Nr. 52 (Elftes Matt 183. Jahrgang Donnerstag, 2. März 1933 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Pofifd)edfonlo: ütcnifunomntoin lieg». Vrv« »n» BtrToe: vrW'Ich- Unlv«rfitä,r-Vuch. nni> Skinöriidtret n. tanze In Stehen. Schristleit-N, und Seschäfkftellt: s.f)ulftrafe 1. Annahme von Mnjetgec für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig- für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20", mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; ffrr Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein undfür benAn- zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämUich m Biegen. Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags. Beilogen: Die Illustrierte Giegener Familiendlätter Heimat m Bild-DieScholle Hlonats Bejugsprets: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. Hernfprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen. Auch Holland spüri die kommunistische Gefahr. Das Echo der Brandstiftung im Deutschen Reichstag. Q3on unserem ^-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Amsterdam. I.März 1933. Als die erste Nachricht hier eintraf, daß der Reichstag von einem holländischen Kommuni st en in Brand gesteckt worden war, hot man das in Holland zunächst ungläubig ausgenommen. Als aber sehr rasch danach einwandfrei erwiesen wurde, dah tatsächlich ein holländischer Kommunist gefaßt worden war und als das Polizeiarchiv in Leiden die entsprechenden Auskünfte über den Mann veröffentlicht hatte, ging ein tiefes Erschrecken durch die ganze holländische Presse. Mit einem Schlage war d i e Gröhe der kommunistischen Gefahr auch dem Holländer klar geworden, der trotz der Borgänge auf den „Zeven Pro- vinzien" nicht glauben wollte, wie weit die Dinge gediehen seien. Selbstverständlich gibt es niemanden, der irgendwie mit den Kommunisten in Deutschland sympathisiert. Ebenso wie die Rechte verurteilt auch die Linke das verabscheuungswürdige Verbrechen und die scharfen Erklärungen der holländischen Sozialdemokraten lassen deutlich erkennen, wie wenig Sympathie die Angelegenheit findet. Dah auch die Kommunisten von dem Verbrechen abrücken, ist daher nur zu selbstverständlich. Schließlich müssen auch sie auf die Volksstimmung Rücksicht nehmen und könpen es sich nicht leisten, Taten zu billigen, die so offensichtlich verabschcuungswürdig sind. Man kann feststellen, daß der Eindruck desReichs- tagsbrandes in Holland weit über das übliche Maß des zu erwartenden hinausgeht. Des ganzen Landes hat sich eine beträchtliche Erregung bemächtigt, die allerdings wenig mit den Auslandsbeziehungen Hollands zu tun hat, sondern im wesentlichen in der politischen Situation begründet ist, in der man sich befindet: Man ist sich dessen plötzlich bewußt geworden, wie weit die Radikalisierung der Massen in Holland gediehen ist und hegt die Befürchtung, daß im Herzen Hollands kommunistische Aufruhrgruppen ihr Wesen treiben, die auch eines Tages für das holländische Heimatland selbst eine große Gefahr werden können. Man darf hier nicht vergessen, daß auch Holland von der Wirtschaftskrise schwer betroffen worden ist und daß es seiner Bevölkerungsstruktur nach stärker als andere Länder der kommunistischen Gefahr ausgesetzt ist. In den großen Hafen st ädten, an denen Holland so überreich ist und die in normalen Zeiten den Reichtum des Landes repräsentieren, sammelt sich in schlechten Zeiten all das Gesindel an, das von den Schiffen abheuert und dann brotlos in den Hafenkneipen herumlungert. Schon in Friedenszeiten hat es verschiedentlich in holländischen Städten, wenn vorübergehend einmal die Saison in der Schiffahrt ab- flaute, sehr häßliche Zusammenstöße zwischen der Polizei und dem Hafengesindel gegeben. Jetzt in dieser Notzeit gehen aber natürlich die Dinge weit über das Gewöhnliche hinaus, da zweifellos in den Hafenstädten überall kommunistische Zentren sitzen, von denen aus systematisch die Zersetzung in das Land getragen wird. Es kommt hinzu, daß ja in den holländischen Hafenstädten auch eine große Zahl von Einheimischen aus den Kolonien sitzt, meist intelligente Leute, die dank der Bildung, die sie auf den holländischen schulen genossen haben, europäischer Bildung zumeist sehr zugänglich sind und infolge der reichen Tätigkeit der bolschewistischen Propaganda meist stark von kommuni st ischen Ideen verseucht sind. Die Meuterei auf der holländischen Flotte kam deshalb nicht von ungefähr, sondern lag in den Verhältnisse begründet, wie sie nun einmal lagen. Kenner der Lage hatten bereits seit langem vorausgesehen, daß über kurz oder lang hier schwere Gefahren für das Staatsleben in Holland entstehen würden. In den letzten Jahren vor dem Kriege gebärdeten stch diese stets radikalen Beoölkerungsgruppen im allgemeinen sozialistisch; sie organisierten sich in Gewerkschaften und Sy n d i k a t e n , die wenigstens auf demokratischer Grundlage blieben und so zu einer gewissen Beruhigung der Bürger- schäft beitrugen. In den letzten Jahren hat sich das Bild aber völlig gewandelt. Neben den alten sozial- dempkratischen Gewerkschaften ist eine junge äußerst kräftige k ommu nist i sch e Partei aufgetreten, die die Sozialdemokraten bei weitem überflügelt hat und diese in immer stärkerem Maße zur Radikalisierung zwingen will. Unter diesen Umständen lastet auf den Gemütern die Frage wie ein Alpdruck: wie werden die nächsten Wahlen in Holland ausfallen? Wird das nächste Parlament in Holland eine kommunistisch-sozialdemokratische Mehrheit haben und wird es dann mit der Herrschaft der bürgerlichen Parteien in Holland zu Ende sein? Kommt es zu einer kommunistisch-sozialdemokratischen Einheitsfront, die in Holland sehr viel leichter herzustellen ist als in Deutchland? Alle diese Fragen sind mit einem Schlage wach geworden, und selten hat man wohl in Holland es so deutlich verspürt, wie sehk bereits das Gist bereits in das eigene Fleisch gedrungen ist, als die Kunde von dem Reichstagsbrände kam. Doch hat gerade diese Nachricht auch aufrüttelnd gewirkt. Die Erkenntnis der Gefahr der 'kommunistischen Bewegung hat den bürgerlichen Wählern zum Bewußtsein gebracht, daß sie zu entschlossener Abwehr zusammenstehen müssen. Die Ereignisse in Deutschland, die in Holland schon in gewöhnlichen Zeiten auf das brennendste interessieren, werden daher hier mit ungewöhnlichem Eifer verfolgt und jetzt erst recht, wo man Hofft, daß es gelingt, in Deutschland des Kommunismus Herr zu werden. Insofern haben die Ereignisse zweifellos auch ihr Gutes gehabt. Allerdings darf man nicht verrennen, daß damit zum erstenmal hier in Holland die Ereignisse in Deutschland auch zum Gegen st and eines innerpolitischen Wahlkampfes werden, da selbstverständlich je nach der Parteirichtung die Ereignisse verschieden gedeutet werden. Die europäische Bedeutnug der kommunistischen Frage in Deutschland wird damit auch hier ersichtlich, denn dem Holländer, so wenig er im allgemeinen dem Deutschen entgegenkommt, ist mit einem Schlage zum Bewußtsein gekommen, dah auch sein Schicksal mit dem Schicksal Deutschlands verknüpft ist, denn er hofft eben, daß mit der Erledigung des Kommunismus in Deutschland auch in Holland die kommunistische Gefahr überwunden wird. Mißglücktes Veriuschungsmanöver. falsche Beyauptunacn holländischer Kommunisten. Amsterdam, I.März. (WTB.) Ueber den Relchstagsbrandstifter van der Lübbe wird von der „Tribüne", dem Amsterdamer Kommunistenblatt, in einer Extraausgabe behauptet, daß er wegen provokatorischer Handlungen aus der holländischen kommuni st ischen Partei ausgeschlossen wurde, und daß ihn nunmehr die deutsche Regierung als agent provoca- t e u r benutzt habe, um den Reichstag in Brand zu steten. Der Versuch der holländischen Kommunisten, Lübbe abzuschütteln, kann aber nicht gelingen, denn nad) Auskunft im Haager Polizeipräsidium ist Lubäe, der seine radikalen Ideen der in Holland betriebenen vorsichtigen Parteitaktik nicht unterordnen wollte, von der Parteileitung keineswegs ausgeschlossen worden, sondern lediglich aus der vordersten Front herausgenommen und k a 11 g e st e 111 worden. Noch am 22. Dezember 1932 nahm Lübbe an einer Versammlung st reitender Taxichauffeure im Haag teil und hielt da- bei eine längere kommunistische Ansprache. Diese Mitteilung der holländischen Polizei ist außerordentlich wichtig für die Beurteilung des Reichstagsbrandes als eines organisierten kom- muni st ischen Terrorattentats. Belgische Kommunisten besudeln das deutsche Konsulat in Lüttich. B r ü s s e l, 2. März. (WTB. Funkspruch.) Das Gebäude des deutschen Konsulates in Lüttich wurde in der vergangenen Nacht biszu einer Höhe von zwei Meter mit roter Farbeund mit der Aufschrift in französisch „Tob für Hitlen, es lebe die Revolution" beschmiert. Außerdem sind dieInitialienKPD. und das kommuni stische Hammer-Sichel- Zeichen auf der Wand angebracht worden. Die Polizei hat alle notwendigen Schutzmaßnahmen für das Konsulat ergriffen. Der Genfer Hauptausschuß beschließt Verbot der Berufsheere. Deutschland bleibt unter Hinweis auf seinen Seneralvorbehalt unbeteiligt. Gens, 1. März. (Täl.) Die unmittelbare, die deutschen Interessen berührende Frage, ob in Zukunft neben dem von Frankreich vorgeschlagenen M i l i z s y st e m auch Berufsheere zugelassen werden sollen, wurde am Mittwoch im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz im französischen Sinne entschieden. Der Hauptausschuß beschloß, dah Berufsheere oder über die vorgesehene kurze Dienstzeit hinaus dienende Truppenbestände verboten werden. Als Ausnahme für eine längere Dienstzeit sind lediglich diejenigen Truppenbestände zugelassen, die nach dem französischen Plan im Rahmen der einzelnen Nationalarmeen für das internationale gemeinsame Vorgehen des Völkerbundes gegen einen Angreifer zur Verfügung stehen sollen. Die Frage, ob in Zukunft die R e i ch w e h r neben einem allgemeinen Milizsystem gestattet wird, ist auf der Abrüstungskonferenz also im abschlägigen Sinne entschieden worden. Pierre Cot malte noch einmal in einer längeren Rede, allerdings ohne Deutschland zu erwähnen, die Gefahr einer deutschen Reichswehr neben einem deutschen Miliz- shstem an die Wand. Berufsheere mühten in Zukunft als ein dem Frieden in höchstem Maße gefährdendes System verboten werden. — Ohne Abstimmung und ohne Widerspruch nahm der Hauptausschuß das Verbot der Berufsheere an. Die Haltung der deutschen Abordnung, die sich weder an der Aussprache noch an der Abstimmung beteiligte, wird auf deutscher Seite mit den bereits vor einiger Zeit auf der Konferenz angemeldeten Generalvorbehal- t e n begründet, wonach die deutsche Regierung keinerlei Entscheidungen auf dem Gebiet der Effektivfragen annimmt, bevor nicht die Hauptfrage der Abschaffung oder Beschränkung der Rüstungen sowie die Regelung der Kriegsmaterialfrage der einzelnen Länder entschieden ist. Ddr Beschluß des Hauptausschusses ist daher sachlich für Deutschland ohne bindende Bedeutung. Deutschland wieder im Lustfahrtausschuß. Auf präzise Fragen betretenes Schweigen. Genf, I.März. (WTB.) Der Luftfahrtaus- schuh der Abrüstungskonferenz hat heute seine Beratungen fortgesetzt. Um die Fortsetzung der Beratungen zu ermöglichen, legte der Vorsitzende des Ausschusses, der spanische Botschafter in Paris, d e Madariaga, dem Ausschuß eine Erklärung vor, die den Einwendungen, die der deutsche Vertreter in der letzten Sitzung gemacht hat, Rechnung trägt und hervorhebt, daß die Arbeiten des Ausschusses auf derVorausset- xung der v o l l st ä n big cn Abschaffung der Militär- und Marineluftfahrt sowie des Luftbombardements beruhen. Der Luftfahrtausschuh soll seine Beratungen in möglichst kürzester Frist, spätestens bis zum 11. März abschließen. Diese Entschließung wurde vom Ausschuß ohne Debatte angenommen. _ Der Ausschuß setzte dann seine Beratungen über die Interna tionalisierung der Zivilluftfahrt unter dem Gesichtspunkt der soeben angenommenen Entschließung fort. Der Vertreter Schwedens sprach sich für die Inter- nahonalifierung gemäß den französischen Vorschlägen aus. Er meinte, sowohl die Abschaffung der Militärluftfahrt, wie die Internationalisierung der Zivilluftfahrt würden geraumeZeit in Anspruch nehmen, du die Gesetzgebung der einzelnen Länder geändert werden müßte. Diesem Einwand trat sofort Ministerialdirektor Brandenburg entgegen, indem er daran erinnerte, daß Deutschland innerhalb einesIah- res 15000 Flugzeuge, 27 000 Flugzeugmotore und einige Millionen Quadratmeter Hallen- gelande