Ur. 230 Erstes Blatt 183. Zayrgmg Montag, 2. Oktober 1933 Lrlchetn» tägltd), cmha Sonntags und Feiertags. Beilagen; Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle monat$=Be3ugsprds: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustriert« , 180 Zustellgebühr.. , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe nnterSammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Siehe«. Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vnick und Verlag: vrvhl'sche Ilnlverfitütr-Sllch. »nd Stelndruckerel B. Lange in Siehe«. Schristleitung und Scschäftrftelle: Schlllsttahe ?. Annahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Qr.H.THyriot; i.für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für denAn- zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in Gießen. Deutschland feiert den Emiedantiag. Berlin, 2. Okt. (TU.) Bei strahlend blauem 1 Himmel an einem außergewöhnlich warmen und heiteren Oktobertag wurde der Erntedanktag in ganz Deutschland unter einer Massenbeteiligung der Bevölkerung gefeiert. In Stadt und Land hatte fast jedermann geflaggt, man sah frohbewetzte I Menschen die letzten Vorbereitungen für die Feier | des Tages treffen, da jeder Ort fein eigenes Erntedankfest rüstet. Ueberall veranstalteten die Organisationen der NSDAP, ihre Feiern, in denen auf die Bedeutung des Tages hingewiesen wurde. In den Großstädten sah man zahllose Kleingartenbau- oereine mit ihren Fahnen und blumengeschmückten Wagen aufmarschieren. Zugleich war dieser 1. Oktober aber auch der erste Sonntag, der der Winterhilfe geweiht war. In allen deutschen Familien und allen Gastwirtschaften gab es zu Mittag ein Eintopfgericht als Zeichen der Verbundenheit der Menschen aller Stände mit den Opfern der Arbeitslosigkeit. Don Haus zu Haus eilten bann auch die Beauftragten des Winterhilfswerkes, um die am Eintopfgericht ersparten Gelder einzusammeln. So trug dieser Tag auch in dieser Hinsicht den Stempel eines von Gemeinschaftsgefühl getragenen Deutschlands. Der Empfang der Bauern in Berlin. Der Auftakt für die amtlichen Feiern bildete der Empfang der Bauernabordnungen in Berlin. In sieben Flugzeugen trafen um 10 Uhr gegen 100 Bauernabordnungen auf dem Tempelhoser Feld ein, wo sie von dem Reichsernährungsminister Darre und dem Propagandaminister Dr. Goebbels begrüßt und in blumengeschmückten Kraftwagen des NSKK. zur Reichskanzlei befördert wurden. Die Bevölkerung begrüßte überall lebhaft die Bauern, die zum größten Teil in ihren malerischen j Landestrachten erschienen waren. Im historischen Kongreßsaal der alten Reichskanzlei bauten die Bauern und Bauernführer zunächst ihre Gaben auf einem großen Tisch auf, die Westfalen: Schinken, Schwarzbrot-und Doppelkorn, sowie zwei Paar gestrickte Handschuhe, die Lüneburger ein großes fein gegerbtes Schaffell, die Kurmärker einen Riesenkorb mit Früchten, die Danziger ihren Werder Käse und Danziger Goldwasser, die Sachsen-Anhalter Tomaten, Rüben, verschiedene Samenkörner, Bohnen, Rebhühner u. a. m. Alle Gaben waren künstlerisch in den Landesfarben mit Aehren, Kornblumen und Klatschmohn geschmückt. Punkt 11 Uhr erschien der Führer, Reichskanzler Adolf Hitler, begleitet von den Ministern Dr. Goebbels und DarrS und Staatssekretär Lammers. Der Landesbauernführer von Pommern, B l o e b o n , überreichte hierauf nach einer kurzen Ansprache eine Spenbenliste ber Bauern zur Behebung der Not. Oer Reichskanzler dankte den Vertretern ber Bauern unb führte folgendes aus: Die Tatsache, daß die Vertreter ber deutschen Bauern heute hier so versammelt sind unb als Deputationen an biefer Stelle in bie Erscheinung treten, zeigt ihnen selbst, daß sich in Deutschland eine Schicksal swende vollzogen hat. Wir sind nicht wurzellos und volksfremd, sondern wir fühlen uns mit ber deutschen Scholle ver- bunben, wir hängen an ihr und damit auch am deutschen Bauerntum. Der deutsche Bauer ist für uns nicht nur ein Stand, sondern ber Repräsentant ber deutschen Lebenskraft unb damit auch der deutschen Zukunft. Wir sehen in dem Bauern die Quelle der nationalen Fruchtbarkeit, die Grundlage unseres nationalen Lebens. können die Ueberzeugung mit sich nehmen, daß wir, so weit es irgend geht, unb wo es nur irgend geht, für den deutschen Bauern eintreten. Ich danke ihnen, daß sie auch draußen auf dem Lande sich in dieser schweren Notzeit ber Stäb ter e r - Innern. Das wird die Bande f e ft i g e n , die Stadt und Land miteinander verbinden müssen zu einer lebendigen Volksgemeinschaft. Die wahre Volksgemeinschaft muß auf T a t e n aufge - baut werden, so wie wir von den Städtern verlangen, daß sie heute Opfer bringen, so müssen wir auch oon Bauern verlangen, daß er die Nöte unb bie Sorgen der Städter begreift. Ich danke Ihnen, daß Sie aus eigenem Willen mithelfen, diese uns alle bedrückenden Sorgen zu beheben. Wir find stolz darauf, daß wir aus eigener Kraft, u s eigenem Vermögen, aus unserem Volke selb st heraus ohne fremde Hilfe und ohne fremde Anleihen unserer Nöte Herr werden. Wenn wir so alle unsere Kraft anspannen, um die Not zu brechen, so wird der Segen, der daraus entspringen wird, nicht nur den deutschen Bauern zugute kommen, nicht nur den unmittelbar davon Betroffenen, sondern auch denen, die an der Behebung der Nöte so tatkräftig mithelfen. Bismarcks Gänsekiel als Ehrengabe für den Führer. Der Führer ließ sich vom Reichsernährungsminister Darr6 die Landesbauernführer vorstellen, die dann ihrerseits bie einzelnen Anordnungen dem Kanzler vorstellten. Jebem einzelnen drückte der Kanzler die Hand. Der Reichsbund Deutscher Diplomlandwirte überreichte d i e Schreibfeder Bismarcks, einen Gänsekiel, der sich in einem etwa 70 Zentimeter hohen historischen Schmuckkasten aus Eichenholz aus dem Sachsenwald befindet, dem Kanzler. Der Führer des Reichsbundes, Dr. Kummer, führte dabei u. a. aus: Diese Schreibfeder hat der Begründer des Deutschen Reiches an dem Tage geführt, als er die Worte sprach: „Wir Deutschen fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt". Wir sind stolz darauf, diese Gabe an dem Wendepunkt unserer agrarischen Ges.chichte mit heißem Dank überreichen zu können, an dem Tage, an dem die deutschen Bauern unter Führung des Volkskanzlers und ihres Reichsführers mit neuer Zuversicht ans Werk gehen." Zwei Mädchen überreichten als Dank der schlesischen Bauern mit einem kleinen Gedicht dem Reichskanzler eine mit Bändern in den Landesfarben geschmückte Erntekrone. Der Kanzler unterhielt sich dann noch kurze Zeit zwanglos mit den einzelnen Bauernvertretern. Nach einem dreifachen Sieg-Heil der Bauern auf den Retter des Bauerntums verabschiedete sich der Kanzler. Die Bauernabordnungen wurden dann wieder mit 50 Privatkraftwagen in geschlossener Fahrt zum Tempelhofer Feld gefahren, wo sie in zehn Flugzeugen über Hannover nach dem Bückeberg befördert wurden. Das Weserbergland im Hameln, 1. Okt. (TU.) Ganz Deutschland steht im Zeichen des Erntedankfestes. Auf der Fahrt von ber Reichshauptstabt nach bem Weser-Berglanb sieht man in allen Stäbten unb Ortschaften bie Erntekrone aufgerichtet. Der große Festakt auf bem Bückeberg hat ganz Mittelbeutschlanb in Bewegung gesetzt. In Braunschweig, in Hilbesheim, in Hannover — überall ist nur bie Rebe oon diesem großen Festtag des deutschen Bauern. In H a m e l n ist seit Freitag kein Hotelzimmer mehr frei. Auch die Privatquartiere reichen nicht aus, bie Gäste aufzunehmen, bie aus allen Gegenben bes Reiches hierher geeilt finb. In Bab Pyrmont herrscht reges Leden unb Treiben. Viele hunbert Ehrengäste finb Freitag unb Samstagfrüh hierher gekommen. Das Fest bebeutet für dieses Bad eine unerwartete Nachsaison. Fall alle Hotels unb Pensionen sind bis unter bas Dach besetzt. Daß diese beiden bem Festplatz am nächsten gelegenen Orte ein prächtiges Festgewanb angelegt haben, versteht sich oon selbst. Der Schmuck ber Fahnen, Girlanden unb Transparente ist überwältigend und steht hinter ber Ausschmückung Nürnbergs nicht zurück. Neben bem Symbol bes Dritten Reiches steht natürlich überall bie Erntekrone im Vorbergrunb der Ausschmückung. Auf den öffentlichen Plätzen sieht man bunt gebänderte Erntekronen bis zu zehn Meter Durchmesser, daneben nur Korngaben. Auf den Straßen finb Hunderte von Verkaufsständen für Lebensrnittel und Erfrischungen eingerichtet. Die Eisenbahnen und Kraftwagen bringen Tausende aus allen Teilen des Reiches hierher. Welche günstigen Auswirkungen die Veranstaltung auf den Arbeitsmarkt gehabt hat, geht daraus hervor, daß durch die Straßen- und Wegebauarbeiten sämtliche Steinschläger im Bezirk Hameln Arbeit gefunden haben. Für die Arbeiten der Stromversorgung und sonstigen Elektrizitätsanlagen mußten Facharbeiter aus den Zeichen der Erntekrone. Großstädten herangezogen werden. Das Gastwirtsgewerbe mutzte Aushilfskräfte aus Hannover, Hildesheim, Minden, Detmold ufw. heranziehen. Das Gleiche gilt für die Bäckerei-, Schlächterei- und Gärtnereibetriebe. Riesige Verpflcgungszelte und Verkaufsstände sind aufgebaut. Dampfer-Sonderfahrten zum Ohrberg, der dem Bückeberg gegenüberliegt, finden bereits seit Tagen statt. Das große Festgelände um den Bückeberg umfaßt ein Gebiet von 150 000 Quadratmeter. Eine messeartig eingerichtete Zeltstadt und zerstreute Zeltlager kleineren Ausmaßes sind für 10Ö 000 Menschen in fleißiger Arbeit beiderseits des Berges entstanden. Der Bückeberg selbst, den ein bewaldeter Höhenrücken frönt, stellt sich dem Beschauer als ein Zentrum technischer Organisationsarbeit größten Stiles dar. Riesige Anlagen für Beleuchtung, Lautsprecher, Scheinwerfer, Fernsprech- unb Rundfunk- leitungen stehen nun mit Hilfe bes Arbeitsbienstes unb ber SA. in wochenlanger Arbeit fertig ba. Außer ber großen Tribüne für bie 2000 Ehrengäste auf bem Berggipfel ist unten am Fuße bes Bückeberges jetzt auch bie große Rednertribüne errichtet worben, von Der aus ber Führer unb vor ihm ber Reichsernährungsminister zu ben Massen unb burch ben Runbfunk zum ganzen beutschen Volk sprechen werben. Die R e i ch s p o st hat auf bem Gelände mehrere Sonberpostanstaltcn eingerichtet und sie auch bereits in Betrieb genommen. Die Stapel oon Karten und Briefen werden zur Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag den Aufgabestempel tragen: „Deutscher Erntedank - tag 19 33". Zahlreiche Sanitötskolonnen halten sich in 15 Zelten in Bereitschaft. Sämtliche Aerzte der näheren und weiteren Umgebung sowie auch bie Hamelner Aerzte haben sich in ben Dienst der Sache gestellt. Die Zeltstadt am Bückeberg. Lustiges Lagerleben in der Frühe des Sonntags. — Oer Anmarsch der Hundertiausende. Keine bessere Stätte konnte „das Volk ohne Raum" sich für fein nationales Erntedankfest aus- fuchen, als diese echte deutsche Landschaft, diese fruchtbare Gegend, in der ein deutsches Bauern- geschlecht von altem Schrot und Korn wohnt, das in seinem Innern dem deutschen Wesen am meisten entspricht. Im Laufe der Nacht zum Sonntag trafen zahllose Sonderzüge ein unb brachten Taufenbe von Menschen hierher. Aus ben Taufenben würben Zehntau senbe, unb in ben Morgenstunben waren es schließlich Hundert- t a u { e n b e. Die Stabt Hameln war in ber Nacht zum Sonntag nicht mehr zur Ruhe gekommen. Ein Strom von vielen Taufenben wogte während ber ganzen Nacht burch bie im Flaggengala prangenden Straßen ber Stabt. Am Sonntagoormittag würbe das Gebränge lebensgefährlich. Äußer ben So.nberzügen brachten bie fahrplanmäßigen Zuge unb zahlreiche Dampffchife unentwegt neue Gäste. Gleichzeitig rollten auf den Landstraßen in großen Lastkraftwagen heran, bie SS ', SA.- unb Stahlhelmmänner, sowie bie Angehörigen Der NSBO. brachten. Um 6.30 Uhr würbe überall zum Wecken geblasen, bann gab es Frühkonzerte. Dis Laut- sprechet übermittelten bas IRunbfunfProgramm. -on den Lagern der Arbeitsdienstwilligen wurde um 8 Uhr die Flagge gehißt. Promenadenkonzerte an allen Plätzen folgten, Polizei und SA. leiteten den Abmarsch von den Bahnhöfen und sorgten für Die ordnungsmäßige Verteilung der Massen in Der Nähe Des Bückebergs. Ein buntes Lager- leben entwickelte sich. In dem Tal und an Den Bergabhängen bei Tündern und Grohnde hatten die Pioniere zwei Pontonbrücken über die Weser geschlagen und mit ©uirlonöen unb Fähnchen prächtig geschmückt. Ganze Alleen von Ehrenpforten zogen sich zum Dorf. Der seier- liche G o 11 e 5 b i e n ft in ber kleinen Kirche n OHsen, unmittelbar am Fuße bes ®urfcber9e®' inmitten einer riesenhaften Zeltstabt, hatte einen sehr starken Besuch aufzuweisen. Inzwischen waren auf acht Anmarschstraßen m endlosen Kolonnen neben ben uniformierten Ber- bänben bie Ehrengäste, bie Bauern aus °lle" Lan- bestellen, ferner viele Angehörige und Frauenschaf ten unb fröhliche Iugenb, außerdem Tausende von schaulustigen Privatpersonen zum Bückeberg marschiert — Um 15 Uhr war die SA. in Stärke von 70 000 Mann geschlossen auf dem Platz versammelt. Eine Stunde später hatte sich auch der übrige Teil dieses Massenaufmarsches planmäßig unb reibungslos vollzogen, eine Glanzleistung ber Orgamsations- leifung, bie in ben Hänben des Regierungsrates (Butterer unb des Referenten Üßeibemann vom Reichspropagandaministerium unb bes Architekten Speer lag. Fast eine halbe Million Menschen aus Stabt unb Lanb hatten sich zu biefer größten Bauernkundgebung zusammenge- funben, bie bie Welt just gesehen hat. Auf ber luftigen Bergkuppe bot sich dem Beschauer von der großen Tribüne ber Ehrengäste unb ber Pressevertreter nach vollzogenem Aufmarsch ein prachtvoller Blick auf den menschenbesetzten tiefer gelegenen Abhang unb barüber hinaus über bie hügelumschlossene Weser-Landschaft. Die große Rebnertribüne, vor ber die SA.-Abteilungen standen und bie zu beiben Seiten hohe rot verkleidete Masten hatten, machte sich von oben fast wie ein Spielzeug. Den ganzen Bergabhang füllten zu ben Fahnen bie beiden Seiten eine Kopf an Kopf bicht gebrängte Menge. Zwischendurch in ber Mitte war ein breiter Weg freigelaffen, ber bie Verbinbung von oben nach unten zwischen ben Tribünen vermittelte. SA. unb SS.