Mittwoch.!. März M3 183. Jahrgang Nr. 51 KvühauSsabe Annahme von injeigej für die Tagesnummer bis zum Nachmitlag vorher. Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Neichspfennig; für Re- klameanieigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20 . mehr. Chefredakteur Dr Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für‘Politik Dr Fr Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumichein und rür ''en An. zeigenteil i.D. Th.Kümmel fämtlich in (Biegen. Lrfchein' «ügtlch. auyer Lonniogs und Ieienags Beilagen: Die ODuftrierte (BieRener Familienblatler Heimat >m Bild Die Scholle Monats-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RT< 1.95 Ohne IUustneNe . 1.80 Zustellgebühr .. , - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, tiernfvrechanfchlüsfe unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Steden. poftfdfedlonto: ^ronlftirt am Main 11686. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Onur V!tö verloa: vrühl'sche Univerfifäls-Vvch- und Steinbrnderei R. tanae in Gietzei. Zchristleitung und Geschäftr^elle: 7. Sie neue Verordnung zuni Schutz gegen lommuniMen'Terror. OerWoritout derVerordnung Berlin, 28.Febr. (IDIB.) Auf Grund des Ar- ikel» 48 Absatz 2 der Reichsoersaffung wird zur Abrehr kommunistifcher siaaisgefährdender Gewaliakie olgendes verordnet: § 1 Die Artikel 114, 115, 117, 118, 123, 124 und 153 der Verfassung des Deutschen Reiches werden bis auf eiteres anher Kraft gesetzt. Ls find da- it Beschränkungen der persönlichen Freiheit, des Iechtes der freien Meinungsäußerung, einfchlieh- ch der Pressefreiheit, des Vereins- und verfamm- ngsrechtes, Eingriffe in das Brief-, poft-, Tele- raphen- und Fernsprechgeheimnis, Anordungen von ausfudjungen und von Beschlagnahmen sowie Be- !)ränkungen des Eigentums auch auherhalb der sonst -ierfür bestimmten gesetzlichen Grenzen zulässig. § 2. Werden in einem Lande die zur Wiederher- sellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nöli- en Maßnahmen nicht getroffen, so kann d i c ^eichsregieruug insoweit die Befugnisse der »bersten Landesbehörde vorübergehend wahrnehmen. § 3. Die Behörden der Länder und Gene i n d e n (Gemeindeverbände) haben den aus »rund des § 2 erlassenen Anordnungen der Re.chs- r.gierung im Rahmen ihrer Zuständigkeit Folge z n leiften. 8 4. Wer von den obersten Landesbehörden oder den hnen Nachgeordneten Behörden zur Durchführung -eser Verordnung erlassenen Anordnungen oder den an der Reichsregierung gemäh § 2 erlassenen Anordnungen zuwiderhandelt, oder wer zu sicher Zuwiderhandlung aussordert oder an- ckizt, wird, soweit nicht die Tat nach anderen vorschristen mit einer schwereren Strafe bedroht ist, mit Gefängnis nicht unter einem Monat oder mit Geldstrafe von 150 bis zu 15 000 RM. bestraft. Wer durch Zuwiderhandlung nach Absatz leine t neine Gefahr für Menschenleben i beiführt, wird mit Zuchthaus, bei mit- d nden Umständen mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten, und, wenn die Zuwiderhandlung den Tod eines Menschen verursacht, mit dem Tode, bei mildernden Umständen mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren, bestrast. Daneben kann auch auf Vermögenseinziehung erkannt werden. Wer zu einer gemeingefährlichen Zuwiderhandlung (Absatz 2) auffordert oder anreizt, wird mit Zuchthaus, bei mildernden Umständen mit Gefängnis nicht unter drei Monaten, bestraft. § 5. mit dem Tode sind die verbrechen zu be- strafen, die das Strafgesehbu^ in den §§ 81 (hoch- verrat). 229 ((Biftbcibringung), 307 (Brandstiftung), 311 (Explosion), 312 (Ueberschwemmung), 315 Abs 2 (Beschädigung von Eisenbahnanlagen), 324 (gernein- gesährliche Vergiftung) mit lebenslangem Zuchthaus bedroht. Mit dem Tode oder, soweit nicht bisher eine schwerere Strafe angedroht ist, mit lebenslangem Zuchthaus oder mit Zuchthaus bis zu 15 Jahren wird bestraft: 1. wer es unternimmt, den Reichspräsidenten oder ein Mitglied oder einen Kommissar der Reichsregierung oder einer Landesregierung zu töten, ober wer zu einer solchen Tötung auffordert, sich erbietet, ein solches Erbieten annimmt oder eine solche Tötung mit einem anderen verabredet; Berlin, 28. Febr. (CNB) Amtlich wird darauf hingewiesen, daß eine Verordnung wie die zum Schutze von Volk und Staat, die der Reichspräsident heute abend unterzeichnet hat, von einer Regierung natürlich nur dann ergriffen wird, wenn wirk- lich Höch st e Gefahr im Verzüge ist. Die Beratungen über diese Verordnung haben sehr lange gedauert. Sie ist nach allen Richtungen hin abgewogen. Im Kabinett hat aber absolute Einmütigkeit darüber geherrscht, daß die Verordnung in dieser Form noch heute herauskommen mußte. Es wird nochmals betont, daß der Wahlkampf als solcher durch sie nicht be- hindert werden, und daß die Wahl aus jeden Fall stattfinden soll. Die Reichsregierung ist der Meinung, daß die Verordnung trotz der Wahl erlassen werden mußte, weil große Gefahr für Volk und Staat bestand und noch besteht. Mit allem Ernst muß nämlich darauf hingewiesen werden, daß weiter begründeter Verdacht dafür vorhanden ist, daß die kommuni st ischen Aktionenfortgesetzt werden. Es scheint möglich, daß die Zentrale für die Leitung dieser Aktionen von Berlin ort verlegt worden ist. Gefahren, die hieraus entstehen könnten, soll z. B. der § 2 der neuen Verordnung vorbeugen, der die Reichsregierung ermächtigt, im Falle der Weigerung eines Landes zum Eingreifen selbst die Exekutive zu übernehmen, sei es in der Form einer einmaligen Verfügung, sei es ganz allgemein. Es wird aber darauf hingewiesen, daß die Verordnung — das gilt 2. wer in den Fällen be» § 115 Absatz 2 SlrGv. (schwerer Aufruhr) ober bes § 125 Absatz 2 SlrGv. (schwerer Lanbfriebensbruch) ble lat • mit IDaffen ober in bewußtem unb gewolltem Zusammenwirken mit einem Bewaffneten begeht; 3. wer eine Freiheitsberaubung (339 StrGB.) in ber Absicht begeht, sich bes ber Freiheit Beraubten als Geisel im politischem Kampfe zu bebienen. 8 6. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ber 23er- tünbung in Krast. Berlin, den 28. Februar 1933. Der Reichspräsibent: gez. von Hindenburg. Der Reichskanzler: gez. Abolf Hitler. Der Reichsminister bes Innern: gez. Dr. Frick. Der Reichsminister ber Justiz: gez. Dr. Gärtner. namentlich auch für den § 3 — nichts mit der in den letzten Wochen in der Oeffentlichkeit häusig behandelten Frage der Einsetzung weiterer R e i ch s k o m m i s s a r e zu tun hat. Es handelt sich vielmehr^ lediglich um die Ausübung einer Funktion im Rahmen dieser Verordnung, die sich gegen kommunistische staatsgesährliche Gewaltakte richtet. Aus Kreisen der Reichsregierung wird noch einmal zusammenfassend über den Bericht, den der Reichs- kommissar für das preußische Innenministerium, Reichsminister Göring, heute dem Kabinett gegeben hat, mitgeteilt, das wichtigste an diesem Bericht sei die Tatsache, daß in den Gewölben und unterirdischen Gängen des Karl - Liebknecht - Hauses Material in riesigen Mengen — es handelt sich um mehrere hundert Zentner — beschlagnahmt worden ist. Dieses Material, das gegenwärtig vom Oberreichsanwalt persönlich durchgearbeitet wird, stellt einen eindeutigen Beweis dar, daß s y - stematische Terrorakte von kommunistischer Seite vorbereitet worden sind. Man hat weiter bestimmte Pläne über die Festnahme von Geiseln gefunden. Bor allem handelt es sich dabei um die Frauen und Kinder bestimmter Persönlichkeiten. Ferner befinden sich unter dem Material ganz genaue Angaben über Brandstiftungen in öffentlichen Gebäuden unb Auskünfte über bestimmte Terrorgruppen, die an bestimmten Plätzen eingesetzt werden sollen, und die auch in Uniform von Polizei, SA. und Stahlhelm auftreten sollten. Daß die Gefahr solcher Terrormaßnahmen immer noch groß ist, ergibt sich schon aus der begründeten Annahme, daß ebenso wie im Karj- Liebknecht-Haus in Berlin auch an anderen Stellen unterirdische Gewölbe und Geheimgänge vorhanden sind, die dem staatsgefährlichen Treiben der Kommunisten dienen oder ihnen Unterschlupf bieten. Daß ein Berschwinden insAusland nicht so leicht meg- lich ist, dafür sind übrigens an der Grenze die notwendigen Vorkehrungen getroffen. 3n Kreisen der Reichsregierung ist man sicher, daß es im ganzen Volke dankbar empfunden wird, wenn jetzt mit aller Brutalität gegen den Kommunismus vorgegangen wird. Viemand darf sich auch einem Zweifel darüber hingeben, daß alle Kreise, die mit den Kommunisten zusammenarbeiten. ober einer solchen Zusammenarbeit hinreichenb verdächtig sind, von derVerordnung ebenso rigo ros betroffen werden, wie die Kommunisten selbst. Wer ift van der Lübbe? Torglcrs Teilnahme an der Brandstiftung festgettcl»! Amsterdam, 28. Febr. (WTD.) Wie die in Leyden angestellten Vachforschungen nach der Persönlichkeit und Vergangenheit des in Berlin verhafteten Kommunisten van ber Lübbe ergeben haben, ist biefer seit langer Zeit aktiv in ber kommunistischen Bewegung Hollands tätig. Er machte sich in Leyden einen Vamen als einer ber fanatischsten Vorkämpfer ber kommunistischen Bewegung. 1930 gab cr eine P-opagandasch:.ft unter bem Titel „Der Panzer" heraus, bie m erster Linie bazu bestimmt war, kommunistische 3bcen in bie Wehrmacht hineinzutragen. Er tarn wieberholt mit ber Polizei unb bem Strafrichter in Konflikt. 