vernichtet habe. Der französische Luftfahrtminister Pierre Cot gab zu, daß es sehr wohl möglich sei, in kurzer Zeit d>e Militärluftfahrt vollständig abzuschaffen. Mit gutem Willen sei es aber auch möglich, die Internationalisierung der Zivilluftfahrt zu erreichen, besonders nachdem jetzt einwandfrei durch die Annahme der Entschließung des Ausschusses festgelegt worden sei, daß die Militärluftfahrt abgeschafft werden solle. Der deutsche Delegierte stellte verschiedene Fra- gen, die die ganze Absurdität des Internationalisierungsplanes ins rechte Licht rücken. Brandenburg wollte wissen, ob nun die Internationalisierung der Zivilluftfahrt die ganze Welt umfassen, oder sich nur auf einen Teil der Welt beschränken solle. Auf diese Frage* blieb man ihm d i e Antwort schuldig. Der Vorsitzende stellte nun seinerseits die grundsätzliche Frage, ob der Ausschuß der Auffassung sei, dah für die Abschaffung der Militärluftfahrt die Internationalisierung der Zi- oilluftfahrt und die Schaffung eines internationalen Organs zur Durchführung dieser Internationalisierung notwendig sei. Ueberraschenderweise meldete sich auf diese Frage n i e m a n d zu Wort, wie überhaupt nicht zu verkennen war, daß der Ausschuß den Entscheidungen, solange es eben geht, auszu» roeigen versucht. Der Vorsitzende erklärte daraufhin, er lege das Schweigen des Ausschusses für eine Zustimmung aus. Um aber keine Unklarheit bestehen und aufkommen zu lassen, stellte nunmehr Brandenburg die präzise Frage, ob die U eber- fee st aaten bereit seien, ihre Militärluftfahrt abzuschaffen, wenn die Zivilluftfahrt in Eu- ropa internationalisiert würde. Der Ausschuß antwortete mit einem verlegenen Schw e i= gen, worauf nunmehr Brandenburg sich erhob und seinerseits erklärte, er lege dieses Schweigen al s bejahende Beantwortung seiner Frage aus. Darauf entstand allgemeines Gelächter. Die Beratungen wurden unterbrochen. Oas Vorgehen gegen die vier nationalsozialistischen Abgeordneten in Prag. Aussig, 1. März. (CNB.) Die vier nationalsozialistischen Abgeordneten Krebs, Kasper, Jung und Schubert, deren Immunität vom'Prager Parlament aufgehoben wurde, erhielten für heute die Vorladung zu einem Verhör beim Untersuchungsrichter in Prag. Von ihnen konnte nur der Abgeordnete Krebs, der in Prag weilte, der Vorladung entsprechen. Die anderen drei Abgeordneten erhielten die Vorladung in ihre Heimatorte nachgeschickt. Nach beendetem Ver- hör wurde der Abgeordnete Krebs in Haft genommen, auch die drei anderen Abgeordneten werden verhaftet werden. Verschärfung der Bankenkrise in LIGA. Keine Gefahr für den Dollar. Washington, I.März. (CNB.) Die Schließung der Commercial National Bank und der District National Bank von Washington, zweier kleinerer, aber lokal viel benutzter Bankinstitute der Bundeshauptstadt, hat heute die N e r d o j i t ä t über d i e Banksituation erhöht. Die Abhebungen wurden auf 5 vom Hundert der einzelnen Konten beschränkt, doch wird die Reconstruction Finance Corporation baldigst einspringen und höhere Abhebungen ermöglichen. Don der Leitung der Bundesreservebank wurde erklärt, es handele sich gegenwärtig um eine Vertrauenskrise, die nur die Banken, nicht aber den Dollarfurs berühre. Die Vernehmungen vor dem Untersuchungsausschuß des Bundessenats deckten unglaubliche Leichtfertigkeiten selbst vieler Großbanken in der Verwendung von Kundengeldern und der Anpreisung minderwertiger Industriean- leihen auf. Diese Enthüllungen zerstörten, zumal im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Jnsullkonzerns und der Kreuger-Affäre das Vertrauen in die Solidität der Banken in den Industriebezirken. Das führte bann zu Abhebungen von Einlagen, die, wie üblich, lawinenartig um sich greifen und der nur wenige Banken gewachsen sind. Dies alles berühre jedoch nicht den Goldwert des Dollars, da erstens eine reichliche Golddeckung vorhanden und zweitens Amerika Gläubigerland ist, daher keine Geldzahlungen ans Ausland zu leisten braucht. Als Abhilfe für die akuten Schwierigkeiten plant man eine Garantie der Kundenkonten durch die Bundesrefervebanken, die mit einer vorübergehenden „Einfrierung" eines Teiles der Depositen verbunden sein soll. Wahrscheinlich wird ein Gesetz beschlossen werden, wonach nach Schließung einer Bank innerhalb M o - natsfrist 75 v. H. der einzelnen Deposi- t e n ausgezahlt werden. Man erwartet, daß diese Maßnahme zusammen mit einer strengen Kontrolle der Banken durch die Vertreter des Federal Reserve Board zu einer baldigen Wiederherstellung des Vertrauens führen werden. Gehamstert werden fast durchweg Banknoten, dagegen Gold nur in ganz kleinen Beträgen. Dies zeigt deutlich, daß die Panik sich nicht gegen den Dollar, sondern gegen d i e Banken richtet Die gut fundierten Banken, auch in Washington, werden mit Einzahlungen direkt überlaufen, da alle Geschäftsleute Banknoten dringend benötigen. Präsident Roosevelt wird nach seinem Amtsantritt alle Energie für die Bekämpfung der Vertrauenskrise einsetzen. Schwere Kämpfe in Zehol. Tokio, 1. März. (Reuter.) Die Japaner, sehen ihren Angriff auf die Stadt I e h o l von Tschifoeng und Lingjuan aus fort. In dem Abschnitt von Tachihfoeng nähert sich Kavallerie unter dem Befehl des Generals Nome der Stadt von Nordosten und die Armee des Generals Matsuda von Südosten. Beide Truppenteile haben chinesische Truppen in Stärke von 10 000 Mann in das im Westen liegende stark gebirgige Gebiet abgedrängt. An der Singjuan« Front hat die Armee Hottori Peitschangjungtsu genommen. Am Paitsch:htsu-Paß soll die japanische Artillerie die chinesischen Stellungen mit schwerem Feuer belegen, um sie sturmreif zu machen. Kavallerie unter dem Befehl des Generals Mogi hat Paotschoujing nicht weit von Tschihfoeng besetzt. Die Truppen Mat- sudas find heute morgen in Tschienping eingedrungen und befinden sich auf dem Vormarsch auf Tschihfoeng. Die chinesischen Stellungen bei I e p o s ch a u find von vier Bombengeschwadern zu je acht Flugzeugen angegriffen worden. Die chinesische Verteidigung konnte aber gehalten werden. Durch die Einschläge der schweren Bomben find die mit Gehölzen bedeckten Hügel im Kampfgebiet völlig abrasiert worden. Die Stadt liegt in Trümmern. Für eine Regierungsumbildung in Sayern. Die Bayerische Bolkspartci schlägt Bersassungsreform vor. M ü n ch e n, 2. März. (TLl.) Der Fraktionsvor- sitzende der Bayerischen Volkspartei. Abg. Dr. Wohlmuth, hat den Fraktionen der Na- tionalsozialislen, Sozialdemokraten, des Bauernbundes und der deutschnationalen Landtagsgruppe ein Schreiben mit den Voraussetzungen und Richtlinien für eine Regierungsbildung in Bayern übermittelt und sie ersucht, innerhalb von 10 Tagen ihre Llnterhändler zu benennen. Das Kernstück der Verhandlungsgrundlage ifr ein ausgearbeiteter Vorschlag für eine Reform der bayerischen Verfassung. Die Vorschläge verfolgen den Zweck, in Zukunft den Zustand einer nur geschästsführendenRe- gterung zu vermeiden. Es sollen Sicherungen dagegen getroffen werden, daß dem Ministerpräsidenten ein Mißtrauensvotum erteilt wird durch eine Landtagsmehrheit, die nicht i m st a n d e ist, gleichen Augenblick einen neuenMinister- präsidenten zu wählen. Es soll daher eine Bestimmung geschaffen werden, durch die dem Ministerpräsidenten das Mißtrauensvotum nur durch die gültige Wahl eines neuen Ministerpräsidenten ausgesprochen werden kann. Ein neugewählter Landtag soll innerhalb dreier Monate nach Zusammentritt eine Neuwahl des Ministerpräsidenten vornehmen. Kommt bis zum Ablauf dieser Frist eine gültige Wahl nicht zustande, so soll der bisherige Ministerpräsident als von der Mehrheit der gesetzlichen Mitgliederzahl neu gewählt gelten. 3n den Nichtlinien für ein Arbeitsprogramm wird hinsichtlich der Reichspolitik verlangt, daß jede an der Regierungsbildung beteiligte Fraktion für ihre Gesamtpartei die Verpflichtung übernimmt, Freiheit und Selbständig- keit des bayerischen Staates zu verteidigen und seine Hoheitsrechte zu wahren. Für die Reichsreform wird folgendes gefordert: Einräumung ausreichender Verfassungsautonomie, gesicherte Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen Reich und Ländern auf dem Gebiete der Gesetzgebung, W i e - derherstellung der Einheit der Verwaltung und der Staatsgewalt der Länder, Wiederherstellung der finanziellen Selbständigkeit der Länder, Ausbau des Reichsrates als gleichberechtigter Faktor der Gesetzgebung. Schaffung fester Grundlagen unseres Verfassungslebens und Sicherung der Landesrechte. Handwerk und Aeichstagswahl. Wie man uns mitteilt hat sich der Hessische Handwerks- und G e w e r b e v e rb a n d durch die berufenen Vertreter mit den Fragen der Stellung des hessischen Handwerks zu der am 5. März d. 3. stattfindenden Reichstagswahl eingehend befaßt. 3n voller lleberzeugung der Rotwendigkeit der Stärkung der nationalen Einheit unterstützt der Handwerks- und Gewerbeverband den Aufruf des Reichsverbands des deutschen Handwerks: Seit 3ahren erhebt das Handwerk die Forderung nach einer grundsätzlichen Wandlung der Wirtschaftspolitik und der Wirtschaftsorganisation. Die Wirtschaftspolitik muh der auf Selbstverantwortung gestellten schöpferischen Handwerksarbeit Schutz und Freiheit gewährleisten. Die Wirtschaftsorganisation muß das gegenwärtige Wirtschaftssystem ablösen durch eine berufs ständisch aufgebaute und geordnete Wirtschaft. Schon immer hat es das Handwerk als eine Selbstverständlichkeit betrachtet, dah der Schicksalskamps des deutschen Volkes nur auf einer wahrhaft nationalen Grundlage geführt und nur in einer Gesinnungsgemeinschaft netoonnen werden kann, die alle Gruppen und Stände umfaßt. So rufen wir das Handwerk für die bevorstehenden Wahlen abermals zur Sammlung aller aufbauwilligen Kräfte auf. Ausgabe des Berufsstandes bleibt es, in diesem Sinne mitzuhelfen am Aufbau der deutschen Volksgemeinschaft. Das Handwerk kann sich am 5. März nur für solche Parteien entscheiden, die den Willen zur nationalen Einigung über Tagesstreit und Parteigezänk stellen. Das Handwerk kann nur den Parteien seine Stimme geben, die auf dem Boden des Berufs- standsgedankens stehen und sich für seine Verwirklichung einsetzen. Sine WahlredeSmmngs in Essen Essen, 1. März. (TU.) In der Ausstellungshalle sprach vor über 1OOOO Zentrumswählern Reichskanzler a. D. Dr. B r ü n i n g.. Er erklärte u. a., von dem Vierjahresplan des Reichskanzlers Hitler werde , kein Hungernder satt. Nur durch planvolle Arbeit, die Rücksicht nehme auf alle Stände des Vaterlandes, fei es möglich, wirkliche Aufbauarbeit zu leisten. Die Agrarkrise sei nicht ohne die Siedlung im Osten, die Krise im industriellen Westen nicht ohne eine Gesundung der Landwirtschaft zu beheben. Zu der Erklärung Hugenbergs, daß die K r e d i t g e st a l t u n g fürdenMittelstandauf einen anderen Boden gestellt, und daß das Geld - und Bankwesen dezentralisiert werden müsse, führte Dr. Brü- •ning aus, das alles habe seine Regierung bereits vorbereitet und vieles davon durchgeführt. Aber in den letzten acht Monaten fei nichts mehr geschehen. Das Zusammengehen des Zentrums mit der Sozialdemokratie habe in erster Linie der Niederringung des Separatismus und Bolschewismus gegolten. Es fei immer die klare Linie des Zentrums gewesen, sich verantwortungsbewuß auch dem Staate zur Verfügung zu stellen, wenn es sich um unpopuläre Aufgaben gehandelt habe. Außenpolitisch sei keine klare Linie mehr aufrechterhalten worden. Ein Deutschland, das in Zwist und Hader liege, in dem nur ein Teil des Volkes frei seine Meinung äußern dürfe, sei nicht geeignet, außenpolitisch erfolgreich aufzutreten. Während seiner Regierungszeit seien die kommunistischen Stimmen bei jeder Wahl zurückgegangen: seit seinem Rücktritt seien sie stark gestiegen. Wenn ' die heutige Regierung gegen die kommunistische Gefahr mit allen Mitteln vorgehe, werde sie in diesem Punkt restlose Unter st ützung der Zentrumspartei finden. Aber mit Polizei und Gesetz sei der Bolschewismus allein nicht zu überwinden, sondern nur durch ein in d i e Tat umgesetztes Christentum. Allen Maßnahmen der jetzigen Regierung, die geeignet seien, die furchtbar: Krise zu mildern, werde die Zentrumspartei ihre Unterstützung geben, aber sie werde auch zu kämpfen wissen, wenn man planen sollte, die Verfassung im Wege des Umsturzes zu brechen. Die Zentrumspartei kämpfe in ungebrochenem Kampf für ihre alten Ideale: Wahrheit, Recht und Freiheit. Oie Hilfspolizei in Preußen. Berlin, 1. März. (CNB.) Die Einberufung von Angehörigen der nationalen Verbände zur Hilfspolizei hat Zweifel ausgelöst, ob nun ole A n - gestellten von Firmen für d i e Dauer ihrer Tätigkeit als Hilfspolizisten beurlaubt werden müssen, und ob diese Beurlaubung mit oder ohne Gehalt zu erfolgen hat. Es dürften in kürzester Frist Ausführungs- bestimmungen darüber zu erwarten sein. Man wird vermutlich die Hilfspolizei in rechtlicher Beziehung der freiwilligen Feuerwehr gleichstellen. Die Angehörigen der Hilfspolizei wären also ebenso wie bisher schon die Angehörigen der freiwilligen Feuerwehr von ihren Amtsstellen u n - ter Weiterzahlung des Lohnes oder Gehaltes zu beurlauben. Die Hilfspolizei wird nur in besonderen Fällen zunächst als Ver- stärkuna der Polizei für leichtere Maßnahmen (Absperrungen usw.) angefordert werden; ferner wird sie in den Fällen, in denen die unformierten Polizeibeamten sämtlich außerhalb der Polizeiunterkünfte Straßendienst tun müssen, z u m Schutze der Polizeiunterkünfte verwendet werden. In den Bestimmungen ist vorgesehen, daß die Zahl der Hilfspolizeibeamten die Zahl der planmäßigen Polizeibeamten nicht überschreiten darf. Mit einer Schußwaffe ausgestattet werden sie nur dort, wo für Leib und Leben der Hilfsbeamten zu fürchten wäre. Die Hilfspolizeikommandos dürften sich durchschnittlich aus 50 v. H. SA.