u Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr. Chefredakteur-. Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil i.B.TH.Kümmel sämtlich in Gießen. ttr|d)etni »ügltch, autzei Sonntag» und FeieNagS Beilagen; Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl» Monarr-vezugspretr: Mi, 4 'Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. . -.25 Auch bei Nichterscheinen Dun einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. __ _ MM Eeneral-Anzeiger für Oberhessen poftschecktonto: 1 ” ^ronffurt am Main liess, vrilck vnd Verlag: vrühl'sche UnlversttSl§-vuch- und Steinöniderei n. Lange in Gletzen. Zchriftlettung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7. Nr. 282 Erstes Blatt 185. Jahrgang Freitag, l. Dezember 1933 GietzenerAnzeiger Reue Schliche der französischen Saarpolitik. Das Scheitern der Annexionewunsche. — Kampf um den Status quo. — Wie man die für Frankreich unausbleibliche Katastrophe der Volksabstimmung verhindern möchte. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Paris, 28. November 1933. Es ist geradezu auffällig, mit welchem Eifer |u. die französische Politik m der letzten Zeit Di. Saarfrage annimmt. Zwar hat man in Pari- dies Problem nie aus Öen Augen gelassen, aber es, waren in erster Linie kleine, wenn auch einfluh reiche Kreise, die, ohne daß die breite Oeftentlichkeu viel davon erfuhr, im Hintergründe für die fraii zöfischen Interesjen wirkten. Sie gruppieren sich um die „Association Franxaise de la Sarre", Die „Societe des arnis des Pays de la Sarre" und die neuerdings gegründete „Union Franco-Sa^ roise", die eine Art Verein der Saarländer in Frankreich darstellen soll. Mit dem Herannahen des Abstimmungstermins ist indessen die Entscheidung der Saarfrage offensichtlich in den Voröergrunö der offiziellen Politik gerückt und Regierung wie Qeffentlichkeit liefern tagtäglich Beweise des größten Interesses für die Saarproblematik. Es ist aber ungeachtet der vielfachen Formen, in denen sicb dieses Interesse bekundet, nicht ganz leicht, e i n klares Bild Der französischen Saarpolitit zu zeichnen, einfach deshalb, weil die Erkenntnis, daß die bisherige Grundlage der französischen rvaar- politik illusorisch geworden ist, sich erst in der letzten Zeit allgemein durchsetzte und infolgedessen die einheitliche taktische Linie noch fehlt. So versucht man im Augenblick von den verschiedensten Seiten her eine neue Plattform zu schaffen, von der aus die franzöfifchen Ziele mit Aussicht auf Erfolg durchgekämpft werden können, ohne daß sich die verschiedenen Auffassungen alle schon widerspruchslos zusammenfügen ließen. Um die Schwenkung zu erkennen, die die franzö- ische Saarpolitik letzthin genommen hat, muh man olgenöes berücksichtigen: Die Versailler Lö- u n g des Saarproblems ist eine der wenigen Ent- cheiöungen der großen Friedensmacher gewesen, bei der Frankreich mit seinen Forderungen nicht durchdrang. Die erhoffte Annexion des Saargebiets blieb aus, trotz der Clemenceau- schen Lüge von den 150 000 Saarfränzosen. Allerdings reichte diese Geschichtsklitterung hin, um die unselige Patentlösung zu „rechtfertigen": preußische und bayrische Landesteile vom Mutterland abzutrennen, die zum vorher unbekannten Begriff „S a a r g e b i e t" zusammenzufetzen, diesem künstlich geschaffenen Land eine internationale Regierung zu geben und den franzöfifchen Zolltarif und französische Währung einzuführen. Die Zustimmung Frankreichs zu dieser Regelung gründete sich auf die Hoffnung, mit Hilfe dieses Saarstatutes die Annexion später doch zu erreichen — eine merkwürdige Nachwirkung der Clemcnceau- Lüge, die zu der Annahme führte, daß die Bevölkerung an der Saar in ihrer nationalpolltischen Auffassung einheitlich fei. Es hat lange gedauert, bis Frankreich sich von dieser Vorstellung freimachte; heute ist sie in Paris als Irrtum erkannt, ist der Traum von der französischen Mehrheit dahin und damit auch der Annexionsplan, der heute nur noch die Phantasie hitziger Chauvinisten belebt. Die offizielle Politik hat sich indessen schnell zu einer gründlichen Revision der bisherigen Anschauungen entschlossen. Man läßt das alte Ziel resigniert unter dem Zwang der Wirklichkeit fallen, aber nur, um sich sofort ein neues zu stellen und ihm gelten heute alle Bemühungen. Warum, so argumentiert man, soll das, was im Großen nicht ging, nicht im Kleinen gelingen? Warum soll man es nicht mit der Minderheit versuchen, wenn es mit der Mehrheit nichts ist? Und so wie man plötzlich sein Herz für die arme gequälte Minderheit entdeckt, läßt man die illusorisch gewordene Annexion allen und proklamiert die Beibehaltung des „Status quo", die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen Rechtszustandes, als das neue Ziel. Freilich, auf dem Abstim- mungsweg ist schwerlich etwas zu erreichen, kann man doch selbst nach hlesigen optimistischen Schätzungen höchstens wenige tausend Saarländer mobil machen, die für das französische Saarziel zur Urne schreiten würden. Aber auch da weiß man sich zu helfen: Frankreich wird die Saarentscheidung nicht an Ort und Stelle im Abstimmungskampf suchen, sondern wenn möglich auf dem glatten Genfer Parkett und dort, begünstigt von der berühmten Genfer Atmosphäre, den Hebel ansetzen! Willkommene Hilfe sieht man in den bezahlten separatistischen Subjekten und den zahlreichen im Saargebiet sich tummelnden Emigranten und „politischen Flüchtlingen". 36nen gilt alle Sorge. Kammerabgeordnete hören sich die beweglichen Klagen dieser Herrschaften wohlwollend an, Paul-Boncour empfängt den Separatistenhäuptling Waltz, der ihm und den Abgeordneten in einer „Denkschrift" der Liga für Menschenrechte das „Material" liefert, mit dem die Saaraussprache in der Kammer bestritten wird — nach außen aber erfüllt Frankreich eine K u 11 u r m > f s i o n , es nimmt sich der „Saarländer" und ihres „herzbewegenden Appells" an! In der Praxis hofft man, aus dieser Entwicklung politisches Kapital genug schlagen zu können. Entweder, so lautet die Spekulation, wird die „Zersplitterung" der Stimmen beim Endkampf eine endgültige Beschlußfassung des Völkerbundsrates nicht ermöglichen, oder das Gebiet muß infolge der „unentwirrbaren Stimmabgabe" a u f g e t e i 11 werden. Diese Aufteilungsidee spukt in vielen Köpfen, besonders in denen, für die das Saargebiet eine Kalkulation innerhalb des Sicherheitsbedürfnisses ist. Zei dieser eventuellen Aufteilung würde das aus trategifchen Gründen wichtige linke Saarufer, ,der nach Lothringen hineinspringende Brückenkopf" mit den beherrschenden Bergeshöhen an Frankreich abzutreten sein, während das rechte Ufer in Deutschland fallen soll! Eine andere Richtung endlich möchte — ganz im Sinne des saar- ändischen Marxismus und Separatismus — die Volksabstimmung abwarten, durch den Völkerbunds- rat die geheime und unbeeinflußte Stimmabgabe a n 3 m e i f e (n (affen, um die Verlängerung Des Völkerbundsregimes zu rechtfertigen, das man ja aus guten Gründen fast der eigenen Herrschaft gleichsetzen kann. Bei dieser Gelegenheit I könnte das Saargebiet gleich eine neue Verfassung zum Geschenk erhalten, die sich in den 1 Ideenkreisen einer „autoritären Demokratie bewegt: etwa ein mit mehr Rechten als bisher ausgestattetes Parlament, um die schärfsten seit Jahren erhobenen Klagen einzudämmen, wobei aber die „Unabhängigkeit" der Regierung vom Volk jede Frankreich schädigende Aktion dieses „modernen" Parlamentes paralysieren würde. Man sieht, wie die französische Saarpolitik nach Ge n f tendiert. Schließlich ist es ja kein Zufall, daß der sonst übliche Grundsatz der Einstimmigkeit bei Ratsentscheidungen in der Saarfrage aufgegeben und wohlweislich durch die Mehrheitsentscheidung ersetzt wurde! Man wird in Deutschland gut tun, die französische Saarpolitit in allen ihren Richtungen und Schattierungen sorgsam zu beobachten, um entsprechend handeln zu können. In der Sackgasse. Paris, 30. Roo. (LRB. Funkspruch.) 3m Auswärtigen Ausschuß der Sammer erklärte der Abgeordnete Fribourg gegenüber dem in der französischen Presse erörterten Plan eines französischen Verzichtes auf die Volksabstimmung zur Erleichterung von Wirtschafts- Verhandlungen mit Deutschland, wenn Frankreich auf diesen Grundlagen zu Verhandlungen bereit wäre, würde es im Saargebiet den Eindruck erwecken, als kapituliere es. Die Saarländer, die schon jetzt infolge der Zurückhaltung Frankreichs beunruhigt feien, würden an der Zukunft verzweifeln. Verhandlungen mit Deutschland würden auch im wiedergewonnenen Elsah-Loth- ringen als Beweis der Schwäche wirken und gegen Frankreich ausgebeutet werden. Auch andere Länder würden zu Forderungen gegenüber Frankreich ermutigt werden, und Frankreich würde auf diese weise mit eigener Hand einenwesent- liojcn Teil des Versailler Vertrages z e r st ö r e n. Frankreich müßte den friedlichen Kampf um das Saargebiet methodisch, mutig und m i t den „geeigneten Mitteln" führen. Dann werde es ihn gewinnen. * Das Referat des Abgeordneten Fribourg, zu dem sich die Regierung noch nicht geäußert hat, zeigt die ganze Besorgnis und Verlegenheit, die in Paris wegen der künftigen Entwicklung der Saarfrage besteht. Frankreich befindet sich durch feine eigene Schuld in einer Sackgasse; ob die Saarabstimmung stattfindet oder nicht —- das Verhalten der Saarbevölkerung ist eine tägliche Volksabstimmung zugunsten der vollen Wiede r a n g l i e b e r u n g an Deutschland — das französische Saarexperiment kann nur mit einem Prestigeverlust für Frankreich enden. Dieser wird natürlich besonders groß sein, wenn bei einem feierlichen historischen Akt der genaue Prozentsatz der französischen Mißerfolge festgestellt wird. Echo der presse. Paris, 30. Nov. (TU.) Die Saardebatte des Auswärtigen Ausschusses der Kammer findet in der Pariser Presse einen starken Widerhall. Die Blätter stimmen ohne Unterschied der Parteirichtung den Ausführungen des Abgeordneten Fribourg zu und sprechen sich gegen Verhandlungen über d i e vorzeitige Rückgabe Des Saargebietes an Deutschland aus. Sie verschanzen sich dabei hinter dem Versailler Vertrag, der der Saarbeoölterung gewisse Rechte für ihre Abstimmung zugestehe. Diese dürften nicht „angetastet" werden. Man weist außerdem darauf Yin, daß es Frankreich überhaupt nicht „z u st e h e ", in dieser Angelegenheit irgendwelche Beschlüsse zu fassen, weil das Saargebiet unter dem S ch u tz des Völkerbundes stehe. Der „Temps" schreibt, daß die Aufhebung der Volksabstimmung einer öffentlichen Verletzung des Versailler Vertrages gleichkommen würde. Dadurch würde die Saarbeoölterung ihrer unantastbaren Rechte beraubt werden. Ganz abgesehen von einer Reihe anderer Fragen, die bas Saargebiet beträfen, bürfe biefe Möglichkeit überhaupt nicht in Erwägung ge- zogen werben. 