nr. 205 Erstes Blatt 183. Jahrgang Samstag, 2. September 1933 Erschein, lügttch, autze, Sonntags und Feiertag» Beilagen; Die 3Huftnert» ©ießene» Familienblättei Heimat im Bild Die Scholl» Monats Bezugspreis. Mi, 4 Beilagen PM. 1.9b *Dl)ne Illustriert» , 1.80 Zustellgebühr .. , - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernsprechanschlüste unter Samtfielnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Sieben. postschecttonto: Krantsurt am Main 11686. Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dnid und Verlag: vrühl'sche UniversitSts-vuch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20°. mehr. Chefredakteur- Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfürdenAn- zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Nürnberg im Epiegel des Auslandes. Die Wett und wir. Die letzten Tage haben Kundgebungen des nationalsozialistischen Deutschland gebracht, die die Welt zwangen, sich erneut mit der ungeheuren politischen und seelischen Wandlung auseinanderzusetzen, die das deutsche Volk seit Beginn dieses Jahres sichtbar al'en denen, die ehrlich und unvoreingenommen sehen wollen, durch- gemacht hat. Cs ist ja nicht so, daß das Aus- ind sich mit dem zufrieden gibt, was die Träger imb Nutznießer des am 30. Januar zusammengebrochenen Systems, die aus begreiflicher Angst, zur Rechenschaft gezogen zu werden, den Staub Deutschlands von ihren Füßen schüttelten, nun jenseits der Grenzpfähle über dieses neue nationalsozialistische Deutschland an Schauermärchen ausstreuten. Der wahrheitsliebende Ausländer, der abseits von der breiten Straße einer sensationshungrigen Doulevardpresse in die Tiefe zu dringen und den Kern des Reuen in Deutschland zu erfassen sucht, spürt das Verlogene und Verzerrte in den blutrünstigen Schilderungen der Emigranten sehr wohl, aber die alte Gewöhnung, über dem Zwiespältigen im deutschen Volks- charakter, durch den selbstmörderischen Hang zu nörgelnder Kritik und Besserwisserei allzu selbstgefällig zur Schau getragen, den Willen hur Gemeinschaft zu übersehen, über der individuellen Auffassung des Einzelnen vom Staat den Blick für den Staat als Ganzes zu verlieren, diese lieb- gewordene Gewohnheit macht es heute auch dem gutwilligen Ausländer begreiflicherweise schwer, die rechte Anschauung vom Zusammenschmelzen von Volk und Staat zur deutschen Ration, kurz von der Geburtsstunde des Dritten Reiches zu erhalten und über dem gewiß nicht zu leugnenden aber grundsätzlich bedeutungslosen Mancherlei garenden und richtungsuchenden Kleinkampfs im neuen Strombett deutschen Staatslebens das politisch Wesentliche, Bleibende und Zukunftweisende ins Auge zu fassen und im Auge zu behalten. Da sind Gedenk- und Mahntage wie Tannenberg, Riederwald und Rürnberg willkommene Dlickfängcr, weithin dringende Kundmachungen des politischen Wollens einer neugewonnenen deutschen Volksgemeinschaft. Das gewaltige steinerne Ringmal, das von acht trutzigen Türmen ragend flankiert bei Tannenberg, der Stätte folgenschwerster deutscher Riederlage und leuchtendsten deutschen Sieges, über Seen und Wälder ostpreußischen Landes weit hin- ausweist gegen die polnische Grenze, ist durch die Ostlandtreucsahrt der deutschen Kraftfahrer und die imposante Huldigung für den greifen Heerführer im Kampf gegen die andringende Slawenflut erneut Symbol geworden für den Willen des deutschen Volkes, hier im Osten treue Wacht zu halten und wenn es not tut, jeden Fußbreit mühsam für deutsche Kultur eroberten deutschen Bodens bis zum letzten Blutstropfen gegen jeden Angriff beutegieriger Rachbarn zu verteidigen. Tannenberg ist Erinnerung an den Verzweiflungskampf des Deutschen Ritterordens, der nach der Riederlage von 1410 nur noch kurze Zeit dem Ansturm der Polenkönige zu widerstehen vermochte und bald ihre Oberhoheit über deutsches Land bis zu den Küsten der Ostsee anerkennen mußte. Tannenberg ist aber auch Erinnerung an den genialen Sieg Hindenburgs über die russischen Massenheere, der damit das deutsche Land westlich der Weichsel vor dem grauenvollen Schicksal bewahrte, Okkupationsgebiet der Zarenarmeen zu werden. Was das bedeutete, haben die Ostpreußen in den wenigen Wochen russischen Vordringens schaudernd erleben müssen. Aber damals wurde auch schon der Grund gelegt für das vorzeitige Ausscheiden Rußlands aus den Reihen unserer Gegner, denn von den Vernichtungsschlä- gen bei Tannenberg und an den masurischen Seen haben sich die Russen nie wieder erholt, für den Keim der bolschewistischen Zersetzung war durch die schweren Riederlagen des Zarentums auf den vstpreußischen Schlachtfeldern der Boden bereitet, ein aus der Sllufion eigener Unwiderstehlichkeit gerissenes Volk lag der Revolution offen. Es ist nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn in Ixm August» und Septembertagen 1914 dem deutschen Volk hier im Osten nicht in Hindenburg der Retter erstanden wäre. So ist Tannenberg, einst vor einem halben Jahrtausend Ursprung deutscher Not und schmerzlichen Verzichts auf deutsches Land, in unseren Tagen zu einem frischen Quell seelischer Kraft für unser ganzes Volk und eine stete Mahnung tiefster Schictsals- verbundenheit des Reiches mit dem deutschen Osten. Hier wird das Deutschtum einmal wieder, wie einst bei Tannenberg, den Beweis erbringen müssen, ob es als Volk Lebensberechtigung besitzt. Das Polentum hat seit demDiktat von Versailles, das ihm weite Gebiete alter deutscher Kultur überantwortete, dank der Schwäche des Reiches in dem vergangenen Jahrzehnt mitten im Frieden feine Stellungen weit vorschieben können. Die erhöhte Aufmerksamkeit, die das nationalsozialistische Deutschland seinen Grenzgebieten im Osten schenkt, zeigt, daß die für das deutsche Schicksal schlechthin entscheidende Aufgabe der sturmfesten Untermauerung deutscher Widerstandskraft im Osten klar erkannt und frisch angepackt wurde. Des ostpreußischen Oberpräsidenten Koch beispielgebende Erfolge im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, die Inangriffnahme großzügiger Pläne zu einer Festigung der ostdeutschen Wirtschaft durch Bauernsiedlung und Heranziehen einer bodenständigen Industrie, schließlich die Befruchtung ostdeutschen Kulturlebens durch besonderen Ausbau der Grenzhochschulen Königsberg und Breslau, das alles sind verheißungsvolle Anfänge, die, symbolisch gefaßt in der rationalen Huldigung für einen großen Sohn ostpreußischer Erde, aller Welt zeigen mögen, daß das national- Starker Eindruck in England. London, 2. Sept. (WTB. • Funkspruch.) Der Reichsparteitag in Nürnberg steht im Brennpunkt des englischen Interesses. Den Berichten der dorthin entsandten Sonderkorrespondenten sowie den redaktionellen Kommentaren ist der größte Raum in der Morgenpresse eingeräumt. Bilder des Kanzlers bei seiner Eröffnungsansprache sowie photographische Aufnahmen von Szenen in der Feststadt vermitteln der englischen Leserschaft ein anschauliches Bild von der Bedeutung der Tagung. Die Proklamation des Führers wird ausführlich miebergegeben. Offensichtlich haben die Feierlichkeiten auf die englischen Beobachter einen starken Eindruck gemacht. Ausführlich verweilen sie bei der ergreifenden Szene, wie Tausende das Dankgebet fingen und mit tiefem Schweigen die Namen derer anhören, die für die Bewegung gefallen sind. Sie beschrei- ben die blutgetränkte Flagge des Aufmarsches vor der Münchener Feldherrnhalle im Jahre 1923, die mahnend und erinnernd über der Versammlung wehte. Die Berichte heben insbesondere auch d i e Begrüßung der Vertreter des faschi- stischen Italiens hervor. Stark beachtet wird ferner der Satz aus der Rede von Heß, daß es sich nicht mit dem gesunden Menschenverstand der Nationen, die ihren Erfolg in friedlichem Fortschritt erreicht haben, vertrage, einen Krieg zu wollen. Die Proklamation Hitlers erschien erst in den späten Nachmittaasstunden in den Londoner Tageszeitungen, so daß die Presse noch keine Gelegenheit gefunden hat, Kommentare zu bringen. Die englischen Blätter stellen an den Anfang die Worte Hitlers, daß es zwar schön und nützlich wäre, die Macht in den Händen zu haben, daß es aber noch schöner und nützlicher sei, die Liebe und Zuneigung des ganzen Volkes zu besitzen. Hervorgehoben wird auch die Mitteilung, daß Deutschland um Haaresbreite einer kommunistischen Revolution entgangen sei, woran noch jo viele Menschen im Auslande nicht glauben wollten. Großes Zniereffe in Amerika. Reuhork, 1. Sept. (TU.) Die Reuyorker Presse verfolgt die Rürnberger Parteitagung mit größtem Interesse. Die „R e w y o r k Times" bringt auf ihrer Hauptseite eine eindrucksvolle Darstellung, in der besonders auf die glänzende Organisation hingewiesen wird. Die ganze Veranstaltung beleuchte in bestem Sinne das nativ- nalsozialistische Organisationstalent und die nationalsozialistische Leistungsfähigkeit. Für alles sei vorgeforgt. Der Vertreter der „Rewyork Times" ist besonders günstig beeindruckt durch die mustergültigen Vorbereitungen für die Ausländskorrespondenten. Eauerwein bewundert die nationale Disziplin. Paris, 1. Sept. (TU.) Der „Paris S o i r" hat diesmal nicht feinen Berliner Vertreter, sondern den bekannten Außenpolitiker Jules Sauerwein nach Nürnberg entsandt, um der nationalsozialistischen Parteitagung beizuwohnen. Sauerwein ist bemüht, die Vorgänge in der alten Kaiserstadt objektiv darzustellen und unter- st r e i ch t insbesondere d i e unerhörte D i s z i p l i n, die in den Reihen der nationalsozia- liftischen Gruppen herrscht. Tausende von Freiwilligen, so betont er, seien zur Verfügung der ausländischen Gäste und der Journalisten gestellt worden und ständen ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Gerade den Journalisten habe man nicht nur Karten ausgehändigt, die es ihnen er- sozialistische Deutschland im Bewußtsein seiner in neuer Einheit wiedergewonnenen Kraft niemals auf fein Recht verzichten wird, mannhaft und tapfer einzutreten für die Sicherung der deutschen Grenzen und eine Wiedergutmachung des ihm in Versailles auferlegten Unrechts. Die Welt muß ein- sehen lernen, daß die Zerreißung Obers-hlesiens, die willkürliche Grenzziehung in Posen und Westpreußen, der Weichselkorridor, die Abtrennung T^nzigs und Memels im ohnehin gefährdeten Gebiet der großen Völkernaht zwischen Mittel- und Osteuropa einen Zündstoff aufgespeichert haben, der über kurz oder lang das mühsam errichtete und ängstlich gehütete Friedensgebäude Europas in die Luft sprengen muß, wenn nicht mit aller Entschlossenheit eine vernünftige Bereinigung der blutenden Grenze im deutschen Osten in Angriff genommen wird. Vom Osten zum Westen, von Tannenberg zum Riederwalddenkmal im sonnendurchfluteten Rheingau, wo am gleichen Tage die Saarländer in die Hand des Reichskanzlers den Schwur unwandelbarer Treue zu Volk und Reich leisteten. Hier am ehernen Denkmal einer auf den französischen Schlachtfeldern wiedergcwonnenen deutschen Einheit vernahmen die Saarländer das Treugelöbnis des Kanzlers „weder kann das Reich Verzicht leisten auf euch, noch könnt ihr verzichten auf Deutschland". Und die jubelnde Zustimmung, die der Führer des neuen Deutschlands bei diesen Worten fand, hat den Ausspruch Elernen- ceaus von den 150 000 Saarfranzosen vor aller Welt am treffendsten Lügen gestraft. Die Kundgebung am Riederwalddenkmal und in lehrreicher Parallele dazu die kümmerlichen Demonstrationen kommunistischer und sozialdemokratischer Elemente haben jedem, der offenen Auges nüchtern und unvoreingenommen Die Dinge betrachtet, die letzten laubten, überall hindurchzudringen, sondern man befördere sie auch mit Autobussen von der Festhalle bis zum Luitpoldhain. Viele Beamte sprächen zu ihnen in ihrer Muttersprache, wenn sie des Deutschen nicht mächtig seien. Alle ständen unter dem Befehl eines nationalsozialistischen Führers, der bemüht sei, ihnen ihre Arbeit zu erleichtern. Die Kundgebung des Führers, die bei der Eröffnungssitzung verlesen worden sei, hätte eine Eröffnungsansprache für einen philosophischen Kursus darstellen können, wenn die unerhörte Wirklichkeit dieser Worte nicht einen greifbaren Sinn gehabt hätten. Sauerwein stellt Festabend in Nürnberg. Frohes Menschcngetriebe in allen Straßen Nürnberg, 1. Sept. (TU.) Nachdem am Freitagabend der weitaus größte Teil der Sonderzüge mit den Amtswaltern Nürnberg erreicht hat, hat das Nürnberger Straßenbild eine noch weitere Belebung erfahren, wie man sie' kaum für möglich halten möchte. In Stärke von vielleicht 2000 Mann marschierten die Träger der politischen Organisationen Schlesien mit weit über 100 blumengeschmückten NSBO.-Fahnen und in Begleitung von Bergmanns-Kapellen in vollen Uniformen von Jubel umbrandet an der dichten Menschenkette vorbei durch die Straßen der Alt- stadt in ihre riesigen Quartierhallen bei den Sie» mens-Schuckertwerken. Bei ausgezeichneter Stimmung sind auch die Danziger, die in kleineren Trupps die Stadt durchziehen und unaufhörlich ihren Kampfruf erschallen lassen: „Danzig bleibt deutsch!". Ihr glühendes Bekenntnis zum deutschen Danzig findet bei allen freudigen und begeisterten Widerhall. Wie schon am Abend vorher sind die Hotels, Cafös und Restaurants bis zum letzten Platz besetzt. Jetzt sieht man in großen Scharen auch die Angehörigen der N S. - F r a u e n s ch a f t und das frische Jungvolk des Bundes Deutscher Mädchen. Die Jugend fühlt sich so recht wohl in diesem feierlichen (Betriebe der Stadt und zeigt, so groß die Anstrengungen der Fahrt auch gewesen sein mögen, d i e größte Ausdauer bei der Erwartung der vor ihren Hotels an- und abfahrenden Führer. Mancherlei Trachten sieht man: Spreewälderinnen, Frauen aus Bückeburg, in ihrer malerischen Tracht, Mecklenburgerinnen fröhliche Hitlerjugend durchzieht singend und begeistert die Stadt und möchte lieber zu spät als zu früh draußen im Lager fein. Bis gegen Mitternacht wogt das Menschengetriebe in den Straßen, die jetzt auch leichter zu begehen sind, weil der Auto- und Fahrradverkehr bis auf ganz wenige Ausnahmen mus der Innenstadt seit Mittag f a st völlig gebannt ist. Ein leiser Regen, der zeitweise herniederrieselte, hat die fröhliche Stimmung nicht im geringsten trüben können. Oie Teilnahme am Rundfunk. Rürnberg, 1. Sept. (TU.) Die Parteileitung der nationalsozialistischen Bewegung gibt folgendes bekannt: Infolge der beschränkten räumlichen Verhältnisse in Rürnberg ist es nur einem Teil der nationalsozialistischen Parteigenossenschaft möglich, das große diesjährige Parteitreffen persönlich mitzumachen. Um hier wenigstens einen kleinen Ausgleich zu schassen, ist Vorsorge getroffen worden, daß die Hauptteile der Rürnberger Veranstaltungen durch den Rundfunk auf alle Zweifel über den Ausgang der Abstimmung über das Schicksal des Saarlandes behoben. Die Stimme des Blutes, die enge Raturverbundenheit ihres Grenzlandcs mit der Mutter Germcmia wird den deutschen Volksgenossen an der Saar trotz wirtschaftlicher Lockungen, französischer Kulturpropaganda und der neuerdings dort besonders regen Hetze marxistischer Emigranten zur rechten Stunde das rechte Wort auf die Lippen drängen: Zurück zum Reich! Nach Tannenberg und Niederwald, deutschen Erenzlandkundgebungen in Ost und West, in der alten Reichsstadt Nürnberg mitten im Frankenlande der nationalsozialistische Reichsparteitag, Siegesfeier und Zukunftsprogramm zugleich, in den gewaltigen Eindrücken der ersten Tage aber auch schon Symbol einer neuen Volksgemeinschaft, die aus der auf Ostpreußens Schlachtfeldern und am vielumstrittenen Rheinstrom geweckten Erinnerung an große Taten deutscher Vergangenheit Glaube und Kraft schöpfte für den Kampf um eine deutsche Zukunft. Auch in Nürnberg wandten sich die Blicke des Führers und feiner Kampfgenoffen rückwärts auf die langen Jahre einsamen, zähen, oft verspotteten, aber niemals aufgegebenen Ringens um die deutsche Seele, an deren Ende die Erfüllung des alten Traums vom Dritten Reich steht. Noch einmal deutet Adolf Hitlers Botschaft an den Parteikongreß den Weg des Nationalsozialismus zur Führung der Nation, um dann die weltanschaulichen Grundlagen des Regierungsprinzips im neuen nationalsozialistischen Staat zu erläutern und in die Zukunft weisend von den großen Aufgaben zu sprechen, die der Partei als der Trägerin deutschen Schicksals gestellt sind. 2lber Nürnberg greift als Erlebnis weit über die Grenzen der na- tionalsoziakiftischen Bewegung hinaus. In den von sodann fest, daß in der Eröffnungsansprache kein Wort von der Außenpolitik gesagt worden fei und daß die ganzen Gedankengänge in kurzer und prägnanter Form vorgebracht worden feien. Habicht fährt Hofer entgegen. Rürnberg, 1. Sept. (TU.) Der Landesleiter der RSDAP. in Oesterreich, Habicht, der sich zur Zeit in Rürnberg aufhält, hat, wie wir hören, die Absicht, nach Bozen zu fahren, um den aus der Haft entkommenen Gauleiter Hofer nach Rürnberg abzuholen. Die Teilnehmer am Feffzug treffen MMnberg ein Sender übertragen und damit dem ganzen deutschen Volk zugänglich gemacht werden. Es ist der Wunsch der Parteileitung, daß alle Reichs-, Landes- und Kommunalbehörden sowie auch Arbeitgeber insbesondere den Mitgliedern der nationalsozialistischen Bewegung dicMöglichkeit geben, am Samstag und Sonntag die Ueber- tragung der Rürnberger Veranstal- tung im Rundfunk mitanzuhören. Selbstverständlich muh das in Einklang gebracht werden mit wirtschaftlichen Erfordernissen und ungestörter Durchführung wichtiger Arbeiten. Sollte jedoch durch Verschiebung der Arbeitszeiten für Rationalsozialisten ihre Teilnahme an den Rürnberger Veranstaltungen wenigstens am Rundfunk möglich gemacht werden können, so wird seitens der Parteileitung ersucht, davon in weitgehendstem Maße Gebrauch zu machen. Appell der Amtswalter. Nürnberg, 2. Sept. (WTB.-Funkspruch.) Der Vormittag des vierten Tages des Reichsparteitages stand im Zeichen des Appells der Amtswalter auf der Zeppelinwiese am Dutzendteich. Schon in den frühen Morgenstunden marschierten die braunen Kolonnen, die sich gau- weise unter Vorantritt der Fahnen sammelten, in zwei großen Marschkolonnen über die Straßen des Triumphes zur Zeppelinwiese. Die Gaue traten in Zehnerreihen an und hielten eine vorbildliche Ordnung. Keiner der braunen Männer war ohne Blumenschmuck. Mit klingendem Spiel zogen die Säulen der Freiheitskämpfer durch die Straßen, von allen Seiten mit Jubel überschütt t e t. Das Aufmarschfeld, die Zeppelinwiese, war kilometerweit abgesperrt. Dem Gelände konnten sich nur die Inhaber von Karten nähern. So konnte der Aufmarsch reibungslos vonstatten gehen. Das Gelände selbst wird von der H a u p 11 r i b ü n e beherrscht, auf der in etwa 35 Meter Höhe das Hoheitsabzeichen, flankiert rechts und links von gleichhohen Fahnenmasten, aufgebaut ist. Die Haupttribüne, an die sich Stehtribünen für 60000 Menschen ringsherum anschließen, besitzt drei Emporen, auf denen ein Wald von flatternden Fahnen aufgebaut ist. Der Aufmarsch der Gaue erfolgt nach einem genau eingezeichneten Plan. Zwischen den einzelnen Säulen war ein Abschnitt für die rund 1 10 0 0 Fahnen frei- gelassen, die einmarschierten, als der Anmarsch der Amtswalter beendet war. Das riesenhafte Feld, angefüllt mit der braunen Heerschar, umrahmt von den 60 000 Menschen auf den Tribünen, umstanden im Hintergründe von hochstämmigen Kiefernwäldern und überblaut von einem wundervollen Spätsommerhimmel, bot einen herrlichen Anblick. Wenige Minuten nach zehn Uhr wird durch die Lautsprecher das Kommando gegeben: Achtung, stolzer Tradition einer ruhmreichen Geschichte erfüllten altersgrauen Mauern der selbstbewußten Reichsstadt feiert das deutsche Volk als Ganzes das Fest feiner Wiedergeburt und kündet der Welt, daß es sich zurückgefunden hat zur heroifchen Weltanschauung feiner Väter. Den Vertretern der Auslands- preffe hat der Reichspressechef der Partei dieses Erwachen der Nation eindringlich geschildert und für den aus dem Zusammenwirken von Idee und Persönlichkeit geschaffenen Wandel in der Haltung unseres Volkes um Verständnis geworben. Und der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, hat mit einer deutlichen Wendung an die Adresse des Auslandes, das diese deutsche Wandlung mit einer aus Staunen, Bewunderung und Mißtrauen seltsam gemischten Aufmerksamkeit beobachtet hat, das überragende Interesse des neuen Deutschland an der Erhaltung des Friedens als der selbstverständlichen Forderung des gesunden Menschenverstands besonders unterstrichen, eines Friedens allerdings, wie wir hinzufügen dürfen, der Ehre und Gerechtigkeit für alle Völker. Oft genug hat ja der Reichskanzler es der Welt gesagt, daß gerade der national» sozialistische Staat als Ausfluß feines völkischen Prinzips der letzte wäre, der die nationalen Interessen anderer Völker verletzen könne. Aber das Gesetz, dem er sich selbst beugt, wünscht er auch von den anderen beobachtet zu sehen. Und wie er selber das Selbstbestimmungsrecht anderer Völker achtet, hat er den Wunsch, das Ausland möge die Neuordnung im deutschen Hause mit der Unvoreingenommenheit prüfen, die allein die Brücke ju einer fruchtbaren Zusammenarbeit der Völker zu schlagen vermag. So wird Nürnberg, das dürfen wir hoffen, eine neue Bresche schlagen in die Mauer von Verständnislosigkeit und Verhetzung, die heute noch in der Welt so Manche von uns trennt. Amtswalter, st illge standen! Der Präsentiermarsch erklingt. Stürmische Heilrufe. Der Führer betritt die Festwiese und schreitet durch die Reihen der Amtswalter. Vor der Tribüne erstattet Dr. Ley Meldung von dem Aufmarsch der 160 000 Amtswalter. Dann schreitet der Führer die Reihen der Kriegsbeschädigten ab. Der Befehlshaber der Riesenkundgebung, der Danziger Propagandasenator B a tz e r , bringt ein dreifaches Hitler-Heil auf den Führer aus. Unter den Klängen des Badenweiler Marsches erfolgt der Einzug der mehr als 10000 Fahnen. Dann nimmt der Führer das Wort. Die Musik spielt das Deutschlandlied, in das eine Viertelmillion Menschen begeistert einfällt. Dann trat der Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley zum Gedenken der Toten vor das Mikrophon: „Wir gedenken der Toten unserer Bewegung. Sie starben für unsere herrliche Idee, für unseren Führer Adolf Hitler. Sie starben für Deutschland!" Die Fahnen senkten sich, die Musik spielte „Ich hott' einen Kameraden", während die Hunderttausende ergriffen die Arme zum Himmel reckten. Dr. Ley sprach dann das Gelöbnis der Amtswalter. „Die Ohren auf, laßt Freude herein über den herrlichen Sieg, Freude über das Erwachen der Deutschen. Dankbar wollen wir sein, unendlich dankbar dem Schicksal, daß wir den größten Teil aller Freiheitskämpfe für unsere unübertreffliche Nation führen durften. Vor allem aber, Schicksal, danken wir dir, daß du uns in schwerster Zeit den herrlichen Führer geschenkt hast. Laßt wehen die Fahnen und tragt die Freude hinaus in die deutschen Lande. Alles, was wir heute empfinden, wollen wir zufammenfafsen in den Ruf: Unsere herrliche Bewegung und ihr Führer Sieg- Heil!" Erneut brausten Jubelstürme über das gewaltige sonnenüberstrahlte und fahnendurchwehte Feld, wieder fliegen die Arme gen Himmel und aus tausend und abertausend Kehlen steigt der Freiheitssang des Hör st- Wessel-Liedes empor. Dann verläßt der Führer die Tribüne, auf dem ganzen Wege vom Festgelände von immer neuen Ovationen und Jubel st ürmen überfchüttet. Im Auto stehend fuhr er die Straße des Triumphes entlang, immer wieder für die Huldigungen dankend. „Graf Zeppelin" fährt nach Nürnberg. Friedrichshafen, 2. Sept. (WTB.-Funk- fpruch.