-Leuten, 30 v. H. SS.-Leuten und 20 v. H. Stahlhelmleuten zusammensetzen. Die erste größere Bereitstellung von Hilfspolizei wird am kommenden Samstag und Sonntag erfolgen, damit jede etwaige geplante Störung von Wahlhandlungen im Keime erstickt werden kann. Umfangreiche Maßnahmen in Thüringen. Weimar, 2. März. (WTB. Funkspruch.) Eine Durchführungsverordnung der Thürintzer Regierung zur Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des deutschen Volkes verbietet alle Versammlungen der kommunistischen Partei mit ihren Nebenorganisationen, die Herstellung und Verbreitung der kommunistischen Druckschriften- jeder Art, sowie alle sonstigen öffentlichen Kundgebungen für den Kommunismus, weiter die Herstellung und Verbreitung von Flugblättern, Flugschriften, Broschüren und Handzetteln politischen Inhalts d e r S P D., der Eisernen Front und des Reichsbanners. Periodische Druckschriften dieser einigungen sind mindestens drei Stunden vor Erscheinen der Ortspolizeibehörde zur Prüfung o o r z u 1 e g e n. Die Verbreitung darf erst nach erteilter Genehmigung und nur nach Weglassung etwa beanstandeter Stellen erfolgen. Periodische Druckschriften sind verpflichtet, Auflagenachrichten des Innenministeriums auf der ersten Seite kostenfrei abzudrucken. Stellungnahme zu Auflagenachrichten ist unzulässig. Das Tragen von Abzeichen jeder Art, die die Zugehörigkeit zu einer der genannten Organisationen kennzeichnen, wird verboten. Rote Fahnen dürfen auf Gebäuden und Grundstücken nicht öffentlich gezeigt werden. Die in Thüringen stationierten Flugzeuge, Privatkrastfahrzeuge, Lastwagen, Personenwagen und Autoomnibusse sind auf Anforderung der staatlichen Polizei gegen angemessene Entschädigung fahrbereit zur Verfügung zu stellen. Ein Kurzwellensender in Breslau beschlagnahmt. Breslau, 2. März. (WTB.-Funkspruch.) Der Polizei gelang es, am Mittwoch eine Stunde vor Beginn der R e i ch s k an z l e r r e d e einen Kurzwellensender zu beschlagnahmen. Bereits am Rachmittag war festgestellt worden, dah ein Kurzwellensender in dieser Gegend vorhanden sein müiie, mit dem offenbar Störungen der durch Rundfunk übertragenen Rede beabsichtigt waren. Aus aller Welt. Grohfeuer in Holzminden. 3n den Weser-Sperrholzwerken in Holzminden kam ein Brand auf, der in kurzer Zeit auf den gesamten Gebäudekomplex, eine frühere Zuckerfabrik, Übergriff und an den großen Holzvorräten reiche Rahrung fand. Bald stand das Werk mit Ausnahme der Bureauräume und des neuen Maschinenhauses in Flammen. Rach fünfstündiger Arbeit der Feuerwehr war das Groh- feuer auf seinen Herd beschränkt. Von dem Werk, das eine Grundfläche von 3500 Quadratmeter hat, stehen nur noch die Kraftanlagen, das Bureauhaus und die Versandhalle. Die Hauptfabrikationshallen mit großen Vorräten sind niedergebrannt. Der Gesamtschaden wird auf 750 000 Mk. geschätzt. 3ntoietoeit Gerüchte, daß Brandstiftung und Sabotage vorliege, begründet sind, müssen d'.e von Polizei und Staatsanwaltschaft eingeleiteten Ermittlungen ergeben. Grohfeuer in der Rhön. 3n einer der letzten Rächte entstand in dem Ort Wendershausen (Rhön) ein großes Schadenfeuer. dem fünf Scheunen und ein Wohnhaus zum Opfer fielen. Die Kreismotorenspritze und die Wehren aus den umliegenden Ortschaften konnten erst gegen mittag den Brand löschen. Die Anwesen find durchweg Eigentum von kleinen Hüttnern, deren Schaden durch Versicherung gedeckt sein dürfte. Mord auf offener Strohe. In Cranz an der Ostsee überfiel aus bisher ungeklärter Ursache ein etwa 40jähriger Arbeiter die 80jährige Witwe Urban aus Cranz und ihre Begleiterin, ein Fräulein Stolzenberger aus Königsberg. Er tötete die alte Frau durch einen Messerstich ins Herz. Ihre Begleiterin brach von vier Messerstichen getroffen schwer verletzt zusammen. Der Täter, der verhaftet werden konnte, schien angetrunken zu sein. Ver- benf Aus der provinzialhauplstadt 2,50 Mk.), Aepsel 18 bis 30, Dörrobst 35 big 40, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80 Pf. das Pfund, Tauben 40 bis 60 Pf. das Stück, Rüsse 40 Pf. das Pfund. Eier, inländische 9 bis 10, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 25 bis 30, Endivien 15 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 30 Pf. das Stück. Wahlversammlung des Christlichen Volksdienstes. Der Dolksdienst hatte auf Sonntagabend eine Wahlversammlung in die Herberge zur Heimat einberufen. Herr Bach (Siegen), der Geschäftsführer des CBD., sprach über „CBoU in Rot". Er sprach von der Schuld des Marxismus, aber auch des Kapitalismus und des Bürgertums. 3m Mittelpunkt unseres Lebens, unsrer Politik, unsrer Wirtschaft habe als höchste Rorm zu stehen nicht der Mensch, sondern Gott mit feinen unverbrüchlichen Geboten. Letzte Schuld an unserem Elend sei der Abfall von Gott, die Gottlosigkeit, daher einziges Heilmittel Buße und älmkehr. Darum fordere der CBD. Politik aus Glauben und Gehorsam. Es gehe nicht an, Gott aus Politik und Wirtschaft auszuschalten und beide nur von ihrer angeblichen Eigengesehlichkeit bestimmen zu lassen. Der Dolksdienst habe im Reichstag immer positive Politik getrieben. Brünings aussichtsvolle Außenpolitik habe er daher unterstützt, ohne sich an seinem Bekenntnis zu stoßen. Brüning war insofern schuld, als er gegen das Drängen des Bclksdienstes in seiner Rotverordnung die Härten gegen die Kleinen und Schwachen nicht vermied, sondern die starken Schultern schonte. Ehrend gedachte der Redner des Generals von Schleicher, der unser Heer zu höchster Leistung emporgehoben habe und der Arbeitsbeschaffung des sozialen Generals; auch bei der Ostsiedlung stellte Schleicher das Vaterland über Partei und Parteivorteile. Der Marxismus werde am sichersten geschwächt durch Bessermachen. Als höchstes Gesetz erhoffe und erstrebe der Christliche Volksdienst die Gerechtigkeit, das heilige unparteiische Recht. Er wolle sammeln und zusammenbringen, sammeln auch die Evangelischen angesichts ihrer Ohnmacht im politischen Leben. Der zweite Redner, Professor Dr. Koch (Gießen), erklärte u. a.: Der CVD. wolle Drücken und Dolksgemeinschaft schaffen. Er habe bei manchen Versammlungen im Rundfunk am Schluffe den ersten Vers ^Deutschland über alles" gehört, doch nie den dritten Vers von der Einigkeit, dem Recht und der Freiheit. Der Redner stellte dis Forderung auf, beim politischen Gegner nicht immer nur Fehler und Schlechtigkeiten zu sehen, sondern auch das Gute bei ihm anzuerkennen und zu fördern. Er beschäftigte sich weiter mit der Haltung der Sozialdemokratie, die im Vergleich zur Vorkriegszeit durch Eberts Bund mit Hindenburg, durch ihre Haltung bei der Abwehr der Separatisten und im Ruhrkamvf, wie auch bei der jüngsten Reichspräsidentenwahl eine gute Entwicklung zum Staate hin gezeigt habe. Ferner betonte der Redner, der deutsche Freiheitskampf könne nur gewonnen werden, wenn man das ganze Volk zusammenfasse. Darum betone der CVD. den dritten Vers des Deutschlandliedes. Deutschland brauche kein Christentum der Worte, sondern das Christentum der Tat. Zu diesem Christentum sei unser Volk aufzurufen. Den gleichen Mahnruf richtete Geschäftsführer Dach auch in seinem Schlußwort an die Versammlung. Knospen. Die Knospenzeit, die Zeit des ersten Frühlings, oder der Vorfrühling, gehört mit zur schönsten Zeit des Jahres, denn erwartungsvoll fieht der Mensch dem Frühling entgegen, den mit lautem Schall Schwarzamfel und Buchfinke von den Bäumen herab so munter verkünden. Die Knospen, die jetzt zu schwellen beginnen, sind aber nicht erst jetzt plötzlich entstanden, sondern vorsorglich hat sie die Natur schon im Sommer gebildet und sie im Innern mit der Anlage für den zukünftigen Blatt- und Blütenschmuck ausgestattet, sie zugleich auch geschützt vor dem Frost des Winters durch zarte Häutchen und harzige Schuppen. Schon gefaltet und zusammengerollt ruhen die zarten Gewebe in der sicheren Hülle, damit im Frühjahr bei der Entfaltung nichts geknickt, eingerissen oder sonst beschädigt ist. Es gewährt dem Naturfreunde eine große Freude, am Durchschnitt der Winterknospe mit der Lupe das Heiligtum der Knospengeheimnisse in ihrer Gesetzmäßigkeit zu beobachten, zu erkennen und zu bewundern. Die im Sommer gebildeten Knospen der ausdauernden Gewächse treten deutlich hervor, wenn im Herbste das Laub fällt. Ueberall auch im Winter ist Leben, wenn auch schlafendes, an den Zweigen und unter dem Schnee. Besondere Beachtung aber finden die Knospen erst, wenn sie anschwellen und dem Aufspringen nahe sind. Dann verkünden sie, daß der Frühling vor der Tür steht. Wenn nach einer alten Bauernregel „an Fabian und Sebastian (20. Januar) der Saft fängt zu steigen an", so geht es doch immer noch recht langsam, bis die Knospen zu schwellen beginnen. Das Anschwellen und Aufspringen der Knospen erfolgt nicht gleichzeitig bei den verschiedenen Gehölzen. Einige erwachen schon sehr früh vom Winterschlaf, andere verharren noch ganz ruhig in den Frühling hinein, und manche rühren sich erst dann, wenn es ganz unmöglich scheint, daß es noch frieren könnte. Die ersten, die ein leichtes Frühlingskleid überwerfen, find einige Gesträucher, wie der Holunder, das Geißblatt, das sonst Jelängerjelieber heißt, und der Stachelbeerstrauch. Dann folgen die Birke und die Hagebuche, später kommen an die Reihe Waldbuche, Linde und andere Bäume, zuletzt aber von allen einheimischen legen Eiche und Esche junges Laub an. Von diesen beiden letzten heißt es im Volksmunde inbezug auf das Wetter im Sommer: „Grünt die Esche vor der Eiche, Hält der Sommer große Bleiche, Grünt die Eiche vor der Esche, Hält er große Wäsche." Von den aus südlichen Ländern eingeführten und bei uns angesiedelten Bäumen entwickelt die Roßkastanie ziemlich früh schon ihre auffallend großen Knospen, aus denen sich dann neben den ansehnlichen Blättern die prächtigen Blütenkerzen herausarbeiten. Akazie und Nußbaum belauben sich erst spät. Es gibt Blattknospen und Blütenknospen, und in der Regel entfalten sich die Blattknospen zuerst, es kommt aber auch das umgekehrt vor. So blühen Aprikosen und Kornelkirschen vor der Laubentwick- lung, ebenso der Schlehdorn und die aus China stammende hübsche Forsythia, die schon im ersten Frühjahr unsere Vorgärten mit ihren unzähligen goldgelben Blüten schmückt. Der Seidelbast, der aus unseren Wäldern.in die Gärten gekommen ist, hat es mit dem Blühen so eilig, daß er gewöhnlich schon im Spätherbste damit beginnt und um die Schneeglöckchenzeit blattlos noch, aber ganz mit rosigen Blüten dasteht. Ihm noch voraus ist die Herbstzeitlose, die im Oktober ihre Blütezeit hat und im Frühling erst Blätter treibt. Blatt- und Blütenknospen offnen sich zugleich bei unseren Fruchtbäumen, aber der Blüten sind es bann, wenn es kein ganz schlechtes Jahr ist, so viele, daß von den Blättern fast nicht? zu sehen ist; die ganzen Baumkronen sind in der Blütezeit in Schneeweiß und Rosenrot gehüllt. Es gibt auch Blütenknospen, die meist nicht dafür gehalten werden das sind die Weidenkätzchen, die, wenn sie die leichte, braune Hülle abgeworfen haben, noch in fiibergraues Pelzwerk gekleidet erscheinen und in diesem noch unentwickelten Zustande um die Osterzell allgemein gern gesucht und abgeschnitten werden. Gemma ist der lateinische Ausdruck für Knospe, bedeutet aber auch einen Edelstein. Etwas Helles und Schimmerndes, etwas Köstliches und unter Umständen auch Kostbares sind ja auch die Knospen. Was kann aus einer Knospe alles hervorblühen und reifen! Offenbar ist Knospe die ursprüngliche Bedeutung des Wortes gemma, aus dem heraus sich die des Edelsteines entwickelt hat, wie aus der Knospe die Blüte. Es wird auch von schlafenden Augen gesprochen. Das sind solche Knospen, die an Bäumen und Sträuchern gleichsam eine Reserve bilden und jahrelang da sein können, ohne sich weiter zu entwickeln; erst wenn ihre richtige Zeit kommt, treiben sie aus. Wir kommen jetzt wieder in die Zeit der Knospen, die frisch wie Kinderaugen in die Welt schauen und sich überall bemerkbar machen. Das ist die Zeit, da es auch in den Vorgärten der Stadt, wie in Feld mtb Wald und Flur, im Garten und auf der Wiese zu treiben und zu sprießen beginnt, da die Schwarzamsel, die ja ein Stadtvogel geworden ist, selbst mitten in der Stadt, wo ein Garten ihr Gelegenheit zum Nisten bietet, vom Giebel des Daches herab den Frühling ausruft. Gr. Gießener Wochenmarktpreise. • Gießen, 2.März. Es kosteten auf, dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 110, Landbutter 100 bis 110, Kochbutter 80, Matte 20 bis 25 Pf. das Pfund, Käse 5 bis 10 PI. das Stück, Wirsing, gelb 10 bis 20, grün 20, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 30, älnter-Kohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 30 bis 35, Feldsalat 120 bis 150, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3 (pro Zentner Bornotizen. — Tageskalender für Donnerstag. Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — NSDAP.: 20 Uhr, Cafä Leib, nationalsozialistische Wahlkundgebung. — Deutsche Volkspartei: 20.15 Uhr, Hotel Hindenburg. Mitgliederversammlung. — Zentrumspartei: 20.15 Uhr, Katholisches Vereinshaus, öffentliche Wahlkundgebung. — Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, Chemische Gesellschaft schäft Gießen: 20.15 Uhr, Großer Hörsaal des Chemischen Instituts, gemeinsame Sitzung. — Lichtspielhaus .(Bahnhofstraße): „Wolkenstürmer". — Astoria- Lichtspiele (Seltersweg): „Der Schrei der Masse". * ** D i e Stimmabgabe im Reiseverkehr. Für Reisende, die wegen einer Reise am Wahltag, Sonntag, 5. März, innerhalb der gewöhnlichen Abstimmungszeit nicht an ihrem Wohnsitz oder Aufenthaltsorte ihr Wahlrecht ausüben können, besteht an diesem Tage die Möglichkeit, ihre Stimme in besonderen Abstimmungsräumen auf verschiedenen Dahnhöfen abzugeben. Voraussetzung für die Stimmabgabe ist, daß die Reisenden im Besitze eines Stimmscheins sind. Soweit die Bahnhöfe auf preußischem Gebiete liegen, kann von preußischen Staatsangehörigen auch für die preußischen Landtagswahlen abgestimmt werden. 3m Hauptpersonenbahnhof Frankfurt a. M. kann von 6 bis 18 Uhr abgestimmt werden. ** Haussuchungen in Gießen. Heute früh wurden in der Durchführung der Regierungsmaßnahmen gegen die Kommunisten in Hessen auch in unserer Stadt Durchsuchungen bet Kommunisten vorgenommen. Dabei wurden große Mengen Propagandamaterial der verschiedensten Art (Broschüren, Flugblätter usw.) beschlagnahmt. Ferner konnte s gestern in Alsfeld durch raschen Zugriff von Beamten der Landeskriminalpolizeistelle eine große Menge kommunistischen Propagandamaterials beschlagnahmt und sichergestellt werden. Das beschlagnahmte Material wurde dem Polizeiamt Gießen zugeführt. ** Einlösung der Reichsbezugsscheinabschnitte. In einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil wird darauf aufmerksam gemacht. daß die Frist zur Einreichung der Reichsbezugsscheinabschnitte für den Monat Februar der Reichsbezugsscheine für die Verbilligung von Lebensmitteln und Brennstoff am 9. März abläuft. P'-Ute sollten Sie die 10 oder 15 Pfg. nicht StOel 30 Pf» 3&t*.WPf®. und die gepackte Morkenseife kaufen, die Ihnen eine Sie nur das Beste wählen: Pfeilring ■ Lanolin- Garantie für stets gleichbleibende gute Beschaffenheit Seife, die neben edelsten Pflanzenölen haut- bietet und Ihre Haut pflegt und schont. Bei neben- aufbauendes, cholesterinhaltiges Pfeilringstehendem Kreis zeigt der Pfeil, wie wenig Ihres Lanolin enthält. Ein Stuck Pfeilring-Lanolin- Monatsgeldes auf Körperpflege entfällt. Da sollten Seife reicht einen Monat I a n g ■ PFEILRING S&wtin-SEIFE Die grüne Packung mit dem Pfeilring - verbürgt stets gleiche Qualitätl Arbeitsjubiläum. Am heutigen 2. März kann der Schalttafelwärter Philipp Sturm auf eine 25jährige Tätigkeit im Städtischen (klektrizitöts- werk zurückblicken. Der Jubilar war nach seinem Ein- tritt am 2. März 1908 zunächst als erster Monteur im Stadtnetz des Elektrizitätswerks beschäftigt. Später wurde lhm die Stelle eines Schalttafelwärters übertragen. Allezeit hat er [id) auf diesem sehr wichtigen Posten als fleißiger, äußerst zuverlässiger und umsichtiger Mann erwiesen. Durch seine Gewissen» Hastigkeit und durch sein freundliches Wesen hat er sich die Achtung seiner Vorgesetzten und Mitarbeiter erworben. Zahlreiche Anerkennungen bekundeten dem Jubilar die große Wertschätzung, die ihm zuteil wird. ee Städtische Brennholzversteige- rung. Bei der gestrigen Brennholzverste ge- rung in den Waldungen der Stadt Gießen (Försterei Hochwart) wurden im Durchschnitt ol- gend« Preise erzielt: Buchenscheiter (l.Kl.) 9,60 Mark. (2-Kl.) 7.00. Eichenscheiter (1. Kl.) 6,40, Dirkenscheiter (1. Kl.) 7,00, Buchenknüppel 8,00, Hainbuchenknüppel 7,20, Eschenknüppel 5,20, Eichenknüppel (1. Kl.) 5.00, (2 Kl.) 4,20, Fichten- knüppel (2- Kl.) 3,40. Buchenstöcke 5,60 Mk. per Raummeter: Eichennutzknüppel (Gartcnpfosten. 2,20 Meter lang) 7,00, Eschennuhknüppel (Garten- Pfosten, 2 Meter lang) 7,00, Buchenreisig (3. Kl., pro 100 Wellen) 16,00, Eichenderbstangen (1. Kl., Deichseln) 2,00, (2. Kl., Deichseln) 1,60. Eschen- de.bstangen 41-Kl., Deich.e.n) 3,20. (2. Kl., Deich- seln) 2,00. (3-Kl.. Deichseln) 1.40. Fichtenderbstangen (1. Kl.) 1.20 Wk. per Stück. ** 21 u f der Straße gestorben. Gestern nachmittag brach der 62 Jahre alte Weißbinder» gehilfe Ludwig H i s g e n , Bahnhofstraße 61, als er mit einem kleinen Handwagen aus dem Walde kom» mend, über die Südanlage fuhr, infolge starken Unwohlseins auf der Straße zusammen und war wenige Augenblicke später tot. Ein Herzschlag hatte dem Leben des bedauernswerten Mannes ein jähes Ende bereitet. ** Ein unbekannter Toter. Der Polizeibericht meldet: Heute früh gegen 5.30 Uhr wurde auf der Eisenbahnstrecke Gießen—Fulda in der Bähe der Landstrahenüberführung Gießen— Rödgen bei Kilometer 4,6 eine unbekannte männliche Leiche aufgefunden. Der Tote ist von einem Zuge überfahren und auf der Stelle getötet worden. Anscheinend ist er etwa 22 Jahre alt, weiteres über seine Personalien ist aber bisher noch nicht bekannt. Mitteilungen, die zur Aufklärung des Vorfalles dienen können, werden von der Kriminalpolizei erbeten. Arbeitsbefchaffungsprogramm der Provinz Oberhessen. In anerkennenswerter Weise hat sich die Provinzialdirektion Oberhessen bemüht, im Rohmen ihrer Möglichkeiten auch für das kommende Frühjahr und den Sommer Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, durch die dem Elend der Arbeitslosen und der Rot der Gemeinden weitgehend entoegengewirkt werden kann. Nachdem das Arbeitsbeschaffungs- Programm für den Landstrabenbau im Jahre 1932 in allen Teilen zu Ende gebracht worden ist, sind jetzt anschließend folgende Arbeiten für das Jahr 1933 in Aussicht genommen: kleinpslasterung auf der Landstraße Gießen—Alsfeld zwischen den Orten Schellnhausen und Romrod: Kleinpflasterung auf der Landstraße Lauterbach— Stockheim zwischen den Orten Lihberg und Orlenberg: Teerbelon-Herstellung auf der Landstraße zwischen Gedern und Hirzenhain: Kleinpflasterung und Teer-Asphaltbeton-herstel- lung auf der Landstraße Gießen—Gelnhausen zwischen den Orten Vleichenbach und Vüches; Kleinpflasterung auf der Landstraße Gießen— Wetzlar zwischen den Orten Gießen und Heuchelheim. Die Arbeiten erfordern einen Gesamtaufwand von 463 500 Mark. Davon hat die Provinz Oberhessen 92 700 Mark selbst aufzubringen: 301 200 Mark werden als Darlehen von der Gesellschaft für öffentliche Arbeiten in Berlin gegeben, der Restbetrag wird als Zuschuß von der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung zur Verfügung gestellt. Die Geldmittel für diese Projekte sind bewilligt, so daß m i t den Arbeiten inKürze begonnen werden kann. Außer diesem Arbeitsbeschaffungsprogramm hat die Provinz Oberhessen noch weitgehende Anmeldungen für Darlehen aus dem G e r e k e - Programm vorgenommen. Diese Anmeldungen erreichen einen Gesamtbetrag von etwa 250 000 Mark und verteilen sich auf 8 Strecken. Rach den bisher eingegangenen Mitteilungen ist jedoch nicht damit zu rechnen, daß größere Beträge aus dem Gereke-Programm für den Landstraßenbau in Oberhessen zur Verfügung gestellt werden, weil die Verteilung der für Hessen bestimmten Geldmittel entscheidend beeinflußt wird von der Zahl der Erwerbslosen in den Bezirken, in denen Arbeiten vorgesehen sind. So sehr man es begrüßen muß, daß der Provinzialverwaltung die Finanzierung des obenerwähnten Arbeitsprogramms gelungen ist, so sehr muß man bedauern, daß unsere Provinz bei dem Gereke-Programm offenbar recht stiefmütterlich wcgkommt. Wir möchten an die hessische Regierung, der die Verteilung der Msttel aus dem Gereke-Programm obliegt. den dringenden Appell richten, bei dieser Verteilung unserer Provinz mehr als bisher vorgesehen gerecht zu werden. Amtsgericht Gießen. Statt eines Dankes für erwiesene Wohltaten erhielt eine ältere städtische ehrenamtlich tätige Armenpflegerin, Vorsitzende eines charitativen Vereins, von einem arbeitslosen Dachdecker, der sie in ihrer Wohnung aufgesucht hatte, mit dem Handrücken einen Schlag ins Gesicht, der dem rohen Menschen eine Gefängnisstrafe von vier Wochen eintrug. Er will von ihr als ein Faulenzer bezeichnet worden sein, der keine Unterstützung verdiene. Hieran war kein wahres Wort. Richtig mag vielleicht sein, daß er sich bei der Verteilung der Gaben zurückgcseht glaubte. Ein Grund zu dieser Annahme :ag aber durchaus nicht vor. Sie konnte ihn aucy keineswegs entschuldigen. Eine Freiheitsstrafe war vollauf gerechtfertigt. Frauen, die im Interesse der Allgemeinheit in der gedachten Weise tätig sind, gebührt in erhöhtem Maße ein Schutz vor derartigen Gewalttätigkeiten. Ein Fuhrmann hatte sich wegen eines schweren in wiederholtem Rückfall durch Ueberkletterung der Umsäumung der Heil- und Pflegeanstalt begangenen Diebstahls eines Pullovers zu veran- worten. Jrn Vorverfahren hatte er ein Geständnis abgelegt. Seine Angaben in der Haupt- ve-rhandlung wichen aber von diesen zum Teil ab. So ^erklärte er namentlich, die Umzäumung habe er nicht in der Absicht, zu stehlen, überklettert, der Gedanke, das Kleidungsstück mitzunehmen, sei ihm erst später gefommen. In dem Falle, daß dies nachweisbar richtig ist, würde das Straferschwerungsmoment des Einsteigens in diebischer Absicht in ein eingefriedigtes Besitztum Wegfällen und dieser Wegfall einen nicht unwesentlichen Einfluß auf die Höhe der Strafe haben. Die Verhandlung wurde deshalb zwecks weiterer Erhebungen vertagt. Auch Autogaragen sind der polizeilichen Aufsicht unterworfen, und es bestehen hierüber eine Reihe von Bestimmungen, namentlich eine hessische Verordnung vom 7. September 1932. Ein hiesiger Händler hat gegen diese Vorschriften verstoßen. indem er sein Auto zu wiederholten Malen in eine frühere Schmiede einstelltc. die sich zu einer Garage keineswegs eignete und wegen der Aufbewahrung leichtentzündlicher Gegenstände als feuergefährlich gelten konnte. Der Ang.klagte hätte auch, wie dies Vorschrift, die Benutzung Der alten Schmiede als Garage dem Tiefbauamt anzeigen müssen. Das hat er nicht getan. Das Urteil lautete auf 10 Mark Geldstrafe. 