Ur. 76 (Elftes Blatt 189. Jahrgang Donnerstag, 30. Mörz 1939 Lrkhrlnr täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Sezugrprets: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüfie unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Sietzeit Postscheckkonto: Zronlfurl am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitäkdruckerei «.Lange in Gießen. Schriftlettung und GeschSstrftell«: Schulstraße 1 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 ihm Brette 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70 m m Brette 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/o mehr. 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Die Auflösung der roten Front ist vollständig. Die Operationen der nationalen Armeen bestehen praktisch nur noch in Gewaltmärschen, um die kampflose Besetzung der einzelnen Abschnitte so schnell wie möglich durchzuführen. Von den nationalen Kolonnen wird dabei mit großer Umsicht vorgegangen, um alle Uebergriffe und das Entstehen chaotischer Zustände zu verhindern. Die unter dem Befehl des Generals Munoz Grande stehenden Streitkräfte und das Urgel-Armeekorps haben durch dieBesetzungvon Guadalajara die Verbindungen mit den aus der Richtung von Tarancon vorgestoßenen Abteilungen hergestellt. Im Abschnitt von Ciudad Real haben sich die in südlicher Richtung vorrückenden Streitkräfte des Maestrazgo-Korps mit den nach Norden marschierenden Einheiten der 13. Division und den marokkanischen Truppen vereinigt. In Andalusien rücken die nationalen Kolonnen auf Linares vor. Bei allen diesen Märschen, die tief in das bisher sowjetspanische Gebiet hineinführten, ist den Soldaten Francos an keinem Punkt irgendwelcher Widerstand geleistet worden. Wenn sich noch Milizen in den bisherigen roten Stellungen befanden, ergaben sie sich widerstandslos. Lastkraftwogenkolonnen mit Falangisten kamen in den Mittagsstunden des Mittwoch überraschend i n Valencia an, wo nach am Morgen der Miaja- Ausschuß in Permanenz getagt hatte. Die Falangisten versammelten sich auf dem Platz Emilio Castellar und proklamierten die Herrschaft General Francos. Sofort hißten die Anhänger Francos unter der Bevölkerung von Valencia auf allen wichtigen Gebäuden der Stadt die rotgoldrote Nationalflagge. In Alicante, Almeria und Murcia vollzog sich die Entwicklung ähnlich. Hier erhob sich der nationalgesinnte Teil der Be- bisher nirgends gekommen zu sein. In der Stadt Ja en wurde ebenfalls die nationale Herrschaft ausgerufen. Auch der Kriegshafen Cartagena wurde von den nationalspanischen Truppen in Besitz genommen und die Zivilverwaltung von den aus den Gefängnissen befreiten Falangisten übernommen. Der Militärkommandant der Stadt, der die Uebergabe verweigert hatte, wurde verhaftet. In der ganzen Stadt herrschte ungeheurer Jubel über die Befreiung von der roten Herrschaft. Die nationalen Truppen, die am Nachmittag die Stadt erreichten, wurden bei ihrem Einmarsch stürmisch gefeiert. Die sowjetspanischen Milizen in Cartagena haben die Waffen gestreckt. Damit ist auch die letzte bislang rote Provinzialhauptstadt der nationalspanischen Regierung unferftellt. Die weiteren Säuberungsmaßnahmen der nationalen Truppenverbände in dem bisher sowjetspanischen Gebiet haben nun nur noch polizeilichen Charakter. Sowjetspanien hat aufgehört zu existieren. „General" M i a j a ist mit seinem „Stabe" im Flugzeug nach Oran in Algier geflohen. In Madrid hält die Siegesfreude an. Die Bevölkerung drängt sich immer noch in den Straßen und auf den Plätzen und feiert die Befreiung von der roten Herrschaft. Die Geschäfte bleiben nach wie vor geschlossen. Die Verpflegung der Bevölkerung ist durch das soziale Hilfswerk der Falange vollkommen gesichert. Alle Einwohner, die sich um die Ausgabestellen in großer Zahl drängen, erhalten warmes Essen und Lebens mittel. Eine Vorstellung von der Hungersnot vermitteln die Preise, die unter der roten Herrschaft üblich waren. So kostete ein Ei 12 Peseten, eine Büchse kondensierter Milch 75 Peseten, ein Kilo Eselsfleisch — falls es überhaupt vorhanden war — 120 Peseten. General Franco ernannte Luis Alarcon d e la L a st r a zum Zivilgouverneur von Madrid. Er war während des Krieges Artilleriemajor an der Madrid-Front, wo er sich mehrfach auszeichnete. Früher war er mehrmals Abgeordneter. Gleichzeitig ernannte Franco Zivilgouverneure für die meisten Provinzhauptstädte im bisher roten Gebiet. Der Journalist Manuel Aznar ist zum Direktor des Pressewesens von Madrid ernannt worden. Am Mittwochabend erschien zum ersten Mal eine neue nationale Zeitung unter richtete sich der Angriff ja zunächst gegen Valencia. Barcelona ist also eigentlich erst in schwere Bedrängnis geraten, als im Dezember vorigen Jahres der Einmarsch nach Katalonien begann; und ttivtzdem ist chm ein Beschießung durch Artillerie erspart geblieben. Um den Besitz von Madrid dagegen ist bereits im ersten Kriegswinter 1936/37 gekämpft worden. Da der Widerstand abschnittsweise in der Stadt selbst geleistet wurde, wurden damals ganze Häuserreihen', sogar im Verkehrszentrum an der bekannten „Puerto del Sol", z e r st ö r t, verschiedene Stadtteile mußten geräumt werden, und als schließlich die im Nordwesten, in dem sogenannten Universitätsviertel bereits ein- gedrungenen Nationalen sich fest einnisteten, lief seitdem die Front, an der sich zwei Jahre lang die Parteien gegenüberstanden, durch den äußeren Stadtbezirk von Madrid; ein Vorgang, für den es wohl bisher in der Kriegsgeschichte kaum ein Beispiel gibt. Wenn auch nach dem mißlungenen Vormarsch über Guadalajara (im März 1937) und dem erfolgreich abgeschlagenen Gegenangriff der Roten bei Brunete (im Juli) im Sektor von Madrid ein relativer Stillstand eingetreten war und die entscheidenden Kampfhandlungen nach anderen Abschnitten des Kriegsschauplatzes verlegt wurden, so war doch die, trotz gelegentlicher Evakuierungen der Zivilbevölkerung nach Valencia und Alicante, immer noch von Hunderttausenden bewohnte Landeshauptstadt bei der unmittelbaren Nähe der Stellungen des Verteidigers ständigen Beunruhigungen durch Flieger und Artillerie ausgesetzt. Es hatte also schon seinen Grund, wenn bereits im Herbst 1936 die rotspanische „Regierung" unter Larguo Caballero ihren Sitz nach Valencia und später unter Negrin nach Barcelona verlegte — auch um der rettenden französischen Grenze näher zu sein. Es wurde bereits erwähnt, daß viele Einwohner Madrids nach anderen Orten übergeführt worden waren, wo die ßebensbebingungen günstiger waren; anderen, einer nicht unbeträchtlichen Zahl, war es mit der Zeit doch gelungen, meist durch Vermittlung einer ausländischen Botschaft oder Gesandtschaft, aus Rot-Spanien herauszukommen. Ihnen war es nun wenigstens erspart, wie es im Madrid, März 1939. Man muß sich davon Rechenschaft geben, daß jeder Tag, um den sich die Entscheidung über das Schicksal Madrids verzögerte, zugleich eine Verlängerung der körperlichen und seelischen Qualen von hunoerttausenden schuldlosen Opfern des spanischen Bürgerkrieges bedeutete. Es handelte sich ja hierbei nicht nur um die Zahl derer, die, obwohl sie im Herzen auf der Seite der nationalen Erhebung stehen, in Madrid aus harren mußten, weil sie entweder zu Beginn des Krieges öie Gefahr unterschätzt hatten oder weniger geschickt als andere waren, um sich rechtzeitig in Sicherheit ,zu bringen, und nun in ständiger Lebensgefahr 31 Monate ein geradezu beklagenswertes Dasein führten. Unter ihnen überwogen bei i weitem Frauen, alte Leute, und Kin - id e r, die den Anlegungen einer übereilten Flucht »einfach nicht gewachsen gewesen wären und nun matürlich doppelt unter kaum noch zu ertragenden »Entbehrungen litten. Doch nicht geringer mar die folternde Ungewißheit für andere, die zwar itj Nationalspanien lebten und selbst nichts zu befürchten hatten, doch wußten, daß ihre liebsten Angehörigen sich schutzlos in der Hölle Der von allen guten Geistern verlassenen Großstadt befanden. Bei den spärlichen Nachrichten, die sie won den Betreffenden auf Umwegen eryielten, wußten sie mitunter kaum, ob Liese überhaupt noch am Leben waren. Sie lasen in den Zeitungen, daß in Madrid die Leute vor Hunger auf der Straße fter« äen, daß die militärischen Einrichtungen (ohne im Bilde zu fein, wo diese nun eigentlich lagen) bombardiert wurden. Dor allen Dingen standen sie unter dem Alpdruck Der fürchterlichen Vorstellungen, daß die Roten immer im letzten Moment, ehe sie das Feld räumen mußten, die schlimmsten Standtaten und Grausam- fetten begangen hatten. Wenn sie hierzu in Bar- elona keine Zeit gehabt haben, so war dies nur der überraschenden Schnelligkeit zu danken, mit der die nationalen Truppen eingerückt sind. Doch immerhin und Gefangene, die auf der Flucht m i t g e - chleppt worden waren, schließlich auf die cheußlichste Weise um gebracht worden. So wurden damals in den Pyrenäen vor der fran- iösischen Grenze 42 verstümmelte Leichen gefunden, lanmter die des Obersten Rey d'Hancourt und des Bischofs von Teruel, die beide im Januar 1938 bei »er vorübergehenden Räumung der genannten Stadt 'nen roten Milizen in die Hände gefallen waren. Dian kann sich vorstellen, welchen Eindruck Nachrichten, wie diese, auf jemand machen mußten, der tändig mit größter Sorge an die seinem Herzen am lächsten stehenden Personen dachte. Daneben gab 25 selbstverständlich in Madrid eine große Menge nlcher, die zunächst von der Volksfront etwas anderes erwartet hatten, nun aber die Ankunft der »ationalen Truppen als der Befreier aus größter Lot mit Anatt und fiebernder Ungeduld ersehnten. Daß die Bevölkerung von Madrid mehr aus- Zestanden hat, als die irgendeiner anderen spa- üscheu Großstadt, ist keine Frage. Um nur einen vergleich mit Barcelona zu ziehen, so hat diese Stadt, deren Einwohnerzahl in der letzten Zeit iurch die Aufnahme von Flüchtlingen und Eva- luierten bis auf annähernd zwei Millionen ge- smegen sein soll, bis zum Beginn der Oftenfioe im Marz 1938 kaum ernstlich unter den unmittel- Inren Auswirkungen des Krieges gelitten. Denn si.wckhl die nahe sranzösisckje Grenze, wie vor allen Gingen das Meer und der niemals im wahren (iinne des Wortes blockierte Hafen standen jeder- M offen und, wenn es gelegentlich zu Flieger- q-igriffen kam, so waren diese in jener Periode t; eher sehr häufig, noch besonders intensiv. Und sildst dann noch, als das Mittelmeer erreicht war. Anfangsstadium der roten Willkürherrschaft zur Tagesordnung gehörte, als wegen ihrer politischen Gesinnung irgendwie verdächttg nachts aus ihren Wohnungen geholt und unter der Farce eines summarischen Gerichtsverfahrens entweder sofort über den Hänfen geschossen oder in über füllten Gefängnissen nach und nach umgebracht zu werden. Plünderungen und Brandstiftungen hatten wohl in den letzten Wochen auch aufgehört, allerdings einfach nur deshalb, weil es nachgerade nichts mehr zu plündern gab. Aber man stelle sich vor, was es bedeutet, wenn jemand unter diesen Verhältnissen zweieinhalb Jahre in Madrid sein Dasein gefristet, also lediglich vegetiert hat. Selbst die, denen es geglückt war, sich unter dem Schutz derExterritorialitäteinerdiplo- m a t i s ch e n Mission in Sicherheit zu bringen, und die deshalb üoii anderen beneidet wurden (und hier muß anerkannt werden, welche Verdienste um die Menschlichkeit sich in dieser Hinsicht neben Rumänien und anderen europäischen Mächten, namentlich die Vertreter mancher südamerikanischen Repu- pliken erworben haben), waren zu auf die Dauer kaum erttäglichen Entbehrungen verurteilte Da bei den meisten Gesandtschaften die eigenen Gebäude bei weitem nicht ausreichend waren, hatten viele von ihnen Etagenwohnungen gemietet, die dank der Bemühungen und der entschlossenen Haltung dieser Gesandtschaften meines Wissens auch stets als unverletzbares Asyl respektiert worden sind. Doch i n einer Wohnung mußten mitunter 200 bis 3 0 0 Personen (wenn nicht noch mehr) untergebracht werden, so daß auf ein Zimmer 30 bis 40 kamen. So haben sie aber Wochen, Monate, Jahre gelebt, bei völlig unzureichender Nahrung, auch im Winter meist fehlender Heizung und einem kompletten Mangel selbst der einfachsten Reinlich- keits- und Bequemlichkeitsoorrichtungen. Unter diesen Flüchtlingen aber, die froh und dankbar waren, nur das Leben gerettet zu haben, befanden sich Damen der verwöhntesten Kreise. Welche Not in Madrid beim Einmarsch der nationalen Truppen unter der Bevölkerung geherrscht hat, davon kann man sich ein Bild machen, wenn man sich daran erinnert, daß die Umgebung Madrids unfruchtbar ist und deshalb schon in normalen Zeiten die Verpflegung Madrids ohne eine sehr sorgfältige Regelung der Verproviantierung von auswärts (insbesondere aus Nordspanien und aus der Gegend von Valencia) nicht sichergestellt werden konnte. So war es ein dringendes Gebot der Vorsorge, daß die. nationalspanische Heeresleitung rechtzeitig hinter der Front vor Madrid genügende Vorräte an Lebensrnitteln und sonstigen wichtigen Bedarfsartikeln bereit gestellt hatte und daß die Provinzen Nationalspaniens darin wetteiferten, Lebensmittel zur Verfügung zu stellen. Die Lebensmittellastwagenzüge, die den Truppen Francos bei ihrem Einmarsch in die befreite Hauptstadt auf dem Fuße folgten, waren der von furchtbaren Leiden erlösten Bevölkerung Madrids Symbole des tatkräftigen nationalen Aufbauwerks, das gerade hier in der spanischen Hauptstadt vor größten Aufgaben steht. Mussolini beglückwünscht Franco. Rom, 29. März. (DNB.) Mussolini hat anläßlich des Falles von Madrid an General Franco das folgende Glückwunschtelegramm gerichtet: „In dem Augenblick, in dem mit der Besetzung von Madrid Ihre prächtigen Truppen das Ziel des Endsieges erreichen, möchte ich Ihnen meinen und den begeisterten Gruß des italienischen Volkes übermitteln Aus dem großen blutigen Ringen ist das Spanien von Morgen im Entstehen, frei, geeint und stark, so, wie das spanische Volk und Sie, Caudillo, es wollen. Ich versichere Ihnen, daß ich die zwischen unseren beiden Völkern geschaffenen Bande für untrennbar halte. Mussolini." Bilder aus dem bestellen Madrid. Erst bei dem Einzug der Truppen des Generals Franco in Madrid zeigten sich alle die entsetzlichen Zerstörungen, die im Laufe des dreijährigen Kampfes um die Hauptstadt, besonders in dem bisherigen roten Befestigungsgürtel, entstanden waren. Von den Häuserblocks stehen vielfach nur noch die Umfassungsmauern, während die Häuser im Innern völlig zer allen sind. Kaum ein Haus in diesem Viertel ist noch bewohnbar. Aus den Straßen klaffen riesige Granattrichter. — (Scherl-Bilderdienst-M.) <2 W W MW ■£.,1 Spaniens Oevisenquelle. Der wehrwirtschastlicke Wert von Almaden. Das Quecksilber, aus Zinnober gewonnen, wird hauptsächlich zur Herstellung des Knallqueck- silbers benutzt, eines hochbrisanten Sprengstoffes, der für Kartuschen, Patronen usw. benutzt wird und nicht ersetzbar ist Dagegen ist der Verbrauch für Thermometer und in der Pharmazie usw. geringfügig. Dieser wehrwirtschaftliche Wert des Quecksilbers, das in Spanien in den altberühmten Gruben von Almaden gewonnen wird, die sich jetzt in Francos Hand befinden, wird ergänzt durch sein seltenes Vorkommen. Quecksilber wird außer in Spanien nur noch in Italien gewonnen und in geringerem Maße auch in den USA und in Mexiko. Mit dem Besitz von Almaden hat General Franco also eine sehr wertvolle Deoisenquelle in der Hand. Die Bergwerke von Almaden, deren Ausbeutung schon von den alten Romern und im ausgehenden Mittelalter von den Augsburger Fuggern vorgenommen wurde, sind verstaatlicht. Quecksilber wird m London gehandelt, und zwecks Aufrechterhaltung der Preise hatten die Spanier und Italiener ein Quecksilberkartell, den „Mercirio Europeo", ins Leben gerufen, das 88 