Nr.5? Krübanssabe 185. Zahrgang Donnerstag, 2. März 1953 Erscheint täglich, außer Sonntags und feiertags. Beilagen: Die Illustrierte (Btenener Familienblätter Heimat m Bild-Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. zemsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Sieben, poftfdjedfonto: Lranlfvrt am Main 11686. GietzenerAMger General-Anzeiger für Oberhefsen vrrck vnd verletz: vrühl'fche Univerfitülr-V«ch. und Steinbruderei K Lanze in Gieren. Schristleitun- und Gefchäftrftelle: SttWrate 7. Annahme van Anzeigen -für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re» klamean^eigen von 70 » m Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20“ , mehr. Chefredakteur Dr. Fnedr. Wilh. Lange. Derantwonlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyr.ot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein un*> ür bcn^n» zeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (Siegen. Oie Vorbereitung des kommunistischen Bürgerkriegs Reichsminister Göring unterbreitet der Oeffentlichkeit Material über kommunistische Terrorpläne zur Einleitung des Umsturzes. Berlin, 1. März. (Sil.) Der Reichskom- miffar für das preußische Innenministerium, Reichsminister Göring, machte am Mittwochabend im Rundfunk im Auftrage der Reichsregierung Mitteilung von den Gründen, die den Erlaß der Rotverordnung gegen den Kommunismus erforderlich machten. Anhand umfangreichen Materials, das der Polizei in der letzten Zeit in die Hände gefallen ist, wies der Minister daraus hin, daß die kommunistischen Funktionäre feit Anfang« Februar an allen Orten regste Tätigkeit entfalteten. Es habe fest- gestellt werden können, daß diese Aktivität eingestandenermaßen auf die Entfesselung eines Aufstandes hinzielen sollte. ES wurden durch Handzettel und Auflagescheine wehrfähige Arbeiter für einen roten Mafsenfelb st schuh geworben. Diese Einrichtung hat mit einem Selbstschutz nicht das Geringste zu tun, da weder die Sozialdemokraten noch auch die Kommunisten an sich unmittelbar bedroht waren, solange sie sich in legalen Formen hielten. Diese Einrichtung war eine Dertarnung, um die Massen der revolutionären Kommunisten mobil zu machen und sie im Kamps gegen 03 o H und Staat einzusehen. Ich möchte es offen aussprechen, daß wir nicht einen Abwehrkampf führen, sondern auf der ganzen Front zum Angriff übergehen wollen. Es wird meine vornehmste Aufgabe sein, den Kommunismus aus unserem Volke auszurotten. Deshalb haben wir auch diejenigen Kräfte des nationalen Deutschlands mobil gemacht, deren Hauptaufgabe es sein muß, den Kommunismus zu überwinden. Der Minister teilte mit, am 15. Februar fei festgestellt worden, daß die KPD. mit der Bildung von Terrorgruppen In Stärke bis 3n 200 Mann beschäftigt sei. Diese Gruppen halten die Aufgabe, in SA. - Uni - form auf Autos, Warenhäuser, Läden ufw. Uebersälle zu unternehmen. Auch auf verbündete verbände, wie den Stahlhelm und nationale Parteien, sollten solche Uebersälle aus- gesuhrt werden. Man wollte damit die E i n - heil der nationalen Bewegung ft ör en. Auf der anderen Seite sollten Terrorgruppen in S t ah lhel mnnif o r m ähnliche Taten aussühren. Bei der Verhaftung sollten falsche Ausweise vorgezeigt werden. Ferner wurden zahl- re'che gefälschte Befehle von SA. und Stahlhelmführern gefunden, in denen die SA. in geheimnisvoller Weise ausgefordert wurde, sich für die Rächt zum 6. März bereitzuhalten, um Berlin zu besehen, und zwar unter rücksichtslosen, Waffengebrauch, Niederschlagung aller Widerstände usw. Diese gefälschten Befehle wurden dann an Behörden und Bürger verbreitet, um das Schreckgespenst eines nationalsozialistischen Staatsputsches Hervorzurusen und die Arbeiterschaft in die notwendige Verwind zu bringen. Auch Polizei- bcsehle wurden gefälscht, wonach Panzerwagen auszuliefern waren. In einer Sitzung der KPD. am 18. Februar war von einem ausdrücklichen Angrifsspakt der vereinigten Proletarier gegen die Bourgeoisie und den faschistischen Staat die Rede. Am gleichen Tage wurde der Führer einer Brückensprengkolonne, der sich durch Stehlen größerer Mengen Sprengstoff verdächtig gemacht hatte, festgenommen. Bald darnach wurde eine Organisation der KPD. aufgedeckt, die mit Gift vorgehen sollte. Durch die Aufdeckung eines solchen Giftdiebstahls in Köln wurde offenbar, daß das Gift In Gemeinfchaftsfpeisungen der SA. wie auch des Stahlhelms verwendet werden sollte. Eire weitere Unterlage beweist, daß nicht nur Frauen und Kinder führender Persönlichkeiten als Geiseln festgesetzt werden sollten, sondern auch Frauen und Kinder von Polizeibeamten, die man als lebendigen Schuhwall bei den Demonstrationen vorschieben wollte. Am 23. Februar wurde vom Zentralkomitee die Parole zur Bewaffnung der Arbeite r s ch a f t ausgegeben. In der entsprechenden Anweisung hieß es: Zur Anwendung des Terrors ist iedes Werkzeug und jede Waffe zu benutzen. Massenstreiks wurden angeordnet, Solida- ri ät.stre.ks soll:n vorb.re tet teerten. Es sollten alle Leute gemeldet werden, .die mit der Waffe umzugehen verstehen, alles habe sich aus die Illegalität umzustellen. Der Minister gab dann einige Auszüge aus dem großen Organisationsplan zum bewaffneten Aufstand, betitelt „®ie Kunst des bewaffneten Aufstandes." Dort ist davon die Rede, daß der bewaffnete Aufstarrd die erste Phase des Bürgerkrieges ist. Es werden Anweisungen über den Einsatz kleinerer Terrorgruppen gegeben über Anlegung von Bränden an Tausenden und Abertausenden von Orten. Zweck die- i ser Aktionen sei es dann, PolizeiundWehr« macht auf das flache Land zu lockeni und dann in den entblößten Städten Den Aufruhr airzublasen. Der Staat hat die Pflicht, so rief der Minister aus, solche Pläne im Keime zu ersticken. Was würde geschehen, wenn diese kommunistische Pest auch nur 24 Stunden Zeit hätte, um über unser armes Deutschland dahinrasen zu können. Wir haben leine 2 u ft, so Berlin, 1. März. (WTB- Die Verordnung des Reichspräsidenten gegen Verrat am deutschen Volke und hochverräterische Umtriebe vom 28. Februar 1933 wird jetzt im Wortlaut veröffentlicht. Der erste Abschnitt eirthält eine Verschärfung der Vorschriften gegen Landesver- rat und Verrat militärischer Geheimnisse. Für schweren Verrat militärischer Geheimnisse ist Todesstrafe angedroht, für Landesverrat und Verrat militärischer Geheimnisse Todesstrafe oder lebenslanges Zuchthaus; bei Ausspähung militärischer Geheimnisse Todesstrafe, lebenslanges Zuchthaus oder Zuchthaus bis zu 15 Fahren. Wer durch Fälschung oder Verfälschung Gegenstände, deren Geheimhaltung vor einer ausländischen Regierung im Falle der Echtheit für das Wohl des Reiches erforderlich wäre, in der Absicht herstellt, sie einer ausländischen Regierung bekanntzumachen oder öffentlich mitzuteilen, wird mit Zuchthaus bis zu 10 Iahren bestraft. Ebenso wird bestraft, wer Gegenstände oder Rachrichten, von denen er weiß, daß sie falsch sind, und deren Geheimhaltung vor einer ausländischen Regierung im Falle der Echtheit oder Wahrheit für das Wohl des Reiches erforderlich wäre, der ausländischen Regierung bekannt macht oder öffentlich mitteilt, ohne sie als falsch zu bezeichnen. Wer sich Gegenstände der bezeichneten Art in der Absicht verschafft, sie einer ausländischen Regierung bekanntzumachen Dreslau, 1. März. (ERB.) In der Iahr- hunderthalle fand eine Massenkundgebung der RSDAP. statt, auf der Reichskanzler Adolf Hitler sprach. Der Reichskanzler wies die Forderung seiner Gegner auf Vorlegung eines Programms als unangemessen zurück. 3m Rovem- ber 1918 haben die Männer des Tlmsturzes die Macht an sich gerissen, ohne dem Volk ihr Programm Punkt für Punkt zur Entscheidung zu unterbreiten. Von dem, was sie damals versprachen, ist nichts erfüllt worden. Cs war zu schon, um wahr zu sein. Die Männer, denen wir das verdanken, stehen heute noch mit eiserner Stirn vor der Ration. 14 Iahre haben diese Menschen Deutschland ruiniert. Run sind sie noch nicht gegangen. Sie protestieren noch, daß jemand kommt und sagt: Run ist es aber genug, Schluß mit euch. Ein Volk kann nicht gedeihen, wenn man es bewußt in Klassen teilt. Rationalismus und Sozialismus besitzen beide die Kräfte des gleichen hohen Ideals. Rationalisten und Sozialisten kennen keine materialistischen Existenzen. In diesem Zusammenklang von Rationalismus und Sozialismus muh die Kraft der Persönlichkeit sich durchsetzen und durchringen können. Die Persönlich leit in ihrer Kraft muß autoritär wirken können. Es darf nicht so werden, daß die Masse den Geist erwürgt, sondern das Volk muß im Geist seine Lebenskraft erblicken. Der Reichskanzler streifte bann die Reichstags- branbftiftung und ihre Zusammenhänge. Er sagte: Wenn eine dunkle Wacht glaubt, durch den A p - pell an Terror und Gewalt uns beugen zu können, dann vergißt diefe Wacht den Charakter unserer Bewegung. Unsere Bewegung sollte einst Deutschland werden, und sie ist heute Deutschland geworden. (Beifall.) Deutschland wird siegen! wer sich gegen diese Bewegung der Ration erhebt, der wird an unserem willen und an unserer Entschlußkraft zerschellen (Beifall.) wenn heute eine Organisation vermeint, mit Terror uns einschüchtero zu können, dadurch, daß sie Brandfackeln wirft, so soll sie wissen: D i e Brandfackel treten wir aus, und mit ihr zertreten wir den Träger der Brandfackel. (Stürmischer Beifall.) wir haben das Haus neu aufgebaut, und wir hängen an unserer Arbeit, und wer meint, das Haus in Brand flecken zu können, der wird om dieses Haus eine lebendige Waner einer TH 1II1 o n e n b e ro e- g u ng sehen und Millionen Fäuste werden sich schloß Göring, durch die kommunistische Bestie dasVolk zerfleischen zu lassen. Wenn mir als Reichskommissar die Hauptaufgabe dieses Kampfes zufällt, so nehme ich diese Aufgabe gern auf meine Schultern, weil ich weiß, daß sie zum Besten meines Volkes notwendig ist. Den Kommunisten darf ich sagen: Meine Rerven sind bisher noch nicht durchgegangen und ich fühle mich stark genug, ihrem verbrecherischen Treiben Paroli zu bieten! oder öffentlich mitzuteilen, ohne sie als falsch zu bezeichnen, wird mit Zuchthaus bis zu fünf Iahren bestraft. ■-s>cr zweite Aoscynitt besaht sich mit der B e - kämpfung Hochverrätern cher Umtriebe. Ist bei einem Hochverrat d'.e Tat darauf gerichtet, die Reichswehr oder die Polizei zur Erfüllung ihrer Pflicht untauglich zu machen, das Deutsche Reich und seine Länder gegen Angriffe auf ihren äußeren oder inneren Bestand zu schützen, so ist auf die in den §§ 81 bis 86 StrGB. angedrohte Zuchthausstrafe zu erkennen. Wer eine Druckschrift, deren Inhalt durch Aufforderung oder Anreizung zum gewaltsamen Kampf gegen bie Staatsgewalt ober zu beffen Vorbereitung ober burch Olufforbcrung ober Anreizung zu einem hochverräterischen Bestrebungen bienenben Streik in einem lebenswichtigen Betrieb, Generalstreik ober anberen Massenstreiks ober in anderer Weise den Tatbestand des Hochverrates (§§ 81 bis 86 StrTD.) begründet, herstellt, verbreitet oder zum Zwecke der Verbreitung vorrätig hält, obwohl er bei sorgfältiger Prüfung der Schrift den strafbaren Inhalt hätte erkennen können, wird, soweit nicht in anderen Vorschriften eine schwerere Strafe angedroht ist, mit Gefängnis von einem Monat bis zu drei Iahren bestraft. (§ 6.) ZUIN Schuhe dieses Hauses erheben und diejenigen