8kkll,«h ..sich j, QH* Wkkk 'M ff* X nn,lQ8h yC Ar. 281 Erste? Matt 189. Jahrgang Donnerstag, 30. November 1939 lkrschemr tflgltd), außer Sonntag» und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl, Monalr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte . 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zernsprechanschlüffe enter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sieben Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11688 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhessen OruÄ und Verlag: vrllhlsche UniverfitStrdruckerei «.Lange in Sietze«. Schristleltung und ScschSflsftelle: Schulftrahe r Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer vis8'/.Uhr des Vormittag» Srnndpreife für | mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf. für Testanzeigen von 70mm Breit« 50Npf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereindg.25"/. mehr. 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In der britischen Verordnung (Ordre in Council) vom 27.11. 39 Her wirtschaftliche V er g e l t u n a s ma ß. -ahmen gegen Deutschland, die am 28. 11. 39 «rösfentlicht wurde, heißt es: Jedes Handelsschiff, las aus einem feindlichen Hafen lammt, mit Einschluß aller Häfen in Gebieten, lic unter feindlicher Besetzung oder feindlicher .• ontrolle stehen, kann nach dem 4. 12.39 gezwungen werden, in einem britischen oder alli- erten Hafen die Waren zu löschen, welche es in einem solchen feindlichen Hafen an bord genommen hat. Jedes Handelsschiff, tag aus linem anderen als einem feindlichen Hafen iah dem 4. 12.39 ausgefahren ist, und Waren i n Bard hat, welche feindlichen Ur- r u n g s oder im feindliche n Eigentum jnd, kann gezwungen werden, solche Waren in mein britischen oder alliierten Hafen zu löschen. !ie auf Grund oben genannter Bestimmungen in rnem britischen Hafen gelöschten Waren sollen nter Verwahrung des Priscnhofes gestellt werden inb sollen, wenn der Hof die Beschlagnahme der 'Aaren zugunsten Seiner Majestät verfügt, b e • ichlagnahmt oder unter Aufsicht des Hofes x- r f a u f t werden. Der Erlös der Waren kommt kirn Hof in Gewahrsam. Nachdem Frieden ge« Glossen ist, soll der Hof, der Lage der Umstände ,ach beschließen, was mit dem Erlös und den fest« chaltencn, aber nicht verkauften Waren geschehen tll. Indessen soll die Auszahlung der Erläse nd die Freigabe der Waren jederzeit durch den siisenhof erfolgen können, wenn der Hof als er- riefen ansieht, daß die Waren vor dem Datum k Verordnung im neutralen Eigentum gewesen hb, und der zuständige Beamte (Officer of Crown) le Zustimmung dazu gibt. Bei Ausführung dieser Verordnung werden unter In Worten „Waren, welche feindlichen Ursprungs hb" die Waren verstanden, die ihren Ursprung libcn in einem Gebiet unter feindlicher Kontrolle t*er Besetzung und unter den Worten „Waren, reiche feindliches Eigentum sind" alle Waren, welche mer Person in einem solchen Gebiet gehören. Bon deutscher amtlicher Seite wird dazu ellärt: Die Ausdehnung des Wirtschaftskrieges auf de Ausfuhrwaren deutscher Herkunft auf Neutralen Schiffen mit neutraler Bestimmung bedeutet einen reuen Bruch des Völkerrechts durch England. Sie steht im klaren Wider- brud) zu anerkannten Grundsätzen «e « Völkerrechts, insbesondere zu der Pariser Cecrechtsdeklaration von 1856. Dieser neue Völker- rchtsbruch trifft ebenso die Neutralen wie Deutsch« luib. Die tautfdjc Regierung nimmt von der durch hglanb geschaffenen neuen Lage Kenntnis und b?hält sich alle Maßnahmen vor. „Für die Schweiz eine Lebensfrage." Basel, 29. Nov. (Europapreß.) Unter der - berschrist „Die Wirtschaftsblockade — für die Schweiz eine Lebensfrage", schreibt die ,/lcue Basler Zeitung": Wie für Holland, Belgien it) die skandinavischen Staaten, so erfordere aud; ir die Schweiz die Erläuterung des Begriffs „G ü - '..r deutscher Herkunft" eine rasche Auf- iarung. Das Blatt fragt, welcher Hundertsatz taub ö.er Rohstoffe von den Alliierten für ein schweize- Arches Fertigfabrikat zugelassen werde. Dies sei ti»e wichtige Frage, mit der sich gegenwärtig der &iter der schweizerischen Zentrale für die lieber« Uchung des Außenhandels und die Spitzenverbände »im Handel und Industrie befaßten. Den Unter« Kubiern der Alliierten erscheine die gänzliche Unterbindung der deutschen Ausfuhr, Eio auch von Halbfabrikaten und Rohstoffen, als it crle Lösung. Daß aber ein solches Zugeständnis r bie Schweiz ausgeschlossen sei, mache nicht besonders betont zu werden, da es kwohl gegen die wirtschaftlichen, als auch gegen Neutralitätsinteressen der Schweiz verstoßen durfte. In der Schweiz werde man außer der rage nach dem Hundertsatz deutscher Rohstoffe ®trQuf achten müssen, daß nicht unter dem Vor- ®an'b der Durchführung der Seeblockade der g e • '«mte neutrale Handel blockiert werde. „Flagranter Bruch des Völkerrechts." In holländischem Licht. Amsterdam, 30. Nov. (DNB. Funkspruch.) a der völkerrechtswidrigen britischen Racheaktion ctreibt der „Nieuwe Rotterdamsche Courant", die Blüschen „Dergeltungsmaßregeln" dürften kaum als bezeichnet werden, denn es fehle jeder Nichts gründ. Gegen die britische Maßnahme ksn jedoch auch noch andere Einwände zu erheben. * gland oehaupte, daß die Aktion gegen Deutsch« ® b gerichtet sei, in Wirklichkeit wende sie sich !Lwch gegen den Handel und die Schiff« 'lihrt der Neutralen. Die britischen Mah- ^leln sollen sich angeblich gegen den deutschen Ex« M’t richten, aber abgesehen von einer verkündeten ’F-ftiocn Blockade, die im heutigen Kriege nicht Sieben sei, sei es nach den Grundsätzen des Völker- ichts den Kriegführenden nicht erlaubt, die Sporte ihrer Gegner, falls sie auf neutralen Schis« !*'- befördert werden, zu verhindern. Es handle sich w auch nicht um Konterbande, da Kon« terbanta nur Waren umfasse, die zum Feinde be« fördert werden, aber niemals Ausfuhr des Feindes. England habe zwar das Recht, die Einfuhr feindlicher Waren in fein eigenes Gebiet zu verbieten, nicht zulässig sei cs jedoch, Ausfuhren feines Gegners mit neutralen Schiffen nach anderen neutralen Ländern zu verhindern. Völlig unzulässig sei es aber, wenn En al and neutrale Schiffe zu Prisen erkläre, weil sie Exportwaren beförderten, die vom Gegner Englands stammten. Repressalien des einen Kriegführenden könnten immer nur gegen den an deren Krieg- führenden gerichtet sein. Hier jedoch richteten sie sich unmittelbar und absickstlick) in erster Linie geaen neutrale Schiffe und neutrale Ausfuhrfirmen. „Wie man sie aud) immer beleuchtet", so schließt das Blatt seine Aus« führungen, „die Maßregeln Englands und Frank« reichs gegen die neutralen Exporteure von Waren deutschen Ursprungs sind ein flagranter Bruch des Völkerrecht s". Holland habe da« gegen mit Recht protestiert und werde, falls das nicht helfen sollte, ernstlich Gegenmaßnahmen in Erwägung ziehen. Die Sorge in Skandinavien. Kopenhagen, 29. Nov. (Europapreß.) In skandinavischen Wirtschaftskreisen verbirgt man nicht mehr im geringsten die Besorgnis, welche die Ankündigung der neuen englischen Export-Blockade- maßnahmen in den neutralen Ländern des Nordens ausgelöst hat. Man registriert auch, mit welcher Rücksichtslosigkeit England die Einsprüche der Neutralen unbeachtet gelassen hat, ja, bisher noch nicht einmal den üblichen diplomatischen Spiel« regeln entsprechend beantwortet habe. Die Proteste wurden am Samstag ausgesprochen, auf eine Antwort warte unter anderem die dänische Regierung noch heute, es fei denn, wie man sich in hiesigen Kreisen ausdrückt, das Dekret vom gestrigen Tage solle als Antwort hingenommen werden. Heber die Folgen des englifdjen Drosselungsversuches ist man sich völlig im klaren. Die Presse er« Moskau. 29. Nov. (DNv.) Mittwoch abend um 22.30 Uhr Moskauer Zeit hat die Soivjetregierung durch den stellvertretenden Außenkommissar Potem- kin dem finnischen Gesandten in Moskau eine Note überreichen taffen, worin die Sowjetregierung ihren Beschluß bckanntgibt. die diplomatischen Beziehungen mit Finnland abzubrechen. Die finnische Antwort auf die Note Molotows vom 28. November war bis zu diesem Zeitpunkt im Auhenkommissariat noch nicht e i n - gegangen. Neue Grenzzwischenfälle. Moskau, 29. Nov. (DNB.) Der Moskauer Rundfunk verbreitet eine amtliche Mitteilung des Stabes des Leningrader Militärbezirks, wonach sich Moskau, 30. Nov. (DNB.) Um 24 Uhr Mos- kauer Zeit hielt der Vorsitzende des Kommissaren- rates und Außenkommissar Molotow über sämtliche Sowjetsender eine kurze Ansprache zur gegenwärtigen sowjetisch-finnischen Krise, die als letzter Aufruf zu einer friedlichen L ö - jung des Konfliktes bezeichnet werden kann. Molotow führte aus: Das feindselige Verhalten der Politik der gegen« roärtigen finnischen Regierung gegenüber der Sowjetunion habe die Sowjetregierung zu s o s o r t i g e n Maßnahmen zum Schutze der Staats« sicherheit gezwungen. Es sei bekannt, daß die Sowjetregierung im Laufe der letzten zwei Monate mit der finnischen Regierung Verhandlungen geführt hat über minimale V o r s ch l ä y e zur Siche« rungderGrenzen derSowjet union und insbesondere Leningrads. Die finnische Regierung habe sich jedoch von Anfang an gegenüber den friedlichen Vorschlägen der Sowjetunion unzugänglich gezeigt und sich nicht bemüht, eine Grundlage für ein Abkommen mit der Sowjetregierung zu finden. Die finnische Negierung habe im Gegenteil Wege beschritten, die im Interesse der Kriegsbrandstifter liegen. Ungeachtet aller Konzessionen der Sowjetregierung hätten die Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt. In den letzten Tagen hätten sich an der sowjetisch- finnischen Grenze Provokationen der finnischen Militärclique ereignet, die in der Beschießung von Abteilungen der Roten Armee ihren Ausdruck fanden. Die Versuche der Sowjet- regieruna. Finnland zu warnen vor einer Wieder« h olung solcher Provokationen, hätten gleichfalls keinen Erfolg gehabt, sondern im Gegenteil märtet, daß Deutschland nunmehr die englischen Maßnahmen übernehmen wolle bei d die Helme den Formen, wie wir sie aus den Glanzzeiten des deutschen Heeres kennen. So bildete sich im Laufe des 19. Jahrhunderts, nachdem wohl die napoleonischen Helme das Muster abgegeben hatten und nachdem man mit den Mützen aller Formen, die man im 18. Jahrhundert trug, schlechte Erfahrungen gemacht hatte, bei uns eine Helmform heraus, die unsere Truppen bis in den Weltkrieg trugen. Durch die Kabinettsorder vom 23. Oktober 1842 wurde an Stelle des Tschakos in der preußischen Armee die „Pickelhaube" eingeführt. Erst die Erfahrungen schwerer Kriegsjahre ließen im Stahlhelm wieder eine Helmform entstehen, diz der ursprünglichen Bestimmung des Helmes, den Kopf des Kriegers zu schützen, gerecht wird. Seine schmucklose, aber nicht unschöne Zweckform, die den „Schallern" des Mittelalters nachgebildet wurde, kennzeichnet die Auffassung vom Soldatentum, die wir heute haben. Zeitschriften. — Dichter des Weltkrieges sind im Dezemberheft der „neuen l i n i e" (Verlag Otto Beyer, Leipzig) vereinigt. Die Gesichter von meist unbekannten