2lm 26. Oktober 1932 gegen Abend drückten wegen einer Steigung vier Radfahrer ihre Räder auf der rechten Seite der Frankfurter Straße nach Klein-Linden zu auf der Fahrbahn, etwa 1,30 Meter von dem Fußsteig entfernt. Der Angeklagte, ein Schlossermeister ans Hannoversch- Minden, fuhr mit feinem Auto in raschem Temf» hinter ihnen und überholte sie dann, ohne seine Geschwindigkeit zu vermindern. Er streifte dabei einen der Radfahrer, so daß dieser fiel, efwa 10 Meter weitergeschleift wurde und nicht unerhebliche Verletzungen erlitt. Die Verhandlung ergab die Schuld des Autofahrers an dem Unfalls Er hätte in einem größeren Abstand von den Rädern an diesen vorbeifahren müssen. Platz dazu — die Fahrbahn war 8 Meter breit — toat hinreichend vorhanden, trotzdem ihm ein Lastauto entgegenfuhr. Der Angeklagte will durch dessen Licht geblendet gewesen und auch noch durch ein anderes ihm entgegenkommendes Fuhrwerk behindert worden fein. Wäre dies so. dann hätte er überhaupt nicht überholen dürfen. Die Stelle hatte dann, als unübersichtlich $u gelten. Der Angeklagte erhielt wegen fahrlässiger Körperverletzung. gleichzeitig auch wegen Uebertre- tung von Derkehrsvorschriften. eine Geldstrafe von 26 Mark. Kirche und Schule. Oorskircheniag in Dauernheim. • Dauernheim, 1. März. Am Montag fand hier eine Dorfkirchentagung statt. Ungefähr 750 bis 800 Kirchenoorsteher, Kirchengemeindevertreter, Lehrer und Pfarrer aus 101 Ortschaften der Kreise Büdingen, Friedberg, Gießen und Schotten hatten sich eingefunden. Die Teilnehmer wurden von der Dauernheimer Einwohnerschaft freundlich empfangen und bewirtet. In reichem Flaggenschmuck prangte der ganze Ort. Die Tagung begann mit einem G o t t e s d i e n st. Das Gotteshaus konnte die Tagungsteilnehmer kaum fassen. Der Superintendent der Provinz, Oberkirchenrat D. Wagner (Gießen), ermunterte in seiner Festpredigt zu unbeweglicher Festigkeit und zu ständigem Wachstum im Glauben in den gegenwärtigen Zeiten innerer und äußerer Not und gegenüber dem Ansturm der Gottlosigkeit. Wie einst in den bösen Zeiten des 30jäyrigen Kriegs brauche unser Volk auch heute Männer und Frauen, die auf festem Glaubensgrund stehend anderen Halt und Führer sein können. Der Gottesdienst wurde durch schöne Chöre des Gesangvereins „Eichenkranz^ Dauernheim und durch ausgezeichnete Choräle des Posaunenchors Ober-Mockstadt verschönt. Am frühen Nachmittag versammelten sich zirka 1000 Personen in der Volkshalle. Viele mußten stehen, mancher fand überhaupt keinen Platz mehr. Dekan Scriba (Nidda), der eifrige Vorkämpfer der Dorfkirchenbewegung, eröffnete mit Worten des Dankes und der Freude die Versammlung. Dann hielt Professor Stroh vom Predigerseminar in Friedberg einen packenden Vortrag über das Thema „Der Kirchenvorsteher als Seelsorger". Eine Fülle von praktischen Anregungen wurde gegeben. Besonders wertvoll war, daß der Redner mit großer Wahrhaftigkeit auch auf die heikelsten Fragen des kirchlichen Lebens einging, wie die Stellung der Kirche zur Politik, zur wirtschaftlichen und seelischen Not unseres Volkes, zur Gottlosigkeit usw. Er zeigte, wie in allen diesen Schwierigkeiten gerade der Kirchenvorsteher dem Pfarrer helfend zur Seite stehen könne und müsse. Die besonderen seelsorgerlichen Erfordernisse solcher Mitarbeit faßte er in klaren Leitsätzen zusammen. Im Anschluß an den Vortrag überbrachte der Prälat der Hess. Landeskirche, Univ.-Prof. D. Dr. Dr. Diehl, die Grüße der Kirchenregierung. Er zeigte aus der Kirchengeschichte, wie die Kirchengemeinden schon manches Mal sich nur durch Selbsthilfe retten konnten. So müsse auch heute jeder einzelne Christ die Augen auftun für die Nöte des Volkes und mit Liebe, Vertrauen und in christlichem Geist nach Kräften helfen. Alle Arbeit aus Gott bringe ihre Frucht. Nach einer regen Aussprache wurde die Tagung durch Dekan Scriba geschlossen. Dem Kirchenvorstand Dauernheim und dem Ortspfarrer Zimmer gebühre Dank für die anstrengende Dorbereitungs- arbeit und für die mustergültige Organisation der Tagung. Daten für Donnerstag, 2. März. 1824: der Komponist Franz Smetana in Leito- mischl geboren; - 1829: der amerikanische Staatsmann Karl Schurz in Liblar bei Köln geboren; — 1916: Elisabeth (Carmen Shlva), Königin von Rumänien, in Bukarest gestorben. Die Deutschen kommen! Wie sah es 1914 In Paris auS, alS die deutschen Armeen vor den Toren standen, als sich Frankreich schon verloren gab und seine Regierung die Hauptstadt verlief? Nichts hat in der Erinnerung derer, die den Weltkrieg miterlebt haben, und in der Phantasie der jüngeren Generation so tief nachgewirkt wie der Beginn an der Westfront, der stürmische Vormarsch auf Paris, die Marne-Schlacht. Seitdem haben die Autoritäten des deut, scheu Generalstabs, haben die Geschichtsforscher die Zusammenhänge untersucht, und die Zeit ist gekommen, daraus die Summe zu ziehen! Lesen Sie heute den Tatsachen-Bericht der „Berliner Jllustrirten Zeitung"! Er hat Paris, die bedrohte Stadt, zum Ausgangspunkt. Dann aber führt er hinüber zur deutschen Front, schildert ihre Ruhmestaten und ehrt die unbekannten Soldaten, die im beglückenden Traum, chr Opfer sichere den deutschen Sieg, an der Marne ihr Leben ließen. Lesen Sie: „Die Deutschen kommen!" Laufen Sie sich heute die Balmer Jlluftrirte Zeitung Wie sie ihn bezwang Origmalroman von Z. Schneider-Foerfil. Urheberrechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau i. S. 12. Fortsetzung. Nachdruck verbotenI Schließlich war es kein Verbrechen, wenn er das Photo einer Frau oder eines Mädchens, das er möglicherweise einmal geliebt hatte, bei sich trug. Es lag ihr nichts ferner, als in diesem Punkte kleinlich zu sein. „ Aber was sie sonst aus das strengste verpönt hätte, das tat sie jetzt. Sie unterzog den übrigen Inhalt der Brieftasche einer genauen Durchsicht: Rechnungen von Hotels, die Bestätigung von Firmen über erhaltene Gelder, die Einladung eines Luftschiffkonsor- tiums zu einer Ingenieurzusammenkunft in Reval. Und dann auf den Knien balancierend, entfaltete sie das Blatt mit dem Firmenaufdruck einer Konstanzer Rechtsanwaltskanzlei. Ihr Blick flog über die wenigen Zeilen. Sehr geehrter Herr Baron! Eine Scheidung einzuleiten ist nicht so einfach, wie Sie sich vielleicht denken. Noch dazu nach so kurzer Ehe. Dazu wird vor allem eine dem Gesetze genügende Handhabe benötigt wie Ehebruch, böswilliges Verlassen usw. Es wird das Beste sein, wenn Sie sich persönlich in mein Bureau bemühen, um mit Ihnen über alle in Betracht kommenden Punkte sprechen zu können. Ihrem Besuch entgegensetzend Hochachtungsvoll Petersein, Justizrat. Für den Moment jeder Bewegung unfähig, lag sie reglos. Alles drehte sich in Kreisen. Dann verschwand der Spuk. Die Gegenstände ringsum nahmen wieder Wirklichkeit und natürliche Gestalt an. Mit steifen Fingern stopfte sie die Briefsachen in die Tasche zurück. Nur das Schreiben des Iustizrats dehiell sie zurück, als Zeugen, welche Gedanken er im geheimen trug--jetzt, nach einem knappen Vierteljahr des Verheiratetseins. Einen Moment überlegte sie, ob sie nicht hinauflaufen und ihn wachrütteln sollte. Dann ließ sie es. Zur Mutter gehen? — Nie! Allein tragen, die übergroße Not, die jetzt zur Nacht hereingebrochen war. Sie drückte die Hände vor das Gesicht. Aber ihre Augen fanden keine Träne. Als sie sich erhob, knockte die Seide ihres Kleides. Eine der kostbaren Silberspitzen riß und floß als schillernde Welle am Boden dahin. In unbarmherzig grellen Licht der Deckenbeleuchtung betrachtete sie ihr Spiegelbild. War sie denn nicht viel liebenswerter als die andere? So viel frauenhafter und hingehender als sie? Konnte ein Weib mehr schenken, als sie geschenkt hatte? Und doch wollte er von ihr geschieden sein, um jener anderen willen. Vielleicht war es das Beste, wenn sie ihn freigab. Wozu noch lange mit ihm weiterleben, wenn es doch nur eine Gnadenfrist war? Lebte sie denn überhaupt mtt>jhm? Wußte sie, was er alles tat, wenn er in Konstanz weilte? — Nichts wußte sie! Aber Oehme! Sein Freund war sicher eingeweiht in alles. Er war der einzige, der Auskunft geben konnte. Die Alabasteruhr, welche auf dem Biedermeiersockel thronte, zeigte bald Mitternach. Wenn sie Gewißheit haben wollte, mußte sie Oehme noch heute sprechen. Morgen in all dem Trubel war das unmöglich. Und wenn er ihr seine Aufwartung machte, wie er es vorhatte, war sicher Jörg zugegen. Es blieb keine Wahl der Zeit mehr. Möglich, daß sie Oehme aus dem Bette holen lassen mußte, aber das war einerlei. Er würde einsehen, daß sie nicht anders gekonnt hatte. Kurzerhand riß sie die Silberspitze ab und steckte die zerrissene Seide mit ein paar Nadeln fest. Und nun mußte sie doch noch einmal nach ihrem Zimmer, ihren Mantel zu holen. Ohne nach dem Bett zu sehen, in welchem der Gatte schlief, tastete sie sich nach dem Schranke. Die milchige Helle, welche die Winternacht durch den Raum schickte, kam ihr zustatten. So brauchte sie kein Licht zu machen. Ihre Hände fanden in diesem Dämmer sofort, was sie suchte. Ohne jedes Knacken sprang die Tür hinter ihr ein. Don den Gesellschaftsräumen herauf kam noch Lachen und der verschwommene Hall der Musik. Das Glück schien dort fein Ende zu nehmen. Sie horchte nach der Treppe. Es durfte ihr jetzt niemand begegnen. Die Bronzefigur, welche die schwergestanzte Lampe mit tzocherhobenen Händen trug, lag plötzlich in schwarzem Dunkel. Stephanies Finger hatten den Schalter gedreht. Saum drei Minuten später stand sie auf der Straße, die in lautloser Stille lag. Stephanie überlegte. Oehme wohnte im Bristol, hatte Hans Jörg gesagt. Das war ein Weg, der immerhin eine halbe Stunde beanspruchte, wenn nicht mehr. Sie sah zum Haus empor, dessen Parterreräume hell erleuchtet waren. Den Wagen aus der Garage zu holen, war gefährlich. Um die Ecke spähend, gewahrte sie einen Daimler, dessen Schlußlich brannte. Ohne Zögern trat sie hinzu, fand den Führersitz leer und eine schwere Samtdecke über den Kühler gelegt. Wenn es glückte? — Sie riß die Decke herab und warf sie in den Fond. Ehe sie auf das Trittbrett stieg, horchte sie nach der Villa zurück. Nur abgerissene Töne der Musik waren zu vernehmen. Den Kragen ihres Mantels hochgeschlagen, setzte sie sich an den Volant. Es war nicht der erste Daimler, den sie fuhr. Der Motor sprang an, machte einen Satz nach vorn und schoß mit ihr in die Nacht hinein. Erst an der Straßenbiegung ließ sie die beiden Scheinwerfer aufflammen. Ihr breiter Lichtkegel- fiel in schmerzender Helle über den Weg, Häuser und Zäune flitzten vorbei. Sie hatte kein Gefühl für Geschwindigkeit mehr und erschrak, als der Kilometerzähler 70 zeigte. Trotzdem dünkte sie die Entfernung endlos. Dann schöllen sich auf einmal* die Riesenkonturen der Innenstadt aus dem schleierhaften Nebel. Die Durchfahrt der Hofburg warf gespenstische Schatten. Der Rauhreif, welcher Busch und Baum in den Anlagen überzuckerte, zog fpinnenartige Netze, und das Gewirr der Drähte hing wie Silbergeschnür über Straßen und Plätze. Als sie in den Kärntnerring einbog, mäßigte sie das Tempo. Das Hotel Bristol lag hellerleuchtet. Das Surren des Motors verstummte. Trotz der gefährlichen Erregung, die in ihr hämmerte, vergaß sie nicht, die Samtdecke wieder über den Kühler zu breiten. Sie durfte um keinen Preis hier festsitzen. Tropenhaft schwül schlug ihr die Luft des Vestibüls entgegen. Von der Kuppel, die den Mittelbau überdachte, flössen Ströme von Licht, welche die grünen Jacken der Boys in ein märchenhaftes Farbenspiel tauchten. Einer von diesen sprang ihr entgegen und fragte nach ihren Wünschen. Dann kam auch schon einer der Direktoren und wiederholte des gleiche. „Ich möchte Herrn Doktor Oehme aus Konstanz sprechen. Er wohnt doch hier?" „Gewiß, Gnädigste. — Soll der Herr gerufen werden?" „Bitte!" Stephanie sah in den hohen Spiegeln ihr Eigenbild vielfach zurückgeworfen. Die Silberspitze des Kleides lugte verräterisch unter dem Pelzbesatz des Mantels hervor. Niemand kannte sie hier. Man mochte glauben, sie gehöre zum engeren Bekannten- kreise Oehmes. Nur was er dachte, das fiel in die Waagschale. Sonst nichts. Wohin aber sollte man gehen, um die wenigen Worte, die sie mit ihm zu reden hatte, vor fremden Ohren zu verbergen? Sie sah sich um. Die Halle war der am wenigsten geeignete Platz für eine solche Zwiesprache. Immer wieder kamen neue Gäste oder es gingen welche. Durch die sich öffnenden und schließenden Glastüren vernahm sie das Gewirr von Stimmen sowie das Aufeinanderklingen von Tellern und Gläsern. Und nun rief jemand mit gebieterischer Stimme m dem Raum linker Hand: „Herr Doktor Oehme aus Konstanz wird in die Halle gebeten." Stephanie zuckte zusammen, als wäre Unerhörtes geschehen.