Nr. 127 Erstes Blatt 183. Jahrgang ßreitag, 2. Juni 1935 Trichell« tflgltd), autz« Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustriert« (Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl, monatsBejugsprets: Mit 4 Beilagen NM. 1.95 Ohne IllustrieNe . 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Zernsprechanschlüffe anter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehe*. Postscheckkonto: granlfurt am Main 11686. MetzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vrvck und Verlag: vrLhl'sche Univerfitälr-Vuch- und Sleindruckerei K Lange in Stehen. Zchnftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,- für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrist 20" „ mehr. Chefredakteur. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen. Heraus aus -er Krise! Die Reichsregierung will durch ihren großzügigen Plan der Arbeitsbeschaffung das Schwungrad der Wirtschaft wieder in Gang bringen, damit dieses Schwungrad nach und nach alle anderen Räder wieder in Bewegung setzt. Es geht über Menschenkraft, den Produktionsapparat im ganzen Umfang wieder auf einmal in Gang zu bringen und es gehört schon Wagemut dazu, den Versuch da zu unternehmen, wo er die sicherste Aussicht auf Erfolg hat. Das Schlüsselgewerbe der Bauindustrie ist als das große Schwungrad ausersehen, den Produktionsapparat anzukurbeln. Erhebliche Schwierigkeiten hat sicher die Finanzierung gemacht, denn sie muß so hieb- und stichfest sein, baß nicht nur die Währung unerschüttert bleibt, sondern auch der notwendige Kapitalbildungsprozeß in Gang kommen Frankreichs Schrei nach Sicherheit. „Alles, was die Franzosen sagen, bezieht sich nicht Im mindesten auf die Sicherheit ihres Staates, sondern auf die Sicherheit ihrer Oberherrschaft." General von Elausewih (1831). „wenn das französische verlangen nach Sicherheit über die derzeitige, durch die französische Militärmacht und die Schuhverträge gewährleistete Sicherheit hinausgeht, dann bedeutet es nichts weniger als die Vernichtung Deutschlands, Oesterreichs und Ungarns. Dies wird die Welt aber niemals zulassen. Frankreich erfreut sich in Wirklichkeit einer größeren Sicherheit als irgendein europäisches Volk feil zwanzig Jahren." Senator vorah (1931). kann. Die Lösung, die fehl gefunden wurde, verletzt in keiner Weise die Dcckungsgrundsätze für die Reichsmark und die Bestimmungen des Bankengesetzes über die Diskontierung von Wechseln. Der Forderung wird Genüge getan, daß die Umlaufszeit der Wechsel drei Monate nicht überschreiten darf und daß sie nach mehrfacher Prolongation aus ordentlichen Haushaltsmitteln in den Jahren 1934 bis 1938 eingelöst werden müssen. Trotzdem werden die umlaufenden Mittel zur Entlohnung neuer Arbeits- kräfte um den Betrag von einer Milliarde vermehrt. Die Arbeitsschatzanweisungen werden in der Wirtschaft als zusätzliches Geld wirken, ohne die Währung zu gefährden. Dafür bürgt das volle Einverständnis des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht mit den getroffenen Maßnahmen. Die eine Milliarde Mark wird jedoch nicht sofort und im ganzen Umfang eingesetzt werden können, aber auch gerade das bietet die Sicherheit, daß jede Kreditausweitung durch die Schaffung neuer Produktionswerte gedeckt wird. Das technische Verfahren ist so ausgedacht, daß immer nur gewisse Spitzenbeträge zum Zuge kommen, so daß die Kreditausweitung durch die Arbeitsschatzwechsel nicht einmal in einer Steigerung des Notenumlaufs zum Ausdruck zu kommen braucht. Wer Großes erreichen will, muß auch Großes wagen. Die Reichsregierung hat das mit ihrem Arbeitsbeschaffungsplan auch getan, denn sie setzt viel auf eine Karte, um alles damit zu gewinnen. Sie kann das nur tun» weil s ic sich auf das Vertrauen des ganzenVolkes stützen kann, denn mir das gegenseitige Vertrauen von Regierung und Volk bringt auch den stahlharten Willen hervor, aus der Wirtschaftskrise heraus- zukommen. Wir müssen den Wiederaufstieg aus Der Tiefe beginnen, wir können also auch keine Zeit damit vertrödeln, Gewaltkuren an der Wirtschaft zu versuchen, so lange diese so krank ist, daß Kuren Dieser QIrt unter Umständen tödlich wirken. 3c eher und schneller wir uns alle dafür einsehen, an dem Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft mitzuarbeiten, desto eher kann die Reichsregierung selbst zuversichtlich daran gehen, den Schutt der letzten vierzehn Jahre wegzuräumen. Wie hoch die Zahl der Krisenopfer sein wird, um die der Arbeitsmarkt entlastet werden kann, läßt sich nicht voraus berechnen, da ja alles auf das schnelle Ineinandergreifen des Räderwerkes im Wirtschaftsplan der Regierung ankommt. Es sollen 400 000 Tiefbauarbeiter eingestellt werden, ohne daß sie zunächst in ein Dienst- oder Arbeits- Verhältnis im Sinne des Arbeitsrechtes eintreten. Ihnen wird der Betrag der Arbeitslosenhilfe, vermehrt um eine Vergütung von 25 Mark für vier Arbeitswochen und eine tägliche warme Mahlzeit gegeben. Man wird einmal unter den Erwerbs- losen Umfrage halten müssen, ob ihnen das starre Prinzip des vollen Lohnes in einem Geben ohne Beschäftigung und bei den Almosen der Wohlfah^ lieber ist als eine Ausfüllung ihres Dasers durch (Arbeit bei gleichzeitiger, wenn auch zunächst noch geringfügiger Verbesserung ihrer mate^ellen Daseinsgrundlage. Dabei ist stets zu beachten, daß hier keine endgültigen Zustände geschaffen werden sollen, daß hinter diesen Maßnahmen vielmehr die Aussicht auf eine immer weiter greifende Belebung der Wirtschaft steht, die schließlich allen arbeitswilligen Deutschen ein auskömmliches Dasein verbürgen soll. Heber allen Grundsätzen der arbeitende Mensch. Er steht auch über den Forderungen der technischen Entwicklung, über der Maschine. Deshalb sieht dieser Generalangriff auf die Arbeitslosigkeit vor, dag vor allem menschliche Arbeitskraft ein- Die Unterbrechung der Abrüstungskonferenz. Oie erste Lesung des englischen Konventionsentwurfs beendet. Oer Hauptausschuß vertagt sich bis zum 3. Juli. Heftige Opposition der kleinen Mächte. Genf, 1. Iuni. (WTB.) Der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz hat zu den Beschlüssen des Erweiterten Präsidiums und dem weiteren Gang der Abrüstungskonferenz Stellung genom- m-m. Gleich zu Beginn entfaltete sich eine heftige Opposition, insbesondere seitens der Staaten, die im Präsidium nicht vertreten sind. Der Vertreter Jugoslawiens legte einen scharfen Vorbehalt ein, dem sich verschiedene andere Delegierte, meist Vertreter kleinerer und mittlerer Staaten, anschlossen. Der französische Außenminister Paul-Boncour verwahrte sich dagegen, daß der englische Entwurf als Grundlage der künftigen Abrüstungskonvention erklärt werde, bevor überhaupt die erste Lesung zu Ende sei. Es entwickelte sich eine uferlose Debatte, in der es zeitweise so schien, als ob die gestrigen Beschlüsse des Präsidiums umgestoßen würden. Henderson faßte das Ergebnis der Aussprache in einem einstimmig angenommenen Vorschlag zusammen. Danach vertagt sich der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz nach Erledigung der er st en Lesung, also voraussichtlich in wenigen Tagen. Als äußerste Frist für den Wiederzu- sammcntri11 des Hauptausschusses ist der 3. Juli festgesetzt worden. Die technischen Ausschüsse der Abrüstungskonferenz sollen inzwischen weiter tagen, bis ihre Arbeiten abgeschlossen sind. Die Entscheidung darüber, ob der englische Entwurf als Grundlage für die künftige Abrüstungskonvention angenommen wird, soll erst am Schluß der ersten Lesung getroffen werden. Frankreichs Kontrollwünsche. Genf, 1. Juni. Der Hauptausschuß hat bann in erster Lesung bie Kontrollbestimmungen b e 5 englischen Entwurfes dehanbelt, bie sich im wesentlichen auf bie Einsetzung eines Abrüstungsausschusses beziehen. Es ist bezeichnenb, baß bie französische Delegation, bie sich bisher peinlichst sorgfältige Zurückhaltung auferlegt hatte, nunmehr mit einer Flut von Anträgen hervorgetreten ist, bie barauf abgestellt finb, bie im allgemeinen elastisch gehaltenen englischen Vorschläge zu verschärfen. Das Kontrollprogramm, bas im Hauptausschuß vorn französischen Kronjuristen in Anwesenheit van Paul-Boncour entwickelt würbe, enthält folgenbe Punkte: 1. Einfügung eines „Canbesoerräfer- Paragraphen", wonach sich bie Regierungen verpflichten, bie Veröffentlichung ober Bekanntgabe von Mitteilungen burch nichtbeamtete Persönlichkeiten über bie Verletzung bes A b- rüflungsabfommens unter keinen Umständen gerichtlich zu verfolgen. Diese Immunität wird sogar den Beamten garantiert, falls biefe ihre Vorgesetzten über bie Verletzung bes Abrüstungsabkommens erfolglos unterrichtet haben. 2. Veröffentlichungen ber Protokolle ober ber Dokumente bes ftänbigen Abrüstungsausschusses bes Völkerbundes beim Jnvestigationsverfahren dürfen in keiner weise eingeschränkt werden. 3. Der ständige Abrüstungsausschuß Hal m i n b e - ff e n s einmal jährlich in jebem Staat ein regelmäßiges Inveftigakionsverfah- r e n über den Rüstungsstand vorzunehmen, die durch besondere Ueberroadjungsorgane durchgesührl werden. • 4. 