zermalmen, die es wagen, es in Brand zu stecken. Sie sollen nicht denken, daß wir uns dabei auf halbe Maßnahmen befchränken. (Erneuter Beifall.) Wir wollen keinen Kampf. Iedem deutschen Volksgenossen möchten wir die Hand reichen, denn wir wünschen, eine Volksgemeinschaft aufzurichten. Wer aber unsere Hand zurückstößt ober uns mit Dolchen angeht ober glaubt, uns vielleicht burch anbere Terrorakte in unserer Arbeit stören zu können, wer sich vielleicht einbildet, Deutschlanb zerschla - gen zu können, ber wirb sehen, bah wir, bie wir ben Frieben lieben, zum grimmigsten K ampf entschlossen sind und der wird sehen, daß bas junge Deutschland nichts zu tun hat mit der Welt des Bürgertums aus dem Iahre 1918, der wird sehen, bah wir bann ben Kampf aufnehmen. Unb das möchte ich ben Feinden der Kultur und ber Zivilisation sagen: Wer so uns herausforbert, ber soll wissen, baß es einen Frieben nur bann gibt, wenn er zu Boben sinkt, wenn er kapituliert. (Stürmischer Beifall.) Frieden unb Freunbschaft können wir nur dem geben, ber bie Unversehrtheit ber Ration anerkennt. Für Feinbe bes Reichs haben wir keinen Frieben, fonbern nur Kampf bis zum Cnberfolg. (Stürmischer Beifall.) Arbeiter und (Staat. Vertreter der NLBL beim Reichskanzler. Berlin, 1. März. (CNB.) Der Reichskanz - ler empfing eine größere Abordnung der natio- nalsozialistischen Betriebszellenorganisationen. Der Reichskanzler wies auf die große und stolze Aufgabe hin, die gerade der nationalsozialistischen Bewegung als der Repräsentantin auch der deutschen Arbeitnehmerschaft in der Regierung gestellt sei. Sie habe sich bas Ziel gesetzt, die deutsche Arbeiterschaft als tragenden Pfeiler in den neuen deutschen Staat Jo einzubauen, daß man in Zukunft in Deutschland nicht mehr von einem Sterten Stand reden werde. Der Marxismus fei eine ungeheuere Belastung für die deutsche Arbeiter- schäft. Die Beseitigung des Marxismus sei daher für die Lebensinteressen der deutschen Arbeiter ent* scheidend. Aber ebenso wie die Regierung entschloß sen sei, bie kriminellen Erscheinungen des Marxis- mus rücksichtslos durch die Polizei zu unterbinden, so sei er als Führer der nationalsozialistischen Bewegung von der Notwendigkeit überzeugt, die von Marxisten verführten Massen der anständigen deutschen Arbeiter wieder dem Staat zurückzuerobern und in die deutsche Volksgemeinschaft einzu gliedern. Endgültig zu vernichten sei der Marxismus nur dadurch, daß man seine Anhänger auch weltanschaulich erfasse und ihm durch die Wiederher st ellung besserer wirtschaftlicher und sozialer Voraussetzungen seinen bisherigen Nährboden entziehe. Diese sozialen Voraussetzungen würden geschaffen werden. Die Wirtschaftspolitik, bie nur auf Einsparungen unb Lohnkürzungen abgestellt fei unb bie burch Steuern alles wirtschaftliche Leben erdrossele, habe kläglich Schiffbruch erlitten. Es komme nicht nur barauf an, bie Probuktion an* zulurbeln, fonbern bie Konsumkraft z u entwickeln. Wie man eine zeitlang zuviel Blut von außen in bie beutfche Wirtschaft hineingepumpt habe, so habe man ihr in ben letzten Fahren soviel Blut abgezapft, bah die Zirkulation unterbunben sei. Wenn man eine Mühle wieder, in Bewegung setzen wolle, müsse man zuerst 'wieder das Wasser zum Fließen bringen. Die Funktion unseres wirtschaftlichen Lebens müsse in diesem Sinne von einer gemeinsamen Wurzel aus durchdacht werden. Ramens der deutschen Arbeiter und Angestellten, bie bereits heute zu Hunberttausenden in der das ganze Reich erfassenden nationalsozialistischen Detriebszellenorganisation zusammen- gefchlossen seien, dankte ber Leiter ber RSDO. Schumann bem Reichskanzler sür seine von sozialem Geiste getragenen Ausführungen, bie in ben Herzen ber beutschen Arbeiter starken Wiberhall f i n b e n würden, und erneuerte das Gelöbnis der Gefolgschaftstreue für die verantwortungsvolle Aufbauarbeit des Kanzlers. Vizekanzler v.papen inJRündwn. München, 1. März. (CNB.) In einer Wahlkundgebung der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot im überfüllten. Löwenbräu-Keller in München sprach Vizekanzler v. Popen, der Spitzenkandidat der schwarz-weiß-roten Kampffront in Bayern. Er führte u. a. aus: Selten ist einem Staatsmann mit so oielgewolttem und künstlich erzeugtem M i ß * Verständnis begegnet worden wie mir. Was ist eigentlich gegen Bayern geschehen? Ich habe die Regierung eines bestimmten Landes, Preußens, im Einverständnis mit dem Reichspräsidenten beseitigt. Der föderative Gedanke ist aber gerade dadurch wiederhergestellt worden, daß nunmehr der unselige Dualismus zwischen Reich und Preußen beseitigt ist. Früher war Bayern dos Land des Protestes gegen die Weimarer Republik. Ls wurde von der Rechten die Ordnungszelle, von der Linken der hort der Reaktion genannt, heute ist die bayerische Regierung zur leidenschaftlichen Verfechterin jenes Geistes von Weimar geworden. Ich habe im vorigen Sommer Bayern d i e große föderalistische Chance an- geboten und habe um diesen Plan bei meinem Staatsbesuch in München geworben. Niemals hotte der Föderalismus eine bessere geschichtliche Gelegenheit, und selten ist die Bedeutung des Augenblicks so wenig begriffen worden. Ich werde meinen Komps um die nationalen Kräfte im deutschen Katholizismus nicht aufgeben, und ich werde auf die Unterstellung, deswegen kein vollwertiger Katholik zu sein, umso weniger antworten, als nur parteipolitische Verblendung zu einer solchen Mißachtung fähig ist. Ich bekenne mich als konservativer Katholik und als deutscher Föderalist und werde dieser Ueberzeu- gung, solange ich atme, treu bleiben. Mir ist auch nicht angst wegen der Mainlinie. Das bayerische Volk wird niemals dulden, daß dies Wirklichkeit wird. Ich warne deshalb vor dem Spiel, sich gewissermaßen nur bedingt zum Reich zu bekennen, nämlich unter der Bedingung, daß eine Reichsregierung so aussieht, wie sie sich die äugen» bttcklichen Machthaber eines Landes vorstellen. Die Fackel des brennenden Reichstags ist ein Fanal, in dem der Bolschewismus sein Haupt erhebt. Den offenen Kampf, den wir gegen ihn eröffnet haben, brauchen wir nicht zu fürchten, wenn wir einig sind unb die Ausgabe der Stunde erkennen. flltaifler Midenhauer über die Ausgabe der Volkspartes. Hamburg, 1.März. (ERB.) Fn einer öffentlichen Wahlkunbgebung ber DVP. sprach der Hamburger Spihenkanbibat Reichsminister a. D. Professor Dr. Molbenhauer über bie Rolle der DVP. in ber neuerftanbenen nationalen Front. Der DVP. falle die Rolle bes „Gewissens ber nationalen Einigung" zu. Fm Rausch ber nationalen Begeisterung gälte es, bie Fahne bes Freiyeitsibeals bes Bürgers hochzuhalten. Die großen Fragen ber Wirtschaft seien nicht mit Fackelzügen zu lösen. Die Dolkspartei sei stets ein Gegner einer überspannten Demokratie gewesen, aber sie wünsche ben Bürger nicht mundtot unb ausgeschaltet äu sehen. Sie verkenne nicht, bah getabe heute das S^hwergewicht bei ber Regierung unb beim Reichsprä- sibenten liegen müsse, sie billige auch brutale Maßnahmen unb wisse, bah Späne fallen, wo gehobelt wirb. Sie wünsche jeboch Erhaltung bes Berufsbeamtentums; sie bekämpfe Zersehungserscheinungen im Fubentum wie im Christentum. Kulturell wolle bie Dolkspartei keine Enge, sondern Freiheit für Forschung unb Lehre. Notverordnung zur Bekämpfung hochverräterischer Umtriebe. OerReichskanzlersprichtinBreslau Scharfe Kampfansage an die inneren Feinde des Reiches. Oie Reform der Krankenversicherung. Berlin, 1. Marz. (TU.) Der Aeichspräsi- Lent hat unter dem heutigen Tage (Mittwoch) eine Verordnung über Krankenversicherung erlassen. Durch die neue Verordnung wird die Gebühr für den Krankenschein von 50 Pfennig auf 25 Pfennig herabgesetzt. Weiter werden die Familienangehörigen derjenigen Truppen von Versicherten, die bisher für sich selbst keinen gebührenpflichtigen Krankenschein zu lösen brauchten (Arbeitslose, Rentenempfänger usw) ebenfalls von der Gebührenpflicht befreit. Um weitere Erleichterungen durch Einsparung aller vermeidbaren Verwaltungsausgaben zu ermöglichen, werden in der Verordnung der Reichs- reg.erung Ermächtigungen erteilt. Sie geben die erforderlichen Handhaben, die Krankenversicherung zu verbilligen, zu vereinfachen und ihre Wirtschaftlichkeit sicherzustellen. Das Aufsichtsrecht über die Träger der Krankenversicherung wird auch auf die Fragen der Zweckmäßigkeit und Wirtschaft- lichkett in der Geschäftsführung erstreckt. Die Verordnung tritt am 2- März in Kraft. Es werden damit die notwendigen Voraussetzungen für die durchgreifende Reform Les ganzen Krantenversicherungs- wesens geschaffen. Rach vollständiger Durchführung der Reform, wofür diese Verordnung die Voraussetzung schafft, soll die G e b ü h V für Krankenscheine beseitigt werden. Die Verordnung erstreckt sich nicht auf Privatkrankenkassen. Die Einsetzung eines Aeichslommissars kann erst erfolgen, wenn über die Reform im einzelnen vom Reichsarbeitsministerium eine Vorlage vorgelegt wird. Der Fortfall der Arznei gebühren ist in dieser Verordnung noch nicht enthalten. Cs ist aber anzunehmen. daß auch die Arznei- gebühr nach Durchführung der Reform Wegfällen kann- Herabsetzung der Dienstbezüge in subventionierten UntemehMNgen Berlin, 1. März. (WTD.) Die Deichs- reg.erung hat nunmehr zu dem Teil der Rotverordnung vom 4. September 1932, der sich mit der Herabsetzung der Dienstbezüge von Borstandsm.tgkiedern und leitenden Angestellten insubventioniertenLlnterneh- mungen befaßt, Ergänzungs- und Durchfüh- rungsbestünmungen erlassen. Als subventionierte Llnternehmungen gelten Ge- selischaf.en sowie Einzelunternehmungen, die aus ösicntlichen Mitteln Kredite, Zuschüsse oder Gewährleistungen außerhalb eines regelmäßigen Geschäftsverkehrs zwecks Stützung er- hacken haben. Auch die Stützung durch lleber- nahmc von Aktien oder Stammeinlagen mit öffentlichen Mitteln gilt als Subvention. Als öffentliche Wittel gelten die Mittel des Reichs, eines Landes, einer Gemeinde (Gemeindeverband), der Deutschen Reichsbahngesellschaft, der Reichsbank oder e.ner sonstigen Einrichtung oder Körperschaft, an der diese einzeln oder zusammen mit mchr als der Härfte des Kapitals beteiligt sind oder sonü ausschlaggebenden Einfluß ausüben. ilm die Anwendung der Verordnung zu begründen, muh der Gesamtumfang der finanziellen Beihilfen eine bestimmte Windestgrenze (5 v. H. des Kapitals) überschreiten. Der Herabsetzung f.nü die Dienstbezüge von Vorstandsmitgliedern und von Angestellten jeder Art unterworfen, deren jährliche Dienstbezüge 1 2 000 M k. erreichen oder übersteigen. Den von der Herabsetzung der Dienstbezüge betroffenen Personen wird ein einmaliges außerordentliches Kündigungsrecht gegeben. Es wird mitgeteilt, daß keine schematische Regelung beabsichtigt und keineswegs Oer erste Reichstag. Als der Wallot-Bao m Berlin noch nicht stand. Äon He nz Büttner. Dem greisen König und neuen Kaiser Wilhelm I. mag zu Beginn der siebziger Jahre das Vorbild der alten Reichstage oorgeschwebt haben, die von den Staufen oder Habsburgern in Gegenwart aller geistlichen und welllichen Größen abgehalten wurden und Gelegenheit zur Entfallung der ganzen kaiserlichen Macht boten, — als er den e r st e n deutschen Reichstag im Weißen Saal des Berliner Schlosses eröffnete. Lichterflut übergoß den Saal, als der Kaiser mit seiner Gemahlin