--In ihren Wangen ging und kam das Blut, während ihre Hände kältesteif ineinanderverschränkt waren. Der Schritt, den sie jetzt hinter sich vernahm, ließ sie eine halbe Wendung machen. „Baroyin!" Herz und Gehirn setzten einen Augenblick ihre Tätigkeit aus. Was mochte da Schreckliches geschehen sein? Der Portier äugte neugierig zu ihnen hinüber. Es galt Haltung zu bewahren. Stephanies Hand an die Lippen führend, frug er: „Was ist mit Hans Jörg?" „sie das zu fragen, bin ich gekommen, Herr Doktor!" Er prallte zurück. „Er ist nicht bei Ihnen?" »Doch!" Er sah, wie sie trotz der Hitze fror. Sie ist krank, durchfuhr es ihn. War er denn blind. Die hektischen Flecken auf ihren Wangen waren Fieberröte. Sein Blick irrte durch die Halle. Wohin denn nur? Hebet; all standen Gaffer. Sie aus sein Zimmer zu bitten, war unmöglich. Mer wohin nur?--— Er hätte sich ohrfeigen mögen. Der Direktor, weit- und menschenkundig, kam ihm zu Hilfe. „Wenn die Herrschaften im Teeraum eine Kleinigkeit zu sich nehmen wollen?--- Eventuell im Wintergarten?----" Oehme griff nach diesem Vorschlag wie ein Er- tringenber. Ein Boy wies ihnen den Weg. Als die Pendeltüren des Palmengartens ineinanderschlugen, vermochte er sich nicht mehr zu beherrschen. „Ich bitte Sie, gnädige Frau, spannen Sie mich nicht länger auf die Folter. Sprechen Sie um Gottes willen, was ist mit Hans Jörg?!" „Nichts", sagte sie tonlos ruhig. „Sie müssen entschuldigen, Doktor, daß, ich mir den Mut nahm, zu Ihnen zu kommen, noch dazu in dieser Stunde. Aber es kann mir niemand Auskunft geben als Sie: mit wem lebt mein Mann in Konstanz?" Alles andere hatte er erwartet. Das nicht. Es warf ihn beinah gegen die Riesenkaktee, die in seinem Rücken ihre stacheligen Blätter ausstreckte. „Frau Stephanie", sagte er endlich und noch einmal „Frau Stephanie." Sie nahm seine Fassungslosigkeit als ein Zugeständnis, und zugleich las sie in seinem Gesichte die Nutzlosigkeit ihres Bemühens Eine Mutlosigleit die wie ein lähmendes Müdesein wirkte, ergriff sie: „Ich hätte mir es denken können, daß Sie nicht gewillt sind, mir Aufschluß zu geben. Sie sind sein Freund." Ihr Gesicht nahm einen hoffnungslosen Ausdruck an. Er sah es und erwachte aus seiner Betäubung. „Sie verdächtigen ihn grundlos!" Die Zunge gehorchte nicht ganz. „Ich habe Beweise, Doktor!" „Beweise?" — Neuer Schrecken überfiel ihn, dazu das Gefährliche der Situation. Wenn ein Mensch sie erkannte! Sie hatte so viele Freunde in Wien. Spione gab es überall und solche, die nur zu gern einen Brand anzustecken gewillt waren. Wenn dann das Feuer lichterloh prasselte, vermochte kein Mensch mehr ihm Einhalt zu gebieten. Er fühlte sich nicht sicher hier. Zumal nicht so nahe dem Eingang. Hinter jedem der meterhohen Farne und den, in der Treibhausschwüle blühenden Rhododendrenbüschen konnte ein Lauscher versteckt fein. „Wir wollen ein Stück weiter hineingehen, gnädige Frau", mahnte er bittend. „Wo ist Hans Jörg jetzt?" „Er schläft!" „Und wenn er Sie vermißt?" sFortsetzung folgt.) Statt Karten. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Vaters, für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers, sowie dem Bauerseben Gesangverein für die letzte Ehrung, sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Karl Kinzenbach. Ingenieur Liesel Kinzenbach. Gießen (Bleichstraße 401), Februar 1933. 1c02D Danksagung. Für die außerordentlich vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unseres lieben Entschlafenen Armin Becker sagen wir auf diesem Wege allen unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Jakob Becker, Dentist Lollar, den 28. Februar 1933. 1507 D IAstoria-Lichtspiele I Heute bi* Sonntag einschließlich: Ein Sens.-Groß-Tonfihn in deutsch.Sprache | üer Schrei der Masse Iln dem gleichen rasenden Tempo, mit dem die Rennwagen um die Bahn jagen, spielt I sich das Geschehen dieses Filmes ab. Packend-Aufpeitschend - Mitreißend I Und das gute Beiprogramm. 15030 B Oeff entliehe > WaMlflindlW Freitag, 3. März 1933, abends 8% Uhr. in der Turnhalle am Oswaldsgarten unter Mitwirkung der Stahlhelmkapelle Es sprechen: 1. Herr Pfr. Zeidler, Kassel, 2. Herr Dir. Lange, Hanau über: vikkMMMlWS.M Eintritt frei! Die Turnhalle ist gut geheizt 1362 D Kampffront Schwarz -Weife - Rot MinlMgeW.AMWger bksLeulgWWMsGjem Samstag, den 4. März, abends 7'/» Uhr Pünktlich beginnend, sindet auf der >ÄiM Eiolnitaatad statt. Nach den Darbietungen wird getanzt. Alle ehemaligen Gießener Neal- gymnasiasten sind mit ihren Angehörigen herzlich eingeladen.__________ i 99 d Pa. Nordsee-Schellfische 0. K. Pfund 0.45, im Schnitt Pfd. 0.50 ff. Nordsee-Kabeljau 0. K. Pfund 0.35, im Schnitt Pfd. 0.40 Frischer Kabeljau II 0. St. Pfund 0.25, im Schnitt Pfd. 0.28 Brntf., Merlan, Goldb., Gr.Heringe St. Fisch-Filets, Pfd. 0.50, 0.55, 0.60 Alles in blutfr. Ware, heute eintreff. Klchavd Grünewald Bahnhofstr. 27 01.335 Fernsvr. 3631 I Lichtspielhaus Gießen Ab heute Donnerstag: Ein Flieger-Film, wie ihn die Welt noch nie gesehen! Wolkenstürmer Hauptrollen: Wallace Beery, Clark Gable Das Hohelied auf den Flieger! Eine Handlung von packender Wucht BI der von einzigartiger Schönheit Ein Film In deutscher Sprache! 1504c Die Presse schreibt: Das ist ein Film, wie man ihn in Deutschland noch nicht gesehen hat. CLARK GABLE: für die amerikanischen Zuschauerinnen Hans Albers. B. Z. am MITTAG. Der Zuschauer wird Kopf gestellt Berliner Börsen-Courier. Es ist einer der einzigartigsten Filme, die in der Geschichte der Kinematographie gedreht worden sind .... alles unübertrefflich. Tempo. Der Film sollte überall in Deutschland gezeigt werden. Angriff. Ferner: Das gute Beiprogramm und die Ufa-Ton-Woche Dora Ram Rudi Beierdörffer / Verlobte Lollar, den 2. März 1933 1489 D karzentra Lebensrnittel (rrittyMi fhpcvjtuMe 14t && Margarine 1 Pfund.......... Zacher, fein 1 Pfund.......... Vollreis IPfund.......... Halerllocken 1 Pfund.......... -.20 -.33 -.11 -.17 Leherwnrsl IPfund. ... Sdiladiwnrst im Fettdarm, 1 Pfd. -.95 Plockwurst 1 Pfund.......... 1.00 DessertMse 75- Gr.-Schachtel. -.10 EiersdiniMeln .35 1 Pfund.......... .UV -.20 lolelsinen 6 Stück . . . Sultaninen . 9 c Badrollamnen . 1 Pfund......... «LVl Aprikosen . 30 getrocknet. .Pfund »U7 TilsiterKise„.b. .AR IPfund.......... »TU Stoeizertäsefinn.. 75 45u/0, vollfett, 1 Pfd. el U Feltöücfcllnfie .IQ 1 Pfund......... el7 l6e.SdwiltDolinen.Qfi 2 Pfund-Dose..... »UO Saoerkranl . (17 1 Pfund.......... »Ul 1488 A korTentra HANSA —-- GIESSEN **■ Hühneraugen Warzen,HornvaUci ueieitiflt restlos auch in den yarmäckigu Fällen rötlicher uni itfar innerh 5-6 Ta HühneraugeD-Rapid G'Uältl. nur Löwen Drogerie W. Kilbingei Nacht., Seltersweg 69. Vereine Fünfziger MM Samstag, den 4. März, 20 Uhr, Ba nhots-Re- stanratim Niemann. □ 3. in. 191 /2 U.: B.. R. 20 ü.: Art. I. T. (Anin.), ansehL Berat. I. uooD eeeeeeeee»ee Stadttheater Gießen moD Freitag. 3. März, 20—22.30 Uhr 21. Freitag-Alwlm. Gewöhnliche Preise Dastimmtwadnicht Schwank in 3 Akten von s>ranz Arnold. MHOMOMH Salomon <006 A Modehaus -wasche • cwnn -Strümpfe • Nr. 52 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Donnerstag, März (933 buftrielle Produktion ist seit Rovcmbcr wieder leicht zurückgegangen. Auf den Kohle, markten hat sich die Llrnsatztätigkeit weit stärker als saisonüblich erhöht. 3n der eisenschaffenden Industrie behauptete sich der In» landsabsatz, baldige Zunahme der Investitionstätigkeit und Exportsteigerung sind jedoch noch nicht zu erwarten. In der Maschinenindu- st r i e_ verharren Gesamtauftragseingong und Beschäftigung in den Mafchinenbauanstol^en Wei- ter auf tiefem,Stand. Die Beschäftigung in der elektrotechnischen Industrie stieg weiter, ebenso in der Eisen- und Stahlwerk-Industrie. In der Bauwirtschaft hat sich der konjunkturelle Rückgang im ganzen kaum mehr fortgesetzt. Dec Tiefbau dürfte auch in der Dau- saison 1933 der Dauwirtschaft die stärkste Stütze verleihen. Die Papier erzeugende Industrie zeigte stärkere Belebung des Inlandsgeschäftes. Mit dem Anhalten des Rückschlages in der Textilindustrie wird die Gesamttendenz stabiler Produktion und P.eise nicht grundsätzlich geändert. Produktion und Bcsäräftigung der Lederindustrien sind wieder etwas gesunken. Die Lage des Handwerks war weiter äußerst gedrückt. Der Güterverkehr hat sich bis Jahresende zunehmend günstiger gestaltet. Cin Bild vom Kölner Karneval. Oie Landschaft aus Lava. Jm Auto auf den Vesuv. Von Dr. Gustav W. Eberle,n. ^om. Oberheffen. Landkreis Giehen. z Rödgen, 28. Febr. Der Bäckermeister Karl Zorn von Grohen-Buseck fuhr heute mittag mit feinem Bäckerwagen nach Gießen, um seine Kundschaft mit Brot zu versorgen. Bor Rödgen, am Käppchen, sauste ihm ein Motorradfahrer entgegen und fuhr dem Pferd gegen die Vorderbeine, so daß dieses zur Seite sprang. Wagen und Pserd überschlugen sich und der Mann kam unter den Wagen zu liegen. Ein paar junge Männer, die mit Rädern vorbei- kamen, eilten herzu «und leisteten Hilfe. Der Bäckermeister scheint zum Glück nur leichten Schaden genommen zu haben, der Wagen war auch nur wenig beschädigt. Der Motorradfahrer machte sich im schnellsten Tempo unerkannt davon. * Oppenrod, 28. Febr. Der evangelische Kirchengesangoer ein Oppenrod veranstaltete im Saale der Wirtschaft Döring einen wohlgelungenen Familienabend. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand, ausgeführt von einer Anzahl Schulkinder, ein Märchenspiel, das großen Beifall auslöste. Gut vorgetragene Chöre in Abwechslung mit einigen Theäterspielen füllten den Abend angenehm^ aus. Der unter Führung von Frau Dr. Greß mann stehende junge Verein kann mit Zufriedenheit auf diesen Familienabend zurückblicken. <£ Reiskirchen, 28. Febr. Dieser Tage veranstaltete der hiesige Sturm 4 116 der NSDAP, im überfüllten Saale von G u n d r u m einen Deutschen Abend. Nach der Begrüßung durch den Ortsgruppenverbandsleiter Hofmann hielt Herr Wendn agel (Gießen) eine Ansprache, die im gemeinsamen Gesang des Horst-Wessel-Liedes ausklang. Die Aufführung einiger Theaterstücke der NS.-Spielgruppen aus Allendorf a. d. Lda. und Hattenrod, sowie der Mädchengruppe aus Geilshausen fand vielen Beifall. Mit einigen Gedicht- und Musikvorträgen von Mitgliedern der Standartenkapelle Laubach fand das reichhaltige Programm seinen Abschluß. :/: Beuern, 1. März. Der Frauenver- e i n (Vorsitzende Frau Pfarrer Schmidt) hielt im Saale der „Germania" sein Winterfest als Fam.tienfest für die Angehörigen des eigenen, als auch diejenigen des Kirchengesangvereins ab. Dec Kicchengesangverein übernahm den musikalischen Teil durch Dortrag verschiedener Chöre. Die Ansprache des Ortspfarrers betonte Zweck und Ziel der Veranstaltung. Gedichte in Mundart, ein Reigenspiel und ein Theaterstück trugen zur Unterhaltung bei. )( Lich, l.März. Am Montag konnte der Land" wirt Christian Dietz I. in voller körperlicher und geistiger Frische sein 8 0. Lebensjahr vollenden. Am Morgen überbrachte Stiftsdechant Kahn im Auftrag des Landeskirchenamtes die herzlichen Glück- und Segenswünsche der obersten Kirchenbehärde. Am Abend brachte der Posdunenchor dem Geburtstagskind ein Ständchen dar. k Hungen, 1. März. Dieser Tage veranstaltete die SA. der Standarte 116 im Saale des „Darmstädter Hofes" unter Mitwirkung der Standartenkapelle einen Deutschen Abend. Rach dem Einmarsch der SA. sprach Standartenführer Graf Solms über die derzeitige poli- ti'che Lage. Als zweiter Redner des Abends P.ach Reichstagsabgeordneter Ringshausen von dem Kampf der nationalsozialistischen Bewegung. Kreis Schotten. □ Laubach, 1. März. Der Schützenverein hielt unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Högy im „Schühenhof" seine Hauptversammlung ab. Zunächst wurde des im vergangenen 3ahre verstorbenen Ehrenmitgliedes Leibiägcr i. R. Iohs. Becker in der üblichen Weise gedacht. Aus dem Rechenschaftsbericht war zu ersehen, daß das Ergebnis des verflossenen Ver- einsjahres als günstig bezeichnet werden konnte. Gut war sowohl die Beteiligung an den Derer nsschießen, als auch der Besuch auswärtiger Schützenfeste. Eine Reihe schöner Erfolge konnte erzielt werden. Forstsekretär Tröller trug die Rechnung vor, die mit einem kleinen Ueberschuß abschloß. Der Mitgliederstand hat sich wenig geändert. Der Jahresbeitrag von 6 Mark pro Mitglied wurde beibeholten. Der Vorstand wurde für 1933 einstimmig wiedergewählt. Schühenbru- der Arnold Enders wurde in Anbetracht seiner großen Verdienste, die er sich bei seiner mehr als 25jährigen Zugehörigkeit zum Vorstand erworben hat, zum Chrenvorstandsmitalied ernannt. Dos Eröffnungsschießen wurde auf den 7. Mai baä Hauptschießen auf den 23. August und dos Abschiehen auf den 24. September festgesetzt. Dr. Roßbach sprach sodann dem Schützen- meister für die eifrige Vereinsleitung den Dank der Mitglieder aus. Rach dem Gesang des Laubacher Schühenliedes wurde die Versancmlung