3m Falle einer durch Klage oder Investigation festgestellten Verletzung des Abrüstungsabkommens hat der ständige Abrüstungsausschuß sofort der betreffenden Macht eine Frist für bie wie- berherstellung bes normalen Zustan - b e s ju sehen. Vie Durchführung btefer Verpflichtung wird durch einen besonderen Ueberroadjungsaus- fchuß kontrolliert. Falls infolge der Verletzung des Abrüstungsabkommens ein Krieg ausbricht, fo wird der betreffende Staat von sämtlichen Völkerbundsmitgliedern als der Schuldige im Sinne der Sanktionsbestimmungen des Artikels 16 des Völkerbundspaktes erklärt. Welches Schicksal diese französischen Anträge haben werden, wird sich vermutlich erst bei der zweiten Lesung des Entwurfes zeigen. In der allgemeinen Aussprache schlossen sich heute die Vertreter Polens und der Kleinen Entente vorbehaltslos den französischen Anträgen an. Die amerikanische Delegation stimmte den französischen Anträgen grundsätzlich zu, behielt sich aber ihre Stellungnahme zu den Einzelheiten vor. Die Frage der Sanktionen, die Frankreich fordere, müsse außerordentlich sorgfältig geprüft werden. Botschafter R a d o l n y wiederholte, daß Deutschland bereit ist, jedes Kontrollverfahren anzunehmen, das auch von allen anderen Staaten angenommen werde. Paul-Doncour erklärte, daß die auf der Konferenz so oft ersehnte Gleichberechtigung hier ihre Verwirklichung finde, da Frankreich bereit fei. in ber Kontrolle die Gleichberechtigung aller Rationen anzuerkennen. Die erste Lesung des ganzen englischen Ab- rüstungskonventionsentwurfes wurde am Abend vom Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz abgeschlossen. In den Schlußbestimmungen wird die Konvention auf einen Zeitraum von 5 Jahren begrenzt und die Einberufung einer neuen Abrüstungskonferenz vor Ablauf dieser Periode vorgesehen. Die Vertrelev Frankreichs, Polens und der Kleinen Entente legten V o r b e h a 11 e ein zu dem letzten Artikel deS Entwurfes, der bestimmt, daß mit dem Inkrafttreten der Konvention die Bestimmungen deS militärischen Teiles der Verträge pon Versailles, St. Germain und Trianon durch die neue Konvention ersetzt werden. OieOollfuß Regierung setzt -enKampf fori Maßlose Ausfälle Vaugoins. Wien, 2. Juni. (TU.) In einer christlichsozialen Versammlung hielt der christlich-soziale Parteiobmann und Heeresminister V a u g o i n eine Rede gegen die Rationalsozialisten, wie er sie in dieser Schärfe noch nie gehalten hat. Er erklärte u. a., die Partei sei eine ganz uw- österreichische Partei, wenn Landesinspektor Habicht behauptet, daß die österreichische Regierung Bettelgänge zu den Rationalsozialisten unternommen habe, so sei das gerade Gegenteil wahr. Landesinspekteur Habicht habe einen Korb bekommen. Seit den Rationalsozialisten klar geworden sei, daß die Christlich-Soziale Partei und die Regierung unter gar keinen Umständen daran denken, mit ihnen zusammenzugehen, hätten sie einen Kampf eröffnet, der geradezu unerhörte Formen annehme. Dieser Kampf sei jedoch noch nicht zu Ende. Bevor noch in diesem Sommer der längste Tag vorüber ist, so erklärte Daugoin, wird Ordnung fein. Wir sind mit dem republikanischen Schutzbund fertig geworden, wir werden auch mit den Hakenkreuzlern fertig werden. Vaugoin teilte noch mit, daß er den Erlaß unterzeichnet habe, durch den die alte österreichische Uniform im österreichischen Bundesheer wieder eingeführt werde. Bekanntlich trug seither das österreichische Heer Uniformen, die denen der deutschen Reichswehr weitgehend angepaht waren. Deutscher Protest in Wien. Wien, l.Juni. (TU.) Wie verlaufet, hat die deutsche Gesandtschaft in Wien wegen der bei dem Reichs t ags ab g e o rdne t en Habicht vorgenommenen Haussuchungprote- stiert. Habicht ist bekanntlich P r e s s e a 11 a - chee der deutschen Gesandtschaft in Wien und genießt damit das Recht der Exterritorialität. Deutscherseits sieht man in der Haussuchung eine Verletzung der Exterritorialität. Ungewöhnliche Polizeimaß» nahmen in Innsbruck. Reichsdeutsche Ttudentcn der Universität Innsbruck ausgewicsen. Innsbruck, 1. Juni. (TU.) Irn Zusammenhang mit ben letzten Kundgebungen wurden eine Reih« reichsdeutscher Studenten der Innsbrucker Universität mit sofortiger Wirkung ausgewiesen. Auch deutschen Studenten aus dem Banat, bie mit Stipenbien bes VDA. in Innsbruck ftubieren, erhielten ben Ausweisungsbefehl. Die Tiroler Lanbesregierung hat am Donnerstag außerordentliche Maßnahmen getroffen. Die Polizei würbe angewiesen, Kundgebungen mit allen Mitteln sofort zu unterdrücken. Ausländer, die sich an Kundgebungen beteiligen, sollen sofort über bi« Grenze geschafft werben. Außerbem würbe verfügt, baß in Innsbruck ab 20 Uhr sämtliche Haustore geschlossen fein müssen. Die Sperrstunbe für alle Restaurants unb Cafehäuser ist auf 23 Uhr vorverlegt worden. Am Vormittag wurden Passanten mit nationalsozialistischen Parteiabzeichen von Heimwehrleuten überfallen, niedergeschlagen und bes Abzeichens beraubt. Eine zweifelhafte Hilfe. Die österreichischen Gegenmaßnahme«. Wien, 1. Juni. (WTB.) In den vom Mi- nifterrat beschlossenen Gegenmaßnahmen gegen die deutschen Ausreifebestimmungen sehen die Wiener Reuesten Rachrichten eine sehr zweifelhafte Hilfe, abgesehen davon, daß den bedrohten Erwerbszweigen mit acht Millionen Schil- gesetzt werden soll. Auch bie Steuerfreiheit für die Anschaffung von Maschinen und Gerätey finbet ba ihre Grenze, wo dis Maschinenbeschaffung später menschliche Arbeitskräfte überflüssig machen könnte. Die zinslosen Darlehen, die Amnestie auf der Grundlage von Spendenscheinen, die freiwillige Spende, die Erinreihung der Hausangestellten in die steuerliche Stellung des erwerbslosen Familien- Mitgliedes und bie Ehestandsdarlehen runden den großzügigen Plan zu einem in sich fest geschlossenen Ganzen. In den Bestimmungen über die Ehestandsdarlehen wirkt sich die Auffassung aus, daß die Frau in erster Linie der Familie als Gattin und Mutter, nicht aber dem Beruf und der Wirtschaft gehört. Darum gerade soll die Eheschließung in den Fällen finanziell gefördert werden, wo sie das endgültige Ausscheiden der Frau aus dem beruflichen Leben zur Folge hat und einen Arbeitsplatz für einen männlichen Erwerbslosen schafft. Wenn sich die Hoffnung verwirklicht, daß auf diesem Wege schon in einem Jahre 150 000 Chen finanziert werden, die sonst nicht zustande gekommen wären, so werden ebensoviel Arbeitsplätze geschaffen, wie Frauen ihrer wahren Bestimmung zugeführt werden. Die Regierung ist sich offenbar bewußt, daß sie die Mißverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt nicht mit Zwang und nicht schematisch ändern kann, aber sie schafft starke Anreize und neue Voraussetzungen für eine Entwicklung zu gesunderen und natürlichen Verhältnissen. Mit diesem Wirtschaftsplan ist organisch d i e Entschuldung der deutschen Landwirtschaft verbunden, die in dem Gesetz in Angriff genommen wird, das die Reichsregierung aus Vorschlag des Reichsernährungsministers nach Ueberwindung vieler Hindernisse angenommen hat. Immer wieder muß betont werden, daß es sich nicht um eine Entschuldung der Landwirtschaft an sich handelt, also auch nicht um Steuer- oder Zinsgeschenke an einen einzelnen Berufsstand, möge er noch so wichtig sein, sondern es handelt sich um eine Maßnahme, die der wirtschaftlichen Entwicklung dadurch Rechnung trägt, daß nicht nur Deutschland, sondern auch andere große Industrieländer in Zukunft mehr als früher auf den Binnenmarkt angewiesen sind. Das Wesentliche dieser Politik kommt auch in dem Entschuldungsgesetz zum Ausdruck, denn die Entlastung der Landwirtschaft soll in der Hauptsache dadurch erzielt werden, daß sie wieder angemessene Preise für alle Erzeugnisse erhält. Dann wird auch der Zinsspiegel weiter gesenkt werden können, da bei dem Wiederaufstieg der Wirtschaft nicht nur die Krisenopfer vom Arbeitsmarkt weggezogen werden, sondern auch der Kapitalbildungsprozeh wieder in Gang kommt. Wenn das geschieht, wenn also neues Kapital für die Produktion zur Verfügung steht, so wird sich der Zinssatz nach Angelt und Rachfrage regeln, mit dem Ergebnis, daß er für die Landwirtschaft nach und nach wieder auf den Zinsspiegel einschwenkt, der für landwirtschaftliche Kredite vor dem Kriege üblich war. Die Binnenmarkt- Politik sorgt auch dafür, daß die deutsche Landwirtschaft hinsichtlich ihrer Erzeugungsbedingungen nicht mehr dem mörderischen Wettbewerb überseeischer Agrarländer preisgegeben wird. Wenn wir aus ber Krise herauswollen, müssen wir alle ohne Unterschieb bes Berufs unb bes Staubes auch unter Opfern mithelfen. Die Regierung kann allein nicht Wunder wirken, wenn nicht bas ganze beutfche Volk bie gewaltige Aufgabe unterstützt, bie fünf Millionen Krisenopfer roieber in ben Wirtschastsprozeß ein- zureihen. Darum kann nicht bringlich genug gefordert werben, baß alle Deutschen, bie dazu in ber Lage finb, von ber Gelegenheit Gebrauch machen, burch freiwillige Spenden für bie nationale Arbeit für eine Ausweitung ber Produktion Sorge zu tragen. Jebe Leistung, bie in bie- fern Zusammenhang aufgebracht wirb, ist nicht ein Opfer, fonbern auch eine Sicherung bes Besitzes, eine Sicherung ber Wirtschaft, sowie enblich eine Sicherung bes beutschen Volkstums auf ganze Geschlechterfolgen hinaus. Indem bie Reichsregierung gleichzeitig darauf aufmerksam macht, baß ein um- fassender Neubau des Finanz- unb Steuersystems in Vorbereitung ist, gibt sie einen neuen Anreiz, jeden nur möglichen Wagemut einzusetzen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Dieser Wagemut ist ja nicht zum wenigsten bisher dadurch gedrosselt worden, daß eine von Jahr zu Jahr wachsende Steuerlast nicht nur jeden Ertrag wegnahm, sondern auch die Wirtschaft außerstand setzte, Unternehmungen auf lange Sicht vorher zuverlässig einzuschätzen und auszurechncn. All« Gelenke der Wirtschaft sollen von hemmenden Steuern entlastet werden, um fo eine Steigerung der Produktion zu erreichen, die auch genügt, den Ertrag ber abgebauten steuern burch ben normalen Gang ber Pro» buttionsausroeitung wieder hereinzubrin- ge n. ling in keiner Weise geholfen werden könne, da die durchschnittliche 3ahreseinnahme aus dem reichsdeutschen Reiseverkehr in den letzten 3ahren 150 Millionen Schilling betrug. Es gebe wohl niemand, der zu hoffen wage, daß der durch die Grenzsperre verursachte Schaden ernstlich durch irgendeine Maßregel wiedergutgemacht werden könne als durch einen Entschluß der deutschen Reichsregierung, die Ausreisesperre wieder rückgängig zu machen. Der Weg dazu stehe offen. Die österreichische Regierung und die Christlich-Sozialen mühten den Mut aufbringen, ihn zubeschreiten. Don der Einsicht, daß man nicht stark genug sei, auf die Grenzsperre mit wirtschaftlichen Repressalien zu antworten, bis zu dem Entschluß, die Verständigung mit Berlin zu suchen, sei nur ein Schritt. Es gehöre ein wenig Mut dazu, den man übrigens eines schönen Tages, ob man wolle oder nicht, schließlich doch werde aufbringen müssen. Gegen unbefugte Eingriffe in das Wirtschaftsleben. Ministerpräsident Göring an den Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes. Berlin, 2. Juni. (WTB.