anjig deutsch (I K H 11 185. Jahrgang Nr. 101 Erstes Blatt Dienstag, 2. Mai 1935 'Jfo bet Gietzener Anzeiger ' 1,1 , uu-‘ '«nb ber&6lid General-Anzeiger für Oberhessen VrvS und Verlag: vrühl'fche Univerfitätr-Vuch- und Steinörudcrei R. Lange in Gießen. Zchnftleitung und Geschäftzstelle: Zchulftraße 7 Oer Ausklang des Maifestes Des Tages Ehrengäste aus dem Reich Oie Arbeiterabordnungen werden von Hindenburg empfangen. Stfinbung 5 Monat« städter ragen“ spräche Reichspräsident und Reichskanzler begrüßen die Arbeiterdelegationen aus ganz Deutschland. Oesterreich und Danzig in der Reichskanzlei. QIm Schicksalsstrom Deutschlands, dem Rhein entlang trug uns dann das Luftschiff, und a n der Berg st raße leuchteten die Blüten der Bäume aus dem Dunkel heraus. Wir konnten sie nur ahnen. Aber es war ein Bild der deutschen Zukunft: Reue Blüten aus dem Dunkel der Rächt. Wir waren in Koblenz am Deutschen Cct, wir waren im Süden des Reiches. Cs grüßte uns Aachen, wo gerade zum Wecken geblasen wurde. Bon Zinnen und Schloten grüßten uns die Fahnen, von Bauernhöfen und Rheinschiffen, von Brücken und Toren. Dann tauchte aus dem Rebel vor uns klar und deutlich Bremen auf, und dann bereits Hamburg, die Hansastädte. An Binnenalster und 3ungfcmftieg in Pauli und im Hafengelände in Altona und Wandsbek Fahnen und Menschen, Musik und Gelöbnis: Jetzt wird dem deutschen Arbeiter wieder die Grundlage seines Seins neu geschaffen: Die deutsche» Arbeit. Sirenen heulen uns den Willkommensgruh des neuen Hamburg, das wieder das Tor Deutschlands werden soll. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20", mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Or H.Tdyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i. D.Th.Kümmel sämtlich in Bietzen. von der Stelle diese;: lius, sie willen über die Kunde vom Tod ■ hcn LchlMchille biV und Norwegens hin- folgt) Sängerschaft „Wo gen Himmel Eichen erklärte sodann in einer weiteren An- u. a. Saal. (Einige kurze Begrüßungsworte richtet Hindenburg an die Versammelten. Dann spricht zu ihnen Reichskanzler Adolf Hitler: „Ich glaube, es ist für Sie ade, die Sie hier in diesem ehrwürdigen Saale versammelt sind, um den Herrn Reichspräsidenten zu begrüßen, vielleicht der größte Tag Ihres Lebens. Sie werden sich diese paar Minuten für Ihr Leben merken, und Sie werden daraus in Ihre Heimat zurücktragen die Neberzeugung, daß die deutsche Arbeit und der deutsche Arbeiter hier in des Reiches Hauptstadt von dem Herrn Reichspräsidenten selbst die Ehrung und die Würdigung erfahren, die die deutsche Arbeit und der deutsche Arbeiter beanspruchen können. Sie werden daraus auch ersehen, wie unwahr und unrichtig die Behauptung ist. daß etwa die Umwälzung, die sich in Deutschland vollzogen hat. sich gegen den deutschen Arbeiter richtet. Im Gegenteil. Ihr erster und innerster Zweck ist, die Millionen unserer deutschen Arbeiter e i n j u - gliedern in die deutsche Volksgemeinschaft und damit wirklich innerlich einzubauen in unser heiliges Deutsches Reich.“ Eine feierliche Stille folgt den Worten. Dann begrüßen Reichspräsident und Reichskanzler j e • den einzelnen. Staßfurter Bergleute in ihren schwarzen Grubenschakos, steirischer Heimatschutz im grünen 3ägerrod, Leute von der Wasserkante in schweren Oelmänteln und mit langen Seestiefeln, Danziger Fischer, die an langer Stange ein Fischney tragen, darin einen zwölf- pfündigen Silberlachs, den einer von ihnen heute früh um 6 Tlhr aus dem Wasser gezogen hat. Ostpreuhische Arbeiter, Gruben- und Bergarbeiter aus dem Saargebiet, die Hindenburg einen riesigen Strauß weißen Flieder überreichen, Weinbauern aus dem Moselgebiet, die dem Reichspräsidenten in kleinen Fläschchen ihren Moselwein darbringen, dann eine Gruppe Bergarbeiter aus dem Siegerland, bayerische Holzhacker von der böhmischen Grenze. Ein Genosse aus dem Saargebiet richtet die besten Wünsche aus. mit der Hoffnung, daß das Saargebiet bald wieder zum Vaterland zurück- kehren möge. „IBir werden alles tun, was wir können —", antwortet der Reichspräsident. Zeder spricht, wie er denkt. Jedem drückt Hindenburg dieHand, jeder schaut auf zu dem Führer Adolf Hitler in starkem gläubigen Vertrauen. Diese Männer werden, wenn sie in ihre Heimat zurückkehren, Eck st eine des deutschen Glaubens sein, der nie erschüttert werden wird. Staatspräsident Professor Or. Werner: Wenn in früheren Jahrhunderten die deutschen Könige und Herzöge ein M a i f e l d ausriefen, ' dann kamen die Ritter, Reisigs und. Knecyte zum Teil aus weiter Ferne am Hunderten unt» • | Tausenden. Heute sei das-glanze deutsche' Volk ein einziges W^a i f e l d, denn auf- A gerufen sei die ganze deztische Ration. Zu Mil- lionen seien sie angetnrten in Städten und Dörfern des deutschen Velterlandes, um Bekenntnis und Treu e/g elöbnis abzulegen dem Führer der Ratiwk^ dem Herzog der Deutschen, Adolf Hi t le/ Der heutige Tag sei nicht nur der Frühlingstag, sondern der / Tag des Aufbruchs der deutschen/ Ration, die losgelöst sei von dem Jrrwatzn vergangener Jahrzehnte. Ieht, wo der irre Traum des Internationalismus verschwinde, erstehe das Gesicht der deutschen Ration jug/^ndhaft verschönt und be- f re U o o/n Furcht und Sorge der Bet- gangejnfyeit Dankbar schauten die Millionen heute )iä dem maischönen Germanenhimmel, zum Herrn der Welt, da sie wieder den Glauben an Ewiges Deutschland gefunden hätten. Daß toaS deutsche Volk, das lange genug in den Fessel a des jüdisch-römischen Wucherrechtes ge- Die Feier in derLandeshauptstadl Ein Ltaatakt der hestifchcn Rcgircung. Darmstadt, 1. Mai. (WSR.) Wie alle Städte des Reichs, so hat auch die hessische Landeshaupt st adt zum Tag der nationalen Arbeit reichen Fahnen- und Grünschmuck angelegt. Kaum ein Haus ist ohne die Fahnen der nationalen Revolution. Besonders festlich geschmückt sind d i e M i n i st e r i e n, das Landtagsgebäude und das Alte Palais am Adolf-Hitler- Plah, in dessen Mitte das Monument in frischem Grün und mit den Fahnen des altera und neuen Reiches aufragt. Am Sockel ist auf vier Seiten das Hakenkreuz aus Tannengrün angebracht. Das Landestheater ist würdig geschmückt. 3m Mittelpunkt der Feier stand am Vormittag, eingegliedert in die Festfolge der Reichsregierung, der Staatsakt der hessischen Landesregierung, den Stabsleiter H e y s e mit kurzen begeisterten Worten einleitete. Gauleiter F. Sprenger, Frankfurt a.M. der Reichskommissar für die Beamtenorganisationen und Führer des Deutschen Beamtenbundes wies dann in einer vielfach von Beifall unterbrochenen Ansprache darauf hin, daß die Volksfeste in alten Zeiten immer einen tiefen Sinn besaßen und die herrlichsten Volksfeste in Deutschland zu jener Zeit gefeiert wurden, als die Führung mit dem Volke noch wirklichvolksverbunden war. Gerade im Mittelalter fand sich alljährlich das Volk am 1. Mai zusammen, um das Fest der erwachenden Ratur zu begehen. Mit dem Riedergang der deutschen Stände ging auch diese herrliche Tradition zugrunde, und der 1. Mai wurde zum Zerrbild des einstigen Gedankens. 3n den vergangenen Jahren sei dem Volke am 1. Mai Klassenkampf und Klassenhah gepredigt worden. Die „Vereinigung der Proletarier aller Länder“ habe bewußt den Rationalismus und die Volksverbundenheit aller Deutschen zugrunde richten wollen. Kein Volk jedoch könne bestehen, wenn es nicht Zusammenhalte, ohne Unterschied von Stand und Herkunft. Was von den Versprechungen der marxistisch» sozialdenwkratischen Führer übrig geblieben sei, könne das deutsche Volk beute selbst beurteilen. Seit einem Jahrzehnt habe Adolf Hitler dem deutsche Volke gepredigt, daß es sich in allen feinen Ständen zusammenfinden müsse, um die wahre Volksverbundenheit und Volksgemeinschaft herzustel- len. Heute dankten ihm zu gleicher Stunde Millionen in Rord und Süd, Ost und West, daß er den deutschen Arbeitern der Stirn und der Faust den Feiertag der Arbeit geschenkt habe. An die Stelle des Klassenhasses sei heute d i e Dolksversähnung getreten, an Stelle von Standesdünkel das Gefühl der Verbundenheit des einen Standes mit dem andern. Der 1. Mai solle der Geburtstag der neuen, herrlichen Zeit fein Es gelte, daß jeder an feinem Ort das tue, was Adolf Hitler, der Führer des deutschen Volkes, verlange. Nur der Mann, der für sich und die Seinen Brot schaffe, fühle sich innerlich frei. Aus der Freiheit des deutschen Mannes auf freier deutscher Scholle könne erst die äußere Freiheit der Nation errungen werden. Die Erhol- tung des Reiches beruhe auf der Vereinigung aller Deutschen, soweit deutsches Blut pulsiert und soweit in den Ländern der Erde Deutsche denken, fühlen und handeln. Aus der Einheit der Kraft freier deutscher Männer entstehe die Macht der deutschen Arbeit, freie Bahn zu schaffen und dann, wenn man unsere Freiheit von außen angreift, diese zu verteidigen. Der Redner gedachte zum Schluß des F e I d - marschalls v.on Hindenburg und des Dolkskanzlers Adolf Hitler mit einem dreifachen Heil, in das die Zehntausende begeistert einstimmten. Rach dem Choral der Darm- Material Auf dem sonnenüberfluteten, mit unzähligen Flaggen geschmückten Feld des Berliner Zentralflughafens in Tempelhof, um den sich eine freudig erregte Menschenmasse Kopf an Kopf drängt, landeten in der Mittagsstunde 10 Großflugzeuge der Lufthansa, die die Ehrengäste der Feier der nationalen Arbeit in der Reichshauptstadt heranbrachten: 7 1 Arbeiter aus allen Gauen Deutschlands, aus dem Saargebiet, aus Danzig und Oesterreich, aus Rord und Süd, aus Ost und West kamen die riesigen, mit den Fahnen der nationalen Revolution geschmückten Maschinen herangebraust. Ihnen entstiegen die Männer, so wie sie der Alltag sieht, in ihren Arbeitskleidern. 