Nr. 51 Lrstes Blatt 185. Jahrgang Mittwoch, 1. März M3 (Er|d)eint t ägltd), aufoet Sonntage und Feiertag«. Beilagen: Dte Illustrierte (BteRtner Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl, Monats-Vezugspreir: Mtt 4 Beilagen 71111.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge' höherer Gewalt. Hernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach» nchten Anzeiger Sieben, postfchecttonto: fronlfurt am Main 11686. GietzemrAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drtftf «Nd verlos: vrühl'sche UniversitSlr-vuch- und Steinbruderei H tanye in Gieren. Zchriftleitung nnd GeschZstrstelle: ZchnMalfe 7. Annahme oon Anzeige., für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher. Preis für | mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig,' für Re» klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20° 9 mehr. Chefredakteur: Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil i. D. Th.Kümmel sämtlich in Biegen. Feuer im Hause. Die Brandlegung im Deutschen Reichstag ist nicht die Tat eines kommunistischen Rarren, sie ist auch nicht die Tat sinnlos gewordener Fanatiker, sondern der schulgerechte Ausdruck der bolschewistischen Taktik. Cs bedarf nicht einmal der Belege, die die Durchsuchung des Karl- Liebknecht-Hauses zu Tage gefördert hat, es genügt vielmehr, darauf zu verweisen, das) schon vor Jahren beglaubigte und nicht widerlegte Mitteilungen über die bolschewistische Taktik veröffentlicht worden sind, in denen Schreckenstaten als Steigerung der Wühlarbeit der Kommunistischen Partei vorg.schrieben und verlangt werden. Leider hat es tue Öffentlichkeit fast ganz vergessen, daß nicht nur in der kommunistischen Presse, sondern in allen kommunistischen Versammlungen jahrelang die Losung ausgegeben tourte: schlagt die Faschisten, too ihr sie trefft! Auf diese Losung gehen eigentlich die bürger- kriegsähnlichen Zustande zurück. Die irregeleiteten kommunistischen Haufen, die leider nicht nur aus den Reihen der Arbeitslosen Zuwachs erhielten, sondern sich vielfach aus dem Verbrecher* gesindel der Großstadt rekrutierten, hatten, den Kampfruf gegen die Faschisten nicht nur ausgenommen. sondern führten ihn auch durch, weil sie die Gewißheit hatten, nach jeder Tat unter dem Schuhe der Kommunistischen Partei vor St.ase und Verfolgung gesichert zu werden. Die Kommunistische Partei hat zwar wiederholt verbucht, die Schreckenstaten von sich abzuschütteln, indem sie erklärte, daß sie einzelne Angriffe auf politische Gegner mißbillige, aber die kommunistischen Gewalttruppen wußten genau, daß diese Erklärungen nicht ernst gemeint waren. Es sei an einen Vorgang erinnert, der mtt der eigentlichen Gründung der kommunistischen Partei in Deutschland zusammenhängt. Auf dem Parteitag der Unabhängigen in Halle a. d. Saale, im Oktober 1920, war e^ Sinowjeff, damals neben Lenin das anerkannte Haupt der Bolschewisten, der auf der Tagung leidenschaftlich ausrief, die Kommunisten sollten sich mit allen Mitteln an der bürgerlichen Gesellschaft rächen. Eine starke Staatsgewalt hätte damals schon dafür Sorge tragen müssen, eine Partei, die dem Staat und der Gesellschaft offene Fehde angesagt hatte, mit den gleichen Mitteln zu bekämpfen In England ober Frankreich wäre das sicher geschehen, wie beispielsweise England nicht eine Stunde zögerte, alle Einrichtungen der Kommunistischen Partei aufzulösen, als sich herausstellte, daß die Taktik der englischen Kommunisten sich unmittelbar gegen die Sicherheit des englischen Staates richtete. In Deutschland konnte die Kommunistische Partei völlig ungehindert die gefährliche Wühlarbeit oortreiben, denn das gelegentliche Verbot des Roten Frontkämpferbundes hat nur auf dem Papier gestanden, weil die einmal aufgestellten Verbände in anderer Form und anderer Firma zusammengehalten wurden. Jahrelang hat die Regierung Braun-Severing In Preußen ihre Staatspolitik darin erschöpft, die Kommunisten und Rationalsozialisten scheinbar mit gleichen Maßen zu messen, tatsächlich aber die Rechte um so schärfer zu treffen, wie sich vor allem in dem Verbot und der Auflösung des Stahlhelms in Rheinland und Westfalen zeigte. Später ist auch das Verbot der SA. hinzugekom- men, das so rücksichtslos durchgeführt wurde, daß, wenn eine gleiche Rücksichtslosigkeit gegen die Kommunistische Partei beobachtet worden wäre, wir den bolschewistischen Schrecken nicht mehr unter uns hätten. Was jahrelang versäumt wurde, muß nun nachgeholt werden, nachdem die Kommunistische Partei offen zum Bürgerkrieg übergegangen ist. Die kommunistische Taktik für diesen Bürgerkrieg besteht nicht darin, sofort auf die Straßen zu gehen, um Barrikaden zu bauen, sondern durch immer neue Schreckenstaten die Bevölkerung in Unrufje z u bringen, sowie die Staatsgewalt zu zwingen, ihre polizeilichen Kräfte im ununterbrochenen Kleinkrieg zu germürben. Sowohl für die Brandlegung im Berliner Schloß als auch im Reichstag waren nur wenige Personen erforderlich, aber die Staatsgewalt war gezwungen, Hunderte von Beamten zu mobilisieren. Auf diesen Zermürbungskrieg kann und darf sich keine Staatsgewalt einlassen, um so weniger, als die einzigen Ziele der Kommunistischen Partei auf die Vernichtung des Reiches und des deutschen Volkstums hinauslaufen. Das furchtbare Verbrechen, das nicht nur einem Bauwerk sondern auch dem deutschen Volke galt, rechtfertigt es durchaus, wenn die Gegenaktion das übliche Maß der staatlichen Rotwehr überschreitet. Lieber den Wortlaut der Rotverordnung hinaus, die der Reichspräsident und die Reichsregierung „5um Schutz des deutschen Volkes" beschlossen haben und in der weitgehende Eingriffe in die persönliche Freiheit zugelassen werden, haben die amtlichen Stellen den ganzen Ernst der Lage noch besonders unterstrichen. In solchen Stunden kommt es immer darauf an, daß die maßgebenden Persönlichkeiten die Rerven nicht verlieren. Der letzte Einsatz der staatlichen Machtreserven muh für den Augenblick der höchsten Rot Vorbehalten bleiben. Die Kräfteverhältnisse haben sich inzwischen schon so verlagert, daß die Kommunisten aus eigener Macht keine politischen Entscheidungen mehr herbeizuführen vermögen. Sie können sich nur noch in Terrorakten und in Verbrechen austoben. Sa* gegen darf rücksichtslos alles eingesetzt werden, was notwendig ist. Es gehört in den Bereich staatspolitischer Erwägung, wo die Grenze des Rotwendigen zu ziehen ist, wo die Reserven aus- bewahrt werden müssen für den Fall, daß die Entscheidungsschlacht geliefert werden muß. Der OeuffcheKorderungen an dieWeliwirtschafiskonserenz Hugenbergs Mahnung: Zurück zum natürlichen Kreislauf. Mit politischer Propaganda, mit Wahlarithmethik, mit der Durchsetzung Des innerpolitischen Macht- an,pruchs und mit der Ausschaltung der parteipolitischen Gegner ist noch nichts im Sinne Der sachlichen Aufgaben geschehen, Die sich riesenhoch vor den neuen Männern auftürmen. Was jetzt, bis zum 5. März, im Vordergrund des politischen Interesses und des politischen Handelns steht, kann nur in dem Sinne verstanden werden, daß sich die Regierung Handlungsfreiheit zur Durchführung ihres sachlichen Programms verschaffen will. Mit Genugtung muß man es feststellen, wenn ein deutscher Minister auch in diesen innenpolitisch so erregten Tagen den Blick abwendet oon den Kämpfen, die ihn umbranden, wenn er das Auge über die Grenzpfähle hinaus auf die Welt richtet und seine Aktivität nach außen wendet. Die Rede, die der Reichswirtschaftsminister Hugenberg am Sonntag über alle amerikanischen Sender verbreiten ließ, und in der er die deutschen Voraussetzungen für eine fruchtbringende Arbeit der Weltwirtschafts-Konferenz formulierte, verdient die größte Aufmerksamkeit. Diese Ausführungen erinnern uns wieder daran, was wir in den Auseinandersetzungen der Wahlzeit sv gern vergessen, daß das deutsche Schicksal nicht unabhängig von den Wechselbeziehungen zur Welt gestaltet werden kann. Wir sind zu eng in das Grundproblem der Weltwirtschaftskrise verstrickt, als das Hugenberg das künstlich geschaffene Schuldenverhältnis der Länder untereinander bezeichnete, um auch nur den Versuch unternehmen zu können, unfern Weg in voller Unabhängigkeit zu gehen. Die Männer, die für die deutsche Wirtschaftspolitik in erster Linie verantwortlich sind, haben sich mit Entschiedenheit zu dem privatwirtschaftlichen Grundsatz bekannt, daß zwangsmäßige Schuldenstreichung und Zinskonvertierungen auf Grund des Gesetzes von Treu und Glauben nicht verantwortet werden könnten. Daß das nicht nur für die inländischen Schuldenbeziehungen gelten soll, hat Hugenberg nun klar zum Ausdruck gebracht. Er hat sich aber ebenso eindringlich zu der Auffassung bekannt, daß die kommunizierenden Röhren eines natürlichen Austausches wieder gründlich von den Verstopfungen befreit werden müssen, die durch die Auftürmung der Schulden geschaffen wurden. Schulden, die sich^us Kriegsmateriallieserungen und vertraglichen Tributen ableiteten, haben in der Zwischenzeit private Schuldbeziehungen in einem Ausmaß zur Folge gehabt, daß alle wirtschaftlichen Austausch- beziehungen vergiftet werden mußten. Hugenberg hat überzeugend bargetan, wie diese Vergiftung die e n t s ch e i d e n d e TI r s a ch e für die Zerstörung der europäischen, vor allem der deutschen Kaufkraft, werden mußte, wie sie das vollkommene Durcheinander der Märkte, der Preise und Löhne nach sich zog, wie fie„ in gleicher Weise die amerikanische Krise auslöste, in Deutschland die Landwirtschaft zerstörte und die Arbeitslosigkeit ins Llngemessene anschwellen ließ. Damit wird es nach seiner Auffassung zu einer elementaren Voraussetzung für das Gelingen der Pläne, die von der Weltwirtschaftskonferenz verwirklicht werden sollen, daß sich die Staaten um eine vernünftige Regelung des gesamten Schuldenproblems einschließlich der privaten Schuldenbeziehungen bemühen. Eines muh in diesem Zusammenhang auffallen, daß Hugenberg eine deutsche Jahreszahlung für Zinsen und Tilgungsraten in engste Verbindung mit dem Exportüberschuß gebracht wissen will. Darin werden die vernünftigen Wirtschaftskreise des Auslandes mit ihm übereinstimmen, daß nur unter Beachtung dieses Grundsatzes, der die Vernunft an die Stelle des formalen Rechtes seht, die Wirkung erzielt wird — um mit Hugenberg zu sprechen —, „daß die Welt wieder rund wird, daß sich alle Völker i m natürlichen Kreislauf der Dinge wieder erholen und daß nicht Die eine VolkswirL- schaft die andere mit Ausfuhr und Dumping zerstört". Aber sie werden auch sagen, daß die Höhe des deutschen Exportüberschusses und Damit die Möglichkeit zur Zahlung von Zinsen und Tilgungsraten nicht allein von ihrer Bereitschaft zur Aufnahme deutscher Waren abhängt, daß hierbei vielmehr auch die künftige Gestaltung der deutschen Han- ^delspolitik in hohem Maße bestimmend sein werden. Der Reichswirtschaftsminister verschließt sich offenbar Der Erkenntnis nicht, daß das brennendste Problem unserer Zeit, mit dessen Lösung schließlich auch die neuen Männer stehen und fallen werden, das Problem der Arbeitslosigkeit, nur in vernunftgemäßer und ver- ständigungöbereiter Zusammenarbeit mit den anderen Wirtschaftsmächten erfolgversprechend an- gepackt werden kann. Er hat auch auf die Zusammenhänge zwischen Kaufkraft und Gesundung der Landwirtschast hingewiesen. Man möchte also hoffen, daß die Maßnahmen des Crnäh- rungsministers Hugenberg von Den Erkenntnissen des Wirtschastsministers Hugenberg nicht un- I beeinflußt bleiben. Das Lintersuchungsergsbnis über dieBrandstifiungimReichsiag Berlin, 1. März. (IDID.) Die bisherige amtliche Unlerjuchung der großen Brandstiftung im Gebäude des Deutschen Reichstages hat ergeben, daß allein zur herbeischafsung des Zünd- materials mindestens sieben Personen notwendig gewesen sind, während die Verteilung der Brandherde und ihre gleichzeitige Entzündung in dem riesigen hause mindestens 10 Pcrjonen erfordert haben muß. Gan; zweifellos sind die Brandstifter fo vollkommen mit allen Einzelheiten des weitläufigen Gebäudes vertraut gewesen, daß nur ein jahrelanger ungehinderter Verkehr diese sichere Kenntnis sämtlicher Räume ergeben haben kann. Dringender Tatverdacht besteht deshalb gegen die Abgeordneten der KPD., die sich ganz besonders in der letzten Zeit auffallend häufig unter den verschiedeusten Anlässen im Reichstage zusammenfanden. Aus dieser Vertrautheit mit dem Reichstagsgcbäude und der Diensteinteilung der Beamten erklärt sich auch die Tatsache, daß vorläufig nur der auf-frischer Tat ertappte holländische Kommunist verhaftet werden konnte, da er in Unkenntnis der Räumlichkeiten nach begangener Tat nicht mehr fliehen konnte. Der Verhaftete, der auch in Holland als besonders radikal bekannt ist, hat den Verhandlungen des kommunistischen Aktionsausschusses ständig beigewohnt und durchgeseht, daß er zu der Brandstiftung hinzu- gezogen werde. Die Untersuchung Hai weiter ergeben, daß drei Augenzeugen einige Stunden vor Ausbruch des Brandes den verhafteten holländischen Täter i n Begleitung der kommuni st ischen Reichstagsabgeordneten Torgler und K o e n e n in den Gängen des Reichstages gesehen haben. Ein Irrtum der Augenzeugen ist bei dem Aussehen des Brandstifters unmöglich. Da weiterhin der Abgeordneleneingang des Reichstags um 20 Uhr geschlossen wird, die kommunistischen Abgeordneten Torgler und Koenen, die sich jedoch gegen 20.30 Uhr ihre Garderobe in ihre Zimmer bringen liehen und erst gegen 22 Uhr durch ein anderes Portal den Reichstag verliehen. besteht gegen diese beiden Kommunisten dringendster Tatverdacht. In dieser Zeit