-Funkspruch.) Arnt- l i ch. In einem Schreiben des preußischen Ministerpräsidenten Göring und des - Ministers für Wirtschaft und Arbeit an den Vorsitzenden des Kampfbundes des Gewerblichen Mittelstandes Dr. von Renteln, heißt es u. a.: „Die Klagen über Eingriffe des Kampfbundes des gewerblichen Mittel st a n - d e s in das Wirtschaftsleben, haben auch in letzter Zeit nicht aufgehört, ohne das für diese Eingriffe noch Gründe der Gleichschaltung maßgebend sein könnten. So ist z.B. bei der Durchführung der Neuwahlenzuden Jndustrie-undHan- delskammern es wiederholt vorgekommen, daß infolge des Eingreifens des Kampfbundes, der naturgemäß mehr die Interessen des Kleingewerbes vertritt, mittlere und größere Betriebe besonders auch von der Beteiligung an der Leitung der Kammer zurückgedr ängt wurden. Damit wird auch in die zurückgedrängten Wirtschaftskreise eine Unruhe hineingetragen, die sich schädlich für die Entwicklung der Wirtschaft auswirken muß. Ruhe ist aber für die Wirtschaft unbedingt nötig, wenn sie sich erholen soll. Wir ersuchen deshalb, alle (Eingriffe in öffentlich-rechtliche Körperschaften und Anstalten der Wirtschaft sowie in ihre Verbände in Zukunft zu unterlassen. Soweit Ihnen noch Eingriffe erforderlich erscheinen sollten, sind den zuständigen Ressorts entsprechende Anträge vorzulegen." Die Preußische Staatsregierung weist ferner darauf hin, daß insbesondere bei Bankinstituten Maßnahmen unberufener Stellen unbedingt vermieden werden müssen. Bei den Sparkassen stehen lediglich den satzungsgemäß be st eilten Organen und den eingesetzten Beauftragten oder Kommissaren amtliche und geschäftliche Befugnisse zu. Dem unverantwortlichen Treiben von Denunzianten muß gerade im Bankwesen im Hinblick auf die auch durch ungerechtfertigte Beschuldigungen nicht nur bei den Instituten selber, sondern auch in der übrigen Wirtschaft entstehenden Folgen ein Endebereitet werden. Die Aufsichtsinstanzen werden nach wie vor begründeten Beschwerden mit voller Strenge nachgehen, aber anderseits auch alle die, welche wissentlich unrichtige oder leichtsinnige Beschwerden erheben, unnachsichtlich und ausnahmslos zur Verantwortung ziehen. Heue Schwierigkeilen für den AennWepalt Mussolini gegen französische Sabotage. London, 2. Ium. (LAB. Juntfprud).) Hebet einen erneuten Aufschub der Paraphierung des viermächtepakles glaubt „Daily Telegraf" berichten zu können, daß es sich um Mei - nungsverschiedenheiten über wichtige politische Punkte handele. Die betei- ligten Juristen hätten sich deshalb an ihre Regierungen wenden müssen. Beispielsweise hätten d i e letzten französischen Abänderungen, die den Pakt für die kleine Entente annehmbar machten, nach Ansicht Mussolinis den wahren kern des Paktes zerstört, weil sie geeignet waren, jede Revision der Jriedensver- träge nicht nur außerhalb, sondern sogar innerhalb des Rahmens des Völkerbundes zu verhindern. Infolgedessen habe Rom auf einer neuen Fassung bestanden, die eine Revision innerhalb des Rahmens des Völkerbundes zuläßt. Jetzt sei die Frage, ob die kleine Entente neue Einwendungen machen wird. Ferner habe die Art und Meise, in der im französischen Wortlaut Artikel 16 der völkerbunds- sahung (Sanktionen) erwähnt wird, Aufklärung gefordert. Endlich sei angeregt worden, d i e Vorbereitung her großen Reichssteuerreform Vereinfachung und Erleichterung auf der ganzen Linie. Berlin, 1. Juni. (LRB. Eig. Meld.) Wie wir von maßgebender Seile erfahren, beabsichtigt das Reichsfinanzministerium, spätestens im Frühjahr 1934 eine grundlegende Vereinfachung unseres gesamten Steuersystems durchzuführen, und zwar für das Reich, die Länder und die Gemeinden. Mit der Fülle der Steuern und der Kompliziertheit des Steuerrechts wird damit durchgreifend Schluß gemacht. Das Aufkommen soll in an- gemessenem Verhältnis zu den Unkosten stehen und die Steuern sollen für die Wirtschaft tragbar und gerecht sein. Die Vereinfachung sieht wesentliche Erleichterungen für die Steuerpflichtigen vor. In Zürnst sollen dann nicht mehr von Reich, Ländern und Gemeinden Steuerbescheide gegeben werden, und es ist dann nicht mehr an eine Unzahl von Stellen zu zahlen, sondern nur an eine einzige Stelle, und das ganze Steuerformular soll nicht mehr als eine Seile ausmachen. Diese große Steuerreform soll einen durchgreifenden Abbau der auf der deutschen Produktion beruhenden Steuerlasten bringen. Außer der Kraftfahrzeugsteuer wird eine Reihe anderer Steuern verschwinden. Zur Durchführung dieser Maßnahmen ist es allerdings nötig, daß die Wirtschaft und jeder Einzelne sich bemühen, das Reichsfinanzministerium durch pünktliche Zahlung der fälligen Steuern jetzt so zu entlasten, daß an dem großen Reformwerk ohne Verzögerung gearbeitet werden-kann. Ein amerikanischer Vorschlag zur Stabilisierung der Währungen. neuyork, 2. Juni. (WTB. Funkspruch.) „Reu- york Tiemes" meldet aus Washington, daß präsi- Regelung der G leichb erechtigu ngs- frage der Abrüstungskonferenz zu ü b e r l a s s e n. Abgesehen von diesen wesentlichen Meinungsverschiedenheiten habe es noch kleinere gegeben, die infolge von^ Unterschieden im Wortlaut der deutschen, französischen, englischen und italienischen Fassung entstanden waren. Das Fortbestehen von Schwierigkeiten meldet auch eine Reu- •termelöung aus Genf, nach der der britische Luftfahrtminister Lord Londonderry und der Un- terstaalssekretär des Aeußeren Eden heute abend nach Paris abreisen werden, um dort mit dem französischen Außenminister Paul-Boncour den Viermächtepakt zu erörtern. * Treffen diese Rachrichten, für die im Augenblick keine Bestätigung zu erlangen ist, zu, so haben sich die Hoffnungen aus eine vernünftigere Einstellung der französischen Politik, die durch die letzten Erklärungen Daladiers geweckt worden sind, als u n- begründet erwiesen. Frankreich steht vor der Wahl zwischen der Beteiligung an einem Werk des Friedens oder der Unterwerfung unter den egoistischen Willen seiner östlichen Trabanten. dent Roosevelt einen plan habe, den die vereinigten Staaten auf der Weltwirlschaftskonferen; zur Sprache bringen wollten. Danach soll unter Zusammenwirken der verschiedenen Zentralbanken eine allmähliche W i e d e r v e r t e i l u n g des Goldes über die ganze Welt vorgenommen werden. Ls soll ein Zustand herbeigeführt werden, bei dem die Deoisendecke in den einzelnen Ländern je 25 v. h. des umlaufenden Geldes beträgt. 20 v. h. davon sollen aus Gold, 5 v. h. aus Silber bestehen. Die Sühne für den Altonaer Blutsonntag. Das Sondergericht fällt vier Todesurteile. Altona, 2. Juni. (WTB. Funkspruch.) In dem Prozeß vor dem Altonaer Sondergericht über die blutigen Vorfälle am 17. Juli 1932 wurde heute das Urteil gesprochen. Das Sondergericht verurteilte die vier Angeklagten Luetgens, Tesch, Wolff und Möller wegen gemeinschaftlichen Mordes, die drei letztgenannten außerdem wegen L a n d f r i e d e n s b r u ch s und Aufruhr zum Tode. Die Angeklagten Wendt und Diehl erhielten je 10 Jahre, Kuhlmann 7 Jahre, Luehnflaeden und Uhle je 5 Jahre, Jakob 3! Jahre Zuchthaus, sämtlich wegen Beihilfe zum vollendeten Mord und wegen Landfriedensbruches und Aufruhr. Drei Angeklagte wurden freigesprochen. Oie hessische Kirchenregierung an D. von Bodelschwingh. Darmstadt, 1.3uni. (WER.) Die hessische Kirchenregierung hat heute folgendes Telegramm an den neuen Reichsbischof O. von Bodelschwingh gesandt: „Die Kirchenregierung der Hessischen Landeskirche spricht dem berufenen Führer der Deutschen Evangelischen Kirche einstimmig vollstes Vertrauen aus und gelobt Fürbitte und G'e f o l g s ch a f t im Dienst an Kirche und Volk. (gez-): D. Dr. Dr. Dreh l." Aus der provinzialhaupiftadt. Oer Monat der Rosen. An Hecken von wilden Rosen, am rieselnden Dach entlang, führte uns der Mai auf sonnigem Pfade ins Wunderland des Juni. „Rosenmonat" nennt man ihn, und blühendes, glühendes Erwarten liegt in seinem Duft. Es ist ein eigener Atem, der unsere Brust weitet, — ein neues Pulsen im Blut: Leben — schäumendes Leben, glücksuchendes und glückverheißendes Werben ist der Atem des Iuni. Um blühende Blumen taumeln Schmetterlinge, Libellen und Käfer. Der süße Duft der Linden lockt die Bienen und der goldenschimmernde Rosenkäfer hat das duftigste Dettchen am Herzen der Blumenkönigin. Tlnd auf den Feldern und am Wiesenrain wippen und nicken Tausende von Blütenköpfen in Sternen, Dolden und Glockenform. Die Getreideähren bekommen schon Körner. Mohn, Kornblu- men, Kornraden und Wicken haben sich zum Leidwesen des Landmannes als lustige Gäste unter das Getreide gemischt und schauen neugierig in die Vogelnester der Wachteln und Lerchen, aus denen die flügge Brut die ersten Ausflüge in das harte Leben nimmt. Auch