3eder einzelne der 71 Abgeordneten wurde von Reicysminister Goebbels und dem Leiter der RSBO., Staatskommissar Engel- durch Handschlag begrüßt. Stolz und mit leuchtenden Augen berichten sie in der Sprache ihres Heimatlandes von den Erlebnissen, die ihnen ihr erster Flug über das feierndeDeutschland brachten. Treuherzig meint ein Ostpreuhe, dessen Maschine hinter Stettin in eine Schlechtwetterzone geriet, daß er, als ihm „das Frühstück hochkam“ erst so recht begriffen habe, wie oft der Führer auf seinen Sturmflügen „die Zähne zufammenbeißen mußte“. „Wir Ostpreußen wollen nicht, daß es uns sofort materiell besser geht, aber wir tragen die Hoffnung in unserem Herzen, daß es besser wird, weil Hitler uns führt." Die Danziger und Oester- reicher berichten von ihrer Sehnsucht nach einer gleichen nationalen Erhebung, wie sie Deutschland erleben durfte. 3n etwa 100 mit Wimpeln und frischem Grün geschmückten Kraftwagen wurden die Ehrengäste dann in ihre Quartiere, die besten Hotels der Reichshauptstadt, gefahren. Um 17.30 Uhr fanden sich die Arbeitsabordnungen in dem historischen Kongreßsaal der Reichskanzlei ein, um dem Reichspräsidenten von Hindenburg und dem Volkskanzler Adolf Hiller vorgestellt zu werden. Bergwerksknappen in ihren Uniformen und mit Grubenlampen, Zimmerleute in ihrer malerischen Tracht, technische Arbeiter, Hafenbeiter, Fischer, Männer des österreichischen Heimatschutzes, der steierischen Heimatwehr, Arbeiter aus Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Kärnten sind es, die dein Reichspräsidenten und dem Reichskanzler die Grüße ihrer Belegschaften und Ar- beitsgenossen. Grüße ihrer Heimatländer überbringen. Die Szene wurde vom Rundfunkmikrophon, das den Reichspräsidenten eine Strecke durch den Saal hindurch begleitete, so lebendig übertragen, daß sie in ihrer Urwüchsigkeit und programmlos volksnahen Einfachheit der Grußworte, Fragen und Wünschen allen, die dies mithören konnten, ein bleibendes Erlebnis sein wird. Zuerst tritt Reichsminister Goebbels in den Saal, der Mann, dem dieser große Tag zu verdanken ist. Harte Arbeitersäuste drücken dankbar seine Hand. Freude auf allen Gesichtern. Dann ein Raunen, ein hörbares Zusammenrücken: Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler Adolf Hitler betreten den jer aus Mühlheim en jg kommunistisch« u. a. erklärt, in dn d) Kanonenfutter fir mit Rußland gro&gr die Lagcrinsasten, öi müßten, nicht satt -. ingnisstrafe vsi rasen sind rechlslräjl» ogramm, !.1M -challplotten. 10.10 bti jsgeschichle und wie |i« n Recklinghausen. 121 stink-Orchesters, h- Nachmillagskonzeri «• „Lallila", Antrag » 1.18.25: Zeitsunk.M' hwäbische M 2--^ hohenzollecn. 20.00: rjolqe von Hans >n Mischer Alinas 15: Nachlkonzell. rbsloier Wmunk Deutsche Mama«. L3Ö' Mtagslonzen > 1630: Nachmittags^ i8.oo: Stunde der Ration, w U/M)e Menschen in mi> Ä-jr * Trfchelnl tägltd), avhn Sonntags und Feiertags Beilagen: Dte Illustriert, Gietzener Famtlienblätter Heimat irn Bild Die Scholl» Monat,-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustriert» . 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. zernsprechanfchlüsie anter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten Anzeiger Stehen. poftfcheckkonto: Frankfurt am Main 11686. Das Feuerwerk. Stürmische Heilrufe, die sich immer wieder erneuerten, folgten der Rede des Führers. Von der Hitlerjugend wurde auf dem Tempelhofer Feld eine junge Eiche zu Ehren des Reichspräsidenten gepflanzt. Die Retchswehrkapellen spielten dann den großen Zapfenstreich und bei gesenkten Mahnen von der Versammlung mitgesungene feierliche Gebet. Dann erlosch Scheinwerser um Scheinwerfer, bis das Riesenfeld völlig im nächtlichen Dunkel lag. Nun begann als eindrucksvoller Abschluß dieser einzigartig dastehenden Veranstaltung ein geroal- tiges Feuerwerk. Zn einer Front von 400 Metern waren auf dem westlichen Teil des Flugfeldes die Aufbauten für dieses großartige Schauspiel errichtet worden. Die Anlagen waren so ausgedehnt, daß die Feuerwerker-Trupps zur gegenteiligen Verständigung durch Feldtelephone miteinander verbunden werden mußten. Zunächst raste eine aus 100 der größte Raketen gebildeten, fid) fortgesetzt bewegende und in allen Farben schillernde Feuer- wand in den dunklen Nachthimmel. In riesiger roter Flammenschrift leuchteten dann zwei sich vereinigende Hände auf, unter denen in riesigen Lettern „lag der deutschen Arbeit" zu lesen war. Tausende und Abertausende oo.. Feuerblumen umrahmten dieses symbolische Bild. Zn allen Regenbogenfarben schossen die Garben vom Himmel herunter. Ein silberner Wasserfall in der Länge der ganzen Front ließ für eine Minute das Feld in hellem Licht erstrahlen und Kreuzräder, Gold- und Silberkometen, Blumenkörbe und Sonnen zischten herum. Ein Farbenwunder von märchen- yafter Pracht, das immer wieder den Beifall der Massen hervorrief. Ein gewaltiges Trommelfeuer mit Bomben und Granaten erschütterte die Luft, ein Bombardement aus Hunderten von Feuertöpfen. Bengalische Beleuchtung schloß das Riesenseuerwerk ab. Währenddessen hatten sich unter Führung einer Reichswehrkapelle die uniformierten Verbände vom Platz glöft und für den FackelzugzumLust- garten in Bewegung gesetzt. Bald daraus verließen der Reichskanzler und die übrigen Mitglieder der Reichsrgirung sowi das Diplomatische Korps und die Ehrengäste der Arbeiterabordnungen durch ein Spalier von Fahnen das Fld,e wobei der Reichskanzler und der preußische Ministerpräsident Göring wieder stürmisch umjubelt wurden. Oer Fackelzug. ttöring spricht im Lustgarten. Der Fackelzug versammelte sich um die Mitternachtsstunde im Lustgarten. Der festliche Schmuck der Girlanden und Fahnen des Lustgartens wurde durch das helle Licht vieler Scheinwerfer aus dem Dunkel der Rächt gehoben. Dom, Schloß und das alte Museum bildeten silhouettenhaft den Hintergrund. Der Aufmarsch begann um 23 Tlhr. Erst eine halbe Stunde nach Mitternacht konnte der preußische Ministerpräsident Göring die vorgesehene Rede halten, in der er u. a. erklärte: So wie vor wenigen Stunden die Reichsregierung den Tag der deutschen Arbeit feierlich auf einem historischen Gelände beging, so stehen wir wiederum auf einem historischen Platz und die preußische Staatsregierung hat ihr Gedenken am Tage der nationalen Arbeit auf diese Stätte verlegt, wo einst Brandenburg, wo Preußen. wo Deutschland groß geworden sind. Mitternacht — und trotzdem ein Bild deutscher Kraft, deutschen Glaubens und deutscher Hofnnung, ein Bild eines gewaltigen Lebenswillens eines Volkes. Mitternacht — und doch dröhnt die Haupt- Hauptstadt immer noch vom ehernen Schritt der Kolonnen und bekennt sich zum Volk und zum Tage seiner Arbeit. So wie am 30. Januar dem deutschen Volk seine nationale Hhre wiedergegeben wurde, so wurde heute der deutschen Arbeit wieder die Ehre und die ihr zukommende Bedeutung zurückgegeben. Die preußische Staatsregierung grüßt um Mitternacht in Ehrfurcht die Millionen der deutschen Arbeit und gelobt auch ihrerseits in dieser Arbeit an der Spitze zu stehen. 