Nr. 124 Erstes Matt 189. Jahrgang Mittwoch, 31. Mai 1939 Erschein* täglich, antzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Eiehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen vru« und Verlag: vrühische UniverfitStsdruckerei «.Lange in Sieben. Schristlettung und Seschästrftelle: Schnkftrabe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/.UHr des Dormittags Srnndpretfe für 1 mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/„ mehr. Ermähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- il behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Hamburg in Erwartung der deutschen Spanien-Freiwilligen Die Fahne der Legion Condor in den spanischen Farben rot-gelb trägt auf der anderen Seite auf roKgelben Streifen das spanische Staatswappen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) 3n Vigo wurden die deutschen Freiwilligen der Legion Condor auf den Schiffen der KdF. Flotte eingeschifft, mit der sie nach Hamburg zurückkehrten. Unser Bild zeigt deutsche Freiwillige bei der Einbootung auf das KdF.-Schifs „Robert Ley". — (Scherl-Bilderdienst-M) Dor dem Bahnhofsgebäude wird Göring mit stürmischen Heilrufen begrüßt. Unter den Klangen eines Fliegermailches schreitet der Oberbefehlshaber der Luftwaffe die Front der Ehrenkompanien der Luftwaffe ab. Infolge des dichten Nebels auf der Unterelbe hat sich das Eintreffen der K d F. - F l o t t e mit den Spanienfreiwilligen an Bord um einige Stunden verzögert. Die Empfangsfeierlichkeiten in Hamburg haben infolgedessen eine zeitliche Verschiebung erfahren. Generalfeldmarschall Göring wird nunmehr gegen 10.30 Uhr die V o r b e i f a h r t der Heimkehrerflotte vor Neumühle abnehmen. Gegen 12 Uhr werden dann die Schiffe a n ihren Anlegeplätzen eintreffen. Noch der Begrüßung auf der Ueberseebrücke wird sich Hermann Göring zur Besichtigung der Ausstellung „Segen des Meeres" begeben. Der Vorbeimarsch der deutschen Freiwilligen vor Generalfeldmarschall Göring auf dem Karl- Muck-Platz wird kurz nach 15 Uhr stattfinden. Die Feier st unde auf der Moorweide be- cjinnt um 16.30 Uhr. Gegen 17.15 Uhr fährt General- seldmarfchall Göring von der Moorweide zu dem Empfang im Hamburger Rathaus, von wo er kurz vor 20 Uhr dieRückfahrt zum Dammtor-Bahnhof antritt. Etwa gegen 20 Uhr^wird der Sonderzug des Generalfeldmarschalls die Hansestadt verlassen. Iburg" besteigen wird, um die Dorbeifahrt der ^Kraft-durch-Freude-Flotte mit den Spanienfreiwilligen abzunehmen, an den großen Anlegestellen der Ueberseedampfer, den St. - Pauli - Landungsbrücken, ferner am Dammtor-Bahnhof sowie auf dem Adolf- Hitler-Platz stauen sich Zehntausende in freudiger Erwartung. Jubelnd werden die Kompanien der Luftwaffe bei ihrem Aufmarsch begrüßt, und als der Sonderzug des Generalfeldmarfchalls um 6.30 Uhr in die festlich geschmückte Halle des Dammtor- Bahnhofes einrollt, erhebt sich ein Sturm brausender^ Heilrufe. Der Generalfeldmarschall, in dessen Begleitung sich Generaloberst Milch befindet, verläßt den Sonderzug und wird auf dem Bahnsteig von Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, Reichsstatthalter Gauleiter Kaufmann und Bürgermeister K r o g - mann herzlich willkommen geheißen. Don der Luftwaffe sind zur" Begrüßung des Generalfeldmarschalls erschienen: Die beiden ehemaligen Kommandeure der deutschen Legion, General der Flieger Sperrte und General der Flieger V o l k m a n n, ferner der Chef der Luftflotte II und Oberbefehlshaber Nord, General der Flieger Felmy, der Kommandeur im Luftgaukommändo XI, Generalmajor Wolff. Das Heer ist vertreten durch den Kommandierenden General des X. Armeekorps, General der Kavallerie Knochenhauer, und die Kriegsmarine durch den Admiral der Kriegsmarine-Dienststelle Hamburg, Vizeadmiral Wolf. Mit der Legion Condor kreuz und quer durch Spanien. Von Hauptmann i. G. d. H. Meyer. Nach dem Sturz des Königreiches im Jahre 1931 trieb Spanien mehr und mehr dem Bolschewismus entgegen. Die Mißwirtschaft der roten Republik und zunehmende sowjetrussische Einflußnahme in Spanien ließen in einigen tatkräftigen Generalen den Entschluß reifen, diese Republik gewaltsam zu stürzen und wieder ein nationales Spanien aufzurichten. Die Anhänger der nationalen Bewegung scharten sich um den Politiker Calvo Sotelo und um die Generale Sanjurjo, Franco und Mola. Als im Juli 1936 Calvo Sotelo in Madrid durch Mörderhand fiel, flackerte vorzeitig und an vielen Orten die nationale Revolution auf. General Sanjurjo, der im Flugzeug von Portugal sofort nach Spanien eilte, stürzte auf diesem Fluge ab und verunglückte tödlich. Da stellte sich General Franco, der Kommandeur der in Spanisch-Marokko' befindlichen Truppen, an die Spitze der nationalen Bewegung und rief zum Kampf gegen die rote Regierung auf. Das Ziel seines Kampfes war die Niederwerfung des Bolschewismus und die Schaffung eines gesunden, neuen nationalen Spaniens. Der vorzeitige Ausbruch der nationalen Erhebung führte an vielen Stellen zum Mißerfolg, lieber die Hälfte des Landes blieb in den Händen der Roten. Garnisonen fielen, Offiziere und Beamte wurden hin- gemetzelt, Priester und Bürger in Massen gemordet. Bald entschlossen sich Deutschland und Italien, Franco in seinem Kampf gegen die rote Republik zu unterstützen, um die Ausbreitung des Bolschewismus in Westeuropa zu verhindern und fein Uebergreifen auf die eigenen, von dieser Geißel befreiten und andere europäische Länder unmöglich zu machen. Nach kurzer Zeit schon schickte Mussolini ein freiwilliges Korps in Stärke von etwa 50 000 Mann nach Spanien, Milizsoldaten, Soldaten, Abessinienkämpfer. Schon im Juli 1936 waren auch deutsche, zunächst zahlenmäßig schwache Spezialtruppen als Freiwillige nach Spanien gegangen, gaiize -85 Mann, die fünf Tage zu ihrer Reise brauchten. Gleichzeitig flogen 2 0 Ju n k e rs-Tr a n s p o r t ma sch i n e n nach Spanien, so daß das Freiwilligenkorps als reines Transportunternehmen aufgezogen werden Der erste Gruß auf hoher See.j Das Ehrengeleit der Kriegsmarine. Cuxhaven, 30. Mai. (DNB.) Die deutsche Kriegsmarine hat den aus Spanien in die Heimat zurückkehrenden deutschen Legionären mehrere Verbände der Flotte entgegengeschickt, um ihnen das Ehrengeleit in die Heimat zu geben. Zehn Meilen östlich von Borkum-Feuerschiff sammelten sich in der Frühe des Dienstag die zu diesem Geleit beorderten Flottenoerbände der Kriegsmarine Panzerschiff „Admiral Graf Spee" mit dem Befehlshaber der Panzerschiffe, Vizeadmiral Marschall, an Bord, Panzerschiff „Admiral Scheer", die VI. Torpedobootsflottille und drei Boote der IV. Zerstörer-Flöt- 1 title. Gegen 9 Uhr tauchen rechts voraus die Umrisse der fünf KdF. - Schiffe, die die Spanienlegionäre an Bord haben, im Dunst des Horizonts auf. An der Spitze liegt „Robert Ley", bann folgen „Wilhelm Gustloff", „Der Deutsche", die 1 „Stuttgart" und die „Sierra Cordoba". Alle Schiffe haben über die Toppen geflaggt. Dom Vortopp weht stolz die Flagge der deutschen Legion. An der Reeling sind die Mannschaften in Pa- 1 radeaufstellung angetreten. Auf den KdF.-Schiffen ; stehen die Legionäre auf dem Deck in Reih und . Glied. In Kiellinie geht es an der KdF.-Flotte vor- 1 bei. Die Flaggen werden gedippt, und drei kräf- ' tiye Hurras fchallen von hüben und drüben weit über die See. Voran das Panzerschiff „Admiral Graf Spee", rechts die VI. Torpedobootsflottille, links die Boote der IV. Zerstörerflottille, den Beschluß macht das Panzerschiff „Admiral Scheer". So geben die Schisse der deutschen Kriegsmarine der KdF.-Flotte mit den Freiwilligen an Bord das Geleit in die Heimat. Gegen abend kommt Land in Sicht: Cuxhaven. Eine unzählbare Menschenmenge aus der Landungsbrücke, auf den Kaimauern und an den Usern bringt den Legionären begeisterte Ovationen. Vor Cuxhaven geht die Flotte vor Anker, um dann kurz nach Mitternacht unter dem Geleit der VI. Torpedobootsflottille und des Panzerschiffes „Admiral Graf Spee" die Fahrtelbaufwärts in den Hamburger Hafen anzutreten. Görings Eintreffen in Hamburg. Hamburg, 31. Mai. (DNB. Funkfpruch) Deutschlands Welthafenstadt ist schon feit den Nacht- tunben in fiebernder Erwartung, als erste Stadt des Reiches den Männern der deutschen Legion Condor den Willkommensgruß entbieten zu können. Die Hansestadt hat ihr schönstes Festgewand angelegt, um die deutschen Legionäre würdig zu ernp- fangen. Ein leuchtender Maimorgen überstrahlt die langen Reihen der Flaggenmasten, von denen die Farben des Dritten Reiches und das leuchtende Rotgoldrot des nationalen Spaniens harmonisch vereint herabfließen. In Neumühlen, wo Generalfeldmarschall Göring die Dacht „Ham- Zreimde an allen Grenzen. Zum jugoslawische« Staatsbesuch in Berlin Wenn ein Staatsmann sagen kann, daß er feinem Land den Frieden gefichert hat, bann dar er stolz und befriedigt auf feine Arbeit schauen. Prinzregent Paul von Jugoslawien ist zu einem solchen Stolze berechtigt. Sein Land kennt heute an allen feinen Grenzen nur Freunde. Zugleich hat sich Jugoslawien aus allen Pakt- und Sicherheitsverstrickungen herausgehalten ober gelöst, die es in Streitigkeiten hineinziehen könnten, an denen es weder interessiert ist noch bei denen es etwas gewinnen könnte. Es war denn auch bezeichnend, daß die Londoner Einkreisungsmacher bei ihrer inflationistischen Vergebuna mehr oder minder wertloser Garantiescheine Jugoslawien verschonten, weil sie genau wußten, daß Prinzregent Paul und die von ihm mit den Staatsgeschäften beauftragten Männer einen solchen faulen Scheck zurückweifen. In Belgrad weiß man nicht erst seit Abschluß des deutsch-italienischen Bündnispaktes, daß das Reich Adolf Hitlers und der Staat Mussolinis auf die Dauer gesehen die allein mitbestimmenden Faktoren in Südosteuropa sind. Alle englischen, französischen oder sowjetrussischen Störungsoersuche sind auch in den Augen der maßgebenden jugoslawischen Politiker deshalb schon zum Scheitern verurteilt, weil sie den von der Natur geschaffenen geopolitischen Grundgesetzen zuwiderlaufen. Kein Staatsmann in Südosteuropa hat dies wohl klarer und vor allem eher erkannt als P r i n z r e g e n t Paul, der den Kurs des jugoslawischen Staatsschiffes entsprechend bestimmte. Dies bedeutet keineswegs, daß er sich damit — wie mißgunsterfüllte „demokratische" Blätter schreiben — in das Schlepptau der Achse begeben hätte. Jugoslawien ist vielmehr erst durch den Ordnungswall, der heute Europa von Flensburg bis Palermo in mehrere hundert Kilometer- breite durchzieht, von lästigen und den Staats- intereffen abträglichen Bindungen verschiedenster Art befreit worden und kann nunmehr ohne Furcht vor westlerischer Einmischung eine feinen eigenen Interessen dienliche Politik treiben. Daß es dabei selbstverständlich die Tatsache berücksichtigt, daß Deutschland und Italien seine unmittelbaren und zugleich mächtigsten Nachbarn sind, die drei Fünftel seines Außenhandels bestimmen und zudem mit zwei weiteren Nachbarstaaten (Ungarn und Bulgarien) enge Beziehungen unterhalten, kann eigentlich niemand wunbernehmen. Wenn aber Prinzregent Paul bar- Ü6er hinaus noch erreicht, daß dieses autnachbar- liche Verhältnis zur ehrlichen Freundschaft erweitert wird, erweist er damit nicht nur seinem Lande einen Dienst, sondern fördert zugleich den europäischen Frieden, denn je mehr solcher von jeder Unwettergefahr befreiter und geschützter Zonen in Europa geschaffen werden, desto schneller nähern wir uns dem vom Führer und Duce erstrebten Frieben ber Gerechtigkeit. Eine solche klare, zielbewußte und zugleich für die Wohlfahrt Jugoslawiens ersprießliche Politik müßte eigentlich den uneingeschränkten Beifall — mindestens des eigenen Landes — finden. Dies ist auch immer mehr der Fall. Allerdings mußte/ sich Prinzregent Paul anfangs gegen den heftigsten Widerstand ehrlicher und auch bezahlter Widersacher, die sich als außenpolitische Sachverständige ausgaben, durchsetzen. Eine gewisse von Intrigen und Hilfs- aeldern ihrer demokratischen Freimaurerbrüder lebende Politikasterschicht wollte diese Entwicklung hintertreiben. Sie wollten, baß Jugoslawien ben Spuren des Herrn Benesch folge, sich mit Moskau „verständige" und ben verlorenen Haufen der Landsknechte Englands gegen die beiden „faschistisch-nazistischen Tyrannen" abgcbc. Prinzregent Paul hat aber in echter soldatischer Einstellung, bie ein Gmndzub des jugoslawischen Königshauses der Karageorgewltsch ist, seinen einmal gefaßten Entschluß durchgehallen, wozu nicht unwesentlich bei getragen haben mag die strikte Ablehnung, die sein Haus den neuen Machthabern der Sowjetunion entgegenbringt, denen in Belgrad bie Ermordung der mit den Karageorgewitschs eng befreunbeten und verwandten Zarenfamilie nicht verziehen wird. Verwandtschaftliche Bande knüpfen die Familie des Prinzregenten auch an Dänemark, Deutschland und England, da seine Frau, eine griechische Prinzessin, dem dänischen Königshaus Schleswig-Holstein-Son- derburg-Glücksburg entstammt, und eine ihrer Schwestern mit dem Grafen Toerring-Iettenbach in München, die anbere mit dem Herzog von Kent, einem Bruder König Georgs von England, verheiratet ist. Zu dem staatspolitischen Weitblick, der soldatischen Entschlußkraft gesellt sich bei dem Prinzregenten noch ein großes künstlerisches Interesse. Eines der schönsten Museen Südosteuropas, bas im Belgrader Konak (Stadtschloß) untergebracht ist, trägt zu recht seinen Namen, denn er bat cs auf- gebaut. Don seinen früheren kulturgeschichttichen Studien her gilt er als Fachmann auf manchen . Gebieten der bildenden Kunst. Eine besondere Förderung haben durch ihn die talentierten jugoslawischen Bildhauer und Maler erfahren. Aber auch den anderen Künsten schenkt er sein besonderes Interesse. Dor allem ist er an ber Architektur interessiert. Seine beiben Schlösser, bas Weiße Palais bet Belgrad und das in Slowenien gelegene Lanb- fchloß Brdo, wurden nach seinen eigenen Entwürfen i gebaut bzw. umgestaltet. Auch bei ber Neu Planung : und dem Umbau Belgrads ist er als Ratgeber und । Anreger tätig. Seiner Initiative ist es zu verdanken, j daß ber Schöpfer des Reichssportfelbes Werner I March mit dem Dau eines gewaltigen Sta - • dions am Fuße ber über dem Zusammenfluß von 5 Donau und Save gelegenen „Weißen Burg" be- i traut wurde. Dr. Gruber. ( W Unv Die Führer der deutschen Freiwilligen Links: General der Flieger Sperrte, Mitte: Generalmajor von Richthofen und rechts General der Flieger Volkmann. h o f e n, ist ein Schlesier, der 1895 im Kreise Strie- gau geboren wurde. Er wurde auf der Hauptkadet- tenanstalt in Grotz-Lichterselde erzogen und hat im Kriege dem Jagdgeschwader Rittmeister Manfred, von Richthofen angehört. Rach dem Kriege besuchte er Technische Hochschulen und promovierte zum Dr.- Jng., bann war er in führenden Stellen des Reichs- luftfahrtministeriums tätig. Als er Januar 1937 Chef des Generalstabes des Führungsstabes der Legion Condor wurde, wurde er wegen seiner hervorragenden Leistungen bald zum Oberst befördert und nach dem Rücktritt des Generals Volkmann im November 1938 zum Befehlshaber zugleich mit der Beförderung zum Generalmajor berufen. grenzt wird. Hier herrschen heiße Sommer und strenge Winter. Durch die geringen Niederschläge und die Baumarmut bedingt, glaubt man sich häufig in die Steppen Nordafrikas versetzt. Nur die Regengüsse im Frühjahr und Herbst verwandeln die Landschaft in grünes Land. Sonst ist alles grau und farblos. Auch die aus ungebrannten Lehmziegeln erbauten Dörfer haben diese düstere Farbe des Erdreichs. Aber wie eintönig und verlassen einem diese endlose Landschaft mit ihren vereinzelten Olivenhainen auch am Tage erscheinen mag, so lebendig und farbenfroh erwacht sie allabendlich bei I Sonnenuntergang, wenn die rötlichen Färbungen des Erdreichs im Westen mit dem übervollen Farbenreichtum des Abendhimmels verschmelzen. Und schnell bricht bann bie Nacht herein. Cubas, bieses kleine Dorf mit ben wenigen Land- Häusern Mabrider Familien, war von ben Ein- wohnern verlassen. Nur ein paar alte Männlein unb Weiblein waren zurückgeblieben; alles anbere hatte ben Ort vor der Besetzung der nationalen Truppen räumen müssen. So machte die Ortschaft mit ihren von den Roten vor dem Abzug gänzlich ausgeplünderten Häusern einen unsagbar traurigen Eindruck. Wenn hier die Roten nicht mit Feuer gearbeitet hatten, so hatten sie dies zum Befehlshaber der Legion Condor ernannt wurde. Als er im Oktober 1937 von diesem Kommando zurücktrat, wurde fein Nachfolger in Spanien der General der Flieger V o l k m a n n , der aus Die- denhofen stammt, wo er 1889 geboren wurde. Er hat in verschiedenen Eigenschaften hen Weltkrieg mitgemacht. Auch er wurde nach dem Kriege in das Reichswehrministerium und nach 1933 in das Luftfahrtministerium versetzt. Nach seinem Rücktritt wurde er General der Flieger und Kommandeur der Lustkriegsakademie Der letzte Befehlshaber der Legion Condor, Generalmajor Wolfram Freiherr von Richt- desto gründlicher bei dem in der unmittelbaren gebung gelegenen Nonnenkloster der «Welligen Johanna" getan. Das gesamte Kloster war nach Vertreibung der Nonnen angezündet und völlig vernichtet worden. Den Rest besorgten die Regengüsse des Frühjahrs und des Herbstes. Als stummer Zeuge roten Vernichtungswillens ragen die Klosterruinen in die endlose Landschaft. In dieses Cubas war mit den vordersten Teilen der siegreichen nationalen Truppen bie deutsche Das Deutsche Spanievkreuz mit Schwertern, das in Bronze, Silber und Gold verliehen wird. (Scherl-Bilderdienst-M.) Gruppe im Hechst 1936 eingerückt. Es waren Freiwillige der deutschen Wandertruppe, Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Pan- zerabwehr — und Panzerwaffe. Neben ständiger Frontoerwendung, sei es als Frontpatrouillen, die täglich die Erkundungsergebnisse aus vorderster Linie zurückbrachten, sei es im Einsatz ober bei Angriffen in Verbinbung mit nationalspanischer Panzerabwehr ober Panzern, lag bie Hauptaufgabe in ber Ausbilbung b e r Spanier an bissen mobernen Waffen. So ist Cubas währenb bes ganzen Krieges das Ausbildungslager von Ersatz für die gesamten spanischen Panzerabwehr- und Panzereinheiten gewesen. Oeuischspanische Kameradschaft in Panzerkamps und Panzerabwehr Don Hauptmann Zausa, Kommando der Panzeriruppenschule. Front bildete sie spanische Flieger, Flak-Artilleristen, die spanische Panzertruppe und später in befände-1 ren Schulen Soldaten unb Offiziersanwärter fast aller Waffen aus. Nachdem die Kämpfe um Madrid im Stellungskrieg erstarrt waren, nahm die Legion Condor mit schwachen Teilen der Lustkraste an der Schlacht von Guadalajara teil. Nach dem Abbrechen dieser Schlacht wurde die Legion an die Nordfront verlegt; dort sollte sie, geführt durch den tatkräftigen General «Sperrte, :n engem Zusammenwirken mit spanischen Truppen, | besonders den Navarra-Brigaden (später Korps Navarra), entscheidende Bedeutung gewinnen. Graben auf Graben auf den schroffen Höhen des Baskenlandes wurde von den Fliegern ber Legion | Conbor mit Bomben unb Maschinengewehren angegriffen, um ber Erdtruppe ben Weg zu bahnen. Die Panzerleute ber Legion halfen der spanischen Panzertruppe beim Einsatz unb in ber Pflege I der Panzerkampfwagen. Die Luftnachrichten-» truppe sorgte für ausgezeichnete Nachrichtenver-1 tnnbungen für bie Luftwaffe,, Erbtruppen und höheren Stabe. Die Flak-Artillerie schützte den Oberationsraum und verstärkte wesentlich bie schwache spanische Artillerie; sie hat neben bem Luftschutz gerade auch im Erdkampf Außerordentliches geleistet. In dieser Zusammenarbeit nahmen die verbündeten Truppen in treuer Waffenbrüderschaft ein Stück des Baskenlandes nach dem andern. Bilbao, wurde erobert — und schon ging es weiter auf | Santander. Da brachen südwestlich von Madrid starke rote Truppen auf Brunete durch unb drohten bie nationale Front süblich Mabrib auf» zurollen. In wenigen Stunden wurde bie motorisierte Legion Condor aus der Schlacht im Norden herausgezogen unb an bie Mabribfront geworfen; Teile ber Navarra-Brigaben folgten. Nach tage langen, auch für die Legion Condor verlustreichen Kämpfen, wurde die Lage bei Brunete wiederhergestellt. — Fast ununterbrochen rollende Bomben- und Tieffliegerangriffe, sowie das Schnellfeuer ber Flakartillerie auf bie roten Erdtruppen hatten wesentlich bazu bei getrauert, ben Feind zu zermürben unb unter starken Verlusten zurückzuwerfen. Von Brunete ging es sofort wieder an bie Front von Santanber. Während italienische von Mallorca aus über weite Entfernungen gehenbe Angriffe auf rotspanische Küstenplätze wie Barce- Iona, Tarragona, Valencia, Cartagena, Almena usw. aus. In ben schweren Kämpfen am unteren Ebro im Herbst 1937 sehen wir sie wieder in ben Gebirgen des Ebro, wie sie ein Jahr vorher bei ben Kämpfen ostwärts Zaragozas schon gefochten hatte. Entscheidend wie im Norden bei Bilbao und tn Asturien wirkte die Legion Condor mit allen ihren Teilen wieder bei der großen O f fensive auf Katalonien mit, die die endgültige Ueberlegen- heit der nationalspanischen Truppen sicherte. Fast pausenlos flogen wieder deutsche Jäger, Bomber und Aufklärer einzeln und in Gruppen tief in das feindliche Land hinein. Rastlos feuerte bie Flakartillerie. Neben ihren Erfolgen auf der Erde konnte sie manchen Flugzeugabfchuß buchen. Oft sah man bie 2-cmFlakgeschütze aus ber vordersten ßime auf rote Widerstandsnester schießen. Der Weg ber Leuchtspurgeschosse zeigte ihre Treffsicherheit und erschütterte jeden Widerstand. Wieder waren alle Teile ber Legion unter der Führung des Generals | d. Richthofen an entscheidender Stelle tätig, Die spanischen Auszeichnungen für bie beutschen Freiwilligen. Oben links bie M i l i- tärmeb aille (1. Klasse unb niebrigfte Stufe), oben rechts bas Militär kreuz (2. Klasse), unten links basRoteMilitärverbienst- kreuz (3. Klasse) unb unten rechts bas Feld - kreuz (4. Klasse als höchste Stufe). (Scherl-Bilberbienst-M.) Die Panzerabwehs war für Spanien bei Aus- bruch ber nationalen Erhebung eine unbekannte Waffe, bie im Heer bis bahin noch nicht vertreten war. Das recht gute Menschenmaterial, bas uns zur Ausbilbung zugetellt würbe, beftanb in ber ersten Zeit nur aus Abgaben ber Artillerie. Dies ließ sich jeboch nicht lange aufrecht erhalten, ba bie spanische Artillerie ihre Leute für Neuaufstellungen unb zum Ausgleich von Verlusten selbst benötigte. So waren balb sämtliche Waffengattungen vertreten, befonbers zahlreich bie Infanterie. Don vorn- herein brachten bie Spanier ihrer neuen Waffe größtes Interesse entgegen. Sonst hatte man bie Ausbilbung auch nicht jeweils in brei bis vier Wo- chen burchführen können. Daß in biefer kurzen