3m April 1931 begab sich van ber Lübbe nach Berlin. H'.er nahm er , Fühlung mit bet Komintern, deren Zentrale für Westeuropa sch in Berlin befindet. Späterhin wurde er jedoch a l s unbequemer Ausländer aus Deutschland aus- gewiesen. Er kehrte nach Leyden zurück. Man vermutet, daß van der Lübbe sch vor einigen Tagen ausdrücklich nach Berlin begab, um die Brandstiftung im Reichstag vorzuberel- ten und an ihrer Durchführung aktiv teilzunehmen. Was bie Dranbstiftung im Reichs- tage anbetrifft, so ist einwandfrei ber Beweis dafür gefunden worden, daß der frühere Re.chs- tagsabgcoröncte Sorgtet nicht nur mit dem festgenommenen holländischen Kommunisten, sondern mit mehreren Brandstiftern einige Stunden im Reichstage zusammen gewesen ist. Die Flucht der anderen Brandstifter ist offenbar dadurch zu erklären, daß diese durch bie unter bem Reichs- tagsgebäube befinblichen Gänge für bie Sjeijungä- anlagen nach bem Wohngebäube bes Reichstags- präsibenten entkommen konnten. Oes Reichskanzlers Dank an Feuerwehr und Polizei. Berlin, 28. Febr. (WTB) Reichskanzler Adolf Hitler hat an Reichsminister Göring folgendes Schreiben gerichtet' Bei dem ruchlosen Anschläge, der gestern von kommunistischer Verbrecherhand gegen das Gebäude des deutschen Reichstages verübt wurde, haben der rasche Einsatz der Berliner Feuerwehr, die umsichtige Leitung und die aufopfernde Tätigkeit der einzelnen Wehrmänner dazu geführt, daß die drohende Gefahr der völligen Vernichtung des Gebäudes im Laufe weniger Stunden gebannt und das Feuer auf seinen Herd beschränkt werden konnte. Vicht minder hat das tatkräftige Eingreifen ber Polizei bewirkt, daß sich die Löscharbeiten ungestört vollzogen und die Verfolgung der verbrecherischett Tat erfolgreich ausgenommen wurde. 3d) nehme gerne Anlaß, allen an dem Rettungswerk Beteiligten meinen besonderen Dank und meine warme Anerkennung auszusprechen, unb ich bitte Sie, Herr Minister, biesen Dank ber Berliner Feuerwehr unb Polizei zur Kenntnis zu bringen. (gez.): Abolf Hitler. ont bes Reichstagsgebäubes, bas im Innern durch die Flammen gefpenftifch erleuchtet Das Glasdach ber riesigen Kuppel ist durch bas Feuer bis zum Glühen erhitzt. wirb. Der Reichskanzler an der Brandstätte; in feiner Begleitung Reichsminister Göring, Prinz August Wilhelm unb Dr. Goebbels. ----- - A v ■ ■ ■■■ / Schwerwiegende Gründe für den Erlaß der Notverordnung. Oer Abbau -er weltlichen Schulen in Preußen. Berlin, 28. ^cbr. (TU.) Der Reichskommis- sor für das preußische Kultusministerium hat angeordnet, daß von Ostern d. I. ab in dieSam- melschulen und Sammelklassen für Kinder, die am Religionsunterricht nicht teilnehmen. Lernanfänger nicht mehr ausgenommen werden. Die Sammelschulen und Klassen laufen in den folgenden Jahren jahrgangsweise ab. Soweit sie in den nächsten Sauren noch weitcrbestehen, finden Neuaufnahmen von Schülern, die nicht schon früher Eammelschulen oder -Klassen besucht haben. nicht mehr statt. Unterricht in Lebenskunde oder sogenannter Moralunterricht wird in den Volksschulen außerhalb der Sammelschulen und -klassen nicht mehr erteilt. Lernanfänger, die einer Religionsgesellschaft angehören, sind nach den allgemeinen Bestimmungen in die bestehenden Volksschulen einzuschulen. Solche, die einer Religionsgesellschaft nicht angehören, sind in diejenige Volksschule einzuschulen, die ihrem früheren Religionsbekenntnis oder, falls sie einem Bekenntnis niemals angehört haben, dem gegenwärtigen oder früheren Religionsbekenntnis der Eltern entspricht. Falls ausreichende Feststellungen nicht getroffen werden können, bestimmt die Schulaufsichtsbehörde oder die Schuldeputation die Schule. Die durch die jahrgangsweise Aufhebung der Sammelschulen und Klassen freiwerdenden Lehrkräfte sind gemäß ihrem Religionsbekenntnis anderen Schulen zuzuweisen. Angestellte Lehrkräfte, die einem Religionsbekenntnis nicht angehören, sind nach ihrem früheren Bekenntnis anderen Schulen zuzuweisen. Verwendung deutscher Kräfte im Kundfunk. Berlin, 23. Febr. (TL) Wie amtlich mit- geteilt wird, hat der Dundfunkkvmmissac des Reichsministers des Innern, Dr. Krukenberg, die Re'.chLrundfunkgesellfchaft auf die Rotlage hingewiesen, in der sich zur Zeit mit vielen anderen Volksgenossen, ganz besonders auch Vertreter der deutschen Kun st und des deutschen Schrifttums befinden. Sie stelle den Rundfunk als den Wohl größten kulturellen Auftraggeber vor besondere Aufgaben. Die Befolgung des schon wiederholt gegebenen Hinweises im Programm, weitestgehend nur deutsche Kräfte zu beschäftigen, die nicht anderweit durch Anstellung oder feste Mit- arbeitsvertrage verpflichtet sind, genüge nicht. Aus staatspolitischen Erwägungen heraus erachte er es vielmehr für wünschenswert, bei Reuabschlüssen für Darbietungen irgendwelcher Art grundsätzlich nur Deichs- deutscheund Angehörigeehemaliger reichsdeutscher Gebiete oder stam- mesverwandter Länder zu berücksichtigen. Vereinbarungen mit Ausländern, aber nur insofern zu tätigen, als festftehe. daß deren heimatlicher Rundfunk umgekehrt Reichsdeutsche in entsprechender Weise zu seinen Darbietungen heranziehe, oder daß ein besonders außenpolitisches Interesse die Ausnahme rechtfertige. " Oer Kampf geqen den Versailler Bertraq. Berlin. 28. Febr. (WTD.) Der Arbeits- ausschuh Deutscher Verbände hat den Reichsinnenminister Dr. Frick gebeten, auch in feinem jetzigen Wirkungskreis Einfluß auf den weiteren Kampf gegen den Versailler Vertrag zu nehmen. Jnsbeson^e.e bezeichnete der Arbeitsausschuß es als notwendig, im Schulunterricht immer wieder auf den Versailler Vertrag hinzuweisen. 3n der Antwort des Reichsinnenministers heißt es u. a.: Rach meiner äleber- zcugung gehört es zu den wichtigsten und vordringlichsten Aufgaben nationaler Regierungs- Politik. insbesondere die Heranwachsende Jugend über Bedeutung und Inhalt des Versailler Diktats zu unterrichten. Die Kenntnis dieses für Schicksal und Entwicklung unserer Ration ausschlaggebenden Vertrags muh zum Bestandteil der politischen Bildung deS Deutschen werden. Es ist daher e.ne Selbstverständlichleit, dah der Versailler Vertrag und seine Auswirkungen in den Mittelpunkt des historischen und staatsbürgerlichen Unterricht« in den Schu» len. Fortbildungsschulen und Hochschulen gestellt werden. Ich begrühe es. dah der ArbeitSausschuh deutscher Verbände unter Berücksichtigung der Bedürfnisse in den Schulen jetzt eine besondere Schrift über das Versailler Diktat herausgibt. Sobald ich im Besitz der Schrift bin, wr^de ich mich im Sinne Ihre« Antrags mit den zuständigen Ministerien der Länder inS Benehmen setzen. Zuspitzung -er Lage in Genf. Genf. 28. Febr. (TL, Die Lage auf der Abrüstungskonferenz verschärft sich täglich- Die Sabotageversuche aller wirksamen Abrü- stungsmahnahmen durch die französischen Slaaten- gruppen mehren sich in beschleunigtem Tempo. Die Aussprachen sind ausschließlich darauf abgestellt. Deutschland t) ior» militärische Ausbildung" in die Dienstzeit der kontinental-europäischen Armeen mit einberechnet werden sollen. Der italienische Vertreter widersetzte sich den französischen Vorschlägen mit großem Rachdruck offenbar im Hinblick auf die zahlreichen faschistischen Balillos. Pierre Cot suchte anhand eines direkt a u f Deutschland eingestellten Beispiels den Rachweis zu erbringen, dah in Zukunft eine militärische Lleberlegenheit Deutschlands gegenüber Frankreich im Falle der Angleichung der Heeresshsteme bestehen würde, falls eine vormilitärische Ausbildung der jungen Leute zwischen 18 und 21 Jahren nicht in die offizielle Militärdienstzeit eingerechnet würde. Der italienische Vorschlag, die gesamte Frage dem Effektivausschuh zu überweisen, wurde auf Vorschlag Hendersons abgelehnt und der französische Vorschlag der Anrechnung der vormilitärischen Ausbildung auf die Militärdienstzeit angenommen. Botschafter Radolnh nahm weder an der Aussprache, noch an den Abstimmungen teil. Die Verhandlungen im Luftfahrtausschuß stocken noch immer, da alle Versuche, die deutsche Regierung zu einer Teilnahme an der Behandlung der Internationalisierung' der zi- vilen Luftfahrt zu bewegen, gescheitert sind. Die Locarnomächte haben sich auf eine Formel geeinigt, in der für alle europäischen Mächte ein Verzicht auf die Gewaltanwendung im Konfliktfalle ohne Erwähnung der Locarnobestimmungen ausgesprochen wird. Der Völker- bundsrat befaßte sich mit dem englisch-französischen Vorschlag eines für alle Mächte geltenden Verbots der Waffenausfuhr nach Bolivien und Paraguay. lige Aufklärung Über die Vorgänge dieser Tage, ihre Hintergründe und über die Schuldigen zu erhalten. Schwere politische Zusammenstöße in Wormö. Worms, 1. März. (WTB. Funkspruch.) Nachdem sich am Dienstagnachmittag bereits politische Zusammenstöße ereignet hatten, bei denen e i n junger Nationalsozialist durch einen Messerstich in die Lunge schwer verletzt worden war, kam es in der Nacht zum Mittwoch abermals xu einem schweren Zusammenstoß vor dem Volkshause. Der Wirt des Volkshauses wurde durch einen Herzschuß getötet. Ein Mädchen wurde durch einen Schuß schwer verletzt. Bei einem Zusammenstoß zwischen politischen Gegnern in der Löwengasse wurde ein Mann durch einen Bauchschuß getötet. Zn das Wormser Krankenhaus ist in der Nacht ein Mann eingeliefert worden, der einen Stich in den Hals erhalten hatte. Die gesamte Wormser Polizei war während der Nacht auf dem Marktplatz zusammengezogen. polizeiliche Durchsuchungen in $ronffurt WSR. Frankfurt a. M., 27. Febr. Wie überall in Preußen, wurden auch hier polizeiliche Durchsuchungen vorgenommen. L a. erschienen Kriminalbeamte bei der sozialdemokratischen »Volksstimm e". wo sie alte Wahlplakate von früheren Wahlen beschlagnahmten und etwa 20 Exemplare der heutigen Ausgabe der »Volks