14 Jahre der Schmach sind vorüber. Jetzt beginnt der Aufbau und über diesen Aufbau soll stehen: Arbeiten, kämpfen und glauben! Von Vord des „Gras Zeppelin" Das Luftschiff „Graf Zeppelin" war auf seiner Deutschlandfahrt gegen Mittag über der Reichshauplstadt erschienen und begleitete nun einzelne marschierende Kolonnen eines Strecke des Weges zum Tempelhofer Feld, wo es mit begeisterten Hurrarufen begrüßt wurde. Zu seiner Begrüßung stiegen eine Anzahl Flugzeuge auf und umkreisten das Schiff, das über eine halbe Stunde lang in langsamer Fahrt große Schleifen über dem Felde zog. Don der Gondel des Luftschiffes herab schilderte A. Berndt den Verlauf der Fahrt des „Graf Zeppelin", der heute Nacht um 12 Uhr aufgestiegen war und als erster den Tag der Arbeit begrüßt habe. Und wie ein Symbol war es uns, als wir kurz darauf in den Bergen der Rauhen Alp und des Schwarzwaldes die Maifeuer der deutschen Jugend lodern sahen. Fahnen und Fackeln begrüßten uns in der Nacht aus allen kleinen schwäbischen Dörfern und Städten. Unö dann tauchten vor uns aus der Nacht die Stätten deutschen Schöpfersinns und deutscher Arbeit auf: Mannheim und Ludwigshafen, die Stadt, in der das erste Auto gebaut wurde, und die Stadt der Chemie. fe* im S KM -Mir .sachlich,wie >°nlamen2 °l5n, aus dein Aenr 1 Ml die „Cufioh MirÄ "j01? Äommanboiurr ' vurde beobachtet S -WH« taZ ~uan dem Liege an Mvorragr?, 'utsch-n AchWm genau ersah, wurde :l rns cchwanlen, ali« tov Dollen der W.3 sichtbar. Wj. 1 Werten die $ür ’r weit durch die ßut n den furchtbaren >ge Rauchwolken in) „Invincible“. Unbi: ie sich zur Leite uw chr mehr als tauferd! legen habe, heute davon befreit sei und sich zurückgefunden habe zur deutschen Nation, verdanke es Adolf Hitler, der alle Deutschen zu- sammengefaht habe unter dem Gedanken des deutschen Sozialismus und der nationalen, sozialen, deutschen Freiheitsidee. Der Redner schloß: „Es gilt, heute die Erkenntnis der Fehler der Vergangenheit auszusprechen und das Bekenntnis zum Tage Der nationalen Arbeit und zum Schöpfer der neuen deutschen Ration abzulegen." Dem Gründer des neuen Deutschen Reiches, Adolf Hitler, galt ein dreifaches Sieg-Heil, in das die Massen begeistert einstimmten. Rach dem Gesang des Jung- arbeiter-Liedes sprach noch der Kommissar für Arbeiterfragen Fritz Kern (M. d. R.), Im Anschluß an die Kundgebung fand i n d e r Otto-Bernd-Halle der Technischen Hochschule die Verkündung des Studentenrechts durch Staatspräsident Professor Dr. Werner statt, lieber drei Stunden dauerte am Nachmittag der Vorbeimarsch des Festzuges. Am Abend ist r„1.jnian-e msts:Hrichtbe-—er sanden in sämtlichen großen Sälen der Stadt Uebertragungen der Berliner Feierlichkeiten statt, bei denen verschiedene Redner der NSDAP, und der NSBO. sprachen. Reichspräsident und Reichskanzler werden bei der Auffahrt im Lustgarten von der deutschen Jugend stürmisch begrüßt. Aktion gegen die Freien Gewerkschaften. Besetzung sämtlicher Gebäude. — Verhaftung der Führer. Berlin, 2. Mai. (MTB. Funkspruch.) heute um 10 Uhr wurde im ganzen Reich eine einheitliche Aktion gegen die Freien Gewerkschaften durchgeführt. Sämtliche Gebäude des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und der ihm angeschlossenen Verbände und wirtschaftlichen Organisationen wurden beseht. Der Presse teilte der Leiter des Aktionsausschusses zum Schuhe der deutschen Arbeit Reichstagsabgeordneter Dr. Ley Einzelheiten der Aktion mit. Danach waren die Führer völlig überrascht, v e r h a s t e t wurden Le i p a r t, Großmann und Wissel, dec sich angeblich nur zufällig im Gebäude aufhielt, um sein Konto nachzuprüfen, ferner sämtliche Führer der verbände in Berlin und alle Redakteure der maßgebenden Gewerkschaftszeitungen. Die Angestellten sind unbehelligt gelassen und gebeten worden. ihre Arbeit fortzuführen. Allerdings wird, wie Dr. Ley hinzufügle, keine passive Resistenz oder irgendein anderer Widerstand geduldet werden. Der ganze Apparat der Freien Gewerkschaften wird schon in einigen Tagen in neue Organisationsformen hineingeführt sein, die znm Schuhe dec Rechte des deutschen Arbeiters und der Angestellten geschaffen werden. Der Zweck der Aktion. Die Rechte der Arbeiter unbedingt stchergesteUt. B e r l i n , 2. Mai. (CNB. Funkspruch.) Der Leiter des Aktionskomitees zum Schuhe des deutschen Arbeiters, Dr. Ley, stellte vor der Presse fest, daß es sich bei der Aktion gegen die Freien Gewerkschaften um eine revolutionäre Bewegung des Nationalsozialismus handelt mit dem Ziel, die deutsche Arbeit und den deutschen Arbeiter zu schützen. Mit der Aktion ist keineswegs ein Eingriff in die Wirtschaft beabsichtigt. Im Gegenteil, Störungen der Wirtschaft sollen unter allen Umständen vermieden werden. Es geht nur darum, daß die wirtschaftlichen Organisationen des Marxismus nicht sich selbst überlassen bleiben. Das heißt nicht, daß die Gewerkschaften an sich sollen zerstört werden. Im Gegenteil, alles, was für das Volk irgendwelchen Wert hat, wird erhalten und dem Allgemeinwohl zugeführt. Das gilt ganz besonders für die Einrichtungen, die von Arbeitergroschen aufgebaut sind. Dr. Ley verbürgt sich dafür, daß die Rechte der Arbeiter in jeder Weise gewahrt werden. Die Einlagen der Arbeiter und Angestellten bei den Arbeiterbanken werden sichergestellt. In den ersten Tagen wird zwar die Sperrung einiger Konten durchgeführt werden. Sie wird aber nur einen bis zwei Tage dauern und dann wieder aufgehoben. Gewisse Konten werden allerdings sehr genau unter die Lupe genommen werden, so z. B. das von Herrn L ö b e, wozu Dr. Ley mitteilte, daß der frühere Reichstagspräsident in München ein Dreimillionenkonto besitzt. Solche Konten werden gesperrt werden. Dagegen werden die normalen Konten der Arbeiter und An- gestellten ni ch t a n g e t a st e t. Dr. Ley unterstrich, daß mit dieser Aktion gegen die Freien Gewerkschaften die zweite Phase der Erhebung Deutschlands durchgeführt wird. Die Zahl der Verhafteten wird bisher auf rund 50 angegeben. Darunter befinden sich die 28 Vorsitzenden der angeschlossenen Verbände, 12 führende Mitglieder des ADGB., ferner zwei leitende Personen der Arbeiterbank und drei Gewerkschaftsredakteure. Die beiden Gewerkschaftsführer L e i p a r t und G r a ß m a n n, die leidend sind, sind in ein Hospital gebracht worden. Aeberhaupt haben die beteiligten SA-Forma- tionen strengste Anweisung erhalten, die Maßnahmen so rücksichtsvoll wie möglich durchzuführen. Es ist in Aussicht genommen, nach Beendigung der Untersuchung die Schuhhäftlinge wieder zu entlassen. Auch das Gebäude desMetall- arbeiterverbaudes besetzt. Berlin, 2. Mai. (WTB. Funkspruch.) Das Gebäude des Deutschen Metallarbeiteroerbandes in der Alten Iakobstraße wurde heute vormittag von einem großen Aufgebot SA. unter Führung des Staatskommissars Engel besetzt. Staatskommissar Engel richtete an die aesamte Belegschaft des Gewerkschaftshauses eine Ansprache, in der er darauf hinwies, daß in Zukunft Flug- und Hetzblätter nicht mehr hergestellt und verbreitet würden, und auch die Gewerkschaftszeitungen einer Kontrolle unterzogen werden würden. In Zukunft gelte es, sich mit Gegenwartsproblemen zu beschäftigen, von denen in erster Linie das der gerechten Entlohnung für geleistete Arbeit stehe. — Die Belegschaft ging dann an ihre Arbeit, mährend die SA. das Haus besetzte und einer eingehenden Durchsuchung unterzog. Die Aktion ging in vorbildlicher Ruhe und Disziplin vor sich. SHwere Ausschreitungen in Amsterdam. Amsterdam, 2. Mai. (ERD. Funkspruch.) Rach Beendigung der großen Maifeier, die in Amsterdam vom Generalkonsul für die Mitglieder der deutschen Kolonie veranstaltet worden war, ereigneten sich schwere Ausschreitungen. Rach der Feier wurden deutsche Festteilnehmer vom Pöbel überfallen und mehr oder weniger schwer verletzt. Eine Horde von etwa 30 jungen Burschen versuchte sogar, drei deutsche Staatsangehörige, . die zu Boden geworfen und schwer mißhandelt joorden waren, Dor ein Automobil zu werfei). Dieses konnte jedoch im letzten Augenblick ausweichen. Zwei angesehene Deutsche aus Utrecht '.wurden tätlich anaegriffen, weil sie sich in deutsche»' Sprache unterhalten hatten. Dem hiesigen Landesgruppenleiter der NSDAP., Martin Patzig, lauerte auf dem Nachhauseweg der Pöbel auf. Als PatziK von einem deutschen Staatsangehörigen in dessen Automobil mitgenommen wurde, verfolgten ein Privatwagen und ein Lastkraftwagen, auf Dem sich etmav 20 Personen befanden, Den deutschen Wagen. Man machte den Versuch, ihn zu rammen, wobei ein Kotflügel eingedrückt wurde. Es gelang aber dem Führer des deutschen Wagens, den Verfolgern zu entkommen. Zwischenfall vor -em deutschen Konsulat in Lüttich. Brüssel, 1. Mai. (WTB ) Sozialistische Demonstranten haben am 1. Mai einen Angriff gegen das deutsche Konsulat in Lüttich unternommen. Obwohl die Polizei ein Eindringen der Demonstranten in das Konsulat mit blanker Waffe verhinderte, gelang es den Demonstranten, die aus dem Konsulat gehißte Hakenkreuzflagge herunterzureißen. Außerdem wurden die Fensterscheiben des Konsulats zertrümmert. Der Konsul hat unverzüglich eine neue Hakenkreuzflagae gehißt. Der deutsche Gesandte in Brüssel hat sofort bei Der belgischen Regierung energische Vorstellungen wegen Des Zwischenfalles erhoben. Die belgische Regierung hat i h r BeDauern über Den Vorfall ausgeDrüdt unD zugesagt, Die erforDerlichen Maßnahmen gegen Die Demonstranten zu ergreifen. DerKstzug der nationalen Arbeit in Gießen Etwa 12000 Teilnehmer, viele Festwagen und Fahnen. — Staatskommiffar Or. Wagner spricht vor der Volkshalle. (Schluß des Berichts über Den gestrigen Feiertag.) Von Der Ecke Marburger Straße/Steinstraße Durch Die ganze Steinstraße hinDurch unD in allen Seitenstraßen, auf OswalDsgarten usw. überall ftanDen DichtgeDrängt Die Kolonnen, Die sich Dem Festzug Der nationalen Arbeit einglieDerten. Es war ein unübersehbares Menschengewoge, Das man beim Durchwandern Der Ausstellungsstraßen allenthalben erblickte. Eine Unmenge Fahnen unD Wimpel flatterten über Dieser riesigen Heerschau Der Arbeiter Des Geistes unD Der HanD. Heller Sonnenschein machte Die FreuDe an Dem Ereignis noch höher. Allenthalben sah man Denn auch frohbewegte Menschen, Die mit gehobener Stimmung bei Dem festlichen Geschehen waren. Eine große Anzahl Festwagen rourDe zur Belebung Des Zuges von Werken, öffentlichen Einrichtungen, Innungen, Vereinen usw. mitgeführt. Viele künstlerisch beDeutjame Arbeit sah man in Diesen Wagen verkörpert. Alles legte Zeugnis Dafür ab, mit welcher freudigen, inneren Anteilnahme an Dem einzigartigen unD überroältigenDen Zuge unD seiner Ausgestaltung geschaffen roorDen war. Kurz nach 3 Uhr setzte sich Die Spitze Des Zuges, gebilDet von Der SS., Der Gießener Militärkapelle unD Der SA. unter Der Führung Des Standarten- führers Der StanDarte 116, Pg. Engmann von Der Ecke Steinstraße/Marburger Straße in Bewegung. Nach ungefährer Schätzung mögen es etwa 12 000 Menschen gewesen fein, Die in Diesem Zuge Der Arbeit in geeinter, volksoerbun- Dener Kraft unD Gesinnung einhermarschierten, Der Arbeiter Des Geistes neben Dem Schaffer Der HanD, alle Berufe in schönster Eintracht vereint, vielfach in Der KleiDung ihres Werktages erschienen. Es ist bei Der gewaltigen Menge Der Teilnehmer unD bei Der Reichhaltigkeit Der Ausgestaltung Des Zuges ein Ding Der Unmöglichkeit, im Rahmen Der Gesamt-Festberichterftattung auf alle Einzelheiten einzugehen. Nur einige befonDere Merkmale seien hier registriert. Durch starke Beteiligung fielen u. a. auf: Die Betriebszellen Der Firma Bän- ninger mit charakteristischem Festwagen, Des Gaswerks, Des Elektrizitätswerks mit zwei ebenfalls sehr charakteristischen Wagen, Die Eisenbahner aller Dienstzweige, sowohl aus Der Werkstatt, wie auch Die FahrDienst- unD Verwaltungsbeamtenschaft unD Die straff unD schneiDig auftretenDe Bahnpolizei, Die große Gruppe Der Heil- unD Pflegeanstalt, Die ebenfalls außerorDentlich starke Betriebszelle Des Stadt- bauamtes, Das StaDttheater mit einem künstlerisch feingestalteten Festwagen unD Dem gesamten Ensemble unter Führung Des geschätzten Intendanten Dr. Prasch, ferner Die Technische Nothilfe unD Die Firma Gail. Zu den stärksten Gruppen gehörte auch Die Werkgemeinschaft Des Gießener Anzeigers mit runD 300 Personen und Den bereits an anDerer Stelle erwähnten geschmückten Wagen. Daß Die Beamtenschaft aller Behörden ebenfalls in großen Gruppen vertreten war, versteht sich von. selbst. Stramm unD prächtig marschierte unsere Schutzpolizei mit umgehängtem Karabiner (Diesmal aber erfreulicherweise nicht als Drohmittel gegen Die Masse, sonDern leDiglich als Bestandteil Der Ausrüstung) an Den Zuschauern vorüber. Sehr gut war Der von Der Telegraphenbauabteilung hergerichtete Festwagen ausgefallen, ebenso Der Wagen Der Friseure, Der Dachdecker und Der Schuhmacher: recht nett unD sehr beachtenswert war auch Der von Den Schreinern hergerichtete Hobel, Der alles gleichhobelte. BesonDers zu vermerken ist ferner bas Erscheinen von Reitern in friderizianischer Uniform unD in Der Uniform Der ehemaligen hessischen Leib- Dragoner. Sehr eindrucksvoll gestaltete sich der Aufmarsch Der Universität mit Den Fahnenabordnungen der Korporationen und Der Chargen in Wichs, anschließend Der gesamte Lehr- unD Beamtenkörper. Wohlgefällig sah man auch Den Wagen Der Land- wirtschaft an, ebenso Den Festwagen Der SchmieDe. Dazu kam noch eine Unmenge Marschgruppierungen in Berufskleidung, Werkzeug-Eigenarten usw. Sollte bei Dieser kurzen Auszählung irgenDeine Gruppe nicht befonbers erwähnt worden sein, so wolle man es mit Der gewaltigen Fülle Der EinDrücke unD Der Unmöglichkeit, alles bis zum letzten festzuhalten, entschuldigen. In Der Gesamtheit bewertet ist zu sagen: Jedermann aus Dem Zuge hat sich in anerkennenswerter Weise an seinem Teil bemüht, würdig zu Dem großen Ereignis beizutragen, und vorbehaltlos gebührt Dafür jeDermann volle Anerkennung. WährenD eines großen Teiles Des Festzuges zeigte ein GefchwaDer von Drei Flugzeugen unseres Flughafens Geschwaderflüge und flugkünstlerische Cinzeldarbietungen, Die nvt Recht von Der Menge viel berounDert und mit Anerkennung bedacht wurden. In den Straßen ftanDen Die Zuschauermengen zum größten Teile in Dichten Massen, um Das interessante Schauspiel Dieses einzigartigen Zuges, zu genießen. Nach vielen Tausenden zählte auch Die Zuschauermasse, Die aus ihrer Begeisterung keinen Hehl machte; namentlich begrüßte d>e JugenD Die Zugteilnehmer vielfach mit lauten Heil-Rufen. Arn EnDe Des Festzuges, an Der Volkshalle, marschierten Die Fahnenabvrdnungen vor Der Halle auf, gegenüber Der Halle auf Dem Trieb sammelte sich Die Menschenmenge an. Hier hörte Die Menge nach Dem Schluß Des Zuges Die foIgenDe Ansprache Des Gtaaiskommifsars Dr. Wagner: Volksgenossen, Deutsche Männer, Deutsche Frauen, meine KameraDenI Wenn man heute Das Glück hatte. Durch Das Hessenland zu fahren unD in jeder Stadt und in jedem Dorfe Die rounDerbare Ausschmückung zu sehen, Dann ging einem Das Herz auf und man hat nicht nur äußerlich Den Tag Des 1. Mai 1933 gesehen, sonDern ihn auch mit feinem Herzen erlebt. TausenD Jahre lang kämpfte Das Deutsche Volk um seine innere Einheit, gespalten in Stämme, gespalten in Fürstentümer unD Klassen. Jetzt enDlich ist es gelungen, Das Deutsche Volk in seiner Gesamtheit ohne UnterschieD Der Klassen, Der StünDe, Der Berufe unD Des Vermögens zusammenzuführen an Dem Tag Der nationalen Arbeit, Dem 1. Mai 1933. Gemeinsam wollen wir einen Tag begehen, Der äußerlich SinndilD Dafür Jein soll, Daß nur Die Arbeit a 11 e in uns aus Der Not Der Zeit in eine neue Freiheit führen kann. Vor Dem Kriege unD auch nach Dem Kriege haben wir Die Arbeiterschaft bei Maifeiern gesehen. Oft kam es Dabei zu Unruhen unD Blutopfern. Dies hat sich jetzt grunDsätzlich geänDert. Wir sehen bei Diesen Feiern feinen UeberfaUmagen Der Polizei mehr unD auch keinen Gummiknüppel, sonDern u n - fere Volksgenossen stehen mitten u n - ter uns unD feiern gemeinsam mit Dem Deutschen Arbeiter Diesen Tag. Das ist Das VerDienst Des einen Mannes, Der selbst aus Dem ArbeiterstanD hervorgegangen ist unD sich aus Der Arbeiterklasse heraus emporgearbeitet hat zum Volkskanzler Des Deutschen Reiches, unseres Führers A D o l f H i 11 e r. Deshalb wollen wir heute vor allem Dieses Mannes geDenfen, Der es fertig gebracht hat, in 14 Jahren Das deutsche Volk e m p o r z u f ü h r e n zu einer seelischen Erhebung, Die alle Voraussetzung dazu ist, Daß unser heißgeliebtes deutsches Vaterland einer neuen Freiheit Der Ehre unD Der Gerechtigkeit entgegengeht. Wenn heute Das Ausland auf Deutschland blickt und feststellen muß, daß das deutsche Volk in seltener Einmütigkeit zusammensteht, der Bauer neben Dem Arbeiter, Der StuDent neben Dem Angestellten, Der geistige Arbeiter neben Dem Schaffer Der HanD, so roirD uns wohl Das AuslanD nun enDlich Die Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die auch Die Deutsche Arbeiterschaft braucht. Wir alle, liebe deutsche Volksgenossen, gedenken heute derer, die im Schweiße ihres Angesichtes mit uns und für uns arbeiten. Wir wollen aber auch Daran denken, daß wir National- sozialisten 14 