Hr. 126 Srühausgabe 183. Jahrgang Donnerstag, 1. Juni 1953 Lrlcheint tägltd), außer Sonntage und Stiertag». Beilige*: Die DHuftrierte (Biebener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl» monats:Bejngsprti$: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. . -.25 Auch bet Nichterscheinen van einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt. fiernfpred)anfd)lüfit unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger tieften. Postscheckkonto: fironffurl am Blain 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univelfitäir-Vllch- und Steinöruderei K Lange in Sieben. Zchriftleitung und Geschästrstelle: Zchulstrahe 7. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° , mehr. Chefredakteur Dr. Friede. Wilh. Lange. Verantwortlich für BohtHt Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton l)r H.Tkyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für denAn- zeigenteil i.V.TH.Kümmel sämtlich in Biegen. Randnoien. Die Rede, mit der Dr. Schacht die Besprechungen über die Gestaltung des Transferproblerns mit unseren Gläubigern eröffnet hat, muh einen starken Eindruck gemacht haben. Gerade weil er alle Arabesken vermied und sich bemühte, die Dinge auf die einfachste Formel zu bringen, hat er das Problem, um das jetzt gerungen werden muß, so scharf fassen können. Auch im Auslande ist man sich ja inzwischen klar darüber geworden, daß Deutschland kein Theater spielt. Die Dorwürfe, die uns vor wenigen Alonaten nach der Richtung gemacht wurden, sind verstummt. Die Gründe und die Zahlen der Reichsbank haben sich als durchschlagend erwiesen. Niemand bezweifelt mehr, daß die Schuld an dem ganzen Verhängnis in der Politik des doppelten Dodens liegt, wie sie die Siegerstaaten betrieben haben, die Reparationen von uns verlangten, aber gleichzeitig den Wcltwirtschaftsmarkt zu unseren Ängunsten immer mehr einschränkten. Von dem Geld, das uns bereitwilligst zur Verfügung gestellt wurde — selbstverständlich gegen sehr hohe Zinsen und Risikoprämien — haben wir wenig gehabt. Wir haben es zum Teil in Form von Warenkrediten hincinbekommen, zum Teil gleich auf Reparationskonto umschreiben müssen, mit dem Ergebnis, daß in dem Augenblick, wo die Vertrauenskrise ausbrach und das Ausland nicht kurzfristige Gelder wieder haben wollte, die schwache deutsche Devisenrüstung einem solchen Ansturm nicht gewachsen war. Wir haben gezahlt bis zum Weißbluten, in den letzten Jahren allein zehn Milliarden; aber um den Preis, daß darüber die Rcichsbank aktionsunfähig geworden ist. Unsere Währung ist mit weniger als zehn Prozent gedeckt und kann nur gehalten werden durch die Zwangsbewirt» schafiung der Devisen, weil wir sonst jedem Stoß widerstandslos ausgesetzt waren. Und es ist nicht überflüssig, wenn der Reichsbankpräsidcnt von vornherein darauf aufmerksam gemacht hat, daß Deutschland eine neue Entwertung der Reichsmark nicht verantworten könne. Es ist überflüssig, zu sagen, weshalb: Die Engländer waren zur Rot in der Lage, das Pfund irgendwo aufzufangen, auch die Amerikaner mit ihren riesigen Goldvorrätcn können das. Deutschland aber könnte es nicht, für uns besteht die Gefahr, daß, wenn die Mark einmal ins Rutschen kommt, es kein Aushalten mehr gibt, daß sie dann ins Boden- lose sinkt. Und eine zweite derartige Inflation kann die deutsche Wirtschaft nicht aushalten, kann auch dem deutschen Volk nicht zugemutet werden, nachdem es sich eben erst langsam zu erholen beginnt und Sparkapital mühsam wieder anfammclt. Es ist selbstverständlich, daß niemand in Deutschland daran denkt, die Verpflichtung zur Abzahlung unserer Auslandschulden zu leugnen. Wir sind ja auch dazu bereit. Rur, man muß uns d i e Möglichkeit schaffen. Deshalb ist es richtig, wenn die Reichsbank selbst nicht mit Empfehlungen an die Gläubiger herangetreten ist, sondern sich damit begnügt, ihnen ein wahrheitsgetreues Bild der deutschen Wirtschaft zu geben, um es dann ihnen zu überlassen, welche Aushilfsmittel sie sehen, um zu ihrem Gelde zu kommen. Soeben wird im Reichsgesetzblatt ein „Gesetz zur Abänderung st rasrechtlicher Bor- chriften" veröffentlicht. Seine wesentlichen Betimmungen traten am l.-Iuni 1933 in Kraft. Die echs Artikel, die seinen Inhalt darstellen, bedeuten wesentlich mehr als die bescheidene Bezeichnung eines Abänderungsgesetzes vermuten lassen wurde. Es ist tatsächlich mit diesem Abänderungsgesetz ein großer Schritt zum autoritären Strafrecht zurück- gelegt. Die Anwendung des Grundsatzes vom übergeordneten Gemeinnutz tritt am deutlichsten in Erscheinung in der neuen Bestimmung über „U n - treue". An Stelle bisheriger Milderungsbestim- mungen sind Verschärfungen gesetzt worden. Es ist die Möglichkeit geschaffen, bei schwerer „Untreue" auf Zuchthausstrafe zu erkennen und die bürgerlichen Ehrenrechte abzusprechen. Der Begriff der „Untreue" wird jetzt so umrisfen: „Wer vorsätzlich die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäfte eingeräumte Befugnis, über fremdes Bei mögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, mißbraucht ober die ihm kraft Gesetzes, behördlichen Austrages, Rechtsgeschäfts oder eines Treueoerhältnifses obliegende Pflicht, fremde Ber= mögensinteressen wahrzunehmen, verletzt und dadurch dem, dessen Vermögensinteressen er zu betreuen hat, Nachteile zusügt, wird wegen Untreue mit Gefängnis und mit Geldstrafe bestraft." Bei Betrugsfällen kann jetzt auch auf Zuchthaus bis zu zehn Jahren erkannt werden, „wenn die Tat das Wohl des Volkes geschädigt oder «inen anderen besonders großen Schaden zur Folge gehabt oder der Täter besonders arglistig gehandelt hat." In dem Artikel 3 werden auch verschärfte Strafvor- schristen für wirtschaftliche Untreue erlassen. Sowohl in den entsprechenden Paragraphen des Börsengesetzes wie in denen des Handelsgesetz buches und des Gesetzes über die Beaufsichtigung der Versicherungsunlernehmungen und Bausparkassen wird der Absatz gestrichen, nach dem bei mildernden Umständen nur aus Geldstrafe erkannt zu werden brauchte. Ueberall werden diese Absätze durch die gleiche strasverschärsende Bestimmung ersetzt, die Zuchthausstrafe bis zu zehn Jahren bei Schädigungen des Volkswohles usw. vorsehen. Verschärfte Strafen werden auch ungetreuen Geschäftsführern unb Aufsichtsralsmitgliedern angedroht. Diese neuen Bestimmungen sind auch in die Reichs Entscheidende Maßnahmen zur Behebung der Arbeitslosigkeit. Das Reichskabinett ermächtigt den Reichsfinanzminister zur Ausgabe von Arbeitsschahanweifungen bis zu einer Milliarde Reichsmark.-Eine Kommission wird die Finanzierung eines vom Reichskanzler angeregten großzügigen Arbeitsbeschaffungsprogramms prüfen. Berlin, 31. Mai. (1DIB.) Amtlich. Das Reichskabinelk beschäftigte sich heute nachmittag in mehrstündigen Verhandlungen mit den Fragen der Arbeitsbeschaffung, verabschiedet wurde ein vom Reichsfinanzministerium oorgel-'gtes Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit, durch das der Reichsminister der Finanzen ermächtigt wird, Arbeitsschahanwei- sungen im Gesamtbetrags bis zu einer Milliarde Reichsmark zwecks Förderung von Jnstandfetzungs- und Ergänzungsarbeiten an öffentlichen Gebäuden sowie an privaten Wohngebäuden und Wohnungen, ferner für vorstädtische Kleinsiedlungen, landwirtschaftliche Siedlung, Ftuß- rcaulierungen, Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung, Tiefbauarbeiten und Sachleistungen an hilfsbedürftige auszugeben. Das Gesetz enthält ferner Bestimmungen über die Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen, für eine freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit, für die Ueberführung weiblicher Arbeitskräfte in die Hauswirtschaft und für die Förderung der Eheslands- s ch l i e ß u n g durch Eheftandshilsen und Ehestandsdarlehen. Der Reichskanzler regte an, über die Vorschläge hinaus, einige großzügige Arbeitsprojekte beschleunigt in Angriff zu nehmen, und zwar in erster Reihe ein umfassendes Bauprogramm für Hausreparaturen und Wiederherstellung einer gesunden Grund st ücks- und Wohnungswirtschaft im Zusammenhang mit einer Neuregelung auf steuerlichem Gebiet durchzuführen, ferner die Schaffung eines Rehes von großen Verkehrs ft raßen, das den Ansprüchen des neuzeitlichen Kraftverkehrs entspricht und produktive Auswirkungen in weitestem Umfange für die krastverkehrsinduftricn und die Treib- ftoffwirtschaft zuläßt, wobei eine organische Verbindung zwischen der Eisenbahn und der Kraftverkehrs- Wirtschaft unter maßgeblicher