stimme" Mitnahmen. Bei der kommunistischen »Arbeiter-Zeitung", die bereits auf vier Wochen verboten worden ist, ist LLher noch keine Durchsuchung erfolgt. Meine politische Nachrichten. Reichsminister Göring spricht beute um 19.30 Uhr über öie deutschen Sender zur Notverordnung gegen die kommunistische Gefahr. Anläßlich der kommunistischen Brandstiftung im Reichstag und der aufgedeccten Lnsturzpläne der KPD. wird De.chstanzi.er Hitler am Donnerstagabend um 20.30 Ahr im Deutschen Rundfunk über „Weltgesahr des Bolschewismus" sprechen. Das Reichsgericht hat das vom Reichsinnenministerium beantragte Verbot der „M ü n ch e n e r Neuesten Nachrichten" für unzulässig erklärt. * Der Breslauer Regierungspräsident Happ ist seines Postens enthoben. Der Polizeipräsident von Aachen, Dr. Brems, und der Polizeipräsident von Recklinghausen W ü n d i s ch, sind beurlaubt worden. Wündisch, der der Staatspartei angehört, war früher als Regierungsdirektor Leiter der politischen Polizei im Berliner Polizeipräsidium, dem die Bekämpfung und Ueberwachung der rechtsradikalen Bewegung unterstand. Der Landrat und Polkzeidirektor von Hanau, Kaiser, ist beurlaubt worden. Die Amtsgeschäfte sind vom Regierungsassessor Fitte übernommen worden. Landrat Kaiser gehört der SPD. an. Die Kommissare des Reichs in Preußen haben den Ministerialrat im Reichswirtschaftsministerium Geh. Regierungsrat Dr. jur. Claußen zum Staatssekretär im preußischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit ernannt. Aus aller Welt. Elf Todesopfer eines Dorfbraudes in Aegypten. Bei einer Feuersbrunst, die das in des Rähe von Port Said gelegene Dorf Kar- puti heimsuchte, sind elf Personen in den Flammen umgekommen. 150 Dorfbewohner sind ohne Obdach. Lergwerksunglück in Südafrika. — 14 Tote. In Johannesburg sind zwei europäische und 12 eingeborene Bergarbeiter durch E i n st u r z in den 2000 Meter tiefen Schacht eines Kronbergwerks tödlich verunglückt. Man glaubt, daßdaS Unglück durch Versagen des elektrischen Stroms | zur Kontrolle der automatischen Bremse hervor- i gerufen wurde. Echo der Berliner presse. Berlin, 28. Febr. (CNB.) Der Reichstagsbrand und die Maßnahmen der Reichsregierung bilden fast das einzige Thema der Berliner Abendblätter. Die der Regierung nahestehende Presse begrüßt einstimmig das scharfe Voraehen gegen den kommunistischen Terror. — „Den roten Mordbrennern wird das Handwerk gelegt!" so schreibt der „Angriff" und sagt: Jetzt aber ein radikales Ende gemacht! Was muß noch mehr geschehen, als daß ein 24jähriger ausländischer Kommunist im Auftrag russischer und deutscher Parteistellen dieser Weltpest den Reichstag in Flammen ausgehen laßt! Wie weit sind wir jetzt noch davon entfernt, daß brave Bürger als Geiseln an die Wand ge st eilt werden, daß das Gesindel aus seinen Löchern heroor- kriecht, um mit den Plünderungen zu beginnen, daß der Mob die Gefängnisse öffnet, daß man dem Bauern den roten Hahn aufs Dach setzt? Was ist denn nod) sicher in guter Hut vor dem verbrecherischen Zugriff dieser Blutbanden? — Der „L o k a l a n z e i g e r" bezeichnet die Maß. nahmen gegen die kommunistische Reichstagsfraktion und gegen die kommunistische Presse nach dem Ge- schehenen und nach der Aufdeckung des weiteren Programms von Aufruhr, Terror, Brandstiftungen als Selbstverständlichkeiten. Diese Maßnahmen dürften aber jede Beunruhigung der ordnungsliebenden Bevölkerung überflüssig machen. Wie man diese sofort getroffenen scharfen Maßnahmen als Beweis äußerster Entschlossenheit gucheihen müsse, werde man es auch als ein Zeichen zuversichtlicher Stärke billigen, dah die Regierung von der äußersten politischen Maßnahme, von dem Verbot der KPD. noch absehe. Die »Dörsenzeitung" unterstreicht den Zusammenhang des Brandanschlags mit dem gefundenen Material im Liebknecht-Haus. Cs sei klar, dah die KPD. hinter dem Anschlag auf den Reichstag stehe. Es sei sicher, dah die Kommunisten sich nicht so rasch entmutigen ließen, und dah sie nicht vor dem er st en Faust schlag kapitulieren würden. Die Ruhe in Deutschland unter allen Am- ständen aufrechtzuerhalten sei angesichts der durch die kommunistischen Pläne geschaffenen Lage nur mit Hilfe von drakonischen Maßregeln möglich. — Die »D A Z." führt aus, die KPD. habe in Deutschland, solange sie isoliert kämpfe, wohl die Macht, Verbrechen zu begehen, aber nicht mehr die Macht, politische Entscheidungen herbeizufüh- ren. Wir würden nun sogar wahrsa-einlich aus Moskau und von der offiziösen KPD.-Leitung die alte Phrase hören, daß die Partei den »individuellen Terror" aufs schärfste verurteile. Trotzdem bleibe selbstverständlich die K P D., die ihre Mitglieder auf die Mörder- schulcn nach Rußland schicke, unbedingt für die nach den amtlichen Feststellungen bestehende illegale Betätigung der Partei ebenso verantwortlich, wie für bolschewistische Terrorakte einzelner Kommunisten, auch wenn es sich, wie in dem vorliegenden Falle, um e'ncn holländischen Spartakisten handele. Denn die III. Internationale der kommunistischen Verbrecher hänge untereinander genau so zusammen, wie die Gangster in den Großstädten Amerikas. Der „B ö rs e n - C o u r i er" (dem.) fordert rücksichtslose Ahndung jeder erweisbaren Schuld, um so mehr, als eine, und nicht die leichtestwiegende Folge des Brandverbrechens die Erschwerung sachlicher Aegierungs- arbeit im ungün st lasten Augenblick sei. Reichsregierung und Preuhenregierung seien in der Vorbereitung der Wahlen begriffen; sie wollten auf Grund ihres Programms und des Wahlergebnisses den neuen Reichstag um eine Ermächtigung für längere Zeit ersuchen. Diese sachliche Auseinandersetzung politischer Kräfte müsse jetzt, unmittelbar vor den Wahlen, durch eine Polizeiaktion größten Stils unterbrochen werden, durch Untersuchung und Ahndung, mit ihrem ganzen Gefolge von Ausnahmematzregeln. Jede Schuld müsse geahndet, aber der Brand müsse gelöscht wer de n, politisch und auch seelisch. Der „Deutsche" (Christ!. Gewerkschaften), der ebenfalls Tat und Täter aufs schärfste verurteilt, gibt der Hoffnung Ausdruck, dah man den oppositionellen Gruppen, die mit den Terroristen nichts zu tun hätte, die Daseinsberechtigung nicht bestreite. Die „German! a" appelliert an die Ruhe und Besonnenheit von Volk und Regierung. Das deutsche Volk werde in feiner überwältigenden Mehrheit die Reichsregierung in allen Maßnahmen unterstützen, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung in diesen kritischen Stunden notwendig und geeignet seien. Es | habe den dringenden Wunsch, eine baldige und völ- l Gießener Etadttheaier. Franz Arnold: „Da stimmt was nicht!" Da stimmte in der Tat verschiedenes nicht, aber zu Fasching nimmt man es wobl nicht so genau; und übrigens war es für manchen von Interesse, Franz Arnold, den man bisher nur in Firma Arnold & Bach kennenlernte, auch einmal ohne den treuen Kompagnon zu erleben. « Hochstaplergeschichten sind in der Literatur wie in der rauhen Wirklichkeit leider seit langem keine Seltenheit mehr; und die, Spezialität der falschen Prisen und andern unechten Fürstlichkeiten hat ebenfalls seit geraumer Zeit manches von der originellen Frische des ersten Einfalls eingebüßt. ♦ Herr Arnold kam auf die Idee, die Sache schwankeshalber mal von der andern Seite her unter die Leute zu bringen. Sein Trick ist dabei, daß in diesem Stück der Prinz, dessen Echtheit von vornherein als ziemlich anrüchig und fadenscheinig bezweifelt wird, sich Im Laufe der Ereignisse tatsächlich als der richtige erweist. Den falschen bekommt man pikanterweise überhaupt nicht zu Gesicht, nicht mal im letzten Akt, wo sich doch traditionell eine ausgiebige Demaskierung zu vollziehen pflegt. * * Der Herr Generaldirektor, der feine angegriffenen Bilanzen durch eine fürstliche Heirat feiner Tochter zu sanieren sucht, ist einem frechen Schwindler aufgesessen. Die Tochter ist von dieser geschäftlichen Transaktion wenig erfreut, was ihr niemand Übelnehmen kann, da sie den ihr zugedachten Gemahl nicht wenigstens vorher einmal zu Gesicht bekommt. Oder vielmehr: sie bekommt ihn zu Gesicht, aber sie weih nicht, daß er es wirklich ist. Sondern sie denkt, es ist der neuengagierte Chauf- feur, mit dem sie eine Hochzeitsreise, wenn man das so nennen kann, an die Riviera macht. (Da stimmt was nicht.) Der zweite Trick ist älteren Datums, aber heute noch allgemein beliebt und im Gebrauch: daß nämlich auf der Bühne dauernd Dinge verhandelt werden, die der Zuschauer längst durchschaut hat, während von den Mitspielenden die meisten gar nicht und die andern nur unvollkommen Im Bilde sind. Unfehlbares Rezept für alle Schwänke und viele Lustspiele. Dem Prinzen, der gar nicht weiß, wie er zu der Ehre und zu der weiten Autoreise kommt, macht die Chauffeurrolle sichtlich viel Vergnügen, und er findet auch nichts dabei, sich allerhand Freiheiten zu leisten, die sonst mit dergleichen verantwortungsvollen Stellungen nicht verbunden zu sein pflegen. Und dem jungen Fräulein Annelore ist das gar nicht mal so unangenehm; sie tut bloß so. * Auf eine Verlobung zum Schluß braucht übrigens nicht erst hingearbeitet zu werden, da die bei- den — dank der neckischen Gerissenheit des unsichtbaren Hochstaplers — bereits standesamtlich getraut sind. Es kann sich also nur darum handeln, die Scheidung einzuleiten. Aber schon bei der Vorbesprechung merken beide Partner, daß ihnen eigentlich gar nichts mehr daran liegt. Zumal statt der obligaten Entlarvung diesmal eine einwandfreie Legitimierung des vermeintlichen Schwindlers vorausgegangen ist. Jetzt ftimmts. 