auf dem Thronsessel Platz nahm. Uniformen blitzten in Gold und Silber, alle Hoschargen drängten sich um den Thron. Hinter dem Kaiser standen die Generäle Moltke, Roon und Wrangel und hielten Szepter und Schwert, ringsum im Kreise bauten sich alle regierenden Fürsten mit ihrem Gefolge auf. An sie schlossen sich an das diplomatische Korps, die Staatsminister, die Generalität, die hohe Be- amtenschaft. Bismarck in der Uniform der Hal- berstädter Kürassiere überreichte dem Kaiser die Thronrede. Der Oberhofmarschall stieß dreimal seinen Stab auf den Estrich, alles schwieg, und der Kaiser verkündete seine Botschaft an die neuen Reichstogsabgeordneten. Diese aber, wenn auch geblendet von dem Glanz der höfischen Veranstaltung und hingerissen von der ehrwürdigen Erscheinung oes greifen Kaisers inmitten seiner ebenfalls durchweg schon älteren Bundes- ürften, waren sich dennoch nicht im Zweifel, daß ie hier im Weißen Saale nur Statistenrollen zu pielen hatten. Rach einer Viertelstunde erhob sich der Kaiser und schloß die erste Sitzung. Die Abge- ordneten verschwanden wieder auf dem Wege, auf dem sie gekommen waren — über eine Seitentreppe. Die Repräsentation war vorüber, die eigentliche Arbeit begann. Aber Entsetzen packte die Volksvertreter, als sie die neue Stätte ihres Wirkens, das ehemalige preußische Abgeordnetenhaus am Dönhoffplatz zu Jei)en bekamen. Das Haus war alt und baufällig, alles machte einen abgerissenen und kläglichen Eindruck. Die Lüft war must sig und dumpf, ein Teil der Abgeordneten konnte weder etwas sehen noch etwas hören. Die Enttäuschung über die „t r a u r i g e S ch e u n e", wie ganz allgemein dieses vorläufige Haus getauft wurde, machte sich oft in drastischer Weise Luft. So erschien eines Tages ein konservativer Abgeordneter, der Hugerrberg über die Aufgabe der nationalen Negierung. Bielefeld, 1. März. (ERB.) Die Kampffront Schwarz-Weih-Aot veranstaltete eine Kundgebung, auf der Reichswirtschaftsminister Dr. Hu- genberg von Berlin aus durch Rundfunk sprach. Der Minister führte u. a. aus: Der Generalfeldmarschall hat gerufen. Die deutschen Führer haben sich zusammengefunden. Sie bieten jetzt das Volk auf: Tretet hinter uns, zeigt, daß die Zahl der wirklichen Deutschen weit größer ist als die Zahl derjenigen, die sich nur so nennen, ilnö wenn Mordbubcn und Brandstifter innerhalb dieses deutschen Volkes leben und sich erfrechen, ihm Signale des Untergangs aufzurichten, so haben sie sich in der Zeit vertan, — Wir werden ihrer schon Herr werden. Die Brandfackel, die der Bolschewismus in den Deutschen Reichstag geschleudert hat, ist eine furchtbare Anklage gegen die früheren parlamentarischen Regierungen, die das Unkraut des Bolschewismus in Deutschland hochschießen ließen. Die nationale Regierung hat innerhalb von ein paar Stunden fest z u g e- p a ck t. Deutschland soll ein für allemal von dieser Geisel befreit werden. Auch in ihrem weiteren Handeln wird die nationale Regierung nicht vor drakonischen Maßnahmen, auch nicht vor der Anwendung der Todesstrafe, zurückschrecken. Gilt es doch, das deutsche Volk vor drohender Lebensgefahr zu bewahren. Dazu gehört vor allem die Ausrottung der Brutstätten, in denen der Bolschewismus gedeihen konnte. Die marxistisch beeinflußte Schule, die demokratischen Literaten- klüngel, die international geleitete Zersetzungsarbeit in Theatern und Literatur, in Film und Presse — daS alles hat geistig den Boden vorbereitet, auf dem heute Mord und Terror gedeihen. Deutschland muß kulturell und sittlich wieder gesunden. Damit wird der Keim der bolschewistischen Lehre am schnellsten aus der deutschen Seele entfernt. Aber Deutschland muh auch wirtschaftlich und sozial wieder gesunden, damit nicht Rot und Elend der Rährboden des Giftes bleiben. Die nationale Regierung will dem deutschen Volk wieder Brot und Arbeit schaffen. Sie wlll christlich-deutsche Kultur wieder zur Grundlage des Vollslebens machen. Wer den roten Umsturz nicht will, muß sich mit seiner Person für die Autorität dieser Regierung einsetzen. Parteien, di« 14 Jahr« lang die Herrschaft des Marxismus geduldet und damit die Treibhauspflanze Bolschewismus gefördert haben, werden niemals wirklichen Kampf- Willen gegen die rote Gefahr ausbringen. Der Sinn dieser Wahl liegt nicht darin, den einen oder anderen parlamentarischen Augenblickserfolg zu erzielen. Der Sinn der Wahl liegt darin, daß das deutsche Volk sich entschlossen hinter eine Regierung stellt, die gewillt ist, das neue Deutschland zu schaffen. eine bestimmte Rorm für die Neufestsetzung der Gehälter gegeben ist. Cs handelt sich überhaupt um eine Kannbestimmung, und die letzte Entscheidung trifft die Reichsregierung bzw. der Reichssinanzminister oder an seiner Stelle die Landesbehörde. Diese Regelung wird auch der Lage der einzelnen Unternehmungen am besten gerecht werden. Es soll nämlich durchaus unterschieden werden, ob es sich um Unternehmungen handelt, die staatliche Unterstützung bekommen, well sie in Rot g er aten sind, und andere, die zwar mit dem Reich zusammenhängen, aber durchaus florieren. Oer Reichsinnenminister ersucht die Länder um Verbot kommunistischer Druckschriften und Versammlungen. Berlin, 1.März. (TU.) Amtlich. Der Reichsminister des Innern hat auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schuhe von Volk und Staat vom 28.Februar 1933 sämtliche Landesregierungen ersucht, alle kommunistischen periodischen Druckschriften bis auf weiteres zu verbieten, ebenso alle Versammlungen und Aufzüge der SPD^ auch Versammlungen in geschlossenen Räumen. Lr hat ferner die Landesregierungen ersucht, alle kommunistischen Druckschriften einschließlich Flugblätter und Plakate sofort zu beschlagnahmen und einzuziehen. Maßnahmen gegen die Kommunisten «n Hessen. V a r m st a d t, 1. März. (WSN. Amtlich.) Auf verlangen der Reichsregierung find in Hessen bis auf weiteres alle kommunistischen periodischen Druckschriften, sowie alle kommunistischen Versammlungen und Aufzüge einschließlich der Versammlungen In geschlossenen Räumen mH sofortiger Wirkung verboten worden. Die gesamte hessische Polizei sieht seit gestern in et- HSHter Alarmbereitschaft. Zur Siche- rung des Landtags, der Diensigebäude und der lebenswichtigen Betriebe sind die erforderUchen Maßnahmen getroffen worden. Die verschärfte Kontrolle, unter der die kommunistische Partei in Hessen steht, hat im Zuge einer haus- suchungsaktion in zahlreichen hessischen Städten vor kurzem zur Beschlagnahme von zahlreichem kommunistischem Material geführt, das fichergestellt wurde. Die Vermutung, daß die kommunistische Partei inzwischen die Errichtung einer besonderen hessischen Parteizentrale durchgeführt habe, fand dabei keine Bestätigung. Der Sih der politischen und organisatorischen Zentrale der kommunistischen Bewegung in Hessen ist nach wie vor Frankfurt a. M.» das auch der Erscheinungsort der einzigen kommunistischen Tageszeitung von Hessen ist. Die Offenbacher Polizei hak heute an 16 Stellen bei kommunistischen Funktionären Durchsuchungen oorgenommeu, die zahlreiches Flngblattmaterial hochverräterischen Inhalts zutage gefördert haben, in denen zum gewaltsamen Sturz der Regierung Papen- hugenberg und zum Generalstreik aufgefordert wurde. Außerdem wurde Material des verbotenen Rot-Front-Kämpferbundes gefunden. Eine Person wurde fesigenommen. weitere Festnahmen stehen bevor. Waffen wurden nicht gefunden. Auf Veranlassung des Reichsinnenminislers wurde ein sozialdemokratisches Schriftplakat „1 0 0 0 Mark Belohnung-, das sich mit der Politik der Reichsregierung beschäftigt, verboten, weil darin eine böswillige Verächtlichmachung der Reichsregierung erblickt wird. Sozialdemokratischer Protest bei Papen. D e r l i n, 1. März. (TTl.) Der SPD.-Vorsihende Wels, hat an den Reichskommissar für das Land Preußen, Vizekanzler vonPapen, einen Brief gerichtet, in dem er ausführt, daß die Annahme, die SPD. habe mit Leuten etwas zu tun, die den Reichstag in Brand steckten, falsch sei. Die ganze Vergangenheit der SPD.'biete keinerlei Anhaltspunkte dafür. Vielmehr beweise ihre ganze Geschichte, daß sie terroristische Akte jeder Art ablehne und ihre Anhänger stets eine in jeder Beziehung vorbildliche Disziplin an den Tag gelegt patten. Ein Blick in die kommunistische Presse, die bis heute mit denschärf- am Vortag wegen seines schlechten Platzes nicht zu Wort gekommen war, bewaffnet mit einer großen roten Fahne, die er alsbald heftig zu schwenken begann. Der Sozialdemokrat Bebel begrüßte die rote Fahne mit großem Hallo, das Haus brüllte vor Lachen. Und jeder war fick klar darüber, daß es mit der „traurigen Scheune'^ nicht lange so weitergehen konnte. Bismarck, der von der Würde und der Aufgabe des Reichstages viel höher dachte, als es feine Feinde wahr haben wolllen, drängte mit allen Mitteln daraus, daß endlich ein Reichstagsgebäude geschaffen wurde, das der Bedeutung des Deutschen Reiches und seiner Volksvertretung entsprach. Ein internationaler Wettbewerb wurde ausgeschrieben, und aus allen europäischen Ländern gingen brauchbare Entwürfe ein. Den ersten Preis erhielt der Deutsch-Russe B o h n st e d t. Wegen seiner russischen Staatsangehörigkelt wurde aber die Entscheidung später wieder aufgehoben und der Neubau vertagt. Sechs Monate Zeit verblieben nur, um das neue in Aussicht genommene Gebäude herzurichten. Im September 1871 konnte das provisorisch umgebaute Haus der preußischen Porzellanmanufaktur in her Leipziger Straße bezogen werden. Bismarcks treibende Energie hatte hinter der Arbeit gestanden. Einmal hörte er, daß die Direktion der Porzellan- Manufaktur passiven Widerstand leistete, indem sie mit unendlicher Vorsicht jedes einzelne Stück besonders verpacken und wegtragen ließ. „Bestellen Sitz dem Porzellanfritzen", sagte Bismarck zu dem Baumeister Gropius, „daß ich den ganzen Porzellanladen aus J>em Fenster schmeißen lasse, wenn nicht innerhalb von drei Tagen die Bude geräumt ist!" Dieser kernige Spruch half. Die Abgeordneten waren mit Einrichtung und Ausstattung sichtbar zufrieden. Sie waren von der „traurigen Scheune" her nicht verwöhnt, und bemerkten einstweilen nicht, daß alles zwar sehr schön, aber wenig dauerhaft gebaut worhen war. An einem besonders heißen Sitzungstag im Jahre 1873, während ein Zentrumsabgeordneter eine leidenschaftliche Rede hielt, lösten sich plötzlich große Stücke der Decke und kamen mit Gepolter auf die entsetzten Abgeordneten herunter. Einige glaubten an ein Erdbeben, andere riefen erschreckt: „Feuer! Feuer!" und flüchteten. Doch als sich der Saub verzogen hatte, stellte sich heraus, daß wie durch ein Wunder niemand verletzt worden war. * Der neue Reichstagsabgeordnete, der frisch gewählt den Wallotbau in Berlin am Platz der Republik betritt, sieht mit einem Gemisck von Ehrfurcht und Ernüchterung auf die Regierungsbank und denkt bei sich „Hier h a t Bismarck gesessen!" Er irrt. Bismarck hat den neuen Reichstag niemals betreten. Er hat seine großen Reden zur Außenpolitik und seine leidenschaftlichen Auseinandersetzungen mit feinen Widersachern sämtlich noch im allen Haus an der Leipziger Straße gehalten. Es war geradezu symbolisch, daß an dem Tag, an dem Bismarck in.Friedrichsruh die Augen schloß, auch die Spitzhacke an das Gebäude gefegt wurde, in dem Bismarck unter