Zeit felbftrebenb nur 'eine rein gefechtsmäßige Ausbtt- bung am Geschütz, bie ihre Krönung im scharfen Schuß fanb, ftattfinben konnte, ist klar. Das Der- hältnis zwischen Spaiiiern unb Deutschen war bas denkbar angenehmste. In bestem Einvernehmen würbe vom frühen Morgen bis in ben Adenb hinein zusammengearbeitet, unb nach Beenbigung bes täglichen Dienstes hatten wir Deutschen stets Gelegenheit, Stunben herzlicher Kamerabschaft im Kreise der Spanier zu verbringen. Unb bieses Freunb- schaftsbanb riß auch nicht ab, wenn bie frisch aus- gebilbeten spanischen Panzerabwehr-Kompanien an bie verschobenen Fronten bes spanischen Krieges abberufen würben. Es war für uns eine sewstver- stänbliche unb schöne Ehrenpflicht, unsere Schuler von ehebem bei unseren täglichen Frontpatrouillen tn ihren Stellungen aufzusuchen unb ihnen weiter mit Rat unb Tat zur Seite zu stehen. Banbe ber Krtegskarnerabschaft würben geknüpft, bie auch bas Ende bes spanischen Krieges überdauern werben Wir konnten stolz sein auf unsere Schuler. Tapfer hat sich die spanische Panzerabwehrtruppe geschla- gen stets in norberfter Linie ihren Mann stehend, hat sie so zum Endsiege wesentlich mit beigetragen. Die vielen Männer, die ihren Glauben für ein neues großes Spanien mit dem Tode befieaeften unb bie zahlreichen Verwunbeten in ihrer Reihe legen bafür bas beste Zeugnis ab. Es mar wahrend ber Offensive ber nationalfpanifdien Armee in ber ersten Februarhälfte 1937 im Abschnitt fub- ostwärts Mabrib. Die Truvpen hatten ben Jarama-Fluß überschritten unb sich in schweren, tagelangen Kämpfen ben jenseitigen Höhenranb erkämpft. Da erfolgt unerwartet ein Angriff von 11 Rusfenpanzern, bestückt mit ie einem 4,5-cm-Geschütz unb einem MG-, längs bes Flusses schräg von vorne zur Angriffsrichtung ber Nationalen. Die Panzerabwehr hatte schon Stel- zeigte die Spuren der erfolgreichen Tätigkeit der Legion Condor. Versenkte Schifte im Fahrwasser, zerschlagene Hafenmauern, zertrümmerte Hafengebäude und Eisenbahnanlagen waren bas äußere Bild; seit Tagen war Barcelona von jeder Seezu- fuhr abgeschnitten. Rastlos rollten neue Slngriffe auf Erd- und Küstenziele Nord-Kataloniens. Die Lage gebot einen ununterbrochenen Einsatz der Waffen, um den Sieg zu erkämpfen und Spanien nach den blutigen Kämpfen des Bürgerkrieges den Frieden wieberzugeben. Sttll, zurückhaltend und pflichtbewußt tot die Legion Condor, unter schweren Verlusten der kämpfenden Teile, fern von der Heimat, in fremben Verhältnissen. oft in kleinen Gruppen weit über das Land verteilt, ihre Pflicht für Deutschland, Spanien und hohe Menschheitsideale. Zum ersten Male wurde bei der Parade in Barcelona vor dem Generalissimus Franco ofen von ihr gesprochen. Ihre Tätigkeit ist beendet; aber ihre Disziplin, ihre Leistungen und ihre Tapferkeit werden in DeutschlaM» unb in Spanien unvergessen bleiben. Sie gab ein Beispiel dafür, daß die Tradition früherer, ruhmreicher Kriege in besten Händen liegt. Und ber Führer und Deutschland dürfen wissen, daß im Ernstfall die gesamte große deutsche Wehrmacht und ihre Waffen sich so bewähren werden, wie es | in Spanien die kleine Legion Condor tat. Truppen in harten Kämpfen von Süden her Santander angriffen, ging eine starke spanische Gruppe mit Unterstützung der Legion Condor über Reinosa nach Norden vor. Ununterbrochen hörte man im italienischen Angriffsstreifen über Bergketten hinweg bas Grollen ber beutfchen Bombenangriffe. In ber Ferne sah man riesige Spreng- unb Staubwolken in fast ununterbrochener Kette ben Weg bes Angriffs nach Norden zeichnen. — Aus einer Fahrt zur Legion zur Feststellung ber erreichten Linien traf ich auf kaum genommenen Plätzen schon bie ersten beutschen Flugzeuge unb Flakgeschütze. Ohne, , . » , Pause ging die Eroberung bes Nordens weiter. Der erste Befehlshaber, ber nunmehr in Homburg Trotz Nebel, Vereisung unb Flakabwehr überflogen eingetroffenen, in ber Legion Conbor zusammen, täglich deutsche Maschinen bie Hochgebirge Astu- gefaßten beutschen Freiwilligen in Spanien war riens und griffen feinbliche Stellungen, Verkehrs- berGeneralberFliegerHugoSperrle. wege Ansammlungen von Truppen usw. an. Er ist, wie schon sein Name zeigt, ein Wurttember- Nach ber Einnahme von Gijon würbe bie ger. Er würbe 1885 in Lubwigsdurg geboren unb Legion zunächst zur Abwehr starker roter Angriffe hot sich im Weltkriege als Führer verschiebener bei Teruel unb bann in der nationalen Offen- Fliegerabteilungen ausgezeichnet unb auch Der- fine auf bie Mittelmeerküste eingesetzt, wunbungen baoongetragen. Nach bem Kriege war Wieder wirkte sie unter Führung ihres neuen Kam- er Kommandeur ber Flieger bes Korps Lüttwitz manbeurs bes Generals Dolkmann, enftchei- unb kam bann ins Reichswehrministerium Nach- benb mit' Neben taktischer Zusammenarbeit mit bem er. zur Luftwaffe übergetreten war, war er Manischen Erbtruppen führte sie, wie auch schon zuletzt Äommanbterenbcr General unb Befehls- ftüher von ihren Flugplätzen vom Festland und'Haber im Luftkreis 5, ehe er im November 1936 konnte. Es hatte aud) wirklich etwas zu transportieren, nämlich die nationalen Truppen Spaniens, die in Marokko standen unb auf bas Festlanb hinüber mußten, um bei ben schweren Kämpfen vor Mabrib und Toledo eingesetzt werden zu können. Die Transportstaffel ging auch zum Angriff über, beflog die Verbindungswege der Roten, beschoß rote- Kriegsfüsse, bombardierte das rote Linienschiff „Jaime I" mit fo viel Treffern, daß es sich gerade noch nach dem damals roten Hafen Malaga schleppen konnte. Das war ein Erfolg, ber überall aufhorchen ließ, zunächst an der Front in Spanien, dann bei den Freunden der Roten im Auslande, die mm erkennen mußten, daß General Franco unb die nationale Erhebung nunmehr über ein Fliegerkorps verfügten, dem die Roten vom ersten Tage an bis zum Endkampf nichts Gleichwertiges gegenüberstellen konnten. Das zeigte sich schon beim Entsatz des A l k az ar von Toledo, der im September 1936 vor sich ging, woran die deutschen Bombenflieger hervorragend beteiligt waren, sowohl durch die Auf- fläruna durch Versorgung der Belagerten mit... . .... Lebensrnitteln und Waffen sowie endlich auch durch und wieder war es — wie im Norden vorwie- I.nniittrtbaren Einfall gend d a s K 0 r p s N a 0 a r r a , mit dem zusam- Wahrenddeffen bildete sich in der Heimat der men sie den großen Sieg errangen, oft Sette an F r e iroil ligen ° Verband ber Legion Seite mit ben tapferen, italienischen ftameraben. Condor Nur etwa 5000 Mann — ein kleiner, Barcelona fiel und trnmit war der Kneg in aber hochwertiger unb kampfkräftiger Verband, Katalonien entschieden. Em Besuch in Barcelona aus Freiwilligen der Luftwaffe und' des Heeres: eine Jagdgruppe, eine Aufklärungsgruppe, eine Kampfgruppe, ein kleiner See» flieger-erband, eine Anzahl von Flakbatterien verschiedener Kaliber, eine Luft-Nachrichtenabteilung, ein Panzerbataillon, einige Sonderformationen dieser Verband ging als Legion Condor nach Spanien. Viele, die sich noch freiwillig gemeldet hatten, mußten daheimbleiben, ba bas im militärischen Aufbau befindliche Deutschland mit jedem Mann und jeder Waffe geizen ^te. Seit den i ^abrii)|rDnt# Grenze zweier Weltanschauungen Kämpfen hannoverscher Truppen ""ter Wellington röhrend der Kriegsjahre 1936-1939, hier stehen Anfang des 19. wir, National-Spanier, deutsche unb italienische erften Dtole de^sche Soldaten wieder J-Ö kreiroiUige, bort stehen sie, Rot-Spanier mit ihren »oben 2)urd) ü)« internationalen Brigaden. Eine Menge ernster und durch ihre hohen w.ilttarischen ^tftungen unb ihre Erinnerungen hängt für uns deutsche Frei- Einsatzfreudigkeit eroberten sie die Herzen der Be- Qn biefe^ Frontabschnitt des spanischen völkerung im Sturm. Wv sie in an bem wir Solbaten ber beutschen Pan- Umform -uftauchten, erklang es fteudig. Biva! .^^ng stanben. 21 *6 "J Q."1 “ ’ . fficij s.nfc smpfbuna Unb hier tritt ein Ortsname ganz befonbers her- Aurf) ich hotte das Gluck, daß mtme JKelöung l or; GubQgI Diese kleine Ortschaft war wäh- zur Legion Conbor (Erfolg hatte. Bei Nacht ustd ganzen Krieges bas Stanbquartier biefer Nebel ging es von Berlm m großer ^e .m renb bes "e in Spanien bato starker, balb bindungsoffizier auf ben Gefechtsstänben der Legion Conbor, des Korps Navarra, des italienischen Freiwilligenkorps (C. T. V.) und anderer Verbände tätig. Meine Fahrten gaben mir Gele- ’ genheit, mit deutschen, spanischen und italienischen Verbänden am Kriege teilzunehmen. Nach dem Vormarsch von Sevilla bis Madrid kämpfte die Legion Condor vorwiegend an der Madrid - und Jarama-Front. Hinter der •WZ 'NMV lungswechsel auf die jenseittgen Höhen gemacht. Ein spanischer Geschützführer sieht von dort den Angriff der roten Panzer. Er reißt sein Geschütz herum, eröffnet das Feuer auf eine Entfernung von 850 Meter und erledigt 5 Russenpanzer, die bei der Casa Pajares liegen bleiben. Einer brennt davon restlos aus. Die anderen Russenpanzer suchen ihr Heil in der Flucht. Vier Beutepanzer konnten in den nächsten Tagen abgeschleppt werden. Nach ihrer Jn- standsetzuna fanden sie wie schon viele ihrer Artgenossen Verwendung auf der nationalspanischen Seite. So ließen sich noch viele Beispiele eines restlosen und von Erfolg gekrönten Einsatzes spanischer Panzerabwehr-Geschütze sagen. Die Persönlichkeit des einzelnen gab wie stets in entscheidenden Augenblicken den Ausschlag. Und an diesen Männern hatte die spanische Panzerabwehrtruppe wahrlich keinen Mangel! So dürfen wir Freiwilligen zurückschauend nut tiefer Befriedigung feststellen, daß unser Einsatz und unsere Arbeit Früchte getragen hat, daß wir Spanien die neue Waffe der Panzerabwehr schufen, die mit dazu beitrug, den stolzen Sieg an die ruhmreichen Fahnen des nationalen Heeres zu heften. Englands Paktverhandlungen mit Moskau. London, 31. Mai (Europapreß). Der Dienstag- Besuch des sowjetrussischen Botschafters Maiski im Foreign Office hat, wie die Londoner Morgenpresse feststellt, der Wegräumung von Bedenken, die auf sowjetrussischer Seite noch inimer bestehen, gegolten. In erster Linie soll es sich dabei um den in den englischen Vorschlägen enthaltenen Wunsch handeln, das vorgesehene kollektive VerteidiFungs- system den Satzungen der Genfer Liga anzu- passen. Die Sowjetrussen sind Gegner eines solchen Vorhabens und vermuten in chm eine Falle. Außerdem sollen die Sowjetrussen unzufrieden damit fein, daß England keine General stabsbespre- ch u n g e n ins Auge gefaßt habe. „Daily Expreß" berichtet, Außenminister Lord Halifax habe am Dienstag dem sowjetrussischen Außenkommissar M o - l o t o w eine persönliche Versicherung übersandt des Inhalts, daß der britische Beistand „automatisch" in Kraft treten würde, falls die Sowjetunion das Opfer eines Angriffes würde. Die Mttetlung fei Molotow durch den britischen Botschafter in Moskau überreicht worden. Man erwarte die Antwort Moskaus nunmehr am heutigen Mittwoch. In den anderen Morgenblättern heißt es lediglich, der Sowjetbotschafter Maiski habe bei seinem Besuch im englischen Außenamt Versicherungen erhalten, die die Moskauer Mißverständnisse hinsichtlich des Einwandes einer Bezugnahme auf den Artikel 16 der Genfer Satzung in die britifch- franzöfischen Vorschläge ausräumen sollten. England ersucht Amerika um Auslieferung des Leiters der Irisch-Republikanischen Armee. London, 31. Mai. (DNB. Funkspruch.) Wie „Daily Expreß" aus Dublin berichtet, hat Scotland Pard die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika um Auslieferung des Leiters der Irisch-Republikanischen Armee, Russell, ersucht. Russell hätt sich zu Besuch in Los Angeles bei dem Irenfuhrer in USA., Joseph McGarrity, auf, um den Iren moralische und finanzielle Unterstützung bei der Fortsetzung ihres Kampfes zu sichern. Amerika soll seine Ausweisung bereits in Erwägung gezogen haben. Im Falle der Auslieferung Russells würde er in England vor Gericht gestellt werden. Jüdische Emigranten in Mittelamerika unerwünscht. Washington, 30. Mai. (DNB.) Drei ausländische Ueberseedampfer versuchten vergeblich, über 1000 unerwünschte jüdische Emigranten aus Deutschland in verschiedenen Häfen des Karibischen Meeres loszuwerden. So wollten 927 Juden in Kuba an Land gehen. Nur 16 hatten ordnungsmäßige Papiere, dem Rest wurde die Einreise verweigert. Verschiedene jüdische Organisationen in Neuyork haben sich sofort mit dem kubanischen Präsidenten in Verbindung gesetzt und wollen die Landungserlaubnis noch erwirken. Auch ein englischer und ein französischer Dampfer mit 78 bzw. 212 derartigen jüdischen Emigranten konnten nur 48 bzw. nur 32 ihrer unerwünschten Passagiere in Havanna (Kuba) ausbooten. Nach Mlt- tcilungen des Washingtoner Außenministeriums wird die Abneigung gegen einen weiteren Zustrom Mischer Elemente immer größer. Brasilien nahm 1938 nur 950 auf, Argentinien 2500, Bolivien 2000, Columbien 500, Chile 600, Kuba 6000 und USA. 33 000. Bei den Abweisungen Mischer Emigranten muß immer wieder festgestellt werden, daß ihre Einreisevisen frech gefälscht sind. Oer „Ranpura^-Zwischenfall ein Mißverständnis. London, 31. Mai. (Europapreß.) Das japanische Marineministerium hat auf den englischen Protest wegen des „Ranpura"-Zwischenfalls jetzt geantwortet. „Daily Telegraph" betont den „versöhnlichen Charakter" der japanischen Antwort und erklärt, man sei namentlich von der japanischen Darstellung befriedigt, daß es sich im Grunde genommen um ein Mißverständnis handele. — Der Dampfer „Ranpura" war am 23. Mai von einem japanischen Kreuzer auf der Höhe von Hongkong jum Beidrehen und zur Vorlage seiner Papiere gezwungen worden. In der japanischen Note soll zum Ausdruck kommen, auf japanischer Seite hätten Zweifel über die Identität der „Ranpura" bestanden. Chile führt Treibstoff-Dertriebs-Monopol ein. Santiago de Chile, 30. Mai (Europapreß). :5)ie chilenische Regierung hat die Einführung eines IErdöl - und Benzin-Dertriebs-Mono- ;pols beschlossen. Sämtliche Konzessionen der bisher iin Chile tätigen ausländischen Oeigesellschaften wurden aufgehoben. Die in Chile ansässigen ausländischen Vergesellschaften haben ihren sämtlichen An- 2gestellten gekündigt. Der Beschluß der Regierung jmirb dahin ausgelegt, daß sie für die Treibstoff - Tversorgung freie Hand gewinnen und den Einfluß des ausländischen Kapitals zurückdämmen ^möchte. Immerhin ist es auffällig, daß die Kon- Jessionskündigung in einem Augenblick erfolgte, da White eine 80-Miilionen-Dollaranleihe mus Nordamerika zmn Wiederaufbau der Krdbebengebiete erhofft. Die polittschen Schwierigkeiten werden durch die ungünstige Wirtschaftslage infolge der Erdbebenkatastrophe, die zu Beginn des Jahres das Land heimsuchte, erhöht. Das Kabinett hatte dem Präsidenten Cerda seinen Rücktritt an- geboten; der Präsident nahm jedoch den Rücktritt nicht an. Roosevelt bereitet seine dritte Wahl vor. Hyde-Park .(Neuyork), 31. Mai. (DNB. Funkspruch.) Präsident Roosevelt kündigte am Dienstag an, er werde voraussichtlich am 15. Juni von Washington aus eine Rundreise durch das ganze Land antreten, um persönlich die Stimmung der Bevölkerung gegenüber seiner Regierung und Politik auszukundschaften. Bevor Roosevelt sich zu dieser Rundreise entschloß, hatte er Generalpostmeister Farley, den demokratischen Propagandachef, in den Staaten herumgeschickt und dieser war sehr begeistert von dem Ergebnis feiner Reise zurückgekehrt. Er soll Roosevelt berichtet haben, daß der Präsident immer noch sehr populär sei und der größere Teil der Bevölkerung seine Politik unterstütze. Roosevelt würde keine Schwierigkeiten haben, von der Demokrottschen Partei zumdrittenMal als Präsidentschaftskandidat ausgestellt zu werden. Auch die Presse bringt die geplante Reise Roosevelts mit seinen immer noch nicht öffentlich ausgesprochenen Absichten für eine dritte Amtszeit zu kämpfen in Zusammenhang. Oie Mordtat von Kalthof. polnische Note an Danzig sucht den Tatbestand zu verdunkeln. Danzig, 31. Mai. (DNB.) Der diplomatische Vertreter Polens in Danzig hat auf die Note des Danziger Senates zu den Vorgängen in Kälthof, wo der Danziger Staatsangehörige Max Gräbnau durch den Fahrer eines polnischen Diplomatenautos hinterrücks erschossen wurde, eine Antwortnote überreicht. Don zuständiaer Danziger Seite wird zu der Note erklärt: In dieser Note versucht die polnische Regierung, den Tatbestand des Zwischenfalles in Kalt- Hof erneut auf den Kopf zu stellen, obwohl die amtlichen Untersuchungsergebnisse über den wirklichen Verlauf der Vorgänge keinen Zweifel mehr erlauben. Wenn Polen ferner die von Danzig geforderte Abberufung der durch die Mordtat von Kolchos so außerordentlich schwer kompromittierten Beamten verweigert und diese Weigerung mit der im diplomatischen Verkehr geradezu ungeheuerlichen Behauptung zu begründen sucht, die Danziger Regierung habe gar kein Recht, eine Abberufung solcher Beamten zu verlangen, so muß festgestellt werden, daß Polen alles daran setzt, eine Klärung und Beruhigung des Danzig-polnischen Verhältnisses bewußt zu verhindern. Die am Schluß der polnischen Note enthaltene Versicherung der Bereitwilligkeit zu einer Bereinigung der Atmosphäre kann angesichts dessen nur als Spiegelfechterei betrachtet werden, die darüber Hinwegtäuschen soll, daß Polen nicht gesonnen ist, die Voraussetzungen für eine Wiederherstellung normaler Beziehungen zu schaffen. Die Note ist also offenbar nicht etwa als eine konkrete Antwort auf die einedutigen Feststellungen und Forderungen der Danziger Regierung zu werten, sondern vielmehr als ein propagandistisches Mittel, durch das das Ausland über die tatsächlichen Verantwortlichkeiten hinweggetäuscht werden soll. planmäßige Störung deutscher Gottesdienste in Ostoberschlesien K a 11 o w i tz , 30. Mai. (DNB.) Pfingsten hat in der Ka th ed r a l ki r ch e in Kattowitz organisierter Pöbel die deutschen Gottesdienste planmäßia in widerlichster Weise gestört. Am ersten Feiertag hatte ein großer Teil' der Polen nach dem polnischen Gottesdienst offensichtlich auf bestimmte Weise die Kirche nicht verlassen und empfing die zum deutschen Hauptgottesdienst erscheinenden deutschen Kirchenbesucher mit lautem Gebrüll. Als der amtierende Pfarrer den Versuch unternahm, die Störung zu verhindern, vollführte die verhetzte Masse einen ohrenbetäubenden Lärm, so daß die deutschen Kirchenbesucher gezwungen waren, das Gotteshaus zu verlassen. Diele von ihnen wurden buchstäblich von dem Pöbel aus der Kirche herausgedrängt. Am zweiten Feiertag verschaffte sich eine Menge verhetzter polnischer Elemente Eintritt ins Pfarrhaus und wandte sich geaen den Geistlichen, der es noch gewagt hat, deutsche Gottesdienste anzusetzen. Unter Drohungen wurde der Pfarrer daran gehindert, den angesetzten deutschen Hcruptgottes- dienst abzuhalten. Daß derartige Vorfälle überhaupt möglich sind, erklärt sich aus der recht merkwürdigen Haltung der Bischöflichen Kurie in Kattowitz. Als eine Abordnung der deutschen katholischen Gemeinde nach den skandalösen Ausschreitungen der Polen in der Kathedralkirche Maßnahmen der Kurie erbitten wollte, die den Schutz der deutschen Gottesdienste für die Zukunft gewährleisten sollte, wurde der Empfang der Abordnung abgelehnt. Der Wahlsieg der Rechten in Ungarn. E. P. Budapest, 30. Mai. Die an den beiden Pfingstfeiertagen abgehaltenen Abgeordnetenwahlen können nunmehr als entschieden betrachtet werden. Von den 260 Mandaten sind 252 vergeben worden, während in acht Bezirken am kommenden Sonntag Stichwahlen stattfinden müssen. In diesen Stichwahlen stehen einander acht Regierungsanhänger, sieben Rechtsoppositionelle und ein Agrarier gegenüber. Die bereits vergebenen 252 Mandate verteilen sich wie folgt (in Klammern die bisherige Mandatszahl der betr. Partei int aufgelösten Abgeordnetenhaus, das 245 Vertreter hatte): Regierungsblock: Regierungspartei 175 (120) Christenpartei 7 ( 10) Deutscher Dolksbund 2 ( 0) Anhänger 1(0) 185 (130) Rechtsopposition: Hungaristen 29 ( 3) Pfeilkreuzler 8 ( 4) Nationalfront 6(6) 43 ( 13) Linksoppositionr Agrar-Partei 14 ( 21) Liberale 5 ( 10) Sozialdemokraten 5 ( 11) Mandate: 24 ( 42) Die Bürgerliche Mitte, die im alten Parlament mit 60 Abgeordneten vertreten mar, hat kein einziges Mandat errungen. Die Sieger der Abgeordnetenwahl sind demnach Regierungspartei und Rechtsopposition. Der Sieg dieser beiden Gruppen übertrifft alle Erwartungen. Im neuen Abgeordnetenhaus ist die Rechte mit 228 Abgeordneten vertreten, was eine fast neunzig- prozentige Mehrheit bedeutet. Der große Sieg der Rechten ging zum größten Teil zu Lasten der bürgerlichen Mitte, die in den Wahlen vollkommen aufgerieben wurde. Auch die linksoppositionellen Parteien büßten ungefähr die Hälfte ihrer Mandate ein. Am schärfsten getroffen wurde unter ihnen die Kleinlandwirte-Partei Tibor Eckhardts, von deren Kandidaten nicht weniger als 136 unterlegen sind. Die Nationale Reform - Partei, eine abtrünnige Gruppe der Regierungspartei, konnte keinen einzigen ihrer 41 aufgestellten Kandidaten durchbringen, während die bürgerliche Linke von erstrebten 31 Mandaten nur fünf erringen konnte; die Sozial - demokraten haben bei fünf gewählten Abgeordneten 59 Niederlagen zu verzeichnen. Die Mitglieder der Regierung wurden alle ohne Ausnahme gewählt, die meisten gleichzeitig in mehreren Wahlbezirken. Don den drei auf der Regierungsliste stehenden Kandidaten des Deutschen Volksbundes in Ungarn sind zwei endgültig gewählt worden, während ein dritter am nächsten Sonntag in die Stichwahl mit einem Pfeilkreuzler kommt. Außer dem Kandidaten Dr. Heinrich Mühl, der in Bonyhad gewählt wurde, erhielt der zweite Vertteter des Deutschen Volksbundes, Jakob Brandt, fein Mandat auf der Regierungsliste des Komitats Bacs. — Der Deutsche Dolksbund in Ungarn besaß bisher keine Der- tretung im Parlament. Die rechtsnationale Presse begrüßt in Riesenüberschriften den Sieg der äußersten Rechten bei den ungarischen Wahlen. Sie verkündet gleich- zettig die Parole des weiteren Kampfes „bis zum völligen Siege". Der Führer der Hungaristischen Partei, Abgeordneter Koloman Hubay, dankt in der rechtsnattovalen Presse für diesen „ersten Erfolg", den die nationale Rechte errungen habe. Die Regierungspresse feiert ihrerseits den Sieg des ungarischen Nationalismus und stellt den völligen Zusammenbruch der linksoppositionellen Agrarpartei fest. Dabei wird heroorgehoben, daß Liberale und Sozialdemokraten von der christlich-ungarischen Einheit hinwegaefegt worden seien. Mit großem Nachdruck wird dabei von den der Regierung nahestehenden Blättern betont, daß dieser Sieg das erste Ergebnis einer geheimen Abstimmung in Ungarn fei. So betont