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" wird heute 11.30 Uhr Uhr zu einem Fluge nach Nürnberg starten. Nach mehreren Schleifen über der Stadt des Reichsparteitages wird es die Rückfahrt antreten und zwischen 17 und 18 Uhr wieder im Heimathafen sein. Am Abend wird das Luftschiff dann zu einer neuen Südamerika-Fahrt starten. Reichskanzler Adolf Hitler übernachtet in Berneck. Bayreuth, 2. Sept. (CNB.-Funkspruch.) Der Führer ist Freitagabend nach der kulturpolitischen Tagung in den von ihm schon häufig mit einem Besuch ausgezeichneten kleinen Kurort Berneck gefahren und hat dort abseits des lebhaften Treibens des Reichsparteitages die Nacht zum Samstag verbracht. Heute morgen 9.10 Uhr ist der Kanzler in Bayreuth mit dem Flugzeug nach Nürnberg gestartet. Sjschof Dr. Christian Schreiber qestorben. Berlin, 1. Sept. (WTB.) Der Bischof von Berlin, Dr. Christian Schreiber, ist heute um 23.30 Uhr nach langem Leiden verschieden. Bischof Dr. Schreiber wurde 1872 in Somborn bei Gelnhausen als Sohn eines Schrei- ncrmeisters geboren. Nach Besuch des humanistischen Gymnasiums in Fulda studierte er Philosophie und Theologie am Priesterseminar in Fulda und sieben Jahre an der gregorianischen Universität in Rom als Alumnus des Collegium Germanicum. 1898 empfing er in Rom die Priesterweihe und kehrte ein Jahr später als Dr. der Philosophie und Theologie in seine Heimat zurück. Bereits mit 27 Jahren wurde er Professor der Philosophie in Fulda. Nach 14jährigem Wirken wurde Dr. Schreiber 1921 Bischof von Meißen. Durch päpstliche Bulle wurde Dr. Schreiber am 25. August 1930 zum Bischof des neugegründeten Bistums Berlin ernannt, das auch die Provinzen Brandenburg und Pommern umfaßt. Dr. Schreiber hat auch eine bedeutende literarische Tätigkeit entfaltet. Aus seiner Feder erschienen im „Philosophischen Jahrbuch" viele Abhandlungen und Besvrechungen. Auch apologetische und theologische Zeitschriften brachten häufig Arbeiten von ihm. Als Bischof hielt er mehrmals Vorträge an den Universitäten in Leipzig, Halle, Heidelberg und Berlin über Kant, Nietzsche, und Thomas von Aquin. In Amerika behandelte er besonders das Thema „Bolschewismus, Kommunismus, Sozialismus und die Lehre Jesu". Oruckfehlerberichtigung. In dem Bericht über das Referat des Berliner Staatskommissars Dr. Lippert über die Lage der Gemeindefinanzen muß es bei der Erörterung der Schuldenfrage richtig heißen: die Gesamtverschuldung der deutschen Gemeinden beträgt 11,3 Milliarden Mark, die einen Zinsendienst von insgesamt rund 720 Millionen Mark erfordert. Eine Herabsetzung des Zinssatzes um nur 1 o. H. würde den Gemeinden eine jährliche Ersparnis von weit über 100 Millionen Mark verschaffen. Kleine politische Nachrichten. Fürst Starhernberg ist in Rom einge- troffen und hat die Kaserne der f a s ch i st i s ck e n Miliz besucht. Er wurde mit der österreichischen und der italienischen Nationalbymne begrüßt und erhielt den Ehren-Dolch der faschistischen Miliz. Er lud bei dieser Gelegenheit italienische Avanguar- disten zu einem winterlichen Besuch in Oesterreich ein. * Die Stahlhelm-Bundesleitung hat anläßlich der Ernennung des preußischen Ministerpräsidenten Göring zum General der Infanterie ihm folgendes Glückwunschtelegramm nach Nürnberg gesandt: „Aufrichtigsten Glückwunsch zu der hohen Auszeichnung, die Ihren soldatischen Verdiensten um die nationale Revolution die gerechte Anerkennung schafft. Frontheil Hitler!" Auf die Einladung Mussolinis treten der Präsi- denk des Reichsverbandes des deutschen Handwerks, Schmidt (Wiesbaden), und der Generalsekretär des deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages, Dr. M e u s ch (Hannover) zu Beginn der kom- menden Woche eine Italien fahrt an, um die italienischen Handwerksorganisationen kennenzulernen. Die Krönung der Reise der deutschen Hand- werksführer bringt ein Empfang durch Mussolini. Aus aller Welt. Schwere Unwetter über Mttelamerika Ganz Mittelamerika wird $ur Zeit von schweren Unwettern heimgesucht, die das Zentrum offenbar im Meerbusen von Mexiko haben. Im mexikanischen Staat Vera Cruz haben heftige Wolkenbrüche schweren Schaden verursacht. Hunderte von Menschen sind obdachlos und ohne Nahrung. Am Fluß Passo bei Macho wurden Wäscherinnen und ihre Kinder, die vom Steigen des Wasserstandes überrascht wurden, von den Wellen fortgerissen. 15 Personen ertranken. Infolge des Wirbelsturmes, der über Havanna dahinbrauste, mußte in verschiedenen Stadtteilen der elektrische Strom ausgeschaltet werden. In der Stadt kam cs zu Plünderungen: Militär wurde aufgeboten, das den Befehl erhalten hat, jeden Plünderer sofort zu erschießen. Die Straßenbahn mußte den Verkehr einstellen. Auch Autobusse und Kraftwagen wurden durch den Sturm und die Regengüsse zum Anhalten gezwungen. Alle Dampfer sind im Außenhafen vor Anker gegangen. Eine Anzahl von Einwohnern wurde oerle tz t. Teilweise stehen die Häuser unter Wasser. Die Telefon- und Telegrafenverbindungen mit dem Innern des Landes find unterbrochen. Die Wirbelsturmkatastrophe hat in Santa Clara sechs Todesopfer gefordert. 16 Personen wurden verletzt. Der Schaden in der Hauptstadt ist außer- ordentlich groß. Eine der Hauptstraßen steht völlig unter Wasser. Der Dampfer „Josephine Gray" hat infolge des Sturmes bei Kuba die Schraube verloren. Das Schiff finkt und hat um Hilfe gefunkt. rvelt-Geflügelkongreß in Rom. Für den vom 6. bis 15. September in Rom stattfindenden Weltgeflügelkongreß und die damit verbundene Ausstellung lebender Tiere, an denen Deutschland maßgebend beteiligt ist, findet in diesen Tagen eine Vorschau von mehr als 2000 deutschen Zuchttieren von etwa 400 Rassen im Ausstellungspark in München statt. Der Präsident des Reichsverband^s für Geflügelwirtschaft, Vetter, Verlin, eröffnete die Münchener Ausstellung. Ihre Leitung hat Vorsitzender Bremer vom Verein für Geflügelzucht in München inne. Herr Bremer begleitet dann auch die Tiere nach Dom, unter denen besonders vier Paar weiße Römer, seltene Prachttauben, auffallen, die das Geschenk der deutschen Züchter für den italienischen Regierungschef Mussolini darstellen. Instandsetzung der Nürnberger hohenzollernburg. Der bayerische Ministerpräsident Siebert besichtigte dieser Tage gemeinsam mit Regierungspräsident Hofmann aus Ansbach die alte Nürnberger Hohenzollernburg. Ministerpräsident Siebert entschloß sich sofort, aus staatlichen Mitteln einen wesentlichen Beitrag für eine würdige Instandsetzung der alten Markgrafenburg zur Verfügung zu stellen. Einern Wunsche des Führers entsprechend wird ein Teil der Burg hünftighin als repräsentatives Obdach für hohe Gäste der Stadt Nürnberg Verwendung finden. In Zukunft werden Gäste von dem Rang des Reichsstatthalters Ritter von Epp, des Stabschefs R o e h m usw. in ihr eine würdige Unterkunft finden. Aus Der provinzialhauplstadl Jugend noch vor kurzem tollte. Nun lockt das weite Feld zu neuer Tätigkeit. Gg. Hoch droben in den Lüsten! Das war eine große Freude gewesen, als der Lehrer dieser Tage den zehnjährigen Jungen einen Drachen, einen „richtigen" Drachen mit in die Zeichenstunde brachte. Fragen brauchten überhaupt nicht gestellt zu werden. Denn vor einem Kreis solcher „Sachverständiger" muß des Lehrers Stimme schweigen. Es wurde eine sehr schöne Unterrichtsstunde. Nicht nur, daß der Drache sachgemäß untersucht und begutachtet wurde. Nein, es wurden auch Vorschläge für eine Verbesserung des Gerüstes, der Beklebung und der Anbringung des Schwanzes gemacht. Es wurde weiter erzählt, wie andere Drachen aussehen, wie sie sich in der Praxis bewährt haben usw. Hatte doch fast jeder von den fünfzig Buben einen eigenen Drachen gebastelt und auch steigen lassen. Nun verschwand das papierne Ungetüm, und die Kinder kamen zur Arbeit. Aus dem Gedächtnis sollte auf ihrem Zeichenblock ein Drachen erstehen. Form, Farbe und Bemalung standen im Ermessen der Kleinen. Mit Freude und Ausdauer wurde das Werk vollendet, handelte es sich doch um etwas, was den Buben sowieso schon ans Herz gewachsen war. Als mir mein Junge von dieser Zeichenstunde erzählte, dachte ich mit leichter Wehmut an meine ersten Versuche im Zeichnen. Da saßen wir und mußten parallele Linien, Quadrate und Rechtecke ohne jegliche Hilfmittel „malen". Eine Figur war langweiliger als die andere. Zu Hause hatten wir wohl Farbe und Pinsel, aber in der Schule regierte der Lehrplan, der die Anwendung der Farben erst im letzten Schuljahr vorschnell. So quälten wir uns durch unsere Zeichenstunden. Ich freue mich aber mit meinen Kindern, daß nun auch im Zeichenunterricht Leben und Freude eingekehrt find. Eins freilich hat sich nicht geändert, das Drachensteigen nämlich. Wir hätten vor dreißig Jahren in den Papier- und Spielwarenläden auch schon fertige Drachen kaufen können, aber keinem von uns Jungen wäre das eingefallen. Hoffentlich ist es auch heute noch fo. Denn gerade die Herstellung eines solchen luftigen Vogels macht die rechte Freude. Und wie oft mußten mir ändern und ausbeffern, bis er endlich tadellos „flog". So treibens die Jungen auch noch heute. Wenn wir hinauswandern an einem Herbstnachmittag — windstill freilich darf es nicht fein — dann sehen wir die Drachen hoch droben in den Lüften stehen. Die Buben selber erblickt man meistens zuerst nicht, aber ihr Geschrei erfüllt das ganze Feld. Irgendwo auf einem Stoppelacker oder in den Kartoffeln steht dann so ein Knirps und hält die lange Schnur krampfhaft fest. Die „Großen" schreiben unterdessen Briefe. Das sind kleine viereckige Zettel aus festem Papier. In der Mitte haben sie ein Lock. Wenn nun die Luft ordentlich weht, werden diese Briefe auf die Schnur gesteckt, und bald fliegen sie, vom Winde schnell befördert, aufwärts. Nachher, beim Bericht zu Hause, muh angegeben werden, wieviel Briefe den Drachen erreichten! Wir bleiben gern stehen, wenn wir Drachen am Himmel stehen sehen. Wir genießen das freundliche Bild, wie die bunten Papierflächen vom Winde hin und her geschaukelt werden, wie sie steigen und fallen. Und wie dann plötzlich einer — Die Buben machen erstaunte Augen! — senkrecht zur Erde saust. Ob das Gleichgewicht gestört wurde? Schon stehen die Jungen um den „Abgestürzten" und halten Rat. Der eine will etwas geändert haben, der andere wieder empfiehlt seine Herstellungsweise, aber jeder gibt, wie man zu sagen pflegt, seinen Senf dazu. In allen Formen sieht man die Papierdrachen am Himmel schweben. Einige sind genau quadratisch, wieder andere rechteckig, die meisten aber haben die bekannte längliche, aus zwei Dreiecken zusammengesetzte Form. Kommt einer vorschriftsmäßig zur Erde nieder, dann können wir die Malerarbeiten unserer Buben bewundern. Der eine hat eine Sonne ausgezeichnet, der andere ein Gesicht, wieder ein anderer Vögel und Bäume. Ganz unbematt ist keiner. Aber was ist ein Drachen ohne Schwanz? Gar viele bunte Seitenpapierblättchen mußten geschnit- ten und festgebunden werden, bis endlich der Schweif in Ordnung war. Ganz zuletzt kam dann ein Büschel dieser Streifen als Abschluß. Auch hier gilt es, genau abzuwiegen, damit der Schwanz nicht zu schwer oder zu leicht wird; denn von ihm hängt es oft ab, ob Der Drachen auch das nötige Gleichgewicht hat. — Die Drachen stehen im herbstlichen Abendrot. Schon lösen sich die ersten Blätter leise von den Bäumen. Doch weithin leuchten noch einmal alle Blumen herrlich auf, als ob sie uns zum Abschied vom Sommer recht froh grüßen wollen. Die Buben aber wissen nichts von Abschied und Weh- mut. Sie lärmen und lassen ihre Drachen steigen. Einsam und verlafsen liegen die Badeplätze, wo die Oie neue He fische Landessynode. EPH. Auf Grund des Kirckengesetzes vom 3. August d. I. hat Prälat D. Dr. Dr.D iehl zu den bereits in der Presse veröffentlichten 24 Abgeordneten zur Landessynode folgende Herren als Abgeordnete berufen: Becker, Eduard Edwin, D. Dr. Studienrat und Professor zu Darmstadt; Bergsr, Wilhelm, Dr., Pfarrer zu Darmstadt; Faber, Georg, Dr., Oberstudiendirektor zu Friedberg; Gerstenmaier, Die., Professor am Predigerseminar und Pfarrer zu Friedberg; Großmann, Paul, Schulrat zu Darmstadt; Herrmann, Fritz, D., Archivdirek- tor zu Darmstadt; Kern, Fritz, Mitglied des Reichstags, Eberstadt a. d. B.; Klein, Wilhelm, Rechtsanwalt zu Darmstadt; Knodt, Karl, Pfarrer zu Offenbach a. M.; Lenz, Otto, Pfarrer zu Gießen; Röhricht, Wilhelm, Direktore des Landesvereins für Innere Mission, Pfarrer zu Darmstadt; Wagner, Ernst, D., Pfarrer zu Bensheim a. d. B. Die Berufenen haben die Berufung angenommen. Schützt Eure Kulturgüter! werdet Vormieter des Stadttheaters Gießen! Unter dieser Ueberschrift richtet das Stadttheater Gießen heute in einem Prospekt, Der unserem Blatte für die Bezieher in Gießen beiliegt, einen dringenden Appell an Die Bürgerschaft, Der hoffentlich überall Gehör finden und den Entschluß zur Vormiete im Stadttheater herbeiführen wird. Der Prospekt gibt in drei Abschnitten Aufklärung über die Einteilung der Vormieten, die Vormiete-Bedingungen und die Spielplan-Richtlinien für 1933/34. Der Werbeaufruf sei unseren Lesern zur aufmerksamen Beachtung empfohlen. Oie Erneuerung des deutschen Theaters! Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Adolf Hitler sagt: „Natürlich muß sich auch das Theater erneuern. Ader die Erneuerung muß von innen her kommen. Und die Leute, die glauben, wenn sie jetzt überlaufen, könnten sie unter neuer Maske die alten Dinge weiter treiben, irren sich ganz gewaltig. Sie werden von Grund auf umlernen müssen. Wer nickt umlernen will, der vernichtet sich selbst, ohne daß wir einen Finger dazu zu rühren brauchen. Ich lasse mich nicht bestechen. Was ich tun kann, Mittelmäßigkeit und Verlogenheit auszurotten, das geschieht. Wer wirklich etwas kann, der braucht noch lange nicht Davor „Heil" zu rufen. Der echte Künstler, Der kommt von selbst zu uns, weil wir aufbauen. JeDe wirkliche Kunst ist aufbauenD, unD daher findet Der Künstler nur bei uns feine verlorene Kraft roieDer." Mik Diesem Bekenntnis unseres Führers ADolf Hitler beginnt Das StaDttheater seine Werbung für Die Spielzeit 1933/34. Anmeldungen für Die Vormiete unD Auskünfte täglich im Theaterbüro von 9 dis 12 und 14 bis 16.30 Uhr. Werben auch Sie in Freundes- und Bekanntenkreisen für Ihr Theater! Oer O enstbezirk des Landwirtschasts- amtes Gießen. Das neu errichtete Landwirtschastsamt Gießen. Liebigstraße 16 (Alte Klinik, 1. Stock links), wird die nachstehenden Orte als zu seinem Dienst- be irk gc hörig umfas en: Alb ach. Allcndors (Lahn), Allendor, (tiumoa), Alten-Buseck, Allertshausen, Annerod, Bellersheim. Dettenhausen, Beuern. Birklar, Burkhardsfelden, Climbach, Daubringen, Dorf-Gill, Eberstadt, Garbenteich, Gießen, Gro» Hen-Duseck, Großen-Linden, Grüningen, Hattenrod, Hausen, Heuchelheim, Holzheim, Hungen, Inheiden, Kirch-Göns, Klein-Linden, Lang-Göns. Langsdorf, Leihgestern, Lich. Lindenstruth, Lollar, Londorf, Mainzlar, Muschenheim, Ronnenrod, Rieder-Dessingen, Obbornhosen, Ober-Dessingen, Ober-Hörgern, Oppenrod, Pohl-Göns, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen, Staufenberg, Steinbach, Treis (Lumda), Trohe, Dillingen, Watzenborn - Steinberg, Wieseck und Hosaut Friedelhausen. Oie Ausstellung von Zoll« Passierscheinen. Vom OberhessischenAutomobilklub (A. v. D.) wird uns mitgeteilt'. Die Geschäftsstelle des Oberhessischen Automobilklubs. Erdkauterweg 25 (Fernruf 3052) gibt während der Geschäftsstunden werktäglich 8 bis 12.30 Uhr Zoll-Passierscheine (Triptyks, Carnets) für Kraftwagen und Krafträder (auch an Richtmitglieder) aus. Kraftfahrer seien besonders darauf hingewiesen. OasZnkrafitreien des Zugabeverbots Am 1. September ist das durch das Gesetz übe, das Zugabewesen vom 12. Mai 1933 verschärfte Zugabeverbot in Kraft getreten. Danach ist da« Gewähren von Zugaben auch dann verboten, wenn an Stelle der Zugabe ein fester, ziffernmäßig bezeichneter Geldbetrag dem Kunden auf Verlangen bar ausgezahlt wird. Durch das Gesetz vom 12. Mai 1933 ist das Zugabewesen vorläufig abschließend geregelt. Zur Vermeidung von Mißverständnissen wird darauf hingewiesen, daß auch nach der neuen gesetzlichen Regelung Reklamegegenstände von geringfügigem Wert und geringwertige Kleinigkeiten von dem Zugabeverbot nicht betroffen werden. Es ist also fernerhin zulässig, Reklamegegenstände, die mit deutlichem Ausdruck der werbenden Firma versehen sind (z^ B. Kalender. Notizbücher, Dleistifte, Duchzündyölzer, Luftbal- Smd Sie schon platzmieler im Sladtthealer Gießen? lons) oder geringwertige Kleinigkeiten (Bilder. Wappen, Flaggen oder Stickereimuster oder dergleichen) als Zugaben zu gewähren. Das Zugabeverbot bezieht sich ferner nicht aus Bar— und Mengenrabatte, diese dürfen auch weiterhin gewährt werden. Zur Beseitigung der auf diesem Gebiet vorhandenen Auswüchse wird demnächst eine gesetzliche Regelung erfolgen. Sonntagsrückfahrkarten zu besonderen Veranstaltungen. Arn Sonntag, 10. September, findet in Salzböden bei Friedelhausen ein B e r g f e st statt, zu Dem Die Reichsbahn von allen Bahnhöfen Der Strecken Wetzlar — Gießen, Wetzlar — Lollar, Gießen — Grünberg, Gießen — Lich und Lollar — Grünberg Sonntagsrückfahrkarten nach Friedelhau- fen ausgibt. Die Karten haben Die übliche Geltungs- Dauer. Zum SportfeftDesSturmbannes 11/222 in NieDer • Wö11stadt, Das am 9. und 10. September abgehalten wird, werden ebenfalls Sonntagsrückfahrkarten von allen Bahnhöfen der Strecken Frankfurt — Gießen, Friedberg — Bad Homburg, Friedberg — Hungen, Friedberg — Nidda, Friedberg — Hanau und Vilbel-Nord—Hel- Denbergen — Windecken nach Nieder-Wöllftadt aus- gegeben. Die Geltungsdauer ist wie allgemein an Sonntagen Während des 9. und des 10. September wird auf dem Feldberg bas ursprünglich für den 11. Juni vorgesehene Feldberg tu rnfe st abgehalten. Um den Turnerinnen und Turnern die Reise zu verbilligen, werden von allen Bahnhöfen im Umkreis von 150 Kilometer um Cronberg (Taunus), Bad Homburg und Königstein (Taunus) Sonntagsrückfahrkarten nach Cronberg, Bad Homburg und Königstein ausgegeben. Die Karten gelten zur Hinfahrt vom 9. September 0 Uhr bis 10. September 24 Uhr, zur Rückfahrt vom 9. September, 12 Uhr, bis 11. September, 12 Uhr. Bis zu diesem letzteren Zeitpunkt muß die Rückreise angetreten sein. Eine Mark kommt ins kosten! V. A. Wieviel Geld wird doch so unnötig ausgegeben. Hier ein bißchen, dort ein bißchen. Gar zu oft erliegen viele von uns, wenn wir etwas Neues sehen, der Versuchung, es sofort zu kaufen. So kommt eine Mark zur anderen, und im Umsehen sind drei Mark ausgegebcn, ohne daß wir so recht wissen, wofür. Beobachten wir uns selbst einmal drei Tage lang, da werden wir feststellen können, daß dem fo ist. Dann werden wir auch merken, daß wir manchmal ganz ohne Grund knauserig sind. Wer hat beispielsweise schon ein Los zur Geldlotterie für die Arbeitsbeschaffung gekauft? Manche werden sagen, bleibt uns mit den Losen weg, wir gewinnen ja doch nichts. Nun, wenn man schon Pech hat, so haben wir doch durch den Kauf des Loses bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit mitgeholfen. Wir haben dann auch einen kleinen nicht zu unterschätzenden Baustein zur Arbeitsbeschaffung beigetragen! Schwarzarbeit ein Krebsschaden des deutschen Volkes. 1. Schwarzarbeit im Sinne des Handwerks und der Industrie bedeutet die Ausführung von gewerblichen Leistungen und Lieferungen durch Personen, die ihr Gewerbe nicht ordnungsmäßig angemeldet haben. 2. Schwarzarbeit im Sinne der Sozialversicherung und der öffentlichen Fürsorge ist die Uebernahme bezahlter Arbeit bei gleichzeitiger mißbräuchlicher Inanspruchnahme öffentlicher Unterstützung. 8. Schwarzarbeit tritt sowohl allein als auch zusammen in beiden Erscheinungsformen auf; im letzteren Falle sind die damit verbundenen Schäden und Nachteile besonders groß. 4. Schwarzarbeit hat zur Folge: Gefährdung der Existenz des Handwerks und der Industrie durch völlige Verschiebung der Wettbewerbsgrundlagen, Schädigung der Sozialversicherung und der öffentlichen Fürsorge durch,Beitragsausfall und ungerechtfertigte Leistungen, Minderung des Steueraufkommens durch Steuerhinterziehung, Vergiftung der öffentlichen Moral, denn sie ist Betrug und Beihilfe zum Betrug, geboren aus schnödem Eigennutz oder Gedankenlosigkeit, verbunden mit einem falschverstandenen sozialen Mitgefühl. 5. Wer Schwarzarbeit vergibt oder ausführt, versündigt sich gegen die Allgemeinheit, denn er nimmt Menschen Verdienst und Brot, die auf ihrer Hände Arbeit unbedingt angewiesen sind. 6. Schwarzarbeit unterwühlt mit das Gefüge des Staates; ihre zielbewußte Bekämpfung ist daher eine staatspolitische Notwendigkeit. 7. Schwarzarbeit ist Sabotage am Wiederaufbauprogramm der deutschen Neichsregie- rung, denn sie bedeutet Fortbestand, nicht Bekämpfung und Beseitigung der Arbeitslosigkeit. 8. Bekämpfung der Schwarzarbeit ist Arbeitsbeschaffung, denn sie wandelt gesetzwidrige in gesetzmäßige Arbeit um. 9. Gemeinnutz geht vor Eigennutz! Nur aus dieser Grundeinstellung heraus kann und wirb MMmieter ein fpftoQnn betbofj^ M 3u9«6eV"8 «&“’ DZD- rav Sich»? lttt fSlivr- nicht a\?VU9a5e' e?“r ®n auch 2^ und «£«■«£ Sä"1*" September, finhef u. c , TÄJÄ tatöft1 !“™Äw n ^en die übliche Teliunzz. öuVabYT*1"" 65 11,222 ,u 11U Q 01, dos nm Q ■ioWen wird, werden ebenfolli ten non Qnen Bahnhöfen d!r ,7 ®'e?cn- Snebberg - $ai r9 - Hungen, Webbero - tymau und MeMvrd- chel. :aen nach Nieder-Wöllstadt aus« ngsbauer ift wie allgemein an mb des 10. September wird auf 15 ursprünglich für den 11. Juni >ergturnfest abgehalten. Um nd Turnern die Reise zu Der* n allen Bahnhöfen im Umkreis um Cranberg (launus), Bob igftein (launus) Sonnlogsrück. mberg, Bad Homburg und Kö> • Sie fiarten gelten zur hin- iber 0 Ul)r bis 10. September '/ oom 9. September, 12 Uhr, ? Ufor. Zis jiz biefem legieren tfreife angetreten fein. ommt ins tioAtx\\ elb wird doch jo unnötig xi Kitzchen, dort ein bißchen, n viele von uns, wenn wir i, der Versuchung, es sofort imt eine Mark zur anderen, sind drei Mark ausgegeben, :cd)t wißen, wofür. Beobach- t einmal drei Tage lang, da :Uen können, daß dem so i|L iir auch merken, daß wir ohne Grund knauserig find, spielsweise schon ein blotterie für die Ar- ung gekauft? Manche eibt uns mit den Losen weg, doch nichts. Nun, wenn MN o haben wir doch durch den bei der Bekämpfung der Ar- ^-Knssfn Wir haben dann zu unterschätzenden beitsbeschafsung beigetragen, beii ein Krebsschaden * fcSFiFÄ e bebcuter in pieferungen RSÄ® «»- rf'LÄ Sozial»--. UW« Z--G- SiBÄSS rndwerks und dxttbetperbs' chiebuW der^^lversich - ® » S IN--« L---:: iit«SS ftg« Beseitigung ,» Ar« , leI Ä-KL denn j^cit uln- Hur He Schwarzarbeit endgültig überwunden werben. , _ . , _ 10. Deutscher, denke daran! Set auch Du Mitstreiter in diesem Kamps! Oie Anrechnung von Steuern aus DedarfSdeckungSscheine. Zur Klärung der Frage, ob und niwicweit bei den Bedarssdeckungsschetnen an stelle der Bareinlösung Anrechnung aut lausende oder rückständige Steuerbeträge beabsichtigt ist, hatte der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag sich an das Reichsfinanzministerium gewandt und gleichzeitig seine Bedenken gegen eine solche Regelung oorgetragen. Wie das VDZ.-Büro meldet, bat der Reichsfinanzminister in seiner Antwort festgestellt, daß nach der Beitreibungs- ordnnng von 1928 das Reich gegen Geldsorde- runqcit, die es zu begleichen hat, mit fälligen Gelüansprüchen aufrechnen — die ihm auf Grund der Steuergesetze zustehen — kann. Tie Finanzämter sind jedoch angewiesen, bei der Einlöiung von Vedarfsdcckungsscheinen Härten, die sich durch die Aufrechnung des vollen Ginlöiungsbetrages ergeben können, tunlichst zu vermeiden. Daten für Sonntag, 3. September. 