ist nämlich der Brand angelegt worden. Unrichtig ist das Gerücht, nach dem der Abgeordnete Torgler sich der Polizei freiwillig gestellt haben soll. Lr hat allerdings durch seinen Rechtsbeistand in dem Augenblick um freies Geleit gebeten, als er erkannte, daß ein Entkommen unmöglich geworden war. Das freie Geleit wurde abgelehnt und der Abgeordnete Torgler verhaftet. Vorgehen gegen die Kommunisten in Thüringen. Weimar, 1.März. (WTB. Funkspruch.) Auf Grund der Vorgänge in Berlin hat Das Ministerium des Innern die Polizeibehörden angewiesen, sämtliche Flugblätter, Plakate, Ortszeitungen und ähnliche Druckschriften der kommunistischen Partei polizeilich zu beschlagnahmen und einzuziehen. Abgeordnete des Landtages von Tühringen, soweit sie der KPD. angehören, sowie Funktionäre der KPD. sind im Interesse der öffentlichen Sicherheit in Polizeihast zu nehmen. Bei den Funktionären der KPD. sind außerdem wegen Verdachtes hochverräterischer Handlungen Haussuchungen vorgenommen worden. Wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit haben die Polizeibehörden weiter Anweisungen erhalten, auch sämtliche Flugblätter, Plakate und Druckschriften Der SPD. auf GrunD Des § 7 Der Verordnung zum Schutze Des Deutschen Volkes polizeilich zu beschlagnahmen u n D einzuziehen. politischer Mord m Höchst. Fran kfurt a. M., 2« Febr. (WSN.) Im Stadt- teil Höchst wurde Der Nationalsozialist Josef Belfer, Der sich mit einem FreunDe auf Dem Wege Durch verschiedene Lokale befanD, um Karneoaloer- anftaltungen zu besuchen, in einen Streit mit politischen Gegnern verwickelt. Belfer sank oon mehreren Schüssen getroffen zu BoDen unD verstarb unmittelbar Darauf. Nach Dem Polizeibericht kommt als Täter ein Angehöriger Des Reichsbanners ober Der Eisernen Front in Frage, Der in Begleitung eines Reichsbannermannes war. Der Regierungspräsident hat für Die Ergreifung Des Täters eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Kommunismus steckt nicht nur in Brandfackeln, Bomben. Revolvern und Fäusten, auch nicht nur in Der Druckerschwärze Der Rotationsmaschinen, er steckt schließlich auch noch inDenKöpfen. Er kann also nicht allein mit Den Mitteln Der Polizei niedergerungen werden. Er muß auch durch Leistung bezwungen werden. Das ist wahrscheinlich noch nicht die letzte Auseinandersetzung mit Den Kräften der Kommunen. Wir müssen im Zuge der Entwicklung auf vielleicht entscheidendere Auseinandersehunggen gefaßt fein. Darum Darf der letzte Kräfteauswand nicht nervös verpufft werden. Es wäre darum falsch gewesen, wenn Oie Reichsregierung jetzt bereits Die letzte Folgerung gezogen hätte, Die in Der Aussetzung Der Wahlen hätte bestehen müssen. Die Reichsregierung macht sich in jedem Fall dafür stark, daß die Wahlen ordnungsmäßig stattfinden werden. Die Kommunisten haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn sie in den entscheidenden letzten Tagen vor Der Wahl ihrer Führer unD ihrer Propagandamög- lichkeiten vollends beraubt werben mußten. Die Entdeckungen, Die im Berliner Liebknecht-Haus gemacht wurden, haben den eindeutigen Beweis dafür geliefert, daß mit der kommunistischen Propaganda eine Stimmung geschaffen werden sollte, die mit Den Wahlen kaum noch etwas zu tun hat, aus der heraus vielmehr die rote Fackel des Bürgerkrieges geschleudert werden sollte. Rachdem die bolschewistische Gefahr in der brennenden Kuppel des Reichstags einen so weithin sichtbaren Ausdruck gefunden hat, würde Die Regierung nur pflichtvergessen handeln, wenn sic die Funken zu zertreten zögerte, wo sie auf* glimmen. Die Maßnahmen, zu denen Die neue Rotverordnung die Handhaben gibt, lassen den unbeugsamen Willen der Regierung erkennen, die Ruhe in Deutschland aufrecht zu erhalten Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten beim Reichskanzler. Berlin, l.März. (DDZ.) Der bayerische Ministerpräsident Held hatte eine mehr als einstündige Unterredung mit dem Reichskanzler Hitler. Es war dies das erstemal, daß Der Reichskanzler Gelegenheit hatte, mit Dem Der bayerischen Staatsregierung persönlich FöH^ lung zu nehmen. Der Aussprache wohnten seitens Der Reichsregierung noch Staatssekretär L a m » mers, seitens Der bayerischen Regierung Der Ministerialdirektor Freiherr von Imhoff bei. Cs verlautet, daß besonders die neue Rotverordnung ausführlich erörtert wurde und daß es sich Dabei um eine offene Aussprache gehandelt habe, Die in freunDschaftlichen Formen stattfand. Besonders wurde die Bestimmung der neuen Rotverordnung erwähnt, wonach die Länder gezwungen werden können, bestimmte Anordnungen Des Reiches durchzuführen. Cs heißt in Kreisen der Reichsregierung, daß die Entsendung eines Reichskommissars nach Bayern gegenwärtig nicht in Frage komme, da die politischen Verhältnisse in Bayern so seien, daß die Regierung die Staatsgewalt absolut in der Hand habe. Eine kommunistische Gefahr bestehe in Bayern picht, da die bayerische Staatsregierung bereits seit Der Revolution m i t Den schärfsten Mitteln gegen Die Kommunisten vorgegangen fei und auch in dieser Beziehung vorbildlich national gehandelt habe. Der ADGS.zur politischen Laße. B e r l i n, 28. Febr. (TU.) Der Bundesausschuh des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes erörterte, wie von ihm mitgeteilt wird, die politische Lage. Der Brand im Reichstag und seine politischen Folgen wurden in ihrer weit- tragenden Bedeutung gewürdigt. Die- Vertreter der Gewertschaften sprachen ihren Abscheu und ihre Entrüstung gegen den Brandstifter aus. Die Gewerkschaften nehmen Die deutsche organisierte Arbeiterschaft entschieden in Schutz gegen den Verdacht, daß einer aus ihren Reihen zu den Anstiftern des Attentats gehöre. Sie erblicken in der Brandstiftung nicht nur einen Anschlag gegen Den Sitz Des Parlaments, sondern einen Angriff gegen den Parlamentarismus überhaupt. Die deutschen Gewerkschaften und ihre Mitglieder gehören zu Den treuesten Hütern Der Demokratie und Der parlamentarischen OrDnung. Sie verwerfen Terrorakte jeglicher Art auf Das entschiedenste und sie sind auch in dieser Auffassung- der Gefolgschaft der Arbeiter und Arbeiterinnen gewiß. Die Verbandsvertreter find sich bewußt, daß die gegenwärtige politische Situation an Die Schulung unD erprobte Disziplin der Arbeiterschaft unerhörte Anforderungen stellt. Die deutschen Arbeiter werden aber ebenso wie es Die Pflicht Der Verbandsleitung ist, auch unter Den heutigen schweren Verhältnissen kühles Blut de- wahren und sich nicht von ihrem rechtmäßigen Kampf gegen alle Gefahren für die verfassungsmäßigen Freiheiten abDrängen lassen. Zwischen Ost und West II. Oie russische Rückendeckung. Don Hans von Seectt, Generaloberst. Wir bringen heute einen weiteren 2lb- schnitt aus der soeben bei der Hanseatischen Derlagsanstalt in Hamburg erschienenen Broschüre des berühmten Soldaten. Mit dem gleichen Recht, mit dem behauptet wird, daß das Verhältnis zu Frankreich Deutschlands Schicksal sei, können wir den Satz aufstellen, daß das Verhältnis zu Rußland für uns schicksalschwer sei. Nachdem wir in ganz großen Zügen den Charakter der wirtschaftlichen Bedingungen dargelegt haben, müssen wir uns zu dem stärksten Argument wenden, mit dem jeder Einwand gegen eine Verbindung mit Rußland gestützt wird, der Gefahr, die Deutschland vom Bolschewismus droht. Zunächst sei festgestcllt. daß die Größe der Bedrohung in keiner Weise bestritten werden kann und soll, , und ebenso sei betont, daß das Eindringen und die Verbreitung des Bolschewismus mit allen Mitteln bekämpft werden muß, wobei die Ansicht vertreten wird, daß noch mit weit größerer Schärfe gegen solche Einflüsse vorgegangen werden könnte, als es heute geschieht. Es scheint auch, um Mißverständnissen und Unterstellungen vorzubeugen, notwendig, ausdrücklich festzustellen, daß die russischen politischen und wirtschaftlichen Ideen und Methoden an sich verurteilt und für uns durchaus a b g e - lehnt werden. Es sind eben russische Erzeugnisse und, wenn wir es Rußland durchaus überlassen, nach eignen Grundsätzen zu wirtschaften und zu handeln, so wollen wir auf der anderen Seite auch Herren im eigenen Haus bleiben und müssen jede Beeinflussung von außen ablehnen. Wenn wir wirklich annähmen, daß eine wirtschastliche und politische Verbindung mit Rußland uns den. Bolschewismus ins Land zöge, dann müßten wir sie allerdings abbrechen: denn jeder Vorteil auf einem dieser Gebiete stände außer jedem Verhältnis zu dem Schaden. Der Bolschewismus in Rußland wird nicht zusammenbrechen, wenn wir die Verträge von Rapallo und Berlin lösen: wir werden aber dann einen Feindander Grenze haben, dessen Einwirkung auf unsere inneren Zustände nicht geringer sein wird. Wer einwendet, daß wir Rußland und damit den Bolschewismus durch unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit stärken, dem sei entgegnet, daß nur eine wirtschaftliche Gesundung Rußlands, eine Hebung des allgemeinen Wohlstandes und damit der Bedürfnisse das Land wieder zu einer der unsrigen angeglichenen Ordnung zurückführen kann, niemals aber eine Verschärfung und Verewigung der Proletarisierung. Vor allem aber müssen wir behaupten, daß unsere Stellung zum Bolschewismus nichts mit der Möglichkeit einer Zusammenar» beit auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet zu tun hat. Selbst wenn wir Amerika, das bei oller Abneigung gegen den Bolschewismus reichlich mit Rußland arbeitet, wegen seiner Abgelegenheit zum Vergleich nicht heranziehen, so bleibt doch Italien, das mit seinem eigenen Kommunismus gründlich aufräumte, ohne deswegen auf die Freundschaft mit Rußland auf wirtschaftspolitischem Gebiet zu verzichten, als Beispiel einer möglichen Trennung dieser Beziehungen von innerpolitischer Llebereinstimmung. Wir brauchen der russischen These von der Trennung der Sowjetregierung als der Vertreterin der Politik, von der Partei als der Trägerin der Weltrevolutionsidee gar keinen besonderen Wert beizulegen, wir können sie aber benutzen, wenn wir die Richtbeteiligung der ersteren an unferm gegen die zweite verlangen. Die Russen werden für diese Llnterscheidung volles Verständnis haben, wie sie überhaupt drastischen Argumenten zugänglich sind. Wir sind jedenfalls bei Bekämpfung des eigenen Kommunismus vollkommen frei von allen Rücksichten auf die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Rußland: sie werden durch keine innerdeutschen Maßregeln gestört werden. Daß sich die offizielle russische Vertretung in Deutschland der Propagierung des Bolschewismus enthält, ist zu verlang und zu erreichen. Dem Schreiber dieser Zeilen wurde einst von einem deutschen diplomatischen Vertreter in Moskau nahegelegt, er möchte im Interesse der Beziehungen zwischen den beiden Staaten ein gutes Wort für einen Russen einlegen, welcher der Attentatsvorbereitung gegen ihn, den Schreiber, überführt war. Er hat es ab gelehnt, aus der Auffassung, daß die Ermordung eines damals noch im Staatsdienst befindlichen Deutschen eine Einmischung in unsere inneren Angelegenheiten sei, die nicht scharf genug zurückgewie- s e n werden könne. In einem anderen Punkte ist Rußland begreiflicherweise empfindlicher. Es ist sich der^ Abneigung des deutschen Bürgertums — die übrigens bis weit hinein in die Arbeiterschast reicht — gegen die bolschewistischen Zustände sehr wohl bewußt und glaubt, dauernd damit rechnen zu zu müssen, daß diese Gegensätzlichkeit sich auf die deutsche politische Haltung aus- »wirkt. Bestärkt wird es in dieser Sorge werden, wenn es die fortgesetzten Annäherungsversuche an Frankreich beobachtet, die in der deutschen Öffentlichkeit laut werden, und auch aus dem Munde leitender Staatsmänner Worte über den entscheidenden Wert der Beziehungen Deutschlands zum Westen hort, während über die zum Osten vorsichtig geschwiegen wird. Es ist bei solchen Aeußerungen jedesmal eine Beunruhigung in den russischen politischen Kreisen festzustellen,die sich nicht immer mit einem heimlichen Händedruck, auch nicht nur mit einem Gruß „Unter den Linden" beschwichtigen läßt. Rußland ist an der Befestigung seiner politischen Stellung zu Deutschland sehr dringend gelegen. Es lebt in der dauernden Sorge vor einem Zusammenschluß ihm feindlicher Mächte, der sich in irgendeiner Form gegen feine Existenz auswirken könnte. Gelänge es, I a p a n in diesen Kreis zu ziehen, oder würde Europa einen von dieser Seite kommenden Konflikt zu eigenem Angriff ausnutzen, so käme Rußland zwischen zwei Feuer. Dieses Vorgehen Mittel- und Westeuropas ist aber nicht denkbar, solange Deutschland sich aus der Reihe der Feinde ausschließt. Polen, das bei solchem Angriff die Vorhut bilden würde, kann nicht aktiv werden, solange ihm Deutschland im Rücken steht und die Verbindung mit dem unterstützenden Westen sperrt. Daher fürchtet Rußland, daß eines Tages Deutschland seine freundschaftliche Beziehung zum Osten gegen ein Geschenk im Westen verkaufen könnte, und muß Wert auf die Beibehaltung der deutschen Politik legen. Dies festzustellen ist notwendig, weil bei der Beurteilung der Zuverlässigkeit außenpolitischer Beziehungen stets der Nutzen zu prüfen ist, den sie für den Partner haben. Ist es noch notwendig, das Interesse Deutschlands an der russischen Freundschast eingehend zu beweisen? Es scheint, als o-b die Darlegungen über die französische Politik und die polnische Haltung als Begründung vollkommen ausreichen und als ob die Erinnerung an den Weltkrieg genüge. Wollen wir noch einmal zwischen zwei Feinde genommen werden? Mag auch heute ein Krieg gegen den Westen nicht drohend sein, was heute getan oder unterlassen