Beteiligung der Deutschen Reichsbahngesellschaft hergestellt werden soll, sowie schließlich die nachhaltige staatliche Förderung von zusätzlicher Produktion, insbesondere auch für den Export zum Ausgleich des Valutadumpings. Ls wurde beschlossen, eine Kommission unter Führung des Reid)6banfpräfi' denten einzusehen, die die mit diesem großzügigen Arbeitsbeschaffungsprogramm zusammenhängenden Finanzfragen bearbeiten und insbesondere allein und autoritativ bevollmächtigt sein soll, alle den Geld- und Kapitalmarkt betreffenden Angelegenheiten zu regeln und zu überwachen, damit nicht Störungen des Geld- und Kapitalmarktes durch oerficherungsordnung und in das Gesetz über Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ein= gefügt. Alle diese Verschärfungen gehen von der Erkenntnis aus, daß bei den zahlreichen Korruptionsfällen die bisherigen Gesetzesbestimmungen nicht die Möglichkeit zu scharfer Bestrafung gegeben haben, wie sie das Interesse des Gesamtwohls und die Notwendigkeit genügend abschreckender Wirkung gebot. Die neuen Destimmungen über Festungshaft sind ebenfalls von der Auffassung geleitet, daß Vergehen gegen das Wohl des Volkes auch dann schärfer geahndet werden müssen, wenn sie nicht aus einer ehrlosen Gesinnung entsprungen sind. Vei landesverräterischer Waffeichilfe oder Vergünstigung und bei diplomatischem Landesverrat ist Festungshaft in Zukunft nicht mehr zulässig. Es müssen beide Voraussetzungen der ehrenhaften Beweggründe und der Richtschädigung des Volkswohls gegeben sein. 3n diesen Fällen besteht die Strafe in einfacher Freiheitsentziehung mit Beaufsichtigung der Lebensweise. Der besondere Charakter der Ehrenstrafe wird auch noch dadurch unterstrichen, daß die Festungen nicht mehr den Gefängnisverwaltungen, sondern dem Reichswehrminister unterstellt sein sollen. Der Wille des neuen Strafrechts, einen ehrenhaften Menschen durch die Strafe auch nicht mit dem Schein eines Makels zu belasten, ist die glückliche Ergänzung des schonungslosen Vorgehens, wo die öffentliche und die Wirtschafts- moral gefährdet sind. Die neue Rechtsauffassung, die vom Volkswohl ausgeht, tritt auch in den Bestimmungen zum Schutz der Volkskraft in Erscheinung. Die Rechtswidrigkeit eugenischer Eingriffe wird von dem Verstoß gegen die guten Sitten abhängig gemacht. Mißhandlung von Kindern und Zugendlichen oder Gebrechlichen wird mit Zuchthausstrafe bedroht. Die Strafandrohungen für die Beteiligten bei Schlägermensuren sind im sportlichen Znteresse endgültig beseitigt. Das deutsche Strafrecht hat durch dieses äußerlich bescheiden falsche Dispositionen oder Eingriffe nicht verantwortlicher Stellen eintreten. Das Reichskabinett verabschiedete endlich noch das vom Reichsernährungsminister vorgelegte Gesetz zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldverhättnisse, das eine grundlegende Reugestaltung des landwirtschaftlichen Kreditwesens enthält und für die Landwirtschaft eine wesentliche Erleichterung der Zinsenlast her- beiführl. Die nächste Kabinettssitzung findet erst nach den Pfingstseicrtagen statt. Die Finanzierung der Hindenburgwahl. Oberst von Hindenburg, Staatssekretär Meißner und Reichsminister TreviranuS als Zeugen im Gerekeprozeß. Berlin, 31. Mai. (ERB.) 3n der heutigen 7. Sitzung des Gereke-Prozesses wurde als erster Zeuge der Sohn des Reichspräsidenten Oberst Oskar v. Hindenburg vernommen. Auf Befragen durch den Vorsitzenden erklärte er, er habe mit dem Hindenburg-Ausschuß und mit den Sammlungen direkt nichts zu tun gehabt, ebensowenig mit der Abrechnung. Er erinnere sich aber, daß in Gesprächen mit Dr. Gereke während der beiden Wahlgänge und nach der Wahl davon gesprochen wurde, daß es nötig sei, zur Förderung einer Politik der nationalen Sammlung nach dem Sieg des Reichspräsidenten eine unabhängige nationale Zeitung zu gründen. Vorsitzender: Sagte Dr. Gereke bei diesen Gesprächen, es seien noch Mittel aus dem Hindenburg-Fonds vorhanden? Zeuge Oberst v. Hindenburg: Cs kann sein. Aber ich habe diesen Gesprächen damals nicht eine so ausschlaggebende Wichtigkeit beigelegt, daß ich mich jetzt ihrer noch genau erinnere. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Langbehn: 3st es richtig, daß Dr. Gereke während des Wahlkampfs mit 3hnen darüber gesprochen hat, daß es dringend notwendig sei, im Interesse der nationalen Sache nach der Wahl des Reichspräsidenten v. Hindenburg eine Einigung aller nationalen Kreise unter dem Reichspräsidenten v. Hindenburg herbeizuführen? Zeuge Oberst v. Hindenburg: Das ist ja auch der Sinn der Wahl gewesen. Sonst hätte der Reichspräsident sich nicht zur Verfügung gestellt. Staatsanwalt: Wissen Sie, aus welchen Gründen der Gedanke der Gründung einer nationalen, überparteilichen Zeitung aufgegeben wurde? Zeuge v. Hindenburg: Nach meiner Auffassung deswegen, weil die notwendigen Gelder nicht auszu dringen waren. Staatsanwalt: Ist im Zusammenhang mit dem Plan der Zeitungsgründung davon gesprochen worden, daß dafür etwa 450—430 000 RM. erforderlich wären? Zeuge: Ich glaube, diese Summe zum ersten Mal von Herrn o. K e u d e l l gehört zu haben, als er mir erzählte, daß der Verdacht einer Unterschlagung bestehe. auftretende Abänderungsgesetz bereits ein ganz neues Gesicht erhalten, das dem neuen Staatsideal Rechnung trägt Bekanntlich ist nach der Zerreißung Oberschlesiens die Genfer Konvention über die Minderheitenfrage für Oberschlesien abgeschlossen worden. Demnach bestehen für die religiösen und nationalen Minderheiten im polnischen wie im deutschen Teile Oderschlesiens bestimmte Rechte, die durch die Gesetzgebung der Staaten selbst nicht eingeengt werden dürfen. Daraus ergab sich von selbst, daß die deutsche Regierung einen Teil derjenigen Gesetzgebung, die im Zuge der nationalen Revolution erfolgt ist, auf Oderschlesien nur in bedingtem Umfange anwenden kann. Ein jüdischer Staatsangehöriger namens Bernheim, geboren in Salzburg, naturalisiert in Württemberg, kurze Zeit in Oberschlesien, jetzt wohnhaft in Prag, hat daraus das Recht hergeleitet, eine Petition an den Völkerbund zu richten, die gegen den Arierparagraphen in verschiedenen deutschen Gesetzen Einspruch erhebt. Die deutsche Regierung hat bereits feststellen lassen, daß irgendwelche Maßnahmen, wenn sie in Oberschlesien getroffen sein sollten, aus der mangelnden Kenntnis lokaler Stellen heraus erfolgt feien, daß Deutschland also nicht daran denke, die Verpflichtungen der Genfer Konvention über die religiösen Rechte in Ober- schießen zu verletzen. Frankreich, Polen und die Tschecho-Slowakei möchten aus dieser klaren Sachlage eine große Staatsaktion machen, um der Welt eine neue Auflage der Greuelpropaganda dar- zubieten. Leider sind diese Bestrebungen bisher durch den Berichterstatter, ein irisches Ratsmitglied, unterstützt worden. Bon deutscher Seite wird zu dem fpe,pellen Fall Bernheim die Frage aufgeworfen, ob nach dem Artikel 147 des oberschlesifchen Abkommens Einzelpersonen überhaupt das R e ch t haben, für eine Minderheit Schritte beim Bölkerbundsrat zu unternehmen. Bisher sind solche Aktionen stets durch die organisierten Gruppen der Minderheiten erfolgt und nur dann von deutscher Seite anerkannt worden. Es wird also einer Einzel- Rechtsanwalt Langbehn: Halten €ic nach Ihrer Kenntnis der Persönlichkeit des Angeklagten Dr. Gereke es für möglich, daß er aus den Wahlgeldern Summen für seine privaten Zwecke entnommen hat, ober glauben Sie, daß er solche Gelder für rein politische Zwecke verwenden wollte? Zeuge: Mir ist nicht die Idee gekommen, daß er solche Gelder in irgendeiner Form für sich verwenden wollte. Oer Staatssekretär des Reichspräsidenten Or. Meißner erklärt bann als Zeuge: 3ch habe mich bewußt und absichtlich von der Ausbringung der Wahlgelder und den Verhandlungen des Ausschusses ferngehalten, weil ich auch nicht mittelbar den Herrn Reichspräsidenten engagieren oder verpflichten wollte. Vorsitzender: Hat während und nach der Wahl Dr. Gereke davon gesprochen, daß eine nationale Zeitung zur Stützung der Hindenburg- Politik gegründet werden sollte und daß dazu Mittel aus dem Hindenburg» Fonds verwendet werden könnten? Staatssekretär Dr. Meißner: Es fanden Besprechungen statt, eine überparteiliche, nationale unabhängige Zeitung zu gründen, die den Gedanken der nationalen Sammlung vertreten sollte. Zunächst war der Ankauf eines Aktienpakets der D A Z. oder der Ankauf der „Täglichen R u.n d s ch a u“ erörtert worden, aber schließlich hielt man die Gründung