das Regierungsorgan „Esti Uffag", daß die Partei Nicht nur in der Provinz, sondern auch in der Hauptstadt einen so mächtigen Sieg errungen habe, wie es selbst bei offener Abstimmung noch nie der Fall gewesen sei. Das ungarische Volk habe mit der Ahstimmuna sein Urteil über diejenigen gefällt, die sich durch hartnäckige Rückständigkeit den sozialen und völkischen Reformen zu widersetzen versucht hätten. Die geheime Abstimmung habe endgültig und unverfälscht den Weltanschauungskampf in Ungarn abgeschlossen. Selbst die liberal-demo kratische Presse erkennt an, daß das Ausmaß des Sieges der Regierungspartei wahrlich überraschend ist, ebenso auch das Vordringen der rechtsradikalen Parteien. Moskaus Vorstoß aus der Mongolei. Mongolische Truppentelle haben an einem strategisch wichtigen Punkte die Mandschurei angegriffen. Neben Infanterie und Kavallerie waren Tanks, Ar- ttllerie und vor allem Flugzeuge im Gefecht. Insgesamt sind seit dem 21. Mai 59 Flugzeuge sowjet- russischen Ursprungs auf der Seite der sogenannten „mongolischen" Truppen abgeschossen worden. An einem einzigen Tag gingen 42 Militärflugzeuge zu Bruch. Wenn hier von der Mongolei die Rede ist, so ist immer die „A e u ß e r e Mongolei" ge- SOWJET Chdilar MONGOLEI Chorbin Hsinkini RUSS- L LAND Mukden: _© — Ulan Betör • l meint, die ihren Namen von den Chinesen aus dem Blickfelde Pekings erhielt. Peking nannte nämlich die Mongolei, die unmittelbar an die Mandschurei stößt, die „Innere Mongolei", weil sie ihm näherliegt, und die entferntere Mongolei aus eben demselben Grunde die „Aeußere Mongolei". Diese „Aeußere Mongolei" ist seit 1924 ein Bundesstaat der Union der Sowjetrepubliken, also Bestandteil des Sowjetteiches. Die mongolischen Truppen stehen unter sowjetrussischen Instruktoren und werden von Sowjerrußland mit Kriegsmaterial beliefert. Schauplatz der jetzigen Luftkämpfe war der Buir- Salzsee, dessen 50 Kilometer breite Fläche unverkennbar war. Mitten durch diesen Salzsee geht d i e mandschurisch-mongolische Grenze. Wenn die mongolischen Flugzeuge diese überaus deutliche Grenze überflogen haben, so liegt darin ein überlegter und zweckbewußter Angriff. Das kommt auch zum Ausdruck in den sofortigen Protesten, die die japanische Regierung in Moskau hat einlegen lassen. Wir nannten den Buir-See bereits einen strategisch wichtigen Punkt, denn nördlich von ihm springt die mandschurische Grenze wett nach Westen vor. Ein Vorstoß der mongolischen Truppen hat daher auch immer zum Ziele, diesen mandschurischen Vorsprung abzuschneiden oder wenigstens militärisch zu beeinträchtigen. Das kann schon durch Grenzzwischenfälle geschehen, welche an sich ein verhältnismäßig kleines Gebiet unter erweiterten sowjet-mongolischen Militäreinfluß bringen. Für die Unruhe in diesem Gebiet ist bezeichnend, daß es auch zwischen einem mandschurischen und einem sowjetrussischen Kanonenboot auf dem Ussuri zu einem mehrstündigen scharfen Gefecht gekommen rst, wobei die Nachrichten aus der mandschurischen Hauptstadt Hsinking das mandschurische Kanonenboot als schwer beschädigt bezeichnen. Das deutet ebenso wie ein neuer Einspruch beim sowjetrussischen Konsul in Chardin darauf hin, daß die mandschurische und selbstverständlich auch die japanische Regierung diese Vorfälle nicht auf die leichte Schulter nehmen. Kleine politische Nachrichten. Reichsjustizminister Dr. Gärtner legte in Begleitung des italienischen Justizministers Solmi am Grabmal des Unbekannten Soldaten und am Ehrenmal der faschistischen Gefallenen Lorbeerkränze nie- der. Anschließend hatten die beiden Justizministtr eine lange Besprechung. Am Nachmittag hielt Dr. Gärtner in italienischer Sprache einen Vortrag über die neuen Grundsätze des Strafvollzugs im nationalsozialistischen Deutschland. Am Abend waren der Minister und eine zu Studienzwecken in Italien weilende Abordnung von deutschen Justizbeamten Gäste des Ministers Solmi. Reichsjustizminister Dr. Gärtner ist Dienstagabend von Mussolini im Palazzo Venezia empfangen worden. Der Duce hat besonders für die Behandlung der Jugend im deutschen Strafrecht und deutschen Strafvollzug, ferner für die Bewegung der Krimi- nalstattsttk sowie für den Grundsatz, daß erziehbare Leute durch den Strafvollzug der Volksgemein- schaft Wiedergewonnen und nicht erziehbare aus» geschieden werden müssen, lebhaftes Interesse bekundet. * Reichsarbeitsführer Hier! ist vom Duce empfangen worden. Dabei überreichte der Reichsarbeitsführer als Zeichen der Verehrung des Reichsarbeitsdienstes dem Duce einen Ehrendolch. Nach dem Empfang begab sich der Reichsarbeitsführer ins Landwirtschaftsministerium, wo er Staatssekretär Tassinari ebenfalls einen Ehrendolch übergab. Reichsarbeitsführer Hierl hat auf einer Besichtigungsfahrt durch die Provinz Littoria, das Gebiet der früheren Ponttnischen Sümpfe besucht. Emen starken Eindruck vermittelte das riesige, bereits abgeschlossene Meliorationswerk. ♦ Der Leiter der Abteilung Mitteleuropa im englischen Auswärtigen Amt, William Strang, ist an einem der Pfingsttage nach Warschau geflogen. Er wird dort zehn Tage bei dem englischen Botschafter Stt Howard Kennard verbringen. Als Grund für diesen Besuch in Warschau wird „Ausspannungsurlaub" angegeben. — Strang war im September 1938 mit Chamberlain nach Deutschland geflogen. Er ist einer der wichtigsten Sachberater der englischen Regierung. * Aus Rom wird den französischen Blättern gemeldet, daß der italienische Außenminister Graf Ciano am Dienstag mit dem französischen Botschafter Franko is-Poncet eine Unterredung über verwaltungstechnische Fragen gehabt hat. Ein politischer Meinungsaustausch 'scheint nicht stati- gefunden zu haben. * Die beiden französischen Schlachtschiffe „Dunkerque" unb „Strasbourg" sind nach einem fünftägigem Besuch aus Liverpool ausgelaufen und fahren nach Scapa Flow in Nordschottland, wo sie mit den französischen Kreuzern „Georges Leygues", „Gloire" und „Montcalm" Zusammentreffen werden, die von Glasgow aus erwartet werden. * Die Aufträge für die beiden größten englischen Schlachtschiffe „Lion" und „Temeraire" sind soeben vergeben worden. Beide Schlachtschiffe werden eine Masserverdrängung von je 40 000 Tonnen haben. * Nachdem am 3. April zwischen Holland, Belgien und Frankreich eine Vereinbarung über den Rheinschiffahrtsverkehr von und nach Straßburg getroffen worden ist, haben nun Holland und Belgien ein Abkommen über ihre Hafeninteressen geschlossen. Ein gemischer holländisch-belgischer Ausschuß soll die H a f e n t a r i f e von Antwerpen, Gent, Rotterdam und Amsterdam feststellen. ♦ Die siamesische Regierung wird beim Zusammentritt der Nationalversammlung den Antrag ein- bringen, den Namen des Landes amtlich in Muang-Thai (Land der Freien) zu ändern. Wetterbericht Von dem starken ostatlantischen Hochdruckgebiet erstreckt sich ein Ausläufer bis über Polen hinaus. An feiner Nordseite herrscht rege Wirbeltätigkeit, während an feiner Südseite Deutschland meist heiteres und trockenes Wetter hat. Eine durchgreifende Aenderung ist vorerst noch unwahrscheinlich. Vorhersage für Donnerstag: Meist heiter und trocken. Mittagstemperaturen zwischen etwa 20 bis 25 Grad. Veränderliche, doch überwiegend östliche und zeitweise auffrischende Winde. VorhersagefärFreitag: Im wesentlichen Fortdauer des vielfach heiteren und trockenen Wetters. Lufttemperaturen am 30. Mai: mittags 20,4 Grad Celsius, abends 13,8 Grad; am 31. Mai: morgens 14,0 Grad. Maximum 21,0 Grad, Minimum 8,0 Grad. — Erdbodentemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. Mai: abends 14,5 Grad; am 31. Mai: morgens 14,2 Grad. — Sonnenscheindauer 14,8 Stunden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr.W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stabt Gießen, Provinz unb Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. 21. IV. 39: 9530. Druck unb Verlag: Brühlsche Unioerfitäts- druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Rufnummer 326 Sprechstunde täglich 2—3 Uhr Hulda Grahlmann, geb. Kissirig Röntgen. Diathermie, Höhensonne Gießen, Köln, den 30. Mai 1939. 3967V 3956D Am 26. Mai entschlief unerwartet meine liebe Kusine Fräulein Greta Kaiser. Gießen, den 31. Mai 1939. Für die Hinterbliebenen: Anna Bender. 02689 SuviMReUfl/ 02695 Dina Berg und Angehörige. Hausen, den 30. Mai 1939. 3949 D Rekord - Pralinen - Mischung . 125 g 38 Obtw LNühe I425D S & F-Tee 50 g 80, 65, 55 3952A S & F-Malzkaffee. 500-g-Paket36, 250-g-Paket 1 8 fc* | W ■ J2 ■ ■ " - ■ Sils erste Gaste werden IN dem neuhergerichteten Schloß Bellevue, dem Gästehaus des Führers, der Prinzregent von Jugoslawien unb Prinzessin Olga u)ren Einzug halten. Die Jnnenräume sind geschmackvoll ausgestaltet worben. Links die Bibliothek, rechts das Arbeitszimmer, das Prinzregent Paul während seines Aufenthalts benutzen wird. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Gewaltiger Kraftverkehr zu Pfingsten. Reue Rekordzahlen im Verkehr auf Reichsautobahnen und auf den Reichsstratzen. Arbeitsdienst im Alpenland. Eindrücke von einer Rundfahrt durch die Ostmark. Äon unserem H. Ev.-Sonderberichterstatter. Aus aller Wett, pfingstverkehr fordert mehrere Todesopfer. Der starke Autoverkehr während der Pfingsttage brachte leider auch eine Steigerung der 33 er» k eh rs un sä l l e. In Arenberg bei Koblenz wurde eine 72jährige Frau von einem Auto erfaßt und fo schwer verletzt, daß sie kurz nach ihrer Einlieferung ins Koblenzer Krankenhaus verschied Zwischen Arenberg und Neuhäusel wurde ein achtjähriger Junge aus Eitelborn (Westerwald), der die Straße überqueren wollte, von einem Reisewagen erfaßt, eine Strecke weit mitgeschleift und getötet. In Arenberg stieß ein Motorrad mit einem Auto zu- sammen, wobei der Fahrer des Rades lebensgefährliche Verletzungen baoontrug. Sein Beifahrer wurde leicht verletzt. * Bei Kitzingen am Main forderte ein Verkehrsunfall zwei Menschenleben. Der Fahrer Fritz Bayer aus Schwäbisch-Gmünd fuhr in einer Kurve gegen einen Baum; er wurde auf ber Stelle getöjet; sein Beifahrer erlitt so schwere Verletzungen, daß er kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus starb. Zwischen Lohr und Lichtenau fuhr der 39 Jahre alte August Werner aus Frankfurt, der sich an ber Spitze einer Radfahrergruppe befand, gegen einen Stein unb stürzte. Werner erlitt einen schweb ren Schäbelbruch sowie sonstige Verletzungen, bencn er nach Verbringung ins Lohrer Krankenhaus erlag. Auf ber Straße von Kelsterbach nach Raunheim ereignete sich ein tödlicher Verkehrsunfall. Der 31jährige Kaufmann Willi F e i t h war mit feiner Frau im Kraftwagen auf ber Fahrt nach Raunheim, als plötzlich vom Baugelände der Autobahn ein dort beschäftigter Steinhauer mit seinem Motorrad auf die Hauptverkehrsstraße einbog. Feith bremste so stark, baß er sich zweimal überschlug. Während Feich auf ber Stelle getötet wurde, erlitt seine Frau weniger schwere Verletzungen Der Motorradfahrer blieb unverletzt. Startes Hochwasser in Schlesien. Berlin, 30. Mai. (DNB.) Trotz des nur mäßig schönen Pfingstwetters war auf den Reichsautobahnen und auf vielen Reichs- und Landstraßen im Großdeutschen Reich ein außerordentlich starker Kraftverkehr zu verzeichnen, der die Verkehrsrekorde der Ofterfeiertage durchweg weit übertraf. Auf den meisten Reichsautobahnstrecken wurden in vier Tagen (von Freitagmittag bis Dienstagmittag) 15 — 2 0 0 0 0 Fahrzeuge gezählt. Noch weit stärker war der Verkehr auf der Autobah n München — Salzburg, wo bei Ramersdorf rund 50 000 Fahrzeuge durchpassierten. Zwischen Mannheim unb Heibelberg waren es 52 000 unb zwischen Köln unb Düsseldorf sogar über 62 000 Fahrzeuge. Auch auf öen Reichsstraßen herrschte zu Pfingsten ein außergewöhnlich starker Verkehr. Die Reichsstraße zwischen Mainz unb Wiesbaben trug einen Verkehr von 37 000 Fahrzeugen in vier Tagen, bie Kraftwagenstraße Köln — Bonn 42 000 Fahrzeuge, unb bie beiben Reichsstraßen beiderseits des Rheins südlich von Bonn zählten zusammen nahezu 70 000 Kraftfahrzeuge. Auf ber Norder-Elbebrücke bei Hamburg, an bie sich der neueröffnete Reichsautobahnabschnitt über bie Süberelbe anschließt, erreichte der Pfingstverkehr sogar mehr als 65 000 Fahrzeuge. Auf den Reichsautobahnen kamen währenb ber Pfingstfeiertage nennenswerte Derkehrsunfälle überhaupt nid)t.DDtv Auf einer achttägigen Reise durch die gesamte Ostmark haben wir gesehen, was der Reichsarbeits- bienft im Laufe eines Jahres hier an erzieherischen, arbeitsmäßigen unb organisatorischen Leistungen vollbracht hat. Das politische Grunbprinzip, bas einst bei ber Verkünbung ber allgemeinen Arbeits- bienstpflicht im Altreich maßgebenb gewesen ist, nämlich bie Erziehung ber jungen beutschen Mannschaft . zum praktisch bewährten Nationalsozialismus, hat natürlich auch bei ber Errichtung ber vier ostmärkischen Arbeitsgaue Pate geftanben unb bestimmt bie Arbeit an Mensch unb Heimatboben. Aber barüber hinaus ergeben sich aus ber ost- märkischen Landschaft, aus der Sitte und Lebensweise ihrer Bevölkerung gewisse typische Eigenheiten, bie bem Arbeitsdienst hier ein befonberes Gepräge geben. Als eine solche Wechselwirkung zwischen ber großen Jbee unb bem engeren Heimatschicksal muß zunächst bie Tatsache gewertet werden, daß es in der erstaunlich kurzen Frist von einem Jahre gelang, im ganzen hundert vollbelegte Abteilungen des männlichen und sechzig Lager des weiblichen Arbeitsdienstes aufzubauen, was sicherlich nicht möglich gewesen wäre, wenn die im Freiheitskampf früh gestählte und früh gereifte ostmärkische Jugend nicht von vornherein die innere Bereitschaft zum gemeinsamen Dienst an Führer unb Volk mit in bie bunten Holzhäuser des RAD. gebracht hätte. Ein Beispiel dafür, wie hier das Gebot einer selbswerständlichen Kameradschaft in den jungen Herzen wohnt, gab uns der Schiweltmeister Bradl, den wir in einer ber Abteilungen trafen unb ber, fern von allen Star-Alüren, seine Pflichten an der Baustelle genau so ernst nimmt wie auf ben Schauplätzen ber internationalen Wintersportkämpfe. Man könnte noch eine Fülle von besonberen Merkmalen aufzählen, die dem Arbeitsdienst in der Ostmark eigen sind: etwa bie mit Sorgfalt ausgesuchte Lage ber Unterkünfte in der majestätischen Gebirgslandschaft, etwa die vorzugsweise Belegung alter Schlösser und Burgen durch den weiblichen Arbeitsdienst, etwa die Ausschmückung der Gemeinschaftsräume in einigen Abteilungen mit alten Tiroler Ochsenjochen, bie hier als Beleuchtungskörper bienen, etwa die Weltabgeschiebenheit ber Unterkünfte am Rande der ungarischen Steppe oder auf ben einsamen Bergeshöhen des Mühlviertels, etwa die außergewöhnliche Dankbarkeit und Freude, mit der bie Bäuerinnen broben auf ben Berghöfen bie Hilfe ber 3000 Arbeitsmaiden begrüßen, die neben ihren 20 000 männlichen Kame- raben eingesetzt sinb, um unter der Fahne bes Arbeitsdienstes dem jahrhundertelang vernachlässigten Land ein neues, schöneres Gesicht zu geben. In unzähligen Bildern, die uns auf unserer Rundfahrt begegneten, offenbarte sich der reiche Segen, der von den Fahnenträgern der neuen Zeit auf Land und Menschen ausströmt. Der Arbeitsdienst hat ja nicht nur einen idealen und erzieherischen, Die unausgesetzten Regenfälle der letzten Zett haben in Schlesien im Gebiet der Oder uns einiger ihrer Nebenflüsse schwere Hochwasser verursacht. Besonders hart wurden die Kreise Strehlen, Mün- fterberg, Guhrau und Militsch betroffen, wo weite Acker- und Waldflächen unter Wasser gesetzt wurden. Zu einer bedrohlichen Lage kam es während der Pfingstfeiertage bei der Stadt Trachenberg, wo sich ein Dammbruch ereignet. Von den Flulen wurden an den Frühsaaten und auf den Wegen schwerer Schaden angerichtet. Zur Abdichtung ber Bruchstellen am Bartsch-Damm und zum Einsatz bei ben Schutzarbeiten bei ben vom Hochwasser bebrohten Ortschaften würben Abteilungen ber Wehrmacht unb der TN. entsandt. Schwere Unwetter in Oberitalien. Ganz Oberitalien wurde von schweren Unwettern heimgesuckt. Die mehrere Tage ununterbrochenen Regengüsse haben in der Po-Ebene vielfach verheerende Ueberschwemmungen hervorgerusen. In Anwesenheit des Landwirtschaftsministers mürben sofort Maßnahmen zur Rettung ber Bevölkerung und ihrer Habe ergriffen. Die Verkehrswege zwischen der Romagna unb Toskana sinb mehiftach unterbrochen. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen, doch werden Sachschaden und Verluste an Vieh als sehr bedeutend angesehen. Die Eisenbahnbrücke über die Bevanella stürzte ein. Auch in der Gegend von Bologna haben Ueberschwemmungen und Erdrutsche große Verheerungen angerichtet. Aus fremden Literaturen. — Charles de Co st er: Die H 0 chzeits « reise, Roman. Aus dem Französischen übertragen von Albert W e s s e l s k i. 277 Seiten. Leinen 3,50 RM. Jrn Insel-Verlag zu Leipzig. —(133)— In diesem Jahre begeht man de Costers 60. Todestag. Von ihm stammt das Wort: ich gehöre zu denen, die zu warten wissen. Das war nicht von ungefähr gesagt, denn er gehörte auch zu den Dichtern, die bei Lebzeiten nicht bekannt und nicht gelesen werden. Erst in Deutschland und erst lange nach Costers Tode fanden seine Bücher, vor allem „Uilenspiegel und Lamme Goedzak", die Verbreitung und Würdigung, die ihrem weltliterarischen Range entsprechen. Drei Jahre nach dem „Uilenspiegel", 1870, mitten im Kriege, erschien „Le voyage de noce"; Coster bemerkte dazu: ,„Die »Hochzeitsreise^ ist der Roman zweier junger verheirateter Liebender... Es sind Szenen der Liebe, alles ist der Natur entnommen ... Dieses süße Glück, diese schönen Torheiten, an denen kern Makel sonst haftet, als daß sie rechtmäßig sind — ich sage bas nicht...es wäre BUCHER bei HOLDERER 8320D Seltersweg 75 • Ruf 2265 Kür den Bücheriifch. Der Führer der Luftschiffe. — Thor Goote: Peter Strasser,der F. d. L. Der Führer der Luftschiffe. Mit einem Geleitwort vom Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generalfeldmarschall Hermann Göring. 288 Seiten mit 39 Abbildungen. Kartoniert 3,80 RM., Leinen 4,80 RM. Breidenstein Verlagsgesellschaft, Frankfurt a. M. — (151) — Thor Goote wurde in diesem Jahre, wie seinerzeit ausführlich berichtet, mit dem Gau-Kulturpreise des Gaues Hessen-Nassau ausgezeichnet. Sein Buch über Fregattenkapitän Peter Strasser, den Führer der deutschen Marineluftschiffe im Kriege, erhielt früher bereits den Preis der Stadt Frankfurt a. M. für das beste Buch auf dem Gebiete der Luftfahrt. Es ist eine Tatsachenschilderung, die sich wie ein spannender- Roman lieft: in einem knappen und fachlichen Stil geschrieben wie die Geschichte des Fliegerhauptmanns Berthold, behandelt dieses Werk, ähnlich wie Gootes Munitions- kolonnen-Roman „Wir fahren den Tod", ein im großen Gesamtbilde des Weltkrieges verhältnismäßig unbeachtet gebliebenes Teilgebiet, die heroische und ruhmreiche Geschichte der Marine - Luftschiffe: diese Chronik reicht vom Herbst 1913 bis zum August 1918, umfaßt also eben fünf Jahre; das ist eine geringe Zeit, aber sie enthält ein Heldenlied deutschen Soldatentums, dos bisher — im Vergleich zu anderen Waffengattungen — unverdienterweise allzu wenig gewürdigt worden ist. Zentralfigur ist der F. d. L., der Führer der Lustschiffe, Peter Strasser, der 1918 bei einem Angriff über England wie so viele andere gefallen ist: Strasser war die Seele der damals noch ganz jungen, in den ersten Anfängen steckenden, unerprobten, von vielen Mißerfolgen und großem Mißtrauen in ihrer Entwicklung bedrohten und gehemmten Waffe. Strasser war die ideale Persönlichkeit, diese Waffe zu einem scharfen, praktisch brauchbaren Instrument zu entwickeln, deren Einsatz besonders während der letzten Jahre von sehr wesentlicher Bedeutung für die deutsche Kriegführung wurde; in Strasser vereinigten sich die Fähigkeiten des geborenen Soldaten und hervorragenden Führers mit dem gerade hier so notwendigen technischen Verständnis und Weitblick, die Begabung eines glänzenden Organisators mit menschlicher Vornehmheit, Charakterstärke und mit der Zähigkeit eines unerschütterlichen Aufbauwillens und Kampfgeistes: deshalb war die Marineluftschiffahrt im Kriege recht eigentlich Strassers Werk und ihre Geschichte von der seinen gar nicht zu trennen. Gootes Buch ist „um Tatsachen gestaltet": es verarbeitet eine Menge authentischen Quellenmaterials und erhält dadurch ausgesprochen dokumentarischen Wert, der durch die Beigabe zahlreicher, zum Teil kaum bekannter Photographien außerordentlich gesteigert wird. In Gootes Darstellung ist übrigens die Schilderung der inneren Kämpfe um den Ausbau der neuen Waffe nicht weniger aufschlußreich und packend als die der zahllosen, immer wieder mit schmerzlichen Verlusten an wertvollen Menschen und kostbarem Material bezahlten Angriffe auf England: ehe unsere Marine- luftschiffe gebaut, eingesetzt werden und kämpfen konnten, mußten unendlich zermürbende Schwierigkeiten und Widerstände überwunden werden; die Darstellung des „Papierkrieges", der Gegnerschaft Bethmann-Hollwegs und der „Allerhöchsten Stellen" und die Szenen mit dem alten Grafen Zeppelin gehören zu den eindrucksvollsten Partien dieses Werkes, das eine seit langem bestehende Lücke in der deutschen Weltkriegsgeschichte vortrefflich ausfüllt. Hans Thyriot Deutsche Erzähler. — Edgar Maaß: Das große Feuer. Roman. Preis in Leinen geb'. 