0 Herr Hub hatte den Schwank inszeniert und ließ es sich angelegen sein, die dankbaren Komplikationen der drei Akte In Faschingslaune zu blühender Entfaltung zu bringen. Da er selbst — stimmlich nicht besonders disponiert, aber sonst in großer Fahrt — den schwer bedrängten Generaldirektor spielte, konnte es nicht ausbleiben, daß das kleine Ensemble allmählich von seinen stürmischen Tiraden im Stile des dicken Wallburg angesteckt wurde. — Herr Löffler hatte für das Iagdschlößchen und das Hotelzimmer an der Riviera hübsche Dekorationen entworfen. Den Prinzen gab Herr Wrede munter, schlagfertig und mit Humor. Lisel Beling, anfangs bös und schmollend, fand an der Entwicklung ihrer komischen Hochzeitsreise sichtlich immer mehr Geschmack. Kühne machte standesgemäß den fürstlichen Onkel; Frl. Berger in der etwas intri- fanten Salondamenrolle der Sabine; Herr Heyer verbindlich und umgänglich als Geheimrat. In kleineren Aufgaben: Michel, Walther-Lede- rer,Heck, Geiger und Steten. * Das Publikum schien recht animiert und klatschte freundlich. hth. Blutgruppen und Blutflecken. Die Blutgruppen- Lehre ist in der gerichtlichen Medizin In erster Linie deswegen beachtet worden, weil es dadurch unter Lmständen möglich wird, eine zweifelhafte Abstammung zu begutachten. Aber die größte kriminalistische Bedeutung, die ihr zukommt, liegt in der Identifizierung von Blutflecken, wie Prof. Müller-Heß in der »Deutschen Medizinischen Wochenschrift" ausführt. Wenn festgestellt wurde, dah verdächtige Spuren an Waffen, Kleidern oder sonstigen Gegenständen am Tatort eines Verbrechens von Menschenblut herrühren, ist es häufig entscheidend, festzustellen, ob dieses Blut etwa von dem Verletzten oder Getöteten oder von einer anderen Person, etwa dem mutmaßlichen Täter, herrührt. Die Blutgruppenbestimmung kann für die Aufklärung der Tat von größter Wichtigkeit sein. »Ich habe wiederholt Fälle bearbeitet", schreibt der Verfasser, »wo der Beschuldigte unter dem Eindruck des ihm vorgehaltenen Antersuchungs-Ergebnisses das Verbrechen eingestanden hat. Meist geschieht das dann, wenn die bis dahin vorgebrachten Ausreden durch die vergleichende Dlutgruppen-Bestimmung widerlegt werden konnten. Der positive Rachweis, daß Blutflecke von einem ganz bestimmten Menschen herrühren, ist nicht zu erbringen, aber die Möglichkeit einer individuellen Anterscheidung überhaupt bedeutet, abgesehen von den tatsäch- lichen Ergebnissen, häufig einen psychologisch stark wirksamen Faktor, der auch im Zivilverfahren, besonders bei Anterhaltsprozessen, eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Im ganzen ist die praktische Bedeutung der Blutflecken-Diagnose um fo größer, je enger der Perfonenkreis der der Tat Verdächtigen ist." Leider muß man sich dabei häufig mit kleinsten Spuren begnügen, und dadurch wird die Untersuchung erschwert. Natürlich kann die Dlutgruppenbestimmung an Flecken nur dann Wert haoen, wenn zugleich die Gruppenzugehörigkeit des Opfers und des Verdächtigen festgestellt werden kann. Zu diesem Zweck ist es notwendig, daß in allen Fällen von Mord, Todschlag oder tödlich endenden Körperverletzung die Dlutgruppen-Zugehörigkeit an der Leiche sobald wie möglich festgesetzt ist, wie das auch schon mancherorts, z. D. in Baden, eingeführt ist. Don großer kriminalistischer Bedeutung hat sich sodann die Tatsache erwiesen, daß die Blutgruppen- Merkmale sich nicht nur im Blut, sondern auch in anderen Körpersäften, besonders im Speichel, im Magensaft und im Sperma vorfinden. Es gelingt sogar, selbst an den Spuren angetrockneten Speichels, der an Zigarettenspitzen haftet, noch die Gruppenbestimmung vorzunehmen. Erinnerung an Schliessen. Dem Gedächtnis des Generalstabschefs Grafen von S ch l i e f f e n widmet General von Kuhl im Märzheft von Delhagen Lr Klasings Monatsheften eine gehaltvolle Studie, die nicht allein den militärischen, sondern auch den menschlichen Eigenschaften Schliessens gerecht wird. Der geniale Mann hatte erkannt, wie ungeheuer wichtig der Fleiß für außerordentliche Leistungen ist, und wie er an sich selbst die höchsten Ansprüche stellte, so auch an seine Mitarbeiter. Die Sonn- und Feiertage waren nach seiner Ansicht dazu bestimmt, größere Aufgaben, für die man längere, ungestörte Arbeitszeit brauchte, zu Hause zu bearbeiten. Mehrere Jahre lang klingelte am Weihnachtsabend in Kuhls Wohnung ein Bote, der sein Weihnachtsgeschenk in Gestalt einer von Schlieffen auf Grund einer bestimmten Kriegslage entworfenen Aufgabe brachte. Er wäre sehr erstaunt gewesen, wenn nicht bereits am ersten Weihnachtstage die Bearbeitung in seinen Händen gewesen wäre. Am zweiten Weihnachtstage traf, von ihm verfaßt und geschrieben, die Fortsetzung der Aufgabe ein. In diesen operativen Studien ging er ganz auf. Er konnte kaum erwarten, bis er, wenn die Aufgaben ausgegeben waren, die Entschlüsse der Führer in Händen hatte. Sein Gedächtnis war ungewöhnlich. Dach Jahr und Tag wußte er noch genau, was man ihm bei früheren Gelegenheiten vorgetragen hatte. Man mußte als Abteilungschef sehr auf der Hut und seiner Sache völlig sicher sein, wenn man ihm Vortrag hielt. Er erwartete von jedem unbedingte Beherrschung seines ganzen Arbeitsgebietes. Eines Tages verlangte er beim Vortrag von einem Abteilungschef Auskunft darüber, ob eine fremdländische Eisenbahnlinie viergleisig ausgebaut sei. Der Abteilungschef bejahte dies, überzeugte sich aber nach dem Vortrag durch Nachforschung davon, daß er sich geirrt hatte. Als er nach acht Tagen wieder zu seinem regelmäßigen Vortrag kam, bekannte er dem Grafen Schlieffen seinen Irrtum. ..Ich habe es Ihnen auch nicht geglaubt", war die trockene Antwort. Aus der Provinzialhaupistadt. Kreisverbandstag evangelischer Zrauenvereine. Die Kre.Sverbanbstagung der evangelischen Frauenvereine des Kreises Gießen fährt« 300 Teilnehmer ans den Vereinen Alten-Buseck, Annerod, Göbelnrod, Gießen (Marknsgemeinde). Rödgen, Saasen, Steinbach und Wieseck in Annerod zusammen. 3n der Kirche predigte Pfarrer L e u s ch - Leihgestern über der deut.chen Frau und Mutter wichtigste Wahlpflicht. Worin liege sie und wie sei sie )u erfüllen? Die beste Hilfe ;önne sie als Hüterin von Zucht und Sitte im Irren und Wirren unserer Tage dem Volk« fiteren dadurch, daß sie Christus erwähle. Die Dach- lersammlung im geschmückten Saal von Engelhardt wurde nach gemeinsamem Lied von der Vorsitzenden Frau E. Kreuder -Dietzen eröffnet. Sie gab den Jahresbericht, auS dem hervorging, datz die vier Tagungen des Jahres .932 in Alten-Buseck, Geilshausen, Leihgestern und Lich von fast 1600 Mitgliedern besucht waren. Die im letzten Jahr begründete und nicht nur für Vorstandsmitglieder bestimmte Arbeitsgemeinschaft im Kreisverband tritt jeden ersten Mittwoch im Monat im Dartburgverein (Diez- strahe) zu Dietzen zusammen. Die Kassenverhältnisse sind gesund. Danlbar ausgenommen wurde ein Vortrag von Pfarrer D r e m m e r - Klein- Linden über das Thema: „Wer ist mein Räch- ftetT*. Der Redner zeigte aus Erfahrungen aus der Winterhilfe, wie von der Familie aus Volk und Kirche aufgebaut werden. Nachdem noch für das nächste Jahr Steinbach die Tagung übernahm, wurde unter Dankesworten an den Frauen- verein Annerod mit einem Lied die anregende Tagung geschlossen. Obst» und Gartenbauverein Gießen. Der Obst- und Gartenbauverein Dietzen hielt am Sonntag im Saale von Faulstich seine Hauptversammlung ab. Dem Jahresbericht war zu entnehmen, datz 6 Vorstands- und 5 Mitgliederversammlungen mit Vorträgen und 2 Gratisverlosungen abgehallen wurden. Bei den Verlosungen kamen Sämereien, Pflanzen und Gebrauchs- Degenstände für Dlumenpflege zur Verteilung. Von besonderen Veranstaltungen zur Feier des 20jährigen Bestehens des Vereins sind erwähnenswert: eine Besichtigung der Vereins- und anderer Gärten an der Lahn, sowie die Obst- und Dlumenausstellung am 10. bis 12. September 1932. Ein namhafter Betrag wurde für Schädlingsbekämpfung in den Dereinsgärten verausgabt. Der Kassenbestand betrug am 1. Januar 1933 598,32 Mark. Abmeldungen wegen Todesfalls, Wegzugs usw. erfolgten 13, denen eine Zunahme von 20 neuen Mitgliedern gegenübersteht, so datz der Verein mit einem Mitgliederbestand von 262 in daS neue Jahr trat. Das Ergebnis ist in Anbetracht der wirtschaftlichen Schwierigkeiten erfreulich. Anschließend an die nunmehr beendeten Sammelbestellungen auf Psirsichbüsche, Beerensträucher, Weinreben und Edelreiser hielt Llniversitäts- Gartenbau-Jnspektor L R. Rehnelt einen Vortrag über »Veredelungen im Obstbau". Besprochen wurde die geschichtliche Entwicklung, die verschiedenen Arten von Veredelungen, chre Vor- und Nachteile, die Baumformen für landwirtschaftlichen und Kleingarten-Obstbau, die Wichtigkeit in der Wahl passender Unterlagen und das Llmpfropsen älterer Obstbäume als ein Mittel, um paffende Sorten durch andere zu ersetzen. Gewarnt wurde vor der Auffassung, im Llmpfrop- fen ein Allheilmittel zu erblicken, durch das es möglich sei, unfruchtbare Obstbäume tragbar zu machen, oder die Fehler gutzumachen, die man in der Wahl von Boden und Lage, oder in der nachlässigen Behandlung der Bäume begangen hat. Richt selten erreiche man sein Ziel durch Aussichten, Verjüngen der Krone, Bodenbearbeitung und vor allem durch Düngen nachhaltiger und besser, als durch Umpfropfen, das immer als eine Operation zu betrachten sei, die, an stark geschwächten Bäumen vorgenommen, versagt. Der beifällig aufgenommene Vortrag schloß mit der Mahnung, sich der Pflicht bewußt zu sein, die jeder Besitzer oder Pächter von Grund und Boden gegenüber der Allgemeinheit hat, damit Sonnenschein, Tau und Regen nicht ungenützt auf Land fällen, das seiner Arbeit warte. Die übliche Gratisverlosung, die diesmal besonders reich ausgefallen war. beschloß die gut besuchte Versammlung. Talen für Mittwoch, I.März. 1871: Einzug der Deutschen in Paris. — 1929: Der Kunsthistoriker Wilhelm v. Bode in Berlin gestorben. Bornotizen. — Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute bleibt das Theater geschlossen. — Freitag. 