1658: Oliver Cromwell, englischer Staatsmann, gestorben, geboren 1599. — 1757: Karl August, Großherzog von Sachsen-Weimar geboren, gestorben 1828; — 1814: Einführung der allgemeinen Wehrpflicht; — 1871: Friede von Versailles; — 1916: Beginn der englisch-französischen Offensive nördlich der Somme; — 1917: Einnahme von Riga. (>:ebener .Woche n, r.tvrci . • Gießen, 2. Seot. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Landbutter, das Psund 1,30 Mark, Matte, das Pfund 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10 Pf., Eier (inländische), das Stück 9 bis 10 Pf, Wirsing (grün), das Pfund 10 bis 12 Pfennig, Weißkraut 8, Rotkraut 12, Gelbe Rüben 10, Rote Rüben 10, Spinat 15, Römischkohl 8, Bohnen (grün und gelb) 15 bis 20, Mischgemüse 10, Tomaten 15 bis 18, Zwiebeln 7 bis 10, Kürbis 6, Kartoffeln, das Pfund 3 Pf., der Zentner 2,30 bis 2,50 Mk., Frühäpfel, das Pfund 10 bis 25, Fall- äpfel 4, Pfirsiche 30 bis 40, Brombeeren 25, Preißel- beeren 30, Birnen 10 bis 20, Zwetschen 10 bis 12, Mirabellen 10 bis 15, Reineklauden 10 bis 12, junge Hähne 80, Suppenhühner, das Pfund 70 bis 80 Pf., Tauben, das Stück 40 bis 50 Pf., Blumenkohl 5 bis 50, Salat 5 bis 8, Salatgurken 5 bis 25, Ein- rnichgurken 1 bis 3, Endivien 7 bis 15, Ober-Kohl- rabi 5 bis 8, Lauch 5, Rettich 5 bis 15, Sellerie 5 bis 15 Pf.; Radieschen, das Bündel 10 Pfennig. ttornotr.cn. — Tageskalenderfür Samstag: Deutscher Stenographenbund, Ortsgruppe Gießen, 20.30 Uhr, „Stadt Lich", Vereinsabend. — Deutscher Tcchnikcrverband, Ortsgruppe Gießen, 20 Uhr, Gern rkschaftshaus, Mitgliedcr-Versammlung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Paprika". — Tageskalender für Sonntag: Bauer- scher Gesangverein, 16 Uhr, Karlsruhe, Familien- zusammenkunft — Heimatvereinigung Sdjiffenbcrg, 15 bis 19 Uhr Schiffenberg, Ausstellung der Auf- nahmen des Photowcttbewerbs. — 222er Gleiberg, Zusammenkunft mit den Wetzlarer Kameraden. — Gießener Wassersportoercine, 15 Uhr, Bootshaus der Gießener Rudergesellschaft 1877, Wassersport- Wrrbeoeranstaltung. — Gießener Turnerschaft, VfB..Waldsportplatz, Volksturn-Meisterschasten des Bezirkes Hessen. — Waldeslust, 14 Uhr, Hundesport- liche Veranstaltung. — Schützenhaus, 16 Uhr, Familienkonzert. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Paprika". * •• Der neue Rektor der Universität Gießen, Professor D. Bornkamm, hat gestern die Arntsgesch fle übernommen. ** Personalien. Das Personalamt gibt be» könnt: Ernannt wurden: der Privatdozent der Chirurgie, Dr. med. Hans Dieterich, zum außerplanmäßigen außerordentlichen Professor an der Landesuniversität Gießen; der Privatdozent der romanischen Philologie, Dr. Walter Gott- Jan Bart. Von Hontz Friedrich Vlunck. Ich weiß nicht recht, was bei uns Jungen stärker war: der Wunsch, Dauer zu werden, oder das Verlangen, zur See zu gehen. Ein Drittes gab es nicht, und wenn jemand etwas vom Geschäft seines Vaters murmelte oder der Pastorssohn vom Studieren sprach, galt er schon nicht mehr für voll. Aber von den beiden als ehrlich geltenden Berufen hatte die Seefahrt doch den Vorsprung, darüber war kein Zweifel, und als der erste von uns als Schiffsjunge nach draußen ging und bald drüben an der brasilischen Küste am Fieber starb, war er unser Held, weit mehr als die alten Herren vom siebziger Krieg, die bauchig vor den Schulbänken standen und uns lateinische Derben abhörten. Rein, jeder Schisser und Fahrensmann galt uns mehr als sie. lind wenn später, als wir zu wandern begannen, der Dauer uns der bessere Freund wurde — in den Jahren davor galt unsere Begeisterung den Dutt- und ©tintfängem, iöen Clbfischem, den alten 3anmaatcn, die im Drückenhaus ihren Grog tranken, und zumal Leuten, die auf großer Fahrt gewesen waren. Wie hoch stand ich im Ansehen, nur weil meinen Eltern gegenüber der alte Durmeister wohnte, der einstmals einen kleinen Schoner zwischen den Carolinen und Reu-Guinea geführt hatte. Wie wußte ich aber auch breit und immer breiter wiederzugeben, was er mir von Papuadörsem, Kämpfen und Hebcrfällen vorspann, wie unvergleichlich waren die Stunden, wenn er vom Goldsuchen hinter der Fischküste erzählte oder von den Geheimnissen des Platinriffs oben im Gebirge. Er selbst, wohlverstanden, war nur einmal den Augustafluh hinaufgefahren, um einige Erzsucher ins Innere zu bringen; vierzehn Tage lang fuhr man durch Mangrowebusch, dann kamen sieben Berge, sahen aus wie alte Sturmhauben und lagen einer nach dem andern quer vorm Fluß, der sie umströmte. Deim siebenten waren die Männer ausgestiegen. And Jonny Lührs war ihr Führer und bester Mann; er war auch Käppen Dur- meisters Freund und hatte ihm vorgeschlagen, auf Anteil mitzukommen. Aber man hatte das Schiss, man zögerte — ach, wenn man Jonny Lührs noch einmal begegnete! Einmal hatte Käppen Durmeister ihn Wohl wiedergesehen, im Dorübergehen, in Bremen! Liber bis man sich recht besonnen, war Jonny aus den Augen. Er hatte es immer eilig, da schalk, zum außerplanmäßigen außerordentlichen Professor an der Landesunioersität Gießen; der Ministerialoberrevisor Erich Böhnhardt, bei dem Hessischen Staatsministerium, Ministerial- abteilung für Pildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum, zum Rechnungsrat bei dieser Behörde mit Wirkung oom 1. September 1933 an; der Studienrat an der Viktoriaschule (Studienanstalt) in Darmstadt, Hugo Leonhardk, zum Oberstudiendirektor an der Obcrrealschule in Gießen mit Wirkung oom 16. August 1933 an; zu überplanmäßigen Studienräten: die Studienassessoren Dr. Friedrich Kredel aus Bad-Rauheim, Emil Schott aus Darmstadt, beide mit Wirkuna vom 1. August 1933 an. — In den Ruhe st and versetzt wurden auf Nachsuchen: der Lehrer an der Volksschule zu Saasen, Heinrich Krämer, unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. September 1933 an; der Restaurator beim Hessischen Landcsmusum zu Darmstadt, Otto S ch e e r er , unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten Dienste mit Wirkung vorn 16. August 1933 an. ** Sie jüngsten kommunalen Steuer- beschlösse des Stadtrats (Dergnügungs- S»uer, Filialsteuer und Warenhaussteuer) betreffen ekanntmachungen der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die besonders hinge- wiesen sei. *• DiehmSrkte in Gießen. Am kommenden Dienstag wird in Gießen Rindvieh. (Nutzvieh-) Markt abgeyalten, am Mittwoch folgt Schweinemarkt ** Die neue Ortsbausatzung über das Gebiet unterhalb vorn Kugelberg betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei im heutigen Anzeigenteil, die der Ausmerkfamkeit der Interessenten empfohlen sei. ** Die neue Feuerlöschordnung wird von der Bürgermeisterei im heutigen Anzeigenteil zur Einsichtnahme durch die Bevölkerung angekündigt. ** Aus der NSDAP, in Gießen. Auf Anordnung des Ortsgruppenleiters haben die Amtswalter und Stadswalter der Ortsgruppe Gießen- Mitte bei der Ankunft der Ortsgruppenfahne von Nürnberg am Bahnhof in Uniform am Empfang teilzunehmen. Berufstätige haben sich zu diesem Zwecke eine Stunde Urlaub zu nehmen. Für Fehlen gibt es keinerlei Entschuldigung. — In der Ortsgruppe Gießen-Süd werden für die Zelle Liebig- st r a ß c und W i l h e 1 m st r a ß e am 5. September, 20.15 Uhr, im Hörsaal des Physiologischen Instituts, Friedrichstraße, Borträge über Luftschutz beginnen. Zur Teilnahme an den Borträgen sind sämtliche Parteigenossen verpflichtet. Ferner können auch nicht der Partei angehörige Bolksgenossen in den genannten Straßen an den Borträgen teilnehmen. — Die Ortsgruppe G i e ß e n - O st hat für die kommende Woche folgende Berfammlungen vorgesehen: Donnerstag, 7. September: Zelle 5, Block 1 und 2 (Wolfftraße, Eichgärten, Karserallee 28 bis 55), bei Weder, Kaifcr- allee 52, 20.30 Uhr; Freitag, 8. September: Zelle 6, Block 1 und 2 (Roonstraße, Ludwigsplatz, Garten- straße 1 dis 21), im „Rheingold", Ludwigstraße 6. ** SterbefäUc in Gießen. In der Zeit vom 16. bis 31. August verstorben in Gießen: 16. Willi Hans Petzold, Dekorateurgehilfe, 19 Jahre alt, Walltorstraße 44; Wilhelm Germeroth, Oberverwaltungssekretär, 46 Jahre alt, Gartenstraße 13; 17. Maria Schäfer, geb. Müller, Witwe, 84 Jahre alt. In den Eichgärten 31; 21. Friedrich Müller, Eisenbahnrottenaufseher, 55 Jahre alt, Wißmarer Weg 2; 22. Marie Walter, geb. Jung, Witwe, 77 Jahre alt, Steinstraße 17; 24. Johann Heinrich Schwarz, Bahnhofswärter i. R., 84 Jahre alt, Frankfurter Straße 127; Dr. Karl Elbs, Geheimer Hofrat, Unioerfitätsprofeffor, 74 Jahre alt, Frank- furter Straße 50; Katharina Schuh, geb. Pfannkuchen, 47 Jahre alt, Wetzlarer Weg 61; Georg Schuhl, Schuhmacher, 60 Jahre alt, Döringftr. 12; 27. Rosemarie Franz, 3 Monate alt, Am Kugelberg 4; Lina Arhelger, geb. Stein, Witwe 63 Jahre alt, An der Kläranlage 96; 28. Rosette Beverstein, geb. Franck, Witwe, 74 Jahre alt, Nodheimer Straße 41; 30. Elisabeth Heil, ged. Schmall, Witwe, 65 Jahre alt, Rodheimer Straße 57. ** Kurzschrift. Man schreibt uns: Da aller Voraussicht nach die Kurzschrift in Zukunft eine Dolksschrift werden wird, wie die gewöhnliche waren viele hinter ihm her, die dies und das von ihm wissen wollten — der arme Jonny! Käppen Durmeister hatte mich gern und er hätte wohl noch sehen mögen, daß ein tüchtiger Seemann aus mir wurde. Aber et war alt und ging bald in den großen Hafen ein. Ein schöner Zug von ihm war, daß er mir aus feinem Nachlaß einen alten Südwester bestimmte; feine Tochter brachte ihn einige Tage nach dem Begräbnis, ilnb Segelmacher Jonny Lührs solle ich suchen, hatte er mir ausgetragen, der wisse, wo Platin liegt. Meine Eltern lächelten arglos über die Botschaft. Wer war Jonny Lührs, was hatte ich mit ihm vor? Ich hütete mich, ein Wort zu betraten. Aber teer weiß nicht, mit welcher Zähigkeit ein Knabe einer Ttaumreife folgen kann! Ich habe wohl ein halbes Iaht lang den Auftrag d:s armen Toten befolgt und habe erbärmlich viel Zeit darauf vergeudet, Jonny Lührs aus indig zu machen. Auf den Reedereikontoren fragte ich Knirps, aber man führte den Ramen nicht. Unter abenteuerlichem Vorwand habe ich mich, meine Mühe unter der Jacke, durch Brückenschänken geschlichen, wo einbeinige und einäugige Altmatrosen vor Anker gegangen waren, habe im „Scheben Siebe!" wie im „New Commercial house“ Freimarken gehandelt — immer die Ohren auf den Ramen Jonny gespannt. Cs gab ihrer nur allzuviele, aber kein Lührs wat dabei. Und wenn ich mir die Ohren vollstopfte von Apia und Vera Cruz, von Shanghai und Panama — in jenem jungen Platinland der Papuas, von dem ich träumte, wat keiner gewesen. Liebrigens wat an jenen Streifen nich's Außergewöhnliches. Wit Jungen trieben uns damals viel an und auf der Elbe herum; wir ruderten, segelten und badeten, wir fuhren heimkehrend an den Ewern und Fischkuttern entlang, hatten hier und dort einen Bekannten und vertäuten uns, wenn es der Mühe wert schien. Da war ein Eisgrauer, der seinen Ewer nach Holland führte und uns schon erwartete, sobald er vor Anker ging, da wat Ian Bart, der Wurf netz fischet, der so großartig „Handschoh" spielte, daß wir kaum Heimzufinden wußten. Wie oft kletterten wir an Sommetabenden bei ihm an Bord, warteten und warteten, bis er die abendliche Brotkruste und viele kleine fette Stinte heruntergewürgt batte und hofften auf „Stückjens". Das hohe Retz schwankte an der Fallstange, die Masten der benachbarten Ewer und Kutter wiegten sich leise vorm Himmel, während wir Jungens, zwischen die Bänke gekrümmt, auf den Augenblick lauer» Schrift, die jeder Deutsche kennen und können muh, so kann deren Erlernung nicht dringend genug empfohlen werden. Wer nicht als stenographischer Analphabet gelten will, gehe also beizeiten Daran, die Kurzschrift zu erlernen dzw. sich darin zu vervollkommnen. Gelegenheit dazu ist ab nächster Woche in der Pestolozzischule, Wernerwall 18, in reichlichem Maße gegeben. Die Ortsgruppe Gießen des Deutschen Stenographenbundcs die durch Zusammenschluß der bciven bisher begehenden Kurz- schriftvcrcine entstanden und dadurcy außerordent- lich leistungsfähig ist, hat einen Unterrichtsplan, der allen Anforderungen gerecht wird. In 9 verschiedenen Kursen werden durch methodisch gut geschulte Anterrichtsleiter d.e Kursusteilnehmer bis zur Höchstleistung gefördert. Räheres ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen. ** Brillantfeuerwerk a u f der Berg» schenke! Wieder einmal hatte die Bergschenke zu einem Brillantfeuerwerk eingeladen, au dem diesmal die Reichswehrkapelle unter persönlicher Leitung von Obermusikmeister Krauße konzertierte. Eine große Menschenmenge gab sich wieder ein Stelldichein am romantischen Bergwerkswald und erfreute sich an den künstlerisch hochstehenden Leistungen der beliebten Reichswehrkapelle, die reichen Beifall ernten konnte. Bielfach wurde der Wunsch nach Abonnementskonzerten der Kapelle auf der Bergschenke geäußert Kurz nach 22 Uhr begann das Prachtfeuerwerk, ausgeführt durch Oberfeuerwerker Bourgeois (Gießen). Das Gebotene übertraf alle Erwartungen, so daß der Hersteller auch diesmal reichen Beifall fand. Besonders angenehm wurde empfunden, daß die fehlende Beleuchtung des Leihgesterner Weges durch Fackelträger ersetzt wurde. In Anbetracht der ständigen Veranstaltungen auf der Bergschenke märe es zu begrüßen, wenn der Weg wenigstens eine Notbeleuchtung erhalten würde. ** 8. Baugeldzuteilung der Deffent» lidjen Bausparkasse. Die achte Baugeldzuteilung der Oesfentlichen Bausparkasse (Abteilung der Landeskommunalbank-Girozentrale für Hessen) in Darmstadt findet am Dienstag, 3. Oktober, um 10 Uhr in Darmstadt, im Sitzungssaal der Can» deskommunalbank-Girozentrale, Peter - Gemeinder- Straße 14, statt. Zuteilungsberechtigt sind sämtliche Bausparer, deren Vertrag spätestens am 1. Juli 1933 (für Tarif 18 spätestens am 1. Juni 1933) begonnen hat, und die mit Einzahlungen nicht im Rückstand sind Jeder Bausparer, der sich als solcher ausweist, kann der Zuteilungshandlung beiwohnen. Alle Oesfentlichen Bausparkassen in Deutschland haben bis Ende April 1933 insgesamt 52 500 Bausparverträge über zusammen 267 Millionen Mark abgeschlossen. Bisher wurden an 8600 Bausparer 53 Millionen Mark zugeteilt, ein ansehnlicher Betrag, den die Oefsentlichen Bausparkassen in dieser kapitalarmen Zeit dem Bau- und Hypothekenmarkt zugeführt haben. Ausdehnung des »Tages des Pferdes" auf 2 Tage. Ehrenpreis des Herrn Reichskanzlers. D a r m st a d t, 29. August. Der „Tag des Pferdes", der eigentlich nur für Sonntag, den 10. September d.J. allein vorgesehen war, hat ein derartig umfangreiches Programm, daß bereits am Samstag die Ereignisse ihren Anfang nehmen müssen, insbesondere die Vorprüfungen für die Eignungsprüfung für Reitpferde und für die Dressurprüfung. Am Samstagvormittag beginnen bereits die Zuglei- stungsprüfungcn am amerikanischen Krastmeß-- wagen auf dem Pferdemarktplatz in Darmstadt, Holzhofallec. Anschließend wird eine große Prämiierung von hessischen Zuchtpferden auf dem Pferdemarktplatz zur Abhaltung gebracht. Ter neue Geschäftsführer des Reichs- vcrbandes für Zucht und Prüfung deutschen Warmbluts, Berlin, Herr Kapitänleutnant a. D. Wolf und sein Adjutant, Herr Dr. Volkmann, Berlin, haben ihr Erscheinen bereits sicher in Aussicht gestellt. Die Vorprüfungen zum Turnier beginnen bereits um 14.30 Uhr auf dem Turnierplatz hinter den Kasernen in der Holzhofallee. Tie großartigen Schaunummern, die gelegentlich des Reit- und Fahrturniers am len. wo der Fischer eine Harmonika auskramen und unsere und seine Leiblieder beginnen würde. Er war in beidem Meister, im „Mundschoh" und „Handschoh". In einem versagte Ian Bart allerdings: Er war kein Mann der großen Fahrt. Wenn wir einmal auszuhorchen suchten, was er an Abenteuern bestanden hatte und wie es ihm früher ergangen war, sprach er nur von seinem Wurfnetz, und wo und wann große Schiffe ihn beinahe überrannt hätten. „Bist denn nie weiter als bis Brunsbüttel gekommen. Ian Bart?", höhnten wird. Er konnte solche Frage nicht vertragen. „Was wollt ihr da draußen, man wird nicht glücklicher." Solche Antworten zerstörten viel vom heldenhaften Schein um den großen graustoppeligen Kopf Ian Darts; aber warum mit ihm streiten, wo wir es besser wußten? „Ich will alle fünf Erdteile sehen", mahnte ich noch einmal. „Ist hier viel schöner." „Ich kenne einen, der hat Platin gefunden", log ich, nur um ihn zu reizen. „So, so! Klebt viel Dlut dran, Junge, du weißt nichts davon." Feiger Kerl, dachten wir, sahen unS an und widersprachen doch nicht, weil wir auf den Hand- sHoh warteten. Aber Jan Bart hatte einen besinnlichen Tag. „Was gibt's wohl besser als etwas Musik und Fischen", mahnte er, „und ein gutes Doot und ein paar Groschen in der Tasche. ü?aß dir nichts einreden, Junge; am Glück klebt Blut, kommt jeder mal drauf, es zu begreifen.“ Ich machte eine höfliche Bewegung, als nickte ich und blickte verlangend nach der Harmonika. „Klebt Blut dran", seufzte Ian Bart noch einmal. — An jenem Tag jagte er uns von Bord und spielte nicht. Ein guter alter Bär, nein, ein unheimlicher Schweiger war er, auf den man hören möchte, wäre nicht alles so traurig und verzagt, was er zu sagen hatte. Im nächsten Sommer fehlte 3an Darts Doot. Wir vermißten ihn nicht arg; die Zeit wechselte unsere Pläne zielten jetzt auf Wanderung durch Deutschland, das wir, weil wir in der Schule zu viel Propheten und römische Könige lernten, auf eigene Faust zu entdecken begannen. Unb die Zeit ging und es kam alles anders. Man wurde nicht Dauer noch Schiffer, begann vielmehr die Welt zu erneuern und träumte von einem jungen Deutschland. Man machte trotzdem Examen, war Referendar beim Amtsgericht, bei der Staatsanwaltschaft. Sonntag zur Abhaltung gelangen«, sind Bereite in Vorbereitung, besonders die Schul- yuadrille, welche in historischen Uniformen vorgeritten wird, bedarf ein ungeheures Maß an Arbeit, sowohl für die Reiter als auch für das Pserdematerial. Tiefer Schaunummer wird man mit besonderem Interesse entgegen* sehen. Der Herr Reichskanzler Adolf Hitler hat für den Tag des Pferdes einen besonders wertvollen Ehrenpreis zur Versügung gestellt. Ter Ehrenpreis des Herrn Reichskanzlers wird bereits in der nächsten Woche ausgestellt werden und ist bestimmt für den siegenden Reiter im schweren Jagdspringen. Ter Vorverkauf zu verbilligten Eintrittspreisen wird bereits in der kommenden Woche ab Dienstag seinen Anfang nehmen. Rircbtirbe Jlacbricbten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 3. September. 12. Sonntag nach Trinitatis. Stadtkirche. 8 Uhr: Pfr. Becker; zugleich Christenlehre für die Reukonfirmierten der Markusgcmcinde; 9.30: Pfarrafsistent Dörfam; Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde; Pfarraffiftent Dörfam. — Iahanneslirche. 8: Pfr. Ausfcld; zugleich Christenlehre für die Neutonfirmierten der Johannes- gemeinde; 9.30: Pfr. Bechtolsheimer ; Feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts der Lukas- gcmeinde; 11: Kinderkirche für die Lukasgemcinde; Pfr. Bechtolsheimer; 20: Missionsstunde im Johan- nessaal; Pfr. Groh. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfr. Ausfeld. — Petruskapelle. Von 8.15 Ka- tcchismuslehre für die Neukonfirmierten aus der Petrusgemeinde; Pfarraffiftent Sucker; 9.45: Pfarr- affiftent Sucker. — Saal der Krippe. 11: Kinderkirche für die Iohannesgcmeinde und Luthergemeinde; Pfr. Ausfeld. — Wiefeck. 9.30: Hauptgottesdienft; Kollekte; 10.45: Kinderkirche. — Alken-Lufeck. 10: Gottesdienst. — Grohen-Vufeck. 10.30: Gottesdienst (Kirchenchor, Kollekte); 11.30: Christenlehre. — Oppenrod. 8.30: Gottesdienst; Kollekte; 9.30: Christenlehre. — Albach. 8.30: Predigt; Gottesdienst. — Steinbach. 10: Predigt; Gottesdienst. — silein-Linden. 9: Festgottes- dienst zum Landesjugendsonntag für die gesamte ton. firmierte evangelische Jugend; Christenlehre für die weibliche Jugend; 10.15: Äindergottesdienst; 14: Marsch zur Jugendkundgebung an der Kirche; anschließend Jugendfreude am Allendörfer Wäldchen.— Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; 11.15: Die Ka- techismuslehre findet nicht heute, sondern am 10. September statt; 11.15: Eröffnung der Konfirmanden- stunde. — Kirchberg. 11: Christenlehre für die konfirmierte männliche Jugend. — Lollar. 13.30. — Garbenteich. 10; anschließend Christenlehre. — Hausen. 13. — Watzenborn-Steinberg. 10.15: Hauptgottesdienst; 11.15: Kinderkirche; 14.15: Festgottcsdienst der Frauenoereine; Pfr. Weisel, Heuchelheim; Kollekte; Kirchenchor. — (Brüningen. 9: Hauptgottesdienst. katholische Gemeinden. Samstag, den 2. September. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 3. September. 13. Sonntag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Männer; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14: Andacht. — Grünberg. 9.45: Messe mit Predigt. — Hungen. 17.30: Vortrag und Andacht. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Christenlehre und Andacht. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und Andacht. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. veffentlicher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringenden Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244'45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 7 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Aerzte: Frau Dr. Marx, Dr. Neumann-Spengel. Zahnarzt: Dr. med. dent. Gonter. Apotheke: Engelapotheke. Damals begegnete mir ein Name wieder, den ich fast vergessen hatte. Eine blutrote Mappe lag eines morgens auf dem Amlsüsch, der Vorgesetzte wartete schon ungeduldig. Ein alter Seern arm war auf dem Weg von einer Schänke zur andern dicht vorm Morgengrauen unter rätselhaften Umftän- den umgekommen — vermutlich erwürgt und ins Wasser geworfen worden. Ich schlug den Hefldeckel auf und las den Ramen. Jonny Lührs, Segelmacher — Fahrten in der Südsee — was stand da noch? Ich war einen Augenblick lang in einem Sommer der Jugend, und sah mit dem alten Käppen Durmeister zwischen den Blumen seines Fensters. Von Jonny Lührs erzählte er, wenn er den noch einmal träfe, — der wußte Schätze, der wußte vom Platinriff! Also hatte jener Jonny Lührs doch gelebt, fast war er mir zur Sage geworden. Hatte in der gleichen Stadt wie ich leiblich gelebt? Ich zögerte, ob ich dem Staatsanwalt berichten sollte, was ich wußte, erzählte es dann und versuchte mein Wissen ins rechte Licht zu stellen. Der alte Herr nickte, erfreut, daß der Referendar Orts- und Personalkenntnis besah, wie er es forderte. Er schlug vor, gleich eine Orts- besichtigung vorzunehmen. Cs war nicht einmal weit. — Ich versuchte, während er eilige Unter- schriften erledigte, rasch noch einige Stichworte zu lesen. „Besonders verdächtig war, dah in der gleichen Rächt der Koffer des Toten erbrochen war, — Rame ergab sich aus dem Meldeschein... Lührs hatte mitunter Freunde von draußen empfangen. Am Hafen kannten ihn wenige, er war auch nur unter Spitznamen bekannt." älnd bann lagen zwei Bilder des Toten bei der Akte, Bilder, die eine sorgliche Polizei gleich aufgestöbert hatte, älnd ich starrte sie an, kannte ich das Gesicht doch! „Jonny Lührs?", entfuhr es mir, „aber das ist ja der Wurffischer Ian Bart!" Der Staatsanwalt sah von seinem Schreibtisch auf; er war wirklich höchlich erstaunt über mein Wissen: „Sie fernten ihn — das ist ja ein sonderbarer Zufall." »Also Jonny Lührs war Jan Bart — Ian Dart mit der Harmonika?", fragte ich blöde. Der Gedanke schlug mich, dah ich einen körperlichen Schmerz empfand. „Aber erzählen Sie doch, Sie scheinen mehr zu wissen als die Polizei", sagte mein Vorgesetzter erstaunt. Der Referendar lieh verzagt den Kopf sinken. „Jonny Lührs", sagte er leise, „wie lange hab' ich ihn gesucht?" Klein-Linden, den 1. September 1933. 5463 D [05133 mieten. 