-Männer hatten bort Spalier gebilbet, aber auch Bauern unb Bäuerinnen in ihrer malerischen, bunten Tracht: sie führten Ackergerät mit, bas bie Ernte bergen half. Sensen unb Sicheln zum Beispiel unb in Körben präsentierten sie bie Früchte bes Felbes: Obst, Weintrauben, Rüben, Kartoffeln, Kohl. Man sah, mit welcher Liebe sie biefc Prachtexemplare bes beutschen Ackers gesammelt haben, um sie bem Kanzler vor Augen zu führen. Auch vor ber oberen Tribüne waren vor einem weithin ins Tal leuchtenben Hakenkreuzbanner lanbwirt- schaftliche Erzeugnisse aller Art symbolisch zusammengetragen. Der Sonberzug mit ben 23 Vertreter nber auswärtigen Mächte unb ihren Gattinnen traf gegen 16 Uhr unmittelbar unterhalb bes Bückeberges ein. Geführt von bem Chef bes Protokolls stiegen bie Diplomaten unter Vorantritt einer Schutzpolizeiabteilung burch bas Spalier ben Damm hinauf unb nahmen auf ber Tribüne ihre Platze' ein. Dann kam eine 2lborbnung ber San» ziger Bauern an mit einem Schild: „Wir Danziger Bauern bleiben beutsch". Heilrufe und Händeklatschen grüßten sie. Ihnen folgten Bauern aus bem Saargebiet, aus bem Su* betenlanbe, aus Siebenbürgen, aus allen Teilen Europas, wo beutschstämmige Bauern wohnen, fast alle in ihren schönen Trachten. Der Führer trifft ein. Punkt 17 Uhr oerkünben bie Lautsprecher, daß ber Führer eingetroffen ist. Komman- bos ertönen, in ber Ferne sieht man bie Säbel bes präfentierenben Reiterregimentes blitzen unb in langsamer Fahrt bie Wagen bes Führers unb feiner Begleitung, bahinter, in eine Staubwolke gehüllt, bas Reiterregiment, ben Weg zum Bückeberg herunterkommen. Am Fuße bes Berges verläßt ber Führer ben Wagen unb schreitet bis zur Spitze bes Berges. Der Babenweller Marsch er- klingt, barauf ber Präsentiermarsch, als ber Kanzler bie Front ber Ehrenkompanien abschreitet. Langsam, nach allen Seiten ben beutschen Gruß ent» bietenb, steigt ber Führer von ber Sohle aus bem Tal zur Hohe, mit einem ungeheuren Jubel überschüttet. Ihn begleiten verschobene Minister bes Reiches, bie meisten Reichsstatthalter, sowie bie höheren Führer ber SA. unb SS., bie Vertreter ber Reichswehr unb Reichsmarine. Als ber Volkskanzler auf ber Tribüne erscheint, schlägt ihm vom Berge eine tosenbe Welle begeisterter Hellrufe entgegen, bie sich immer unb immer wiederholen. Währenb er noch bie Diplomaten unb Ehrengäste begrüßt, schmettern bie Fanfaren ein fünffaches Signal, eine Batterie ist aufgefahren und schießt einen Ehrenfalut von 21 Schüssen. Das ist ber Beginn. Der Bückeberg ist in einen dünnen Nebel gehüllt, doch ist bas Anreiten bes Reiterregiments 13 noch genau zu verfolgen. Im gestreckten Galopp reiten bie Schwadronen zur Bildung eines Hakenkreuzes, bas sich um feine Achse breht. Den Abschluß bilbet ein Parademarsch, roieber in gestrecktem Galopp, ber erneuten Jubel auslöste. Dann intonierten alle Musikkorps bas Lieb „Nun banket alle Oott!", bas von ber Menge entblößten Hauptes unb mit erhobener Rechten mitgesungen würbe. Reichsernährungsmimster ÄarrS ber Reichsbauernführer spricht. Er sagt, ber Nationalsozialismus hat aus einem jahrhunberte alten Brauch bes Bauern einen Gebenk - unb Danktag bes ganzen Volkes gemacht! Nicht ein einzelner Berufsstcmb steht an biefem Tage im Banne ber Gewalten bes ewigen Lenkers unserer Geschicke. Heute ist es bas geeinte Volk, bas mit seinem Führer unb Kanzler ben 1. Oktober feiert als einen Tag religiöser Weihe, bes immer roieber Besinnens auf bie allgewaltigen Schöpferkräfte unseres gütigen Gottes, aber auch als einen bebeutungsoollen Tag ber beutschen Zei- tenroenbe! Der Bückeberg, bas Wahrzeichen des Sachsenlanbes sieht heute bie gewaltig st e Bauernkunbgebung, bie bie Welt j e gesehen hat. Die hier versammelten 500 000 dauern finb ein lebenbiger Beweis von ber Ver- bunbenheit mit bem Nationalsozialismus im Bauerntum. Der Bauer ist nicht nur ein Wirtschaftszweig in der Fülle anderer Wirtfchaftsftändc, sondern .st die Quelle unseres völkischen Lebens und Fundament unseres staatlichen! Seins. Der Minister gab einen kurzen Rückblick au*, dis jüngste Agrarpolitik und betonte, daß ber Nation- >- fojialismus Abolf Hitlers in einem blüchendm Bauerntum ben besten Garanten einer gesicherten Zukunft oon Volk unb Nation sehe. Wir treffen burdjgreifenbe Maßnahmen, u.m Die Scholle bes Bauerngeschlechts zu erhallen. Das R e i ch s e r b g u t r e ch t soll bie verberbliche Ver- schuldung unb unheilvolle Zersplitterung burch Erb- gang verhinbern unb bie Hofe aus ben Zustllllg- feiten bes wirtschaftlichen Geschehens heraus nehmen. Wir bürfen babei kein Opfer scheuen! Und wir scheuen sie auch nicht, weil wir stark ge.?ug sind, den Sieg zu wollen unb baher auch hart genug gegen uns selbst finb, um großen Einsatz zu wogen zur Rettung bes Bauerntums. Aus ber Große der Aufgabe heraus haben wir den Herrn Reichskanzler gebeten, uns zu gestatten, mit bem Reichsnährstand, dem geeinten Selbstverwaltungskörper unseres Bauerntums, aufs Land zu wandern. A m Rordhang des Harzes werden wir uns eine Heimat suchen, wir wollen damit äußerlich die Abkehr vom Liberalismus zum Ausdruck bringen und bartun, daß nicht mehr Asphalt, wüsten der Großstädte das Bauernschicksal bestimmt. wir gehen wieder in das Herz des alten Deutschen Reiches der sächsischen Kaiserzeit, als noch ein Bauernherzog, König Heinrich, die deutschen Lande regierte. Wir gehen in die Nähe ber Stammlande des Bauernherzogs Heinrich des Löwen, der — ein Symbol für uns — Herzog von Riedersachsen und Bayern war. Wir nationalsozialistischen Bauern freuen uns, daß wir heute an unserem Ehrentag, dem Tag des Lrntedankes, diesen Entschluß bekanntgeben dürfen. Der deutsche Bauer weiß, daß alles, was heule geschafft wird, ohne diesen Bauernkanzler Adolf Hitler nicht möglich wäre. Damit weiß aber der deutsche Bauer auch, daß sein Schicksal mit Adolf Hitler steht und fällt. Wer diesen Mann antastet, tastet gleichzeitig an die heiligen Güter des deutschen Bauerntums und läuft Gefahr, das deutsche Bauerntum zu entschlossenstem Widerstand bereit zu finden. Darum fordere ich alle Bauern und die hier Versammelten aus, mit mir ein,zustimmen in den Ruf: Unserem Führer und seinem Kampf ein dreifaches Sieg-Heil! Der Führer spricht zu den deutschen dauern. Urquell völkischen und staatlichen Seins.-Dolksgemeinschast in Stadt und Land. Deutsche Volksgenossen und -genossinnen! Meine deutschen Bauern! Seit im vergangenen Jahre die Ernte heimgeführt wurde, hat sich in Deutschland ein Wandel von geschichtlichem Aus» maß vollzogen. Ein Parteistaat ist gefallen, ein Volks st a a t ist entstanden. Vielleicht wird erst eine spätere Zeit die Größe der Umwälzung dieser letzten acht Monate ganz würdigen können. Wir sieben alle zu sehr im Bann dieser vorwärts- stürmenden Zeit, als daß wir ihren Vormarsch durch Vergleiche messen könnten. Was noch vor wenigen Jahren als unmöglich erschien, ist nun möglich geworden. Was Millionen für aussichtslos hielten, ist heute Wirklichkeit. Was dieser Gewalt trotzen wollte, ist gestürzt: Eine Revolution brauste über die deutschen Lande hinweg, ein System zertrümmernd, unser VoU aufwühlend bis in seine innersten Tiefen. Nierckmd soll sich wundern, daß aber von dieser gewaltigen Bewegung gerade der Stand am meisten ergriffen wurde, der das tragende Fundament unseres Volkes ist. Denn der Nationalsozialismus hat weder im Individuum noch in der Menschheit den Ausgangspunkt feiner Betrachtungen, feiner Stellungnahme und Entschlüsse. Er rückt bewußt in den Mittelpunkt seines ganzen Denkens das Volk. Dieses Volk ist für ihn eine blutmäßig bedingte Erscheinung, in der er einen von Gott gewollten Baustein der menschlichen Gesellschaft sieht. Das einzelne Individuum ist vergänglich, das Volk ist blei« b e n d. Es ist notwendig, daß der Einzelne sich langsam zur Erkenntnis durchringt, daß fein eigenes Ich unbedeutend ist, g e • messen am Sein des ganzen Volkes, daß daher die Stellung dieses Einzelnen nicht ausschließlich bedingt ist durch die Interessen der Gesamtheit des Volkes, daß daher die Ueberheblichkeit, die Einbildung, der Eigen- und Standesdünkel nicht nur lächerlich, sondern auch schädlich sind für die Existenz einer Volksgemeinschaft, daß vor allem die Gei st es- und Willenseinheit einer Nation höher zu schätzen sind als die Geistes- und Willensfreiheit des Einzelnen, daß das höhere Lebensinteresse der Gesamtheit den Interessen des Einzelnen hier die Grenze ziehen fall Einhalt geboten. Dank dem gläubigen Vertrauen der überwältigenden Millionenmasse unseres Volkes ist es uns gelungen, die Entwicklung nach unten aufzuhalten und in eine solche nach oben zu wenden. Niemand kann unseren guten Willen bestreiten, das Beste für unser Volk zu tun und unseren Mut, die dafür nötigen Entschlüsse zu treffen. wenn wir aber auch In der Zukunft Erfolg haben sollen, bann ist dies nur möglich unter der Mitarbeit des Volks selbst. Das ist es, was ich heule von euch, meine deutsche Bauern, wieder verlangen muh: Nur wenn ihr selbst im Vertrauen und in Zuversicht hinter uns tretet, kann das große Derk der Rettung unseres Volkes und eurer selbst gelingen. Ihr dürst nicht nur der Nähr-, sondern ihr müht auch der Willensstand in den deutschen Landen sein. So wie Ihr selbst ohne Rücksicht auf Wetter und hagelfchlag eure Arbeit tun müht, müßen wir auch als Führung und Volk in der Tat überall unsere Pflicht erfüllen. Auch wenn das Schicksal uns manchen Entschluß und manche Tat vergeblich sein läßt, so dürfen wir doch keine Sekunde zögern, immer das zu tun, was unseres wissens und unserer Einsicht nach zu tun notwendig ist. Wir bauen an einer neuen Gemeinschaft unseres Volkes. Kein Stand kann sein ohne das Verständnis und die Hilfe des anderen. Millionen von Städtern klären wir auf über die gewaltige Bedeutung des deutschen Bauerntums. Sie sind bereit, Opfer zu bringen für Euch und so müßt Ihr, meine deutschen Bauern, auch wieder Opfer bringen für die anderen. Es ist ein gewaltiges Werk gegenseitiger Hilfe- leistung, das wir zum ersten Mal für diesen Winter symbolisch organisierten. Was Stadt und Land gemeinsam an Opfern nun bringen zur Rettung unserer bedürftigen Volksgenossen, zur Linderung der Not, wird zu einem Kapital, das e i n ft für alle feinen Nutzen abroerfen wird. Die Verbundenheit von Stadt und Land, von Bauer und Arbeiter wird damit gewaltiger bekundet, als taufend Reden es könnten. Die Vorsehung aber wird es am Ende auch hier den Unverzagten, den Redlichen belohnen. Wenn wir aber die Größe dieses Ringens ermessen, das wir in dieser Zeit auf uns zu nehmen haben, bann schaudern wir bei dem Gedanken, was ein schlechtes Jahr mit einer schlechten Emke heute für uns bedeutet hätte. Und umso größer ist unser Dank dem gegenüber, der unseren Aeckern so reichlichen Segen gab. Möge uns dies aber nur bestärken in unserem Entschluß, ohne Wanken und Zagen fortzufahren in der friedlichen Arbeit an unserem Volk. Denn sein Unglück ist unser Leid, seine Not ist unsere Not, seine Freiheit und fein Glück aber sind unsere einzige Sorge. Sie sind hier, meine Bauern, zur größten Kundgebung zusammengekommen, die in dieser Art wohl jemals auf der Erde stattgefunden hat. Es soll dies aber nicht nur eine Demonstration Eurer Kraft, sondern auch eine sichtbare Kundgebung des willens Eurer Führung fein, wir wollen bewußt durch das Fest der Arbeit und das Fest der Ernte den Geist dokumentieren, der uns beherrscht und den weg, den wir zu gehen entschloßen sind. Möge aus der Gröhe dieser Demonstrationen für alle bie gegenseitige Achtung erwachsen unb bie Ueberjeugung, dah kein Stanb für sich, aber alle wohl gemeinsam b e - stehen können. Möge bieses Gefühl der Verbundenheit von Stabt und Land, von Bauern, Hand- und Kopfarbeiter sich immer mehr steigern zum stolzen Bewuhtsein einer gewaltigen Einheit. (Ein Volk find wir. Ein Reich wollen wir sein! An unseren Herrgott aber richten wir in dieser Stunde in Demut die Bitte, uns auch in Zukunst seinen Segen z u geben zu unserem Werk und das tägliche Brot Festlicher Ausklang. Die Rebe des Führers löste einen grenzenlosen Iubelsturm aus, ber erst durch bie Klänge Des Horst-Weßel-Liebes unterbrochen würbe, bas von ber Menge mit erhobener Rechten begeistert rnitge- sungen wurde. Dann ertönten bie dumpfen Wirbel des Zapfenstreiches, unb bas Deutschlandlieb, aus vielen hunberttausenb Kehlen gesungen, klang auf. Die Spalier bildenden SA.-Leute auf dem Weg von Bückeberg nach Hameln hatten ihre Fackeln entzündet. Eine gleißende Lichtschnur zog sich weit durch die Nacht. Unter unbeschreiblicher Begeisterung verließ der Führer den Bücke- berg, während rings auf den Bergen unter gewaltigen Donnerschlägen die Höhenfeuer aufflammten, Magnesiumlicht in allen Farben den ganzen Horizont in ein Farbenmeer tauchte unb ber Ohrberg, von ber Rückseite beleuchtet, wie eine Silhouette aus dem inzwischen dichter geworbenen Nebel heroorstieg. Wir fahren heim. Ueberall leuchten von Fenster zu Fenster uns die Kerzen entgegen. Man hat illu- miniert. Riesige rote und weiße Hakenkreuze leuchten von den Häusern, Fabrikschornsteinen und Bergen, leuchtende Transparente mit Sinnsprüchen spannen sich über die Straßen. Auf ber Weser ein Meer von roten Lichtern und Pünktchen: der La m - piontorfo der gesamten Weserflo11e hat den Bückeberg erreicht. Don den Bergen flammen bie Feuer, Raketen zischen burch bie Luft unb bröhnenbe Donnerschläge des Feuerwerks gehen sprühenbem Funkenregen voraus. Sternförmig ziehen sich bie Lichterströme vom Bückeberg nach allen Seiten auf ben Straßen. Die Abfahrt der mehr als zehntausend Autos und Omnibusse hat begonnen. Viele Stunden wirb es noch dauern, bis die oonber« züge, Autos unb Omnibusse, die geschmückten Bauernwagen und bie vielen Tausenben von Fahrräder bie Menge abtransportiert haben. Es sind weit über Hunberttausenb, bie noch einmal eine Nacht in den großen Feldlagern verbringen müssen, denn es ist technisch unmöglich, ben gesamten Abtransport in einer Nacht zu bewältigen. Die Vertreter ber aus- länbrschen Gesanbschaften, die Mitglieder der Reichsregierung traten bie Heimfahrt von Bab Pyrmont aus an, wo sich in ben Anlagen ein bewegtes Treiben in ben Abenbstunden entwickelt hatte. Der Führer selbst hat das Bückeberg-Gebiet im Wagen verlaßen, um in ber Ruhe eines abgelegenen Ortes die Nacht zu verbringen. Unbeschreiblich ist das Bild, bas bie Stabt H a - mein am Adenb bietet. Die Ausschmückung ber Stabt bietet im Fackel- unb Lichtersck^ein ein wundervolles Bild. Viele der alten Renaissance-Häuser sind angestrahlt, hinter ben Fensterscheiben stehen überall Lichter, rote, grüne, weiße und andere Farben. Auf der Weser liegen mit leuchtenden Fenstern bie Weserdampfer. In den Wassern ber Weser spiegelt sich all bieses ßieft unb all biese Farbe unb vermischt sich zu einem fast unwirklich anmutenben Gemälde. unb Pflichten auferlegen muß. Der Nationalsozialismus ist daher ein fanatischer unb unerbittlicher Feind jeder Klassen- fpattungunb Stanbestrennung. (Et Das neue Recht im neuen Staat. wird deshalb alle Auffassungen unb altes Tun bekämpfen, bie in ihren Auswirkungen ber Na- Beginn des Deutschen Iuristentages in Leipzig. Hon als Einheit Schaden zufügen müßen. Er wirb burch feine Erziehung unbeirrbar die Ausmerzung jener Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens betreiben, die der Volksgemeinschaft abträglich find. (Er wird damit in erster Linie aufräumen mit der fatschen Vorstellung, daß d i e Arbeit