v. H. der Erzeugung kontrollierte, aber bei Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges gekündigt wurde. General Franco hat erklärt, daß fetzt dieses Kartell wieder in Kraft treten würde. Während der Bürgerkriegszeit hat Italien seine Quecksilberproduktion erheblich gesteigert. Die italienischen Quecksilbergruben liegen bei Jdria in der italienischen Provinz Görz und am Monte Amiata etwa in der Mitte zwischen Rom und Florenz. Die spanischen Gruben bei Almaden liegen an der nördlichen Abdachung der Sierra Morena in der Provinz Ciudad Real etwa 80 Kilometer Westsüdwest- lich der gleichnamigen Stadt. Der Erzgang liegt in einem sandsteinamgen Quarzitzug, der drei 2lbern enthält. Diese Quecksilbergruben sind trotz des jahrtausendealten Abbaus unerschöpflich, denn man ist erst 375 Meter tief vorgedrungen, während der Quecksilbergehalt nach der Tiefe zunimmt. Der Durchschnittsgehalt an Quecksilber beträgt in Almaden durchschnittlich 8 v. H., aber es gibt auch Gänge, die 14, ja 20 v. H. enthalten. Während die sonstigen Quecksilberlagerstätten der Welt durchschnittlich nur 0,5 bis 0,6 o. H. Quecksilber führen Das Quecksilber wird nach einem verhältnismäßig einfachen bergmännischen Verfahren gewonnen, und zwar an Ort und Stelle aus der Schwefeloer- bindung Zinnober. Es wird in Stahlflaschen, die 34,5 Kilogramm Inhalt haben, versandt. Im vorletzten Jahre des italienisch-spanischen Quecksilberkartells lieferte Spanien 33 559, Italien 28196 und Nordamerika 17 518 solcher Flaschen. Der Durchschnittpreis des Quecksilbers ist etwa 5 Mark das Kilogramm. Während des Bürgerkrieges hatten die bolschewistischen Machthaber die Bergwerke von Almaden als Deoisenquelle benutzt, aber die bolschewistische Zerrüttung ließ vor allem in den letzten Monaten die Erzeugung verfallen, sodaß seit Ende Januar die Quecksilberpreise in London nicht weniger als fünfmal erhöht werden mußten. Der deutsche Quecksilberverbrauch wird hauptsächlich in Italien gedeckt. Ein altes Quecksilberberg, werk befindet sich bei der alten Bergwerks- und Geigenstadt Schönbach im Erzgebirge. Das Zinn-, Ocker- und Quecksilberbergwerk dort lag seit Jahrhunderten still, und man ist jetzt bestrebt, es wieder zu erschließen. Die Untersuchungen und Vermessungen sind seit Anfang dieses Jahres im Gange. Rote Horden plünderten den Sscorial. Bilbao, 29. März. (DNB.) Nun werden auch Einzelheiten bekannt über die Plünderung des berühmten Escorial, der seit Philipp II. den spanischen Königen als Grabstätte diente. Die Roten raubten alle Gemälde der spanischen M e i st e r, unter denen sich auch Werke von Greco und Velazquez befinden. Man nimmt an, daß alle Kunschschätze ins Ausland gebracht wurden. Sämt- liche goloenen und silbernen Meßgeräte des Klosters sind ebenfalls verschwunden. Die Königsgräber wurden von den Bolschewisten größtenteils geschändet und zerstört. Bilder von der letzten großen Offensive Francos. Soeben trafen die durch Sonderflugzeug übermittelten Bilder des im Kriegsgebiet weilenden Scherl-Bildberichterstatters Dr. Franz von der letzten nationalspanischen Offensive bei Toledo ein, die am Morgen des 28. März begann. linke Aufnahme wurde von einem Beobachtungsstand gemacht und zeigt im Kampfgebiet vorgehende nationalspanische Sturmkolonnen. Im Vordergrund erkennt man deutlich die Wirkung des nationalspanischen Sperrfeuers. — Die rechte Aufnahme zeigt Panzerwagen und Kavallerie kurz vor dem Angriff. (Scherl-M.) n s ■ M M ■■ K Wz Gautag Heffen-Naffau 1939. Am 3. und 4.3uni 1939 marschiert die NSDAP, mit allen Gliederungen und augeschlossenen Verbanden in der Gauhauptstadt Frankfurt a. 211. zum diesjährigen Gautag aus. Die Vorbereitungen lassen bereits erkennen, daß der Gautag 1939 alle voran- gegangenen Gautage an Teilnehmerzahl bedeutend übertreffen wird. Für alle verbände, Vereine usw. ist es zweckmäßig, schon jetzt darauf bedacht zu sein, zwischen dem 15. Mai und dem 16. Juli 1 939 mit keinerlei größeren Veranstaltungen vor die Oeffentlichkeil zu treten. Kameradschaft der Nation. Alfred Rosenberg über d as neueErziehungs- ideal im Sport der Jugend. Berlin, 29. März. (DNB.) Vor 600 Leibeserziehern der Hitler-Jugend, die zu einem Lehrgang in die Reichsakademie für Leibeserziehung auf dem Reichssportfeld in Berlin einberufen worden sind, sprach Reichsleiter Alfred Rosenberg über die politische Aufgabe der Leibeserziehung. Es gilt durch die Weckung der gesunden Lebensinstinkte und durch Entfaltung der natürlichen Körperkräfte entgegen allen Vorurteilen und falschen Anschauungen oergangener Jahrhunderte e i n neues Schönheitsideal zu prägen, das unserer Erkenntnis von der unlöslichen Einheit vonKörper, Geist und Seele entspricht und einen neuen Typ kraftvoller Männlichkeit und schönen Frauentums schafft, wie es in unserer Jugend bereits vielen Millionen zum Erlebnis zu werden beginnt. Daneben steht die große Aufgabe, durch die Leibesübungen alle mutigen und einsatzfreudigen Menschen zu mobilisieren, so wie die Bewegung vom ersten Tag der Kampfzeit an die Mutigsten aufgerufen hat. Schließlich aber soll neben der Leistung im sportlichen Wettkampf als härtestem Ausleseprinzip die Kameradschaft der Jugend in einer edlen und sauberen Haltung sich bewähren. „Wer sich in den Leibesübungen erprobt hat, wird sein Höchstes auch im Leben einsetzen und dafür sorgen, daß es niemals mehr in unserem Volke satte Bequemlichkeit und Feigheit gibt", faßte Alfred Rosenberg diese Gedanken zusammen. Er richtete an die jungen Leibeserzieher den dringenden Ausruf, die Sportkameradschaft der Jugend hinüberzutragen ins berufliche und politische Leben und sie zur Kampfkameradschaft deraanzen Nation zu machen. Davon hänge der Erfolg der für Jahrhunderte bestimmten nationalsozialistischen Revolution ab. Reichsorganisationöleiter Dr. Ley empfängt die Wirtschastsführer. Berlin, 29. März. (DNB.) Mittwochabend gab Reichsorganisationsleiter Dr. Ley im NS.-Gernein- schaftshaus Kraft durch Freude einen Empfang für die führenden Männer der deutschen Wirtschaft. Der Reichsorganisationsleiter und Frau Ley konnten die Leiter aller Reichswirtschaftsgruppen sowie zahlreiche Mitglieder des Generalrates der deutschen Wirtschaft mit ihren Damen begrüßen. Ferner nahmen an dem Empfang der Geschäftsführer der DAF.-Hauptamtsleiter Marrenbach, Stabsleiter Simon und mehrere Hauptamtsleiter der Reichs- leitung sowie sämtliche Leiter der Fachämter der Deutschen Arbeitsfront und endlich eine Reihe namhafter Künstler der großen Berliner Bühnen teil Unter den Anwesenden sah man u. a Generaldirektor Wisselmann, Generaldirektor Dr. Bögler, Generaldirektor Tengelmann, Handelskammerpräsident Stöhr, Gauleiter Schwede-Coburg, Dr. Franz Hey- ler, Direktor Dr. Otto Fischer, den Generalbevollmächtigten für das Kraftfahrwesen, Oberst v. Schell, und von den Künstlern den Komponisten Paul Linke, Carla Spletter von der Staatsoper und andere mehr. Der Abend gab Dr. Ley und seinen Gästen Gelegenheit zu einem regen Gedankenaustausch über die gemeinsamen Arbeitsgebiete. Ein ausgezeichnetes künstlerisches Programm fand die freudige Zustimmung der Gäste. Der Führer beglückwünscht Iran von Gckiröder. Berlin, 29. März. (DNB.) Der Führer hat der an dem Aufbau der NS.-Volkswohlfahrt hochverdienten Frau Eva von NSG. Aus Anlaß der 5. Reichsnähr- standsausstellung vom 4. bis 11. Juni in Leipzig wendet sich Landesbauemführer Dr. Wagner mit nachstehendem Ausruf an die h e s f e n - n a s s a u i s ch e Bevölkerung, vor allem an das Landvolk: Nach zweijähriger Pause, die durch das starke Auftreten der Maul- und Klauenseuche verursacht war, findet in der Zeit vom 4. bis 11. Juni 1939 in Leipzig d i e 5. Reichsnähr- ftandsausftellung statt. Sie ist dieses Mal Sammelpunkt für alle fortschrittlichen Lei ft ungen Großdeutschlands auf dem Gebiet der Tierzucht und des Pflanzenschutzes, der Landmaschinenindustrie und des ländlichen Gewerbes und zugleich Schulungsstätte für alle zukünftigen Ausgaben des Bauerntums. So wie sich die Arbeit der Erzeugungsschlacht von Jahr zu Jahr vertieft und in ihrer Breitenwirkung ausgedehnt hat, wächst auch die Bedeutung der Reichsnährstandsausstellung. Allein ihre Ausdehnung in Leipzig mit 50 ha übertrifft oie Fläche des Ausstellungsgeländes von München um 10 ha. An 200 Ausstellungstieren können Hunderttausende Bauern, Landwirte und Landarbeiter die gesteigerte Leistung der deutschen Tierzucht erkennen und aus vielen Lehrschauen für ihre Betriebsführung und Arbeit Nutzen ziehen. Die bisher arößte Maschinenlehrschau mit 15 000 Quadratmeter Ausdehnung und mit etwa 10 000 Maschinen und Geräten der neuesten Art wird B e r l i n, 29. März. (DNB.) Im Haus der Flieger sand ein Empfang des Wirtschaf tsrates der Deutschen Akademie statt, bei dem der neugewählte Präsident der Deutschen Akademie, der bayrische Ministerpräsident Ludwig Siebert einen Vortrag über das Thema „Wirtschaft, Finanzen und Recht im neuen Deutschland" hielt. Er ging davon aus, daß der Nationalsozialismus ein wirtschaftliches und soziales Trümmerfeld bei der Machtübernahme vorfand, und zeigte wie der Gemein- schaftsgedanke, der rangmäßig vor den Nutzen des einzelnen bei Wahrung der freien Unternehmerinitiative und des fairen ßeiftungsmett» Schröder vom Hauptamt für Volkswohlfahrt zu ihrem 60. Geburtstage fein Bild mit persönlicher herzlicher Widmung überreichen lassen. Ferner haben der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß, der Berliner Gauleiter Reichsminister Dr. Goebbels, Reichsaußenminister von Ribbentrop, Reichsminister Dr. Lammers, die Gauleiter Koch und S a u ck e l und mit ihnen noch viele Parteigenossen aus der Kampfzeit zu diesem Tage Frau von Schröders gedacht. Reichsminister Dr. Goebbels dankte in einem herzlich gehaltenen Schreiben Frau von Schröder für die immertätige unermüdliche Mitarbeit, die sie ihm im Gau Berlin und der gesamten volksfürsorgerischen Arbeit der Partei immer habe zuteil werden lassen. Sie habe sich damit ein großes Verdienst, um die Bewegung erworben. den Besuchern die Maßnahmen der Arbeitsentlastung in Haus, Hof und Feld zeigen. Auch die Grunderkenntnisse nationalsozialistischer Volkspolitik und die Bedeutung des Bauerntums als Blutsquell der Nation wird die Ausstellung in diesem Jahre, ausgerichtet auf die großen politischen Fragen der Gegenwart, noch erschöpfender behandeln. Wer die Ausstellung besucht, wird nicht nur durch den Anblick von Tieren und Erzeugnissen mit Stolz von den beruflichen Leistungen des deutschen Landvolks Kenntnis nehmen, er wird auch durch die Vorführungen der Landjugend viel Freude an dem Können der prächtigen Jungen und Mädel erleben und in der Achtung bäuerlicher Blutswerte gestärkt werden. Nicht zuletzt dürfte das Reit- und Fahrturnier im Großen Ring mit feinen reichhaltiaen Schaunummern größtes Interesse bei allen Besuchern finden. Damit gewinnt die Reichsnährstandsausstellung nicht nur Bedeutung als große Lehrschau des Landvolkes, sondern, sie wird auch ein Mahnmal der völkischen Grundsätze des Nationalsozialismus. Ihr Besuch muß dem Städter ebenso wichtig sein wie dem Bauern. Sie steht inmitten des gewaltigen Geschehens einer großen Zeitwende und wird in ihrem Aufbau, in allem, was sie dem Besucher bietet, dieser Bedeutung entsprechen. Daher gilt für Stadt und Land dieselbe Parole: Besucht die 5. Reichsnähr- standsausstellung in Leipzig! bewerbes gefetzt ist, eine starke Triebkraft für den Neuaufbau der Wirtschaft geworden ist. Wie aus der Wirtschaftsnot eine neue Wirtschafts- g e f i n n u n g, sei zur gleichen Zeit aus der früher bestehenden Rechtsnot das neue Recht entftan- den. Der Ministerpräsident befaßte sich auch mit Fragen der Währung. Er erwähnte dabei Zahlen, die für einen Vergleich der Erweiterung der nationalen Produkt«! on und Bevölkerung mit dem Zahlungsmittelumlauf aufschlußreich waren. Er bezifferter den Zahlungsmittelumlauf für 1933 mit 5,5 Milliarden, 1938 im März 7,6 Milliarden, 1938 September 10,2 Milliarden, 1938 Lehr- und Leistungsschau des deutschen Landvolkes. OerLandesbauemführer rüst zum Besuch der 5. Reichsnährstandsausstellung auf -S: irisch ast, Finanzen und Recht im neuen Deutschland. Ein Dortrag des neuen Präsidenten der Deutschen Akademie. Oktober 9,86 Milliarden Reichsmark. Zahlen über den Wert der Produktion im Altreich beweisen für die gleiche Zeit den unvergleichlichen Leistungsaufschwung der nationalen Arbeit, der die landwirtschaftliche Produktion feit 1933 von 8,7 auf 12,6 Milliarden und die industrielle Produktion von 40 Milliarden auf rund 85 bis 90 Milliarden erhöht hat. Heber die Höhe der kurzfristigen Kredite seien zum Teil phantastische Zahlen kolportiert worden. Berücksichtige man, daß in den fünf Jahren von 1933 bis 1938 die Steuereinnahmen des Reiches allein um mehr als 26 Milliarden Reichsmsr/Erstiegen find, daß im Wege der Konsolidierung etwa 12 Milliarden gewonnen wurden und daß im gleichen Zeitraum die Einsparungen an Arbeitslosen- oersicherungszahlungen ebenfalls etwa 8 Milliarden Mark betragen, fo ergebe sich hieraus ohne weiteres, daß die kurzfristige Kreditbeanspruchuna für ein Volk von der Größe und Produktionskraft Deutschlands keineswegs übermäßig gestiegen ist. Oie Gicherung der kirchlichen Versorgung. Wie das Nachrichtenbüro deutscher Zeitungsoerleger mitteilt, hat der Präsident des Evangelischen Oberkirchen- rats drei Verordnungen erlassen, die die Ver- setzung von Geistlichen aus dienstlichen Gründen, die Besetzung von Pfarrstellen durch die Kirchenbehörde und die Sicherungder kirchlichen Versorgung der Gemeindeglic- der behandeln. Die erste Verordnung bestimmt, dah ein in einem Gemeindepfarramt fest angestellter Geistlicher auch gegen seinen Willen in ein anderes Pfarramt versetzt werden kann, wenn dies wegen Aufhebung oder Stillegung einer Pfarrstelle oder wegen Verbindung des Pfarramts mit dem einer Nachbar gemeinde oder im Zusammenhang einer planmäßigen Ansetzung der pfarramtlichen Kräfte erforderlich ist, ferner, wenn ihm eine gedeihliche Führung seines Pfarramts in feiner Gemeinde nicht mehr möglich ist oder die Wahrung der Ordnung in der Gemeinde es verlangt. Nach der zweiten Verordnung kann der Evangelische Oberkirchenrat die Besetzung einer Pfarrstelle in Anspruch nehmen, wenn es im Interesse der Kirche dringend erforderlich ist. Dieser Fall ist u. a. auch gegeben, wenn berechtigten Ansprüchen auf geistliche Del' sorgung in einer Kirchengemeinde sonst nicht ent* sprachen werden kann, ferner, wenn die Besetzung durch die Kirchenbehörde im Zusammenhang einer planmäßigen Ansetzung der pfarramtlichen Kräfte und einer verantwortungsvollen Ausnutzung der vorhandenen Finanzmittel erforderlich ist, Diesi letztere Bestimmung ist besonders für die kleinen Pfarr- stellen auf dem Lande von Bedeutung. Die Verordnung zur Sicherung Der kirchlichen Versorgung der Gemeindeglieder bestimmt, datz jedes Gemeindeglied das Recht hat, für einzelne Amtshandlungen, für Den kirchlichen Unterricht oder für feine gesamte kirchliche Betreuung einen anderen als den zuständigen G ei ft' lich en zu wählen. Die kirchlichen Räume, Einrichtungen und Geräte sind für Amtshandlungen des erwählten Geistlichen in gleicher Weife Z"k Verfügung zu stellen wie für Amtshandlungen des zuständigen Geistlichen. Nach der Verordnung ist weiter, wenn Gemeindeglieder aus einer Kirchengemeinde ober aus den Gemeinden eines Pfarrbezirks das Heberlassen kirchliche Räume und Einrichtungen für einzei Veranstaltungen kirchlicher Art außerhalb der a Seinen Gottesdienste und regelmäßigen ungen der Kirchengemernde beantragen, rag stattzugeben, wenn er nach der Beteiligten und nach der Art der begehrten Rau und der geplanten Veranstaltung sachlich begrün erscheint. Die Verpflichtung besteht nicht, wenn Tatsachen oorliegen, die die Besorgnis begründen, daß bei der Veranstaltung gegen staatliche oder kirchenregimentliche Anordnun- gen verstoßen wird. Schließlich kann nach der Verordnung der Evangelische Oberkirchenrat, wenn in einer Gemeinde ober einem größeren Bezirk evangelische Volksgenossen eine kirchliche Betreuung begehren, die sie wegen ihrer abweichenden Glaubenshaltung durch den geordneten Dienst des Gemeindepfarramts nicht erhalten, auf Antrag einem Geistlichen, der die Glaubenshaltung der Beteiligten vertritt, Haupt- oder nebenamtlich ihre kirchliche Betreuung übertragen. Ein erfolgreiches Lahr der Sparkassen. Der Geschäftsbericht der deutschen Sparkafsen- Orgamsation für 1938 liegt vor und bietet den Beweis für eine erfolgreiche Arbeit im Dienste der gesamten Volkswirtschaft. Jede neue Kapitalbildung ist ein Beitrag zur Durchführung der großen natio- nalwirtschastlichen Aufgaben des Reiches. Insofern steht der Sparer mitten im Kampf für die wirtschaftliche Selbstbehauptung des Vaterlandes. Auch die Schaffung der Reichs-Postsparkasse ist eine Verstärkung der Front des Spargedankens. Durch den Anschluß der Ostmark und des Su- idetsnaaues hat sich das Netz der Sparkassen und i h r e r Z w e i g st e l l e n auf 14500 erweitert. 