den Blicken Eurovas für Deutschlands Ehre und Frieden gekämpft yat. 23 Jahre nach 1871 noch mußten die Abgeordneten im provisorischen Heim in der Leipziger Straße aushalten. Fast ständig wurden Deck§n- reparaturen vorgenommen. Die Sitzungsberichte melden aus dieser Zeit, daß der bekannte ultra- montane Abgeordnete Windthorst eines besonders stürmischen Tages dem Präsidenten sarkastisch zuvies: „Wenn das letzte Stück, das soeben auf den Platz des Herrn von Puttkamer fiel, auf feinen Kopf gefallen wäre, so hätte es unter Umständen den Hirnkasten des verehrten Herrn Kollegen ein- schlagen oder vielleicht sogar edlere Teile verletzen können." Die Konservativen quittierten diese Bosheit mit wütendem Zischen. Die in ihren edleren Teilen bedrohten Abgeordneten beschlossen, sich gegen Unfall z u versichern. Aber die Der- sicherungsgesellfchaften erhoben besondere Ri iko° Prämien für Besucher des Reichstages, unge ähr so, wie heute Luftakrobaten nur mit Sonderprä- mten versichert werden. Es war in diesen 23 Jahren keine Lust, M. d. R. zu sein ... Das Geheimnis des Stradivarius. Die Entdeckungen überstürzen sich. Bald find eS die Bücher des Titus Livius, bald die Villa des Horaz oder das Grab Dantes, die Gebeine Boccaccios, die steingewordenen Küsse RomeoS und Julias. Lind jedesmal kommen die italienischen Zeitungsspalten in Aus rühr, dessen Echo wiederum über die Grenzen dringt. Offenbar gibt es Leute, die sich wegen Stoffmangels auf die Erfindung von Entdeckungen stürzen. Diesmal ist wieder der gute Stradivarius, an der Reihe. Alle drei Jahre wird sein Geheimnis enthüllt, diesmal aber endgültig. FerruccloSanier heißt der Forscher und streitet bereits um das Primat mit dem Doktor Leiser aus Prag, der die gleiche Entdeckung gemacht hat. Aber der Genueser Sanier ist schon zehn Jahre über der Sache, der Prager ein Reuling dagegen. Der Genueser hat unzählige ßade abgekratzt und mit Ken Angriffen gegen die SPD. ge- füllt sei, beweise am besten, daß eine kommunistisch - sozialdemokratischeEin- heitsfront nicht bestehe. Das Verbot der sozialdemokratischen Zeitungen, der Flugblätter und der Plakate stehe mit den rechtlichen Bestimmungen in schärfstem Widerspruch. Die SPD. erwarte daher, daß v. Papen in feiner Eigenschaft als Deichskommissar für das Land Preußen dafür sorgen werde, daß dieses Verbot nicht durchgeführt werde. Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident von Hindenburg empfing am Mittwochvormittag Reichskanzler Hitler zu einer Besprechung über die politische Lage. Ferner empfing der Reichspräsident am Mittwoch den Reichswehrminister von Blomberg zum Vortrag. Vizekanzler v. Papen ist in München eingetroffen und gab im Hause des von München abwesenden Ministerpräsidenten Dr. Held seine Karte ab. Weitere Besuche galten dem bayerischen Minister des Innern D r. Stütze!, dem Oberbürgermeister Dr. Scharnagl, dem Kardinal-Erzbischof Dr. v. Faulhaber und dem evangelischen Kirchenpräsidenten D. Weit. * Die Frankfurter „V o l k s st i m m e" ist trotz des generellen Verbots für sozialdemokratische Blätter am Dienstag und Mittwoch erschienen. Daraufhin hat die Polizei die Mlltwochausgabe des Blattes beschlagnahmt. In Bayern wurde das nationalisozialistische Organ in Bayreuth „Fränkisches Volk" und die nationalsozialistische Zeitung „Bayerische O st w a ch t“, die größte nationalsozialistische Zeitung Rordbayerns, von der bayerischen Staatsregierung mrt Wirkung vom 2. bis einschließlich 5. März verboten. « 51m die tatkräftige Bekämpfung bet kommunistischen Gefahr und die Durchführung der Anordnungen der Reichsregierung zur Abwehr staatsgefährdender Gewaltakte zu gewährleisten, ist der Polizeipräsident von Leipzig. F l e i h n e r, bis auf weiteres beurlaubt worden. Außerdem wurden die Stellvertreter der Amtshauptleute in Zittau, Meißen und C h e m n i tz mit der selbstständigen Erledigung der Polizeigeschäfte beauftragt * Aus der Durchreise von Genf nach Moskau hat der russische Dolkskommissar des Aeußeren, Litwinow, dem Neichsaußenminister Freiherra von Neurath einen Besuch abgestattet Aus aller Wett. Die Goethe-Medaille »für Geheimrat Wolfram in Frankfurt Der Reichspräsident hat dem Geheimrat Professor Dr. Georg W o l f r a m in Frankfurt anläßlich seines 50jährigen Doktorjubiläums für seine Verdienste um Wissenschaft und Kunst die Go ethe-Medaille verliehen. Geheimrat Wolfram, der bis 1918 an der Straßburger Universität wirkte, ist seitdem Leiter des Wissenschaftlichen Instituts der Elsaß-Lothringer im Reich an der Universität Frankfurt a. M. Dettfedernfabrik eingeäschert Ein gewaltiges Feuer brach in der Bettfedernfabrik von Paul Wodrich in Neutrebbin (Oderbruch) aus und vernichtete, das große zweistöckige Fabrikgebäude bis auf einen kleinen Seitenteil vollkommen. Dem energischen Eingreifen der Feuerwehr ist es zu verdanken, daß man das Wohnhaus retten konnte. Das Feuer dehnte sich mit riesiger Schnelligkeit aus; es fand an dem großen Lager von Bettfedern so reichliche Nahrung, daß gleich nach dem Ausbruch des Feuers aus den Fenstern große Flammen schlugen. Der Schaden dürfte 150 000 Mark überschreiten. ihnen experimentiert; es ist das eine Wissenschaft, die gelernt fein will. Kommen wir gleich zu dem Kern der Sache: Zanier hat sich imstande erklärt, neue Geigen zu bauen, die denen dcs Stradivarius mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen sind. Denn es sei ein Irrtum, so berichtet er, daß die Güte des Instruments vom Alter herkomme. Im Gegentell, eine neue Violine oder Laute leiste weit mehr, wenn sie nur nach dem Geheimnis der Alten gebaut wird. Viele Musiker glauben auch, daß die alten Meistergeigen nach wenigen Stunden des Gebrauchs an Tonfeinheit einbühen, ja, leiser werden, weshalb man kräftiger den Dogen fuhren müsse. Falsch! sagt Meister Zanier. Man muh sie noch sanfter behandeln, die Stimme wird dann um so klarer. Lind was solcher Kniffe mehr sind. Aber die neuen Zanier-Stradivarius-Geigen flennen darauf verzichten, ein Kind wird sie spielen und einen Meister wird man zu hören glauben. Denn der Erfinder weiß nun um das Geheimnis des Wunderlacks. E. Zeitschriften. — Die Europäischen Gespräche (Verlagsbuchhandlung Dr. Walther Rothschild, Ber- lin-Gruncwald) bringen in. ihrem Ianuar-Fe- bruarhest Staatsmännerreden dreier über die Grenzen ihres Vaterlandes hinaus bekannter Per- sönllchkeiten: De Valero, der irische Ministerpräsident, Julius Curtius, der frühere deutsche Außenminister, und Henry Verenger, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im französischen Senat, kommen zu Wort. Eine Reihe ausführ- licher, sachkundiger Besprechungen der außenpolitisch bedeutsamen Werke aus letzter Zeit, sowie eine umfassende Bibliographie -und eine Zeittafel runden das Heft zu einem inhaltsreichen Ganzen ab. — Die Märznummer von Westermanns Monatsheften enthält in bunter Reihenfolge einen Roman von Franz Adam Deyerlein, „Sie Haselnuß". Eine anekdotische Erzählung von Walter Meckauer, „Im Wein liegt Wahrheit", eine interessante Erinnerung, „Verkehrsmittel in den Kinderschuhen", die Abhandlungen «Hinter den Dingen des Haushaltes", von Dr. Braun, „Hund und Volk" von Graf Daudissin, „Die deutsche Jugendbewegung von heute", von Reveling, und die fesselnden unb reich illustrierten Erinnerungen einer deutschen Malerin: „Die Frau auf dem Gerüst", von Ida C. Ströver. Doljnnn i Prvsisjor ßlich leines iienfte um lköaille '18 an her cm Lritn Lothringer TI. stau Hal m, 81t. iherru bntinu* der An. Abwehr eisten, ist ip-ig. d t vor. ter der n und Mg der len. >NS rL Hot. =i?i; jjji. -Dahr. •Mwjla» f batzeri. m 2. M ie Men- Vir gleich ich imstande denen bd wenn nicht M, so de* aenti 600 neue *W m sie nm- virb. Stele .n Deister- rbrouch«00 M ?* chrcn muffe- dann um so finfr 2der |ffl Iknncn vielen und Len-, Senn eiomiS^eS jentoait n lafüt durch. k°tz der ! Mtter ■ Dotaui. 19 Blatter ®Ntn 11 Aün. • Seid dem tktzrl, 91| dem 'er und - Weit. che (Kr. chrld. ianuat*3j °'"S 20E' -Stz ft!? «1M »K t»" #13 OfS 5®*"* Bettfebern, »bin (Ober- iro&e zwei- nen Seiten- grtifen der das ffiotjn- ch mit rieft- oßen Lager daß gleich n Fenpern den durste Aus -er Provinzialhaupisiadt. i Bornotizen. 28. Qlnna Krack, geb. Hansel, 28 Jahre, Wart- wea 21: Philipp Herrmann, Kaufmann, 68 Jahre. Rodheimer Straße 30. — Sitzung de S ProvinzialauSschuf- fei. 2lm nächsten Samstag, 8.30 Uhr beginnend, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provin- rialauSschusseS der Provinz Oberhessen statt mit folgender Tagesordnung: Zwangsetatisierung des Anteils der Gemeinde WeiterSbain an den Der- pflegungslosten des in der Landes-Heil- und »mstalt Gießen untergebraqten Paul Kloos ilkow in Polen: hier: Klage der Gemeinde Weiter-Hain gegen den Beschluß des KreisamtS Gießen vom 9., Dezember 1932. — Klage der Sophie Beutel in Friedberg gegen die Gntschei- düng de- KreiSausschuises deS Kreises Friedberg vom 24. Rovember 1932. — Klage des Bezirks» fürsorgeverbandes Rürnberg-Stadt gegen den Be- »irksfursorgeverband des Kreises Schotten auf Erstattung von Fürsorgekosten für Maria Melzer aus München. — Klage des Heinrich Bogel in Bönstadt gegen den Bescheid des Kreisamts Friedberg vom 26. Juni 1933 wegen Dersagung eine» Wandergewerbescheins für 1933. •• Letzte 21 u f s ü hrungen „Im weißen Rötz I*. 'aus dem Stadttheaterbüro wird uns mit- Seteilt: Die Intendanz teilt mit, daß die letzten drei ussührungen der Operettenrevue: „Im weißen Röhl" am 18., 19. und 26. März stattfinden. •* Goldenes Dienstzubiläum. 2lm gestrigen Mittwoch, 1. März, konnte Fräulein Elise Buß, eine gebürtige Gambacherin, auf eine 50jährige Tätigkeit im Hause der Familie 61 ö r i ck o in Butzbach zurückblicken. Als 23jäh- rigeS Mädchen trat sie im Jahre 1833 bei Kauf- mann Christoph Störicko in Dienst, diente nach dem Ableben der Herrschaft im Hause des Sohnes, de- bekannten, mittlerweile verstorbenen hessischen Schulmannes Geheimrat Störicko (Gießen), und kehrte im Jahre 1932 mit Frau Geheimrat Störicko wieder nach Butzbach zurück. Aach 25jähriger Dienstzeit erhielt die Jubilarin vom Großherzog Ernst Ludwig das goldene Derdienstkreuz. Die Stadt und daS Kreisamt ließen ihr nach 30- bzw. 40jLhriger Tätigkeit je einen Ruhesessel überreichen. Den Ehrentag ihres goldenen Dienstjubi- läums verbrachte die Jubilarin im Kreise der Familie Störicko. •' Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 16. bis 28- Februar verstorben in unserer Stadt: 16. Rudolf Aoll, 7 Monate, Brandgasse 5: 1Z. Ludwig Verlach, Zimmermann, 72 Jahre, Teuielslustgärtchrn 5; Elifabethe Stein, geb. Hahn, 74 Jahre, Anneröder Weg 18; 18. Elisabeth Körber, geb. Mohr, Witwe, 73 Jahre, Frankfurter Straße 78; Luise Hainer, Hausdame, 42 Jahre, Südanlage 5; Katharine Knapp, geb- Ludwig, 64 Jahre, Am Diegelpfad 80; Karl Krell, Schlosser, 79 Jahre, Schiffenberger Weg 33; 19. Heinz Dünnwald, 1 Jahr, An der Kläranlage 6; 22. Elise Heck, geb. Kvamer, Witwe, 83 Jahre, Steinstraße 21; 23. Margarete Krombach, geb. Appel, 33 Jahre, Kaiserallee 69; — Aus dem Stadttheaterbüro wird tms geschrieben: Morgen, Freitag, 20 Uhr, 21. Dor- stellung im Freitag-Abonnement der Schwank: „Da stimmt was nicht" von Franz Arnold. Spielleitung: Heinrich Hub. Gewöhnliche Preise. Ende 22.30 Uhr. — Die nächste Dolksoorstellung findet am Sonntag, 5. März, 18.30 Uhr, statt. Zum letzten Male kommt das Lustspiel: „Bargeld lacht" von Cammerlohr und Ebermoyer unter Peter Faf- , o tts Siegle zur Aufführung. Kleine Preise. Ende 20.30 Uhr. "-Den schweren Berletzungen erlegen. Das fünfjährige Söhnchen deS Zigarrenfabrikanten B i e r a u von Wieseck, das vorgestern in der Gießener Straße zu Wieseck überfahren wurde, dabei einen komplizierten Schädelbruch erlitt und in die Chirurgische Klinik eingeliefert werden mußte, ist gestern abend gestorben. dezirlsschöffengericht Gießen. • Gießen, 1. März. Ein wegen Betrugs vielfach vorbestrafter Gewohnheitsschwindler stand heute wegen Rückfallbetrugs in vier Fällen vor Gericht. 