einer neuen Zeitung zunächst für das richtigere. An den Besprechungen über dir Gründung einer überparteilichen nationalen unabhängigen Zeitung nahmen teil Freiherr v. Gleichen vom Ring, Minister a. D. v. Keudell, Herr v. Lubowski, Dr. Gereke, Oberst v. Hindenburg, ich und Dr. Regen- danz. 3n diesen Besprechungen erklärte Dr. Gereke, daß erfürdiesenZweckeine Summe von 5 0000 M k. zur Verfügung stel- l e n könnte. Aus der Besprechung ergab sich, daß das Geld aus den Mitteln des Hindenburg-Ausschusses herrührte, und zwar von Leuten, die mit dieser Art der Verwendung einverstanden waren. pcrson das Recht für ein Vorgehen beim Völkerbund bestritten. Ueberbies ist nachgewiesen, daß Bernheim weber Rechtsanwalt, noch Richter ober Beamter ist, baß er also von ben betreffenden Gesetzen nicht berührt wirb, ferner, baß er keine Kinber hat, die etwa an neuen Scftulbeftimmungen interessiert wären. Sollte trotzbem ber Völkerbund ben Ansprüchen bes Bernheim nachkommen und eine Debatte über bie deutsche Gesetzgebung herbeiführen, so wirb streng darauf geachtet werben müssen, baß diese Erörterungen nicht eine Form annehmen, bie ben Eindruck auffommen ließen, als habe man in Genf bas Recht, sich in innerdeutsche Angelegenheiten einzu- mischen. Besuch Ministerpräsident GöringS in Königstein. Frankfurt a. M., 31.Mai. (WSN.) Wie das Gaupresseamt der NSDAP, mitteilt, steht nunmehr endgültig fest, daß Ministerpräsident Göring a m Pfingstsonntag um 19.30 Uhr, von Nürnberg-Fürth kommend, hier landen wird, um sich na ch K ö n i g ft e i n zu begeben. Wie von der Bürgermeisterei Königstein ferner mitgeteilt wird, wird Ministerpräsident Göring auf dem Frankfurter Flughafen von dem Reichsstatthalter S p r e n g e r und den übrigen Führern der NSDAP, empfangen werden. Vom Flugplatz aus begibt sich Ministerpräsident Göring mit feiner Begleitung unverzüglich nach Königstein. DoYt wird die Ankunft des Ministerpräsidenten durch Böllerschüsse von der Burg aus angekündigt. In der Zwischenzeit gibt Gaupropagandaleiter Müller- scheid eine Rundfunkreportage. Nach der Ankunft des Ministerpräsidenten wickelt sich sodann das vorgesehene Festprogramm ab, das mit einem Fackelzug und der Burgbeleuchtung, die diesmal wieder in der alten Weise statt- findet, abschließt. Ministerpräsident Göring mrrb sich voraussichtlich noch einige Tage in Königstein aufhalten, um sich von ben Ueberlaftungen der letz, len Zeit etwas zu erholen. (Ein Zettungsfachmann, der Verlagsdirektor Stolberg von der „Deutichen Tageszeitung", hatte einen Voranschlag ausgemacht, aus dem sich ergab, daß ein Kapital von 500 000 Mark notwendig wäre. Da sich bei den weiteren Besprechungen ergab, daß eine solche Stimme von unabhängigen und uneigennützigen Geldgebern nicht aufzubringen war, schlief der Gedanke der Zcitungsgründung ein. Der Angeklagte Dr. Gereke und sein Verteidiger Langbehn richten an den Zeugen Staatssekretär Dr. Meißner die Frage, ob er sich hinsichtlich der Summe nicht irre, ob Dr. Gereke nicht gejagt habe, er habe jetzt 50 000 Mark zur Verfügung, aber könne später größere Summen bis 500 000 Mark beschaffen. Demgegenüber erklärt der Zeuge Dr. Meißner mit aller Bestimmtheit, daß davon keine Rede sein könne. Es sei ganz bestimmt nur von 50 009 Mark gesprochen worden, die Dr. Gereke zur Verfügung habe, hätte er von 500 000 Mark gesprochen, dann hätte ja das Projekt nicht zu fcheitern brauchen. Dors.: Dr. Gereke Halle damals 3 8 0 0 0 0 Mark aus dem Hindenburg-Fonds zurDerfügung. Wenn Sie das wußten, hätte man dann die Idee der neuen Zeitung weiter verfolgt? Staatssekretär Meißner: 3d) glaube ja. Staatsanwalt: Wußten Sie, daß überhaupt ein Gewinn da war? Staatssekretär Meißner: 3ch habe überhaupt nicht gewußt, daß ein Heber- schuß aus dem Hindenburg-Fonds vorhanden war. Staatsanwalt: Herr Dr. Gereke, Sie haben sich in Ihrer Verteidigung darauf gestützt, daß Sie stets Vorkämpfer der streng nationalen Richtung gewesen feien und angeblich ein bedingungsloser Vorkämpfer einer bewußten Hindenburg-Politik. Ich überreiche 3 ro e i Briefe mit dem Antrag, sie zu verlesen, aus denen sich ergibt, daß Dr. Gereke der Hindenburg-Politik, die im Sommer 1932 dazu führte, daß die preußische Regierung entmachtet wurde, nicht gefolgt ist und daß er in enger Beziehung zu den entmachteten preußischen Ministern gestanden hat, daß er eine ganz bewußte Politik gegen die da- malige national - revolutionäre Bewegung und gegen die nationale Regierung führte, so daß die Andeutung, er habe das gewollt, was jetzt erreicht fei, sich als das Gegen- teil erweist. Die Briefe werden vom Gericht bann verlesen. Der erste ist an den damals schon abgesetzten preußischen Minister Klepper gerichtet. Der zweite Brief richtet sich an Bürgermeister Zimmer-Düssel- dorf, gegen den jetzt ein Ermittelungsoerfahren schwebt. Oer ehemalige Reichsminister Treviranus äußert sich dann als Zeuge zu der Kernfrage des Prozesses u. a., Anfang 1932, als ich dem Kabinett Brüning als Minister angehörte, schien mir und meinen Freunden die Hoffnung berechtigt, daß die unter dem Primat der Außenpolitik stehende deutsche Regierungspolitik noch im Jahre 1932 zum Erfolg führen würde. Wir waren uns darüber klar, daß es darauf ankam, Hindenburg zum Sieg bei der Reichspräsidentenwahl zu verhelfen. Wir waren uns aber auch darüber klar, daß es mit seiner Wahl allein nicht getan war, sondern daß durchdienotwen- dige Gleichschaltung der preußischen Regierung diese Ziele der Hindenburg-Politik gestützt werden mußten. Ich sagte schon bei den Sammlungen für die Hindenburg-Wahl im ersten Wahlgang, daß man mit den Mitteln vorsichtig umgehen müßte, weil nach der siegreichen Wahl noch weitere Mittel zur Verwirklichung unserer weiteren Ziele nötig waren. Mir wurde von Geldgebern zugesichert, daß sie entsprechende Mittel für die Preußenwahl geben würden. Das hatte ich Dr. Gereke gesagt, und er rechnete damit. 2hm wurde aber wider Erwarten ein zweiter Wahlgang notwendig, und die Geldgeber sagten mir, sie hätten das Geld, das sie für die Preuhenwahl bestimmt Hütten, schon bei den Sammlungen für den zweiten Wahlgang mitgegeben. 3ch sagte das Dr. Gereke und sprach dabei von einer Summe von 10) 000 bis 250 COO Mk., die auf diese Weise vorweg gegeben waren. Dr. Gereke machte keinen Hehl daraus, daß diese Wendung ihm Schwierigkeiten machen würde. Verteidiger: wurde von Dr. Gereke davon gespro- chen, daß es ihm darauf ankäme, unter der Führung des neugewählten Reichspräsidenten v. Hindenburg ein enatio- n a l e Front zusammenzubringen, in die auch die Nationalsozialisten einbezogen werden sollten? Zeuge Treoiranus: Ja, das war die ganz selbstverständliche Auffassung des krei- ses, dem wir angehörten, wir haben uns immer wieder die Frage oorgelegt, wie man die Kräfte der nationalsozialistischen Erhebung in die Regierung einspannen könne. Verteidiger: Halten Sie es für~ möglich, daß Dr. Gereke überhaupt engere Fühlung mit Linkskreisen unterhalten hat, es sei denn, daß es sich um politische Manöver handelte, um sie über seine wahren politischen Absichten zu täuschen? . Zeuge Treviranus: 3ch halte eine solche Verbindung mit Linkstreisen bei Dr. Gereke für völlig ausgeschlossen. Verteidiger: hat nicht schon Anfang 1932 Dr. Gereke ebenso wie der damalige Reichskanzler Dr. Brüning und wie Sie den Wunsch gehabt, dem Führer Adolf Hitler den Reichskanz- lerposten zu übergeben, und war es nicht fo, daß Zweifel nur darüber bestanden, wie man diesen Plan ohne außenpolitische Erschütterungen durchführen könnte? Zeuge: Ich weiß nicht, ob ich darüber aussagen darf, denn meine Kenntnis in dieser Hinsicht stammt doch aus meiner damaligen Eigenschaft als Reichsminister. Verteidiger: hat Dr. Gereke diesen Plan schon Anfang 1932 gefördert, Adolf Hitler an die Regierung zu bringen? Zeuge: Er hat diesen Gedanken ganzbe- sonders eifrig verfochten. Er hatte deshalb auch in feiner Fraktion gegen widerstände anju- fämpfen gehabt. Oer Schriftsteller Heinrich v. Gleichen der die Zeitschrift „Der Ring" herausgibt und an den Verhandlungen über das „Hindenburg-Zei- tungsprojekt" führend teilgenominen hat, erklärt, Dr. Gereke habe bei diesen Verhandlungen gesagt, er könne sofort 50 0C0 Mark zur Verfügung stellen; im ganzen könnte er 100 000 Mark für die Zeitung aufbringen. Man habe in dem Kreis angenommen, daß diese Mittel einen Re st betrag der Hindenburg-Sammlung darstellten. Vorsitzender: Hatten Sie Kenntnis davon, daß zur Erlangung dieser 2Nittel