Jahre lang die Volksgemeinschaft gepredigt und immer wieder gesagt haben: Wir wollen keine Volksgenossen 2. Klasse, sondern w i r wollen ein einiges deutsches Volk schmieden. Wir stehen heute an diesem Zeitpunkt, an dem das einige deutsche Reich und Volk geschmiedet ist. Der deutsche Arbeiter erkennt, daß unsere 14 Jahre Kampf gegen den Marxismus keine leeren Worte gewesen sind, sondern daß wir eisern gewillt sind, neben den nationalen Staat den echten deutschen Sozialismus zu stellen und die Arbeiterschaft einzugliedern in Die Volksgemein- schaft. Für alles dies hat der Volkskanzler Adolf Hitler gekämpft. Wir Rationalsozialiften sind ihm in 14 Jahren durch Rot und Elend gefolgt. Wir haben ihm die Treue gehalten. Wir verlangen jetzt von Dem deutschen Volke und Dem Deutschen Arbeiter, daß sich alle zusammenfinDen und Dem Volkskanzler QIDolf Hitler auch Die Treue halten. Dann ist Die Gewähr Dafür geboten. Daß jeder Deutsche seinen gerechten Lohn für seine Arbeit bekommt. Wir verlangen aber auch, Daß er sein Letztes einsetzt für Die Größe und Herrlichkeit unseres Vater- lanDes. An Dieser Stelle wollen wir gemeinsam Daran Denken, Daß sich Das alte DeutschlanD Der Vorkriegszeit mit Dem jungen DeutschlanD Der nationalen Erhebung versöhnt hat. Wir wollen Der Deutschen Arbeit unD Des deutschen Arbeiters gedenken, indem wir unseren Heilruf auf Die Deutsche Arbeit auf den Generalfeldmarschall des Weltkrieges, Reichspräsident von Hindenburg, auf den Volkskanzler Adolf Hitler und auf Das Deutsche VaterlonD ausbringen. Unser Deutsches VaterlanD, Die Deutschs Arbeit, Der Deutsche Arbeiter Heil? Mit großer Begeisterung stimmte Die Menschenmenge in Den Dreimaligen Ruf ein. Zum Abschluß tourDe gemeinsam Das Horst-Wessel- Lied gesungen. Der Ausklang -es Tages. Zum Abschluß Der nationalen Feier fand sich am Abend in Der Volksha11e eine so gewaltige Menschenmenge ein, Daß Die Halle zeitweise geschlossen roerDen mußte. Auch hier herrschte allenthalben frohe Feststimmung. Von Ansprachen war abgesehen roorDen. Die ReDen Des Reichskanzlers ADolf Hitler unD Der anderen Sprecher in Berlin wurden durch Rundfunk übertragen. Ausgezeichnetes Militärkonzert unserer Bataillonskapelle unter Leitung von Obermusikmeister Krauße sorgte in gewohnter guter Weise für die musikalische Abendunterhaltung. Ein Massenchor Der Gießener Männergesangoereine unter Leitung Des Gauchormeisters, Oberreallehrer Blaß, erfreute Durch Den wunDervollen Vortrag Der Chöre „Deutsches Volksgebet", von Ianofke unD „DeutschlanD, dir mein Vaterland" von Heinrichs. Sämtliche Darbietungen wurden verdientermaßen mit stürmischem Beifall aufgenommen. Das Gesamtergebnis: es war ein Tag voller Freude und Erhebung, der uns in Gießen durch die Veranstalterin, die Kreisleitung der NSDAP., bereitet wurde. Die ausgezeichnete Vorbereitung vollbrachte die Aufmarschleitung, bestehend aus dem Kreispropagandaleiter Pg. H o p - f e n m ü 11 e r und dem Kreisleiter der NSBO. Pg. Hermann Wagner. Beiden Herren, wie auch Der Kreisleitung, gebührt Dankbare Anerkennung für Die sorgsame unD mühevolle Arbeit. Kleine Verlustliste. Wie vorauszusehen war, ist der große Tag auch in Gießen nicht ganz ohne Unfälle abgegangen, Die aber erfreulicherweise samt unD sonDers harmloser Aatur waren. Die meisten Opfer waren am Vormittag während des Feldgottesdienstes auf Dem Landgraf-Philipp-Platz zu verzeichnen; hier mußte Die Freiwillige Sanitätskolonne in Drei* undzwanzig Fällen (zum größten Teil Ohnmächten) eingreifen. Während der Aufstellung zum Festzug und während des Marsches nach dem Trieb waren zwölf leichte Fälle ähnlicher Art zu behandeln. Nur ein Mann, der allerdings schon vorher krank war, mußte wegen Nervenzusammenbruchs in Die Klinik gebracht werden. Schließlich wurde auf dem Trieb selbst nach dem Eintreffen des Zuges die Hilfe der Sanitätskolonne noch sechsmal in Anspruch genommen; auch hier war aber zum Glück fein ernstlicher Unfall zu verzeichnen. Aus -er Provinziachauptstadt Schulbücher für sämtliche Lehranstalten 92 17 2943 D S&F-KAFFEE PREISABSCHLAG! Lang-Göns, den 2. Mai 1933. auf dem Neuen Friedhof statt 2947 D 017M Neue Preise: Pfd, 2948V Zahlung: Straße 42: 02711 HMIE gegründet 1878 295) A n in allen Stadtteilen 2.40 2.70 2.90 3.30 Mittwoch, den 3. Mai 1933, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich dahier, Aeuenweg 28, ^um Löwen", zwangsweise gegen Bar- 1.90 2.10 2.40 S & F-Kaffee reinschmeckend S 4F-Kaffee kräftig und ausgiebig.. .Pfd. S 4 F-Frühstückskaffee feine aromatische Misch., Pfd. S 4 F-Perlkaffee besonders ausgiebig... .Pfd. Guatem.-Costarica-Misch. zum volkstümlich. Preis, Pfd. S 4 F-Gelbslegel ein fein. Qualitätskaffee, Pfd. S 4F-Jublläums-Mlschung hochfeine Mischung .... Pfd. H. Benner H. Auktionator und Taxator. )er Msfjalk, mar« n vor -er Halle aus, ieb sammelte sich die lie Menge nach dem Ansprache des Nach kurzem schweren Leiden verschied gestern früh 7l/t Uhr unser lieber Vater, Großvater, Bruder und Onkel Herr Gerhard Hemstege, Gastwirt im Alter von 70 Jahren. 1 Klavier (schwarz), 1 Geige (Amatus), 1 Gitarre, 1 Schrank-Grammophon mit Platten, 1 Schlafzimmer (Eiche), 1 Sofa mit 6 Polsterstühlen (grün), 1 Sofa, 1 Spiegelschrank, 1 Herrenschreibtisch (Diplomat), 1 Schreibmaschine (Urania), 1 Nähmaschine, 1 Küche, 1 Gasherd mit Bratofen, 1 Kassenschrank (all), 1 Flurgarderobe, Tische, Stühle, Schränke, Porzellan, 1 Partie Bücher (neu), wie Brehm, Shakespeare, Freytag usw., 2 Betten, Regulator, Waschtische, Bilder, elektrische Lampen und Bügeleisen, Obst, und Blumenständer. Versteigerung bestimmt, ohne den 10-v. h.- Zvschlag. ZAHNPASTA erhält die Zahne schön weiss ».gesund Die trauernden Hinterbliebenen Geschwister Hemstege. Gießen, Duisburg, Beyeil, Frankfurt a. M., 1. Mai 1933. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 4. Mai. nachm. 2 Uhr, Pfeiffersche Univ.-Buchhandlung Walltorstraße 21 Solide Arbeit? Nehmen Sie Abermann Anordnungen treten Elsoffer Zuwiderhandlungen ro-echtsanwalt .f die nachstehend abgedr Strafgesetzes oom 13. Juli >^i dieser Gelegenheit mach betreten von Pflanzgar Lunker Gerichtsvollzieher in Gießen Wiesecker Weg 16 — Telephon 3383 Wirksame erbe-Drucksachen bei Brühl, SchulstraBe 7 Achtung! wegzugsholber versteigere ich Mittwoch, den 3. Mai, von 2 Uhr ob, Rodheimer igner: Dslksgmossen, ge« ichloeiße ihres An- ms arbeiten. Dir bah wirDational- Iollsgemein/chast r gesagt haben: vUsgenvssen x wollen ein .1! schmieden. Zeitpunkt, an dem eich und Toll Me Arbeiter er* Kamps MN den .orte geloescn sind, villt sind, neocn at den echten s zu stellen und Die n die Aolksgemcm- Lolkskanzler Mols ionalsozialisten Imd :ot und Elend gc« reue gehalten^D>r chcn Tolle und dem Dann ist die Ge hei Deutsche semen -beit bekommt- D> [eil unseres Mter r gemeinsam h«aa Alands > Wand 6er * 05it wollen der •SÄ»«“* 9&w®el,e rbeit- l^-e2flgaui «uf ysga s ii- KL-s x GarrtenmoveS befonb. Friedbofo-Bänke, -Sessel, (Kicszkannen, ftrniw'tnnber usw. sowie beransnebmb., vattWäsche- imia üfrthlc, ver Stück NM 5.— u. 6 — Edgar Borrmann, Gießen. lich erhalten noch die Sozialrentner, ihre Ehefrauen und unterhaltSberechtigten minderjährigen Kinder den FettverbilUgungsschein. Sozialrentner im Sinne des Erlasses sind dabei alle Empfänger von Renten der Unfall-, der Invaliden-, der Angestellten» und der Knappschaftlichen Pen- sionsversicherung. Auf den Rcichsvcrbilligungsschein können bezogen werden Butter, Käse, Schmalz, Rohfett, Speck, Talg, Speiseöl, Margarine, Kunstspeisefett und gehärtetes Psanzen- oder Tierfett. Jeder Berechtigte kann auf den Reichsverbilligungs- schein in jedem Kalendermonat zwei Pfund verbilligtes Speisefett beziehen. Die Verbilligung beträgt je Pfund 25 Pf. Die Verkaufsstellen leiten die Abschnitte den Finanzkassen zu, die die Abschnitte einlösen und sie insbesondere auf Reichssteuern anrechnen, falls solche fällig oder rückständig sind. Die Anrechnung auf Reichssteuern erfolgt nicht, wenn ein Antrag auf Dareinlösung gestellt wird. Die erste Tranche enthält sechs Gutscheine für die Zeit vom 10. Mai bis 31.3uli d. 3. Eine Verlängerung der Derbilligungsaktion ist wahrscheinlich. Gictzencr Wochcnmarktpreisc. e Gießen, 2. Mai. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 120 Pf. Landbutter 120, Kochbutter 100, Matte 20 bis 25, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, Rüben (gelbe) 10 bis 15, (rote) 10, Spinat 15, Spargel 50 bis 75, Unterkohlrabi 6 bis 8, Feldsalat EO bis 100, Tomaten 50, Rhabarber 15, Zwiebeln 10 bis 15, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Meerrettich 30 bis 50, Obstmus 40 bis 45, Aepfel 25 bis 35, Dörrobst 35 bis 40, Kartoffeln 3 (pro Zentner 2,50 Mark), jg. Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80 Pf. pro Pfund; Tauben 40 bis 60, Eier (inl.) 8, Dlumenkohl 30 bis 60. Salatgurken 50 bis 60, Salat 15 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Käse 5 bis 10 Pf. pro Stück; Radieschen 10 bis 12, Rettich (neue) 15 b s 25 Ps. pro Bund. Statt Karten Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei unserm schweren Verluste sagen wir allen unsem herzlichsten Dank. Wilhelmine Klöß und Kinder. Wen flehnri. wäö iilunnT 9Ut wer recht ^nenoborbnungen 7'"Wich5,2 m ”eorntenförper. Wogen der N der Schmied, °r|chgruppierungen «en usw. Touj, ' gendeine Truppe |m so wolle man Eindrücke und dcr le?teLn sestzuhaltm, bewertet ist ,« ge hat sich in Qn. ew Teil bemüist, > beiju/ragen, und mann volle Sner- ^es Festzuges zeigte Flugzeugen eichwnderlliige und gen, die mit Recht I und mit Anetten» vtraßen standen die n Teile in dichten auspiel dieses einzig, ch vielen Tausenden die aus ihrer Ve- namentlich begrüßte oielsach mit lauten tischen und französischen Kurse. — 1. Reichskurz- schriftgesellschaft, Pestalozzischule, 19 Uhr, Beginn des Anfänger-Lehrgangs. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Blutendes Deutschland". Oie Zett Nachsteuer. Das Hauptzollamt Gieß en schreibt uns: Die Fettsteuer tritt am 1. Mai 1933 in Kraft. Der Nach st euer sind die nachstehend bezeichneten Fette unterworfen: Margarine, Kunstspeisefett, Speiseöl, auch gehärtet, Pflanzenfette und gehärteter Tran. Zur Anmeldung der am Schlüße des Monats AprU 1933 vorhandenen Bestände sind ver- pslichtet: Alle Händler mit vorgenannten Fellen, einschließlich der Großhändler, ferner Personen, die Fette zur gewerblichen Herstellung oder zur gewerblichen Zubereitung von Lebens- oder Genußmitteln verwenden (z. B. Bäckereien, Hotels, Gastwirtschaften). Beträgt der zu Beginn des Monats Mai 1933 vorhandene Vorrat an vorgenannten Fetten zusammen nicht mehr als einen Zentner, so wird die Nachsteuer nicht erhoben. Die Nachsteuer beträgt 0,50 Mark für 1 Kilogramm. Die Nachsteueranmeldung ist bis zum 10. Mai bei der zuständigen Zoll- stelle einzureichen. Besonders wird noch darauf hingewiesen, daß, wer Fette Herstellen will, dies eine Woche vor Eröffnung des Betriebs der Zollstelle schriftlich amu- zeigen hat. Die gleiche Bestimmung trifft auch für Großhändler zu. Inhaber von am 1. Mai 1933 bereits bestehenden Herstellungs- und Großhandelsbetrieben haben die erforderliche Anmeldung der zuständigen Zollstelle bis zum 15. Mai 1933 unter Angabe der genauen Firmenbezeichnung, des Ortes des Betriebes, sowie der Art der hergestellten Fette einzureichen. Dom 10. Mai ab IetlverbilligungS- scheine. DDZ. 3n den nächsten Tagen wird ein Rund- erlaß des Reichsarbeitsministeriums über die Ausgabe des Fettgeldes, das zum Ausgleich für die durch die Fettsteuer bewirkte Preiserhöhung ausgegeben wird, an die zuständigen Behörden hinausgehen. 3nsgesamt werden dem Reich aus der Fettsteuer rund 200 Millionen Mark für diese Derbilligungsmaßnahme zur Verfügung stehen. Die Ausgabe des Fettgeldes soll so beschleunigt werden, daß es er st malig am 10. Mai in Zahlung gegeben werden kann. Folgende Personengruppen sollen den Verbilligungsschein für Fette bekommen: Hauptunterstützungsempfänger und Zuschlagsempfänger der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge, Empfänger von Kurzarbeiterunterstützung, ferner die von der öffentlichen Fürsorge laufend als Hauptunterstützungs- und Zuschlagsempfänger in offener Fürsorge unterstützten Personen, weiter die Empfänger von Zufahrente nach dem Reichsversorgungsgesetz und ihre Zuschlagsempfänger, sowie die Empfänger von Elternbeihilfe. Sofern es sich bei den Zusahrentenempfängern um De- schädigte handelt, ist die Ehefrau mit als Zuschlagsempfänger zu zählen. Den Zufahrentenempfängern nach dem Reichsversorgungsgeseh stehen Empfänger von Zusahrente gleich, denen andere Reichsgesehe soziale Fürsorge im Sinne des Reichsversorgungsgesehes zubilligen. Schließ- 2. Mai, um 19 Uhr, in der Pestalozzischule, Werner» Wall 18, für Damen und Herren wieder einen neuen Anfängerlehrgang in der Einheitskurzschrift. Gleichzeitig beginnen neue Kurse für die weitere Ausbildung. Sämtliche Kurse werden von besten Fachkräften geleitet. — Näheres siehe die Anzeige vom Samstag.) Landkreis (tzicken. £ Wiefeck, 27. April. Die Bautätigkeit in unserer Gemeinde, die im vergangenen Jahre fehr spät einsetzte, hat in diesem Jahr bereits vor Wochen begonnen. Außer der Fertigstellung von sechs Wohnhäusern, bei denen der Rohbau noch im Herbst vergangenen Jahres hingestellt wurde, sind bereits weitere fünf Wohnhäuser in Angriff genommen. Die einheimischen Handwerker haben hierdurch etwas Beschäftigung gesunden. Bon der Gemeinde ist der weitere Ausbau der Kanalisation vorgesehen. Dabei dürste auch eine größere Anzahl Erwerbslose für einige Zeit Beschäftigung finden. Frankfurter Lchlachtvießmarkt. Frankfurt a. M., 2. Mai. Austrieb: 1655 Rinder (455 Ochsen, 124 Bullen, 550 Kühe, 474 Färsen), 508 Kälber, 32 Schafe 3624 Schweine. Es wurden notiert: Rinder: Ochsen: vollsteischige, ausge- mäftete, höchsten Schlachtwerts (jüngere) 28 bis 31 Mark (ältere) 24 bis 27, sonstige vollsteischige (jun gere 20 bis 23, Bullen: jüngere, vollsteischige, höchsten Schlachtwerts 26 bis 30, sonstige vollsteischige oder ausgemästete 22 bis 25; Kühe: jüngere, voll- fleischige, höchsten Schlachtwerts 24 bis 26, sonstige vollsteischige oder ausgemästete 20 bis 23, fleischige 16 bis 19 gering genährte 12 bis 15; Färsen (Kalbinnen, Jungrinder): Dollflei|d)ige, ausgemästete, höchsten Schlachtwerts 28 bis 31, vollsteischige 25 bis 27, fleischige 22 bis 24. fi ä I b e r : beste Mast- und Saugkälber 42 bis 45, mittlere Mast- und Saugkälber 37 bis 41, geringe Kälber 30 bis 36. Schweine: vollsteischige Schweine von etwa 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 35 bis 38. von etwa 200 bis 240 Pfund 35 bis 38,50, von etwa 160 bis 200 Pfund 34 bis 38, fleischige Schweine von etwa 120 bis 16 Pfund 32 bis 35 Mark. — Marktverlauf: Rinder sehr gedrückt, Uederstand, Kälber und Schafe ruhig, geräumt, Schweine ruhig, nahezu ausverkauft. Wcl.crvorauSsagc. Flacher hoher Druck erstreckt sich über Zentraleuropa und bedingt in Verbindung mit der Nord- eite des Biskayatiefs Zufuhr kontinentaler Lust. In- olgedessen wird das schöne Frühlingswetter zunächst ortdauern und die Temperaturen werden noch höhere Werte erreichen. Vorhersage für Mittwoch: teils bewölkt, teils aufheiternd, weitere Temperaturzunahme, trocken. Vorhersage für Donnerstag: Fortdauer des Witterungscharakters, doch aufkommende lokale Gewitterneigungen. Lufttemperaturan am 1. Mai. mittags: 17,2 Grad Celsius, abend 12,2 Grad; am 2. Mai morgens 9.9 Grad. Maximum 17,6 Grad, Minimum 8 Grad. Sonnenscheindauer 5'/, Stunden. Erd- temperaturen in zehn Zentimeter Tiefe am 2. Mai abends 16,8 Grad; am 3. Mai morgens 11,8 Grad Celsius. „Blutendes Deutschland." Lichtspielhaus. Wir hoben auf diesen Film bereits vor einiger Zeit, anläßlich seines ersten Erscheinens in Gießen, ausführlich hingewiesen. Gestern, am Tage der nationalen Arbeit, brachte das L i ch t s p i e l h a u s die vollständige und ungekürzte Fassung des Werkes, dos, dem deutschen Volke gewidmet und von Johan- ncs Häußler inszeniert, im Sonderverleih der Terra erschienen ist. Der Film gliedert sich in drei Teile; der erste ist überschrieben „Aus großer Zeit" und jetzt ein mit Szenen aus der Geburtsstunde des Deutschen Reiches im Jahre 1871. Von der Schlacht bei Sedan führen die Bilder in schneller Folge zur Zeit kurz vor Ausbruch des Krieges und zum Weltkriege selbst, aus dem eine ganze Anzahl dramatischer Kampfszenen von der Front im Westen wiedergegeben werden. Der zweite Teil heißt „Der Verrat am Vaterlande" und schildert in raschem Wechsel und packenden Aufnahmen den Zusammenbruch der Nation in den Novembertagen pes Jahres 1918, die Spartakuskämpfe in Berlin, die Auswirkungen des Versailler Vertrages und den Leidensweg des deutschen Volkes durch Hunger, Not und Arbeitslosigkeit inmitten einer von Waffen starrenden Welt. Die Szenen vom polnischen Raubzug in Oberschlesien und Dem Einbruch der französischen Be- fafoungsarmee ins Ruhrgebiet gipfeln in