Soldaten sehen uns an, von Männern, die faft alle noch namenlos waren, als ihr Kriegsbuch erschien. Daneben steht wie in jedem Weihnachtsheft der neuen linie die „Geistige Ernte", in der die besten Bücher aus der Produktion des Jahres hervorgehoben und in der zugleich die Werke genannt werden, mit denen man Soldaten im Felde eine Freude macht. Auf Weihnachten ist ferner eine Veröffentlichung gestimmt, die Maoonnenbilder von drei Nationen zeigt, der deutschen, italienischen und spanischen. Die weihnachtlichen Geschenkseiten bringen viele gute Vorschläge. Ein Gang durch das winterlicbe München, eine Novelle und ein farbiger Beitrag über Winterhotels in der Ostmark runden das reichhaltigs Heft ab. zach ermordet. Im Mat 1934 verschwand bann eine 26jährige Münchener Friseursfrau. Auch sie wurde ein Opfer Eichhorns. Im September 1934 ermoKete Eichhorn in München Milbertshofen eine 25jährige Kontorifttn. Im September 1937 fand man in der Nähe von Puchheum bei München eine 25jährige Frau entsetzlich verstümmelt als Leiche in einer Wiese auf und im April 1939, als Eichhorn schon in Haft war, wurden beim Forst- Haus Oberdill unweit von München die Leichenteile eines 23jährigen Mädchens aus dem Allgäu gefunden. Die Verhandlung vor dem Sondergericht begann damit, daß Eichhorn sein früheres Geständnis widerrief und behauptete, fein Zellengenosse habe ihm dies alles vorerzählt. Der Leiter der Sonderkommission erklärte, er habe schon mit den schwersten Verbrechen zu tun gehabt, auch mit dem Lustmörber Kürten, aber noch nie einen solchen gefühllosen und rohen Menschen gefunden wie Eichhorn. Seit Eichhorns Verhaftung hätten die Ueber- fälle auf Frauen schlagartig aufgehört. Außerdem habe der Angeklagte bei den Tatortbesichtigungen die Beamten selbst genau an die verschiedenen Stellen geführt und die Lage der Leichen angegeben. Große Ueberschwemmungen in Belgien. Sämtliche belgischen Blätter bringen große Bildberichte von den Ueberschwemmungen, unter denen ganz Belgien zur Zeit leidet. In Antwerpen, Lütt sich und anderen Städten mußten teilweise die Einwohner in Kähnen aus dem ersten Stockwerk ihrer Häuser in Sicherheit gebracht werden. Besonders schlimm hat das Unwetter auf dem Lande gewütet. Ganze Dörfer sind unter Wasser aesetzt. Die Verkehrsverbindungen haben unter Sen Ueberschwemmungen ebenfalls sehr zu leiden. Die Hauptstraße zwischen Brüssel und Mons mit einer Fläche von über hundert Hektar war zeitweise durch die Fluten in einen Binnensee verwandelt. Der im ganzen Lande angerichtete Materialschaden ist sehr groß. Seit zwanzig Jahren sind Ueberschwemmungen in einem solchen Ausmaß nicht mehr zu verzeichnen gewesen. u Schwere Sturmschäden in Dänemark. 3000 Morgen Viehweide und Ackerland sind in der Gegend von Nibe auf Jütland während eines schweren Sturmes in der Nacht zum Mittwoch unter Wasser gesetzt worden. Gegen Mittwoch abend war das Wasser etwas gesunken, jedoch wurde festgestellt, daß durch ungeheure Schlammassen beträchtlicher Flurschaden angerichtet worden ist. Der Ort Loegstoer war fast völlig überschwemmt, so daß die Straßen nur in Booten passiert werden konnten. „Wall aus affen, Stahl und Herzen." P. K. Ein Wintertag mtt harter Kälte, aber voller Schönheit ist angebrochen und schickt sich an, den auf Gräsern und Zweigen funkelnden Reif hinwegzuschmelzen. Don steilen Berghängen flankiert, lieat in winterlicher Stille ein schmales Waldwiesental, in dem plötzlich Kommandos laut werden: Feldgraue Soldaten marschieren an und nehmen Aufstellung, an ihrer Spitze ein Musikzug. Eine Kompanie aus der Altmark, die vor wenigen Tagen aus dem Vorfeld des Westwalls abgelöst wurde und heute eine Feierstunde ganz besonderer Art erleben wird. Die Verleihung des Eisernen Kreuzes an einen der Kompanie angehörenden Soldaten. Er ist der erste Soldat der Kompanie und des Regiments, der diese Auszeichnung erhält. Jedoch kein kühner Handstreich, keine verwegene Hel- derttat wird heute ausgezeichnet werden; daran hat es auch bei diesem Regiment nicht aefehtt; belohnt und anerkannt wird heute aber jener gelassene Heldenmut des Frontsoldaten, der nicht zuerst an sich selbst und die Rettung seines Lebens denkt, sondern an den Kameraden in der Gefahr und in der Not; belohnt wird heute jene selbstlose Hingabe an die Kameradschaft, die der stärkste Kitt ist zwischen den Männern an der Front: zu Land, zu Wasser und in der Luft. Die Kompanie war im Stellungsbau eingesetzt, als der Franzose die zeitweise von chm besetzten deutschen Gebiete roieber räumen mußte. Auf schmalen Pfaden mußte im bergigen, waldigen Gelände Mcherial nach vorne geschafft werden. Nur auf Leitern waren stellenweise die Geländeschwierigkeiten zu überwinden. Doch fühlten sich die Leute in diesem Geländeabschnitt wohl, waren doch viele Förster und Waldarbeiter unter ihnen, wennÄeich die Pirsch wegen der starken Verminung des Waldes wenig verlockend war. Und noch ein Umstand machte den Aufenthalt in jener Stellung ungemütlich: die französische Artillerie hatte sich auf die Verbindung swe ge eingeschossen und überraschte immer wieder mit plötzlichen Feuerüberfällen. So wurde auch der 1. Zug der Kompanie gefaßt, dem der Gefreite Vartz angehörte. In einer schmalen Schlucht, aus der es keinen Ausweg gibt, in der keine Deckungsmöglichkeit vorhanden ist, wird der erste Zug von der feindlichen Artillerie eingedeckt: ein Mann ist tot, zwei Kameraden sind schwer verletzt, der Arm des einen ist zerschmettert. Und nun folgt eine gut gezielte Lage I der andern. Bartz hat sich dieses verletzten Kameraden angenommen. Ruhig und sachgemäß, als wäre er I in der Kaserne beim Unterricht über die erste Hilfe für Verwundete, so legt er den zerschmetterten Arm des Schwerverletzten in einen ordentlichen Verband, achtet nicht des feindlichen Artilleriefeuers, achtet nicht seiner eigenen Verletzung im Gesicht. Er ist kein Mediziner, kein Sanitäter. Aber ihn lenkt unsichtbar die Erinnerung an einen vor Jahren mitgemachten Ausbildungslehrgang beim Roten Kreuz, ebenso die Ausbildung bei der Truppe über die Anlegung des ersten Verbandes. Mit eiserner Ruhe beendet Bartz die Anlegung des Verbandes. Der Truppenarzt, dem der Schwerverletzte später zugeführt wird, findet den Verband vorzüglich, er braucht keine Aenderung daran vorzunehmen. Im Lazarett wird festgestellt, daß es nur der sofortigen Betreuung und dem sachgemäßen Verband zu verdanken ist, daß der verletzte Arm gerettet und die Arbeitskraft des Verwundeten erhalten werden kann. Der Divisionskommandeur ruft der Kompanie diese tapfere Tat des Gefreiten Bartz mit ehrenden Worten ins Gedächtnis zurück. In sichtlicher Ergriffenheit hören die Soldaten ihrem General zu. Im Auftrage des Führers und Obersten Befehlshabers verleiht er dem Gefreiten Bartz das Eiserne Kreuz. Die Ehre, die hier einem einzigen Soldaten zuteil wird, gilt gleichermaßen allen Kameraden, die darunter vor und am Westwall unerschrocken und tapfer dem Feind die Stirn geboten haben. Nicht jeder von ihnen kann ausgezeichnet werden, aber jeder kann stolz sein, daß durch seinen Beitrag und Einsatz kein Feind an den Westwall herankam. Befestigungen sind tote Werke. Ihre Widerstandskraft erhalten sie erst durch den Einsatz der Truppe und ihre Führung. Und die Verteidigungskraft wird um so größer, je zäher Führung und Truppe kämpfen und aushalten. Stärkster Ausbau des Westwalls vereint sich mit unerschütterlichem Abwehrwillen der Truppe und machen den Wall unüberwindlich. Hinter dem Wall aus Beton und Eisen steht, das soll die Front nicht vergessen, das gesamte deutsche Volk, dessen Herzen, Wille und Kraft ausstrahlen bis zur Front. Die Partei und ihre Gliederungen halten diesen Geist des Widerstandes und der Kampfkraft aufrecht gegen den Vernichtungswillen unserer Gegner. So ergibt sich ein Dreiklang: Wall aus Waffen, Wall aus Stahl, Wall aus Herzen. I Dieser Dreiklang ist die beste Garantte dafür, daß kein Feind deutschen Äoden betritt. I Willi St Öhr. M der Mnensilchflottille in der Nordsee. Nachtfahrt in stürmischer See. Orkanartiger Sturm über Dalmatien und Bosnien. In Dalmatten und Bosnien herrscht seit einigen Tagen ein orkanartiger Sturm, der großen Schaden angerichtet hat. In Split wurden zahlreiche Dächer schwer beschädigt und Schornsteine umgestürzt. Der Schiffsverkehr ist völlig lahmgelegt. Im Hafen von Split erreichten die Wellen teilweise eine Höhe bis zu 16 Meter. — In Serajewo hat starker Schneefall eingesetzt. Explosion auf einem Tankschiff im Hafen von Bayonne. In dem sudwestfranzösischen Hcrfen Bayonne ereignete sich an Bord des Pettoleumtankschisf es „Mo- winckel (12 225 t), das unter der Flagge von Panama fährt und zum Transport von Petto- leum durch die Standard Oil benutzt wird, aus unbekannter Ursache eine schwere Explosion. Die Explosion riß ein Leck in das Schiff und zerstörte außerdem die Kommandobrücke. Mehrere Mitglieder der Besatzung wurden leicht verletzt. Die Explosion ereignete sich, als die Mattosen des Schisses damtt beschäftigt waren, die Pettoleumbehälter au säubern. Nach Ansicht der Sachverständigen kann die Ursache darin Tiegen, daß Petroleumdämpfe zur Entzündung kamen. Das Schiff ist teilweise voll Wasser gelaufen und liegt mit dem Hinterteil bis zur Ladelinte im Wasser. Riesenbrand in Schweden. Ein Riesenbrand, der einen Schaden In Höhe von mehreren Millionen Schwedenkronen anrichtete, brach in Weibullsholm (Landskrona) aus. Ein Speicher, in dem wertvolle Saaten gelagert waren, brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Polizei vermutet Brandstiftung, da es sich bei dem Großfeuer um das zweite handelt, das innerhalb der letzten zehn Tage in diesen Saatspeichern ausbrach. (pk.) „Sieben Uhr alles seeklar!" Dieser Befehl geht durch das Minenboot, auf dem schon reger Betrieb herrscht. Die letzten Vorbereitungen für die Ausfahrt werden getroffen. Befehle werden über die Reeling gerufen und von Boot zu Boot weiter- gegeben. Heber den Landungssteg ein Kommen und Gehen. Proviant wird verladen, Munition an Bord genommen. Alles wird für eine längere Ausfahrt gerüstet. Punkt 7 Uhr gehen die Anker hoch; ein Boot nach dem anderen schiebt sich aus dem Hafen. In Doppelkiellinie fährt die Minensucbflotttlle T. in die Nordsee. Der Name Minensucher hat schon für die Landratte einen ernsten und etwas gruseligen Klang, hat sie doch die Bezeichnung Himmelfahrtskommando für die Minensucher noch aus dem Weltkriege, in dem diese Waffe neben den U-Booten die schwer st en Verluste hatte, bis heute gehalten. Trotz froher Laune, die auf allen Gesichtern zu sehen ist, liegt über der Ausfahrt ein unverkennbarer Ernst. Die Männer wissen um die Gefährlichkeit ihres Einsatzes, sie lieben aber gerade ihr Kommando, auf dem einer zum anderen gehört. Je weiter die ausgelaufene Flottille in die Nordsee hinein vorstößt, desto stürmischer wird die See. Brecher schlagen über das Achterdeck, und Spritzer reichen bis an die Brücke. Die Mannschaft hat inzwischen ihr Oelzeug angelegt. Einige haben sich sogar mit