5 Mark. Propyläen- Verlag Berlin — (70) — Noch in unserer Kinderzeit war die Geschichte von dem furchtbaren Brand, der im Mai des Jahres 1842 den größten Teil der Hamburger Altstadt in Schutt und Asche gelegt hat, höchst lebendig, wohl der beste Beweis von dem starken Eindruck dieser verheerenden Katastrophe auf die Zeitgenossen. Hamburg hatte durch seine enge wirtschaftliche Verflechtung mit England gerade zu jener Zeit die ersten sozialen Auswirkungen der be- ginnenben Industrialisierung zu spüren bekommen. So wurde nach Hamburg geflohenen Anhängern der Chartistenbewegung die Schuld an dem Ausbruch des Brandes in die Schuhe geschoben, aber der Verdacht war wohl unbegründet. Auch Edgar Maaß läßt die Frage offen. Mit faszinierender Darstellungskraft schildert er das Aufkommen des Brandes und fein unaufhaltsames Vorrücken über Straßen und Fleete hinweg, einen Stadtteil nach dem andern in Asche legend, bis die Wälle und großzügig vorgenommene Sprengungen ihm Halt geboten und der Wind sich legte. Vor dem düster farbigen Hintergrund dieser gewaltigen Naturkatastrophe entsteht von der gesellschaftlichen Struktur des damaligen Hamburg ein ungemein lebendiges Bild, aus dem sich eine Fülle mit feinem künstlerischen Empfinden und warmherzigem Verständnis gestalteter Menschen herausheben, deren Reaktion auf das Erlebnis des großen Brandes Edgar Maaß mit stark dramatischem Akzent charakterisiert hat. So unheimlich die geradezu phantastische Vision der Katastrophe ist, so packend ist doch auch der Eindruck, der sich ihr entgegenstellenden Gemeinschaft von Senat und Bürgerschaft. Was uns der Dichter hier in eindringlichen Szenen erleben läßt, weist aus dem Zeitbild des großen Brandes hinaus in unsere Tage. Fr. W. Lange. — Franz Turnier: „Der Soldateneid". Eine Erzählung. In Leinen geb. 4,20 RM. Albert Langen / Georg Müller Verlag. Miinchen. — (123) — Zu den mancherlei Büchern,' die von der Heimkehr der Ostmark ins Reich Kunde geben, ge- sellt sich dieses Werk, das, unmittelbar aus dem Erleben jener denkwürdigen geschichtlichen Tage entstanden, in einem tieferen Sinne als Bild und Bericht es vermögen uns Größe und Ausmaß dieses Geschehens in Erinnerung bringt. „Volksrecht bricht Staatsrecht. Gesetz, Ehre und Gehorsam bestehen nicht für sich, sie kommen vom Volk, weil alles vom Volk kommt." Diese Wahrheit, zu Anfang nur dumpf geahnt, dann, als das Schicksal 'immer drohender auf sie zuschreitet, in tödlichem Ernst am eigenen Dasein erlebt, spricht aus den Gedanken und Handlungen einiger junger Soldaten, die sich unter dem Zwang der Ereignisse vor eine unabwendbar tragische Entscheidung gestellt sehen. Allzubald lernen sie begreifen, daß es in diesen Stunden äußerster männlicher Bewährung keine Ausflucht gibt, sondern daß sie gefaßt dem Schicksal begegnen müssen. Und sie handeln mit elementarer Notwendigkeit, wie es ihnen das Gewissen befiehlt, dem Drange folgend, daß Blut zu Blut will und Volk zu Volk. Mit dem Gd der österreichischen Soldaten auf den Führer des deutschen Volkes und Reiches, einem Vorgang, dem Tumler in großartiger Anschaulichkeit uns vor Augen führt, klingt diese packende männliche Dichtung aus: Bild und Zeugnis der zu ihrer Sendung erwachenden deutschen Welt. — Ulrich Sander: Mann vom See. Roman. Geb. 5,80 Mark. Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg t. O./Berlin. — (116) — Der See und der Krieg als Naturgewalten, bestimmen Inhalt und Gestalten des Romans. Wilhelm Mann bewährt sich, erst in einem harten Fischerleben, dann als Mann und Soldat. Eine Bauerntochter wird seine Frau. Sie besteht nicht vor der Größe und Einsamkeit des Sees und der Härte des Krieges, der sie des steten festen Halles ihres Mannes beraubt. Dieser wird als Meldegänger der treueste Helfer seines Hauptmanns, dem er auch in persönlichen Sorgen und Kümmernissen in der Einfalt und Klugheit des einfachen Mannes Berater wird. Seinen Kameraden ist er in wortloser Pflichterfüllung Vorbild in allen soldatischen Tugenden. So ist er schließlich Halt und Rückgrat der ganzen Kompanie. Aus schweren Gefahren und Kämpfen wächst er empor zum freien deutschen Mann und Krieger. Der Roman schließt, als Wilhelm am Kriegsende zu seiner Arbeit am See zurückkehrt, mit dem Ausblick, daß er mit seiner zweiten Frau, einer einfachen Fischerstochter, das schwer erkämpfte Glück seines Herzens finden wird. — Otto Völckers: Der Schmied der Götter. Leben und Liede des Hephaistos. Roman. 262 Seiten. RM. 4,80. Sozietäts-Verlag, Frankfurt am Main. — (141) — Hephaistos, der Gott des Feuers, den die Römer Vulkan nannten, Sohn des Zeus und der Hera, ist eine der anziehendsten Gestalten des antiken Göttechimmels. Seine Geschichte schildert im Spiegel des 20. Jahrhunderts, mit den Stilmitteln eines psychologischen Romans, Otto Völckers. Es ist eine heitere, mitunter auch rührende Geschichte. Die Sonne Homers lächelt über der von Göttern und Titanen, Nymphen und Satyrn, Riesen und Ungeheuern bevölkerten Welt — die Grazien begleiten den munteren Fluß der Erzählung. Doch entbehrt sie keineswegs der tieferen Bedeutung und eines sinnvollen Ernstes. Von den Unsterblichen verlassen, ragt der Olympos heute ins griechische Land. Aber mitnichten sind die alten Götter gestorben. Noch wandeln sie verborgen unter uns Lebendigen, so sagt der Verfasser, wir müssen sie nur erkennen. — Walter von Hollander: Therese Larotta. Roman aus dem Engadin. Leinen 4,— Mark. Propyläen-Verlag, Berlin. — (142) — Die Wunder der Engadiner Bergwelt sind der Hintergrund dieses Romanes, in dessen Mittelpunkt eine Frau steht, deren Leben nur der Arbeit ihres kleinen Bauerngutes gewidmet ist, das sie für ihre beiden kleinen Söhne erhalten will. Einsam ist sie, aber ihr gesunder Instinkt bewahrt sie vor falschen Wegen. Da tritt ein Mcmn in ihr Dasein, dem sie sich schenkt, obwohl sie nicht an die Dauer dieser Liebe glaube kann. Ihre Geradheit, ihre ruhige Sicherheit und ihr klares Menschentum halten alle schweren Konflikte von ihr fern. So findet sie zum dauernden Glück. Dem Dichter ist die Gestalt mit einer wunderbaren Ausgeglichenheit zwischen Wirklichkeit und Traum gelungen.. — Paul Keller: Waldwinter, Illustrierte Jubiläumsausgabe, 500. Tausend mit 25 Zeichnungen von Erich Fuchs. Preis in Leinen geb. 3,75 Mark im Bergstadtverlag, Breslau. — (30) — „Waldwinter" ist der erste Roman des bekannten schlesischen Dichters. Zeitlos ist das Geschehen in diesem Roman, der in die stille Welt der schlesischen Berge führt. Die Freude an der Natur, am unverbildeten Menschen, das Reifen und Wachsen an Schuld und Schicksal, alles Geschehen zwingt den Leser in seinen Bann. Die Illustrationen von Erich Fuchs sind eine wohlgelungene Ergänzung der Worte Paul Kellers. England und die Engländer. zu dumm —, werden durchkreuzt von der Eifersucht einer geizigen Mutter..." Es ist ein schönes Verdienst des Insel-Verlages, daß er in der „Bibliothek der Romane" dem „Uilenspiegel", der „nationalen Bibel des belgischen Volkes", in einer Neuausgabe nun auch die Hochzeitsreise" als das zweite Hauptwerk de Costers folgen ließ, und es ist zu wünschen, daß die kürzlich beendete Verfilmung dem Buche neue Leser und beständige Freunde gewinnt; denn es ist ohne Zweifel begründet, wenn der Verlag dieses Werk als eine der schönsten Liebesgeschichten ankündigt, — und zwar eine, die auf die wunderbärste Weise beginnt: mit einer Erweckung und Auferstehung vom Tode nämlich, wie man der- — A. Hillen Ziegfeld: England inder Entscheidung. Mit 30 Bildern und 10 Karten. Preis Leinen 6,80 Mark, kart. 4,80 Mark. Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig. — (143) — Eine freimütige Deutung englischer Wirklichkeit, so nennt A. Hillen Ziegfeld sein neues Buch, das gerade heute, in einer Periode schärfster Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und dem Jnselreich, zu zeigen vermach, wie weit sich England durch eine überstürzte und zerfahrene Diplomatie von der traditionellen Linie seiner Weltpolitik entfernt hat, wie es aber auch jene alten Methoden des kompro- mißfreudigen Opportunismus, des „wait and see“ und des „Teile und Herrsche" angesichts der neuen Weltlage kaum mehr gebrauchen kann, wie es andererseits zum Handeln gezwungen ist, ohne schnell handeln zu können, wie es mit einem 'Wort feine innere Lebenssicherheit zu verlieren droht. Dies alles wird um so deutlicher, als Hillen Ziegfeld in keinerlei Vorurteilen gegenüber England befangen ist, vielmehr aus seiner reichen und genauen Kenntnis englischer Geschichte und Gegenwart alle positiven Momente zusammenträgt, die am Aufbau des Britenstaates und des Empire mitgewirkt haben. Der Verfasser wollte eine Wesenskunde des Engländers schäften, die geeignet sei, in Deutschland das Verständnis für das Volk jenseits des Kanals zu erleichtern. Dieses Vorhaben ist durchaus gelungen, wenn es auch vielleicht vom Leser gelegentlich als störend empfunden wird, daß er in verschiedenen Kapiteln des Buches ost dieselben geschichtlichen Tatbestände in anderer Beleuchtung wiederholt vorgesetzt bekommt. Freilich sind diese Wiederholungen aus der Absicht gerechtfertigt, die ungeheure Fülle des Stoffes in eine systematische Ordnung zu bringen, was gerade bei der außerordentlichen Kompliziertheit und scheinbaren Gegensätzlichkeit des englischen Charakters notwendig sein mag. So liegt hier also geradezu ein Kompendium der englischen Wesenskunde vor, das — ohne ein trockenes Gelehrtenwerk sein zu wollen — doch selbst dem politischen Fachmann und Englandkenner noch erschöp- ende Auskünfte und neuartige Hinweise zu geben vermag. Wer das Buch richtig und mit Nutzen zu lesen versteht, wird bei eigenem Nachdenken aus ihm eine' Menge von Erkenntnissen und Schlüssen ziehen können, 'die für die Beurteilung des weltpolitischen Kampfes von heute arößte Bedeutung haben. , Heinrich Evers. — Irene Seligo: Zwischen Traum und Tat, Englische Profile. Preis geb. 7,50 Mark. Societäts-Verlag, Frankfurt a. M. — (3) — Für diese Sammlung von Bildnissen bedeutender Engländer hat die Verfasserin zwölf nach Rasse und Geist für den englischen Typ repräsentative Gestalten herausgegriffen, beginnend mit der Zeit des Erwachens des englischen Nationalgefühls im 15. Jahrhundert bis auf unsere Tage. Wir finden in dieser Gemäldegalerie Sir Robert Ralegh, den ersten Baumeister des Weltreiches Milton, den Dichter des verlorenen Paradieses, Cook, den großen Weltumsegler Gordon, den Helden von Khartum und den Dichter T. E. Lawrence neben einer Reihe weniger volkstümlicher Gestalten, die jedoch der Verfasserin in ihrem Profil das englische Wesen am deutlichsten zum Ausdruck zu bringen schienen. Jedes einzelne Porträt ist mit historischer Treue angelegt worden und doch ist die Schilderung so lebendig, daß man nicht nur von den einzelnen Gestalten einen ungemein plastischen Eindruck erhält, sondern daß sie als Ganzes zu tiefen Erkenntnissen englischen Wesens aus Englands Geschichte fuhren. Eine Reihe Porträtwiedergaben unterstützen die Lektüre des interessanten und fesselnden Buches. Fr. W. Lange. — Hans Grimm: Wie ich den Engländer sehe. Preis kart. 1 Mark. C. Bertelsmann Verlag, Gütersloh. Hans Grimm sucht beim Briten ZU dem Verständnis für die deutsche Wirklichkeit ein Sehen und Bejahen des eigenen Anteils an den uns „Nordmännern" gemeinsamen Aufgaben der Zukunft. Es geht ihm um die Verantwortung der aermanisck bestimmten Völker für das Schicksal unserer Welt. Aus Einsicht in englisches Wesen und englische Seele spricht Hans Grimm zu einer Frage, die alle angeht. Gestalten der denffchen Dichtung. — Moritz Jahn: Die Gleichen. Eine Erzählung um Gottfried August Bürger. 108 Seiten. In Leinen 3 Mark. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München, 1939. — (115) — Moritz Jahn, der unter lebhafter Förderung des Freiherrn Bör- ries von Münchhausen zuerst mit einer Reihe niederdeutscher Erzählungen und Gedichtbände („Boleke Roleffs", „Die Geschichte von den Leuten an der Außenfohrde", „Im weiten Land", „Unke- punz" und „Ulenspegel un Jan Dood") an die Oeffentlichkeit getreten ist, darf mit diesem neuen Buche einen wohlbegründeten Anspruch darauf erheben, auch außerhalb eines landschaftlich begrenzen Bezirkes in Deutschland aufgenommen und gewürdigt zu werden. Die Erzählung „Die Gleichen" ist eine formal und geistig mit überlegener Beherrschung und künstlerischer Reife gestaltete Novelle, deren Thema die bekannte unselige Liebes- und Ehegeschichte des Dichters Gottfried August Bürger ist. Dieser (1748 bis 1794), als Mitglied des Göttinger Dichterkreises, als llebersetzer („Münchhausen') und vor allem als Balladendichter („Lenore", "Der wilde Jäger", „Das Lied vom braven Mann", „Des Pfarrers Tochter zu Taubenhain") bekannt und volkstümlich geworden, hat ein wenig glückliches Leben geführt; feine Doppelneiguna zu den Schwestern Dorette und Molly (Auguste) Leonhardt hat. fein Dasein wie feine Dichtung verhängnisvoll beschattet, und eine dritte, bald wieder geschiedene Ehe mit der Stuttgarterin Clise Hahn, dem ^Schwabenmädchen", brachte erst recht keinen Segen. Bei Jahn handelt es sich nur um die beiden Schwestern; seine Erzählung, allem nüchternen Realismus ab gewandt^ trägt die Dinge mit zartem Takt und behutsam spürsinnigem Einfühlungsvermögen an den Leser heran; er begreift diese Doppelneigung als schicksalhaftes Zentralerlebnis des Dichters und sieht im Einmaligen und Besonderen das Allge- mcine: der Fall Bürger ist hier mit einer hohen @abc der Intuition gleichsam transparent und beispielhaft geworden für das Außerordentliche jeder echten künstlerischen Eristenz, für die Disproportion (um einen Begriff Goethes zu gebrauchen) des dämonischen Menschen mit dem Leben und mit seiner bürgerlichen Umwelt. Man wird die niederdeutsche Herkunft dieses Buches nach wenigen Seiten empfinden; man wird aber auch bald gewahr werden, wie weit die Erzählung über den Umkreis der Landschaftskunst ober Heimatdichtung im engeren Sinne hinausreicht. Hans Thyriot. — Anton Mayer: Der Göttergleiche. Erinnerungen an Rudolf G. Binding. 94 Seiten, mitten und Loenina Verlag, Potsdam 1939. — (137) — Unsere Leser werden sich vielleicht mit stillem Vergnügen der hübschen Anekdote aus Vinnings Kavalleristenzeit erinnern, die wir einige Tage nach feinem Tode im Feuilleton brachten: der sie erzählt hatte, ist der Verfasser dieses kleinen Buches, jüngerer Regimentskamerad Dindings bei ben Königin-Husaren in Grimma, Berliner Stu- dlengenosse, Reisebegleiter und Freund des Dichters, derselbe „Anton", der im „Erlebten Leben" eine nicht unbedeutende, als Anreger der berühmten Reise nach Griechenland vielleicht sogar in gewissem Sinne entscheidende Rolle spielt. Was Mayer hier, bescheiden und anspruchslos, berichtet, rundet das autobiographische Dokument des „Erlebten Lebens" auf eine so liebenswürdige wie vielfältig aufschlußreiche Weise ab. Dindings private Exlstenz ist Zeit feines Lebens hinter der makellosen Sachlichkeit feines Werkes zurückgetreten- diese Erinnerungen hier an den „Göttergleichen"', wie der Reserveoffizier R. G. V. im Regiment mit ahnungsvoller Auszeichnung genannt wurde, haben den unmittelbaren Reiz persönlicher Begegnung, vertrauter Bekanntschaft und schmerzlich-liebevoll bewahrter Erinnerung an einen außerordentlichen Menschen: sie sind dazu angetan, das objektive Bild, das wir uns, auch nach dem „Erlebten Leben" noch, von Bindings menschlicher und geistiger Erscheinung machen, mit manchen kleinen, dennoch charakteristischen Zügen zu bereichern und vom Anekdotischen her beziehungsvoll aufzulockern: die geliebte Gestalt des Dichters wird vielen seiner Freunde nach der Lektüre dieser Erinnerungen noch näher und heller belichtet vor Augen stehen und unvergeßlich bleiben. Das sehr hübsch ausgestattete Büchlein fügt sich auch äußerlich vollkommen dem Bilde der kleinen Binding-Bände ein; man stellt es gern in die stattliche Reihe hinein. Hans Thyriot. gleichen sonst nur in heiligen Schriften ober im Volksmärchen findet. Aber die Hochzeitsreise" ist nicht nur eine Liebesgeschichte, eine der schönsten, sondern auch ein Charakterbild von großartiger und manchmal unheimlicher Schärfe und Naturtreue. Die Gestalt der Mutter Roosje ist mit einer realistischen Unerbittlichkeit empfunden und dargestellt, daß ihr Ausmaß mehr als einmal die Hauptfiguren der Liebeshandlung überschattet: die Gestalt der Schwiegermutter, eine Figur, die bei uns fast ausschließlich der plattesten und abgeschmacktesten Komik, den obskuren Bezirken der Witzblatt-Literatur und allenfalls des billigen Schwankes angehört, ist bei de Coster zu einer Erscheinung geformt, die aus Shakespeares unerschöpflichem Pandaimonion stammen könnte und im Französischen wohl nur im alten Grande! bei Balzac ihr Gegenbild findet, — im Deutschen, soweit wir zu sehen vermögen, nirgends. — Heute, 60 Jahre nach de Costers Tode, ist es wohl so weit, daß man seine Bücher nicht mehr ausführlich anzupreisen braucht: wir sind gewiß, daß die neue, geschmackvolle und bemerkenswert wohlfeile Ausgabe der Jpsel sehr schnell ihren Weg machen wird. Hans Thvriof. — Knut Hamsun: „Mysterien". Roman. Neue Uebersetzung von I. Sandmeier. In Leinen geb. 3,80 RM. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München. —(124)— Die „Mysterien" Knut Hamluns waren einst vor der Jahrhundertwende jenes Werk, das Albert Langen, nachdem es ihm überraschend in die Hände. geraten war, bewog, seinen Verlag zu gründen. Aufgeschlossen für alle echte und große Kunst hatte er die Stärke dieser Dichtung erkannt und ihr wie'allen nachfolgenden Werken des großen Norwegers die Wege geebnet, die feinen Namen zu Erfolg führten. In der unverwelklichen Frische ihrer Zeitlosigkeit zieht darum diese Geschichte von Johan Nilsen Nagel auch heute noch den Leser in ihren Bann. Dieser Fremdling, der eines Tages in einer kleinen Stabt auftauchte, „eine Menge auffallenber Dinge trieb unb ebenso plötzlich roieber verschwand, wie er gekommen war", ist eine jener eigentümlichen Hamsunschen Gestalten. Während er zu Anfang einer bunflen Kriminalgeschichte nachspürt, sieht er sich bald barauf durch seine seltsame Liebe zu zwei Frauen in einen Strudel seelischer Geheimnisse hineingerissen, bie ihn fein Gleichgewicht kosten unb ins Verberben ziehen. An ber Unbegreiflichkeit des Lebens fcheiternb, wirb ihm schließlich ber Meeresgrund zur letzten, alle anberen Mysterien entschlei- ernben Zuflucht. Knut Hamsun, ber in Kürze sein achtzigstes Lebensjahr do Öen bet, konnte keine schönere Ehrung wiberfahren als mit dieser Volksausgabe eines seiner berühmtesten Werke. Reue TierbiWr. — „ Buschi ". Vom Drangt Säugling zum Backenwülster. Von Professor Dr. G. Brandes. 132 Seiten mit 155 Abbildungen. Seinen RM. 4,80. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — (93) — Professor Brandes brachte es zuwege, einen Orangsäugling durch geschickte Behandlung großzuziehen und ihn lange Jahre hindurch zu beobachten. Sein« Ergebnisse schildert er in einer höchst originellen Art, indem er Wort und Bild Zusammenwirken läßt und eine Darstellung findet, die in ihrer unterhaltsamen Anschaulichkeit den Forscher und Laien in gleicher Weise anspricht. Ohne in den Fehler der Vermenschlichung zu fallen, zeigt Brandes, was diese interessante Tierart auszeichnet, und wie ber Gelehrte immer roieber gezwungen ist, bie Fragen nach ben Beziehungen bes Menschengeschlechts zu den hochstehenden Menschenaffen aufzuwerfen. Damit wird bie Abstammungslehre unmittelbar be- rührt^ So wird das Buch zahlreiche dankbare Leser finden. — Curt Strohmeyer: Der wilde Wisent K o s ch t a n ° T a u. Ein Roman. Mit 32 Aufnahmen. Preis broschiert 3,75 Mark, Ganzleinen 5 Mark. Deutscher Verlag, Berlin. — (79) — Der Wisent, dieses herrliche Großwild aus der grauen Vorzeit, ist in den freien Wildbahnen ausgestorben und in bie beschränkte Freiheit großer Gehege ein» gezogen. Das Schicksal bes Recken Koschtan-Tau, bes letzten in freier Wildbahn geborenen Wisent-Stieres, schildert Curt Strohmeyer. Wie schon in seinem Roman von den letzten Bibern, läßt Strohmeyer auch hier das Tier selbst allein als Geschöpf lebendig werden. Strohmeyer ist ben Spuren bes Wisents nachgegangen in ben großen Gehegen und Tiergärten unseres Kontinents. Aus dem Ergebnis seiner Reisen formte er ben Roman des Koschtan-Tau, dessen Schichsal sich in Deutschland erfüllte. Zahlreiche schöne Aufnahmen heben den Reiz dieses Buches. Nr. 124 Drittes Blatt Mittwoch,ZI.MaiMY Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Aus der Stadi Gießen. Röntgenstrahlen — Trauring — Blutwurst. Die Wahrheit des Spruches: „Kleine Ursachen, große Wirkungen" trifft wohl in den meisten Fällen zu. Es kann aber auch einmal umgekehrt kommen, es können große Ursachen auch einmal kleine Wirkungen auslöscn. Der berühmte Physiker Röntgen, der 1879, also vor 60 Jahren, an unserer Gießener Universität lehrte, entdeckte 1895 die nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Diese unsichtbaren Strahlen durchdringen bekanntlich viele für gewöhnliches Licht undurchdringlichen Körper. Heute kennt jedes Kind diese Strahlen, und es gibt bald kaum noch einen Menschen, der nicht schon einmal geröntgt worden märe. Als um die Jahrhundertwende die breitere Oefscntlichkeit von dieser Entdeckung Kenntnis erhielt, hatten nur Wenige eine Ahnung von der Bedeutung dieser Strahlen für die Wissenschaft und für die Gesundheit der Menschen. Voll Staunen vernahm man, daß man den menschlichen Körper durchleuchten und seinen Knochenbau auf der fluoreszierenden Scheibe erkennen könne, daß sich die Ringe an der Hand deutlich von der Knochen Hand abhoben, ja daß man sogar seine Geldtasche durchleuchten könne, um festzustellen, ob noch Hartgeld darin sei. Durchleuchtete man Männlein und Weiblein in der Kleidung, dann konnte man ohne Ansehen des Geschlechts manchen „dunklen Punkt" feststellen da sich alle Metalltcile, wie Uhren, Ringe, Halsketten und Metallknöpfe als solche dunklen Punkte auf der Scheibe abzeichneten. Als der im Jahre 1936 verstorbene Geheimrat Professor Dr. König, ein Nachfolger Röntgens auf dem Lehrstuhl der Physik unserer Universität, um die Jahrhundertwende noch Leiter des Physikalischen Vereins in Frankfurt a. M. war, erschien eines Tages ein biederer, Frankfurter Metzger- meister und erklärte ihm: „Ich hab in de Zcitunge von dene Strahle gelese, die bord) alles dorchdringe, nor net durck) Metall. Denke Se nor, da is mer beim Worschtmack)e mei' Trauring in die Worscht- inc.ff gefalle, un ich kann en net mehr sinne. Was dhet mei Fraa sage, wann ich kaan Trauring mer hct! Kenne Se mer da net aus der Verlegenheit helfe?" „Dem Manne kann geholfen werden", dachte König. „Wo haben Sie denn Ihre Würste?" „Ei drauße uff dem Wage." In wenigen Minuten waren 50 Pfund duftende Blutwürste im Laboratorium ausgebaut, in dem sich der würzige Geruch der Würste und der Säure- und Aethergeruck) des Laboratoriums zu einem eigenartigen Gemisch vereinigten. Und nun ging es an die Arbeit. Wurst für Wurst wurde durchleuchtet, als plötzlich der Metzger- meister freudestrahlend feinen Trauring, wohl eingebettet zwischen den Fettwürscln einer Wurst, auf dem Röntgenschirm entdeckte. „Ei da is er ja, Herr Doktor, Gott sei Dank, daß ich den widdcr hab." Ein Schnitt mit dem Messer und der Ring konnte dem beglückten Metzgermeister von Professor König wieder an den Finger gesteckt werden. Es ist nicht auszudcnken, was geschehen wäre, wenn damals die Röntaenstrahlen nock) nicht entdeckt gewesen wären. Gewiß, der Metzgermeister hätte alle Würste wieder entleeren und die Wurstmasse nochmals durchwühlen können, das hätte aber für ihn großen Zeit- und auck) Geldverlust bedeutet. Hätte er alle Würste, also auch die mit dem goldenen Inhalt verkauft, dann gab cs drei Möglichkeiten. Entweder bekani er von dem Käufer,' der den Ring rechtzeitig fand, ihn zurück: das wäre der einfachste Fall gewesen. Oder aber der Käufer behielt den Ring und verkaufte ihn. Dann war der Trauring für den Metzger verloren, und was hätte die Frau gesagt? Ober aber der Käufer verschluckte den Ring. Im letzteren Falle gab es wieder drei Möglichkeiten. Entweder merkte derjenige, der den Ring mit der Wurst verzehrte, gar nichts davon, dann war der Ring für immer verloren, oder er sand ihn einige Stunden nach dem Genuß — das wäre aber ein Zufall ohne gleichen gewesen —, oder er starb an einer durck) den Ring verursachten Gießener Gtaditheater. Gastspiel der Tegernseer Bauernbühne. Zum heiteren Abgesang und Ausklang der Winterspielzeit gab die Tegernseer Bauernbühne von Ander! Schultes aus Egern ein Gastspiel. Wir kennen die Tegerirscer von früheren Besuchen; sie brachten vor Jahren Thomas „Magdalena" und Mohrs „Kalteisergeift". Diesmal reisen sie mit leichterer Ware und geben ein ländliches^ Lustspiel von Anton Mali) und Toni Gerlin in drei Akten unter dem verheißungsvollen Titel „Das blau- seidene Strumpfband". * Der Ort der Handlung ist Oberbayern, wie es sich versteht, und die Geschichte spielt im Sommer 1937; daß diese Zeitangabe nicht von ungefähr ist, merkt man an allerlei aktuellen Zutaten; es ist zum Beispiel von KdF. die Rede, von „Kamps dem Verderb", von Landhilfe und Arbeitsdienst. Durch den Arbeitsdienst hat nämlich die Rost aus der Stadt das Landleben im allgemeinen und die Familie Schirmadinger im besonderen kennen und schätzen gelernt, und als sie wiederkommt, kommt sie nicht bloß zu Besuch, sondern für immer: sie kriegt den Franzl und wird Bäuerin auf dem Hof, sie paßt aufs Land und hat Freude an der Bauernarbeit und versteht was davon. * Das geht natürlich nicht so geschwind, sonst wäre das ganze kein ländliches Lustspiel, sondern es sind allerlei Widerwärtigkeiten und Mißverständnisse aus dem Wege zu räumen, bis es soweit und alles in Ordnung ist. Erstens ist grab, als bie Rost kommt, die beste Kuh eingegangen, zweitens hat die Bäuerin etwas gegen die Rost, der sie nicht traut, und die sie für eine städtische „Flitschn" hält, und drittens passiert die ärgerliche Geschickte mit den blauseidenen Strumpfbändern, die an verschiedenen unpassenden Orten gefunden und der Rost zugeschoben werden. Sie gerät dadurch in einen abscheulichen Verdacht, und es dauert seine Zeit, dis die Irrtümer aufgeklärt sind und der häusliche Frieden auf dem Hofe wieder hergestellt ist: zuletzt hat die Rosl den Franzl, die Dirn Marei den Knecht Wastl, und Bauer und Bäuerin haben ebenfalls ihren gefährlichen Ehestreit begraben. * Anderl Schultes hat die Spielleitung. Die drei Akte entfalten sich im oberbayerischen Dialekt breit und behäbig, mit volksstückmäßigen Späßen und kräftig sitzenden Pointen, die zum Teil auch ohne SA.