falsche Quittungen verwandt worden waren? Zeuge: Davon ist mir nichts bekannt. — Heber das Zeitungsprojekt sagt der Zeuge u. a.: Staatssekretär Dr. Meißner hatte es übernommen, wegen des Absatzes der Zeitung Fühlung zu nehmen. Ich erhielt auch von General v. Schleicher die Zusicherung, daß er sich dafür interessieren werde. Rachher hat Dr. Meißner aber von Schleicher eine Absage bekommen. Schleicher war in die „Tägliche Rundschau" eingetreten, und damit hatte die Sache eine Wendung genommen, die zunächst die Verwirklichung des Plans aussichtslos erscheinen ließ. Oer frühere Heichsmimster v. Keudell wurde bann darüber vernommen, wie es z u der Anzeige gekommen sei. Der Zeuge erklärte, daß er darauf gedrungen habe, die Reichsregierung und Oberst v. Hindenburg zu verständigen, weil es sich nach seiner Ueberzeugung um einen schweren Gchrei über dem Nordmeer. Von Julius Hufschmied. Als John Timm die Rachricht erhielt, daß H s.el Timm, unverheiratet gebliebener Bruder seines verstorbenen Vaters Htoe Zimm, das Zeitliche gesegnet habe und daß also der Inselhof in Rordfriesland nun an ihn, John Timm, falle, bügelte er gerade Hosen in der Reuyorker Dowerh. Iohn Timm stellte das Eisen hin, betrachtete nachdenklich das an der Wand hängende Reklameplakat einer Siedlungsgesellschaft, auf dem ein Farmer unter herrlichen Palmen vor seinem Hause stand, inmitten wunderbarer Kühe, und verglich den Barbestand seiner Kasse mit dem mutmaßlichen Fahrpreis nach Hamburg. Acht Tage später stand er an Bord der „Areadia", über ihm funkelten unglaublich viel Sterne, und unvermittelt fiel ihm ein, daß in vier Wochen Pfingsten sei. Von Hamburg aus fuhr Iohn nordwärts, unaufhörlich nordwärts. Er stand am Fenster, die Luft war seltsam schwer und salzig, Dörfer flogen vorbei, einzelne Bauerngehöfte — wie sah wohl das seine aus? Unb wie lange wurde er noch fahren müssen, durch weites einsames, grasbewachsenes Flachland, endlos wie das Meer — lag der Inselhof denn am Ende der Welt? Iohn Timm fröstelte plötzlich. Endlich stieg er aus, in einer kleinen Stadt, an deren Westrand sich das Meer dehnte, zart und etwas fahl, schien ihm, beklemmend öde im Mittagslicht. Ein schweigsamer Mann setzte ihn zum Inselhof über. Iohn Timm starrte um sich herum in das Richts, das bereit war, ihn zu verschlingen — das Richts? O, da waren noch viele Inseln, friesische und dänische und skandinavische, flache und felsige, glatt gerundete und zerklüftete, bewohnte und solche, auf denen nur die Meeresvögel hausten — Iohn Timm fröstelte wieder. Dann tauchte der Inselhof auf. Ein stattlicher Hof, gut gehalten, vom ältesten Knecht Mike sorgsam verwaltet. Mike legte dem neuen Herrn mit freundlicher Ehrerbietung Rechenschaft ab, die Haushälterin Gesine, zwanzigjährige Tochter eines verarmten Inselnachbarn, von Onkel Haskel sozusagen als Tochter aufgenommen, trug ihm eine reichliche und schwere Mahlzeit auf, von der Iohn kaum ein Drittel aß. Dann ging der neue Herr hinaus. Am Gartenzaun blieb er stehen und schaute ins Land. Schöne Wiesen, ja, und die schwarzbunten Kühe darauf sahen prächtig aus — aber die gemalten Tiere auf dem Reklameplakat hallen ihm näher gestanden- Und die Gartenbäume hatten alle keine Aeste an der Rordwestseite — welche Stürme mußten hier rasen, im grauen trostlosen Herbst, wenn der Winter sich über das ausgelieferte Land stürzen wollte, oder im Vorfrühling, wenn er auf dem brüllenden Meer seine letzten Schlachten ausfocht! Lebendig begraben würde man sein — weitab vorn herrlichen Strom des vielfältig heiteren Lebens, der schimmerte und lockte und um immer neue Ufer schäumte und nichts mehr wissen würde von Iohn Timm — „und ich bin doch noch nicht dreißig Iahrel", dachte Iohn verzweifelt. Aber als er sich in einem geräumigen Zimmer mit viel dunkler Täfelung zur Ruhe begab, fiel ihm ein: „Man kann den Hof verkaufen und zurückgehen." Dennoch schritt er am nächsten Tage eine Weile neben dem erklärenden Mike durch die Wiesen, es war doch ein seltsames Gefühl, fo über seine eigene Erde zu gehen, ein Gefühl, wie es Könige haben mochten- Dann stand er still und sagte: „Ich bleibe nicht hier — ich werde den Hof verkaufen." Mike erstarrte. „Der Herr macht Spaß — wer verkauft denn seinen Hof?" „Aber es werden doch sicherlich auch hier Höfe verkauft und gekauft!" „Ach ja, freilich, es gibt auch solche Leute!" Mikes Ton sagte: „Aber was sind das auch für Menschen, die ihren Hof ohne Rot verkaufen!" Iohn sah über die blumigen, blauüberwölbten Wiesen, leiser Wind kam vom Meer, weich und doch herb, das machte wohl der Salzgehalt. Rein, man würde diesen Wind nicht so bricht vergessen. „Ich bin kein Landwirt", sagte er erklärend. Mike fragte höflich und zutraulich: „Was ist der Herr?" Betroffen sann Iohn nach — Zeitungsjunge und Liftboy und Mafchinenschreiber und Hosenbügler — ja, wie konnte man das bezeichnen? Hr wurde ärgerlich. „Ich bin Amerikaner", sagte er und wandte sich kurz um. Mike sah ihm nach. Er hatte nicht gewußt, daß das ein Beruf sei: Amerikaner. e Also führte der Knecht den Hof weiter, Iohn schlenderte umher, als Gast. Korruptionsfall gehandelt habe. Bei der Gegenüberstellung habe er Dr. Gereke dann gefragt ob dieser nichts zu seiner Entlastung bezüglich der Quittungsfälschung vorbmgen wolle. Gereke habe ihm unter vier Augen erklärt, er könne den Herren das nicht mitteilen, a n w e l ch e politische Gruppen Gelder geflossen seien. Vorsitzender: Um welche politische Gruppen handelte es sich dabei? Zeuge: Um die W i r t s ch a f t s p a r t e i, die Landoolkpartei und den Jungdeutschen Orden. _ - Mit erhobener Stimme fahrc der Zeuge dann fort' „Ich übernehme sowohl nach der menschlichen "wie nach der sachlichen Seite die völlige Verantwortung für meine Handlung. Ich bin mir oarüber klar, daß ich leider dazu berufen bin, an der Vernichtung eines Mannes mitzuwirken, mit dem ich einmal im Reichstag zusammengesessen habe. Heber die Tragik des Einzel- schicksals hinaus besteht die Tragik, daß bis in die hinterste Landgemeinde die Vertrauenskrise ausgebreitet worden ist. Ein besonderes Moment für sich ist, daß Dr. Gereke in Versammlungen wiederholt von der finanziellen Rotlage der Gemeinden sprach. Wir in der ländlichen Selbstverwaltung haben gestöhnt unter den hohen Beiträgen, die für die Zeitschrift „Die Landgemeinde" erhoben wurden." Die Tatsache, daß Dr. Gereke immer wieder von der Rotlage sprach und durch Täuschung des Vorstandes die Zeitschrift in feinen De- s i tz brachte, fei für ihn mitbestimmend zur Anzeige getoefen. Staatssekretär Kempner der Geschäftsführer des Hindenburgausschusses, sagte aus, Dr. Gereke im ganzen 1,390 Millionen Mark zu Propagandazwecken übergeben zu haben. Daß Uederschüsse nach der Wahl verblieben seien, habe er erst bei der zweiten Vernehmung beim Staatsanwalt erfahren. Der Hindenburgausschuß habe im November 1932 beschlossen, einen etwaigen Ueber- schuß der Hindenburgspende au überweis e n. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Zeuge sich damit einverstanden erklärt hätte, daß der Ueberschuß von rund einer halben Million Mark, falls er davon gewußt hätte, für weitere politische Zwecke verwendet würde, erklärte Staatssekretär Kempner, daß er dazu nicht feine Zustimmung gegeben hätte. Bei der weiteren Vernehmung stellte sich heraus, daß der Zeuge in dem Glauben, daß sogar noch ein Defizit von 50)000 Mk. bestände, sich brieflich an den damaligen Reichsfinanzminister Dietrich gewandt und eine Abschrift des Briefes auch dem früheren Reichskanzler Dr. Brüning geschickt hatte. Auch Dr. Gereke war über dieses Schreiben unterrichtet worden. Die Frage des Staatsanwaltes, ob der Zeuge auf Grund dieses Schreibens auch tatsächlich Geldmittel erhalten habe, erklärte Staatssekretär Kempner nicht ohne Aussagegenehmigung seiner vorgesetzten Behörde beantworten zu können. Er habe die angeforderte Summe beschafft, könne aber nicht angeben, von welcher Stelle er sie erhalten habe. Verteidiger: Stammten die Gelder für die Hin- denburgwahl nicht vielfach auch aus Kreisen, die nur aus taktischen Gründen Geld hergaben, also Linkskreisen, jüdischen Warenhäusern usw., die an sich politisch nicht auf der Seite des Reichspräsidenten standen, aber feine Wahl unterstützten, damit nicht Hitler gewählt würde? Zeuge: Das nehme ich mit Sicherheit an. Der Hauptkassierer des Hindenburgausschusses, Regierungsinspektor Grünow, erklärte sodann, daß die erste Abrechnung von Dr. Gereke habe zurückgewiesen