als solche verschieden b e - wertet werden könnte. (Er wird dabei die Ueberheblichkeit und Anmaßung ber einen Seite genau so wenig bulben, wie bie bet anbeten Kopf- und Handarbeit find beide gleichgeartet, wenn fie der Erhaltung einer Volksgemeinschaft dienen. Mit diesem Bekenntnis aber will die nationalsozialistische Revolution nicht nur eine Glorifizierung ber Arbeit an sich, sondern auch eine b e ° wußte Verteidigung derer, die durch ihre Arbeit unser Volk erhalten. Wenn ber Liberalismus in seiner Verherrlichung bes Individuums, der Marxismus in ber Verhimmelung ber Menschheit das Volk preisgaben, bann wird sich ber Nationalsozialismus umso fanatischer zum Volk bekennen. Der erste unb tiefste Repräsentant des Volks aber ist jener Teil, ber aus ber Fruchtbarkeit ber Erde bie Menschen nährt unb aus ber Fruchtbarkeit seiner Famillie bie Nation forterhält. So wie ber Liberalismus unb ber bemokratifche Marxismus den Bauer verleugneten, so bekennt sich Die nationalsozialistische Revolution bewußt zu ihm als ben sichersten Träger ber Gegenwart, ben einzigen Garanten für bie Zukunft. Wir wissen, baß der Ruin des deutschen Bauern das Ende bes beutfdjen Volks sein würbe. Der Sinn unseres politischen Kämpfens unb Ringens ist aber nicht bie Gewinnung ober gar Eroberung fremder Völker, sondern bie Erhaltung unb Sicherung unseres eigenen Volks. Wir treten baher mit Entschlossenheit e i .n für bas beutsche Bauerntum. Unb wir kennen hier keine Kompromiße unb auch keine Halbheiten. Der Blick auf unsere Beoölkerungs- ftatiftii* zeigt uns, baß bie Zukunft ber Nation schon .heute ausschließlich abhängt von ber Erhaltung ,bes Bauern. Es ist baher bie Aufgabe ber Stao.'tsführung, zuvörberst bieses Element, von dessen Leben Fortdauer ober Vernichtung unseres Volks abhängen, unter allen Umftänben unb mit allen Mitteln zu erhalten. Das Schicksal hat uns in eine schwere Seit hin- cingcftellt unb uns baher ben heiligen Auftrag gegeben, wenn notroenbig, auch schwere Entschlüsse zu treffen. Wir wissen, wie groß bie Not im ganzen beutschen Volk ist. Wir sinb entschlossen, mit allen Mitteln, bie ber menschliche Geist ausfinbig machen kann, gegen sie anzukämpfen. Allein bie letzte Entscheibuna über ben Erfolg ober Mißerfolg unserer Arbeit hängt ab vom Erfolg ber Rettung unseres 'Bauern ft anbes. Unb wir sinb ganz entschlossen, hier bie Wege zu gehen, bie uns diese Rettung versprechen. Am Ende wird man einst zugeben, baß bie Rettung bes deutschen Bauernstanbes zur Rettung bes ganzen Volks notroenbig war. Ich muß aber an biefer Stelle wieberholen, was ich vor ber letzten Rcichstagswahl offen unb aufrichtig bem ganzen Volk erklärte: Wenn Jahrzehnte lang in einer Sache gefünbigt würbe, kann man nicht in Monaten den Schaben beheben. Jeder Hof, ber burch langjährige Mißwirtschaft ruiniert würbe, braucht Jahre, um wieder in Drbnung zu kommen. Iebes Gut, bas Jahrzehnte lang oer- luberte, braucht feine Zeit zur Gesundung, wie vielmehr aber ein Staat, der sich Jahr für Jahr an feinem Volk versündigt hat. Acht Monate nun haben wir mit Anspannung aller Kraft gearbeitet unb können heute mit Stolz bas eine festftellen: W i r haben bem beutschen Der» Anwalts- und Richtertag. Leipzig, 30. Sept. (WTB.) Im Zoo versammelten sich bereits um 9 Uhr bie deutschen Richter unb Rechtsanwälte zu ein- brucksvollen Tagungen, mit benen bie praktische Arbeit auf ber Vierten Reichstagung bes Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen eingeleitet wurde. Im überfüllten großen Festsaal eröffnete Rechtsanwalt Voß (Berlin) ben Deutschen Anwa11stag. Er verkünbete bie grunblegenbe Satzungsänberung, bie ben Einbau bes Deutschen Anwaltsvereins als Fachgruppe Rechtsanwälte in ben Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen vollzieht. Sodann gab Rechtsanwalt Dr. Raeke (Hamburg) einen geschichtlichen Ueberblid über bie Entwicklung des beutschen Anwaltsstandes unb for- berte, baß sich der Anwaltsftanb von keinem anderen Stande an Volksverbundenheit übertreffen laßen dürfe. Gleichzeitig eröffnete ber Senatspräsibent beim Reichsgericht Linz den Deutschen Richtertag. Der Redner begrüßte es dankbar, wenn dem Richterftanb jetzt die Möglichkeit einer Mitwirkung bei ber Gesetzgebung geschaffen sei. Willig unb gern werben bie beutschen Richter dem Ruf bes Führers zur 'Beteiligung an ber Schaffung bes neuen Rechts Folge leisten. Eine öffentliche Kundgebung. Die große öffentliche Kunbgebung zur Eröffnung bes Deutschen Juristentages in ber Halle VIII auf bem Gelände ber Technischen Messe würbe von etwa 20 000 Teilnehmern besucht. Als ber Führer ber beutschen Rechtsfront, Dr. Frank, mit feinem Stabe die Halle betrat, wurde er mit brausendem Jubel empfangen. Unter ben Ehrengästen bemerkte man ben Reichsjustizminister Dr. Gärtner mit seinen Mitarbeitern, Staatssekretär Schlegelberger, einige Ministerialbirektoren, Vertreter bes Reichsgerichts, ben Vorsitzenben der Anwaltskammer, ber beim Reichsgericht zugelassenen Rechtsanwälte, Geheimer Justizrat Wilb- Hagen, der, wie erinnerlich, beim letzten Juristentag für bie Ehre Deutschlands gesprochen hatte und deshalb damals in ber Linkspresse so scharf angegriffen worben ist. Außerbem waren Juristen aus Ungarn, Italien, Sofia, Warschau, Spanien, Norwegen, Hollanb und ber Schweiz anwesenb. Nach einem Willkommensgruß bes Leipziger Oberbürgermeisters Dr. Goerbeler überbrachte Reichjuflizniimsier Dr. Güttner bie Grüße ber Reichsregierung unb fuhr bann fort: Der Gedanke, daß der Einzelne und fein ganzes Werk nur gemeßen werden kann am Dienste ber Gesamtheit, wirb als ber erste Glaubenssatz bes neuen Staates wie eine Fanfare bem ganzen deutschen Volke verkündet. Aus dieser Grunb- auffaffung heraus muß natürlich die N e u g e ft a l • tung des Rechts erfolgen. Daß es sich dabei nicht um Schönheitsliteratur und um Faßaben- arbeit handeln kann, sondern um einen Neuaufbau auf neuen Fundamenten bedarf keiner weiteren Begründung. Wie selbstverstänblich alle Rechtsgebiete vom bürgerlichen Recht an bis Aum öffentlichen Recht von dieser Grundauffassung bestimmt fein werden, so wird im Strafrecht auch dem Nichtjuristen am augenfälligsten erscheinen etwa die Frage, welches Recht das Volk hat, geschützt zu werden gegen den unverbesserlichen Gewohnheitsverbrecher. Ich darf in diesem Zusammenhang erwähnen, daß auch die 'Juidisregierung entschloßen ist, diese Frage einer allgemeinen Kodifikation des Strafrechtes vor- wegzunehmen unb sie schon mit Ablauf b. I. gesetzgeberisch zu regeln. Auf bem Gebiete bes Strafprozesses muß gleichzeitig mit jener Auffassung gebrochen werden, bie ben Strafprozeß als Prozeß zwischen Parteien darstellt, nämlich dem Rechtsbrecher und dem öffentlichen Ankläger. Der 0i v i l p r o z e ß darf nicht dazu führen, daß die unftionen Der Staatsgewalt, Die zur Schlichtung eines Streites angerufen werden, zum Spielball der Parteivertreter werden. Das Forum des kleinsten zioilgerichtlichen Verfahrens darf nicht ein Turnierplatz gerißener Taktiker fein, sondern muß zum ernsten Raum werden, in Dem das Recht gesucht und rasch und gültig gefunden wird (lebhafter Beifall). Auf vielen Gebieten des Wirtschafts- rechts wird fidl in weitem Umfang der Gedanke verwirklichen laiien, daß die ungehemmte Geltendmachung egoistischer Interessen zum Schaden der Volkswirtschaft gehemmt, eingedämmt und verhindert werden muß. Oie Grundsätze des neuen Rechts. Reichsjustizkommiffar Dr. Frank urnriß bann bie Bebeutung des Nationalsozialistischen Deutschen Juistenbundes und die Entwicklung des deutschen und die Bedeutung des römischen Rechts. Es gelte nicht den Kampf gegen das römische Recht als solches, aber wir Deutsche, so erklärte Dr. Frank, wünschen, daß unser Recht die Kulturhöhe des römischen Rechtes einmal erreichen soll. So wie das römische Recht eine Weltmacht war, so wird auch die ewig-geistige Macht des deutschen Rechtsgefühls eine kulturelle Weltmacht barfteUen. Die nationalsozialistischen Juristen sehen in jebem Recht nur bas Mittel zu bem Zweck, einer Nation bie heldischen Kräfte zum Wettstreit sicherzustellen. Eine naturnotroenbige Folge bieses Bekenntnisses sei es, baß bie Rasse als leitenber G e - s ich tsp unkt eintrete in bie Fülle ber Rechtsbegriffe. Das Rasfenproblem fei ber Ausgangspunkt für bie Befreiung bes gefunben Teils aller wertvollen Volker von bem Irrwahn ber Dekabenz unb feiner Trabanten. Das zweite große Aufgabengebiet des deutschen Rechts fei die Sicherung des deutschen Wesens. Der heilige Wille aller nationalsozialistischen Juristen sei es, daß der deutsche Bauer durch die neue Erbhofrechtgesetzgebung auch die Erziehung zu einem bäuerlichen Herrentypus erfahre, ber ihm als dem Urständ des Deutschtiims zukomme. Das dritte große nationale Gut, das dem Schutz des deutschen Rechtes zu unterstellen ist, ist die deutsche Ehre. Ehre haben heißt: In seinem eigenen Leben das Gesetz der Nation zu verwirklichen. Da die Ehre in ber Familie begrünbet wird, biese also gefunb unb lebensfähig fein muh. gilt ber Schuh des deutschen Rechts in hervorragen- bem Maße ber Ehe, ben ftinbetn unb ber Erziehung der heranwachfen- benGeneration. Inder Fürsorge für diese zukunftsreichen Elemente des Volkes müßen Staat unb Recht ihre neuen Aufgaben sehen unb nicht mehr in bem Rechtsschutz für alles Schwächliche unb Feige. Ferner wies ber Minister bem Recht bes neuen Staates bie Intensivierung bes Reichs- aebantens au. Ohne Rücksicht auf bie augenblickliche Lage müsse bas Jbeal des Einheits- ft a a t e s angestrebt werben. Auf bem eigenttichen Gebiet der Justiz müsse damit bie Bemühung um bie Verwirklichung bes Reichsrichters, des Reichsrechtsanwalts, bes Reichsnotars, bes Reichsreferen- bars unb ber Reichsjustizorganisation verbunden werden. Die Erziehung des beutschen Juristen muß aus bas Volksganze hinzielen unb nicht nur auf Teile des Volkes, auf Klasse oder Stand oder individualistische Jntereßen. Die Zeit ist vorbei, wo niedrige Gewinnsucht bie Hjlfe des deutschen Richters in Anspruch nehmen konnte gegen den unverschuldet in Rot geratenen Volksgenossen. Die Wirkung des Rechtsspruches muß erwogen werden tm Hinblick auf diese Wertmaßstäbe und nicht etwa im Hinblick auf die Erfüllung abstrakter, lebensfremder Paragraphenkonstruktionen. Zur Durchführung dieser Reformarbeit, die ausschließlich von nationalsozialistischem Gedankengut erfüllt sein kann, ist bie Akademie für deutsches Recht gegründet worden. Die Akademie wirb im verlaufe bieses Juristentages ihre erste Sitzung abhalten. Sie ist bie Körperschaft ber an ber Rechtsform beteiligten Kreise der deutschen Juristen, der Wissenschaft und der Praxis. Durch diese Institution ist es möglich, daßjederFachmannbei berRechts- resormgehört werden kann. Der Reichspräsident hat sich bereit erklärt, bie Schirmherrschaft über biese Akademie zu übernehmen. Der Minister bankte bem hohen Schirmherrn für biese Anerkennung unb Ehre unb kündigte sodann an, baß voraussichtlich noch im Lause biescs Jahres wesentliche Teile bes beutschen Strafrechtes, sowie eine neue Zioilprozeßorbnung geschaffen werben. Ferner sollen endlich einmal bie Grundsätze des Handelsrechts den Bedürfnissen der Wirtschaft und des Volkes angepaßt unb ber ungesunde Hang zur Anonymität im geltenden Handelsrecht beseitigt werden. Es wird in ben fommenben Monaten bie stärkste Propa- ga n b a entfaltet werben im Dienste bes neuen Recktsgebankens. Unser Augenmerk wirb hierbei befonbers ber Jugend gelten, den Referendaren und Studenten. Denn in ihnen liegt bie Gewähr bafür, baß ber revolutionäre ibealistische Geist biefer Bewegung unsterblich wirb. Dieser Jugend gilt unsere Fürsorge, der Erleichterung ihres Fortkommens dienen wir, und zu diesem Zweck streben mir die Vereinfachung der Prüfungsordnungen, die Klarlegung der Prüfungsoor- aussetzungen, die Herbeiführung möglichster Freizügigkeit in den Universitäten und Justizvcrwal- tungen und die Überprüfung der Anstellungsvoraussetzungen an. Zum Schluß gedachte Minister Frank bes Führers Abvlf Hitler unb gelobte ihm bie treue Gefolgschaft ber beutschen Juristen, bie nur ben Ehr- geiz haben, immer mit in erster Front als seine Mitkämpfer marschieren zu bürfen. Seine Rebe klang aus mit einem begeistert aufgenommenen breifachen Sieg-Heil auf ben beutschen Geist, bas beutsche Volk unb seinen großen Führer Aböls Hitler. Oer Sonntag. Leipzig, 1. Oktober. (WTB.) Der Deutsche Iuristentag in Leipzig nahm am Sonntag feinen feierlichen Anfang mit einer Sonbertagung ber j u r i ft i f d) e n unb staatswissenschaft- lichen Dekane aller beutschen Umoer- sitate n im Senatssaal ber Leipziger Universität. Geh. Prof. Br. Kisch (München) entbot dem Leiter der Deutschen Rechtsfront herzliche Worte der Begrüßung und des Dankes dafür, daß auch den Rechtslehrern Gelegenheit gegeben fei, zu ihm zu sprechen. Reichsjustizkommissar Dr. Frank betonte, daß die Recbtslehrer die große Mission zu erfüllen haben, die Brücke zu schlagen von dem wertvollen Kulturgut deutscher Vergangenheit zu der kommenden Epoche des Deutschen Reiches. Man werde sich mit aller Kraft dafür einsetzen, daß die Freiheit der Lehre auf dem Gebiete der Rechts- und der Wirtschaftswissenschaft nie und nimmer angetastet werde. In der Wandelhale des Reichsgerichts fand ein Empfang des Reichsjustizkommissars Br. Frank durch daspräsidiumdes Reichsgerichts, die Reichsanwattschaft und Rechtsanwaltschaft beim Reichsgericht statt. Auf die Begrühungsworte des Senatspräsidenten Oegg erklärte Dr. Frank u. a.: Der Nationalsozialismus Adolf Hitlers ist stark genug, unabhängige Richter ertragen zu können, und wehe dem Staat, der unabhängige Richter fürchtet. Die Reichsregierung und die Justizminister der einzelnen Länder haben mich beauftragt, Ihnen zu versichern, daß Ihre richterliche Unabhängigkeit unaeta st et bleibt. Niemals vorher war eine juristische Kundgebung von dem Geist und den Ausmaßen der heutigen in Deutschland möglich, und auch der Führer selbst wird sich vor aller Welt klar und deutlich zum Rechts st a a t bekennen. Das Recht ist nicht der Diener der Politik, sondern die Politik muß zum Sicherheitsgaranten des Rechts gemacht werden. Riesenkundgebung vor dem Reichsgericht. Bor dem Reichsgericht waren inzwischen die Tagungsteilnehmer aus allen Gauen des Reiches in einer nach vielen Tausenden zählenden Menge aufmarschiert. Sie wollten dadurch die lebendige Verbundenheit der Rechtsprechung mit dem Volk besonders deutlich zum Ausdruck bringen. Hier führte der Reichsjustizkommissar aus: „Ich bringe euch, deutsche Juristen, die Grüße des Führers. Wir deutschen Juristen sind uns dessen bewußt, daß von der nationalsozialistischen Revolution an eine neue deutsche Rechtsgeschichte zu beginnen hat. Adolf Hitler ist deshalb