wird, kann sich in Jahren auswirken. und es gibt auch unblutige Schlachtfelder genug, auf denen Deutschland zu kämpfen hat und auf denen es Unterstützung oder wenigstens Rückenfreiheit wohl gebrauchen kann. Oder soll uns eine polnische Flotte auf der Ostsee bedrohen und von Ostpreußen abschneiden? Soll Polen bis zur Oder Vordringen? Solche Möglichkeiten gewinnen greifbare Gestalt, schalten wir Rußland aus unserer Rechnung aus. Deutschland braucht nicht besorgt zu sein, daß Rußland von den Verträgen und der Linie seiner Haltung gegen Deutschland abweicht, auch nicht, wenn es Nichtangriffspakte mit Polen »und Frankreich ab- schließt. Daß es dies tat, ist die Folge der zweifelhaft erscheinenden deutschen Politik, welche Rußland eine Sicherung auch auf anderem Weg für alle Fälle ratsam erscheinen ließ. Im Grund bedeuten sie nicht mehr als der Versuch der Garantierung eines Friedens, den Rußland für seinen begonnenen Aufbau nötig hat. Vor politischen Lebensnotwendigkeiten werden sie schnell ihren Wert verlieren. Die Anbahnung der Verständigung zwischen Rußland und Deutschland ist durch militärische Hände gegangen. Militärische Zukunstsmäglich- feiten seien hier nicht erörtert, wohl aber soll die notwendige deutsche Haltung unter ein soldatisches Wort gestellt werden. Man erzählt, daß der Graf S ch l i e f f e n noch in seiner Todesstunde gesagt habe: Macht mir nur den rechten Flügel stark. So rufen wir der deutschen Politik zu: Haltet mir nurdenRückenfreil Wechsel am Quai d' Orsay. Berthelot tritt zurück. — Diplomatische Veränderungen. Paris, I.März. (WTB. Funkspruch.) Der Generalsekretär des französischen Außenministeriums PhilippeBerthelot tritt von seinem Posten zurück und wird durch den langjährigen Kabinettschef Driands Leger erseht. Der Rücktritt Berthelots, sowie die bevorstehende Ernennung de Laboulayes zum Botschafter in Washington an Stelle von Claudel werden eine größere diplomatische Umstellung nach sich ziehen. Nachfolger Legers als Direktor für wirtschaftliche und politische Angelegenheiten am Quai d'Orsay wird der frühere Leiter der Presseabteilung, Gesandter Bargeton, werden. »Der frühere Gesandte in Dublin und Kabinettschef Herriots, Alphand, soll Botschafter in Moskau werden. Man spricht ferner von der Ablösung des Botschafters in London de Fleuriau durch den Botschafter in Brüssel C o r b i n. Auch der Gesandte in Bern d e M a r- cillh dürfte seinen Posten verlassen. Philippe B e r t h e l o t, ein Sohn des berühmten Chemikers Marcelin Berthelot, hat die letzten 30 Jahre seines diplomatischen Wirkens ununterbrochen in der Pariser Zentrale verbracht und sich dort seit dem Kriege immer mehr zum eigentlichen und ständigen Leiter der französischen Außenpolitik entwickelt. Auf ihn sind die Grundsätze zurückzuführen, nach denen die sranzö- sifche Diplomatie seit Versailles den europäischen btatus quo durch Ausbau eines Sicher- heits- und Bündnissystems festzulegen jucht, in seiner Hand vereinigten sich alle europäi- schen und finanziellen Mittel, mit denen das offizielle Frankreich in die Weltpolitik eingreift. Sein konstruktiver und doch phantasiearmer Geist hat einer ganzen Aera den Stempel aufgedrückt: die Unterbrechungen dieser Aera, hervorgerusen durch den Gegensatz zu Poincar 6 und späterzuHerriot erscheinen dem französischen Bewußtsein als ein Abweichen von der Normallinie, die zwischen diesen beiden politischen Programmen lag: man denkt sofort an die Ruhrbesetz u n g , die während der durch ein Disziplinar- urteil erfolgten Kaltstellung Berthelots durchgeführt wurde und an die russischen Experimente Herriots 1924 und 1932. Einen Höhepunkt der Politik Berthelots bildete der Locarnopakt, eine Konstruktion, die {einer konservativen Tendenz und gleichzeitig der damaligen 23er- ständigungskonjunktur entsprach. Berthelot bekannte sich später öffentlich.ausdrücklich zur Politik Briands, dessen Bemühungen um ein entschlossenes Zusam - mengehenmitEngland und eine Annäherung an Deutschland allein den Frieden Europas sichern könne. Berthelot, der von Herriot im Juni 1932 beurlaubt und im Oktober wieder in fein Amt eingesetzt worden war, hat offenbar m i t Den Männern des Linkskartells — Herriot, Paul-Boncour, Pierre Cot — die abwechselnd feine Vorgesetzten wurden, nicht mehr harmoniert: immerhin ist es eine der von Herriot beliebten symbolischen Gesten, wenn jetzt der langjährige Kabinettschef Briands, LLger, das Erbe Berthelots übernimmt. Oer französische Finanz- sanierungspian angenommen. Spaltung der Sozialisten. Paris, 1. März. (WTB. Funkspruch.) Nach fünfmaligem Hin und Her zwischen Kammer und Senat ist der Finanzsanierungsplan Mittwoch früh vom Parlameüt endgültig verabschiedet worden. Die Kammer nahm den Plan mit 360 gegen 204 Stimmen an, ter Senat mit 200 gegen 83. Die Haushaltserleichterungen durch diesen Finanzsanierungsplan stellen sich auf rund 4,65 Milliarden Franken. Der Zuschlag zur Einkommensteuer wurde dem Wunsche des Senates entsprechend auf 10Pro- zent festgesetzt, nachdem die Kammer ursprünglich 20 Prozent verlangt hatte. In der Frage der Kürzung der Gehälter der Beamten und der Fe st besoldeten ist ein Kompromiß zustande gekommen: von der Kürzung befreit bleiben alle Gehälter bis zu 12000 Franken (zirka 2000 Mark). Die Negierung hatte für diesen Punkt sowohl in der Kammer wie im Senat die Vertrauensfrage gestellt. Der Senat hat sich mit 182 gegen 89 Stimmen für das Kompromiß ausgesprochen, die Kammer mit 334 gegen 250 Stimmen, wobei die Sozialisten sich beteiligten. Etwa 20 Mitglieder der Sozialisten stimmten gegen die Negierung. Der Vorsitzende der Fraktion, Leon Blum, hat daraufhin fein Amt als Fraktionsvorsihender niedergelegt. Man rechnet damit, daß dieser Schritt weitere Folgen nach sich ziehen wird. Verschärfung der Bankenkrise in LIGA. Sturm auf dieNeuhorkerBundesreservebank N e u y o r k, 28. Febr. (WTB.) Die Bankenkrise in den Vereinigten Staaten nimmt von Tag zu Tag schärfere Formen an. Besondere Notstandsmaßnahmen sind in Columbus (Ohio), in Harris- burg (Pennfyloanien) und in Dover (Delaware) ergriffen worden. Die Anzahl der Banken, die i m ö t a a t Ohio von der Krise erfaßt worden ist, beträgt jetzt etwa 100. Gegenwärtig hat die Krisenwelle die Staaten Arkansas und Kentucky erreicht. » Am Dienstag wurden die Geldschalterder Neuyorker Bundesreservebank ununterbrochen von Tausenden bestürmt, die Auszahlungen in Gold verlangten. Vielfach wurden über 200 Abfertigungen in zehn Minuten gezählt. Es handelte sich meistens um kleine Sparer. Riesige Mengen vo n Münzgold und Goldbar - r e n mußten sackweise herbeigefahren werden. In Washington stand eine lange Schlange von Menjchen vor dem Schatzamt an, um Noten in Gold einzuwechseln, wobei es sich meistens um größere Betröge von 1000, 10 000 und 100 000 Dollar handelte. Die amerikanischen Großbanken erließen beruhigende Erklärungen. Im übrigen sind Einzelheiten über die schwere Bankenkrise nur mit Mühe zu erlangen, weil die amerikanische Presse die Vorgänge nach Möglichkeit tot schweigt, damit die Panik nicht größer wird. Wie sie ihn bezwang Driginalroman von J. Schneider-Foerstl. Urheberrechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau t. S. 11. Fortsetzung. Nachdruck verboten I Als Stephanie sich umwandte, sah sie in Frau Marias forschende Augen. „Es ist soeben eine Depesche für dich eingetroffen. Sie war gn mich adressiert, sonst hätte ich sie nicht geöffnet. Die junge Frau zwang ein Lächeln des Glücks um den Mund, als sie las:,,Eintreffe Donnerstag, 19.30. Hans Jörg." „Ich werde ihm den Wagen schicken", erbot sich Frau Brentano. - „Es wäre lieb von dir, Mama! —" Sonst sagte Steffie nichts. Frau Maria wußte genug. Ehe sie am übernächsten Tage das Auto nach dem Westbahnhof beorderte, ließ sie bei der Tochter Nachfragen, ob sie mitkommen wolle. Stephanie bamte, sie habe noch mit ihrer Toilette zu tun. Der l)-Zug von Salzburg bekam infolge eines Maschinendefekts über eine Stunde Verspätung. Man sah im Hause Brentano bereits zu Tisch, als der Bediente die Ankunft des Barons Merlin meldete. Frau Maria überlegte, ob sie es der Tochter sagen sollte und unterließ es bann. Auf dem ersten Treppenabsätze tarn sie dem Schwiegersohn entgegen: „Seien Sie mir herzlich willkommen, Hans Jörg." Er neigte sich über ihre Hand und suchte dann mit den Augen an ihr vorbei. „Stephanie weiß noch nicht, daß Sie da sind!" belehrte sie. „Sie werden sich sicher erst umkleiden un restaurieren wollen. Soll ich Stephanie verständigen?" „Wenn es keine Störung bedeutet?" „Durchaus nicht!" Das herbeigeklingelte Mädchen begleitete ihn nach seinem Zimmer Merlin wusch sich und horchte zwi- fchenhinein aus jeden Schritt, der draußen Darüber- ging. Aber nie verhielt dieser. Immer war es ein anderer gewesen, der den Weg an feiner Tür vorübergenommen hatte. Er hatte den Reiseanzug mit dem Smoking vertauscht und begann nun im Zimmer hin und her zu wandern. Zuweilen trommelte er einen Marsch auf die spiegelnde Platte des Mahagonitisches. Und noch immer kam sie nicht. — Das Summen der Musik drang verschwommen zu ihm herauf. Womöglich tanzte sie, und er wartete hier. Dann endlich. Der Kronleuchter ließ den Silberüberwurf von Stephanies Kleid sprühend ausleuchten, und das blonde, von einem Diadem zurückgehaltene Haar zitterte noch, als sie jetzt die Tür hinter sich schloß. „Die Mama sagte mir, daß du eben gekommen seist!" „Vor reichlich einer halben Stunde." Er besann sich und unterdrückte seinen Aerger. Und als sie, noch immer an der Tür stehend, feinen Schritt zu ihm herüber machte, ging er auf sie zu und sagte, nicht ohne ein gewisses Verlegensein: ,Ich glaube, du bist noch gewachsen!" Sie hielt die Lider halb geschlossen, als er jetzt seine Lippen auf die ihren drückte. Unwillkürlich fror sie und entwand sich seinen Armen. Ihr Blick fiel auf das Silbertablett, das Frau Maria mit kaltem Geflügel, Mayonnaise, Krebsen und anderem für ihn heraufgeschickt hatte. Es stand noch völlig unberührt. „Hast du nach anderem Appetit?" frug sie, ohne ibn anzusehen. Er verneinte: „Ich habe in Salzburg bereits zu Abend gegessen. Aber wenn du mir Frack und Stärkhemd aus dem Koffer nehmen wolltest, wäre ich dir dankbar." „Was habe ich denn?" dachte sie, als eine Blutwelle über ihr Gesicht schoß. Ich bin doch feine Frau und empfinde, als habe ein völlig Fremder mir zu- gemutet, ihn zu bedienen. Sie klappte die Schlosser auf und legte alles zurecht, lieber die Seite des breiten Revers streichelnd, atmete sie den diskreten Jasminduft ein, der ihm entströmte. Ein blondes Haar schimmerte verräterisch auf dem einen der schwarzen Aermel. „Wann hast du den Frack das letztemal getragen?" Ihre Augen irrten beinahe stehend zu ihm hinüber. „An unserer Hochzeit! Warum fragst du!" „Ich dachte nur!" Sie schämte sich unsagbar und war froh, als er jetzt an den Spiegel trat, seine Krawatte fester zu ziehen. „Hast du sonst noch Wünsche, Jörg?" Er wandte sich halb nach ihr um. „Danke, nein! Ich möchte jetzt noch eine Zigarette rauchen. Dann werde ich mich unten zeigen." Er nickte ihr zu und nahm sein Silberetui heraus. Mnschlüssig blieb sie an der Tür stehen sah, daß eWaunte, und drückte sie leise ins Schloß. Aus der Treppe stieß sie mit der Mutter zusammen, fuhr sich rasch über die Augen und huschte an ihr vorüber. Frau Maria sah ihr nach und horchte dann nach oben. Es kam kein Ton aus dem Zimmer, in dem sie den Schwiegersohn wußte. Sollte sie sprechen? Und zu wem? — Zu ihm! Zu ihr? Oder war es besser zu schweigen und zu warten, bis eines von ihnen selber sprach? War es bann nicht zu spät?" Aber es war jetzt keine Zeit zu grübeln. Unten warteten die Gäste auf sie. Vielleicht kam ihr aus Steffies ober Merlins Mund boch einmal ein Wort, bas volle Klarheit brachte. Stephanie hatte für ben Augenblick keinen Wunsch, als ben: sich zu betäuben. Ihr Blick suchte immer roieber nach ber Doppeltür, burch welche der Gatte kommen mußte. Aber erst nach einer halben Stunde tauchte dessen hohe Gestalt auf. Elisabeth war die erste, die auf ihn zugelaufen kam: „Wo steckst du denn so lange? — Ich gucke mir schon die Augen nach dir aus." Im Nu war Merlin umringt Stephanie wurde sich erst in diesem Moment bewußt, welch berühmten Mann sie hatte. Alles bahnte sich den Weg zu ihm. 9lur sie tanzte mit fiebrigen Wangen an ihm vorüber, als ginge er sie nichts an. Frau Maria sah und fühlte alles und stand mit machtlosen Händen. Sie hatte das Unheil kommen sehen, aber daß es so bald hereinbrechen würde, hatte sie nicht zu denken gewagt. Nun ließ sich nichts mehr tun, als Sorge tragen, daß Stephanie nicht darüber zugrunde ging. Er würde einen Bruch ja wohl nicht so tragisch nehmen, wenn er ihn nicht-überhaupt als etwas Erwünschtes betrachtete. Gegen Mitternacht sah Steffie sich nach ihrem Manne um und konnte ihn nicht entdecken. Sie fragte einen der Lohndiener, die auf Silberplatten Cham- Pfigner zu den Gästen trugen, ob er den Baron Merlin nicht gesehen hätte. „Doch!" sagte ber junge Mann stehenbleibenb. „Er sitzt mit einigen Herren im roten Salon beim Pokern." Als sie aber bort Nachschau hielt, würbe ihr ber Bescheid, daß sich Merlin bereits vor einer Stunde zurückgezogen habe. „Ohne Gute Nacht!" dachte sie verbittert, raffte die Enden ihres Seidenschals zusammen und schritt nach ihren Zimmern hinauf. Ein leiser Schrei entfuhr ihr, als sie ihn auf der Chaiselongue des Ankleidezimmers sitzen sah. Er schien geschlafen zu haben, denn seine Augen waren verschwommen. „Ich habe gedacht, du würdest ewig nicht satt an der Tanzerei kriegen. Ist