dem Südwester gefrönt. Auf der Kommandobrücke werden Winksprüche und Flaggensignale entgegengenommen und sofort durch entsprechende Befehle wettergegeben. Der Kommandant itt auch hier im wahrsten Sinne des Wortes die Seele des Schiffes. Bald steht er auf der Kommandobrücke und gibt dort seine Anweisungen, bald ist er im Kartenhaus und verfolgt den Kurs des Bootes. Dann ^eht er auf Achterdeck und prüft die Räumgeräte. Jin Vorübergehen gratuliert er einem Mattosen, der sich verlobt hat und gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt ist. Dem Kommandanten zur Seite steht der 1. Wachoffizier. Er steht im Augenblick auf der Kommandobrücke und korrigiert den Abstand des Bootes zum Führerboot. „Backbord 5!" — „Steuerbord 10!", so und ähnlich gibt er forttaufend seine Korrekturen an den Rudergänger. Die Flottille ist inzwischen in Dwarslinie aufgefahren. Dann ein Flaggensignal vom Führerboot „Räumgeräte klarmachen zum Ausbringen!" Das schwere Räumgerät ist schnell 'zum Auswerfen fertiggemacht. Hart müssen die Männer anpacken. Die seemännische Nummer I, der B o o t s« mann, der auf dem Boot für den gesamten Ablauf auf Deck verantwortlich ist, steht wie ein Vater unter ihnen und gibt in aller Seelenruhe seine knappen Anweisungen. Ein schwerer Brecher haut Über das Achterdeck und lädt seine salzige Ladung auf seinen Rücken ab. „Festh a lte n!" ist seine erste laute Mahnung an die Männer in den Sturm hinaus, dann schüttelt er wie ein Seehund das Wasser yon sich ab. In kurzen Abständen erfolgen weitere Befehle vom Führerboot. Das Gerät wird ausgebracht. Der Sperrwaffenoffizier, der „Meister" der Minensuchgeräte, überwacht das Ausbringen des Gerätes und kontrolliert dessen Tiefenstellung und Sicherung. Das Gerät ist inzwischen versenkt. Die Minensuch- arbeit beginnt. Schnell ist es dunkel geworden. Kein Lichtschein bringt mehr aus dem Boot heraus. Keine Lampe, nicht einmal ein Streichholz leuchtet auf. Das Boot ist nun am Feind! Ein Minensuchboot braucht sich seinen Gegner nicht erst lange zu suchen. Sobald es auf Minensuchfahrt ist, steht es vor dem Feind. Ein Zaaen aber gibt es bei keinem. Jeder hat seine Aufgabe und ist stolz, sie erfüllen zu dürfen. Das Boot fährt inzwischen mit hoher Geschwindigkeit durch die stürmische Nacht. Der Wind hat sich immer noch nicht gelegt; wild schäumt das Heck- wasser hinter dem Boot auf. Die Boote sind so gestaffelt, daß der abgefahrene (Streifen mit Sicherheit für minenfrei erklärt werden kann. Auf Achterdeck beobachtet die Kriegswache das Räumgerät, ob irgend eine Mine anbeiht. Wegen der Minengefahr die große Tube die kleine Tube 25P(- gegen Zohnsteinansatz, Zahnfleisch kräftigend, mikrofein, mild aromatisch, - und so preiswert! träat alles Schwimmwesten. Auch das Vorschiff, in dem sich hauptsächlich die Mannschaftsräume befinden, ist inzwischen vollkommen geräumt worden. Der Kommandant hat aber das Achterdeck mit sämtlichen Räumen für die Freiwache zum Schlafen fr ei gegeben. Und hier bietet sich ein ergötzliches Bild. Jeder, der von Kriegswache kommt, haut sich irgendwo im Achterdeck hin, denn auf Deck ist cs falt. .Lieber im warmen Mief ersticken, als im kalten Ozon erfrieren", heißt es hier. In den Gängen, in der Messe, überall liegen sie deshalb eng zusammengedrängt und schlafen. Dann plötzlich „Alarm!" Alles an Deck! Die Geschütze werden besetzt. Jeder geht an seinen Posten. Vorn sind in der Dunkelheit zwei Lichter gesichtet morgen, alles schaut gespannt dorthin. Als diese als ungefährlich erkannt worden sind, wird der Alarm beendet. Gegen Morgen ist die gestellte Aufgabe gelöst. Es geht heimwärts. Inzwischen hat sich die See etwas- beruhigt. Wie die Boote vor Anker gehen, ist alles froh, daß alle wohlbehalten zu- rückgekehrt sind. Man möchte die Arbeit unserer Minensucher fast eine einsame Pflichterfüllung nennen. Sie vollbringen ihre Taten in der Stille. Sie bringen auch keine großen sichtbaren Erfolge mit nach Haus. Aber ihre Arbeit ist eine unerläßliche Voraussetzung für die Sicherheit der ein- unt> ausfahrenden Schiffe. Es gibt wenige Ruhetage für die Minensucher. Sie müssen immer wieder hinaus, um den anderen Schiffen den Weg fteizuhalten. Sie wachen unablässig über die „German sea", über die Deutsche See, wie die Engländer selbst die Nordsee nennen, und wehren jede Gefährdung ihrer Schiffahrtswege ab. Gustav Schütt Kleine politische Nachrichten. Reichsiugend sichrer Baldur von Schirach ernannte an Stelle der wegen Verheiratung ausgeschiedenen Obergauführerin Clementine zu Castell zur neuen Beauftragten für das BDM.-Werk „Glaube und Schönheit" die bisherige Führerin des Ober- gaues Wien Annemarie Kaspar. Der Reichsjugendführer hat Obergauführerin Clementine zu Castell für ihre selbstlose Arbeit und die Erfolge beim Aufbau des BDM.-Werkes „Glaube und Schönheit" seine besondere Anerkennung ausgesprochen. ♦ Das Bukarester Blatt „Sera" veröffentlicht eine Meldung über Truppenverstärkungen der Sowjets in Zentralasien und Transkaukasien auf Grund der kürzlichen Truppenkonzentrationen Frankreichs in Syrien, Englands in Aegypten und der Türkei an der Kaukasusfront. • Die italienische Regierung hat in Argenttnien 6000 Tonnen Gefrierfleisch zum Preise von 45 Centavos das Kilogramm angekauft. Geister am Kirchhof. Eine wahre Geschichie von S.Droste-Hülshosf Ein junger Schulgehilfe, der in der sogenannten guten, allen Zeit beim Schulmeister Fuchs zu Windhag im Böhmerwald arbeitete, hatte an seinem Meister manches auszusetzen. Für zwölf Gulden Monatslohn mußte er nicht nur Schule halten und Organistendienste leisten, sondern auch noch wie ein Knecht auf dem Felde schaffen. Dazu gab's karges Essen und wenig Freistunden. Ueberdies ging Schulmeister Fuchs mit seinem Untergebenen nicht gerade sanft um. Eines Tages mähte der junge Schulgehilfe mit einigen Kameraden eine große Wiese am Bach. Ein paar Krebse spazierten durch das Grün. Die Burschen spielten eine Weile mit den Tieren. Und dann neckten sie einen Streich aus, den sie ,chem alten Fuchsen" spielen wollten. Der Schulmeister ging jeden Abend ins Dorfwirtsh aus um ein paar Viertel Roten zu trinken und kehrte meist sehr spät nach Hause zurück. Wieder einmal machte er sich in stockfinsterer Mitternachtsstunde in Begleitung des Dorfschneiders Bartel auf den Heimweg. Man mußte am Kirchhof vor- uberaehen. Da schrie der Schneider entsetzt auf: „Alle guten Geister! 's geht um! Da —■ dal Am Gottesacker ...!" Auch dem Schulmeister standen vor Entsetzen alle Haare zu Berge. Mitten auf dem Friedhof bewegten sich dicht über dem Boden kleine gelbliche Lichtchen langsam und völlig lautlos hin und her. Der Schneider und Schulmeister Fuchs nahmen schleunigst Reißaus. Zitternd vor Schrecken und weiß wie Leintücher stürzten beide zurück in die Gaststube, wo noch einige Gäste beisammen saßen, und stöhnten: „Am Kirchhof geht's um, alle Geister sind los!" Der Wirt, seine Gäste und die Knechte liefen ins Freie und spähten von weitem angstvoll nach dem Kirchhof hinüber. Auch sie sahen die gespenstischen Flämmchen ganz deutlich. - Das ganze sah sehr unheimlich aus. Endlich faßten der Wirt und der Forster Mut und rückten dem Spuck zu Leibe. Mit äußerster Vorsicht betraten sie den Kirchhof und näherten sich den geheimnisvollen Lichtlein. Da dröhnte plötzlich das Lachen des Försters über den Kirchhof-, ,Leut — Leut, kommt's und schaut euch die Geister a bisserl näher an!" Bald sahen es alle. Die spukhaften Lichter stamm-- ten von kleinen Kerzenstumpen, die man mit etlichen Wachstropfen auf die Rückenpanzer von Krebsen geklebt hatte. Und diese unfreiwilligen Gespenster spazierten mit ihrer flimmernden Fracht bedächtig hin und her. Am anderen Tage lachte man in ganz Windhag über den „Geisterschreck". Bald wurde der junge Schulgehilfe als Anstifter entdeckt und von Schulmeister Fuchs in einer grimmen Beschwerde bei der hohen Schulobrigkeit in Linz an gezeigt. Der Nichtsnutz aber, der die Geister rief, wurde später ein berühmter Mann: der große Musiker An ton Bruckner ... Von der Fetthaube zum Stahlhelm. Von Adolf Neß. Wer trug den ersten Helm? Wehrloser als das Tier war der Mensch. Aber er fühlte sich Herr über die Tiere und zwang sie in seinen Dienst. Ihr Fleisch gab Nahrung, ihre Knochen lieferten Waffen, ihre Haut bedeckte seine Nacktheit. Wie der Vogel Strauß seinen Kopf vor der Gefahr im Sande versteckt, so war das erste Bedürfnis des Menschen neben einem Körperschutz die Kopfbedeckung, die ihn vor den Keulen und Steinen der Angreifer schützte. Wieder diente ihm das Tier. Er nahm sein Fell und mit ihm den festem Schädel und setzte ihn sich auf den Kopf. Das war der erste ^Aber der aus Leder oder Metall hergestellte Kopfschutz? Zwar wissen wir, daß noch die Sueben des Ariooist mit unbedecktem Kopf m die Schlacht zogen, da ihr Angriffsgeist den Schutzwaffen roenig Wert beimaß. Aber es ist uns auch bekannt, daß schon die Babylonier drei Jahrtausende vor Beginn unserer Zeittechnung niedrige, kappenförmige Helme aus Leder oder Kupfer trugen. Das eigentliche Entwicklungsgebiet des Helmes jedoch liegt im vorgeschichtlichen Europa. Seit sich in der Bronzezeit der Dolch zum Schwert weiterentwickelt hatte war der Kämpfer gezwungen, seinen Kopf durch den Helm gegen .Schwerthiebe zu schützen. Die Nachahmung i fr tu i i 'i Wirtschaft fl Reichsmark: Weizen W 9 201, W 11 203, W 12 1 Ferkel 9 bis 12 RM., 6 bis 8 Wochen alte 12 bis 204, W 13 205, W 16 208, W 18 210, W 19 212, ig RM. Der Handel war flott, der Markt wurde geräumt. Sprechstunden der Redaktion. mittags geschloffen. ß K n * d H ji i Liebesgaben für unsere Soldaten Richtlinien für alle. - Kein wahlloser Versand an die Zront. Adolf Berger Ehefrau Emmy, geb. Sohl, ist Prokura erteilt. — Firma Valentin Frey & Co. in Gießen: Der Gustav Frey Ehefrau Marie, geb. Treuke, wurde Prokura erteilt. — Ferner wurden im Handelsregister die Firmen Ph. Lüdeking und M. Rosenthal in Gießen gelöscht. Im Handelsregister B wurde bei der Firma Schade & Füllgrabe AG., Zweigniederlassung Gießen, die Aufhebung als Zweigniederlassung eingetragen. Frankfurta. M., 29. Nov. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 29. Rov. Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Kälber a) 60 bis 65 (am 21. 11. 62 bis 65), b) 55 bis 59 (55 bis 59), c) 43 bis 50 (46 bis 50), d) 28 bis 40 (30 bis 40), Hämmel a2) 49 bis 50 (49 bis 50), b2) 44 bis 48 (44 bis 48), c) 30 bis 43 (30 bis 42), d) 22 bis 24 (25 bis 28), Schafe a) 40 bis 42 (40 bis 42), b) 36 bis 39 (35 bis 39), c) 25 bis 32 (20 bis 32), Schweine a) 56 (56), bl) 56 (56), b2) 56 (56), c) 55 (55), d) 52 (52,) e) 50 (50), Sauen gl) 56 (56). Marktverlauf: Kälber, Hämmel, Schafe und Schweine zugeteilt. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 30. Nov. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Es kosteten Ochsen 37 50 bis 46,50 RM., Bullen 35,50 bis 44,50, Kühe 15 bis 44,50, Färsen 25 bis 45,50, Kälber 28 bis 65, Hämmel 30 bis 50, Schafe 20 bis 42, Schweine 50 bis 56 RM. — Marktverlauf: Alles zugeteilt. Schweinemarkt in Vuhbach. * Butzbach, 30. Nov. Auf dem heutigen Schweinemarkt kosteten bis 6 Wochen alte Rhein-Mainifche Börse. Tendenz fest. Frankfurt a. M., 29. November. Die Börse knüpfte an den festen Schlußverkehr von gestern an, das Geschäft war aber mangels größerer Aufträge ziemlich klein. Da die Nachfrage weiterhin überwog und anderseits kaum Angebot vorlag, konnten sich die Aktienkurse durchschnittlich um 1 bis 1,50 o. H. befestigen. Auch nach den ersten Kursen blieb die Haltung fest. Zunächst eröffneten u. a. JG.-Far- ben mit 159,25 (158,50), Siemens mit 208,75 (208), Verein. Stahl mit 101,25 (100,40), ferner Rhein- stahl mit 133 (131), Scheideanstalt mit 220 (218,50), Zellstoff Waldhof mit 121,25 (119,75), Holzmann mit 146 (144,75) und Heidelberger Zement mit 137 (136), dagegen Mannesmann vernachlässigt und 0,40 v. H. schwächer mit 106,65. Am Rente nmarkt lag das Interesse in der Hauptsache bei Steuergutscheinen, in denen größere Umsätze stattgesunden haben sollen. Auch Pfandbriefe blieben weiter gesucht, während in Schatzanweisungen die Lage ausgeglichener war. Von Auslosungswerten bröckelten Reichsaltbesitz auf 137,13 (137,40) und Dekosama I auf 140,50 (141,13) ab, ferner Reichsbahn-VA. auf 126,50 (126,75). Meist nur knapp gehalten waren ferner Industrie-Obligationen, während Liqui-Pfandbriefe ihre gestrigen Rückgänge teilweise bis 0,25 v. H. aufholten. Von Stadtanleihen kamen 1926er Mainz nach Pause mit 93,65 (94,50), Darmstadt v. 26 mit 93,75 (93,50) Aus dem Gießener Handelsregister. Im Handelsregister A des Amtsgerichts Gießen wurden folgende Veränderungen eingetragen: Firma Ludwig Schneider, Heuchelheim: Der Gesellschafter Ludwig Schneider II. ist aus der Gesellschaft durch Tod ausgeschieden. — Firma Heinrich Hahn, Gießen: Die Prokura der Heinrich Hahn Ehefrau Johanna, aeb. Neuhaus, in Gießen bleibt bestehen. — Firma Neue Apotheke" Adolf Berger in Gießen: Der W 20 einschl. Kreis Alzey 31,20, W 20 Kreis Worms31^5; Type 1600 W 13 bis W 20 einfchl. Kr. Alzey 23,05, W 20 Kr. Worms 23,55; Roggen- mebl, Type 997, R 12 22,45, R 15 22,80, R 16 22,95, R 18 23,30, R 19 23,50 alles zuzüglich 0,50 RM. Frachtausgleich; Weizenfuttermehl W 19 13,60, Weizenvollkleie W 19 11,60, Weizenkleie W 13 10,75, W 16 10,90, W 18 11,00, W 19 11,10, W 20 11,20 Mühlenfestpreis ab Mühlenstation; Roaaenfuttermehl R 18 12,90, Roggenvollkleie R 18 10,90, Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 16 10,25, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestpreis ab Mühlenstation, Treber —, Wiesenheu, handelsüblich 5,20 bis 5,40, do, gut, gesund, trocken 6,00 bis 6,40, Ackerheu, gut, gesund, trocken 6,80 bis 7,00, Kleeheu, handelsüblich 6,80 bis 7,40, do. gut, gesund, trocken 7,40 bis 7,80, Luzerneheu, handelsüblich 7,40 bis 7,80, do. gut, gesund, trocken 8,00 bis 8,40, Weizenstroh, bindfadengepreßt oder gebündelt 2,60 bis 2,80, Roggenstroh, do. 2,80 bis 3,00, Hafer- und Gerstenstroh, do. 2,50 bis 2,70 Erzeugerpreis ab Erzeuger-Verladestation. Tendenz ruhig. zur Notiz. Bei anhaltend kleinem Geschäft war auch der Verlauf fest. Nachfrage fanden besonders einige schwere Werte, von denen Siemens auf 211,25 nach 208,75, Conti Gummi auf 211 nach 209 (207) und Scheideanstalt auf 221 nach 220 anzogen. Ferner befestigten sich Verein. Stahl auf 101,50 nach 101,25, Rheinstahl auf 133,50 nach 133. Don den erst später notierten Papieren, die überwiegend 0,50 bis 1,50 v. H. höher lagen, ragten Rhein. Elektro mit 119,50 (116) hervor. Der Freiverkehr lag weiter still. Dagesgeld utto. 2 v. H. Frankfurter Getreidebörse. l Welcher Frontsoldat von 1914 erinnert sich nicht der Berge von Liebesgaben, die ihn in der ersten Kriegszeit überschütteten? Schon auf dem Truppentransport der ersten Mobilmachungstage wurden die Feldgrauen mit Eßwaren usw. aller Art förmlich überfüttert. Das führte dazu, daß oft Riesen- mcngen von belegten Brötchen, Schokolade usw. verdarben, oder schließlich einfach fortgeworfen wurden. Das gleiche Bild wiederholte sich monatelang immer wieder. Da erhielt z. B. ein Regiment eine wahre Hochflut an Lieüesgabensendungen von Wollschals, Pulswärmern und anderen Winter- fachen, während andere Truppenteile völlig leer aus-gingen. Der Grund war die mangelhafte Organisation der Liebesgabensendungen. Irgendeine Stadt stellte eine Liebesgabenkolonne zusammen, die in Richtung besetztes Gebiet abbrauste und irgendwo ihren „Segen" wahllos bei einer Feldbäckereikolonne oder einem sonstigen Truppenteil ausschüttete. Frauen, Eltern, Geschwister, Bräute und Kränzchen taten mit -Liebesgabenpäckchen em übriges. Die Folgen waren: mancher brave Landser lief mit sechs übereinandergezogenen Pulswärmern, oder drei Leibbinden herum, bis ihm die Sache zu dumm wurde und die überflüssigen Angebinde in Ermangelung anderer Abnehmer irgendwie über Bord flogen. Die Auswirkung war also die gleiche wie bei den allzu vielen Eßwaren der Mobilmachungstage: eine Verschwendung notwendiger Lebensmittel und Gebrauchsgüter, die nachher doppelt und dreifach fehlten. Eine vorausschauende Planwirtschaft darf solche wohlgemeinten, aber schlecht durchgeführten Maßnahmen nicht wiederholen lassen. Daher kommt der wahllose Versand von Liebesgaben an die Front in diesem Feldzug nicht in Frage. Die Wehrmacht sorgt selbst dafür, daß alle Soldaten mit Verpflegung und warmer Bekleidung gleichmäßig gut versorgt werden. Darüber hinaus können natürlich einzelne Familien ihren im Felde stehenden Angehörigen bestimmte Sendungen zukommen lassen, wie z. B. jetzt nach Eintritt der kalten Jahreszeit zusätzliche wollene Sachen, Unterwäsche und dergleichen. Die Post hat unter Berücksichtigung dieser Notwendigkeit ab 1. November für die Feldpostpäckchen das erhöhte Gewicht von 1000 Gramm zu- gelassen und das Porto hierfür auf den geringen Betrag von 20 Rpf. festgesetzt. Es sei davor gewarnt, Sendungen für Angehörige im Felde auf anderem Wege als durch die Feldpost abzusenden, insbesondere nicht etwa durch unbekannte Ueber- bringer, die sich anbieten. Die ost gut gemeinten Bestrebungen, Liebesgabensammlungen für unbekannte Feldgraue oder für Soldaten ohne Angehörige zu veranstalten, sind wenig geeignet, zu einer gerechten Verteilung der Gaben zu führen. Auch sind Spenden oder Sammlungen unerwünscht, die für Angehörige eines bestimmten Gaues, einer Waffengattung, eines Truppenteils, eines bestimmten Schiffes oder dergleichen bestimmt sind. Wer ungenannten Angehörigen unserer Wehrmacht eine Spende zukommen lassen will, sei es, daß er selbst keinen Verwandten oder Bekannten im Felde zu betreuen hat, sei es, daß er darüber hinaus ein Uebriges tun will, der stelle seine Gaben den Dienststellen des Kriegs-WHW. oder des Deutschen Roten Kreuzes zur Verfügung. Diese Stellen sorgen für Weiterleitung an die eingerichteten „Sammelstellen für freiwillige Liebesgaben" bei den Wehrkreiskommandos und Marinestationskommandos, so daß eine gerechte und gleichmäßige Verteilung an alle drei Wehrmachtsteile sichergestellt ist. W 20 214; Roggen R 11 187, R 12 188, R 14 190, R 15 191, R 16 193, R 17 194, R 18 195, R 19 197 Großhandelspreise der genannten Preisgebiete; ___ SlU2terieri3 bi- W^Wnschl? SS 3W H.30 bis 12 30 Uhr. 16 bi- 17 Uhr. S°m-t°gn°ch- W 20 Kreis Worms 30,40, Type 630 W 13 bis mittags geschlossen.______________________________ 7067D Gold und Universitäts-Caf6 Inhaber: Fritz Vogel 7084D Heute: Abschieds- und Ehrenabend der so beliebten Kapelle •Willi (Rott Ab morgen Freitag, den 1. Dezember 1939: Kapellmeister Willi Jager mit seinen Solisten Sprechstunden nach Vereinbarung 05235 Bin jetzt zu allen Krankenkassen zugelassen Hans Hermann Becker Dentist Marburger Straße 106 Fernruf Nr. 8384 Cafe Wien Am Donnerstag, dem 30. November, ab 20.15 Uhr "MuiikallickesJQä.tiekaten“ mit großer Preisverteilung Preisrichter: Kapelle Kimpel NB. In der gestrigen Anzeige war ein Irrtum unterlaufen gesucht 7060D O PEL Marburger Str.145 Muskator-Hühnerfutter B. K. 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NS.-Gemeinschaft Kraft durch Freude dünn geschnitten. 1 Weiche oder harte Wurst, Brot oder was es sonst ist, alles läßt sich mit dem 8» Kullenmesser leicht schneiden. Dieses ideale Messer und andere Solinger Sta hlwa ren bekommen Sie bei Tüchtiges MW für sofort ges. Putzfrau vorh. Vogl Liebigstr. 34 2 Schweine zum Schlachten 0. Weiterfüttern zu verkauf. [05230 DammiiraBeßu fragen 05233 1 Stau MM ! fragen 7083V Kirckenvlatz 15. Seltersweg 70 i'BabnboMr. 63. Gut erhaltener, grün emaillierter üfen zu verkauf. 0523s Heuchelheim Brauhausstr. 17. »immer, and) für - ---- 8üro, zu ver- svat.gesucht.708sv Gebr. mit Anhänger (Opel 1,2 Str.) zu verkaufen. Zu erfragen in der Geschäftsst. des Gieß. Anz. Mietgesuche Ehepaar sucht 23-Molio. oder möbl. Zimmer mit Kochgelegenheit. Schriftliche Angeb. u. 05240 an d. Gieß. Anz. [Stellenangebote] Jung., ehrliches MW» für Haushalt z. 4-8-3lMkk- MM mit Gartenanteil am Prof.- Eck — Rödgener Str. 2, zu vermieten. 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Dezbr.: Vermietungen Stadttheater eis «hl. en. .10, on: 118 16 ob 'lich H, le?, mb, Mo 1,40, 2,60 unb ab rben ta) i 59 bis 50), 42), (40 (20 ) 56 gl) unb Um Gn Kühe s 65, >e SO hgen alte 2 bis nurbe zuach« sei, n" )el tum )67D !e ei id 39: M. 28( Zweites Statt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, ZV. November 1959 Entlastet den direkten Weihnachtsverkehr. Billige Sonderzüge der Reichsbahn. In diesem Jahre wird der Reiseverkehr an den Tagen vor Weihnachten und über die Feiertage einen ungewöhnlich großen Umfang annehmen. Zahlreiche Wehrmachtsangehörige und berufstätige Volksgenossen werden die Wechnachts- oder Neu- jah-rsfeiertage bei ihren nächsten Angehörigen verbringen, so daß auf den Hauptverkehrsstrecken der Deutschen Reichsbahn in dieser Zeit mit außergewöhnlich starkem Verkehr gerechnet werden muß. Die Deutsche Reichsbahn ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht in der Lage, Dor- und Nachzüge in großer Zahl verkehren zu lassen. Für den allgemeinen Eisenbahnreiseverkehr ist daher mit beträchtlichen Unbequemlichkeiten, überfüllten Zügen und erheblichem Gedränge an Schaltern und auf Bahnsteigen zu rechnen. Es wird daher empfohlen, alle nicht dringend notwendigen Reisen bis nach Neujahr zu verschieben, insbesondere Besuchs- und Vergnügungsreisen während der Weihnachtszeit nach Möglichkeit zu unterlassen. Zur Entlastung des Verkehrs in den fahrplanmäßigen Zügen wird die Deutsche Reichsbahn folgende Maßnahmen treffen: Um solchen Reisenden, die infolge ihrer Beschäftigung nicht an eine Reise in der Spitzenverkehrszeit gebunden sind, eine besonders günstige Fahrgelegenheit zu bieten, werden am 16., 17. und 21. Dezember 1939 in einiaen Fernverbindungen Sonderzüge 3. Klasse mit 50prozentiger Fahrpreisermäßigung eingelegt, die nur mit Sonderzugfahrkarten benutzt werden dürfen und in denen jedem Reisenden ein Sitzplatz gewährleistet ist. Die Sonderzug- fahrkarten müssen bei den Fahrkartenausgaben