197 Kassen kamen aus der Ostmark, 156 aus dem endetenlande zum Deutschen Sparkassen- und Giro- Verband hinzu. Die Spareinlagen stiegen im Jahre 1938 um 1,96 Milliarden Mark, sonstige Ein- ! lagen stiegen um 349 Millionen Mark. Im Att- > reich stieg die Summe der Spareinlagen erstmalig «auf über 18 Milliarden Mark. Der Kreis der Spa- irer erweiterte sich wiederum, die Zahl der neu aus- igegebenen Sparbücher betrug allein im Altreich 1,8 Millionen Stück. Dazu trug die Pflege des lKleinfparwefens erl^blich bei, das durch Schulsparkassen, KdF.-Reisespartassen, HJ.-Reise- if affen, Wehrmachtsparen usw. erfolgreich gepflegt «wurde. Die Liquidität der Sparkassen ist erheblich gewachsen. Dem mittel ständigen Kurzkre- Lit konnten 1157 Millionen Mark zugeführt wer- Len, das sind 983 Mark für den Einzel fall. Die aus- Mliehenen Hypotheken wuchsen um 700 Millionen Mark, dem Wohnungsneubau wurden 400 Millionen Mark zugeführt. An der öffentlichen Finanzierung waren die Sparkaffen ebenso wie die anderen Geldinstitute maßgeblich beteiligt. Der Spargiroverkehr hat sich wiederum er- weitert. Alles in allem bestätigt der Bericht die er- -ireulicke Tatsache, daß Sparen eine volkswirtschaftliche Losung im besten Sinne des Wortes gewor- »en ist. Verstärkung der britischen Territorial-Armee. L o n d o n , 29. März. (Europapreß.) Auf eine Anlage über die Territorial-Armee antwortete Ministerpräsident Chamberlain im Unterhaus, die Reaie- runa habe nicht d i e Absicht, in naher Zu- iünst die M i l i t ä r - D i e n st p s l i ch t einzu- rühren. Die Regierung halte es für notwendig, noch Weiter von dem Geist freiwilliger Dienstbereitfchaft Bebrauch zu machen. Die Regierung könne aber iicht dulden, daß Freiwillige deshalb nicht in die Herritorial-Armee eintreten könnten, weil die Ein- "eiten schon mehr als die Sollstärke erreicht hätten. Deshalb habe die Regierung beschlossen: Die gegenwärtige territoriale Feldarmee (b. h. 3 er Teil der territorialen Armee, der nicht für die Flugabwehr in England bestimmt ist) solle von der gegenwärtigen Friedensstärke von 130 000 Mann sofort auf d i e Kriegs st ärke von 70 000 Mann gebracht werden. Sobald iiieg geschehen sei, solle sie verdoppelt, d. h. nuf eine Kriegsstärke von 340 000 Mann erhöht :oerben. Diese Maßnahmen würden im Laufe der ijeit eine VerSoppelung der Zahl der Vürttonafen ield-Divisionen zur Folge haben. "ürze werde in Werbefeldzug zur Anwerbung ^reiwilliaen beginnen. Unteroffiziere Und Solda^n, A» entlassen morden seien, könnten für die Ausbildung der ittorial-Armee erneut eingestellt werden. O«e Neuordnung der europäischen Mitte. Heichsprotekior Freiherr von Neurath und Staatspräsident Or. Hacha über die Grundlagen für die künftige Entwicklung in Böhmen und Mähren. Berlin, 29. März. (DNB.) Der 31 e i d> s p r o = tcttor für die Länder Böhmen und Mähren, Freiherr von Neurath, äußerte sich in der „Europäischen Revue" über seine Aufgaben. Freiherr von Neurath erklärt: Das Vertrauen des Führers hat mir als Reichsprotektor der Länder Böhmen und Mähren eine schwere, aber schöne Aufgabe übertragen. Es gilt nach 20 Jahren verhängnisvoller Zerwürfnisse dem Lande und allen seinen Bewohnern das Gefühl der Gerechtigkeit und Sicherheit, des Vertrauens und der Hoffnung auf ei ne glücklichere Zukunft und auf einen für beide Teile ehrenvollen Ausgleich der Gegensätze zurückzugeben, Die in einer tausendjährigen Geschichte dieser Länder entwickelten Erfahrungen auf dem Gebiete des völkischen, politischen und wirtschaftlichen Lebens, die Erinnerung daran, daß die kulturellen Höhepunkte des Landes mit den Epochen friedlicher Zusammenarbeit zusammenfielen, werden für mich Wegweiser sein. Ich verstehe angesichts der frischen Narben und Wunden, die die jüngste Vergangenheit auf allen Seiten zurückgelassen hat, auch die Gefühle des Volkes, für dessen Schutz und gedeihliche Entwicklung ich dem Führer verantwortlich bin, und i ch achte sie. Daher sehe ich den tiefsten Sinn meiner Aufgabe darin, der Welt zu zeigen, wie die deutsche Nation ein ihr anvertrautes Volkstum zu fördern, feine natürlichen Rechte zu achten und, ohne feine Würde und Ehre anzutasten, für bie Lebens- gemeinschaft zu gewinnen weiß, in bie es fein geschichtliches und geopolitisches Schicksal geführt hat. Der staatliche, kulturelle und politische Rahmen, den der Erlaß des Führers für die Länder Böhmen und Mähren darstellt, ist weit genug, um dem tschechischen Volkstum eine ungestörte, freie Entwicklung seiner reichen Gaben zu gewährleisten und bie böhmisch-mährischen Länder, denen Deutsche wie Tschechen in tiefer Hei- matliebe verbunden sind, einer neuen kulturellen und wirtschaftlichen Blüte entgegenzuführen. Meine politische Erfahrung hat mich mit den Sorgen und Bedürfnissen vieler Nationalitäten bekannt gemacht, bie als Minberheiten ober geschlossene Volksgruppen in einem anberen staatlichen Verband leben. Nur wenige Staaten, denen bie Friedensverträge fremdes Volkstum überlassen haben, erwiesen sich als ehrliche Treuhänder. Wenn das tschechische Volk auf bie Lehren der letzten zwei Jahrzehnte zurückblickt, wird es feststellen, daß es von den Mächten, die heute angeblich sein Los bedauern, skrupellos als Mittel zum Zweck mißbraucht worden ist. Als Nutznießer eines gewollten, permanenten deutsch-tschechischen Gegensatzes hatten sie kein Interesse an herzlichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern und an entspannten, natürlichen Verhältnissen in diesem Raum. Der Führer hat bie Voraussetzungen für bie Wiederkehr von Ordnung, Sicherheit, Gerechtigkeit und Verständigung geschaffen. Meine Aufgabe ist es, sie im Eigenleben des tschechischen Volkes wie im Zusammenleben der beiden Nationalitäten zu verwirklichen. Wer guten Willens, aufrichtiger Gesinnung und entschlossen ist, den Ländern und Bewohnern des Reichsprotektorats selbstlos zu dienen, soll mir zur Mitarbeit willkommen fein und wird in mir einen gerechten Treuhänder der Interessen aller finden. * In der gleichen Zeitschrift schreibt der Staatspräsident der Länder Böhmen und Mähren Dr. H a ch a : Es ist meine Ueberzeugung, daß die neugeschaffene staatsrechtliche Lage von Böhmen und Mähren, die unter den gegebenen Umständen be st mögliche Lösung darstellt, da sie uns die Aussicht eröffnet, nach den vielen Enttäuschungen und Irrungen der Vergangenheit endlich Ruhe zu finden, damit wir unseren ureigen st en völkischen Zielen nachgehen können. Anläßlich des Empfanges auf der Prager Burg erklärte der Führer und Reichskanzler den Vertretern der Hauptstadt Prag, baß unserem Volke bei seinem loyalen Verhalten eine glückliche Zukunft bevorstehe. Einen im wesentlichen gleichen Ausspruch vernahm ich aus dem Munbe des Führers bereits in Berlin. Ich glaube fest an biete Zusage, unb mein Gewissen ist ruhig, so oft ich an meine geschichtliche Verantwortung denke. Das tschechiche Volk ist nicht ein Volk von Träumern unb Phantasten. In seiner großen Mehrheit ist es nüchtern und bemüht sich schon jetzt, sich feiner neuen Lage anzupassen. Wir sind reich an politischen Erfahrungen. Die Ruhe, mit ber wir die Ereignisse der verflossenen Monate hingenommen haben, ist nicht bie Ruhe von Schwächlingen ober Fatalisten. Es ist die Ruhe eines Volksstammes, der auf eine mehr als tausendjährige Vergangenheit zurückzublicken und aus dieser Vergangenheit die Erfahrung zu schätzen vermag, daß die nicht seltenen Umbrüche seiner Geschichte sein Volkstum niemals vernichtet, sondern zuletzt jedesmal gestählt haben. Das tschechische Volk liebt Arbeit, Zucht unb Orbnung. Es sieht sich hierin mit ber Veranlagung bes beutschen Volkes nahe verwanbt. Gerade auf dieser Grundlage wird sich wohl eine enge Zusammenarbeit der Bevölkerung Böhmens und Mährens mit dem deutschen Volke vollziehen können. Gestützt auf bie Zusage bes Führers unb Reichskanzlers werben sich nun bie Negierungsorgane des Protektorates vornehmlich in dieser Richtung auf das eifrigste betätigen. Vielen von meinen Volksgenossen wird es immer klarer, daß unsere bisherige Politik in mancher Hinsicht mit Fehlern behaftet war, bie uns nur Schaben gebracht haben. Es wirb aber auch an unseren volksbeutschsn Lan- besgenossen liegen, bas gegenwärtige Verhältnis tunlichst zu förbern. Die Grundlagen für die künftige Entwickluna sind geschaffen. Mögen wir alle dazu beitragen, oaß auf diesen Grundlagen die Zufriedenheit, ber Friede unb bas Glück aller sich entfalte! Frankreichs außenpolitische Grundsätze. Eine Uundsunkansprache Naladiers. — Paris bereit, italienische Vorschläge zu prüfen. Paris, 29. März. (DNB.) Ministerpräsident Dalaüier hielt am Mittwochabend eine Rund- funkansprache, die von allen Sendern übertragen wurde. Zu Eingang seiner Ansprache be» klaate Daladier die Schwierigkeiten der Gegenwart: Unsicherheit, Rüstungswettlauf und wie die durch Versailles bzw. die Versailles-Mächte verschuldeten Notstände alle heißen. Diese Lage mache es ihm, sagte Daladier, zur Pflicht, heute abend z u f a g e n , was Frankreich wolle, worin seine Kraft und seine Entschlossenheit bestehe. Frankreich wolle den Frieden freier Menschen. Die Kraft Frankreichs bestehe in seiner materiellen und mo- raliscken Einheit. Frankreich fei entschlossen, sein Ideal und seine Rechte zu verteidigen. Die Einheit Frankreichs sei noch nie so tiefgehend und vollständig gewesen wie heute. Frankreir-. fe jedoch, daß der Friede gerettet werden kann. jcnn es hasse den Krieg. Aber die Verteidigung der Freiheit Frankreichs sei gesichert. Mehrarbeit, eine gesunde und rigorose öffentliche Finanzgebarung, die Annahme von notwendigen Opfern hätten bereits nützliche Ergebnisse aezeingt. Die wirtschaftliche Lage Frankreichs bessere sich. Gestern nsch habe der Franken sich gegenüber allen übrigen Währungen der Welt befestigt. Daladier' betonte, daß bie Regierung durch die kürzlichen Dekrete, nur noch die Arbeitskraft des Landes zu. erhöhen und die Sonderinteressen dem öffentlichen Wohl unterzuordnen beschlossen habe. Der Redner malte die Vorteile beredt aus und -• rbanb das mit einer Betrachtung ber natürlichen Schätze Frankreichs. Diese Stärke lasse Frankreich ber Aufgabe eines riesigen Weltreiches gewachsen erscheinen. Der afrikanische Block bilde dessen Zentralgerüst. Die französische Stärke liege weiter in den Freundschaften Frankreichs, wie sie in den Verträgen festgelegt seien, unb in denjenigen, „die spontan Frankreich mit den freien Völkern unb ben- jenigen Völkern, die leiben, verbinden". Zur internationalen Politik bekräftigte Daladier gerade in diesem Zusammenhang Grundsätze, deren Verwirklichung Deutschland z. B. 20 Äahre vergeblich forderte: Regelung ber Beziehungen von Nation zu Nation durch bie Gerechtigkeit unb das Recht. „Erst wenn diese Begriffe verschwinden und Gewalt entfesselt wird, wird die Gewaltanwendung eine unerläßliche Pflicht." Anschließend kam Daladier auf die französisch-italienischen Beziehungen zu sprechen. Die französisch-italienischen Abkommen vom 7. Januar 1935 habe Frankreich begonnen durchzuführen. Unter Außerachtlassung der gegen Italien seinerzeit verhängten Sanktionen meinte der Redner, weder während der Eroberung Aethiopiens noch später feien die Abkommen in Frage gestellt worden. Erst durch einen Brief vom 17. Dezember 1938 habe Italien durch Graf Ciano Frankreich wissen lassen, daß man diese Abkommen vom Jahre 1935 nicht mehr a l s gültig betrachte. Daladier gab zu, daß in der italienischen Note vom 17. Dezember die italienischen Probleme Frankreich gegenüber klar bargelegt worden seien. Diese Probleme hießen Tunis, Dschibuti unb Suezkanal. Der Ausspruch Mussolinis habe aber trotzdem jetzt in ber internationalen Oeffentlichkeit große Ueberraschung hervorgerufen. Der Brief ' vom 17. Dezember werde darum morgen veröffentlicht werden. Er habe „keinerlei Präzisionen" enthalten. Er selbst habe gesagt und bleibe dabei, daß Frankreich keinen Zollbreit seines Gebietes unb kein einziges Recht abtreten werbe. Im Geist unb im Sinne der Abkommen von 1935 lehne Frankreich aber nicht ab, d i e Vorschläge z u prüfen, die ihm unterbreitet werden sollten. Man behaupte, daß die Italiener in Tunis schlecht behandelt ober gar verfolgt würben. Das seien Fabeln. Die Italiener genössen im Ggeenteil in bcm ganzen Gebiet die „liberalste" Behandlung, sowohl was sie selbst als auch was ihre Kinder anbetreffen. Auch in Frankreich selbst hätten die Italiener sich über mangelnde Gastfreundschaft nicht zu beklagen. Dasselbe gelte auch für ein anderes großes Nachbarvolk, mit dem Frankreich so viele Konflikte gehabt habe. Indessen hätten ber beutsch-fran- zösischen Verstänbigung „bie Eroberung der Tschecho-Slowakei und die Besetzung Prags durch die deutschen Armeen" einen schweren Schlag zugefügt. Der Ministerpräsident betonte indessen erneut, daß derKrieg eine Katastrophe für alle Nationen fein würde. Im Namen seines Landes rufe er alle Mächte, die so dächten, zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit auf: „Alle die Mächte, die so wie wir bereit sind, auf dem Wege des Friedens zu bleiben, bie aber in einem einzigen Schwung sich gegen jeben Angriff solibarisch erheben würben." Nach freunblichen Worten für bie französisch-britische Zusammenarbeit brad)te Dalabier zum Schluß bie Hoffnung zum Ausbruck, daß alle vernünftigen Menschen die Sprache ber Vernunft verstehen würden. Frankreich stelle alle seine Kräfte in den Dienst des Friedens. Zum bevorstehenden Früh) ahrs - Oelwechsel empfehlen wir Ihnen MobiloeL In Deutschlands modernster Raffinerie wird es nach dem umwälzend neuen Doppel-Lösungsverfahren hergestellt. Verblüffend ist die hierdurch erzielte restlose Ausscheidung aller schmierungsfeindlichen und rückstandbildenden Bestandteile. „Reiner Schmierstoff" ist das Endergebnis. Es gibt nichts Besseres für Ihren Motor! OfUTSCHt VACUUM OIL A X < I f N G £ H H $ C H A U r HAMBURG • Mobiloel empfangen wurde. * Aus aller Welt aus Nordspanien stammten. Kleine politische Nachrichten In der Nähe Stadt San Sebastian ereignete sich ein Eisenbahnunglück. Der Südexpreß entgleiste, wobei einige Wagen eine tiefe Böschung hinabstürzten. Zwei Schlafwagen und ein Wagen dritter Klasse wurden zertrümmert. Vier Reisende wurden getötet und 2 0 v e r l e tz t. Der Zug war hauptsächlich mit beurlaubten Offizieren besetzt, die sterpräschenkn Graf Teleki und dem MuS» Minister Vornan Besuche ab. Am Abend folgte Reichsminister Dr Goebbels einer