die Mäuse huschen durch den Wald der strebenden Halme. In diesen lebensvollen Monat fällt in diesem Jahr das Fest der Pfingsten, das Fest des heiligen Geistes, an dem die Jünger in allen Zungen von Christi und seiner Lehre predigten. Und in allen Zungen predigt uns die Natur in tausend Wundern das Hohe Lied gottschöpferischen Werdens. An den Kirchentüren, auch wohl vor den Altären, prangt die stolze Birke, deren lichtgrünes Festgewand einen zarten, süßen Duft verbreitet. Auch Blumen gibt es, um die sich als Pfingst- symbol ein Sagenkreis schlingt: so die meist wildwachsende Pfingstrose, deren botanischer Name „Peonia" auf ihre griechische Heimat hinweist. Goethe hat diese Blumen besonders geliebt. Die Schwertlilie, der Waldmeister, das „Gelboeigelein" (Goldlack), sind auch zu Sinnbildern des Pfingstfestes erhoben worden. Und überall spielt der Kalmus zu Pfingsten eine große Rolle, namentlich die Jugend erzeugt mit dem sonst sehr nützlichen Gewächs jenes wundervolle Tongeräusch, das man „Piepen" nennt. M. Gr 8 hn. Vornotizen. — Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 20.15 bis 22.45 Llhr, Benefiz-Vor- stellung der Mitglieder des Stadttheaters Gießen „Krieg im Frieden". — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Ich bei Tag -und Du bei Rächt". — Astoria-Lichtspieie: „Die Rächt gehört uns". ** Haltlose Gerüchte. Die hessische Gaupressestelle der RSDAP. teilt mit: Gerüchte über ein großes SA.-Treffen an Pfingsten und die Anwesenheit des obersten Führers oder des Stabschefs Röhm entbehren jeder Begründung. •* Ernennung Bei der Technischen Hochschule Darmstadt. Das Hessische Ministerium für Kultus und Bildungswesen gibt bekannt: Ernannt wurde am 31. Mai 1933 der kommissarische Bürgermeister bei der Stadt Darmstadt Dipl.-3ng. Otto Kopp zum ehrenamtlichen kommissarischen Kanzler bei der Technischen Hochschule Darmstadt. ** 3ustizpersonalie. 3n den Ruhestand versetzt wurde der Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Bad Wimpfen Dr. Karl Gebhard auf Äachfuchen mit Wirkung vom 1. 3uli 1933. Ungültig werdende Briefmarken. Die Freimarken zu 3 bis 80 Pfennig der Ausgabe 1926/27 mit Bildnissen von Goethe, Schiller, Friedrich dem Großen, Kant, Beethoven, Lessing, Leibniz, Bach und Dürer, sowie die gleichen Freimarkenstempel auf Postkarten, Briefumschlägen usw. verlieren Ende 3uli ihre Gültigkeit zum Freimachen von Postsendungen. Richt verbrauchte Wertzeichen dieser Art können im NMMWkil Ein vaterländischerRoman vonHansDietzke Urheber-Rechtsschutz durch Verlag Oskar Meister, Werdau. 13. Sortierung. Rachdruck verboten! In der Gesindestube sitzt Förster Brinkmann mit dem alten Diener Tobias bei einer Pfeife holländischen Tabaks, den er soeben aus Breslau mitgebracht hat. Sein Schlitten steht drüben in der Remise, und die Gäule ruhen beim Futter iin Stall, es war wieder eine gefährliche Fahrt mit den Packen geheimer Flugblätter, die ihm der Professor Berger an den Baron mitgegeben hat. Run sind dem Forster ein vaar Stunden Ruhe gegönnt, dann müssen die Zettel noch in der Nacht an alle Partei- gänger hinaus in die Landgemeinden, die Herr von Löbau bestimmt. „Wir wollen's ja alles noch tragen die Zeit — wenn's nur hilft, wenn's nur dann besser wird — endlich." Der alte Tobias spinnt seine Gedanken, ln langen Winternächten ist viel zu viel Zeit für alles Grübeln. Gram und Trauer haben ihn vorzeitig gealtert. Auch er hat den einzigen Sohn verloren, den Jochen, der Verwalter war oben im Ostpreußischen auf dem anderen Gute des Barons Die Franzosen haben ihn zu Tode gequält, als damals, im Sommer 1812, die Heeressäule nach Rußland zog. Als die Blutsauger alles Vieh und alle Zugtiere weggeschleppt hatten nach den fremden Magazinen, mußten die Bauern ihre eigene Habe auf ihren Wagen laden und sich wie das Vieh da- vorspannen und Frondienste leisten, die der Stolz seines Jochen nicht ertrug. Und als man ihm die Peitsche anbot, war es aus mit aller Beherrschung er schlug zu wie ein Rasender. Französische Kolben haben ihm den Schädel zertrümmert ... nicht einmal die Kugel im Kampf gegen eine Uebermacht, wie es Brinkmanns Sohn geschah, durfte feinem jungen Leben ein Ende machen. Wie einen Hund haben sie ihn erschlagen. Der Alte stöhnt auf und lehnt schwer den müden Kopf gegen die Fäuste. Der Förster sieht ihn schweigend an. So ist das nun: Jeder hat das Liebste verloren, alle Fröhlichkeit, aller Glaube an das Schöne dieses Lebens sind dahin, in Blut und Mord erstickt. — Im Herrschaftshof, mit dem riesigen barockenen Portal und den schmiedeeisernen, kunstvollen Wind- lichtem, die zu manchem heiteren Feste den Gästen geleuchtet haben, die mit ihrem hellen Schein manche mit reicher Beute beladene Jagdgesellschaft an düsteren Wintertagen begrüßten, blendet auf glitzerndem Schnee aus drei hohen Fenstern das Licht der Kerzen. Bezwingend sanft, in ihrer majestätischen Schönheit, schwingen aus dem Salon der Baronesse die Töne des Händelschen Largo in die weiße Stille. Jeanette und Maria musizieren. Nebenan aber sitzt der Baron in dem Herrenzimmer über den Akten und Papieren, die voll sind von Plänen und Gedanken, wie man das Joch der Fremden endlich zertrümmern kann. Trügischer Friede, den die Natur im Wirbeltanz ihrer schneeigen Flocken über Haus und Hof breitet. Der französische Hauptmann in seinem Zimmer, auf dem gegenüberliegenden Flügel, sinnt mit verträumtem Blick in den lustigen Flockentanz vor seinen Fenstern. Ganz leise schweben von drüben her die Töne der Musik zu ihm. Lefeore tritt ans Fenster. Noch immer wirbelt Schnee in dichten Flocken, kaum daß der suchende Blick die erhellten Fenster des jenseitigen Flügels findet. Dort sitzt nun seine Jeanette — bei der Baronesse. Herzen überbrücken Welten von Haß und Feindschaft. Des Hauptmanns Züge werden entspannter bei dem Gedanken an seine Frau. Er segnet den Tag, der sie hierhergebracht hat. Komme in Zukunft was wolle — er hat noch einmal in die fünften Augen der zärtlichsten Frau gesehen, die Hingebung ihrer zarten Arme gespürt. Mögen es noch Tage, so Gott will, Wochen sein bis zur Trennung — er geht in Kampf und Mühen, gestärkt mit einer Kraft, die nicht von dieser Welt ist, die nur ein Herz, das ganz zu sieben vermag, geben kann. — 3m Herrenzimmer, das von dem Salon nur durch eine schwere Portiere getrennt ist, sitzt der Baron vor dem wärmenden Kaminfeuer an feinem Schreibtisch. Akten, Eingaben, Berichte — alles türmt sich zu umfangreichen Stößen, die ihrer dringenden Erledigung harren. Das wichtigste ist die schnelle und wirksame Verteilung der Flugblätter. Forster Brinkmann muß sie noch heute nacht an die Stellen des Landkreises zur Verteilung bringen, die Herr von Löbau ausgesucht und ausgezeichnet hat. Ein Dutzend schwerer Pakete harren ihrer heimlichen Beförderung. Sie müssen fort aus dem Schloß, ihre Entdeckung birgt Gefahr für Eigentum und Leben. Noch einmal lieft der Baron den Brief des Professor Berger aus Breslau durch, bevor er ihn beantwortet. Er ist vom gleichen Tag datiert und lautet: „Mein verehrter Herr Baron! Durch Ihren braven Förster Brinkmann sende ich Ihnen die für Ihren Landkreis bestimmten Flugblätter und hoffe, daß es Ihnen möglich ist, sie' schnell und sicher unter unsere Parteigänger zu verteilen. Gerade jetzt erachte ich den Zeitpunkt einer letzten, großen Erweckung aller treibenden Kräfte der nationalen Bewegung für unendlich wichtig. Setzen Sie, verehrter Baron, alles daran, daß die Werbeschriften ihren Zweck ganz erfüllen. Unser geheimer Drucker hat in langen Nächten die Herstellung ermöglicht. Wir wählten diesmal bewußt einen Auszug aus den „Drei Bekennt- stürmen seine Worte auf den Baron ein, der erschreckt aufgesprungen ist. „Der Bund ist verraten — Vaterl Heute abend wollen sie in Breslau Professor Berger festnehmen --Döllnitz sind sie auf der Spur — man wird keinen Pardon geben!" Die Hände des Barons fassen in Entsetzen nach den Schultern seines Sohnes. Er starrt ihn an, als spräche ein Gespenst diese grauenhaften Worte. «,Dater — man muß ihnen Hilfe bringen-- sofort, ehe es zu spät ist!" Die Stimme des jungen Karl schreit in Verzweiflung. „Ueberleg dir, was du sprichst — das kann doch nicht wahr fein — woher weißt du das?!" Der Baron klammert sich noch einen Augenblick an die Hoffnung eines Irrtums. Karl macht sich frei von den haltenden Armen des Vaters. Seine Fäuste trommeln in die Luft. „Es ist wahr! Ich weißes — frag jetzt nicht-- wir müssen helfen! Ich bin auf Umwegen hierher geritten — niemand hat mich gesehen — ich bin durch die Hinterpforte in den Park gekommen — sie haben heute keine Wachen stehen--meine Spuren sind längst im Schnee verweht — nicht einen halben Steinwurf weit ist Sicht..." Ehe der Baron noch etwas erwidern kann, kommt Maria aufgeregt durch die Portiere vom Salon her in das Herrenzimmer. Als sie in den Lichtjchein der Kerzen tritt, starren ihre dunklen, verschreckten Augen aus bleichem Gesicht fragend die Männer an. „Was weißt du von Döllnitz — Karl?!" Da ihr Bruder schweigt, eilt sie auf den Vater zu. „Sagt mir die Wahrheit! ...Er ist in Gefahr!" „Wir werden ihn retten, mein Kind!" Der Baron ist ganz ruhig geworden. Das Unabänderliche verlangt, daß man handelt. „Geh in die Gesindestube, Karl. Dort wartet der Förster. Er soll sofort anspannen. Laß dir vom Tobias die Waffen aus dem Versteck geben und mache sie schußfertig — ich fahre selbst." Karl eilt hinaus. Maria hält den Vater umschlungen. „Du wirft ihn retten? ...", ihre Stimme zittert, ihr Körper bebt vor Erregung, „... du mufjt ihn aufs Schloß bringen — nur hier ist er m Sicherheit — wir werden einen Ausweg