6r hatte sich unter falschem Aamen als angeblicher Klavierstimmer in einer Gastwirtschaft hier eingemietet und war zunächst seiner Zahlungsverpflichtung nachgekommen. Dann veranlaßte er durch die falsche Angabe, er habe von einem Gesangverein 60 Mark für eine Reparatur zu bekommen, den Gastwirt, ihm Kredit zu gewähren, bis er eines TageS unter Hinterlassung einer Zechschuld von 36 Mark verschwunden war. Weiter verschaffte er sich durch die erlogene Angabe, er stehe mit einem Klavierstimmer von hier in Geschäftsverbindung, Arbeit. Die von ihm „gestimmten" Klaviere ließ er verstimmt und -um Teil beschädigt zurück. Er war im wesentlichen geständig. Die Strafe lautete auf zehn Monate Gefängnis. Oie Ruhrhilfe-Llnteesuchung. WSA. Darmstadt, l.QIlärx. Der Bericht des älntersuchungsauSschusses über das Ergebnis der Ruhrhilse-älnter- s u ch u n g ist nunmehr ferttggestellt. Darin kommt der Ausschuß abschließend zu der Ansicht, daß dieGeldernichtsoverwendetwurden, wie eS ihrer ursprünglichen Bestimmung entsprach. Sowohl aus den Zeugenaussagen, als auch aus dem Ergebnis der Kon- tenprüfung geht hervor, daß noch mindestens 180 000 RM. auS dem Fonds zur Verfügung stehen. Folgender Antrag wurde als Schlußergebnis angenommen: Die Regierung wird ersucht 1. zu veranlassen, daß sämtliche Schuldurkunden über Darlehen aus dem 570 000-Mark-Fonds auf die Hessische Handwerkskammer als ©laubiger umgestellt werden; 2. zu veranlassen, daß der nichtausgeliehene Teil des 570 000-Mark-Fonds auf ein Sonderkonto „Rhein-Hilfe" der Handwerkskammer bei der HZG. oder einer anderen Bank gestellt wird, dem alle Rückzahlungen und Zinsen aus den ausstehenden Darlehen zufließen; 3. zu veranlassen, daß, soweit die Hessische Handwerkskammer sich einer Dank zur Verwaltung der ausstehenden Darlehen bedient, die wirklichen Verwaltungskosten ermittelt und daß nur die zur Deckung der Verwaltungskosten erforderlichen Zinsen erhoben werden; 4. zu veranlassen, daß die Hessische Handwerkskammer den nicht ausgeliehenen Teil des 570 000- Mark-Fonds und die zurückfließenden Beträge bestimmungsgemäß restlos an Handwerker des ehemals besetzten Gebietes ausleiht; 5. eine Zweckbestimmung für den nach äleber- windung der letzten Besatzungsschäden des Handwerks im ehemals besetzten Gebiete verbleibenden Rest des 570 000-Mark-Fonds (abzüglich der uneinbringlichen Beträge) zu treffen und diese Zweckbestimmung dem Landtag mitzuteilen." Die Zag- im März. Denn die Bachstelze wieder übers Steingeröll des Baches wippt und der Rotschwanz auf dem Gar- leiqaun knickst, wenn am Waldesrand die Weidenkätzchen silbern leuchten und am Waldbach das erste Grün sprießt, wenn Gans und Kranich rufend gen Norden wandern und der Ringeltauber seinen Lie- besruf ertönen läßt, dann zieht es den Jäger mit allen Fasern seines Herzens hinaus Ins Revier, wo allenthalben die Natur ihre Auferstehung ankündigt. 8u Jagen gibt es allerdings nur wenig. Wenn überall neues Leben heranwächst, dann ist H e g e n erste Weidinannsoflicht. 3m Rotwiloreoier werfen die Hirsche ab und werden deswegen auch dort, wo das Gesetz sie nicht schützt, freiwillig vom Abschuß verschont. Beim Besagen des Schwarzwildes ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Denn die Bache Lischt, und kein wahrer Weidmann wird es über Isch bringen, die Mutter von den hilflosen Frischungen wegzuschießen und die Kleinen dem Hungertode auszuliefern. Die R e h b ö ck e haben meist schon gut geschoben, auch sonst ist das Rehwild ohne Schaden durch den Dinier gekommen. Die kritische Zeit steht bevor, wenn demnächst die frische Grünäsung an die Stelle der seitherigen Trockenäsung tritt. Die Erfahrung lehrt, daß Die Verluste überall dort stark zurück- treten, wo reichlich Kochsalz gereicht wird. Für die Anlage der Lecken eignen sich besonders die Randhölzer, wenn man die Gefahren der Grünäsung auf den Saatäckern eindämmen will. Iunghasen wurden bereits im Januar und Februar beobachtet, aber der Marzsatz wird von besonderer Bedeutung für das Iagdsahr fein. In welchem Maße er „durchkommt", ist vor allem eine Frage der Witterung, auf die der Mensch keinen Einfluß hat. In zweiter Linie find es tierische Feinde, die den kleinen Löffelmann bedrohen. Ihn pflegen zu schützen, ist Hegerarbeit. 3m Dachsbau, dessen Bewohner geschützt sind vorm Abschuß, sind Junge. Die Waldhühner, Auer- und Dirkwild treten in die Balz. Die Winterletten der Feldhühner lösen sich auf, und die Paarzeit beginnt. Auch der Fasanenhahn läßt seinen rauhen Abruf Horen. Wenn er auch gesetzlich noch geschossen werden darf, so wäre es doch erwünscht, kenn wenigstens in unserer Gegend der 205- Mß eingestellt würde. Seitens des Vereins Hubertus bzw. einzelner Mitglieder sind im *£tonat Februar in den verschiedensten Revieren Fasanen, und zwar fast nur Hennen, auS- worden. Don dieser tatkräftigen Maßnahme zur Hebung des Besatzes werden alle Ediere etwas haben, wenn sie sich in gleicher ^ist an einer Hege und Pflege beteiligen. Reihzeit der Stockente hat begonnen, wird die .Märzente" mit dem Gelege beginnen. Einen besonderen Reiz verleiht dem März der »«fogel mit dem langen Gesicht", die Waldschnepfe. Eie befindet sich auf dem Rückzug aus ihren nordafrikan'.schen Winterquartieren und pflegt um die Monatsmitte unsere Gegend in größerer Zahl zu erreichen. Der Schnepfenstrich mit seiner Eigenart lockt den Jäger immer wieder hinaus in den abendlichen Frühlingswald. Er sollte die einzige Jagdart im Frühjahr bleiben. Auch die Wildtauben (die in Preußen schon Schonzeit haben) kehren zurück. Das Anspringen oder das Anheulen deS verliebten Minnesängers bringen keinen großen materiellen Gewinn, dafür viel weidmännisches Vergnügen. Der gewandte Schütze wird den März nicht vvrüberaehen lassem ohne in nassen Wiesen, oder an Fluß- und Dachrändern nach Bekassinen zu suchen. Der Raubvogelzug ist im Gang. Flug- spiele und Lockrufe künden die Paarungszeit an. Es scheint notwendig, immer wieder darauf hin« autoelfen, daß in Hessen sämtliche Raubvögel außer Habicht und Sperber das ganze Jahr hin- durch geschützt sind, und daß die halbjährige Schußzeit des Mäusebussards am 31. März abläuft. Verstöße gegen diese Bestimmungen des Raturschuhgesetzes können für den Schützen sehr unangenehme Folgen haben. Die Hauptfeinde der Riederjagd, auf deren Hege es im Frühjahr vor allem ankommt, sind nicht die Raubvögel, sondern Hund und Katze, Krähe und Wiesel. Der Schaden, den jagende Hunde nicht nur durch das Reißen von Wild, sondern auch durch das Hetzen und Beunruhigen der Reviere anrichten, ist so groß, daß Abwehr mit allen Mitteln geboten ist. Wer durch rücksichtsloses Herumlaufenlassen seines Hundes die Rechte deS Jagdpächters mißachtet, tann auf Rücksicht selbst keinen Ansprucy erheben. Gegenüber der Katzenplage, die Vogelwelt wie Riederjagd in gleicher Weise bedroht. bietet daS hessische Raturschuhgesetz wirksame Handhabe. Jagdschutzbeamte wie Jagdpäch- ter sind in gleicher Weise berechtigt, jede Katze, die mehr als 200 Meter vom nächsten bewohnten Hause entfernt ist, abzuschießen. Wenn in den nächsten Wochen die Brutkrähen sich einstellen, ist Gefahr im Verzug. Sollen nicht bei dem Deckungsmangel des Feldes Gelege und Jung- Hasen ihnen in Menge zum Opfer fallen, bann muß ihre Bekämpfung mit allen erlaubten Mit- teln sofort einsetzen. Ganz verkannt wird meist bei der heimlichen Lebensweise des Tieres der Schaden des Großwiesels, das Eier auf dem Boden wie auf dem Ast, Jungvöael und Junghasen in gleicher Weise mit seiner Mordgier bedroht. Da an eine wirksame Verminderung durch Abschuß nicht zu denken ist, kann nur die Falle helfen. Die Frühjahrsarbeit im Revier schafft die Grundlage für den Ausfall des Jagdjahres. Sie erfordert Mühe und Arbeit, bringt aber dem Jäger den schönsten Lohn, den Hegerlohn. HubertuS. Große Strafkammer Gießen. * Gießen, 28. Febr. Ein zwanzigjähriger Handlungsgehilfe hatte im vergangenen Jahre einen auf dem Felde sitzenden Kleeheuhaufen vorsätzlich in Brand gesetzt. Kein besonderes Motiv, sondern lediglich jugendlicher liebennut hatte ibn ju diesem verhängnisvollen Entschluß getrieben. Degen den Angeklagten, der in der heutigen Verhandlung auch das Verwerfliche seines Tuns eingesehen hat, wurde wegen Brandstiftung unter Zubilligung mildernder Umstände auf die gesetzlich zulässige Mindeststrafe von 6 Monat ©e- fgngniS erkannt. Mit Rücksicht auf die bisherige Unbestraftheit und das jugendliche 2llter deS Angeklagten und den nicht bedeutenden Wert der in Brand gesetzten landwirtschaftlichen Er- zeugnisse bewilligte das Gericht dem Angellag- ten bedingten Strafaufschub unter Setzung einer fünfjährige« Bewährungsfrist unter der weiteren 2hiflagc, innerhalb von zwei Monaten den angerichteten Schaden zu ersehen und an die Staatskasse eine Buße von 75 Mark zu zahlen. Unter Ausschluß der Oefsentlichkeit fand die Verhandlung gegen einen über 60jährigen Invaliden statt, der deS Sittlichkeitsverbrechens an schulpflichtigen Kindern angeklagt war. In Anbetracht der Gemeingefährlichkeit seines TunS wurde er zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt, und mit Rücksicht auf die bewiesene ehrlose Gesinnung ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von vier Jahren aberkannt. Daten für Freitag, 3. März. 1861: Alexander II. von Rußland hebt die ßeib« eigenschaft auf; — 1932: der Pianist und Komponist Eugen d'Lllbert in Riga gestorben. Das Uebersimikche - hier wird's Ereignis... Tatsachenberichte aus dem Hei* des Okkulten. Gesammelt und nacherzählt von F X Schlichters. IV. Geister und Gespenster. DaS „Llebersinnliche" — wenn dies Wort fällt, verbindet der heutige Mensch mit ihm meist automatisch zunächst einmal den Begriff: ... aha, Gespenstererscheinungen ... — und lächelt skeptisch. Immerhin ist der Glaube an Geister und Gespenster wohl so alt wie die Menschheit selbst. Der Zeugnisse dafür, daß es sich hier nicht lediglich um leere Phantasterei, sondern um — wenn auch immer noch unerforschte — Tatsächlichkeiten handle, sind Legion. Jegliche Stellungnahme des Einzelnen in positivem oder negativem Sinne ist natürlich stets Veranlassung und Privatsache. Immerhin sind die meisten der in diesem Zusammenhang guten Glaubens erzählten Geschehnisse von hohem Reiz. äleberschlagen wir die zahllosen Berichte aus Altertum und Mittelalter und beginnen wir mit dem erschütternden Bericht, den der Graf Karl von R o st i tz. Adjutant des Prinzen Louis Ferdinand, von einem Ereignis am Vorabend des Gefechts bei Saalfeld am 10. Oktober 1806 liefert Man sitzt im Schloß von Rudolstadt bei der Abendtafet