nun endlich Schluß mit dem Gehopse?" „Noch lange nicht. Ich habe mich davongeschlichen." Dor den Spiegel tretend, nahm sie das Smaragden- biabem aus bem Haar unb legte es in ben Samtbehälter zurück. „Warum hast bu mich nicht wissen lassen, baß bu auf mich wartest?" „Es hat sich ganz gut gesessen hier!" urteilte er versöhnlich. „Warum heizt ihr benn so überwarm? Bei mir unten ist es zum Verschmachten. Bei bir heroben ist es boch merklich kühler. Wenn bu Platz für mich hast, mochte ich gern bleiben!" „Aber gewiß!" Ihr Gesicht war blutübergossen, als sie jetzt in das angrenzende Schlafzimmer hinüberging und die Ampel aufflammen lieh. Er folgte ihr auf dem Fuße und begann ben Frack abzulegen. Während er die Krawatte loste, sagte er so nebenbei: „Oehme läßt dich grüßen. Er ist mit mir hergefahren, um an einer Aerztezusammenkunft teilzunehmen. Er wohnt im Bristol und wird bir morgen seine Aufwartung machen." „Warum hast bu ihn nicht mithergebracht?" „Ich habe mich nicht dazu berechtigt gefühlt —", sagte er gleichgültig, bückte sich unb streifte die Lackschuhe ab. „Ist es bir übrigens langweilig auf Ichenhausen?" Es war bas erstemal, daß ein Lächeln um seinen Munb flog. „Hast bu Sehnsucht? —" Sie wollte fragen nach wem, aber sie brachte cs nicht fertig, ihn zu kränken. So sagte sie nur, es wäre ungemein vergnüglich. „Zuweilen haben wir Gäste", berichtete sie, „bann wirb es oft Mitternacht, bis wieder Stille ist. Oder Vater und ich fahren nach Jettenbach hinüber. Es kommt auch vor, daß wir ganz allein zu zweien eine Monöscheinpartte zu Pferde unternehmen. Es ist schon drei Uhr morgens gewesen, wenn wir die Pferde nach den Ställen führten." ■ Er schüttelte ben Kopf, als begriffe er nicht ganz. „Bei mir ist es weniger vergnüglich. Ich sitze über einem neuen Flugzeugtyp und kann das Rechte nicht erklügeln. Ihr konntet mich einmal besuchen. Seit einem Vierteljahr hat niemand nach mir gesehen." „Wir wollten nicht stören." Stephanie hielt, während sie sprach, das Gesicht zur Seite gewandt. Er sollte und sollte nicht gewahr werden, wie es in ihr aussah. Als sie wieder nach ihm hinblickte, lag er bereits in den Kissen. Sie drehte die Ampel ab unb schaltete bie Nachttischlampe ein. Er war müde von ber Fahrt unb ber Anstrengung ber letzten Wochen, bie ihn fast täglich bis morgens brei Uhr am Schreibtisch festgehalten hatte. „Gib mir noch einen Kuß!" bat er unb streckte bie Arme noch ihr aus. Ihre Lippen streiften bie feinen kaum. Er mochte ihre Abwehr fühlen und sagte lächelnd: „Hatte ich nicht recht damals, du mußt dich erst wieder daran gewöhnen, einen Mann zu haben. Morgen dann, Kind. Ich muß wirklich einmal eine Pause in ber Arbeit machen, sonst geht es nicht mehr." Das Schlafbedürfnis überwältigte ihn. Jetzt, da er bie Augen geschlossen hielt, gewahrte sie erst, baß seine Wangen schmäler geworden waren. Schmaler und bleicher, als sie es in der Erinnerung hatte. Ihre Arme hoben sich unb legten sich behutsam um feinen Hals und so, über ihn gebeugt, küßte sie ihn noch einmal unb roieber. Einmal hatte sie heute, in kaum zu verbeißendem Schmerz, die Kusine um ihr großes Liebesglück beneidet. Nun schämte sie sich dessen und sah, die Hände verschränkt, auf ben schlafenden Gatten nieber. Sie hatte ihn heb. Unb niemanb sollte ihn ihr nehmen. Mit sachten Händen zog sie bie Daunenbecke weiter nach seiner Brust herauf. Er würbe ben tiefsten Schlaf finben, wenn er ganz allein blieb. Das Licht aus chattend, drückte sie gleich darauf bie Türe hinter sich zu, um nach bem Zimmer hinabzugehen, bas für ihn bestimmt gewesen war, unb in welchem er es zu heiß gefunben hatte. Bon ben Domestiken hatte an biefem Abenb nie« manb Zeit gehabt, in ben Räumen hier Drbnung zu schaffen. Es lag noch alles so, wie Hans Jorg es beim Umfleiben gelassen hatte. Sie begann Drbnung zu machen, nahm seinen Reiseanzug unb trug ihn nach bem Schrank. Im Begriff, ihn über ben polierten Bügel zu hängen, fiel bie Brieftasche zu Boten. Er mochte oer- gessen haben, sie herauszunehmen. Sie lieh sich in bie Knie, ben Inhalt roieber hineinzustauen, wurde plötzlich bis in bie Lippen bleich unb hielt ein Frauenbilb hoch, bas eine wunderhübsche Brünette darstellte, in deren Gesicht nur ein ganz kleiner frecher Zug störte. „Lise-Lott" stand auf der Rück- I feite, sonst nichts. (Fortsetzung folgt.) Aus der provinzialhauptstadt Heist der Winternothilfe! Jedenfalls nicht eine dreifache Umsatz O'k’WäXVOsX Steigerung in 12 Odonaten,wie sie die OBERST-Zigarette dankbar verzeichnen darf. Qanfybar—'weil zweifelsohne die persönliche Empfehlung begeisterter OB ER ST-Freunde wesentlich zu dem, erstaunlichen Erfolg bei getragen hat. ersten Wahlgang zum Bürgermeister gewählt. Er erhielt 264 Stimmen. Zimmer 173 (beide NSDAP.) und K. W. Schnell (überparteilich) 70 Stimmen. Feuer in Watzenborn-Steinberg. ■=.= WahenbornSteinberg. 1. März. In der letzten Nacht brannte die Scheune des Landwirt- Johannes Rinn, Fahrtgasse 1. nieder. Gegen 2 Uhr ertönte Feueralarm in den Straßen. Durch sosortigcs Eingreifen der die 37s Pfg-Zi£arette, bei der nach teurer c/inr^en sirt sichJHCde mit A R OMA paart Reklame unö Zugaben allem schaffens nicht! - T. v. 4 *■ Ai'nn zlvnifo /»ho TTmCflf?« rückte oom Lokal Soldan aus nach dem Kirchenplatz zu. Auf dem Marktplatz verlangten die SS.-Leute das Zurückgehen der auf der Straße befindlichen Personen. Die SS.-Leute waren hierbei fast durch- weo mit neuen Gummiknüppeln ausgerüstet. Beim Einsatz der Bereitschastsvotizei wurden fünf SS.- Leute und eine andere Person vorläufig festgenom- men und sechs Gummiknüppel sichergestellt. Auf dem Ueberfallwagen, mit dem die SS.-Leute zum Poti- zeiaml verbracht wurden, wurde eine geladene Selbstladepistole (Sauer & Sohn, Kaliber 7,65) durch die Polizei vorgesunden. Die SS.-Leute wurden nach Vernehmung wieder entlassen. Bei der Festnahme wurde den Polizeibeamten Widerstand geleistet, so daß diese gezwungen waren, von dem Gummiknüppel Gebrauch zu machen. Im Verlaufe der Nacht wurde die Polizei noch mehrmals alarmiert, um Schlägereien entgegenzutreten. Zu ernstlichen Zwischenfällen ist es nicht mehr gekommen." ODD. und Altienrechtsreform. Dieser Tage sprach — wie man uns berichtet — Herr C. Dingel in einem Vortragsabend im DHV-Heim über das Thema „Der DHD. und die Aktienrechtsreform". Die Aktienrechtsreform, so führte der Redner u. a. aus, stehe im Mittelpunkt des Interesses der Derufsverbände. In erster Linie hätten die Angestellten und Arbeiter unter den Auswirkungen der Lückenhaftigkeit im heutigen Aktienrecht zu leiden. Der Vortragende brachte Beispiele aus den großen Skandalen, die die Öffentlichkeit während der letzten drei Iahre beschäftigten, und zeigte, zu welchen Zuständen unser heutiges Handels, und Strafrecht in seiner Lückenhaftig- leit führen kann. Wenn heute ein General- direktor durch Unfähigkeit einen B"tr'eb bankrott verwaltet, leide der einzelne Aktienbesitzer und besonders stark der Arbeitnehmer, der seine Stelle verliere, unter den Ausw r.ungen. Die Verantwortlichen könnten sich nach dem herrschenden Gesetz aber meist ohne Schwierigkeiten vor Verlusten schützen. Die letzten Prozesse hätten gezeigt, daß der Aktienbesitz z. D- eines Aufsichtsrats. Mitgliedes, oder der eines Generaldirektors bzw. Vorstandsmitgliedes im Verhältnis zu seinen Machtbefugnissen außerordentlich gering sei. Der Schultheiß » Pahenhoser * Standal, dessen Generaldirektor Kahenellenbogen in einem März kündet den Frühling. Mit einem lustigen ,Lei-Hopp" hatte Pierrot die lachende Columbine in das Auto gehoben, und fort ging die Fahrt aus Lust und Tanz und buntem Leben, in den neuen Tag. Es war ..Karneval" gefeiert worden, wohl gemerkt: „Carnevale“ ----- Fleisches Abschied. Und nun kam der „Aschermittwoch" ... , . Doll Trauer ging Dajazzo durch dre Nacht in den grauenden Morgen. In seiner Laut« klangen die Sehnsucht und der Schmerz verratener Liebe. Ihm war das Grau des Aschermittwochs ganz nach seinem Sinn. — Gin Dritter noch ging seines Weges, auf den kein Mensch geachtet hatte. Wußte doch niemand so recht, was aus ihm zu machen sei. Ein Landmann schien's, ein Eärtnerbursche? Auf einem Karren brachte er Acker- und Gartenfrüchte, Schneeglöckchen, Märzveilchen. Leberblümchen und Murmeln und Kreisel für die Kinder. Dann Starenkästen und ein Transparent, darauf „stand: „Dem Frühling ein herzlich willkommen!" Und zwei große Säcke, wohlvcrschlossen, waren noch da mit breiten Weißen Bauchbinden, darauf stand zu lesen „Märzenschnee" und „Märzenstaub . Eine seltsame Ladung und ein seltsamer Mann; doch war es niemand anders als der Lenz- mond in eigener Person, der sich mit all dem Material für die vier Wochen seiner Regent- schäft versorgt hatte. Daß er nun gerade nut dem Aschermittwoch anfängt, wird doch Wohl keine Folgen weiter haben. Er hat immerhin eine Menge von Verantwortung zu tragen, denn ganz abgesehen davon, daß er uns wieder Wahlen bringt, hat er vertragsmäßig dafür zu sorgen, daß mit dem 21. der Frühling sich einstellt. Was sonst an Befürchtungen ihm entgegengebracht werden, soll er durch eine geregelte Verteilung in das' Gute umwandeln. So z. D. die Handhabung, daß sie der Saat weh tun (der Schnee) oder aber daß sie Goldes wert sind (der Staub). Die Veilchen wollen wir uns gern gefallen lassen, ebenso die Märzennebel, di« ja doch vorübergehen werden, um dem regelrechten Frühling Raum zu geben. M. G. Wichtig für die Reichstagswahl. Die Dürgermeisterei veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil die Bekanntmachung über die Reichstagswahl am Sonntag, 5. März. Alle Wahlberechtigten werden auf dies« wichtig« Dekannt- machung hingewiesen. . Die Ausstellung von Stimmscheinen kann beim Wahlamt (Stadthaus Dergstrahe 20, 3i- mer Nr. 14) nur bis e i n s ch l i e ß l i ch S a m s- tag, 4. März, 17 Uhr beantragt werden. Die Ausstellung ist nur möglich, wenn ein Wahl- berechtigter am Wahltage aus zwingenden Gründen von Gießen abwesend ist und auswärts wählen will. Fastnacht in Gießen. Aus aller Welt. „Karneval wie einst" in Köln. Der Kölner Rosenmontagszug nahm seinen Weg „wie einst" durch die Straßen der Innenstadt, über die Ringe, um dann auf die Hohestraße einzubiegen. An den wichtigsten Plätzen der Stadt waren Tribünen errichtet. Die Zugstraßen waren von Zuschauern so angefüllt, daß die Menschen auf den Geywegen eine einzige vor die Häuser gestellte Mauer bildeten. Seit 12 Uhr mittag» war in den Zugstraßen ein unaufhörliches Geschiebe und Gedränge. Die Polizei brachte dem Willen der Narren volles Verständnis entgegen. Der Zug zeigte neben vielen Wagen und Reitern und dem Fußvolk der Gesellschaften einige lustige Einfälle in humorvoller Form. Vater Rhein, der sich 111 Jahre lang schon am Zuge beteiligt, trug einen 40 Meter langen Bart, den ihm seine Rheintöchter voraustragen mußten. Der „Treue Husar" ritt auf einem massigen Schimmel, umgeben von vielen Bräuten und einer lustigen Nachkommenschaft. Die alten Kölner Gesellschaften, die „Roten Funken", die „Große Kamevalsgesell- schäft", die „Sonnenritter" in ihren prächtigen Gewändern und die Ehrengarde der Stadt Köln geleiteten den Prinzen Karneval durch die Straßen. Der Wagen des Prinzen und die ganze Ausstattung seiner Umgebung waren in diesem Jahre nicht so sehr auf einen übertriebenen Prunk eingestellt, sondern aus eine würdige Repräsentation. Wie sehr das Volk ihm untertan war, zeigte die tosende und brüllende Menge überall, wo Der Prinz Karneval auftauchte. Die Liede zu seinem Volk kam in ungeheueren Mengen von geschleuderten Karamellen, fröhlich geschwungenen Blumensträußen und Handküssen zum Ausdruck. An diesem Zug, der von Polizei und Ordnern geleitet und gehütet wurde, hängte sich bann das närrische Volk an, bas unbe» bingt mitmarschieren mußte. Wettervoraussage. Eine wesentliche Umgestaltung in ber Luftdruck- Verteilung und den Strvmungsverhältnissen ist seit gestern nicht zu erkennen. Die Temperaturen liegen im Osten infolge starker Ausstrahlung noch wesentlich unter Null, im Westen dagegen verursacht Warmluft und Bewölkung Temperaturanstieg über den Gefrierpunkt. Da noch keine Anzeichen auf Umgestaltung der Wetterlage vorhanden sind, ist mit Fort" dauer des Witterungscharakters zu rechnen wobei sich aber die Nachtfröste langsam weiter abschwächen werden. Aussichten für Donnerstag: Nachtfrost, tagsüber weiterer Temperaturanstieg, stellenweise Dunstbildungen, im übrigen leicht wolkig und auf- heiternd, trocken. Aussichten für Freitag: Weitere Milderung und Abschwächung des Nachtfrostes, vielfach dunsiig und bewölkt mit Aufheiterung, trocken. Lufttemperaturen am 28. Februar: mittags 5 Grad Celsius, abends 0,5 Grad: am 1. März: morgens — 3,9 Grad. Maximum 5,4 Grad, Minimum —5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. Februar: abends —0,6 Grad: am 1. März: morgens 1 —0,5 Grad. — Sonnenscheindauer 7 Stunden. ** „Das Dreimäderlhaus" alsDolks- oorftellung. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Auf Anfragen hin und um den Wünschen vieler Theaterbesucher Rechnung zu tragen, hat die Intendanz für Samstag, 11. März, eine nochmalige Wiederholung der beliebten Operette: „Das Dreimäderlhaus" angesetzt. Diese letzte Auf- führuna ist eine Dolksvorstellung zu kleinen Operet- tenpreifen. Wahlversammlungen veranstalten am morgigen Donnerstag die NSDAP. (Redner Abg. Klostermann), die Deutsche Volkspartei (Redner Abg. Dr. N i e p o t h) und die Zentrumspartei (Redner Abg- Prof. S t o h r). Zu den Versammlungen wird im heutigen Anzeigen- teil eingeladen. " Stahlhelm-Aufmarsch in Gießen. Anläßlich ber Wahlkundgebung der Kampffront Schwarz-Weih-Rot am Freitag, 3. März, veranstaltet die hiesige Ortsgruppe des „Stahlhelm" unter Vorantritt ber Stahlhelmkapelle einen Marsch durch die Stadt nach der Turnhalle am Oswaldsgarten. De Ausstellung erfolgt um 19 Uhr am Stahlhelmheim. Der Marsch geht in folgender Richtung: Kaiserallee,. Neuenweg, Del- tersweg. Westanlage, Bahnhofstraße. naplans- gaf'e, Kreuzplah, Schulstraße. Walltvrstrahe, Nordanlage, Dammstraße, Lindenplah, Kirchstraße, Pfarrgarten, Neustadt und Nordanlage. (Siehe heuttge Anzeige!) ** Feuer am Bahnhof. Gestern gegen 17.55 Uhr wurde vorn Vorstand des Bahnbetriebswerkes Gießen ein Dachbrand des auf Bahnsteig 4 N Prospekt mit gefälschter Bilanz zur Zeichnung von Aktien aufforderte, fei ein prägnantes Beispiel dafür, wie unser heutiges Strafrecht umgangen werden könne. Der Verteidiger Katzenellenbogens habe nämlich festgestellt, daß die erwähnte Aufforderung im juristischen Sinne als Drucksache zu gelten habe, da aber bei Drucksachen die BeanstandungsHüff na<$ sechs Monaten verjähre und diese Frist bei Eröffnung des Prozesses gerade verstrichen war. fei Katzenellenbogen frei- gesprochen worden. Gin weiteres übles Kapitel sei die Tatsache, daß Männer einer großen Zahl von Aufsichtsräten als Mitglied angehören. So habe es der Besitzer der Danatbank, Iakob Goldschmidt, auf über hundert Mandate in verschiedenen Aufsichtsräten gebracht. Di« Fo'ge davon sei, daß ein solches Dorstands- mitglieö überhaupt nicht in der Lage sein könne, fein Amt gewissenhaft zu verwalten. Ziel der Aktienrechtsreform müsse sein, geeignete Maßnahmen au treffen, die in Zukunft derartige Fälle unmöglich machten. Der DHV. fei der Ansicht, daß ein Recht, das durch Kunst- kniffe umgangen werden könne, kein Recht mehr sei. Es müßten klar gefaßte Richtlinien ausgestellt werden, die eine fiebere Auswahl der Ausfichts- ratsmiiglieder gewährleisteien. Ferner se e ne wesentliche Verschärfung der Strafrechtsbestimmungen herbeizuführen. Im August 1932 habe der DHV. dem Deutschen Reichstag eine Eingabe ein- gereicht, die einen Umbau des Wirtschastsrechtes fordere, und zwar: 1. Umbau des Rechtes der Aktiengesellschaften. Das geltende Recht sei abzuändern mit dem Ziel einer Verschärfung der persönlichen Haftung der Kapitalgeber, sowie insbesondere des Vorstandes und des Aufsichtsrates, ferner mit dem Ziel einer Erschwerung der kon- zernmähigen Verschachtelung und einer Verschärfung der Publizität und der bilanzmäßigen Offenlegung der Geschäftsvorgänge. In entsprechender Weise sei das Recht der GmbH, abzuändern. Der DHD. bekenne sich zu dem Grundsatz, daß in einer gesunden Privatwirtschaft die Gröhe der Gewinnmöglichkeit mit der Gröhe des Risikos im Einklang stehen müsse. Die Privatwirtschaft, die der DHV. auch heute noch in einem gesunden Privatwirtschaftsleben als unentbehrlich ansehe, könne ihre Vorzüge nur entfalten, wenn in ihr der Begriff der Verantwortung in feinem vollen Inhalt zur Geltung komme. Bornotizen. — Tageskalenber für Mittwoch: Ober- Hess. Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 15 bis 17 Uhr, Ausstellung. — Freiwillige Gailsche Feuerwehr: 20.15 Uhr, Forstwissenschafll. Institut, Brau- gaffe, Lichtbilder-Vortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Kampf um Blond". Der Fasching hatte es auch in unserer Stadt wieder vielen angetan. Die Straßen im Stadtzentrum waren gestern nachmittag von regstem Leben erfüllt. Im Seltersweg, am KreuAplatz, in der Mäusburg, in der Marktstraße und auf dem Marktplatz herrschte ein beängstigendes Gedränge. Aus und ab fluteten die Menschenmasfen, und gab es auch nicht viel zu sehen, so lohnte es sich doch, einige Zeit zu verweilen. Am Nachmittag beherrschten natürlich die Kinder das Feld und füllten die Straßen mit ihrem luftigen Treiben. Die halbwüchsige und die ältere Jugend war naturgemäß auch stark vertreten und erschien in mannigfachster Verkleidung: in bunter Aufmachung, einige mit der Ziehharmonika bewaffnet, zogen sie durch die Straßen. Von wirklich originellen Masken war allerdings nicht viel zu sehen. Manch« der Iugendlichen hatten wieder in Mutters ältester Kleiderliste gestöbert und sich daraus zurechtgemacht. Der alte Kinderwagen mit dem Riesenbaby spielte auch wieder eine Rolle, ferner war Ghandi wieder vertreten, und zwar erschien er diesmal mit dem Fahrrad. Er unterhielt die Passanten dadurch, daß er mit feinem knochigen, braun bemalten Gesicht den jungen Mädchen die tollsten Grimassen schnitt, so daß sich wohl niemand der urkomischen Wirkung entziehen konnte. In den Gaststätten herrschte schon am Rach- mittag lebhafter Betrieb. Zu dieser Zeit füllten in den größeren Caf6s die Kinder die Raume mit ihrer unbekümmerten Lebendigkeit. Der Abend und die Nacht aber gehörte den Erwachsenen. Man verbrachte die Stunden bei Musik und Tanz, bei aufgelegten Scherzen und kehrte meist erst zu früher Morgenstunde heim. Als die Sonne ihr Licht schon schräg in die Gassen warf, verzogen sich auch die letzten der bunten Gestalten in ihre Behausungen und überließen die Straßen den Straßenkehrern, für die der Aschermittwoch immer einen besonderen Arbeitstag bedeutet. Insgesamt ist sestzustellen, daß sich das Mas- tentreiben diesmal in kleinerem Umfang vollzog, als im vorigen Iahr. Die Fröhlichkeit schien ebenfalls um einige Grade gedämpfter, als in den Jahren vorher. Im Verlaufe des gestrigen Tages und der letzten Nacht kam es an einigen Stellen der Stadt zu Ereignissen, die die Polizei zum Eingreifen veranlaßten. Hierüber wird von der Landes- kriminalpolizeistelle Gießen folgender Polizeibericht audgegeben: .Am 28. Februar 1933, gegen 12 30 Uhr. wurden durch Nationalsozialisten an der Geschäftsstelle der Oberhessifchen Volks- zeitung zwei Aushängekasten entfernt und die Glasscheiben demoliert. Die beiden Kasten wurden mitgenommen. Es wurde beobachtet, daß sie in das Lokal Soldan geschafft wurden. Zu gleicher Zeit wurde der Aushängekasten der Oder- hessischen Volkszeitung am Hause Frankfurter Straße Nr. 25 ebenfalls durch Nationalsozialisten entfernt und beschädigt. Ein Radfahrer war mit diesem Kasten in Richtung Seltersweg gefahren. Der letztere Kasten wurde auf dem 2. Polizei- Bezirk sichergestellt und die zwei zuerstgenannten wurden der Oberhessischen Volkszeitung durch die Polizei wieder ausgehändigt. Im Laufe des Ta- ges erschienen Nationalsozialisten in der Lesehalle im Torhäuschen am Seltersweg und verlangten die Entfernung bestimmter Zeitungen. Um 22.20 Uhr wurden die beiden Schaufensterscheiben der Geschäftsstelle der KPD., Kirchenplatz Nr. 15, eingetreten. Der Tat verdächtig ist ein S«.- Mann aus Gießen. Um 23.30 Uhr sammelten sich aus Anlaß der Schaufensterdemolierung Kommu- nisten und Neugierige auf dem Kirchenplatze an. Hierauf soll ein SA.-Mann in der Wirtschaft Soldan mitgeteilt haben, die Kommunisten wollten in das Lokal Soldan einbringen. Ein Trupp SS.-Leute Feuerwehr wurde eine weitere Ausdehnung der Flammen auf die Nachbargebäude verhindert. Das Vieh tonnte gerettet werden, da der Brand bald von Strahenpassanten bemerkt worden war. Es wird Brandstiftung vermutet. Die Ermittelungen der Gendarmerie und der Landes- kriminalpolizeistelle sind im Gange. Der Schaden ist, wenn er auch durch Versicherung teilweise gedeckt fein mag, für den Betroffenen beträchtlich. Heute morgen gegen 5 Uhr fuhr der Landwirt Otto Wagner von Fellingshausen mit feinem Motorrad, in scharfem Tempo aus der Liebig- straße kommend, gegen das Gitter an der Nord- ost-Rampe der Reichsbahn in unmittelbarer Nähe der Anatomie. Der Fahrer blieb bewußtlos liegen und wurde durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Chirurgischen Klinik gebracht. Wie sich herausstellte. sind die erlittenen Kopfverletzungen nur leichterer Natur. Das Motorrad und das Gitter wurden schwer beschädigt. ** Schwerer Unfall eines Kindes. Gestern gegen 11.30 Uhr ereignete sich in ber Gießener Straße in Wieseck ein schwerer Unfall. Das fünfjährige Söhnchen des Zigarrensabrikanten B i e r a u wurde, anscheinend während es plötzlich die Straße überqueren wollte, von einem Kraftwagen überfahren. In schwerverletztem Zustand wurde aus Anordnung des herbeigerusenen Arztes Dr. Schmidt der bedauernswerte Knabe sofort in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht. Das Kind hat eine schwere Schädelverletzung erlitten; sein Zu stand ist bedenklich. Die Schuldfrage ist noch nicht völlig geklärt. Die Polizei ist mit den näheren Ermittelungen beschäftigt. •* Vereinigung der ehemaligen Angehörigen des Realgymnasiums Gießen. Man schreibt uns: Die Vereinigung veranstaltet am Samstag, 4. März, pünktlich 19.30 ilbr beginnend, einen Familienabend, zu dem alle ehemaligen Angehörigen der Schule eingeladen sind. Rach den Darbietungen wird getanzt. Das Fest ist so spät gelegt worden, weil es gleichzeitig eine Feier sein soll zu Ehren der diesjährigen Abiturienten und für ihren Eintritt in den Verein. Wir verweisen auf die Anzeige im morgigen Gießener Anzeiger. •* Oeff entliche Dücherhaile. 3m Februar wurden 1357 Bände ausgeliehen. Davon tarnen auf: Erzählende Literatur 905, Literaturgeschichte 4, Zeitschriften 30, Gedichte und Dramen 10, Iugendschriften 121, Länder- und Völkerkunde 94, Kulturgeschichte 11, Geschichte und Biographien 86, Kunstgeschichte 12, Naturwissenschaft und Technologie 25, Heer- und Seewesen 6, Hausund Landwirtschaft 2, Gesundheitslehre 11, Religion und Philosophie 18, Staatswissenschaft 18, Sport 1, Fremdsprachliches 3 Bände. Rach auswärts kamen 7 Bände. •• Die Vogtschen P r iv a t - Handelsschulen Gießen und Herborn beginnen mit ihren neuen Lehrgängen in Tages- und Abendkursen. Der Unterricht erstreckt sich — wie man uns schreibt — auf folgende Fächer: Handelskunde und Schriftverkehr, kaufmännisches Rechnen, Buchführung, Volkswirtschaftslehre, Wirtschaftsgeschichte, Wirtschaftsgeographie, Warenkunde, Deutsch, Literatur, Englisch, englische Handelskorrespondenz, französische Handelskorrespondenz, Staatsbürgerkunde, Stenographie Maschinenschreiben, Schönschreiben, Rund- und Pla- katschrist. Interessenten seien auf die heutige Anzeige hingewiesen. Kommunalwahlen. y Gedern, 28. Febr. Bei der am Sonntag durchgeführten De igeordneienwahl übten von 1385 wahlberechtigten Personen 1095, fast 80 Prozent ihr Wahlrecht aus. Davon entfielen auf Schmiedemeister Heinrich Beyer H27, au* Ludwig Freymann III. 472 und auf Wilhelm Rullmann III. 88 Stimmen. Acht Stimmen waren ungültig. Da kein Bewerber mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen erreichte, muß Stichwahl zwischen Beyer und Freymann stattfinden, die bereits auf den 12. März festgesetzt wurde. 0 Reichelsheim, 28. Febr. Bei der am Sonntag stattgefundenen Bürgermeister- Wahl wurde Beigeordneter Karl Beith im (Gießen—Fulda) stehenden Nebengebäudes, das von Wagenmeistern und Wagenputzern benutzt wird, bemerkt. Das Feuer dehnte sich, begünstigt durch den leicht brennbaren Dachpappenbelag, rasch aus. Die sofort alarmierte städtische Feuerwache traf wenige Minuten später an der Brandstelle ein. Kurze Zeit später war das Feuer in der Hauptsache ae- löscht. Der Schaden ist gering. Störungen des Fährbetriebes entstanden nicht. •• M i t dem Motorrad verunglückt. öeniten Sie an Stoffe, denken Sie an Bernard Erstlingswäsche! Für Mk. 13.65 eine Erstlings-Aussteuer im 67. Lebensjahre. Heuchelheim-Gießen, den 28 Februar 1933. 1475 V 1 Chemische Gesellschaft Gießen 1480 D Beachten Sie bitte meine Spezial-Ausstellung Markt 16 144 A 148/D Barzohlung.- 6 vorzugt. 1484V vL Stellenangebote Stellengesuche | | Empfehlungen 1467 A SONDERPREIS! 13 Feiner Heringsalat. .Pfd.50. >/^fd. Pfund 18 Fette zarte Bückinge Pfund 60 Mayonnaise fein illllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHllllllllllinilllllillli: bietet an 1482V Denken Sie an S&F Sparmännchens Osterüberraschung nicht voll beschäftigt 1302 A Filialen in allen Stadtteilen iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Limburg. 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Die Beerdigung findet Freitag, den 3. März, nach- m ttac-s 3 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt Stackrath & Bender, G. m. b. H., Möbeltransport, Walltor- Straße 53, T J. 3519. Samstag a. d. Lie- bigsböhe ob. bis zur Bahnhofstraffe [oiaio golDtnEStirniöanö verloren. Geg. gute Belohn, abzugeben. Wo. sagt d Gieff A illllllllllllllllllllllllllllllllll Detektiv K. Gerz, Ead-Nanhelm, Knr- straßelTerleöigtoUe vertrauliche Privat- u Geschäftsanaele- genbeiten, wie Lius- fünfte, Beobachtungen,Erm ttclungen, Beschaffung o. Be- we smat .in Straf- u. Zivilvroz streng diskr. Svrechst.: 9 b. 12'/, u. 3-6Uhr. «7,o lllllllllllllllllllllllllllllllllllt Vereine lirSlalilni B. d. F. 1473D Ortsgruvve Gießen Freitag, d. Z.Mnrz, 7 Uhr abeudö: Antreten in Kluft am Stahl- helmheim mit Kapelle, Spielmanns- zugu. Fahne. Kam. in Zivil am l.Flügel. Marsch d. die Stadt nach der Turnhalle (Oswaldsgarten) z. Teilnahme an der öffentlichen Walil- tundgebung der Kampffront Schwarz-Weist-Not mit 32 schönen Tellen, wie folgt: 3 Stück Hemdchen, gute Qualität.............. 3 Stück Jäckchen, Baumwolle, gestr............. 3 Stück Jäckchen, merzeresiert............... 6 Stück Mullwindeln, 2fach................... 3 Stück Wickeldecken, Molton................ 6 Stück Nabelbinden, dehnbar................ 3 Stück Einlegdeckchen, Molton.............. 1 Stück Gummi-Unterlage, 60/90 cm........ 1 Stück Fr ottS-Badetuch .................... 2 Stück Strampelhöschen mit Fuß.......... 1 Paar Erstlingsstrümpfchen, weiße Wolle ... 