5431C den statt: Dienstag, den 5. September 1933, Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt. Auftriebszeit von bVi bis VA Uhr vormittags. Mittwoch, 6. September 1933, Schweinemarkt. Auftriebszeit von 8 bis 9 Uhr vormittags. Auf dem Rindviehmarkt wird sämtliches Vieh gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. Gießen, den 2. September 1933. Bürgermeisterei Gießen. I. V-: Dr. Seid. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Marie Glaum, geb. Feisel, und Angehörige Kdl. Ehepaar sucht 2-Zimraer-Wohnung bei Vorauszahlung. Miete bis 40.<0)5149 Schließfach 13. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem unersetzlichen Verluste sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. 5-Zimmer-Wohn. zum 1. 10. zu ver- Bekanntmachung. Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 29. August 1933 eine Steuerordnung über die Erhebung einer Vergnügungssteuer ab 1. Juli 1933 in der Stadt Gießen beschlossen. Die Steuerordnung liegt vom 2. September 1933 ab während einer Woche im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer Nr. 17, offen. Während der Offenlegungsfrist können Einwendungen gegen die Steuerordnung bei der Bürgermeisterei schriftlich oder zu Protokoll vorgebracht werden. Gießen, den 31. August 1933. (5455C Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. Seid. Bekanntmachung. Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 29. August 1933 je eine Ortssatzung über die Erhebung einer Jilialfteuer und einer Darcnhaussteuer für das Rechnungsjahr 1933 in der Stadt Gießen beschlossen. Die beiden Ortssatzungen liegen im Entwurf vom 2. September 1933 ab während einer Woche im Stadthaus, Bergstraße, Zimmer Nr. 17, offen. Während der Offenlegungsfrist können Einwendungen gegen die Orts- fatzungen bei der Bürgermeisterei schriftlich oder zu Protokoll oorgebracht werden. Gießen, den 31. August 1933. (5454C Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. Seid. Bekanntmachung. Die nächsten Viehmärkte in Gießen fin- Geräum. 4-Zimm.- Wohn., m. Bade;., Zentrumslage,yün- stigeFriebensrniete, ver 1. 10. zu oerm. Schrift!. Ang. unt. 05148 a. d. Gß. Az. Bekanntmachung. Die im Rechnungsjahr 1933 zur Ausführung vorgesehenen Asphalt-Ausbesserungsarbeiten sollen öffentlich vergeben werden. Die Unterlagen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf vorgeschriebenem Formular sind bis zum Eröffnungs- termin am 5456D Samstag, dem 9. September 1933 vormittags 10 Uhr bei uns abzugeben. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 2. September 1933. Städtisches Hoch- und Tiefbauamt. G r a o e r t Bekanntmachung. Der Schdtrat hat in seiner Sitzung vom 29. August 1933 dem Entwurf einer Orts- baujatjung über das Gebiet zwischen Licher Straße, Landes-Heil- und Pflegeanstalt, Allem Steinbacher Weg und Eisenbahnlinie Gießen—Fulda zugestimmt. Die Ortsbausatzung liegt in der Zeit vom 2. bis 9. September 1933 einschließlich auf der Bürgermeisterei Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer 28, während der Dienststunden zur Einsicht offen. Während der Offenlegungszeit können Einwendungen gegen die Ortsbausatzung schriftlich oder zu Protokoll oorgebracht werden. 5445C Gießen, den 31. August 1933. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. Hamm. Amtsderkimdigungen aus den oberhessischen Kreisen. Kreis (Sietzen. Das Grundbuch für die von der An- lenung ausgeschlossenen Grundstücke Flur I Nr. 855, Flur II Nr. 470, Flur IV Nr. 518 und Flur VII Nr. 161 der Gemarkung har- bad) ist mit dem 30. September 1933 als angelegt anzusehen. Betr.: Schafräude in Bollnbach und Saasen. Nachdem die Desinfektion ordnungsmäßig erfolgt ist, werden die mit Verfügung vom 4. April 1933 (AVBl. Nr. 14 vom 7. 4.1933) angeordneten Sperrmaß- nahmen wieder aufgehoben. An die Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises. Für den Geschäftsbereich der Ministe- rialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum ist angeordnet worden, daß über die Erteilung der Genehmigung zur Vernehmung eines Beamten als Zeugen und die Erklärung zur Vernehmung eines Beamten als Sachverständigen allein die Ministerialabteilung für Bildungswesen, Kultus, Kunst und Volkstum zu befinden hat. 5466C 3-31M.-ÜW. f. 2 Pers. m. Bub. ver 1.10. ges. Sehr. Ang. m. Mietang. u. 05163 a. d. G.A. Junges Ehepaar sucht sofort 2-3-Z.-W0hnüDÖ mögl. m. Bad, Kli- nikSnähe bevorzugt. Schriftl. Ang. unt. 05126 a. d. Gß. Az. Maria Koch, Stadttheater, sucht zum 15. September 2-od.3-ZiM.-Wii. ob. 2 nebeneinandl. leere Zimmer mit Kochgelegenh. Bad erwünscht. Schriftl. Ang. mit Preisang. u. 05129 a. b. G. A. Schöne äü-Molm. ver sofort ob. später zu vermieten. 05120 Asterweg 47 p Bekanntmachung. Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 29. August 1933 dem Entwurf einer Feuerlöschordnung für die Stadt Gießen zugestimmt. Diese Feuerlöschordnung liegt in der Zeit vom 2. bis 9. September 1933 einschließlich in dem Stadthaus, Bergstraße Nr. 20, Zimmer 28, während der Dienst- stunden zu jedermanns Einsicht offen. Während der Ossenlegungszeit können Einwendungen gegen die Feuerlöschordnung schriftlich ober zu Protokoll oorgebracht werden. 5444C Gießen, den 31. August 1933. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. Hamm. Herrschaftliche 2-3imm.-lDolin. i. Neub., Posener Str. ('Nähe Licher Str.),sof.vreisw.z. oenrt. Schr. Ang. u. 05125 a. b. Gß. Az. Zfdiöne leere inem- anoetgel). Zimmer mit sev. Eing., an einz. Herrn 0. Dame ob. auch als Büro z. verm. Schr. Ang. u. 5428Pa. b.Gß.Az. Die bisher v. Herrn Dr. Storck innege- babt. Praxisräume, 2 Wtze WM Iinii WWW, sind ab 1. lO.anber- weitigzuoerm.53riu Anfragen erbet, an Möser, Seltersw. 38. N.Univ.f.Dauerm. gmöll. Selm mit u. ohne Bervfl. in Villa mit Park. Schriftl. Ang. unt. 4965D a. b. G. A. 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Diese spontane Zustimmung ehrt die studentische Äugend, zeigt sie doch, dah sie nicht nur den starken Elan des Kämpfers sondern auch die Tiefe und Selbstkritik besitzt, die sie zu einer neuen Führergenerativn fähig machen wird. Wir bringen einen Auszug aus dieser Rede, die aus Heister Anteilnahme und positivem Willen zur Mitarbeit geboren wurde. Die Dichter sind die Brüder der Äugend. Die erinnern euch an die Zeiten, in denen ihr wart wie sie. Vielleicht seid ihr klüger geworden als sie und spart schon mit dem Oel eurer Lampe. Sie aber haben sich verschwendet und verbrannt, weil sie nicht sich leuchten wollten, sondern allen denen, die im Dunkeln sind. Sie haben getan, was ihr alle tun wollt ober tun solltet. Sie sind die Bewahrer des Unvergänglichen und die stillen Mahner in einer lauten P>elt. Än allem Wandel der Zeiten und Meinungen ruht in ihrer Hand das Unwandelbare. In allem Verwirrten und Angstvollen der Welt lösen und binden sie die Fäden der grosten Ordnung, machen das Trübe klar, das Verwirrte einfach, das Schmerzliche heilig. Unter ihren Händen hört der Mensch auf, ein Spielball dunkler Gewalten zu sein. Das Unrecht der Erde wird vergänglich, der Tod verliert seinen Stachel, das Schicksal nimmt uns ruhig bei der Hand. Schön ist es, Schlachten zu gewinnen und Reiche zu gründen, aber nicht leichter wird vor dem letzten Urteil der gewogen werden, dessen Hand die Verse geschrieben hat: „5>er Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar .. Meine lieben Zuhörer. Sie werden sagen: »Alles dieses war einmal." Und in den Zeiten des Friedens dürfe es so sein, daß die Dichter an den großen Strömen sitzen und die Dinge der Ewigkeit zwischen ihren formenden Händen bewegen. Aber in den Zeiten des Kampfes sei niemandem ein Platz an den stillen Ufern vergönnt, und die Äugend, die das S eine Verfälschung der Ratur. Mit der Drille fängt's an, es ist der erste Hauch der Erwachsenheit, Fortsetzung folgt: die ersten langen Hosen, das erste kleine Mädchen, nun ist kein Halten mehr. Rur eine Brille, und mir ist wie Abschied vom Gesicht meines Kindes. Habt ihr schon einmal beobachtet, wie ein Kind seine Drille aus dem Futteral holt, den vergoldeten "Bügel über die Ohren schlägt, die sich leicht krümmen, und sich über sein Buch beugt? Es ist die getragene Handlung eines Erwachsenen: sie hat etwas Altbärtiges, der Kontrast von Kindlichem und Unkinblichem etwas Rührendes. Gleich wird er, denkt man, den Leitartikel lesen. Mich schmerzt diese Drille, die er selbst gar nicht mehr spürt. Das ist die Anpassung an das Geben und die Umformung durch das Geben; und es ist ein Glück, daß die meisten Menschen diesen Prozeß gar nicht wahrnehmen. »Mit b.tDzffn tem Auge" sagen die Erwachsenen. Siehst du, Äunge, nun hast du ein »bewaffnetes Auge". Gucke scharf. Es muh doch etwas mehr gewesen fein als ein kleiner Schreck und ein nasser Umfall, als die vierjährige Älse, von einer kräftigen Welle um- gelegt.» unter den Meeresspiegel geriet und ziemlich verstört aus dem Wasser geholt wurde. Sie allem diesem ist für mein Gefühl etwas viel da, mein Gefühl war immer dafür, die großen und schweren Dinge schweigend zu tun. Auch der Krieg ist schweigend geschlagen worden, und Aufrufe und Reden waren eine Sache der höheren Stäbe. Der Soldat schwieg, und es war ihm nötig und gut, zu schweigen. Äch weiß, meine Freunde, dah kein Dichter in die Unsterblichkeit seines Volkes eingehen wird, dessen Stimme nicht von der Äugend gehört wird und dessen Flamme nicht in den Herzen der Äugend brennt Äch weiß, daß die Besten unter Ähnen nicht geworden wären, was sie sind, wenn die Flamme Hölderlins und Rietzsches und Stefan Georges in ihnen erstorben wäre. Aber alle diese, meine Freunde, so sehr sie brannten in der Rot ihrer Zeit, erhoben ihre Stimme aus der Ferne. Keiner von ihnen stand auf den Märkten der Zeit, sondern sie standen in der Einsamkeit der Wissenden und Z>er Seher, in einer solchen Einsamkeit. daß zwei von ihnen daran zerbrachen. Und wenn ich auch weiß, dah ich nur wert bin, demütig vor ihrer Schwelle zu stehen, so darf ich, da Sie mich gerufen haben und da ich mich nicht vor den Menschen fürchte, nicht nur als em Glückwünschender zu Ähnen sprechen, sondern muß als ein Mahnender vor Sie treten, als ein Mensch, in dem die Welt sich anders spiegelt. Es ist kein Mangel an denen, die sich Dichter dieser Zeit nennen, die die Welle emporhebt und die von der Höhe dieser Welle zu Ähnen sprechen, laut und viel, bevor die Welle sie wieder begräbt Aber es ist Mangel an denen, die tapfer genug sind, von der Sorge zu sprechen, die sie erfüllt Meine Freunde, es wird viel gejubelt in unsrer Zeit, und es ist nichts gegen den Äubel zu sagen, denn er ist das Gieb des Sieges. Aber, vergessen Sie nicht, es wirb auch viel gelitten in einer Zeit, in ber bie Äugenb auf den Stuhl des Richters gefetzt wirb unb ben Stab zu brechen hat über Geben unb Werk. Meine Freunbe, es wirb an allen Orten ein Hymnus auf bie Äugenb gesungen. Das ist gut so, benn es ist ein Zeichen, daß ein Volk nicht vor der Zeit alt und bitter geworden ist. Aber es will mir scheinen — verzeiht daß ich es so sage —, als sei ber Einsatz zum Beginn bieser Hymnen etwas zu früh gegeben worden. Es tut den Fünfzigjährigen nicht immer gut, gefeiert zu werden, und sollten die Zwanzigjährigen weiser sein als bie Fünfzigjährigen? Meine Freunbe, es kommt für jeben Menschen einmal bie Zeit, ba es für ihn Abschieb nehmen heißt von bem Stürmenben unb herrlich Beglänzten der Äugendzeit. Rur die Toren beider Geschlechter wollen jünger sein, als sie sind. Vielleicht ist es die ernsteste Stunde im Geben des Einzelnen, weil sie viel Erkenntnis verlangt, viel Verzicht und sehr viel Güte. Es kommt in Wahrheit nicht mehr wieder, was man einstmals besah, und das Altenteil des Gebens hat seine Bitterkeiten, wie das Altenreil des Bauern sie hat. Än solch einer Stunde des Gebens, wo der Dogen sich senkt, wo das Schwert abgegeben wird an junge Hände, sieht man mit klaren, ja vielleicht mit prophetischen Augen auf den Weg des jungen Geschlechtes, wie er sich auf hebt von unserer vereinsamenden Schwelle und hinausführt in ein Gand der neuen Morgenröte, das auch uns verheißen war, aber das wir nicht mehr betreten werden. Unb wäh- renb sie fortstürmt, ohne sich umzublicken, bie Äugenb aller Zeiten, auf biefen Weg, ben zu finben alle Zeiten sich leidenschaftlich gemüht haben, blicken wir ihr nach von der Schwelle unseres Hauses, ben erhobenen Stirnen, wie auch wir sie einst trugen, ben bekränzten "Dassen, wie auch wir sie einst hoben, ben wehenden Fahnen, wie auch uns sie einst überwehten. Unb wir suchen nach einem Segen, den wir ihnen mitgeben könnten, ber bie Summe unsres eigenen Gebens enthielte, ber vielleicht verworfen würde, weil sie keines Segens zu bedürfen glauben, aber ber doch gesprochen werben muß, bamit unsre Augen ohne Angst an dem Staube hängen können, ber nun war sehr blaß unb konnte nicht reben; unb alles, was sie von sich gab, war salziges Deewasser. »Was hast bu bamals empfunden, wie war es denn", fragte man sie später, „als bu so balagst unb das Wasser über bich hinwegging?" „Es war ganz bunkel", erzählte Älse, „wie unter der Steppdecke, wenn man sich versteckt, und die Welle sagte: Trink mich, trink mich, damit du sterbst." Sterbst. Was ist Sterben für eine Vierjährige? Die Dunkelheit, die Welle, keine Gust, bie Angst. Es war eine Trübung, ein Hauch über einem Spiegel. Es war bie Sekunde einer Erkenntnis. Es ging vorüber; zum erstenmal ging ber Tob vorüber Ganz kleine Geschichten ... ... von berühmten Leuten und gewöhnlichen Sterblichen. Der Held. Im Jahre 1849 mar’s, im Kriege gegen Dänemark. Der „alte Wrangel" — „Papa Wränge l“, wie er allgemein vom Heere genannt wurde —, hatte den Oberbefehl über die preußischen Truppen. Eines Tages leitete er, mit feiner Suite auf einer Anhohe haltend, das Gefecht. Da fiel ihm ein blutjunger Leutnant durch feine außerordentliche Bravour auf. Er bewahrte im stärksten Kugelregen Umsicht und Kaltblütigkeit und wußte seinen Zug meisterhaft zu führen. Nach beendigtem Kampfe ließ ihn Wrangel zu sich rufen und redete ihn mit folgenden Worten an: „Du hast dir heute recht brav gehalten, mein Sohn. Das freut mir. Wie heißt denn du eijentlich?" „Zu dienen, Exzellenz", war die Antwort, „mein Name ist Hase!" „Was?" rief erstaunt der alte Eisenfresser, „o o ch noch Haase? Na, denn freut's mir um so mehr, mein Sohn!" Erstaunliches Erlebnis. Im k. k. Hofoperntheater in Wien tagte einst eine große Konferenz von Lehrern, bie aus dem ganzen Reich zusammengekommen waren und abends geschlossen die Hofoper besuchten. Im Zwischenakt war der Kapellmeister Richter auf der Bühne und musterte die Zuschauer durch das Loch im Vorhang. Darauf meinte er zu den nebenstehenden Sängern: „Ich habe das Opernhaus schon voller gesehen; ich habe es auch schon leerer gesehen; aber so voller Lehrer habe ich es noch nie gesehen!" Eine Tasse Bohnenkaffee. Ein berühmter Schriftsteller verbrachte einst seine Ferien auf dem Lande. Eines Tages trat er in eine Dorfschenke, setzte sich und fragte die Wirtin: „Haben Sie Zichorie?" Eifrig bejahte die dicke Madame. „Wieviel?" schon lange aufgeftanben ist hinter ihrem Weg: „Was geliebt werben kann am Menschen", also sprach Zarathustra, „bas ist, bah er ein Liebergang unb ein Untergang ist. Äch liebe bie, welche nicht zu leben wissen, es sei benn als Unter» gehende. Äch liebe bie großen Derachtenben, weil sie bie großen Verehrenben finb unb Pfeile ber Sehnsucht nach bem andern Ufer. Äch liebe ben, besten Seele sich verschwenbet. Äch liebe ben, welcher sich schämt, wenn ber Würfel zu seinem Glück fällt. Äch liebe ben, welcher seinen Gott züchtigt, weil er seinen Gott liebt. Äch liebe alle Die, welche wie schwere Tropfen finb, einzeln falienb aus ber dunklen Wolke, bie über ben Menschen hängt. Sie verkünbigen, bah ber Blitz kommt unb gehen als Verkündiger zu Grunde." Also sprach Zarathustra. Seid demütig, meine Freunde, nicht vor den Menschen, aber vor Gott, benn wem bie Macht verliehen wirb, hat nicht nur zu beugen, fonbem auch aufzurichten, was gebeugt würbe, unb Dankbarkeit gehört zu ben Dingen, bie keinem Wandel der Zeiten unterworfen sein dürfen. Und seid nicht nur demütig, sondern kehrt auch ein wenig zurück aus dem Lärm der Welt in die stillen „Dreißig Pakete!" „Schon. Bringen Sie die dreißig Pakete her!" Keuchend brachte die Wirtin dreißig Pakete Zichorie und legte sie auf den Tisch des Gastes. „So", bemerkte der Schriftsteller trocken, „jetzt können Sie mir eine Tasse Bohnenkaffee kochen!" Im dunkel st en Afrika. Sebastian Schulze reift durch Afrika. Unter dem dem tut er es nicht. Mit zwölf schwarzen Trägern und einer halb- ledergebundenen Landesbeschreibung von Doktor H. F. Bummfiddle aus dem Jahre 1903 bringt er bis dorthin vor, wo Afrika am dunkelsten ist. Und so kam es, wie es kommen mußte. In der achten Woche seiner Wanderung wurde er von den schwarzen Kriegern des Häuptlings Kari- Kiri ergriffen und zur Audienz geschleppt. Doch nicht umsonst hatte Sebastian Schulze seinen H. F. Bummfiddle gelesen. Er wußte um die Gier der Reger nach den unbekannten Erzeugnissen der europäischen Industrie. Ergo ergriff Herr Schulze tief in seinen Rucksack und überreichte dem Häuptling eine alte, verbeulte Weckeruhr. Darauf trat er bescheiden zehn Schritte zurück, um ihm den nötigen Platz für einen längeren Freudentanz zu schaffen. Aber nichts dergleichen geschah. Kari-Kiri besah sich die Uhr von allen Seiten — drehte hier ein bißchen, drehte dort ein bißchen. Schließlich nickte er freundlich unb sagte: „Ra, schon, Mister, weil Sie es sind! Für zwei Mark fufszig werde ich Ihnen das Ding wieder in Ordnung bringen. (Lust. Bl.) Der Zauberer. Wenn der Vater mit dem Sohne eine Reise reift, wird der Mann oft zum Kind. Das macht die Reiseluft. So war es auch bei Münnelmann, der mit seinem sechsjährigen Jungen im Abteil saß, ihm plötzlich die Mütze vom Kopf riß und sie schnell versteckte. „Wo ist meine Mütze, Vater?" „Zum Fenster habe ich sie hinausgeworfen." „Meine gute, neue Mütze?" Der Vater lächelte lieb: „Keine Sorge! Ich bin ein großer Zauberer. Wenn ich nur pfeife, kommt die Mütze von selber zurückgeflogen." Der Junge riß die Augen auf. Der Vater pfiff. Und richtig, schon hielt Vater Münnelmann die Mütze in der Hand. „Fein, Vater!" Des Jungen Augen strahlten. Mit einem Schwung warf er die Mütze wieder aus dem Fenster und rief: „Pfeif nochmal, Vater!" Kleiner Unterschied Caruso fuhr seinerzeit von Capri nach Köln. Unterwegs stieg einer ein. Stellte sich vor: Sam$tag,2.Septcmbcr 1955 ™ . ■■ - _ 1_____! Wälber, die aller Äugenb zugehören. Es ist wohl nötig, daß gejätet unb verbrannt werbe, nachdem bas Unkraut geblüht hat für lange Zeit, aoer es ist auch nötig, baß gepflügt und gesät werbe, unb immer war bas Schweigen ber Erde um diese heiligen Dinge. „Gebt denen, bie hungern", sagt eines Dichters Wort, „von eurem Reis. Gebt benen, bie leiben, von eurem Herzen!" Äch habe einmal in einem "Brief an einen jungen Menschen von ber Berufung des Dichters gesprochen unb von ihm gesagt, daß ihm gebühre, still im Ganbe zu wohnen, wie der Knecht in seiner Kammer wohnt, und indes im Haus des Herrn bie Gichter glänzen, wacht er über bem Schlaf ber Tiere unb ber Felder, unb alles, was ihm beschert werden kann, ist, bah am Morgen seine Seele vom Tau ber Gnabe bebedt ist, gleich bem Vliese Gibeons, bas bieser an bie Tür seines Zeltes schlug. Es ist basselbe. was ich Ähnen, nun ich am Ende bin, zu sagen habe, weil beide zu dem Gleichen berufen finb, ber Dichter wie bie Äugenb: das Stille zu bewahren, bas Mübe zu erneuern, bas Große zu verehren, bas Gcibenbe zu lieben. „Max Meier mein werter Name." „Caruso", erwiderte der große Sänger. Max Meier staunte Bauklötzer. „Der berühmte Mann?" vergewisserte er sich. „Ich glaube." Caruso lächelte geschmeichelt. Max Meier atmete Ehrfurcht und sagte: ,^ch habe schon viel von Ihnen gelesen — von Robinson Caruso — welche Ehre, einen so berühmten Weltumsegler kennenzulernen — und wie geyt es Ihrem Freunde Freitag?" (Luft. Bl.) Wüsten-Aufschnitt. „Also, ich hatte ein Repetiergewehr in der Hand und einen tüchtigen Rucksack auf dem Buckel, und die Sache ging famos. Zuerst kam mir ein kleiner Pavian in die Quere, den schoß ich und steckte ihn in den Rucksack. Dann sprang mir eine Gazelle übern Weg; geschossen, und in den Rucksack spediert. Bald darauf seh' ich auf hundert Meter eine Pantherkatze, — Schuß — Rucksack ..." „ ... und wenn Sie jetzt noch einen Elefanten treffen, hau' ich Ihnen ein paar hinter die Löffel!!" (Lust. Bl.) Mahnung. Max Reger, der berühmte Komponist, wurde von einer Familie zur Kindtaufe geladen. Der Künstler aß beträchtliche Portionen, besonders von dem Kaviar. Die junge Frau freute sich über den Appetit ihres Gastes und versprach ihm, daß er beim nächsten Kind ein ganzes Fäßchen Kaviar erhalten solle. Nach ungefähr zwei Jahren erinnerte sich Reger wieder des großzügigen Versprechens. Mitten in der Nacht wurde das Ehepaar durch ein Telegramm geweckt: „Faule Bande, wobleibtmeinKaoia r?" Zeitschriften. — Das Tier im modernen Lichtbild zeigen Abbildungen der neuesten Leipziger „I llu- st r i r t e n Zeitung" lVerlag I. I. Weber). Neben den vom modernen Kameramann künstlerisch erfaßten Bildern aus dem Tierleben verdeutlichen gut gelungene Zeichnungen von Kinderhand, daß sich auch unsere Kleinen gerne mit dem Tier beschäftigen und ihr Wesenhaftes erkennen. — Ein weiterer Beitrag behandelt unter der Ueberschrift „Deutsche Volkstumspflege", die Wiedererweckung einer alten Sitte in Dithmarschen. — Tem Dichter Christoph Martin Wieland ist aus Anlaß feines 200.Geburtstages eine Würdigung von Erhard Bruder gewidmet. — Erinnerungs-Beiträge befaßen sich des weiteren mit den 4G0 Jahre bestehenden hessischen Heilanstalten Merzhausen und Haina. Gedenkblatt an die Schlacht von Sedan (2.Septemberl87ü) Der französische General Reil le überbringt König Wilhelm I. die Kapitulation Kaiser Napoleons III. Hinter dem König Kronprinz Friedrich Wilhelm, Moltke und Bismarck. (Nach dem Gemälde von Steffeck.) 