3. März^ 21. Vorstellung im Freitag-Abonnement, erste Wiederholung des FaschingsschwankeS „Da stimmt was nicht" von Franz Arnold. Spielleitung: Heinrich Hub. — Am Sonntag. 5. März, 18 30 llhr, zum letztenmal als Vollsvorstellung zu kleinen Preisen das Lustspiel „Bargeld lacht" von Eammerlohr und Eber- mayer. Spielleitung: Peter F a s s o t t. Ende 20.20 Uhr — Die Handels- und Gewerbebank e. G. m. d. H., G i e ß e n , hält am Mittwoch, 8. März, 20.15 Uhr, im Hotel Hindenburg ihre 74. ordentliche Generalversammlung ab. Räheres ist aus der gestrigen Anzeige ersichtlich. ** Sonntagsrückfahrkarten zum Butzbacher Faselmarkt. Am Donnerstag, 16. März, findet in Butzbach der Faselmarkt statt. Mit dem Markt ist eine Prämiierung von Zuchttieren (Pferden, Rindern, Schweinen und Ziegen) verbunden. Zu der Veranstaltung werden von allen Bahnhöfen der Strecken Vilbel—Dietzen—Friedelhausen, Lollar—Grünberg, Gießen— Mücke, Dietzen—Stockheim, Friedberg—Hclzhcu- fen, Friedberg—Heldenbergen-Windecken und Vilbel Rord—Selters Sonntagsrückfahrlarlen ausgegeben. Die Sonntagsrückfahrkarten gelten: zur H i n fahrt vom Mittwoch, 15. März, 12 Uhr ab und am Donnerstag, 16. März, bis 24 Uhr (Ende der Hinfahrt): zur Rückfahrt am Donnerstag, 16. März, und am Freitag, 17. März, bis 12 Uhr (spätester Antritt der Rückfahrt). •* Dezirrslehrerverein Gietzen- Land- In der letzten Versammlung am Samstag hielt nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten Rektor Petri, Wieseck, einen Vortrag über »Reuzeitlichen Geschichtsunterricht". Im Anschluß an die bestehenden Lehrpläne ging der Vortragende zunächst auf die eigentliche Aufgabe des Geschichtsunterrichts ein und erläuterte dann seine Stellungnahme zu den wichtigsten Punkten. Hauptaufgabe eines guten Geschichtsunterrichtes müsse fein, die Kinder zu befähigen, die Gegenwart zu verstehen. Die pädagogische Hauptforderung vom Deutschen Geschichtsunterricht aber sei die Erziehung zur Volksgemeinschaft. Weiter wurden die einzelnen Methoden der geschichtlichen Unterweisung näher beleuchtet und ausführlich auf Kultur-, Heimat- und politische Geschichte hin- gewiesen. Als oberster Grundsatz müsse von jedem Geschichtsunterricht gelten, datz er wahr sei. Zum Schluß wies der Vortragende bann darauf hin, daß deshalb immer wieder die Forderung der Lehrerorganisationen unterstrichen werden müsse, daß die Lehrer die bestmöglichste Ausbildung erhalten müßten, um einem so schwierigen Unterricht wie dem der Geschichte, gerecht zu werden. Der Ort, wo das geschehen könne, sei nur die Hochschule. Lebhafter Beifall folgte den Ausführungen. Den Dank der Versammlung sprach der Vorsitzende aus. Eine rege Aussprache schloß sich an. Es folgten daraus noch einige Mitteilungen über die demnächst stattfindende Hauptversammlung des Hessischen Landes-Lehrervereins in Vilbel, sowie die Wahl der Vertreter. Hauptversammlung des Hausbesihervereins Gießen. Lediglich die Vermögenssteuer werde nach dem Einheitswert erhoben. Die Vermögenssteuer selbst sei um 20 Prozent gesenkt worden. Das Reichsmietengesetz, das Gesetz Über Mieterschutz und Mieteinigungsämter werden am 1. 2 prll 1933 außer Kraft treten, sofern bis zu u.efem Zeitpunkt nicht ein „Gesetz über die Miete nach sozialen Gesichtspunkten" erlassen werde. In seinen weiteren Ausführungen berichtete der Redner noch Über das System der Steuergutscheine und ihre Bedeutung ür den Hausbesitzer, sowie über die Reichszuschüs e zur Instandsetzung des Althausbesitzes und zur Durchführung von Wohnungsteilungen. Der Redner gab die wesentlichsten Bestimmungen wieder. Im welleren Verlaus der Versammlung beschäftigte man sich mit einigen Derbandsangele- genheiten. Der Zentralverbandstag der deutschen Haus- und Grundbesitzervereine habe in Hamburg stattgefunden. Der Gietzener Verein sei vertreten gewesen. Am Derbandstag deS Hessischen Landesverbandes in Vilbel nahmen drei Herren des Vereins teil. Zu dieser Tagung habe Gietzea einen Antrag auf Herabsetzung des Brandkassenbeitrage» eingebracht. Der Erfolg sei nicht ausgeblieben. Rückwirkend ab 1. 3anuar 1932 sei der Beitrag von 1 Mark auf 70 Pf. pro 1000 Mark Brandversicherungswert herabgesetzt worden. Die nächste Landesverbandstagung soll in Dietzen stattfinden. Der Hausbesitzerverein Gießen habe im vergangenen Jahre die Feier seines 25jährigen Bestehens begehen können. Die Jubiläumsfeier habe man aber nur in kleinem Rahmen abgehalten. In der Geschäftsstelle sei infolge der vielen Rotverordnungen und in Anbetracht der Unkenntnis über deren Bestimmungen das ganze Jahr über lebhafter Verkehr gewesen. Reben der Erteilung von Ratschlägen war man den Mitgliedern bei der Ausfertigung von Steuererklärungen, bei Eingaben an die Behörden. mit Berechnungen über die Verteilung von Gebühren u. a. m. behilflich. Der Wohnungsnachweis wurde von Mietern und Vermietern stark in Anspruch genommen. Ein großer Dortell sei eS, datz eine Anzahl Mitglieder deS Der HauSbesitzervereln e. V. Gießen hielt im Hotel »Hindenburg" seine Hauptversammlung ab. Der l.DorsitzeÄe, Stadtratsmitglied Laun- spack, erstattete den Jahresbericht. Er gab zunächst einen Ueberblick über die politische Lage und betonte in Verbindung damit, daß der einst so starke Mittelstand, der das Rückgrat des Reiches, der Länder und der Kommunen gewesen sei, durch eine falsche Steuerpolitik zermürbt am Boden liege. Alle bisherigen Versprechungen hätten an deren Undurchführbarkeit scheitern müssen. Von Tag zu Tag seien die Verhältnisse schlechter geworden, die Arbeitslosigkeit sei gestiegen, die Zahl der Steuerzahler zurückgegangen, während sich die Wohlfahrtslasten ständig erhöht hätten. Trotz alledem hätten die Führer der Organisation der Hausbesitzer in der Vertretung der Interessen der Mitglieder eine rege Tätigkeit entfaltet Daß die wirtschaftliche Lage der Hausbesitzer sehr ungünstig sei, gehe schon auS Dem Anwachsen der Zwangsversteigerungen und dem Rückgang der freiwilligen Verkäufe hervor. Richt Finanzierungsmatznahmeu der verschieden- steu Art, sondern allein eine weitgehende stever- Uche Entlastung könne wandel schaffen. Don besonderer Bedeutung seien die Verordnung über die außerordentliche Mietkündigung im Januar 1932, die Verordnung über die Mietsenkung, die Durchführungsverordnungen über die Zinsfenkung auf dem Kapitalmarkt und die neuen Vorschriften auf dem Gebiete der Zwangsvollstreckung, die im August 1932 erlassen wurden, gewesen. Die Mieten für Altwohnungen mußten anfangs vorigen Jahres um 10 Prozent gesenkt die Reubaumieten im Verhältnis zu den gesenkten Hypothekenzinsen reduziert Werdern Die Sonder st euer konnte infolge einer Rotverordnung abgelöst werden, und zwar mit dem 3- bis 3'^fachen Betrag des Mrlichen Steuerbetrages. Die Steuer selbst sei mit dem 1. April um 20 Prozent ermäßigt worden. Die Festsetzung der Einheitswerte für Grundstücke habe zu vielen Zweifelsfragen Und Streitfällen Veranlassung gegeben. 3u steuerlicher Hinsicht habe der Linheitswert bis jetzt noch keine praktische Bedeutung gehabt Vereins im Siabtparlament feien und die Rechte und Wünsche der Hausbesitzer nach jeder Lichtung zu wahren sucyen. DaS müffe auch in Zukunft so bleiben. Die Stadt Dietzen habe di« Straßenreinig.ungsgcbühren ermäßigt und zwar von 32 auf 28 Pf., fite Kanalgebühren von 1,20 Wk. auf 1 Mk. je 1000 Wk. Brandversicherungswert. Seitens des Hausbesitzervereins werde ein Antrag auf weitere Ermäßigungen gestellt. AuS dem Kassenbericht, den Dauinspektor Matheis erstattete, ging hervor, datz die Kas- senverhältnille des Vereins als sehr günstig zu bezeichnen sind. Kasse und Bücher wurden von Oberinspektor M i l b r a d t und Elektrotechniker Weißbäcker eingeßenb geprüft und in bester Ortmung befunden. Die ausscheidenden Vorst andSmllglieder wurden einstimmig wiedergewählt. 3m Anschluß an die geschäftlichen Angelegenheiten eröffnete StadtratSmllglied 2lrchitekt Rico l a u S eine Aussprache über aktuelle Tagevsragen des hausbesitzc». An der Aussprache beteiligten sich die Herren Gastwirt Klar!, Kaufmann Sondheim, Dautechniker Decker, Druckereibesitzer Klein, Etadtratsmitglied Schmidt und der 1. Vorsitzende, Stadtratsmitglied Launspach. Das - hin wird's Ereignis Tatsachenberichte aus dem Reich des Okkulten. Gesammelt und nacherzählt von $ "K Schlichters. in. Waljrträume. Sind Träume immer Schäume? Dicht immer—: das läßt sich beweisen an Hand einer Fülle von Deispiäen, aus der wir, vom Altertum bis aus unsere Tage, wenigstens die prägnantesten aus- wähien wollen. Wieder taucht, wenn wir die Bibel unberücksichtigt lassen, zunächst einmal der Dame Cicero als der eines bekannten Gewährsmannes auf. Er erzählt von dem Dichter Simonides: der fand eines Tageis am Straßenrand die Leiche eines Unbekannten, verharrte, ward von Mitleid mit dem verwesenden Körper ergriffen und sorgte dafür, daß der Tote anständig bestattet wurde. Am Tag darauf wollte Simonides sich zu Schifi nach einer fernen Stadt begeben. 