Einladung des Kultusministers Dr. Homan in die Königliche Oper zu einer Aufführung des berühmten Balletts. Heute morgen startete Dr. Goebbels zum Weiterflug nach Athen. Die Polnische Telegraphenagentur meldet, daß sich Außenminister Beck drei Tage — vom 4. bis 6. April — in London aufhalten wird. Er wird auch von König Georg empfangen werden. * Der englische Ueberseehandelsminister Hudson traf, von Moskau kommend, in H e l s i n k i ein, wo er von Beamten des finnischen Auswärtigen Amtes Paris, 30. März. (Europapreß.) Durch das sranzöstsche Außenministerium ist die italienische Note vom 17. Dezember 1938, mit dem die Kündigung des italienisch-französischen Abkommens vom 7. Januar 1935 ausgesprochen worden ist, sowie der Text der französischen Antwortnote vom 25. Dezember 1938 veröffentlicht worden. Die italienische Note vom 17. Dezember hebt folgendes hervor: Der Artikel 7 des Vertrages vom 7. Januar 1935 stellt fest, daß sein Inkrafttreten von dem Austausch der Ratifikationsurkunden abhängt. Dieser Austausch hat jedoch niemals stattgefunden. Anderseits sind die Verhandlungen für den Abschluß einer Spezial- konvention über Tunis, die in dem Artikel 1 des Vertrages vorgesehen waren, niemals begonnen worden. Der italienisch - französische Vertrag für die Regelung der gegenseitigen Interessen in Afrika ist also niemals perfekt geworden. Italien hatte durch die Abkommen von 1935 seine Zusttmmung zu erheblichen Opfern gegeben, sowohl hinsichtlich der Rechte der Italiener in Tunis, als auch hinsichtlich der Rechte, die Italien auf Grund des Artikels 13 des Londoner Paktes vom Jahre 1915 besitzt, wobei Voraussetzung war, daß Frankreich den Expansionsbedürfnissen Italiens in Ostafrika ein gerechtes Verständnis entgegenbringen würde. Indessen entsprach die von Frankreich eingenommene Haltung, als Italien gezwungen, war, das Problem seiner Beziehungen mit A b e s s i n i e n endgülttg zu lösen, und auch in her Folgezeit nicht diesen Voraussetzungen. Es heißt daher in der Note des Grafen Ciano an den französischen Botschafter in Rom weiter: „Die Abkommen vom 7. Januar 1935, die niemals ausgeführt worden find, wie Ew. Exzellenz dies bereits in der Unterredung vom 2. Dezember feststellen könnten, haben al, so keine n Sinn mehr, und sie können deshalb heute nicht mehr als inKraftbefindlichbetrachtet werden. Sie sind somit historisch überholt. In ihrer Ge- samtheit bezogen sie sich auf eine allgemeine politische Situation, die von den Ereignissen rasch überholt worden ist, welche der Anwendung der Sanktionen gefolgt sind. Außerdem hat di e Errichtung des Imperiums neue Rechte und neue Interessen von einer fundamentalen Wichtigkeit geschaffen. Unter diesen Umständen und im Interesse der Verbesserung der italienischfranzösischen Beziehungen können diese Beziehungen zur gegenwärtigen Stunde gar nicht mehr die äußert sich in plötzlichem Herzklopfen und Angst- zuständen. Bei genauer Untersuchung findet sich dann oft eine Herzmuskelentzündung, die eine Mandelentzündung zur Ursache hat. Professor Pfeil (Jena) belegte den ursächlichen Zusammenhang zwischen Zahnerkrankung und Gelenkrheumatismus. Dr. Pedersen (Kopenhagen) konnte an Hand seiner Untersuchungen einen aufschlußreichen Nachweis erbringen, wie sehr die Ernährung zur Ursache der Zahnerkrankung wird. Er hat die Eskimos in Ost- und Westgrönland untersucht und hat in dem schwer zugänglichen Ostgrönland, wo die Einwohner noch wie ihre Vorfahren, hauptsäcklü von Fleisch leben, kaum Zahnerkankungen gefunden, während in Westgrönland, wo sich fremde Einflüsse stark bemerkbar machen und die Bevölkerung von eingeführlen Lebensmitteln, insbesondere Zucker, lebt, über die Hälfte der Milchzähne kariös war. 11 Todesopfer der Lütticher Explosionskatastrophe. Die E x p l o s i o n s k a t a st r o p h e in der Nationalen Waffensabrik von Lüttich hat bisher 11 Todesopfer gefordert, nachdem noch drei Schwerverletzte ihren Wunden erlegen find. Die Zahl der Verletzten beläuft sich auf 29, darunter 12 Frauen, die in der Pattonenabttilung beschäftigt waren. Das Gebäude, das der Herstellung von Leuchtspurpatronen diente, ist vollkommen zer- Gchlechte Zähne als Infektionsquelle. Die Tagung der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin in Wiesbaden beschäftigte sich mit dem aktuellen Thema der fokalen Infektion. Die anatomische Einführung in das Thema gab Professor R ö tz l e (Berlin), der d,e fokale Infektion als eine abgeschwächte Form einer Allgemeininfektion deutete. Als wichtigste Ausgangspunkte nannte er Zahnwurzel- und chronische Mandelentzündung. Professor Dr. Kißling (Mannheim) ging auf die Klinik und Bakteriologie der fokalen Infektion ein. Unter Herdinfektion ist ein an sich unwichtiger bakterienhaltiger Herd zu verstehen, der selbst kein eigenes Krankheitsbild erzeugt, aber Fernwirkungen auslöst. So kann es kommen, daß durch einen Eiterherd an der Zahnwurzel oder in der Mandel durch Fernwirkungen Entzündungen der Herzklappen, der Gelenke, der Niere und anderer Organe hervorgerufen werden. An den Zähnen ist vor allem die Wurzelentzündung, weniger die Paradentose als Fokus anzusprechen. Es sei heute vom praktischen Arzt zu verlangen, fast bei jedem seiner Kranken nach einem Fokus zu suchen und vor allem Gebiß, Mandeln und Nebenhöhlen einer sorgfältigen Prüfung zu unterziehen. Professor Weicker (Königsberg) wies nachdrücklich auf die Bedeutung der chronischen Mandelentzündung für die Herzmuskelentzündung hin. Die Erkrankung tritt meist allmählich auf und Der belgische Außenminister S o u d a n empfing am Mittwochvormittag den deutschen Botschafter von Bülow-Schwante zu einer Besprechung. Der Botschafter brachte das B e i l e i d der deutschen Rundfunkprogramm Freilag, 31. März. 6 Uhr: Niederländisches Lied, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Nur Freiburg: Nachrichten. 9.40: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: „Unser Hühnchen flog aufs Dach." 10: Schulfunk: Deutschland — das Luftkreuz Europas. 20 Jahre deutsche Derkehrsfliegerei. Eine Hörfolge. 10.30: Aktuelle Sportviertelstunde. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. Es spielt das große Orchester des Reichssenders Saarbrücken. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Lehäriana. (Jndustrie-Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 16: Frühlingsparade — schöne Musik in Reih und Glied... Einlage 17 bis 17.10: „Vom Manne, der nie Zeit hatte." Eine seltsame Erzählung. 18: Sport der Woche und für den Sonntag. 18.15: In einer Försterschule. 18.30: Zwischen Scherz und Deutung. Hörfolge zum 25. Todes« tag des Dichters Christian Morgenstern. 19.15: Das Tier im April macht was es will! 19.45: Der fröhliche Lautsprecher. (Jndusttie-Schallplatten und Eigen- aufnahmen. 20: Nachrichten, Grenzecho. 20.15: Mt Fanfaren und Trompeten. Eine Gemeinschaftssendung von Hitler-Jugend und Wehrmacht mit Ehören der Jugend und Soldatenliedern. 22: Nachrichten. 22.30 bis 24: Unterhaltungs- und Tanzmusik. Wetterbericht Das gestern über Schlesien und Pommern gelegene Teiltief verfällt rasch. Es kommt nur noch im Elbegebiet zu leichten Niederschlägen. Im übrigen hat sich über Deutschland ein flaches Zwischenhoch ausgebildet, das Anschluß an das nordeuropäische Hochdruckgebiet gewinnt. Dadurch herrscht über Süd- und Westdeutschland meist heiteres Wetter. Von dem Biskayatief ausgehend werden in größeren Höhen milde Meeresluftmassen nach Deutschland verfrachtet. Einen Einfluß auf unser Wetter wird dieser Wirbel jedoch zunächst noch nicht gewinnen. Vorhersage für Freitag: Heiter bis wolkig, vorwiegend ttocken, tagsüber ansteigende Temperaturen, nachts leichter Frost, südöstliche Winde. Lufttemperaturen am 29. März: mittags 6,7 Grad Celsius, abends 2,9 Grad-, am 30. März: morgens —1,2 Grad. Maximum 7,5 Grad, Minimum heute nacht —2,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. März: abends 5,6 Grad; am 30. März: morgens 3,8 Grad Celsius.. — Sonnenscheindauer 1,2 Stunden. Sie Kündigung des Laval-Derirages Frankreich veröffentlicht den Notenwechsel mit CRom. ein geleitet. Veelhoven-Fest in Bonn. Das IX. Volkstümliche Beethoven- Fest in Bonn findet vom 14. bis 18. Mai statt. Es bringt drei Symphonie-, zwei Kammerkonzerte und eine Aufführung der „Missa solemnis". prähistorische Steinplastiken für ein Frankfurter Museum. Das Kulturmorphologische Forschungsinstitut in Frankfurt a. M. hat aus dem Besitz eines holländischen Gelehrten 40 prähistorische Steinplastiken aus Mitteljava erworben, die ein einzigartiges Denkmal einer bisher unbekannten vor- hinduistischen Kultur sind. Frontbilder-Ausstellung in Frankfurt. Am 2. April d. I. wirdün den Frankfurter Römer- Hallen eine Frontbilder-Ausstellung eröffnet. In über 130 Oelbildern hat der Kriegsmaler Otto Engelhardt- Kyffhäuser die Schicksale eines Fronttruppenteiles festgelegt, der auf dem westlichen und östlichen Kriegsschauplatz hin- und hergeworfen, immer dort eingesetzt wurde, wo „dicke Luft" war. Bier Deutsche in der Internationalen Tabak-Zentrale. In den Zentralausschuß der Internationalen Zentral st elle für Tabak in Rom wurde als weiterer deutscher Vertreter der Oberlandwirtschaftsrat Dr. M e i ß n e r berufen. Dadurch erhöht sich die Zahl der deutschen Mitglieder der Zentralstelle auf vier (Dr. P. Koenig, Direktor der Reichsanstalt für Tabakforschung, Touthenn; Senator O. H. Bernhard, Bremen, als Ehrenpräsident: ferner H. Aschenbrenner, Bremen, der Generalsekretär der Internationalen Tabakwissenschaftlichen Gesellschaft und gleichzeitige Vizepräsident). Die Internationale Zentralstelle führt nut der Internationalen Tabakwissenschaftlichen Gesellschaft den Er st en Internationalen Tabak- Kongreß in Bremen in den Tagen vom 25. bis 30. September 1939 durch. General der Infanterie von Quast gestorben. In Potsdam starb an den Folgen einer Lungenentzündung General der Infanterie a. D. Ferdinand von Qua ft im 89. Lebensjahr. General von Quast führte im Weltkrieg zuletzt die VI. Armee. Er war Ritter des Ordens Pour le Mente mit Eichenlaub und Inhaber des Eisernen Kreuzes von 1870/71. Er gehörte auch zu jenen Männern, die aus der schamlosen Auslieferungsliste der Entente standen. 1870 war Quast als dreijährig Frei- nyilliger in das Garde-Grenadierregiment Nr. 2 eingetreten. Als Fähnrich machte er den Feldzug mit und wurde am 12.1.1871 Leutnant. Arn 18.4.1903 wurde Quast Oberst und Kommandeur des Garde-Grenadierregiments Nr. 2 und wenige Jahre darauf Generalmajor und Kommandeur der 39. Jnfanteriebrigade. Als Generalleutnant führte er die 6. Division und als Kommandierender General das II. Armeekorps. Der Weltkrieg sah den verdienstvollen Armeeführer ausschließlich an der Westfront. Am 9.9.1917 wurde Quast Oberbefehlshaber der VI. Armee und am 18.1.1919 Oberbefehlshaber des Oberkommandos Grenzschutz Nord, noch im gleichen Jahre trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Eise nmglück in Spanien. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stelloertteter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum, schein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. II. 39: 10 631. Druck und Verlag: Brühlsche Unioersitäts- druckerei R. Lange, K-G, sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. ! Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Reichsminister Dr. Goebbels muröi vorn u - ' Einzeluerka^^preis 10 Pf. und SarnZtags 15 Pf, garischen Reichsverweser v o n H o r 11) lj • ! mit der Illul n $ $ett lftjß gen. Außerdem stattete er dem ungarischen Mim-1 Hfte Nr < 1- September 1937 gültig. , Abkommen von 1935 zur Grundlage haben; gerade wenn man den Wunsch hat, diese Beziehungen zu verbessern, ist es klar, daß diese Beziehungen von neuem in einem Geist gegenseitigen Verständnisses zwischen den beiden Regierungen geprüft werden müssen." In der französischen Antwortnote vom 25. Dezember 1938 wird darauf verwiesen, daß die Abkommen vom 7. Januar 1935 am 22. bzw. 26. März 1935 vom französischen Parlament mit allen gegen neun Stimmen angenommen worden seien. Die Ratifikation habe nicht erfolgen können, weil die Tunis-Konvention vertagt worden fei. Es sei aber Italien gewesen, das diese Vertagung selbst gewünscht habe. Anderseits habe Frankreich schon vor der Ratifikation mit der Durchführung der Abkommen begonnen, und zwar durch die Uebertragung von 2500 Aktien der Eisenbahn Dschibuti—Addis- Adeba der französischen Eisenbahngesellschaft an eine italienische Gruppe. In den im Jahre 1937 in Paris geführten italienisch-französischen Verhandlungen über die Regelung wirtschaftlicher Fragen in Ostafrika hätten sich sogar die italienischen Unterhändler auf die Abkommen vom Jahre 1935 bezogen. Und noch am 12. Mai 1938 habe der italienische Außenminister bei der Prüfung des vom französischen Geschäftsträger am 22. April 1938 überreichten Derhandlungsprogramms keine prinzipielle Einwendung gegen die Inkraftsetzung der Januar- Abkommen vom Jahre 1935, Die einen Teil des französischen Programms bildeten, erhoben. Der Minister habe sogar erklärt, daß er hinsichtlich der Tunis-Konventton keine substanzielle Aenderung an dem von der französischen Regierung vorgeschlagenen Text ins Auge fasse. Seitdem könne Fein politischer Akt der französischen Regierung angeführt werden, der eine Aenderung in den Dispositionen der italienischen Regierung rechtfertigt. Im Gegenteil habe die französische Regierung in Genf ihre Handlungsfreiheit für Die Anerkennung der italienischen Souveränität in Abessinien erlangt und am 12. Oktober einen Botscha^.er beim König von Italien, Kaiser von Abessinien, akkreditiert. Die von Frankreich in der Santtionsfrage eingenommene Haltung wird mit den internationalen Verpflichtungen Frankreichs zu rechtfertigen versucht und behauptet, Mussolini selbst habe mehrfach dem französischen Botschafter seine Anerkennung wegen der von Frankreich in dieser Frage aus geübten mäßigenden Aktionen ausgesprochen. k stört worden. Die Explosion war so gewaltig, daß die Trümmerstücke zum Teil über 100 Meter weit geschleudert wurden. Die Fensterscheiben wurden in einem Umkreis von 250 Meter zertrümmert Der belgische Wirtschaftsminister hat sich an den Ort der Katastrophe begeben. Der Generalstaatsanwalt hat die Untersuchung über die Ursachen d^r Explosion Zu Ostern im neuen Frühjahrs-Anzug — Frühjahrs-Mantel Auch im Preis vorbildlich — das ist der Grundsatz im Spezialhaus KOHLER. Die Größe des Hauses mit seinen ungemein vielseitigen Auswahlmöglichkeiten gestattet dabei eine Preisstufung, die aber auch jedem Anspruch gerecht wird. — Bitte, prüfen SieI 48.00 56.00 64.00 74.00 RM., das sind Preise für gute, zeitgerechte Anzüge und Mäntel Hochwertige Marken-Mäntel und Modell-Anzüge für höchste Ansprüche, Anzüge nach Maß und Maßkonfektion Allwetter-Mäntel „Valmeline“, Einzel-Sakkos, Gürtel-Hosen, Kleidung für Jungens und für alle Gelegenheiten Im Alleinverkauf die Marken: Kenner wissen diese zu schätzen tz KÖHLER Gießen, Eckhaus am Seltersweg 17 Ein Transport 2252D Bogetoroeru. Simmentaler MrW WeMe jnnorinöer stehen ab heute zum Verkauf bei n. 