabor) zu den außergewöhnlich billigen Preisen von Mk. 25.—, 30.— und 35. — . Aoßasl KilhinOer Nacht LG. Gülle Oflenbacber Lederwaren and Relse-Arllkel Neltersweg 67 . 675.D Schöne 3-Zimmer-WohDiiog mit Bad evtl. Mans, zum 15.Dez. gesucht. Schrift!. na. unt. 1 a. d. GH. 21a. Sonöeres mööl. 3itnmet für benifdtät. Dame loloit geloiut Sofortige Preisangebote erbeten unt. 67430 an den Gieß. Anzeiger.__________ istodi Zimmer Mitte der Stadt von Doktor Grudes Ehe. Originalroman von Z. Schneider-Zoerstl. 3. gonietzung Nachdruck oeröotenl Ein krampfartiges Weinen schüttelte chren Äör- per, dah sie an der Mauer chatt suchen muhte. Run war es wieder Mitleid, das er mit ihr empfand. Er legte den Arm um ihre chüften und zog sie in den Jtaum, den früher Christa bewohnt halte. „Sei doch vernünftig!" bat er, drückte sie auf seine Knie und legte ihren Kopf beschwichtigend gegen seine Schulter. „Sei doch vernünftig! Das 'st ja alles gar nicht wahr, was du sagst, Madel! Wer hat dich je zurückgesetzt? ... Niemand! Wer hat Christa dir vorgezogen? ... Keiner! Das Hast ou dir alles nur eingebildet! Was hat sie dir je zu Leide getan?" ,, Sie wurde ruhiger und sah ihn aus verschwollenen Augen an. „Feder hat um sie geworben. .Zeder? ..." Er versuchte ein Lächeln. »Grude war der einzige. Neidest du ihr etwa seine Liebe. Sie erwiderte nichts und strebte hochzukommen. Aber er hielt sie zurück. „Sag, Madlen!" "Glaub mir Kind", tröstete er, ,^uch für dich kommt einmal d.c Stunde, wo dir ein Mann von seiner Liebe sprechen wird. Du wirst erst neunzehn Fahre, Madlen. Er fuhr liebkosend über hr Blond- haar das ihr widerspenstig m die Schlafen fiel. Sie wohnte leise vor sich hin. .Letzt, wo Papa tot ist, gibt es so viel weniger Gelegenheit. W:r müssen sicher auch mehr sparen. Und viel besser ein- ^br^Hflofigreit stimmte ihn weich. ,,3d) bin doch auch noch da", sagte er. Was nicht von Ma- mas Pension bestritten werden kann, das lege ich darauf. 3d) gebe dir allmonatlich ein Taschengeld, tagen wir hundert Schilling. Davon kaufst du dir, was du gerne haben möchtest — ja, Madlen?" Ihre Arme legten sich um seinen Hals. Das Gesicht dagegengepreßt, drückte sie sich an ihn. „War- um seid ihr alle so gut? Du. Christa, die Mama. Montrey ... nur ich. warum bin ich so schlecht. Rolfs" „Bist du denn schlecht?" fragte er erschrocken, weil er sich nicht mehr mit ihr zurechtfand. Immer hatte er geglaubt, sie ganz genau zu kennen. Und nun war ihre Psyche doch komplizierter, als er ge- dacht hatte. Sie war doch nicht so kalt, wie sie zu sein vortäuschte. „Wir könnten nicht alle gleich gut sein, Kind", lächelte er über ihr blondes Haar hin- weg. „Vielleicht bist du besser als wir alle." Ihr Gesicht flog hoch. „Nein! — Ich habe dir ja wfeben der kleinste Druck, der auf ihm lag, pflanzte sich aus sie über. Darum liebte er sie auch so über alles. Weil sie eben ganz eins mar mü ihm." fjd) könnte sterben für ihn, Rolf!" Mein Armes!" Er hob sie wieder zu sich auf unö quälte sich, was er ihr Liebes tun konnte. Nun Christa nicht mehr war, blieb sie und die Mutter das einzige, das chm nahe stand. „Wie wäre es. Madien, wenn du für einige Zeit zu mir kämst? Eg jft doch immer eine Ablenkung." Zch kann doch die Mama nicht allein lassen!" 