3n der Rächt zuvor aber träumte er: der Tote stand vor ihm, sah ihn an und warnte ihn dringlich, diese Reise zu unternehmen; er werd« Schiffbruch erleiden. Simonides erwachte — und entschloß sich, feine Reife zu verschieben. Kurz darauf erfuhr man: das Schiff, das er benutzen wollte, hatte Schiffbruch erlitten; gerettet wurde von Besatzung und Passagieren niemand ... Ein klassisches Zeugnis dafür, datz gewissen Menschen die Gabe gegeben ist. zukünftige Ereignisse im Traum vorauszusehen, finden wir bei Goethe im ersten Buch seiner Lebens- gesch'chte, wo er von seinem Großvater T « x t o r erzählt: „Was jedoch die Ehrfurcht, die wir für diesen würdigen Greis empfanden, bis zum Höchsten steigerte, war die lleberzeugung, daß derselbe die Gabe der Weissagung besitze, besonders in Dingen, die ihn selbst und sein Schicksal betrafen. Zwar lieh er sich gegen niemand als gegen die Großmutter entschieden und umständlich aus; aber wir alle wußten doch. b""i er durch bedeutende Träume von dem, was s ch ereignen sollte, unier- r.chtet werde. So versiche..^ er z. D. seiner Gattin zur Zeit, als er noch unter die jüngeren Ratsherren gehörte, daß er bei der nächsten Vakanz auf der Echöfsenbank zu der erledigten Stelle gelangen werde. Und als wirllich bald darauf einer der Schöffen, vom Schlage gerührt, starb, verordnete er am Tage der Wahl und Kugelung, daß zu Hause im Stillen alles zum Empfang der Gäste und Gratulanten sollte eingerichtet werden? und die entscheidende Kugel ward wirklich für ihn gezogen. Den einfachen Traum, der ihn hiervon belehrt, vertraute er seiner Gattin folgendermaßen: Er habe sich in voller, gewöhnlicher Ratsversammlung gesehen, wo alles nach hergebrachter Weise vorgegangen. Auf einmal habe sich der nun verstorbene Schöfs von seinem Sitz erhoben, sei herabgestiegen und habe üjm auf eine verbindliche Weise das Kompliment gemacht, er möge den verlassenen Platz einnehmen, und sei darauf zur Tür heraus- gegangen.“ Ein Jugendfreund Goethes ist Jung-Stil- ling gewesen, den Goethe u. a. in die deutsche Literatur einführte. Dieser Jung-Stilling weiß in dem „Museum des Wundervollen", einer Zeitschrift gegen Ende des 18. Jahrhunderts, folgendes zu berichten: Kurz vorher, ehe die Fürstin R a k o h k h von Warschau nach Paris reifte, hatte sie diesen Traum: sie träumte, daß sie sich in einem unbekannten Zimmer befinde, wo ein gleichfalls ihr unbekannter Mann mit einem Decher zu ihr kommt und ihr daraus zu trinken anbietet. Sie erwidert, daß sie keinen Durst hätte und dankt ihm für sein Anerbieten. Der unbekannt« Wann wiederholt seine Ditte und setzt hinzu, sie möchte es chm nicht weiter abschlagen, denn dies sei der letzte Trank ihres Lebens. — Sie erschrak heftig hierüber und erwachte. — Im Oktober 1720 langte diese Fürstin munter und gesund in Paris an und bezog ein Hotel garni, wo sie bald nach ihrer Ankunst ein heftiges Fieber überfiel. Sie schickte sogleich zu dem berühmten Arzt des Königs, dem Pater Helvetius. Der Arzt kam, und die Fürstin geriet in ein auffallendes Erstaunen. Wan fragte nach der Ursache desselben, und fie gab zur Antwort, daß der Arzt vollkommen dem Wanne gleichsähe, den sie zu Warschau im Traum erblickt hätte. „Doch diesmal werde ich noch nicht sterben", setzte sie hinzu, „denn dies Zimmer ist nicht dasselbe, das ich damals zugleich im Traum sah." — Die Fürstin wurde bald darauf völlig wiederhergestelll und schien ihren Traum ganz vergessen zu haben, als sie durch einen neuen Umstand wieder mit der größten Lebhaftigkeit daran erinnert wurde. Sie war mit ihrem Logis im Hotel nicht zufrieden und verlangte daher, daß man ihr eine Wohnung in einem Kloster zu Paris zubereiten möchte, welches auch geschah. Die Fürstin zog ins Kloster ein; allein, kaum war sie in das für sie bestimmte Zimmer getreten, als sie überlaut zu schreien anfing: „Es ist um mich geschehen; ich werde nicht wieder lebendig aus diesem Zimmer hinauskommen, denn es ist ebendasselbe, das ich zu Warschau im Traum gesehen habe." — Sie starb, in der Behandlung des Arztes Helvetius, wirklich nicht lange daraus, zu Anfang des Jahres 1721, und zwar in dem nämlichen Zimmer, an einem Halsgeschwür, das durch die Herausnahme eines Zahnes entstanden war ... Als nächsten Gewährsmann nennen wir Blücher. Der Feldmarschall schreibt am 16. April 1815 aus Coblenz an seine Frau: „Da ich nun den Rhein passiert, sitze an seinem Ufer, blicke zurück in die Vergangenheit und denke an die Zukunft; recht was troWches will mich nicht einleuchten. Wein Franz (fein Sohn) steht mich beständig vor Augen, und ich habe den 13. des RachtS im Traum eine Erscheinung von chm gehabt. Von diesem Augenblick kann ich mich nicht deS Gedankens erwehren, daß Franz tot ist; gib mich gleich Rach- richt" — Run, der Oberst Franz von Blücher war nicht tot; er wurde ein Jahrzehnt älter als der Vater. Aber er ward um die Zeit des Traumes am Kopf verwundet und blieb gemütskrank... 2m Wahrtraum den eigenen Tod datumsmätzig Senau voraussehen, obschon man kerngesund ist, avon haben wir manches Beispiel. Das prägnanteste erzählt der Philosoph I. H. Fichte. Lohn des durch seine „Reden an die deutsche Ration" berühmt gewordenen Philosophen. Dieser Fichte war ein Schüler von August Ferdinand Dernhardi, Direktor des Friedrich-Wilhelm- Gymnasiums zu Berlin. Er blieb auch nach seiner Schulzeit noch in Verbindung mit seinem Lehrer. Run erzählte Bernhardt, fünfzigjährig und vollkommen gesund, zu Ende Mai 1820 dem früheren Schüler, er habe in der letzten Rächt einen seltsamen Traum gehabt: Blätter seien auf ihn herab- gerieselt, von denen habe er eines ergriffen und darauf seinen Ramen und darunter die Zelle gelesen: „Gestorben am 2. Juni 1820." — Weder Bernhards noch Fichte kümmerten sich viel um diesen Traum. Am 3. Juni ging dann Fichte, seinen Lehrer zu besuchen, und erfuhr: gestern plötzlich verschieden,. . . Einen erschreckenden Wahrtraum weiß General Prinz Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen in seinen 1897 erschienenen Denkwürdigkeiten „Aus meinem Leben" zu berichten: Am 1. Oktober 1850 sollte wieder eine Parforcejagd stattfinden. Am 2lbend des 30. September fühlte ich mich nicht wohl. Ich sandte deshalb zu den Kameraden und ließ sagen, ich würde nicht mitreiten. Dann legte ich mich frühzeitig zur Ruhe. In der Dacht träumte mir, auf Der Jagd wäre das Pferd mit mit durchgegangen, ich mit dem Kopf gegen einen Baum geschleudert worden und läge mit zerschlagenem Schädel auf dem Erdboden. Der Traum war so lebhaft, daß ich darüber aufwachte und dann in wachem Zustand« mich selbst neben meinem Bett mit blutendem Gesicht auf dem Fußboden liegen sah. Ich richtete mich auf und sah mich unverwandt an. Dach einiger Zeit verschwand das Traum- gesicht allmählich. Endlich schlief ich wieder ein. Aber da träumte mir dasselbe zum zweitenmal. Als ich wieder erwachte, war es schon so hell, daß ich im Morgengrauen die Gegenstände in meinem Zimmer erkennen konnte. Wieder sah ich mich selbst am Bett auf dem Fußboden liegen, und wieder verschwand dieses Bild nach und nach. Jetzt schlief ich nicht wieder ein. Mein Aerger darüber, daß mir der Traum so viel Eindruck machte, war so groß, daß ich beschloß, mich praktisch von solchem Aberglauben zu heilen. Ich ritt mit zur Jagd. Bei der Zusammenkunft am Stern erzählte ich meinem Bruder Friedrich Wilhelm den Traum, und wir scherzten darüber. Sobald angelegt war, ging mir mein Pferd durch. Ich geriet in immer dichter zusammenstehende Bäume und schlug endlich mit dem Kopf gegen einen. Als ich wieder zu mir kam, lag ich im Wald auf dem Moos, auf der rechten Seite des Gesichtes hatte ich keine Haut mehr, aus dem rechten Auge floh das Blut aus dem erfdatierten Gehirn. Ich mußte geschleift worden fein, denn der Kopf war teilweise skalpiert. Der Schädel war geborsten. Man trug mich in einen Wagen, der mich nach dem nahen Potsdam führte, während ich das Bewußtsein verlor. In Potsdam legte mich mein Bruder in sein Bett und behielt mich vier Wochen bei sich, bis ich nach Berlin reifen konnte. Als ich in Potsdam nach drei Tagen das Bewußtsein zurückgewann, verlangte ich einen Spiegel: soweit sich trotz dem Verband feststellen ober aus ihm folgern lieh, hatte das Traum- gesicht mir meinen beschädigten Schädel ganz richtig vor ausgezeigt. .. Das größte Interesse beansprucht ein Wahrtraum, der in unsere Zeit führt und ein weltgeschichtliches Geschehnis auf das Genaueste voraus- raelbet. Darüber berichtet als Gewährsmann Professor Ludwig in den „Psychischen Studien“. Es handelt sich um den Bischof von Grohwar- betn Dr. Joseph v. L a n y i, ber an seinen Bruder, den Pater Lanyi in Fünfkirchen, folgenden Brief schreibt: „Am 28. Juni 1914, halb vier llhr früh, erwachte ich aus einem schrecklichen Traum. Mir träumte, daß ich in den Morgenstunden an me nen Schreibtisch ging, um b.e eingelangt« >>ost butdjjufeben. Ganz oben lag ein Brief mit schwarzen Rändern, schwarzem Siegel und dem Wappen des Erzherzogs. Sofort erkannte ich die Schrift meines unvergeßlichen höchsten Herrn. Ich öffnete den Brief und sah am Kopf des Briefpap ers in' himmelblauem Ton ein Bild wie auf einer Ansichtskarte, welches eine Straße und eine enge Gasse darstellte. Die Hoheiten saßen in einem Automobil, ihnen gegenüber saß ein General, neben dem Chauffeur ein Offizier. Auf beiden Seiten der Straße eine Menschenmenge. Zwei junge Burschen springen hervor und schießen auf die Hoheiten. Der Text deS Brieses beginnt mit den Worten: „(Sure bischöfliche