unbesiegbar, weil seine Macht in dem Recht des deutschen Volkes wurzelt. Deutsches Volk, glaube wieder an deine Juri st en! Wir sind voll des heiligen Ernstes, Rechtszustände zu schaffen und zu gewährleisten, die deine Zukunft sichern sollen. Der deutsche Geist zieht ein in die Gesetze, in die Verordnungen, in die Rechtsprechung. Wir grüßen in dieser Stunde den Führer des neu» erweckten Reiches, wir grüßen in dieser Stunde das große deutsche Volk. Wenn die Welt jetzt aus Anlaß eines Prozesses, der in diesem Hause spielt, uns vorwersen zu sollen glaubt, daß die deutsche Regierung politische Einflüsse mißbraucht, um diesen Prozeß in ihrem Sinne zu führen, so ist längst diese Lüge zerstört durch die Tatsache, daß dieser Prozeß in richterlicher Objektivität geführt wird. Wir wünschen vor der Welt für derartige Prozeßvorgänge Ankläger, aus denen der eherne Wille des Deutschen Reiches spricht, mit den Verderbern aus dem Untermenschentum mit aller Härte abzurechnen. Es solle niemand glauben, daß wir uns beugen. Wir beugen uns nur vor dem ewigen Gott, aber sonst niemand auf der Welt." Dr. Frank schloß: „Wir wissen, daß unser Führer unser ©ottes ft reiter ist in diesem Gottesgericht, dem das deutsche Volk sich unterwirft. Dieses Gottesgericht mag entscheiden, ob der Weg Adolf Hitlers der rechte wär. Wir wissen aber, daß er der einzige Weg in die Zukunft des deutschen Volkes ist und darum beschreiten wir ihn." Die Rede Dr. Franks klang aus in einem dreifachen „Sieg Heil!" auf den Führer. Dann schritt Justizkommissar Dr. Frank die Front der aufgestellten Gauabteilungen ab. Die Kundgebung schloß mit einem dreifachen Heil für den Führer der deutschen Rechtsfront Dr. Frank. Segmn der Sondertagimgen. Der Reichsgeschäftsführer des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen Dr. H e u b e r gab auf der Drganifationstagung am Nachmittag einen geschichtlichen Ueberblick über die Entwicklung des Bundes, der im Jahre 1928 durch einen Aufruf des Führers gegründet wurde. Während ihm noch 1930 kaum mehr als 100 Mitglieder angehörten, umfaßt er gegenwärtig nahezu 30 000 Mitglieder. Reichsjustizkommissar Dr. Frank wies darauf hin, daß nach der feierlichen Einleitung nunmehr d i e praktische Arbeit in den Sondertagungen beginnen soll, um die Teilnehmer auf die große bevorstehende Aufgabe der Schaffung eines deutschen Rechts vorzubereiten. Die Reichsregierung und die in Frage kommenden ministeriellen Instanzen werden ein Zeitprogramm aufstellen, nach dem die gesamte Rechtsreform systematisch angepackt werden soll. Es begannen sodann die Sondertagungen der Wirtschaftsrichter, der Notare und Rechtsanwälte, Richter und Staatsanwälte, Verwaltungsbeamten, der Rechtspfleger und Justizbeamten, der Referendare, der Fakultätsfachschaften und der Verleger und Schriftleiter. Auch in einem Teil dieser Sonder- tagungen ergriff Reichsjustizkommissar Dr. Frank das Wort zu kurzen Ansprachen. Besonders ernste Worte der Ermahnung richtete er an die akademische Jugend auf der Tagung der Referendare. Ein Oonauplan Mussolinis. Einschaltung des Biermächtepakts.-Wie stellt sich die Kleine Entente? Berlin, 2. Oft. (CNB.-Funkspruch.) Mit jener bemerkenswerten Energie, die alle diplomatischen Handlungen des italienifchen Ministerpräsidenten kennzeichnet, hat Mussolini jetzt einen Vorstoß in der Donaufrage unternommen, der geeignet sein wird, endlich in die dort schwebenden und durch mancherlei Jnteressentenwünsche komplizierten Probleme Klarheit zu.bringen. Er hat den Regierungen des Viermächtepakts, der Kleinen Entente, Oesterreichs und Ungarns einen Plan unterbreitet, über den zwar Einzelheiten noch nicht bekannt sind, der jedoch anknüpft an die Empfehlungen der Konferenz von Stresa, die vor nun genau einem Jahr ihre Arbeiten abschloß, ohne daß es bisher gelungen wäre, die von ihr vorgeschlagenen G e - treidevorzugszölle für d i e notleidenden Donau-Agrar ft aaten auch wirklich durchzuführen. Hier soll nun der Mussolini- Plan einsetzen. Er ist insofern erweitert, als auch für andere Produkte eine bevorzugte Zollbehandlung vorgesehen ist. So insbesondere für Erzeugnisse der österreichischen Industrie. Die italienischen Dor» fchläge zeigen eine bemerkenswerte Uebereinftim» mung mit den Grundlinien der Donaupolitik, die D e u t f ch l a n d stets folgerichtig und in loyaler Berücksichtigung der Notwendigkeiten der südosteuropäischen Staaten vertreten hat. Don besonderem Interesse ist beim italienischen Plan der Vorschlag, die Verhandlungen in irgendeiner Form mitdemJnstrumentdes Viermächtepa 5t es zu kombinieren. Dies und die Empfehlung zweiseitiger Verträge zur Lösung der schwebenden Fragen bedeutet einen weiteren Schritt in jener von Mussolini konsequent verfolgten Politik, die Lösung politischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten den unmittelbar Beteiligten feibft anheimzugeben. Es wird damit der natürliche und den wirtschaftlichen Notwendigkeiten gerechtwerdende Weg in der Donaupolitik eingetragen, der den wahren Interessen der Beteiligten und der europäischen Völkergemeinschaft mehr entspricht als diejenigen Pläne, die unter dem Vorwand einer nichf bestehenden Solidarität wirtschaftlicher Interessen in Wahrheit rein macht- politische Ziele bezwecken. Dies und nicht anderes bedeuten die auf der kürzlich abgeschlossenen Konferenz von Sin a ia erörterten Pläne der Kleinen Entente, die bekanntlich eine Aufnahme des Ueberschusses der landwirtschaftlichen Erzeugnisse Rumäniens und Süb» slawiens durch die Tschechoslowakei vorsehen, was fchon daran scheitert, baß letztere s e l b st an lanb- wirtschaftlichen Probukten Ueberfluß hat. Die Aktivität, bie von ben Staatsmännern bes Kleinen Verdanbes, besonbers von Herrn Bene sch, entfaltet wirb, geht immer roieber bahin, auch Oesterreich in ben Interest nkreis Prag, Bukarest, Bel- grab einzubeziehen. Die letzten Wochen haben allerdings gezeigt, daß die Gegensätze innerhalb der Kleinen Entente nicht gering sind. Sowohl Rumänien als auch Sübslawien bekunden keine Neigung, sich von Prag ausgehenden Wünschen anzuschließen. Man wird die Meldungen, die von einem baldigen Abschluß eines „Balkan-Locarno" unter Einbeziehung Bulgariens sprechen, mit Zurück- Haltung aufnehmen, besonders weil auch Bulgarien auf seine revisionistische Politik nicht verzichten kann. Unter einer Fülle von Plänen und Erörterungen steht nun der italienische Plan als konkreter, nützlicher und einer baldigen Durchführung würdiger Vorschlag zu einer Behebung der Schwierigkeiten im Donauraum, die mit Erfolg nur bann in Angriff genommen werben können, wenn die beiden anliegenden Großmächte, Italien und Deutsch- land, wie sich aus der tatsächlichen Lage ergeben wird, Berücksichtigung finden. Die Hauptaussprache der Völkerbundsversammlung Die Großmächte halten sich weiterhin zurück. Genf, 30. Sept. (TU.) Die Hauptaussprache der Völkerbundsversarnrnlung wurde am Samstag fortgesetzt. Im Gegensatz zu früheren Jahren ist die diesjährige Hauptaussprache bis jetzt ohne jedes politische Interesse verlausen. Als einziger Vertreter der Großmächte hat vorläusig nur der englische Außenminister Simon wohl mehr, um die Aussprache überhaupt in Gang zu bringen, in einigen farblosen Ausführungen zur Abrustungsfrage gesprochen. In der Samstagsitzung brachte der Vertreter Haitis, der griechische Konsul Frangulis seinen schon seit einiger Zeit bekannten Antrag auf Verallgemeinerung des Minderheitenschutzes aus alle Staaten vor, für dessen Einbringung er offensichtlich von einer anderen Macht vorgeschoben worden ist. Ferner nahmen die Vertreter Uruguays, Griechenlands und Lettlands zu der gegenwärtigen Weltlage und dem Problem des Völkerbundes in längeren wenig interessierenden Ausführungen Stellung. Der Vertreter I r - lands kritisierte scharf, baß bie Großmächte nicht bie Gelegenheit wahrgenommen hätten, um ihrerseits zu ben großen politischen Fragen Stellung zu nehmen. Die Vollversammlung tritt am nächsten Montag zu ben Neuwahlen in ben Völkerbunbsrat erneut zusammen. Oas Problem der deutschen Flüchtlinge in Genf. Genf, 30. Sept. (TU.) Der Tagesorbnungsaus- schuß ber Dölkerbunbsversammlung erörerte am (Samstag ben Antrag ber hollänbischen Regierung, wonach der Völkerbunbsrat eine neue Organisation für bie Regelung ber deutschen Flüchtlinqsfrage schaffen soll. Der Ausschuß beschloß schließlich, den Antrag dem 2. Ausschuß für wirtschaftlicheFragen zuüberweisen. Französische Versuche, die Frage durch Ueberroeifung an ben politischen Ausschuß zu einer grunbsatz- lichen politischen Frage zu erklären, brangen nicht durch. Der Wirtschaftsausschuß ber Völkerbunbsver- fammhing wirb fij) baher mit biefer Frage lebig- l i ch vom w i r t s cha ftl i ch e n S ta nb pu n k t a u s zu befassen haben, so daß eine politische Behandlung der Flüchtlingsfrage formal ausgeschlossen erscheint. Ausschreitungen gegen einen deutschen Diplomaten in Prag. Prag, 30. Sept. (WTB.) Die Polizei-Korrespon- benz teilt mit: Heute nachmittag näherte sich dem Legationssekretär der Deutschen Gesandtschaft in Prag, F reiherr n v. Bibra, als dieser durch eine Straße ber Altstabt ging, ein tschechoslowakischer Staat sangehöriger deutscher Nationalität unb riß ihm vom Rockaufschlag das Hakenkreuz herab. Bei der hierbei entstandenen Ansammlung wurde der Lega- tionsfefretär von einer unbekannten Frau beleidigt. Die Sicherheitswache nahm ben Ueberfallenen in Schutz unb brachte mehrere Personen auf bas Polizeikommissariat, wo sie in Haft genommen würben. Die weiteren Erhe- r bungen in dieser Angelegenheit sowie das amtliche I Verfahren wurden unverzüglich eingeleitet. Das Londoner Echo des deutschen Erntedankfestes L o n b o n, 2. Ott. (WTB. Funkspruch.) Die beiben Ereignisse, bie in Deutschlanb ben 1. Oktober gekennzeichnet haben, bas Erntebankfest unb ber Beginn bes großen Winterhilfswerks finben in ber Lonboner Presse außerordentliche Beachtung. Der Berliner Korrespondent ber „M o r n i n gp o ft" sagt: Die Mittagsmahlzeit von einem Gang war eine historische Begebenheit. Es muß in ber mobernen Geschichte bas erstemal gewesen fein, baß eine Regierung fähig war, bie öffentliche Mittagsmahlzeit einer ganzen Nation zu beaufsichtigen. — Eine warmherzige Schilberung finbet sich im „Daily Expreß", besten Sonbertorrefponbent in Dresden der Geburt einer neuen Welt bei- gewohnt zu haben erklärt. Er sagt: Niemals ist ein mächtigeres Fest veranstaltet worden. Hitler, ber Meisterregisteur hat bas Bünbnis zwischen Stabt unb fianb besiegelt. Denkmalsweihe für R101. Keine Politische Aussprache zwischen Macdonald und Daladier. Paris, 1. Okt. (WTB.) In Allonne bei Beauvais würbe ein Denkmal für die Besatzung des englischen Luftschiffes „R 101" einge- weiht, das vor drei Jahren an dieser Stelle im Sturm abgestürzt war. Macdonald war kurz nach 10 Uhr in Begleitung des englischen Luftfahrtministers und der Ueberlebenden ber Katastrophe im Flugzeug in Beauvais einaetroffen, wo er vom französischen Ministerpräsi- benten empfangen würbe. In ihren Reben am Gebenkstein wiesen beibe barauf hin, baß bas Unglück bes Luftschiffes auf französischem Boben eine Quelle ber Zusammengehörigkeit ber beiben ßänber barstelle. Macbonalb sagte, baß bie 23er» bunbenheit ber beiben Völker weiter bauere, um in ben Dienst bes Friebens unb bes Fortschrittes gestellt zu werben. Die Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch zwischen ben Ministerpräsidenten über bie Abrüstungsfrage hat Macbonalb zunichte gemacht, er ist kurz nach bem Frühstück im Bürgermeisteramt auf bem Luftwege roieber nach ßonbon zurückgekehrt. Vor feiner Rückkehr betonte ber englische Ministerprcisibent noch, baß bie Unterhaltungen keinerlei politischen Charakter gehabt hätten. Der Anlaß bes Zusammentreffens sei viel zu ernst bazu gewesen. Oie hessischen Pfarrer zur hessischen Bischofsfrage. EPH. Eine am 28. September 1933 zu Frankfurt am Main tagenbe hessische Pfarrerversammlung beschloß in ber Lanbesbischofsfrage mit allen gegen vier Stimmen folsgenbe Erklärung: Heute in Frankfurt versammelte 80 hessische Pfarrer erklären: Wir mißbilligen zusammen mit 285 bessischen Amtsbrübern. bie bem schriftlich sich an» schließen, bie öffentlichen unb ber Wahrheit zu- roiberlaufenben Herabsetzungen, bie Pfarrer Knell (Hanau) gegen unseren Prälaten, unsere hessische Kirche unb beren Haltung unb Leitung ausgesprochen hat. Wir verurteilen es, daß Streit um bie Lanbesbischofsfrage in bie Öffentlichkeit getragen worben ist, vor bie sie nicht gehört, unb vertrauen getrost ben berufenen Instanzen (bem Reichsbischof unb ber tommenben Großhessischen Synobe) baß sie bie rechte Wahl treffen werben. Herabsetzung der Mitgliedsbeiträge der ASBO. B e r I i n , 29. Sept. (ERB.) Die NSBO.-Presse- stelle teilt mit: Da bie NSBO.