403* Arbeit für eine Liertelmitlion Menschen im Freiwilligen Arbeitsdienst. Staatssekretär Hierl über Gegenwartsaufgaben undZukunst des Arbeitsdienstes Berlin, 30. Nov. (Vbz.) Der Reichsleiter für ben Freiwilligen Arbeitsbienst Staatssekretär Hierl gewährte einem Pressevertreter eine Unterrebung, in ber er erklärte: Dem Arbeitsbienst sei eine große volkswirtschaftliche Probuktivität zuzuerkennen. Schon jetzt finbe man überall im Reiche zahlreiche Stellen, die i m Vorjahr noch Oeblanb waren unb auf benen heute Kartoffeln ober Ge treibe wachse. Der Arbeitsbienst wolle ja burch bestmögliche Bearbeitung beutschen Bodens unser Volk unabhängig von der Einfuhr lebensnotwendiger landwirtschaftlicher Erzeugnisse machen. Die volkswirtschaftliche Produktivität des Arbeitsdienstes werde in viel höherem Maße erscheinen, wenn es Gelungen sei, ben vom alten System hinterlassenen Zustanb eines planlosen Einsatzes zu über- roinben. Dazu wäre eine planvolle Arbeitsbeschaffung für ben Arbeitsbienst, gipfelnb in einer Zentralstelle bes Reichs unb Zweigstellen in ben Ländern ufw. notwendig. Der jugendliche Arbeitslose koste dem deutschen Volk durchschnittlich 1,50 Mark täglich. Der Ar- beitsdienslwillige koste 2,14 Mark einschließlich ber Kosten für Führung unb Verwaltung. Für die Lchrkoslen von 64 Pfennig werbe erreicht, baß ber junge Mensch, anstatt für den volkswirtschaftlichen Produktionsprozeß aus; u - fallen, volkswirtschaftliche Werte schaffe unb bah er, anstatt durch Arbeitslosigkeit zu verkümmern, Leib und Seele bei ber Arbeit gesund erhalle unb zu einer hohen, sittlichen Auffassung vom Begriff „Arbeit" erzogen werde. Dieser Vorteil, ber sich burch Zahlen gar nicht ausbrücken lasse, sei von größter Bedeutung auch für die Volkswirtschaft. Eine Entlastung ber Gemeinben trete schon burch bas Ausscheiden der jungen Leute aus der Erwerbslosenfürsorge ein. Dazu komme noch die starke Belebung der ortsansässigen Wirtschaftskreise durch ein Lager, das 200 junge Leute mit ihren vielfältigen Bedürfnissen umfaßt. Das Gelb, bas bem Arbeitsbienst für bie Unterhaltung ber Mannschaft unb Lager zur Verfügung gestellt werbe, fließe boch re st los in bie Volkswirtschaft zurück. Daher bemühten sich bie Gemeinben auch, Arbeitslager in ihren Bereich zu bekommen. Es sei selbstverstänblich, baß ein Abbau bes Arbeitsbienstes im tommenben Winter nicht ftattfinben werbe. Wetterfeste Unterkünfte, aUerbings teilweise von spartanischer Einfachheit, seien vorhanben. Daneben habe bie Reichsleitung transportfähige Holzbaracken entwickelt, bie bereits in zahlreichen Fällen in unbewohnten Gegenben errichtet würben. Zur Durchführung ber in Deutfchlanb vorhanbenen volkswirtschaftlich wertvollen Kulturarbeiten werben bei einem Jahres- einfatz von einer Viertelmillion Menschen noch mindestens 40 Jahre benötigt. Auch für ben Winter sei vorgesorgt. Im übrigen bleibe unverrückbares Ziel bie Einführung ber allgemeinen gleichen Arbeitsbienst- Pflicht für alle arbeitstauglichen jungen Deutschen. Die aus bem Arbeitsbienst Ausscheibenben würben vielfach schon vor ber Entlassung von Unternehmern angeforbert. Oer Arbeitspaß. Künftig ein wichtiges Dokument für arbeitssuchende junge Deutsche. B e r l i n , 30. Roo. (WTB.) Mit dem 15. Dezember tritt eine wesentliche Neueinrichtung des Arbeitsdienstes ins Leben. An diesem Tage werden die im ganzen Reich eingerichteten Meldeämter für den Arbeitsdienst ihre Tätigkeit auf- nehmen, durch die von jetzt ab alle sich meldenden Freiwilligen eingestellt werben. Annahmen erfolgen täglich an den Wochentagen während der Dienst- stunden. Die Einstellung in den Arbeitsdienst erfolgt aber nur noch am 1. eines jeden Monats. Die Meldeämter werden auch die Entlassung regeln und werden jedem Angehörigen des Arbeitsdienstes einen Arbeitspah ausftellen. Dieser ßanbesbirettor a. D. von Winterfelbt-Men» Ein, ber langjährige verdienstvolle Präsibent bes Deutschen Roten Kreuzes, ist nach Durchführung ber Umorganisation von feinem Amt zurückgetreten. Der Herr Reichspräsibent hat an ihn ein persönliches Schreiben gerichtet, in bem er ihm herzlichen Dank und vollste Anerkennung ausspricht für alles, was ber Scheibende in langjäh- riger Arbeit für bas Deutsche Rote Kreuz unb damit für bas Vaterland geleistet hat, unb ihn zum Ehrenpräsidenten bes Deutschen R o - t e n Kreuzes ernennt. Der Reichspräsibent erinnert in seinem Schreiben Daran, daß bas Deutsche Rote Kreuz unter ber umsichtigen Leitung seines bisherigen Präfibenten nach Kräften bazu beigetragen hat, bie Not ber Nachkriegszeit im Vaterlanb zu I i n b e r n unb daß er hierbei feine vornehmste Aufgabe Darin gesehen hat, ben ©ebanfen se11dstloser Nächstenliebe gegen ben Ansturm zahlreicher Sonberinteressen und -wünsche zu verteidigen. Paß wird in Deutschland bald ein sehr wichtiges Dokument sein, mit dem der Besitzer manchen vorteil erringen kann. Die junge Männerwelt Deutschlands hat also ein erhebliches Interesse daran, dafür zu sorgen, daß sie in den Besitz eines Arbeitspasses gelangt. Das ist nur möglich, über den Arbeit sdienst, der ein Ehrendienst für Deutschland ist. Oer ständische Aufbau der Wirtschaft. Berlin, 30. Nov. (WTB.) Im Reichswirtschaftsministerium hat am 28. November 1933 unter dem Vorsitz des Herrn Reichsministers Dr. Schmitt eine grundsätzliche Aussprache über ben ständischen Aufbau ber Wirtschaft ftattgefunben. Das Reichswirtschaftsministerium wirb unter Verwertung ber in ber Aussprache gewonnenen Ergebnisse Die organisatorische Grunblage für Den stänbischen Aufbau ber Wirtschaft fassen. Die Durchführung des stänbischen Aufbaues wird in steter Fühlung mit der Wirtschaft Schritt für Schritt unter vorsichtiger Ein- und Um- glieberung ber bestehenben wirtschaftlichen Verbänbe in Angriff genommen. Der Reichswirtschaftsminister erwartet von ber beutschen Wirtschaft, daß sie die notwendige Disziplin wahrt und nicht durch eigensüchtige Unternehmungen den Gang Der Entwicklung und Damit die Wirtschaft stört. Neues Oarlehen für die Riedmeliorationen. Weitere fünf Millionen für Arbeitsbeschaffung. Berlin, 30. Nov. (TU.) Wie bas Reichsarbeitsministerium mitteilt, hat Der Krebitausschuß ber Deutschen Rentenbank-Kreditan- ft a 11 für eine Regulierungsarbeit im badischen Be- Zirksamt Wiesloch ein Darlehen von über 600 000 Mk. bewilligt. Fast 1000 Arbeiter finben hier auf längere Zeit Beschäftigung. Aehnlich arbeitsintensiv sinb bis Meliorationsarbeiten im hes- s i s ch e n R i e b, für bie dem Dolksstaat Hessen vom Krebitausschuß ein weiteres Darlehen von 57 5 000 Mk. zur Verfügung gestellt würbe, ferner würben u. o. folgende Darlehen bewilligt: München-Gladbach 440 000 Mk. für eine Vorflutbeschaf- fung, dem Ruhrverband für ähnliche Arbeiten rund 300 000 Mk., dem Kreis Güstrow (Mecklenburg) und dem Amtsverdand Cloppenburg (Oldenburg) rund 360 000 Mk. bzw. 165 000 Mk. für den Ausbau von Siedlungswegen, Rosenheim (Bayern) rund 200 000 Mk. für Regulierung der Herderbach, Mannheim rund 180 000 Mk. für die Eindeichung ber Friesenheimer Insel. Auch für Arbeiten in notleibenben Erzgebirgsgemeinben konnten kleinere Beträge be- reitgestellt werben. Insgesamt belaufen sich Die in Der letzten Sitzung des Kreditausschusses ausgesprochenen Bewilligungen auf runb 5 Millionen Mark. Der Deutsche Gruß bei den Behörden. Berlin, 30. Nov. (WTB.) Der Reichs, innenminifter hat bie obersten Reichsbehörben unb bie ßänberregierungen gebeten, für bie Durch- ührung bes Deutschen Grußes folgenbes anzu- orbnen: 1. Der Deutsche Gruß für bie Beamten, Singe- stellten unb Arbeiter von Behörben im Dienst und innerhalb der dienstlichen GtebSube unb Anlagen besteht im Erheben des rechten Armes. Es ist freigeflellt, au dieser Grußbezeugung die Worte ,^heil Hitler" oder ,^eil oder gar nichts zu sagen. Andere Worte sind aber gleichzeitig mit dem Deutschen Gruß nicht zu sagen. Wer den deutschen Gruß mit dem rechten Arm wegen körperlicher Behinderung nicht ausführen kann, grüßt möglichst durch Erheben des linken Armes. 