Der Prinz ist außerordentlich frvh- llch: morgen beginnen die Feindseligkeiten; es geht endlich gegen die Franzosen; es gilt neuen Schlachtenruhm. Die Stunden verrinnen. Da schlägt die Schloßuhr Mitternacht „Mit dem zwölften Schlag", berichtet Rostih. „geschah eine sonderbare Veränderung mit der Person des Prinzen. Sein schönes Gesicht erbleichte seltsam, seine über die Tasten des Klaviers gleitenden Finger wurden steif, wie gekrampft; er fährt mit der Hand über die Augen, wendet sich zu mir, der diesem Zwischenfall mit Befremden zusah. und, mit einer raschen Bewegung eine Kerze ergreifend. stürzt er auf die Tür zu und verschwindet... Eilends den Schritten des Prinzen folgend, stürze ich mich auf die Tür zu. durch die er verschwunden ist. Sie führte auf einen langen Korridor, der als Ausgang nur eine Seitentür hatte, die in den Schloßhof hinausging. Da sah ich den Prinzen, der, die flackernde Kerze in der Hand, mit ruckweisen Schritten einer in einen Schleier von ausfallender Weise gehüllten menschlichen Gestalt folgte. Dieses phantastische Wesen entfernte sich, ohne surchtvolle Hast zu zeigen: am äußersten Ende der Galerie angekommen, verschwand die Erscheinung. Es gab, das wußte ich, dort keine Tür. Dieses geheimnisvolle Verschwinden setzte mich in Erstaunen. Der Prinz aber begann zu untersuchen, ob nicht doch eine geheime Tür zu finden sei. aber nichts... nichts! Da näherte ich mich ihm, um ihm bei der Untersuchung zu helfen. Bei meinem Anblick zitterte er: „Rostitz! Hast du gesehen?" — „3a“, antwortete ich mit der größten Kaltblütigkeit, „ich habe eine ganz in Weiß gekleidete Frau gesehen, die Eure Hoheit..." Er ließ mir nicht Zeit zu enden. „Es ist also kein Traum! Ja. ich habe sie gesehen... es ist die Weiße Frau...!" — Ich wollte mich vergewissern, ob ich nicht ebenso wie der Prinz unter dem Eindruck einer Illusion gestanden, uno lief zur Wache, um mich zu informieren, ob jemand seit einer Viertelstunde hereingekommen sei. „Ich habe", antwortete der Soldat, „einen mit einem weißen Mantel umhüllten Mann gesehen. Habe ich Llnrecht getan, ihn vorbeizulassen? Ich hatte keine Instruktion, Offiziere anzuhalten, und den, der hereinkam, habe ich nach seinem weißen Mantel für einen sächsischen Offizier gehalten." — Kein Zweifel mehr. Es war Wirklichkeit. Der Prinz, der mit älngebulö Die Antwort des Postens erwartete, hatte seine Kaltblütigkeit wiedergewonnen. „Schweigen!" sagte er zzu mir, „Schweigen auf ewig!" Unö er betrat den Gaal wieder, ohne irgend jemandes Aufmerksamkeit zw erregen. Am Morgen beginnt der Vormarsch. Ungeduldig, sich an der Spitze der Truppen zu eßen, stachle der Prinz sein Pferd an. Ich olgte ihm unmittelbar. Plötzlich bemerkte ich am Rande des Weges eine grau von sonderbarem Aussehen- Sie faß auf einem Rasen- Hügel und verbarg ihr Gesicht unter einem weißen Schleier... War es erstaunlich, daß eine Frau, eine Mutter ohne Zweifel, Tränen vergoß? ... Aber wie groß war mein Erstaunen, als der Prinz sein Pferd hastig anhielt, sich zu mir umwandte und ruckweise hervorstieß: „Rostitz! Wieder diese Frau! Die Weiße grau verfolgt mich!" Dann jagte er im Galopp vorwärts, wie um sich der Macht dieses geheimnisvollen Wesens zu entziehen. Ich näherte mich b:n Soldaten, um von ihnen eine Aufklärung zu erlangen. ..Hast du eine grau in einem großen weißen Schleier gesehen?" — „Ja, Lieutenant, sie hatte ich keine großen Toilettenunkosten gemacht ... ie ist nicht mehr da ... wahrscheinlich schämt sie ich ihres Rachtlleides ..." Am gleichen Tage stirbt Prinz Louis Ferdinand den Heldentod; Graf Rostitz wird schwer verwundet. — Die Weiße Frau, das „Familiengespenst" der Hoheyzollern, hatte dem Prinzen den Tod gemeldet ... Halten wir uns eine Weile an die Dichter — sie müssen dem Uebersinnlichen näherstehen als die gewöhnlichen Sterblichen ... Da ist zum Beispiel Eichendorfs. Gertrud Storm, die Tochter des Dichters Theodor Storm, weiß zu berichten, daß Eichendorfs ihrem Vater geschworen habe, das nachfolgende Erlebnis sei strenge Wick- lichkeit und Wahrheit: Eichendorfs wohnte in seiner Jugend auf einem alten Schloß — nämlich In Lubkowitz bei Rati- bor in Oberschlesien —, nicht weit von ihm hauste gleichfalls auf einem alten Schloß sein Freund, ein junger Gras. Im Winter kamen die beiden mit anderen jungen Männern allw^ent- lich mal auf dem einen mal auf dem aiTOcren, Schloß abends zusammen. Rachdem dabei des öfteren von einem Spuk Im Schloß des Grasen die Rede gewesen, schlug dieser den gteinben vor, das nächstemal gemeinsam zu versuchen, der Sache aus den Grund zu kommen. — Dann war ein stürmischer Abend, als der junge Gras, kurz vor Mitternacht sich erhob und die Tafelrunde aufforderte, ihm zu folgen. Man verließ ben dunkelgetäfelten Speisefaal und schritt durch hallende Gänge, bis man an eine Treppe gelangte, die alle Stockwerke verband. 3m untersten war neben der Treppe eine hohe, eisenbeschlagene Tür, von der der junge Graf versicherte, 6aß sie an die hundert Jahre von keiner Menschenhand geöffnet worden fei, baß sie sich aber in Winternächten zuweilen leise offne, um eine schlanke Frauengestalt heraustreten zu lassen, die dann leichten Fußes die Treppe hinaufeile und oben verschwinde. 3etzt wolle man warten, ob sie heute etwa sich zeige. Zwischen Tür und Treppe stehend, verharren die Freunde, mit gedämpfter Stimme nur wenig und von gleichgültigen Dingen plaudernd, im Kerzenschein deS Leuchters, den ein junger, an dem Tag erst eingetretener Diener hochhält. Da fühlt Eichendorfs, der sich leicht an Die Tür gelehnt hatte, daß diese hinter ihm zurückweicht, und nun sehen alle eine heraustretende schlanke Frauengestalt, ganz in Grau gekleidet Und das Haupt von einem grauen Schleier verhüllt. Sie eilt an ihnen vorüber leichtfüßig die Treppe hinauf, der junge Diener aber, von keinem Spuk wissend, überholt sie behende, um der Dame vorzu- leuchten. Da, wo die Treppe sich teilt, will der Diener nach links, die Dame aber macht mit ihrer schlanken weißen Hand eine Bewegung nach rechts, jener wendet sich und leuchtet ihr weiter voran, und beide entschwinden ben Blicken der unten Zurückgebliebenen. Plötzlich durchgellt, wie in höchster Todesnot ausgestoßen, ein fürchterlicher Schrei das weite Treppenhaus' und der schwanke Kerzenschein ist von der finstersten Finsternis verschlungen. — Die jungen Männer am Fuß der Treppe erstarren in namenlosem Grauen. Eichendorfs ist der erste, der sich so weit faßt; um sich zum Saal zurückzutasten und einen andern, dort noch mit brennenden Kerzen stehenden Leuchter zu holen. Oben finden sie den jungen Diener, den Leuchter noch in der Rechten, auf dem Boden liegend, tot, den Ausdruck fürchterlichen Entsetzens im Antlitz. Von der grauengestalt keine Spur. Sie tragen den Toten hinab, und in dem Augenblick, da sie unten an- langen, schließt die geheimnisvolle Tür sich leise wieder zu ... Ein anderer Dichter, Eduard M ö r i k e, Pfarrer zu Cleversulzbach, notiert über einen Spuk in seinem Pfarrhaus folgendes in feinem Tagebuch: Vom 19. bis 30. August 1834. 3ch fange an zu glauben, daß jene „Siebente Tatsache" Grund haben möge. Zweierlei ist's vorzüglich, was mir ausfällt. Ein Fallen und Rollen, wie von einer kleinen Kugel unter meiner Bettstatt hervor, das ich bei hellem Wachen und völliger Gemütsruhe mehrmals vernahm, und wovon ich bei Tage trotz allem Rachsuchen keine natürliche Ursache finden konnte. Gobann, daß ich einmal mitten in einem harmlosen, unbedeutenden Traum plötzlich mit einem sonderbaren Schrecken erweckt wurde, wobei mein Blick zugleich auf einen hellen, länglichten Schein unwett der Kammertür fiel, welcher nach einigen Sekunden verschwand. Weder der Mond noch ein anderes Licht kann mich getäuscht ßa6en. Auch muß ich bemerken, baß ich bereits früher währenb eines gleichgültigen Traumes durch die grauenhafte Empfindung geweckt wurde, als legte sich ein fremder harter Körper in meine Hüfte auf. die bloße Haut. 3ch machte mir damals nichts weiter daraus und war geneigt, es etwa einem Krampfe zuzuschreiben, woran ich freilich sonst nicht litt. Indes hat mir ein hiesiger Bürger, der ehrliche Balthasar Hermann, etwas ganz Aehnliches erzählt, daS ihm vor 3ahren im Haus widerfuhr. Herr Pfarrer Hochstetter ließ nämlich, so oft er mit feiner Familie auf mehrere Tage verreiste, diesen Mann, der ebenso unerschrocken als rechtschaffen ist, deS RachtS im Hause liegen, damit es etwa gegen Einbruch usw. geschützt sein möge, und zwar quartierte er ben Mann in jenes Zimmer auf der Gartenseite, worin nachher mein Bruder soviel beunruhigt wurde. Einst nun, da Hermann ganz allein im wohlverschlossenen Hause lag (die Magd schlief bei Bekannten ifn Dorfe) und sich nur eben zu Bette gelegt hatte, fühlte er, vollkommen wach, wie er noch war, mit einem Male eine getoaltfame Berührung an der linken Seite auf der bloßen Haut, als wäre ihm ein fremder Gegenstand, „fo rauh wie Baumrinde", unter das Hemd gefahren, wie um ihn um den Leib zu packen. Die Empfindung war schmerzhaft, er fuhr auf und spürte nichts mehr. Die Sache wiederholte sich nach wenigen Minuten, er stand auf und ging, ich weiß nicht mehr in welcher Absicht, auf kurze Zeit nach HauS, kam wieder und blieb ungestört diese Rächt. — Inzwischen baden auch die Meinigen mehr oder weniger Auffallendes gehört... Dieser Spuk hat sich, mit geheimnisvollen Erscheinungen, fortgesetzt, so lange Mörike daS .verwunschene" Pfarrhaus bewohnte... (Fortsetzung folgt.) SJ.-fpor/ Gpielvereinigung 1900 Gießen. 1900 unterliegt in Dehlar. Die Niederlage der Blauweißen geht in Ordnung. Man hatte sich schon im voraus keinen allzu großen Hoffnungen hingegeben, zudem die Spielvereinigung ohne Torwart, Schlarb, Heilmann und Henrichs antreten mußte. Der Gastgeber Wetzlar dagegen hatte feine spielstärkste Mannschaft zur Stelle, die auch em wirkliches gutes Spiel lieferte. Die Gießener Vertretung war dabei noch nicht einmal schlecht. Das Spiel gestaltete sich sehr spannend. Es wurde sehr fair gekämpft. 1900 zeigte bis zum Wechsel die präzisere und flachere Zusammenarbeit, fiel aber nach der Pause merklich ab. Man kann den Stürmern auch nicht nachsagen, daß sie nicht schußfreudig gewesen wären. Im Wetzlarer Tor stand aber ein vorzüalicher Hüter. An sich gibt das Halbzeitresultat (1:0 für Wetzlar) bis dahin den Verlauf nicht richtig wieder. Eine 1 ^-Führung der Gießener wäre wohl eher den Geschehnissen auf dem Spielfeld gerecht geworden. Nach dem Seitenwechsel ließ vor allem Zeiler (1900) bedenklich nach uyd brachte dadurch Verwirrung in die eigene Läuferreihe. 2)er schwächste Mann im Feld war von Anbeginn an Best auf Linksaußen. Beiderseits wurden zahllose Chancen ausgelassen. Die Gießener Stürmer überboten sich darin^Selbst einen Foulelfmeter schoß Zeiler auf den Tormann. Der Ersatztormann Fischer (1900) war an einigen Treffern nicht schuldlos. Bei Gießen die Besten Luft, Schmidt und Göbel, bei Wetzlar Diehl, Wohlgemuth, die Gebrüder Benner und Torwart Debus. Nach dem Wechsel hatte Wetzlar mehr vom Spiel und kam in der letzten halben Stunde zu vier weiteren Erfolgen. Endresultat 5:0 für Wetzlar. Schiedsrichter Spurt- Butzbach leitete zufriedenstellend. 