werden müssen, weil sie Additionsfehler enthalten habe und unübersichtlich gewesen sei. Die zweite Abrech- nung habe ein Defizit von 30 000Wk. ergeben, und Dr. Gereke habe auf Abdeckung desselben gedrängt. Damals schon hatte sich der Hin- denburgausschuh in großen finanziellen Schwierigkeiten befunden, denn es seien ungefähr drei Millionen M k. Schulden vorhanden gewesen, die erst im Juli durch die Bemühungen von Staatssekretär Kempner hatten abgedeckt werden können. „Bis Pfingsten bleibt der Herr doch?", fragte Gesine. „3a, natürlich, in acht Tagen verkauft man den Hof nicht!" Was für ein merkwürdiger Harne: Gesine! dachte 3ohn. Dann überlegte er, wie er das zu erwartende Geld am besten anlegen könne. Er verstand etwas von Börsengeschäften, vielleicht würde er noch mal ein berühmter Mann in der Wallstreet. Unb wenn er jetzt um des alten Wilton schöne Marjorie anhielt, würde sie ihn kaum abweisen, ihn mit feinen Zukunfts- aussichten. Er sah auf Gesine, deren Haar in der Sonne flammte. Marjorie war dunkel. Wundervolles Haar!, dachte 3ohn. Er meinte Gesine. Den Pfingstsarnstag verbrachte er in der kleinen Stadt, in dem Hotel am Marktplatz ah er zu Mittag. Ein Herr sprach ihn an, er sah nach Großstadt aus und trug einen Mantel nach dem neuesten Schnitt, wie 3ohn mit plötzlicher Abneigung bemerkte. Er heiße Kleinmann, sagte der Herr, und habe 3ntereffe am 3nselhofe, der ja wohl verkauft werden solle. 2lber er sei sehr eilig, ob er Mr. Timm morgen am Pfingstsonntag heimsuchen dürfe? Mr. Timm? dachte 3ohn unbehaglich berührt. Wer Herr Kleinmann solle nur kommen, auch er habe es eilig, jawohl. „Wieder nach drüben?" fragte Herr Kleinmann verständnisvoll. „3a, ein gebildeter Mensch kann es hier ja auch nicht aushalten!" 3ohn schwieg, er wußte nicht, wie finster der Blick war, mit dem er Herrn Kleinmann ansah. Am Pfingstsonntag war 3ohn schon bei Sonnenaufgang draußen. Er dachte an Herrn Klein- mann, ein komisches Gefühl schnürte ihm die Kehle zu. Verdammte Feiertage, wäre er drüben, würde er heute nach Cong Island fahren, mit Gesine — nein, mit Marjorie, natürlich mit Marjorie. — Die kaum aufgegangene Sonne schoß schräge rote Blitze über die Flut, 3ohn mußte an die feurigen Zungen aus der Bibel denken. Merkwürdig, wie sich solche alten Märchen erhielten. Feurige Zungen, die Offenbarungen brachten-- Wenn alles klappte, konnte er sich schon heute 2lbend als freier und wohlhabender 2Ilann betrachten und in ein bis zwei Wochen vielleicht reisen — westwärts. Plötzlich erklang ein Schrei über ihm, ein ur- welthafter Schrei, unvergleichbar jedem andern Eine Erklärung des Zungdeutschen Ordens zum Gereke-Prozeh. Berlin, 31. Mai. (TH.) Zu der Aussage deS Reichsministers a. D. v. Keudell im Gereke- Prozeh, Dr. Gereke habe nach eigener Angabe Gelder an politische Gruppen, u. a. an den Iungdeutschen Orden gegeben, gibt der 3ungdeutsche Orden folgende Erklärung ab: i „Der 3ungdeutsche Orden hat niemals von Herrn Dr. Gereke oder von Mit- telspersonen Dr. Gerekes irgendwelche Geldmittel erhalten." Kleine politische Nachrichten. Reichspräsident von Hindenburg empfing den Reichsminister des Auswärtigen Freiherrn von Reurath zum Vortrag über Fragen der Außenpolittk. * Reichskanzler Adolf Hitler hatte, wie von Zentrumsseite mitgeteilt wird, am Dienstag eine Besprechung mit dem Parteiführer des Zentrums, S r. (Brüning. Es handelte sich dabei um die Fortführung der politischen Aussprache, die vor etwa 14 Tagen in einer Unterredung zwischen dem Reichskanzler und Dr. Brüning eingeleitet worden ist. Einer Einladung des Herrn Reichskanzlers Adolf Hitler an den bekannten Straßenbaufachmann Dr. Piedro P u r i c e l l i - Rom ist dieser mit Freude nachgekommen. In der heutigen Besprechung hat Herr Senator Puricelli den Herrn Reichskanzler überfeine Erfahrungen im Straßen- und Autobahnbau unterrichtet. Der Reichsinnenminister hat als seinen ehrenamtlichen Kommissar für den „Reichsausschuß für hygienische Dolksbelehrung E. 23." den Dr. jur. Ruttke in Berlin-Steglitz ernannt Dr. Ruttke ist beauftragt, den „Reichsausschuß für hygienische Dolksbelehrung" in einen „Reichs- ausschuß für Dolksgesundheitsdienst" umzubilden unb hierbei den Aufgabenkreis des bisherigen Reichsausschusses den Bestrebungen der nationalen Regierung entsprechend zu erweitern. * Der Beauftragte für die Vereinheitlichung der kommunalen Spitzenverbände Oberbürgermeister Fiehler hat den geschäftsführenden Präsidenten des Deutschen unb des Preußischen Etädtetags Dr. M u l e r t mit sofortiger Wirkung beurlaubt Mit der Geschäftsführung ist vorläufig der kommissarischeLeiter des kommunal- wissenschafllichen 3nstituts an der Universität Berlin Dr. 3 e s e r i ch beauftragt worden. * Wie der Evangelische Pressedienst mitteilt, begrüßt der Gesamtverband evangelischer Arbeitervereine Deutschlands in einem Telegramm den R e i ch s b i s ch o f als bewährten Freund der Arbeiter und erfleht für ihn Gottes reichsten Segen. Gleichzeitig hat der Gesamtverband D. von Bodelschwingh um die Uebernahme der Schirmherrschaft gebeten. Der Reichsbischof hat die ihm angebotene Schirmherrschaft mit herzlichem Dank angenommen. 3n Schöningen (Braunschweig), wurden der Ortsgruppenführer des Stahlhelms Kröger sowie drei andere Stahlhelmführer von der Polizei wegen Vergehens gegen die Verordnung des braunschweigischen 3nnenministers betreffend Aufnahmeverbot von Mitgliedern des Stahlhelms in Haft genommen. 3n dem Prozeß gegen 22 Kommunisten wegen des Feuerüberfalls- auf vier SA. - Leute bei Waltersdorf am 17. Februar verhängte das Berliner Sondergericht gegen zwei Angeklagte je sechs 3ahre Zuchthaus unb gegen zwei Angeklagte je zwei 3ahre Zuchthaus. Sechs Angeklagte würben zu Gefängnisstrafen verurteilt, die übrigen wurden freigesprochen. Laut. Er fuhr durch die Luft wie ein Schwert, unb wie ein Schwert fiel er in 3ohns Seele unb verursachte dort einen heftigen und rätselhaften Schmerz. 3ohn hob die Augen, vor dem roten Morgenhimmel, in glasklarer Luft, stand mit weiten Schwingen ein großer Vogel, weih über der noch dunklen Flut, unb stieß seinen wilben und unvergeßlichen Schrei aus, den Urschrei, bet aus den Tagen der Schöpfung herzutönen scheint. „Die Eidergans!" sagte Iohn, unb plötzlich sah er feinen Vater Uwe, wie er mit ihm und der Mutter zur Bahnstation fchritt, um mit ihnen in ein fernes schönes Land zu fahren, wo sie sicher sehr glücklich sein würden. Er erinnerte sich noch genau der Worte unb auch baran, wie sie jäh abriffen, als biefer selbe Schrei über ihnen aus bem Himmel stieß. Wer umgekehrt war Vater Uwe nicht, und deshalb war er so früh gestorben, er und die Mutter, an einer unertlär- lichen Krankheit, von der 3ohn jetzt wußte, daß sie Heimweh geheißen hatte. Und hatte er, 3ohn nicht oft dunkel unb fern in seinen Träumen den Schrei gehört, der aus den Höhen eines zarten Himmels fiel wie — ja, es ließ sich nicht anders sagen — wie eine Offenbarung, die Offenbarung der geheimnisvollen unb unentrinnbaren Schönheit des Äordlanbes, über das im Herbst unb Winter die wilden Wolkenwölfe jagen unb von bem im Frühling unb Sommer eine so unsagbar zarte Heiterkeit ausstrahlt, durch die man leise geht wie durch einen sanften Traum. — Wer könnte solch ein Land verlassen? Auch die Eidergans verläßt es nicht, sie brütet nur hier, in der Heimat — unb jetzt fliegt sie schnell unb lautlos fort, sie hat ihre Aufgabe erfüllt, sie hat ihre Pfingstrede gehalten. Erst nach drei Stunben schritt 3ohn feinem Hof zu, Herr Kleinmann wartete schon. „Guten Morgen, Mr. Timm", sagte er, „ich werde den Hof wohl kaufen." „Herr Timm, bitte“, sagte 3ohann Timm heiter, „tut mir leib, daß Sie sich herbemüht haben, aber ! ich verkaufe nicht. „Rein", sagte er und blickte ' Gesine an, die über die bunten Wiesen herkam, \ „ich kann meinen Kindern nicht die Heimat nehmen, ist eine schlimme Sache um einen Heimatlosen — aber vielleicht verstehen Sie das nicht?" Rein, Herr Kleinmann verstand das nicht. „3a“. sagte Iohann Timm, „man hat es mir auch erst predigen müssen — mit feurigen Zungen, direkt vom Himmel herab, wissen Sie." Er nickte Herrn Kleinmann zu, der ihn starr ansah, und ging Gesine über die bunten Wiesen entgegen. feti. Hut« ^tigen ■yOUtdg f^ett i. läge de» ®etek Angabe ' U. Q. Weben, Gärung emalg lAkit. Send. die von N eine mtruinz, =t um die die vor .irischen ungeleilet hrkanzlirz wßenbou. -n ist die. utigen Le. )en Herrn "gen im nfenid)tet !