'Die Mama schicken wir für einige Wochen in ein Bad Sie hat es wirklich nötia und ist schon so lange nicht mehr auf Reisen gewesen. . . Willst du, Madien?" ’ßiefes „3a" erleichterte ihn über die Maßen. „Also gut Ich laste sofort ein Zimmer für dich im Sanatorium instandsegen. Grude suche ich zu bestimmen, daß er in Urlaub geht und sich einen Vertreter nimmt. Und bis er dann wieder zurückkommt, bist du längst in einen anderen verliebt." Sie sah ihn ungläubig an, wurde aber doch ruhiger und hob seine Hand gegen ihre Wange. Sie ist doch gut, dachte er, und zog sie fester an sich. Ehe er sich von ihr verabschiedete, fragte sie noch, wann sie kommen dürfte und ob es ihm möglich wäre, ihr den Wagen zu schicken. Sie würde doch Gepäck haben. Außerdem sorgte sie sich, wer nach der Wohnung sah. „Du kannst ja selbst mal ab und zu herunter- kommen, Madien! Das Mädchen schicken wir auch in Urlaub. So ist alles schönstens geregelt. Also Kopf hoch, Mädel!" „Freust du dich, wenn ich komme, Rolf?" „Ja, sehr! Wir haben uns ohnedies immer so wenig gehabt." Er nahm ihr Gesicht zwischen seine Hände und küßte sie auf den Mund. „Auf Wiedersehen, Kleines!" Sie begleitete ihn noch bis an die Treppe, bann schloß sie behutsam die Flurtüre, um die Mutter nicht zu wecken. Vielleicht war es doch so, wie er gesagt hatte, daß Grude und sie nicht zusammen- pahten. Wenn sie ihn nur nicht so unvernünftig lieb hätte! In Christas Zimmer hing sein Bild. Sie lief hinüber, kniete auf dem brokatbezogenen Hocker und betrachtete es. Schön war er eigentlich nicht. So was man gewöhnlich mit „schön bezeichnete. Die Männer auf der Flimmerleinwand waren entschieden anders. Und doch hatte keiner von ihnen solche Augen wie er und einen solchen Mund. „Fe- litsche!" — Die Tränen kollerten ihr über die Wangen und blieben an den Winkeln des Mundes haf- ten. „Was machst du denn?" fragte die Geheimratm, die erwacht war und nun nach der Tochter suchte. (Kfogt. d°b ich schl-ch, bin- Und ich bin's °nch! - ihm in Öen Änien unb krallte die Finger in das Arnar» lud) ieines Beinkleides. ,Zch bin die ein- A? A sichlet, daß Christa nicht wiederkommt. 3 6Vaö(en .' Er Halle die Hande um ihren gelegt und sah, wie sich ihr Gesicht vor Schmer; verzog. Well", wimmerte sie. — "-Dtuh fertig!" raunte er. ffieil ich Grude liebe." Ihr Kopf schlug wieder gegen seine Knie, die Achseln zuckten, ihr gatt;er Sarper krümmte sich unter der «cham. 3n Wellenberg hallten ihre Worte nach wie em Donnerschlag. Wie ein Blitz hatte dieses Geständnis den legten Winkel chrer oeele beleuchtet. Er suchte nach Worten und fand keines, das auch nur irgendwie Berechtigung gehabt hätte. Der blonde Kopf richtete sich langsam auf. „Du verdammst mich?" Er drückte ihr Gesicht wieder auf seine Knie und strich den verwirrten Scheitel entlang. „Betrachtest du es als Schuld?" Sie nickte. „Weiß Grude?" Zum zweitenmal schrak ihr Kopf hoch, sank und hob sich nicht wieder. „Wir können uns schuldig suhlen und es doch nicht sein!" sagte er tröstend. „Nur weil wir heben, Madien, deshalb sind wir noch nicht schlecht! Man muß nur die Kraft haben, diese Liebe in sich nie- derzuringen." Das kann ich aber nicht, Rolf! ,Das darfst du nicht sagen. Es gibt kein „ich kann nicht!" Denke dir, er wäre verheiratet, bann bliebe er dir auch unerreichbar. Unb sieh, Mab- len" er zögerte etwas mit seinem Gestänbnis, „er ist mein bester Freunb. Ader er paßt nicht zu bir! Glaub mir — er paßt wirklich nicht! Ihr wurdet euch wund aneinander schlagen!" Unb ganz erfüllt, ihr das Entsagen zu erleichtern, zergliederte er Grudes Psyche, die er kannte, wie kein zweiter mehr. „Ihm wird alles zur Not, Madien! Was einem änderen kaum die Haut ritzt, das geht bei ihm in alle Tiefen. Jeder Verrat, jede Untreue, jeber Betrug wird zur Katastrophe für ihn. Was du nach einer Stunde schon wieder vergessen hast, das spinnt er noch des Nachts in seinen Träumen fort unb grübelt und zerfasert es noch anderntags, um herauszuklügeln, wie es gemeint war. ...Du würdest ihn nie begreifen. Er ist eine ganz andere We- fenheit als du." „Und Christa?" weinte sie leise. „Die war seine Art! Jede Regung, tue seine Seele schlug, griff wie eine Welle auf sie über und zog dort ihre Kreise weiter. Sie brauchte ihn nur an- Krippen-Ausstellung alter und neuer Meister, auch solcher aus Privatbesitz und Bastel-Krippen, in dem Katholischen Vereinshaus, Llebigstrabe Geöffnet: Samstag, den 4. November. 