finden ■ •. Unablässig suchen ihre Augen in denen des Auers die Erfüllung des heißen, schmerzhaften Wunsches. „Wir bringen ihn hierher. Sorge du und Karl, daß niemand im Wege ist." Mit sanfter Gewalt Mt er die Arme Marias. Dann wendet er sich den Papieren auf seinem Schreibtisch zu, die er hastig zusammenräumt und in das Geheimfach verschwin- den läßt, das ein altes Gemälde vor ungebetenen Blicken verbirgt. Maria steht inmitten des Zimmers, als erwarte sie noch irgend etwas von ihrem Vater, das ihre jagende Angst lindern könne. (Fortsetzung folgt) ■< , ' Nissen" von Clausewitz, da es mir das richtigste schien, noch einmal ein zusammenfassendes Ermahnen an das persönliche Ich unserer Parteigänger ergehen zü lassen, wofür mir der Aufruf der Clausewitz ganz besonders geeignet scheint. Er berührt alle Punkte des Denkens und der Seele und ist durch die Kraft feiner ehrlichen Ueberzeugung einer starken Wirkung bei allen sicher. Heute erhielt ich durch Sonderkurier einen kurzen Bericht unseres Freundes Hauptmann Döllnitz, der heute abend in Breslau einzutreffen hofft und in meiner Wohnung ein letztes Mal zu den Führern des Tugendbundes unseres Gaues sprechen will, denn wir stehen vor entscheidenden Ereignissen, die den so sehnlichst von uns allen erwünschten Aufstand mit der Schnelle eines Gewitters herbeischaffen können. In den allernächsten Tagen, vielleicht morgen schon, wird der König aus Potsdam hier eintreffen und mit der Regierung hierher übersiedeln. Ich hoffe, daß unser Hauptmann Döllnik mit dem Feuer seiner Rede auch den letzten Zweifler unter den Führern überzeugt, damit er sich freudig und aus innerstem Herzen zur Sache der Freiheit bekennt. Dann soll unser Wort offen fein wie eine lodernde Flamme, dann wollen wir mit Denken und Taten aus den dumpfen Stuben heraus auf bie offene Walstatt treten. Noch lauern Spione über unserem Tun, und Heimlichkeit muß unsere Bundesgenossin sein - aber ertragen wir alle Mühsal geduldig diese letzten Wochen, das Be- wußtsein der Morgenröte läßt auch die trübste Nacht uns überwinden!" Der Baron überfliegt die Schlußzeilen, die ihm den Empfang des Briefes für Döllnitz bestätigen und ihm sofortige, genaue Nachricht über das Eintreffen des Hauptmanns in Breslau versprechen Bewegt legt Herr von Löbau den Bries aus der Hand und öffnet eines der gewichtigen Pakete, denen er ein Flugblatt entnimmt. In fetten, wuchtigen Lettern steht als Kopf darüber: Das sei dein Bekenntnis! Der Baron ent' SItetr.n?IL9an3 bas Blatt und beginnt zu lesen. -Oas sind Worte, die jeden angehen, das sind Doku- mente der Zeit, für jeden geschrieben von jedem erlebt. Das sind Worte voll bitterster Wahrheit, voll ehrlichstem Bekennen. Als dann der Baron noch einmal die Liste der Parteigänger des Kreises Löbau und den Dertei- lungsplan erwägt, kommen von draußen her hastige Schritte auf den steinernen Treppenstufen naher. Im nächsten Augenblick öffnet sich die Geheimtür, die, unsichtbar für Fremde, in der dunklen, holzgetafelten Wand eingelassen ist , schwerem Reitpelz, mit dicker Schneekruste bedeckt, hochrot >m Gesicht von der Anstrengung des scharfen Rittes, tritt Karl von Löbau vor sei- neu Vater. Er reißt von den zerzausten Haaren die Kappe, die seine bebenden Fäuste pressen. Keuchend . Monat August bei den Postanstalten gegen andere Postwertzeichen umgetauscht werden. Der Um< tausch der Wertzeichen ist gebührenfrei. Karten, Briefumschläge usw., die von der Rcichsdruckerei auf besonderen Antrag mit dem Freimarkenstempel bedruckt tout*n, werden nur gegen Freimarken umgetauscht. •• D i e Abfertigung von Fahrrädern und Faltbooten bei der Reichs- bahn. Durch die Tagespreise ging die Nachricht, daß die seither auf 250 Kilometer beschränkte einfache Abfertigung von Fahrrädern und Faltbooten auf Fahrkarten ab 15. Akai bis auf 900 Kilometer erweitert worden sei. Wie der WSR.- Dienst von zuständiger Stelle erfährt, tritt diese Erweiterung erst ab 15. 3uni in Kraft. * GineAusstellung alter hessischer Töpferwaren wird in der Zeit vom 13. bis 20. Juni in den Räumen der ständigen Kunstausstellung im Reuen Schloß gezeigt. Die Ausstellung bringt Arbeiten alter hessischer Töpfereien, aus der Werkstätte von 3ohn und Wilhelm Schneider (Marburg), Erzeugnisse deS rheinischen Steinzeug-Handwerks aus der Werkstatt Höher, außerdem eine Reihe von plastischen Kunstwerken, die unter den Händen handwerklich schaffender Künstler entstanden sind. Die Schau wird an den Werktagen von 9 bis 18 und an Sonntagen von 11 bis 17 Ufrr geöffnet sein. " Diebstähle- Der Polizeibericht meldet: Aus einem im Aulweg gelegenen Garten wurde eine Flügel-Handpumpe, mit roter Farbe angestrichen, entwendet. Don einem Reubou in der Marburger Straße wurde ein zweirädriger Drückkarren gestohlen. Mitteilungen werden an die Kriminalabteilung erbeten. .Beschränkt chr, Weisen dieser Welt" von Bach vorgetragen von Fräulein Stoll, Lehrerin in Rieder-Ohmen, die mit ihrer klaren, reinen Altstimme sich in den Dienst der guten Sache stellte, und ebenso auch durch zwei Chöre deS Kirchen- chorS Leihgestern. 3m Mittelpunkt des Festgottesdienstes am Rachmittag stand die Predigt von Pfarrer Schultheiß- Großen-Linden Er sprach über .Die Grundlage der DesangvereinSarbcit und der Weihe, die über der Ar^it liegen soll". Zwei Massenchöre, vorgetrogen von den Kirchengesangvereinen Allendors (Lohns, Großen-Linden Klein- Linden und Leihgestern, unter Leitung des Ehor- meistcrS Köhler (Großen-Linden) verfehlten ihre tiefgehende Wirkung auf die Zuhörer, die die Kirche diesmal kaum faßte, nicht. Die Rachversammlung unter den schattigen Bäumen des Schulhofes der neuen Schule, die wiederum einen Massenandrang aufwieS, zeigte die einzelnen Dereine, zu denen noch als Gastverein der Kirchengcsangverein von Hochelheim gekommen war, mit je drei Liedern, die alle ein beredtes Zeugnis ablegten von der hingebenden Arbeit der Dereine und ihrer Dirigenten. Dekan G u ß m a n n überbrachte die Grüße des Dekanats Gießen, gab seiner Freude Ausdruck, daß an an Stelle der alten Schlager und sonstiger übler Machwerke in Gestalt von sogenannten Liedern, das alte echte deutsche Volkslied einem jetzt wieder überall als ein neue- Lied entgcgenklinge. Er knüpfte daran die Mahnung, daß der 3ubcl- verein, der noch Zahl seiner Mitglieder wie nach Leistung immer mit an der Spitze der Kirchen- oesangvereine des Dekanats marschiert sei, auch fernerhin, ein dienendes Wertzeug der Gemeinde, das alte Kirchenlied mit neuer Begeisterung pflegen sollte. Der Posaunenchor der christlichen Gemeinschaft Leihgestern stellte sich auch diesmal gern in den Dienst der kirchlichen Feier und trug durch ein Platzkonzert vor der Kirche vor dem Rachmit- tagsgottesdienft. wie auch in der Rachversammlung durch seine feinen Melodien viel zur Hebung des Ganzen bei. Mit einem Schluß- und Dankes- wort des Ortsgeistlichen und der Aufforderung an sämtliche Kirchengesangvereine .auch du sollst deine Kräfte bringen, sollst singen Seele! Singen, singen!" und mit dem gemeinsam gesungenen Choral von Leuthen schloß der sicherlich allen unvergeßlich bleibende Festtag. Steinbach. is. Steinbach, 30. Mai. Das hier abgehaltene Iahresfest der eoang. Kirchengesang- vereine des Dekanats Gießen war em Freudenfest für unsere Gemeinde, an dem Alt und Jung regen Anteil nahm. Außer den Bereinen von Burkhardsfelden, Gießen, Hausen, Lich, Oppenrod, Steinbach, Watzenborn-Steinberg und Heuchelheim war noch eine große Anzabl von Gästen erschienen. Die große, geräumige Kirche konnte die Teilnehmer nicht alle fassen, viele mußten sich außerhalb der Kirche einen Platz suchen. Der Posaunenchor Lich eröffnete den Festgottesdienst. Pfarrer Weisel- Heuchelheim hielt die Festpredigt. Die unter Leitung des Dirigenten Sommer- Watzenborn vorgetragenen gemischten Chöre und Frauenchöre kamen her- vorragenid gut zu Gehör. Alle Gäste wurden gast- freundlich von den hiesigen Familien mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Die Nachoersammlung, die ebenfalls in der überfüllten Kirche abgehalten wurde, brachte schöne Gesangsvorträge der einzelnen Vereine und zeigte die gedeihliche Entwicklung des Kirchengesanges. Die ganze Veranstaltung bewies, daß .das kirchliche Leben wieder mehr im Interesse der Allgemeinheit steht. Treis a. d. Lumda. + Treis a. d. Ld a., 30. Mai. An dem am Sonntag auf dem Schulhof hier abgehaltenen I a h - ressest der evangelischen Kirchengesangvereine des Dekanats Gießen, nahmen die Vereine von Allendorf, Beuern, Großen- Bufeck, Treis a. d. Lda., der Frauenchor von Alten- Vuseck und der zum Dekanat Grünberg gehörige Kir- chenaesangoerein von Londorf teil. Im Festgottes- dienst wurden zwei Massenchöre sowie zwei Frauenchöre gesungen. Die Massenchöre leitete Lehrer Walter von hier, die Frauenchöre Dirigent Schreiner von Alten-Buseck. Die Festpredigt hielt Pfarrer Naumann- Alten-Buseck. Die Gesänge der Gemeinde wurden vom hiesigen gut geschulten Posaunenchor begleitet, der auch zur (Eröffnung und zum Schluß der Feier passende Chöre vor- trug. In der Nachversammlung brachten die Vereine nach der Begrüßungsansprache des Ortspfarrers und einem Gesamtchor ihre Einzeldarbietungen, die von vortrefflicher Durcharbeitung der dargebotenen Chöre und von gutem Stimmenmaterial zeugten. Auf Einladung nahm auch der Superintendent der Provinz, Oberkirchenrat D. Wagner- Gießen an der Feier teil und hielt eine eindringliche Ansprache, in der er zum rechten Singen in Verein und Kirche ermahnte. Die Feier schloß nach einem Massenchor und einem gemeinsamen Lied. — Der Turnver - e i n hielt am Samstag bei Wirt Kehr eine S ch l a g e t e r f e