2. Beamte in Uniform wenden künftig abweichend von den bisherigen Bestimmungen auch mit Kopfbedeckung in und außer Dienst den Deutschen Gruß an. 3. Der Gruß der Beamten der Länderpoli- 3 e i wird durch die zuständigen Länderministerien geregelt. Für die Reichswehr bleibt es bei den Anordnungen des Reichswehrministers. Oie bevölkerungspolische Aufklärung wird vereinheitlicht. D e r l i n, 30. Roo. (TU.) Um die Gewähr für eine einheitliche Propaganda- und Schulungsarbeit auf dem Gebiete der Bevölkerungspolitik und Rassenpflege zu haben, hat der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, angeordnet, daß in Zukunft sämtliche Parteidienst- stellen in allen einschlägigen Fragen nur noch in eng ft er Verbindung mit Dem Leiter des Aufklärungsamtes für die Beoölkerungspolitik und Raffenpflege, Dr. W. Groß, Berlin W. 35, Pots- I damer Straße 118b und nur noch dessen Richtlinien Vorgehen dürfen. Unter die An- | Ordnung fallen nicht nur Kurse, Versammlungen und dergleichen, sondern auch die Herausgabe und der Vertrieb von Zeitschriften, Broschüren und Büchern bevölkerungspolitischen unb rassenpolitischen Inhalts. Für das Gebiet der Schulung unb Pro- poganda in bevölkerungs- und raffenpolitischen Fragen ist Dr. Walter Groß dem Stellvertreter des Führers allein verantwortlich. Festnahme katholischer Geistlicher in Bayern. M ü n d) e n, 30. Roo. (TU.) Der bayrischen Politischen Polizei war von mehreren Seiten gemeldet wor- den, daß von einigen katholischen Geistlichen in München unglaubliche Greuelmeldun- q e n über angebliche Vorkommnisse im Konzentrationslager Dachau verbrei- t e t werden in der offenkundigen Absicht, Empörung und Unruhe zu erregen. Die bayerische Politische Polizei hat in Verfolg ihrer Bestrebungen, den durch den Abschluß des Konkordats angestrebten Religionsftieden au wahren, die notwendigen Erhebungen durchgeführt, in deren Verkauf die Festnahme von mehreren Geistlichen unerläßlich war. Die Festnahmen erfolgten nach Fühlungnahme mit der Staatsanwaltschaft. Die unwahren Erzählungen gingen von dem ehemaligen, der Bayerischen Volkspartei ongehörenden Stadtrat Stadtpfarrer Dr. Emil M u h l e r aus, der ebenfalls festgenommen wurde. Strafanzeige ist erstattet. Weitere Erhebungen sind noch tm Gange. Flüssigmachung von Steuerrück- ständen für Arbeitsbeschaffung. Berlin, 30. Rov. (TU.) Es gibt Steuerpflichtige, deren wirtschaftliche Bewegungsmöglichkeit und Kreditfähigkeit dadurch beeinträchtigt ist, daß sie mit Steuerzahlungen stark in Rück- st a n b sind. Sie würden gern Ersatzbeschaffungen, Instandsetzungen, Ergänzungen oder dergleichen durchführen lassen; es ist ihnen jedoch nicht möglich, den erforderlichen Kredit zu erhalten, solange ihre alten Steuerrückstände bestehen. Der Kampf der Arbeitslosigkeit bedingt, daß diese Hemmung soweit wie möglich beseitigt wird. Deshalb hat der Reichsminister der Finanzen durch Runderlaß die Finanzämter soeben ermächtigt, die Rückstände aus der Zeit vor dem 1. Januar 1 9 3 3 unter der Voraussetzung zu erlassen, daß der Steuerpflichtige in der Zeit vom 1. Dezember 1933 bis 31. März 1934 einen entsprechenden Betrog aufwendet für Ersatzbeschaffungen an Gegenständen des gewerblichen oder landwirtschaftlichen Anlagekapitals, für Instandsetzungen oder Ergänzungen an Gebäuden, für Wohnungsteilungen oder dergleichen. Wer mit Steuern aus der Zeit vor dem 1. Jan. 1933 rückständig ist und von der Möglichkeit, den Betrag erlassen zu erhalten, Gebrauch machen möchte, muß die Ersatzbeschaffung, Instandsetzung, Ergänzung ober dergleichen unverzüglich in Angriff nehmen und bis späte st ens 31. Dezember 1933 beim Finanzamt einen entsprechenden Antrag stellen. Die steuerlichen Vergünstigungen des Gesetzes über Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen vom 1. Juni 1933 und des Gesetzes über Steuererleich- terungen vorn 15. Juli 1933 und die Möglichkeit der Gewährung eines Reichszuschusses nach dem Gebäudeinstandsetzungsgesetz vom 21. September 1933 werden gewährt. Auch Zinsvergütungsscheine werden gegeben. Ein Antrag auf Erlaß des Steuerrückstandes unter der bezeichneten Voraussetzung hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn glaubhaft erscheint, daß der Rückstand in der Errichtung von Reichssteuern nicht auf Böswilligkeit ober Nachlässigkeit zurückzuführen ist. Rück stände aus der Zeit vor dem 1. Januar 1933, wegen deren ein Antrag im Rahmen des soeben erschienenen Runderlasses nicht bis zum 31. Dezember 1933 eingebracht wird, werden ab Januar 1934 unbedingt beigetrieben werden. Auf Rückstände, die auf die Zeit nach dem 1. Januar 1933 entfallen, findet das übliche Beitreibungsverfahren Anwendung. Es ist Pflicht eines jeden Steuerpflichtigen, der solche Rückstände zu verzeichnen hat, diese sobald wie irgendmöglich zu beseitigen. Je schneller die Beseitigung der Rückstände erfolgt und je pünktlicher die laufenden Steuerzahlungen entrichtet werden, um so ftüher ist die Voraussetzung für die praktische Durchführung der grundlegenden Vereinfachung unseres Steuerwesens und für eine Senkung der Steuerlast gegeben. Das Leistmigsprmzip in der deutschen presse. Berlin, 30. Noo. (TU.) Vor dem ,Leitungs- fachlichen Fortbildunaskursus" sprach der Reichs- prejsechcs der NSDAP, und Vizepräsident der Reichspressekammer, Dr. Otto Dietrich, über aktuelle Fragen des deutschen Journalismus und Pressewesens. Es gelte, diesen bürgerlichen Journalismus mit dem nationalsozialistischen Geist zu erfüllen. Journalistische Leistung im neuen Staate sei ohne wahre nationalsozialistische Ueberzeugung völlig undenkbar. Nur wer ganz von innen heraus schöpfe, habe auf dem Gebiete der deutschen Presse eine Zukunft. Für die nationalsozialistische Presse, die aus der heute herrschenden Weltaussafsung und Staatsauffassung heraus geboren und in ihr groß geworden sei, wüchsen mit der schnellen Entwicklung der Verhältnisse auch die Aufgaben. Zunächst habe sie sich von der Oppositionspresse zur Staatspresse umstellen müssen. Ein Prozeß, der heute, rein zeitungs- polltisch gesehen, noch nicht abgeschlossen sei. Wenn es einerseits gelänge, den bürgerlichen Journalisten zum Nationalsozialisten zu erziehen und anderseits den aus der politischen Sphäre kommenden natio- nalsoAialistischen Redakteur .zur höchsten journalistisch-technischen Berufsausbildung zu bringen. dann werde auf dieser höheren Ebene, zu der beide aufsteigen müßten, die Ueberwindung der Gegensätze sich auf natürlichem Wege vollziehen. Es sei die Auffassung der NSDAP, und ihr Wunsch, daß die gesamte deutsche Presse immer mehr vom nationalsozialistischen Geiste erfaßt und getragen werde. Damit sei aber keineswegs gesagt, daß nur parteiamtliche Organe in der deutschen Presse Existenz- berechtigung hätten. Selbstverständlich müßten sie die allgemeinen Vorteile genießen, die sich aus ihrer gradlinigen Entwicklung ergeben unb durch ihre bewiesene Zuverlässigkeit rechtfertigen. Das dürfe aber nicht soweit gehen, daß ein pol i» tischer oder gar ein parteiamtlicher Zwang durch untere Organe auf die Leserschaft ausgeübt werde. Nicht durch Zwang, sondern nur durch ßeiftung könne man auf die Dauer Leser gewinnen. Das Leben der Nation im neuen Reich biete genügend Stoss und Material, um die deutsche Presse vielgestaltig, interessant und lebendig zu machen. Der echte Journalist müsse es verstehen, durch neue schöpferische Ideen aus der nationalen Gemeinschaft heraus seine Leser zu fesseln. Oie erste Phase der Banken-Enqueie abgeschlossen. Oie Ausbildung des Bankangestellten. — Oer Privatbankier Berlin, 29. Nov. In heutiger Sitzung des Unter- suchungsausschusses für das Bankwesen betonte Reichs- bankprasident Dr. S ch a ch t, daß die Bestrebungen in Richtung des beruf s st ändischen Ausbaues zur Reinhaltung des Bankierstandes besonders begrübt würden. Unter anderem sei an die Einsüh- rung eines Ebrenrales zu denken. Besonders wichtig sei die Heranbildung eines geeigneten Nachwuchses. Die Ueberleitung zum Großbetriebe habe eine Masse Don Bankangestellten geschaffen, die vom Bankwesen keine Ahnung hätten. Verantwortung und Vollmachten der leitenden Personen müßten unlöslich miteinander verbunden sein. Evtl, könne das der Reichsbank geltende Prinzip, die Provinzialleiter für die von ihnen getätigten Geschäfte in einem gewissen Grade haftbar zu machen, aus das Bank- wesen im allgemeinen stärker ausgedehnt werden. Wie Dr. Fischer (RelcbskreditgeseUschaft) aus» führte eigne sich das Bankwesen besonders dazu, so rasch wie möglich zu einer korporativen Form zu kommen. Je mehr sich die Banken im Wege der Selstverwaltung selbständig machen könnten, desto bester sei es. Der Bankierstand dürfe nicht Aiim Anhängsel eines anderen Standes werden. Das T a r i f f □ ft e m sei im Bankgewerbe sehr wenig geeignet, da es vielfach zu einer Nivellierung der Leistungen geführt habe Auch bedauerte er den Wegfall der vorübergehenden Auslands- tätiakelt von deutschen Bankbeamten. Em Vertreter der deurfchen Arbeitsfront befürwortete eine Abschlußprüfung für den Banklehrling nach beendeter Ausbildungszeit unb trat für eine möglichst weitgehende Unterbindung der Frauenarbeit in den Bank- betrieben ein. Das fehlende Interesse bei den Bankbeamten, 'm Auslande ihren Wissenskreis zu erweitern, fei im wesentlichen auf das nleönge, von Berlin aus bestimmte Gehaltsnioeau für die ausländischen Plätze zurückAusühren, das ein aus- kömmliches Leben kaum gestatte. Der Privatbankier Dr. Kaufmann (Düren) beklagte die Einengung des Lebensraums der Privatbanken, die unter dem Druck der öffentlichen Banken und der Großbanken bestrebt fein muhten, zu Immer neuen Betätigungsformen Zu greifen, um zu versuchen, sich gegenüber der allmächtigen Kapitalkraft der Großbanken einigermaßen zu behaupten. Das Privatbankgewerbe sei überzeugt, im neuen Staate Spezialousgaben zu haben und wolle seine Geschäftsmethoden weiter ausbilden. Dos gegenseitige Vertrauensverhältnis, die Einheitlichkeit der Auffassungen zwischen Kund- schäft, Bankleitung und Angestelltenschaft könne nicht in Paragraphen gefaßt, sondern nur gelebt werden. Dr. Fischer wandte sich gegen die schlechte steuerliche Behandlung der Prioatbankiers, die nicht nur erhalten, sondern auch gestärkt werden müßten. Dr. Fischer forderte vor allem Solidarität zwischen den Kreditinstituten- Sodann wurde das Problem des Wettbewerbes