32 Teile Gemeinsame Sitzung am Donnerstag, dem 2. März 1933, 20.15 Uhr pünktlich, im großen Hörsaal des Chem sch. Institutes, Ludwigsiraße 21 t. Herr Dr. B. Element. Frankfurt a. Main : Neue Erkenntnisse über Kalziumphos- Shate, Apatite und die anorganische nöchensubstanz. 2. Herr Pro!. Dp. W. J. Schmidt, Gießen: Demonstrationen einiger Knochen- prä parate. 3. Geschättssitzung der Oberhessischen Gesellschaft für \atur- und Heilkunde Kassenbericht, Vorstandswahlen. Gäste willkommen! ueeD Weitz, Henneberg, Vorsitzende. Donnerstag, den 2. März 1933, nachmittags 2 hhr, versteigere ich im „Löwen", Neuenweg 28, dahier, zwangsweise gegen ca-'OO„^=x'fyX,enQsV»Ote ...... Jierwurst in Blasen.............Pfund 80 Streichleberwurst fein..........Pfund 90 Mettwurst in Ringen............Pfund 95 Preßkopf oberhessischer.........Pfund 95 Weiße Bohnen.................Pfund 10 Suppenreis grobkörnig..........Pfund 11 Linsen gutkochend......Pfund 16, 20, 26 Suppeneinlagen...............Pfund 40 ISüße, saftige Orangen 2 Pfund 33, 39 Feine Halbblut-Orangen . 2 Pfund 47 7-Zim.-Whg. 1. Stock amSelterS- weg mit Heizung, ar. Balkonu. Garten sonnigeLage, i. heft. Zustand, für Arzt od. Anwalt passend, sofort oder später zu vermieten. Schr Angeb. unter 01280 an den Gieff. Anz. Schöne, sonnige 6 Zimmsr-Wohnung 1.S1., Nähe d. Universität, z. om. Näh. 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März 1955 Zeitsragen des Mittelstandes. Oie Abschreibungen im Emkommensteuerrechi. Äon Steuerinspektor FreeS, Gießen. Aufwendungen für Anschaffung oder Herstellung von Gegenständen, deren Verwendung oder Nutzung durch den steuerpflichtigen sich bestimmunasgemäß auf einen längeren Zeitraum erstreckt, dürfen nach § 16 Einkommensteuergesetz nicht in dem Steuer- abschnitt der Anschaffung oder Herstellung voll abgezogen werden. Sie können vielmehr für einen Steuerabschnitt höchstens mit dem Betrag berücksichtigt werden, der sich bei Verteilung auf die Ge- amtdauer der Verwendung oder Nutzung ergibt. Die Absetzung für Abnutzung ist nur zulässig für Maschinen und sonstiges Betrievsinventar, für gewerbliche, literarische und künstlerische Urheberrechte, rür Gebäude, Be- und Entwässerungsanlagen und iischereiwirtschastliche Anlagen. Die Absetzungen bemessen sich nach der gemeingewöhnlichen Nutzungsdauer des Gegenstandes. Absetzungen für auherge- wohnliche Abnutzung in einem Steuerab,chnitt sind zulässig, bedürfen^ jedoch besonderen Nachweises. Die Absetzungen dürfen von keinem höheren als dem Anschaffungs- oder Herstellungspreis vorgenommen werden und sind nach Hundertsätzen zu bemessen. Die Frist zur Abgabe der Einkommen- steuer-Erklärung läuft am 15. März ab. Nach den in einem grundlegenden Urteil des Reichsfinanzhofes gestellten Leitsätzen besteht steuerrechtlich eine westergehende Aktivierungspflicht als handelsrechtlich: und zwar besteht für einen kaufmännische Bücher führenden Gewerbetreibenden wegen derjenigen Wirtschaftsgüter, die er gegen eine Aufwendung, regelmäßig also gegen eine Gegenleistung, erworben hat, steuerrechtlich eine Aktivierungspflicht dann, wenn sie nach allgemeiner Derkehrsanschauung an und für sich einer Bewertung zugänglich sind und nach eben dieser Verkehrsanschauung einen wesentlichen und über die Dauer des einzelnen Steuerabschnittes wesentlich hinausreichenden Wert für das gewerbliche Unternehmen besitzen. Darunter können geeignetenfalls auch solche Erwerbungen fallen, die weder körperliche Sachen sind, noch Rechte im bürgerlichen Sinne begründen. Grundgedanke der gesetzlichen Bestimmung ist, daß die Anschaffung derartiger Gegenstände nicht nur das Einkommen des Jahres der Anschaffung, sondern die Einkünfte mehrerer Jahre beeinflußt. Infolgedessen sind die Anschaffungskosten nicht Werbungskosten eines (des Anschaffungs-) Jahres, sondern mehrerer Jahre. Solche Vermögensgegenstände werden bei der Ertragserzielung 'ortlaufend verwendet, abgenutzt und allmählich oufgezehrt. Dementsprechend müssen die Anschaf- 'ungs- oder Herstellungskosten auf die mutmaß- iche Nutzungsdauer des Gegenstandes verteilt werden. Nach dem Maß, in dem die Gebrauchsfähigkeit eines solchen Gegenstandes im Steuerabschnitt abgenommen hat, sind die Teile des Anschoffungs- oder Herstellungspreises als Werbungskosten bei der jeweiligen Einkommensermittlung in Abzug zu bringen (Begründung zum Einkommensteuergesetz). Selbstverständlich können neben diesen Absetzungen für Abnutzunoen Ausgaben für die Wiederherstellung eines Gegenstandes (Reparaturen) in dem Steuerabschnitt, in dem sie aufgewendet worden sind, voll abgezogen werden. Handelt es sich dagegen um Aufwendungen, durch die ein vorhandener Gegenstand vermehrt oder verbessert wird, so sind diese ebenso wie Aufwendungen für die Herstellung neuer Gegenstände zu behandeln. Derartige Aufwendungen erhöhen somit den Anschaffungsoder Herstellungspreis, deshalb können auch hiervon Absetzungen für Abnutzung gemacht werden. Haben die bei einem Gegenstände im Lause der Jahre vorgenommenen Absetzungen für Abnutzung die Höhe des Anschaffungs- oder Herstellungspreises erreicht, dann sind weitere Absetzungen für den gleichen Gegenstand auch dann nicht mehr zulässig, wenn er -über die gemeingewöhnliche Nutzungsdauer hinaus noch zu Betriebszwecken verwendet wird. Bei Bemesiung der Abschreibungen sind nach der Rechtsprechung des Reichsfinanzhofes sowohl der technische Verschleiß, als auch die wirtschaftllche Nutzungsdauer zu berücksichtigen. Das bedeutet, daß neben der mechanischen Abnutzung auch noch die lleberholung durch Aufkommen von neuen Gegenständen und somit wirtschaftliche Verluste an den allen Gegenständen in die Höhe der Abschreibungen einzurechnen sind. Die Antwort zu der Frage, auf welchen Zeitraum die Aufwendungen zu oerteUen sind, d. h., wie hoch die Abschreibungen auf einen Gegenstand jährlich zu bemessen sind bzw. auf wie lange die Möglichkeit der Erzielung eines wirtschaftlichen Nutzens zu ver- anschlagen ist. richtet sich nach den Erwägungen, die ein vorsichtig überlegender und vernünftig wirtschaftender Kaufmann in diesem Falle anstellen würde. Die Bilanzen der Kaufleute sind Erfolgsbilanzen: sie richten sich, soweit bei Bemessung von Abschreibungen eine Vorausschau in die Zukunft in Betracht kommt, danach, wie lange voraussichtlich die zu beurteilenden Gegenstände mit Nutzen und Erfolg verwendet werden können (Urteil des Reichs- finanzhofes vom 4.2. 1931). Nach diesem Urteil muh jedoch z. B. das Aufkommen besserer, technisch hochwertiger Maschinen nicht notwendig die völlige Entwertung der vorhandenen Maschinen zur Folge haben. Die Beschaffung der besseren Maschinen hat eine Erhöhung der Rentabilität des Betriebes dann nicht zur Folge, wenn die Anschaffung der neuen Maschinen zu teuer ist, die gleiche Rente daher unter Fortbenutzung der alten Maschinen erzielbar ijt. linier Berücksichtigung dieser Umstande ist die mutmaßliche Nutzungsdauer eines jeden Gegenstandes zu schätzen: jedoch find auch durchschmtt- liche Absetzungrsätze nach einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von Gegenständen gleicher 21rt zulässig- Man versteht unter der Nutzungsdauer Den Zeitraum von der Anschaffung oder Herstellung des Gegenstandes bis zu dem Zeitpunkt, in dem der Gegenstand für seine bestimmungsmäßige Nutzung unbrauchbar wird. Gemein- gewöhnlich ist die Nutzungsdauer, die weder über, noch unter normaler Benutzung liegt. Ergibt sich später, daß die Schätzung der gemein- gewöhnlichen Nutzungsdauer nicht haltbar ist. so ist sie zu berichtigen, aber nicht rückwirkend, sondern in der Well?. daß der noch nicht abgeschriebene Nest des Anschaffungs- oder Herstellungspreises auf die nach der neuen Schätzung Loch zu erwartende Nutzungsdauer verteilt wird (Kommentar Struh). Bei den Schätzungen der gemeingewöhnlichen Nutzungsdauer ist insbesondere von der durch die Betriebsersahrung festgelegten Nutzungsdauer, die die wirtschaftliche Nutzungsdauer darstellt, auszugehen. Ergibt zum Beispiel eine derartige Schätzung, daß ein Gegenstand 20 Jahre verwendbar ist, so sind die Absetzungen für Abnutzung bei Anwendung gleichmäßiger Absehungssähe jährlich auf 5 Prozent des Anschaffungs- oder Herstellungspreises zu veranschlagen. 3n seinem Urteil vom 1.3ufi 1931 hat jedoch der Neichssinanzhof, gestützt auf ein Gutachten des Industrie- und Handelstages, ausgeführt, daß er nicht, entgegen verbreiteten Gewohnheiten der Kaufmannschaft, annehmen könne, der § 16 Abs. 2 Satz 2 des Einkommensteuergesetzes wolle nur eine gleichmäßige Absetzung vom An- schasfungspreis zulassen. Das Wort Verteilung fei vielmehr im Sinne einer angemessenen Verteilung des Anschaffungspreises aufzufassen, zu- Durch die Verordnung des Neichspräsidenten über den landwirtschasllichen Vollstreckungsschuh und die Ausführungsverordnung vom 14. Februar 1933 ist eine grundlegende Neugestaltung dieser Materie erfolgt. Der Vollstreckungsschuh soll neben der Erhöhung der Zollsätze zur Gesundung der Landwirtschaft beitragen, keineswegs als ein vollständiges Heil-, sondern als ein Linderungsmittel. Die Neuregelung bildet insofern eine Umkehrung des bisherigen Zustandes, als generell kraft Gesetzes alle schwebenden Zwangsversteigerungsverfahren gegen landwirtschaftliche Betriebe eingestellt werden. Der Landwirt braucht wegen der Einstellung keinerlei gerichtliche Schritte mehr zu unternehmen, um in den Genuß des neuen Vollstreckungsschutzes zu gelangen. Vielmehr muß jetzt der Gläubiger den Antrag aus Fortfetzung des Zwangsversteigerungsverfahrens stellen und die erforderlichen Nachweise erbringen, wenn er das Verfahren durchführen will. Grundsätzlich wird mit dem 3nfrafttretcn der neuen Verordnung die Durchführung aller Zwangsver steige- r ungen landwirtschaftlicher Grund- stücke bis zum 31. Oktober 1933 gehemmt. I. Einstweilige Einstellung von Zwangsversteigerungen. Die gesetzliche Einstellung von Zwangsversteigerungen bis zum 31. Oktober 1933 umfaßt sämtluche Verfahren zum Zwecke der Versteigerung landwirtschaftlicher, forstwirtschaftlicher und gärtnerischer Grundstücke, einschließlich derjenigen, der Fischerei und der Nebenbetriebe, ilnö zwar ist es für die vorzunehmende Einstellung gleichgültig, ob die Zwangsversteigerung vor oder nach dem Inkrafttreten der neuen Vorschrift angeordnet war. Selbst wenn der Zuschlag dem Steigerer be - reits erteilt, aber noch nicht rechtskräftig war, muß die Einstellung erfolgen, und das Vollstreckungsgericht hat den Zuschlagsbeschluh von Amts wegen aufzuheben. Die gesetzliche Hemmung kann aber dann nicht eintreten, wenn der erteilte Zuschlag bereits rechtskräftig war, d. h. wenn es dagegen kein Nechtsmittel mehr gibt. « Es können trotzdem auch unter dem neuen Recht noch neue Anträge auf Zwangsversteigerung gestellt werden. Aber automatisch mit der gerichtlichen Anordnung wird die Durchführung bis zum 31. Oktober 1933 gehemmt. Vor diesem Zeitpunkt hat der Landwirt nichts zu veranlassen, es ist vielmehr der 3nitiative des Gläubigers überlassen, ob et im Einzelfall das Zwangsversteigerungsverfahren durchführen will, was unter gewissen Voraussetzungen auch jetzt noch möglich ist. Die vorzeitige Fortsetzung des Zwangsversteigerungs - Verfahrens kann nur auf einen besonderen Antrag eines Gläubigers erfolgen, und zwar in folgenden Fällen: a) Es muß sich um Gläubiger handeln, die aus einer Hypothek oder einer Grundschuld oder einem sonstigen dinglichen Rechte, die an erster Stelle stehen, Zwangsversteigerung be- treiben. Oder die Hypothek, Grundschuld oder das dingliche Recht muß einer Landschaft, Hypothekenbank, öffentlichen Sparkasse, oder einem anderen 3nftitut zustehen, das sich nach gesetzlicher Vorschrift oder nach der mit Genehmigung der Etaatsaufsichtsbehörde erlassenen Satzung mit Gewährung langfristiger Kredite befaßt. Ein solcher Gläubiger kann dann den Antrag auf Fortsetzung der Zwangsversteigerung stellen unter der Voraussetzung, daß der Schuldner bei Inkrafttreten der Verordnung mit wiederkehrenden Leistungen (z. B. Zinsen oder Tilgungsbeiträgen) im Rückstand war und nach diesem Zeitpunkt mit einem weiteren Betrag im Rückstand bleibt. Das Gericht soll, wenn ihm dies nach Lage des Falles angemessen erfcheint, dem Schulliner zur Zahlung eine Nachfrist sehen. Kommt der Schuldner dieser Auslage rechtzeitig nach, so ist der Antrag des Gläubigers auf vorzeitige Fortsetzung des Verfahrens abzulehnen. b) Den Antrag auf vorzeitige Fortsetzung des Verfahrens können weiter diejenigen Gläubiger stellen, die die Zwangsversteigerung wegen einer Forderung aus einem dem Schuldner gegebenen Kredit betreiben, der zur Deckung der Betriebsausgaben für die Zeit nach dem 30. 