i e r ab, bei welcher der 1. Vorsitzende, Lehrer Walter, in einem eingehenden Vortrag das Lebensbild Schlageters zeichnete und ihn der Jugend als Vorbild der rechten Treue und Vaterlandsliebe vor Augen stellte. Wirtschaft. Frankfurt fest. Frankfurt a. M, 2. Juni. (DTB. Drahtmel- duna.) Die letzte Börse vor den Feiertagen verkehrte in fetter Tendenz. Die Umsatzlatigkeit war sehr lebhaft. Die Kabinettsdeschlüsse für Verminderung der Arbeitslosigkeit wirkten nach und hat zahlreiche Kauforders der Kundschaft gebracht, daneben nahm die Kulisse weitere Meinungskäufe vor, so daß gegenüber der an sich schon festeren Abend- bör|\ neue durchschnittliche Gewinne von 1 bis 1.50 d. Sy zu verzeichnen waren. Im Vordergrund des Interesses standen fernerhin Montan- und Bauwerte, sowie die Aktien der Zulieferungsindustrie. So eröffneten Holzmann 3,50 p. H., Conti-Gummi 3,75 v. H., Deutsche Linoleum 2,50 v. H. und Allgemeine Lokal und Kraft 2,75 v. H. fester. Am Mon- tanmarkt machte vor allem die Erholung von Man- nesmann (plus 2 v. H.) Fortschritte, ferner zogen Gelsenkirchen 1,75 o. H., Harpener 2 v. H. und Ilse Bergbau-Genüsse 3 v. H., sowie die übrigen Werte bis zu 1 v. H. an. Am Chemiemarkt lagen IG. bei lebhaftem Umsatz 2,13 v. H., Metallgesellschaft 2 v. H. höher. Von Elektrowerten gewannen Memens 2,50 d. Sy, Licht & Kraft und Gesfürel je 2 v. H., Lech- werke 1,25 v. H., Schuckert und die übrigen Werte bis zu 1 v. H. Sehr fest tendierten Reichsbankanteile mit plus 3 v. H. Sonst kamen noch Zement Heidelberg 1 v. H., Daimler Motoren und Aka je 0,75 v. H. und Schiffahrtswerte 0,25 bis 0,50 v. H. höher zur Notiz. Nachdem nach den ersten Notierungen für einzelne Spezialwerte weitere Besserungen von 0,50 bis 1 v. H. eingetreten waren, wurde es im Verlause etwas ruhiger. Doch blieb die Tendenz durchaus fest und die Kurse waren voll behauptet. Am Rentenmarkt stimulierte das Entschul- dungsgesetz für die Landwirtschaft, zumal die Pfandoriefinstitute keinen materiellen Schaden er leiden und keine Zwangseingrisfe in Zinsen erfolgen sollen. Am Pfandbriefmarkt zogen Goldpsandbriefe überwiegend 1 o. H. an. Sehr fest lagen Liquida- tionspsandbriefe und Kommunalobligationen, die bis zu 2 v. H. gewannen. Auch Stadtanleihen, die vielfach mit Plus-Plus angeschrieben waren, waren stärker gebessert, ebenso konnten sich Stadtanleihen befestigen. Don Deutschen Anleihen gewannen Altbesitz 1 c. Sy, Neubesitz 0,40 o. Sy, späte Reichsschuld buchforderungen und Industrie-Obligationen zogen etwa 1 d. Sy an. Don fremden Werten lagen besonders Mexikaner fest und bis zu 1 o. H. höher, ferner Lissaboner Stadtanleihe, die um zirka 2,50 v. H. auf 42 v. H. anstiegen, Tagesgeld war zu 4 v. H. unverändert. Bürgermeister-Tagung in Schotten. o. Schotten, 31.Mai. Im Rachaussaal fand eine Versammlung der Bürgermeister tatt, die sich mit der Landesplanung be- chäftigte. Nach der Begrüßung durch den Leiter >er Versammlung, Regierungsrat Schwan, hielt Regierungsbaurat Steinbach vom Kulturbau- amt^iehen einen Vortrag über die Bedeutung und Wichtigkeit der Landesplanung. Reichs- und Landesregierung stellen einen großzügigen Arbeitsplan auf, der für Jahre hinaus Arbeiten vorsieht, die von den Gemeinden in Aussicht genommen werden sollen. In erster Linie kommen volkswirtschaftlich wertvolle Arbeiten, wie Feldbereinigung, Drainage, Meliorationen, Wegebauten, Aufforstungen in Frage, die demnächst von den Arbeitslagern für die Gemeinden durchgeführt werden. An Hand von aus- führlichen Fragebogen, die mit den einzelnen Vertretern der Gemeinden in der Versammlung durchgesprochen wurden, erfolgt eine genaue Erhebung und Aufstellung der vorzunehmenden Arbeiten. Auch die Forstämter Schotten, Eichelsdorf, Laubach, Ulrichstein und das Landwirtschaftsamt wohnten der Versammlung bei. Die kleineren Arbeitslager wer- den bis zum Oktober verschwinden und in größere Arbeitslager nicht unter 200 Mann zufammcnge- faßt. Mittels Fahrräder und Lastautos werden die jungen Leute an die Arbeitsstätten gebracht, so daß weite Anmarschwege wegfallen und die Arbeitsleistung erhöht wird. Wettervoraussage. Zentraleuropa liegt zur Zeit im Bereich hohen Druckes. Absinkende Luft führte zu weiterem Bewölkungsrückgang, so daß in unserem Bezirk sich die Umgestaltung zur Schönwetterlage vollzogen hat. Zunächst dauert der Hochdruckeinfluß fort, jedoch dürsten sich bis Sonntag infolge Sonnenstrahlung und durch Zufuhr warmer Luft lokale Gewitter- störungen herausbilden, nach denen eine leichte Auffrischung erfolgt. Aussichten für Samstag: Sehr warmes und aufheiterndes Wetter, später aufkommende Gewitterneigung. Aussichten für Sonntag: Bildung lokaler Gewitterstörungen und leichte Abkühlung. Lufttemperaturen. Am l.Iuni: mittags 16,0 Grad Celsius: abends 10,5 Grad. Am 2. Juni: morgens 11,4 Grad: Maximum 17,3 Grad, Minimum 5,0 Grad; Niederschläge 0,1 Millimeter; Sonnenscheindauer WYi Stunden. — Erdtemperaturen in zehn Zentimeter Tiefe. Am l.Iuni: abends 18,7 Grad; am 2. Juni: morgens 12,5 Grad Celsius. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstag nachmittag geschlossen. Lin neuer Weg zur Arbeitsbeschaffung. Befreiung der Helferinnen von der Pflicht zur Arbeitslosenversicherung. Dom Arbeitsamt Gießen wird uns folgendes geschrieben: Die starke Wirtschaftskrisis hat viele Familien veranlaßt, ihren Hausgehilfinnen zu kundigen. Besonders belastend wurde die Höhe der Sozial- Deiträge empfunden, die häufig den Darlohn überstieg. Die gesetzliche Festlegung, daß die Hausgehilfin einen Teil der Dersicherungsbei- träge selber zu zahlen hat, konnte sich in der Praxis nicht durchsetzen. Die Reichsregierung hat nun neue Wege beschritten, um auch der weiblichen erwerbslosen 3ugend zu helfen und mit der Hinlenkung auf die frauliche Arbeit in der Hauswirtschaft zugleich auch ein nationales Ziel anzustreben. Sie hat durch Gesetz und Verordnung verfügt, daß in Zukunft d i e Hausangestellte nicht mehr der Ar- b e i t s l o s e n v e rf i ch e ru n g s p f l i ch t unterliegt und daß weiterhin für Hausangestellte, die nicht mehr als 50 Mark monatlichen Darlohn beziehen, 3nvalidenversicherungsbei- träge der Lohnklasse II zu entrichten sind. Die weiteren Bemühungen gehen dahin, auch die Krankenversicherungsbeiträge zu senken. Die Bemühungen der Reichsregierung können aber nur dann Erfolg haben, wenn auch die Hausfrauen ihrerseits zu einer vermehrten Einstellung von Hausgehilfinnen Übergehen. Es ist nicht nur eine selbstverständliche Pflicht fegenübet überlasteten Hausfrauen, ihnen mög- iche Erleichterungen zu schaffen, sondern auch eine nationale Crziehungsaufgabe des jugendlichen weiblichen Rachwuchses. Deim Arbeitsamt sind genügend junge Kräfte gemeldet, um den Anforderungen gerecht werden zu können. Das Arbeitsamt wird bei einer Erhöhung der Zahl der offenen Stellen für Hausgehilfinnen dahin wirken, daß geeignete weibliche Arbeitsuchende auch aus anderen Berufen der Hauswirtschaft zugeführt werden. Durch geeignete Schulungs- Maßnahmen wird erreicht werden können, daß auch diese Kräfte als durchaus brauchbare Kräfte zugewiesen werden können. Die Lohnfestsehung wird dagegen von dem Arbeitsamt nicht beeinflußt werden; sie muh in weitestem Umfange den Hausfrauen und den Hausgehilfinnen überlassen bleiben, schon deshalb, weil der Hauptbestandteil des Entgelts in der Gewährung des Lebensunterhalts liegt. Zur Klärung einiger Zweifelsfragen wird noch bemerkt, daß nach den Bestimmungen des Gesetzes nur dasjenige weibliche Personal befreit ist, das häusliche Arbeiten gegen Lohn ausführt und in die häusliche Gemeinschaft des Arbeitgebers aufgenommen ist. Unter »häusliche Arbeiten" sind Dienste zu verstehen, die geeignet sind, einen Haushalt in Gang zu halten, wie z. B. Reinigen der Wohnräume, Heizen, Kochen, Bedienung der Mitglieder des Haushalts, Wartung der Kinder u. ä. Dagegen werden Tätigkeiten wie die von Hausdamen. Gesellschafterinnen, die bisher ange» stelltenversicherungspflichtig waren, auch weiterhin einer Dersicherungspflicht für die Arbeitslosenversicherung unterliegen. Ein weiteres wesentliches Merkmal ist nach der Rechtsprechung des Reichsversicherungsamtes für den Begriff der Hausgehilfin die Ausnahme in die häusliche Gemeinschaft. 3n die häusliche Gemein s ch a f t des Arbeitgebers ist derjenige regelmäßig ausgenommen, der auch bei ihm wohnt. Run veranlassen verschiedene Umstände, insbesondere der Raummangel in der Wohnung des Arbeitgebers, daß sich Hausgehilfinnen nur tagsüber in der Wohnung des Arbeitgebers aufhalten, für die Rächt aber in ihre eigene, oder in die Wohnung ihrer Eltern zurückkehren. Auch in diesen Fällen tarnt die Beschäftigung das Gepräge einer echten Hausgehilfinnenstelle gleichwohl behalten, wenn sich die Hausgehilfin z. B. den ganzen Tag über in der Wohnung des Arbeitgebers beschäftigt und zu den Wohn- und Wirtschaftsräumen in der gleichen Weise allgemeinen Zutritt hat wie üblicherweise das Haus- personal und schließlich auch die volle Kost in dem Haushalt des Arbeitgebers erhält. Es sind also ;. V. Kräfte, die lediglich für einen Tag oder für einige Stunden des Tages vorn Arbeitgeber beschäftigt werden, wie z. B. Stundenfrauen, Reinemachefrauen, Zugeherinnen, Waschfrauen, Näherinnen und ähnliche Arbeitnehmer keine Hausgehilfinnen. — Ferner gehören nicht zu den Hausgehilfinnen Kellnerinnen, Zimmermädchen und sonstiges Bedienungspersonal in Pensionen und Pflegeanstalten; sie sind vielmehr Gewerbegehilfinnen. Findet die Beschäftigung zum Teil in der eigentlichen Hauswirtschaft und zum Teil im Betriebe ober Erwerbsgeschäft des Arbeitgebers statt, so ist die Dersicherungspflicht gegeben, es sei denn, daß die Beschäftigung im Betriebe oder Erwerbsgeschäft so geringfügig ist, daß sie für sich allein betrachtet frei von der Krankenversicherungspflicht wäre. Derartige gemischte Beschäftigungen liegen häufig bei Küchen- und Hausmädchen in Gasthöfen, bei Hausmädchen in Haushaltungen von Bäckern, Fleischern, kleinen Kaufleuten und bei ähnlichen Arbeitsverhältnissen vor. Auskünfte erteilt die weibliche Vermittlung des Arbeitsamts Gießen, Frankfurter Straße 29. Zahresseste der Krchengesangvereme 25 Zahre Kirchengesangverein Leihgestern. □ Leihgestern, 29. Mai. Die Sonne grüßt den jungen Tag und schmückt mit Perlen Halm und Hag. Steh' auf und grüße froh die Welt, die neu sich dir entgegenstellt, tritt mutig in das offne Tor, schau gläubig an den Glanz empor! Auch du sollst deine Kräfte bringen sollst fingen, Seele! Singen, fingen! Diese Gedanken des Dichters standen gestern über dem Festtag, der, ein echter Maienfonntag, unser mit Fahnen und Ehrenpforten reich geschmücktes Dors grüßte. 