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Große Bedeutung kommt auch der vom hygienischen Standpunkt aus befriedigenden Schaffung einwandfreier Anlagen zur Abwasserbeseitigung aus den Wiesecker und Klein- Lindener Kanalisationen zu. Daß der Straßenbau und vor allem die Straßenunterhaltung in den beiden Vororten das größere Gießen vor weitreichende Aufgaben stellen, wird jedem ohne weiteres offenbar, der durch diese Orte wandert und sich dabei den Zustand mancher Straßen ansieht. Und richten wir schließlich unsere Aufmerksamkeit noch auf die Aufgaben, die aus der zeitgemäßen Bewirtschaftung und aus der unter dem Gesichtswinkel eines gesteigerten Fremdenverkehrs durchgeführten Pflege und Ausgestaltung des Waldbesitzes als Erholungsstätte sich ergeben, so wird überzeugeUd klar, daß auch hier eine Fülle wichtiger Arbeiten zu leisten bleibt. Städtische Wohnhausbauten in Wieseck: die Niederfeldstraße. (Ausnahmen 14]: Neuner, Gießener Anzeiger.) Blick über einen Teil der Schwimmbadanlage von Klein-Linden. erhalten bleiben wird, durch Umgestaltung und Verbesserung der Wegeverhältnisse zu einem Erholungsgebiet «auszubauen. Jrn Rahmen eitler vernünftigen Raumordnung, die auch für Erholungsgebiete zu sorgen hat, mußte die Gemarkung Schiffenberg für diese Zwecke sichergestellt werden. Nur die Eingemeindung konnte diesen Gedanken, der für das Volkswohl von unübersehbarer Bedeu- tung ist, auch verwirklichen. Entwicklung des Verkehrsnetzes. Das Straßennetz der Stadt Gießen ist veraltet und genügt in keiner Weise mehr den modernen An- forderungen des Verkehrs. Im 19. Jahrhundert, als die totabt über den alten Festungsumfang hinauswuchs, hat der damalige Städtebau die Regelung des Außenftadtverkehrs vernachlässigt. Es muß deshalb heute immer noch der gesamte Durchgangsverkehr durch das Stadtinnere über die Anlagen (Hin- denburgwall, Hitlerwall, Wernerwall, Horst-Wefsel- Wall) geführt werden, weil keine Umgehungsstraße vorhanden ist. Die Ursache vieler Unglücksfälle bei den alten Torplätzen, in der Ludwigstraße, Liebig- straße usw. liegt zum Teil an der Ueberlastung des Stadtinnern. Durch die erwähnte Ueberlastung ist das Straßennetz stark abgenutzt, die Brücken tragen kaum noch den Lastwagenverkehr, und die Wohnhäuser sind teils starken Erschütterungen ausgesetzt, so daß Zustände entstanden sind, die nur durch Anlage von Ring- und Umgehungs st raßen behoben werden können. Die Ringstraßen dienen hierbei der Entlastung des Jnnenverkehrs, die Umgehungsstraßen sollen die Stadt „umgehen". Sie haben die Aufgabe, den Durchgangsverkehr, den Fernverkehr um die Stadt herumzuleiten und alle Ausfallstraßen untereinander zu verbinden, ohne hierbei durch Bebauung irgendwelcher Art behindert zu sein. Die Betrachtung der Verkehrsfrage unter dem angedeuteten Blickwinkel führt zu der Erkenntnis, daß ihre Lösung nur im weiten Raume möglich ist. Der Raum Gießen ist hierfür zu klein. Die Orte Wieseck und Klein-Linden sind in ihren Lebensbedingungen so eng mit dem Stadtkörper verknüpft, so daß sie bei der R a u m o r d n u n g in Gießen nicht außeracht gelassen werden können, wenn anders sie So können wir schon bei diesem kurzen Heber« blick erkennen, daß die seit Jahren erhoffte, früher durch unverständliche Widerstände hüben und drüben nicht zustandegekommene Eingemeindung von Wieseck und Klein-Linden und der gleichzeitige Anschluß der selbständigen Gemarkung 'Schiffenberg an die Stadt Gießen nur im Interesse aller Beteiligten liegen. Diese Maßnahme schafft für alle eine Grundlage, auf der sich der weitere Aufbau zum Wohle der gesamten Bevölkerung von Groß-Gießen in gedeihlicher Weise vollziehen kann. Darum haben wir allen Grund, diese Entscheidung mit Dank und Genugtuung zu begrüßen. B. Gemarkungsgrenzen verschwinden Bisher gehörte die „Karlsruhe" zu Wieseck, die gegenüberliegenden Häuser zählten schon zu Gießen. Anlaß und Aussichten der Eingemeindung Von Vechtsrai Berndt, Gießen. — - Gemarkungen Wieseck und Klein - Linden entfalten kann, so ist es städtebaulich und städtewirtschaftlich richtig, die Besiedlung wegen der kulturellen, verwaltungsmäßigen und politischen Betreuung an die vorhandenen Siedlungskerne Wieseck und Klein-Linden anzuschließen. Da es aber selbstverständlich ist, daß die Stadt Gießen nicht auf fremden Gemarkungen ein Siedlungstätigkeit em- falten kann, so war es notwendig, das; die genannten Gemeinden m den Stadtkreis einbezogen wurden. Eine ebenso unbedingte Notwendigkeit der Eingemeindung bestand für die seither selbständig gewesene Gemarkung Schiffenberg. Durch den Verlust von Wald für militärische Zwecke " ist der Stadt Gießen ein Teil des von ihr planmäßig angelegten und erschlossenen Erholungsgeländes verloren gegangen. Die Stadt Gießen beabsichtigt daher, die Gemarkung Schiffenberg mit ihrem Waldgebiet und die Domäne Schiffenberg, die als Domäne vor dreißig ober vierzig Jahren. Es bleibt also nichts anderes übrig, als in wenigen Jahren das Gelände der Gemarkung Wieseck und Klein-Linden in den Bereich der Besiedlung einzubeziehen. Weiter- hin sieht sich die Stadt veranlaßt, im Zusammenhang mit den militärischen Anlagen, Reichsautobahnen und Reichsstraßen Ring- und Umgehungsstraßen zu schaffen, die notwendigerweife auf das seitherige Gebiet von Wieseck und Klein-Linden übergreifen müssen. Die Erklärung der beiden Gemeinden zum Wohnsiedlungsgebiet von Gießen vermag allein die notwendige Voraussetzung für eine ordnungsmäßige Planung nicht zu schaffen. Die der Stadt Gießen in raumpolitifcher Hinsicht gestellten Aufgaben können daher im Sinne einer vernünftigen Raumordnung nur durch die Eingemeindung von Wieseck und Klein-Linden gelöst werden. W i e s e ck hat heute 4100 Einwohner und 1242 ha Gelände. Es liegt im Nordosten von Gießen und reicht mit seinem bebauten Ortsteil bis zur Gemarkungsgrenze. Als Vorort von Gießen, der in wirtschaftlicher und verkehrsmäßiger Beziehung bereits stark mit der Stadt verbunden ist, entwickelt es sich von selbst zur Stadt Gießen hin. Gefördert wird dieser Vorgang durch die zur Zeit in der Durchführung begriffene Baulandumlegung des Gebietes zwischen Marburger Straße und Wiesecker Weg. Es kann daher behauptet werden, daß in kurzer Zeit beide Gemeinden zusammengewachsen sein werden. Mit Gas und Elektrizität wird Wieseck bereits heute schon völlig von Gießen versorgt. Für die Deckung feines Wasserbedarfes besitzt Wieseck zwar ein eigenes Werk, das jedoch zur völligen Versorgung nicht ausreicht, so daß die zusätzliche Belieferung von Gießen erfolgt. In oerkehrspolitischer Hinsicht' ist Wieseck mit Gießen durch das Vorhandensein der Straßenbahn bereits eng verbunden. Die Bevölkerung von Wieseck setzt sich in der Hauptsache aus Arbeitern und Angestellten zusammen, die in Gießen ihre Arbeitsstätte haben. Die Gemeinde Klein-Linden hat heute 2250 Einwohner und 294 ha Gelände. Sie grenzt gleichfalls mit ihrem bebauten Ortsteil an Gießen heran und ist mit Gießen bereits verwachsen. Lediglich der Bahndamm der Main-Weser-Bcchn liegt trennend zwischen beiden Gemeinden. Wirtschaftlich und verkehrsmäßig war Klein-Linden bereits seither stark an Gießen gebunden. Die Bevölkerungsstruktur ist etwa dieselbe wie in Wieseck. Auch in Klein-Linden sind nur noch wenige Landwirte vorhanden. Die überwiegende Mehrzahl der Einwohner hat in Gießen ihren Arbeitsplatz. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die beiden Gemeinden ihrer ganzen Struktur nach eine ausschließliche Orientierung nach Gießen zeigen. Da die Stadt, wie bereits hervorgehoben wurde, in kurzer Zeit in ihrer Besiedlung die Gemarkungsgrenze überschreiten muß, und sie ihre neue Siedlungstätigkeit nur in dem Raum der Der Herr Reichsstatthalter in Hessen Gauleiter Sprenger hat durch Erlaß vom 3.1.1939 (Reg- Bl. 1939 S. 6) bestimmt, daß mit Wirkung vom 1. 4. 1939 die Gemeinden Wieseck und Klein- L i n d e n , sowie die selbständige Gemarkung Schiffenberg in die Stadt Gie.ßen ein - gegliedert werden. Aus diesem Anlaß erscheint cs angebracht, eine Darstellung der Gründe zu geben, die Eingemeindung der genannten Orte und der sHständigen Gemarkung Schiffenberg notwendig Erscheinen ließen, sowie die infolge der Grenzänderung notwendig gewordene Auseinandersetzung zwischen der Stadt Gießen und den beteiligten Gemeinden, sowie dem Staat und der Stadt näher darzulegen. § 13 der Deutschen ©eineinbeorbnung legt fest, daß die Gemeinbegrenzen aus Gründen des öffentlichen Wohles geändert werden können. Hiermit ist klargestellt, daß die Gebi«cksgliederung der Gemeinden ausschließlich durch be’s öffentliche Wohl nach bem Ermessen ber zuständig n Staatsbehörde bestimmt wird. Die angezogene.Bestimmung ist der letzte Schritt in der Entwicklung, die das Recht der kommunalen Gebietsänderungen in den.letzten Jahren genommen hat. Den Begriff „öffentliches Wohl" nach seinem sachlichen Inhalt genau zu umgrenzen, ist bei der außerordentlichen Vielgestaltigkeit der in Betracht kommenden Umstände nicht möglich. Ausschlaggebend ist allein das übergeordnete Interesse der Allgemeinheit, find die „Ziele der Staatsführung" (§ 1 Satz 3 DGO.), die durch die nationalsozialistische Weltanschauung bestimmt werden. Die wichtigsten allgemeinen Grundsätze für den Begriff des „öffentlichen Wohles" hat die DGO. selbst in ihren §§ 1, 4 und 12 Abs. 2 aufgestellt. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, ist die Notwendigkeit der Eingemeindung von Wieseck und Klein-Linden, sowie der selbständigen Gemarkung Schiffenberg begründet: 1. durch die Aufgaben des Städtebaues und der Raumordnung, 2. durch die oerforgungswirtschaftliche Lage der Gemeinden und 3. durch forstwirtschaftliche Belange. Aufgaben des Städtebaues und der Raumordnung. Die Stadt Gießen sieht sich zur Zeit vor die Notwendigkeit gestellt, Gelände für Wohn- und Siedlungszwecke bereitzuftellen. Die wenigen noch freien Geländeteile, die in der Gemarkung Gießen für Wohn- und Siedlungsgelände noch verfügbar sind, werden in wenigen Jahren bebaut fein. Ausgesprochenes ,Kleinsiedlungsgelände" ist überhaupt nicht mehr vorhanden. Auch ist zu bedenken, daß heute die Bebauung nach der Höhe und nach der Fläche viel lockerer ist als früher, so daß dieselbe Anzahl von Hektaren viel rascher bebaut fein wird, als etwa Erfreuliche Tat. Am 1. April 1939 tritt der Eingemeindungsoertrag in Kraft, durch den die Gemeinden Wieseck und Klein-Linden, sowie die selbständige Ge- markung Schiffenberg in die Stadt Gießen eingealiedert werden. Dieser Tag wird in der Geschichte unserer Stadt und des Landkreises Gießen für alle Zeiten ein weithin ragender Markstein sein. Von diesem Tage ab wird aus unserer Stadt ein Groß-Gießen, dessen Einwohnerzahl — nach dem Stande der Volkszählung vom Sommer 1933 gerechnet — nunmehr von 36 000 auf über 42 000 ansteigt. Der Landkreis Gießen dagegen sieht — nachdem erst kürzlich Gießen selbständiger Stadtkreis geworden ist — jetzt zwei weitere Gemeinden aus feinem Kreisverband ausscheiden, die für den Kreis immerhin einen schmerzlichen Verzicht bedeuten. Die heimatgeschichtlich sehr bedeutungsvolle Wandlung stellt eigentlich schon seit Jahren eine Selbstverständlichkeit dar, denn die Verhältnisse für diese Neuordnung sind schon längst reif gewesen. Wenn man heute um 10 ober 15 Jahre zurückdenkt und sich die damals bereits bestehenden engen wirtschaftlichen und personellen Verflechtungen zwischen den drei Orten vor Augen hält, so muß man zugeben, daß Damals schon die Wucht der Tatsachen die natürliche, von großzügigen Gesichtspunkten geleitete Eingemeindung erforderlich gemacht hatte. Seit vielen Jahren haben Hunderte von schaffenden Menschen aus Wieseck und Klein-Linden ihre Arbeitsstätte in Gießen. Dafür nur ein kleines Beispiel: Nach einer Zählung der Radfahrer, die von der Polizei 1936/37 an Wochentagen vorgenommen wurde, hat sich als durchschnittlicher Werktags-Radfahrerverkehr in Ein- und Ausfahrt folgendes ergeben: Wieseck täglich 2980 Radfahrer, Klein-Linden 1997 Radler. Daneben legen aber noch viele Volksgenossen aus 'diesen Orten ihren Weg noch und von der Arbeitsstätte in Gießen zu Fuß zurück oder sie benutzen die 'Straßenbahn bzw. den Autobus, soweit es sich bei Iletzterem um den Verkehr aus Klein-Linden han- i beit. Umgekehrt stehen feit Jahren viele Volksgenossen in den beiden Vororten als Mitarbeiter in der «Gefolgschaft von Gießener Unternehmungen. Zahl- ireiche junge Menschen aus den beiden Orten erfah- iren in Gießener Schulen und in Gießener Betrieben ihre Aus- und Fortbildung. Schließlich sind «auch noch die engen geschäftlichen Verbindungen zu «erwähnen, die seit Jahren die Gemeinschaft zwischen iGießen und den Vororten immer mehr vertieft (haben. Auf kommunalwirtschaftlichem Gebiete sind nm Laufe der Jahre die Gemeinden ebenfalls immer Anger zusammengerückt. Wer auch in dieser Hinsicht mm 10 ober 15 Jahre zurückdenkt, wirb sich erin- mern, daß damals zwischen Gießen und Klein-Linden Hilf ber Höhe der Kliniken noch vollständig freies Aeld war. Mittlerweile ist dort oben bis hart an die Nlein-Lindener Gemarkungsgrenze ein schon sehr weit ausgebauter Gießener Stadtteil entstanden. Zu eener Zeit hatte man auch zwischen Gießen und Wie- jeck unbehindert freien Blick über die Felder in Richtung Wellersburg und zum Hangelstein, heute dagegen ist dort der Zusammenhang der beiden Gemeinden so eng, daß Wiesecker und Gießener Häuser nur durch die Straßenbreite getrennt einander gegen- iiiberftehen. Die Eingemeindung eröffnet nun für.die drei Gemeinden weitreichende Entfaltungsmöglichkeiten. Da- ioei wird nicht eine Gemeinde auf Kosten der anderen bessergestellt werden, sondern alle gemeinsam werden von dieser Neugestaltung Nutzen haben. Zwar wird hier und da einiges auch gelinde Schätzen mit sich bringen — man denke nur an die Angleichung einiger Steuern in Wieseck und Klein- Linden von dem jetzigen niedrigeren Stande an die Höheren Sätze in Gießen, umgekehrt sind bei anderen Steuern die jetzigen Sätze in Wieseck und Klein- Linden höher als in Gießen —, aber in der großen Linie und auf weite Sicht betrachtet stehen den ge- iingen Schattenseiten doch sehr erhebliche Ausmaße ron Licht geaeniiber. Welche verheißungsvollen Ge- nchtspunkte für den Auf- und Ausbau der größeren sotabt Gießen und damit auch der beiden eingemein- ieeten Vororte zum Nutzen aller Bevölkerungsschich- !sn im Vordergründe stehen, zeigt in aufschlußreicher Weise der Aufsatz von Rechtsrat Berndt. Seit «fahren schon macht sich der Bau von Ring- und Umgehungsstraßen als lebenswichtige Aufgabe immer dringlicher bemerkbar. Hinzu kommt, daß die Einrichtung von modernen Verkehrsmitteln (neue Iftmnibuslinien), insbesondere nach Klein-Linden, sich ckenfalls immer dringlicher notwendig macht. Wenn Mir weiter in die Zukunft blicken, so tritt uns das aroße Problem der Verlegung der Oberhessischen Mahn besonders eindringlich vor Augen; mit ber Lösung biefer wichtigen Frage ergeben sich auch für Wieseck weitreichende Gesichtspunkte, die zum Vor- üil dieses neuen Stadtteils verwirklicht werden kön- iLN. Man denke ferner an den Bau der dicht vor Abschluß in Klein-Linden Sie Emgemeindungöverträge Bäume gezählt. Die Genf dem Gebiet des Obst- Rückblick in Wieseck Klein-Linden, unser Vorort im Süden, war seither schon auf einigen Gebieten eng mit der Stadt verbunden. Die Frankfurter Straße in Richtung Klein-Linden ist fast völlig ausgebaut, bis auf den Teil, für den die Baugenehmigung seither nicht erteilt wurde, da damit zu rechnen ist, daß dieses Gelände einmal von unserer Stadt benötigt wird. Das Gelände, von den Kliniken und dem neuen Lazarett südlich gelegen, ist zum großen Teil bis auf den heutigen Tag Eigentum von Einwohnern aus Klein- Linden, wenn es auch in der Gemarkung der Stadt Wieseck, das größte Dorf Oberhessens, wird am 1. April in die Stadt Gießen eingemeindet. Damit hört eine Gemeinde auf, als selbständiges Gemeinwesen zu bestehen, die eine weit über 1100jährige Vergangenheit hat. Durch seine wirtschaftliche Stärke war es Wieseck bisher immer möglich, seine Selbständigkeit gegenüber Gießen zu behaupten. Das Dorf verfügte schon im Mittelalter über wesentliche Einnahmequellen, die seine Bewohner an ihren Wohnsitz fesselten. Es waren Landwirtschaft, Waldungen, Wiesen und Weideland, die eine ausgiebige Viehzucht ermöglichten. Dazu kam noch, daß