rechtzeitig vorher bestellt werden. Im Anschluß (Anfahrt im Ausgangsgebiet des Sonderzuges und Auslauf in seinem Zielgebiet) müssen normale Züge mit den üblichen Fahrausweisen benutzt werden. Während die Hinfahrt nur in den Sonderzügen möglich ist, gelten die Sonderzugsfahrkarten für die Rückreise vom 27. Dezember bis 8. Januar einschließlich auch für Personenzüge. Die Benutzung von D= und Eilzügen ist auf der Rückfahrt gegen Zahlung der vollen Zuschläge gestattet. Wegen der übrigen Tarifbestimmungen, der Geltungsdauer der Sonderzugsfahrkarten, der Fahrpläne usw. wird auf die Aushänge in den Bahnhöfen und auf die Auskünfte bei den Auskunftschaltern verwiesen. Stadtböcherei im Dienst der Allgemeinheit. Die Stadtbücherei (bis zum 1. April v. I. vor dem Uebergang auf die Stadt als „Oeffentliche Bücherhalle" bezeichnet), die schon seit vielen Jahren allen Volksgenossen in unserer Stadt dient und von jedem Benützer nur erwartet, daß er die Regeln der Ordnung einhält und eine nur nach wenigen Pfennigen zählende Leihgebühr bezahlt, setzt auch jetzt in der Kriegszeit ihre Arbeit ohne Einschränkung fort. Diese Arbeit darf mit Recht eine Kulturtat qenannt werden, denn die Bücher, die in der Stadtbücherei ausgeliehen werden, sind nicht etwa nur unterhaltende Literatur, sondern es steht dort manches Werk in den Regalen, das den Leser zu ernster Besinnlichkeit auffordert und jeglichem Wissensdrang entgegenkommt: viele Bücher machen aber auch mit den besten Werken der deutschen Kunst vertraut. Es ist ohne Schwierigkeiten möglich, viele Wünsche der Leser zu erfüllen, denn über 10 OOO Bände stehen der Bücherei zum Ausleihen zur Verfügung. Hinzu kommt, daß die Bibliothekarin und ihre Helferinnen in den Bücherbeständen sehr gut Bescheid wissen und dadurch in der Lage sind, den Lesern manchen guten Rat zu geben, wenn sie ohne bestimmten Wunsch an den Ausgabetisch treten. Die Bücherei (einschl. Lesehalle), die von der Stadt jährlich mit rund 4800 RM. unterhalten wird, stellt immer wieder neue Werke ein, und zwar werden jährlich für den Betrag von 1200 RM. Bücher angekauft, die durch die Vermittlung des Gießener Buchhandels beschafft werden. Es steht außer Frage, daß hier die Auswahl mit großer Sorgfalt getroffen wird. So findet man also immer neben den guten alten Werken auch zeitgemäßes Schrifttum, das aus den Ereignissen der Zeit entstand und den Leser in ein näheres Verhältnis zu diesen Ereignissen bringen will. In jüngster Zeit wurde — das liegt in der Natur der Sache — viel Literatur über das Auslandsdeutschtum verlangt, Literatur über Polen, politische Zusammenfassungen usw. Gegenwärtig steht auch der Wunsch nach Kriegsliteratur im Vordergrund. Bücher, in denen die großen Taten unserer Kriegsmarine, die Kämpfe unserer Helden der Luft und auf dem Lande während des Weltkrieges verzeichnet find, werden viel gelesen. Auch jene Bücher, die die Taten unserer Helden im U-Boot schildern, werden mehr als bisher verlangt und auf Wochen voraus erbeten. Die Stadtbücherei, die nach der Auflösung des Gießener Lesehallevereins jetzt ausschließlich durch die Stadt Gießen unterhalten wird, hat einen Kreis von etwa 900 ständigen Lesern. Dieser Kreis ist aber zweifellos größer, denn viele Bücher werden nicht nur von einer Verson gelesen, vielmehr wird auch mancher Angehörige danach greifen. Wenn die Mutter z. B. durch ihre hausfraulichen Pflichten abgehalten ist, das Buch vorzunehmen, dann hat es vielleicht der Vater, der Heranwachsende Sohn oder die Tochter in der Hand. Es mag oftmals geschickter Regie bedürfen, damit jedermann zu seinem Recht kommt. In jüngster Zeit ist, veranlaßt durch die Kriegsereignisse, der Leserkreis natürlich manchem Wandel unterworfen. Viele Männer sind eingezogen, manche Frau, die bisher Bücher holte, ist, weil ihr Mann nicht da ist, vielleicht nach auswärts zu ihren Eltern gezogen und fällt nun als Leserin fort. Immerhin gibt es in den Ausgabestunden der Bücherei noch alle Hände voll zu tun, und die Bücherei erfüllt ihre schöne Aufgabe wie zu jeglicher anderen Zeit mustergültig im Dienst der Allgemeinheit. N. Ms Der Stadt Gießen. „Höflichkeit." Dieser Tage fiel wieder einmal das Wort von der „Höflichkeit". Es war in der vollbesetzten Straßenbahn, in der sich ja sehr leicht der Anstoß ergibt m einem Gespräch über Fragen des taktvollen Be- nchmens. Ein Gespräch, das gewöhnlich von viel- > iagenden Seitenblicken begleitet ist, mit denen gewissermaßen derjenige aufgespieht wird, der das Gespräch verursacht. In diesem Falle war es nicht Ijörtbers. An einer Haltestelle waren zwei Frauen in die vollbesetzte Straßenbahn gestiegen. Sie blickten sich vlatzsuchend um, als auch schon ein jüngerer Mann aufstand und seinen Sitz anbot. Eine Frau konnte sich also setzen, während die andere Mit einem un- gemüllichen Gesicht stehen blieb. Ihr vernehmliches Räuspern machte die übrigen Fahrgäste aufmerksam, die unwillkürlich der Richtung ihres Blickes folgten, den sie mit zwingender Gewalt auf einen jungen Mann heftete, der keinerlei Anstalten machte, seinen Platz zu räumen. Der Konfliktsstoff lag zutage, und schon fielen auch Bemerkungen über „Höflichkeit". Ein Herr in den besten Jahren hielt den Augenblick für gekommen, eine kleine Vorlesung zu halten. Mit markiger Stimme sprach er über die Höflichkeit, ohne indessen seinen Sitz preiszugeben, den er behaglich einnahm. An sich sei es selbstverständlich, so dozierte er, daß man immer höflich sei, aber die gegenwärtige Zeit verlange ein besonderes Maß, Öie zeitgemäße Höflichkeit. Zu diesen Worten nachdrücklich nickend, faßte er den jungen Mann strafend ms Auge. Der erhob sich ein wenig unbeholfen, wandte sich ohne ein Wort zur Tür, um an seiner I Haltestelle auszusteigen. Dabei wurde es für alle sofort ofsenbgr, daß er sein rechtes Bein nur mühsam gebrauchen konnte. Die Zurückbleibenden machten betretene Gesichter, während der Herr ver- »egen etwas vor sich hinmurmelte. Vielleicht bedauerte er jetzt seine Vorlesung. Was jedoch nicht besagt, daß seine Darlegungen völlig falsch gewesen seien. Im Prinzip waren sie richtig, nur in der Nutzanwendung nicht. Und darauf kommt es schließlich an. Was nützt es, über sine Sache zu reden, wenn man nicht selber jederzeit bereit ist, etwas für sie zu tun? Als die besten Volksgenossen erweisen sich gewöhnlich diejenigen, die nicht viel Worte machen, die aber sofort bereit 'M, so zu handeln, wie es im allgemeinen Interesse dienlich ist. Im bunten Getriebe des Alltags gibt >s tausend Möglichkeiten zur Rücksichtnahme und gegenseitigen Hilfe. Heute mehr denn je. Sie zu ehen und zu ergreifen, erfordert weiter nichts als rin bißchen Einfühlungsvermögen und den guten Willen zur Tat. Dann bebarf es keiner Vorlesung 1 über Höflichkeit". H. W. Sch. Vornotizen. Tageskalender für Donnerstag. Stadttheater: 20 bis 22 Uhr: Zweites Orchesterkonzert. — Gloria-Palast, Seltersweg: „D III88".— Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Königswalzer". Zweites Orchesterkonzert Im Stadttheater. Am heutigen Donnerstagabend findet im Stadt- cheater das zweite Orchesterkonzert des Gießener Konz-rtvereins statt. In dem Konzert, dessen Leitung Professor Dr. Temesväry hat, werden aufge- ührt: Schumann, Ouvertüre zu Byrons „Manfred", Leethoven, Arie „Ah! perfido", Tschaikowsky, Fünfte Symphonie in e-moll. Solistin ist Anni A s s i o n. Das Konzert beginnt um 20 Uhr und endet um 22 Uhr. Deutsches Frauenwerk. Der Arbeitsnachmittag der Abteilung Grenzland- Lusland findet für alle vier Ortsgruppen am Freitag, l. Dezember, 15.30 Uhr, im „Schipkapaß" statt. Russisches Nationaltheater „Bunter Bogel" in Gießen. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" wird am Montag, 4. Dezember, und am Dienstag, 5. Dezember, mit Gastspielabenden des russischen Natio- naltheaters „Bunter Vogel" aufwarten, das unterhaltsame Abende zu bereiten verspricht. Allerdings soll dabei nicht erwartet werden, daß Theater im eigentlichen Sinne geboten wird, etwa ein Bühnenstück, ein Schauspiel oder ein Drama, vielmehr wird der Abend abgestimmmt sein auf heitere Beschwingtheit mit Untertönen jenes Schwermuts, der mit dem russischen Wesen nun einmal verbunden ist. Die Gastspielabend der Künstlertruppe werden vor allem Nationaltänze, Volksliedgesang und Musik bringen. Für die darauffolgenden Tage wird — die Zeitpunkte stehen im einzelnen noch nicht genau fest — auch ein Großvariete in Gießen gastieren, das durck die Gauwaltung der NSG. „Kraft durch Freude^ aus besten Könnern zusammengestellt wurde und voraussichtlich drei Abende mit guter Varietö-Kunst ausfüllen wird. Die Veranstaltungen der NSG. .Kraft durch Freude" sind für jeden Volksgenossen Das Programm für die erste Dezemberhälfte sieht noch zwei Theatervorstellungen für die Wehrmacht vor. Unser Stadttheater wird dabei mit der Komödie „Für die Katz" und in der zweiten Vorstellung entweder mit „Agnes Dernauer", oder dem „Intermezzo am Abend" aufwarten. Fernunterricht der Deutschen Arbeitsfront. NSG. Das Fernunterrichtswerk der Deutschen Arbeitsfront für Ingenieure und Kaufleute erfreut sich in der letzten Zeit auch eines sehr starken Zuspruches aus unserem Gaugebiet. Es ist in der Hauptsache dafür gedacht, Volksgenossen, die auf dem flachen Lande wohnen, die Möglichkeit zu einer beruflichen Weiterbildung zu bieten. In einer Reihe von Lehrgängen wird den Teilnehmern die Möglichkeit geboten, in sämtlichen Fächern sowohl des Kaufmannsberufes, als auch des Jngenieurberufes sich auszubilden. Die Anerkennung dieses Fernunterrichtswerkes der DAF. durch den Reichsarbeits-, den Reichs- erziehungs- und den Reichswirtschaftsminister zeigt die Notwendigkeit und Größe dieser Einrichtung der Deutschen Arbeitsfront. Zur weiteren Fortbildung werden die in der Nähe von Berufserziehungsstätten der DAF. wohnenden Teilnehmer in Arbeitsgemeinschaften zusammengeführt. Gerade in der heutigen Zeit, in der jede Kraft gebraucht wird, richtet sich das Augenmerk darauf, auch demjenigen die Möglichkeit zur Weiterbildung in seinem Berufe zu bieten, der nicht direkt die Möglichkeit hat, Schulen in der Nähe seines Wohnortes zu besuchen. Hier soll das Fernunterrichtswerk der DAF. eine Lücke schließen. Feldpost durch die NG -Hrauenschast. NSG. Seit einiger Zeit wenden sich Soldaten, die alleinstehend sind, an die Gaufrauenschaftsleitung mit der Bitte um Mitteilung einer Anschrift, damit auch sie einen Menschen in der Heimat finden könnten, der bereit wäre, mit ihnen Briese zu wechseln und ihnen gelegentlich ein Päckchen zu schicken. Für diese schöne Aufgabe haben sich Hunderte von Frauen und Mädel zur Verfügung gestellt, die alle auf diese Weise beitragen wollen zur Stärkung der Bindung zwischen Heimat und Front. Nun ist aber die Zahl von beiden Seiten auf der Zentrale der Gaufrauenschaftsleitung so groß geworden, daß man nicht mehr alle rechtzeitig berücksichtigen kann. Künftig werden daher alle Ortsfrauenschaftsleitungen feststellen, wer aus? ihrem Ort eingezogen wurde und wem ein gutes Wort, ein kleines Weihnachtspäckchen oder Bücher und Zeitschriften eine Freude machen würden. Da die Blockfrauenschaftsleiterin ihren Block genau kennt und weiß, wer dort eingezogen ist, weiß sie auch, wem man eine Freude machen könnte. Auch ohne daß der Soldat bittet, wird die NS.