1 I Oer Tag von Sedan. Don Gurt Hohel. Die Generation, die bei Ausbruch des Weltkrieges von den Schulen strömte oder gerade dienstpflichtig war, hat noch die festliche Stimmung in sich ausgenommen, die den Tag von Sedan für das Vorkriegsdeutschland erfüllte. Es war der Tag der Nationalfeier im eigentlichsten Sinne. Es war der Tag des größten militärischen Sieges der geeinten Deutschen. Nicht der Tag der Kaiserkrönung, der 18. Januar, wurde der Nationalfeiertag, sondern der Siegestag des Heeres. Das Bismarck-Deutschland empfand durchaus soldatisch, es sah in den Waffen das Schicksal. Und selbst als die Kriegergeneration von 1870/71 schon zum großen Teil dahingegangen war, blieb es bei dieser Feier. Sie trug durchaus nicht den Charakter einer haßerfüllten Kriegserinnerung, sie trug überhaupt keinen aktuell politischen Zug — sie war das Fe st der Nation schlechthin. Daß die rednerischen Kundgebungen von der jüngsten Generation — der, die nachher in den Weltkrieg zog —, nicht immer gefühlsmäßig voll aufgenommen wurden, daß da irgendwo etwas ins Leere ging, das steht hier nicht in Rede. Tas Volksfest blieb. Es war „patriotisch", aber es war von einer echten Empfindung getragen. Sedan: — der Sieg war die Wende der europäischen Geschichte, die den Weltkrieg beschwor. Auf diesem Siege konnte das Kaiserreich gegründet werden, jenes Reich Bismarcks, das heute besteht und die unerhörteste Belastungsprobe der Geschichte bestanden hat. Die Männer der älteren Vorkriegsgeneration ahnten wohl, daß diese unerhörte Probe auf Bismarcks Werk kommen werde, aber sie sahen sie immer im Scheine der Kanonaden um Sedan. Sie glaubten nicht an den ungeheuren Schmelzofen der herannahenden Materialschlachten. Sedan war ein in sich geschlossener heroischer Vorgang: eine ganze Armee wurde in einer Festung cingeschlossen samt ihrem Kaiser und nach großartigen, tapferen VcrteidigungZ- kämpfen überwältigt. Der Kaiser Napoleon gefangen. Etwas vom Glanze seines großen Onkels strahlte hier im heldischen Abgang bfc£ Neffen wieder. Die Erinnerung an den Gefangenen von Wilhelmshöhe war denn auch bei uns ohne Haß und nicht ohne Achtung. Heute wissen wir, daß dieser Kaiser aus dem Geschlechte des großen Korsen ein kleiner Eha- rakter war, daß er höchst anrüchige Charaktere wie den Finanzminister Fould um sich duldete, daß sein Hof eine einzige Revue der Korruption gewesen ist. Er war nicht der Nachfolger des Toten von St. Helena, sondern in Wirklichkeit der Erbe des Vürgerkönigs Louis Philipp, dessen erste Regierungshandlung es mar, daß er sein Privatvcrmögen — abgetrennt von dem des Monarchen — sicherstellle. Sedan — das war eine Kapitulation in Ehren. Eine vorbildliche Haltung der Militärs auf beiden Seiten begleitet,den,Untergang eines höchst anrüchigen Kaiserreiches von Börsen-Gnaden. Liest man den langen Brief Bismarcks an König Wilhelm durch, den der Kanzler am 2.September 1870, dem Tage der Kapitulation, aus Donchery schreibt, so empfindet man eine Reinheit und einen Adel der Gesinnung, der auch den unterlegenen Gegner ehrt und ihn fast größer macht, als er es in Wirklichkeit gewesen ist. Bismarck beschreibt das Arbeiterhaus an der Straße, in dem sich Napoleon mit ihm unterhalten möchte. Bismarck ließ cs auf seine Würdigkeit prüfen. „Nachdem gemeldet, daß seine innere Beschaffenheit sehr dürftig und eng, das Haus aber von Verwundeten frei sei, stieg der Kaiser ab und forderte mich auf, ihm in das Innere zu folgen. Hier hatte ich in einem sehr kleinen, einen Tisch und zivei Stühle enthaltenden Zimmer eine Unterredung von etwa einer Stunde mit dem Kaiser. Se. Majestät betonte vorzugsweise den Wunsch, günstigere Kapitulationsbedingungen für die Armee zu erhalten... Ich hatte schon gestern Abend mit dem General v. Moltke nach allen Seiten hin die Frage erwogen: ob es möglich sein würde, ohne Schädigung der deutschen Interessen dem militärischen Ehrgefühl einer Armee, die sich gut geschlagen hatte, günstigere Bedingungen als die festgestellten anzuöieten. Noch psliäit gemäßer Erwägung mußten wir beide in der Verneinung dieser Frage beharren..." Bismarck betont dann in dem weiteren Bericht über die französischen Generäle, die die Kapitulation unterzeichneten, daß ihr Verhalten ein überaus würdiges gewesen sei. Der Führer der Delegation, General von Wnnpf- fen, habe sich nicht enthalten können, Bismarck seinen tiefen Schmerz über diesen Zusammenbruch seines Heeres Ausdruck zu geben, was Bismarck getreulich seinem König berichtet. Und als dann die Bedingungen für die Offiziere entsprechend ehrenvoll ausfallen, kann Bismarck dem Könige die Dankbarkeit dieser unterlegenen Gegner melden: „Die Bewilligung der Entlassung der Offiziere auf ihr Ehrenwort wurde mit lebhaftem Danke entgegengenommen als ein Ausdruck der Intentionen Eurer Majestät, den Gefühlen einer Truppe, welche sich tapfer geschlagen hatte, nicht über die Linie hinaus nahe zu treten, welche durch das Gebot unserer militärischen Interessen mit Notwendigkeit gezogen war..." Vergleicht man mit diesen Bekundungen der Ritterlichkeit die Vorgänge im November 1918 — so muß einen Bitternis erfüllen über einen solchen Abfall. Deshalb ist der Tag von Sedan dazu angetan, auf allen Seiten sich einer Haltung zu erinnern, die vor den Notwendigkeiten der Politik die Würde und vor den Opfern des Krieges die Ehrfurcht nicht vergaß. Nur in einer solchen Atmosphäre aber ist überhaupt ehrenvolle Politik möglich. Oer Bremer Lahusen-prozeß. Welche Rolle spielte die Ultramare? B r e m e n, 31. Aug. (TU.) Zu Beginn des 3. Verhandlungstages ergänzte der Angeklagte Heinz La h u s e n die Angabe seines Bruders und erklärte, der Konkurs sei ihm auch heute noch unverständlich. Finanzielle Gründe hätten nicht ausschlaggebend gewesen sein können, da der Norddeutschen Wollkämmerei neben dem 10-Millionen-Kredit der Bremer Hansabank noch weitere umfangreiche Mittel zur Verfügung standen. Staatsrat Müllershausen habe ihm seinerzeit gesagt, er halte die ganze Nordwollesache für nichts anderes als eine Sanierung der Danatbank. Das Gericht erörterte dann mit G. Karl Lahusen die Gründung der Ultramar e. Sie sei erfolgt. um bei Feindseligkeiten gegen Deutschland auf diesem Wege Rohstoffe hereinzubekommen und dem Steuerbolschewismus des alten Systems zu entgehen. Nur so hätten auch im Auslands Reserven gebildet werden können. Die Ultramare haben den Zweck gehabt, Rohwolle aus Uebersee zu importieren und an dis Nordwolle und mit ihr zusammenhängenden Betriebe zu verkaufen. Weiter wandte sich das Gericht der Frage zu, ob das Aktienkapital überhaupt eingezahlt worden fei. Heinz Lahusen erklärte dazu, daß seines Wissens das Geld von der Nordwolle oorgeschosfen worden sei. Der Vorsitzende stellte dann fest, daß diese Beträge auch auf Konten der Lahusen aufgetaucht seien. Karl Lahusen stellte danach fest, daß diese Beträge aber immer der Nordwolle zur Verfügung gestanden hätten, also niemals persönliches Eigentum der Lahusen gewesen seien. Die Banken seien über die Zusammenhänge zwischen Nordwolle und Ultramare völlig orientiert gewesen. Auch Goldschmidt sei in jeder Weise unterrichtet gewesen. In einem dann verlesenen Schreiben über eine Besprechung im Reichsfinanzministerium wird jedoch ein Zusammenhang zwischen Ultramare und Nordwolle b e ft r i 11 e n. Die Auffassung des Vorsitzenden, daß mit einer Verlegung des Geschäftsjahres der Ultramare, die im Jahre 1927 erfolgte, vielleicht der Zweck verfolgt worden fei, die Bilanz der Nordwolle mit den Mitteln der Ultramare und auch umgekehrt günstiger zu gestalten, wird von Lahusen bestritten. Weiter kamen Die persönlichen Konten der beiden Angeklagten zur Sprache. U. a. wurde bei der Ultramare ein Konto „W. H. D. C. Lahusen Buenos Aires" geführt. Die Anfangsbuchstaben nennen den Namen des Sohnes von Karl Layusen, doch war es tatsächlich ein persönliches Konto von ihm selbst. Er habe diesen fingierten Namen gewählt, damit dieAngestellten nichts davon erfahren. Der Erste Staatsanwalt fragte dann, warum dieKorrespondenzmitderUltra- m a r e vernichtet worden sei und ob der Angeklagte die Anweisung gegeben habe, die Akten nach Argentinien zu verschicken, als die Reise Dr. Börners nach Amsterdam beovrstand. Karl Lahusen antwortete, er habe diese Briefe mit seiner Privatkorrespondenz, als er aus der Nordwolle plötzlich ausgeschieden sei, vernichtet. Daß er sich dabei nichts gedacht habe, gehe schon daraus hervor, daß er diese Briefe und die Privatkorrespondenz ganz öffentlich in Gegenwart feiner Sekretärin und eines Kontorgehilfen verbrannt habe. Außerdem hätten bei der Ultramare noch die Originale dieser Briefe Vorgelegen, so daß sie immerhin hätten herangezogen werden können. Dann wandte sich das Gericht dem ersten Punkt der Anklage zu, der die Überziehung von 601 000 holländischen Gulden (etwa 1 Million RM.) bei der Ultramare behandelt. Karl Lahusen steht auf dem Standpunkt, daß für diesen Betrag volle Rechnung vorhanden war. Auch die in Deutschland ruhenden stillen Reserven und Sicherheiten wären für diesen verhältnismäßig kleinen Betrag vollauf zur Deckung ausreichend gewesen. Me schwarzen Diamanten von Südwest. Von Or. paul Rohrbach. Windhuk. 13. 8. 1933. Dor 25 Jahren kam aus Lüderihbucht die Kunde: in der Namib, der trostlosen Wüste am Gestade des Ozeans, sind Diamanten gefunden worden! Die gesamte Wirtschaft und die Finanzen der Kolonie nahmen unmittelbar danach einen ungeahnt schnellen und kräftigen Aufschwung. Südwest war imstande, sich s e l b st zu erhalten, sogar die Cisenbahnbauten. die nun in Angriff genommen wurden, zu verzinsen. Aach dem Weltkrieg, wo das Land zum Mandatsgebiet erklärt und der Südafrikanischen Llnion übergeben wurde, fiel der Diamantenreichtum mit unter die neue südafrikanische Verwaltung. Damit begann ein sehr übles Kapitel der Mandatspolitik. Anstatt Daß die Negierung, wie es in der deutschen Zeit der Fall gewesen war, selbst die Hand weiter fest auf dem Diamantenreichtum gehalten, die Ausbeute kontrolliert und einen gehörigen Anteil den Finanzen des Landes zugeführt hätte, lieh man die südafrikanischen Minenmagnaten, namentlich einen gewissen Sir Ernest Oppenheimer, einen viel zu großen Einfluß auf die Sache gewinnen. Nicht mehr die Interessen Südwestafrikas, sondern die Interessen der südafrikanischen Diamantenkönige wurden maßgebend für den Betrieb. Man wußte nicht einmal oder kümmerte sich nicht darum, daß durch einen Dölkerbundsentscheid fest stand: Keine Mandatsmacht darf über das fiskalische Eigentum des Mandatslandcs frei verfügen. Mit dem Fortschreiten der Weltkrise wurden die Lüderihbuchter Diamantenfelder st i l l g e l e g t und die Arbeitslosigkeit bei Weißen und Eingeborenen dadurch verhängnisvoll verschärft. Das geschah, weil Sir Ernest Oppenheimer und Genossen es für vorteilhaft sanden, die südwestafrikanischen Steine aus dem Markt äu ziehen und damit das Angebot zu verringern. Ein Schulbeispiel dafür, wie von der Südafrikanischen Anion, die für solche Maßnahmen verantwortlich ist, das Wohl und Wehe des Mandatslandes für nichts geachtet wird. Ich werde hiervon noch mehr zu berichten haben, aber heute will ich von anderen Diamanten sprechen. als denen, die bei Lüderihbucht gefunden werden, nämlich von den seidig glänzenden schwarzen Fellchen der K a r a k u l l ä m m e r, die in der gegenwärtigen Dürre für viele Farmer Südwestafrikas die wirtschaftliche Rettung sind. Man nennt sie hier im Lande die schwarzen Diamanten, und in diesem Jahr kommen etwa 300 000 Stück imWertevonöMillionenMark zur Ausfuhr. Die Karakulfelle sind in Deutschland meist als Persianerpelzwerk bekannt, und die Frauen, deren Mittel (oder die Mittel der Männer!) es gestatten, einen Persianermantel zu kaufen, wissen, daß er fix und fertig, je nach Qualität, 1200—2000 Mark kostet. Aebrigens werden die meisten Persianerfelle nicht zu vollständigen Mänteln, sondern zu teurem Pelzbesatz zerschnitten und verarbeitet. Als die Heimat des Karakulschafes gilt Buchara, im heutigen Russisch-Turkestan. Karaku- lus sind kohlschwarz, nui* feite ne Variationen sind braun oder grau. Schon auf den persischen Kö- nigsreliess von Persepolis, aus dem 5. Jahrhundert v. Ehr., sind tributbringende Untertanen des Großkönigs dargestellt, die Karakulböcke — sie sind an ihrer merkwürdigen Ramsnase sofort erkennbar — und Karakulfellchen liefern. Die Archäologen meinen, daß sogar auf den noch 500 Jahre älteren Hethiterreliefs in Syrien der breite Besah des Königsgewandes als Persianerpelzerkennbar fei. Don Buchara kamen die Karakulaschafe zuerst nach der Krim und gediehen dort gut. Krimmer Pelzwerk erster Qualität ist dasselbe, wie Persianer. Nach dem großen Eingeborenenaufstand (1904—1906) ließ der damalige Gouverneur von Südwest-Afrika, v. L i n d e q u i ft , Karakulböcke und Muttertiere nach Südwe st »Afrika importieren und bot sie einigen Farmern zur Zucht an. Der Preis war hoch, man kannte die Tiere nicht, und niemand hatte zunächst Lust auf die neue Sache. Schließlich erwarben zwei Farmer, Albert Doigts in Boigtsgrund im Namalande und ein Farmer aus dem Grootfonteiner Bezirk im Norden, eine Anzahl Tiere. Das war vor 25 Jahren. Die Tiere im Norden gingen bald zugrunde, weil das hohe harte Gras und die relativ starke Feuchtigkeit ihnen schädlich war. Doigts züchtete, damals noch ohne großes Interesse, weiter und besah nach einigen Jahren eine kleine Herde, gedachte aber, sie zu verkaufen. Ein Karakulkenner im Lande kam zu ihm und fragte ihn nach dem Preis. „Machen Sie mir doch ein Angebot", sagte Boigts. ..Nun gut, 20 000 Mark." „Hätte der Mann 10 000 gesagt", erzählte mir dieser Tage Herr Doigts, Jo hätte ich sie ihm gegeben; nun, wo er 20 000 sagte, merkte ich, daß doch etwas Besonderes an der Sache sein müßte, und verlangte 30 000." Daraufhin zerschlug sich der Kauf, und auf Farm Boigtsgrund begann nun die systematische Züchtung in vergrößertem Maßstab. Die Farmen Doigtland, Krumhuk und andere, die dem Bruder Gustav Doigts gehörten, traten bald als Karakul-Zuchtgebiete hinzu, und die Fellchen aus Südwest-Afrika fingen an, auf dem Weltpelzmarkt in Leipzig bekannt zu werden. Nach dem Kriege wollte die südafrikanische Mandatsverwaltung die Karakulzucht auch ins Anionsgebiet verpflanzen, aber die dortigen Wollschafzüchter, die einen Konkurrenzbetrieb fürchteten, erhoben heftigen Protest, und so wurde nichts aus der Zucht im übrigen Südafrika. Nach jahrelangen Dersuchen hat namentlich die Firma Wecke und Doigts in Windhuk ein Verfahren ausgebildet, die rohen Karakulfelle für die Ausfuhr derart vorzubereiten, daß sie den Ansprüchen der Leipziger Fachleute genügen und den Fellen aus Buchara gleichwertig sind. Seit dem Kriege haben auch viele andere Farmer in Südwest die Zucht ausgenommen. Das Karakulschaf ist in bezug auf Weide sehr genügsam, und es übersteht selbst die furchtbare Dürre, von der Südwest-Afrika in diesem Jahre heimgesucht wird. Der ganze Süden und die Mitte des Landes sind für die Zucht geeignet, und die vorhin genannte diesjährige Ausfuhrziifer von 300 000 Fellchen zeigt, welche Ausdehnung dieser Betrieb gewonnen hat. 20 Prozent der Weltproduk» t i o n werden bereits aus Südwest gedeckt, und die Zucht ist immer noch in rascher Ausdehnung begriffen. Dieser Tage besuchte ich das Einkaufslager der Leipziger Großfirma Thorer auf dem Grundstück von Wecke und Voigts in Windhuk. Auf meine Frage, „was kostet ein Karakulfell?" antwortete mir der Leiter, Herr Pietzsch, mit sachkundigem Lächeln: „Von ein bis dreißig Schillingen". Das heißt, es gibt ganz geringwertige Felle, die aus der ersten Kreuzung eines weißen Afrikanerschafes mit einem schlechten Zuchtbock stammen, und es gibt Prachtexemplare, Ste nur zu den teuersten Mänteln verarbeitet werden. Das sind die schwarzen Diamanten von Südwest-Afrika. Keine Begnadigung der Laimette-Aerzte. Das Vertrauen der Allgemeinheit zum Arzt darf nicht erschüttert werden! Schwerin, 30. Aug. Der Reichs st atthal- ter für Mecklenburg-Schwerin, Lübeck und Meck- lenburg-Strelitz hat die Begnadigung des Obermedizinalrates Dr. Altstaedt und des Professors Dr. D e y ck e, die im Calmette-Prozeß zu einer mehrmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt wurden, abgelehnt. Zur Ablehnung der Begnadigung schreibt der Gauobmann des Nationalsozialistischen Deutscken Aerztebundes, Mecklenburg-Lübeck, Dr. med. Kurt B l o m e : „Eine Begnadigung würde der nationalsozialistischen Grundauffaung, daß das Wohl und der Schutz der Allgemeinheit ■— des Volkes über allem, insbesondere über dem des einzelnen Individuums steht, widersprechen, zumal in diesem Falle, in dem die Fahrlässigkeit durch das Gericht einwandfrei bewiesen ist. Von jedem Lokomotivführer, von jedem Weichensteller — um ein Beispiel aus dem täglichen Leben zu geben — erwartet man äußerste Vorsicht und Einhaltung seiner Dienstvorschriften und fordert gerechterweise bei Nichteinhaltung oder Fahrlässigkeit Strafe und Sühne. In zumindest gleicher Weise muß ein Höchstmaß an Verantwortungsgefühl von dem Intellektuellen, dem Gelehrten, besonders aber, wenn er Arzt ist, gefordert werden. Das Vertrauen der Allgemeinheit zum Arzt darf nicht dadurch erschüttert werden, daß dieser bei Fahrlässigkeit oder nachgewiesener Schuld frei ausgeht oder begnadigt wird. Aus zahlreichen eingegangenen Bittgesuchen um Begnadigung, besonders auch von Aerzten und Gelehrten, spricht ein voll verständliches Mitgefühl mit dem Schicksal der Verurteilten. Doch dieses kann aus den oben angeführten grundsätzlichen Erwägungen heraus kein Maßstab fein, eine mildere Beurteilung des Falles gelten zu lassen. Klar kristallisiert sich in dem Prozeß heraus, daß nach den ersten beiden Todesfällen die Fütterungen nicht einge- [teilt worden sind. Der Reichsstatthalter hat sich in wochenlangem Studium eingehend über den Calmette-Prozeß unterrichtet. Als selbst ausgesprochene Kampfnatur weiß er den Kämpfer für ein hochgestecktes Ziel sehr wohl zu schätzen. Der an gesunden, nicht an kranken Menschen unternommene Versuch hat eine erschreckliche und unnötig hohe Zahl an Opfern gefordert, an Toten und auch heute noch kranken Kindern, weil die nötige Umsicht und Vorsicht außer acht g el a f f e n worden ist. Es mag eine gewisse Tragik darin liegen, aber der alte wissenschaftliche Kämpfer und Forscher Professor D e y ck e und mit ihm Dr. Altstaedt haben eine Schuld zu büßen, weil die Gerechtigkeit es erfordert" Oie Störche ziehen Um die Tage, da sich der Sommer wendet und der September kommt, ist alljährlich die Zeit, da die Storche uns verlassen. Allenthalben hatte man in den letzten Tagen an den beliebten uralten Versammlungsorten der Storche Gelegenheit, Scharen bis zu dreißigStück zu beobachten. Solche Versammlungsstätten, auf denen die Alt- und Jungstärche einer ganzen Gegend zusammenkommen, befinden sich in der Wetterau, im Licher Grund, im Lahntal vor Wetzlar, im Edergebiet und in der Hanauer Gegend. Oft werden solche alten Sammelpunkte auch von weiter nördlich beheimateten Scharen aufgesucht, die hier einige Tage rasten wollen, und nicht selten kommt es vor, daß sie bei dieser Gelegenheit die einheimischen Tiere mitnehmen und die weite Reise zusammen machen. liebet der Straße von Gibraltar haben bann die Storchengeschwader einen solchen Umfang angenommen, daß es oft Stunden bauert, bis ein Storchenheer ooriibergeflogen ist. Man hat im Laufe dieses Jahres die Frage aufgeworfen, ob der weiße oder Hausstorch, der genau wie fein schwarzer Vetter, der auf dem Aussterbeetat stehende Waldstorch, seit Jahren bei uns in Deutschland einen beängstigenden Rückgang erfahren hat, seit diesem Jahr wieder eine Zunahme in seiner Bestandsziffer zeige. Tatsächlich hat man durch positive Nesterkon- trolle in manchen Gegenden eine Wiederzunahme feststellen können. So bringt bas Augustheft des „Naturforschers" ein Referat des „Deutschen Jägers", wonach auf Grund der Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz im Jahre 1916 in Ostsachsen 18 Brutpaare vorhanden waren, während sich im Jahre 1928 nur noch ganze 13 nachweisen ließen. Von jenem Jahr ab aber ist, die Zahl der beflogenen Nester alljährlich gestiegen, und 1923 konnte man schon wieder 28 Brutpaare zählen. Heuer sind sogar noch einige Nester mehr bezogen worden. Wodurch diese Zunahme bedingt ist, vermag der Gewährsmann nicht zu sagen. Er vermutet, daß die Neuschaffung von Nistgelegen- heiten durch Menschenhand dabei mitgewirkt hat. Diese Vermutung dürfte sicherlich in der richtigen Richtung weisen. Auch bei uns in Hessen sind derartige Ersah, pingen in den beiden letzten Jahren gemacht worden, und in mehreren Orten sind die IBie- dereinbürgerungsversnche mit Störchen geglückt, nachdem man nach fachmännischen Weisungen eine künstliche Tristgelegenheit hergerichtet hatte. Die Versuche, den Storchenbestand in Hessen wieder zu heben, sollen in den nächsten Jahren fortgesetzt werden. Es hat sich aber jetzt schon herausgestellt, daß Wiederansiedlungsversuche nur in solchen Orten einen Zweck haben, in denen auch früher schon Störche seßhaft waren, und deren Nahrungsquellen auch heute noch eine gute Ergiebigkeit besitzen. Damit soll nicht gesagt sein, daß Storche nicht mehr dort wieder einzubürgern wären, wo der Fortfall von froschreichen Gewässern, Tümpeln und Teichen oder die Uebersührung unkultivierter saurer Wiesen in landwirtschaftliche Nutzflur die damalige Froschnahrung in Wegfall gebracht hätte. Meist treten an solchen Orten die „Kutturfolger" in Gestalt von Mäusen und Grillen in solcher Häufigkeit auf, daß der Storch auch im Kulturland stets einen gedeckten Tisch finden wird. Aber auf andere Gesichtspunkte ist nach den neueren Untersuchungen (vgl. Dr. K. R. Fischer „Das Schicksal der Störche in Hessen", Oberhessische Gesellschaft für Naturkunde 1933) Rücksicht zu nehmen. Es wird sich stets empfehlen, die zur Herrichtung von neuen Nistgelegenheiten gebotenen Wagenräder oder Eisengerüste nur auf hohen, das Weichbild des Ortes überragenden ♦ ♦ ♦ Türmen ober Schornsteinen anzubringen, da feit der Einführung des elektrischen Lichtes, des Fern- prechers und der Rundfunkanlagen in unseren Dorern dortselbst an vielen Stellen, an welchen früher ich ein Storchennest befand, die Freiflügigkeit des großen Tiers durch die Verdrahtung des Himmels entweder unterbunden oder zum mindesten behindert ist. Solche Orte aber meidet der Storch unbedingt. Man wird gut tun, bei Wiederansieblungsver- suchen bas Tristgestänge ziemlich an ber Peripherie bes Ortes unb zwar auf ber Seite anzubringen, an ber bie Wiesen- unb gebuchten Jagdgründe liegen unb von wo ein unbehin- berter freier Flug ins Feld ohne weiteres möglich ist. Vielleicht hat es hie unb da, wo im Dorf selbst nicht die für denNestbau notwendige Bedingungen geboten sind Erfolg, wenn man auf die ursprüngliche Mistweise des Storches als B a u m b r ü t e r zurückgreift und in der Feldflur Bäume köpft oder Masten errichtet. Natürlich müssen diese weit abseits von der dauernden Beunruhigung der großen Verkehrsstraßen liegen. Erwähnung verdient in diesem Zusammenhang eine seit Jahren in Holland mit Erfolg angewandte Nistvorrichtung. Dort hat man an geeigneten Orten hohe Gestelle errichtet, die oben mit einem korbähnlichen eisernen ober hölzernen Gerüst versehen sind und auf verschiedenen Seiten als Schutz gegen Windwurf im Boden mit Drähten oder Tauen verankert sind. Diese „Pole n", wie die Holländer sie nennen, haben sich gut bewährt, unb sind in vielen Fällen von Störchen angenommen worden. Zum Beispiel steht in ber Provinz Frieslanb ber größte Teil oller Storchennester auf Polen. Auch bie Gesellschaft zum Schutz der heimischen Vögel in Bremen hat nach diesem Vorbild in ihrem Stadtgebiet zwei beflogene -Storchennester auf Masten stehen. Was sich in den Niederlanden bewährt hat, müßte auch bei uns möglich sein. Wan mühte bie Tristmasten natürlich nur an solchen Orten aufstellen, wo sich im Frühjahr erfahrungsgemäß Storche zeigen. Jedenfalls haben sie allerlei Vorzüge, die sowohl ber menschlichen Vernunft als auch dem tierischen Instinkt einleuchten werden. Sie stehen sicher und sind ein Mittelding zwischen Baum und Gebäudenest, was für den Storch bedeutet, daß er einmal nicht jedes Frühjahr zu befürchten hat, daß sich neue Triebe bilden und fein Nest unbewohnbar machen, und zum andern, daß er in der weiten Feldmark nicht so sehr von menschlichem Lärm unb sonstigen ungünstigen Umftänben (Dachreparatur, Schornsteinerneuerung) bebroht unb beunruhigt wird. Da bie „Nistmasten" nicht allzuschwer auszustellen sind, da weiterhin die Aussicht besteht, daß sie das unserer Heimat drohende Aussterben des alten Volksfreundes „Adebar" hinauszuschieben oder gar zu verhindern vermögen, so sei an dieser Stelle einmal allen Naturfreunden draußen im Lande diese wichtige Anregung gegeben. Wettervoraussage. Noch unverändert lagert der hohe Druck im Westen, während durch die Rückseite der nordöstlichen Störung kühle ozeanische Luft nach Deutsch» land befördert wird. Bei uns bleibt daher die wechselhafte Grenzwetterlage bestehen. Neben veränderlicher Bewölkung, die zeitweise durch Aufheiterung unterbrochen wird, treten auch vereinzelt schauerartige Niederschläge auf. Aussichten für Sonntag: Wechselnd wolkig mit Aufheiterung, vereinzelte Regenschauer, mäßig warm. L-yrZM ung &S!e °ü^KK er » ¥ u^tocft c° »Uf. ^>ib-n Qnr' .e' die QUj 'E'L rf'ft *Nt. ,fcrf*n4ni S3r**^w «sauTron Um ^°erst ndL"^Te, m Sdiirf[flr°?d’e5 Mit, ie5 fann n J?er^rur. 