>i ehren- "schuß 0 E. ernannt -Auh für Deichs, sbitnit" intreis bes >unyen der rweitem. ichung der rgemeifter Präsiden« KtädteiagS g beut« : vorläufig kommunal« ünidersität den. itteilt, be« angeli« fchlands fchvf als erfleht für ig hat der h um die f t gebeten, ’ne Schirm« nommen. )urben der zlhelms übtet von die Der« enminifters liebem deS listen wegen ier 62I-« 17. Februar : gegen Mi Haus und Zuchthaus, ngnisstiafen 'igefprochen. ein Schwert i Seele und rätselhaften . dem roten stand mit weist über inen wilden Irschrei. der inen scheint, plötzlich sak> m mrd der mit Men :en, wo ste [innette Iw) :an, wie sie über ihnen gekehrt W ° er so!°» .er unerklar timet«.* itte er. 2oh" Räumen eines 8^ " nicht anders Offenbaru^ Ä und ii man le^ e ^ schnell * es Kn ®«Ä= it KeIWc' iiefef1 )as n"^ mir i -MgeN' Aus der Provinzialhauptstadt. Was wohl die Welt von Hitler sagt... ? Was wohl die Welt von Hitler sagt, wenn etwa in fünfhundert Jahren ein Lehrer seine Schüler fragt, die sich dann forschend um ihn scharen? „Es war", so fängt er fither an, „kurz nach dem europäischen Kriege, da brachte dieser seltne Mann die menschliche Vernunft zum Siege. Durch Einsicht und Wahrhaftigkeit, wie wir sie letzt nur selten finden, könnt er die Krankheit jener Zeit uneigennützig überwinden. Don List und Winkelzügen frei, zu stolz, um je sich feig zu beugen, verstand er Völker und Partei von seiner Kraft zu überzeugen. Sein Sinn für Recht war stark und groß. Für Schelme tonnt er kein Erbarmen; war mit sich selber mitleidlos, doch Mitleid fühlt er mit den Armen. Kein Leid hat seinen Mut gedämpft. Ihn stützte nicht der Troß der Heere, doch eines hatte er erkämpst: Dem deutschen Volk die alle Ehre. Er hat der Diplomaten Zunft zuletzt noch gänzlich ausaeschaltet, voll Redlichkeit und voll Vernunft sein schweres Amt stets selbst verwaltet. Er hat von Umsturz und von Wahn zuletzt Europa noch gerettet und hat an seines Lebens Bahn die Liebe eines Volks gekettet. Als rings um sein geliebtes Land die Völker all in Waffen starrten, als sie, in neu geschürtem Brand auf Ueberfall und Beute harrten, da hat er durch des Wortes Kraft, durch nichts, als durch sein reines Wollen den Frieden unsrer Well verschafft. Das ist es, was wir wissen sollen." Mazda Amann. 3d) bei Tag und Du bei Nacht... Der Film, der seit gestern im Lichtspielhaus, Bahnhof st raße, gezeigt wird, nimmt den sicher auch in Berlin seltenen Fall an, daß eine Zimmer« Vermieterin ihre gute Stube zweimal vermietet. Und zwar an „Sie", die Manicüre bei Nacht und an „Ihn" den Oberkellner bei Tag. Beide wußten umeinander, kannten sich aber nicht, bis sie sich eines Tages unter, versteht sich, sehr verzwickten Verhältnissen doch trafen. Nach mancherlei Irrungen und Wirrungen bekamen, sie sich auch, anders kann man es sich in einem Film mit Willy Fritsch und Käthe von Nagy nicht gut denken. Für das happy end finden die Filmleute immer wieder neue Variationen und verstehen es dadurch, eine Stunde lang gut zu unterhalten. In hübschen Nebenrollen wirkten Julius von Falken st ein, Ida W ü st und Amanda Lindner mit, so daß man gute schau- spielerische Leistungen sah. Man hörte einfdjmei- chelnde Schlagerlieder. Im Beiprogramm wurde ein schöner Kulturfilm von der Vogelwelt des hohen Nordens gezeigt. n. Bornotizcn. — Tageskalender für Donnerstag: Oberhess. Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Lichtspielhaus, Dahn- Hofstraße: „Ich bei Tag und du bei Nacht." Dienstjubiläum beim Amtsgericht. Iustizinlpektor Wilhelm Ritter zu Gießen begeht am 1. Juni sein 40jähriges Dienstjubiläum. Dem Jubilar, der durch seine Tätigkeit am Grundbuch- amt in weiten Kreisen der Bevölkerung bekannt ist und durch sein allezeit hilfsbereites Wesen geschätzt wird, hat die hessische Staatsregierung die besten Glückwünsche ausgesprochen. Sie verband damit die .Anerkennung der hessischen Regierung für die geleisteten treuen Dienste. * Benefizvorstellung im Stadt- t h e a t e r. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Das Ensemble wirbt heute noch einmal für den Besuch seiner Benefizvorstellung am Freitag, 2. Juni. Es gelangt das köstliche Lustspiel: „Krieg im Frieden" von Moser und Schönthan unter Karl Volcks Spielleitung und unter Mit« Wirkung des gesamten Damen- und Herren-Personals einmalig zur Ausführung. Alle Theater- freunde werden im Hinblick darauf, daß ein unterhallender und lustiger Abend geboten wird und der Reinertrag den Mitgliedern des Ensembles zugute kommt, sicherlich sich für die aufopfernde Arbeit der Künstler erkenntlich zeigen und recht zahlreich erscheinen. Um allen die Möglichkeit des Besuches zu bieten, sind gewöhnliche Schauspielpreise angesetzt und der Beginn der Veranstaltung auf 20.15 Uhr gelegt. * Straßensperrunas - Nachrichten, mitgeteilt vom Oberhefsischen Automobil-Club E. D. (21. v. D.), Gießen: Die Provinzialstraße Gießen — Heuchelheim wird ab 1.Juni für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung über die Straße Windhof—Heuchelheim (Brauhausstraße) und umgekehrt. — AnlöhliH , des diesjährigen Motorradrennens „Rund um Schotten" wird die Ortsdurchfahrt Bad Salzhausen von Samstag, 3. Juni, 16 Uhr, bis Dienstag, 6. Juni, 18 Uhr, für Motorräder und Lastkraftwagen im Durchgangsverkehr gesperrt. Umleitung über Borsdorf. — Die Sperre auf der Strecke Schotten — Rudingshain ist aufgehoben. •• Der Verband der Hessischen 0e» schichts - und Altertumsvereine versendet jetzt die Ginlabung zu seiner diesjährigen, am 24. und 25. 3uni ftattfinbenben Tagung. Vorgesehen ist am 25. 3uni in Gießen eine Besichtigung der Anstalt für hessische Landesforschung (Bismarckstraße 16) um 16 Ahr und eine Besichtigung im Oberhessischen Museum und der Wilhelm-Gail-Stiftung um 17 Ahr. 3n Butzbach (Abfahrt 19.39 Ahr) um 20.30 Ahr im Saale des „Deutschen Hauses" ein Vortrag des Herrn Ani- versitäts-ProfessorS Dr. Rauch (Gießen) über „die Kunstdenkmäler der Stadt Butzbach" (mit Lichtbildern). Anschließend Anterhaltungsabend mit musikalischen und mundartlichen Darbietungen. Am 25. 3uni (Sonntag), 10.30 Ahr, Führung durch Butzbach unter Leitung von Herrn Professor Rauch. Am 12 Ahr spricht Herr Aniversitäts- Prosessor Dr. Th. Mayer (Gießen) im „Deutschen Haus" über „Aufgaben der hessischen Lande sgeschichtsforschung". Am 13.30 Ahr gemein* sames Mittagessen, am 15 Ahr Spaziergang über der Schrenzer nach dem Forsthaus oder nach Rie- der-Weisel zur Besichtigung der romanischen Kapelle. Der Oberhessiiche Geschichtsverein hat seinen Sommerausflug mit der Tagung zusammengelegt und wird seine Mitglieder durch die Zeitungen zur Teilnahme einladen. Schwurgericht Gießen. * Gießen, 31. Mai. Unter dem Vorsitz von ßandgeridjtsrat Dr. Hansult wurde heute gegen den Hilfsarbeiter Heinrich Kraft II aus Düdelsheim wegen Meineids verhandelt. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Dr. Eckert, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Zimmer. Wegen Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit fand die Verhandlung hinter verschlossenen Türen stall; das Urteil wurde öffentlich verkündet. Der Angeklagte hatte im Wald bei Düdelsheim in der Nähe des Schießhauses zwei junge Leute bei einem intimen Vorgang beobachtet und diesen Vorfall sofort überall herumerzählt. Als er danach in einem Ehescheidungsprozeß darüber als Zeuge eidlich vernommen wurde, verschwieg er trotz eindringlicher Ermahnung die Wahrheit und wollte nichts Wesentliches gesehen haben. Dennoch erzählte er seine Wahrnehmungen auch anderen Leuten und gab mit zynischer Offenheit zu, vor Gericht die Unwahrheit gesagt zu haben: aus einem Eid mache er sich nichts, das sei alles Humbug usw. Jndeß bewahrheitete sich an ihm das Sprichwort: „Lügen haben kurze Beine", denn als er später abermals in einem Prozeß als Zeuge geladen war und seine Erzählungen ihm vor« gehallen wurden, gab er die Wahrnehmungen, die er damals am Schießhaus gemacht hatte, eingehend zu Protokoll. Diese zweite Aussage war auch richtig, wie sich aus der Vernehmung des jungen Mannes, den er beobachtet hatte, ergab. Der Angeklagte war nicht geständig: er behauptete heute, bei seiner ersten Vernehmung die Wahrheit gesagt zu haben und wollte sich auf Verwirrung oder Gedächtnisschwäche hinausreden. Auf Grund der eingehenden Beweisaufnahme war an feiner Schuld kein Zweifel möglich. Strafschärfend kam die Frivolität feines Meineides in Bellacht. Die Strafe lautete auf ein Jahr sechs Monate Zuchthaus und fünf Jahre Ehrverlust. Oie Technische Hochschule Darmstadt wieder geöffnet. D a r m ff a d (, 31. Mai. (IDSH.) Von der I e ch. nifchen Hochschule wird mifgefeilf: „Der Lehrbetrieb an der Technischen Hochschule Darmstadt konnte am Mittwochnachmittag wieder aufgenommen werden, nachdem durch das Eingreifen der Regierung eine die Hochschule befriedigende Lösung gefunden werden konnte." Rach einer weiteren WSR.