den dokumentarischen Bildern von der Erschießung Schlage- ters in der Golzheimer Heide, die auf Grund authentischer französischer Aufnahmen roiebergegeben sind. Diese Szenen waren in der früher hier gezeigten Fassung des Films „Blutendes Deutschland" nicht enthalten; dagegen sind die Bilder des dritten und letzten großen Abschnittes unten der Ueberschrist „Deutschland erwacht" hier zum großen Teil bereits bei der Erstausführung gebracht worden. Hier wird in eindrucksvollen Bildern die immer weitere Volks- kreise ersassende nationale Bewegung der letzten Jahre geschildert. Die Bilder von der Beisetzung Horst Wessels nehmen einen besonders breiten Raum ein. Von starkem Interesse sind ferner die Bildberichte von der Harzburger Tagung und vom großen Berliner Stahlhelmtag. Programmatisch im Mittelpunkt dieser Szenengruppen stehen die Ansprachen des Reichsministers Dr. Goebbels und des Reichskanzlers Adolf Hitler. Die Aufnahmen vom entscheidenden Tage, an dem die neue nationale Regierung ans Ruder kam, vom 30. Januar 1933 bilden den wuchtigen Ausklang des Films, der für ein Deutschland der nationalen Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit mit nachdrücklicher propagandistischer Stoßkraft sich einsetzt. — Die gestrige erste 2Iuf- sührung war zwar — aus naheliegenden Gründen — nur schwach besucht; doch wird der Film schon heute und in den nächsten Tagen seine starke An- ziehungskraft nicht verfehlen. — Aus dem Beiprogramm seien zwei interessante Kulturfilme, die neue Ufa-Wochenschau und der Vorspann für einen demnächst im Lichtspielhaus erscheinenden Kriminalfilm hervorgehoben. Bornotizen. — TageskalenderfürDienstag: Stadt- theater, 20 bis nach 22.30 Uhr, „Lifelott". — Ober- hessischer Kunstverein, Turmhaus am Drandplatz, 15 bis 17 Uhr, große Frühjahrs-Ausstellung. — Volks- Hochschule, 20.15 Uhr, Universität, Beginn der eng- Blatrelnioann im MW! i mit Wörisbofer Tee hilft Krankheiten durch Ausscheidung verhindern. Paket jetzt von 50 Pfennig an Perfand-Krn • ^haus Jung, Fachgesch. für Natnrl' ct in der Schulstraße. ■ rjen im W Meinem toalbrdefmdet sich wieder b-ueranzünden a . n a iris von 20 Mete^fg jg g Q inden gilt besonders" v r ** Beim Sturz mit dem Fahrrad schwer verletzt. Die vierzehnjährige Schülerin Marianne Asche von der freien Schule Burg Nordeck kam mit dem Fahrrad so unglücklich zu Fall, daß sie mit einer schweren Kopfverletzung in die Chirurgische Klinik eingeliefert werden mußte. ** 21 u t o u n f a 11. Am Samstagnachmittag ereignete sich auf der Marburger Straße in der Nähe der Karlsruh ein A u t o u n f a 11, der leicht ernste Folgen hätte haben können. Ein Personenwagen aus Kassel wollte einen Radfahrer aus Marburg überholen. Durch das kräftige Bremsen und die nasse Straße überschlug sich der Wagen und tarn vor einen Baum zu liegen. Wie durch ein Wunder kam der Radfahrer, der zur Seite geschleudert wurde, mit dem Schrecken davon. Das Fahrrad sowie das Auto wurden leicht beschädigt. ** Lernt Kurzschrift! Die Kurzschrift zum eigenen Gebrauch ist auch später ein notwendiges Rüstzeug bei der Vorbildung für jeden Beruf. Dies gilt für den Studierenden, wie auch für den Kaufmann und den Techniker. Der Richter oder Rechtsanwalt braucht die Kurzschrift ebenso wie jeder Sc- amte, von dem die Beherrschung der Einheitskurz, schrift bei allen Behörden jetzt verlangt wird. Der stenographierende Schüler ist anderen überlegen. Der Stenograph schreibt fünfmal schneller als der gewöhnliche Schreiber. Die I. Reichskurzschrift-Gesell- schäft Gießen eröffnet am heutigen Dienstag, dem 1. Büfetts, Kredenzen, Schreibtische, Sofas, Schreibmaschinen Bücherschränke, Kas- senschränke, 2 Schäfte-Steppmaschlnen, 1 Ausputzmaschine, Nähmaschinen, 1 Drogenschrank, 1 Kamera, 6 Bohner, Weißbinderbürsten, Schwämme, 1 Schwamm- schrank, Anstreichpinsel, Warenjchränke, Ladentheken, 300 Bände Sammlung Göschen, 200 Nummern Reclam, 1 Klin- germappe, 4 Bände Springer, 2 Rohrsessel, 2 Bettdeckenbezüge, 4 Kopfkissen- bezüge, 1 Bettuch, Tischdecken, Aschenbecher, Tassen, Brotkörbe, Kotter, Kosser, Damenunterröcke, Tee- und Kaffeeservice, Kaffeemaschinen, Vasen, Büsten und Figuren, Eisenbahnen, Standuhren, Puppen, 70 Mistbeetfenster, 1 Personenwagen (Wanderer). 2. Bestimmt: Holz pfeifen, Mutze, Parfüm, Seife. Mein herzensguter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Karl Nolte ist heute abend, kurz nach Vollendung seines 82. Lebensjahres, sanft entschlafen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen; Elise Nolte, geb. Schmidt Gießen (Weserstraße 25), den 29. April 1933. Beerdigung: Mittwoch, den 3. Mal, 3 Uhr nachmittags, auf dem Neuen Friedhof. WetteraoerSaalkahoflel Industrie und Acker- legen Mk. 2.35 ver Ztr., Edeltraut Mk. •2.50 v. Ztr., Cool* Gelbe und Böhms aUerf.(9elbeDit.2.75, Siegerin Mk. 2.—, Industrie -Sveife« kart. Mk.2.v.Ztr.- vers. in eimvandfr. Sortierung m. Sack ab Station (Scbtell IWett.), geg. Nachn. Ludwig Erb tinD in EchzeU (Wetteraa). Hühneraugen Warzen^vornballcn beseitigt restlos auch in den hartnäckigst Fällen lotsicher uni 'rieir innerh 5-6Tg wMM-W Erhättl nur Löwen- Drogerie W. Kilbinger Nacht.. Seltersweg 69 Die stud. Reformverbindung „Adelphia im V D B. I.A.d.C.: Karlfried Schott (X)X, F.M. Unterfertigte betrauert tief das Ableben ihres heben A n Dr. iur. Karl Fuhr Oberamtsrichter a. D. ree. W. S. 80. 2939 E ÜIB*fcÄ KaM*.' Die stummen Gäste von Zweilinden NomanvonAnny vonpanhuys. Copyright by Belletristische Korrespondenz Bechthold. 29 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Angela wiederholte ihre Frage. Wie ein Hauch klang es an sein Ohr: ,Mennst du Konrads Mutter?" Er neigte den Kopf. „Ja, Angela, ich kenne sie, und wenn es auch lange her ist, mehr als ein Vierteljahrhundert, so weiß ich doch noch heute, mit welchem Jubel sie mir ihre Liebe gestand." Angelas Hände verkrampften sich. „Ihr habt euch liebgehabt, sie und du, Vater?" Er erwiderte nach kurzem Zögern: „Sie hat mich lieb gehabt, ich aber begehrte nur ihren Reichtum, ich log ihr Liebe. Als ich die irrtümliche Nachricht hörte, sie wäre eigentlich arm und sie hätte nichts von dem Reichtum ihres Pflegevaters geerbt, t>a trat ich rücksichtslos zurück, unbekümmert darum, ob ich ihr Schmerz bereitete." Wulf Speerau konnte einfach nicht anders, er mußte Angela diese Wahrheit sagen. Der Ort, die Stimmung erpreßten sie ihm wie ein Geständnis, oder noch eher wie eine Beichte. Und nun er die Beichte einmal begonnen, sloß sie ihm auch weiter von den Lippen wie von selbst. An diesem Nachmittag, in der Kirche Belsn, beichtete Wulf Speerau Angela einen großen Teil seiner Vergangenheit. In leisem, geheimnisvollem Flüstern drängte sich Satz auf Satz aus seinem Munde an ihr Ohr, und Angela saß ganz still, begriff immer besser, warum Bettina von Zweilinden die Liebe ihres Sohnes nicht billigte und nicht billigen konnte. Ganz erschöpft schloß Wulf Speerau endlich: „Nun weißt du, Kind, woran euer Glück zerbrochen ist. Mein unseliger Name hat Bettina von Zweilinden genug gesagt und die Vergangenheit wieder aufgewühlt. Ich habe gemein gehandelt, und jetzt kommt die Strafe dafür, aber sie trifft dich, mein armes Kind." Angela war nicht fähig, ein gutes Wort zu sagen, obwohl der neben ihr Sitzende darauf zu warten schien. Sie murmelte: „Hättest du lieber weitergeschwiegen, jetzt hast du mir doch nur noch eine weitere Last zu der alten aufgepackt." Wulf Speerau dachte erschreckt, sie hatte recht, worum hatte er nicht weitergeschwiegen, er hatte ja niemand durch sein Geständnis geholfen. Ein Glück nur, daß er das Allerschlimmste für sich behalten. Er seufzte: „Wir wollen nach Hause gehen, Angela." Langsam verließen die zwei die Kirche. Wie benommen schaute sich Wulf Speerau draußen um. Die Sonne blendete seine Augen, und er stolperte, mußte sich an die Kirchenmauer lehnen. Angela nahm seinen Arm. „Soll ich dich führen, Vater, oder noch besser, wir wollen ein Auto nehmen, so arm sind wir ja nicht mehr, daß wir das nicht einmal tun dürften." Er warf ihr einen dankbaren Blick zu. „Wenn du meinst, wir dürfen so leichtsinnig sein, dann würde ich gern mit dem Auto fahren: mir ist elend zumute, und ich meine fast, der Boden unter mir schwankt auf und ab." Schon hatte Angela eine Autotaxe angerufen, aber es gelang ihr nur mit Hilfe des Chauffeurs, dem Vater in den Wagen zu helfen. Grenzenlose Angst überfiel sie. Sie war vorhin zu hart gewesen zum Vater, nicht das kleinste freundliche