Gnaden! Lieber Dr. Lanyi! Telle Ihnen hiermit mit, daß ich heute mit meiner Frau in; Sarajewo als Opfer eines politischen Meuchelmordes falle. Herzlich grüßt Sie, Särajewo, 28. Juni 1914, halb vier llhr morgens, Ihr Erzherzog Ferdinand." — Um halb vier ilfir nachmittag brachte mir ein Telegramm die schreckliche Dachricht, daß die Hoheiten um 10 Uhr vormittags in Sarajewo ermordet wurden" Dieser Wahrtraum ist nicht nur durch diesen Brief belegt. Doch bevor das grausige Ereignis ber Ermorgung ber beiben Fürstlichkellen eintrat, hat ber Disck^ den Traum mü allen Einzelheiten seiner Mutter, einem Diener und einer Freunbin ferner Mutter erzählt ..... (Fortsetzung folgt) ©.Jixfport Wandel in der Tabelle der 2. Bezirksklaffe. Daubringcn scheidet au». Vereine Spiele < Gew. Unentjch. Verl. Pkte. Butzbach 13 9 1 2 19:5 Steinberg 12 8 2 2 18:4 Lollar 11 8 1 2 17:5 1900 Gießen II 12 8 1 3 17:7 Leihgestern 13 5 2 6 12:14 Ettingshausen 11 2 2 7 6:16 Laubach 10 0 1 9 1:19 VfB. Gießen II 10 0 0 10 0:20 Daubringen hat seine Mannschaft zurückgezogen. Die mit dieser Mannschaft ausgetragenen Spiele gelten als nicht gespielt, einerlei wie sie ausgegangen sind. Dadurch spitzt sich die Lage sehr zu. Am aussichtsreichsten steht die 1. Mannschaft des Sportvereins 1920 Lollar, die, wenn sie die drei noch aus- zutragenden Spiele gewinnt, mit 23 Punkten an der Spitze steht. Steinberg kann es auf 22 und Butzbach auf nur 21 Punkte bringen. VfB. Gießen. VfV. III — Dutenhofen I 3:4 (2:3). Die VfBer kämpften unglücklich. Trotzdem sie mit 3:0 in Führung lagen, konnte der Gastgeber das Spiel für sich entscheiden. Dies lag zum Teil an den VfBern selbst, die ständig die Entscheidungen des Schiedsrichters reklamierten und dadurch das Kämpfen vergaßen. Das Spiel wurde kurz vor regulärem Ende abgebrochen. Dfv. 1. Jugend — Wetzlarer Spv. 1. Jugend 4:4 (2:1). Der Nachwuchs beider Vereine lieferte sich einen interessanten, jedoch harten Kampf. Die VfBer waren technisch etwas im Vorteil, dies wurde jedoch durch den immensen Angriffsgeist der Gäste wieder ausgeglichen. Obwohl die VfBer 4:2 in Führung lagen, kämpften die Wetzlarer unverdrossen weiter. Das Spiel hat einen gerechten Ausgang gefunden. — Die 2. Jugend schlug die 1. Jugend von Wieseck nach verteiltem Spiel mit 2:0. Gpielvereinigung 1900 Gießen. ' 1900 A II — £id) A I 5:0 (3:0). In einem äußerst fairen Spiel konnten die Gäste trotz ihres großen Eifers zu keinem Erfolg kommen. Die Hintermannschaft war gut. aber der Sturm zu schwach und unentschlossen, so daß die sichere Verteidigung von 1900 leichte Arbeit hatte. Die Stürmer der Gäste schufen durch ihre schnellen Angriffe manch brenzlige Situation vor des Gegners Tor, bei etwas besserem Zusammenspiel wäre der Erfolg noch größer geworden. 1900 1. Schüler — wieseck Schüler 4:1 (0:1). Veide Mannschaften waren nur mit 10 Mann und reichlich Ersatz zugegen, zeigten aber während des ganzen Spieles großen Eifer. Die erste Halbzeit war ausgeglichen und Wieseck konnte kurz vor der Pause durch Mißverständnis der Verteidigung zu seinem Erfolg kommen. In der zweiten Halbzeit war 1900 besser im Zusammenspiel und dadurch zeitweise stark überlegen, was zu 4 Treffern führte. Handball im Gau Hessen sO T.) Heuchelheim I — 1846 Gießen 1 0:3. Zum fälligen Rückspiel traten die Gäste am Sonntag in Heuchelheim in stärkster Aufstellung an und blieben nach einem äußerst spannenden, jederzeit fairen Kampf erwartungsgemäß Sieger. Trotzdem konnte aber während der ganzen Spieldauer nie von einer äleberlegenheit der Gießener gesprochen werden, Heuchelheim hielt das Spiel immer offen und machte der Hintermannschaft der Gäste sehr zu schaffen. Der durchschlags- kräftigere Sturm der Gießener entschied das Spiel. Ein von den Einheimischen regelrecht erzieltes Tor wurde vom Schiedsrichter nicht gegeben. Das Spiel der 2. Mannschaft muhte ausfallen, da Gießen leider wieder nicht antrat. Arbeiter-Tunr- und Gvortbund. Lollar I — Gießen I 1:7. Gießen i. war am Sonntag in Lollar zum Freundschaftsspiel zu Gast. Der diesjährige De- zirksmeister Lollar I. hatte damit einen Gegner, oer nach langer Zeit wieder einmal nur auf Erfolg spielte. Lollar muhte sich merklich anstren- Sen, um die zahlreichen und stürmischen Angriffe er Gäste abzuwehren. Gießen gelang eS. in gleichmäßigen Abständen sieben Tore vorzulegen, indes Lollar nur mit viel Glück zum Ehrentor kommen konnte. Vorher standen sich die zweiten Mannschaften beider Vereine gegenüber. Auch in diesem Spiele konnten die Gäste mit 6:3 Toren verdient Sieger werden. wieseck III — Hausen I 4:3. Als Ersah für die zweite Elf stellte sich Wieseck III. den Gästen zum Freundschaftsspiel. Hausen übernahm die Führung, doch stellte Wieseck bald den Ausgleich her. Bei Halbzeit stand das Resultat 3:2. Rach Seitenwechsel gelang es den Gästen abermals, den Ausgleich herzustellen. Dann war Wieseck wieder merklich im Vorteil, konnte aber erst gegen Schluß des Spieles das verdiente Siegestor erzielen. Allendorf I — Heuchelheim I 1:5. Heuchelheim war zum Freundschaftsspiel in Allendorf an der Lahn zu Gast. Die Gäste waren im ganzen Spiele leicht überlegen und konnten fünf Tore buchen, dem Allendorf nur mit viel Glück das Ehrentor entgegensetzen konnte. Waldgirmes I — Vetzberg I 3:3. In Waldgirmes standen sich Waldgirmes und Vetzberg gegenüber. Die Bodenverhältnisse stellten an die Spieler hohe Anforderungen. In einem flotten, ausgeglichenen Spiele trennten sich die Gegner mit einem gerechten Unentschieden. Meisterschaften im Wintersport. Auch an diesem Sonntag wurden wieder in den verschiedensten deutschen Gauen sowie auch teilweise im Ausland eine Reihe von Wintersportmeisterschaften ausgetragen. Die deutsche Rodelmei st erschaft wurde in Ilmenau zur Entscheidung gebracht. Sieger im Herren-Einsitzer wurde Kurt Weidner, Brückenberg, 3: 31,51. Siegerin im Damen-Cinsiher Rilly Erben, Brük- kenberg, 4:00,32. Sieger im Herren-Doppelsitzer Gebr. Feist, Bad Flinsberg, 3:20,05 (neuer Bahnrekord) Brandenburgs Kunstlaufmeister- schäft holte sich bei den Damen Edith Michaelis, bei den Herren in Abwesenheit von Baier der Berliner Härtel. Die Skimei st er schäft des Sauerlandes wurde in Willingen beendet. Sprunglaufsieger wurde Fischer, Brilon, mit Rote 325, Kombinationssieger Wahle, Winterberg mit Rote 626,25. Zu der Fränkischen Skimeisterschast halten sich in Bischofsgrün 300 Teilnehmer eingefunden, unter denen Gottfried Reisinger, Bischofsgrün, als Fränkischer Skimeister mit einer Gesamtnote von 415,517 hervorging. Harzer Skimei st er wurde Richard Kürt, Braunlage, bei den in Schierke ausgetragenen Meisterschaften. Den Mannschaftslauf über 18 Kilometer holte sich der Skiklub Braunlage in 6:17,24. Die deutsche Meisterschaft im Viererbob wurde in Hahnenklee veranstaltet. Unter zehn gestarteten Bobs qualifizierte sich Wiese, Hannover, auf Bob „Whisky I" in einer Gesamtzeit von 13:02,8 Minuten zum deutschen Meister. Den Abfahrtslauf vom Arber gewann Heß, Zwiesel, in 11: 7 Minuten. Oderhefferz. Das oberhessische Schäferfest. <£ Bad-Nauheim, 27. Febr. Am 19. März findet hier in Verbindung mit dem oberhessisch e n Schäfertag ein großes Schäfer- f e st statt. Morgens hält der Oberhessische Schäfer- Verein seine Jahrestagung ab, die mit geschäftlichen Verhandlungen und belehrenden Vorträgen ausgefüllt sein wird. Rachmittagö schließt sich das eigentliche Schäferfest an, das sich zu einer Veranschaulichung von Sitte, Brauch und Tracht im oberhessischen Volksleben gestalten soll. Daß es sich in der Durchführung des Planes um volksnahe Bilder aus dem oberhessischen Volks- und Brauchtum handelt, dafür bürgt die Mitwirkung des oberhessischen Mundartdichters Gg. H e h - Leihgestern, der sich in den Dienst der guten Sache gestellt und dem Entwurf des Festzuges das einheitliche Gepräge gegeben hat. Skt Festzug, der etwa 30 Schaunummern bringen wird, soll in seinem ersten Teil die volkswirtschaftliche Bedeutung der heimischen Schafzucht und das Schäferleben im Ablauf des Jc h res veranschaulichen, während der zweite Teil mit Bildern aus dem oberhessischen Volksleben ausgefüllt sein wird. Rund 20 Festwagen und verschiedene Trachtengruppen werden benötigt, um der dem Entwurf zugrunde liegenden Idee wirkungsvollen Ausdruck zu verleihen. Trachten- und Volksgruppen aus dem Hüttenberg werden nach Beendigung des Festzuges unter Leitung von Gg. Heß- Le'hgestern oberhessisches Volksleben (Volkstänze) zeigen. Anschließend findet in der Parkallee der historische Schäfer lauf statt, der mit der Ehrung des Schäferkönigs und der Schäferkönigin, die durch den Wettlauf ermittelt werden, endet. Das Rotwerk der deutschen Iugend im Bezirk der Arbeits- amt-Rebenstelle Bad-Rauheim (Leitung Beigeordneter Kling und Kaufmann Simon) wird den verkehrsreichen Sonntag zur Durchführung einer Lotterie benutzen, deren Reinertrag dem Rotwerk zufliehen soll. Landkreis (Bietzen. <£ Reiskirchen, 27. Febr. Seit einiger Zeit sind Verhandlungen der Bürgermeister der umliegenden Orte mit dem Arbeitsamt und anderen zustän- Deufsdi x/\y digen Stellen im Gange wegen der Errichtung eines Arbeitslagers tm benachbarten Hof - gut Winnerod, dessen Besitzer Neumeyer sich zur Stellung der passenden Räumlichkeiten bereit- erklärt hat. Die Errichtung des Lagers in unmittelbarer Nähe unseres Ortes wäre insofern zu begrüßen, als hier etwa 35 Arbeitslose unter 25 Jahren sind, deren Unterbringung in anderen Lagern nicht mehr möglich ist. Als auszuführende Arbeiten kommen vorerst Wege- und Drainagebau in den Gemeinden Reiskirchen, Bersrod und Lindenstruth in Betracht. Die geistige Betreuung wird da^ Hessische Heimatwerk übernehmen. ch. Saasen, 21. Febr. Dieser Tage fand hier eine Versammlung der Gemeindevertreter der Gemeinden Saasen, Göbelnrod, Harbach und der Forstbehörde, vertreten durch das Forstamt Grün- berg, statt, i~ der man sich mit der Frage der Errichtung eines Arbeitslagers für den freiwilligen Arbeitsdienst beschäftigte. Für das Lager soll die massiv erbaute Halle des ehemaligen Steinbruchs, der jetzt nicht mehr in Betrieb ist, verwendet werden. Für den Ausbau der Halle soll das Forstamt das erforderliche Holz zur Verfügung stellen. s. Utphe, 27. Febr. Das Arbeitsamt genehmigte die Urbarmachung eines Teils des sog. Kippgeländes durch den Freiwilligen Arbeitsdienst. Durch diese Maßnahme werden ungefähr 7 bis 8 Morgen Ackerland gewonnen. Eine kleiner Teich, der durch Ausbaggern der ehemaligen Grube „Friedrich' entstanden ist, wird ausgefüllt und eingeebnet. Es finden hierbei 15 junge Leute unter 25 Jahren Beschäftigung. Wirtschaft. • Di e Rei ch s i nd e xziff er für die Lebenshaltungskosten. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten (Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „sonstiger Bedarf") ist im Durchschnitt des Monats Februar 1933 um 0,4 v. H. auf 116,9 (gegenüber 117,4 im Vormonat) zurückgegangen. Es haben nachgegeben die Indexziffern für Ernährung um 0,7 v. H. auf 106,5, Bekleidung um 0,4 v. H. auf 111,6, „sonstiger Bedarf" um 0,2 v. H. auf 162,3. Die Indexziffer für Wohnung ist mit 121,4, die Indexziffer für Heizung und Beleuchtung mit 136,7 unverändert geblieben. Innerhalb der Gruppe Ernährung sind hauptsächlich die Preise für (Sier, Butter, Milch und Brot zurückgegangen, während die Preise für Gemüse und Kartoffeln angezogen haben. frankfurter Abendbörse freundlicher. Frankfurt a. M., 28. Febr. Die Spekulation verharrte zwar auch an der Abendbörse in ihrer Lethargie, auf Grund der Tendenzbesserung in Neuyork sowie an den verschiedenen kontinentalen Börsen war die Stimmung aber nach den Abschwächungen im Mittagsverkehr eher etwas freundlicher. Die Ausführungen des Herrn o. Siemens auf der heutigen GV. der Siemens & Halske AG. machten nur wenig Eindruck und boten dem Markte kaum Anregung. Der Umsatz hielt sich weiter in engen Grenzen, die Kurie lagen aber im Vergleich zum Berliner Schluß, der sich wesentlich unter der hiesigen Börse bewegte, meist etwas höher. Nur Rheinstahl gaben zirka 0,75 v. H. und Contigummi aus dem bereits erwähnten Grunde in Anpassung an den niedrigen Berliner Kurs um 3,50 v. H. nach. Am Rentenmarkt konnte sich die Neubesitzanleihe geringfügig befestigen, während die Altbesitzanleihe um 0,40 o. H. nachgab. Späte Reichs- schu'ldbuchforderungen blieben zu 76 bis 76,25 v. H. unverändert. Neubesitzanleihe 8,70 bis 8,6750, Altbesitzanleihe 68,25, Schutzgebietsanleihe 6, Reichsbahn-VA. 94,65, Buderus 46, Gelsenkirchen 57, Phönix 33,40, Rheinstahl 72,65, AEG. 29,25 bis 29,40, Contigummi 120.50, Licht und Kraft 90,25, JG.-Farben 108,13, Siemens 135, Lahmeyer 116, Hapag 16,50. Friedberger Pferdemarkt. WSN. Friedberg, 28. Febr. Zum heutigen Friedberger Pferdemarkt waren 174 Pferde und 92 Fohlen aufgetrieben. Das Geschäft zeigte lebhafte Tendenz. Mit dem Markt selbst war wie üblich eine Prämiierung des besten Pferdematerials verbunden. Die Wetterauer Pferdezüchter schnitten hierbei wieder hervorragend ab. Die Arbeitsgemeinsch aft für Verkehrswerbung nahm den Frühjahrspferdemarkt zum Anlaß, einen größeren Karnevalszug zusammenzustellen. Ecwinnauszug 5. Klasse 40. Preuß.-Siibdeutsche (266. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Aus jede gezogene Nummer sind zwei gleich hebe Gewinne gesallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 17. Ziehungstag 27. Februar 1933 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 öetoinne zu 10000 M. 396602 4 Uelirnn! ,a 5000 /2% Rheinische Hyp.-Bank-Ltau.-Goldvse. ... 6% ehem. 8% Pr. Landetzpsand 85.9 85 — * briesanstcllt, PfandbUese R. 19 83,5 83,5 83,5 83.75 •% ehern. 7% Pr. Landetzpsand btlelanfialt, Psandbriese R. 10 84 84 4% Oesterreichstckie Goldrente... 4,20% Oesterreichische Silberrente 13,25 13,85 — 14,25 1.25 — 1,4 — 4% Ungarische Oioldrenie —— —— — — 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4%% De3ft von 1918 ...... 4% abgest. Boldmerikaner von 99 —- —- — — —— — —— —- 6 6 6,13 —- 4% Türkische gollanleihe von 1911 4% Türkische Bagoadbahn-Anlethe >,25 5,2 5 35 5,35 3,65 .75 5,5 5,5 4% vetzgl. Serie II ............ 8 7 5,6 6,9 Ä% Rumän. vereinh. Mente v. 1903 4'/,%Rumän.vereinh.Reniev.l91S 4% Rumänische vereinh. Rente .. 10,1 10,5 —— 5,5 6,5 3,75 5,25 3%% «nalolia............... 25 25 25,13 25,13 .vranuuti Berlin Schluß« hird Schluß!. Abend« börie Schlußkurs Schluß! Mitag« börke Datum 27.2. 28.2. 27.2. 28.2- Hamvurg-Amerika-Pakei ..... 17 16,5 17 16,75 Hamburg-Südam. Dampsschiss. 0 — — —— Hansa Dampsschiss........... 0 — — — —- Norddeutscher Lloyd ......... 0 17 16,75 17,13 17 A Oft. für Aerkehrtzwesen Akt. .. 0 10,25 40,25 41 40,25 Berliner Handelsgesellschaft.... 4 97 97 97 97,25 Commerz- und Privat Bank... 0 53 53 53,5 53,5 Deutsche Bank und Dtsront» Gescllschast................ 0 71.75 70 71,75 70 Dresdner Bank.............. 0 61,5 61,5 61,5 61.5 Reichsbank ................. 1 148 147 148,25 146 Ä.E.S...................... 0 33,9 29,4 30,13 29,13 Elektr. LteserungSgesellschafl ... 5 80 5 78 80 77 Licht und Krasi ............ 6 90 75 90,25 90,5 90 Felten & Guilleaume ........ 0 51 51 52 51,75 Gesellschaft sür Elektrische Unter» 75,75 76,25 76 nehmungen............... 4 76 Rheinische Elektrizität ........ 5 97 95 95 95,5 Schlickert & Eo.............. 0 86 83,65 135 85 83.65 Siemens & Halske........... f 137 137,5 135 Lahmeyer & Eo.............. 10 117 116 117 115,75 Buderus ................... 0 46 46 46,25 45 Deutsche Erdöl ............. 4 «9,75 88,75 88,9 88.65 Gelsenkirchener .............. 0 58,5 85,5 57 58,25 56,13 Harpener................... 0 84 85,75 • 84 Hoesch Giien—Köln-Neuesten.. 0 — 54.25 53 Ilse Bergbau ............ 7 -*■ — 134,75 — Älse Bergbau Genüsse ........ 7 103 102 103.25 102,4 Klocknerwerke ............... 0 44 45 44 43,25 ManneSmann-Röhren........ 0 •>8,25 58 58,5 57,75 Mantzseider Berglmu......... 0 23,5 23,5 23,75 23,4 Lberschles. Koküwerke......... 0 68,25 68 Phönir Bergbau............ 0 34,4 33.4 34,65 39 Rheinische Braunkohlen ...... Rheinilahl.................. 10 204,5 202 204.25 202 0 75 72,65 73,75 73 Frankfurt a.M. Berlin Schluß« kurtz Schluß!. Abcnd« börf Sch uß« kure! Schlugt. Mi lag« bSr e Dalum 27,2- 28-2. 27-2- 28.2. Bereinigte Stablwerke........ u 34 5 33,5 34,65 33,75 Otavi Minen ............... 0 14,75 14,5 14,5 14,25 Kaliwerke Aschersleben........ 6 114 111,5 114,5 111,5 Kaliwerke Westeregeln........ Kaliwerke Salzdetfurth....... 6 116 114,5 116 114,25 e 170 170 170.5 169 3 G. Farben°Industrie....... 7 109.13 108 13 109 108,13 Scheideanstalt............... 10 158 157,5 — — Goldschmidt ................ 0 37 36,5 37 36 RütgerSwerke............... 0 42,13 41,75 42,25 41,75 Melallgesellschaft............. 0 34 34 34,13 — Philipp Holzmann........... 0 49 47,5 — 47,75 Zementwerk Heidelberg ...... 4 50 50 49,5 — Temeniivert Karlstadt......... 0 — — — — Wayb & Frcytag ............ 0 4,25 4,13 — — Schultheis Patzenhofer........ 0 — _ 101 100,5 Aku iAIlgemeine Kunstseide) ... 0 33,9 34 33,5 34 Remberg ................. 0 40,5 40 39.75 39,25 Zellstoff Waldhos ............ Zellstoff Aschaffenburg ....... 0 48,5 48 48,25 48 0 — — — — Dessauer GaS .............. 7 — — 112.5 112,25 Daimler Motoren........... 0 24,25 23,25 24,25 23,65 Deutsche Linoleum ......... (1 35,25 34,75 35,5 35,13 Ctenfleln & Koppel ........ 0 39.5 39 Leonhard Tietz............. 6 35,5 34,5 35,5 35 Lhade ..................... 1L 122,5 124 126,75 124 Grihner ................... 0 | 25,5 1 25,75 | 27,75 25,25 vlainkraslmerke Höchst a.«. .. 4 67,5 67,5 - Süddeutscher Zucker ........ 6 1 142.75 1 - 1143,13 143,25 Devisenmarkt Berlin - Frankfurt a M 27 • Februar 28-Februar Amtliche Notierung Amtliche Notierung (*eir> | Brie Geld Brie Hesttngfors. 6,344 6,356 6,374 6,386 Wien...... 48,45 48.55 48.45 48.55 12,465 12,485 >2,465 12,485 Budapest ... —— Costa..... 3,057 3,063 3,057 3.063 Holland .... 170,18 170,52 170,33 170,67 Oslo....... 73,53 73.67 73,88 74,02 Kopenhagen. 63,94 64.06 64,29 64,41 Stockholm.. 76,07 76,23 76,32 76.48 London ..... 14,35 14.39 0,837 14,43 14,47 Buenos Aires 0,833 0,833 0,837 Reu nork.... 4 209 4,217 4,209 4,217 Brüssel.... 59,09 59,21 59,12 59,24 Italien..... 21.52 21,56 21.52 21,56 Parts..... 16,595 16,635 16,605 16,645 Schweiz ... 81,92 82,08 82,07 82,23 Spanien.... 34,87 34,93 34,87 34.93 Danzig.... 82,37 82,53 82,42 82.58 Japan ..... 0,854 0,856 0,859 0,861 Rio de Jan. 0 239 0,241 0,239 0,241 Jugoslawien Lissabon... 5,554 5,566 5,554 5,566 13,04 13-06 13,12 13,14 Vanknoten. Berlin, 28.Februar (Reib Bries Amerikanische Roten...... 4,20 4,22 Belgische Roten.......... 58,96 59,20 Dänische Roten ......... 63,92 64,18 Englische Roten ......... 14,39 14,45 Französische Roten....... 16,565 16,625 Holländische Roien....... 169,96 170 64 Italienische Roten........ 21,45 21.53 Norwegische Noten ...... 73,70 74,00 Deutsch Oesterreich, it 100 Schilling — — Rumäniiche Noten....... 2,46 2,48 Schwedische Noten...... 76,15 76.45 Schweizer Roten......... 81,89 34,73 82,21 34,87 Ungarische Note»................