geschlossen. ö 21116 dem h o h e nV o g e l sbe r g, 1.März Dieser Tage herrschte in den Dörfern des hohen Vogelsberges lebhafter Betrieb. Die R S D A P. veranstaltete Werbeumzüge ihrer SA. - Reapel, Ende Februar. Ein Abenteuer — aber das größte Erlebnis, das ein Fahrer in diesem aufgeräumten europäischen Haushalt haben kann. Denn im all» fiemeinen ist der Berg nicht zum Fahren da, andern zum Feuerspeien- Lleber der Landschaft zwischen Rom und Reapel spannte sich ein Himmel so durchsichtig dar, wie er nur im ersten Frühling sein kann. Wir fuhren unter einer blahblauen Glasglocke und hatten daher ringsum desselbe Licht — es mußte gläsern klingen, wenn man mit dem Finger daran klopfte. So war es in Frosinone, so in Monte- cassino. Erst als Capua im Rücken lag. eine runde Autostunde noch nach Reapel. zeigte sich am unteren Glockenrand eine dammartige Masse aus Watte, die langsam höher stieg, ohne ihre Querform aufzugeben, und zu einer Wolkenmauer wurde. Die Neapolitaner schauten prüfend hinaus und legten den Kops etwas auf die Seite, als wollten sie horchen. Am nächsten Morgen lag sie noch kompakter und mit einer Färbung, die nicht ganz geheuer war, über der Autobahn, die über Pompeji nach Castellamare führt. Das war keine hausbackene Wolke, keine Gießkanne für Schreber- gäctchen, das war der steife Atem des Vulkans. Wir schossen unter ihm hindurch wie unter einem Bahnübergang. Er verdunkelte die Sonne und verhieß einen heißen Kamps zwischen Berg und Motor. Der Vulkan hat bloß einen Zylinder, den Hubraum aber könnte kein Finanzamt messen und die Zündung ist unfehlbar. Bei Torre Annunziata muß man die Autobahn verlassen, es geht eine kurze' Strecke zurück aus der fuhrwerkverstopften alten Straße, bis rechts ein Wegwe.ser „Zum Vesuv" steht. Zum Vesuv — so wie es anderswo „Zum goldenen Löwen" oder „Zum roten Ochsen" heißt. Vielleicht hängen sie nächstens noch einen grünen Kranz hin, mit der sinnigen Inschrift „Herzlich willlommen!" Wo es aussieht, als sei hier einmal beim Großreinemachen die Landschaft umgestülpt worden. Häuser auf Lavablöcken, Lavablöcke in der guten Stube, Gärten aus Lava, Stühle aus Lava, Da hat sich ein Stück Orient eingenistet: kalkweiße Würfel, flache Terrassen, neue Sachlichkeit. Lind man erkennt „zweifelsfrei", daß das. was die Reuerer als modern erfunden haben, das Primäre war. Später kamen erst die Verbesserungen, wie Loggia und Säule und Ziegeldach. Von Zeit zu Zeit frißt der Berg b:" -ranze Geschichte auf, und kaum ist fein giftiger Auswurf erkaltet, sangen die Menschen toieoer nach Llrvät-ersitte zu bauen an wie die Ameisen. Um über den neuen Ameisenhügel hinwegzukommen, mutz bereits der erste Gang eingeschaltet werden, die Räder Heitern über Treppen aus Lava, lassen Doscotrecase hinter sich und — niemand hat gebettelt. Dor sechs Jahren nahm ich hier zum erstenmal den Kampf mit dem Berg auf, einen deinen Dier- Aylinder hatte ich unter mir und nebenher galoppierte siegess:cher 1 PS, ein Mensch, der in Vierzig Brocken aus vier Sprachen die Lleber- xeugung zu verbreiten suchte, daß das Paradies Der Erde auf dem Rücken der Pferde liege und 55 Lire koste. Am Cimitero, wo der Feuerstrom das letztemal Haltmachte, so daß das Dolk Mira- lulum schrie, hatte er natürlich schon gewonnen. Ich wischte die klebrigen Kinder von Tank und Trittbrettern und ergab mich in mein Schicksal. Diesmal blieb ich sitzen und gab Gas. Der- bissen und erfolgsicher, denn die Augen hatten schon eine vecheitzungsvolle Reuecung ersaßt: treppenartig oder weinbergartig hinter- und übereinander liegende Mauern am Aschenhang, die das Abrutschen des Wagens zu verhüten imstande sind, wenn nicht gerade ihre Fundamente auf dem trügerischen Untergrund schwimmen. Ja, das Treppenmauersystem wird sogar kühnlich als Autostraße bezeichnet und man verlangt Eintritt für das Svektakulum. Wir ahnten nicht, daß sich gerade heute das rot angeglühte Billet reichlich bezahlt machen würde. Roch war der schlimmere Teil des „Weges", der weglose Anfang, nicht überwunden. Don Casa- b.anca. der Psecdestation. geht es zwischen Lava- wanden in einem schmalen Sandbett steil aufwärts. der Wagen schlittert wie ein entgleister Schlitten, die feine graue Masse, zerpulverte CaDa, fteigt zeitweise über die Radachsen und es givt keinen Halt außer dem Getriebe. Wie, wenn jetzt einer entgegenkäme?? So heiß, wie uns bei diesem Gedanken, mag es nun dem Kühler werden. Wo es steil werde, werde es besser, weissagte em Bauer, den der lustige Lenz veranlaßt hatte, sich einmal nach seinem Lacrimae Christi unuu- fchauen. Und in der Tat, gcach einiger Zeit ließen die Bocksprünge des Wagens nach, man fühlte wieder so etwas wie Steuergehorsam, eine weite graue, bahnlofe Fläche tat sich aus, auf der junge Pinien und wilde Feigen wucherten. Bei Licht besehen, und es gleißte ein hartes wüstenhaftes Licht, das in die Augen stach wie Sand, breitete sich sogar ein Pinienwald aus. durch den Magmaströme unregelmäßige Schneisen gerissen hatten. Dank der zusammenbackenden Sonnenglut hielt der Boden, wir fegten der Luftlinie nach, geradewegs auf den ersten weihen Mauerstreifen zu. Dort trat aus einer mit feuerschnaubenden Ansichtskarten tapezierten Unterstandshütte ein Mensch heraus und verkaufte die Eintrittskarten. Ern etwas bemitleidender Blick auf den noch kindlich strahlenden Wagen — viel Glück auf den Weg, die Herrschaften! Und wir begannen zu fahren, zu gleiten, zu kraxeln. Originell, das ist nicht zu leugnen: ein Saumpfad für Autos. Auf den Aetna bauen sie jetzt eine richtige Straße hinauf, schön, aber der Aetna ist unendlich groß gegen den Vesuv, er hat einen Rücken, so breit, daß sich die (Serpentinen zum Gähnen dehnen können. Hier aber sitzt, trigonometrisch gesehen, ein steiler Kegel aus einer Trommel, und nur ein schmaler Sektor des Kegelmantels ist brauchbar, denn links und rechts gähnen die Abgründe von soundsovielen Ausbrüchen. Die Kurven folgen sich wie bei einer Wendeltreppe, überschneiden sich, es ist keine Straße unter dir. sondern ein sandgefüllter Schlauch. Es heißt mit Dollgas, was der keuchend Metor Ergibt, um die Ecken biegen, sonst — nun sonst j geht es einem beim Stehenbleiben wie uns jetzt j beim Photographieren: nach vollbrachter Aufnahme hatten es zwar die sechs Zylinder noch "nicht satt, aber die Kupplung pfiff und stank und benahm sich überhaupt wie ein störriger Esel. Pazienza! Es ist ja nicht langweilig, ein paar Stunden auf dem Bauch des Todes zu sitzen und ohne zu begreifen hinüberzuschauen ins grüne Leben. Hölle und Paradies — nirgends sind sie einander so-nahe wie in diesem der Wunder vollen Golf. Richt eine Spur von Leben ringsum. Asche und Stein und Lava. So sah es aus vor der Schöpfung, so wird es sein, wenn der letzte Stern erloschen. Ist es nicht, als sei die Hölle selber ausgebrannt? Das Richts der Verdammung gähnt aus tausend geplatzten Riesenblasen, der Wagen könnte hineinfahren, so groß ist ihr schwarzer Schlackenrachen. Ameisen empfinden vielleicht eine große Schlackenhalde so wie der Mensch die toten Abraumhalden des Vulkans. Run, wir wollen die Kletterei noch einmal versuchen, die Kupplung hat ausgeraucht. Hundert Meter im Leerlauf rückwärts, dann schnell, schnell getreten und geschaltet - es geht wieder. Lind es geht Wandhaft in die Höhe. Mit wütender Rauchabwehr empfängt uns der Gipfel, die Flammenwerfer rasen, der dicke Wolkenriegel, sinkt herab wie der Himmel selber und unter den Rädern läuft ein Grollen und Poltern und Rollen und Stampfen und Stoßen weg. Wir sind eingenebelt, es stinkt wieder, diesmal so wie in den alten Geschichten, wenn der Teufe! verduftet. Grausig oder großartig die schwarzen Zackengebilde zu beiden Seiten, hinten und vorne, wer will das noch sagen und unterscheiden, nur Gas! Gas! Rur nicht halten — — Mit einemmal hebt sich die Rauchwand, sie wird vom Krater eingesaugt — Stille — man hört das Herz klopfen — und da steigt langsam, stetig, maßlos feierlich die schwarze, rot durchzüngelte Rauchpinie hoch — der Berg zittert, bebt, reckt die Schultern - krach! Kurzes bellendes Echo. Wir zählen die Sekunden — sechzig — achtzig — krach! Das ist Eruption! Das ist Ausbruch! Gas! Gas! Los — - Ganz plötzlich hört der Pfad aus, der Wagen hängt mit den Vorderrädern über dem Höllental, losgerissene Blöcke rumpeln hinunter, Lapjli riefeln in Den Racken. Zu. i, drei Männer stürmen mit beschwörend hochgeworfenen Armen heran — zurück, um Gottes willen zurück! Sie greifen in uie Speicyen, drücken, schieben. Rauch, Krachen, Hallen. Die Führer haben in einem langen Vul- kanleben allerhand mitgemacht, daß Autos den Aschenkegel erklimmen, geht über ihr Verständnis. Signore! Eh! Guardate — il figlio del Vesuvio — der Sohn des Vesuvs! Sie werfen uns Riemen hin, angesaht, noch zehn, zwanzig Meter durch die Asche gezogen — wahrhaftig, der Sohn des Vesuvs, der innere Auswurfkegel, ist in offenem Aufruhr! Bald wird er zerbersten. Magma schießt wie aus einem zerschlitzten Hochofen in das Kraterbecken. Alle zwei Minuten dröhnt eine Explosion. Das Schauspiel hat begonnen. Deutsche Wirtschaft im Spiegel der Konjunkturforschung. Das Institut für Konjunkturforschung gibt einen Lieberblick über die i^onjunftur einzelner Wirtschaftszweige, dem folgendes entnommen sei: Die Gesamtlage der Landwirtschaft an der Jahreswende 1932 33 ist anhaltend kritisch. Die deutschen Getreidemärkte leiden unter einem starken, inneren Druck, so daß Zölle u. a. Maßnahmen nicht mehr die Inlandspreise zu heben vermögen. Auf dem Markt für Tiere und tierische Erzeugnisse waren die Preise infolge reichlichen Angebots weiter stark gedrückt. Die i n - „Kassierer 1933" mit leeren Hosentaschen, eine lustige Wagengruppe aus dem großen Rosenmontagszug. vielfach besteht bei Hausfrauen Sie Meinung, Malzkaffee und Getreidekaffee dürften keinen Zusatz bekommen, jederf&fllee verlangt einen Zusatz. Es must aber der richtige fein-nämlich die gute Kaffee- würze Mühlen Franck ^Jedeuc Xgffpp.. Sie verbessert und verbilligt jedes Kaffeegetränk. Mannschaften und besuchte dabet die Dörfer des Streitbach- und des Gilgbachtales. Schon morgens um 10 il^r trafen SA.-Leute, etwa 60 bis 80 an der Zahl, Don Laubach her in Wohnfeld ein, nachdem sie am Abend vorher in Lardenbach an einem Deutschen Abend teilnahmen. Herr Becker, Mainz, hielt in den Ortschaften Ansprachen. Die Dörfer Sellnrod, Wohnfeld, Dodenhausen und Höckersdorf konnten besucht werden. Das gemeinsame Mittagessen nahmen die Braunhemden in Groh-Eichen ein. Bon da aus ging die Fahrt nach Grünbcrg, wo die SA.-Leute an einem großen Aufmarsch teilnahmen. — Der Sturm Schotten unternahm ebenfalls einen Werbemarsch über Feldkrücken, Kölzenhain, Dodenhausen, Wohnfeld, Altenhain und zurück nach Schotten. Wirtschaft. Berlin lebhafter und befestigt. Berlin, 2. März.. (WTB. Funkspruch.) Die Unternehmungslust hat infolge der durch die Maßnahmen der Regierung eingetretene Beruhigung eine Belebung erfahren. Publikum und Spekulation beteiligten sich etwas stärker am Geschäft, zumal auch Aeuhork ziemlich fest geschlossen hatte. Die Anfangsnotierungen lagen fast durchweg bis zu 1,50 Prozent höher: verschiedentlich bestand Interesse für Prämien. Besonders Montane waren etwas lebhafter gefragt, da sie im letzten Bericht des Institutes für Konjunkturforschung besonders hervorgehoben worden waren. Stärker gesteigert eröffneten Gelsenkirchen. Mansfelder, Rheinische Braunkohlen, Kalipapiere, Elektrisch Licht & Kraft, Textilwerte, BMW., Aschaffenburg Zellstoff und Siemens, bei denen der Divi- dendenaoschlag zu berücksichtigen ist. Diesen Gewinnen bis zu 2,50 Prozent standen nur ganz vereinzelt Rückgänge bis zu 1 Prozent gegenüber. 