3m Mittelpunkt des Vormittagsgottesbienstes stand die Predigt des Ortsgeistlichen mit dem Thema: »Die Ausgabe der Kirchengesangvereine im Aufbruch der deutschen Ration". Wie die Väter sich einst um einen Paul Gerhardt scharend, sich über den Brandstätten und Trümmern des 30jährigen Krieges in den Glau- bensliedem des Dichters die Kraft holten zum inneren und äußeren Aufbau, wie der lutherische Choral im geistigen Aufbruch der Ration zu dem Sturmgesang wurde, der des Reformators gro- hes Werk vollenden half, und Emst Moritz Amdt mit feinem geistlichen Lied der Freiheit eine Gasse brach 1813, so müssen unsere Kirchengesangvereine das heilige Lied im Herzen und auf den Lippen, zu ‘Bannerträgern werden des neuen Deutschland von 1933. Oberkirchenrat D. Wagner überbrachte die Grüße des Hess. Landes» kirchenamtes, erinnerte an die Verdienste der Kirchengesangvereine als Spender der Kraft, des Trostes und der Freude und mahnte, sich vor allem im Herzen zu dem gelungenen Lied zu bekennen. Der Derttauensmann der Kirchengesangvereine des Dekanats Gießen, Pfarrer S t a u b a ch - Watzenborn, erinnerte rückwärtsblickend an die 25 3ahre, die mit ihrem reichen Erleben in der Kriegs- und Rachkriegszeit für die Kirchengesang, vereine nicht immer leicht gewesen feien. Sein Glückwunsch für die feiernde Gemeinde, die er aus früheren Vertretungen wegen ihres fleißigen Got- tesbienstbesuches besonders lieb gewonnen hat, klang aus in dem Gedanken: 3n alter Treue zum Kirchengcsang in die neue Zeit zum Segen des Dorfes und des Volkes. Der ganze Gottesdienst, zu dem sich auch der Gründer des festgebenden Vereins, Herr Kirchenrat Strack aus Gießen eingefunden hatte, wurde noch auf eine besondere Höhe geführt durch zwei Lieder: »Komm Gnadentau befeuchte mich" von Frank-Riedel und GALLON neu bereifen. z QUALITATS < ARBEIT y Die stoßfangende Wirkung schont den Wagen und lohnt die Neubereifung. sa-we Wie ein Billardball rollt Ihr Wagen auf schlechtesten Straßen erschütterungsfrei dahin, wenn Sie mit DUNLOP Astoria-Lichtspiele 3633 C Hans Albers in 3698 D 150 Solo-Maschinen 26 Seitenwagen G im neuen Anzug von Köhler! RM 60830 650 86 65746 830 60 83 Passiva Geschäfts-Drucksachen 39 Gieren 3701V bei Brühl, Schulstraße 7 RM Gewinn-undVerlustrechnungam31.Dez.1932 RM G5 RM ■iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinii FF ff Schmücker Oberhemden, weiß, Trikot, durch- 0 7K gehend gemust, Bielefeld. Fahr., Mk. U.f V Oberhemden, farbig, mit los. 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Pfarrer Dräut- Lich feierte in seiner Ansprache das deutsche Lied und brachte besonders zum Ausdruck, daß die Gesangvereine und das deutsche Lied großen Anteil an der nationalen Wiedergeburt unseres Vaterlandes hätten. Er gedachte der im Weltkrieg und der im Kampf um die nationale Erhebung Gefallenen, besonders aber des Freiheitshelden Schlageter. Die Musik spielte das Lied vom guten Kameraden. Mit einem Hoch auf die Reichs- und die Landesregierung, besonders auf den Volkskanzler Adolf Hitler, ließ er seine Ansprache ausklingen. Der Gauvorsitzende Rinker- Nonnenroth dankte dem Gesangverein „Harmonie" Birklar und der ganzen Gemeinde für die freundliche Aufnahme, welche die Sangesbrüder in Birklar gefunden hat- ten, sowie für den reichen Flaggenschmuck, den alle Häuser trugen. Der Provinzialvorsitzende für Ober- Hessen des Hessischen Sängerbundes, Ludwig Wendler- Bad-Nauheim, überbrachte die Grüße des Hessischen Sängerbundes und dankte Pfarrer D r a u t für den Dienst am deutschen Liede. Unter Leitung von Gauchormeister Lehrer Müller- Nonnenroth wurden die Lieder „Frühlingslied" von Rob. Schuhmann, „Dolksgebet" von F. Janoske und „Freiheit" als Massenchöre gesungen, die viel Anklang fanden. Der Gauvorsitzende dankte allen, die zum Gelingen der Feier beigetragen hatten und schloß mit einm Hoch ai|f das deutsche Lied und den Hessischen Sängerbund. Bei geselliger Un=* terhaltung und Gesang verbrachte man einige gemütliche Stunden. Der seitherige Gauvorsitzende Rinker-Nonnen- roth wurde in Verfolg der Gleichschaltung durch den Provinzialoorsitzendcn Ludwig Wendler- Bad- Nauheim durch Handschlag erneut zum Gauvorsitzenden des Gaues Chattia-Wettertal verpflichtet. Landkreis Gießen. z Großen-Linden, 29. Mai. Dieser Tage fand in der Wirtschaft „Zum Rebstock" die erste Versammlung der vor einigen Wochen hier gegründeten Vereinigung „Ehemaliger Pioniere und Verkehrstruppen Hütte n b e r g" statt. Dem Verein haben sich die Kameraden aus der näheren Umgebung Hessens und Preußens angeschlossen. Kamerad Am end, Klein-Linden, hieß die zahlreichen Anwesenden, besonders die zum erstenmal erschienenen Kameraden herzlich willkommen. Die Vorstandswahl ergab: 1. Vorsitzende K. Amend, Klein-Linden, 2. Vorsitzender Dr. Döhler, Klein Linden, Kassenwart A. W ei n a n d t, Großen-Linden, 1. Schriftführer Ludwig Größer, Großen-Linden. Als Vertrauensleute wurden gewählt: Reitz, Hochelheim, Arnold, Lützellinden, Schütz, Allendorf a. d. Lahn. Der Verein wird sich, an dem am 25.3uni in Hochelheim stattfindenden Kriegerfest vollzählig beteiligen. Statuten, sowie der Anschluß an den „Waffenring Deutscher Pioniere" oder die „Hassia" werden in der nächsten Sitzung beschlossen, die bei Kamerad Pauly in Klein-Linden stattfindet. Rach Veratung einiger interner Angelegenheiten schloß der 1. Vorsitzende die Versammlung mit einem dreifachen „Glück auf" auf den Reichspräsidenten v. Hindenburg und den Reichskaitzler Adolf Hitler. U Großen-Linden, 1. 3uni. 3n der vor einiger Zeit zum Zweck der Gleichschaltung abgehaltenen außerordentlichen Hauptversamm- VoranschlagS-Verabschiedung in Lauterbach. £ Lauterbach, 1. Juni In der jüngsten G e - meinberatsfihung waren nur die Ratsmitglieder der NSDAP, und der Vertreter der Kampffront Schwarzweißrot anwesend, die drei SPD.- Mitglieder waren nicht mehr e i n gelob e n worben. Obwohl ber Voranschlag ber Stadt und des Elektrizitätswerkes zur Beratung^ stand, dauerte die Sitzung nur knapp eine halbe Stunde, denn große parlamentarische Reden werden heute nicht mehr gehalten. Der städtische Voranschlag wurde bereits in einer Fraktionssitzung der NSDAP. - Vertreter unter Hinzuziehuny des Vertreters der Kampffront Schwarzweißrot einer ergehenden Beratung un- terzogen. Er schließt in Einnahme und Ausgabe in ber Abteilung für ben Betrieb mit 293800 Mark, in ber Abteilung für bas Vermögen mit 15 185,82 Mark ab. Für bie Öemeinbeumla- g e n im Rechnungsjahr 1933 bleiben biefelben Steuersätze bestehen, wie im Vorjahre. Diese betragen von je 100 Mark Steuerwerk für Gebäude unb Bauplätze 12 Pf : ber lanb- unb forstwirtschaftlich genutzten Krunbstücke 24 Pf.: bes Gewerbekapitals 30 Ps.; bes Gewerbeertrags 1,20 Mk.; für bie Son- bergebäubefteuer von je 1 Mark bes staatlichen Sonbergebäubefoüs von Gebäuben mit einem Steuerwerk: a) bis zu 7000 Mk. 23 Pf.: b) über 7000 Mark 20 Pf. Der Voranschlag würbe in ber vorgelegten Form burch ben Gemeinberat einstim- mia genehmigt. Der Voranschlag bes Elektrizitätswerkes für bas Rechnungsjahr 1933, ber in Einnahme unb Ausgabe mit 99 250 Mark abschließt, wurde gleichfalls einstimmig genehmigt. Ohne Debatte wurde aus Vorschlag des Bürgermeisters beschlossen, daß bie brei Vertreter der Sozialdemokratischen Partei nicht mehr zu ben Sitzungen eingela- b e n werben, nachbem sie burch ihr brüsfierenbes Verhalten am 12. Mai anläßlich ihrer Vereibigung in ber ersten Gemeinderatssitzung in ber Turnhalle dzw. burch ihr Fernbleiben von der Ratssitzung am 18. Mai ben Gemeinberat beleidigt haben. In jener Sitzung in der Turnhalle verließen die drei SPD.- Mitglieder nach ihrer Verpflichtung, aber vor Beendigung die Sitzung, ohne die verlesene Eidesformel zu unterschreiben. Dieser Ausschluß war erforderlich, damit für die Folge die Ruhe und Ordnung in ben Sitzungen gewährleistet bleibt. Der Bürgermeister gab noch bekannt, daß ber Stabt Lauterbach von ber Rentenbank-Kreditanstalt für ben Bau ber Umgehungsstraße ein Darlehen aus bem Sofortprogramm ber Reichsregierung in Höhe von 25 000 Mark zugesprochen worben ist. Dieses Kapital ist burch eine auf die Dauer von 20 Jahren zu leistende Rente von jährlich 6 v. H. zurückzuzahlen und gilt nach dieser Zeit als getilgt; die Tilgung beginnt erst im Jahre 1935. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf ben Herrn Reichspräfibentcn unb ben Herrn Volkskanzler, in das alle Anweienben begeistert einstimmten, würbe bie Sitzung geschlossen. Liebertag des Sängergaues Ehatiia-Wettertal. * Birklar, 1. Juni. Der Liebertag bes Gaues Ehattia-Wetterkal fand am Sonntag in Birklar statt. Schon in ben frühen Morgeustunben waren bie Vereme aus ber Sängerfahrt, benn um 10 Uhr wurden alle Gau-Vereine hier erwartet. Der ©au- Vorsitzende Rinker- Nonnenroth eröffnete^ den ßiebertag. Pslichtchor bes Gaues war das Frühlingslied von Schuhmann „So sei gegrüßt viel tausendmal" und ein selbstgewählter Chor. Als Wertungsrichter war Herr B l a ß - Großen-Linden ver- pflichtet worden. Jeder Verein bekommt eine schrift«wüinDcicina war der seitherige i. Vorsitzende Dr. Römer, der sich um die Entwickelung des Vereins schon große Verdienste erworben hat und sich allgemeiner Deliebtheit erfreut, einstimmig zum Vereinsführer wieder- gewählt worden. Da inzwischen dessen Destäti- gung durch den Gauführcr Dr. R a u erfolgt ist, konnte Dr. Römer nunmehr anläßlich einer in der Turnhalle abgehaltenen Schlageter- gedenkfeier, die weiteren TurnratSmit- gliedcr. die nachstehend aufgeführt sind, berufen: Wilhelm Weiß, Stellvertreter des Vereinsführers unb Oberturnwart, Ludwig Keßler, Schriftführer unb Drcssewart, Ludwig Lang, Schatzmeister, 3oh. S t e i n a g c I, Vertreter der Anteilseigner, die Aufgaben des Dictwarts übernimmt der Vereinsführer. Der Oberturnwart ernannte Fritz Weitershaus zum Männer- turntoart, Lehrer Siegfried zum Wehrkurn- wart, Erich Volk zum Spielwarl, Karl Seipp zum Fraucnturnwart, Richard Seth zum Schü- lerturntoart und Georg Klingelhöfer zum Schülerinnenturnwart. Sodann schilderte der Ver- einssührer in eindrucksvoller Weise das Leben und Sterben des Rationalhelden Schlageter und gedachte des heldenmütigen und siegreichen Kampfes der Deutschen Marine im Skagerrak am 31. Mai 1916. Mit dem Gesang des Liedes „O Deutschland hoch in Ehren" nahm die erhebende Feier ihr Ende. • Leihgestern, 1. 3uni. Am Samstag fand gemeinsam die Vollversammlung der beiden Turnvereine mit dem Zweck der Gleichschaltung statt. Der Saal war reich mit Haken- kreuzsahncn und mit den alten Reichsfarben geschmückt. Das Dild des Dolkskanzlers und des Turnvaters 3ahn grüßten von der Tribüne. Der neuernannte und altbewährte erste Turn- führer Will begrüßte nach dem Einmarsch der beiden Fahnen die zahlreichen Teilnehmer und schilderte den Wert des Turnens. Rach dem Deutschlandlied verpflichtete sodann Gauoberturnwart Paul, Gießen, den ersten Turnführer Will durch Handschlag, sprach über den Sinn der Gleichschaltung und richtete den Appell an alle, nicht als tatenlose Mitglieder im Verein zu fein. Hierauf ernannte der erste Führer folgende Mitarbeiter: Rektor Loh, zweiter Führer; Karl Faber, Diet- und Pressewart; Richard Velten, Schriftführer; Albert Laux, Kasse- wart; Heinrich Volk, Oberturnwart; Wilhelm Schmidt, erster Turnwart; Richard Laux, zweiter Turnwart; W. Laux, Wehrturnwart. Mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes wurde die Versammlung des neuen Turnvereins „Frisch Aus Leihgestern 1893“ geschlossen. Z Rödgen, 31. Mai. Am 28. Juni begeht der Männergesangverein „Harmoni e", Rödgen, fein 25jähriges Stiftungsfcft. Zahlreiche Vereine haben sich zu diesem Tage bereits angemeldet. Alle Vorbereitungen, die einen schönen Verlauf versprechen, werden getroffen. Der Festplatz wird direkt hinter Balsers Saalbau gelegt, so daß ber Festwirt ben Wünschen aller geftteilncjjjner leicht gerecht werben kann. Der Mänergesangverein „Har- monie" wurde 1908 von 39 Mitgliedern gegründet. Mel rere Gründer sind schon gestorben, 6 an den Folgen von Kriegsverletzungen; unter diesen ist auch der 1. Vorsitzende des Vereins, Ferdinand Schwalb. Im Laufe der Jahre ernannte der Verein drei Mitglieder zu Ehrenmitgliedern. Am Sängerfeft können 17 Mitglieder auf 25jährige verdienstvolle Tätigkeit zurückblicken. Der Verein besuchte vor und nach dem Krieg mehrere Wettstreite und errang ansehnliche Preise. Besonders durch intensive Arbeit feines jetzi- gen Chorleiters Fritz Courths (Gießen) errang sich der Verein eine geachtete Stellung. * Große n'-Buseck, 31. Mai. Dieser Tage besuchten der Frauenverein und Kirchenchor von'Düdelsheim unsere Gemeinde. Die auswärtigen Freunde, die Gäste unserer Gemeindeglieder waren, wurden bei ihrer Ankunft von dem Ortsgeistlichen, ihrem früheren Pfarrer, herzlich begrüßt und vom Posaunenchor in festlicher Marschmusik durch das Dorf geleitet. Im Festgoltcsblcnst wirkten der Posaunenchor unb ber Dubelsheimer Kirchenchor mit. Unter Leitung seines bewährten Dirigenten, Lehrer Diehl, horte man in bester Wiedergabe zwei schöne Lieber. Die für ben Nachmittag vorgesehene Veranstaltung auf bem „Hohen Berg" mußte wegen schlechter Witterung leider unterbleiben. Statt dessen kam man im Saale der Wirtschaft Brück zusammen. In seiner Begrüßungsansprache gab Pfarrer Müller seiner großen Freude darüber Ausdruck, wieder einige Stunden mit seinen ehemaligen Gemeindemitgliedern zusammensein zu können. Das reichhaltige Programm, in dem Darbietungen der beiden Kirchenchöre und des Posaunenchores miteinander abwechselten, brachte u. a. eine schöne Aufführung eines ernsten Stückes (von Schwester B. B ü ch s l e r und Frau Schneider einstudiert), ferner ein Märchenspiel, dargestellt von den Geschwistern R e i n s ch m i d t und Hildegard Pfeiffer. Auch heitere Darbietungen fehlten nicht, so daß die Stunden des Zusammenseins schnell vergingen. Im Namen der Düdelsheimer Freunde dankte Kirchenvorsteher Neun herzlich für die in so reichem Maße empfangene Gastfreundschaft und für die schönen Feierstunden, die allen Beteiligten in bester (Erinnerung bleiben werden. Mrciö Schotten. §Feldkrücken,31. Mai. Der vorige Sonntag war ein Festtag für uns, wie unser Dorf ihn lange nicht erlebt hat: es fand die Weihe der von ber hiesigen SA. gepflanzten Hi Her-Lin de statt. Nach dem Gottesdienst, an dem auch der ftriegeruer- ein von Kölzenhain geschlossen teilnahm, zog ein stattlicher Festzug durch die geschmückten Ortsstraßen zu der am Ortseingang, neben bem Forsthaus, gepflanzten Linde. Bürgerrneistre Kaiser begrüßte bie Versammlung. Lehrer Kratz (Wohnfelb) sprach einbringlich von bem neuen Geist, der in unserem Volke durch Adolf Hitler zur Herrschaft komme, unb übergab bie Hitler-Linbe als heiliges Vermächtnis in ben Schutz ber SA. und der ganzen Gemeinde. Pfarrer Trapp (Ulrichstein) nahm sodann die Weihe ber Linde vor. SA.-Führer Karl Schleu- n i n g unb Bürgermeister Kaiser übernahmen sie mit Worten bes Dankes. Lieb- und Gobichtoortrage umrahmten bie einzelnen Ansprachen. Die Feier machte auf bie große Festoersammlung tiefen (Ein- bruck. Kreis Alsfeld ll. Kirsch garten, 1. 3uni. Unsere Gemeinde ernannte ben Herrn Reichskanzler Adolf Hitler zum Ehrenbürger. Schon vor zwei Fahren wurden hier alle Wählerstimmen für die RSDAP. abgegeben. Ein Landfriedensbruchproreß. Darmstadt, 1. Juni. (WSN.) Ein Landfriedensbruch wurde heute vor der Großen Strafkammer Darmstadt verhandelt. 16 linksgerichtete Walldorfer hatten Nationalsozialisten beim Flug- zettelverteilen umkreist unb sie, als bie ©enbarmerie sie zum Schutze ins Rathaus brachte, beschimpft unb mihhanbelt. Die Angeklagten leugneten heute, dach hielt das Gericht 13 für überführt und verurteilte sieben von ihnen wegen schweren Landfriedens- bruchs, undzwar einenzuzehnundfechszu je sechs Monaten Gefängnis; wegen einfachen Landfriedensbruchs einen zu vier Monaten und fünf zu je drei Monaten Gefängnis. Drei An- geklagte wurden mangels Beweises freigesprochen. Ungetreuer Kassierer verhaftet. Dar m ft abt, 1. Juni. (WSN.) Der frühere Bürgermeister von Messel, Schreinermeister Georg Keller, wurde wegen schwerer Urkunden- s ä l s ch u n g und Unterschlagung zum Nachteil seines heimischen Sanitätsvereins verhaftet. Er soll in dieser nebenamtlichen Tätigkeit als Rechner 5 — 60 0 Reichsmark unterschlagen haben. Sonnenbrand^natervQ^me Fadiingen HEILEN D-VORBEUGEND-LINDERNDERFRI5CHEND Statt Karten I Rudolfine Rosenbaum Siegfrid Fuld Verlobte Gießen,Kirchenplatz 4 Frankfurt/M.,Baumweg25 Pfingsten 1933 3351 J Preiswerte Damen-Hüte und-Kappen Polo-Kappen 4 (in in verschiedenen Farben LUU Damen-Hut Mattlo-Form.......... 2.95 Damen-Hut Panama imlt, weiß.. 3.75 Frauen-Hut i. gut. Strohgeflecht, ab 3.50 Moderne Mützen in reichhaltiger Auswahl 3684 A smmütKER ; G I. E 5 5 E n erhalten 3700 und sich ist die richtige Bezeichnung für die sorgfältige und vorbildliche Verarbeitung unserer Herrenschuhe - und sie passen. — Schon ab braun Boxkalf, mit denen m< sehen lassen kann. — Bitte Sie morgen am Herrentag. Beschluß. Der Kriegsbeschädigte Philipp Heinrich Sommerlab in Beuern, Kreis Gießen, ge baren am 23. Dezember 1880 zu Beuern, wirb wegen Trunksucht entmünbigt. Gießen, den 30. Mai 1933. 37030 Hessisches Amtsgericht. Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Jakob Abt (Inhaber Jakob Abt) in Gießen, Ebelftraße 7, wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußter- mins hierdurch aufgehoben. 37020 Gießen, den 29. Mai 1933. __________Hessisches Amtsgericht.__________ Bekanntmachung. Die bereits fälligen Stromgelder im Stadt- und Ueberlandgebiet für den Monat April 1933 können noch bis zum 15. d. M. ohne Kosten bezahtt werden. Bei Nichtzahlung bis zu diesem Termin erfolgt Beitreibung und Stromsperre auf Kosten des Abnehmers. 36920 Gießen, den 1. Juni 1933. Direktion ber Elektrizitätswerke, Ueberlandanlage und Straßenbahn ber Stabt Gießen. ______________________Stolte.______________________ lieber pfingstmarkt Dienstag, ben 6. Juni (Pfingstdienstag) Ziegen-, Cammer-, Schweine- und firämer- marft verbunden mit Ziegenschau und Prämiierung unter Mitwirkung des Kreisziegenzuchtoereins Gießen und der Landwirtschafts, kammer. 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