eingehend behandelt. Besonders fdttftert wurde die Steuerfreien der öffentlichen Hand. Reichsbankpräsident Dr. Schacht schloß die Beratungen mit der Erklärung, daß der Untersuchungsausschuß sich später mit den Genossenschaften, den Banken des öffentlichen Rechts und den Verhält- nisten des Geld- und Kapitalmarktes beschäftigen werde. Das Bankwesen sei eines der wichtignen Hilfsmittel der Wirtschaft. Die Verhandlungen hätten dem lebhaften Wunsch nach einer ehrbaren ©e- schäftsführung, nach berufsständischem Aufbau und nach einer Solidarität aller Gruppen erkennen las- fen, der als vorbildlich bezeichnet werden müfT* Auch zwischen den Banken unb den Kreditnehmern bestehe ein absolutes Vertrauensverhältnis. DU Forderungen nach erhöhter Liquidität, Verbilligung des Kredits, verbesterter Organisation und erweiterter Publizität seien von allen Seiten anerkannt worden. Es bestehe der allgemeine Wille, an der Durchführung dieser Aufgaben gemeinschaftlich zu arbeiten. Mit besonderer Freude sei auch festzustcl- len, daß ein unbedingtes Vertrauensverhältnis der Strebitgeber und Kreditnehmer zu der Reichsregierung und der Reichsbank bestehe. „Mchl hoch hie Siir, hie Tor' machi iveii..." Volksmissionarische Ausgestaltung des 1. Advent. Berlin, 30. Nov. (TU.) Arn 1. Advent, dem Beginn des neuen Kirchenjahres, wird das Dolksmissionarlsche Amt der Deutschen Evangelischen Kirche mit der Durchführung der volksmissionarischen Arbeit beginnen. Ein einheitliches, für alle Kirchen verbindliches Programm liegt dieser Aktion zugrunde. Am ersten Adventssonntag wird die Predigt in allen evangelischen Gottesdiensten über den gleichen Text gehalten werden. Es wird ein Lied fein, das Millionen evangelischer Deutscher zu der gleichen Stunde singen. Das große Wort Jesu vor seinem kaiserlichen Richter Pilatus: Ich bin dazu geboren, und in die Well gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme. (Johannes 18, 37) und das kraftvolle Adventslied „Macht hoch die Tür, die Tor' macht weit" werden dem deutschen Einheitssonntag sein inneres Gepräge geben, lieber das große nationale und soziale Wollen des neuen Staates hinaus stößt hier die evangelische Kirche zur seelischen Einheit des Volkes vor. In den Gottesdiensten dieses Sonntags werden in erster Linie bie christlichen Hausväter aufgerufen, sich zum Monatsbeginn gemeinsam unter Gottes Wort zu stellen. Der Aufruf des DolksmIMo- narischen Amtes erinnert an das „priesterliche Amt des Hausvaters unb seine Verantwortung für Weid und Kind, Volk unlT Kirche, sowie an die Gestattung christlichen Familienlebens in Geist und Sitte". Darüber hinaus soll der ganze Dezember- m o n a t, dieser erste Dezember im Zeichen des Dritten Reiches, zu einem vorweihnachtlichen deutschen Advent gestaltet werben. Deutsche Adventssitte, deutsche Adventsbräuche und deutsche Adventslieder sollen im Raum ber Kirche lebendig werden. Am Nachmittag des zweiten Adventssonntags wird darum in allen Gemein- den ber evangelischen Kirche eine liturgisch ausgestaltete Feier des deutschen Advents Deranftaltet. Auch hierfür Ist eine einheitliche Form vorgeschrieben, die das Volksmissionarische Amt erarbeitet unb allen Pfarrämtern zugeleitet hat. Es soll von biefen Feiern eine Kraft der Erweckung unb Einigung ausgehen, die bas Werk ber evangelischen Volksmission rechtfertigt. Mag bisher Dolksmission kein volkstümliches Wort geip^en (ein, so zeigen die neuen Richtlinien des Dolksmsssionari- schen Amtes, daß es hier um eine Wirklichkeit geht, die sich mitten in das deutsche Volksleben des Dritten Reiches hineinstelll. Es geht um eine Verkündung, die sich wahrlich nicht an .Heiden" richtet, sondern an deutscheMänner undFrauen, denen eine starke Glaubensgewißheit zur Lebenserneuerung ihres deutschen Wesens werden soll. Amtseinführung des Reichsbischofs verschoben. Berlin, 30. Nov. (WTB.) Der Evangelische Pressedienst meldet: Mit Rücksicht auf die durch den Rücktritt des geistlichen Ministeriums geschossene Lage hat der Reichsbischos an- geordnet, daß die auf den ersten Adventssonntag festgesetzte Feier seiner Amtseinführung auf einen späteren Termin verschoben wird. Das Echo der Entschließung der Stau» benSbewegung „Deutsche Ehristen^ in Großneffen. Unter den vielen Zustimmungen, die der Landesleitung unb den Gauobleuten als Echo auf die gestern In unserem Blatt mitgetdüe Entschließung zugehen, teilt uns ber (Bauobmann für Hessen-Darm- stadt, Pfarrer Sattler (Wieseck) die aus Mainz (Gemeindegruppenobmann Pfarrer Job) mit: „Die Gcmeindegruppe Mainz ber Deutschen Christen stellt sich geschlossen hinter die Landesleitung Hessen, die die Loslösung der Landesgruppe von der Reichsleitung vollzogen hat. In ihrem Ringen um die neue Kirche im neuen Staat wirb die Mainzer Gruppe auch weiterhin bestrebt fein, in Verbindung mit allen, die auf dem Boden ber Kirche, des Evangeliums unb des Bekenntnisses stehen, mit aller Kraft daran mitzuardeiten, bah die Lebenskräfte des Ehristentums Immer mehr unserem Volk und Vaterland dienstbar gemocht werden." Frankreichs Grenzen ein nnaniaikbares Bollwerk. Kriegsminister Oaladier als klastischer Zeuge für die Ungereimtheit der französischen Gicherheitsthese. Baris, 30. Noo. (TU.) Rriegsminifter D a • laoier hielt auf einem von ber Bereinigung ber Militärpresse gegebenen Frühstück eine Rede. Er sagte, man müsse endlich mit der Legende aufräu- mcn, bie Frankreich beschulbige, imperialistische Ziele zu vertreten. Ebenso notwenblg sei es aber auch, zu den anderen Gerüchten Stellung zu nehmen, wonach Frankreich im Falle einer Gefahr auf die Knie fallen würbe. Das französische Volk sei gewiß kein kriegerisches Volk, es sei aber j e b e r 3 e i t bereit, seine Grenzen zu verteidigen, aus de- nen es ein unantastbares Bollwerk gemacht habe, das vom Norden bis nach Nizza mit Mannschaften, Munition und anderen Schutzmaßnahmen ausgerüstet werde. Sehr lobend sprach sich Dalabier über den Großen General st ab aus, der der beste fei, den Frankreich je gehabt habe. Das Heer arbeite im Stillen und entziehe sich allen Streitfragen, die in der Oeffentlichkeit verhandelt würden. Seine eigene Aufgabe bestehe darin, das unumgängliche Werkzeug für die Erhaltung unb ben Schutz Frankreichs in vorzüglichem Zustand zu erhalten. Frankreich wisse, was es koste, überfallen au werden und mache deshalb alle Anstrengungen, damit sich eine derartige Möglichkeit nicht wiederhole und damit Frankreich in den augenblicklichen Wirren stark bleibe, um der Gerechtigkeit Achtung zu verschaffen. Es gebe aber keine Gerechtigkeit, wenn man sich nicht im Vollbesitz seiner Kraft befindet. Dalabier erklärte ferner, Frankreich ist in der Lage, allen Politikern gegenubergutreten. Es bat ein so mächtiges Werkzeug in feiner Hand, daß feine Würde und seine Achtung immer respektiert bleiben. Das französische Heer setzt seine Bemühungen fort, sich ben Erfindungen bce Weltkrieges anzupassen. Zur erfolgreichen Durchführung der Grenzverteidigung muß die Kommandogewalt in Fnedenszeiten die gleiche fein wie in Kriegszeiten. Die Orientierung ber französischen Armee geht auf bieses Ziel hinaus. Die Berteibigunq bes französischen Bodens muß wirksam genug fein, denn mit Worten kann man einem ploklichen Angriff nicht stondhalten. Frankreich wünscht nicht den Krieg auf bas Gebiet seiner Nachbarn zu tragen. Es bildet seine Jugend nicht militärisch aus und gibt sich keinerlei kriegerischer Betätigung hin. England erhöht die Gefechtsstärke seiner Infanterie. London, 30. Nov. (WTB) Times meldet, daß In ber Organisation ber englischen Jnfanteriebatail- lone eine wichtige Aenderung eingeführt werbe, indem einer der federn Bataillon beigegebenen Maschinengewehrzüge künftig durch einen M 0 r - serzugersetzt werden solle, bestehend aus einem Offizier und 30 Mann mit zwei Mörsern. Der Zweck ber Neuerung sei, bem Jnfanterieangrift mehr Nachdruck zu geben. Die Mörser seien imstande, i n ber Minute 40 Bomben bis zu einer Entfernung von 1350 Meter abzu- schleudern. Sie könnten auch zum Abfeuern von Rauchbomben zur Erzeugung eines schützenden Rauchvorhanges verwandt werden. Sie würden vorläufig von Pferden gezogen werden, bis sich zeige, ob Motorantrieb zweckmäßiger sei. Die Neuerung werde erst in der Heimatarmee und später bei den lleberfeebataillonen durchgeführt werben. Sühne für kommunistische Mordtaten. Sechs kommunistische Mörder in Köln hingerichtet. Berlin, 30. Nao. (WIB.) Wie der Amtliche preußische Pressedienst mitteilt, sind heute morgen in Köln die durch Urteil des Schwurgerichts vom 22. Juli 1933 wegen Mordes bjro. wegen Anstiftung zum Morde zum lode verurteilten Kommunisten, nämlich die Arbeiter Hermann Hamacher, Otto Wae,er, Bernhard Willms, Heinrich horfch. Josef Moritz und der Fensterputzer Joses Engel, h i n g e r i ch t e t worden. Bei der abgeurteilten Tat handelte es sich um folgenden Sachverhalt: Am Abend des 24. Februars 1933 fanden in Köln zahlreiche Versammlungen der NSDAP. statt. Die (Bauleitung des kommunistischen Frontkämpferbundes in Köln hatte aus diesem Anlaß ben Befehl ausgegeben, von biefen Versammlungen heimkehrende SA - ober SS - Leute wie auch fonftige uniformierte Nationalsozialisten auf ber Straße anzuhatten, nach Waffen zu durchsuchen und im Falle einer Widerskandsleistung „u m 3 u I e g e n*. Der Verurteilte Engel gab biefen Befehl den übrigen TOitoerurteilten bekannt, bie sich daraufhin In Aroel Trupps auf bie Straße begaben. Die Verurteilten Hamacher unb Otto Daeser trafen auf ben In Uniform auf bem Heimweg begriffenen SA -Mann Spangenberg. Als dieser gerade an ihnen vorüberging, zog Hamacher mit dem Ruf «Hände hoch" seine Pistole unb gab bann auf brei bis vier Meter (Entfernung einen Schuß auf ihn ab, so baß Spangenberg, in ben Unterleib getroffen, nach einigen Schritten zusammen- brach. Unmittelbar barauf schoß auch ber Verurteilte Otto Waeser aus ben bereits am Boben liegenden SA -Mann, ohne ihn jedoch zu treffen. An dem Bauchschuß ft a r b Spangenberg am nächsten Tage. Der zweite Trupp, bestehend aus ben Verurteilten Willms, Moritz unb Horsch unb zwei anderen in dem Verfahren zu Zuchthaus BerurteUten stieß auf die beiden SA -Leute Winterberg unb Kes - fing, bie in ihrer Uniform als Mftglieber einer SA.