1900 II — Watzenborn-Steinberg 1 0:9 (0:3). Auch in diesem Spiel schwanden für die Gießener alle Aussichten auf Sieg, da 6 Spieler der etatsmäßigen Elf ersetzt werden mußten. Dem Rest mangelte es an jedem Verständnis. Alle Bemühungen, die Niederlage einigermaßen erträglich zu gestalten, scheiterten an den wirklich guten Können der Steinberger, deren Sieg verdient war. Grohenvuseck I — 1900 III 2:0 (1:0). Die Gießener waren in starker Aufstellung ange- treten, fanden sich aber auf dem Boden nicht zurecht. Der Treffer vor der Pause resultierte aus einem Elfmeter. Einen weiteren hielt Brambach (1900) ausgezeichnet. Tisch-Tennis der Sp.-Dg. 1900. 1900 II — Gymnasium 8:4. Dieser Tage standen sich die Mannschaft des Gymnasiums und 1900s zweite Garnitur im Turnier gegenüber. Die Spieloereinigungsleute hatten zwar nicht ihre beste Mannschaft zur Stelle, konnten jedoch den Kampf sicher für sich entscheiden. Nachstehend die Ergebnisse (1900 jeweils zuerst genannt): Einzel: Reichel — Hildebrandt 21:16, 20:22, 21:19, 21:10; Oelemann — H. Gros 17:21, 21:17, 17:21, 19:21; Götz — H. Gros 19:21, 15:21, 21:19, 18:21; Meyerhofs — Wertheim 16:21, 20:22, 23:25; Kurt Schmidt — Knauß 21:16, 21:6, 21:11; Gustav Koch — Lenzer 21:12, 21:18, 21:11; Frz. Koch gegen Krausch 21:15, 21:14, 8:21, 21:17; G. Gros gegen Brams I6:tz1, 22:24, 17:21. Doppel: Meyerhoff-Oelemann — Hildebrandt» H. Gros 21:23, 21:10, 21:15, 21:17; Reichel-Götz gegen H. Gros-Wertheim 21:19, 19:21, 21:15, 21:19; Gust. Koch-Kurt Schmidt — Knauß-Lenzer 21:15, 21:12, 21:16; Frz. Koch-G. Gros — Krausch-Brams 21:16, 8:21, 21:18, 21:16. Sportverein 1928 Garbenieich. Garbenteich I — wiefeck I 5:0 (2:0). Der Sportverein Garbenteich hatte am Sonntag die 1. Mannschaft des Turnvereins Wie- seck zum Verbandsspielgegner. Beide Mannschaften traten in kompletter Ausstellung an. Die Plah- befitzer liefen zu Hochform auf. Das Ergebnis sonntäglichen Spieles entspricht dem Spielverlauf. Wiesecks beste Kraft war der Schlußmann, der seine Mannschaft vor einer höheren Niederlage bewahrte. Garbenteich konnte zwei wertvolle Punkte buchen. Handball im Gau Hessen (O.T.) Lang-Göns I — Hochelheim I 6:3 (4.2). Die erste Elf des Tv. Lang-Göns hatte am Sonntag die erste des To. Hochelheim (Gruppenbester der 8-Klasse) zu Gast. Zunächst sah man forsche Angriffe auf beiden Seiten. Erfolge blieben aber versagt. Noch geraumer Zeit erst ging Lang-Göns in Führung. Der Gegner lieferte aber eine gleichwertige Partie, blieb aber immer noch ohne Erfolg, während der Gastgeber noch dreimal einsenden konnte. Erst gegen Schluß der ersten Halbzeit konnte Hochelheim zwei Tore aufholen. Nach der Pause erhöhten die Platzbesitzer auf 5:2, dann stellten die Gäste die alte Tordifferenz wieder her. Die Gastgeber vermochten kurz vor Schluß noch ein 6. Tor zu verwandeln. Das Spiel litt unter den schlechten Bodenverhältnissen. * Großen-Linden I — Hörnsheim I 3:2. Als der Schiedsrichter das Spiel anpfiff, befand sich das Spielfeld in einer so schlechten Verfassung, daß er es für spielunfähig erklärte. Auf Wunsch der Spieler einigte man sich trotzdem auf eine Spielzeit von 2X20 Minuten. Unter den bestehenden Umständen konnte sich kein reguläres Spiel entwickeln und nur die glücklichere Mannschaft wurde Sieger. Turngau Lahn-Oünsberg. Verlegung des Hallenturnens in Londorf. Das auf den 12. März angesehte Hallen-Ge- räteturnen in Londorf mußte infolge des auf diesen Tag festgesetzten Volkstrauertages verschoben werden. Als neuer Austragungstermin wurde der 26. März bestimmt. * Durch den Gau werden zur Zeit in den einr Seinen Vereinen Spielmannszüge ausgebildet. Da die Sache von feiten des Gaues betrieben wird, legt man sehr viel Wert auf einheitliche Ausbildung, um bei späteren Gauveranstaltungen die einzelnen Züge zu einer Gaukapelle zu vereinigen. Launsbach (komb.) — Rodheim a. b. D. (komb.) 17:3 (5:2). Die Gäste traten stark ersatzgeschwächt mit nur acht Mann an und konnten bis zur Pause noch einigermaßen Widerstand leisten. Rach dem Wechsel spielte der Platzbesitzer völlig überlegen und erzielte in regelmäßigen Abständen 17 Tore. Deutsche Zweierbob-Meisterschaft. Auf der Docksberg-Vahn in Hahnenklee wurde am Montag auch die deutsche Zweierbob-Meisterschaft entschieden. Die Veranstaltung war von bestem Wetter begünstigt, jedoch verwehte ein steifer Südost den oberen Teil der 1500 Meter langen Bahn, die dicke Schneelage machte den neun beteiligten Schlitten ziemlich zu schaffen. Rach dem Vorlaus wurden gleich anschließend die beiden Rennläufe ausgetragen. Recht erfolgreich waren wieder die Vertreter des Berliner Schlittschuh- Clubs, die auf den Titel und die weiteren beiden Plätze Beschlag legten. Der Berliner Bob„Fram- frau" mit Hauptmann Zahn als Führer und Hop- mann an der Bremse fuhr bereits bei der ersten Fahrt mit 1:38,8 die schnellste Zeit für einen Lauf heraus und hatte mit einer Gesamtzeit von 3:18,6 Sieg und Meisterschaft sicher. Abschlußspringen in Ruhestein. Eine Reihe der an den Deutschen Meisterschaften beteiligten Springer gingen noch am Dienstag an dem Abschlußspringen auf der umgebauten und verbesserten Schanze auf dem Ruhestein im nördlichen Schwarzwald an den Start. Bei schönem Wetter und vor einer großen Zuschauerzahl gab es sehr gute Leistungen. Die größten Weiten und die schönste Haltung zeigte der Thüringer Erich R e d n a g e l, der auch als überlegener Sieger aus dem Wettbewerb hervorging. Famos im Stil war auch der Oberhofer Jung» mann Marr, der mit Ausnahme von Rednagel mit einer weit besseren Rote bewertet wurde, als die übrigen Senioren. Kanada schlägt Europa im Eishockey 2:0. Einen fesselnden Kampf lieferten sich am Montag im Prager Eisstadion die Eishockeymannschaften von Europa und Kanada. Die europäische Mannschaft setzte sich aus Spielern der Tschechoslowakei und der Schweiz zusammen, während Kanada durch die Toronto Nationals vertreten wurde. In der Europa-Mannschaft wirkte außerdem der in Zürich lebende Kanadier Dr. Watson, der neben Trautenberg-Oesterreich ein ganz hervorragendes Spiel lieferte, mit. In den beiden ersten Dritteln waren die Kanadier durch Chrisholm und Kerr je einmal erfolgreich. Der letzte Spielabschnitt verlief trotz verzweifelter Anstrengungen der europäischen Mann- schäft torlos, so daß die Begegnung mit einem 2:0- Sieg der Kanadier endete. Kurze Sporinotizen. An den Europameisterschaften der Amateurringer vom 17. bis 20. März in Helsingfors nehmen 14 Rationen teil, darunter auch Deutschland, das fünf Ringer entsendet. Möller und Sawall vertreten die deutschen Interessen bei der internationalen Wintermeisterschaft der Dauerfahrer, die am kommenden Sonntag in Paris durchgeführt wird. * Für die Fußball - Weltmeisterschaft 1 9 3 4 liegen jetzt die Meldungen von 24 Ländern vor, nachdem auch noch Luxemburg. Aegypten, Polen, Schweden und Irland genannt haben. Das Tennisturnier in Beaulieu wurde mit dem Endspiel im Gemischten Doppel beendigt. Cilly Außem-Doussus unterlagen gegen Miß Ryan-Maier mit 5:7, 3:6. • Die Hollmenkollen - Rennen wurden am Mittwoch mit dem 50-Kilometer-Dauerlauf eingeleitet, an dem die deutsche Mannschaft noch nicht teilnahm. Sieger blieb der Rorweger Vestad in 3:38,25 Stunden vor seinen Landsleuten Ryen und Rordjellmark. Wirtschaft. • Siemens - Generalversammlungen. In den Generalversammlungen der Siemens & Halske AG. und der Siemens-Schudert- Werke AG. wurden die Abschlüsse für das am 30. September 1932 beendete Geschäftsjahr einstimmig genehmigt. Die Siemens & Halske°AG. verteilte eine Dividende von 7 Prozent (gegen 9 Prozent i. 03. und 14 Prozent für 1929/30), die Siemens-Schudert-Werke-AG. bleibt wie im Vorjahre dividendenlos. Die Aufsichtsräte wurden in ihrer bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. • Ilse Bergbau AG., Grube Ilse R.-L. Der Aufsichtsrat der Ilse Bergbau AG.. Grube Ilse R.-L., beschloß, der auf den 6. April einzuberufenden Generalversammlung die Verteilung einer Dividende von 6 (7) Prozent auf die Stammaktien und Genuhscheine und von wieder 6 Prozent auf die Vorzugsaktien für 1932 vorzuschlagen. • Konkurse und Vergleichsverfahren im Februar. Rach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes wurden im Monat Februar 1933 durch den Reichsanzeiger 475 neue Konkurse — ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 179 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 539 bzw. 194. Frankfurter Abendbörse ruhig. Frankfurt a. M., 1. März. Die Abendbörse hatte mangels Anregungen nur sehr kleines Geschäft, zumal die Auslandbörsen heute kaum veränderte Kurse meldeten. Die Kundschaft fehlte vollkommen. Auch die Kulisse übte im Hinblid auf das Räherrüden des Wahltages starke Zurückhaltung. Don den Papieren, die anfangs zur Rotiz kamen, lagen IG.-Farben zunächst unverändert, im Verlaufe gaben sie aber um 0,25 Prozent auf 108,9 Prozent nach. Gesfürel verloren 0,75 Prozent, während andererseits Rheinstahl 0,4 Prozent und Harpener Bergbau 0,9 Prozent höher tendierten. Im übrigen blieben die Kurse im Vergleich zum Berliner Schluß meist behauptet. Aschaffenburger Zellstoff kamen, nachdem heute mittag kein Kurs zustande gekommen war, mit 19,50 gegen die letzte Rotiz um 4,50 Prozent schwächer zur amtlichen Feststellung. Auch der Rentenmarkt stagnierte nahezu vollkommen. Reichsaltbesitzanleihe lagen um Bruchteile eines Prozentes höher, späte Reichsschuldbuchforderungen stellten sich unverändert 76,39 Prozent. Altbesitz 69, Reubesitz 8,90, Schutzgebietsanleihe 6,10, 6proz. Stahlverein-Bonds 66, Reichsbahn-VA. 94,50, Reichsbank 146, Härpener 85,50, Rheinstahl 74,25, Stahlverein 34, Aku 35,50 bis 35,75, Bemberg 40, Bekula 119,75, AEG. 30, Scheideanstalt 157,50, Conti-Gummi 123, Licht 'und Kraft 90,2$, IG.-Farben 109,10 bis 108,90, Gesfürel 76,75, Holzmann 48, Lahmeyer 115,75, Rütgerswerke 42, L. Tietz 34, Hapag 16,75. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. OH., 1. März. Auf Grund der Schwäche der beiden letzten Tage an der Berliner Börse herrschte heute stärkere Zurückhaltung und die Stimmung war etwas gedrückt. Weizen gab 2,50 Mk. nach, im übrigen blieben die Preise unverändert. Das Geschäft war sehr gering, zumal auch der Mehlmarkt keine Anregung bot. Das Angebot hielt sich allerdings in engen Grenzen, und die Grundtendenz war infolge der Reuankündigung von Agrarmatznahmen freundlich. Am Futtermittelmarkt blieb die Stimmung fest, besonders Treber waren gefragt. Weizen 214 bis 215, Roggen 170, Sommergerste für Brauzwecke 180 bis 182,50, Hafer 140 bis 142,50, Weizenmehl südd. und Niederrhein. Spez. 0 30,50 bis 31,50, Roggenmehl 60proz. Ausmahlung 23,75 bis 24,75, Weizenkleie 8,10, Roggenkleie 8,50 bis 8,60. Die Preise verstehen sich für Getreide je Tonne, für alles übrige je 100 Kilogramm in Mark, Frachtverrechnung Frankfurt a. M. für alsbaldige Lieferung. Frankfurter P'erdemarkt. F r a n f f u rt a. OH., 1. März. Bei Eröffnung des Pferdemarktes vom 27. Februar standen 200 Pferde zum Verkauf und weitere rund 100 Stück wurden im Laufe des Vormittags angetrieben. Die Rachfrage nach Schlachttieren setzte befriedigend ein und es konnte ein Marktpreis von 23 bis 24 Mk. für erste Qualität und 12 bis 13 Mk. pro Zentner für zweite Qualität festgesetzt werden. Bei den Gebrauchspferden war die Rach- frage auch lebhafter und die volljährigen mittel- schweren Pferde zogen im Preise an. Für Hunsrücker Arbeitspferde wurden im Paar 1200 bis 1300 Mk. bezahlt; einzelne schwere Pferde gleichen Schlages 700 bis 8Q0 Mk. je nach Beschaffenheit. — Der nächste Pferdemarkt findet am 27. März statt. Schweinemarkt in Friedberg. WER. Friedberg, l.März. Bei flottem Handel wurde der Auftrieb von 251 Ferkeln auf dem heutigen Schweinemarct restlos verkauft. Es wurden bezahlt: Bis 6 Wochen alte Tiere 15 bis 19 Mark, 6 bis 8 Wochen ulie 19 bis 22 Mack 8 bis 12 Wochen alte 22 bis 26 Mark. Gewlnnouszvg 5. Klasse 40. Preuß-Eüddeussche (266. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 18. Ziehungslag 28. Februar 1933 3n der heutigen Vvrmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 204214 6 (s-ewinne »» 0000 M. 142795 165127 198855 339229 26 Gewinne >e 3000 M. 19644 53569 61605 74943 113104 168599 201332 225334 231074 257096 257147 329108 367035 54 Gen, nne ju 2000 M. 29650 30490 34352 35876 39320 67160 69556 71348 73315 75386 76081 156757 182544 189581 193863 211813 256763 265726 273183 305004 309507 311091 311365 318761 346699 366072 388202 78 Gewinn, ,n 1000 M. 1945 7678 14635 15604 31195 43571 49818 51789 114025 127983 141372 143402 144540 173173 177607 193248 193612 195679 202327 203948 208407 209792 215776 230373 235188 236014 242250 255928 258955 265693 285313 291505 297052 311644 331460 345276 359575 382315 387841 202 Gewinne >n 500 M. 2329 2692 7261 15715 16616 17596 17621 19452 20226 34084 34169 40438 43335 43953 44540 49974 59730 66001 75035 75824 79246 84132 89953 95686 98054 106832 109693 110974 111030 115672 118225 122082 122785 124984 128942 129675 137674 139764 143203 145669 146154 151201 152534 160178 164848 174546 176398 178457 179113 182542 185348 186414 191541 192426 193695 196113 196728 211023 215171 217773 220718 227544 227559 232506 243409 249877 253870 255384 257422 266618 267704 269128 276077 281157 283416 299818 309260 313056 318566 326511 338555 342683 343357 344837 345073 349488 351418 351870 354147 356601 356921 365783 368580 369643 374064 374270 377811 380476 383645 389562 398162 ön der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinn, zu 100000 M. 197348 12 Gewinn, .o 5000 Q2L 13572 163894 253362 268260 287602 321666 16 Gewinn, »u 3000 M. 6346 38582 52942 130223 134163 170164 203239 300843 62 Gewinne iu 2000 M. 16909 26623 38513 59140 91365 97109 104259 105336 108060 121174 170245 182136 188256 209025 221333 253305 290855 317080 335626 345253 354221 356453 361750 251342 309393 356788 178162 229377 240537 265404 296103 316332 353615 391041 259917 320453 362782 213166 240021 293681 352984 393915 208139 228907 278072 321638 378889 148283 163158 185878 232306 244631 278096 309851 321929 366223 212465 229177 283129 334896 385897 148566 173600 195101 232726 244698 287403 313390 325625 383928 213040 237242 285826 346649 176690 217326 239715 254058 294685 315193 342317 390848 185109 230112 242480 277592 305917 321636 355442 393021 154748 175297 200003 239507 245262 289648 314583 333386 390327 371355 393633 394100 94 Gewinn, >u 1000 7337 11152 11659 13992 392880 ------ 500 SQL 26572 33783 35436 37572 146 Gewinn« »u---— ------------------- 44175 62766 72587 73273 87645 97216 97424 97990 98049 101529 104012 115569 115793 126678 142858 ------ ------ 155039 161111 162022 15567 18270 25126 31250 41181 45447 51634 64297 70257 73827 75663 140894 156141 163886 205781 ...... ...... ..........— 218652 218949 Im Gewinnrade verblieben: 2 Prämien zu je 500000, 2 Gewinne zu je 100000, 2 zu je 75000, 4 zu je 50000, 18 zu je 25000, 78 zu je lOOUO, 194 zu je 5000, 360 zu je 3000, 1090 zu je 2 «0, 2232 zu je 1000, 3646 zu je 500, 10618 zu je 400, u. 100 Schlußvrämien zu je 3(XX) M. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe* der zulegi beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H.. Lombardzinsfuß 5 v. H. Jrontiun a. 211. 25ernn Schluß- kurs Schluß!. Abend« börl Schluß» rurd Schluß!. Mittag» btttse Datum 28.2 1-3. 28-2- 1.3. 6% Deuriche Neichoaniethe o. 1921 77 25 77,75 77,5 78 «% ebem.7% Dt.Reichsanl. v. 1929 92 92 25 92,4 92,25 5%% ®ounfl"2lnleihe öon 1930 .. 79.25 80 79 Deutsche Anl.,Ablos..Schuld mii Auülos.-Reckten ........... 68,25 69 68,4 69,13 DeSgl. ohne Sluslos.-Reckte...... 8.675 8.9 8.65 8,85 6% ehern. 8% Hess. Bolksstaat 1929 trückzahlb 102%) .......... 76 76,5 76 76,5 Oberhessen Provinz - Anleihe mli Ausiol.-Rechlen ......... 64 Deutsche Komm. Sammelab l.An leihe Seriel mit Auslos.-Rechten 61,65 62,13 61,4 61,75 6% ehem. 8% firattff. Hyp.-Bant Golvpse. 15 unkündbar bis 1935 84 83,75 8% ehem. 7% stranls. Hyp.-Ban! Äokdvfe. 16 unkündbar bis 1936 83,5 _ y/1% ebem. «'/,% Tsranks. Hyp. Bank-Ltau.-Psandbriese ..... 85,4 85,4 _ 6%% ehem. 4VZ% Rheinische Hyp.-Bank-Liau.-Goldpse. 85 85 - 6% ehem. 8% Pr. Landeöpsand brietanstatt, Pfandbriefe R. 19 83,5 83,5 83.75 83,75 6% ehem. 7% Pr. Landespfand briekanstatt, Dtandbriefe R. 10 84 84 4% Oeslerretchtlcke Goloreme... 4,20% Oefterretcktlche Eiiberrente 13,85 14,25 14,25 — — 1,25 1.3 4% Ungarische Goldrente .. — — — 4% Ungarische Staatsrenre v. 1910 — — — — 4%% desgl. von 1913 ..... 6% abgelt. Goldmettlaner von 99 — — — — 6 6 — 6,35 4% Türkische Zollanleihe von 1911 i,2 5,15 5,35 5,35 4% Türkische Bagbadbahn-Anleihe Serie l ................ — _ 5,5 5,4 4% desgl. Serie II ............ 5,6 5,5 5,5 5,55 5% (Human, vereinh. Rente v. 1903 6.9 6,9 — 4Vi°/<,RumSn.veretnh.Renlev. 1913 10,5 10,4 — — 4% Rumänische v-reinh. Rente .. 5,5 5,5 5,25 5,5 B%% aaatflltei ............... 25 25,5 25.13 25,6 ,viani,ur, u. ^-1 äeriui Eckluß- kurs Echmßk. Abend- bSrle Schluß» kurs St-Iußk. Mittag» börse Datum 28.2. 1.3. 28.2. 1.3. Hamvurg-Ämerika-Pate: ..... Hamburg-Sudam. Dampfschiff. ( 16,5 16,75 16.75 16,75 0 — Hansa Dampfschiff........... 0 — — — 30 Norddeutscker Lloyd ......... 0 16,75 17 17 17,25 21G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 40,25 40 40,25 40 Berliner Handelsgesellschaft.... .1 97 97 97,25 53,5 97,25 Commerz, und Privai-Bank... 0 53 53 53,5 Deutsche Bank und DtScont» Gesellschaft................ Dresdner Bank.............. 0 70 70,5 70 70,5 0 61,5 61,5 61,5 61,5 Retchsbank ................. 1 147 146 146 146,5 A.E.G...................... 0 29,4 30 29,13 30 Elektr. LteserungSgesellschaft ... b 78 79,25 77 79 Licht und Kraft ............ 6 30,25 90,25 90 90 Reiten & Guilleaume ........ 0 51 51 51.75 51,75 Gesellschaft für Elektrische Unter- nehmungen.............. 4 75,75 76,75 76 77,5 Rheinische Elektrizität ........ 6 95 95,5 95,5 — Schucken L Eo.............. 0 83,65 84,25 83,65 85,65 Siemens & Halske........... 9 135 136,5 135 136,65 Lahmeyer & (£o.............. 10 116 115.75 115,75 116 iRuberue ................... 0 46 45,5 45 _ Deutsche Erdöl ............. 4 88,75' 89 88,65 88,75 Gelsenkirchener.............. 0 57 57 56,13 57,25 Harpener........ 0 84 85,5 84 84,65 Hoelch Eilen—Sölu-Neuessen.. v — — 53 54 91|e Bergbau ............. 7 — —■ Slfe Bergbau Genüsse........ 7 102 101,75 102,4 102 Klocknerwerke .............. 0 45 43.25 43,25 43,5 ManneSmann-Röhren........ 0 58 58 57,75 57,75 Mansselder Bergbau ......... 0 23,5 23,5 23,4 23,9 Lberschles. Kokswerke......... 0 68 68.25 Pbönir Bergbau............. 0 33,4 33,75 39 33,65 Rheinische Braunkohlen ...... 10 202 201 202 202 Sthetnslohl.................. 0 72,65 74,25 73 73,9 Hronksurt o.M. Berlin Schluß« kurs Schluß!. Abenv« börl- Sch uß» für# Schluss. Mi log» bSr e Dalum 28-2. 1.3. 28.2. 13. Bereinigte Statilroerfe........ 0 33.5 34 33,75 34,25 Ltavi Minen ............... 0 14,5 13,5 14,25 14 Kaliwerke Aschersleben........ 6 H1,5 112,5 111,5 113 Kaliwerke Westeregeln........ 6 114,5 115,75 114,25 116 Kaliwerke Salzdetfurth....... 9 170 169 169 169 3 G. Farben.Jndustrte....... 7 108 13 108,9 108,13 109,13 Scketdeansialt............... vO 157,5 157,5 Goldschmidt ................ 0 36,5 36,75 36 36,75 Rütgerswerke ............... 0 41,75. 42 41,75 41.9 Metallgelellschast............. 0 34 33,75 34 Philipp Hohmann........... 0 47,5 48 47,75 48 Zementwerk Heidelberg ...... 4 50 50 Zementwerk Karlstadt......... 0 — — Wayß & Freytag ............ 0 4,13 4 — — Schultheis Patzendoser........ 0 _ 100,5 99,75 Aku (Allgemeine Kunstseide) ... 0 34 35,75 34 35,4 Bemberg ............... 0 40 40 39,25 40 Zellstvft Waldho« ............ 0 48 48 48 48 ßellstoss Aschaffenburg ....... 0 19,5 Dellauer GaS .............. 7 —— H2,25 112,25 Daimler Motoren............ Deutsche Linoleum .......... 0 23,25 23,5 23,65 23,75 0 34,75 35,4 35.13 35,5 Orenlletn & Koppel .......... 0 39 38,75 Leonhard Tietz.............. 6 34,5 34 35 Lhade...................... 12 124 124 124 124,25 Gritzner.................... 0 25,75 25,5 25,25 26 Mainkraftwerke Höchst a.K. ... < 67.5 67 Süddeutscher Zucker ......... e 145 143,25 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a M 28 Februar l.März Amtliche Xolierunu Amiucke Geld Dotierung Brie fi'eie Eric Helstngsors.. 6,374 6,386 6,364 6,376 Wien...... 48,45 48,55 48.45 48,55 Prag...... 12.465 12.485 12,465 12,485 Budapest ... — — — — Sofia..... 3,057 3,063 3,057 3,063 Holland .... 170 33 170.67 170,33 170,67 esio ...... 73,88 74,02 73,43 73,57 Kopenhagen. 64.29 64.41 63,94 64,06 Siockbolm.. 76.32 76,48 76 12 76,2$ London..... 14,43 14.47 14,33 14,37 Buenos Aires 0,833 0,837 0,833 0,837 Neunork... 4,209 4,217 4.209 4,217 Brüssel.... 59,12 59,24 59,12 59 24 Italien..... 21 52 21,56 21,51 21.55 Paris..... 16,605 16,645 16,605 16.645 Schwer, ... 82,07 82,23 82.07 82,23 Spanien... 34,87 34,93 34,87 34,93 Danzig .... 82,42 82,58 82,42 82,58 Japan..... 0,859 0,861 0,859 0 861 Rio de Ian. 0,239 0,241 0,239 0,241 Jugoslawien Ltiiabon... 5,554 13,12 5,566 13 14 5,554 13,09 5,566 13,11 Banknoten. ___Berlin, l.März Mb irlef Amerikanische Noten.............. 4,20 4.22 Belgische Noten.................. 58,96 63.57 59.20 63 83 Dänische Noten ................. Englische Noten ................. 14,29 14.35 Französische Noten............... 16,565 16,625 Holländische Noten............... 169.96 170 64 Italienische Noten................ 21.52 73,55 Norwegische Noten .............. 73^25 Deutsch Oesterreich, 4 100 Schilling Rumänilche Noten............... 2,46 2,48 Schwedische Noten............... 75,95 76.25 Schweizer Noten................. 81.89 82,21 Spanische Not«................. Ungarische Noten................ 34,73 34,87 Jachbruck, Als die Reichstag Kommun lvar, hot mi ausgenonM Wndfrei e, hollänÄ als das 'N den Auskün batte, ging e holländische' Gröhe de auch dem der troh dei Dinjien“ nich Singe geö es niemande nisten in De die Achte D scheuungslvm Erklärungen Wen deutlii dir Angelegt nisten von d nur zu selbst sie auf die 1 lonpen es fi die so offen Man kann tagsbrandes des zu erwai Hot sich eine allerdings c Hollands zu. politischen ei befindet: Mai den, wie mt Massen in Befürchtung, d Ausruhrgruvpi Tages für da: große Sefahr Man darf i von der f troffen wi rungsftruHur kommunistisch! hasenstäd ist und die in Landes repräs Zeiten all das abheuert und henimlungeri. Ichiedentlich in Ergehend ein k°ut°, sehr hj Polizei und d o^eser Notzeit "der das (Bem Hafenstädten ü denen au: getragen ,6s kommt t Wnstödten a 'M aus de, & b~ bani 2n *xhuler Ms d>1” M ?lmN lagen den letzt, fi fei' st5 4 ;räCTen( kn, L j sb üSd SÄ SÄ' SÄ Ochern ^en ÄLium H ßj .Her ' Sniifle