-Slairdar1en-Sporttag 1939 in Gießen. SSO aktive Wettkämpfer am Start. — Wettbewerbe im Zeichen des Wehrsports. Der kommende Samstag und der Sonntag bringen als bedeutendstes sportliches Ereignis in Gießen und weitem Umkreis den S t a n d o'r t e n s p o r t - tag der SA.-Standarte 116. Der Spolt- taq wird viele der Kameraden aus dem Kreise der SÄ. im edlen Wettstreit vereinigen, die im Laufe des Jahres in unermüdlicher Hebung an fick; gearbeitet haben, um sich spannkräftig und damit wehrfähig zu erhalten, die immer wieder nach der Arbeit des Tages sich auf dem Sportplatz, auf dem Schießstand usw. einfandcn und nach immer besseren Leistungen strebten. Dann kamen die Sturmausscheidungen, in denen die besten Kameraden ermittelt wurden, die nun die Ehre haben, ihren Sturin bei dem Standarten-Sporttag in Gießen zu vertreten. Es verdient hier besonders betont zu werden, daß es gerade für bie SA.-Kameraden auf dem Lande kein leichtes ist, sich immer wieder für diese sportlichen Hebungen frei zu machen, denn der Arbeitstag an sich fordert schon den ganzen Monn heraus. Um so höher ist deshalb der idealistische Einsatz einzuschätzen, der in dieser steten Beteiligung an den sportlichen Hebungen zum Ausdruck kommt, ein Einsatz, der von jeher die SA. charakterisierte. Ebenso erfreulich ist es, daß für den Standarten- Sporttag die Kameraden in so überaus stattlicher Zahl mnd durchweg auf der Grundlage der Freiwilligkeit ihre Teilnehmermeldung abgaben. So werden am kommenden Sonntag rund 5 5 0 a k - tive Wettkampfteilnehmer an treten und um die Siege ringen, die in den verschiedenen Disziplinen zu erkämpfen sind. Die Zeitfolge für diese große sportliche Veranstaltung bringt eine Fülle der interessantesten Wettbewerbe. Im Mittelpunkt stehen die Wehrmannschaftskämpfe, die wehrsportlichen Mehrkämpfe und die wehrsportlichen Einzelkämpfe. In den Wehrmann- schaftskämpfen werden die verschiedenen Stürme mit starken Aufgeboten antreten. Manche Stürme werden bis zu 40 Mann stellen und damit erkennen lassen, mit welchem Ernste die wehrsportliche Erziehungsarbeit betrieben worden ist. Gleichzeitig sollen die wehrsporllichen Leistungen der Mannschaften bei diesem Standarten-Sporttag vor einer größeren Öffentlichkeit den Beweis dafür erbringen, daß bie SA. für die vor- und nachmilitärische Ausbildung, die ihr durch den Führer übertragen worden ist, bestens gerüstet ist. Reben den wehrsportlichen Wettkämpfen werden auch in verschiedenen Disziplinen der Leichtathletik Wettkämpfe austragen, der tiefere Sinn und die Bedeutung des Standarten-Sporttages liegt aber darin, einer großen Zahl der Kameraden einen möglichst universellen körperlichen und geistigen Einsatz zu ermöglichen. Die Wettkämpfe werden sich vollziehen unter dem Gesetz der ritterlichen Achtung vor dem Gegner und der strikten Einhaltung aller Wettkampfbedingungen. Auf die einzelnen Wettkämpfe, bie ber Standartensporttag bringen wirb, kommen wir noch zurück. Für die siegreichen Mannschaften und Einzel- kämpfer wurden zahlreiche schöne Preise gestiftet, die je nach ihrer Art dem Sturm oder dem Einzelkämpfer zukonunen, der den Sieg errungen hat. So haben Kreisleiter Backhaus, Oberbürgermeister Ritter, Landrat Dr. Lotz, die Gießener Bankenvereinigung, die Bezirksfparkaffe Gießen, SA.-Obertruppfllhrer Graf Solms zu L o n b a ch, ferner die Ortsgruppe Mitte der NSDAP., außerdem verschiedene Firmen in Gießen und Gießen-Wieseck Preise gestiftet, die für den Einsatz der We/tkämpfer eine 'würdige und schöne Anerkennung darstellen werden. Verschiedene Preise gelten als Winderpreise und werden auch in den nächsten Jahren umkämpft werden. Der Standartelisporttag wird mit einer feierlichen Vereidigung der Wettkämpfer am Samstagabend auf dem Brandplatz eröffnet und am Sonntagabend mit einer Abschlußkundgebung auf dem Universitätssportplatz und einem Vorbeimarsch in der unteren Kaiserallee abgeschlossen. Darmverschlingung. Im letzteren Falle gab es dann wiederum drei Möglichkeiten. Entweder wurde ber Betreffende ohne Obduktion beerdigt, bann, konnte die eigentliche Ursache des Todes nicht festgestellt werden, der Ring wurde mitbegraben; oder aber der Ring wurde bei der Obduktion als Todesursache festgestellt, ohne daß man den Besitzer des Ringes feststellen konnte, oder aber man konnte auf Grund der eingravierten Daten in dem Ring den Besitzer ermitteln — und was dann? Alle diese Komplikationen sind durch die unsichtbaren Röntgenstrahlen vermieden worden. Also doch „kleine Ursachen, große Wirkungen!" L. G. Dornotizen. Tageskalenber für Mittwoch: Gloria-Palast (Seltersweg): „Drei Frauen um Verdi". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Vierte kommt nicht". Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Am morgigen Donnerstagabend im Botanischen Institut Vortrag von Professor Dr. Küster über „Plasmapfropfungen, Untersuchungen im Botanischen Institut zu 'Gießen". Lersickerungskarten durch die Kreishandwerkerschafien. Jeder selbständige Handwerker, der nach dem Altersversorgungsgesetz versicherungspflichtig und nicht durch eine Lebensversicherung von der Versicherungspflicht befreit ist, muß sich die Versicherungskarte und die zu klebenden Beitragsmarken selbst besorgen. Durch einen Erlaß des Reichsarbeitsministers sind jetzt die Kreishandwerkerschaften als Ausgabestellen 'für die Versicherungskarte bestimmt worden. DDM.-llutergau 116 Gießen. M.-Gruppe 4/116 Gießen-Nord. Alle Mädel der Gruppe treten Donnerstag, 1. Juni, um 20.15 Uhr, in Kluft mit Sportzeug zum Gesundheitsappell an der Schillerfchule an. Auch Mädel, die vom Sport befreit sind, müssen kommen. Der studentische Landdienst im Gau Heffen-Aaffau wird verdreifacht. NSG. Bei ber Schlußkunbgebung auf dem Deutschen Reichsstudententag in Würzburg verkündete Reichsstudentenführer Dr. Scheel, daß in diesem Sommer 25 000 Studenten und Studentinnen im Landdienst an den deutschen Ostgrenzen eingesetzt werden. Der Gau Hessen-Nassau wird in diesen Sommerferien den Landdiensteinsatz gegenüber dem Vorjahre verdreifachen. An allen Hoch- und Fachschulorten werden im Laufe des Monats Juni große Landdienstkundgebungen mit Rednern aus den an Polen grenzenden Gauen stattfinden. Für Frankfurt a. M. und Darmstadt sind Kundgebungen mit dem Reichseinsatzreferenten Kracke (München) vorgesehen, für .Weilburg und Gießen wurde Gauamtsleiter Hauptmann aus Oberschlesien gewonnen. Auf sämtlichen Kundgebungen wird Gaustudentenführer K u g e l m a n n sprechen. Freiwillige Meldungen für den studentischen Landdienst werden von den Kameradschaftsführern des NSD.-Studentenbundes und den Einsatzreferenten der Hoch- und Fachschulen bis zum 10. Juni entgegengenommen. Da der Haupteinsatz bereits am 15. Juli beginnt, wird im Hinblick auf die Wichtigkeit des studentischen Landdiensteinsatzcs im Osten Aus dem „Wochenspruch der NSDAP." i das Semester voraussichtlich schon an diesem Termin schließen. Heute letztes Maienblasen. Am heutigen Mittwoch, 31. Mai, findet vom Turme der Johanneskirche das letzte Maien- blajcn in diesem Jahre statt. Zur Darbietung kommen: 1. „Großer Gott, wir loben dich"; 2. „Das treue deutsche Herz"; 3. Deutschlandlied und Horst- Wessel-Lied. Mit dieser letzten Maienmusik findet für dieses Jahr eine Veranstaltung ihren Abschluß, bie in unserer Stadt, vor Jahren angeregt und eingeführt von Amtsgerichtsrat Gros.'zu einem alljährlich dankbar begrüßten traditionellen Dienst an ber Gemeinschaft geworden ist. Die Männer, die sich auch diesmal wieder mit ihrer instrumentalen Kunst für diese schöne Sache zur Verfügung stellten, verdienen alle Anerkennung. Diese kam bei den bisherigen Maimusikern durch zahlreichen Besuch dankbarer Zuhörer bereits zum Ausdruck, und sie wird sicherlich auch am heutigen letzten Abend dieser Art noch einmal durch zahlreichen Besuch bestätigt werden. Zähmung widerspenstiger Pferde. Auf Veranlassung der Landesbauernschaft Hessen- Nassau wird der Pferdesachverständige Inspektor Frank am Samstag, 10. Juni, um 10 Uhr vormittags, in der Veterinärklinik zu Gießen einen Vortrag mit praktischen Vorführungen über die zweckmäßige Behandlung bösartiger Pferde halten. Diese Vorführungen werden alle Bauern, Landwirte, Pferdehalter, Kutscher und am Pferd anteilnehmende Fachleute interessieren, da hier ein Gebiet der Pferdehaltung behandelt wird, das den Pferdebesitzern und -Pflegern bisher schon manche Sorge bereitet hat. Wie man Beißer, Schläger, Leinenkneifer und Nichtzieher zur Vernunft bringt, ohne sie zu quälen, das wirb in praktischen Vorführungen gezeigt werden. Die Pferdebesitzer werden aufgefordert, möglichst viel bösartige und verdorbene Pferde zu den Vorführungen mitjubringen. * ** Silberne Hochzeit. Am morgigen Donnerstag, 1. Juni, begehen der Kutscher Heinrich Ha us sauer und Frau, Bruchstraße 26 wohnhaft, das Fest ber silbernen Hochzeit. Dem Jubelpaar auch unfern herzlichen Glückwunsch. Text verständlich würden. Schultes spielt auch den siebzigjährigen Knecht Nickel, „seit Lebzeiten am Hof", einen bäuerlichen Raisonneur voll abgeklärter Lebenserfahrung, Gemütsruhe und gal- ligem Humor. Sefferl Höfer macht die Rosl, ein' Naturkind von ursprünglicher Herzlichkeit und Fröhlichkeit. Miezl Leitner und Seppl Gero- m ü 11 c r gaben in ergötzlichen Auseinandersetzungen über die Technik des „Kammerfensterlns" das verliebte Gesindepärchen, Ludwig Sippl und Mia Schenk waren Bauer und Bäuerin in hitzigem Wortgefecht. Dem Gastspiel wurde eine sehr freundliche Aufnahme, zuteil. Besonderen Anklang fanden bie stilgerechten Einlagen: die glockenklaren Jodler von Stefferl Höfer, ein sauber gespieltes.Schramml- Trio und ein zünftiger Schuhplattler. Hans Thyriot. Das rote Leuchten. Don Paul Eipper. An einem heißen Julisonntag im Jahre 1925 lag mitten auf dem Bürgersteig einer Straße des Berliner Westens ein schmales grünes Kaktusblatt. Weil ich der Meinung bin, daß auch die Pflanzen Not und Leid schmerzhaft empfinden, bückte ich mich herunter zum staubig-trockenen Steinpflaster und trug die weite Sprosse in meine Wohnung. Vierzehn Jahre sind seitdem vergangen; aus dem kümmerlichen Findling wurde ein fast meterhoher, dichter Phylloeaetus-Busch, der nun die gegenseitige Treue — zum erstenmal in dieser langen Zeit — durch sechs wundersame Blüten sich und mir bestätigt hat. Eines Morgens zu Ende des April sahen mir winzige Knospen an zwei der flachen Lanzenblätter des Phyllocaetus. Die zunächst unscheinbar graugrünen Sterne vergrößerten fick) in raschem Wachstum, setzten sich auf grüne, stachelige Stiele und kurvten so in schöner Schwingung fort von ihrem Mutterblatt. Die runde Sternform wurde bald zum länglichen Tropfen, dessen Spitze aber auch bann noch fest geschlossen blieb, als bie Blütenhütte schon goldgelb schimmerte mit einem lachsroten Hauck). Als ob bie breikantigen Blattsprossen nicht hinter ihren flach gekerbten Schwestern Zurückbleiben wollten, erschienen nun auch dort vier kleine Blütentriebe. Aber sie konnten unsere menschliche Aufmerksamkeit zunächst nicht aus sich lenken, denn eben jetzt entfaltete die erste Knospe ihre Feuerpracht. ' Nun sehe ich vom Morgen bis zum Abenb bieses prangende Leuchten über meinem Schreibtisch; ein rotes Traumgebilde schwebt scheinbar frei im Raum und taucht zugleich von unten hoch, in der Widerspiegelung der Glasplatte, bie meiner Hand zur Unterlage bient. Draußen vor dem Fenster stehen die Kiefern des Grunewalbes, der mir in mancher Vollmondnacht zum Taufendfäulen-Saal geworden ist; nun bildet er den schmucklos dunklen Hintergrund für meine Flammenblüte; deren Urahn dem tropischen Amerika entstammt. Er wucherte in der Borkenrinde alter Mammutbäume; Kolibris und edelsteinglänzende Schmetterlinge gaukelten in seinen Kelch, holten sich Nektar und Honig, führten zugleich bie Wechselbestäubung aus, als Dank und Gastgeschenk. Die kleinen Flügelwesen aber konnten kaum mit stärkerer Magie von der Glut der Farbe angezogen worden sein als nun ber Mensch, ber staunend diese Schönheit in .sich bannen möchte. Er sieht bie Form, bas rote Leuchten; er zählt die Blütenblätter, die sich schuppenartia ineinanderstaffeln und eine edel schlanke Schutzhöhle bilden für die Staubgefäße und den weißen Stempel, der sie in seiner langen, feinen Stielung alle überragt. Plötzlich entdeckt der Mensch am Zackenranh des untersten Blütenblattes einen lichten Tropfen; er war vor einer Stunde noch nicht da; jetzt trifft ihn ber Strahl ber Mittagssonne, und als ob diese Berührung viel zu hart gewesen.wäre, fällt nun ber farblos helle Tropfen auf mein Manuskriptpapier. Mit ber Kuppe bes kleinen Fingers nehme ich die ölig haftende Flüssigkeit behutsam weg und führe sie hoch zu meiner Zunge: nun weiß ich um den Duft aller Welten und um bie Süße bes Himmels. Morgen aber öffnet sich der andere Flammenbecher in jenem grünen Phyllocaetus, ber eigentlich auf einer Großstadtstraße hätte sterben sollen. Zeitschriften. — Zur 5. Neichsnährstandsausstellung in Leipzig bringt die „I 11 u st r i r t e Zeitung" einen Aufsatz bes Reichsbauernführers und Reichsernäh- rungsminifters Darre über bas Thema: „Ohne Bauerntum stirbt das Volk; auch der übrige Inhalt der Nummer ist hauptsächlich diesem Gedanken gewidmet. Mehrere Seiten enthalten farbige Wiedergaben von Gemälden Oskar Justs und stellen charakteristische Bauernköpfe dar. Reichsabteilungs- leiter im Reichsnährstand Dr. F. Lorz behandelt das Thema: „Hat der deutsche Bauer mehr erzeugt?" Auch dieser Aufsatz ist von zahlreichen Bildern begleitet Glona-palast:,,Drei§rauenumVerdi" 3n der Reihe ber Musik-Filme, bie uns bie letzten Jahre beschert haben, burfte dieser nicht fehlen; man muß sich fast wundern, dasi eine rührige Produktion nicht früher auf den Einfall geriet, und C5 lag nahe, baß er von Italien feinen Ausgang nahm. Verdis Aufstieg aus der Namenlosigkeit des jungen Anfängers zum Weltruhm: das ist ber Inhalt einer Bilderfolge, bie weniger dramatisch und ausgeprägt filmisch als vielmehr vom Anekdotischen, vom Persönlich-Biographischen und vom Opernhaft- Theatralischen her ihre Spielform gewinnt und überdies musikalisch, besonders gesanglich, von einer Reihe ber bekanntesten und schönsten Melodien Verdis verklärt wird. Der Film bezeichnet den Werdegang des Meisters vor allem durch die drei Frauengestalten, die in seinem Privatleben und in seiner künstlerischen Entwicklung eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben: Margherita Barezzi, seine erste Gemahlin und getreue Gefährtin in den schweren Zeiten des Aufstiegs, die schwärmerische und eifersüchtige Giuseppina Strepponi und die deutsche Sängerin Teresina Stolz. Verdi selbst ist in ber Darstellung von Fosco Giachetti eine eble, in ber Maske glücklich getroffene, freilich auch über- wiegenb passiv - repräsentative Erscheinung. Die Barezzi und die Strepponi werden von Germana Paolieri und Gaby Morlay mit weiblichem Gefühl und Temperament überzeugend charakterisiert; Maria C e b o t a r i singt mit ber virtuos beherrschten Hohe eines strahlenden Soprans die Teresina. Verhältnismäßig spät erscheint Benjamino Gigli als ber Tenor Mirate auf ber Szene: er tritt im Gefüge bes Ganzen nicht so sehr in ben Vordergrund^ wie in manchen feiner früheren Ge- fangsfilmc, in benen er bie Szene von Anfang bis zu Ende beherrschte, aber er bleibt völlig in ber musikalischen Sphäre bes italienischen Belcanto, bie fein eigentliches Feld ist: ber unerschöpfliche Melodienreichtum feines großen Landsmannes gestattet ihm eine herrliche Entfaltung, und das „La donna e mobile", von ihm über die Lagune von Venedig hingesungen, ist ein ungetrübter Genuß. Carmine Gallone führte mit sicherem Instinkt für die musikalischen wie die theatralischen Möglichkeiten des von Lucio d'Ambra verfaßten Drehbuches Regie. — (Jtala-Film der Tobis, nachsynchronifiert.) * Ein interessanter Kulturfilm und die neue Wachem schau vervollständigen bas Programm. Hans Thyriot. ** Zum Truppenübungsplatz abgerückt. Am gestrigen Dienstag ist unser Infanterie- Regiment 116 zu einer mehrwöchigen Hebung auf den Truppenübungsplatz abgerückt. Die Abfahrt erfolgte in mehreren Transportzügen. Auf dem Wege zum Bahnof wurde den Soldaten von der Bevölkerung ein herzlicher Abschiedsgruß dargebracht. ** Heble Burschen haben in den letzten lagen in mehreren Fällen ihr verwerfliches Treiben an Kraftwagen ausgeübt. An den Fahrzeugen wurden Winker gewaltsam abgerissen, Schnitte in die Verdecke ausgeführt und mancherlei anderer Sachschaden angerichtet. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Die Hebeltäter können sich darauf gefaßt macken, daß ihnen ein gehöriger Denkzettel oerabreicyt wird. * * Seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Kantinenwirt Heinrich ©ans, der — wie mir gestern berichteten — in der Nacht zum ersten Feiertag mit dem Fahrrad stürzte und mit einer schweren Kopfwunde in die Chirurgische Klinik eingeliefert werden mußte, ist dort am gestrigen Dienstagnachmittaa gestorben. * * Grasver st eigerungen der Stadt finden am nächsten Freitag statt. Interessenten seien besonders daraus hingewiesen. Wissenschaft ist Dienst am Volke. Eine dritte Vortragsreihe hat begonnen. Die dritte Vortragsreihe „Wissenschaft ist Dienst am Volke", die der NSD.