-Frauenschaft — Deutsches Frauenwerk es überall als ihrs schönste Aufgabe ansehen, an ihn zu denken. „Soldat im Wehrkreis IX." Die seit Bestehen des Wehrkreises erscheinende Zeitschrift „Soldat im Wehrkreis IX" ist ein Bindeglied zwischen Ersatztruppe, Fronttruppe und Hei- Das gute Kinder-Nährmittel Gustin re in er Maisstärke-Puder bekommen Sie zur Zeit auf die mit einem M bezeichneten 4 Abschnitte dec Reichsbrot« karte für Kinder bis z u 6 Jahren Dr. August Oetker ssen er 3384 05235, ter jas Best« JQ81A efon^ iser ,0^ tverei" .SS'»" •i ■CARL DUNCKER VERLAG•BERLIN 15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Moravitzky unterdrückte einen Fluch. Natürlich richt, dachte er. Natürlich würden diese beiden saureren Brüder alles ableugnen. Ioso Zaduk fuhr fort: „Ich war heute früh im Polizeipräsidium. Ich fragte beiläufig, ob man in Lachen des Schlafwagendiebstahles etwas heraus- i kommen hatte." Er schlug vor Moravitzky das Filmtaschenbuch auf, (“05 er sich hier beschafft hatte, und sprach weiter: Hch könnte diese Bilder hier zu den Akten geben. Inb außerdem besitze ich noch dieses Beweisstück .." Zog noch einmal das Zigarrenetui hervor. „Man ?ab mir dieses hier heute auf meinen Wunsch zurück, da sich der Verlierer bisher nicht meldete. Sie haben also Ihr Schicksal in der Hand, Herr '-vn Moravitzky!" Moravitzky griff nach feinem Hut. Er stand quf tnb sagte: „Sie hören von mir ..." Auch Ioso Zaduk stand auf. Er hatte noch etwas W sagen. „Aus etwas möchte ich noch aufmerksam machen ... sollten Sie vielleicht plötzlich verreisen müssen ... vielleicht unauffindbar werden ... nun, S könnte möglich sein ... so möchte ich doch ausdrücklich sagen, daß wir uns in einem solchen Fall 2 Frau Domkat halten würden. Unerbittlich!" ,Moravitzky ballte die Hände. Er wiederholte: „Sie -ören von mir!" und warf die Tür mit einem '^chen hinter sich zu. * Luise hatte mit Doktor Heitfeld die Bestellungen jus Amerika durchgesehen. Sie lauteten in der Mehrzahl auf Parfümerien der Serie „Inkognito". „Ausgezeichnet!" freute sich Doktor Heitfeld. »Kommen Sie, Frau Domkat, wir wollen darüber l^ch mit meinem Vater sprechen." ging mit stürmendem Schritt in das Neben- Smmer. Er legte Matthias Heitfeld die Liste des Amerikanischen Bevollmächtigten vor. „Na, was 1 gst du, Vater ... ich denke, wir können mit dem Geschäft zufrieden sein. Alles reißt sich um ,Jn- hgnito'." Waldemar Heitfeld schwang sich wie ein großer und vergnügter Junge auf die Schreib tisch ecke. „Gepriesen sei die alte serbische Großmutter!" „Deine Spürnase hat ja wohl auch Anteil daran!" lachte Matthias Heitfeld. Er lehnte sich zurück und sah seinen Sohn an. Dann ging sein Blick zu seiner Sekretärin, die an einem Seitentisch stand und dort etwas ordnete. Matthias Heitfeld sagte: „Ja, dann werden mir jetzt mit HocAuuck arbeiten müssen. Du wirst auch noch Leute einstellen müssen, Waldemar. Und ich weiß nicht, ob ich jetzt an meine Kur denken soll. Ich werde die Reise vielleicht besser noch aufschieben." „Kommt nicht in Frage!" bestimmte der Sohn. „Du fährst ab! Anfang der kommenden Woche, wie wir das'besprochen haben. Wieso sollst du denn nicht fahren können? Denkst du, wir werden nicht fertig? Ich brauch jetzt nicht so viel drüben im Laboratorium zu sitzen. Da arbeitet Doktor Mainz weiter. Und Frau Domkat ist doch über alle laufenden Geschäfte unterrichtet. Nicht wahr, Frau Domkat?" „Selbstverständlich, Herr Doktor." Luise wandte sich an Matthias Heitfeld. „Sie dürfen überzeugt sein, Herr Heitfeld, daß alle Geschäfte auch in Ihrer Abwesenheit bestens erledigt werden!" „Weiß ich doch, Frau Domkat ... weiß ich doch , nickte der alte Herr freundlich. „Also gut — ich fahre ab. Ich überlasse euch eurem Schicksal. Und eigentlich freue ich mich, mal wieder herauszukpm- men. Außerdem verlangt mein Herz die Kur/ Der Blick des Doktors ging sorgend zum Vater. „Nun gestehst du also doch ein, daß du ausspan- nen mußt! Weshalb aber willst du wieder nach Orb. Fahre doch mal woanders hin!" Heitfeld schüttelte den Kopf: „Weshalb? Da fühle ich mich wohl. Die Kur hat meinem Herzen immer gut getan. Frau Domkat, besorgen Sie mir bitte alles ... die Fahrkarten und die Zimmerbestellung im Kurhaus." * Moravitzky ging über den Kurfürstendamm. Um ihn strömten die Menschen. Er ging sonst gern durch diese laute und helle Straße. Man traf fast immer Bekannte, man setzte sich in einen der Vorgärten und tränt mit diesem oder jenem Bekannten eine Tasse Kaffee. Heute aber war ihm dieses Leben und Treiben völlig gleichgültig. Es regnete, das paßte zu seiner Stimmung. Er war in einer scheußlichen Verfasiung. Wie wurde er nur mit den Zaduks fertig? Er wußte es nicht: er wußte nur, daß er mit Luise sprechen mußte. Er konnte mit keinem einzigen Meuchen über diese Sache reden als einzig und allem mit Luise. Sie mußte unterrichtet werden, damit sie nicht unvorbereitet war, wenn sich die Brüder Zaduck etwa doch an sie wandten. Einen bösen, mißmutigen Zug im Gesicht, ging er über die Straßen. Vor einem Kinopalast drängten sich die Menschen. Da wurde heute ein Film uraufgeführt. Ein paar große Köpfe leuchteten in bunten Farben vor dem großen über die ganze Fläche des Gebäudes gespannten Transparent. Ein bitteres Gefühl stieg in Moravitzky auf. Einmal standen Luises und sein Name auch groß auf dem Filmprogramm. An der Ecke der Budapester Straße, ehe er über den Fahrdamm ging, ließ er den Blick über die Häuserreihe drüben gehen. Er wußte genau, wo sich oben in der Höhe die Fenster von Luisens Wohnung befanden. Er wußte längst mehr von ihr, als sie ihm damals in dem stillen Gartenlokal in Sakrow erzählt hatte. Er wohnte in seiner Pension Tür an Tür mit Gerhard Dekken, dem Bruder der jungen Komparsin, dem Schriftsteller Dekken, mit dem er gemeinsam einen Film schrieb. Und vielleicht stimmte auch die Vermutung der Komparsin: daß nämlich neben der Sekretärinnentätigkeit Luises eine engere Bindung zu dem jüngeren Chef, diesem Doktor Heitfeld, bestand. Luise war zu Hause. Hinter dem breiten Atelierfenster im fünften Stockwerk schimmerte ein ruhiges Licht. * Später, im Zimmer bei Luise, war es sehr schwer, zur Sache zu kommen. Moravitzky wußte ja von der Potsdamer Begegnung her, daß die Frau jetzt anders war, als er sie bisher aekannt hatte. Er war hier oben in dieser schlichten Atelier- wohnung auch in einer ganz anderen Umgebung als im Wiener Heim Luises. Die junge Frau saß ihm gegenüber, sehr gerade und sehr ernst. Sie fragte: „Also ...? Möchtest du nicht bald zur Sache kommen? Mögtest du mir nicht sagen, weshalb du gekommen bist? Ich möchte das gern wissen." Moravitzky stand auf. Er ging durch das Zimmer. Da stand am Fenster ein kleiner altmodischer Schreibtisch, und darauf ein Bild, im schlichten silbernen Rahmen. Als Moravitzky dieses Bild sah, wurde er blaß. Er nahm es in die Hand. Es war ein Landschaftsbild. Hinter den Bäumen eines Parkes schimmerte der langgestreckte Bau eines Hauses — eines Gutshauses. Der Mann stellte das Bild sehr schnell wieder zurück. Luise hatte ihn beobachtet. Sie nickte. ,Ias sind nicht gerade angenehme Erinnerungen für dich, Moravitzky ..." „Wo hast du das Bild her?" „Ich besaß es schon immer." Der Mann stand am Fenster. Er sah hinaus. Er bewegte sich nicht. Er konnte jetzt nicht sprechen. Was sollte er auch sagen. Oder ... oder war vielleicht jetzt gerade der richtige Augenblick, in dem eo Luise wieder gewinnen konnte ...? Dazu aber mußte man die rechten Worte finden. Er drehte sich schnell um. Es mußte gesagt werden. „Luise, es handelt sich da um eine furchtbar ernste Sache für uns. Erinnerst du dich der Fahrt ntit dem Orient-Expreß ... es war vor fünf Iah. ren ... wir fuhren getrennt ... in Budapest trafen wir uns wieder ... Luise brauchte sich nicht zu besinnen. Die Gefahr, die sie seit jener ersten Begegnung mit Zaduk geahnt hatte, war also nicht vorbei gegangen. Sie hatte sich vielleicht sogar vervielfacht. „Du bist mit Zaduk zusammen getro ff en ?" Moravitzky sah erstaunt auf: „Wie denn ... du bist schon unterrichtet? Hat dieser verfluchte Halunke sich also mit dir in Verbindung gesetzt?" „Das hat er", nickte Luise. „Aber anders, als du wohl annimrnft. Es war zuerst der reine Zufall. Ich hatte geschäftlich auf der Ausstellung am Kaiserdamm zu tun ..." „Ich weiß. Ich sprach die Mädchen, die du flÄ den Heitfeldschen Stand engagiert hattest." „Sich mal an ... das weißt du also .. .* Moravitzky machte eine ungeduldige Handbewegung. Diese Nebensächlichkeiten waren ja jetzt so unwichtig. „Da also trofft du den Menschen! Und er erkannte dich ...?" „Natürlich erkannte er mich. Aber erst ein paar Tage später sprach er mich an. Auf der Straße. Da wollte er mich einladen. Ich schlug es ihm ab.* „Vielleicht war das unklug ... aber weshalb hast du mir das nicht sofort mitgeteift? Man hätte sich dann vorbereiten können." „Vorberetten ...? Auf was denn vorbereiten . .?* Die Frau stand auf, Unruhe trieb sie hoch. Mo- ravitzky trat dicht zu ihr. Er sagte: „Dieser Ioso Zaduk und sein Bruder ... diese beiden Burschen haben mich in der Hand." Luise wich zurück. Sie war totenblaß geworden. Sie dachte in diesem Augenblick nicht an Moravitzky und seine furchtbare Zwangslage. Die dachte daran, daß nun wahrscheinlich ihr ganzes Vorhaben, bet ganze Umschwung ihres Lebens, die Arbett hier umsonst sein würden. (Fortsetzung folgt) OJl.-'fpOTt Aus der engeren Heimat Jn den kommenden Dinter- seldzug gehen wir gerüsteter als Vas deutsche Heer besitzt die besten Waffen unb seine Heimat ist getragen oom Dpfergeist für dasAriegs-WHN). laß wurde der Jubilar im Kreise der Arbeitskame- raden geehrt und erhielt gleichzeitig neben einer Treueprämie ein Glückwunschschreiben des Ober- bürgermeisters. Jiunöfunfprogramm Freitag, 1. Dezember: 6 Uhr: Landvolk, merk' aus! 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. Die Unterhaltungskapelle des Reichssenders Hamburg. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Gymnastik. 8.20: Sendepause. 9.10: Mutter turnt und spielt Mit dem Kind: „Das Puppendorf". 9.30: Schulfunk (Oberstuse) Sendereihe: „Wirtschast und Politik", ,Leichtmetall". Hörfolge. 10: Frohe Weisen. Es spielt das kleine Orchester des Reichsfenders Saarbrücken. Einlage: Buntes aus der Saarpfalz. 11: Blasmusik. Es spielt das Mufikkorprs einer Fliegerhorst-Kommandantur. 12: Stadt und Land — Hand in Hand. 12.10: Mittagskonzert., Das große Orchester und der Chor des Reichssenders Köln. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 14: Nachrichten. 14.15: Das Stündchen nach Tisch ... 15: Nach- mittagstonzert. Ausführung: Das große Orchester und der Chor des Reichssenders Frankfurt. 17: Nachrichten. 17.10: Sport. 