-Meldung hat es sich bei dem Vorfall um Mißverständnisse zwischen einem Teil der Studentschaft und einem Teil der Dozenten gehandelt. Die neuen Schöffen und Geschworenen. In der am 29. Mai stattgefundenen Sitzung des Ausschusses für die Bildung der Schöffen- und Schwurgerichte, sowie der Jugendgerichte für die Zeit vorn 1. Juli 1933 bis 31. Dezember 1934 wurden gemäß der Verordnung der Reichsregierung über Gerichtsverfassung und Strafrechtspflege vom 4. Januar 1924 und dem Reichsgesetz vom 7. April 1933 folgende Personen bestimmt: L hauptgeschworene für das Schwurgericht: 1. Franz Sorgouts, Schlosfermeister, Gießen, Mäusburg 12. 2. Studienrat Gg. Schelhorn, Gießen, Lud- wigstraße 24. 3. Emil Dietz, Kaufmann, Gießen, Am Kugel- berg 7. 4. Josef Simon, Gasaufnehmer, Gießen, Kaiser- allee 69. 5. Rudolf Leithäuser, Bankbeamter, Gießen, toeltersmeg 63. 6. Otto Stein, Arbeiter, Bersrod. 7. Wilh. Becker XIII., Landwirt, Alten-Buseck. 8. Heinrich Ludwig Gerhardt, Landwirt, Steinbach. 9. Ludwig Kreiling, Landwirt, Mainzlar. 10. Wilhelm Schwalb, Landwirt, Beuern. 1L Hilfsgeschworene für das Schwurgericht: 1. Hans Grieb, Kaufmann, Gießen, Äepler- straße 5. 2. Christian Beiz, Steuerassistent, Gießen, An- neröder Weg 20. 3. Otto Schwarz, Kaufmann, Gießen, Frankfurter Straße 43. 4. Friedrich Linker, Kaufmänn, Gießen, £ub- wigsllaße 16. 5. Alois Hofmann, Bankbeamter, Gießen, Kaiserallee 30. 6. Lorenz Eifert, Derw.-Sekr., Gießen, Wiefen- straße 2. 7. Karl Waag jr., Kaufmann, Gießen, Selters- weg 60. 8. Philipp Diehl, Former, Gießen, Löwen- gaffe 13. 9. Karl Noll, Dipl.-Kaufmann, Gießen, Bahnhofstraße 6. 10. Wilh. Becker, Lederfabrikant, Gießen, Bahnhofstraße 16. 11. Richard Krieger, Fabrikarbeiter, Heuchelheim. 12. Heinrich Heuser III., Landwirt, Burkhardsfelden. 13. Heinrich ß e u t n e r jr., Landwirt, Allendorf an der Lumda. 14. Heinrich Benzler II., Schuhmacher u. Landwirt, Staufenberg. 15. Christian Graulich, Landwirt, Bersrod. 16. Johannes Stein, Landwirt, Climbach. 17. Wilhelm Opper, Landwirt, Alten-Buseck. 18. Georg Albach, Former, Daubringen. 19. Friedrich Stein, Bäcker, Klein-Linden. 20. Karl Hildesheim, Taglöhner, Lollar. HL houptschöffen für das Landgericht: 1. Hermann Wagner, Verf.-Anw., Gießen, Seltersroeg 60. 2. Adolf Birkmeyer, Metzgermeister, Gießen, Bahnhofstraße 13. 3. Rudolf Schneider, Gärtner, Gießen, Schif- fenberger Weg 29. 4. Dr. Werner Chalons, Rittmeister a. D., Gießen, Kroßer Steinweg 21. 5. Karl Beil, Schreinermeister, Gießen, Bücking- straße 1. 6. Wilh. Hainbach, Zugführer, Gießen, Asterweg 52. 7. Heinrich Jockel, Kultur-Jnsp., Gießen, Bruch- straße 19. 8. Otto Jung V., Ina., Watzenborn-Steinberg. 9. Phil. Löcher II., Landwirt, Bersrod. 10. Erich S ch r oth , Ober-Jng., Mainzlar. 11. Theodor Forchheim, Hüttenarbeiter, Allendorf an der Lumda. 12. Hch. Ludw. Balser, Landwirt, Steinbach. 13. Karl Ranft, Lehrer, Alten-Buseck. 14. Ludwig Schäfer VI., Landwirt, Annerod. IV. hilfsschössen für das Landgericht: 1. Richard Bornemann, Zahrradhändler, Gießen, Großer Steinweg 12. 2. Heinrich Karos, Schneidermeister, Gießen, Ludwigsllaße 35. 3. Herrn. Wilh. Meyer, Bergwerksdir., Gießen, Gartenstraße 28. 4. Friedr. Bauer, Derw.-Ober-Assist., Gießen, Am Kugelberg 29. 5. Heinrich B ö n s e l, Metzger und Wirt, Gießen, Gabelsbergerstraße. 6. Heinrich L e i b n e r, Monteur, Gießen, Nord- anlage 5. 7. Johann Elfenthal, Res.-Lokomotiof., Gießen, Steinstrahe 12. 8. Hermann Thomas, Geschäftsleiter, Gießen, Steinstraße 52. 9. Heinrich Braun, Metzger u. Gastwirt, Wieseck. 10. Abam Hch. Lauber, Kaufmann, Grüningen. 11. Wilh. Hermann III, Lanbwirt, Beuern. 12. Subroig Becker, kaufm. Angestellter, Lollar. 13. Johannes Schmitt II., Lanbwirt, Winnerob. 14. Karl Klos, Lanbwirt, Röbgen. 15. Wilh. Albach, Weißbinder, Bersrod. 16. Karl Nicolaus, Wagner, Steinbach. 17. Wilh. 91 e u m e i e r, Landwirt, Winnerod. 18. Ludwig Schäfer II., Spezereihandlg., AIbach. 19. Heinrich Forbach III., Landwirt, Alten-Buseck. 20. Kaspar Euler III., Schlosser, Treis a. d. Lda. V. Hauptschöffen für das Schöffengericht: 1. Friedrich Detter, Forstass., Gießen, Kreuz- platz 4. 2. Richard Grünewald, Kaufmann, Gießen, Bahnhofstraße 23. 3. Otto Kahl, Landwirt, Alten Duseck. 4. Albert Brücket, Lanbwirt, Lang-Göns. 5. Johann Balser, Arbeiter, Bersrob. VI. hilssschöffen für das Schöffengericht: 1. Karl Schwender, Steuer-Dberfefr., Gießen. Steinstraße 71. 2. Ferdinand Link, Schlossermeister, Gießen, Wilsonftraße 10. 3. Hermann Müller, Techniker, Gießen, Stephanstraße 26. 4. Adolf H o p f e I d, Gastwirt, Gießen, Friedrich« straße 4. 5. Adam Stein. Bahnbeamter, Daubringen. 6. Heinr. Reuschling III., Landwirt, Steinbach. 7. Karl Rühl, Müller. Trohe. 8. Joh. Georg Heß, Kulturb.-Ass. in Leihgestern. VII. hauptschöfsen für bas Große Jugendgericht: 1. Heinrich Schneider, Uhrmacher, Allendorf an der Lumda. 2. Oberzollinsp. Gg. Heß, Gießen, Bismarckstraße 40. 3. rau Elfriebe Fischer, Gießen, Walltorstrahe. 4. Wilhelm M u h l y, Fabrikarbeiter, Alten-Bufeck. 5. Friedr. G e r n a n b t, Lanbwirt, Heuchelheim. VIII. Hilfsschöffen für bas Große Jugendgericht: 1. Gustav Frey, Kaufmann, Gießen, Kaiser- allee 31. 2. August Weimer, Weißbinder, Daubringen. 3. Jakob Haas, Prokurist, Gießen, Beethoven« straße 1. 4. Frau Meta Fritsch, geb. Hermann, Gießen, Nahrungsberg. 5. Bürgermeister Göbel in Hausen. 6. Karl Hirtz II., Lanbwirt, Watzenborn-Steinberg. IX. Hauptschöffen für bas kleine Jugendgericht: 1. Pfarrer Otto Lenz, Gießen, Lubwigsplatz 2. 2. Dr. Karl Hummel, Gießen, Gg.-Phil.-Gail« Straße. 3. Heinrich Jünger, Lanbwirt, Reiskirchen. 4. Adam Nagel, Schmied, Allendorf a. d. Lda. X. hllfsfchöffen für das kleine Jugendgericht: 1. Ernst Äreuder, Bankbeamter, Gießen, Friedensstraße 15. 2. Heinrich Trechsler, Kaufmann, Gießen, Steinstraße 73. 3. Ludwig Hofmann V., Landwirt, Lollar. 4. Wilhelm Schmidt II., Müller, Großen-Buseck. Die letzten Soldaten des Weltkrieges. Teklnehmerberichien nacherzählt von Walter Schimmel-Falkenau. Hl. Die Heldenlragödie im Vallikum. Durch volksfreundliche Verordnungen, die in jeder Weife der Eigenart und den Bedürfnissen des Landes und seiner Bewohner gerecht wurden, gelang es diesem neu eingesetzten Zentralrat, die Sympathien der Bevölkerung zurück zu gewinnen. Die Truppen der Westarmee räumten inzwischen radikal mit den unzähligen Banden auf, die sich allenthalben im Lande herumtrieben und durch Mord und Plünderung lebten. Die lettische Armee jedoch berannte immer wieder die Stellungen der russischen Westarmee, wo immer sie vorstießen, zwangen sie die jüngeren männlichen Anwohner aus Dörfern und Städten in ihr Heer einzutreten. Dadurch natürlich sank wohl die Disziplin als auch die Moral dieser lettischen Armee auf eine unglaublich niedere Stufe, sie verlor jede Achtung vor bem Eigentum des anbe- ren, sie geriet branbschatzenb unb raubenb immer deutlicher in ein sichtbares b o l s ch e w i st i - sches Fahrwasser, unb rote Fahnen unb bie Abzeichen Der roten Sowjetarmee tarnen immer mehr innerhalb biefer von Tag zu Tag mehr verwahrlosenden Truppe zum Vorschein. Die Neigung bes Letten zum Bolschewismus zeigte sich sehr auf« fällig. Die lettische Regierung leitete, um ihre schon zu fast vollkommenen Bolschewisten herunter entwickelten Truppen für. ben Kampf gegen bie russische Westarmee unb damit auch gegen die deutsche „Eiserne Division" völlig frei zu bekommen, mit den Bolschewisten Verhandlungen ein. Diese führten tatsächlich zu einem provisorischen Waffenstillstand. Die Lage der russischen Westarmee wurde dadurch, daß sie nun sowohl gegen die Letten als auch gegen bie Bolschewisten kämpfen mußte, barum so besonders bedrohlich, weil jegliche Unter st ützung von der deutschen Regierung versagt wurde. Es fehlte den einstmals reichsdeutschen Truppen schon zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich der Führung des Fürsten Awaloff unterstellt hatten, vornehmlich an Munition, bei einem Bataillon hatten damals schon über 60 Mann keine Stiefel mehr, sie gingen tatsächlich bar« fuß. Jeder geplante Nachschub von hilfsbereiten vaterländischen Kreisen aus