-Kapelle waren Sie stellten sich in einer Seiten- Kauf unb eröffneten, als die beiden S A.- ahnungslos an ihnen oorbeigingen, auf fit das Feuer. Der SA.-Mann Winterberg brach, von zwei Schüssen getroffen zusammen unb ist am nächsten Nachmittag an ben Folgen bie,er Verletzung g e ft 0 r b e n. Als er schon am Boden lag, wurde noch weiter auf ihn geschossen, und ber SA -Mann Kessing mußte seinen Versuch» seinen SA.-Karneraden zu retten, aufaeben, als er selbst einen Schuß In bas Kni e erhielt. Bel seiner Flucht traf Keffing auf bie Verurteilte» Hamacher unb Waeser, die daraufhin aus näch« st er Nähe mehrere Schüsse auf ihn ab- gaben, von ben ber eine In feinem Koppesschloß stecken blieb. Kes fing gelang es, zu flüchten. Der preußische Ministerpräsident hat die Begnadigung abgelehnt, da es sich um einen organisierten Ueberf all der kommuni st Ischen Unterwelt auf harmlose Nationalsozialisten gehandelt hat. Der Ueberfall geschah auf a u s d r ü ck 11 ch e n B e- fehl der örtlichen Kommune, die, wie bereits erwähnt, angeordnet hatte, daß die von ihr ausgeschickten schwerbewaffneten Patrouillen auf Jtaüonalfo}ialiffen fahnden, sie auf Waffen untersuchen und bei Weigerung der Durchsuchung „umlegen“ sollten. Daß dieser Befehl nur zum Schein die Untersuchung anordnete, tatsächlich aber den sofortigen Word jedes begegnenden Nationalsozialisten verlangte, hat seine Ausführung durch die verurteilten Täter bewiesen. Sie haben die ihnen auf der Straße entgegenkommenden Nationalsozialisten, ohne daß elnwortwechsel oder Irgendein Streit vorherging, und ohne daß sie die Gestattung der Durchsuchung auf Waffen von Ihnen verlangten, ohne weiter es niedergeschossen, und die Beschießung so lange wiederholt, bis Zwei Nationalsozialisten tot auf der Strecke blieben und einer, schwer verwundet, sich nur durch Flucht retten konnte. Sie haben sogar auf die hilflos am Boden liegenden Schwerverwundeten noch weiter geschossen. Durch solche rohe, hinterlistige Wordtaten haben sich die Verurteilten selbst aus der Volksgemeinschaft für Immer ausgeschlossen. England spürt die japanische Konkurrenz. Handelsminister Runcimann beschwert sich London, 30.Nov. 3m Unterhaus sprach sich Handelsminister R u n c i m a n sehr scharf gegen die von Japan befolgte Handelspolitik aus und beklagte sich insbesondere darüber, daß die Japaner im englischen Weltreich Waren vertrieben, die die englischenNamen und englischen Handelsmarken tragen. Dies sei ein unbilliger Wettbewerb und sei eine Form der Unehrlichkeit, die jede Regierung unterdrücken sollte. Wenn man der englischen Regierung handgreifliche Beweise hierfür vorlegen würde, so würde sie ohne Zögern Vorstellungen bei den zuständigen Stellen erheben, die sicherlich ihren Zweck nicht verfehlen würden. Wenn auch der englisch-japanische Handelsvertrag ein Eingreifen der englischen Regierung erschweren sollte, so werde aber die Regierung die Lage neu erwägen, obwohl sie den Wunsch habe, zunächst alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel auszunützen, ehe sie den Vertrag aufsagen wolle. Die englische Regierung versuche, bei Japan darauf hinzuwirken, daß es besser sei, mit der übrigen Welt auf gutem Fuße zu leben, anstatt die Entwicklung so weit zu treiben, daß sie ein Gefühl der Feindseligkeit erregen müsse. Wird Italien zwischen Vatikan und Moskau vermitteln? London, 30. Roo. (TU.) Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph“ fragt, ob die italienische Politik versuchen werde, anläßlich des Be. faches Litwinows eine Fühlungnahme zwi- schen Rußland und dem Vatikan herzustellen. Ein persönlicher Empfana Litwinows durch den Papst oder durch den Kardinal- staatssekretär komme zwar nicht in Frage, wohl aber bestehe die Möglichkeit, daß Italien die inoffizielle Begegnung zwischen Litwinow und einem kirchlichen Würdenträger fördern könnte, doch nur unter der Bedingung, daß Mussolini die Zusicherung Räteruhlands erhalte, dem Grundsatz der freienReligionsausübung auf die Anhänger aller Religionen auszudehnen. Tatsächlich habe Rußland zum ersten- male ein entsprechendes Zugeständnis in dieser Richtung Amerika gegenüber gemacht. Die italienische Regierung würde eine Wiederherstellung von erträglichen Beziehungen zwischen Rußland und dem Vatikan begrüßen. Verkehrserleichterungen der Reichspost Berlin, 30. Nov. (WTB.) Dem Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost erstattete der Reicys- postminister Bericht über die Verkehrs- und Finanzlage der Reichspost im Jahre 1933, das ein etwas erfreulicheres Bild als das Vorjahr biete. Zwar fei der Vorjahrsoerkehr noch nicht überall erreicht, aber die 193? noch stark abgleitenden Kurven näherten sich immer mehr einer horizontalen Be- wegung. Die anhaltende Belebung der Wirtschaft berechtige zu der Hoffnung, daß in absehbarer Zeit ein lebhafterer Auftrieb im Verkehr der Deutschen Reichspost eintreten werde. Durch Aenderung der Post- und Fernsprechordnung werden wieder eine Reihe von Verkehrserleichterungen und Gebührenermäßigungen geschaffen, die neben der bereits bekannt- gegebenen Gebührenänderung für Doppelbriefe und Drucksachen u. a. folgendes bringen: Künftig ist gestattet,den Drucksachen kleinere Muster, 3. B. Stoffproben, Bleistifte usw. beizulügen. Bei sämtlichen Arten von Päckchen ist die Einschreibe- und Nachnahmebelastung zugelassen worden. 3m Fernsprechverkehr wird die Gültigkeit der Gespräche mit Voranmeldung und der Gespräche, zu denen eine Person herbeigerufen wird, um 24 Stunden verlängert. Die Bestimmungen über die Monatsgespräche und Stundenverbindungen sind zugunsten der Teilnehmer neugeregelt worden. Kleine pofififuie Nachrichten Der Reichspräsident empfing den deutschen Botschafter in Madrid, Graf v. Welczeck. Ferner empfing der Reichspräsident den Generaldirektor der Reichsbahngesellschaft Dr. Dorpmüller, den Generalinspekteur des Straßenwesens, Dr. Todt, sowie den Reichsbahndirektionspräsidenten R e m n (Köln) zu Vorträgen über die Planung der Reichsautobahnen und den Stand der Arbeiten derselben, sowie über das Projekt der unterirdischen Bahnverbindung zwischen Anhalter und Stettiner Bahnhof in Berlin. Stabschef Röhm veröffentlicht in der NSK. folgende Mitteilung: Aus Anlaß meines Geburtstags habe ich aus allen Kreisen so zahlreiche Glückwünsche erhalten, daß ich sie vorläusig, ohne meine pflichtmäßigen Aufgaben zu vernach- Erinnerungen eines allen Soldaten In Apoth. u. Drog. -.30, -.60,1.20 Rauhe Haut: Penaten-Creme Stammbäume des dänischen Königs Christian und seiner Gemahlin Dorothea, die nach dem Krieg zwischen Dänemark und Preußen 1864 Eigentum des preußischen Staates geworden waren. Die Stammbäume waren im 3ahre 1873 dem Herzog Karl von Schleswig-Holstein überlassen worden und gelangten nach seinem Tode mit Genehmigung des Preußischen Staatsarchivs in den Besitz des Herzogs Ernst Gunther von Schleswig-Holstein in Primkenau. Nachdem Herzog Ernst Günther, ein Bruder der verstorbenen Kaiserin Auguste Viktoria, gestorben war, wurden die wertvollen Trophäen nach Dänemark verkauft, und zwar an die Galerie in Kopenhagen. Eine einstweilige Verfügung des Preußischen Staatsarchivs gegen diesen Verkauf erfolgte zu spät. Für die Trophäen sollen 12 000 Mark gezahlt worden sein. 3n der Urteilsbegründung wurde festgestellt, daß die Stammbäume ausdrücklich von der Erbschaft ausgenommen waren. Sie seien nur ausgeliehen gewesen. Gegen das Urteil hat Generaldirektor Hübner in Primkenau Berufung eingelegt. Zehn Jahre Studenlenwerk. Der Verein Studentenwerk e. V. feiert im im Berliner Studentenhaus sein zehnjähriges Bestehen. Das Studentemoerk wurde vor 10 Zähren auf Anregung des früheren Reichskanzlers M i - chaelis zur Förderung begabter und unbemittelter Studenten gegründet. Als besondere Ehrung wurden Reichskanzler a. D. Michaelis und die Bor»' sitzende der Abteilung Studentenfürsorge, Frau E h r i ck e zu Bürgern der Berliner Universität er- nannt. Wohl als letzter der großen Soldaten des alten j)eeres hat Generaloberst von Einem die „Erinnerungen eines Soldaten" geschrieben (K. F. Koehler Verlag in Leipzig. Preis in Semen 5,80 Mark. — 505). Der heutige Achtzig- lahnge hat wie Reichspräsident von Hindenburg schon als junger Mann im Feld gestanden. 