das Wiesecker Urprodukt, der Sand, seit etwa 100 Jahren eine gute Einnahmequelle für die Bevölkerung brachte und sie heute noch bringt. Wurde doch der Wiesecker Sand noch um die Jahrhundertwende mit Fuhrwerken in fast alle Orte im Umkreis von 100 Kilometer gebracht', er fand als Bau-, Streu- und Putzsand Verwendung und ist besonders zu den letzteren Zwecken noch überall als der „echte weiße Wissischer" bekannt. Dieses Produkt, das heute noch in großen Mengen an ollen Baustellen in unserer engeren Heimat und darüber hinaus, besonders in jüngster Zeit bei den großen Bauten in der weiteren Umgebung gebraucht wird, brachte den Wieseckern den Spitznamen „Sandbeutel" ein. Aber auch die Eisenindustrie im Lahn- und Dillkreis verwendet den Sand als Formsand. An Sandgruben besitzt die Gemeinde heute noch zwei, während weitere drei Sandgruben in Privathand sind. Aber nicht allein Sand barg unsere Gemeinde, sondern auch Lehm, Ton und Oker. War es doch Ludwig Keßler, genannt der „Dippelouis", der durch die Bearbeitung des Tons und die Farbgestaltung bei seinen Erzeugnissen den Namen seiner Heimatgemeinde Wieseck in alle Welt hinaustrug. Der Oker, der zur Farbenoerwertung verwendet men, und heute sind die beiden Gemeinden durch Freileitungen an das Elektrizitätswerk Gießen angeschlossen. Gas: Ein Gaslieferungsvertrag besteht nur mit der Gemeinde Wieseck, und zwar schon seit 1928. Im Gegensatz zur Elektrizitätslieferung obliegt die Verteilung des Gases der Gemeinde. . Wasser: Von den beiden Gemeinden hat nur Wieseck eine eigene Wasserversorgungsanlage. Diese ist jedoch, wie oben bereits bemerkt wurde, ungenügend, so daß im Jahre 1921 ein Vertrag mit der Stadt Gießen zustandekam, in dem sich die Stadt zur zusätzlichen Wasserlieferung verpflichtete. Klein-Linden dagegen wird restlos von dem Wasserwerk der Stadt Gießen mit Trinkwasser versorgt. Die Abnahme des Wassers erfolgt an der Gemarkungsgrenze. Die Zuleitung gehört der Stadt Gießen. Forstwirtschaftliche Notwendigkeiten. getragen, daß die Entrichtung von Abgaben -und Gefällen, welche die Stadt Gießen einzieht, weiterhin in Wieseck und Klein-Linden erfolgen kann und daß Wohlfahrtsunterstützungen in Wieseck und Klein- Linden zur Auszahlung gelangen. Die Freiwilligen Feuerwehren bleiben in Wieseck und Klein-Linden bestehen und werden zum mindesten in derselben Weise, wie dies bisher von den Gemeinden Wieseck und Klein-Linden geschehen ist, von der Stadt unterstützt. Es'bleibt bei dieser Regelung, bis etwa aus allgemeinen organisatorischen Gründen eine Aenderung notwendig wird. Die seither für Wieseck und Klein-Linden bestellten Feldgeschworenen bleiben für die Stadt Gießen in Tätigkeit. Auch in Zukunft wird darauf gesehen werden, daß die Feldgeschworenen auch aus den neuen Stadtteilen entnommen werden. Die Schulen in Wieseck und Klein-Linden werden wie die Schulen in den übrigen Stadtbezirken ausgestattet. Die Schüler und Berufsschül-"- au^ Wieseck und Klein-Linden genießen beim Besuch ber' in Gießen befindlichen Schulen die gleichen Rechte und Vorteile wie die Schüler des seitherigen Stadtbezirks Gießen. Die beiden bestehenden Gemeindebackhäufer in Wieseck und dasjenige in Klein-Linden bleiben bis auf weiteres erhalten. Die im Interesse der Landwirtschaft in Wieseck und Klein-Linden bestehenden Einrichtungen, insbesondere die Faselhaltung, werden erhalten. Wer z. Zt. in der Gemeinde Wieseck und Klein- Linden eine Metzgerei betreibt und ein eigenes vorschriftsmäßiges Schlachthaus besitzt, ist bis zum 31. März 1942 vom Schlachthauszwang befreit. Ausgenommen von dem Schlachthauszwang bleiben bis zur reichsrechtlichen Regelung die Hausschlachtungen im Sinne des § 2 des Fleischbeschaugesetzes vom 2. Juni 1900. Die Friedhöfe von Wieseck und Klein-Linden werden auf ihrem jetzigen Platz verbleiben. Bewohner der Stadtteile Gießen-Wieseck und Gießen- Klein-Linden, die im übrigen Stadtbezirk versterben, können auf Wunsch auf den Friedhöfen ihres Stadtteils beerdigt werden. Aus Anlaß der Aufhebung der selbständigen Gemarkung Schiffenberg und ihrer Eingliederung in die Stadt Gießen wurde zwischen dem Hess. Staat und der Stadt Gießen Vereinbarung dahin getroffen, daß die Stadt Gießen die Unterhaltung der öffentlichen Wege, insbesondere des Zufahrtswegs zum Hofgut Schiffenberg und ber' dem Ausflugs- oerkehr dienenden Fußwege übernimmt. Ausgenommen bleiben jedoch die ausschließlich der Forstwirtschaft dienenden Wege, deren Unterhaltung dem Staat als Waldeigentümer obliegt. Der Staat ist grundsätzlich bereit, der Stadt Gießen das für die Anlegung von öffentlichen Wegen, insbesondere für den Ausflugsverkehr notwendige Gelände vorbehaltlich näherer Vereinbarung im Einzelfall und der Entschädigung für das in Anspruch genommene Grundeigentum zur Verfügung zu stellen. nicht eines Tages in ihrer Entwicklung gehemmt und als fremde Körper im erweiterten Stadtraum liegen sollen. Die vorausschauende Raumplanung muß mit ihrem Verkehrsnetz auch über die Grenzen der Gemarkung Gießen hinausgreifen. Eine einheitliche Durchführung ist aber nicht möglich, wenn die Stadt nicht selbst über den Raum verfugt, den sie für die Durchführung einer „Raumordnung" benötigt. Der Lebensraum der Stadt Gießen hört nicht an der Gemarkungsgrenze auf, sondern er erstreckt sich schon jetzt auf die Gemarkungen der beiden Gemeinden und auf die Gemarkung Schiffenberg, ja, er geht in Wirklichkeit noch über diese Gebiete hinaus. Es ist daher ein Gebot der Ordnung i m Raume, daß die Gemeinden Wieseck und Klein- Liqden der Stadt Gießen eingegliedert werden. Versorgungswirischastliche Oesicytspunkie. wurde, brachte um die Jahrhundertwende bis zum Ausbuch des Krieges den Einwohnern schöne Der- dienstmöglichkeit. In diesem Zusammenhang sei an die Farbmühle an der Badenburg erinnert, deren bauliche Reste bereits im vergangenen Jahre in städtischen Besitz übergingen und die in diesem Winter durch Sprengung beseitigt wurden. War es noch vor 80 Jahren in der Hauptsache die Landwirtschaft, die unsere Bevölkerung ernährte, so setzte doch schon nach 1870 eine starke gewerbliche Betätigung ein, zu der die nahe Stadt Gießen und auch die Industrie die Möglichkeit boten. Besonders war es die Zigarrenindustrie, die sehr vielen. Einwohnern Wiesecks Erwerb und Verdienst gab. Haben doch noch heute zwei Großfirmen in Wieseck Filialen, und hierzu kommen noch zwei einheimische Firmen. Neben dieser Hauptindustrie kam die starke handwerkliche und handelsmäßige Entwicklung. So . ist das Schreinerhandwerk in erster Linie zu erwähnen, dazu ein Zimmergzschäft und Sägewerk, die ihre günstige Entwicklung den heimischen und nahen Waldungen mit zu danken haben. Dann kommt das gesamte Bauhandwerk, das durch die günstigen Vorbedingungen vor dem Krieg und besonders in den letzten vier Jahren gute Entwicklungsmöglichkeiten hatte. Waren es vor dem Krieg Unternehmer, die den Wohnhausbau förderten — erwähnt seien hier Möser und Ziegler sowie Karl Dorfeld —, so waren es nach dem Kriege die Gemeinde und die Baugenossenschaft und seit 1935 die vom Reich geschaffenen Baumöglichkeiten. Wie das Handwerk, so entwickelte sich auch der Handel. Neben dem privaten Handel waren es auch die Genossenschaften, die schon früh in Wieseck ihren Einzug hielten. Spar- und Dorschußverein vor 76 Jahren, Landwirtschaftlicher Konsumverein (jetzt Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft) Dorfe- kamen .md) andere Notwendigkeiten-, 1904 kam der Bau Wasserleitung: 1905 wurde das Schult,aus am L.chtenauer Weg begonnen und 1906 eiligen^ i)t -fui) die Unterbringung der Gemeinde, verwalt na von der Kirchstraße, Rabenauerstraße zur Schulstraße sind Zeugen dieser Entwicklung. Als kurz vor dem Kriege die Elektrizität überall ihren Einzug hielt, war auch Wieseck sofort dabei, und 1912 wurde mit dem Bau des Ortsnetzes begonnen. Wenn auch nicht alle Einwohner sich sofort zum Anschluß an das Stromnetz entschlossen, so zwang sie der Krieg, dies sofort nachzuholen. Dieses Netz ist inzwischen schon wieder auf eine andere Voltstärke umgebaut worden. Nach dem Kriege wurde Wieseck an die Ferngasversorgung angeschlossen. Fast alle bebauten Straßen rourbenjnit dem Kanal, netz versehen und damit auch die Straßen in Ordnung gebracht. Der Bau der Straßenbahn Gießen- Wieseck in 1932 und die Autolinie Wieseck—Alten- Buseck schafften gute Verkehrsoerhältnisse zu den Nachbargemeinden. Durch den starken Zuwachs innerhalb der Gemeinde mußte auch die Wasser. Versorgung besser geregelt werden, und so kam der Anschluß an das Wasserwerk der Stadt Gießen. Somit hat Wieseck bereits feit Jahren selbst ine besten Vorbedingungen für die Eingemeindung geschaffen und sich mit der Stadt Gießen verbunden. Wenn Wieseck nun als selbständiges Gemeinwesen aufhört zu bestehen und der Stadt einverleibt wird, so kann Gießen stolz sein, eine solche Gemeinde mit schönem Besitz an materiellen und ideellen Werten zu sich aufnehmen zu können. vor 62 Jahren, Spar, und Darlehenskasse vor 541 Jahren usw. Wenn Wieseck auch seinen landwirtschaftlichen Charakter mit dem Durchbruch des Gewerbes und der Industrie stark einbüßte, so wurde bic Landwirtschaft nicht vernachlässigt. So wurde die Feldbereinigung bereits vor dem Kriege in Angriff genommen, sie mußte aber durch den Krieg hinaus- geschoben werden. Ein Versuch, sie kurz nach dem Krieg fertigzustellen, scheiterte in der Inflationszeit, und so konnte sie erst nach 1924 feruggestellt werden. Die bereinigte Gesamtfläche betrug 7 032 315 Quadratmeter. Die gesamten Kosten, einschließlich Wegebau, Drainagen und Bewässerungsanlagen der Wiesen, betrugen' rund 2M 000 Mark. Hinzu kam noch die Ortsvermessung mit einem Ortsbauplan. Durch die starke Umwandlung von der Landwirtschaft zum Gewerbe- und Jndustrieort kam selbstverständlich auch eine Ausweitung des Dorfes. So hat sich Wieseck in den letzten 40 Jahren fast verdoppelt. Hatte es um 1900 noch zirka 400 Wohnhäuser mit rund 2500 Einwohner, 1914 = 3254 Einwohner, so find es heute 670 Wohngebäude und 4200 Einwohner. Die bebaute Fläche, die um 1900 mit der Gießener Straße, Alicestraße und Kornblumenstraße abschloß, hat sich in den letzten vierzig Jahren fast verdoppelt. So ist noch in aller Erinnerung, daß der Johannisberg (Wirtschaft an der Marburger Straße), genannt die Marienhöhe, weitab vom Dorfe lag. Ebenso war es, als die „Karlsruhe" gebaut wurde. Mit der Ausweitung des Die infolge der Grenzänderung notwendig gewordene Auseinandersetzung ist durch die E i n g e - meindungsverträge der Stadt Gießen mit den Gemeinden Wieseck und Klein-Linden, beide vom 5. Dezember 1938 sowie durch die Vereinbarung zwischen dem hessischen Staat als Inhaber der selbständigen Gemarkung Schiffenberg, und der Stadt Gießen am 13. Dezember 1938 näher geregelt. Der Inhalt der Verträge, die von dem Herrn Reichsstatthalter durch den eingangs erwähnten Erlaß vom 3.1.39 bestätigt wurden, soll im Folgenden kurz wiedergegeben werden: Die Vereinigung bezieht sich auf die zur Stadt Gießen und zu den Gemeinden Wieseck und Klein- Linden gehörigen Gemarkungen sowie auf das Vermögen und die Schulden dieser Gemeinden. Alle Einwohner des erweiterten Stadtgebietes werden in bezug auf alle Rechte und Pflichten, welche mit der Gemeindeangehörigkeit verbunden find, sowie hinsichtlich der Benutzung der Gemeindeanstalten einander gleichgestellt. Der Bezirk der bisherigen Gemeinde Wieseck erhält die Bezeichnung Gießen- Wieseck, derjenige von Klein-Linden die Bezeichnung Gießen-Klein-Linden. Das Ortsrecht ist in der Weise geregelt, daß die bisher für die Gemeinden Wieseck und Klein-Linden gültigen Ortssatzungen, Polizeiverordnungen und Vorschriften aller Art für den Stadtteil Gießen-Wieseck und Gießen-Klein-Linden bis auf weiteres in Kraft bleiben. Bei notwendig werdenden Aenderun- gen ist jedoch auf die Bestimmungen des Eingemeindungs-Vertrages und auf den ländlichen Charakter von Wieseck und Klein-Linden Rücksicht zu nehmen. Ortsbausatzungen und die Baupolizeiordnung der Gemeinden Wieseck und Klein-Linden bleiben ebenfalls aufrechterhalten, und zwar solange, bis die Bebauungspläne für die Stadtteile Gießen- Wieseck und Gießen-Klein-Linden festgelegt sind. Die Stadt Gießen wird zur Vermeidung von Häpten die Hebesätze der Steuer für Grundstücke für die Stadtteile Gießen-Wieseck und Gießen-Klein-Linden im Einvernehmen mit dem Herrn Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — stufenweise bis zum 1. April 1943 den für die Stadt Gießen bestehenden Hebesätzen angleichen. Die Hebesätze der Gemeinden Wieseck und Klein-Linden für die Bürgersteuer werden vom 1.1.1940 an den Hebesatz der Stadt Gießen angeglichen. Für die zur Zeit laufende Amtszeit der Ratsherrn der Stadt Gießen wird die Stadt zwei Burger der bisherigen Gemeinde Wieseck und einen Bürger der bisherigen Gemeinde Klein-Linden in Vorschlag bringen. Die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Gemeinden Wieseck und Klein-Linden werden von der Stadt Gießen übernommen. Aus sie finden die für die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadt Gießen geltenden Satzungen und Dienstvorschriften Anwendung. Nach der erfolgten Eingliederung wird sowohl in Wieseck, als auch in Klein-Linden eine örtliche Verwaltungsstelle einschl. des Standesamts verbleiben. Außerdem wird dafür Sorge 5000 Obstbäumen befinden sich 1896 Apfelbäume, 836 Birnbäume, 81 Kirschbäume, 1840 Zwischen- bäume usw. Außerdem werden noch etwa 840 nicht ertragsfähige, also junge Bäume meindeverwaltung ging arf baues mit gutem Beispiel voran, hielt die alten Bäume gut in Ordnung und sorgte in den letzten Jahren für genügende Neuanpflanzungen. Die jährlichen Obstversteigerungen brachten stattliche Beträge in die Gemeindekasse. Die Viehzucht in unserem Dorfe nimmt von Jahr zu Jahr ab. Dazu trägt die Abwanderung vieler Landwirtssöhne in die Industrie bei, da ja die Dodenmenge zu klein ist, um alle ernähren zu können. So kommt es auch, daß heute in Klein-Linden viele Scheunen leerstehen und überhaupt nicht mehr benötigt werden. Die Viehzählung im Dezember 1938 hatte folgendes Ergebnis: 14 Pferde, 279 Stück Rindvieh, 322 Schweine, 191 Ziegen, 2747 Hühner, 175 Kaninchen, 10 Trut- und Perlhühner und 23 Bienenvölker. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Dorfes, die vor drei Jahrzehnten noch auf den Wochenmarkt in die Stadt getragen wurden, werden restlos im Dorf abgesetzt, viele Erzeugnisse aus den Nachbarorten noch hinzugekauft. Die Erzeugnisse der Milch« wirtschaft, die nicht in Klein-Linden Verwertung finden, werden durch die genossenschaftliche Bewirtschaftung nach Gießen weitergegeben. An gewerblichen Betrieben gab es in Klein-Linden im Jahre 1933 im ganzen 82 Betriebe mit einem Beschäftigten, 37 mit 2 bis 5 Beschäftigten und 8 Betriebe mit 6 und mehr Beschäftigten, im ganzen 127 Betriebe. Don den an die Arbeit gehenden Volksgenossen arbeiten 89 in Betrieben mit 2 bis 5 Beschäftigten, 157 in Betrieben mit 6 und mehr Beschäftigten. Jngesamt waren also 328 außerhalb Beschäftigte vorhanden. Diese Zahlen haben sich infolge des ungeheuren Aufstieges feit 1933 mc\cntlirf) zum besseren geändert. In Klein-Linden gab es an gewerblichen Betrieben 1936: 4 Metzgereien, 3 Bäckereien, 2 Schlossereien, 2 Autoschlossereien, 6 Schreinereien, 1 Schmiede, 1 Schneiderei, 6 Weihbmde« reien, 4 Bauunternehmer und 1 Uhrmacher. An industriellen Betrieben sind heute noch 2 vorhanden, eine Zigarrenfabrik und eine Werkstätte für Feinmechanik. Die Firma Berens (Bilstein in Wc>t- salen) hat in Klein-Linden einen Filialbetrieb mit zur Zeit 140 bis 150 Gefolgschaftsmitgliedern. Sie verarbeitet Tabake aus Deutschland und dem Ausland. Auch in der Heimindustrie sind viele Leute aus Klein-Linden und den umliegenden Orten bei der Firma Berens beschäftigt. Die „Hessische Feinmechanik" der Firma Ruhl verfertigt feinmechanische Erzeugnisse und optische Geräte. Die Postverhältnisse sind günstig. Bis zum Jahre 1890 wurde die Post von Gießen aus durch den Landbriefträger zugestellt. Dann wurde die Post- hilfstelle eingerichtet, die im Jahre 1910 in eint Agentur umgeroanbelt wurde. 