-Mitglicber nach Anweisung bes Stabsleiters ber PO. Dr. Ley gleichzeitig in bie Derbänbe ber Arbeitsfront übergeführt werben, erhebt bie NSBO. keine {elbftänbigen Mitgliebsbei» träge mehr. Zur Deckung ber laufenben Ausgaben zahlen bie Mitglieber ber NSBO. lebiglich einen befonberen Werbebeitrag von monatlich 25 Pfennig bei einem Einkommen bis zu 150 Mark. Bei einem barüber hinausgehenben Einkommen finb 35 Pfennig für ben Werbefonbs zu entrichten. Aus aller Welt. Oie Geburtstagsspende des Reichspräsidenten. Berlin, 30. Sept. (WTB.) Wie alljährlich in ber letzten Jahren, so hat Reichsprösibent von Hindenburg auch anläßlich feines biesjährigen Geburtstages bie Unter ft ützungzahlreicher schwer Notleidenber aus ber von ihm im Jahre 1927 errichteten Stiftung „Hinbenburg-Spenbe" verfügt. Rund 300 Kr i e g s b e s ch ä bi g t e, Kriegshinterbliebene unb Veteranen finb mit Beträgen von burchweg je 150 RM. unterstützt worben. Russischer Stratosphärenballon erreicht 19000 Meter Höhe. Der russische Stratosphärenballon „SSSR." ist am Samstagfrüh um 8.41 Uhr in Moskau aufgestiegen. Der Ballon ftanb währenb bes Fluges in ftänbiger Funkverbindung mit der Erbe. Um 9.58 erreichte er eine Höhe von 17 900 Meter. Die Stimmung ber Besatzung war ausgezeichnet. Die Sauerstoffapparate funktionierten gut. Die Temperatur in ber ©anbei beträgt 14 Grab Wärme, bas Thermometer zeigt eine Außentemperatur von 64 Grab Kälte. Um 12.13 hatte ber Ballon nach Verbrauch bes gesamten Ballastes eine Höhe von 18 400 Metern erreicht. Um 12.50 Uhr ging ein Funkspruch ein, baß ber Ballon zu sinken beginne. Zu biesem Zeitpunkt hatte er eine Höhe von 19000 Metern erreicht. Der Stratosphärenballon ist um 17 Uhr in ber Nähe ber Kolomna-Werke, 115 Kilometer von Moskau entfernt, auf einer Wiese am Ufer ber Moskwa gelanbet. Der Ballon unb bie Apparate waren unversehrt, bie Besatzung wohlauf. Wie bie Berliner „Nachtausgabe" zu bem russischen Stratosphärenflug ergänzenb berichtet, bestaub bie Besatzung bes Stratosphärenballons, ber am Samstagfrüh nach kurzen nächtlichen Vorbereitungen zu einem Höhenflug aufgestiegen ist, aus brei Mann. Der Führer bes Ballons erklärte vor bem Start, baß er bie Absicht habe, 18 Stunben in ber Stratosphäre zu bleiben, um bort genaue wissenschaftliche Beobachtungen vorzunehmen. Es sollte versucht werben, eine Höhe von 30 000 Meter zu erreichen, jeboch war ber Ballon nach Erreichung einer Höhe von 19000 Meter, woburch ber Höhen- reforb Piccarbs gebrochen würbe, im Sinken begriffen. Der Ballon hat einen Rauminhalt von 25 000 Kubikmeter, bie kugelförmige, ganz aus Metall hergestellte Stratosphärengonbel weist einen Durchmesser von 2,4 Meter auf. Segelflieger ftronfelb abgestürzt, aber unverletzt. Bei einem Flugmeeting in Laxenburg (Nieber- öfterreid), bei bem vor 30 000 Zuschauern ber bekannte Segelflieger Kronf elb Vorführungen zeigte, streifte Kronfelb bei ber Lanbung mit feiner neuen Maschine „Panhans-Semmering in einem Dark mehrere Bäume. Die Maschine stürzte in ben Laxenburger Teich. Kronfeld konnte sich vom Apparat losmachen und das Ufer schwimmend erreichen. Die Maschine wurde vollständig zertrümmert. Kronfelb ging unmittelbar nach bem Unfall zum Mikrophon unb hielt eine beruhigenbe Ansprache an bas Publikum. Balb barauf setzte er seine Vorführungen fort. Flugzeugunglück in England. — Brei Tote. Ein schweres Flugzeugunglück, bei dem brei Personen ums Leben tarnen, ereignete sich am Sonntagnachmittag bei Hawkhurst in ber Grafschaft Kent. Dort stürzte ein englisches Prioat- flugzeug ab, bas von ber Gebenkfxier für bie Opfer ber „R 101"-Luftschiff-Kataftrophe in Beauvais zurückkehrte. Alle brei Insassen, nämlich ber Flugzeugführer, ber Präsibent ber britischen Luftfahrtgesellschaft unb ein Pressephotograph würben getötet. Das Flugzeug würbe vollkommen zerschmettert. Die Ursache bes Unglücks ist vorläufig noch ungeklärt. vier Tobesopser eines Familienbramas in Versailles. Ein furchtbares Farnilienbrarna ereignete sich in ber Villa eines Notars in Versailles. Der 63jährige Notar 231 a bot, ber in Paris eine gut- gehenbe Praxis unterhielt, erschoß im Treppenhaus zunächst feinen 26jährigen Sohn, als dieser im Begriff war, sich in die Universität zu begeben. Dann begab er sich in das Schlafzimmer seiner 22jährigen Tochter unb tötete sie burch mehrere Schüsse in bie Brust. Die Frau bes Notars eilte in bas Schlafzimmer ihrer Tochter, doch noch ehe sie ein Wort aussprechen konnte, erhielt auch sie mehrere Kugeln in bie Brust. Einer im Hause anwesen- ben Krankenschwester gelang es schließlich, ben Mörder zu entwaffnen. Während sie sich jedoch in ein im unteren Stockwerk gelegenes Zimmer begab, um ben Revolver zu verstecken, hörte sie im ersten Stock erneut Schüsse und fand ben Notar mit zwei löblichen Kopfwunben auf. Er hatte sich eines zweiten Revolvers bebient, Öen bie Krankenschwester nicht bemerkt hatte. Die Gründe zu diesem dreifachen Mord und Selbstmord sind noch nicht völlig geklärt. Man vermutet jedoch, daß ber Vater die Krankheit seiner beiben Kinder, bie beibe hochgrabig schwindsüchtig waren, zur Tat getrieben hat. Vor wenigen Tagen hatte ihn ber behanbelnbe Arzt barauf aufmerfjam gemacht, daß sich ber Zustanb seiner Tochter wesentlich verschlimmert habe unb keine Hoffnung auf Heilung vorhanben sei. Tourislengruppe am Matterhorn vermißt. Eine führerlose Touristengruppe, bie bas Matterhorn besteigen wollte, wirb vermißt. Die letzten Spuren ber Vermißten fanben sich in ber Matterhornhütte. Die nach ben Vermißten ausge» sanbte Führerkolonne mußte unverrichteter Sache zurückkehren. Infolge Schneefalls finb bie Nachforschungen sehr erschwert. Bei ben Vermißten handelt es sich um ben Berliner Erich Gilbrecht, ben aus Bludenz ftammenben Johann Locher unb um Johann Janszewski aus Glabbeck. Auto vom Zuge erfaßt. — vier Tote. Sonntag früh burchbrach ein Personenauto aus Mallersborf (Nieberbayern) die geschlossene Bahnschranke Neufahrn bei Landshut unb kam auf bem Bahnkörper zum Stehen. Der herankommenbe Per- sonenzug Nr. 1004 Regensburg—München erfaßte burch bie Lokomotive das Fahrzeug, bas 24 Meter weit vom Zuge mitge schleift wurde. Durch den Zusammenprall wurden bie vier Wageninsassen aus bem Auto geschleudert unb waren sofort t o t. Das Auto geriet, nachdem es vom Zuge erfaßt und mitgeschleift worden war, in Brand. Die Getöteten stammen sämtlich aus Mallersborf. Die Unfallstelle ist sehr übersichtlich, doch herrschte sehr starker Bo- bennebel, ber die Sicht auf vier bis fünf Meter beschränkte. Deutsche Stahlhelmführer in Ungarn. Auf Einladung des ungarischen Frontkämpferbundes traf in Den letzten Tagen eine aus 20 Stahlhelmführern bestehende reichsbeutsche Reisegesellschaft in Bubapest ein. Sie wurde am Bahnhof von einer SOgliebrigen Delegation ber ungarischen Frontkämpfer feierlich begrüßt. Für bte Begrüßung bankte ber Führer ber beutschen Gruppe, Hauptmann Hauffs. Die beutschen Gäste wohnten einer großen Feierlichkeit ber ungarischen Frontkämpfer bei. Wettervoraussage. Die Stanbinnoienftörung hat sich süböstlich aus- gebreitet und reicht mit ihren Ausläufern bis nach Nordostdeutschland vor. Da über dem Norbmeer das Barometer noch angeftiegen ist unb sich bie Luft- bruckgegensätze verschärft haben, fließt von Skandinavien her kühle Luft südwärts, die bis nach Deutschland gelangt und das Wetter vorübergehend wechselhaft gestalten wird. Neben Bewölkungsaufzug ist auch vereinzelt mit etwas Regen zu rechnen, bie Temperaturen werben zum Sinken gebracht. Der hohe Druck im Norbwesten wirb sich jeboch später wieder nach dem Festland ausdehnen unb Wetterberuhigung veranlassen. Aussichten für Dienstag: Etwas kühleres unb mehr wechselhaftes Wetter, bunstig unb wolkig mit zwischenzeitlicher Aufheiterung, vereinzelt etwas Nieberschlag. Aussichten für Mittwoch: Wieber beste- res Wetter in Aussicht. Lufttemperaturen. Am 1. Oktober: mittags 21,9 Grab Celsius, abenbs 14,8 Grab. Am 2. Oktober: morgens 14,2 Grab: Maximum 24,6 Grab, Minimum 13,4 Grab: Nieberschläge 0,0 Millimeter. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 1. Oktober: abends 17,7 Grad: am 2. Oktober: morgens 15,3 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 3s/< Stunden. Ein Lied Nvm Glück. Vornan von Anny von panhuys. 13. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Oh, wie herrlich war der Morgen. Welche köstliche Friscke war in der Luft! Achim von Malten ritt über die Felder, ritt durch den Wald. Jeder zollbreit Erde, über die er ritt, war jein Eigentum. Er atmete die Luft ein, wie ein Mensch, der schwer krank gewesen, der auf den Tod darniedergelegen und nun zum erstenmal wieder hinaus darf in Gottes freie Natur. Wie ein Mensch, der die Himmelsbotschaft vernommen: Deine Krankheit ist vorbei. Du bist außer Gefahr und darfst weiterleben! Der Diener, der in der Halle gerade die Fenster geöffnet, als der Herr, mit der Gerte in der Hand, die Treppe hinuntergekommen, hatte ihn mit offenem Munde angestarrt wie ein Phantom. Der Reitbursche hatte sich die Augen gerieben, als ginge es ihm ähnlich, und sein Lieblingspferd, das er wohl zuweilen besuchte, aber seit langer Zeit nur durch den Stallburschen bewegen ließ, hatte den Kopf an seine Schulter gedrängt, als er selbst es hinausführte. Mit tänzelndem Schritt ging es unter ihm. Das treue Tier war glücklich, daß sein Herr wieder auf seinem Rücken saß. Die Bäume waren noch wenig belaubt, und in der frühen Morgensonne schienen die sehr hellgrünen Blätter wie gläsern, schienen zu leuchten in ihrer jungen Frühlingsfrische. Wie gut es tat, durch den klaren Morgen zu reiten! Er begriff immer weniger, wie er so lange gleich einem Stumpfsinnigen in den Zimmern hatte herumsitzen können. Er trällerte vor sich hin und ertappte sich mit zufriedenem Lächeln dabei. Hinter dem kleinen Wald, der sich zwischen Wiesen und Felder einschob, war der Blick wieder ungehemmt, und da sah Achim von Malten einen Reiter, den er sofort von weitem erkannte. Es war Roberta Olbers. Die weiße Baskenmütze, die sie am liebsten trug, lag wie ein flaches, kleidsames Tuch über ihrem schwarzen Haar. Schon kam Roberta näher. Zorn erfüllte sie. Sie dachte an Marlene Werner, dachte an den Handkuß, den Achim vergangene Nacht der Gesellschafterin gegeben. Ach, wenn sie gekonnt hätte, wie sie gewollt, wäre Marlene Werner noch zur gleichen Stunde von ihr aus dem Schloß gejagt worden? Diese unscheinbare Person verstand es anscheinend besser als sie, die Männer zu betören. Ein Störenfried war sie hier; sie mußte fort. So schnell wie möglich. Wenn schon ein flüchtiger Tag einen Mann wie Malten so verändern konnte, würde Die Hochzeit nicht mehr lange auf sich warten lassen. Sie hielt auf den Gutsherrn zu, zwang sich, ein erstaunt frohes Gesicht zu machen, rief ihm entgegen: „Wie freue kch mich, Achim, dich endlich km Sattel zu sehen!' Gottlob, nun bist du auf dem Wege zur Besserung!" Sie schlua sich auf den Mund. „Verzeihung, daß ich in unser Kindheits-Du zurückfiel, aber meine Freude ist übergroß." Er reichte ihr die Hand. Es gefiel ihm, daß sie sich so seyr freute, weil er nach sehr langer Zeit zum ersten Male wieder ausritt. Er sagte: „Dein Vater wünschte, das D u zwischen uns sollte aufhören. Meinetwegen hätte es bestehen bleiben können. Sie wehrte ab. „Nein! Mein Vater hatte recht. Das offizielle Du zwischen uns hätte den Leuten allerlei Anlaß zu törichtem Klatsch gegeben. Man verschont mich auch so nicht völlig damit." Er sah sie an und verstand sie. Richtig! Das übersah er immer, sie war sehr apart und rassig. Es lag deshalb auf der Hand, daß Klatschmäuler, durch eine vertraute Anrede irregeführt, vielleicht Beziehungen zwischen ihr und dem unverheirateten Herrn des Gutes suchen könnten. Er dachte an Marlene Werner und sagte bedauernd: „Es tut mir leid, daß du meinetwegen unter Klatsch zu leiden hast." Nichts weiter. Die nachtschwarzen Augen irritierten ihn. Er wußte ja seit kurzem, er galt Roberta mehr als ein Kindheitsfreund, aber es war nicht seine Schuld. Er unterhielt sich noch ein Weilchen mit ihr ganz sachlich über Gutsangelegenheiten und ritt bann mit freundlichem Gruß weiter. Jetzt befand sich Roberta im Walde. Sie ritt so schnell, wie das hier möglich war, vorwärts. Sie wollte nach Hause und hatte ihre Inspektion der Feldarbeiten schon hinter sich. Am Ausgang des Waldes, nach der Gutsseite zu, stand ein Mann an einen Baumstamm gelehnt. Er rührte sich nicht beim Näherkommen der Reiterin. Erst als sie dicht vor ihm Haltmachte, bewegte er sich ein wenig, sagte verhalten: „Was zum Teufel ist denn heute morgen los, Roberta? Ich warte schon seit einer halben Stunde auf dich. Erst in der kleinen Schonung und seit ein paar Minuten hier." Sie erwiderte spöttisch: „Dazu bist du ja da, zum Warten! Im übrigen haben wir uns heute morgen nicht verabredet." Sie erklärte: „Malten hat mich etwas aufgehalten; er hat heute einen Spazierritt gemacht. Jenseits des Waldes haben wir uns getroffen." Er lachte: „Rede doch nicht solchen Unsinn. Der Mensch besteigt sicher kein Pferd mehr, der ist ja schon verblödet." Sie war im Sattel geblieben. Nachdem sie sich umgesehen, raunte sie zu ihm hinunter: „Er ist wirklich ausgeritten. Es sind zwei neue Gesellschafterinnen im Schloß. Ja, zwei gleichzeitig, und die eine davon singt und spielt Klavier wie eine, die davon lebt, und an der hat er einen Narren gefressen auf der Stelle. Das Frauenzimmer ist sehr | zu fürchten. Nach kaum einem Tag hat er khr schon I die Hand geküßt und seiner Mutter mußte sie noch um Mitternacht Vorsingen. Er ist ganz verändert. Jedenfalls, wenn die widerliche Person noch ein Weilchen im Schloß bleibt, dann auf Wiedersehen, ihr stolzen Träume. Dann bleiben wir immer arme Luders." Er verzog den schmallippigen, aber gut geschnittenen Mund, und in feinen Hellen Augen blitzte jetzt ein böses Licht auf. „Ich hätte dich gern als Achim von Maltens Witwe gesehen. Seine Witwe wärest du schneller geworden als seine Frau, und dann hätten wir uns geheiratet. Aber falls das nicht klappt, wirst du eben seine Erbin werden ohne Heirat. Jedenfalls einer unserer Pläne muß glücken, sonst wäre es ja überflüssig gewesen .. Sie unterbrach ihn schroff: „Still! Kein Wort weiter!" Er brummte: „Es ist kein Mensch weit und breit da!" Sie erwiderte, sich umsehend: „Malten könnte zurückkommen. Uebrigens habe ich dir verboten, mich hier zu erwarten, und wenn du mich gar nicht getroffen, hättest du dich auch nicht zu wundern brauchen. Heute um dreiundzwanzig Uhr im Gartensaal können wir uns aussprechen." Er nickte: „Ich werde kommen. Aber wie ist's? Hast du Geld bei dir? Ich sitze böse fest." Sie schalt: „Du lebst zu gut, du verdienst genug mit ..." Genau, wie sie ihn vorhin, so unterbrach er sie jetzt: „Still! Kein Wort weiter!" Sie zuckte mit den Achseln. „Ich bringe heute abend Geld mit. Jetzt habe ich nichts bei mir." Er lachte: „Ich glaube dir nicht; aber gib mir wenigstens einen Kuß." Sie schalt: „Du bist verrückt!" Jrn selben Augenblick sprang er geschickt hinter sie auf das Pferd und küßte sie. Nur auf das rechte Ohr, denn durch eine rasche Bewegung entzog sie ihm ihren Mund. Sie hob drohend die Gerte. „Du bist ja toll geworden! Wo bleiben unsere Pläne, wenn du mich öffentlich blamierst?" Er sah sie ernst an. „Du, Roberta, schlage lieber nicht zu! Ich rate dir gut." Er ließ sich vom Pferde gleiten. „Heute abend mehr darüber. Wehe dir, wenn du ein falsches Spiel treibst. Ich habe manchmal die verflucht unangenehme Idee, ich diene dir nur noch als Mittel zum Zweck, nachdem du die Liebschaft mit mir satt bekommen hast. Wehe dir, wenn ich mich nicht irre. Also heute abend am alten Platz." Er wandte ihr den Rücken zu; sie ritt weiter — langsamer als vorher, und ihr Gesicht war entstellt von einem Haß, den der Mann wohl schon ein meng spürte, an den er aber doch nicht glaubte, weil er nicht daran glauben wollte, weil er Roberta Olbers liebte. Er durchquerte den Wald; über einen Feldweg ging er nach Hause. Sein Zuhause lag jenseits der Grenze. Ein kleines Gehöft war es. Bernd Brussack hatte es für eine ganz gerinae Summe gekauft. Eine leichte Steifheit im linken Arm, von einem Sturz herrührend, verbot ihm, weiter als Artist durch die Welt zu reifen. Don Kind an zog er durch die Lön- der, jonglierend, reitend und am Trapez tollkühne Saltos schlagend. Er war jetzt fünfundoierzig Jahre alt, war äußerlich das, was man einen interessanten Mann nennt, und als er und Roberta einander zufällig kennenlernten, begann ein Liebesspiel zwischen ihnen, das bei dem Manne zu tiefem Ernst wurde, ihr aber bald monoton schien. Der interessante Mann gefiel ihr längst nicht mehr. Sie sah immer deutlicher