Deutschland wurde von der Regierung verhindert, die in dem zähen Durchhalten der tapferen Baltikumkämpfer ein gefährliches Aufflackern der Reaktion erblickte. Ihre Angst vor dem wieder erwachenden vaterländischen Geiste war so groß, daß sie sich an die Entente um Unterstützung wandte unb die Entsendung einer Entente- Kommission in das Baltikum erbat. Mit Hilfe der Entente nun und mit Hilfe des novemberreoolutio- nären Deutschland wurde nun im Rücken des heroischen Heldenkampfes, den die Baltikumkampfer für Deutschlands Ehre und Zukunft in den baltischen Ost« seeprovinzen unter schwersten Entbehrungen geführt hatten und noch führten, ein Feldzug gegen diese wackere Schar geführt, der schließlich z u m Zusammenbruch des Baltikum-Unternehmens führen mußte. Jeder Waggon, der mit Bekleidungsstücken für unsere letzten Soldaten des Weltkrieges unterwegs war, wurde auf Befehl der deuifchen Regierung a n - gehalten, jeder Munitionsnachschub würbe unterbunden. Jedem Urlauber wurde die Rückkehr zur Truppe verboten, jeder Verwundete wurde nach feiner Entlassung aus den deutschen Lazaretten an der Rückreise zur Baltikumfront verhindert. Indessen tat die schon völlig überan- strengte Truppe Tag und Nacht im Kampfe gegen die bolfchewisierte Letten-Armee und gegen die Rote Armee Moskaus bei 20 Grad Kälte Dienst. Krankheiten, besonders Ruhr und Lungenentzündung griffen in erschreckendem Ausmaße um sich. Der andauernde Dienst — eine Ablösung war schon seit langem nicht mehr möglich, —, zehrte die letzten Kräfte auf. Mäntel und Schlafdecken waren nur noch Erinnerungen. Mit größter Besorgnis verfolgten die vaterländischen Streife Deutschlands diesen allmählichen Zerfall unserer Grenzwacht gegen den Bolschewismus. Leutnant Roßbach war es, der im November 1919 mit ungefähr 800 begeisterten deutschen jungen Männern, meistens ehemaligen Frontsoldaten, unter unendlichen Mühen und Opfern seinen berühmten Marsch durch Deutschland antrat, zu Tode erschöpft mit feinen Leuten im Baltikum ankam unb sich in der Hoffnung, noch helfen zu können, der Führung des Fürsten Awaloff ebenfalls unterstellte. 2lber auch diese Heldentat vermochte dem tragischen Geschehen fein anderes Gesicht zu geben. Hätte Roßbach einige tausend Mann mitbringen können, daun wäre vielleicht dieser große Kampf zugunsten der Heimat entschieden worden. Diese achthundert, so hoch ihr Heldenmut und ihre große Hingabe ihnen dauernd angerechnet werben wirb, vermochten ben Zusammenbruch bes Baltikum-Unternehmens nicht mehr aufzuhalten. Die körperlichen Leiden, die die Truppe in dieser letzten Phase ihres Heldenkampfes auszuhalten hatte, waren unbeschreiblich. Die Erkrankten mußten ohne Pflege hinsterben, bas Gewehr noch in ben erfrorenen Hänben. In ben zerfetzten Stiefeln eiterten bie nackten Füße. Grimmiger Schneesturm fegte von Osten. Furchtbar war dieser November dort oben im Baltikum. Nicht bie lettische Armee, nicht bie Rote Armee Sowjetruhlands, nicht die Geschütze der in den Häfen liegenden englischen Kriegsschiffe hatten die „Giferne Division" im Baltikum besiegen können, die deutschen Soldaten wurden durch den Kampf besiegt, den ihnen die Regierung Deutschlands selbst angesagt hatte. Gnde Rovember 1919 war eS mit dem heldenhaften Widerstand gegen Feinde ringsum zu Gnde. Die russische Westarmee löste sich unter dem Druck der äußeren Llmstände allmählich auf. Die „Giferne Division" und die ihr angeschlossenen ehemals reichsdeutschen Truppenteile muhten das Aussichtslose ihrer Lage einsehen. Die Hälfte der Mannschaften war auf den Tod krank, erfrorene Gliedmahen hatte fast jeder aufzuweisen, immer fühlbarer machte sich der Mangel auch an den notwendigsten Kleidungsstücken bemerkbar. Das Fehlen jeglicher Munition, die dauernden Anstürme des Feindes gegen die nur schwach befestigten Stellungen, dazu die immer eisiger werdende Kälte zermürbte die „Giferne Division" schließlich, so baß auch sie bas Zwecklose jebes weiteren Kampfes einsehen mußte. Um so tragischer mutet der Zusammenbruch des Baltikum-Unternehmens an, wenn man bedenkt, daß die von der deutschen Regierung gerufene Gntente-Kornmission, die den Auftrag hatte, die Verhältnisse im Baltikum nachzuprüfen und zu ordnen, die Weisung erhalten hatte, sich nötigenfalls mit dem Zentralrat und der russischen Westarmee gütlich zu einigen. Hätte die deutsche Regierung nicht tatenlos zugesehen, wie im Baltikum Tausende deutsche ehrliche Soldaten hinstarben, hätte man wenigstens für Bekleidungs- und gelegentlichen Munitionsnachschub gesorgt, dann wäre das Baltitum-Untemehmen zu einem ruhmvollen Gnde geführt worden. Die Ziele des Unternehmens wären erreicht worden: Zerschlagung des Bolschewismus in Westruhland, Siedlungsmöglichkeit für Deutsche in den baltischen Provinzen, Handelsbeziehungen über Kurland, Lettland, Litauen und Estland hinaus bis nach Finnland, eine Aussallstrahe für deutschen Export, Grsah für verloren gegangene Weltmärkte und die Kolonien, und schließlich und endlich die große Möglichkeit, durch Stützung und Stärkung der russischen Westarmee eine Waffe zu schaffen, die vielleicht auf Grund ihrer leidenschaftlichen Hingabe an die (Idee berufen gewesen wäre, die damals noch junge Entwicklung des russischen Bolschewismus wieder zu zerschlagen und ein uns befreundetes großes Rußland wieder aufzubauen. ihn diese hohen Ziele ging es setzten Endes im Baltikum-Unternehmen. Sie sind vom deutschen Volke nicht erkannt worden, die große Gelegenheit wurde versäumt. Das Daltikum-älntemeh- men brach zusammen, eine enttäuschte und verzweifelte, 8um großen Teile auf den Tod kranke Truppe kehrte nach heldenhaften Kämpfen unbeachtet, fast wie Ausgestoßene behandelt, in die deutsche Heimat zurück. S.jl.-ifporf Devisenmarkt Berlin — Jranffurt a. 2H. 30. Mal 31.Mal Amtliche Notierung .. Kochten ............ 75 13 74,9 DeSgl. ohne Auslol.-Rechte...... 12,1 1L9 75,13 12,1 6% ehern. 8% Hch. Bolkestaat 1929 (rudtnhH’. 102%)........... Oberhellen Provinz.Anleihe ml' Auslos.-Rechten ............ 67 67 6% Hell. Landesbank Darmstadt Gold R. 12.......... 82 81,5 5Vz% Hess. Landes Hypotheken» bant Darmstadt tilqui...... 85 84,5 Deutsche Komm. Sammelab l.An leihe Settel mit Austos.-Rechten 68 68,25 68,6 6% ehern. v% Franks. Hyp.-Bant Goldpse. 15 unkündbar 613 1935 83 82,5 _ 6% ehern. 7% Franks. Hhv.-Ban' Goldvse. 16 unkündbar bis 1936 82,9 82,25 — 6'/r% ehern. 4‘/2% Franks. Hyp. Bank-LIqu.-Psandbttefe ..... 82 82 _ 51/?% ehern. 4,,z% Rheinische Hi)V.-Banr-Liqu..Goldpfe. ... 85,5 85,5 — 6?,, ehern. 8% Pr. Landespfand bttosanstalt, Pfandbriefe R. 19 _ __ _ 83 6% ehe in. 7% Pr. Landespsand btteianstalt. Psandbttese 8t 10 84 84 84 Verrechnungskurs ............. 85,5 85,5 45,5 85,5 Franksutt a.M. Berlin Schluß- kurS Schluß!. Ab end« börse Schluß» kurö Schlußk Mittag» börle Datum 30.5. 31.5. 30.5. 31.5. 4% dcsgl. Gerte II ...... 6,5 5,5 10,25 4,65 28,65 6,5 5,9 10,3 4,65 28,9 6,4 10,4 4,65 28,9 6 10,4 4,65 29 5% Rumän. Be reinh. Rente v. 1903 4!4%Rumän.verelnh.Renlev.lgl3 4% Rumänische vereinh. Rente . 3%% Anatolier .............. Arant,ur, a. M. Berlin Schluß- kurö Schluß!. Abend- börse Schluß- kurS Schluß!. Mittag» börse 30.5. 31.5. 30.5. 31.5. 25 — 25,5 26.5 — — 35,9 85 43 41 42 40,75 200 199 200 201 95 93,75 94,9 93 41,5 40 41,65 40,4 18 19 18,5 18,75 131,75 133 132,5 134.25 135,5 134 134,75 136 180 — 181,75 180 130,75 130,75 131 130,4 169 166 53 51 53 50,65 58,5 58,5 59 59 34,25 34,75 34 34,25 56,25 56 56,5 56 76 76 - - - - 6,269 46,70 12,64 6,281 46,80 12,66 6,264 46,95 12,64 3,047 3,053 3,047 170,68 171,02 170,18 71,78 71,92 71.68 63,14 63,26 63,14 72,53 72,67 72,53 14,155 14.195 14.14 0,863 3.561 0,867 0,868 3,569 3,526 58,89 59,01 58,89 21,98 22,02 21,96 16,61 16,65 16,61 81,72 81,88 81,57 36,14 36,22 36,11 82,82 82,98 82.82 0,874 0,876 0,874 0,239 0,241 0,239 5,195 5.205 5,195 12,89 12,91 12,89 Banknoten. serlln, 31. Mal Geld Bries Amerikanische Noten.............. Belgische Noten................. 3,49 58,73 62,77 14,10 3,51 58,97 63,03 14,16 16,63 170,49 Dänische Noten ............. Englische Noten .............. Französische Noten........... 16,57 169,81 21,84 71^51 2,46 72,35 81,39 Holländische Noten................ Italienische Noten............ Norwegische Raren ........... Deutsch Les,erreich, » loo GtfiÜIinn Rumänische Noten........ 71,79 Schwedische Noten.............. Schweizer Noten............. 2,48 72,65 81,71 Spanische Noten............ Ungarische Rot«.............. 35,98 36,12