1920 wurde die Post in die Wirtschaft von Friedrich Speier, Frankfurter Straße 82, verlegt, wo sie sich heute noch befindet. Der erste Pendelverkehr mit Autobus zwischen der Stadt und Klein-Linden wurde im Jahr 1926 eingerichtet. Er rentierte sich aber nicht und wurde 1927 wieder eingestellt. Die Autobuslinie Gießen—Hoche!' heim, die Klein-Linden als erste Station berührt, konnte bis zum heutigen Tage aufrechterhalten wer« den. Allerdings genügt sie nicht mehr den Anfor« der ungen. Klein-Linden hat einen von Jahr zu Jahr steigen- den Durchgangsverkehr aufzuweisen. Es passierttn am 2. Oktober 1936 in der Zeit von 13 bis 20 M, also innerhalb von sieben Stunden, den Ort: 64 Motorräder, 330 Personenautos, 42 Fernlastwagen mit 43 Anhängern, 50 Nahlastwagen und 35 Lieferwagen. Eine private Zählung 'am 1. März dicics Jahres ergab zwischen 16 und 17 Uhr: 19 Motorräder, 122 Personenkraftwagen, 41 Lastwagen, darunter 26 Nahlastwagen, 11 Fernlastzüge, zum ™ mit einem und mit zwei Anhängern, 4 Lieferwagen und 123 Radfahrer. In Klein-Linden selbst ist die Dertrastuna der Verkehrsmittel in derselben schnellen Weise fonfl*’ schritten. Heute zählt das Dorf bei etwa 2260 Einwohnern 74 Kraftsahrzeugbesitzer mit 5 Lastwage"' 25 Personenwagen und 44 Motorrädern. Die Durchführung der Feldbereinigung erfaßte ’ den Jahren 1924/25. Im Zusammenhang oam stand die Ortsvermessung und die Aufstellung eine Ortsbauplans. 1931/32 wurde der Bau der Wallt - lei hing und Kanalisation durchgesührt. Im Jay 1933 konnte das neu erbaute Spritzenhaus sein Bestimmung übergeben werden. Erst am 15. Oktov 1934 trug Die Gemeinde die Ehrenschuld an iD Gefallenen aus dem Weltkrieg und die gefallen Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung n der Errichtung des Kriegerdenkmals ab. Am . August 1935 übergab Klein-Linden als eine ersten Gemeinden des Gaues der Hitler-Jugeno eigenes Heim. 1937/38 und 1939 wurde die meftung und Bebauung der ehemaligen ,.wultiung in der Lützellindener Straße durchgeführt und v Volksgenossen der Gemeinde Gelegenheit gevore-., sich für verhältnismäßig wenig Geld einen zu erwerben. Schließlich wurde noch im^.ahre ' ■ das neuzeitliche Schwimmbad auf her fd) fertigqestellt und damit ein langgehegter W» > von jung und alt erfüllt. liegt. Die Anlagen des Bahnhofs Gießen und die Gleisanlagen des Rangierbahnhofs reichen nach Süden weit in die Gemarkung Klein-Lipden hinein. So ist es zu verstehen, daß ein großer Teil des Personals der Reichsbahn gerade in Klein-Linden beheimatet ist. Fast in jedem Haus wohnt einer oder mehrere „Eisenbahner". Die Einstellung des ersten Einwohners von Klein-Linden in den Dienst der Reichsbahn geschah im Jahre 1870. Es war der Einwohner Philipp R e u s ch l i n g. Die Eisenbahnckerwaltung benötigt sehr viel Gelände, um sich ausdehnen zu können, denn der Verkehr nahm schon in den Jahren vor dem Weltkrieg erheblich zu. Da aber der Bahnhof Gießen infolge einer LaceXkeme Ausdehnungsmöglichkeiten nach Westen, N >rhen und Osten hatte, mußte die notwendige Erwe-^rnng der Bahnhofsanlagen nach Süden Dorgerwrrait-n werden. Es blieb also nichts anderes übrig, als die Gleisanlagen in die Gemarkung Klein-Linden zu vchtzeaen. Damit aber wurde der Lebeysrauw von KliW-Linden kleiner. Schon fetffe) Jähren stellt Klein-Linden nicht weniger als 16,5525 . Hektar, das sind mehr als 66 Morgen, zum T«iil recht gutes Wiesen- und Ackerland, zu,Den Bahn mlagen zur Verfügung. Die Länge der llftai.i-^eftr-Bahnanlagen innerhalb der an sich nur tteiueb' .Gemarkung beträgt 1,130 Kilometer, die stöln-P'tHKner- (Köln- dzw. Koblenz— Gießen) Eiftnbatx durchzieht die Gemarkung in einer Länge Düii 1,375 Kilometer, und gar die Umgehungsbahngleise laufen über 1,726 Kilometer durch Klein-Lindeper Gelände. Auch in anderer Beziehung ist Klein-Linden eng mit der Stadt Evunden. Schon seit den Jahren 1911/12 wird der Vorort mit dem Strom des Städtischen Elektrizitätswerkes versorgt. Seit dem Jahre 1931 geschieht die Wasserversorgung von Klein- Linden durch das Wasserwerk der Stadt. Auch in der Fleischzuteilung ist Klein-Linden seit zwei Jahren ganz an die Derteilungsstelle Gießen angegliedert. Handwerker und Gewerbetreibende übernahmen Aufträge in Gießen, wie auch umgekehrt solche Betriebe von Gießen sich an den Arbeiten in Klein- Linden beteiligten. In bezug auf Schulverhältnisse war Klein-Linden seit zwei Jahrzehnten dem Stadtschulrat in Gießen unterstellt, während sämtliche Fortbildungs- und Berufsschüler die zuständigen Schulen in der Stadt besuchten. Daß Klein-Linden auch an dem Schulbesuch in den Höheren Schulen in starkem Maße beteiligt ist, ist fast selbstverständlich. ' Klein-Linden gehört wie die Stadt und deren nähere Umgebung zum Gießener Becken. Es liegt an dem Schnittpunkt der Straßen von Nord nach Süd, der Straße mit der Nummer 3, und der Straße Ost-West mit der Nummer 49. Die Höhenlage ist fast dieselbe wie die der Stadt Gießen (160 bis 186,50 Meter über dem Nullpunkt). Der Lahnspiegel liegt bei 154 Meter. Die letzte Volkszählung vom 10. Oktober 1938 stellt für Klein-Linden die Einwohnerzahl auf 2251 fest, im Jahre 1933 betrug die Einwohnerzahl 2090, von denen 1999 evangelisch, 25 katholisch und der Rest andersgläubig war. In der Gemarkung Klein-Linden wird an Bodenschätzen nur Kies gewonnen, und zwar nahe der Lahn. An Wald besitzt der Vorort nur 1,3402 Hektar, also etwas nnhr als fünf Morgen. Die Zahl der Wohnhäuser ist in den Jahren seit der Machtübernahme der NSDAP, ständig und lebhaft im Wachsen begriffen. War in den Jahren vor 1933 die Bautätigkeit fast völlig zum Stillstand gekommen, so begann bald nach der Machtübernahme der Aufschwung. Im Jahre 1933 wurden 364 Wohnhäuser gezählt. Die Zahl stieg 1935 auf 377, 1938 auf 404, also innerhalb fünf Jahren um 40. Die Zahl der 1 Haushaltungen belief sich 1933 auf 537, 1935 auf : 535, 1938 avf 540, wird sich aber in 1939 wegen Zuzugs einer Reihe von Familien auf über 550 er* 1 bähen. Die meisten Häufer sind von zwei bis drei ‘ Familien bewohnt. : Ein interessantes Bild bietet dem Beobachter ein : Blick auf die Flurkarte der Gemarkung^ Das Dorf benötigt für seine Hofreiten 10,41 Hektar = 42 Mor- 1 gen, der Flächeninhalt der Grabgärten beträgt ’ 12.0159 Hektar - 48 Morgen. Grasgärten sind , 8.2178 Hektar = 33 Morgen vorhanden. 155,2797 ‘ Hektar = 621 Morgen werden als Ackerland ausge- ' stellt. Die Fläche der Wiesen beläuft sich auf 63,5278 Hektar - 254 Morgen. Der Friedhof erfuhr in den ■ letzten Jahren eine beträchtliche Erweiterung. Stra- I ßen, Wege und Bäche erforderten 25,4207 Hektar l = 102 Morgen Land. 5 Der Obstbau steht auf hoher Stufe, was die im- i merhin hohe Zahl von 5000 Dbftbäumen in der ver- | hältnismähig kleinen Gemarkung beweist. Unter den Auch vom forstwirtschaftlichen Standpunkt ist die Eingemeindung von Wieseck zu begrüßen. Der städtische Walddistrikt Hangelstein mit 108 Hektar ist rundum von Wiesecker Wald mit 279 Hektar umgeben, was eine Erschwerung der Bewirtschaftung mit sich bringt. Durch die nunmehr erfolgende Eingliederung wird dieser Uebel- stand behoben und eine einheitliche Bewirtschaftung gewährleistet. Die Gemarkung Schiftenberg besteht fast vollkommen aus Wald und schiebt sich wie ein breiter Keil im Süd ost en in die städtische Gemarkung hinein. Die Wichtigkeit der Gemarkung Schiffenberg als Erholungsgebiet für die Bevölkerung Betrachtet man die Frage der Eingemeindung der beiden Gemeinden Wieseck und Klein-Linden vom versorgungswirtschaftlichen Standpunkt aus, so muß man sagen, daß insoweit die Eingemeindung schon praktisch vollzogen ist. Elektrizität: Bereits im Jahre 1912 trat die Stadt Gießen in die Verträge, die die ehemalige Provinz Oberhessen mit 46 in der näheren Umgebung von Gießen liegenden Gemeinden abgeschlossen hatte, ein und verpflichtete sich, diese Gemeinden, darunter auch Wieseck und Klein-Linden, mit elektrischer Energie zu den jeweiligen Preisen und ßieferunasbebtnaunqen des Ueberlandwerks jenoeig.ui» üiyuiunaswvi« i»« *“■ —--------- Oberhessen in Friedberg zu versorgen. Die Arbeiten der Stadt zum Ersatz l^ die verloren gegangenen wurden seinerzeit unverzüglich in Angriff genom- Gebiete wurde bereits schon beleuchtet. ltt.76 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)Donnerstag. 30. März 1959 Aus der Stadt Gießen. „Das hat noch 3eif!" Wir kennen sie alle, diese Methode des Hinaus- schiebens, die bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit angewandt wird: „Das hat noch Zeit!" Nur keine unnötige Eile, immer hübsch gemütlich und fort mit jeder schädlichen Aufregung. Morgen ist ja auch noch ein Tag, viel besser wird es sein, wenn man dje Sache erst mal beschläft. Also ab- wartsn, ruhig abwarten. Und so wird dann gewartet bis morgen und übermorgen und bis zur nächsten Woche. Aber auch dann hat die Sache natürlich immer noch Zeit, sie hat sogar Zeit, bis sie endgültig vergessen ist und sich auf diese Weise eines Tages als verpaßte Gelegenheit erweist. Was dann allerdings gewöhnlich sehr fatal ist. So ist der Mensch! Während gewisse Dinge für ihn unbegreiflich viel Zeit haben, hat er wiederum für andere Dinge gar keine Zeit. Man braucht ihm nur einmal zu sagen, daß er an der Tyeater- garderobe einige Minuten warten muß, flugs zieht er die Uhr und behauptet, keine Zeit zu haben. Derselbe Mann aber läßt die Aufforderung, etwa eine briefliche Auskunft zu geben, tagelang in seinem Büro liegen und erklärt unerschütterlich, das habe noch Zeit, es könne immer noch erledigt werden. Würde man ihn allerdings auf diesen Widerspruch aufmerksam machen, so hätte er totsicher die Entschuldigung, das wäre es ja gerade, weil er keine Zeit besitze, könne er nicht alles erledigen. Was nicht brennend eilig sei, habe selbstverständlich noch Zeit. Zweifellos: es gibt Dinge, die einer ruhigen Ueberlegung bedürfen und deshalb nicht aus dem Handgelenk geschüttelt werden können, aber es gibt ■and) andere Dinge, die keine Hinauszögermng vertragen. Gewöhnlich ist es jedoch so, daß ihre Bedeutung miteinander verwechselt wird. Dem Manne, der die Erledigung notwendiger Dinge von einem Tag zum anderen verschiebt, erscheint es ungeheuer wichtig, daß gerade jene Angelegenheit eine sofortige Regelung erfährt, die wahrhaftig besser noch aufgeschoben würde. Wodurd; es dann häufig zu Zwistigkeiten mit unliebsamen Folgen kommt, die den Unverständigen zu der falschen Erkenntnis verleiten, daß er von der undankbaren Welt immer wieder verkannt wird. Es gehört zur Lebenskunst, die richtige Ordnung der Dinge zu sehen und sich auch mit ihnen ausein- 1 anderzusetzen, wenn sie unbequem erscheinen und ' fid) nicht ohne weiteres in das tägliche Gleichmaß einfügen lassen. Das Hinausschieben einer dringen- iben Verpflichtung ist ebenso falsch wie die impulsive Erledigung einer Sache, für die eine ruhige Beurteilung unumgänglich ist. Abwegig erscheint aber auf jeden Fall alles pflcgmatische Hinauszögern. Und deshalb enthält jenes alte Sprichwort eine -goldene Regel, die uns allen geläufig sein sollte: .„Was du fcute kannst besorgen, das verschiebe nicht -auf morgen." II. W. Sch. HZ., Bann und Zungbann 116. Sozialstelle. Betr. Tagung der Sozi al stelle am *2. April in Bad-Nauheim. Die Tagung Sbeginnt pünktlich um 10 Uhr. Zur Teilnahme am Mittagessen habe ich alle Sozialwarte und Sozial- nreferenten angemeldet, die sich nicht entschuldigt Haben. Betr. Dienstanzug der HI. und des D I.. Id) bitte alle Kameraden, die Uniformen in ihrem Besitz haben und nicht mehr tragen können, Diese zur Weiterverwertung an bedürftige Ig. bei Der Sozialstelle, Gießen, Seltersweg 52 II, Zimmer 4, abzugeben. Betr. Zugehörigkeit zur SA. Ich bitte inochmals alle SA.-Angehörigen, die auch noch in Der HI. als Sozialwart oder Sozialreferent Dienst Machen, ihre Ueberweisung oder Beurlaubung bei Der SA. zu beantragen. Auch id) bin bereit, dies non hier aus zu veranlassen. Alle übrigen Soziick- roartc, die der Partei angehören, haben auf dem Bestätigungsantrag zu vermerken, daß sie sich zur, HI. angemeldet haben. Der Leiter der Sozialstelle: Emrid). 1 Neue Gtadtplan-Tasel am Bahnhof. < - m ■ Im Laufe des gestrigen Tages wurd^ am Bahnhofsvorplatz eine neue Stadtplantafel unmittelbar an dem Treppenaufgang zur Friedrichstraße aufgestellt. Die Tafel dient der raschen Orientierung der Fremden in der Stadt und wird sicherlich ihren Zweck erfüllen. Der Stadtplan hat eine sehr sorgfältige und schöne Ausgestaltung erfahren. Die Zeichnung steht Har und in bunten Farben vor weißem Hintergrund, die Farben sind so gehalten, daß man mit einem Blick Häuser, Straße, Wiese, Wald, öffentliche Gebäude, Lahn und Bachläufe, Eisenbahn usw. erkennen kann. Das Bild zeigt zu kleinen Teilen auch die nunmehr vor der Eingemeindung stehenden Orte Klein-Linden und Wieseck, die allerdings nicht in vollem Umfang ausgenommen werden konnten, da sonst der Maßstab der Abbildung zu klein geworden wäre. In einer Nebenkarte ist das Stadtinnere besonders wiedergegeben, so daß dadurch die Straßenzüge größer' und deutlicher gezeigt werden konnten, als es im Gesamtplan möglich war. Der Plan befindet sich hinter Glas und Rahmen. Zur linken und zur rechten Seite sind einige Bilder untergebracht, die dem Fremden sck)öne Bauwerke innerhalb der Stadt und schöne Punkte der landschaftlichen Umgebung zeigen. Außerdem sind Veranstaltungspläne für Theater und Kino eingefügt. Der kleine Platz, auf dem die Stadtplan-Tafel untergebracht worden ist, wird in den nächsten Tagen durch die Anpflanzung von Blumen und Büschen noch eine Verschönerung erfahren. Schon gestern konnte man beobachten, daß sich viele Volksgenossen vor der Tafel aufhielten und sie eifrig studierten. Die Tafel wurde durch den Verkehrsverein erstellt. Die Einfachsischlilung im Gau Hessen-Nassau. Bei der Arbeit mit Pappe und Kleister. (Aufnahme: DAF.