3n Frankreich hat er wohl den letzten Reiterangriff her Weltgeschichte auf ein 3nfanteriecarre mitgemacht. Jioa) zu Lebzeiten Moltkes hat Einem im General- ftab gearbeitet und unter der Kanzlerschaft Bülows als Kriegsminister im Brennpunkt des öffentlichen Lebens gestanden. Als Feldherr an der Westfront erwarb er sich vor allem in der Champagne höchsten Lorbeer. Generaloberst von Einem entflammt einem alten hannoverschen Adelsgeschlecht, ist ?ber, wie er bekennt, aus Liebe zum alten Kaiser ein begeisterter Preuße geworden. Ein einziges Mal wurde er von Wilhelm I. in Audienz empfangen. Der Eindruck dieser Unterhaltung mit dem wohlwollenden greifen Monarchen war tief. Einem schreibt: „Für einen solchen König sein Leben zu lassen, vor allen Dingen aber bei seinen Lebzeiten die ganze Arbeit in seinem Sinne einrichten zu dürfen, erschien als eine besondere Gunst des Schicksals." Viel Verehrung empfand Einem auch für M o 11 k e. Der alte Felomarschall würdigte den langen Leutnant von Einem manchen freundlichen Wortes. Nach Einems Beobachtungen hat der Feld- marschall bis ins höchste Aller auf feinem Gebiet die volle Geistesstärke besessen. Nach seiner Mei- nung wären wir in einem Kriege von dem Achtzigjährigen genau so gut geführt worden wie in den Einigungsknegen. Ueder Graf Schlieffen ftfjreibt Einem: „Wir fühlten in ihm den kommenden Großen, von dem wir sicher waren, saß er der Feldherr war, die Armee zum Siege zu führen." Schlieffen habe nur eine Schwäche gehabt, in seiner Gefolgschaftstreue für den Kaiser habe er es für tunlich gehalten, dem Kaiser durch direkte Eingriffe zu allzu leichten Manöversiegen zu verhelfen, obwohl dieser für Kritik nicht unempfänglich war. Wilhelm II., so sagt Einem, sei für jeden Einwand zugänglich gewesen, sofern er sachlich begründet und respektvoll vorgetragen wurde. Die Fehler, die in der wilhelminischen Aera begangen worden seien, hätten ihre Ursache Wetterr raussage. Flache Störungstätigkeit beherrscht weiterhin unsere Wetterlage. Die Aussichten auf bessere und kältere Witterung nehmen ab, denn das Drucksallgebiet westlich von 3rland gewinnt allmählich mehr und mehr Einfluß nach dem Kontinent. Bereits über dem französischen Küstengebiet verursacht die Storung kräftige Erwärmung und Niederschläge. Bei der weiteren Ausbreitung dürfte auch unser Gebiet in den Bereich gelangen, so daß mildes Wetter und Regen für später in Aussicht steht. Au ssichten für Samstag: Noch neblig- wolkiges Wetter mit Temperaturen um Null, leichte Niederschläge, teils als Schnee. Aussichten für Sonntag: Fortdauer des Wltterungscharakters, aber Milderung wahrscheinlich Lufttemperaturen am 30. November: mittags 2,1 Grad Celsius, abends 1,5 Grad am 1. Dezember: morgens 0,5 Grad. Maximum 3,3 Grad, Minimum 0 Grad. Erdtemperaturen in zehn Zentimeter Tiefe am 30. November: abends 1,6 Grad, am 1. Dezem- her: morgens 1,4 Grad Celsius. — Niederschläge 1,1 Millimeter. vornehmlich In der beruflichen Unzulänglichkeit und charakterlichen Schwäche mancher kaiserlicher Ratgeber und nur zum kleineren Teil in der Person des Herrschers. An Innerer Vornehmheit, an Lauterkeit der Gesinnung und Güte des Herzens fei Wilhelm II. nicht zu übertreffen. Auch feine Friedensliebe fei unantastbar gewesen. Zum letzten Mal begegnete Einem dem Kaiser im August 1918 in Avesnes. Der Kaiser sei still und wortkarg gewesen, und habe sich nur zum Schluß zu einer heiteren Miene gezwungen. „3n Doorn habe ich ihn nicht besucht — ich würde der Qual eines solchen Wiedersehens nicht gewachsen sein." Bei dem Fürsten Bülow mißbilligt Einem die innere Unklarheit, den mangelnden Ernst und die Entschlußlosigkeit, die der Fürst besonders in der Außenpolitik gezeigt habe. Bülows Verhalten bei der Daily-Telegraph-Affäre bezeichnet Einem als glatten Verrat. „Hätte ich in der entscheidenden Kabinettssitzung den wahren Sachverhalt und die abgefeimte Verlogenheit des Kanzlers schon gekannt, so wäre es für mich sogar Pflicht gewesen, ihn vom Fleck weg durch einen Offizier der Franzer festnehmen zu lassen." Besonders interessant ist, was der einftiae Kriegsminister über d i e Mar- ne schlacht schreibt. Er macht dem Generalobersten von Moltke zum Vorwurf, daß er den Schlief- fsn-Plan in seiner genialen Einfachheit überhaupt nicht verstanden habe. Weil er an allen Fronten stark sein wollte, sei er am entscheidenden Punkte schwach gewesen. Entgegen den manchmal erhobenen Anklagen betont Einem, daß die deutsche Armee an sich für die erstrebte große Vernichtungsschlacht in Nordfrankreich mehr als ausreichend gewesen sei, sofern die vorhandenen Kräfte dort zur Entscheidung eingesetzt wurden, wo dies der grundlegende Schliesfen-Plan vorsah. Einem wiederholt die Worte, die er dem Generalstabschef noch während des Rückzugs von der Marne entgegenge» schleudert hat: „Wenn 3hr großer Oheim es mit seiner Verantwortung vereinbaren zu können glaubte, seinen König unmittelbar auf die Schlacht- selber von Königgrätz und Sedan zu führen, so konnten Sie zum mindesten mit dem Kaiser so dicht hinter der Front bleiben, daß Sie die Züael in der Hand behiellen!" Ein Holzfäller vom stürzenden Baum erschlagen. 3m Gemeindewald von Dickenschied bei Kirchberg (Hunsrück) wurden Holzfällungsarbeiten durchgeführt. Dabei kam es zu einem Unglück. Als man einen Baum umlegte und die Holzfäller bei dem Kommando den Platz freizugeben hatten, lief der 19jährige August Schmidt aus Dickenscheid nach der verkehrten Richtung und wurde von der nieber» stürzenden Krone fo schwer getroffen, daß er bald darauf starb. Drei Todesopfer des Erdrutsches in Neapel. Der Erdrutsch, der, wie gemeldet, in Neapel em Miethaus zerstörte, hat, wie jetzt feststeht, drei Todesopfer gefordert. Weitere vier von elf Verletzten, die ins Krankenhaus gebracht wurden, liegen im Sterben. Während der Aufräumungs- arbeiten lösten sich die Erdmaffen und. v e r f ch ü t - tete-n einen Pionierhauptmann und mehrere Feuerwehrleute. Fünf korsische Fischer ertrunken. Nach einer Agenturmeldung aus Ajaccio (Korsika) ist ein Fischerboot, das seit dem 23. November vermißt wurde, mit seiner fünfköpfigen Besatzung im Sturm gesunken. Autounglück in Frankreich. — Zwei Tote, fünf Schwerverletzte. Ein schweres Kraftwagenunglück, wobei zwei Personen den Tod fanden und fünf andere lebensgefährlich verletzt wurden, ereignete sich bei Annemasse in der Nähe des Genfer Sees, wo ein Mietauto auf einer abschüssigen Straße gegen einen Telegrafenmast raste. Kasseler Stadtinspektor unterschlägt 14 000 Mark. Ein in einem Nebenbetrieb der Stadt Kassel beschäftigter Stadtinspektor hat es verstanden, im Lause der letzten drei 3ahre durch geschickte Falsch» buchungen einen Betrag von etwa 14 000 Mark Zu unterschlagen. Der ungetreue Beamte, der jebe Schuld leugnet, wurde sofort vom Dienst suspendiert und ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet. Außerdem wurde die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft übergeben. Was den 62jährigen Beamten zu den Betrügereien veranlaßt hat, ist nicht bekannt. Großer Golbdiebstahl im Expreßzug. 21115 dem Bangkok—Penang - Expreßzug wurde in einer der letzten Nächte eine Goldbarrenfendung im Werte von einer halben Million Mark gestohlen. Der Diebstahl wurde erst bei der Ankunft des Zuges in Petfchaburi in Siam entdeckt. Die Räuber konnten bisher nicht gefaßt werden. Die Lynchjustiz in USA. Vier Männer, die in Princeß Sinne (Maryland) unter der Anschuldigung der Teilnahme an einem Lynchmord verhaftet worden waren, sind Mangels a n Beweisen freigelaffen worben. Unter her Bevölkerung, bie der Verhaftung heftigen Widerstand entgegengesetzt hatte, entstand großer 3ubeL Raubüberfall in Remscheid. 3n Remsckeid wurde am Hellen Tage in der Nähe des Rathauses ein frecher Raubüberfall ausgeführt. Als ein von der Reichsbank kommender junger Mann einen in der Scharfstraße haltenden Personenkraftwagen passierte, sprangen zwei Männer aus dem Wagen, setzten ihm eine Pistole auf die Brust und entrissen ihm die Aktentasche, in der sich 4500 Mk. befanden. Die Räuber bestiegen sofort wieder den Wagen und jagten davon. Bei der Ab» fahrt wurde der Ueberfallene nochmals mit der Pi- ftole bedroht. Das sofort von einem benachbarten Geschäftshaus alarmierte Ueberfallkomnmndo konnte die Burschen nicht mehr fassen. Verlängerung der Kündigungsfristen bei Reemtsma. Die Reemtsma-Zigarettenfabriken GmbH., Altona- Bahrenfeld, haben in ihren sämtlichen Werken mit sofortiger Wirkung die Kündigungsfristen für Lohnempfänger verlängert. Nach einjähriger Tätigkeit beträgt die Kündigungsfrist 14 Tage, nach zehnjähriger Tätigkeit 4 Wochen. Diese Maßnahme wurde durchgeführt auf Grund der kürz- lich ergangenen Anregung her Führung der Deutschen Arbeitsfront. Geflüchleler deutscher Defraudant in Reval verhaftet. Der Berliner „Montag" meldet aus Reval, daß dort der wegen Betruges seines Amtes enthobene ehemalige Stadtbaumeister Haemerling aus Heilsberg (Ostpreußen), dem auf einem Sammel- transport von Berlin nach Bartenftein in Stettin eine verwegene Flucht ins Ausland geglückt war, von der Revaler Kriminalpolizei verhaftet worden ist. Der Destaudant leistete bei der Festnahme keinerlei Widerstand und wurde in Fes- sein in das Untersuchungsgefängnis abgeführt. Er gab an, daß er die Absicht hatte, nach her Tschechoslowakei zu fahren. Die Rotter-Entführer begnadigt und aus der hast entlassen. Aus Vaduz (Liechtenstein) wird berichtet, daß der Hotelier Rudolf Schädler, der wegen Entfüh- rung der Gebrüder Rotter zu einem 3ahr Ge- fängnis verurteilt worden war, mit einjähriger Bewährungsfrist entlassen worden ist. Auch Pe- ter R e i n s d e r g e r, der wegen dieser Entführung mitangeflagt war, ist mit dreijähriger Bewährungs- frist begnadigt worden. Er war zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem waren noch zwei Personen seinerzeit mitangeklagt, die jedoch ihre Gefängnisstrafen bereits verbüßt haben. Versteigerung der Restbestände der Sigmaringer Sammlung. Dieser Tage wird in Frankfurt a. M. dcr letzte Teil der altenF ü r st l i ch - H o h e n z o 11 e r s ch e n Sammlung oerfteigert. Als die berühmte Sammlung, die sich im Schloß zu Sigmaringen be« fand, im 3ahre 1928 zum Verkauf kam, wurde be» kannllich eine Vereinigung von Museen, Kunstfreunden und Sammlern gebildet, die die restlose Auflösung und Abwanderung dieses einzigartigen Kunstbesitzes verhüten sollte. Auf diese Weise gelang es, den bedeutendsten Tell der Sammlung in Deutschland zu erhalten; im besonderen konnten die Frankfurter Museen eine große Reihe von hervorragenden Werken der altdeutschen Malerei, Plastik und des Kunstgewerbes erwerben. Die jetzt stattfindende Versteigerung, die auf Grund des damals abgeschlossenen Bertrags erfolgt, um» i faßt noch die stattliche Zahl von über 200 ausgezeichneten Werken aus verschiedenen Gebieten der alten Kunst und des Kunsthandwerks. UeberaU Schneefälle und Kälte. 