die kleinen Falten, die um seine Augen lagen wie dünne, kreuz und quer laufende Striche, und sah immer deutlicher die Furchen, die sich von seinen Nasen- flügeln zu den Mundwinkeln zogen. Sie sah auch immer deutlicher, wie sorgfältig er fein Haar zurechtlegte, um seine Spärlichkeit zu verbergen. Sie hielt nur noch aus Klugheitsgründen zu ihm. Sie wußte, er ließ sich nicht einfach beiseiteschieben, denn ihm lag an der Erfüllung der Pläne, die sie einmal mit ihm geschmiedet, und das Dümmste war, er liebte sie. Unb bann gab es noch mancherlei, was sie zusam- menhiett. In ben nächsten Tagen wieberholte Achim von Malten seine Ausritte. Er fing auch an, sich um bie Gutsarbeiten zu bekümmern. Roberta Olbers würbe immer zorniger auf Marlene. Sie kam wenig mit ihr zusammen; aber es bestand kein Zweifel mehr, die Herrin von Maltstein würde sie selbst nicht werden, wenn sich alles so weiter entwickelte. Die Aussicht, den bisher so energielosen Achim von Malten auf die eine ober anbcre Weise zu gewinnen, war vorbei. Aber sie schmiebete schon längst neue Pläne. Ihr Haß unb Bernb Brussak mußten ihr helfen. ♦ Seit bem Handkuß hatten sich Achim von Malten und Marlene nicht mehr allein gesprochen. Es war fast, als gingen sie der Gelegenheit dazu aus bem Wege. Aber heute führte sie ber Zufall in ber Bibliothek zusammen. Olga las Frau von Malten vor, unb Marlene wollte sich ein Buch holen. An einem der tiefen Schränke stand Achim von Malten, und wie leichte Verlegenheit spiegelte es sich auf seinem Gesicht, als Marlene eintrat. Er machte ein paar Schritte auf sie zu, weil es aussah, als wollte sie sofort zurück. „Ich möchte Sie nicht verjagen, Fräulein Wer- ner", sagte er leise, „mich stören Sie nicht, auch habe ich schon, was ich brauche." Er hielt ihr ein Buch hin, das er bei ihrem Eintritt mechanisch aus dem Schrank genommen, vor dem er gerade gestanden. Sie langte unwillkürlich danach und schlug den Titel auf. Der lautete: Ein paar Dutzend Rezepte für Fischgerichte aus Großmutters Tagen, die eine gute Hausfrau noch heute probieren sollte." (Fortsetzung folgt.) »'CS-»«" In allen Apotheken erhältlich zum Preise von RM. 0.93 u. 1.88. I AB LETTEN 9 9 MOIBIEIL-TIRIIIEIR 6. m. b. 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Gewöhnliche Preise Vie OermümhtiW Drama in 5 Aufz. von Heinrich vLdeiit Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen) Nr. 230 Zweites Blatt Montag, 2. Moder (933 verloren. * Die Aufführung, die zum Teil schon mit neuen Kräften bestritten wurde, stand unter einem günstigen Stern. Sie war von Paul W r e d e mit Luft und Liebe einstudiert: die Regie sorgte für ein fluffiges Ensemblespiel und wußte in gerechter Verteilung und Betonung der heiteren wie der gefühlvollen Elemente der Handlung den richtigen Stil zu treffen. Besonders der Mittelakt kam sehr hübsch und stimmungsvoll zur Geltung. Die Herren B ä u l k e (Tanzregie), Löffler und Keim (Ausstattung) machten sich ebenfalls um die Inszenierung verdient. Kapellmeister Fritz C uj L hatte mit her straften und gefälligen Interpretation der melodiösen Vertonung eine besonders dankbare Aufgabe len, und woran man diese Anlagen rechtzeitig erkennen kann, so werde $s möglich, die erzieherischen und strafrechtlichen wie die rassenhygienischen Maßnahmen demenftprechend zu gestalten. Dazu ist aber eine eingehende Erforschung der Derbrecherfamilien notwendig. Das „Abonnement" und die „Deutsche Bühne" schaffen das nationale Dolkstheater. läge der Deutschen herbeiführen werde. Hindenburg trug die Verantwortung, Rennenkampf marschierte nicht, und die Schlacht von Tannenberg wurde gewonnen. War es im vergangenen Jahre politisch nicht ganz ähnlich? Brüning erwies sich der Verantwortung nicht gewachsen, den siegreichen Nationalsozialismus in einer Form, bie seiner Macht entsprach, an der Führung des Reiches zu beteiligen. Hindenburg nahm wiederum die Ber- antwortung auf sich. Die Geschichte wird ihm Recht geben, und sie hat ihm heute schon Recht gegeben. In Hindenburg und Hitler sind die beiden Pole deutschen Wesens in einer unübertrefflichen Weise vereinigt. Temperament der Jugend und Weisheit des Alters, Verkörperung des Völkischen und des staatlichen Prinzips, Süden des Reiches mit seinem künstlerisch-kulturellen Einschlag und preußischer Nordosten mit dem überperson- lichen Pflichtbegrisf und der schweigsamen Harte^ Niemals seit Bismarck und Wilhelm I. haben sich die beiden Führer des Reiches so wundervoll ergänzt wie Hindenburg und Hitler. Hindenburgs Großvater war Landmann und preußischer Offizier und wurde 96 Jahre alt. Hindenburgs Vater be- stellte seine Scholle und diente dem König von Preußen. Er starb im Alter von 94 Jahren. Wir brauchen Hindenburg nur zu sehen und die Gesundheit seiner Rasse festzustellen, und wir wissen, daß auch er noch viele Jahre zum Segen des Reiches fe-in Amt verwalten wird. Das Wachsende bedarf der schützenden Obhut seiner greisen Bedachtsamkeit. Alle Segenswunsche vereinigen sich heute aus den Vater des Vaterlandes. Am 1. Oktober hat das deutsche Volk den Tag der Ernte gefeiert. Möge es Hindenburg vergönnt fein. Gietzener Stadttheater. "August Neid starbt und Leon Jessel: „Schwarzwaldmädel" Noch bevor die Winterspielzeit im Stadttheater mit der „Hermannsschlacht" offiziell und ernsthaft eröffnet wird, gab es mit der Aufführung des .Schwarzwaldmädels", Operette in drei Akten von August N e.id Hardt und Leon Fessel, am Sonntagabend einen heiteren musikalischen Auftakt zum bevorstehenden Theaterwinter. Als eine Neuerung in dieser Spielzeit hatte man — was bei passenden Gelegenheiten wiederholt werden soll — bereits die Generalprobe am Samstagabend dem Publikum zugänglich gemacht: und es darf erwartet werden, daß mit einer fo volkstümlichen Flucht in die Öffentlichkeit der Theaterfreu- digkeit der Bevölkerung neue Anregungen gegeben werden. Das „Schwarzwaldmädel" ist eine ältere Operette, die zu den erfolgreichsten Werken ihrer Gattung gehört: ein ausgesprochenes Repertoire-Stück. Der erfte große Erfolg — nun schon vor einer stattlichen Reihe von Jahren — hat sich mit einer be- merkenswerten Gleichmäßigkeit über mancherlei Wandlungen des Aufführungsstiles und des Publikumsgeschmacks hinweg bis heute behauvtet. Das liegt in erster Linie zweifellos daran, daß diese Operette von der äußeren Form der Darbietung und Aufmachung ziemlich unabhängig ist traft ihrer glücklichen und seinerzeit schnell populär gewordenen Instrumentierung. Die Glanzstücke der Partitur von Jessel, vor allem der Rheinländer und der Walzer im Mittelakt, haben sich als regelrechte Programmsch.ager und noch immer gern gehörte Tanznummern beliebt und selbständig gemacht und bis heute nichts von ihrer zündenden Wirkung und der Musikhochschule in Mainz. Friderich wurde 1899 in Nürnberg geboren und absolvierte dort Realgymnasium und Konservatorium. Nach Unter- brechuna durch Militär- und Frontdienst absolvierte er die Akademie der Tonkunst in München, sowie die Meisterklasse für Dirigieren bei S. v. Hausegger. 1919/20 dirigierte er in Nürnberg und München Sinfoniekonzerte. Gleichzeitig studierte er sechs Semester^ an der Münchener Universität. 1921 wurde er nach erfolgreichen Gastspielen als zweiter Opernkapellmeister an das Stadttheater in Basel verpflichtet, von wo er nach vierjähriger Tätigkeit als erster Kapellmeister an die Wiener Volksoper berufen wurde. Seine weitere Laufbahn führte ihn ab 1926 in erste Stellungen nach Beuthen, nach Dortmund und an das Landestheater in Coburg. Mit Beginn dieser Spielzeit wurde Friderich an das Hessische Landestheater in Darmstadt berufen, dessen musikalische Oberleitung für Oper und Sinfoniekonzerte nunmehr in seinen Händen liegt. Ehrungen für Werner Krauß in London. Der berühmte deutsche Schauspieler Werner Krauß wurde in den letzten Tagen zum Ehrenmitglied der englischen Bühnengenossenschaft ernannt. In einem Schreiben, das die Genossenschaft aus diesem Anlaß an den Schauspieler richtete, gibt sie ihrer Bewunderung für ihn und seine Kunst Ausdruck und rückt von der am Donnerstagabend im Shastesbury-Theater gegen ihn gerichteten Kundgebung ab, über die bereits berichtet wurde. Bei seinem zweiten Auftreten wurde Werner Krauß sogleich mit langanhaltendem Beifall vom Publikum begrüßt. Zu irgendeiner Demonstration gegen ihn kam es diesmal nicht. Zusammenstoß zwischen Triebwagen und Lokomotive. Der Triebwagen ausgebrannt. — 9 Schwerverletzte. Reinheim (Odenwald), 1. Okt. (WSN.) Auf der Nebenbahnstrecke Reinheim—Reichelsheim ereignete sich heute gegen 10 Uhr ein Eisenbahnunglück. Der aus der Strecke verkehrende Triebwagen erlitt hinter Fränkisch-Crumbach einen Motordefekt und mußte halten. In Reichelsheim war inzwischen eine Lokomotive bestellt und in Fahrt gesetzt worden. Nach Beseitigung des Triebwagendefekts fetzte dieser seinen Weg fort, was dem Fahrdienstleiter nach Reichelsheim gemeldet wurde. Es war jedoch nicht mehr möglich, die Lokomotive unterwegs anzuhalten, da die einzige auf der Strecke liegende Zwifchen- ftation telephonisch nicht zu erreichen war, weil sich der Beamte dieser Station zu dieser Zeit außerhalb des Dienstraumes befand. Es kam dann zu einem Zusammenstoß zwischen dem Triebwagen und der Lokomotive. Während der Führer Des Triebwagens abspringen konnte, wurde der Lokomotivführer aus feinem Stand geschleudert und schwer verletzt. Unter den Fahrgästen, die den Zusammenstoß kommen sahen, entstand eine Panik, da nach dem Zusammenstoß der Benzintank des Triebwagens Feuer fing. Von den 25 Insassen des Triebwagens erlitten 9 Personen schwere Verletzungen und mußten in das Stadtkrankenhaus nach Darmstadt transportiert werden. Lebensgefahr besteht jedoch bei den Verletzten nicht. Der Triebwagen brannte bis auf bie R ä'd e r n i e d e r. Die Landeskriminalpolizei weilte an der Unfallftelle, die wegen des zerstörten Telephonkabels ohne Verbindung war. Marschall der Nation. *3u Hindenburgs 86. Geburtstag am 2. Oktober. Das Schicksal geht wunderbare Wege. Es ließ einen jungen Fähnrich bei Königgrätz eine Batterie des öst"rreichischen Brudervolkes erstürmen. Eme Schrapnellkugel durchschlug seinen Helm, aber ließ den Stürmenden selbst unverletzt. Welchen Verlauf wohl die Weltgeschichte genommen hätte, wenn damals in einer Zeit, die uns heute schon wie eine Sage anmutet, der Fähnrich Paul von Hindenburg den Heldentod gestorben wäre? Denn aus dem jungen Leutnant der Einigungskriege wurde 40 Jahre später der Erretter O st preußens. Aus dem Erretter Ostpreußens wurde der einzige Feldherr des Weltkrieges, dessen Antlitz sich allen Völkern der Erde eingeprägt hat und der zum Sinnbild wurde für sein Volk. Der Krieg ging verloren, aber Paul von Hindenburg führte mit unendlicher Entsagung und Ueberroinbung seines eigenen Selbst bas Felb- heer geschlossen in die Heimat zurück. Damals rettete er zum zweiten Male dasReich. Heute feiern wir in Hiübenburg b e n Marschall der Nation und den Vater des Vaterlandes, in dessen Hand ruhig und sicher die oberste Leitung der Geschicke des Reiches liegt. Denn es ist nicht so wie in westeuropäischen Staaten, wo der Präsident nur Aushängeschild ist für ben jeweils herrfchenben Parteiegoismus, sondern der Feldmarschall und Reichspräsident trägt persönlich alle Verantwortung für das deutsche Geschehen, er ist sich dieser Verantwortung vollauf bewußt, und er hat zu wiederholten Malen bewiesen, daß sein Wort noch immer den letzten Ausschlag gibt. Welch eine Spanne liegt wiederum zwischen dem Rückmarsch der Frontarmee im November 1918 und dem unter Hindenburg vollzogenen Durchbruch der nationalen Revolution im Frühjahr 19331 Hindenburg selbst ist sich in dieser ganzen Zeit immer gleich und treu geblieben. Der getreue Eckhart, der sich nach Hannover zurückgezogen hatte, sprach nur dann Worte voller Nachdruck und Gewicht, wenn es ihm notwendig erschien. Weder der Untersuchungsausschuß der Reoolutionsgrößen, in welchem marxistische Rechtsanwälte über Fragen der Kriegskunst zu urteilen sich erdreisteten, noch das Gekeife des „Vorwärts", als Hindenburg 1925 die Präsidentschaft des Reiches übernahm, reichten an feine Gestalt heran, die etwas von der Größe des Waffenmeisters Hildebrand besitzt. Auch das Verkennen feiner lauteren Absichten durch die nationale Opposition konnte den allein seinem Gewissen Verantwortlichen nicht im Tun und Lassen beirren. Hindenburg wurde Jahre hindurch nicht verstanden. Man erwartete von ihm, daß er sich Hals über Kops in politische Unternehmungen stürzen sollte, die damals noch Abenteuer waren. Wahrhafte staatsmännifche Größe aber zeigt sich erst darin, daß die entscheidende Tat im rechten Augenblick erfolgt. Gerade bie nationalsozialistische Revolution brauchte ein retarbierenbes Moment, das jenseits bes Parteienkampfes ftanb und bafür bürgte, baß die Kräfte des Kommenden in aller Ruhe reifen konnten. Die Geschichte wird Hindenburg hier ebenso gerecht werden, wie sie dem Feldherrn von Tannenberg oder dem Führer des Rückzuges von 1918 gerecht wurde. Ein gütiges Geschick hat Hindenburg mit einer unzerstörbaren Gesundheit und mit einer bewundernswerten Frische des Geistes ausgeftattet. Es ist die gesunde Rasse des altpreußischen Edelman- nes, der seit Jahrhunderten seinen Besitz vorbildlich verwaltet und im Dienst der preußischen Könige ober bes Deutschen Ritterordens die Tugenden der Herrschaft und des Dienstes erwarb. Herrschaft hat Hindenburg rücksichtslos gegen die Urteile selbst seiner Freunde geübt, wenn er von der Gewißheit und Richtigkeit einer Sachlage.und eines Befehls überzeugt war. Bei Tannenberg wollte niemand die Veranwortung dafür übernehmen, daß nicht doch die Armee Rennenkampf der deutschen Dftarmee in den Rücken marschieren und eine furchtbare Nieder- Die Probe. „Also jetzt schließen Sie Ihre Augen und berühren Sie Ihre Nasel" so sprach der Doktor zu dem Kraftwagenfahrer, der nach einem Zusammenstoß auf einer Pariser Straße ihm zur Untersuchung auf Nüchternheit eingeliefert worden war. Der Automobilist schüttelte über dieses Ansinnen verwundert den Kopf, aber er mußte gehorchen: er schloß also seine Augen und versuchte, so gut es ging, die Svitze seiner Nase zu berühren. Aber seine Bemühungen waren vergeblich: es gelang ihm nicht, den äußerste Vonrsprung seines Riechorgans in seinem Gesicht aufzufinden. Das genügte dem Arzt und er bescheinigte, baß der Mann „in betrunkenem Zustande" gewesen sei. Dagegen aber hat der Kraftwagenfahrer entrüsteten Einspruch erhoben. Er erklärt, baß seine Nerven burch ben Unfall fo erschüttert waren, baß er bie Nasenspitze nicht fin- ben konnte, baß er aber nicht einen Tropfen vorher getrunken hatte. Jnfolgebessen hat sich eine lebhafte Erörterung darüber entwickelt, ob eine solche