-Dozentenbund gemeinsam mit dem Deutschen Dolksbildungswerk durchführt und die mit dem Vortrag von Professor Dr. Küster anläßlich der Linne-Feier begonnen wurde, wird sich infolge der sommerlichen Verhältnisse über einen längeren Zeitraum erstrecken, als die bisherigen. Für Juni ist ein Vortrag von Professor Dr. Hummel, dem Direktor des Geologischen Instituts, vorgesehen. Im Anschluß daran dürfte eine Führung durch den Botanischen Garten unter Leitung des Assistenten des Botanischen Instituts, Dr. Heidt, der auch Organisator und Leiter dieser Vortragsreihen ist, stattfinden. Im übrigen werden auch bei dieser dritten Vortragsreihe Wissenschaftler der verschiedensten Forschungsgebiete zu Wort kommen und eine Reihe von Besichtigungen von Kliniken und Instituten der Hnioersität durchgeführt werden. Für die Heimatfreunde und diejenigen, die Gießen noch nicht genügend kennen, dürfte es von Interesse sein, daß der Kunsthistoriker Professor Dr. Rauch, der Direktor des Kunstwissenschaftlichen Instituts, wieder eine Führung durch Alt-Gießen vorgesehen hat. Die. Vorträge, die in nächster §eit geplant sind, werden voraussichtlich von dem Direktor des Geographischen Institutes, Professor Dr. Klute, und von dem Leiter des Archäologischen Instituts, Professor Dr. Zschietzschmann, gehalten werden. Für die Besichtigungen der Kliniken und Institute sind auf vielfachen Wunsch eine solche der Medizinischen Klinik mit einem Vortrag des Direktors Professor Dr. R e i n w e i n, ferner eine Besichtigung des Anatomischen Instituts mit einem einleitenden Vortrag von Direktor Professor Dr. Elze vorgesehen. In Aussicht genommen ist weiterhin der Experimentalvortrag über Atomzertrümmerung, der anläßlich der Hochschulwoche der Hnioersität große Beachtung gefunden hatte. Zur Durchführung dieser Vortragsveranstaltungen, die weiten Volksschichten einen Einblick in die Forschungsgebiete unserer Hnioersität ermöglichen, ist ein noch größerer Besuch zu erhoffen. Jeder Volksgenosse sollte mit dem an sich sehr geringen Beitrag ein Werk unterstützen, das breiten Volksschichten ausgezeichnete Dienste leistet. Haushalt leicht gemacht! Eine Ausstellung für unsere Frauen. Vom 2. bis 5. Juni wird in Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Frauenwerk und der Landesbauernschaft Hessen-Nassau in Gießen in den Räumen des Gesellschaftsvereins, Sonnenstraße, eine Ausstellung durchgeführt, die sich unter dem Leitgedanken „Haushalt leicht gemacht" an alle Hausfrauen wendet; ihr ist außerdem eine Sonderschau „Koche gut und richtig" angegliedert. Die Ausstellung soll die hohe Bedeutung des volkswirtschaftlich richtigen Verbrauchs der in Deutschland erzeugten Nahrungsgüter zeigen. Außerdem soll die Schau mithelfen, neue Wege auf« Anzeigen, durch die der Kampf um Deutschlands Nahrungsfreiheit unterstützt werden kann. Sie wird sich vor allem mit dem Verbrauch der hochwertigen Nahrüngsmittel beschäftigen, die in Deutschland reichlich zur Verfügung stehen. Kostproben von Kartoffel- und Fischgerichten werden für diese Nahrungsmittel werben. Es ist aber nicht allein die Zubereitung all der schönen Speisen zu erlernen, sondern man wird sich auch über die Aufbewahrung von Kartoffeln, Gemüse und anderen Nahrungsmitteln, kurz über die Vorratswirtschaft im Haushalt unterrichten können. Das Deutsche Frauenwerk zeigt einen vorbildlichen Vorratskeller, aber auch die Vorratskiste, wie sie nicht sein soll. Nicht nur rohe Kartoffeln hat die Hausfrau in Verwahrung, sie kennt jetzt auch die neuen Abkömmlinge der Kartoffel, wie Stärkemehl, Kartoffelsago und Deutsches Puddingmehl (DPM.), die mehr und mehr den Küchenzettel bereichern und die ausländischen Rohstoffe, wie Sago und Maisstärke, verdrängen. Den deutschen Seefisch, der in den letzten Jahren einen Siegeszug seiner Verwertung von der Küste bis ins letzte Dorf angetreten hat, wird man in allen Sorten kennen lernen, so frisch, wie er vom Seefischer an den Landeplatz gebracht wird. Auch die für jede Sorte passende Zubereitungsart können sich die Besucher vorsühren lassen, ebenso wie ihnen Kostproben der verschiedenartigen Verwendung von Frischnahrung gereicht werden. Ferner sind alle die vielen großen und kleinen Geräte zu sehen, durch die der Hausfrau die Arbeit erleichtert werden kann. Verschiedene Küchenmodelle zeigen in anschaulicher Weise, daß durch eine einfache Hmstellung der Möbel oft eine verblüffende Erleichterung der Hausfrauenarbeit möglich ist. Die Wege werden verkürzt und praktisch verlegt, fo daß viele unnötige Schritte im Tag fortfaüen. Dem Kampf gegen den Verderb ist eine andere Abteilung der Ausstellung gewidmet. Sie zeigt sowohl die an unseren Nahrungsmitteln durch tierische Schädlinge, wie Fliegen, Mäuse usw., angerichteten Schäden als auch die ungünstigen Einflüsse von Kälte, Hitze und anderen Witterungsäußerungen bei unzweckmäßiger Aufbewahrung der Nahrungsmittel. Die Sonderschau „Kocht gut und richtig" zeigt die Kartoffel im Tageslauf unserer Ernährung, vorn Frühstück bis zum Abendessen, in den vielfältigsten Zubereitungsarten auf den täglichen Tisch, als Hauptbestandteil schmackhafter Salate, zum Abendessen, und schließlich noch den pikanten Kartoffel-, brei und neuartige Kartoffelgerichte. An allen Tagen wird Gebäck aus Kartoffeln und Pudding in verschiedenster Zubereitungsform aus DPM. geboten. Die Ausstellung mit der Sonderschau „Koche gut und richtig" ist werktags von 10 bis 18 Hhr und sonntags von 11 bis 13 Hhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenfrei. Aus her engeren Heimat. HI.-Sef. 8/116 Watzenborn-Steinberg. Watzenborn-Steinberg. Am heutigen Mittwoch, 31. Mai, hat die Schar 1 Heimabend. Zu diesem Dienst treten sämtliche Igg. bei der Volkshalle an. Die Schar 2 hat heute abend 20 Hhr Sportdienst und tritt in Sportkleidung bei der Volkshalle an. Garbenteich. Heute abend haben die Kameradschaften 9 und 10 Heimabend. Sämtliche Igg. treten 20.30 Hhr beim Heim an. hausen. Am heutigen Mittwoch hat der Standort Hausen Heimabend. Die Igg. treten hierzu um 21 Hhr an. Autounglück auf der Veichsautobahn bei Reiskirchen. Am gestrigen Dienstagmittag ereignete sich auf der Reichsautobahn in der Nähe von Reiskirchen ein Autounglück, von dem die Familie des Rechtsanwalts Willy Hoffmann aus Leipzig betroffen wurde. Während der Fahrt des Kraftwagens platzte plötzlich ein Reifen, fo daß sich der Wagen überschlug. Dabei erlitt Rechtsanwalt Hoffmann schwere Kopfverletzungen, vermutlich einen Schädelbruch, während feine Frau und fein Kind unverletzt blieben, dagegen ein anderes Kind, feine Nichte, Schnittwunden und andere Kopfverletzungen davontrug. Die Verunglückten wurden nach erster ärztlicher Hilfeleistung in Reiskirchen van der Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes nach der Chirurgischen Klinik gebracht. Süngerfest in Hausen. T Hausen (Kreis Gießen), 30. Mai. Der Gesangverein „Eintracht" Hausen feierte über die Pfingsttage fein 55jähriges Jubiläum. Der Verein wurde seinerzeit von Lehrer Nikolaus (Hausen) gegründet. Zwei Mitgriinder leben noch; es sind dies Heinrich Mack und Christian Engelhardt. Das Fest nahm nach einer Heldenehrung auf dem Friedhof feinen Anfang mit einem Fest- kommers auf der Aue, die als Festplatz großzügig hergerichtet war. Der Vereinsführer, Bürgermeister Göbel, begrüßte die Besucher, der Verein sang verschiedene Lieder, Mädchen führten einige Reigen auf, und auch der Turnverein stellte sich mit einzelnen Vorführungen zur Verfügung und stellte eine Pyramide. Der Festtag selbst am ersten Feiertag brachte die Scharen der auswärtigen Gäste. 22 Vereine waren erschienen. Hngefckhr 6000 Personen waren anwesend, eine Besucherzahl, wie sie wohl Hausen bisher noch nicht erreicht hatte. Nach einem festlichen Hmzug durch das geschmückte Dorf brachte Bürgermeister Göbel den Willkommgruß an alle Vereine und fonftigen Gäste dar und wies auf die Bedeutung des Liedes und der Gesangvereine hin. Die Festjungfrau Emmi Der n sprach den Festprolog, während Ortsgruppenleiter Jung van Watzenborn den Gruß an den Führer zum Ausdruck brachte. Jeder einzelne Verein trug einen Chor vor, und immer wieder wurde der Beifall laut über die mo^lgelungenen Vorträge der einzelnen Vereine, die alle Zeugnis von gutem Können und hingebender Arbeit ablegten. Bald entwickelte sich dann fröhliches Treiben auf dem Festplatz. Die Musik spielte zum Tanz auf, und da und dort erschollen immer wieder in zwangloser Weise die Lieder einzelner Vereine. Arn zweiten Pfingsttag fand noch eine Nachfeier auf dem Festplatz statt. Das ganze Fest nahm fo einen glänzenden Verlauf, der in erster Linie der guten Vorbereitung und der vorbildlichen Drganifation zu verdanken war. Hnd schließlich wäre aller Erfolg in Frage gestellt gewesen, wenn das Wetter sich nicht im letzten Augenblick umgestellt und die Besserung der Witterung zum letzten Gelingen beigetragen hätte. Der Gesangverein „Eintracht" kann mit Stolz und Genugtuung auf den Erfolg feines Festes zurückschauen, und dieser Erfolg wird ihm der beste Ansporn für die Zukunft sein. Unfälle auf dem Lande. Der 11jährige Schüler Erich Dern aus Grünt n g e n zog sich durch einen unglücklichen Sturz eine schwere Gehirnerschütterung zu. — Durch einen Sturz von einer Leiter erlitt der 32 Jahre alte Lagerarbeiter Adolf Pfaff aus Launsbach Brustwirbelverletzungen und erhebliche Rippenprel- lungen. — Der 50jährige Landwirt Wilhelm Abel von Krofdorf erlitt beim Futterholen einen Hn- fall. Er geriet unter den Wagen und erlitt einen Bruch des linken Beines. — Der Maurer Otto R u p p e l aus Alsfeld zog sich bei einem Sturz in ein Loch eine erhebliche Hnterkieferverietzung zu. Eine Infektion, die sich dazu eingestellt hat, läßt chn schwer darniederiiegen. Sämtliche Verunglückte wurden in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht. / Landkreis Gietzen. < Londorf, 31. Mai. Anstelle des seit etwa 5V2 Jahre tätigen Gemeindedieners Hans Schäfer wurde der Kriegsbeschädigte Friedrich Kronen- b er g mit Wirkung ab 1. Juni zum Ortsdiener ernannt und verpflichtet. x kreis Alsfeld. § Groß-Felda, 30. Mai. Die Molkerei-- genoffenfchaft Groß-Felda hielt ihre Generalversammlung ab, in der den Mitgliedern eine Hebersicht über die Hmsätze und Leistungen des vergangenen Jahres gegeben wurde. Um die Mittagszeit setzte aus den Dörfern ringsum der Zustrom ein, und als Friedrich Wilhelm Stein (Stumpertenrod) die Versammlung eröffnete, waren von 447 Mitgliedern nur 12 nicht erschienen. Als Vertreter des ländlichen Genossenschaftsoerbandes war Dr. D e i ch e r t (Msfeld) zugegen, für den Milch- und Fettwirtschaftsverband Hessen - Nassau Herr Weber (Frankfurt). Direktor Schüßler erstattete den Rechenschaftsbericht. Es wurden 3 280 257 Kilogramm Milch geliefert. Daraus erzeugte dis Genossenschaft ihre bekannten Fabrikate, Butter, Käse und Quark. Der Gesamt-Jahresumsatz betrug wertmäßig 5 361 211,40 RM. Im Durchschnitt wurden 14,08 Pfennig für den Liter Milch bezahlt, wobei der Fettgehalt 3,495 betrug. Es wurden für Milchgeld 401 691 RM. ausgezahlt. Der Reingewinn betrug 2376,08 RM. Daneben unterhält die Genossenschaft noch ein Derkaufslager sowie eine Getreidereinigungsanlage mit Beizung und eine Schrotmühle. Auch hier ergaben sich beachtliche Hm- fätze. Es wurden verkauft: 122 335 kg Getreide im Wert von 22 462 RM., 185 235 kg Düngemittel verschiedenster Art im Wert von 13 740 RM., 42 160 kg Futtermittel im Wert von 44 308 RM., 42160 kg Saatgut im Wert von 10 173 RM., außerdem noch sonstige Waren, deren Wert 18 150 RM. betrug. Die seitherigen Mitglieder des Vorstandes und Aufsichtsrates wurden einstimmig wiedergewählt. Die schöne Stadt. Eine Ausstellung in Frankfurt am Main. Fy. Frankfurt a. M., 30. Mai. Der Deutsche Heimatbund und der Reichsinnungsverband des Malerhandwerks zeigen in dem neuen Frankfurter Ausstellungshause auf der Bockenheimer Landstraße eine interessante und lehrreiche Ausstellung zur Gestaltung des deutschen Städtebildes. Ministerialrat Ringshausen und Bürgermeister Bremmer sprachen bei der Eröffnung und wiesen am Beispiel der städtebaulichen geschichtlichen Entwicklung und an den in den letzten Jahren schon ergriffenen Maßnahmen zur Entschandelung der Städte darauf hin, daß sich Zweckmäßigkeit sehr wohl mit Schönheit verbinden läßt. Die Ausstellung zeigt in einer Abteilung allgemein gültige Beispiele für die Entschandelung des Städte bildes, sei es durch Instandsetzung alter Häuser, durch Beseitigung schreiender meist zudem Zukunstsmusik im Kernsehen. Don Dr. Erich W. Keilpflug. Für den heutigen Stand des Fernsehens sind zwei Faktoren von ausschlaggebender Bedeutung: einmal der Hmstand, daß die drahtlose Uebertragung der Bilder a u f ultrakurzer Welle, d. h. auf Wellenlängen unter zehn Meter erfolgen muß, und zweitens die Normalisierung des Fernsehbildes auf 4 41 Zeilen, die unsere Reichspost vor zwei Jahren vornahm. Das Vorgehen der Reichspost auf diesem Gebiet mag dem ungeduldigen Laien vielleicht ein wenig zu langsam und bedächtig erscheinen, wer aber weiß, wie viele Schwierigkeiten zu überwinden waren und schon überwunden sind, der weiß auch, daß die Deutsche Reichspost stolz auf das heute Erreichte sein kann. Das Fernsehbild kommt auf die Weise zustande, daß in der sog. Braunschen Röhre ein sich hin und her bewegender Elektronenstrahl Zeile für Zeile des Bildes aufleuchten läßt, aber fo schnell, daß das menschliche Auge infolge seiner „Trägheit" den gesamten Weg des Strahls über die Bildfläche als ein in allen Teilen gleichmäßig entstehendes Bild auffaßt. In je mehr Zeilen der Strahl das Bild unterteilt, desto' reicher an Einzelheiten und schärfer wird es naturgemäß. Seit dem Hebergang vom früheren 180zeiligen zum 441zeiligen Bild konnte daher die B i 1 d q u a l i t ä t so verbessert werden, daß das Fernsehbild heute schon den Ansprüchen genügt, die wir an ein Bild im Kino zu stellen gewohnt sind. Da hier von Zukunftsmusik die Rede sein soll, sei erwähnt, daß man im Lobaratorium bereits Bilder von 800 bis 1000 Zeilen technisch durchaus beherrscht, daß man aber keinen Anlaß sieht, vorn 441-Zeilenbild abzugehen, da die Technik hier noch Entwicklungsarbeit für Jahre vor sich bat, zumal was Empfangsgeräte zu volkstümlichen Preisen anlangt. Ist man auf dieser Seite mit Recht zufrieden mit der technischen Entwicklung, so bereiten auf der anderen Seite die ulttakurzen Wellen manche Schwierigkeit. Ihre Ausbreitungsgesetze sind sehr eigentümlich und für größere Entfernungen keineswegs sicher erforscht. Zunächst geht die Reichweite der uttrakurzen Wellen bis zum geographischen Horizont des Senders. Städte wie Neuyork mit der Sendeantenne auf dem Empire State Building ober London, dessen Sendeantenne die Stadt ebenfalls stark überragt, sind daher, im Augenblick wenigstens, Berlin gegenüber stark im Vorteil, wo sich die Antenne, da der Funkturm als für diese Zwecke nicht mehr geeignet gilt, auf einem Hause von normaler Höhe auf dem Adolf-Hitler-Plätz befindet. Die Empfangsfeldstärken sind daher in den beiden vorher genannten Städten 10- bis 20mal so groß wie in Berlin. Auf alle Fälle aber erfährt die Bildsendung innerhalb der großen Städte schon dicht beim Sender große Zerstreuung und Aufsaugung durch die Stein- und Metallmassen der Häuser. Während man heute in den Randgebieten der Städte mit normaler drahtloser Uebertragung schon völlig ausfommen zu können glaubt, redet man innerhalb der Städte dem Prinzip der Gemeinschaftsantenne das Wort. Sender wie der eben fertiggestellte auf dem Brocken oder der auf dem FeIdberg im Taunus vermögen infolge ihrer hohen Lage einen Kreis von etwa 100 Kilometer Radius einwandfrei mit Fernsehsendungen zu versorgen. Zur sicheren Uebertragung der Sendungen über längere (Entfernungen steht außerdem heute ein sehr geeignetes Mittel, das sog. Breitbandkabel zur Verfügung, mit dessen Hilfe eine Sendung auf weit entfernte Sender einwandfrei übertragen werden kann. Allerdinas ist bei Fernsehsendungen das Frequenzband sehr schmal und erlaubt daher nicht viele Sender nebeneinander. Was nun die Ausbreitung der Fernsehwellen über den Horizont des Senders hinaus anlangt, so ist man heute der Ansicht, daß die seinerzeit durchgeführten Sendeversuche zwischen Europa und Amerika reine Zufallsergebnisse waren und nichts als den herrschenden besonders günstigen Ausnahmezustand der Atmosphäre bestätigen. Jenseits des Horizontes und vor allem auf größere Entfernungen zeigt sich im allgemeinen eine starke Abnahme der Wellenenergie entsprechend der Beugung, der die Wellen ausgesetzt sind. Ferner treten Fadings, Schwunderscheinungen, auf, die daraus beruhen, daß die Welle mehrwegia zu ihrem Ziele läuft. Die dadurch erzeugten Interferenzen veranlassen die Fading- Erscheinungen; ferner aber bewirkt die Aufsplitterung der Signale und die Zeitdifferenzen, mit denen sie demzufolge ankommen, eine Verbreiterung der Konturen und Hnschärfe des Bildes. Doch kann man mit Hilfe bestimmter Tricks diese Zeitunterschiede vielleicht ausschalten. Auf alle Fälle bessern sich die Empfangsverhältnisse mit dem Abstand vom Erdboden bedeutend, und zwar ist das Produkt der Höhe der Sende- und Empfangs-Antenne maßgebend. Man erklärt sich den Empfang van Fernsehsendezeichen über den Ozean hinüber durch konstante Brechung der Strahlen, ähnlich wie bei der Fata Morgana. Seitdem man beginnt, diese Verhältnisse zu durchschauen, hält man es auch durchaus nicht mehr für unmöglich, regelmäßig Fernsehbilder über den Ozean zu senden, wenn man nur die geeigneten technischen Vorkehrungen, wie engste Zusammenbündelung der Strahlen, Zusammen- schaltung mehrerer Empfangspunkte und stärkste Sendeleistung richtig kombiniert. Um noch ein wenig Zukunftsmusik zu spielen: schon auf der vorjährigen Rundfunkausstellung waren erste Versuche mit farbigem Fernsehen gezeigt worden. Die Technik ist heute so weit, daß man Fernsehbilder in drei Farben übertragen kann, aber diese sehr interessanten Ergebnisse sind vermutlich noch für längere Zeit verurteilt, Liebhabereien einiger weniger Techniker zu bleiben. Auch hier hindert der wirtschaftliche Imperativ, wenigstens auf absehbare Zeit, die technische Errungenschaft, das zu werden, was sie sein sollte, nämlich Allgemeingut. Denn es ist ohne weiteres einzusehen, daß die betreffenden Apparate außerordentlich kompliziert und teuer sind. Don der Kunst, einen guten Galat zu machen. „Um einen guten Salat zu machen, sind drei Personen nötig: ein Verschwender für das Del, ein Geizhals für den Essig, ein Verrückter zum Rühren." Diese alte Weisheit stellt gewissermaßen das Grundprinzip in der vielgeübten Kunst des Salatmachens dar, in der es für den Kenner noch eine Unzahl geheimer Regeln und feiner Kniffe zu beobachten gilt. Denn mit kaum einem Gericht haben sich die Feinschmecker aller Zetten so aus- giebia beschäftigt wie mit dieser unscheinbaren Speise, für die die Natur uns eine reiche Fülle von Pflanzen darbietet, von der eigentlichen Salat- pflanze, dem alten Lattich, angefangen, über Endivien und Rapünzchen, Gurken und Sellerie bis zur einfachen Brunnenkresfe. Schon eines der ältesten deutschen Kochbücher, das des Max Rumpolt vom Jahre 1581, zählt 50 verschiedene Salatarten auf vom einfachen Kopfsalat „in Wasser gequellt und wiederum ausgekühlet, mit Essig, Del und Salz angemacht", bis zu folgendem kompliziertem Rezept: „Nimm weißen Salat, der gequellt ist, reib ein weißen Weck und Parrnesan- ks, schneid Muscatnüß darunter. Nimm Eierdotter und frische Butter, die unzerlassen ist, schneid Ochsenmark darunter, und thu den Salat darunter und ein wenig gestoßenen Ingwer, so ist es ein herrlich und gut Füll; mach ein Teig mit lauter Eiern, arbeit ihn wohl, treib ihn sein dünn aus, wie ein Schleier, daß er fein durchsichtig ist, schlag die Füll darein." Für dit hohe Wertschätzung des Salats bereits in der Antike führt der geistreiche Baron Eugen Daerft in feiner „Gaftrofophie" eine Stelle aus Lukian an, aus der deutlich hervorgeht, daß die Gotter Griechenlands außer Nektar und Ambrosia noch Salat genossen, ja, daß sich Hebe gehörig daran überaß, und ein Feinschmecker bei Plautus rechnet sogar das „Kraut mit Essig und Salz" zu den „königlichen Speisen", während der Philosoph Aristoxenos von Cyrene seinen Lattich „den grünen Kuchen" nannte, den ihm die Erde gespendet. In einem langen Lobgedicht auf den Salat preist der Dichter Molza im 16. Jahrhundert Adam im Paradiese als den Erfinder dieses Gerichtes und erklärt, Lorbeeren und Myrten müßten ihren Ruhm gegen den des Salates aufgeben. Das klassische Land des Salates aber ist Frankreich, wo es heißt, daß ein guter Franzose nur Zwei Speisen nötig habe, nämlich Suppe und Salat. Heber die beste Zubereitung dieses Nationalgerichtes haben sich große Gelehrte den Kopf zerbrochen, und zwischen den beiden berühmten Chemikern Fourcroy und Chaptal entbrannte sogar ein edler Wettstreit um dies hohe Ziel. Der „Salat ä la Chaptal", bei dem man Essig und Del zwischen zwei schief gehaltenen Tellern tüchtig durcheinandermengt und schüttelt, hat dem seines Kollegen den Rang ab gelaufen. Der gefeiertste Salatkünstler aber war der „große Gaudet", den den Kultus dieses Gerichtes während der französischen Revolution nach England brachte. Gaudet kam als blutarmer Emigrant nach London und brachte nur einen einzigen Schatz mit sich, nämlich die in Frankreich damals vielverbreitete Kunst, den Salat auf das schmackhafteste und zierlichste zu bereiten. Die unnachahmliche Grazie, die Mischung von'Würde und Scherz, womit er vor dem Aufträgen des Bratens feinen köstlichen Salat „komponierte", begeisterte die Engländer fo, daß sie den geistreichen Franzosen wie ein Wunder anstaunten. Im eigenen Wagen fuhr er von Diner zu Diner, erhielt zehn Guinen für eine einzige Probe feiner Kunst und war so beschäftigt, daß er sich alle Aufträge wenigstens eine Woche vorher erbat und den Herzog von Devonshire eine Stunde warten ließ. Auch Deutschland hat zu dieser Zeit seine berühmte „Salatkünstlerin" gehabt. Der Soldaten- fönig Friedrich Wilhelm I., der sich als leidenschaftlicher Salat ess er seine Portion stets selbst bereitete, war freilich kein solcher Virtuose. Aber die schone Madame Drake, die Wirtin des Hotels „Zur Stadt Rom", des besten Gasthofes in Berlin um 1790, war eine Sehenswürdigkeit, und jedes Tischgespräch an der Table d'hote verstummte und machte der Bewunderung Platz, wenn sie die langen weißen Handschuhe, mit denen sie gegessen hatte, ablegte und mit deutschem Ernst bat, man möge sie nicht stören, denn solle der Salat glücken, dann müsse sie sich ganz ungeteilt seiner Bereitung widmen. Eine ähnliche Feierlichkeit entfaltete Friedrich Schlegel, „einer der geistreichsten Esser seiner Zeit", wenn er bei Tisch den Salat bereitete, und er „sprach über diesen Gegenstand höchst tieffinnig und zierlich". C. K. unwirksamer Reklame, sei es durch wechselseitige 'Abstimmung der Farbtönung der Häuser. Die zweite Abteilung macht deutlich, wie diese allgemein gültigen Grundsätze inzwischen bereits in Städten des Rhein-Main-Gebiets Anwendung gefunden haben. Mit großen Bildern und Modellen zeigt Frankfurt seine richtungweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Altstadtsanierung nach dem Grundsatz, daß die Altstadt nicht nur malerisch schön, sondern zugleich auch gesundes Wohngebiet deutscher Volksgenossen sein soll. Bilder von neuen Wohnbauten und Geschäftshäusern, ergänzen das Gesamtbild. Die Stadt Mainz veranschaulicht ihre besonderen Maßnahmen am Hauptstraßenzug der inneren Stadt, für den durch eine besondere Ortssatzung auf Grund von genauen Plänen die bauliche Umgestaltung bis ins einzelne, bis zum Farbanstrich vorgeschr'ieben ist. Bis 1941 hofft man mit diesen Arbeiten fertig zu sein. Schon jetzt sind 850 Häuser neu instandgesetzt worden. Auch die Städte Darmstadt, Wiesbaden, Limburg und Hanau, ebenso Worms, sind mit kleineren Ausstellungen vertreten. Es wird gezeigt, was zur Wiederherstellung des alten, schönen Städtebildes bereits geschehen ist und wie sich neue Bauten in das Gesamtbild der Stadt einfügen. pfingstverkehr auf der Reichsautobahn LPD. Frankfurt a. M., 30.Mai. Während der Pfingstfeiertagen erfolgte auf den Reichs- autobahnen eine Verkehrszählung, die sich auf die Zeit von Freitag 12 Uhr mittags bis Dienstag 12 Uhr mittags erstreckte. Die Zählung hatte für unseren Bezirk folgendes Ergebnis: Sttecke Mannheim — Heidelberg 52 069 Kraftfahrzeuge, Sttecke Darmstadt — Lorsch 28 078, Sttecke Bad-Rau- heim — Bad Homburg 16 774 und Strecke Kaiserslautern-Ost—Enkenbach 6387 Kraftfahrzeuge. Cacilia" lidj aus Sängecsahrt nach Westfalen. // I Lich, 31. Mai. Anläßlich der 90-Jahrseier, sowie der 100-Jahrfeier der SD. „Ccieilia" weilten die Gesangvereine „Frohsinn" Nachrodt-Obstfeld und .Liedertafel" Altena in Lich und knüpften so mit Lich enge Sängerfreundschaftsbande. Für Pfingsten hatten nun die Licher Sänger Einladung nach Westfalen erhalten, der sie auch gerne Folge leisteten. Mit einem Großomnibus der Deutschen Reichspost wurde am 1. Pfingstfeiertag früh mit etwa 55 Sängern die Reise angetreten. Keineswegs freundlich sah der Himmel aus, als man Lich verließ, lieber Gießen und Wetzlar durch den WesterwaÜ» ging es nach Siegen, wo eine kurze Rastpause eingelegt wurde. Während der Fahrt im Sauerland änderte auch der Himmel sein Gesicht, und hei strahlendem Sonnenschein führte die Fahrt durch das romantische Lenne-Tal über Altena zu dem einige Kilometer entfernten Nachrodt-Obstfeld, das gegen 12 Uhr erreicht wurde. Diele Kilometer ziehen sich in diesem an das untere Lahntal erinnernde Lennet al die Ortschaften und Städte hin, da das enge Tal nur eine Ansiedlung auf dem schmalen Talgrund zwischen dem Fluß und den stell auf= ragenden, bewaldeten Höhen gestattete. Mit Musik, von einer SA.