3uni 1931 gewährt worden war, oder wegen einer Forderung aus einer für ben."Betrieb nach dem 30 3uni 1931 bewirkten Lieferung (z. B. von QBaren, Maschinen, Futter- und Düngemitteln usw.), oder einer sonstigen Leistung (z. B. Fuhr- und Transportleistungen, Reparaturen, Echeuerbau usw ). Aber auch in den Fällen a und b ist der Antrag des Gläubigers auf vorzeitige Fortsetzung des Verfahrens dann vom Gericht abzulehnen, wenn der landwirtschaflliche Schuldner zur Zahmal auch in der Betriebswirtschaftslehre keineswegs die gleichmäßige Abschreibung vom Anschaffungswert als allein berechtigt angegeben wird. Der Re.chsfinanzhof erkennt an, daß in vielen Fällen die gleichmäßige Absetzung vom Anschaffungswert ausreicht. Bei Geltendmachung einer anderen Absehungsart ist von Amts wegen zu prüfen, ob sie den Verhältnissen nicht besser gerecht wird, als eine gleichmäßige Verteilung Ein willkürlicher Wechsel in den Absehungsarten kommt jedoch nicht in Frage. Von den Absetzungen für Abnutzung sind die Abschreibungen für Wertminderung zu unterscheiden. Der Steuecpslichtige hat das Recht, für den Schluß des Steuerabschnittes an Stelle des Anschaffungs- oder Herstellungspreises den niedrigeren gemeinen Wert und an Stelle des angesetzten gemeinen Wertes den um die Absetzungen für Abnutzung verminderten Anschaffungs- oder Herstellungspreis anzusehen, wenn dieser niedriger ist- lung der Schuld aus den im Betrieb gewonnenen Erzeugnissen außerstande ist, 1. infolge außergewöhnlicher Verluste durch Unwetter, Viehseuchen oder ähnlicher Ereignisse, 2. infolge eines durch Pen allgemeinen Preisstand bedingten wesentlichen Rückgangs des Erlöses für feine Erzeugnisse. c) Ferner ist dem Antrag eines Gläubigers auf vorzeitige Fortsetzung des Verfahrens dann ftatt- zugeben, wenn das Gericht nach Anhörung der unteren Verwaltungsbehörde der Lieberzeugung ist, daß von dem Schuldner eine ordnungsmäßige Wirtschaftsführung bis zur Einbringung der Ernte nicht zu erwarten ist. Dies ist nach § 4 der Verordnung dann anzunehmen, wenn der Schuldner wegen seiner Verpflichtungen auf wiederkehrende Leistungen, wie unter a) aufgeführt, dem Gläubiger innerhalb des letzten 3ahres vor dem 3ntrafttreten dieser Verordnung nicht mindestens ein Viertel (2 5 Prozent) der in dieser Zeit fällig gewordenen Beträge gezahlt hat. Don der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns mit geteilt: Bei den Zwecksparkassen, die man streng von den Bausparkassen unterscheiden muß, handelt es sich um eine neue Form kommerzieller Erscheinungen in Handel und Gewerbe. Die Vertreter der Zwecksparkassen behaupten, daß es sich bei ihnen um eine gesunde Selbsthilfebewegung handele, mit der man gegen die allgemeine Kreditnot ankämpfe. Man will dieses Ziel auf dem Wege des kollektiven Sparens erreichen. Die Zwecksparkassen sind erst ab 1929 entstanden, und zwar zu- einem Zeitpunkt, als man die Bausparkassen unter Deichsaufsicht stellte. Sie wollen Darlehen vermitteln zum Ankauf von Möbeln, Maschinen, Mus finftrumenten, Ausstattungen aller Art, und behaupten, daß hierdurch neben der Hebung des Spargedankens auch manchem Geschäftszweig ein gewisser Nutzen zufliehe. Genaue Zahlen über die vorhandenen Zwecksparkassen liegen noch nicht vor. Man schätzt ihre Zahl auf 250 bis 300 Kassen, die sich namentlich im Westen und Süden des Reiches aufgetan haben. Die Zahl der Sparer wird auf etwa 60 000 angenommen, die Sparbeträge werden auf etwa 52 Will. Mark geschätzt. Don den etwa 300 Zwecksparkassen sollen nach eigenen Angaben des Zwecksparkassen-Verbandes 250 sog. Zwerg- Sparkassen mit wenigen hundert Sparern sein. Die Not der Zeit und die Verarmung weitester Kreise der Bevölkerung bilden den Boden für solche Neugründungen. Es wird von den wenigen Zwecksparkassen, die auf einigermaßen gesunder Grundlage arbeiten, selbst zugegeben, daß die vorgenannten 250 Zwerg-Sparkassen sofort verschwinden würden, wenn die vom Zentral- und Prüfungsverband der Zwecksparkassen e. 03., Berlin, selbst vor geschlagenen Maßnahmen burchgefübrt würden, da die geforderte finanzielle Grundlage und meist auch die Sachkenntnis und Zuverlässigkeit der ßeiter fehle. Wenn man berücksichtigt, daß diese von dem eigenen Verband vorgeschlagenen Maßnahmen mxh lange nicht ausreichen, um die gewünschte Sicherheit zu leisten, so ist damit eigentllch schon das Urteil über die Zwecksparkassen im allgemeinen gefällt Trotzdem soll man die Bedeutung und die toerbenbe Kraft, die in den Zwecksparkassen liegt, nicht verkennen Aber man muß die Gefahren einmal auf zeichnen, die in ihnen liegen. Handelt es sich wirllich um Spar lassen? Bei 200 Mark Spargeld müssen monatlich z. 2. 3,85 Mark oder jährlich 47,45 Mark aufgebracht werden Das macht in 5 3ahren einschl. Zins und und Zin- feszins 262 Mart Diese 262 Mark gelten als Derwaltungskosten. Dazu kommt noch das Eintrittsgeld und, wenn die Kasse als Genossenschaft aufgezogen ist, rwch die Uebemahme eines Geschäftsanteils. Der kleine zeitliche Nutzen, der dem Sparer durch das Darlehen gewährt wird, wird weit überwogen durch die Nachteile in geldlicher Beziehung. Aus diesem ganz einfachen Beispiel geht hervor, daß man eigentlich nicht von Sparen reden kann und daß man den Namen „Sparkasse" unter allen Umständen verbieten mühte, denn in diesem Wort liegt eine 3rrefüfjrung. Dadurch, dah den Sparern zinslose oder niedrig verzinsliche Darlehen versprochen, trotzdem aber hohe 2er- waltungsspeien und Gebühren berechnet wurden, die die Beiträge der ersten 3ahre verschlingen, wird der gesunde Sparsinn unterbunden und das Vertrauen in die alten, soliden Sparinstitute Wird von einem Gläubiger nach a) 618 c) ein Antrag aus vorzeitige Fortsetzung des Verfahrens gestellt, so hat das Gericht die Parteien vor seiner Entscheidung über den Antrag zu hören. Tatsächliche Angaben bedürfen nur der Glaubhaftmachung (nicht des Beweises). Gegen die Entscheidung des Gerichts über die Zulassung oder Ablehnung des Antrags ist als Rechtsmittel die s o f o r t r g e B e s ch w e r d e gegeben. Vor der Entscheidung über die Beschwerde ist der Gegner zu hören. Eine weitere Beschwerde findet nicht statt. Wird ein Antrag auf Anordnung der Zwangsversteigerung in landwirtschaftlichen Grundbesitz nach bem 3nfrafttretcn der Verordnung gestellt, fo kann damit der Antrag auf Fortsetzung des Verfahrens vor dem 31. Oktober 1933 verbunden werden. II. Zwangsvollstreckung in bewegliches vermögen. Hier wird streng unterschieden zwischen dem beweglichen Vermögen, das als Betriebsvermögen anzufehen ist, und demjenigen Vermögen, das nicht betriebszugehörig ist. 3n das nicht betriebszugehörige Vermögen kann nach wie vor unbeschränkt vollstreckt werden, ebenso in die Lufusgegenstände, die zum Hausrat des landwirtfchaftlichen Schuldners und seiner Familie gehören. Weitgehenden Vollstreckungsschutz genießt aber von jetzt ab das Vermögen, (das zum landwirtschaftlichen Betri eb gehört. Es umfaßt alle beweglichen Sachen, die zu einem landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen oder gärtnerischen Betrieb gehören, einschließlich der damit verbundenen Nebenbetriebe. Auch der Hausrat des Detriebsinhabers und seiner Familie gehören dazu, jedoch mit Ausnahme von Luxusgegenständen. Pfändungen von solchen zum Betrieb gehörigen Gegenständen sind bis zum 31. Oktober 1933 unzulässig. Das Gleiche gilt von der Zwangsvollstreckung in Forderungen, die dem Schuldner aus der Veräußerung der in seinem Betrieb gewonnenen Erzeugnisse zustehen (z. B. Forderung aus Vieh, Viehprodukten, Milch, Butter, Käse, Getreide, Hackfrüchte, Gras-, Grummet-Verkäufen usw.) und in Barmittel und Guthaben, foweit sie der Schuldner zur ordnungsmäßigen Fortführung seines Betriebes oder zur Erfüllung der auf seinem Grundstück lastenden Verbindlichkeiten oder seiner Pachtzinsverpflichtungen braucht. Abtretung und Aufrechnung sind für Den erneut erschüttert. Aber gerade in Krisenzeiten hat der kleine Sparer ein Recht auf größeren Schuh. Bei den Bau sparkassen, die der Staatsaufsicht unterstehen, sind die Gefahren um deswillen geringer, weil bei diesen die Sicherheiten durch den Eintrag, erststelliger Hypotheken gegeben sind. Bei den Zweck sparkassen unterliegen aber die Objekte (Möbel, Masch'nen, Musikinstrumente usw.), selbst wenn der Eigentumsvorbehalt vor- ßanben ist, der Abnutzung, chre Veräußerungsmöglichkeit ist viel größer und die Lleberwachung kostspielig und schwierig. Wenn bann in solchen Fällen auch noch vom Darlehensnehmer eine Bürgschaft verlangt wirb, bann wirb bas Wort „Sparen" noch mehr seinen Sinn verlieren. Die Verlustmöglichkeiten sind mithin bei den Zwecksparkassen, selbst wenn sie solide geleitet werden, sehr viel größer, als bei den Bausparkassen. Die Verluste treffen aber in der Hauptsache die Sparer, weil die Eigenkapitalien der Zwecksparkassen meist nur gering sind. Zu diesen sachlichen treten aber auch noch persönliche Momente, denn an der Spitze der Zweck- fparkassen stehen meist keine erfahrenen Kaufleute. Die Kölner Handelskammer hat im vergangenen Jahre 30 in ihrem Bezirk bestehende Zwecksparkassen untersucht und bei etwa 20 festgestellt, daß Vorstands- unb Aufsichtsratsmitglieber einmal unb auch mehrmals fruchtlos gepfänbet waren, ben Ofsenbarungseid geleistet hatten, ober gegen sie Haftbefehl erlassen war. Wenn auch zugegeben wirb, baß einzelne, aber nur ganz wenige, gesunde iln erncßmungen bestehen, gegen die zur Zeit keine Bedenken vorliegen, so muß doch gesagt werden, daß die Schattenseiten dieser neuen Unternehmungen die Lichtseiten bei weitem übertreffen. Der Reichstag, der Preußische Landtag, zahlreiche Handelskammern, der Deutsche Sparkassen- und Giroverband haben in Eingaben und Denkschriften zu dem Problem der Zwecksvar- kafsen Stellung genommen, und wenn auch in unterem hiesigen Bezirk — soweit dies fest- gestellt werden konnte — noch keine Zweckspar- kasse ihren Sitz hat, so sind doch zahlreiche Agenten in unserem Handelskammerbezirk tätig, die den auswärtigen Zwecksparkassen'Sparer zuführen. Hier mahnend aufzutreten, ist unsere Pflicht. Dor allem muß gefordert werden, baß die staatliche Aufsicht mit tunlichster Beschleunigung auf bie bestehenben Zwecksparkassen ausgedehnt wirb. Wenn bas Reichswirtschaftsministerium aus Mangel an Gelb und geeigneten Prüfern dazu nicht in der Lage sein sollte, bann müßten b e neuernannten Wirtschaftsprüfer her- ange^ogen werden. Ob ein allgemeines Verbot möglich unb angebracht ist, kann bezweifelt werben. Einmal würbe es bem Prinzip ber Gewerbefreiheit wibersprechen, bann aber auch würden durch ein solches Verbot zahllose Sparer ihr ganzes Geld verlieren. Neugründungen von Zwecksparkassen sollte man allerdings vorläufig untersagen, bis die bestehenden nachgeprüft und saniert oder liquidiert sind. Besteht bann noch ein Bebürfnis, bann sollten solche Neugrünbungen nur mit staatlicher Gene- migung unb nach genauer Prüfung burch bie zuständigen Hanbelskammern möglich fein. Nur unpersönliche Gesellschaften mit genügenbem Eigen!apikal bürsten zugelassen werben. Veröf- fentl'chung ber Bilanzen nach Prüfung burch fach- verstänbige Wirtschaftsprüfer müßte zur Bedingung gemacht werden. Schleuniges Handeln ist notwendig, wenn nicht unserem sparenden Publikum schwerer Schaden erwachsen soll. Landwirlschafilicher Vollstreckungsschuh und Gläubigerrechle. Äon Rechtsanwalt Gg Lind, Gründerg i. £>. Zwecksparkassen. irtschafi 1. 2. 3. Bei Unbehagen, Giefeener Konzert verein I Die ^eichstagswahl Sonntag, den 5. März 1933, 17 Ubr. Universitäts-Aula I Ottt 5* DlOFj *1933* Achtes Konzert — Klavier-Abend Der Vorstand. liehst eingeladen 147 D f Wahlversammlung noch nie gesehen hat 1«?»C 68 Der Vorstand I472D J3g7 'Wir (1,25 und 2 m lg.) 10 rm. 341 310 75 6 1160 Das Unkostenbeitrag: 40 Pf. Erwerbslose 10 Pf. In eilen Apotheken erhältlich zum Preise von RM. 0.93, 134, 138. Nur echt mit dem Namenszug auf jeder Packung. N.S D.A.P., Gießen. „Wolkenstürmer“ Kataloge und Prospekte । uetert die Brühl'scne Druckerei Hbu.-Nutzrollen = 10 rm. Fi.-Stämme Kl. la bis 4a = 12 fm, »Stangen I. bis IV. Kl. = 451 Stück. Distrikten: Ei.»Stämme Kl. 2 = 1,37 fm; »Nutzscheit Holzversteigerung der Gemeinde Ahboch am Dienstag, dem 7. März 1933, vormittags 9 Uhr, in der Gastwirtschaft Lail 1476V 47 Eichen-Stämme Klasse 2 bis 7 mit 27,43 fm 4 Buchen-Stämme Klasse 3 bis 4 mit 1,76 fm 7 Roterle-Stämme Klasse 2 bis 3 mit 2,50 fm 3 Fichten-Stämme Klasse 4b bis 5b mit 5,00 fm 4 Kiefern-Stämme Klaste 3a und 3b mit 2,74 fm Lichtspielhaus-Gießen Heute nun letztenmal der große Kriminaltonfilm vom I Mädchenhandel I „Kampf um Blond“ Ab Donnerstag Ein Großfilm, wie ihn die Welt ■ Gewissen Beschränkungen unterliegt nach § 9 die Zwangsvollstreckung wegen folgender Ansprüche: Steuern und andere öffentlichen Abgaben ein- Ludwig Heep, Rechtsanwalt Privat. Goethestraße 48 p. Ich habe mich in Gießen als Rechtsanwalt niedergelassen. Mein Büro befindet sich SELTER SWEG 83U FERNRUF 2084 Schuldner auch hinsichtlich dieser Dermögensteile möglich. Rach § 8 findet der Dollstreckungsschutz keine Anwendung auf die Zwangsvollstreckung wegen 1. gesetzlicher Hnterhaltsansprüche nach dem 31. Dezember 1932, 2. Ansprüche auf Lohn, Kostgeld oder andere Dienstbczüge der Bediensteten, 3. Ansprüche aus Versicherungsverträgen für den Detrieb, 4. Ansprüche gemäß § 1 der Notverordnung zur Sicherung der Frühjahrsdüngung und Eaat- gutbesorgung vom 23. Januar 1932 und 19. Ianuar 1933. Deutsche Voltertei Biegen Am Donnerstag, dem 2. März 1933, abends 8 *4 Uhr, im Hotel Hindenburg Mitgliederversammlung Es spricht Landtagsabgeordneter Bürgermeister Dr. Niepoth, Schlitz, über: „Die politische Lage". Alle Mitglieder und Freunde der Partei sind herz- I nähen • sticken - kurbeln - zeichnen machen Hohlsaum - Wir fertigen Gardinen und Matratzen an >455 a 117 Fichten-Stangen 1. Kl., 30 Stück 2. Kl. 29 Stuck 3. Kl. rm Eichen-Nutzknüppel (2 bis 4 m so®’ schließlich der Beiträge zur Sozial- und Arbeitslosenversicherung ab 31. März 1932, die nach dem Inkrafttreten dieser Verordnung fällig gewordenen Leistungen von Rechten, wie sie unter la) erwähnt sind, Forderungen aus Krediten, die zur Deckung der Betriebsausgaben für die Zeit nach dem 30. Iuni 1931 gewährt sind, oder aus Lieferungen oder sonstigen Leistungen, die für den Detrieb nach dem 30. Iuni 1931 bewirkt sind. Werden wegen solcher Ansprüche Zwangsvollstreckungen in das betriebszugehörige