Probe auf Betrunkenheit berechtigt und wirksam sei. Viele Sachverständige behaupten, daß das Suchen der Nasenspitze nicht dabei verwendet werden solle. öocbfdnilnodiricbtcn. Professor Gustav Pfannmüller, Dberbiblio» thekar an der Hessischen Landesbibliothek inDarm- stabt, vollendete am 1. Oktober bas 60. ß e b e n s • j a h r. Der Gelehrte ist Begründer und Herausgeber der beiden Sammelwerke „Die Klassiker der Religion" und „Die Religion der Klassiker", daneben verdankt ihm die Wissenschaft eine große Reihe wertvoller religionsgeschichtlicher Werke, wie „Jesus im Urteil der Jahrhunderte , „Die Propheten" „Die Religion Friedrich Hebbels", „Handbuch der Islam- Literatur". v „ . ...... Professor Dr. Otto Der tel von der Universität Tübingen wurde als Nachfolger von Professor Dr. H e i b e n h a i n zum o. Professor für Anato- mie in Tübingen ernannt. . _ r, Professor Dr. Traugott Konstantin Oester- reich, a. o. Professor für Philosophie an ber Um- oerfität Tübingen, ist auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem Staatsdienst entlassen worden. Es wurde auf der ganzen Linie mit Feuereifer qefpielt. Hub machte aus dem Domfapellmeifter Römer eine gemütvoll-humorige Singspielfigur und vermied, übrigens ausgezeichnet bei Stimme, dankenswerter Weife die hier besonders naheliegenden Abstecher in eine billige Sentimentalität. Für Fräulein Bel i n g war d,e gestrige Ausführung zugleich eine Abschiedsvorstellung: sie verläßt uns, um einer Filmverpflichtung nachzukom- men, in der sie ebenfalls das BärbeleJpielenr roirb Sie spielte es reizend, mit Humor und Gefühl unb tänzerisch so gelöst, daß wir uns mitbem herzlich abschiebnehmenben Publikum em balbtges Wicber- sehen in Gießen wünschen. Einstweilen Hals- unb Beinbruch beim Tonfilm! * Maria Perry hatte mit der großen Partie der Malwine eine Aufgabe gefunden, die ihren gesanglichen und darstellerischen Fähigkeiten besonders entgegenzukommen scheint. Sie traf ben Gbarafter ber koketten unb eleganten Liebhaberin recht über» ^Ästeb gier ment unb Paul Wrebe stellten sich als bie sahrenben Musikanten mit bem schwungvollen Wanberbuett sympathisch vor und boten zwei heitere, wohlabgerundete Leistungen. Hansi Stabiler unb Elisabeth Wielander führten als Hannele und Lorie, lehr niedlich anzu- eben, den Rheinländer-Reigen ber Schwarzwalb- mäbel an. ßuife Schubert-Jüngling als alte Träubel, V o l ck unb K ü h n e in ben berbkomifchen Rallen holten sich einen oerbienten Sonbererfolg. * Das Haus, leider nur schwach besetzt, zeigte sich dankbar und beifallsfreudig: es gab allerlei Wieder- Holungen und schöne Blumensträuße zum Schluß. hth. bie Saat in ihrer reichen Fülle aufgehen zu sehen, bie unter seiner Herrschaft als Marschall ber Nation burch den Führer des Boltes, den von ihm berufenen Kanzler Adolf Hitler, ausgeftreut wurde! Untersuchungen über Verbrecher-Familien. Um im Kampf gegen die Feinde der Gesellschaft die rechten Maßnahmen zu ergreifen, bedarf es einer großen Anzahl wissenschaftlicher Unterfuchun- gen an typischen Verbrecher-Familien, wie sie jetzt von der Deutschen Forschungsanstalt für Psychiatrie unternommen werben, lieber bie Grundsätze und Ziele dieser Arbeiten berichtet Dr. Friedrich Stumpfl in der bei I. F. Lehmann in München erscheinenden Zeitschrift „Volk und Raffe". Wenn man die Schicksale „krimineller" Familien genauer verfolgt, bann erkennt man, baß eine gewisse gleichförmige Anlage immer wieder in den Generationen auftaucht, die hie und da manchmal gehäuften For- men, zu Verbrechernaturen führt, aber auch bei ben scheinbar normalen und ganz unbescholtenen Angehörigen auftritt. So findet man etwa in der Familie des Schwindlers und Hochstaplers Jenner den Zug, bei anderen Menschen einen günstigen Eindruck zu erregen und damit im Zusammenhang die Neigung, über ihre Verhältnisse zu (eben. Die Familienmitglieder sind überdurchschnittlich intelligent, haben ein gutes Betragen, und es bedarf augenscheinlich nur eines Anstoßes, einer kritischen Situation, um sie vom rechten Pfade abzubringen. Bei ber Durcharbeitung aktenmäßiger Darstellungen von Berbredjerbanoen findet man viele typische Merkmale in dem Charakterwesen krimineller Familien. Nun gibt es freilich Verbrecher, die unter den denkbar günstigen Umweltverhältnissen aufwachsen, die keine kriminellen Verwandten haben, und es gibt andererseits Menschen, die in einer verbrecherischen Umgebung unter den ungünstigsten Umständen sich entwickeln und bie buch trotzdem nie zu Verbrechern werden. Man sieht also, baß Umwelt und Erziehung nicht die letzten ausschlaggebenden Faktoren sind, sondern daß es Erbanlagen gibt, die die Charakterentwicklung stärker bestimmen. Da eine große Mannigfaltigkeit von Formen des Verbrechens vorhanden ist, so müssen es auch verschiedene Erbanlagen sein, die bas Zustanbekommen bes Verbrechens bedingen. Die Erforschung ist demnach sehr schwierig. Durch die für die ganze Vererbungslehre so wichtige Zwillingsmethode hat Professor Lange den Nachweis erbracht, daß der Einfluß her Erbanlagen bei ber Verbrechens-Entstehung viel weiter reicht, als man angenommen. Er stellte fest, baß von breißig Zwillingspaaren mit je einem kriminellen Partner bei den eineiigen also erbgleichen Zwillingen immer auch der zweite Partner zum Verbrecher wurde. Wüßten wir genau, was für Erbanlagen bei den verschiedenen Arten der Verbrechen eine Rolle spie- Auch sonst ist das Merkchen mit einer recht einfallsreichen und beweglichen Musizierfreudigkeit ge- schrieben, bie sich bei jeder neuen Inszenierung wie- der ausschlaggebend zur Geltung bringt. Der dankbaren Partitur liegt ein Textbuch zugrunde, dessen anspruchslos singspielmäßige Hand- lunq gleicherweise von eine volksstückartig derben unb handfesten Situation^- und Mundartkomik unb einer gewissen Gefühlsseligkeit beherrscht wird, die ersahrungsgemäß sowohl im Kino wie aus der Bühne eines einhelligen Erfolges oeim Publikum stets gewiß ist. Kunst und Wiffenschast. „Deutsche Buhne" und deutsche Arbeiter. Wie das Vdz.-Büro meldet, hat die nationalsozialistische Besucherorganisation „Deutsche Bühne" die Stellungnahme des Führers der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, zur Gestaltung des Feierabends begrüßt, zumal Dr. Ley darin die Notwendigkeit betone, ben Arbeiter mit ben Kulturgütern bekannt zu machen. Die „Deutsche Bühne" erklärt, es sei gleichzeitig damit Sorge da- ür getragen, daß die gesamte deutsche Mrbeiter» chaft der Werbung für die Neugestaltung des beut» chen Theaters im Sinne der „Deutschen Bühne" ihr Interesse zuwendet und dem Rufe des Führers Folge leistet. Die „Deutsche Bühne" werde es ihrer- feits als ihre besondere Pflicht erachten, den deutschen Arbeiter durch Eintrittspreise, die den Zeit- Verhältnissen und der Einkommenslage angepaßt sind, immer enger an das werdende deutsche Nationaltheater zu fesseln. Neuer Staatskommissar für bas Musikprüsungswesen in Hessen. Die Hessische Staatsregierung ernannte ben musikalischen Oberleiter bes Hessischen Landestheaters, Karl Fr ib er ich, zum Prüfungskommissar als Nachfolger von. Prof. Dr. Arnolb M e n b e l s f o h n; als solcher überwacht er bie Staatsprüfungen ber Städtischen Akademie für Tonkunst in Darmstadt ren. Bei Wilhelm 1900(tiga)-Sf®. Friedberg (Liga) 0:3 (0:2) Oer Kußball des Sonntags gut der Deutsche Meister Fortuna Düsseldorf ist. das bewies er wieder mit seinem 6:0 (!)-Sieg über die gewiß nicht schlechte Alemannia Aachen. Der Hamburger SV. schickte die Lübecker Polizei mit einer 8:1-Niederlage heim. Richtlinien des Reichssporlkonnnissars über die Aufnahme -er ehemaligen Arbeitersportler. erste Tor, das von der Hmlermannschaft unter allen Umstanden hätte verhindert werden müssen. Dom Miuelanstoß ab erfolgte ein gut angelegter Angriff. den Haupt mit einem Torschuß beendete, aber der Schiedsrichter entschied auf „Abseits". Der Gastgeber war nun für die Folge im Feldspi.l etwas überlegen. Zwei hintereinander erzielte 6cf- bälle brachten jedoch nichts ein. Die HinteiKiann- schäft der Gießener hatte jetzt schwere Arbeit zu Punktekämpfe und Freudschaststresfen in deutschen Gauen. Kaum die Hälfte der 16 deutschen Fußball-Gaue konnte an diesem Wochenende ihre Meisterschafts- kämpse fortsetzen. Vielfach war wegen des Ernte- danksestes ein allgemeines oder doch wenigstens ein Verbot für Punktekämpfe erlassen worden. In den Gauen Südwest, Württemberg, Baden und Nordhessen ruhte der Spielbetrieb am Sonntag völlig, in Baden hatte man allerdings die Punktekämpfe bereits am Samstagabend ausgetragen. Im Gau M i t t e l r h e i n spielte man am Sonntagvormittag um die Punkte. Von den beiden Trierer Vereinen erlitt diesmal Eintracht eine Niederlage, sie wurde in Bonn vom Bonner FV. mit 3:0 (1:0) besiegt. Westmark Trier setzte seinen Siegeszug mit einem 3:1 über die Leinberger-Elf Kölner Ll.f.R. fort. Einen Großkampftag gab es im Gau Bayern. Leider entsprachen in den wenigsten Fällen die Zu- schaucrziffern der Bedeutung der Spiele. Das wichtigste Spiel kam in Nürnberg zwischen dem „Club" und München 60 zum Austrag. Die „Löwen" bewiesen erneut, daß sie gegenwärtig zusammen mit Schwaben Augsburg wieder die zuverlässigste Mannschaft des Gaues sind, der Club wurde einwandfrei mit 4:2 geschlagen. Der vorjährige Deutsche Meister Bayern München ist zur Zeit völlig außer Form, er wurde zuhause van der SpVg. Fürth sicher mit 3:1 besiegt und weist nun nach vier Spielen bereits fünf Derlustpunkte auf. * Bon den Punktekämpfen in den übrigen Gauen des Reiches verdienen die hohen Siege von Fortuna Düsseldorf und HSV. besondere Erwähnung Wie Deutsche Boxer in Oslo geschlagen. 9m Rahmen eines Doxkampfabends Deutschland - Norwegen gab es in Oslo vor 3000 Zuschauern Kurze Spottnotizen. Oesterreich und Ungarn trennten sich im Fußballkampf vor 60 000 Zuschauern im Wiener Praterstadion mit einem Unentschieden von 2:2. Die technisch besseren Wiener führten bet der Pause mit 2:0, dann kamen aber die mit größerem Schneid und mehr Ausdauer kämpfenden Ungarn noch zum Ausgleich. — Norwegen gab ...--------- ~ auch ein Treffen zwischen dem Krefelder Schwergewichtler Hans Schönrath und dem Norweger Otto von Dorath. Der Deutsche hielt fid) über die zehn Runden hervorragend, konnte allerdings gegen den starken Skandinavier, der schon Hein Müller k.o. geschlagen hat. n'A aufkommen und verlor nach Punkten. K. o. geschlagen mürbe der Berliner Czirson von seinem norwegischen Gegner Linz, der Barmer Fick mußte eine Punktniederlage in Kauf nehmen, wahrend Eggert- Spandau gegen Edgar Bormann über acht Runden ein Unentschieden erreichte. hängte Elfmeter ergab in der elften Minute das zweite Tor. Die von den DsBern angelegten Vorstöße waren meist zu durchsichtig ober mit zu wenig Schwung oorgetragen. Trotzdem sie bis zur Pause eiwas mehr vom Spiele hatten, konnten sie jedoch keinen Erfolg erzielen. In der zweiten Halbzeit waren kaum drei Minuten verflossen, als Lecker sich schon wieder geschla- ?,en bekennen mußte. Allerdings war dieser Erfolg ür die Nauheimer aus klarer Abseitsstellung erzielt. Auf Grund der bis dahin gezeigten Stiftungen war an ein Ausholen für die Gießener nicht mehr zu denken. Als auch noch Haupt und kurz darauf Schmidt totsichere Gelegenheiten ausließen und Nauheim sehr zahlreich verteidigte, wurden die Leistungen der DfBer immer schwächer. Die Nauheimer Stürmer dagegen waren in ihren Aktionen weit erfolgreicher und glücklicher, da sie einen Fehler der Gästeverteidigung zum vierten Tore aus- nutzen konnten. Wieder belagerten die Grünweißen den gegnerischen Strafraum. Die einzige Ausbeute waren noch vier Ecken die sie erzielten. Es zeigten sich beim VfB. die gleichen Schwächen wie im letzten Spiel gegen Wetzlar. Im Sturm fehlt jegliches Verständnis und vor allem das Selbstvertrauen. Ein einigermaßen placierter Schuß wurde während des ganzen Spielse von keinem VfB.-Stürmer abgegeben. Zwei Minuten vor Schluß des Spieles erzielte Nauheim durch seinen Halbrechten, der den von der Latte zurückspringenden Ball nur einzuschieben brauchte, sein fünftes Tor. Das Endresultat entspricht jedoch nicht dem Spielverlauf. Der Schiedsrichter hatte bei dem stets fair durchgeführten Kamps ein leichtes Amt. verrichten, um sich der Angriffe zu erwehr... einem Gedränge vor dem VfB.-Tor kam S , zu Fall, und im Liegen sprang demselben der Boll an die Hand. Der hierauf vom Schiedsrichter Der- Das Ergebnis des Spieles, das am Samstagnachmittag auf dem Sportplatz der Spielvereini- S 1900 als Freundschaftskampf ausgetragen e, bedeutet an sich keine Uederraschung. Mit einer Niederlage mußte man bei der Spielvereinigung schon rechnen, denn die Friedberger hatten in ihren letzten Spielen gutes Können bewiesen — als vorzügliche Mannschaft waren sie außerdem längst bekannt. Friedberg spielt außerdem eine Klasse höher und ist damit an sich zu einer besseren Leistung verpflichtet, als man sie von der Mannschaft einer Bezirksklasse erwartet. Entscheidend für die Beurteilung des Spieles ist es aber, daß dieser Kampf dieses Ergebnis von 0:3 für Friedbera nicht zu zeitigen brauchte, denn die Mannschaft der Spielvereinigung war gut in Form, besonders in der ersten Halbzeit, und hätte sehr wohl und zum mindesten auch zwei Tore erringen können. Die Mannschaften: Beide Mannschaften traten mit je zwei Mann Ersatz an. Bei den Friedbergern fehlte besonders Schmerle, der von den Friedbergern im Sturme sehr vermißt wurde. Bei der Spielvereinigung fehlten Bromm und Grünewald. Es standen sich folgende Mannschaften gegenüber: 1 900: Schlarb; Lippert, Zeller: Langsdorf, Heilmann, Schomber; Luft, Hainbach, Wilhelmi, Schmelz, Roth. „ VfB. Friedberg: Mellor: Keßler, Rupp: Ebner, Roskoni, Gutmann: Köppel, Seckinger, Sautier, Baumann, Diettich. Der Spielverlauf. Das Spiel begann mit einigen schönen Angriffen der Spielvereinigungsleute, die sich mit dem von den Friedbergern oorgelegten Tempo sofort vertraut machten und sich in raschem Auf und Ab eine leichte Feldüberlegenheit sicherten. So wurde manche Gelegenheit zum Torschuß in schöner flüssiger Zusammenarbeit zwischen Läuferreihe und Sturm herausgearbeitet, in dem auch die Flügel gut bedient wurden: leider aber mangelte es bes gesunden Torschusses, und so blieben die Erfolge aus. 3m- Krötzsch (Neurössen) fand ungeteilten Beifall. Bei den Leichtathleten tat sich der Berliner S t ö ck her- vor, er siegte im Speerwurf mit 67,65 Meter, stieß die Kugel 14,34 Meter und warf den Diskus 41,36 Meter weit. Wegener (Halle) bewältigte im Stabhochsprung 4,05 Meter. Stuttgarter Turnfest im Film. Der amtliche DT.