-Kapelle ausgeführt, wurden die Licher Sänger am Dereinslokal empfangen. Nach einem Begrüßungschor des gastgebenden Vereins „Frohsinn" Nachrodt-Obstfeld und einer kurzen Begrüßungsansprache des Dereins- führers von Nachrodt-Obstfeld wurden die Quartierkarten verteilt. Sangesbruder Otto Zimmer dankte für den freundlichen Empfang. Nachmittags wurde mit den Nachrodter Sängern die weit über Westfalen hinaus bekannte Dechenhöhle, eine Tropfsteinhöhle an der Bahnstrecke Letmathe—Iserlohn besichtigt. Unvergeßlich werden die reichen Eindrücke dieses unterirdischen Zauberreiches für alle Sänger bleiben. Abends fand ein großer Kameradschaftsabend statt, der im Zeichen des deutschen Liedes stand. Bei den Ansprachen der beiden Vereinsführer wurde vor allem aus die nun über elf Jahre bestehenden engen Freundschaftsbande zwischen Nachrodt-Obstfeld und Lich hingewiesen. Durch Sanaesbruder Zimmer wurde dem Gastverein ein Bild von Lich, sowie Chormeister Jmhos die Urkunde als Ehrenmitglied der SV. „Cäcilia" überreicht. Vorsitzender und Chormeister dankten für die völlig unerwartete Ehrung. Der stellvertretende Ortsgruppenleiter überbrachte die Grüße der Ortsgruppe und sprach von der Verbundenheit zwischen Sängern und politischer Führung. Chorleiter I l g e widmete der großen Bedeutung des Liedes im kulturellen Leben des deutschen Volkes kurze Worte und gab der Hoffnung Ausdruck, daß das deutsche Lied, das aus der Geschichte unseres Volkes nicht wegzudenken ist, einer neuen Blüte entgegen geh en möge. Vereinsführer L a d w e i n überreichte schließlich den Licher Sängern ein Bild von Nachrvdt-Obstfeld. Gesang und Unterhaltung hielt die Sänger noch recht lange beisammen. Bei prachttollstem Sommerwetter wurde am zweiten Feiertag ein Ausflug nach dem etwa 5 Kilometer entfernten Altena unternommen, um mit den Sängern der dortigen „Liedertafel" noch einige frohe Stunden zu verleben. Nach der Besichtigung der sich hoch über der Stadt erhebenden im Jahre 1200 erbauten Burg, von der man einen wunderbaren Blick über die Stadt und das Tal genoß, trafen sich die Sänger im Vereinslokal der „Liedertafel". Gesangsvorträge, Ansprachen usw. ließen auch hier die Stunden allzu schnell vergehen. Auch den Al- tenaer Sängern wurde ein Bild der Stadt Lich überreicht, während die „Liedertafel" ein Bild, die Burg darstellend, überreichen ließ. Gegen 15.30 Uhr hieß es dann wieder Abschied nehmen. Ebenso herzlich wie der Empfang in Nachrodt war der Abschied in Altena. Allgemein wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es den westfälischen Sängern recht bald wieder vergönnt sein möge, unsere oberhessische Heimat zu besuchen. Gegen 23 Uhr kam man wieder wohlbehalten in Lich an. Es war eine Pfingstfahrt, die allen Sängern in steter und freudiger Erinnerung bleiben wird. Wirtschaft. Strukturwandel der Bankbilanzen. Die Zeitschrift „Bank-Archiv" veröffentlichte eine bemerkenswerte Untersuchung über den Strukturwandel der Bankbilanzen, der insbesondere die Einwirkung unserer seit 1933 betriebenen Wirtschaftsaufbaupolitik auf die Bilanzen der privaten Dank- instittte zeigt. Die gesamte Bilanzsumme der Groß- und Regionalbanken hat sich von Ende 1932 auf Ende 1938 um etwa 10 v. H„ d. h. von 10,6 auf 11,6 Milliarden RM. vermehrt. Das ist, gemessen am Wachstum der Industrieproduktion, auf den ersten Blick keine allzu stattliche Vermehrung. Aber die Ziffer wird nur unter Berücksichtigung von zwei Begleitumständen verständlich: einmal hat die Wiederbelebung der Produktion eine Verminderung der Bankschulden aus alter Zeit möglich gemacht, die zu einer Verkleinerung Oer Bankbilanzen führen mußte. Zum anderen wurde im Zeittaum seit 1932 der Abbau der Auslandskredite zu Ende geführt, was buchmäßig ebenfalls eine Bllanzschmälerung darstellt. Wenn trotzdem die absolute Ziffer der Bankbilanzen noch gewachsen ist. so muß das als ein besonderes Zeichen der Belebung gewertet werden. Seit Ende 1932 ist der Anteil der individuell gewährten Bankkredite an den Gesamtaktiven von 57 auf 38 v. H. zurückgegangen, Dagegen ist der Anteil der Wechsel von 18,5 auf 36 v. H. gestiegen. Der Anteil der Wertpapiere ist von 9 auf 14,5 v. H. gestiegen, die Börsenkredite, Die 1932 noch 3,9 v. H. ausmachten, sind verschwunden. Diese Entwicklung muß im Zusammenhang mit der Umschichtung des Auftragsbestandes von Jn- Duftrie und Handwerk gesehen werden, an dem heute die öffentlichen Aufträge einen ganz anderen tin niann wie taufenö anöere Roman von Konraö Trani Copyright by Carl Ouncker Verlag, ScrHn W35 3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) „Wir haben vermullich beide das gleiche gelernt, Der Schlosser Herzog unD ich", sagte Peter achsel- zuckenD. „Ich vielleicht ein bißchen mehr, weil ich Das Technikum besuchte. — Wie kommt es, Daß ein Arzt besser ist als Der anDere? BeiDe haben Dieselbe VorbilDung, sie arbeiten mit praktisch Den gleichen Methoden und Medikamenten... Der eine ist eben Der bessere Arzt! Es ist eine Spezialbegabung... Das gewisse Fingerspitzengefühl ... Ich weiß es nicht." „Haben Sie in unserer Stabt einen passenden Betrieb gefunden?" fragte ein Reporter. „Ich bin doch erst gestern abend angekommen", lachte Peter. „UnD Der heutige Vormittag war reichlich besetzt. Und eigentlich wollte ich mir nur Den Dom und die Altstadt ansehen. Ich beabsichttge, mit Dem AbenDzug abzureisen." „Was halten Sie von Dem MorDanschlag?" „War es wirklich einer? Es gibt Die fonDerbarften Zufälle", meinte Peter Jlke. „Ich habe bis heute um halb elf nicht einmal gewußt, daß es ein Bankhaus Josef Voigt & Sohn gibt. Wie könnte ich unter diesen Umständen irgendeine Vermutung aussprechen?" Er gab ja recht bereitwillig Auskunft, der nette junge Herr, fanden die Journalisten, — aber sie würden sich sehr anstrengen müssen, um einen Artikel zurechtzuschustern. Er war sogar keine an* regende Hilfe. Die Reporter bohrten weiter. Frau? Ja. Kinder? Nein. Der Portier unterbrach das Verhör. Frau Voigt lasse Herrn Jlke zum Telephon bitten. „Ich werde meine Abreise bis morgen verschieben müssen", sagte Peter Jlke, als er wieder austauchte. Er unterdrückte einen Seufzer. „Frau Voigt hat mich so sehr gebeten, heute abend zu ihnen zu kommen." „Recht verständlich", meinte einer, „schließlich wird Herr Voigt sich doch bei Ihnen bedanken wollen." „Ja, leider", stöhnte Peter, Der jetzt schon rot wurde, wenn er daran Dachte. Es kam, wie so ast. Der Abend, vor Dem Peter Jlke sich rechtschaffen gefürchtet hatte, verlief sehr gemütlich unD angenehm. Als das Ehepaar Voigt merkte, daß Der Retter und Gast gar nicht erfreut war, wenn man ihn Mit lauten und gerührten Worten pries, sprachen sie von anderen Dingen. Don seinen Plänen und Lebensumständen zum Beispiel, über die Peter getreulich Auskunst gab. Außerdem bekam er ein wunderbares Essen und den besten Wein, den er seit Jahren getrunken hatte. Erst als Peter sich verabschiedete, sagte Voigt: „Lieber Herr Jlke, wenn ich Ihnen in irgendeiner Hinsicht behilflich sein kann, falls Sie sich tatsächlich hierzulande niederlassen wollen, so verfügen Sie über mich. Ich habe Beziehungen — und Geldgeben gehört zu meinem Beruf..." Der Bankier wurde sehr verlegen. „Ein Kredit etwa — unverzinslich... Schließlich haben Sie mir das Leben gerettet." ,Lch wrede gegebenen Falles auf ihr freundliches Angebot zurückkommen", lachte Peter Jlke. „Sagt man nicht so in Geschäftsbriefen?" Und weil Herr und Frau Voigt ihn sehr baten, versprach er, noch einen Tag in der Stadt zu bleiben und ihr Gast zu sein. Daher erfuhr Peter Jlke noch aus erster Hand, daß sich auf die polizeiliche Aufforderung hin Drei Herren und die rundliche Dame meldeten. Die an Dem kritischen Vormittag Das Bankhaus Voigt besucht hatten. Der Bankier erklärte mit aller Bestimmtheit, Daß keiner Der Drei Herren jener sei, der hinter ihm Die Tür zugeschlagen hoben mußte. Einer fehlte. Zumindestens einer, sagte Die Kriminalpolizei. Es war jener Herr, von Dem nur sest- zustehen schien. Daß er in jeDer Beziehung unauffällig war. „Ein Mann wie tausend andere", erklärten hilflos die Angestellten und der Chef des Bankhauses Josef Voigt & Sohn. Peter Jlke wurde vom Ehepaar Voigt zur Bahn gebracht. Eine Kiste des Moselweins, der chm geschmeckt hatte, war bereits an feine Adresse auf- gegeben worden. Sie verabschiedeten sich mit viel Herzlichkeit, und Peter hatte heilig versprechen müssen, im Frühjahr mit seiner Frau lange ihr Gast zu sein. Sie winkten mit Tüchern, bis der Zug nur mehr ein einziges Pünktchen war. „Ein reizender Mensch, Dein Retter", sagte Frau Voigt, als sie ins Auto fliegen, um heimzufahren. Der reizende Mensch hatte es sich im Abteil bequem gemacht. Er zündete sich eine feine Zigarre an und blies nachdenklich graue Rauchwolken vor sich hin. Eine sonderbare Sache! Die Panzertür Der Stahlkammer fiel sicher nicht von allein ins Schloß. Peter war bereit. Darauf Gift zu nehmen. UnD. Der Anschluß an die „Kühlkette". pflicht und Segen der privaten Vorratshaltung. Man kann es als eine Entdeckung des National- sozialismus bezeichnen, daß Die nationale Selbstbehauptung des deutschen Volkes zu einem nicht geringen Teil von einer weitgehenden Nahrungsfreiheit abhängig ist. Daher gehen alle Bemühungen in der Ernährungswirtschaft Des Staates, aber auch Der Einzelhaushulttngen Dahin, Durch eine möglichst vorsorgliche unD zweckmäßige Vorrats Hai tun g die uns verfügbaren Nahrungsmittel so lange frisch und genuß fähig zu erhalten, Daß eine gleichmäßige Verteilung an die Verbraucher über eine (Spanne von Monat en gesichert ist. An einem praktischen unD allgemein bekannten Beispiel erläutert, sieht das so aus: Das Angebot von Eiern schwankt bekanntlich mit ihrer Erzeugung. Um in Zeiten geringerer Erzeugung den Marktanfall mit solchen Des Ueberflusses auszugleichen, rft es notwendig, diesen Ueberfluß so zu bergen und zu erhalten, daß er noch Monate nachher verbraucht werden kann, „als ob er noch frisch wäre", man kühlt die Eier also ein. Die Hausfrau steht mit dem Sommerbeginn wieder vor der sehr wichtigen Aufgabe, sich an Der Vorratshaltung Der Nation zu beteiligen, indem sie Ernährungsgüter, Die währenD ihrer Erntezeit im Ueberfluß vorhanden sind, „konserviert". Sie bedient sich Dazu nach eigenem Ermessen jeweils geeigneter Verfahren, inDem sie einkocht, trocknet, einstampft, einsäuert, einsalzt oder einlegt. Auf Diese Weise erhält sie Obst, Gemüse, Fleisch, Fett, Eier unD Fische für eine bestimmte Zeit gebrauchsfähig. Sie muß sich allerdings Damit ab find en, daß diese Lebensmittel im Augenblick des Verbrauchs zwar schmackhaft und einwandfrei, aber doch in ihrer ursprünglichen Form verändert, d. h. nicht mehr Frischware sind. Das bedeutet nun nicht. Daß man sich ein für alle Mal damit ab find en müßte, zu bestimmten Zeiten beispielsweise kein frisches Obst oder ©emüfe erhalten zu können. Nicht ohsie Absicht hat Reichsminister D a r r 6 bei Eröffnung Der 3. Reichsgartenschau Darauf hingewiesen, daß neben Der Lagerung von frischem Obst und seiner Verarbeitung und Bearbeittng zu Konserven auch Der Einküh -- l u n g.von Obst unD Gemüse größte Aufmerksamkeit zugewenDet werden müßte. Die wissenschaftlichen Vorarbeiten, Die im Auftrage des Ernährungsministers vom ReichÄnstitut für Lebensmittelfrisch- halttng unter Leitung von Professor Plank in Karlsruhe durchgeführt wurden, sind gerade auf dem Gebiet Der Obst- und Gemüseeinkühlung jetzt zu einem gewissen Abschluß gelangt, so daß an die Uebertragung in Die Praxis in größerem Ausmaß gedacht werden kann. „Eine der fundamentalen Aufgaben Der Kühl- halttng", so versicherte uns ein Fachmann aus diesem hochinteressanten Wirtschaftegebiet, „besteht darin, das Kühlgut, wie wir jegliche eingekühlte Vorratsware nennen, in feinem Ursprungs- zustanD zu erhalten, wir sind bestrebt, es in einem Zustand in jeden Haushalt zu liefern, als ob es frisch wäre". Was dazu gehört, um dieses hochgesteckte Ziel zu erreichen, lernt man am besten, wenn man einmal Durch eine unserer riesigen moDernen Kühlhäuser geht. Da hört man zuerst und vor allem Die Hauptbedingung, um einwandfrei gekühlte Ware zu erhalten; Die „Kühlke11 e" muß nach Möglichkeit vom Erzeuger bis zum Verbraucher geschlossen sein. Das heißt ins Laiendeutsch übersetzt, daß die Kühlgüter vom Augenblick ihrer Ablieferung durch den Erzeuger, sagen wir Obstzüchter oder Gemüsebauer, nicht mehr aus dem gekühlten Zustand herauskommen, nicht mehr „aufgetaut" werden dürfen. Das bedingt besondere Transportmittel, es find Kühlkisten für Verladezwecke dazu nötig, man muß Kühlschiffe und Kühlhallen an Umschlage- stellen haben, und alles dies, ehe die Ware überhaupt an den Verteiler gelangt. Der Verteiler, also sowohl der Groß- als auch Der Kleinkaufmann, müssen mit Kühlschränken oder Kühlkellern ausgerüstet sein und im Jdealzustand sollte auch Die Hausfrau als Verbraucherin Dieser Kühlkette angeschlossen sein. Dies letzte Glied Der Kette läßt teils aus wirtschaftlichen Gründen, teils aus einem gewissen Mangel an Aufklärung über die Wichtigkeit ihrer Mitarbeit auf diesem Gebiet, noch sehr zu wünschen übrig. Dabei tut sich Die Hausfrau nur selbst Den Gefallen, wenn sie sich Der Kühlkette Durch Anschaffuna eines Eis- oder eines Kühlschrankes ansch ließt; Denn ein Kühlgut, etwa ein Gefrierkohl oder ein Gefrierfleisch, behält eine Vollwertigkeit ohne Beeinträchtigung Des Ur- prungszustandes erst Dann, wenn es vom Kühl* chrank Direkt in Den Kochtopf kommt. Wird Die Kühlkette an irgendeiner Stelle — meistens bei Der Hausfrau — unterbrochen, Dann geht ein Teil der Werte, Die solange lückenlos erhalten werden konnten, verloren. Ganz systematisch lenkt und regelt Der Staat Den Strom der Güter, Die täglich durch die Kühlhäuser wandern. Fünf Hauptgruppen von Lebensmitteln werden regelmäßig unter staatlicher Aufficht für die Kühlanlage ab gezweigt : Fleisch, Butter und Fette, Eier, Obst und Gemüse, Fische. Durch besondere Reichsstellen erfolgt Die Auswahl und Siebung, für das Aufkommen Der Güter sorgt Der Reichsnährstand, Die Kühlhaltung übernehmen industriell geleitete große Kühlhäuser. Wissenschaftliche Arbeitsstätten sind an Dem ständigen' Ausbau Der FrischhaltungsmethoDen Durch Kühlung beschäftigt. Ein „Ausschuß für Die Forschung in Der Lebensmittelindustrie" Des Vereins deutscher Ingenieure vereinigt alle Beteiligten aus Wissenschaft, Praxis und Den Behörden, so Daß alles in allem heute keine Kühlware auf Den Markt kommt, die nicht den Forderungen einer gesunden Ernährung vollkommen, entspricht. Die Frischhaltung durch Kühlung hat eine große Zukunft, das sehen wir an Amerika, Das auf Diesem Gebiet bereits über große Erfahrungen und Erfolge verfügt. Sache jeder verantwortungsbewußten Hausfrau ist es. Durch aktive Einreihung in Die Kühlkette Diesen wichtigen Sektor unserer Nahrungsfreiheit nach Kräften mit weiterzuentwickeln. Dr. Buresch. Anteil als in früheren Jahren haben. Der gerade für die private Wirtschaft bestehenden Notwendigkeit, Die Zahlungsanweisungen Dieses Großaustrag- gebers, etwa Die SonDerwechsel, zu einem liquiden und marktfähigen Papier zu machen, hat Die hier gezeigte Bilanzentwicklung Rechnung getragen. * Antragszugang bei Den öffentlich- rechtlichen Lebensversicherungsanstalten. Im April wurden bei Den im Verband öffentlicher Lebensversicherungsanstalten in Deuffch- land zusammengeschlossenen Anstalten 15 681 Anträge mit einer Versicherungssumme von 59,17 Millionen RM. gestellt (gegenüber 22 251 Anträgen mit einer Versicherungssumme von 77,06 Millionen RM. im März 1939 und 10 691 Anträgen mit einer Versicherungssumme von 26,79 Millionen RM. im April 1938). Die gegenüber Dem Vormonat nied- Doigt hatte keine Ahnung, wer ihm an Den Kragen gewollt hatte — vermutlich sogar noch wollte ... Voigt war ein klarer, aufrichtiger Mensch, Der selber ehrlich verblüfft war. Merkwürdig ... Peter hätte gerne mit dem „durchschnittlichen" Herrn ein paar Minuten lang geplaudert. Die Voigts waren reizende Menschen. Es wäre schade ... Peter Jlke griff nach Der Zeitung. Die Blätter hatten sich noch immer nicht beruhigt. Er wollte sich Die Zeitungsausschnitte aufheben. Es kommt so selten vor, daß ein schlichter Bürger so über Die Maßen gelobt wird. Jammerschade, daß so gar keine Aussicht bestand, mit Dem Mann, Der aussah „wie tausend andere", eine Viertelstunde zu plaudern! • 3. Peter Jlke war während Der restlichen Reise recht nachdenklich. Er hatte sie unternommen, um ein bißchen Abwechslung in sein friedliches, aber auf Die Dauer ziemlich eintöniges Leben zu bringen. Er hatte die liebende Gattin freundlich, aber entschieden verhindert, ihn zu begleiten. Er wollte sich in Der Welt umtun, ein richtiges Männerleben führen (von Zeit zu Zeit mit mehr Alkohol befeuchtet, als es besagter Gattin genehm wäre), mit alten Kameraden von anno dazumal vorsichtig Fühlung nehmen. Mit keiner bestimmten Absicht, bloß um zu merken, daß man noch nicht ganz zum alten Eisen gehörte. Plötzlich freute ihn Die Reise nicht mehr. Er dachte mit großer Sehnsucht an sein Daheim und an Madeleine. Ihm waren während Der kurzen Zeit, die er Gast des Ehepaares Voigt war, einige gute Ideen gekommen, die er schleunigst mit Madeleine besprechen wollte. So kam es, daß Peter eine Woche vor Der geplanten Zeit bereits im Schnellzug saß. Der ihn an Die Riviera brachte. Es ist gut Heimzukommen. Es ist rounDerbar, Dem Nebel unD Regen zu entfliehen und roieDer Sonne unD blauen Himmel zu genießen, es ist so schön, Daß man zeitweise vergißt, wie sehr man schon im Winter an Der Riviera gefroren hat. Als Peter an Der kleinen Station aus Dem Per- fonenzug stieg, kein Expreß hätte es mit feiner WürDe vereinbaren können, in Dem winzigen Nest anzuhalten, war er so beglückt von Dem Gefühl, roieDer Daheim zu fein, Daß Die besten Vorsätze roanEenD würben. Er Deponierte sein Gepäck bei Dem Bahnbeamten, Der ihn als lange hier Ansässigen kannte und fast mit der Vertrautheit eines Bodenständigen behandelte, und ging langsam heim. Er reckte oft Den Hals, um so bald als möglich Das rtgeren Zahlen Dürften wohl vor allem aus Den Festtagen Des Monats April unD Den mit Dem Abschluß von Gefolgschafts- und Handwerkerversiche- rungen naturgemäß verbundenen Schwankungen der Ergebnisse zu erklären fein. Es übersteigen jedoch die Anträge durch den starken Abschluß von Handwerkeroersicherungen anzahlmäßig wie auch summenmäßig die Vergleichszahlen Des Vorjahres ganz erheblich. Die durchschnittliche Versicherungssumme betrug im April 1939 in Der Großlebensversicherung 4 440 RM. unD in Der Kleinlebensversicherung 1 441 RM. Rhein-Mainische Börse. Mttagsbörse sehr ruhig. Frankfurt a. M., 30. Mai. Da vielfach noch Dritter Feiertag herrschte, war die Börse nahezu ohne Aufträge und Geschäft. An den A kti en- gelbe Haus mit Den grüngestrichenen Fensterladen zu erspähen. Wie sich Madeleine freuen würde, daß er eine Woche früher kam! Peter lächelte heiter! Er klinkte vorsichtig Das Gartentor auf und schlich auf Den Fußspitzen über Den Kieß, Der leise unter feinen Sohlen knirschte. Im Haus war's viel leichter, geräuschlos zu gehen. Aus der Küche Drang der laute, aber unmelodische Gesang Der Hausgehilfin. Da ist MaDeleine sicher nicht zu Haus, Dachte Peter und war enttäuscht. Die hätte Das melancholische Geheul schon längst abgestellt! Umso erstaunter war er, als er im Wohnzimmer Stimmen horte. Und leises Lachen. Nun erklang ein so schmelzender Tango, Daß jeder Frau Dabei oas Herz weich werden mußte ... Peter zögerte ein paar Sekunden. Dann hustete er und riß rasch die Türe auf. Madelaine tanzte, eng an Die Schulter von Alphonse geschmiegt. (Widerlicher Bengel! dachte Peter.) Ihre Wangen waren leicht gerötet und ihre Augen leuchteten. Ja —aber sie leuchteten nicht besonders strahlend, als sie den heimkehrenden Gatten erblickten. Sie blieb stehen und war nur erstaunt. „Ja, wo kommst denn du her, Pierre?" fragte sie verblüfft. Das war seine Heimkehr! Das war Der Dan? für die große Sehnsucht! Und Alphonse schien sich viel mehr zu freuen als Die eigene Frau. Er freute sich viel zu sehr für Peters Geschmack. Gar so glücklich kann ein hübscher junger Mensch Nicht fein, wenn ein Tango mit einer schonen Frau rüde unterbrochen wird. „Nein, wie gut, daß Sie Da sind, Monsieur", flötete Alphonse und strich über den blonden Scheitel. „Jetzt haben wir jemand. Der Das Grammophon aufzieht und Die Platten wechselt!" War das Dummheit oder Unverschämtheit dieses widerlichsten allen Nichtstuer? fragte sich Peter. Ging energisch auf Das Grammophon zu und stellte es ab. Dann läutete er. „Nein, daß der Herr schon Da ist!" schrie die Hausgehilfin und ließ vor Erstaunen ein Glas fallen. „UnD ich habe nichts gehört unD gesehen!" „Halten Sie Den MunD, lassen Sie das nächste Mal Das Haustor nicht sperrangelweit offen —* unD jetzt sehen Sie zu, Daß ich etwas zu. essen be4 komme!" „Wir sind wirklich nicht vorbereitet auf einett großen Hunger", sagte MaDeleine. Eine gewisse Ge- reiztheit war nicht zu verkennen. Wie kam PierrL dazu, sich so aufzuführen? (Fortsetzung folgt.) Wütender Autle schafft Unruhe auf dem Viehmarkt. Gestern ereignete sich auf dem Gießener Schlacht- vvehmarkt in der Rinderhalle ein Vorfall, der leicht verhnägnisvolle Folgen nach sich ziehen konnte. Gin Bulle, der sich beim Ausladen als sehr Zahm und gefügig erwies, wurde in die Halle geführt, riß sich aber, nachdem er angekettet war. und gezeichnet werden sollte, plötzlich und anscheinend, beunruhigt durch die vielen Kühe, die sich im gleichen Raum befanden, los und versetzte in der Folge Mensch und Tier, die sich in der Halle befanden, in Unruhe. Der Bulle ging verschiedene Kühe an, wandte sich auch gegen einen anderen Bullen und ließ sich nicht wieder einfangen und an die Kette bringen. Da es wenig ratsam schien, das wütende Tier festnehmen zu wollen, verging geraume Zeit, fo daß >nan schließlich den Gedanken erwog, den' Bullen durch Soldaten, die sich gerade in der Nähe befanden, erschießen zu lassen. Davon wurde aber aus verschiedenen Gründen doch abgesehen. Schließ- lid) kam der junge Metzger Robert Nagel jun. (Frankfurter Straße) in die Halle. Unternahm es — es geschah immerhin unter Lebensgefahr — sich dem Bullen zu nähern und ihn festzunehmen. Er packte das Tier mit raschem Griff in den Nüstern und hielt den Bullen solange fest, bis es gelungen war, ihn zu fesseln und unschädlich zu machen. Glücklicherweise war bei dem Vorfall njemand zu Schaden gekommens Dem jungen Mann wurde für feine mutige Tat Lob und Anerkennung ausge- fprochen. markten war die Haltung wenig verändert, und nur ganz vereinzelt ergaben sich Abweichungen, die über 0,25 bis 0,50 v. H. hinausgingen. Non Schifffahrtswerten gaben Nordd. Lloyd weiter nach auf 52,75 (53,75) und von Zellstoffwerten verloren Aschaffenburger 1,25 v. H. auf 98,75. Am Elektromarkt waren Gesfürel 0,50 v. H. niedriger mit 131 angeboten, AEG. lagen mit 113,25 (113) mehr als behauptet. Von Bergwerkspapieren kamen zunächst nur Hoesch mit 109 (109,13) und Mannesmann mit 106,25 (unv.), und zwar beide ohne Umsatz zur Notiz. Auch IG.