Vermögen betrieben, so sind sie von dem Gericht dann aufzuheben, wenn 1. die untere Verwaltungsbehörde bescheinigt, daß dem Schuldner, hierdurch die Mittel entzogen werden, die er zur ordnungsmäßigen Fortführung der Wirtschaft bis zur Ernte 1933 nicht entbehren kann und außerdem 2. der Schuldner eine Gewähr dafür bietet, daß er diese Mittel zur ordnungsmäßigen Fortsührung der Wirtschaft verwenden werde. Zur Wahrung der Gläubigerinteressen kann das Gericht die Aufhebung der Zwangsvollstreckung davon abhängig machen, daß sich her Schuldner einer Aufsicht unterstellt, auf die die bereits vorhandenen Vorschriften Anwendung finden. Diese Aufsicht endet mit dem 31. Oktober 1933. Besonders wichtig für Gläubiger landwirtschaftlicher Schuldner sind die Vorschriften des § 10 der Verordnung: Der Gläubiger einer Forderung, für die ihm ein Pfandrecht an einer beweglichen Sache oder an einem Rechte des Schuldners zusteht, ist nach wie vor berechtigt, auch wenn sich dieses Pfandrecht auf das betriebszugehörige Vermögen des Schuldners erstreckt, trotzdem d i e Zwangsvoll st reckung in den Pfand- gegenständ zu betreiben. Das gleiche gilt für die Befriedigung aus Gegenständen, die dem Gläubiger von dem Schuldner zur Sicherheit übereignet sind, oder an denen der Glä b'ger ein Zurückbehaltungsrecht hab Solche Pfandgegenstände genießen nicht den neueingeführten Vollstreckungsschutz. Das Offenbarungseid-Verfahren gegen landwirtschaftliche Schuldner bis zum 31. Oktober 1933 ist vollständig neu geregelt worden. Von dem landwirtschaftlichen Schuldner kann in der Zeit bis zum 31. Oktober 1933 die Leistung des Osfenbarungseids nach § 807 ZPO. nur noch unter folgender Voraussetzung verlangt werden: Der Gläubiger muß glaubhaft machen, dah der Schuldner außer seinem zu dem Betrieb gehörenden Grundbesitz und den betriebszugehörigen Gegenständen noch s o n st i - ges Vermögen besitzt. Im Gegensatz zu früher brauchen bis zum 31. Oktober 1933 die zu dem Detrieb gehörigen Sachen nicht mehr in das Vermogensverzeichnis ausgenommen zu werden. War vor dem Inkrafttreten der Verordnung gegen einen Schuldner zur Erzwingung des Offenbarungseides die Haft angeordnet worden, so ist dec Haftbefehl aufzuheben. Der Schuldner muh hierzu einen besonderen Antrag stellen, dem das Gericht nachkommen muß, wenn nicht dec Gläubiger glaubhaft macht, daß noch sonstiges Vermögen des Schuldners vorhanden ist. Das Gericht muß dem Gläubiger von Amts wegen eine Frist sehen, innerhalb der er die Umstande des Vorhandenseins von sonstigen Vermögen, das nicht zum Detrieb gehört, glaubhaft zu machen hat. . III. Dah durch besondere Vorschriften über Zwangsvoll st reckung gegen Siedler deren Rechte weitgehend gewahrt sind, sei der Vollständigkeit halber erwähnt. Zum Schluß sei noch darauf hingewiesen, daß die Verordnung vorerst eine nur bis zum 1.Oktober 1933 begrenzte Gültigkeit hat und kaum eine endgültige Lösung bedeuten wird. Bringt sie auch für die landwirtschaftlichen Schuldner ein meh rmonatiges Zahlungsmoratorium, so wird sie auf der anderen Seite den landwirtschaftlichenRe- alkredit sehr stark einschnüren, da sie neuen Kreditgebern vorerst die Möglichkeit nimmt, durch Vollstreckungsmaßnahmen den Schuldner zur Zahlung des Kredits heranzuziehen. Die Geldinstitute werden für die nächste Zukunft dec Landwirtschaft kaum neue Kredite einräumen, solange der Vollstreckungsschuh in der gegenwärtigen Form fortbesteht. Hier wirft sich die Zweifelsfrage auf, ob eift Kreditnehmer aus der Landwirtschaft seinem Geldgeber gegenüber a u f den landwirtschaftlichen Vollstrek- kungsschuh Verzicht lei st en kann und ob eine solche Verzichtsleistung gültig ist. Hierzu sei folgendes bemerkt: Ein solcher Verzicht ist im Einzelfall rechtlich möglich und kaum zu beanstanden. Der landwirtschaftliche Vollstrek- kungsfchutz ist ein Schutzrecht des Schuldners, und dec Verzicht au, diesen Schuh ist die freiwillige Aufgabe dieses Schuhrechts. Ein D e r - b o t eines derartigen Verzichts ist in der Rot- .Verordnung nicht enthalten; der Verzicht verstößt auch nicht gegen die guten Sitten oder eine gesehliche Vorschrift. Er wird deshalb gültig sein. Dieser Auffassung kann allerdings entgegenlang) rm Eichen-Scheit und »Knüppel „ Buchen-Scheit und »Knüppel „ Nadelholz-Knüppel „ Erlen-Knüppel „ Eichen» und Buchen-Reifer. Nutzholz kommt zuerst zum Verkauf. 1476D Atzbach, den 27. Februar 1933. Der Gemeindevorsteher. Berlin fester. Berlin, 1. März. (WTB. Funkspruch.) Bei recht kleiner Unternehmungslust aller am Börsenge- schäft beteiligten Kreise zeigte sich in 9er Burgstraße eine durchaus freundliche Grundstim- m u n g. In der Hauptsache verwies man auf die durch die Notverordnung gegen kommunistische Ge» waltakte eingetretene Beruhigung und die zuversichtlichere Stimmung in Wallstreet, die auch durch die Entwicklung der amerikanischen Bankenkrise nicht beeinträchtigt werden konnte. Die Anfangsnotierungen lagen nicht ganz einheit- lich, da an einigen Märkten die Limiteerneuerunaen nicht rechtzeitig vorgenommen worden waren. Im allgemeinen überwogen die Besserungen, die jedoch nur vereinzelt mehr als 1 v. ch. betrugen. So gewannen Schlesische Bergbau und Elektrische L-iefe- rungen je 1,25 v. H. Farben und die führenden Elektropapiere wurden etwas lebhafter umgesetzt. Etwas stärker gedrückt waren Schultheis mit minus 1,25 d. Sy und Akkumulatoreyfabrik mit minus 2. d. Sy Im Verlaufe wurde die Tendenz ganz allgemein belfer. Die Gewinne der führenden Papiere betrugen bis zu 1 v. H. BMW. und Kaliaktien waren bis zu 1,50 d. Sy fester. In Conti- gummi bemerkte man Deckungen, da die Meldungen über eine 2prozent. Dividendenkürzung nicht bestätigt sein sollen. Dieses Papier gewann sogar 2 d. Sy Das Geschäft nahm im allgemeinen kein größeres Ausmaß an. Aschaffenburg Zellstoff erschienen mit Minus-Zeichen und wurden bis zum Kassakurs ausgesetzt. Die beabsichtigte Stillegung des Werkes Walsum hatte etwas Angebot ausgelöst, für das sich schwer Abnehmer fanden. Der Kurs dürfte etwa 4 bis 5 v. Sy niedriger bei 20 v. H. liegen. Deutsche Anleihen lagen etwas freundlicher, auch Reichsschuldbuchforderungen gingen bis zu 0,25 v. H. über gestern um. Variable Industrieobligationen waren nicht einheitlich, während die übrigen festverzinslichen Märkte vorwiegend freundlichere Veranlagung zeigten. Bei Ausländern waren Anatolier mit einem Gewinn von ca. 0,50 o. H. zu er- wähnen. Der Geldmarkt war auch heute noch verknappt, und zwar infolge von Lombardrückzahlungen. Tagesgeld stellte sich an der unteren Grenze Zentrumsiiartei Gieren Donnerstag, 2. März 1933, abends 8l/4 Uhr gehalten werden, dah der Zwangsvollstreckungsschuh ja nicht dem einzelnen Landwirt zugute kommen soll, sondern als gesehliche Maßnahme Aur Gesundung der gesamten deutschen Landw ixt schäft anzusehen ist. Aus diesem Gesichtspunkt heraus kann es zweifelhaft erscheinen, ob ein solcher, Einzelverzicht wirksam ist. Iedenfalls sei der Vollständigkeit halber auf diese Zweifelsfragen hingewiesen. Diese Streitfrage wird die Oeffent- lich.eit bald beschäftigen, und eine Stellungnahme von maßgebender Seite hierzu wäre von allgemeinem Interesse. Zwangsversteigerung Am Donnerstag, dem 16. Mär; 1933, vormittags 10 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude zu Gießen, Zimmer 112, das im Grundbuche von Gießen a) dem Heinrich Weber in Gießen zu b) der karollne Weber, geb. Carle, dessen Ehefrau, zu V» zugeschriebene Anwesen Friedrichstraße 3 Flur 6, Nr. 1052/w = 192 qm hofreite, geschätzt 21840 Reichsmark, versteigert. Die amtsgerichtliche Verfügung ist an der Ortstafel Bergstraße 20, Stadthaus, zur Einsicht ausgehängt. 13670 Gießen, den 22. Februar 1933. I. A. des Amtsgerichts Gießen: Leo, Ortsgerichtsvorsteher. Cafe-Reftaurant „Bürgerhof“ Ab Donnerstag, den 2. März 1933 Neue Kapelle M7|D „Die temperamentvollen Pawlows.“ Die Wahlhandlung (Abstimmung) zur Reichstagswahl findet am Sonntag, dem 5. Mär; 1933, ununterbrochen von 9 bis 18 Uhr statt. Zur Stimmabgabe dürfen nur amtlich hergestellte Stimmzettel, die alle zugelassenen Kreiswahlvorschläge unter Angabe der Partei (Kennwort) und die Namen der ersten Bewerber jedes Vorschlages enthallen, verwendet werden. Die Ausgabe der amtlichen Stimmzettel und Wahlumschläge erfolgt im Wahlraum. Die Abstimmungsbezirke der Stadt Gießen mit Gemarkung Schiffenberg und Herrnwald, die Abstimmungsräume, die Namen der Abstimmungsoorsteher und deren Stellvertreter sind aus dem Aushang in den amtlichen Aushängekasten, und aus dem Aushang in der Alten Klinik, ßiebig» strahe 16, im Allen Rathaus Marktplatz Nr. 14, im Stadthaus, Gartenstraße 2, und im Stadthaus, Bergstraße 20, zu ersehen. Es ist untersagt, im Wahlraum oder in dessen Zu» oder Eingänaen Plakate irgendwelcher Art (Wahlaufrufe usw.) anzu- bringen. 1464C Das Wahlergebnis für den 19. und 20. Wahlbezirk (Kliniken, Kranken- und Pflegeanstallen) wird nach beendeter Wahlhandlung im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer 8 und 9, festgestellt. Die Ausstellung von Stimmscheinen für solche Wähler, die sich am Wahltage aus zwingenden Gründen außerhalb ihres Wahlbezirks aufhalten, erfolgi bis einschließlich Samstag, den 4. März 1933, 17 Uhr, durch das Städtische Wahla.nt, Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 14. Die Entgegennahme der Stimmscheine hat durch die Wahlberechtigten, die sich über ihre Person genügend ausweisen müssen, selbst zu geschehen. Sind dritte Personen mit Entgegennahme eines Stimmscheins beauftragt, so müssen sie sich durch Vorlage einer Vollmacht des Wahlberechtigten aus- weisen. Gießen, den 1. März 1933. Bürgermeisterei Gießen. I. D.: Dr. Hamm. auf 5, zum Teil auch 4,90 v. 5). Zn Privatdiskonten, Reichswechseln per 24. Mai und Reichsschatzanweisungen per 16. Oktober war das Geschäft ziemlich ruhig, hoch konnte man geringe Nachfrage feststellen. Frankfurt still, aber freundlich. Frankfurt a. M., 1. März. (WTB. Drahtmeldung.) Die bereits an der Abendbörse auf Grund der Erholungen an den Auslandsbörsen, insbesondere Reuhork, vorherrschende gebesserte Stimmung blieb auch zu Beginn des heutigen Verkehrs erhalten und erfuhr im Verlaufe noch eine Bekräftigung. Die neue Rotverordnung der Reichsregierung zum Schuhe von Volk und Staat hat in bezug auf die innerpolitische Lage beruhigend gewirkt. Da aber von der Kundschaft keine nennenswerten Orders vorlagen, hielt sich das Geschäft in ziemlich engen Grenzen. Rur auf einigen Spezialgebieten ging es zeitweise etwas lebhafter zu. Die Kursgestaltung gegenüber der Abendbörse war nicht ganz einheitlich, jedoch auf Deckungen der Kulisse, die in den letzten Tagen infolge der amerikanischen Vorgänge etwas vorgegeben hatte, überwiegend etwas fester. ' Am Montanmarkt lagen Rheinstahl lebhaft 'und 1,4 Prozent höher, Stahlverein gewannen 0,5 Prozent, Phönix blieben behauptet, während Buderus Eisen 1 Prozent, Gelsenkirchen 0,4 Prozent und Otavi-Minen 3,4 Prozent nachliehen. Am Elektromarkt eröffneten AEG. 0,13 Prozent und Schuckert 0,4 Prozent höher, 2icht und Kraft und Siemens lagen unverändert. Von Chemiewerken fetzten IG.-Farben mit 108,6 Prozent 0,5 Prozent höher ein und zogen später bei relativ lebhaftem Geschäft auf 109,5 Prozent an. Rütgerswerke plus 0,5 Prozent, Scheideanstalt unverändert 157,5 Prozent. Von Kunstseideaktien lagen Bemberg 0,75 Prozent niedriger, dagegen Aku 0,9 Prozent fester. Schisf- fahrtspapiere zogen um 0,25 Prozent und Daimler um 0,5 Prozent an. Contigummi lagen zunächst nochmals 0,5 Prozent schwächer, im Verlaufe besserten sie sich jedoch um etwa 1,5 Prozent auf 122 Prozent, da die Gerüchte von einer Dividendensenkung um 2 Prozent auf 6 Prozent bisher keine Bestätigung erfahren haben. Am Rentenmarkt lagen Altbesitz 0,9 Prozent, späte Reichsschuldbuchforderungen 0,5 Prozent und Reubesitz etwa 0.1 Prozent hoher. Goldpfandbriefe tendierten auch heute uneinheitlich bei Abweichungen von 0,25 bis 0,50 d. Sy nach beiden Seiten. Liquidationspfandbriese und Kommunalobligationen blieben meist offeriert und gaben etwa 0,50 v. Sy nach. Das Geschäft war aber sehr klein. Staats- und Stadtanleihen lagen kaum verändert. Von Jndustrieobligationen gewannen Stahlverein 0,50 v. Sy Am Auslandsrentenmarkt lagen Anatolier 0,75 v. Sy fester. In der zweiten Börsenstunde schrumpfte das ©e- schäft auf ein Minimum zusammen, doch blieben die erhöhten Kurse ziemlich gut behauptet. Wilhelm Backhaus Werke von Beethoven und Brahms Der Bechstem-Konzert-Flügel ist aus dem Pianohaus Schönau, Selters weg. Eintrittskarten: 2, 3 und 4 RM. bei Ernst Challier und abends an der Kasse. Studentenkarten RM. 1— bei Herrn Sekretär Ritter und im neuen Studentenhaus. 1385D Nationalsozialistische Wahlkundgebung---- Donnerstag, 2. März, abends 8 Uhr, im Caf6 Leib 1. Uebertragung der Hitlerrede v. Berlin (Lautsprecheranlage) 2. Filmvorführung „Der Brand um Moskau" „Hithr in Hamburg“ 1471 d 3. Klostermann, m. „. l., spricht: „Mit Hitler für Deu schland" im Katholischen Vereinshaus (Liebigstr.) Redner: Landtagsabgeordneter Proi.Stohr. Mainz _____________Brü ckmann._____________ Brenn- und Nutzholzverkauf. Staatsoberförfterei Srofdorf. Montag, den 6. Mär,, um 9 Uhr, bei Gastwirt klinket, Sdenyausen a.d. Lahn. Försterei Salzböden, Distrikt 65, 73a 74, 69b, 73c, 76b und Totalität. Försterei Waldhaus, Distrikt 55a, 56. 1477D Ei.-Scheit - 47 rm, »Knüppel = 187 rm, -Reis. III 205 rm. Du.-Scheit = 204 rm, -Knüppel -- 303 rm, Reis. III 1353 rm. Fi.-Scheit = 45 rm, -Knüppel -- 48 rm, Reis. 111 220 rm. Etwa von 2 Uhr ab Nutzholz aus obigen