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Tic Austragung der Boltsturnmeister- fchaftcn des Bezirks Hessen der TT. Aus dem Waldsporlplatz des Vereins für Bewegungsspiele geben sich am morgigen Sonntag die Turnerinnen und Turner der Deutschen Turner- schail im Bezirk Hessen, soweit sie die Hebungen des Aolkslurnens, der Leichtathletik, pflegen, ein großes Stelldichein. Es gilt, die Meisterschaften auszutragen. Das Melüeergebnis, das mit über 350 Turnern und Turnerinnen feftliegt, ist als außerordentlich gut zu betrachten, wenn man berücksichtigt, daß die Veranstaltung erst vor 14 Tagen an- gefetzt wurde. Die Vorarbeiten mußten mit großer Beschleunigung erledigt werden. Die gesamte Veranstaltung steht unter der Leitung des Bezirks- volksturnwartes Malkomesius, dem etwa 50 Kampfrichter bzw. Riegenführer zur Seite stehen werden. Die bewährten Strafte, die für die Organisation verantwortlich zeichnen, dürften der Veranstaltung den reibungslosen Verlaus sichern. Die Turner treten zunächst in einer Klasse der Aktiven zu den Meisterschastswettbewerben an, die Jugendturner treten in zwei Klassen an, die Altersturner werden ebenfalls in zwei Klassen kämpfen. Die Turnerinnen bestreiten die Wettkämpfe in der Klaffe der Aktiven, sowie in der Klasse der Ju- gendturnerinnen-Ober- und -Unterstufe. Verschiedene Vereine unserer Heimat sind an den Wettkämpfen mit starken Vertretungen beteiligt. So stellt der Männerturnverein Gießen allein 48 Turnerinnen und Turner, der Turnverein 1846 Gießen mit 38, die Ium» vereine Lauterbach und Wetzlar mit je 16 Turnerinnen und Turnern usw. Auch der Turnverein Heuchelheim stellt ein stattliches Aufgebot. In den einzelnen Wettbewerben der Aktiven erwartet man außerordentliche Leistungen. In der Meldeliste findet man verschiedene Namen von Klang. Im 100-Meter-Lauf der Aktiven wird man den Marburger Beaupin in Front zu erwarten haben. Schuster-Wetzlar, Seyb und Becker vom Mlv. Gießen sind aber durchaus ernsthafte Konkurrenten. Voraussichtlich starten die gleichen Läufer auch über 200 Meter, lieber 400 Meter setzt man auf Ploch (Mtv.) einige Hoffnungen. Im 1000-Meter-Laus sollte sich Theo V a u p e l als Favorit betätigen. Im 3000-Meter-Lauf hat unter 20 Teilnehmern der Mtv.er Holzapfel die meisten Chancen. Große Gegner wird er allerdings in den Brüdern Neidei von Heuchelheim sehen müssen. Im Hochsprung wird G e k e l e r - Neustadt (bei Marburg) in erster Linie zu nennen fein. Pfeffer, 1846 Gießen, liegt mit Chancen im Wettbewerb. Müller- Holzheim gilt für das Kugelstoßen als Favorit, während im Weitsprung neben Beaupin - Marburg noch Linden- struth (Mtv. Gießen) für den ersten Platz in Frage kommen dürfte. Eine sehr starke Beteiligung mit etwa 50 Turnern weist der Keulenwurs auf. Man erwartet Weiten von etwa 70 Metern. Im Schleuderballwerfen hat Lindenstruth eine Meisterschaft zu verteidigen. Ob er sie gegen Müller-Holzheim mit Erfolg verteidigt, bleibt abzuwarten. Die 4X100-m»Staffel sollte einen spannenden Zweikampf zwischen den Läufern des TuSp. Marburg und des MTV. Gießen geben. Die Schwedenstaffel sollte die MTDer als Sieger sehen. Die Turnerinnen bestreiten 100-m-Lauf, Hochsprung, Kugelstoßen, Speerwerfen, Schlagball eine 4X100-m-Stassel, sowie einen Dreikampf. Leider kann in den Wettbewerben der aktiven Turnerinnen Frl. Else Bickelhaupt infolge einer Verletzung nicht eingreifen. So wird für die 100 m der Sieg ziemlich sicher an die Wetzlarerin Arabin fallen, wenngleich Charlotte A m c n d (MTV. Gießen) und Tilly Reinheimer- Fried- berg kaum mit wesentlich schwächeren Leistungen aufwarten werden. Im Weitsprung wird Frl. N o d e r = Wetzlar dominieren; im Kugelstoßen stehen sich Frl. Reinheimer und Erika R ö h m i g (MTV. Gießen) als gleichzuachtende Kämpferinnen gegenüber. Im Speerwurf sollte der Sieg durch Erika R ö h m i g in Gießen bleiben, Christine Schmidt (MTV. Gießen) wird als Beste im Schlagball betrachtet. Im Dreikampf gibt man Frl. Erika Rahmig die meisten Chancen. Die 4X100-M- Stassel wird eine Angelegenheit der Friedbergs- rinnen fein, denn bei MTV. Gießen fehlt nicht nur Frl. Bickelhaupt, sondern auch Frl. E s p a ch. Die Jugendlichen der Turnerinnen und Tur- ner werden zu Mehrkämpfen antreten und hier in ritterlichem Wettstreit die Kräfte messen. Die diesjährigen Bezirksmeisterschaften lasten erwarten, daß in allen Disziplinen als Ausdruck der stets in der DT. geleisteten Breitenarbeit von den Teilnehmern gute Leistungen nicht nur von den Spitzenkönnern, sondern auch von einem großen Durchschnitt geleistet werden. Zum ersten Male in einer größeren Konkurrenz der DT. im Bezirk Hessen treten die Turner des ehemaligen Lahn-Dünsberg-Gaues und des Gaues Wetterau auf. Es ist leicht möglich, daß es van dieser Seite her einige Ueberraschungcn gibt. Bisher bestand noch keine Möglichkeit, daß die Leichtathleten des ehemaligen ADT. mit denen der DT. in den Wettstreit traten. Die Turner aus diesen Gauen verfügen über gute Kräfte, die als durchaus beachtliche Gegner auftreten werden. (Sportverein 1921 Ettingshausen. Am morgigen Sonntag erwartet der Sportverein 1921 Ettingshausen die 1. Mannschaft des Sportvereins 1913 Offenthal bei Darmstadt zu einem Ge- sellschaftsjpiel. Die Gästeelf fall einen ausgezeichne- ter Fußball spielen. Die Platzmannschaft muß sich ehr anstrengen, wenn sie ehrenvoll bestehen will. Spielbeginn ist 13.30 Uhr. Während der Pause tragt der Okfenthaler evangelische Kirchenchor, der seinen Ausflug ebenfalls nach hier macht, Chöre vor (50 Mann stark). Olympia-Propaganda tut not! Zeder Deutsche muß am Erfolg der Spiele Mitarbeiten. Harte Kämpfe hatte es gekostet, ehe sich die im internationalen Olympischen Komitee sitzenden Vertreter aller Sportnntionen der Erde entschließen konnten, die Durchführung der XI Olympischen Spiele des Jahres 1936 Deutschland '>nd der Deutschen Reichshauptstadt zu übertragen, und als der Deutsche Olympische Ausschuß die Pläne für die Organisation und Gestaltung der Spiele bereits in großen Zügen fertig ausgearbeitet hatte, da versuchte eine gewissenlose Deutschenhetze, die leider auch auf das Gebiet des Sports übergegriffen hatte, auch auf dem Wiener Olympia-Kongreß nochmals, dem deutschen Volke den erteilten ehrenvollen Auftrag zu entziehen. Gottseidank war aber der deutsche Sport trotz aller Miesmacher, die in den eigenen Reihen gegen die olympische Idee zu Felde zogen, dank der zielbewußten Führung unseres Reichssportführers von Tschammer und Osten und der tatkräftigen Unterstützung der Regierung stark genug, die Pläne der eifersüchtigen Widersacher zu durchkreuzen und seinen berechtigten Anspruch auf die Durchführung der Spiele durchzusetzen. Jetzt gilt es, durch eine in jeder Beziehung mustergültige Vorbereitung und Durchführung der Spiele der ganzen well den Beweis zu erbringen, daß das deutsche Volk als eine der führenden Sportnationen der Erde nicht nur ein moralisches, sondern auch ein absolutes Recht auf die Organisation der Spiele hat. Unser Führer Adolf Hitler hatte sogleich erkannt, welche außerordentliche Bedeutung die Olympischen Spiele international als Werbemöglichkeit für das junge Deutschland und national als Erziehungsanreiz zur körperlichen Ertüchtigung der Heranwachsenden deutschen Jugend besitzen. Auch Reichsminister Dr. G o e b b e l s als der berufene Propagandist des neuen Deutschland hat die Bedeutung der Olympischen Spiele für die deutsche Jugend und das ganze deutsche Volk in seiner ganzen Tiefe erfaßt und in seinem Aufruf für die Erweiterung der Spiele zu einer „Olympiade des Geistes" einen wertvollen Vorschlag zur Vertiefung der Olympischen Idee gemacht. Inzwischen sind die Pläne und Entwürfe des Deutschen Olympischen Ausschusses so weit vervollkommnet worden, daß man bereits heute mit ziemlicher Bestimmtheit den Spielen des Jahres 1936 einen großen Erfolg voraussagen kann. Aber zum Erfolg der Olympischen Spiele gehört mehr als nur ein guter Organisations-Ausschuß: Jeder Deutsche muß an dem Gelingen Mitarbeiten, und dazu gehört, daß die Propaganda für die Olympischen Spiele 1936 schon jetzt mit aller Wucht einsetzen muß. Jeder ist zu dieser Propaganda berufen und jeder ist sogar dazu verpflichtet. Ls darf bald keinen Deutschen mehr geben, ob Mann, ob Jrau, ob jung ob alt, Sportler oder Richtsportler, der nicht weih, was die Olympischen Spiele sind und was ihre Austragung 1936 für uns bedeutet. Darum muß jede Werbemöglichkeit ausgenutzt werden. In erster Linie ist selbstverständlich der Sport zur Olympia-Propaganda berufen und hier wiederum die kleinste Einheit im Sport, der einzelne Sportler ober der Sportverein, denn es hat sich bisher immer bewährt, daß die Propaganda von Mund zu Mund, die persönliche Aufklärung von Person zu Person, die größte Wirksamkeit hat. Also: Jeder Sportsmann soll in seinem Kreis für die Bedeutung der Olympischen Spiele 1936 aufklärend wirken, und jeder kleine oder große Turn- und Sportverein soll im Kreise seiner Mitglieder durch Vorträge, gelegentliche Aussprachen, vor allem aber durch intensive Trainingsarbeit praktische Olympia-Schulung betreiben. Auf den Sportfesten, ganz gleich welcher Sportart, soll den Zuschauern die Nähe des bevorstehenden Weltereignisses durch besondere Olympia-Einlagen vor Augen geführt werden. Line befonders wirksame Olympia-Einlage ist ;. 23. die im Ausland bereits übliche leichtathletische Konkurrenz in der Pause zwischen zwei Fußball-Halbzeiten. Hierzu eignen sich besonders Staffeln, aber auch Wurf- und Sprung-Vorführungen oder andere Wettbewerbe können werbewirksam sein, wenn sie richtig durchgeführt werden und wirkliche Könner zur Verfügung stehen. Derartige Olympia-Einlagen lassen sich aber auch bei vielen anderen Veranstaltungen, auch solchen nichtsportlicher Art durchführen. Bei Konzerten, Wohltätigkeitsfesten und Saaloeranstaltungen würde das Auftreten einer Barren-Riege beijpielweise eine angenehme Bereicherung des Programms darstellen Es kommt darauf an, daß der Masse durch gut trainierte Athleten immer wieder vor Augen geführt wird: 2vir trainieren für die Olympischen Spiele. Beinahe unbegrenzte Möglichkeiten, die bisher nur zu einem geringen Bruchteil ausgenutzt wurden, bietet der F i l m. Wir haben doch heute schon genug Werbe- und Lehrfilme der einzelnen Sportarten, warum wird nicht in den Kinos an jedem Abend irgendein kleiner Sportfilm gezeigt? Die Kinobesucher würden es sicher begrüßen, wenn sie auch einmal einen Sportsilm zu sehen bekämen, in denen gezeigt wird, wie gesunde und frohe Jugend beim sportlichen Training wirkliches Erleben findet. Die Werbemöglichkeiten des Rundfunks werden meist zu hoch eingeschätzt, aber auch hier kann durch geschickt eingeftreute Sport- und Olympia-Vorträge erfolgreich geworben werden. Die Hauptarbeit bleibt jedoch der Presse überlassen, denn die Zeitung ist auch allen denen zugänglich, die weder Sportfeste noch Kinos besuchen und auch keinen Rundfunk hören. Kurze Sporinoiizen. Sieben Nationen haben bisher zu den Europameisterschaften im Gewichtheben am 16. und 17. September in Essen ihre namentlichen Meldungen abgegeben. Diese stehen jetzt noch von Deutschland, Holland, Belgien und Dänemark aus. Nach Duisburg hak der Deutsche Fußball- Bund den am 22. Oktober ftattfinbenben Fußball- Länderkampf gegen Belgien, den ersten Kampf der Nachkriegszeit, vergeben. Bisher hat Deutschland dreimal gegen Belgien gespielt und alle drei Kämpfe verloren. * Gin Sportverbot an Feiertagen, wenigstens an den höchsten ^eierfagen der Kirche, ist wahrscheinlich für die nächste Zeit zu erwarten. Das Schwimmbad der Stadl Mdda. Sn diesem Sommer ging em mehrere Sahre lang erörterte Wunsch der meisten Einwohner von Nidda in Erfüllung. Die Stadtverwaltung ließ auf der Eanäweide ein Schwimmbad errichten. Die Anlage umfaßt etwa zwei THorgen Gelände und bietet den großen vorteil, daß sie in unmittelbarer Nähe der Stadt liegt und bequem von zwei Seiten zu erreichen ist. Der Prächtigen Turnhalle vorgelagert, erblickt man zunächst den einstöckigen Bau, den eine Eingangshalle in zwei Teile gliedert. Sn dem rechten Flügel befinden sich die Kartenschalter und Kinder ist 10 Meter lang und 5 Meter breit. Von der Terrasse vor dem Eingangsgcbäude hat man einen herrlichen Ausblick über die ^Badeanlagen, die gut gepflegten Liegewiesen und Spielplätze für Kinder und die Umgebung, die auf dem nahen Eisteich Liebhaber des Wassersports in Ruder- und Paddelbooten zeigt. Oluf dem anschließenden Sportplatz wird Fußball gespielt. Sonntags hält gewöhnlich auch der Reiterverein Nidda in der Nähe des Bades seine Hebungen ab, und täglich ergötzt sich am Spätnachmittag die Schuljugend vor der Turnhalle am Spiel: die Hitlerjugend macht Hebungen zur kör- Das neue Schwimmbad in Nidda. — (Aufnahme: Schwöbel, Nidda.) um Näume für Badewäsche und Schwimmausrüstun- gen, wie Korkgürtel, Schwimmbälle u. dgl., die gegen geringes Entgelt leihweise abgegeben werden. Der linke Flügel enthält einen kleinen Re- staurationsraum, in dem allerlei Getränke, kalte Speisen und sonstige Erfrischungen zu den in den Gasthäusern Niddas üblichen Preisen zu haben sind. Dem Gebäude gegenüber am linken Rande zeigt unser Bild den Sprungturm, dessen unterste Stufe 3 Meter, die oberste 5 Meter hoch angebracht ist. Zwischen dem Turm und dem Cin- gangsgebäude stehen 50 Kabinen für Einzelbäder, von denen aus dem Dunkel der Bäume einige das Bild zeigt, und zwei Ankleideräume von. je 8 Meter Lange und 4 Meter Breite, der eine für Knaben, der andere für Mädchen. Dahinter befinden sich die Bedürfnisanstalten. Von den drei Wasserbehältern ist der größte nur für Schwimmer bestimmt, 50 Meter lang und 20 Meter breit. Dor dem Sprungturm hat er einen Wasserstand von 5 Meter Tiefe, die allmählich bis zu 3 Meter abnimmt. Der mit diesem Schwimmbad unter dem Laufsteg verbundene zweite Wasserbehälter ist für Nichtschwimmer angelegt. Seine Ausdehnung beträgt 22 Meter in der Länge und 11 Meter in der Breite. Das Plantschbecken für perlichen Ertüchtigung. So bietet die gaiue Hingebung reichliche Unterhaltung. Es ist deshalb leicht erklärlich, warum sich besonders nachmittags, wenn die Terrasse im Schatten liegt, zahlreiche Gäste einfinden. An Sonntagen ist der Besuch sehr stark. Das zeitgemäße und großzügig errichtete Schwimmbad ist eins der schönsten in der weiteren Umgegend, erregt den berechtigten Stolz der Einwohner Niddas, die Bewunderung der auswärtigen Gäste und die Anerkennung von Fachleuten. Es gereicht dem Schöpfer der Pläne und dessen umsichtiger Leitung der Ausführung, dem Herrn Architekten Großmann - Gießen zur großen Ehre. Wenn wir noch einen kurzen Rückblick auf den Betrieb des Hnter- nehmens seit seiner noch nicht drei Monate langen Eröffnung werfen, so müsssen wir einen vollen Erfolg feststellen, wozu auch in nicht geringem Maße die musterhafte Derwaltung des Bademeisters und Schwimmlehrers W. Stadler beigetragen hat. Der Besuch war über alles Erwarten stark, hauptsächlich auch seitens der Kurgäste aus Bad Salzhausen. Solch ein günstiger Anfang berechtigt zu den besten Hoffnungen für die nächsten ^Zahre. Obecheffen. Landkreis Gießen. öp Großen-Linden, 1. Sept. Mit Wirkung vorn 1. Oktober wurde Lehrer Adolf Edelmann, seither in Beuern, zum Leiter der hiesigen Volksschule mit dem Titel Rektor ernannt. Rektor Edelmann ist gebürtig von Fauerbach bei Nidda, besuchte von 1902 bis 1904 die Präparan- Öenanftalt in Lich und von 1904 bis 1907 das Lehrerseminar in Friedberg. Er wirkte als Lehrer in den Orten Ober-Ohmen, Storndorf und Beuern. <5> Großen-Linden, 1. Sept. Der Zweigne r e i n „Hü11enberg" des VHC. hielt dieser Tage eine außerordentliche Generalversammlung ab, in der die Gleichschaltung des Vereins vorge- nominen wurde. Der seitherige erste Vorsitzende, VHC.-Bruder ftarl Dem, bat, wegen seines Wegzugs von hier von seiner Wahl zum ersten Führer Abstand zu nehmen und schlug VHC.-Bruder Georg Klingelhäfer als neuen Vereinsführer vor, worauf dessen Wahl zum Führer erfolgte. Dieser bestimmte folgende Personen zu seinen Mitarbeitern: Wilhelm Geißler als stellvertretenden Führer, Richard Schäfer als Schriftwart, Wilh. Luh als Kassenwart, August Kimmel als Wanderwart, hie VHC.-Brüder Konrad und Gumbel und die VHC.-Schwester Frau Jung als Beisitzer. Aus Antrag des neuen Vereinsführers wurde der seitherige, um die Ziele des VHC. sehr verdiente erste Vorsitzende Karl Dem einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Herr Dem dankte für die Ehrung und gelobte, auch ferner der guten VHC.-Sacke treu zu bleiben. Mit dem Gesang des Horst-Wessel-Lie- des fand die Versammlung, an die sich ein gemütliches Beisammensein anschloß, ihr Ende. cv> Holzheim, 1. Sept. Am morgigen Sonntag findet hier ein großes Jugend- und Po» faunenfeft statt. Heber 30 Posaunen- und gemischte Cyore haben ihr Erscheinen zugesagt. Als Festredner werden sprechen: Prediger Pfeiffer- Grünberg, Jugendsekretär Gaubatz, Missionar Keil u. a. Das Jugend- und Posaunenfest in Holzheim ist zugleich verbunden mit dem 50. Jubiläum der hiesigen Gemeinschaft. — Aus der Rabenau, 31 Aug. Obwohl die Getreideernte noch nicht restlos unter Dach und Fach ist, haben unsere Landwirte mit der Grummeternte begonnen. Der Ertrag entspricht nur in feucht gelegenen Wiesengründen den Erwartungen, während die trockenen Grasnuhun- gen geringe Ernteergebnisse zeitigen. Die Futter- mengen der Kleeschläge haben infolge der anhaltenden Trockenheit merklich nachgelassen. Sn allen Dörfern sind gegenwärtig die Dreschmafchi- n e n an der Arbeit, mitunter mehrere an einem Orte. Die Beschaffung der Arbeitskräfte gestaltet sich deshalb oft recht schwierig. Der Korne r- ertrag aller Fruchtarten ist im allgemeinen gut, auch die Strohernte läßt kaum zu wünschen übrig. Sm Vergleich zur Ernte des Vorjahres ist die diesjährige Ernte als wesentlich günstiger zu beurteilen, was sowohl die Qualität, wie auch die Menge an Stroh und Kornern anlangt. Die ©etreitepreife sind gegenwärtig für Korn 13 bis 14 Mark, für Weizen 17 bis 18 Mark, Gerste 16 bis 17 Mark pro Doppelzentner. Nach Hafer besteht geringe Nachfrage. Die Hackfrüchte konnten sich in letzter Zeit durch die teilweise recht ergiebigen Niederschläge gut entwickeln. < Grvßen-Buseck, 2. Sept. Der hiesige Geflügelzuchtverein veranstaltete im Wagner scheu Saale einen Lichtbildervortrag. Herr Dorr aus Neuenhain hielt einen Vortrag. Der' Redner kennzeichnete die verschiedensten Hühner- und Entenrassen und erläuterte bei jeder Rasse die hauptsächlichsten Zuchtmerkmale. Sodann zeigte er in vortrefflichen Bildern Herz, Lunge, Leber und Nieren eines Huhnes und gab Ausschlüsse über Krankheiten des Geflügels. Zum Schluß sprach der Vortragende von einer zweckmäßigen Fütterung der Hühner und machte dabei auf ein neues Geflügelkraftfutter aufmerksam. Kreis Büdingen. * Büdingen, 1. Sept. Die Friseur- Pflichtinnung de s Kreises Büdingen hat den Beschluß gefaßt, daß vom 1. September ab die allgemeine Sonntagsruhe für den Kreis Büdingen in Kraft tritt. Kreis Alsfeld. * Alsfeld, 80. Aug. Am gestrigen Dienstag fand die zweite diesjährige T a g f a h r t der Forstbezirksgruppe Alsfeld in die Forstämter Göringen und Romrod statt. Das Thema lautete: „Die räumliche Ordnung in den Buchenbetriebsklassen der Forstämter Göringen und Romrod unter besonderer Berücksichtigung der Begründung von Mischbeständen". In zwei verschiedenen Forstorten zeigte zunächst Forstmeister Rausch- Romrod die von ihm durchgeführte natürliche Verjüngung der Buche im Blendersaumschlagverfahren. Mischbestände wurden in ihrem Fugendstadium vorgeführt, sie waren begründet durch trupp- weises Einbringen der Fichte in die Vuchen- naturverjüngungen. Im zweiten Teil des Waldbegangs sahen die Teilnehmer in verschiedenen Forstorten des Forstamts Romrod unter Führung von Forstmeister 2 i e p m a n n ebenfalls natürliche Buchenverjüngungen im Saumschlagverfahren und ferner Buchen-Fich- ten-Mischbestände im Abtriebsalter, die durch Auspslanzen von Fehlstellen in den Buchen- verjüngungen entstanden sind. Kreis Lauterbach. * Lauterbach, 1. Sept. Heute wurden vier hiesige Einwohner fest genommen und zusammen mit einem Einwohner von Angersbach nach Gießen verbracht, um von dort aus im Sammeltransport nach dem Konzentrationslager Osthofen übergeführt zu werden. VolksmfäigerlU- auch nach auswärts lieferbar Radio-Ruhl, Plockstr. 12 Telephon 3170. 6«aA Das Wunder der Magussi Weiser LHoman von Fr. Lehne. Urheberschutz durch T. Ackermann, Stuttgart. 26. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Dennoch hatte es ihn wider seinen Willen in letzter Stunde ins Theater gezwungen,' er hatte die Aufforderung der Fürstin doch angenommen,- trotz seiner Absage hatte die feine kluge Frau ihn erwartet, und ganz im Hintergrund der Loge, den Blicken der Zuschauer entrückt, hatte er die Oper gehört. War das sein Weib, seine Magussi, die da so inbrünstig sang und ihre ganze Seele in Tönen entschleierte. War s i e das, die da in Liebe jubelte und in Verzweiflung ausbrach? Nein, das war seine schlichte, einfache Magussi, die er kannte, nicht — das war eine ganz Fremde, mit der er nichts gemein hatte. Wie das Publikum ihr zujubclte, wie sie sich ungezählte Male mit dem Komponisten zeigen mußte, wie die Blumen sich um beide häuften — ja, sie beide machten den Eindruck der Zusammengehörigkeit! Er schämte sich jetzt seiner Schwäche. Der Kommerzienrat war fest geblieben,- für ihn war die ungehorsame Tochter nicht mehr da,- er hatte auch darauf verzichtet, sic als Künstlerin zu hören! Schriftlich hatte er ihr mitgeteilt, daß er aufhöre, sie als feine Tochter zu betrachten, und daß er sie enterbe, wenn sie von ihrem wahnsinnigen Plan nicht ablassc! Es hatte Magussi nicht überrascht, sie nahm gelassen des Vaters Entscheidung entgegen. Sie ließ sich das Leben nicht mehr einengen — sie hatte selbst ihr eigenes Leben zu leben! Und so schmerzlich es für sie war, in Uneinigkeit mit den Eltern zu kommen — sie konnte nicht zurück! Ganz im Unterbewußtsein schlummerte der Gedanke, daß im Laufe der Zeit sich doch alles wieder zurechtfügen würde! Eine Mutter kann sich doch nicht vom Kinde trennen! Nur der Gatte! An ihn durfte sie nicht denken! Aber: wenn er sie wirklich liebte, was sie unter Liebe verstand, dann hätte er ihr auch die höchste persönliche Freiheit gewährt! Seine Liebe war eben auch nichts weiter als männliche Selbstsucht — sie war sein Eigentum, das sich sklavisch nach seinen Wünschen und Bestimmungen zu richten hatte — wie sie sich in verbittertem Trotz einrcdete! Und das konnte sie bei aller großen Liebe nicht! So mußte es eben gehen, wie es das Schicksal bestimmte! * Eduard Weiser war ziellos umhergelaufen. Es fing leise an zu regnen. An einer kleinen Bar kam er vorüber, aus der leichte, lockende Musik klang. Hinter dem hellen Vorhang der breiten Spiegelscheibe war Lust, Fröhlichkeit, Vergessen! Nach einem kurzen Zögern trat er ein,- er verspürte einen brennenden Durst. Nach Hause zu gehen, fürchtete er sich,- seine Gedanken waren ihm quälende Gäste,- ihnen zu entfliehen, suchte er für eine kurze Spanne Zeit Zerstreuung. In einer versteckt liegenden Ecke fand er an einem kleinen Tisch Platz. Der Kellner brachte ihm eine Flasche Mosel. Während er das Glas durstig an die Lippen führte, schweiften seine Augen durch den nicht großen, behaglichen Raum. Vom Nebentisch wurde ihm da fröhlich zugcnickt und zugetrunken. Mein Gott, wie unangenehm — es waren Lilo v. Konsilius und Baron Langen! Es half ihm nichts — er mußte den Platz wechseln und sich mit an den Tisch der andern setzen, obwohl ihm das sehr zuwider war! Lilo gerade war diejenige, die zu treffen er sich zu allerletzt gewünscht! „Wir gratulieren zu dem unerhörten Erfolge Magussis!" sagte Lilo, „und wollen darauf trinken! Hinreißend war sie — wir haben uns die Oper heute abend nochmals angehört! Gelt, das war eine Ueberraschung für Sic, Herr Weiser? Magussi als Primadonna! Ja, ja, sie versteht zu überraschen! Das hätte niemand in der stillen, scheuen Magussi vermutet!" Mit langsamen Zügen trank Lilo ihren Sektkelch leer, den Arm nachlässig aufgestützt und über den Rand des Glases Eduard mit ihren neugierigen Augen starr anblickend. Sie wußte, wie tief sie ihn mit jedem Wort verwundete, und daß sie es konnte, freute sie! — Wie fein abgekartet das Spiel mit dem Kapellmeister, für den alle Damen schwärmen! Magussi würde um den Löwen des Tages beneidet! Ein Vertrag mit dem Stadttheater sei ihr doch auf jeden Fall sicher! Dann habe man ja Gelegenheit, sie noch in allerhand Rollen zu bewundern! Im „Rosenkavalier" würde sie sicher entzückend sein! Eduard preßte die Lippen zusammen,- er fühlte wohl, mit welcher Berechnung Lilo ihre Worte gewählt, ihm weh zu tun? „Warum haben Sie Magussi nicht mitgebracht? Mich wundert es, Sie allein zu sehen, Herr Weiser, gerade heute abend — ein solcher Erfolg muß doch begoffen werden. Oder kommt Magussi mit ihren Kollegen noch nach? Das Abschminken nimmt Zeit in Anspruch und es gibt dann noch allerhand zu verabreden." „Es ist müßig, gnädige Frau, sich noch weiter darüber zu unterhalten. Sie wissen recht gut, wie die Eltern meiner Frau und auch ich zu dieser Theatcrleidenschaft stehen. Daß dieser Schritt Magussi in schwere Kämpfe mit ihrer Familie bringen würde, war vorauszusehen." „Und ist bedauerlich! Ich habe währeüü meiner jahrelangen Freundschaft mit Magussi allerlei deshalb erlebt, und es hat mir oft leid getan, daß sie in ihren künstlerischen Bestrebungen so verkannt wurde. Aber Sie, Herr Weiser, sind jedenfalls doch großzügiger als der Herr Kommerzienrat." „Sie irren, Baronin!" versetzte Eduard mit schneidender Stimme, „ich stehe auf dem Standpunkt des Herrn Kommerzienrats." „Schade! Ich hätte Sie — Verzeihung für meine Offenherzigkeit — doch nicht für so kleinlich gehalten, Herr Weiser!" Lilo war von dem für sie so interessanten Thema nicht abzubringen — „den Vorteil aus diesem Familienzwist wird entschieden der Kapellmeister Halling haben, der ja so verliebt in Magussi ist — kein Wunder übrigens, daß man es sich schon in allen Damenkaffees erzählt! Und wie er sich heute abend mit ihr dem Publikum zeigte! — Er hielt sie so fest an der Hand, als gehörten sie schon zusammen —" „Nein, Gnädigste, das konnte ich nicht bemerken!" widersprach Kurt v. Langen, den Lilos fortgesetzte Taktlosigkeit förmlich ent- setzte — „und wir denken doch zu hoch von unserer verehrten Freundin, als daß man müßigen Klatsch nachspricht!" sagte er warm zu Eduard. Er fühlte Lilos unerklärliche Feindseligkeit gegen die Freundin,- es beschämte ihn beinahe Eduard Weiser gegenüber, und ritterlich verteidigte er und erklärte Magussis Handeln, das jeöer, der künstlerisch veranlagt sei, wohl begriff. „Künstlernaturen müssen sich mitteilen, müßen aus der Fülle ihrer Gaben spenden." „Gewiß, Baron! Aber das Peinliche in diesem Falle ist eben der Kapellmeister!" sagte Lilo mit ihrer hellen, hohen Stimme, „und Magussi hat sich — leider — mit ihm sehr bloßgestellt. Ich hörte einige mißliebige Urteile, zum Beispiel die alte Exzellenz Barleben —" "— öie trotzdem meiner Frau eine wundervolle Blumenspende mit sehr herzlichen Worten gewidmet hat, wozu bei der von Ihnen angedeuteten Gesinnung der Exzellenz durchaus keine Verpflichtung vorlag — ich finde darin einen gewissen Widerspruch!" bemerkte Eduard ironisch,- „und die Fürstin Waldenau, ,n deren Gesellschaft sich Magussi eben jetzt befindet, würde meine Frau nicht so auszeichnen, wenn ihr in irgendeiner Weise etwas nachzusagen wäre. Uebrigens,' gnädige Frau, mutz ich mich sehr wundern, daß Sie über Ihre langjährige Freundin, die Sie doch von der Kinderzeit an kennen, so wenig herzlich sprechen," konnte Eduard sich nicht enthalten zu sagen. Lilo verzog den Mund. „Magussi hat sich sehr geändert, wie itz allem, so auch in ihrer Freundschaft gegen mich. Deutlich ließ sie mich fühlen, wie wenig ihr noch an mir liegt — seit sie bei dem Kapellmeister studiert." „Sicher spielen da andere Gründe mit. Fra« gen Sie doch Magussi selbst. Ehrlich, roi( meine Frau ist, wird sie Ihnen Antwort geben." „Jetzt müssen Sie sich anders einstellen, Her, Weiser!" lächelte Lilo boshaft, eine Entgeg« nung auf Eduards Worte umgehend. „Ehe« männer von Opernsängerinnen dürfen nicht eifersüchtig sein." „Wenn andere schwere Meinungsverschieden. Herten mich von meiner Frau trennen können — Eifersucht gewiß nicht! — Magussi gibt da« zu niemals Grund!" betonte er, und Kurt v. Langen nickte zustimmend. „Ihr Vertrauen, lieber Freund, ist wirklich bewundernswert!" spottete Lilo, indem sie ihm übermütig den Rauch ihrer Zigarette ins sicht blies. „Was sich auch sonst noch ereignen mag, gnädige Frau, mein Vertrauen in Magussis Korrektheit ist durch nichts zu erschüttern — auch nicht durch anonyme Verdächtigungen." Der Ton, in dem Eduard Weiser gesprochen und der bedeutungsvolle Blick, mit dem er seine Worte begleitet, fiel Kurt v. Langen auf. Er sah Lilo an, deren Augen unruhig umherirrten,- war sie nicht etwas verlegen? „Hat man das getan?" „Ja, Baron, man hat es!" „Oh, Anonymes ist immer gemein! Jeder sollte doch den Mut haben, das, was er einem andern mitzuteilen hat, auch mit seinem Namen zu decken!" sagte Kurt v. Langen mit scharfer, betonter Stimme. „Sie haben im allgemeinen recht, Baron! Doch wenn ein anonymer Brief in guter Absicht geschrieben wird, wenn er nur warnen soll, zum Biespiel jemanden auf Unehrlichkeit des Personals aufmerksam macht," meinte Lilo, „dann ist er entschuldbar." „Nein, so bleibt er dennoch eine unfeine, dunkle Sache! Sagt ehrlich heraus, was ihr wißt und vertreten könnt!" warf Kurt v. Langen hin. (Fortsetzung folgt.) Herbststoffe tragen zu wollen. kaufen Sie am besten in unserem 05146 KALI Stoffspezialhaus BERNARD Lager. 2O4D Gießen Plockstraße 16 CarlSchunck 5469 A Das VertrauenTausender 543? 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September 1933 Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen) Bilder vom Nürnberger Reichsparteitag. Hitlerjugend in der einem einzigen Flaggenmeer gleichenden Stadt. rp l * f Ä 1 B 6 Der Kanzler begrüßt nach dem Empfang im Rathaus feine alten Mitkämpfer. In der Mitte: Adolf Hitler und Bundesschatzmeister Schwarz. Rechts: Der Führer der Arbeitsfront, Dr. Ley, und der Reichsstatthalter von Thüringen, Gaudet Im Hintergrund der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß. I Die Verpflegung der ungeheuren Massen, die zum Reichsparteitag in Nürnberg zusammenströmten, ist ein organisatorisches Meisterstück. In jedem der riesigen acht Kochkessel, die in der Lagerstadt eingemauert wurden, können jeweils 5000 Liter gekocht werden. „Ritter, Tod und Teufel", ein Kupferstich Albrecht Dürers aus dem Jahre 1513. — Ein Originalabzug dieses Blattes wurde dem Kanzler bei der Begrüßung im Rathaussaal der Stadt Nürnberg durch den Oberbürgermeister übergeben. Oie Jagd im September. Im Niedcrjagdreoier steht das Weidwerk im Zeichen des Feldhuhns. Die Hühnerjagd ist gar manchem Jäger ganz besonders ans Herz gewachsen. Denn bei keiner anderen Iagdart kommt die Zusammenarbeit von Herr und Hund so zum Ausdruck, wie bei der Jagd auf das Rebhuhn. Ein wolkenloser blauer Himmel wölbt sich über der Flur; die Sonne meint es noch recht gut, und die Hühner liegen in den hohen Tagesstunden fest in der Deckung oder auf der Stoppel. In flotter Suche nimmt der Hund das Feld, findet, steht vor, zieht nach, bringt das ge- schofsene Huhn oder arbeitet das Geläufe des geflügelten und ruht nicht eher, bis er es findet. Wird bei gutem Hunde noch sauber geschossen, dann macht die Hühnerjagd viel Freude. Leider haben sich die im Juli geäußerten Befürchtungen bewahrheitet. Die lange Juninässe ist den Junghühnchen nicht förderlich gewesen. Auch in pfleglich behandelten Revieren ist mancher Platz im Feld, wo immer eine Kette lag, leer. Das muß beim Abschuß wohl berücksichtigt werden. Alte Erfahrung hat gezeigt, daß es verkehrt ist, starke Ketten ganz unbejchossen zu lassen. „Das Huhn will beschossen sei", lautet ein alter Jäger- jpruch, da es sonst zum Wandern neigen soll. Grundverkehrt wäre es, einzelne Ketten zu schonen und andere aufzureiben. Jede Kette soll mit einer Kopfzahl von sieben bis acht Hühnern in den Winter gehen, damit der Bestand für das Folgejahr trotz unvermeidlicher Winterverluste sichergestellt ist. Es sei besonders darauf hingewiesen, daß die Wachtel, die man nur noch ganz selten einmal antrifft, nicht mehr zu den jagdbaren Vögeln gehört, sondern das ganze Jahr hindurch Schonzeit hat. Auch der F a s a n genießt noch den Schutz des Gesetzes. Wer Fasanen im Revier hat, benutze jetzt die Zeit, wo die Dreschmaschine brummt, um seine Schüt- rungen iNstandzusetzen, neu anzulegen oder zu beschicken. Aller Druschabfall ist dazu geeignet und zeigt dem Wild, wo es etwas findet, wenn später der Winter und der Hunger kommen. Besondere Futtermittel brauchen noch nicht geschüttet zu werden. Das Aussetzen von Fasanen durch zahlreiche Mitglieder des „Hubertus" Gießen macht sich schon in vielen Revieren bemerkbar. Hoffentlich findet der schöne Vogel überall den Empfang, den man erwarten muß, wenn alle Reviere von den Bestrebungen zur Hebung des Besatzes Nutzen haben sollen. Drum Fütterungen anlegen. Wildtauben sind schußbar, auch Waldschnepfe und Be k a s s i n e kommen gelegentlich oors Rohr. Die Entenjagd auf Seen und Bächen verspricht Erfolg. Ente und Erpel können bald wieder am Federkleid voneinander unterschieden werden. Im Hochmildrevier aber beginnt die hohe Zeit des Königs des Waldes. „An Aegide (1. September) tritt der Hirsch in die Brunft", fagt alte Weidmanns- rcgel. Das soll nicht heißen, daß dann die Brunft schon im Gange wäre. Aber der H i r s ch, der seither als Feisthirsch ein heimliches und träges Dasein führte, tritt zum Rudel, und gegen Monatsende verrät in kalter Herbstnacht sein Kampfruf, daß die Brunft wirklich begonnen hat. Sie zieht sich dann bei uns bis in den Oktober hinein. Der Schaufler steht noch in der Feiste. Die Pirsch auf den starken Schaufler stellt in freier Wildbahn so hohe Anforderungen an den Weidmann, daß sic einen ganzen Jäger erfordert. Schwarzwild bricht zur Nachtzeit vor allem in Kartoffelfelder. Nur Pirschgang und Ansitz bieten zur Zeit etwas Aussicht auf Erfolg. Die Brunft des Rehwildes ging zu Ende. Der starke Bock ist danach zunächst sehr heimlich und geht kaum um sich. Dann aber pflegen im September die Böcke Wechsel und Austrittszeit wieder so einzu- haitcn wie im Mai. Der Abschuß an Böcken wird in den meisten Revieren allerdings beendet sein. Die vielen Iunghasen, die man bei der Hühnerjagd antrifft, lassen hoffen, daß das Hasenjahr zufriedenstellend wird. Der Dachs ist feist und lohnt die Jagd. Seine fast völlige Schonung hat den'Besatz sich stark heben lassen. Ein gewisser Abschuß am Bau dürfte in Fa° sanenrevieren angebracht sein. Im September setzt der Raubvogelzug ein. Wer Freude an der Natur und Blick für ihre Schönheit hat, wird dann auch manchen Fremdling zu Gesicht bekommen, der auf dem Durchzug eine Gastrolle 1 gibt. Weihen und Wanderfalken seien besonders erwähnt. Es gibt eine gewisse Sorte Jäger, die alles, was krumme Fänge hat, dank ihrer „hervorragenden" zoologischen und jagdwissenschaftlichen Bildung für einen „Habicht" hält. Ihnen sei in Erinnerung zurückgerufen, daß in Hessen alle Raubvögel außer dem „wirklichen" Habicht und dem Sperber geschützt sind. Verstöße gegen die Naturschutzbestimmungen werden im neuen Staat, der Gemeinnutz vor Eigen- nutz stellt, noch strenger bestraft werden als seither. Der wahre Jager ist sich seiner Verpflichtung dem Volksganzen gegenüber stets bewußt. Hubertus. Eine Nürnberger Straße im Festschmuck. Kirchenrat D. Otto Wissig f. Bad-Nauheim, 1. Sept. (EPH.) Hier st a r b , 80jährig, Kirchenrat D. Otto Wissig, der 34 Jahre lang Pfarrer in der größten hessischen Kurstadt gewesen. Er wurde, seinem Wunsche gemäß, in der Stille beigesetzt. Als Schriftsteller war er weithin bekannt geworden durch feine Bonifatius- forschungen. Die Landesuniversität Gießen verlieh ihm aus Anlaß des Augustana-Jubiläums 1930 den Ehrendoktor der Theologie und würdigte ihn als den „langbewährten Prediger und Seelsorger, den sinnigen Dichter kirchlicher Schauspiele, den Gelehrten, der seine Altersmuße unermüdlich zu em- dringlichen geschichtlichen Studien nützt und besonders die Bonifatius-Forschung gefördert hat". Mit ihm ist einer der verdientesten und bedeutendsten hessischen evangelischen Geistlichen in die Ewigkeit abgerufen worden. Der neue Präsident der Reichsbahndirektion Frankfurt. WSN. Frankfurt a. M., 1. Sept. Der guiK 1. September zum Präsidenten der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. ernannte Dr.-Jng. Steuernagel stellte sich heute im großen Sitzungssaale der Reichsbahndirektion den Beamten der Reichsbahndirektion und der obersten Bauleitung für den Bau der Kraftfahrbahn und den Vertretern der Beamten- und Arbeiterschaft, sowie der Fachschaft vor. In einer Begrüßungsansprache stellte Präsident Dr.-Jng. Steucrnagel das Führerprinzip und die Volksgemeinschaft an die Spitze seiner Ausführungen. Er bat alle um ihre Mitarbeit und ihr Vertrauen, wobei er betonte, daß er als Rheinländer mit dem Frankfurter Bezirk durch Beziehungen des Blutes verknüpft sei und für ein offenes Wort feines Personals stets zugänglich sein werde. Die Arbeit in dieser ernsten, aber auch erhebenden Zeit erfordere neben voller Hingabe an den Beruf begeisterte Stellung hinter den Führer Deutschlands. In das dreifache Sieg- Heil auf den Führer stimmten die Anwesenden begeistert ein. In seiner Erwiderung dankte Vizepräsident Dr. Haas namens der Beamten und Arbeiterschaft und versprach vertrauensvolle Mitarbeit. Altertumsfunde beim Bau einer Auioumgehungsstraße. Marburg, 1. Sept. (WSN.) Bei den Erdarbeiten zum Bau der Marbuger Auto- umgehungsstraße fanden die Arbeiter u. a. eine Bildhauerarbeit, die aus dem 11. «ober 12. Jahrhundert stammen soll und ein Schiff in Form eines Wikinger-Schiffes darstellt. Der an der Lahnverlegung tätige Bagger legte eine alte Uferbefestigung, anscheinend ein früheres Wehr, frei, das schon sehr alt fein muß, da es in keinem der alten Marburger Stadtpläne verzeichnet ist. Aburteilung einer ISföpfigen Räuberbande. WSN. Darmstadt, 1. Sept. Die aus nahezu 2 0 Personen bestehende Räuberbande unter Führung eines gewissen Decker aus Offenbach, die namentlich in den Jahren 1931 und 1932 umfangreiche Diebstähle und Einbrüche in der Gegend von Frankfurt, Offenbach, Hanau, Ilsenburg, Darmstadt, Langen, Groß-Gerau usw. verübte. hatte sich heute in Darmstadt vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Die beiden Hauptführer der Bande, Adam Becker aus Offenbach und Franz Straub aus Sprendlingen, erhielten vier Ilahre bzw. zwei Jahre sechs Monate Zuchthaus. Ein gewisser K. K r e p p e l wurde für drei Jahre und vier Monate und Heinrich Ilost aus Göhenhain für drei JahreundsechsMonate hinter schwedische Gardinen gesetzt. Willi Streb und Willi Himmelreich, beide aus Ilsenburg, erhielten je ein Jahr und einen Monat Zuchthaus. Spielplan der Frankfurter Theater. Opernhaus. Dis Freitag, 8. September, geschlossen. Samstag, 9., und Sonntag. 10. September. 20 bis gegen 22.30 Uhr, Werbe-Abend. Schauspielhaus. Sonntag, 3., und Montag, 4. September, 20 bis 23.15 Uhr, auf dem Römerberg, „Die Ikungfrau von Orleans". Ab Dienstag, 5. September, geschlossen. Aus dem Reiche der Krau. Oer Säugling turnt... ... und fühlt sich wohl dabei. DaS Steckkissen ist zum Glück fast überall verbannt. Freiheit des Handelns soll man schon dem kleinsten Kinde gewähren. Strampeln ist außerordentlich gesund, ilnb dann viel frische Lust und Sonne. Nur direkter Luftzug und Sonnenhitze müssen vermieden werden. Als Lagerstätte dient eine feste flache Matratze oder ein Torftrockenbettchen als Unterlage und ein dünnes Rohhaarkissen für das Köpfchen. 2m Sommer eine leicht« Steppdecke zum Zudecken, im Winter ein Federbettchen. Das ist die richtig bereitete Lagerstätte. Wenn es heiß ist, genügt zum Zudecken ein Leintuch. Verkehrt ist ein Herumtragen des KindeS, wenn es schreit, auch das Schaukeln des Bettchens oder der Wiege oder das Herumfohren im Kinderwagen. Heutzutage „wartet" man das Kind nicht mehr. Wenn sie trocken gelegt sind und die richtige und ausrei- chende Nahrung bekommen haben, läßt man sie lieber einmal schreien, als sie zu verwöhnen. Das Schreien stärkt die Lungern Mit der Gymnastik kann.man bei einem Säugling schon sechs bis acht Wochen nach der Geburt beginnen. Die ersten Versuche macht man in der Badewanne. Beim Bad, das nicht nur zur Reinigung bestimmt ist, macht ein kleines Kind zumeist die stärksten Bewegungen; das Plätschern bereitet ihm Freude. Dadurch wird die Muskulatur vom ersten Tage an gestärkt. Nach sechs bis acht Wochen beginnt man mit dem Turnen. Selbstverständlich sind es zuerst einfache Bewegungen, die regelmäßig ausgcführt werden müssen. Jede junge Mutter kann sie nach Befragen des Arztes oder der Säuglingsschwester leicht aus'ühren. Diese Gymnastik hat das Ziel, durch eigene Kraftanstrengung den Körper zu stählen. Eine der ersten Bewegungen ist das Deinheben. Das Kind wird auf eine flache Matratze gelegt, und beide Beinchen werden nach oben gehoben. Nach und nach kann man mit Leichtigkeit die Zehen bis zum Munde führen. Diese Llebungen stärken die Rückenmuskeln. Die zweite Bewegung ist, die Beinchen weit auseinanderzuspreizen und wieder zu schließen. — Zunächst vorsichtig sind Spann- beugcn auszuführen. Das Kind wird auf den Rücken gelegt und an den Beinchen hochgezogen, bis nur der Kopf auf der Unterlage ruht. Die älebung kräftigt die Bauchmuskulatur und trägt zur Stärkung und Wölbung des Brustkorbes bei. Auch seitlich kann man diese Spannbeugen vornehmem Das Kind ruht auf dem Köpfchen, abwechselnd auf der linken oder rechten Seite und stützt : sich dabei auf seine Händchen. Diese Bewegungen stärken außerordentlich die seitlichen Rumpfmuskulaturen. Bedingung ist, das Kind nicht au sehr anzu- strengen und allmählich die Zahl der älebungen und Bewegungen zu steigern. Nach Beendigung der Gymnastik soll man das Kind zum Liegen bringen. Wenn diese Gymnastik richtig ausgeführt wird, wird das Kind selbst große Freude daran haben. Es wird gestählt und abgehärtet und widerstandsfähig gegen Erkrankungen. Die Grundlage eines gesunden Menschen wird durch sachgemäße Säuglingserziehung gelegt. M. M. Der gute alte Fett-Topf. V. A. Llnsere Zeit erfordert ein Zusammenhalten aller Volkskreise. Ein Stand muh für den andern einstehrn un& ihn mit ganzer Kraft unterstützen, sonst kann das große Werk, unser Volk von inneren und äußeren Feinden zu befreien, nicht gelingen. Die deutsche Hausfrau muh sich jetzt ihres Wertes und ihrer Bedeutung bewuht werden und jede Arbeit in ihrem Haushalt unter volkswirtschaftliche Gesichtspunkte stellen. Eine große Sorge für fast alle Hausfrauen ist die Frage der ausreichenden Fettbeschaffung für die gesunde Ernährung der Familie. Man wird sich in seinem Haushalt wieder aufchlte bewährte Methoden einstellen müssen. Was unsere Vorfahren konnten, das müssen auch wir können. Zum Braten, als Zutat bei der Gemüse- und Tunkenherstellung muß der gute alte Fett- Topf wieder eingeführt werden, wenn er auch vielleicht etwas mehr Arbeit bereitet als fertig gekaufte Fette. Wir hatten uns in manchen solchen Arbeiten bedenklich von deutschen Sitten entfernt und unS amerikanische angeeignet; fort damit, nur ein ganz klein wenig Sport weniger, etwas mehr volkswirtschaftliches und bauswirtschaftliches Interesse und wir haben mehr wie genügend Zeit, um Talg, Schmalz und Nierenfett und ein wenig Butter zusammen zu verarbeiten und den bewährten Fett-Topf zu füllen. Man kaufe sich dazu ein Pfund Rindertalg, der in kleine Würfel geschnitten und eine Nacht gewässert wird, dann aus dem Wasser nehmen, in einen Topf gießen und ein Achtel Liter 'Wasser aufgießen, den Topf schließen und langsam zwei Stunden schmoren lassen, dann ist das Wasser verdampft, bei offenem Topf noch etwas schmoren lassen, dann das ganze auf ein Sieb gießen. Das durchgelaufene Fett mit den übrigen Fettsvrten später mischen. Die Grieben salzen und entweder zu Hülsenfrucht- und Kartoffelsuppen verwenden, oder bei Frikadellen mit verwerten. Ferner nehme man ein Pfund Schweineflomen, die man gleichfalls, jedoch ohne Wasserzugabe, ausläht ein Pfund Kalbsnieren- fett, das man mit etwas Milch ausläht. Dann kann man ein halbes Pfund Butter schmelzen und alles heih in einen Steintopf gießen, durchrühren und erklalten lassen. Die Schweine- und Kalbsgrieben schmort man mit einigen ganzen Zwiebeln und Aepfeln und esse sie als Brotbelag. Das auf diese Weise gewonnene Mischfett, bei dem man die Zugabe von Fett, das aus geräuchertem Speck gewonnen ist, vermeiden muß, eignet sich auch sehr gut, um darin bestimmt Mehlspeisen zu kochen, wie Sprihgebackenes, Berliner Pfannkuchen, ferner Fischfilet und ähnliches. Möge Großmutters bewährter Fett-Topf wieder zu Ehren kommenl Schwere Zeiten sind dazu da, daß man sie klug und geschickt überwindet, sie erziehen und zur Einfachheit und dem stolzen Bewußtsein, daß auch die geringste Arbeit vaterländischen Wert hat. Wie wird die Lhestandsbeihilse richttg angelegt? Zwei praktische Vorschläge zur Gründung eines Hausstandes. Mit der Beihilfe von 1000 Mark für junge Ehen stellt der Staat das Paar, das sich damit ein Heim gründen soll, vor eine wichtige und verantwortungsvolle praktische Aufgabe. Um wertvolle Anregungen zu gewinnen, die den Empfängern der 1000-Mark-Anleihe Zeit und Fehlausgaben sparen können, bringen wir zwei Vorschläge von Mitarbeiterinnen. Wir bemerken dazu, daß in diesen Vorschlägen auf die Angaben von Preisen natürlich nicht verzichtet werden konnte, daß aber die Preise im einzelnen Fall immer wieder verschieden sein werden. Wichtig ist, daß Mehrausgaben auf einer Seite durch Einsparungen an anderen Posten ausgeglichen werden. I. Wer eine größere Summe auf einmal in die Hand bekommt, wird gut daran tun, zunächst an die großen Anschaffungen zu denken und die kostspieligen Sachen möglichst restlos zu beschaffen. Für die Ergänzungen ist später immer noch Zeit; größere Aufwendungen aber finb schwierig, wenn erst einmal ein Hausstand erhalten werden muß. Darum gilt es zunächst, das Notwendigste anzuschaffen; die Devise dabei sei: wenig aber gut! Was braucht heute ein junges Paar? Es will in erster Linie behaglich wohnen und bequem schlufen; Gesellschasten, auf die früher die Wohnungen in erster Linie zugeschnitten waren, sind überflüssig geworden oder werden eben in bescheidenem Rahmen gegeben. Ich persönlich stelle mir eine Anderthalb- bis Zwei-Zimmerwohmmg mit Bad und Küche als völlig ausreichend vor. Run würde ich aber nicht nach der noch immer beliebten Einteilung verfahren und etwa ein „Speisezimmer" und ein Schlafzimmer wählen. Wer nur zwei Räume zur Verfügung hat, sollte auf ein besonderes Schlafzimmer, das viel zu wenig ausgenutzt wird, verzichten. Auch ein spezielles Eßzimmer, das ganz ausgesprochen den Charakter des Speiseraumes trägt, braucht man nicht. In einem kleinen Haushalt sind viele Dinge weit nötiger als ein Buffet und eine Anrichte oder Kredenz. Ich würde mir also ein großes Wohnzimmer einrichten, in dem auch geschlafen wird; außerdem noch einen zweiten kleineren Wohn- und Ehraum. Aus dieser Einteilung ergibt sich bezüglich der Möbel bereits, daß man keine sogenannten „kompletten" Zimmereinrichtungen gebrauchen kann. Man wählt also Einzelmöbel, dre man sich nach eigenem Geschmack zusammenstellt. Wer einen guten billigen Tischler weih, läßt sich auch wohl nach eigenen Angaben das Mobiliar anfertigen, und zwar möglichst die gleiche Holzart für beide Zimmer, so daß man die Sachen nach Belieben auswechseln und auch in einem Raum unter* bringen kann, wenn es nötig ist. Für das Wohn- und Schlafzimmer denke ich mir folgende Möbelstücke als für die erste Zeit genügend: eine große Doppelcouch, einen runden Tisch, ein paar Stühle, zwei bis drei bequeme Sessel, und- für Kleider, Schuhe und Wäsche einen großen älniversalschrank mit entsprechender Einteilung. Im Wohn- und Eßzimmer nebenan aber müßte ein ovaler Tisch stehen, möglichst zum Ausziehen, ferner Stühle, Tischchen, ein weiterer älniversalschrank, niedrig, hübsch gearbeitet, der sowohl Geschirr wie Nähzeug, Grammophonplatten und Bücher in sich aus nehmen kann, endlich, wenn möglich, eine Chaiselongue, auf die man sich zur Nachmittagsruhe zurückziehen kann und wo man notfalls einen Logiergast unterbringen könnte. Aus den Korridor kommt eine einfache Schleiflackgarnitur, — im Badezimmer genügen ein Spiegel und ein Bortbrett, und in der Küche steht außer Tisch und Stuhl nichts als ein weiterer älnidersalschrank, der sämtliche Küchengeräte aufnimmt. An sonstigen Einrichtungsgegenständen gehört in jedes Zimmer außer Gardinen ein Teppich, ferner mindestens je eine Stehlampe, Küchengeschirr und Zubehör würde ich gleich möglichst vollständig anschaffen, da man sich zu Ausgaben für diesen Ressort später nur sehr ungern entschließt. Dagegen würde ich das Gebrauchsservice einfach und nicht allzu vollständig wählen, da es unnötig Platz wegnimmt; aber ein Muster aussuchen, das man jederzeit nachkaufen kann. Die Summe von 1000 Mk. verteilt man meiner Auffassung nach am besten so daß man für die Hauptgegenstände (die Doppelcouch und die drei älniversalschränke) etwa 400 bis 500 Mk. auswirft; für Tische, Stühle, Chaiselongue und Flurgarderobe bringt man etwa 300 Mk. in Ansatz. Die restlichen 200 bis 300 Mk. würden sich bann nach Belieben auf Gardinen, Teppiche, Lampen und Geschirr aller Art verteilen. Dr. Eva Wendorff. II. Der neue Staat erweist der deutschen Frau ein großes Vertrauen in ihre auf bauenden Fähigkeiten. Er gewährt eine Ehestandsbeihilfe von 1000 Mk., wo es notwendig ist, und er fördert die Familiengründung. Gibt es eine größere Aufgabe für die Frau als Mitarbeit am Aufbau des neuen Staates, die sie löst, indem sie ihre schönste Pflicht erfüllt, nämlich die, Frau undMutterzu fein? Ihr sehnlichstes Streben nach einem eigenen Heim, nach eigener Familie zu erfüllen, hilft ihr der Staat, älngefähr 70 Prozent des deutschen Volksvermögens gehen durch die Hände der Frau, und sie muß sich bewußt fein, daß sie über wertvolles Gut zu wachen hat. Also frisch zugepackt mit neuen Kräften bei der Gründung des Hausstandes. 