3m Berlaufe bewirkte der verhältnismäßig recht gute Llltimoausweis der Reichsbank, an dem besonders die ausgeglichene Gold- und Devisenbilanz auffiel, daß sich allgemein neue Besserungen bis zu etwa 1 Prozent, bei Spezialwerten bis zu 2,50 Prozent ergaben. Das Geschäft blieb etwas lebhafter als an den Bortagen, war aber im Verhältnis zu den erzielten Besserungen nicht besonders groß. Farben überschritten wieder die 110 Prozent-Grenze und gingen gegen 13 Ahr mit 110,65 Prozent um. Auch für Montane bestand anhaltendes Kaufinteresse, während Kaliaktlen hauptsächlich infolge der Enge dieses Marktes stärker anzogen. Deutsche Anleihen lagen fester, Altbefitz zogen bis auf 69,39 Prozent an, während Restbesitz nur gut behauptet blieben. Re.chLschuldbuchfor- derungen gewannen bis zu 0,50 Prozent. Bon variablen Industrieobligationen waren Bereinigt« Stahlbonds fast 1 Prozent höher. Reichsbahnvorzugsaktien erreichten einen Stand von 95 Prozent. Die übrigen Rentenmärkte lagen verhältnismäßig ruhig und hatten kaum größere Veränderungen aufzuweisen. Bon Ausländern waren Bosnier 0,39 Prozent schwächer, Lissabonner Stadtanleihe 0,50 Prozent fester. Am Geldmarkt hat sich auch heute infolge der Lombardrückzahlungen noch keine Entspannung durchsetzen können. Tagesaeld stellte sich an der unteren Grenze auf 5 bis 7, zum Teil auf 4,91 Prozent. Privatdiskonten waren eher etwas gefragt, doch lag auch noch kleines Angebot vor. Re.chswechsel per 2. Juni und Reichsschahanweisungen per 16. Oktober wurden eher etwas gesucht. Frankfurt still, aber befestigt. Frankfurt, 2. März. (WTB. Drahtmeldung.) Die unsichere Stimmung der letzten Tage wurde heute durch die weitere Erholung der Auslandsbörsen ziemlich behoben,"allerdings machte sich im Hinblick auf die bevorstehende Wahl noch größere Zurückhaltung bemerkbar. Trotzdem war die Stimmung recht zuversichtlich und die Tendenz weiter leicht befestigt. Die ersten Notierungen zeigten zwar Erhöhungen von etwa 0,50 bis 1 o. $)., das Geschäft hielt sich aber zunächst infolge des Ordermangels in engen Grenzen. Nach den ersten Notierungen setzten sich für Svezialwerte einige Besserungen durch und das Geschäft war auf einigen Markige- bieten ziemlich lebhaft, da einige Orders eingetrof- fen waren. Die Kulisse ging etwas aus chrer Reserve heraus und betätigte sich stärker am Geschäft. Im Mittelpunkt des Interesses standen IG.; sie eröffneten mit 109,40 v. H. zunächst 0,50 o. H. höher und waren dann bis auf 110,25 v. H. gesteigert. Der heutige Ultimoausweis der Reichsbank, der zwar eine Anspannung zeigte, machte keinen Eindruck. Relativ lebhaft wurden auch einige Montanwerte umgesetzt, besonders Gelsenkirchen mit plus 2,25 o. H. und Rheinstahl mit plus 1,25 v. H. Buderus, Phönix und Stahlverein zogen je 1 v. H. an. Am Elektromarkt lagen besonders die internationalen Werte auf Grund der erholten Auslandsbörsen fest, so z. B. Licht und Kraft mit plus 2 v. H. und Ges- fürel mit plus 1,50 o. H. Schuckert zogen 1 v. H. an und Siemens gewannen unter Berücksichtigung des Dioidendenabfchlages auf 6,3 v. H. 2 v. H. Die gestern stark gedrückten Aschaffenburger Zellstoff-Aktien konnten sich um 0,75 v. H. aus 21,75 v. H. er- holen. Am Kunstseidenmarkt erhöhten fick Bemberg 2,50 v. H. und Aku um 1 v. H. Schiffahrtspapiere waren bis zu 0.25 v. H. fester, während Zement Heidelberg 0,50 v. H. nachgaben und Scheideanstalt behauptet blieben. Der Rentenmarkt lag sehr ruhig bei unveränderten Kursen. Offenbar hat die stärkere Erholung der Geldsähe in Reuyork als Folge der Bankschwierigkeiten einen Einfluß darauf genommen, daß man die gehegten Dinkontsenkungshoffnungen der Reichsbank etwas zurückstellte. Alt- und Reu- besih sowie späte Deichsschuldbuchforderungen lagen vollkommen unverändert. Stahlvereinbonds eröffneten 0,25 Prozent höher. Goldpfandbriese blieben teils > )erändert, teils zogen sie von 0,25 bis 0,50 Prozent an, ebenso waren Liquidationspfandbriefe etwas freundlicher. Kommunalobligationen lagen unverändert. Der Berlauf lag zwar sehr ruhig, die erhöhten Kurse blieben aber gut behauptet. Vereinzelt ergaben sich noch Erhöhungen. So lagen IG. 0,50 Prozent und Bemberg 1 Prozent fester. Don anfangs noch nicht notierten Papieren kamen Reichsbank 0,65 Prozent, Deutsche Erdöl 1,38 und Lahmeyer 1,75 Prozent höher zur Rotiz, wogegen Dekula 0,50 Prozent nachgaben. Tagesgeld blieb mit 4,50 Prozent unverändert. Die Lage war jedoch weiter erleichtert. ^rnnffurtc** Frankfurt a. M., 2. März. Auftrieb: 90 Rinder, 864 Kälber, 211 Schafe, 508 Schweine. Es notierten: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 36 bis 40, mittlere Mast- und Saugkälber 30 bis 35, geringe Kälber 25 bis 29 Mark: Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthämmel 25 bis 28, mittlere Mastlämmer, ältere Masthämmel und gut genährte Schafe 21 bis 24 Mark: Schweine: vollfleischige Schweine von ca. 200 bis 240 Pfd. Lebendgewicht 36 bis 40, von ca. 160 bis 200 Pfd. Lebendgewicht 35 bis 39 Mark. — Marktoerlauf: Kälber mittelmäßig, Schäfe rege, ausverkauft, Schweine langsam, Ueberstand. Kirche und Schule. Lanvkrcs Gicftrn. :/: ‘Beuern, 1. März. Am Sonntag fand hier eine Kirchenvisitation durch den Superintendenten Oberkirchenrat D. Wagner- Giehen statt. Während im Hauptgottssdienst der Evangelische Kirchengesangvere n unter Leitung des Dirigenten S ch o m b e r (Deuern> mitwirkt«, brachten im Rachmittagsgottesdienst für di« Jugend die Schüler der Oberklasse zwei Chöre zum Vortrag. Wcttervo raussatte. Infolge allgemeinen Luftdruckfalls hat sich die Borderlelte der britischen Störung weiter auf das Festland vorgearbeitet und den hohen Druck etwas zurückgedrängt. Während in Ostdeutschland heute morgen noch ziemlich starke' Frosttemperaturen gemessen wurden, lagen in Westdeutschland und auch bei uns die Werte bereits über Null. Die in der Höhe vorgedrungene Ozeanluft hat gleichfalls eine Wolkendecke und auch etwas Niederschlag erzeugt. Wir verbleiben im Bereich der Grenzwetterlage, d. h. teils wird durch die Störung noch mehr maritime Luft heranbefördert, wodurch eine Wolkendecke entsteht, teils wird sich der hohe Druck auswirken und kurzes Auflaren veranlassen. Die Temperaturen erfahren zwischen Tag und Nacht nicht mehr so starke Gegensätze wie seither, doch bleiben die Nächte noch nicht ganz frostfrei. Vereinzelt dürfte mit etwas Regen zu rechnen sein. Aussichten für Freitag: Neblig und bewölkt mit kurzem Aufklaren, Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht mehr ausgeglichen, vereinzelt etwas Regen. Aussichten für Samstag: Wolkig und aufklarend, Temperaturen nachts noch etwas unter Null. Lufttemperaturen am 1. März: mittags 5,5 Grad Celsius abends 0,9 Grad: am 2. März: morgens 0,1 Grad. Maximum 6,4 Grad, Minimum —3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. März: abends — 0,3 Grad: am 2. März: morgens —0,3 Grad. — Sonnenscheindauer 9 Stunden. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Freitag, den 3. März. Kapelle des Alten Friedhofs. 18 Uhr: Pafsions. andacht: Pfr. Lenz. — Petrnskapelle: 20: Passionsandacht: Pfarrassistent Knell. Israelitische Gemeinden. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst iit der Synaaoge (Südanlage). Samstag, 4. März. Vorabend 6 Uhr: morgens 9; abends 6.20 und 7 Uhr. Israelitische Religionsgcsellschost. Sabbatfeier den 4. März. Freitag abend 5.45 Uhr ; Samstag vormittag 8.30; nachmittags 3.30; Sabbatausgang 7. — Wochengottesdienst: morgens 7; abends 5.30 Uhr. Nr. 2, einzureichen. 1493C Rinu Paket 20 Pf. Famos, selbsttätiges Waschmittel, Paket 62 u. 32 Pf. Solex Paket 18 Pf. 3. Brot, e. G. m b. H 1492 A werden. 13950 Gilt! Eilt! 1501 A 1509 A {St 250 Gramm 500 Gramm Pfund 26 Pf. Pfund 20 Pf. Baumwachs Edel'Raffiabast Kokosstricke Baumsägen Gartenscheren Schmierseife, weiß................ Schmierseife, braun.............. 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Wilhelm Kuhl Kinzenbach 9 (uooD Zoverl Perlon für dortl-e Bezirksfiliale als Generalvertreter ges, hoher dauernder Verdienst Beruf gl. (kostenlos). GehrinadCo. B.m.bTH. !606i> Unkel Bhein 419. 6000 Mk. K™: Schrift!. Ana unt. 01329 a. d. Gß. Az. Vergebung. Für das Landgerichtsgefängnis zu Gießen soll für die Zeit vom 1. April 1933 bis 31. März 1934 der Bedarf an: 1. Fleisch-, Wurst- und Fettwaren, 2. Milch, Fleißige Seimarbeiter(innen) zum Fertigmachen eines Massenartikels bet Stücklohn gesucht Avvaratebauanftalt G. Schau Magdeburg, Fürstenstrahe 24 isiov Kanarienvögel Hähne ».Weibchen, auchzurZuchtgeeig. bill. abzugeben. 01323 K. Becker, Gießen, Ebelstratze 14. Einiami’ienhaus od.7-Zimmer»Woh- nung in freier Lage, zum 1. Okt. d. I. zu miet, gesucht. Schr. Angeb.unter 1496D an den Gieß. Anz. Ruhige Leute ohne Kinder suchen.3- ob. 4-Zimmer-Wo km. in gut. Haufe. Schr. Angeb. unter 01326 an den Gieß. Anz. Lieferungsvergebung. Die Lieferung des Bedarfs an Fleischund Durstwaren, Backwaren, Butter und Milch für das Rj. 1933 evtl, auch für 1934, sowie des Bedarfs an sonstigen Verzehrungsgegenständen und an Reinigungsmaterial (Seife usw.) für die Zeit vom 1. April bis 30. Juni 1933 (Verlängerung des Vertrages von Vierteljahr zu Vierteljahr bis zum 31. März 1934 ist nicht ausgeschlossen) soll für die Universitäts-Kliniken in Gießen vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen für Verzeh- ruirgsgegenftände können an Werktagen von 15 vis 17 Uhr (außer Samstags) bei der Verwaltung der Universitäts-Kliniken, Klinikstraße 32, I. Stock, Zimmer 5/7, diejenigen für Reinigungsartikel Zimmer 10 eingesehen, die Bedarfslisten gegen Erstattung der Selbstkosten daselbst bezogen 5-Zimiw-Wiiwg van., i. d. Anlage, f. 70Mk. anruh.Miet. zu verm.Schr.Anfr. u. 01337 a. d.G.A. 3-Zimmcrwohnung m.Nadezimm.,Balkon sowie allem Zubehör v. 1. 4. 33 zu oerm. Nüber. 01321 5d)iUcrftr.26(Bttro) Warenahgabe nur an Mitglieder! 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Gießen, den 28. Februar 1933. Hessisches Amtsgericht. (1494V 2-3-ZiiM-Hiwg mit Küche, Nähe Gießens, sofort zu vermiet. Schr. Ana. u. 01332 a. d, G.A. ( Mietgesuche | Kinderlos. Ehepaar 2-Z.-Wotanng mit Küche in zentr. Laae. Schr. Ana. u. 01325 a.d.Gß. Anz. Sonderangebot 1 Scheuertuch.... 1 Scheuerbürste. 1 Stück Seife......PL Sorten wss a. d. Hohleich, 1600 qm mit reicht. Obst u. Beerenstrauch, im ganz., auch getrennt zu verkaufen, oiaao Näheres: A. Becker, Kepplerstr.9,Tel.88O4 BMW.-Limousine ein Lieserwaa., ein Motorrad,steuer-u. führerscheinfr. 01330 ö.WerMrWe 10 45 Adler- Limousine in gut.Zuftcmd günstig zu verkauf. 01339 Valentin Schlich Südanlage 7 Urnftändeh. bill. zu verk. 1 Sola,l Blumenkrippe, 1 GasbackoL, 1 Tisch, 1 Vertiko. 01331 Biegelpfad 60 p. | Kaufgesuche | 30 Zentner 1505D Ditktvuvz ges. Angeb. rn. Preis an Alb. Müller,Alten- bnaeck.Steingaaie 14 |Empfehlungen| Faltboote Gelegenheit! 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Zwangsversteigerung 89^31 Am Donnerstag, dem 9. März 1933, vormittags 9 Uhr. wird im Amtsgerichts gedäude zu Gießen, Zimmer 107, das nachstehende im Grundbucke von Gießen 1. der Jakob Happel Witwe, Luise geb. Herbert in Gießen zu %, 2. dem Hans Wilhelm Emil Happel in Gießen zu % zugeschriebene Anwesen Große Mühlgasse Nr. 30 750D Flur 1, Jlr. 980 = 183 qm hofreite Flur 1, Nr. 986 = 583 qm hofreite, geschätzt zusammen 27 540 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel, Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. Gießen, den 30. Januar 1933. 3.21. des Hessischen Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. 4. an sonstigen Verzehrungsgegenständen (Del, Essig, Zucker, Kaffee, Reis, Erbsen, Linsen, Bohnen, Butter, Köse, Seefische usw.), 5. Reinigungsmaterialien (Seife, Seifen, pulver, Soda usw.) im Verdingungswege vergeben werden. Weiter werden an den Meistbietenden die in dieser Anstall anfallenden Küchen- abfälle veraeben. 1498V Verschlossene Angebote und Gebote sind kostenfrei bis zum Eröffnungstermin Freilag, den 17. März 1933 vormittags 11 Ayr auf der Geschäftsstelle der StaatsANwalt- fchaft, dahier, Altes Iustizgebäude, Erd» gesckoß, Zimmer Nr. 9, niederzulegen. Die Vergebung erfolgt unter den in Anlage A zu dem Ministerialsrlaß vom 16. Juni 1893, das Verdingungswesen betreffend, enthaltenen allgemeinen und den von dem Unterzeichneten aufgestellten besonderen Bedingungen, welche auf der Geschäftsstelle eingesehen und gegen Erstattung der Schreibgebühren bezogen werden können. Für die Angebote dürfen nur vorgeschriebene Angebotsformulare, die gegen Kostenerstattung von unserer Geschäftsstelle bezogen werden können, verwendet werden. Gießen, den 27. Februar 1933. Der Oberstaatsanwalt. ---» , Bekanntmachung. Die Rechnung der Landjudenschaft der Provinz Oberhessen für das Rcchnungs- jahr 1931 und der Voranschlag für das Rechnungsjahr 1933 liegen acht Tage lang zur Einsicht der Beteiligten auf dem Bureau des unterzeichneten Landjudenschafts- Vorstehers in Gießsn, Bahnhofstraße 761, offen. 1497V Rur während der Offenlegungsfrist tonnen Einwendungen gegen die Richtigkeit der Rechnung und den Inhalt des Voranschlags erhoben werden. Die Eimpen- dungen sind schriftlich einzureichen und zu begründen. Gießen, den 1. März 1933. Der Vorsteher der Landjudenschaft der Provinz Oberhessen. Rothenberger. Beim Waschen,^