Wörtchen hatte sic für ihn gehabt, nachdem er sich so tief vor ihr gedemütigt und ihr bekannt, wie schlecht er an der Frau gehandelt, die später Konrads Mutter geworden. Nichts als den Vorwurf, er hätte lieber schweigen sollen, hotte sie für ihn gehabt. Sie redete während der Fahrt zärtlich auf ihn ein: „Laß nur gut sein, Vater, quäle dich nicht mehr mit den alten Geschichten und werde nur wieder ruhig, alles andere ist jetzt ganz Nebensache!" Er versuchte zu lächeln, aber seine Kraft reichte dazu nicht aus. Nur sein Mund verzog sich fast weinerlich. Angela war froh, als das Auto vor dem barackenartigen Häuschen hielt und sie dann den Vater in die Stube gebracht hatte. Er war völlig erschöpft, und doch müßte er sprechen. Er bat: „Verzeihe mir, Angela, daß ich dich belastet habe mit dem, was ich getan. Es soll dich nicht drücken. Du weißt doch nun wenigstens, warum Frau von Zweilinden von uns abrückte. Ich habe dir eine gute, reiche Zukunst verpfuscht." Er saß am Tisch und stützte den Kopf in die Hände. „Ach, Kind, wie ist einem nur zumute, wenn man so, wie ich jetzt, einsieht, daß man nicht nur das eigene Leben verpfuscht hat, sondern auch das anderer noch mit dazu. Und was ist mein Leben gewesen? Nur eine Kette von Aufregungen und Sorgen. Verflucht sei aller Leichtsinn meiner Jugend, der mich auf die Iammerstraße gebracht!" Er lachte bitter. „Sekt und Kartenspiel, dazu leichtfertige Frauen brachten mich um mein Geld, und als ich mein schönes Heim so verzettelt für nichts, riß mich das Abenteurerleben an sich. Und das Abenteurerleben ist wie ein großer Polyp, wie so ein gräßlicher Riesenfisch mit vielen Armen, mit denen es die in seine Gewalt Geratenen umklammert und erstickt. Mit dem Rest meines Geldes reifte ich aus meinem verlorenen Daheim direkt nach Monte Carlo, verspielte es bis auf ein winziges Sümmchen. Ein reicher Amerikaner, den ich am Spieltisch kennengelernt und dem es Vergnügen bereitete, ein bißchen Beschützer zu spielen, wenn es nicht viel kostete, nahm mich als Diener mit nach Neuyork. Sonst wäre ich ohne Geld nicht ins Land gekommen. Drüben ließ er mich laufen. Es war so ausgemacht, und er verspürte auch keine Lust, sich weiter mit mir zu belasten. Da saß ich denn in der erdrückenden Atmosphäre der Riesenstadt und versuchte es nun mit allen mögliches Beschäftigungen. Nichts klappte! Das Schicksal führte mich dann nach Uruguay, dort ging es mir heffer. Ich war Landwirt gewesen, verstand etwas von Saat und Ernte, konnte reiten und fahren. Auf einer Ochsen- farm lebte ich ein paar Jahre als tilRann für alles, doch die Unruhe in meinem Blute hielt das einförmige Leben nicht aus. Es folgten noch ein paar unstete Jahre, dann fuhr ich als Trimmer mit einem Lastdampfer nach Portugal. Von dort versuchte ich mein Glück in Spanien. Und hier blieb ich hängen. Arbeiter war ich geworden, einer, der sich immer dort meldete, wo viele Leute gesucht wurden. Ich habe bei mancher Ausschachtung geholfen und bei mancher Straßenpflasterung. Ich habe aber auch oft versucht, ein bißchen aus dem Dreck zu krabbeln, doch es glückte mir nicht, und da gab ich es schließlich auf." Seine Augen, die bisher zu Boden geblickt, hoben sich jetzt, sahen Angela an, die am Herde stand. „Liebe Angela, erst du hast meinem bisher so elenden Leben wieder die rechte Farbe gegeben, durch dich habe ich wieder gute Stunden gehabt." Er unterbrach sich. „Es ist nicht richtig, wenn ich sage, wieder gute Stunden, denn eigentlich habe ich niemals wirklich gute Stunden, was ich jetzt darunter verstehe, vorher gekannt. Auch damals nicht, als ich noch der Schloßherr war. Erst deine Anhänglichkeit und Zärtlichkeit erweckten in mir Empfindungen, die mir bis dahin fremd gewesen, du wurdest allmählich mein Glück, deine Liebe wurde mein wertvollster Schatz. Und wenn ich jetzt so zurück- denke, hat sich das ganze Leben doch gelohnt, weil ich dich gesunden, Mädelchen. Ich fühle mich völlig mit dir verwachsen, lieber wie dich, könnte ich mein eigen Fleisch und Blut bestimmt nicht haben." Er erschrak. Das hatte er nicht sagen wollen, es war ihm über die Lippen geschlüpft, und jetzt konnte er es nicht mehr zurücknehmen, es war schon zu spät. Angela hatte dem Vater eine Tasse starken Kaffee bereiten wollen und die Vorbereitungen dazu getroffen. Sie hatte aufmerksam zugehört, und ihr Mitleid war wach geblieben während seiner Erzäh- lung. Bei dem letzten Satz zuckte sie zusammen, und die Kaffeebohnen, die sie eben in die Mühle schütten wollte, entfielen ihrer Hand. Sie war mit zwei schnellen Schritten am Tisch, und ihre Augen blickten den Mann beinahe entsetzt an. „D u b i ft also nicht mein Vater; ja, um des Himmels willen, wie soll ich das verstehen?" Sie klammerte sich an den Tisch, sank auf einen der Holzstühle; aber ihre Augen gaben das Gesicht des weißhaarigen Mannes am Tisch nicht eine Sekunde frei. Sie drängte: „Rede doch, gütiger Hirn- mel, rede doch, bist du mein Vater oder bist du es nicht? Erkläre mir, was du vorhin gesagt hast, das Rätsel ist für meinen armen Kops zu schwer." Wulf Speerau war die Kehle eng, es ward ihm das Reden zur Qual. Endlich aber sprach er weiter: „Als ich hier in Spanien Obdach suchte, verirrte ich mich, da ich in der Gegend bei Ausschachtungsarbeiten beschäftigt war, nach dem Stadtteil Coll Blanch und kam durch diese Gasse hier. Auf meine Nachfrage um Unterkunft wies man mich zu deiner Mutter." „Deine Mutter, liebe Angela", erzählle Wulf von Speerau weiter, „ließ mich ein; sie war damals fast so schön wie du, Mädelchen, und ich staunte sie an. Hatte lange nicht so was Liebliches gesehen. Ihr Mann war Musiker. Ein hübscher Mensch, der vielleicht, wenn er gründlich ausgebildet worden wäre, ein großer Künstler hätte werden können. Er spielte so wundervoll Geige, daß ich, der ich nicht einmal ein besonderer Musikfreund bin, ihn ab und zu bat, mir doch etwas oorzuspielen. Er spielte abends in den Kneipen, und er war ein Genie. Ohne jeden Unterricht war er zu einem riesigen Können gelangt. Ein Streit im Wirtshause, in den man auch ihn hineinzog, war sein Unglück. Die jungen Kerle sind hier manchmal ein bißchen allzu schnell mit dem Messer bei der Hand. Und so geschah es plötzlich. Ohne daß man etwas von ihm wollte, wurde er das Opfer des unglückseligen Abends, tot brachte man ihn hier ins Haus. Deine Mutter war ganz aufgelöst vor Verzweiflung. Sie stand allein in der Well, erwartete in Kürze ihr Kindchen, und Ersparnisse besaß sie auch nicht. Sie bat mich händeringend, nur ja nicht auszuziehen, wie ich es eigentlich beabsichUgte, sonst müsse sie verhungern. Vier Wochen nach dem Tode deines Vaters kamst du zur Welt, und weiß der Himmel, als dein dummer, unwissender Kinderblick zum ersten Male meine Augen traf, war es mir, als ob in meinem Herzen ein Empfinden wach wurde, daß ich bis zu jenem Moment noch nie verspürt. Niemals habe ich vordem gewußt, was Liebe dieser Art ist. Meine Eltern hatten sich nicht viel um mich gekümmert; Vater war ein Lebemann, Mutter eine Dame der großen Well, die überall dabei war, wo sie sich in teuren Toiletten zeigen konnte, und beide hatten sich nie sonderlich bemüht, mehr von mir zu verlangen als Respekt. Nach ihrem Tode war ich schon selbst ein Lebemann, oder richtiger, ein verlebter Mann, der dem Wort „Liebe" allerhöchstens nur einen komischen Geschmack abzugewinnen vermochte. Aber jetzt, mit einem Male, geschah das Wunder. Zwei große schwarze Kinderaugen brachten es zustande. Ich spürte mein Herz warm werden unter dem Unschuldsblick, und ich neigte mich nieder und küßte die Kinderstirn mit einem Gefühl von Scheu, Andacht und Zärtlichkeit." Er holle tief Atem. „Seitdem war ich wie vernarrt in das kleine Mädelchen, das in der laufe die Namen Angela Maria Dolores erhielt. (Fortsetzung folgt.) nicht zu verwechseln mit dem Film gleichen Namens, der vor einigen Wochen gezeigt wurde! B Lichtspielhaus • Gießen Heute und morgen Mittwoch: der neue große Tonfilm der deutschen Erhebung, zum erstenmal in Gießen In diesem Film werden zum erstenmal Originalaufnahmen von historischer Bedeutung gezeigt, u.a. die Festnahme n. das Schicksal von Albert Leo Schlageter 2311 c Vorprogramm, 8.30 Ohr: Konzert-Vortrag der SA-Kapelle Gießen, Standarte 116 unter Leitung des Kapellmeisters L. Niebergall Ferner: txutes Beiprogramm u. neue Ufa-Tonw oche Sichern Sie sich Kai ten im Vorverkauf bei Oberh Tageszeitung n. 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