1000 Mk. stehen zur Verfügung, da heißt es, genaue Pläne zu machen für die Einrichtung einer wohnlichen und zweckdienlichen Häuslichkeit. Was soll angeschafft werden? Versuchen wir es mit einer Wohnküche und einem Schlafzimmer. Da wir darauf bedacht fein müssen, möglichst praktische Gegenstände zu kaufen, nehmen wir einfache glatte Kind und Sprache. Die kleine Brigitte macht sich verständlich. Ost wird man durch die Treffsicherheit eines Ausdruckes überrascht, den ein Kind erfand, um fich verständlich zu machen. Gar mancher.könnte vielleicht sogar eine Bereicherung unserer Sprache sein! Deshalb haben sich denn auch schon viele Seelenforscher mit der Sprache des Kindes befaßt. Im Folgenden möchte ich einiges von der Sprache meiner Tochter Brigitte erzählen, zwischen dem 2. und 5. Lebensjahr. Neuschöpfungen sind gewiß selten, kommen aber doch bisweilen vor. Wenn Brigitte, 23/g 2ahre alt, eine eingebildete Spielgefährtin, „Ia-uhda" ruft, so geschieht es ganz offenbar in der Absicht, einen noch nicht vorhandenen Namen zu nennen, ebenso wenn sie etwas zeichnet, was sie „Mosa" oder „Osä nennt. Als ich sie frage, wie denn so was aussieht, sagt sie: „Ach. so ähnlich wie ein Hund", und auf die Frage, was es" denn tut, antwortet sie rasch: „Die Mosa "leckt doch die Sonne auf!“ So nennt sie mit 3 Iahren die Sohle eines neuen Gummischuhes „broffelig" und einen Lufaschwamm in Form einer Keule zum Rückenwaschen ein „Posel". Mit 41/. Iahren sagt sie bei Schmerzen in einem Zähnchen, es sei ein „Schwirl" darin, und mit 5 Iahren heißt ein klei- ' nes Spielzeug, das sich rollend aufdreht, „Schnerps". In der Regel sind jedoch neu scheinende Wörter einer Kindersprache nur falsch gehörte oder falsch wiedergegebene vorhandene Wörter. Meistens werden aber wenigstens die Klanglaute richtig wiedergegeben, wie z. B. in dem Wort „Dida" für Ticktack. Häufiger als Aeuschöpfungen sind Zusammensetzungen. Brigitte sagt „Spielbär" zum älnterschied von dem lebendigen Bär im Zoo, und weiße Wolken nennt sie „Sonnenwolken" im Gegensatz zu den schwarzen Regenwolken. Bei einer luftigen Melodie auf dem Tonkasten macht sie einen „Tanzhüps". Noch häufiger sind natürlich die Ableitungen. Da werden einmal aus schon bekannten Zeitwörtern neue Hauptwörter gebildet. So fragt Brigitte mit zwei Iahren, als sie zum erstenmal Geige spielen sieht, in der Pause: „Wo hat der jetzt seine ..Schabe' hingetan?" Im gleichen. Alter nennt sie, als sie einmal Auto fährt, eine scharfe Kurve, bei der wir alle umsallen, lachend einen „Drehwinkel". Genau so bildet sie selbständig die „Oele“ für das Oelkännchen, die „Lösche" für Löschpapier und die „Drehe" beim Tonkasten. Als sie zu Weihnachten in ihrer Puppenküche ein kleines Hackmesser entdeckt, ruft sie stolz: „Ietzt hab ich grab so eine .Petersilienhaue' wie die Oma!“ ilnb als sie eines Tages ihr kleines Dlechauto neben den Staubsauger gestellt hat und ich ihn fortnehmen will, ruft sie entrüstet: „Aber das is doch seine .Tanke'I" Ist das nicht hübscher und kürzer als Tankstelle? Den Kontakt nennt sie Lichtanmache, ihr Federbett das „Zudeck", Schippe und Besen das „Kehr". (Besser wäre allerdings der Zudeck und der Kehr.) Als sie sich einmal am Aermchen kratzt und ich sie frage, was sie da habe, sagt sie: „Einen Iuck!" Endlich findet sie an ihrem Kleid einen „Aufhäng". Wie richtig gegenüber der Sprachgewohnheit, die von einem Aufhänger spricht, was doch schließlich ich selbst bin, wenn ich bas Kleid auf- hänge! Ebenso richtig nennt sie die — allgemein — Schieber genannte Hilfe beim Essen „Schiebe". Für den Umlaut hat sie ein feines Gefühl. Als ich mal sage „röter", belehrt sie mich: „Aber Mama, das heißt doch roter, sonst meint man ja, es hieße „röt". Aber richtig bildet sie andrerseits „Hänfen“, d. h. blank machen. Dann sind es auch die von Haupt- und Zeitwörtern abgeleiteten Beiwörter, vor allem mit der Nachsilbe ig, die den Kindern leicht fallen. So sagt Brigitte: „Ich bin heut so „tobig“, ober „das ist aber eine toeinerige Geschichte, er« ftäbt doch mal was Lachiges." Nach dem Besuch des Zoos erzählt sie: „Der Affe war soo nett und fletterig. * Deirn Waschen, als ihr das Wasser zu kalt ist. ruft sie: „Ich bin ja ganz berfeigt!" und ihre Hände sind, nachdem sie Iohannisbeeren gegessen hat, „verheert". Ein Haus mit einem roten Dach wird ein „feuerliches Haus" genannt und eine Pappel im Wind ein „Zackbaum“. Ihr 3im- mer will sie „Kind“-Zimmer genannt haben statt Kinderzimmer, denn: „sonst meint man ja, es seien viele darin, und nun weiß man, es gehört einem Kinde. Wenn das Zeitwort unbekannt ist, werden Ableitungen von den bekannten Hauptwörtern gebildet, Brigitte sagt: „Mama, ich hab eben „ge- biebt“ (statt gestohlen). Auch hat sie mit den Glocken „gebimmbammt“. Einmal lege ich eine neue Platte auf den Tonkasten. Brigitte: „Is das die blaue Donau? dann tanz ich!“ Ich: „Nein, das ist ein Marsch!“ Brigitte: „Da marscht man, gell?" Wieviel schöner ist doch dies Wort als das sonst gebrauchte mit der fremden Endung ieren! Wie wenig überhaupt undeutsche Fremdwörter dem Kinde „liegen", sehe ich täglich an meiner Kleinen, die nur über solche Wörter, und zwar in jedem Falle stolpert. Wie leicht ist es deshalb, unsere Kinder eine schöne und reine Muttersprache zu lehren, die doch unser höchstes volkliches Gut ist! Der Sinn für die Klangfarbe eines Wortes ist wohl auch meist beim Kind vorhanden. Cs hört, ob ein Wort hell ober dunkel und damit froh oder traurig klingt. Brigitte verbindet mit dem Klang eines Wortes wirklich eine Farbe: „Das ist aber ein rotes Wort" oder: „sag es noch mal braun" (als wir beim Spielen in verschiedenen Tonhöhen „Bah" rufen). Diese kleine Auslese erbringt wohl von neuem den Beweis für die sprachlichen Fähigkeiten unserer Kinder, worin Eltern und Erzieher sie nur viel mehr — allerdings mit kritischem Verständnis — unterstützen sollten, ehe diese Gabe verkümmert, anstatt die Kinder nur immer wieder durch Verbessern zu dem Althergebrachten zu führen. E. L. St.. Holzmöbel. Denn je mehr Arbeitskraft wir spare« im Haushalt, desto mehr Zeit haben wir dann für unsere Familie, für unsere Kinder übrig. Was gehört alles in unsere Wohnküche hinein? Da ist zunächst das Küchenbüfett für Eh- und Kochgeschirr, für Eh- und Kochbestecke. In einer Ecke können wir einen Vorhang spannen und dahinter Besen und Putzzeug unterbringen. Einen Herd haben wir in vielen Gegenden bereits in der Küche, so brauchen wir noch ein Sofa, Tisch unb Stühle und ein Regal, auf das wir unsere Töpfe mit den notwendigsten Kolonialwaren stellen können, ünb die Preise für diese Wohnküche ? Als Höchstsummen könnten wir die folgenden zur Richtschnur nehmen: Mk. Mk. Ein Küchenbüfett mit Regal 80,— Geschirr (ein Satz Kochtöpfe, zwei Pfannen, einige Emailleschüsseln. Waschwanne, Back- und Puddingform, Fleischmaschine, Reibeisen usw., Ehgeschirr für vier Personen, Eßbestecke für vier Personen, Holzlöffel unb -brett usw.) 120 — Tisch, Stühle, Sofa 80,— Puheimer, Putzlappen, Besen, Schrubber, 12 Küchentücher, Steintöpfe für Putzmittel usw. 40,— 320,— Nun kommt das Schlafzimmer an die Reihe. Da brauchen wir zunächst zwei Betten mit Matratzen und Federbetten, ferner einen Schrank, eine Kommode mit Waschgeschirr, falls unser lleines Eigenheim kein Cbaböimmer hat. Außerdem brauchen wir Bettwäsche und Handtücher. Hier könnten wir uns folgende Preise als Höchstgrenze vornehmen: Mk. Mk. 2 Betten mit Matratzen und Federbetten 150,— 1 Schrank 100,— 1 Waschkommode mit Spiegel und Geschirr 60 — 2 mal Bettwäsche pro Bett und Handtücher und Frvtt^tücher 70— 380,— Bis jetzt haben wir 700 Mk. ausgegeben. Nun nehmen wir weitere 100 Mk. für Kleinigkeiten, die unser Heim wohnlich und gemütlich machen, d. h. also für Lampem, Vorhänge, Bettvorleger und einige Dinge, die unser persönlicher Wunsch sind, damit wir uns heimisch fühlen. Damit haben wir SCO Mk. ausgegeben, es bleiben also noch 200 Mk. übrig. Ich denke, diese Restsumme sparen wir uns für besondere Fälle, in der Hauptsache aber für unser Kindchen, das wir doch möglichst bald haben möchten. Wir müssen dann>doch Bett und Wäsche kaufen für unseren kleinen Erdenbürger, unb wir wissen ja, daß das erste Kind in bezug auf die Anschaffungen teurer ist als das zweite unb dritte. Nun können wir beruhigter in die Zukunft sehen, weil wir noch eine Reserve haben. Hilde Huber. Genfgurken. Man nimmt hierzu große Schlangengurken, schält sie, schneidet sie der Länge nach in vier Teile, befreit sie von den Kernen, schneidet sie in heliebig große Stücke unb stutzt diese rundlich zu. Dann läßt man Wasser mit etwas Salz kochen, tut die Gurken hinein, läßt sie einmal aufkochen, legt sie in einen Durchschlag, läßt sie sehr gut abtropfen, tut sie in einen Napf und gießt so viel guten Weinessig. der mit etwas Salz ausgekocht ist. darüber, daß sie reichlich damit bedeckt finb. Nach einigen Tagen schüttet man die Gurken in einen Durchschlag. läßt den Essig abtropfen. legt die Gurken mit ganzem Pfeffer. Muskatblüten, roten Pfefser- schoten, weihen Senfkörnern, Schalotten, würfelig geschnittenem Meerrettich, Lorbeerblättern und Estragon schichtweise in Gläser oder Töpfe ein, kocht den Essig mit Gewürznägeln auf, schäumt ifm aus. läßt ihn verkühlen unb gieht ihn durch ein Sieb auf die Gurken. Nach Verlauf von 8 bis 14 Tagen gießt man den Essig ab, kixht und schäumt ihn, läßt ihn erkalten, gießt ihn wieder auf die Gurken unb bindet die Töpfe ober Gläser fest mit starkem Papier ober Blase zu. Die praktische Hausfrau. Abgebrannte Streichhölzer, Kerzenreste unb getrocknete Kartoffelschalen eignen sich zum Feueranzünden. • Kleine Löcher in seidenen Geweben unb seidenen Strümpfen stopft man mit einem Frauenhaar fast unsichtbar. Waschleder-Handschuhe werden weich wenn man dem warmen Spülwasser ein paar Tropfen Glyzerin beifügt. • Einmachgläser springen nicht, wenn man he auf etn heißes ausgewrungenes Tuch stellt und barm einschlägt, bevor man den Inhalt rymetntut. e .© a l a t ö l wird niemals dick, wenn man einen ßiter nut einem Teelöffel Salz vermischt. Leber laßt such muhelos häuten, wenn man ne vorher nur eine Sekunde in heißes Wasser taucht. ♦ Rühreier werden wohlschmeckender, wenn man auf jedes Ei eine Messerspitze geriebenen Parmesankäse gibt • Seines Tafelsalz stellt man in einer Minute qer, wenn man Salz in gut getrocknetem Zustand auf ein Kuchenbrett schüttet unb einige Male kräf- tig mit dem Nudelholz darüber fährt. * Silbersachen werden bei folgender Behänd« lung wieder wie neu: Man bereite eine Seifenlaug» oon guter weißer Seife ohne jeden anderen Zusatz, stelle oder lege die Silbergegenstände hinein und lasse sie einige Minuten aufkochen. Man reibt sie Darauf am besten mit feinem Sägemehl trocken. Die Gegenstände werden vollkommen sauber und glanzend. N. 380,- Wtfioutfrau. -Streichhölzer, e Katt°Me lausen für unseren kleinen lvir wissen ja, daß das erste f die Anschaffungen teurer ist d dritte, Äun können wir be- tunft fäen, weil wir noch eine Hilde Huber. Ad ’°We.itoei SS UNd a 80,- L ,ur unL bit'fr n unsere Tn p51 übti« Küchenn.?^nlüch7§S, unÄS lür^n? ^igften WeJ Dreisefü^Utalwa^ ^mren: uie foig^. Be'en ___' AK,- Äffe * M. Geschirr, sM eine ä-sZZ USSSftS rnfgurken. rzu große Schlmgengurken, r der Länge nach in vier Teile, innen, schneidet sie in heliebig stutzt diese ninblid) zu. Dann nit etwas Salz kochen, tut die : sie einmal aufkochen, legt sie in läßi sie sehr gut abtrvpsen, tut und gießt so viel guten Dein- is Salz ausgekocht ist, darüber, amit bedeckt sind. Aach einigen in die Gurken, in einen Durch- Wg abtrvpsen, legt die Gurken rr Duskatblüten, roten Pfeffer« enskörnern, Schalotten, wurfeiig eerrettich, Lorbeerblättern und eise in Gläser oder Töpfe «m, t Gevürznägeln aus schäumt ihn -kühlen und gießt rhn durchem fert Aach Derlaus von 8 bis 14 den Essig ab, kocht u^ schäumt llten, gießt ihn wieder aij die ■ -je Töpfe oder Gläser fest mt *t Blase zu. 'x^ube werden weich. ™ * reifügt. er springen nicht, wem SSSS*"" «'S5Ä5** lL ' . ,iner V'nutr W5* SS** , ♦ ... Aham' MH '»«iS-'** ■ roerdkn Wirtschast. Kaufmännischer Siell-nmartt im August gebessert. Mjp ha« wünscht allen auch - tPersif (---VI Hl, 'Diefes pratfi/cl)? Such eng eratge- fyörrinjebeSufye' (Es ijtin altenfausfyilte Wiittertfsw Unfall-, Haftpflicht-, Auto-, Kautions-, Einbruch-Diebstahl-, Lebens-, Renten-, Kinder-, Aussteuer-, Studiengeld« V em ehern mg en Prospekte und Auskünfte bereltwilligsti Subdirektion Frankiurt a.M. Mainzer Landstr. 19 Tel. S. Nr. 33347 Mitarbeiter überall gesucht Geschäfts-Drucksachen SSKÄ1 Briefumschläge bei Brühl, Schulstraße 7 Geschäftskarten Siedle Dich glücklich! 2679d Frage Ab6 Till 3 H R läBünHäl Lernt 5376 D Maldiinenlchreihen Montag. 4. Septemb., abends 19 und 20 Uhr Eröilnnng derneuen Kurse im 10 - Fiuger- Bliadschr. Preis 5 M. Toroeüo Kurt Leipold. Lndwigstraße 20,1. 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Das zeigt sich an der Emsigkeit, mit der man bei den Regierungsstellen an der Fertigstellung der Ausführnngsbestimmungen zur praktischen Verwirklichung des gesetzlichen Schutzes der Natur arbeitet. Noch ist man aber von Staats wegen gehemmt, jenen vielen wichtigen Forderungen des Naturschutzes Rechnung zu tragen, die schon früh mit Nachdruck von allen möglichen Seiten erhoben worden sind: so z. B. hinsichtlich der Schaffung von Naturschutzgebieten. Hessen besitzt erst seit wenigen Fahren ein einziges derartiges Gebiet, und für die noch zu schaffenden reichen im Augenblick die staatlichen Mittel nicht im Entferntesten aus, da der Nntznießungsvcrzicht und die Ablösung der Privatbesitzer dem Staatserwerb noch große Schwierigkeiten bereitet. Dennoch aber wird auch hier in absehbarer Zeit ein Weg zum Ziele führen, nämlich durch Einsatz eines im Rahmen des von Ministerialrat Rinqshausen neu gegründeten Hci- matbundes errichteten Naturschutzringes. Diesem, der riesigen Dachorganisation des aus allen kulturellen Bereinigungen Hessens bestehenden H e i m a t b u n d e s organisch angegliederten N a t u r sch u tz r i n g werden alle jene Großverbände im „Gleichschaltungs- Verfahren auf freiwilliger Basis zugeordnet, die von jeher sich die Wahrung, von Naturschutzbelangen auf die Fahne geschrieben hatten. Durch diese Gesamtvereinigung wird die früher in Hessen vorhandene Zersplitterung aufgehoben, und die einst zur Bedeutungslosigkeit verurteilten Forderungen von Vereinigungen, die sich nicht durchsetzen konnten, werden auf eine allgemeine Grundlage gestellt. Auch die Beschaffung der erforderlichen Mittel kann auf diese Weise sichergestellt werden. Schon haben sich alte angesehene Verbände, die schon seit langem im Kampf um Heimatschutz und Naturerhaltung stehen, wie der Vogelsberger Höhenklub, der Odenwaldklub, der Hessische Jagdklub, der Hessische Vogel- schutzvcrcin, die Oberhessische Gesellschaft für Naturkunde u. a. bereit erklärt, die Arbeit des Heimatbundes mit beträchtlichen Mitteln finanzieller und sonstiger Art zu unterstützen, so daß die Schaffung von Naturasulcn oder sogar größerer Naturschutzparks (Kühkopf, Obcrwaldregion), sowie die Herausgabe von Abbildungstafeln geschützter Tiere und Pflanzen zum Zwecke der Volksaufklärung eine greifbare Form angenommen hat. Es ist ganz klar, daß der hessische Staat einen solchen Hcimatbund, der unter der Leitung eines Rcgicrungsvertreters steht und der den Absichten des Staates in einer so positiven Weise Hilfsstellung leistet, seine ganz besondere Förderung angedeihcn läßt, ja sogar, daß man einen solchen Bund geradezu als staatlich autorisiert ansehen kann. In dieser Hinsicht hat R i n g s h a u s e n , der schon im politischen Leben der Bewegung soviel Pionierarbeit geleistet bat, auch eine kulturelle Großtat vollbracht! Neben diesem Hand-in-Hand-Arbeiten von Hcimatbund und Staat ist aber inzwischen zum Zwecke der Neuordnung des Naturschutzdienstes in Hessen noch einiges mehr geschehen. Bekanntlich sind für alle Hoheitshandlungen bei der Durchführung des Naturschutzes der Minister des Innern und seine örtlichen Dienststellen, also die Kreisämter (für die Anordnung) und ihre Nachgeordneten Instanzen (für die Ausführung) zuständig. Die praktische Durchführung und Ueber- wachung aber, insbesondere die Bearbeitung der sachlichen Aufgaben des Natur- fchntzes ist Sache der obersten Forstbchörde und ihrer Dienststellen im Land (Forstämter). Nun kommt das Neue! Da es sich herausge- stellt hat in früherer Zeit, als nur das Vogel- schutzgesetz und das Denkmalschutzgesetz von 1902 in Geltung waren, daß es nicht genügt, wenn der Naturschutzdienst nur dem Staate und seinen beamteten Vertretern überlassen bleibt, die oftmals nicht über die genügende Sachkenntnis verfügten, da es sich weiterhin gezeigt hat, daß es noch ein weiter Weg ist vom papiergeschriebenen Schutz bis zur Erhaltung des Einzellebewessns und damit vom toten Gesetz bis zum lebendigen Naturschutz, hat das neue Naturschutzgesetz vorgesehen, daß je nach Art und Umfang der Aufgabe die Forstbehörde die beratende und unterstützende Mit- Denkt an die „Stiftung für Opfer der Arbeit"! Einzahlungen an Reichskreditgesellschafl Berlin W 8, Behrensflraße 21/22, sowie auf deren Reichs- bankgirokonlo und deren Postscheckkonto Berlin 120 unter Angabe der üontobezeichnung.- „Stiftung für Opfer de«- Arbeit". arbeit geeigneter fach- und lokalkundiger Persönlichkeiten heranzuziehen hat. Das Naturschutzgesetz sieht daher die Einrichtung eines st ä n d i g e n Ausschusses von Vertrauensleuten vor, die im Sinne und Rahmen des staatlichen Erlasses einen ehrenamtlichen Hilfs- dienst leisten. Dieser Ausschuß von Vertrauensleuten wurde nun am 29. Mai d. I. von der oberen Forstbehörde berufen und von ßanbforftmeifter Hesse in seine Arbeitsbestimmungen eingeführt. Mittlerweile ist der Arbeitsplan durchorganisiert worden, so daß der Naturschutzdienst heute folgendermaßen aussieht: Zunächst ist ganz Hessen in Arbeitsbezirke auf regionaler Grundlage aufgeteilt worden, d. h. die Grenzen der Einzelbezirke lehnen sich an die natur- gesetzten Unterschiede der Landschaft an und berücksichtigen die Möglichkeiten der örtlichen Ver- kehrsoerhältnisse. Unterteilungen vorbehalten, ergibt sich somit folgende Bezirkseinteilung: Rheinhessen besteht als Gesamtgebiet, in Starkenburg werden aufgeteilt die östliche Mainebene, Rhein- ebene und westliche Mainebene, der Urgebirgs- odenwald mit dem nördlichen Vorgelände und der südliche Urgebirgsodenwald mit seinem Vorgelände, dann der Buntsandsteinodenwald. Oberhessen teilt sich in südliche Wetterau mit Taunus und südlichem Vogelsberg, weiterhin nördliche Wetterau mit dem Gießener Becken, das Oberwaldgebiet des Vogelsberges und den nördlichen Vogelsberg. Für Oberhessen sind lokale Vertrauensleute di« Herren Prof. Dr. Henneberg (nördliche Wetter- au und Gießen), Lehrer O ß w a l d (südliche Wetterau und Taunus), Kulturinspektor Otto Vogt (nördlicher Vogelsberg) und Herr Buß- Schotten für das Oberwaldgebiet. Alle Vertrauensleute besitzen als Naturheger örtliche Polizeige w a 11 und sind berechtigt, in schweren Betretungsfällen mit gesetzlichen Mitteln durchzugreifen. (Schluß folgt.) Kleine politische Nachrichten. Der Reichsinnenminister weist darauf hin, daß sich die zur Durchführung des Berufsbeamtengesetzes vorgesehene Gebühren- und Stempelfreiheit ausnahmslos auf alle Verhandlungen, Urkunden und amtliche Bescheinigungen erstreckt, die erforderlich werden, gleichviel, ob staatliche ober kirchliche Behörden in Anspruch qe- nommen werden. Die Vorschrift schließe auch die Erhebung einer Vergütung für das Aufsuchen von Urkunden und sonstigen Unterlagen aus. Der preußische Ministerpräsident hat den Generalfeldmarschall v. Mackensen und den General der Infanterie Litzmann zu preußischen Staatsräten ernannt- in Anerkennung ihrer großen Verdienste um das Vaterland in Krieg und Frieden und um ihre großen Erfahrungen weiterhin dem Staate nutzbar zu machen. (Schluß des redaktionellen Teilst Ein schönes Hochzeitsgeschenk, bas immer Freuds macht, ist der praktische Wandhalter für Persil-Ata- iMi. 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