17.20: Musikalische Kunz- weil. 18: Klingende Liebesgaben. Eine fröhliche Sendung des Reichssender Frankfurt für die Kameraden am Westwall. In Verbindung mit der NS.-Gemeinschaft „Kraft dmch Freude". 19.10: Konzert. Dazwischen: 19.10: Berichte. 20: Nachrichten. 20.15: Übertragung vom Deutschlandsender: Dazwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten. er sei nur ein „harmloser Durchreisender, der sich aus Not etwas holen wollte. Dabei hatte er sich bereits Mäntel und Kleider zum Mitnehmen de- reitaelegt, eine große Anzahl der besten Zigaretten in seinen Taschen verstaut, die Geldkassette und emg Geldbörse ausgeleert und den Inhalt zu sich gesteckt Auch war er auf dem für ihn „nicht mehr ungewöhnlichen Weg" in das Anwesen gelangt, indem er den Fensterladen gewaltsam öffnete und den Fensterrahmen eindrückte. Auch Ausweispapiere Acht Kämpfe um den Reichsbund-Pokal. Der Pokal-Wettbewerb der deutschen Fußball- Gaumannschaften wird am Sonntag mit den acht Begegnungen der Vorrunde fortgesetzt. In den beiden Ausscheidungsspielen blieben die Gaue Baden und Mittelrhein, die von Württemberg und Südwest geschlagen wurden, auf der Sttecke. Der Kampfplan für Sonntag lautet: Kassel: Hessen — Südwest München: Bayern — Württemberg Aussig: Sudetenland — Ostmark Hamburg: Nord mark — Sachsen Braunschweig: Niedersachsen — Niederrhein Magdeburg: Mitte — Westfalen Stettin: Pommern — Brandenburg Königsberg: Ostpreußen — Schlesien. Im Besitz des Reichsbund-Pokals ist der Gau Schlesien, der in der vergangenen Spielzeit mit ganz großartigen Leistungen aufwartete und im Endspiel den Gau Bayern mit 2:1 Toren bezwang. Ob die tüchtigen Schlesier auch diesmal soweit kommen, bleibt abzuwarten. Offener denn je sind ja heute die Fußballkämpfe, denn viele bewährte Kräfte stehen nicht nur zur Verfügung und der Nachwuchs ist noch nicht überall so weit, um die Lücken vollwertig ausfullen zu können. So wird es auch im Verlaufe des Reichsbundpokal-Wettbewerbs manche Ueberrafchung absetzen. Oie zweite WHW -Veranstaltung des Fachamtes Handball! Nachdem aus dem schönen Programm des Vorsonntages nichts geworden ist, müssen beim zweiten Versuch erst recht alle Kräfte angespannt werden. Die Handballer haben den Ehrgeiz, ihren Einsatz so erfolgreich wie möglich zu gestalten und ganze Arbeit zu leisten. Das um so mehr, als sie ja darauf aus sind, das Vorjahres-Ergebnis noch zu verbessern. Wenn schon die Paarungen des geplanten ersten Einsatzes nichts zu wünschen übrig ließen, so trifft das nicht minder auch diesmal wieder zu, Nicht nur, daß es sich zum weitaus größten Teil um interessante Vergleichskämpfe handelt. Es werden sich gegenüberstehen: Garbenheim — Münchholzhausen. Hörnsheim — Mtv. Gießen. Dornholzhausen — Ebersgöns. Katzenfurt — W.-Niedergirmes. Beuern — VfB.-R. Gießen. Holzheim — SpV. 1900 Gießen. Dutenhofen — Hochelheim. Launsbach — Krofdorf. Londorf — Großen-Buseck. Heuchelheim — Mtv. Gießen. Klein-Linden — Lützellinden. Großen-Linden — Hörnsheim-Hochelheim. Lich —- Grüningen. Nauborn — Garbenheim. Wieder Titelkämpfe der HZ. Auch im kommenden Jahre werden wieder die deutschen Iugendmeisterschaften im Boxen durchgeführt, deren Trägerin die HI. ist. Bereits in der Zeit vom 1. November 1939 bis 31. Januar 1940 werden nach den Ausschreibungen, die der Chef des Amtes für Leibesübungen in der Reichsjugendfüh- des Wirtes hatte er bereits in feiner Tasche, wn damit seine weitere Flucht leichter bewertstelli«n zu können. Man fand übrigens bei dem etwa 30. jährigen Verbrecher Gegenstände, die er ebenso wie seine Zivilkleidung nach seiner Flucht aus bet Strafanstalt bereits bei anderen Einbrüchen ober Diebstählen erbeutet haben muß. Noch in der Nacht wurde der Verbrecher in das Untersuchungsgefäng. ms eingeliefert, wo sich herausstellte, welch Guten Fang die Polizei gemacht hatte. mittlungen hatte Hartogs in dem Frankfurter Hotel eine Zenttale etabliert, von der aus er Reisen ins Ausland unternahm und mit zahlreichen inländischen Juden in Verhandlungen stand, die aus* wandern wollten und sich von ihm beraten liehen. Er bekam Gelder und Wertsachen zum Verschieben zugesteckt, wobei es sich um recht beträchtliche Werte handelte. Die Festnahme des Großschieberpaares hatte die Festnahme von 25 mitbeteiligten Juden in Frankfurt und Umgebung zu Folge. Sie wurden im Unterwerfungsverfahren bestraft. Zur Sicherung der Geldstrafen find damals 300 000 RM. beschlagnahmt worden. Das Gericht verurteilte Hartogs wegen sieben vollendeter und 14 versuchter Devifenvergehen, zum Teil in Gemeinschaft mit der Mitbeschuldigten begangen, zu drei'Jahren Gefängnis und 7000 RM. Geldstrafe. Seine Geliebte erhielt wegen fünf vollendeter und einem Fall des versuchten De- vifenvergehens fechs Monate Gefängnis und 1650 RM. Geldstrafe. Im Nichtbeitreibungsfall ist für je 100 RM. ein Dag Gefängnis zu verbüßen. Die Untersuchungshaft wurde ungerechnet, die angeklagte Frau aus der Haft entlassen. Von beschlagnahmten Werten wurden 20 000 RM. Bargeld, ein Scheck über 174 schwedische Kronen, der Pelzmantel und sämtliche Schmuck- und Silbersachen, darunter auch die Geschenke, die die Angeklagten von Juden zur Erledigung ihrer Anliegen erhalten hatten, eingezogen. Entsprungener Zuchthäusler bei einem Einbruch gesaht. Lpd. Frankfurt a. M., 29.Nov. Die Polizei konnte einen Verbrecher festnehmen, als er gerade dabei war, eine Wohnung auszuplündern. Der Dieb war vor einiger Zeit aus einer Strafanstalt bei Düsseldorf entsprungen', wo er eine langjährige Zuchthausstrafe verbüßen sollte. Nachts kehrte eine Gastwirtsfamilie aus Nied, von auswärts kommend, nach Haufe zurück. Da der Laden eines Fensters halb geöffnet war und in der Küche Licht brannte, vermutete man einen Einbrecher in der Wohnung und benachrichtigte die Polizei. Als der Wirt und zwei Beamte die Wohnung betraten, fchrie der Verbrecher: „Hände hoch!" und warf den Polizisten einen schweren Stuhl entgegen, der aber fein Ziel verfehlte. Der Eindringling, der wütend um sich schlug und trat, konnte überwältigt und fe ft genommen werden. Dann jammerte er, man möge ihn doch laufen lassen, denn mal. Sie unterrichtet über alle wesentlichen Ereignisse im Wehrkreis IX und bringt während des Krieges Berichte von der Front. Aus dem vorliegenden Novemberheft sind zu erwähnen Aufsätze wie „Abenteuer und Leistungen der Hessen in aller Welt", „Don heimischer Bauweise", „Die Nachrichtenmänner und ihre vierbeinigen Helfer", „Besuch bei einem Landesschützen-Bataillon" und andere soldatische Betrachtungen und Erlebnisse. „Vatis Soldatenerlebnisse" sind der regelmäßige Schlager des Nachrichtenblattes. Dieses ist durch den Wehr- macht-Presse-Verlag, Berlin SW 68, Zimmerstraße 35—41, zu beziehen. Gießener lvochenmarktpreiie. * G i e ß e n, 30. Nov. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, Wirsing, % kg 6 bis 10 Rpf., 50 kg 6 RM., Weißkraut, % kg 5 bis 6 Rpf., 50 kg 4 RM., Rotkraut, % kg 8 bis 10 Rpf., 50 kg 7 RM., gelbe Rüben, kg 7 bis 8 Rpf., rote Rüben 9 dis 10, Unterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 15 bis 18, Rosenkohl 32 bis 45, Feldsalat, Vio 10 bis 12, Zwiebeln, kg 10, Meerrettich 40 bis 60, Aepfel 15 bis 25, Birnen 15 bis 20, Salat, das Stück 5 bis 8, Endivien 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15 Rpf. * ** T)ienstjubiläum bei der Stadt ließen. Auf eine 25jährige ununterbrochene Dienstzeit bei den Stadtwerken kann heute der Ober» Monteur Otto Steih zurückblicken. Aus diesem Ankämpfe steigen im März oder April wiederum m Stuttgart. Bei den Bannwettkämpfen werden die Tellnehmer übrigens in drei Leistungsklassen ein« geteilt, in die Anfängergruppe, die ßeiftungsgruppt zwei und die Leistungsgruppe eins. Oeutsche Europameister rm Motorsport Der Führer des deutschen Kraftfahrsports, Korpsführer Hühnlein, hat jetzt die drei deutscher Rennfahrer NSKK.-Staffelführer Hermann Lang NSKK. - Obersturmführer Ewald Kluge uno NSKK.-Obersturmführer Heiner Fleischmann auf Grund der vorliegenden klaren Punktergebniss« in den für die Europameisterschaft international festgesetzt gewesenen Automobil- und Motorradrennen zu Europameistern erklärt. Korpsführei Hühnlein ergriff selbst die Initiative, da sowohl dir zuständigen Verbände infolge des Krieges nicht zu- fammentreten können. Hermann Lang ist auf Mercedes-Benz mit 23 Punkten Europameister im Rennwagen geworden, Ewald Kluge mit 27 Punkten auf DKW. Europameister für Motorräder bet Klasse bis 250 ccm und Heiner Fleischmann mit 23 Punkten gleichfalls auf DKW. Titelhalter bet Klasse bis 350 ccm. Mit der Zahl von 27 Punkten ist Kluge gleichzeitig Europapmeifter im Gesamt« klassement für Motorräder. Kurze Sportnotizen Wie die Karten stelle des Drganifatiow komitees für die V. Olympischen Winterspiele Gar misch-Partenkirchen bekannt gibt, werden die (Eintritts gelber für bereits bezahlte Karten zurück«« stattet. Italien und Ungarn haben einen Turn« länderkampf für den 17. Dezember nach Mailcm) vereinbart. Die Italiener bereiten sich sehr ernsthaft darauf vor und werden wahrscheinlich mit der glr- chen Mannschaft antreten, die kürzlich ihr große. Können in Dresden zeigte. Briefkasten ver Nedattion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) (£. ft, G. Auf Grund der Verordnung über Kündigungsschutz von Kleingärten vom 27.9.1939 rt bestimmt, daß Pachtverträge über tleingärtnerifd) genutztes Land von dem Verpächter nicht gekündigt werden dürfen. Bereits ausgesprochene Kündigungen find rechtsunwirksam, wenn die Räumung dcs verpachteten Geländes im Zeitpunkt des Jnkrafl- tretens dieser Verordnung (27. 9. 