3n Genf und in anderen Orten der Westschweiz ist in den vergangenen Nächten so viel Schnee gefallen, daß der Wagenverkehr vorübergehend erschwert war. Auch der Fernsprechbetrieb erlitt Störungen. Auf sämtlichen Bergen Mittelitaliens hat mit großer Kälte auch bereits anhaltender Schneefall eingesetzt. Die Kälte beträgt bis zu acht Grad. Der Schnee liegt stellenweise einen Meter hoch. Die Flüsse sind zum größten Teil über die Ufer getreten. Die Wintersaat hat schweren Schaden gelitten. Die Verkehrsstraßen sind stellenweise unterbrochen. Die Dobrutscha wurde, wie aus Bukarest gemeldet wird, von schweren Schnee stürmen heim- gesucht. Stellenweise liegt der Schnee bereits zwei Meter hoch. Die meisten Kleinbahnen haben den Verkehr eingestellt. Auch die Schnellzüge vom Schwarzen Meer, wo starker Sturm herrscht, kommen mit großer Verspätung an. Wirbelsturm über Südafrika. Der südöstliche Teil des Oranje-Freistaates wurde von einem Wirbelsturm heimgesucht, der schweren Schaden anrichtete. Der Wind deckte die Dächer von vielen Farmen ab und brachte eine Anzahl Windmühlen zu Fall. 3n SmithfielL wurde dqs Dach des Eingeborenenkrankenhauses abgerissen und 500 Meter weit öaoongetragen. Ein 30 Meter hoher Eukalyptusbaum wurde abgebrochen wie em Schilfrohr und fiel in 100 Meter Entfernung auf die Erde nieder. Ein schwerer Hag e Ischia g von einer Viertelstunde Dauer vernichtete die Frucht auf den Weizenfeldern und in den Gärten. lässigen, nicht alle sofort beantworten kann. 3ch bitte daher, mir zu erlauben, daß ich zunächst auf diesem Wege allen meinen SA--Kameraden, Partei- und Volksgenossen und -genossinnen für die Freude und Ehre, die sie mir gegeben Haden, aufrichtig danke. • Reichsminister Dr. Goebbels sprach, einer Einladung des Reichswehrministers folgend, vor den Offizieren und Beamten des Reichswehrministe- riums über „Die Grundlagen des Nationalsozialis- mus". Der Vortrag wurde mit stärkstem Beifall ausgenommen. Generaloberst v. Blomberg dankte dem Minister und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Vortragende noch oft vor diesem Kreise sprechen möge. * Einen weiteren Beweis für die Opferwillig- feit unserer auslanddeutschen Volksgenossen bilden die soeben telegraphisch von den Landesgruppen China und Brasilien mitge» teilten Ergebnisse der bisherigen Sammlungen für das Winterhilfswerk. Die Landesgruppe China meldet als Sammetergebnis 112 000 Mark, hie Landesgruppe Brasilien 30 000 Mark. 10 Bei Haftungen in Graudenz. Warschau, 30. Nov. (WTB.) Die Polnische Telegraphenagentur meldet aus Graudenz: Die im Zusammenhang mit den Vorfällen in Graudenz behördlich eingeleitete Untersuchung führte zur Feststellung und Verhaftung von 10 Personen, die in ernstem Verdacht stehen, daß sie an den jüngsten Schlägereien teilgenommen und sich der Körperverletzung schuldig gemacht Haden. Die Verhafteten wurden in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert, da gegen sie ein Strafverfahren eingeleitet worden ist. Aus aller Wett Gründungsfeier des DDAC. Der „DeutfcheAutomobil ° Club (DDAC)" hielt in München eine Gründungsfeier ab, der neben faft sämtlichen Präsidenten und Gauführern auch Kultusminister S d) e mm, Vertreter der Sportwelt und der Behörden, beiwohnten. Der Chef des Kraftfahrwesens her SA. und Präsident der Obersten nationalen Sportbehörde, Obergruppenführer Hühnlein, hiell die Eröffnungsrede, in der er sich über Zweck und Ziele des DDAC äußerte: Unsere Aufgabe ist eine Aufgabe von all- gemeinem 3ntereffe. Wir haben heute 200 000 Mo- tor°SA.- und SS.-Männer und 100 000 Männer der NSKK. Dies ist ein Machtfaktor, dem kein Mensch das Recht streitig machen Fann, die Geschicke der deutschen Kraftfahrt entscheidend zu beeinflussen und die Führung zu übernehmen. Der DDAC. ist keine Fortführung des ADAC, des AvD. oder des Touring-Clubs, sondern ein neues Gebilde, das mit dem NSKK. zusammenarbeitet, wo es um die große Kraftentfaltung geht und allein marsch.ert, wo es selbständige Aufgabengebiete zu betreuen hat. Der Obergruppenführer entwickelte bann eingehend die Marschrichtung des Clubs auf den einzelnen Gebieten des Sports, der Touristik, des Verkehrs, des Rechts und der Wirtschaft. Die Parole heiße: Zurück zum Einfachen. Begeisterung für den Sport müsse wieder in die Massen der Kraftfahrer getragen werden. Das gigantische Programm des Führers auf dem Gebiete des Straßen- Baues eröffnet der Touristik mit Kraftfahrzeugen neue Ziele. Die Disziplin der Kraftfahrer muß durch die Angehörigen des Korps und Clubs gehoben werden. Der Vizepräsident des DDAC, Brigade- führer Oppermann, übernahm namens des Präsidiums die Flagge. Er gelobte Hingabe an den Führer und an das Vaterland und bekräftigte das Gelöbnis mit einem dreifachen Sieg-Hell. Rechtsstreit um Kriegstrophäen von 1864. — Preußisches Staatsarchiv gegen das Herzoghaus Schleswig-Holstein. Die Erste Zivilkammer des Landgerichts Glogau verurteilte nach einer faft zweijährigen Prozeß- dauer die Herzogin Marie Dorothea zu Schleswig-Holstein, den Prinzen Zohann zu Schleswig-Holstein und den Generaldirektor Hüb- n e r in Primkenau zur Herausgabe wertvoller Kriegstrophäen von 1864 an den preußischen Staat und au Schadensersatz. Bei den Kriegstrophäen handelt es sich um zwei 28 Fortsetzung Nachdruck oerboten! Montrey sah, wie Grude aufschnellte und nach der Tür ging. Aber er hatte sich schon als Posten daoorgestellt. „Betrüge sie nicht noch ein zweites Mali- Wellenberg, der eben die Klinke herabdrückte, mußte Gewalt anwenden um Einlaß zu bekommen. Erschrocken sah er in die erregten Gesichter der beiden. „Du gehst. Dick! —" befahl er. „Nein! Oder ja! Ich pack ja eh schon zusammen. Aber nicht für eine Relle nach Kalkutta. Ich fahr' nach England. Und die Vena kommt mit mir. Was geht uns die Christa an?" „Dick!" rief Wellenberg und schüttelte ihn hart an den Schultern. „Bitte", wehrte sich dieser und streifte die muskulösen Arme ab. „Frag den Felix. Der hat auch g'sagt: Was liegt dran, wann ich zugrund geh! — Also für was fahr ich nach Indien? Für was, möcht ich wissen? Die erste Frag' von der Christa wird sein: Wieh gehfs meinem Felitsche? — Was macht er denn? — Ist er g'sund und froh und schon wieder ein bisserl auf der Höh? — Und ich muß sag'n. Er hat sich wieder dem Morphiumteufel verschrieb n. Da is nix mehr zu rett'n." Wellenberg blickte warnend zu Montrey hinüber. Aber der setzte jetzt alles auf eine Karte. „Sein Ehrenwort, daß du von heute ab das oer- dämmte Gift sein läßt, ober, so wahr ich Montrey heiß: ich laß dich im Stich! Dich und die Christa! Dann soll's lieber dem Hamstcad feine Frau werd'n. Oder drub'n mit ihm unter die Erd'n kommen, als daß sie das ganze Elend mit dir noch einmal erleb'n muß." „Ich kann nicht!" „Dann b'hüt dich also Gott, Felix! Wir hab'n uns weiter nix mehr zu sag'n." Aber noch ehe er die Klinke herabzudrücken vermochte, hatte er ihn zurückgerissen. „Mein Ehren- wort. Dick!" Trotz der ungeheuren Erregung, die Montrey durchraste, gab er sich ganz beherrscht und ruhig. „Schau, das heiß' ich wirklich einmal gehandelt wie ein Mann. Und der Christa werd' ich's schon sag'n, was du ihr für ein Opfer bringst. Sie weiß schon zu schätz'n. Heut abend sahr'n wir also dann weg, die Lena und ich. Kümmern brauchst dich um gar nix, Felix. Wann's ein bisserl geht, bringen wir den Hamstcad nach England. Die Lena, die kennt sich schon aus in die Krank'n und weiß, was möglich is und was nicht. Weißt, ich mein halt, in England is auch für die Christa besser. Indien fürcht' ich Selber wie den Teufel. Das Klima vertragt nicht oder." „Ja, bitte, Dick! Mach es so! Ich bin dir ja so dankbar." „Sag net alleweil „Dank schön", wehrte dieser ab. „Die Lena und ich bleib'n bei der Christa, fo lang's uns braucht. Wann irgendwas sein sollt, depeschiere ich sofort. Und jetzt legst dich ein bisserl nieder und machst die Aug'n zu und grübelst über mx mehr nach. Es ist noch immer alles recht ward n. Ehe Montrey das Zimmer verließ, schickte er noch einen bittenden Blick zu Wellenberg hinüber. Der verstand sofort, daß er Grude jetzt nicht allem lassen durste. BerständnisooU gab er Montrey ein stummes Zeichen der Beruhigung. Mit einem Aufatmen drückte dieser die Klinke hinter sich herab. Er, der sonst nur so geringe Erfolge im Leden davontrug, hatte heute den größten Sieg zu verzeichnen, dem Freunde das Ehrenwort abgenommen zu haben, daß er dem Morphium entsagte. e Die Tage, welche bis zum Eintreffen von Dick und Lena in Kalkutta vergingen, waren ein Martyrium für Grude. Immer sah er die Geliebte in Not, voll Verzweiflung, selbst erkrankt, im Kampfe mit'fremden gehässigen Menichen. Dann kam nach fünf Tagen endlich das versprochene Telegramm, das die erste Nachricht brachte. Christa wohlauf, stop, Hamstead sehr geschwächt, stop, aber auf dem Wege der Besserung stop, lieber- fieblung nach England unmöglich stop. „Christa wohlauf." Grude las nur wieder und immer wieder diese beiden Worte. Daß sie ‘o weit weg war, beeinträchtigte seine Freude nicht. Er fühlte nur eine Beruhigung ohnegleichen. Und ein Gefühl der Scham. Er hotte Madlen bereits vergessen. Der Umstand, daß sie die letzten Monate von ihm getrennt gelebt hatte, beschleunigte die Entwöhnung von ihr. Nur abends, wenn er in das Kinderzimmer trat und jein kleines Mädchen für ein paar Minuten in den Armen hielt, kam ihm das Erinnern, daß es eine Frau gegeben hatte, die Mutter dieses Kindes gewesen war. Die Geheimrätin