-Farben waren vernachlässigt und vorläufig ohne Kurs, man hörte eine Schätzung von 149,90 (149,75). Im übrigen wurden AG. für Verkehr mit 120 (119), Reichsbank mit unv. 178,50, NDM. mit unv. 171, MAN mit unv. 140,50, Feldmühle mit unv. 108 und Conti Gummi mit unv. 214 notiert. Auch der R e n t e n m a r k t lag sehr ruhig. Nur in Steuergutscheinen entwickelte sich verhätnismäßig lebhaftes Geschäft. Im Telephonverkehr gingen Serie I mehrfach mit 103,15 (103,20) nach vorbörslich 103,50 um. Serie II schwankten zwischen 98,55 bis' 98,80. Reichsaltbesitzanleihe zogen erneut 0,13 vom Hundert an auf 132,40, ebenso Reichsbahn- VA. auf 122,13. Pfandbriefe lagen still, Liquidationswerte teilweise 0,13 bis 0,25 v. H. höher. Staats- und Stadtanleihen blieben behauptet. Industrie-Obligationen gaben teilweise noch bis 0,50 vom Hundert nach, 5 v. H. Gelsenberg 99,25 (99,75). Die Abendbörse vom 30. Mai blieb wegen lokalen Feiertags geschlossen. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 31. Mai. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 566 Kälber, 31 Schafe, 3923 Schweine. Es kosteten: Kälber 35 bis 65 Mark, Schafe 30 bis 42, Schweine 50 bis 59 Mark. — Marktverkauf: Kälber und Schweine zugeteilt; Schafe mittel. Ferkelmarkt in Lich. J Lich, 30. Mai. Der traditionelle Prämi- Ierungs - und Ferbelmarkt am dritten Pfingstfeiertag konnte wegen der immer noch bestehenden Seuchegefahr nur als ^er fei mar ft abgehalten werden. Zum Auftrieb gelangten 162 Ferkel. Die Preise betrugen für Ferkel bis sechs Wochen alt 23 Mark, sechs bis acht Wochen alt 24 bis 28 Mark, acht bis zehn Wochen alt 29 bis 35 Mark. Der Handel war flott, es war bald ausverkauft. Prämnernngsmarkt in Schotten. 1. Schotten, 30. Mai. Arn heutigen dritten Pfingstfeiertag sand der altbekannte Schotten er Prärniierungs markt statt, der wieder seine bewährte Anziehungskraft ausübte. Es waren 567 Ferkel und Läuferschweine aufgetrieben. Es kosteten sechs bis sieben Wochen alte Ferkel 35 bis 38 Mark, acht bis neun Wochen alte 40 bis 45 Mark, zehn bis zwölf Wochen alte 50 Isis 52 Mark, Läuferschweine 55 bis 60 Mark pro Stück. Der Handel verlief flott, der Markt wurde geräumt. Ferner standen 80 Stück Vogelsberger Rotvieh, 20 Stück Jungvieh, einige Fohlen und etwa 50 Ziegen zur Prämiierung auf dem Markt. Die Prämiierung wurde von Sachverständigen unter Leitung des Tierzuchtamts Gießen vorgenommen. Namhafte Geldpreise hatten die Landesbauernschaft, die Stadt Schotten, das Landratsamt und andere Stellen gestiftet. Die stets günstige Fortentwicklung der schönen Vogelsberger Rotviehzucht konnte man an den prachtvollen Exemplaren der aufgetriebenen Tiere beobachten. Auch die Ziegenzucht hat gute Fortschritte genommen. Diele Marktstände hatten aufgeschlagen. Ein großes Volksfest vereinte mittags und abends alt und jung. Hunhfunfprogramm Donnerstag, 1. Juni: 5 Uhr: Frühmusik. Es spielt der Gaumusikzug der NSDAP. Gau Ostpreußen. 5.50: Bauer, inert auf! 6: Nachrichten. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. Es spielt das kleine Dresdner Orcijefter. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 8.40: Froher Klang zur Werf- pause. Ausführung: Das kleine Orchester des Reichssenders Königsberg. 10: Schulfunk. Volksliedsingen, Liederblatt 5. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittags- kdnzert. Es spielt das kleine Rundfunkorchester. 13: Nachrichten. 13.15: Vom Jpa (ausItalien): Leichtes Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Auf gut Glück! Improvisiertes auf Schallplatten. 14.45: Für unsere Kinder: Wir erzählen euch Märchen aus dem Spessart. 16: Nachmittagsfonzerf. Es spielt das Rundfunkorchester. Einlage 17 bis 17.10: Bücher, von denen man spricht. 18: Aus Arbeit und Beruf: 1. Aktuelle Nachrichten; 2. Die Krankenversicherung für die Putzfrau; 3. Leistungssteigerung — eine Lebensfrage. 18.30: Abend im Ried. In einem Naturschutzgebiet. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher (Industrie-Schallplatten und Eigenaufnahmen). 20: Nachrichten. 20.15: Unser singendes klingendes Frankfurt (Großes italienisches Konzert). 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.15: Unsere Kolonien: Auslandsstimmen zur deutschen Kolonialforderung. 22.30 bis 21: Volks- und Unterhaltungsmusik. gjix Tülai Schmeling in Stuttgart. Das öffentliche Training beginnt. Max Schmeling, der Deutsche Meister aller Klassen, traf am Dienstag in Stuttgart ein. Er wurde in einer Sondersitzung der Fellbacher Stadtverordneten willkommen geheißen. Schmeling wird nämlich in dieser kleinen Stadt in der Nähe von Stuttgart für seinen großen Kampf gegen den doppelten Europameister Adolf Heuser am 2. Juli in der Stuttgarter Adolf-Hitler-Kampfbahn trainieren. Heuser bezieht am Mittwoch sein Trainingsquartier am Weißenhof in Stuttgart. Beide Boxer beginnen am Donnerstag, I.Juni, ihr öffentliches Training. Europameister Heuser hat schon einige Zeit in der Berliner Boxschule Wieser trainiert. Hier waren der Mittelgewichtler Bruch und der Leichtgewichtler Stegemann seine Partner. Das Hauptaugenmerk richtete Heuser beim Training mit diesen leichten Boxern auf eine Steigerung der Schnelligkeit. In Stuttgart stehen dem Europameister fein Bruder Hans Heuser, ein Leichtgewichtler, der Mittelgewichtler Prodel und der Berliner Schwergewichtler Horst Hinzmann als Sparringspartner zur Verfügung. Gegebenenfalls soll noch der Münchener Haymann herangezogen werden. Auch Max Schmeling hat schon eine sorgfältig ausgenutzte Vorbereitungszeit hinter sich. Er unterzog sich auf seinem Gut Ponickel in Pommern einem Konditionstraining, so daß er am Donnerstag sofort mit einem scharfen Ringtraining beginnen kann. Er wird dabei in der ersten Zeit mit den beiden Stuttgartern Gurray (Mittelgewicht) und Hölz (Halbschwergewicht sowie dem Frankfurter Schwergewichtler Jost arbeiten. Später soll dann noch der Krefelder Jakob Schönrath hinzukommen. „Setoo" Wachenbuchen - 1900 1:1. Das Gastspiel in Wachenbuchen brachte den Blauweißen ein Ergebnis, wie es wohl am wenigsten erwartet wurde. Teilweise ist dies auf eine .entsprechende Mannschaftsleistung zurückzuführen, während man auf der anderen Seite berücksichtigen muß, daß die Vereinigten am Tage zuvor bereits ein Spiel gegen „Germania" Bieber ausgetragen hatten und dadurch vielleicht nicht im Besitz ihrer vollen Kräfte waren. Der Verlauf in der zweiten Hälfte bewies dies ziemlich klar, denn da wickelte sich das Spielgeschehen sozusagen im Zeitlupentempo ab. Der Beginn brachte eine deutliche Feldüberlegenheit der Blauweißen. Der ungewohnte Platz und die Stabilität der Kewa-Verteidigung ließ jedoch keine Erfolge zu. Allmählich tarnen die Platzbesitzer aber auch zum Zuge und so sah man ein abwechslungsreiches Spiel. Die Hintermannschaft einschließlich der Läuferreihe der Blauweißen wußte jedoch den stürmischen Kewa-Angrisfen genau so entsprechenden Widerstand entgegenzusetzen, wie dies die Platzbesitzer taten. Infolgedessen gab es nur Spiel im Mittelfeld, das Torerfolge nur dem Zufall überließ. Einen solchen gab es in der 35. Minute für Kewa, als eine Flanke von rechts zu dem freistehenden Linksaußen kam, der ungehindert einfchießen konnte. Im Gegenangriff glückte den Blauweißen dasselbe. Schellhaas brachte eine freie Flanke zustande. Von den zu gleicher Zeit zuschlagenden Kewa-Verteidiger Puth und Rensing prallte der Ball Kraft vor die Füße, der placiert einschoß. So blieb es bis zur Pause! Nach dem Wechsel ließ das Spieltempo stark nach. Die große Wärme und das fast kniehohe Gras hatte beiden Mannschaften vor der Pause stark zugesetzt und so ließ man denn eine gemütlichere Gangart Platz greifen. Und da das Spiel schon vorher im Zeichen der Verteidigungen gestanden hatte, war es weiter kein Wunder, daß Torerfolge nicht mehr mehr zustande kamen und das Halbzeitergebnis zum Endresultat wurde. Bei Kewa war die Hintermannschaft der beste Mannschaftsteil. Die Läuferreihe hatte wenig Zeit zum Aufbau, da sie meistens mit der Abwehr beschäftigt war. Der Sturm konnte sich nicht entfalten, da F. Schultheiß von Lippert stark bewacht wurde und so seine Mitspieler nicht zum Einsatz bringen konnte. 1 9 0 0 in der Aufstellung: Fischer, Pankok, Lippert, Krämer, Quick, Günther, Schellhaas, Rensing, Kraft, Pechauschek, Hormel konnte nur in den hinteren Reihen befriedigen. Pankok, Lippert und der wieder nach Aschaffenburg zurückkehrende Krämer stachen besonders hervor. Der Sturm konnte bei der zuverlässigen Kewa-Verteidigung nicht richtig zur Entfaltung kommen. Schwarze Tage für 19000 Zugendmannschasten. Bannmeister Hanau Langendiebach — 1900 1. Jugend 2:0. Vier Spiele gingen während der Feiertage für die Blau-Weißen verloren. Alle Gegner waren ihnen körperlich stark überlegen* Insbesondere im Spiel um die Gebietsmeisterschaft. Bei dem ersten Spiel muß berücksichtigt werden, daß die Mannschaft der Blau-Weißen bis zum Austragungsort 5 Kilometer marschieren und gleich zum Spiel antreten mußte. Das Spiel stand in den ersten zehn Minuten im Zeichen der Langendiebacher, die Angriff auf Angriff vortrugen, jedoch an der Hintermannschaft der Blau-Weißen scheiterten, in der Mittelläufer Kraft während des ganzen Spieles als dritter Verteidiger mitwirken mußte. Gegen Mitte der ersten Halbzeit kamen die Blau-Weißen auf. Als Langendiebach den Führungstreffer schoß, waren die Blau-Weißen sehr deprimiert. Auch die zweite Halbzeit begann mit der Ueber- legenheit von Langendiebach, und die Blau-Weißen hatten Arbeit, um Torerfolge der Platzbesitzer zu verhindern. Als in der zweiten Halbzeit Kraft I. verletzt das Spielfeld verlassen mußte, war der Sieg dem Platzbesitzer sicher. Das zweite Tor fiel durch Kopfball. Langendiebach war die körperlich überlegene, sowie die Mannschaft mit dem stärkeren Sturm. Die Blau-Weißen hatten einen schwarzen Tag. Beide Mannschaften lieferten sich einen anständigen Kampf. Ober-Widdersheim I. — 1900 II. 5:3 (1:2). Die zweite Elf trug ein Freundschaftsspiel in Ober-Widdersheim aus. Die erste Halbzeit stand im Zeichen der Blau-Weißen und endete mit 2:1 für 1900. Mit Beginn der zweiten Halbzeit waren die Gastgeber die drängende Mannschaft. Der Erfolg: vier Tore! Großen-Buseck I. — 1900 III. 4:0. Der Platz in Großen-Buseck war in schlechter Verfassung. Trotzdem beschlossen beide Mannschaften die Austragung des Spieles. Die erste Halbzeit verlies torlos. In der zweiten Halbzeit spielte Großen- Buseck reichlich hart, so daß der Torwart der Blau- Weißen verletzt das Spielfeld verlassen mußte^ Die Blau-Weißen zogen es wenig später vor, das Spielfeld zu verlassen. Lollar I. — 1900 III. 2:0. Am zweiten Feiertag fuhren die Jüngsten der Blau-Weißen nach Lollar. Die Mannschaft war vom Vortage her noch ermüdet. Auch das Fehlen des verletzten Torwartes machte sich bemerkbar. Nach einem ritterlich durchgeführten Kampf konnte Lollar den Sieg erringen. Spielvereinigung 1926 Leihgestern. Die Spielvereinigung kann mit den an den Pfingstseiertagen errungenen Resultaten mehr als zufrieden fein. Tv. Großen-Linden I — Leihgestern I 1:5 (1:2). Die 1. Mannschaft gastierte beim Lokalrivalen Großen-Linden und konnte einen sicheren Sieg mit nach Hause nehmen. Die Spielvereinigung trat mit Krick; Brückel, Velten I.; Faber, Brunotte, Velten II.; Martini, Arnold, Häuser, Funk und Laux an. In der ersten Halbzeit sah man verteiltes Feldspiel. In der 15. Minute schoß Arnold, nachdem er zwei Gegner umgangen hatte, aus dem Hinterhalt flach und placiert zum 1. Tor ein. Wenig später glich der Halbrechte der Großen- Lindener aus. Aber noch vor der Pause verwandelte Häuser eine Flanke von Martini. Nach der Pause wurden die Leihgesterner mehr und mehr überlegen. Arnold erhöhte mit einem Bombenschuß auf 3:1 und Häuser konnte noch im Fallen den 4. Treffer anbringen. Wenig später stellte Arnold durch ein 5. Tor, nachdem er die gesamte Hintermannschaft einschließlich Torwart umspielt hatte, das Endergebnis her. Die Leihgesterner boten eine ausgezeichnete Leistung. Jeder gab fein Bestes, um einen sicheren Sieg zu erringen. To. Großen-Linden II — Leihgestern II 4:2 (4:0). Vorher verlor die 2. Mannschaft gegen die gleiche Großen-Lindens mit 4:2. Leihgestern I — Oberursel Liga 2:0 (0:0). Am 2. Feiertag herrschte auf dem Sportplatz an der Rindsmühle Hochbetrieb. Die Ligaelf des FC. 04 Oberursel stellte sich der 1. Elf der Spielvereinigung. Die Blau-Weißen hatten für Öen . am Vortage verletzten Funk Schä- er eingesetzt, der für den nötigen Druck sorgte. Die Gäste kamen mit ihrer derzeit stärksten Elf. Die erste Halbzeit endete torlos. Man sah ein Spiel der starken Hintermannschaften. Nach der Pause sah man ebenfalls ein schnelles Spiel und sobald eine Mannschaft vor de«; Gegners Tor kam, waren jeweils kritische Augenblicke. Doch dauerte' es bis zur Mitte der zweiten Halbzeit, als Schäfer einen Ball erhielt und aus 30 Meter Entfernung unhaltbar verwandelte. Zehn Minuten vor Schluß stellte dann Schäfer das Endergebnis her. Die Gäste, die einen schönen Fußball spielten, hatten Pech mit ihren Schüssen. Zweimal wurde die Latte getroffen. Die Einheimischen kämpften wieder mit letztem Einsatz. Gut war die gesamte Hintermannschaft einschließlich der Läuferreihe. Mit der Mannschaftsleistung konnte man sehr zufrieden sein. Schiedsrichter war Gerhard (Annerod). Vorher zeigten sich die Reserven; die 2. Mannschaft enttäuschte nach der angenehmen Seite und siegte wider Erwarten mit 4:1 Toren. Großen-Linden Jgd. — Leihgestern Jgd. 6:0. Die Jugendmannschaft, die Velten und Häuser, die in der 1. Mannschaft mitwirkten, ersetzen mußten, verloren in Großen-Linden mit 6:0. Lich I — Burgsolms I 4:2. Was man im Lager der Rasenspieler kaum erwartete, traf ein. Den Grünweißen gelang es, ihre beiden für die Feiertage verpflichteten spielstarken Gegner in zwei spannenden und schönen Spielen zu schlagen. Die Burgsolmser stellten eine kampferprobte Elf ins Feld, die aber teilweise nicht mit dem nötigen Ernst spielte. Die Hiesigen dagegen waren ganz bei der Sache und verstanden es vortrefflich, jede bei dem Gegner auf tretende Schwäche geschickt auszunutzen. Schon bis zur Pause legten die Platzbesitzer durch Beier und Fey zwei Tore vor, denen die Gäste nur eins entgegenstellen konnten. In der zweiten Hälfte erhöhten die Platzbesitzer durch Tore von Kaiser und Merle das Ergebnis auf 4:1. Durch ein Tor der Gäste stellten diese kurz vor Schluß das Endergebnis her. Im Jahre 1937 wurde aus Anlaß des 100. Todestages von Dr. Fr. L. Weidig, des hessischen Turnvaters, vom NSRL.-Kreis Friedberg das W e i d i g - B e r g f e st begründet, das als gau- offene Veranstaltung des Hessengaues alljährlich auf der geschichtlichen Hohe des Schrenzers bei Butzbach durchgeführt wird. Mit dem 3. Weidig- Bergfest, das — wie wir schon mitteilten — am 17. und 18. Juni stattfindet, ist im Rahmen der Festgestaltung das Gedenken an ein bedeutsames Ereignis in der Geschichte der hessischen Leibesübung verbunden.-Im Jahre 1814 — also vor 125 Jahren — schuf Fr. L. Weidig die „ H e s s i s ch e Hasen- Heide" auf dem Schrenzer als ersten hessischen und einen der ersten deutschen Turnplätze. So ist der Schrenzer historischer „Tumboden des Volkes" im Sinne Konrad Henleins. Durch das Gaufachamt Leichtathletik ist nun die Ausschreibung der Wettkämpfe für das Dritte Weidig-Bergfest erfolgt. Die volkstümlichen Mehrkämpfe finden in folgenden Klassen statt: M ä n n e r : Vicrkampf — Oberstufe : 100 - m - Laus, Kugelstoßen, Weitsprung, Hochsprung. D r e i k a m p f — Unterstufe : 100-m-Lauf, Kugelstoßen, Weitsprung. Vierkampf—Jugend-Ober st use (Jahrgang 1921/22): 100 - m - Laus, Kugelstoßen, Weitsprung, Hochsprung. Dreikamps — Jugend - llntcrftufc (Jahrgang 1923 und jünger): 100-m-Lauf, Kugelstoßen, Weitsprung. D r e i t a m p f — Altersklasse I (30 bis 40 Jahre): 100-m-Lauf, Kugelstoßen, Weitsprung. D r e i k a m p s — Altersklasse II (40 bis 50 Jahre): 75 - m - Lauf, Weitsprung, Steinstoßen (Naturstein). Dsi e i f a m p f — Altersklasse III (50 Jahre und älter): 75-m-Lauf, Steinstoßen, Weitsprung. Lich I — kleiN'Linden I 3:1. Am 2. Feiertag gastierte dann Klein-Lindens, Erste in Lich. Es mar ein Spiel zweier verschiedener Spielhälften. Während die Rasenspieler in der ersten Hälfte den Ton angaben und durch Tore von Kaiser und Weißensec eine 2:0-Führung heraus- holten, nahmen die Gäste nach der Pause das Heft jn die Hand. Das Spiel am Vortage machte sich nun bei den Platzbesitzern bemerkbar und sie hatten alle Mühe, bas Ergebnis zu halten. Pech hatten die Gäste, daß ihnen während dieser Drangperiode auch noch ein Selbsttor unterlief. Die Rasenspieler aber hatten Glück, denn es gelang den Gästen, nur ein Tor bis zum Schlußpfiff aufzuholen. Die Jugend dagegen war nicht erfolgreich, denn in beiden Spielen mußte sie Niederlagen hinnehmen. Großen-Buseck — Gundersheim 4:0. Zu einem fälligen Rückspiel weilte der Sportverein Gundersheim (bei Worms) am ersten Feiertag in Großen-Buseck. Das Vorspiel an Ostern konnten die Gundersheimer für sich entscheiden, doch drehten diesmal die Gastgeber den Spieß um und siegten mit 4:0. Großen-Buseck, das fast die ganze erste Halbzeit mit nur 10 Mann spielen mußte — der Halbrechte Neeb fiel wegen Verletzung aus — führte bis zum Wechsel 1:0 und erhöhte bis zum Schluß auf 4:0. Die Torschützen waren diesmal die Außenstürmer Eisenacher (1) und Melior (3). Zu einigen frohen geselligen Stunden fanden sich die befreundeten Sportler im Vereinslokal ein. Heuchelheim I — Rodheim I 5:3 (2:2). Die Blauen, die diesmal in stärkster Aufstellung antraten, konnten die Gäste in überzeugender Weise abfertigen. In der ersten Spielhälfte kämpften die Einheimischen gegen Wind und Sonne. Durch den Mittelstürmer ging Heuchelheim zweimal in Fiih- rung. Jedesmal konnte Rodheim innerhalb weniger Minuten ausgleichen. Nach der Pause gelang es deck Gästen sogar, durch einen groben Schnitzer des Heuchelheimer Torhüters den Heuchelheimern die Führung abzunehmen. Die Plotzbesitzer beherrschten jedoch in der Folge das Spielgeschehen: In regelmäßigen Abständen stellten sie das Schlußergebnis her. Handball der Sp.-Vg. 1900. Die 1900er-Jugend, die erst am Vorsonntag durch einen 17:8 = Sieg gegen den Tv. Launsbach ihr Können unter Beweis gestellt hatte, war auch am 2. Pfingstfeiertag erfolgreich. In einem flotten Spiel wurde die Jugendmannschaft des Tv. Beuern auf eigenem Platz 11:7 geschlagen. Die Beuerner Jungen zeigten 40 Minuten lang eine erstaunlich gute Leistung und hielten den Kampf vollständig offen. Als dann "aber bas Zusammenspiel der Gießener immer besser klappte, kamen die Gastgeber um eine Niederlage nicht herum. 9. HZ.-Reichsjugendireffen' in Pforzheim. Zum neunten Male versammelten sich an den Pfingstseiertagen von Samstag bis Montag ip der Goldstadt Pforzheim die besten Jugendmannschaften aus dem Reich zum Jugendfußballturnier. Als Sieger ging aus diesem spannenden Wettstreit die Elf des Deutschen Jugendfußballmeisterns S V. Hamborn 07 hervor, die in der Vorschlußrunde den Vorjahressieger und die technisch weitaus beste Elf des Turniers, SV. Waldhof, knapp mit 2:1 besiegen konnte. Im Endspiel hatten die Niederrheinischen in der Jugend des Veranstalters VfR. Pforzheim keinen allzu schweren Gegner mehr und siegten verdient mit 4:1. Kurze Sportnotizen. Hornberger und Borchmeye-r, die beiden für Eintracht Frankfurt startenden Sprinter, erzielten beim Sportfest in Neustadt a. d. W. über 100 Meter mit je 10,5 Sekunden Iahresbeslleistung. Bei den Mannheimer Radrennen am Pfingstmontag gab cs vor 2000 Zuschauern ein Länder-Omnium, das die Deutschen Postler-Krimme mit 22 Punkten vor den Holländern v. d. Baan- Menje (10) gewannen. Der Fußball Länderkampf in Lodz zwischen Polen und Belgien endete mit einem 3:3- Unentschieden, nachdem die Polen bei der Pause noch mit 2:1 geführt hatten. Die Südwe st mei st erschaffen im Gemischten Zwölfkampf für Männer und im Gemischten Zehnkampf der Frauen wurden am Sonntag in. Oppau entschieden. Bei den Männern siegte der Oppauer Turner Reuther, während Frl. Bertram (Tv. 46 Saarbrücken) bei den Frauen gewann. Frauen: Vierkampf — Frauen, (über 18 Jahre): 100-m-Lauf, Kugelstoßen, Weitsprung, Hochsprung. Dreikampf —Jugend-Oberstufe (Jahrgang 1921/22): 100 - m - Lauf, Kugelstoßen, Hochsprung. Dreikampf — Jugend - Unter st ufe (Jahrgang 1923 und jünger): 75-m-Lauf,Hochsprung, Vollballwurf. Sonbcttämpfc: Weidig-Wanderpreis: 4X100-m-Pendel- staftel für Männer (Verteidiger Jahngemeinde Oberursel). Albert-Wamser - Wanderpreis: 4X100 - m - Pendelstaffel für Frauen (Verteidiger 9)11 d. Gießen). Moritz-Kuhl-Wanderpreis: 10X100-M- Pendelstaffel für die männliche Jugend (Verteidiger Tuspo. Butzbach). Die Wettkämpfe sind gauoffen für alle NSRL- Vereine sowie dem NSRL. angeschloffene Wett- kampfgemeinschaften und Militärsportvereine. Die Jugendkämpfe finden mit Genehmigung der HI. statt. Gesteigerter pfingstfernverkehr int Reichsbahndirektionsbezirk Mainz. LPD. Mainz, 30. Mai. Der Fernreiseverkehr setzte schon am Donnerstag ein, und zwar 20 v. H. stärker als im Vorjahr. Der Ausflugsverkehr litt unter der kalten Witterung vor den Feiertagen. An den beiden Festtagen war der Verkehr sehr stark. Im ganzen wurden für den Reiseverkehr 325 und für den Expreßgutverkehr 49 Sonderzüge aus bzw. durch den Reichsbahndirektionsbezirk Mainz gefahren. Der außerordentlich starke Verkehr wurde glatt und ohne Unfall durchgcführt.