15-20 Uhr; Sonntag, den 5. November, 10-20 Uhr; Montag, den 6. November, 10 — 20 Uhr. / Eintrittspreis für Erwachsene 20 Pfennig, für „Ich habe an Christa gedacht und wie glücklich sie jent sein könnte." Ein Seufzen! — Dann schloß sich die Ture wieder. Madlen sprang hinzu und stieß den Riegel vor Sie war noch nicht fertig mit ihrer Zwiesprache Warum sollen wir denn nicht zueinander paffen. Felitsche? — Zur Not würde chm alles, Hane Rolf gejagt! Zur Tragik! Ach! Di« Tragik Die verlernte er sicher, wenn sie erst mit ihm zusammen war." m _ .... _ Sie erschrak vor sich selber. „URetn Gott, sie sollte doch verzichten, hatte Rolf befohlen. Die Zähne gegen die Lippen gedrückt, versenkte sie sich wieder in Grudes schmales Gesicht- Was er sagen würde, wenn er wüßte? — Wenn die >schwester wirklich tot wäre? Er zähtte noch kaum zweiund- dreihig Jahre! Da liebte man doch wieder! Wenn heute nicht, dann morgen! Unb wenn morgen nicht, bann über Jahr unb Tag! „Felitsche?" Die Tränen jagten sich. Verzweifelt sah sie ihn an. Der Hocker begann zu rutschen unb noch ehe sie bie Hand nach einem Hall ausstrecken konnte, glitt sie vorne über unb schlug schwer gegen die Kant« eines Schrankes. Das dumpfe Gepolter rief die Geheimrätin zum zweiten Male herbei. Die Türe war diesmal verriegelt. „Madlen!" rief sie. „Madlen, was ist denn?" Nichts regte sich. Ihre Faust trommelte gegen das Holz der Füllung, Dann rannte sie nach dem Wohnzimmer zurück und drehte die Scheibe des Telephons. Grude meldete sich. „Felix, komm! Ich bitte dich, komm sofort! Die Madlen!" „Was ist mit ihr?" „Ich weiß es nicht! Ich weih es nicht! Sie hat bie Türe verriegelt. Felix, ich bitte bich!" Er hatte schon eingehängt. Fünf Minuten später sprang er bie Treppe her- auf. Das Holz ber Füllung krachte knirschend unter seinen Händen. Die Geheimrätin kniete als Erste am Boden und hob bas Gesicht der Tochter in bett Schoß. Grude holte Wasser, schüttete Lysoform hinein und machte einen Wattebausch damit naß. „Sei ganz ruhig, Mama, es ist nur eine Ohnmacht. Die Schramme ist ganz ungefährlich." Die alte Dame zur Seite schiebend, hob er Madien in die Arme, fühlte ein Zucken und sah, wie sich ihre Augen öffneten. „Felitsche!" Dann schlossen sich ihre Lider und blieben über bie blauen öteme geberft, bis er sie auf ben Diwan gebettet hatte. Er saß vor ihr unb strich über ihre unruhigen Hänbe. „War bas notwendig?" fragte er ernst. „Die Mama kann wahrhaftig keine weiteren Auf- regungen mehr ertragen, ohne baß sie schweren Schaben babei nimmt. Was hast bu benn eigentlich gemacht?" (Fortsetzung folgt.). dWner HaöerflDI .öoifla“ 1906, t. o. Saeilag,4. Äov.lStt, Ibtsh 1.36 Ubr Jahrtthanpherummlanfl ie Bootsbau Die Tagesordnung lautet: e?uD 1. Jahresbericht; 2. Kassenbericht? 3. Wahl d.BereinS- fübrerS. Erschein, ist Pflicht. Ab Sonntai, AB «, findet ein Am-flu« nach der Nnrlernb statt. Beginn 4 Ubr. Freunde u. Gönner unseres Vereins find herzlichst einyeladen TerBcrcinsfübrer. Stadttheater <-lcU_n im?) Freitag, 3. Nov^ 2*i—22.30 Ubr 5. Freitag • Abonn. 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