forschte schweigend in seinen Augen, nickte dann, als wüßte sie um seine Gedanken und billige sie. Zärtlich nahm sie bas Kleine wieder an sich, wenn er es ihr zurückgab. Der Schwiegersohn tat ihr leib. Nachts hörte sie ihn ruhelos von einem Zimmer ins andere wandern. Wie er sich zuweilen auf bas Bett warf, mieber hochsprang, um bann bie Wanberung von neuem zu beginnen. Einmal nahm sie sich den Mut, ftanb auf unb ging zu ihm hinüber. In Angst unb Liebe fragte sie ihn, was ihm sei. Da stöhnte er wie ein Tier. „Dick weiß nicht, was er von mir verlangt hat! Ich kann nicht mehr! — Selbst um ben Preis meines Ehrenwortes nicht!" Dabei hatte er wie ein Irrsinniger an dem großen Spiegel gerüttelt, daß sie erschrocken die Hand dar- nach ausstreckte, aus Angst, er möchte über ihn zusammenbrechen. Erst eine Stunbe später war er bann ruhiger geworben. Seither wogte sie kaum mehr einzuschlafen, bis er seine Wanberung nicht beenbet hatte. Erst wenn sie hörte, daß er das Licht löschte, das leise Krachen seiner Matratze verriet, daß er sich hinlegte, drückte sie ben Kopf zurück unb ließ ihn tobmübe in die Kissen fallen. Wellenberg kam täglich, nach ihm zu sehen. Er als Arzt konnte allein bie Tragweite dieses Verzichtes ermeffen. Aber er durfte nichts davon merken lassen. Grude hatte fein Ehrenwort gegeben und würde es halten. Aber weder er, noch Dick ahnten, wie oft der Freund vor seinem Medikamentenschrank stand. Nur der Gedanke an Christa hielt ihn immer wieder zurück, das Letzte zu versuchen. Einmal kam Wellenberg gerade in dem Moment, in welchem Grude seinen Browning in die Labe feines Schreibtisches zurücklegte. Blick tauchte in Blick. „Es ist nicht mehr zu ertragen!" stöhnte Grube. „Willst bu nicht wieder ein paar Wochen in das Sanatorium von Professor Haider?" fragte Wellen- „Nie mieber! Seit acht Tagen ist keine Nachricht mehr von Dick unb Lena eingetragen." „Es wirb Hamsteab besser gehen." Da Grude eben nach dem Sprechzimmer gerufen wurde, zog Wellenberg die Schublade heraus unb nahm ben Browning an sich. „Besser ist besser!" buchte er. Am nächsten Abenb traf eine Depesche ein, die nur zwei Worte enthielt: „Komm. Dick." Der Aufgabeort bes Telegramms war Port Rush. Grube zitterte vor Ungewißheit, rief sofort Wellenberg an, besorgte sich einen Vertreter, packte selbst bas Nötigste unb orientierte sich über die fahrplan- mäßige Abfahrt bes Flugzeuges, bas nach Englanb Wellenberg, ber eine halbe Stunde später kam, schüttelte ben Kopf über biese Hast. „Es hätte wahrscheinlich gar keine solche Eile gehabt", sagte er mahnen b, als er Grude ss erschöpft und abgespannt antraf. „Wenn Dick das gewußt hätte, würde er es sicher unterlassen haben, so zu depeschieren. Man soll niemals etwas übertreiben." Es erfolgte keine Erwiderung. Grude ersuchte ihn nur, ab und zu nach der Mariahilfer Straße zu sehen, weniger seines Vertreters, als um ber Mutter unb bes Kinbes willen. Wellenberg versprach, täglich herunterzukommen. Er wollte ben Freunb soviel als möglich beruhigen. Als es Zeit war, brachte er Grude selbst noch zum Flugplatz und ging mit ihm nach dem Doppeldecker, in welchem nur drei Plätze belegt waren. „Sorge dich um nichts", bat er, als die Propeller zu surren begannen. „Ich halte alles in Ordnung. Du kannst ruhig eine Woche bleiben! Hörst bu, Felix!" Der nickte dankbar unb streckte noch einmal bie Hanb aus ber Tür. „Unb laß halb etwas von bir hören", bat Wellenberg. „Sowie ich angekommen bin." Dann liefen bie Räber über bie glatte Fläche ber Wiese bahin. Der Vogel schraubte sich hoch unb stieß bann fast kerzengerade in den Abendhimmel. Wellenberg starrte ihm nach, bis er nur noch als kleiner Punkt zu sehen war. In Köln wechselte Grube die Maschine. Erstes Morgengrauen lag über bem Kanal, als man biefen in geringer Höhe überflog. Er war so tobmübe, baß er trotz des Lärmes, den die Propeller verursachten, einschlief. Taub an allen Gliedern stieg er in London aus der Maschine. Das Flugzeug noch Ebinburg startete erst am Nachmittag. Er benützte ben großen Omnibus, der die angekommenen Passagiere nach ber City brachte und ließ sich ein Hotel nennen. Er hatte das Sebürfnis, zwei Stunden ober auch nur eine halbe, wenn es nicht anders ging, gerade ausgestreckt auf einem Bett zu liegen, um feine Rerocn ruhen zu lassen. Der Höllenlärm der Ma- jchine surrte in ihm nach, und fein ganzer Körper wurde fortwährend in Schwingungen versetzt, als habe er eine wochenlange Seereise hinter sich. Außerdem war es ihm peinlich, so vor Christa zu treten. Er wollte doch wenigstens einen einigermaßen annehmbaren Eindruck machen. Eine Stunde vor der Abfahrt des Flugzeuges weckte ihn der Boy, hatte schon ein kleines Souper im Nebenzimmer bereit und bie Rechnung daneben gelegt, desgleichen hielt er das Billett für ben Omnibus unb das Flugzeug in Händen. Das Hotel wußte, wie man feine Gäste verwöhnte und sich ein dankbares Erinnern sicherte. Man findet sich doch in alles, dachte Grude, als er eine Stunde später in die Kabine kletterte, diesmal weniger müde, weniger abgespannt, weniger von einem Gefühl ber Erwartung beseelt. An bas Reifen im Flugzeug konnte man sich gewöhnen. Er hatte eine Depeiche an Dick auf- gegeben, bie ihm fein Kommen mit dem Frühfchnell- Zug meldete. Don (Ebinburg nach Port Rush gab es keine Suftoerbinbung. Die Stunben jagten sich. Da bei seiner Ankunft in Ebinburg ein Schlafwagenplatz nicht mehr zu haben war, begnügte er sich mit einem Abteil zweiter Klasse, bas ihm allein zur Verfügung stand. Seine Nerven beruhigten sich immer mehr. Selbst wenn Ehrista wirklich erkrankt mar — hatte sie ja Lena und Dick um sich, unb in ein paar Stunben war er selbst bet ihr. Immer tiefer glitt fein Kopf in bie Kissen. Die Lider fielen ihm herab. Das Sönnern des Zuges, ber eben über eine Brücke fuhr, riß ihn noch einmal hoch. Aber bas Sdjlafbcbürfnis war zu groß. Die Räber fangen immer bas gleiche Lieb, bald — balb — balb. Er horchte noch eine kurze Weile, lächelte unb schloß die Augen. Eine müde Sonne spielte in zitternden Reflexen über fein Gesicht unb ließ ihn erwachen. Sein erster Blick galt der Uhr. Eine halbe Stunde noch. Er begann Toilette zu machen unb seinen Koffer in Ordnung zu bringen. Als er bas Fenster herabließ, schlug ihm Geruch von Meer unb Algen entgegen. Links bes Schienenstrangs plätscherten graue Wellen, bie ein Nordost in tändelndem Spiel vor sich hertrieb. Jetzt, so nahe am Ziel, überfiel ihn wiederum bie Erregung. Am Fenster stehenb, ließ er ben Wind durch sein Haar gleiten. Manchmal überkam ihn das Gefühl, als wäre er ein Greis! Als trüge er sechzig Jahre auf bem Rücken ober mehr! Er hatte alles durchlebt, was ein Mensch durchleben konnte. Leib! Nichts als Leib! Von jenem unseligen Tage an, da er sich durch fein unbedachtes „Ja" Madien geschenkt hatte. Warum hatte er nicht gewartet — und gehofft— unb Himmel unb Erbe in Bewegung gesetzt, sich Gewißheit zu holen, ob sie lebte ober wirklich tot war. lSchluß folgt.) Melzelsippe im HanS der Deut» schen Arbeitsfront am Samotag, dem 2. Dezember 1933. Ab morgens 9 Uhr: Wellfleisch m. Kraut. ES ladet ergebenst ein vmod Hch. Bartholomäus — Hch. Bönsel Gießen, Schanzenftr. 18, Televbon 3251 Amtliche Bekanntmachung des Kreisamts Alsfeld. Das Krcisarnt Alsfeld sieht sich veranlaßt, hierdurch nochmals zur öffentlichen Kenntnis zu bringen, daß grundsätzlich alle Schlachtungen, auch haus- und Jlol- fchlachtungen, bei der zuständigen Schlacht- fteuerhebestclle schriftlich anzumelden sind, unb zwar hat bie Anmeldung vor der Schlachtung, bei einer Notschlachtung vor der Fleischbeschau zu erfolgen. Bei der Anmeldung ist stets eine amtliche Gewichts- bescheimgung mit oorzulegen: nur im Falle der Hausschlachtung unb ber Schlachtung einer Magerkuh bedarf es ber Dor- läge einer Gewichtsbefcheinigung nicht. Im letztgenannten Falle ist dagegen eine Be- scheinigung des Fleischbeschauers, baß das Echlachlticr als Magerkuh anzusehen ist, beizufügen. 7260C Die Anmeldung ber Schlachtung hat auch bann zu erfolgen, wenn wie z. B. bei ber Hausschlachtung eines Schweines innerhalb eines Kalenderjahres oder bei der Schlachtung von Kälbern mit einem Lebendgewicht bis zu 30 kg einschließlich, Schweinen mit einem Lebendgewicht bis zu 40 kg einschließlich, Schafen mit einem Lebendgewicht bis zu 20 kg einschließlich ufw. Steuerfreiheit besteht. von der Anmeldung befreit sind lediglich die auf Grund polizeilicher Anordnungen vorgenommenen Tötungen von an Seuche erkrankten oder verdächtigen Tieren. Zuständige Schlachtsteuerhebestelle ist die Gemeindekafse (Stabttaffe) berienigen Gemeinde, in deren Gemarkung bie Schlach. tung vorgenommen wird. In selbständigen Gemarkungen ist zuständige Schlachtsteuer- hebcstelle bie Kasse derjenigen Gemeinde, welcher die selbständige Gemarkung in po- lizeilicher Hmsicht zugeteilt ist. Zum Schlüsse weist das Kreisamt noch besonders darauf hin, daß eine Steuerhinterziehung, ohne bafo der Dorsatz ber Steuerhinterziehung feftgeftcUt zu werden braucht, als vorliegend angenommen wird, wenn die vorgeschriebene Anmeldung nicht abgegeben wird. Dieses gilt auch, wenn 1. eine steuerpflichtige Schlachtung — außer der Notschlachtung — Borgern) m men wird, bevor sie angcmclbet unb bie Steuer entrichtet worden ist, 1. eine Anmeldung unrichtige Angaben enthält, bie geeignet sinb, eine Der- kürzung ber Schlachtsteuer herbeizu- führen 8. eine Gewichtsbefcheinigung oorgdegt wirb, bie sich nicht auf bas zur Schlachtung bestimmte Tier bezieht Aelteres, feltiftänb., ®ein Bohnerwachs >. e iüoerl. IW en mit la Zeunn. f. fof. in sehr ruh. Haushalt gesucht. Sckir. Angebote unt .06769 a. d. Gießener Anz. 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