1939) noch nicht durchgeführt ist. Die zum 1. Dezember 1939 ausg" sprochene Kündigung Ihres Gartens ist deshalb nicht wirksam. E. S. ln G. Das menschliche Herz pumpt inne-- halb einer Minute das ganze Blut, etwa 5 ßitei, einmal durch den Körper. Innerhalb einer Stunt? werden also rund 300 Liter Blut bewegt. — Dc- Brandenburger Tor ist von Langhans in beit Jahren von 1788 bis 1791 erbaut. Die Diktori::, die das Tor krönt, stammt von Sd) a bo m. - Ihre dritte Frage können wir nicht beantworten fragen Sie deswegen in einem Reisebüro an. Landkreis Gießen. p Lich, 29.Nov. Wer jetzt mit aufmerksamen Augen durch die Stadt geht, kann überall feststellen, wie sehr die Bevölkerung bemüht ist, sich den Kriegsverhältnissen anzupassen, lieber all wird Kleintierzucht getrieben, sei es als Hühneroder als Kaninchenzucht. In Obst- und ©rabgärten erstehen neue Stauanlagen, zu denen bekanntlich das Reich Zuschüsse gewährt. Besonders erfteuliche Feststellungen auf dem Gebiet der Kleintierzucht kann man an der Siedlung am Kreuzweg, die erst vor wenigen Jahren entstanden ist, machen. Hier befaßt sich jede Familie mit Kleintierzucht. In erfreulicher Weise hat die Rassezucht die weniger Nutzen bringende Kreuzungszucht verdrängt. Oer verlorene Trauring. LPD. Frankfurt a. M., 29. Nov. Die Frau eines Taubenzüchters in einem Frankfurter Vorort vermißte fei längerer Zeit ihren Trauring, den sie beim Waschen von Kartoffeln abgestreist und auf eine Bank gelegt hatte. Sie glaubte, der Ring fei gestohlen worden. Nun wurde er bei Reinigungsarbeiten im Taubenschlag gefunden. Offenbar hat eine Taube an dem glitzernden Ding Freude gehabt und es weggetragen. Jüdischer Großschieber vor Gericht. LPD. Frankfurt a. M., 29. Nov. Dor der Strafkammer hatten sich der 59jährige, in Holland geborene Jude Felix Hartogs und seine 26jährige arische Braut, eine Schweizer Staatsangehörige, wegen einer Reihe meist versuchter Devise n- schiebungen zu verantworten. Die Angeklagten wurden Ende März im Grenzgebiet am Bodensee bei einer Hotelkontrolle festgenommen, als sie im Begriff waren, Kofter mit Gold- und Silbersachen zu verpacken, die angeblich die Aussteuer der Braut vildeten. Zwei Koffer wurden im Hotel, zwei weitere Koffer in der Gepäckaufbewahrunasstelle des Ortes beschlagnahmt. Später wurden in Der Gepäckaufbewahrungsstelle Frankfurt drei Koffer des Hartogs 'uni) in einem Frankfurter Hotel, in dem die Angeklagten monatelang wohnten, ein Pelzmantel und 5450 RM. beschlagnahmt. Der Inhalt der gesamten Koffer hatte einen Wert von 60 000 RM. Außerdem befand sich in den Koffern Bargeld in Höhe von 30 000 RM. Nach den von der Zollfahndungszweigstelle Radolfzell gemeinsam mit der Zollfahndungsstelle Frankfurt betriebenen Ex- rung Obergebietsführer Dr. Schlünder erlassen hat, die Bannmeisterschaften abgewickelt. Die Sieger. nehmen dann vom 1. Februar bis zum 5. März an den Gebietsmeisterschaften teil, und die End-1 Oie erste Zigarre. Von Geno Ohlischlaeger. Ich habe bisher in meinem Leben nicht viele Zigarren geraucht; Zigaretten oder einen müden Pfeifentabak ziehe ich vor. Nur ein paar Mal habe ich zu einer Zigarre gegriffen. Es hatte immer einen besonderen Grund. So sind mir diese Zigarren zu Marksteinen der Erinnerung an Erlebnisse geworden. Vor allem aber werde ich die Geschichte von Yvonne und meiner ersten Zigarre nie vergessen. Sieb zehnein halb Jahre war ich alt, als ich ms Feld kam. Die Batterie, der ich zugeteilt wurde, lag irgendwo in der Champagne. Ich mußte mich beim Bataillonskommandeur melden. Der Feldwebel gab mir für meinen Ritt die Stute Yvonne. Diese war dafür bekannt, daß sie manchmal ihre Mucken hatte, wie mir die Kameraden verrieten. Doch ich hatte Glück, da sie anscheinend einen guten Tag hatte; das Auffitzen und Ausreiten aus dem Lager, von den Kameraden gespannt verfolgt, gelang ohne Zwischenfälle. Nach zweieirchalbftündigem Ritt zeigt mir ein Schild an einem Baum, daß ich den Stab richtig gefunden habe. Der Pataillonskommandeur wohnt in einem höhlenähnlichen Unterstand am Hang eines Berges. Mit der nötigen Ehrfurcht betrat ich den Unterstand und meldete mich zur Stelle. Große Ueberrafchung: der Herr Hauptmann spielt sich gar nicht auf den hohen Vorgesetzten heraus, er ist einfach, er ist herzlich, er ist, wie man zu sagen pflegt, leutselig. Man kann sich kaum vorstellen, wie angenehm das einen berührt. Er hieß mich setzen, fragte mich allerlei Privates und bat mir eine Zigarre an. Ich muß gestehen, ich hatte noch nie eine Zigarre geraucht, aber ich wagte nicht, sie abzuschlagen. Das wäre mir zu unmännlich, zu unmilitärisch erschienen. Nach ein paar Zügen kann ich sie ja wegwerfen, dachte ich; so lange werde ich mich ja hier nicht aufhalten. Aber ach, der Herr Hauptmann entließ mich nicht so bald. Ich mußte rauchen. Wäre er doch lieber nicht so leutselig, dachte ich; wäre er doch kurz angebunden und würfe mich gleich wieder hinaus! Sei es, daß die Zigarre nun besonders aut (also sehr stark) war, oder besonders schlecht (also ein übles Kraut), mir bekam sie jedenfalls nicht gut. Ich hatte Angst vor jedem Zug. Der Hauptmann plauderte mit mir über die Lage an der Front, über die besondere Aufgabe meiner Batterie, über feine Anforderungen an OffiziersanWärter. Ich konnte kaum zuhören; ich dachte immer nur, wenn du dich jetzt bloß nicht blamierst, nur nicht merken lassen, wie hundeelend du dich fühlst! Es blieb mir nichts erspart: ich mußte sie bis zu Ende rauchen. Tapfer, die Zähne zusammengebissen, gehorsam, wie es sich für einen guten Soldaten geziemt, qualmte ich darauf los, obwohl sie mir desto mehr auf dem Magen lag, je kleiner sie wurde. Gott sei Dank, der Hauptmann merkte mir nichts an! Endlich entließ er mich und gab mir noch einen Befehl für den Batterieführer mit, der am Abend in Urlaub fahren wollte. Zum Glück war der erste Teil des Weges so steil, daß ich Yvonne führen mußte; sonst hätte der Hauptmann, der mir nachsah, bemerken müssen, daß ich Nicht imstande war zu reiten. Als wir den Han-g erklommen hatten und die «Straße ganz eben verlief, führte ich trotzdem d-as Pferd weiter am Zügel. Mein Zustand war so, daß schon der Gedanke, Yvonne könnte beim Auf steigen bocken, Mich schwindelig machte. In der frischen Luft wurde mir langsam besser; es wurde auch Zeit, daß ich mich ans Reiten machte. Yvonne war gnädig und ließ mich auffitzen, ohne zu mucken. Doch jetzt beim Trab fing mein Kopf wieder an zu schmerzen; jeder Stoß dröhnte in meinem Gehirn. Als ich etwa eine Stunde geritten war, stellte ich zu meinem Schrecken fest, daß ich an eine Straßenkreuzung gekommen war, die wir schon einmal passiert hatten. Ich habe sonst im allgemeinen ein gutes Orientierungsvermögen; doch in meiner jetzigen Verfassung hatte mein Gefühl für die richtige Richtung mich offenbar betragen und ich war im Kreis geritten. Während ist unschlüssig hielt und überlegte, wie ich den richtigen Weg sinden könnte, setzte sich Yvonne auf einmal von selbst in Bewegung. Da fiel mir ein, daß man mir einmal von der seltsamen Orientierungsgabe einiger Pferde erzählt hatte. Sollte so etwas auch in Yvonne stecken? Mein Kopf war dumpf und meine Denkfähigkeit war durch das Reiten in der Irre Nicht eben besser geworden, daher enffchloß ich mich, das Pferd gar Nicht mehr zu lenken, sondern rNich seinem Gefühl anzuvertrauen. Und sicher wie ein Lotse ein Schiff führt, brachte Yvonne uns in ruhigem Trab nach zwei Stunden auf die große Chaussee, von der aus man sich nicht mehr irren konnte. Beim Einreiten in das Lager begegnete ich dem Wagen, in dem der Batterieführer zum Bahnhof fahren wollte. So konnte ich doch noch rechtzeitig den Befehl des Bataillonskommandeurs übergeben. Seitdem habe ich nichts mehr auf Yvonne kommen lassen; denn wenn sie auch manchmal bockig war, konnte ich ihr doch ihre Hilfe bei diesem Ritt Nicht vergessen. Büchertisch. — Vier wesentliche Schriften zum Verständnis der großen politischen Zusammenhänge sind soeben im Deutschen Verlag, Berlin, erschienen. Der außenpolitische Schriftleiter der DAZ., Dr. M a x K l a u s, schildert in feiner Schrift „Frankreich, w i e es wirklich ist", ungemein fesselnd und tiefschürfend die politischen Kräfte der Dritten Republik, die Frankreichs Schiff in das englische Fahrwasser gesteuert haben. Heinz Medefing, der fünf Jahre als Journalist fn England gelebt hat, gibt in seiner Schrift „England ganz von innen gesehen" ein sehr anschauliches Bild, wie es tatsächlich heute in England aussieht. Die vielen Phrasen, die uns ein England des Wohlstandes, der Einigkeit Und Freiheit aufreden wollen, zerstieben in nichts vor dem nüchternen Blick eines fachlichen Betrachters. In der dritten Schrift „Kohle und Eisen" untersucht Dr. Volkmar Muthe- s i u s die Grundpfeiler der deutschen Wirffchaft, wobei er auch auf die geschichtliche Entwicklung 'und die gegenwärtige wirtschaftspolitische Lage eingeht. Der als Militärschriftsteller von Rang bekannte Dberftieutnant Dr. Kurt Hesse gibt in der Schrift „Achtzig Millionen kämpfen" eine lichtvolle Darstellung der Idee und des Rechts unseres Ringens, wobei auch die Ursachen unseres bewunderungswürdigen militärischen Erfolges in Polen dargelegt werden. ' L. — In einer bequemen Feldpostpackung gibt der Deutsche Verlag drei Werke zu einem billigen Preise heraus. Die Sammlung wird eröffnet mit dem Kriegsroman „Dieter u n b Yvonne" von Oskar Gluth, einer der zartesten und feinsinnigsten Liebesgeschichten mit dem Weltkrieg als Hintergrund. Der zweite Band ist das reizende „Buch des Lachens" von Wilhelm von Scholz. Als drittes ist E h m Welk' s Lausbubengeschichte „Die Heiden von Kummerow" erschienen, der Roman einer Dorfjugend mit seiner Fülle von Streichen und Nichtsnutzigkeiten. — (366) — Georg Buderose: „England so — und s o". Mit 166 Abbildungen. Kartoniert 0,80 RM. Verlag Scherl, Berlin SW 68. — (330) — England und die Engländer bedeuten dem deutschen Volk schon lange kein Beispiel mehr, das der Nachahmung wert wäre. Dies zu erhellen, ist der Sinn der nachfolgenden Bilder. Ihre Zusammenstellung soll jene Gegensätzlichkeiten und Widersprüche auf* zeigen, an denen das heutige England krankt uib an denen es zu zerbrechen drohte, lange bevor » seine Kriegsansage den Weg zur Katastrophe beschreiten ließ. — Eberhard Lutze: Einst im alte» Nürnberg. Sechs Jahrhunderte Kultur und Leben in zeitgenössischen Bildern und Dokumenten Mit 110 Bildern. Walter Hädecke Verlag, ©tutl gart-N. Preis kartoniert 3,60 RM. — (368) — Da alte Nürnberg von 1219 bis 1835 — als der,6tau fenfaifer Friedrich II. den großen Freiheitsbrief er ließ bis zur Eröffnung der Eisenbahn zwische Nürnberg und Fürth — lebt in diesem Buche m Hier spricht das Leben selbst durch Bild, Dofumer zeitgenössische Urteile, Briefstellen, Zitate und n schaulich-interessanten Text. Alt-Nürnberg w«:i wieder lebendig und wir können einen Blick k in Freud und Leid ihrer Bewohner. — Du liebe Heimat. Tausendundein Gedic in Nassauer Mundart von Rudolf Dietz. (VeA Phil. L. Fink, Groß-Gerau. Gebunden 12,— RN — (570) — Eine köstliche Gabe für den Weihnacht! tisch des Heimatfreundes. Der weithin bekam« und geschätzte volkstümliche nassauische Heimatd^ ter hat mit seinen humorvollen, mundartlichen dichten schon Tausenden viel Freude bereitet. W diese Perlen sind in diesem Buche als Sammeto« zusammengefaßt, von guten Zeichnern oortrefr«; illustriert (mit 364 Bildern) und vom Verlag ' Druck und Einband prächtig heraus-gebracht. Difl« köstliche Buch hat nach jeder Richtung alle Voraa setzungen in sich, den Lesern Stunden der reinp Freude zu bereiten. Darum sei ihm die beste Ern fehlung für den bevorstehenden Weihnachs-Bücke kauf mit auf den Weg gegeben. Ernst Blumscheir. — Gerhard Pallmann : „Flieger s i" Siege r." Neue Fliegerlieder mit einem Geiri wort von General der Flieger Fr. Christian.^ Verlag N. Simrock, Leipzig C1, Preis 1,40 — (350) — 134 Lieder und Kanons im meist 3®- stimmigen Notensatz mit ausführlichem Text, <«,' Geschichte des Fliegerliedes von seinen Anfängen « Weltkriege bis zur Gegenwart, sowie eine Dari, lung unserer fliegerischen Spezialformationen Liedgut. , — Verkehrsvorschriften für Kros fahrer unter besonderer Berücksichtigung k Vorfahrtte-gelung mit Bilddarstellungen. Reinhold Wagner. I. L. Schrag-Verlaa. berg. Preis 0,75 RM. — (296) — Der Vers-rl geschäftsführender Oberinspektor der Verkehspo^ in Nürnberg, behandelt in diesem Büchlein D Stoff in Form von 121 Fragen und Anttoorv Allen Kraftfahrern zu empfehlen.