-Film vorn Stuttgarter Turnfest „Treu unserem Volk", dessen Uraufführung am Dienstag, 10. Oktober, 16 Uhr im Ufa-Palast am Zoo zu Berlin vor geladenen Gästen stattfindet, zeigt in unerhört schönen, abwechslungsreichen Bildern die herrlichen Geschehnisse der letzten Juli-Woche in Stuttgart, läßt einen die weihevollen Stunden, da die Führer des Reiches Gäste der Turner waren, und da die Turner ihr Bestes gaben, noch einmal erleben. Turnvereine, die den Film bei ihren Veranstaltungen vorführen wollen, wenden sich an die G e - s ch a f t s ft e 11 e der DI, Abteilung 2, Char- (Ottenburg 9, Arys-Allee 2. Bei Bestellungen ist anzugeben: Tag der gewünschten Vorführung (oder möglichst mehrere zur Auswahl), ob Normalfilm und Tonfilm oder stummer Schmalfilm gewünscht wird, wieviel Vorführungen, genaue Versandanschrift für den Film. Deutsche Gehermeisterschast über SO Kilometer. Sieoerl (Berlin) Sieger. In Duisburg wurde am Sonntag dje Deutsche Gehermeisterschaft abgewickelt, die auch gleichzeitig als Westdeutsche Meisterschaft gewertet wurde. Insgesamt waren 67 Geher am Start. Der Titelver- leidiger H ä h n e l (Erfurt) mußte bei 15 km aufgeben. Sieger wurde der Berliner Altmeister S i e - vert (Reichsbahn TuSV.) in 4:58.40 vor Reichel (Bajuvaren, München) 5:06.33, Schnitt (SCC.) 5:08.18, Fritschen (Duisburg 1900) 5:13.18, Soges (Duisburg) 5:16.58 und K. Reichel (München) 5:17.20. Die Westdeutsche Meisterschaft fiel an Fritschen (Duisburg). Im Mannschaftswettbe- werb setzte sich gleichfalls Duisburg 1900 vor Bajuwaren München mit 18 bzw. 21 Punkten durch. nur wieder lagen die 1900er vor dem Tor der Gäste, aber entweder wurde der Ball verschossen ober ber vorzügliche Tormann ber Friebberger holte^ sich mit unbeirrbarer Sicherheit bas Leder. Auch die Gäste waren nicht müßig. In schöner Kombinationsarbeit, die man bei dieser körperlich zwar nicht sehr starken, aber technisch sehr gut durchgebildeten Mannschaft gewohnt ist, arbeiteten sich die Friedberger verschiedentlich bis zum gegnerischen Strafraum durch und wurden dabei sehr gefährlich. Trotzdem die Verteidigung sehr gute Abwehrarbeit leistete, vermochte sie doch nicht zu verhindern, daß nach einer sauber geschossenen Flanke von links der Halbrechte zum ersten Erfolg verwandelte. Die Blauweißen hatten aber weiterhin Pech: nachdem sie stets leicht überlegen spielten, schoß der Gast die Tore. Wenige Minuten nach dem ersten Erfolg fiel durch ein Mißverständnis in der Gießener Verteidigung das zweite Tor. Dabei blieb es dann trotz aller Bemühungen ber Gäste bis zur Halbzeit. Eine totsichere Chance war durch den Gießener Sturm vergeben worden. Wilhelmi, Schmelz und Roth standen völlig frei vor dem Tor, und Wilhelmi, der abgeben wollte (ohne daß es nötig gewesen wäre), überließ in schwach'm Schuß den Ball dem Tormann, während die anderen beiden Stürmer völlig unschlüssig standen. Die zweite Halbzeit sah die Gäste mehr im Vor- teil. Sie zeigten tadellose Sombinationsarbeit und wurden nun aggressiver, während die Blauweißen wesentlich von dem Angriffsgeist der ersten Halbheit verloren hatten. So wurde das Spiel mehr ober weniger von den Gästen beherrscht, unb lebiglich die Verteidigung war es, die die Hiesigen vor einer höheren Niederlage bewahrte. Der Sturm sand sich zu keiner einheitlichen Aktion mehr, und so sah man von den Blauweißen vor dem Tor des Gegners nur noch wenig Erfreuliches. Die Gäste vermochten demgegenüber durch einen entschlossenen Schuß ihres Mittelstürmers auf 3:0 zu erhöhen. Der Kampf wurde sehr fair geführt. Der Schiedsrichter Sd) n au tt) -Collar, der ein leichtes Amt hatte, war dem Spiel ein verständnisvoller Förderer. Die Pressestelle des R e i ch s s p o r t s ü h - r e r s teilt mit: Entsprechend dem Erlaß des Reichsministers des Innern vom 21. Juni 1933 (Illa 4110/17.6.) über die Auflösung marxistischer Sportorganisationen bestimme ich folgendes: Mitglieder ehemals marxistischer Vereine können ab 1. OSrober 1933 in anerkannte Sportvereine ausgenommen werden, wenn sie folgende Bedingungen erfüllen: 1. Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung, daß sie keine Beziehung mehr zu marxistischen Organi- jationen haben; 2. Beibringung eines polizeilichen Führungszeugnisses; 3. Gestellung zweier Bürgen (diese dürfen nicht aus einem marxistischen Verein stammen und müssen vor dem 1. Januar 1933 einem nationalen Verbände — als solche gelten alle Organisationen der NSDAP, und des Stahlhelms — angehört haben). Alle bisher aufgenommenen Marxisten haben obige Bedingungen nachträglich sofort zu erfüllen. Die Zahl der bisher aufgenommenen und noch auf- zunehmenden ehemaligen Marxisten darf vorerst 20 v. H. der Gesamtmitgliederzahl des Vereins nicht überschreiten. * Obige Bestimmungen haben für Jugendliche unter 16 Jahren keine Gültigkeit. Die vorschristmäßigen Vordrucke für die eidesstattliche Versicherung sind ab 1. Oktober zum Preise von 0,50 Mk. für 10 Stück (50 Stück 2,— Mk., 100 Stück 3,— Mk.) beim Arbeiter-Turn- und Sport-Verlag, Leipzig, Fichtestrabe 30 (Postscheck Leipzig 64270) unter Voreinsendung der Gebühren durch Briefmarken oder Uebcrroeifung zu beziehen. Der Führer jedes Vereins ist für die Beachtung obiger Vorschriften verantwortlich. Amtliche Prüfungen erfolgen durch meine Beauftragten. Ergeben sich aps der Aufnahme ehemaliger Marxisten irgendwelche politische Konsequenzen, so wird der Verein sofort aufgelöst. Korporative Uebernahme ehemaliger marxistischer Organisationen wird grundsätzlich abgelehnt. Ausnahmen werde ich nach genauester Prüfung durch meine Beauftragten nur in besonderen Ausnahmefällen genehmigen. Sogenannte „yleichgeschaltete" Vereine fallen unter dieselbe Bestimmung. Der Reichssportführer: gez. von Tschammer-Osten. Fußballkampf gegen polen. Der Wunsch unseres Reichssportführers von Tfchammer-Osten auf das Zustandekommen eines Fußball-Länderkampfes Deutschland — Polen ist verwirklicht worden. Die ersten Garnituren der beiden Länder werden sich Ende Oktober m Danzig gegenüberstehen. Keine Aenderung der geographischen Gaugrenzen. Der Reichssportführer gibt nachstehendes R u ndschreiben an alle Beauftragten und Verbandsführer bekannt: „Wegen der von mir angeordneten neuen Gaueinteilung sind mir aus verschiedenen Gegenden des Reiches Wünsche und Bitten zugetragen worden, die vorgesehene Grenzziehung aus irgendwelchen Gründen, sei es politischen, wirtschaftlichen oder sportlichen, zu ändern. Nach eingehender Prüfung aller an mich heran- getragenen Vorschläge und Wünsche habe ich mich nunmehr entschlossen, vorläufig die vorgesehenen Grenzen bestehen zu lassen. Letzten Endes bringt jede Gaueinteilung und Grenzziehung einzelnen Vereinen Schwierigkeiten. Auch die bisher bestehende Einteilung hat ihre Gegner gehabt. Es soll keineswegs damit gesagt sein, daß ich die von mir vorgesehene Grenzziehung als für alle Zeiten feststehend ansehe. Ich möchte sie aber zumindest für das kommende Spieljahr ausprobieren, um dann nötigenfalls auf Grund der gesammelten Erfahrungen eine zweckentsprechende Aenderung der Grenzen vorzunehmen. Ich bitte deshalb unter diesen Gesichtspunkten alle geäußerten Wünsche nunmehr beiseite zu stellen und im Rahmen der neuen Gaueinteilung mit ber Arbeit zu beginnen. Insbesondere bitte ich meine Beauftragten sowie die Führer ber Fachverbände, in biefer Richtung zu wirken unb Einfluß zu nehmen." Einzellauf Schmitz (Raunheim) vor Pfanne- becker (Offenbach 99) unb Siegel (PostSpv. Frankfurt) in Front blieb * M i t einem deutschen Sieg endete bas ungarische Saint Leger in Bubapest. Der Grabitzer Arjamann unter Jockey Grabsch gewann bas wertvolle Rennen (74 000 Pengö) überlegen vor der ungarischen und österreichischen Konkurrenz. Beim Laufen „Quer durch Heising- fors", an dem die bekanntesten finnischen Langstreckenläufer teilnahmen, siegte I s o - H o 11 o überlegen vor Sirtanen, Ekholm und Toivonen. Amtsgericht Gießen. Der in Trohe wohnhafte Reisende E. Br. blieb mehrmals unentfdjufoigt anläßlich von Pflichtfeuer, wehrübungen aus. Er erhielt deshalb einen Strafbefehl, gegen den er heute Berufung einlegte. Der Amtsanwalt beantragte nach Vernehmung von zwei Zeugen eine Geldstrafe in Höhe von 15 Mark. Das Urteil lautete unter Berücksichtigung der überaus starken Beschäftigung des Anaeklaaten auf 9 Mark @ e l b ft r a f c. Die Kosten Des Verfahrens tragt der Angeklagte. Wegen desselben Delikts hatte sich em anderer Einwohner, K. V., von Trohe zu verantworten. Der eine ©elöftrafe von 15 Mark erhielt, evtl, drei Tage Haft. Die Kosten fallen dem Angeklagten zur Last. _ m ... Ein Einwohner von Orumngen, fff- 9attc ohne Waffenschein eine Waffe im Besitz. Wegen Verstoßes gegen § 4 der VO. des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat und der ein- schlägigen VO. des Staatskommissars für das Po- lizeiwefen erhielt der Angeklagte e.ne Geldstrafe von 200 Mark. Der Amtsanwalt beantragte 1 Monat Gefängnis. ~ Die Ehefrau C V. von hier erhielt im Juli d. J. einen Strafbefehl wegen groben Unfugs, in dem ihr zur Last gelegt wurde, anläßlich des Boruberziehens eines Sturmes der SA. den'deutschen Gruß miß- acbtet au haben. Das Gericht hielt die Voraus- (esunge’n ta 360 AN ist®», für gegeben unb erkannte auf 6 Mark Gelbstrafe. Die Kosten des Verfahrens tragt bie Angeklagte. Der Lehrgang des deutschen Sports. Der Lehrgang bes beutfchen Sports, an bem sich fast alle Fachschaften mit ihren besten Nachwuchskräften unb „kommenden" Leuten beteiligen, nimmt am Montag feinen Anfang. Die Beteiligung in den einzelnen Sports — Leichtathletik, Schwimmen, Rudern, Tennis, Fußball, Handball usw. — ist außerordentlich gut. Insonderheit die Leichtathletik hat eine starte Expedition entsandt, in ber Spitze der Pirmasenser Homberg, B i e d a ch«Halle, Pflug- Berlin und L e i ch u m - Stettin. Das Sportfest des Deutschen Ostens in Breslau. Das Sportfest des Deutschen Ostens am Wochenende in Breslau nahm einen versprechenden Auftakt. Die Teilnehmer aus allen Gauen des Reiches marschierten geschlossen durch die Straßen zum Schloß, wo sie im Beisein von Oberpräsident Brückner durch Gausportführer Rennecker offiziell begrüßt wurden. Als erstes großes Ereignis wurde ber Boxkampf zwischen einer schlesischen Auswahl und einer Staffel, bie sich größtenteils aus mittelbeutschen Boxern zusammensetzte, lieber» raschenb gewannen bie Schlesier im Gesamt knapp mit 9:7 Punkten. Der Samstag war den Spielen vorbehalten. Im Handball trug der Hitler-Pokalsieger Magdeburg über eine Mannschaft des Gaues Schlesien mit 18:4 (9:1) einen ganz überlegenen Sieg davon, und bei den Frauen war die Meisterelf des SC. Charlottenburg über den DT.-Mcister NSTV. Breslau knapp aber verdient mit 4:3 (3:1) erfolgreich. Gut gefördert wurde auch das Tennisturnier. Im Hockey waren nur schlesische Vereine tätig. Nach einer Ansprache des Reichssportführers von Tschammer-Osten vor 40 000 Zuschauern wurde am Sonntag die Hauptkundgebung mit einem Aufflug von' 3000 Brieftauben eingeleitet. Das größte Interesse beanspruchte der Fußball- kampf Schlesien — Sachsen, den die letzteren mit 3:1 (2:1) für sich entschieden. Schwimmer, Leicht- athleten, Turner,- Fechter, Tennisspieler, Boxer, Schwerathleten und Hockeyspieler zeigten Wettkämpfe und Vorführungen. Der Turnfestsieger Eintracht Frankfurt schlägt Schalke 04 2:1 (0:1). Nach der katastrophalen Niederlage der Frank- furter Stadtmannschaft in Hamburg hatte man kaum mit einem Erfolg ber Eintracht bei ihrem sonntäg- lichen Freundschaftsspiel gegen Schalke 04 in Gelsenkirchen gerechnet. Die 15 000 Gelsenkirchener Zuschauer waren jedoch sehr überrascht, als sie von der Eintracht ein sehr sauberes und elanvolles Spiel vorgeführt bekamen. In der ersten Halbzeit trat dies noch nicht so hervor, zu dieser Zeit hatte Schalke mehr vom Spiel. Röthardt konnte auch in der zweiten Minute seinen Verein mit 1:0 in Führung 'bringen. Nach dem Wechsel kam Eintracht stark auf. Eine kleine Mannschaftsumstellung bewährte sich. Berger erzielte den Ausgleich und Tiefei reihte wenig später den Siegestreffer an. Das Spiel dauerte infolge der vorgeschrittenen Zeit nur zweimal 40 Minuten. Die Eintracht hatte Ersatz für Stubb, Grämlich, Möbs und Ehmer ein- gestellt. SA-Sturm 14 gegen SHSlurm 19 1:1 (1:0). Nach den schon mehrfach absolvierten Handballspielen probierten sich in Gießen erstmals zwei Stürme im Fußball. Vor einer recht ansehnlichen Zuschauermenge traten sich am Samstagnachmittag auf dem Sportplatz 1900 an ber Liebigshöhe Sturm 14 unb Sturm 19 gegenüber. Unter ber Leitung von Schiedsrichter Hohmann (1900 Gießen) entwickelte sich ein fpannenbes unb schnelles Spiel. Zwar ftanben bie Leistungen beiderseits auf keiner hohen Stufe, unermüdlich war aber ber Eifer. Beide Spielreihen fetzten sich aus Spielern Gießener und der Nachbarvereine zusammen, und da solche erstmals zu Mannschaften vereint waren, ließ naturgemäß bie Zusammenarbeit etwas zu wünschen übrig. Das Spiel war jeberzeit ausgeglichen, wie dies auch das Resuttat dokumentiert. Sturm 19 vergab die erste große Chance, als der Mittelstürmer einen vom Verteidiger unb bem herauslaufenben Tor- wart verfehlten Ball neben bas leere Tor setzte. Im flotten Gegenangriff ging Sturm 14 burch ben Halblinken in Führung. Derselbe Spieler verpaßte bann aber noch einige ganz sichere Gelegenheiten zur Verbesserung bes Standes. Beiderseits waren aber auch bie Verteidiger sehr auf ber Hut unb klärten immer wieder durch weite befreienbe Schläge. Auch nach bem Seitenwechsel blieb es zunächst so. Es würbe zu hoch gespielt unb auch schlecht Stellung gehalten. Alle Spieler brängten zu sehr nach der Mitte. Erst einen Handelfmeter verwandelte Sturm 19 zum Ausgleich. Der Torhüter erreichte zwar den schlecht placiert geschossenen Ball, dieser soll jedoch vorher bie Linie überschritten haben. Sturm 19 hatte bann noch Gelegenheit zum knappen Sieg, aber auch diese wurde in der Aufregung versiebt. Das Treffen wurde fair durchgeführt. Der Schiedsrichter leitete einwandfrei. Bad Nauheim (Liga) gegen BsB. Gießen (Liga) 5:0 (2:0) Das Spiel wurde im Rahmen der Bad-Nauhei- mer Werbewoche veranstaltet um möglichst viel Zuschauer anzuziehen. Der erwartete Erfolg blieb jedoch aus, da der Festzug nicht wie vorgesehen um 14 Uhr, sondern erst während bes Spieles sich in Bewegung befand. Die Grünweißen mußten sich eine unverdient hohe Niederlage gefallen lassen. Schon in der dritten Minute erzielte ber Halblinke für Nauheim bas Zwei interessante Leichtathletik- ßänberfämpfe gab es am Sonntag in Buba- peft und Wien. In ber ungarischen Hauptstabt siegte Schweben über Ungarn mit 76 :63 Punkten, wahrend in Wien Italien über Oesterreich mit 73 : 58 Punkten Sieger blieb. • Die näch ste Berliner Automobil- Ausstellung finbet Anfang Dezember 1934 statt. Bei der Offenbacher Hindenburg- Staffel gewann der BSC. 99 Offenbach vor TD. und DJK. Offenbach die Staffel, während im