-Presse. sLipperichj.) NSG. Der Gau Hessen-Nassau hat nack) der Machtübernahme auf zahlreichen Gebieten neue Wege beschritten. Einer von ihnen ist die Gin = f a ch st s ch u l u n g, geschaffen von der Deutschen Arbeitsfront und durchgeführt in verständnisvoller Zusammenarbeit mit den Behörden des Landes Hessen. Der Grundgedanke war, daß beim Eintritt der Jugendlichen in das Arbeits- und Berufsleben oft ein halbes Jahr oder mehr vergehen, bis diese sich eingelebt und eingewöhnt haben. Diese für eine Ausbildung verlorene Zeit sollte wesentlich verkürzt werden, indem bereits in der Schule eine z u m Berufsleben hinführende Schulung vorgenommen wurde. In Darmstadt, Eberstadt, Pfungstadt und Gießen ging man an die Verwirklichung dieser Idee. Zunächst wurden die Schüler im 8. Schuljahr erfaßt. Jetzt hat die Deutsche Arbeitsfront den Zeitpunkt der Einfachstschulung auf die Zeit vorn 7. zum 8. Schuljahr von Herbst bis Herbst festgelegt. Es wird dadurch erreicht, daß die Ergebnisse rechtzeitig vorliegen, um sie bei der Berufsberatung durch das Arbeitsamt verwerten zu können. Wir haben einmal einen Nachmittag im Rahmen der Einfachstschulung verbracht und uns angesehen, wie es dort zugeht. Frische Jungen, meist in der Uniform des Deutschen Jungvolkes, standen am Werk. Vor ihnen lag ein rohes Stück Holz, von dem mit einem Taschenmesser ein Stück abzuschneiden und zu bearbeiten war, bis aus ihm ein glattes Holz wird, wie es z. B. als Staffelholz beim Staffellauf verwendet wird. Der aufsichtführende Lehrer, der eine gründliche Sonderausbildung erhalten hat und immer noch weiter erfährt, ließ uns auch die Arbeit an anderen Werkstoffen vorführen, wie sie in anderes Stunden verwendet werden: Eisen, Textil, Papier und Pappe. Jeder dieser Werkstoffe erfordert eine andere Arbeitsweise und zeigt damit das grundlegende Verhalten des einzelnen Jungen dem Material gegenüber und in der Arbeitserledigung. Es war außerordentlich interessant, die Jungen bei dieser Arbeit zu beobachten. Einer wandte rohe Gewalt an, der andere war gewissenhaft und genau. Während einige von Anfang bis Ende mit großer Geduld und Ausdauer am Werk waren, fehlte anderen diese Sorgfältigkeit und Ruhe. Dem einen lag mehr die Aufgabe weicher Glättung des Holzes, während der andere lieber den Hammer zu wuchtigem Schlag in die Hand nahm. Trotz der Kürze und Einmaligkeit unserer Anwesenheit konnten wir uns bereits ein gutes Bild von den einzelnen Veranlagungen machen. Die ständige Beobachtung erlaubt eine fortgesetzte Verbesserung und Berichtigung dieser Bewertung. So werden die Anlagen in den einzelnen Jungen immer besser erkannt und wenn die Frage an sie heran- tritt, welchen Beruf sie wählen wollen, so bietet die Einfachstschulung eine sichere Unterlage für die Beratung und vermindert manchen Fehleinsatz mit der nachfolgenden Enttäuschung. Seit 1936 wirh die Einfachstschulung in unserem Gau bereits durchgeführt. Während dieser Zeit hat sie sich durchaus bewährt. Hessen-Nassau steht damit auf diesem Gebiet an der Spitze und hat am praktischen Beispiel gezeigt, was "in verständnisvollem Zusammenwirken aller an einer Frage interessierten Kreise erreicht werden kann. Was hier geleistet wurde, geschah in weiser Voraussicht der Notwendigkeiten, vor die wir jetzt gestellt sind, um die Aufgaben zu lösen, die uns der Aufbau unseres Reiches stellt. Ausgezeichnetes (Ergebnis der letzten Straßensammlung. 4000 Mark mehr als im Vorjahr. Die Straßensammlung, bzw. die Sammlung in den Betrieben, die diesmal durch die Deutsche Arbeitsfront durchgeführt wurde, brachte ein überaus erfreuliches Ergebnis. Es wurden insgesamt 80 000 der schönen Bernsteinabzeichen verkauft. Der Betrag, der im Kreis Wetterauf aufgebracht wurde, belief sich auf insgesamt 22 910,44 Mark. In den Ortsgruppen der Stadt Gießen wurden 3402,04 Mark gesammelt. Durch die Sammlungen in den Betrieben unserer Stadt, wie auch in auswärtigen Betrieben wurden 8756,14 Mark aufgebracht. Das Ergebnis der letzten Sammlung Des Winterhilfswerks 1938/39 liegt gegenüber dem Vorjahr um rund 4000 Mark höher. Am 26. und 27. März 1938 waren nämlich 18 629,73 Mark gesammelt worden. Die jüngste Straßensammlung bewies die unverminderte Opferfreudigkeit der Bevölkerung in Stadt und Land. Kommt zum Landdienst der HZ. Meldeschluß endgültig am 15. April. Um den 14jährigen Jungen und Mädeln, die in den nächsten Tagen aus der Schule entlassen werden, die Möglichkeit zu geben, sich noch für den Landdienst der Hitler-Jugend zu melden, wurde die für den 1. April angesetzte Meldefrist bis zum 15. April verlängert. Für den diesjährigen Landdiensteinsatz sind bisher über 20 000 Meldungen eingegangen, so daß die Einsatzzahl vom vergangenen Jahr schon jetzt weit übertroffen ist. Der Landdienst, der seit seinem Bestehen Tausende von Jugendlichen dem Lande zurückgewonnen hat, nimmt alle 14- bis 18jährigen Jungen und 14- bis 21jährigen Mädel auf, die sich bei der zuständigen HI.-Dienststelle oder unmittelbar beim Gebiet melden, ärztlich untersucht und für tauglich befunden worden sind. Die einjährige Dienstzeit im Landdienst, die als Landarbeitslehre angered)net Knegsabenteuerund Schicksal Don Korvettm-Kapitan a D. G G Zrhr. v. Forstner. Unser prächtiger Kamerad Jebsen aus Apenrade tiar schon als Fähnrich z. S. aus der Marine aus- seschieden. Es reizte ihn mehr, in das Reederei- seschäft seines Vaters einzutreten, als fid) den rrengen Fesseln des. Marine-Dienstes weiter zu interroerfen. Wir bcöauernten seinen frühen Ausritt, weil mit ihm sicher ein ausgezeichneter See- Mzier unserer Marine verloren ging. Viele von uns konnten ihn in den kommenden wahren auf Dampfern seines Vaters in Ostasien 1 i«grüßen — er war früher Kapitän geworden als mir. Bei Kriegsausbruch war er an der Westküste her Vereinigten Staaten von Amerika in San stranzisko und Umgegend im Interesse des Vater- \ llmdes tätig. Im Frühjahr 1915 hatte er feine dor- j iigen Aufgaben in der Etappenversorgung unserer Äuslandskreuzer und andere Aufträge in ausge- ziichneter Weife gelöst. Die Entente und die Arneri- I Inner verfolgten ihn dieserhalb. Er mußte türmen mb suchte, sich zur Heimat zwecks Meldung zum foriegsbienft durchzuschlagen. : In San Franzisko hatte er einen Hauptmann d-s Marienburger Ordens-Regimentes kennengelernt, ' brr in ber Schlacht von Tannenberg verwunbet in rj.ssische Gefangenschaft gefallen war. Auf abenteuer- l.cher Flucht hatte sich dieser durch Sibirien über Lchina, Japan, bis nach San Franzisko durchgeschlagen. '.Gemeinsam fuhren beide in den ersten Mai-Tagen bi5 Jahres 1915 im Pullmann-Zug von San Franzisko zur Ostküste. In Omaha, der einzigen Halte- slülle, hielt der Zug am 8. Mai. Aufgeregtes Stirn- irmgewirr auf dem Bahnsteig ließ eine alarmierende II 5riad)rid)t vermuten. Bald flogen Extrablätter in den i 3mg: „Deutsches U-Boot versenkte Riesendampfer .Lusitania' an irischer Südküste!" Darunter stehende erdichtete Greuelschilderungen | steigerten die Erregung der Zuginsassen auf das Um -Neuerlichste. Mur Jebsen und fein Begleiter blieben hiervon -berührt. Sie bestellten sich im Speisewagen, was Kir wohl alle in dem Fall getan hätten, froh eine »lasche Sekt, die sie auf das Wohl der unbekannten irwlgreichen U-Boots-Kameraden leerten. Fast wäre ihnen dies aber schlecht bekommen. Es srftte nicht viel, daß die erregten Fahrgäste sie ge- lii lyncht hätten, nachdem sie als Deutsche erkannt waren. Der sachkundige Jebsen hatte in Neuyork bald falsche Pässe und Heuer auf zwei verschiedenen neutralen Dampfern besorgt. Nock) einmal wollten beide sich vor der bevorstehenden Trennung und den tags- öarauf beginnenden Anstrengungen und Entbehrungen bei einem festlichen Mahl verabschieben. Ein wundervoller Hummer stand vor ihnen, als ein Bote der Heuerstelle zwei ölige und verschmutzte Seemannsbücher überbrachte. Beide sahen neugierig in die Bücher hinein, um ihre neue Dienststelle und den Abfahrtstermin ihrer Schiffe zu erfahren. Jebsen hatte einen Paß als dänischer Matrose auf einem dänischen Dampfer erhalten. Als Apenrader Kind sprach er fließend dänisch. Seine Rolle konnte ihm daher nicht allzu schwer fallen. Weit schwieriger lag der Fall dagegen bei dem Herrn Hauptmann. Schisssbienst lag ihm völlig fern, auch sprach er keine frembe Seemannssprache. Jebsen hatte ihm beshalb eine Stelle als Trimmer auf einem norwegischen Dampfer - verschafft. Dort konnte er neugierigen Blicken am leichtesten verborgen bleiben. Leider hatte er aber auch noch nie etwas von einem Trimmer gehört. Er besaß also nicht die leiseste Ahnung von dem schweren Dienst, der schon am nächsten Morgen seiner harrte. Nun zog sich ber Hauptmann ben Smoking zurecht unb legte bie Hummergabel beiseite. Dann bewaffnete er sich mit einem Einglas, worauf er etwas angeroibert in bem breefigen Seemannsbuch blätterte, bis Jebsen ihm erklärte: „Ja, lieber Herr Hauptmann, von morgen ab finb Sie eben Trimmer. Anbers ging es für Sie beim besten Willen nicht zu machen. Etwas umstellen werben wir beide uns nun schon müssen. Hummer wird es jetzt wohl nicht alle Tage geben." Forschenb schaute biefer barauf Jebsen burch sein Einalas an: „Nun gut, was fein muß, muß fein’ Aber nun sagen Sie mir bock) bitte einmal, Herr Kamerab, was finb benn diun eigentlich bie Pflichten eines Trimmers?" Jebsen mußte über bas Urkomische dieser Situation herzlich lachen. Dann erklärte er, baß ein Trimmer nichts weiter zu tun habe, als aus ben Winkeln ber Kohlenbunker im Schweiße bes Angesichtes, meistens auf bem Bauche liegend, Kohlen bis zu ben Herren Heizern vor ben Kesselfeuern heranzu- schaffen. Natürlid) paßte für biese Arbeit nicht Smoking unb weißes Dberbemb. Nach beenbeter Abendmahlzeit vertauschten beide daher schleunigst ihre schönen .Gesellschaftsanzüge bei einem Schiffshändler in ber „Abteilung gebrauchte Seemannskleibung" mit Matrosen- unb Heizerpäckchen. — Dann ging es an Borb. Leiber hatte ber Herr Hauptmann nach seiner verwegenen Flucht, bie ihn fast um ben ganzen Erb- dall geführt hatte, jetzt zum Schluß noch ausgerechnetes Peck). Am Tage nach ber Ausfahrt wurde fein Schiff im Nebel gerammt unb mußte zurück- gefchleppt werben. Bei ber Vernehmung ber Besatzung über ben Zusammenstoß würbe ber falsche Trimmer entlarvt unb wegen Paßoergehens zu mehreren Jahren Kerker verurteilt. Jebsen kam glücklich zur Heimat. Bei ber Untersuchung burch ein englisches Wachfahrzeug vor Dover stanb er im Einvernehmen mit bem Kapitän am Ruber. Beim Namensaufruf brauchte er sich dem auf dem Vordeck stehenden englischen Seeoffizier nur kurz durch Zuruf zu melden. Unbehelligt wurde dem Schiff bie Weiterfahrt gestattet. Wegen feiner an ber Westküste von Amerika bem Vaterland geleisteten wertvollen Kriegsdienste, stellte der Admiralstab ihm die Wahl jeder in Frage kommenden Kommandierung frei. Er meldete sich zur U-Bootswaffe. So stand der prächtige baumlange Jebsen eines morgens in seinem reichlich ausgewachsenen Fähnrichspäckchen aus bem Jahre 1902 in Wilhelmshaven vor mir: „Mensch, nimm mich mit!" Natürlich schlug ich freudig ein, wußte ich- bock), daß id) keine bessere seemännische Unterstützung als durch ihn bekommen konnte. Leider war unser „U 28" aber erst in 14 Tagen nach beendeten Werftreparaturen fahrbereit. — Das dauerte ihm zu lange. Er stieg auf das nächste seeklare Boot „U 36". Dieses Boot fiel als eines der ersten deutschen U-Boote am 24. Juli 1915 nördlich von Irland einer enalischen U-Bootsfalle zum Opfer („Prince Charles“). Mit ihm blieb ber Fähnrich ber Seewehr I. Aufgebotes Jebsen. — Ein lieber Kamerad war uns entrissen, auf ben wir noch große Hoffnungen in unserer U-Bootswaffe hätten setzen können. Hochschulnachrichten. Dem nb. ao. Professor Dr. Arno Nagel an ber Universität Freiburg würbe unter Ernennung zum Drbinarius eine freie Planstelle in ber Mebizinischen Fakultät ber Universität Halle verliehen: er würbe zum Direktor bes bärtigen Anatomischen Instituts unb Zootomischen Instituts ernannt. 1400 Mark für 91 Takte von Mozarts Hand. Bei einer Versteigerung bei Puttick & Simpsons in London wurden für eine Partitur Mozarts, 91 Takte eines unvollendeten Trios für Violine, Viola und Violoncello, 120 Pfund bezahlt. „Man denkt nicht immer daran", bemerkt bäzu ein Musikkritiker, „daß Mozart 1791 in einer „allgemeinen Grube" bestattet wurde, deren Lage schon nad) wenigen Tagen nicht mehr sicher festzustellen war, wie ja aud) ber große holländische Maler Hobbernn 1709 in einem Armengrabe seinen Platz fand. Die Summe, die heute für ein paar Takte von Mozarts Hand unb für eine Lanbschaft von Hobbema gezahlt wirb, würbe bei weitem dazu ausreidjen, ein anständiges Begräbnis für ben großen Musiker unb ben großen Maler zu sichern." Mozarts Noten würben für bas Fitzwilliam-Mufeum in Cambridge gekauft, fo daß die Musikstudenten der Universität eine gute Gelegenheit haben werden, zu sehen, wie Mozart arbeitete. In derselben Versteigerung erzielten verschiedene alte Geigen gute Preise, eine, die Guadagnini 1767 in Parma gebaut hatte, 270 Pfund, eine andere von ©uarnerius 180 Pfund. Leerstehende Siorchnester in Ostpreußen 40 v. H. Storchennester standen in Ostpreußen im vorigen Jahre leer, ein Zeichen dafür, wie groß die Abnahme des Storchenbestandes in ben letzten Jahren gewesen ist. Während nach bem Kriege bie Zahl der Störche in Ostpreußen so stark zugenom- men hatte, daß man den Schutz in den Sommermonaten etwas lockern mußte, ist jetzt das Gegenteil eingetreten. Nach ben Ermittlungen ber Vogelwarte Rossitten, bie über ein Ermittlungsgebiet von 1800 QuabratEilometer um bie Kreisstabt Insterburg herum verfügt, konnte man, wie bie Frankfurter Wochenschrift „Die Umschau" einem Bericht Dr. Hornbergers entnimmt, bis zum Jahre 1936 auf je 100 QuabratEilometer etwa 65 Storchennester zählen unb im Sommer 1936 runb 1800 Jungftörche feftfteüen unb beringen. Heute kommen bagegen nur noch 50 Storchennester auf ben selben Bezirk. Die Störche haben in ben beiden vergangen neu Sommern so schlecht gebrütet, daß durchschnittlich kaum ein Jungvogel auf ben Horst tarn, lieber bie Hälfte ber Paare blieben 1937 ganz ohne Nach-, wuchs. Die Störche scheinen krank und schwach aus ben Winterquartieren zurückgekommen zu sein. iger bezahlt sowie Arbeitskleidung ilos zur Verfügung gestellt. Sie rufe offen. Bezahlung der Zeierlagsarbeit am Ostermontag Dos Ausleselager der Studentenführung, über das mir bereits gestern berichteten, nahm am Mittwoch seinen Fortgang. Die Teilnehmer hatten am Vormittag eine Klausurarbeit zu schreiben, welcher Themen zugrunde lagen, die in der mündlichen Eignungsprüfung entstanden waren. Diese Themen setzten voraus, daß sich der überdurchschnittlich begabte Abiturient bereits mit den Dingen beschäftigt haben muß, die in der Richtung des von ihm beabsichtigten Studienganges lagen. Unter dem gleichen Gesichtspunkt standen die mündlichen Referate, die die Abiturienten am Nachmittag zu halten hatten und die ihnen Gelegenheit gaben, zu zeigen, daß sie der Aufgabe der vortragsmäßigen Gestaltung irgendeines fachwissenschaftlichen Stoffes gewachsen sind. Zwischen der Klausur-Arbeit und den mündlichen Vorträgen war der weltanschauliche Teil des Ausleseganges eingeschaltet. Dabei hatten die Teilnehmer zu weltanschaulichen Zeitfragen Stellung zu nehmen, die sich sowohl auf die politischen Ereignisse der letzten Tage, als auch die Aufgaben der in Kameradschaften des Studentenbundes zusammengefaßten Hochschulmannschaft zum Gegenstand hatten. Dieser Teilabschnitt des Ausleselagers wurde von Amtsträgern des NSDStB. (Eisenkrämer, Geißler, Roeschen, Wollte, Schmelz und Scheidt), wie von dem Vertreter des Bri- haben. Die Prüfung von 245 Volksgenossen wurde von der Motorstandarte 147 abgenommen. Im Bereiche der Motorstandarte 46, Hanau, wurden bis zum 1. März 4782 Volksgenossen für die Erwerbung des Führerscheines Klasse 4 geschult, davon haben bisher 1920 die Prüfung abgelegt. Im Bereiche der Motorstandarte 49, Frankfurt a. M., wurden bis zum 1. März 2050 Volksgenossen geschult, die die Prüfung abgelegt haben. Hiervon wurden im Verbände mit der Polizei 1400 geprüft, durch die Polizei allein 650. In dieser Zahl sind die geschulten NSKK.-Männer sowie die Motor-HF. nicht einbegriffen. / wird, gilt bei den Mädeln nach den neuen Bestimmungen auch als w e i b l i ch e s P f l i ch t j a h r. Die zum Landdienst Einberufenen bekommen die A n re i s e zum La; ' '" f Am 22. dieses Monats wurde der erste Lehrgang, der in Verbindung mit der DAF. stattfand, mit Ablegung der Prüfung beendet. An diesem Lehrgang beteiligten sich 50 Angehörige der DAF. Weitere Der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen, Dr. Schmetter, hat unter dem 27. März 1939 auf Grund der Verordnung des Beauftragten für den Dierfahresplan über die Lohngestaltung vom 25. Juni 1938 eine Anordnung über die Lohnzahlung an Wochenfeiertagen erlassen, die in seinen Amtlichen Mitteilungen vom 5. April 1939 abgedruckt ist. Durch die Anordnung wird bestimmt, daß alle Gefolgschaftsmitglieder, die an den in der Verordnung vom 3.12.1937 benannten Wochenfeiertagen, das sind Ostermontag, Pfingstmontag, evtl.' 1. und 2. Weihnachtsfeiertag, Neujahrstag und am 1. Mai arbeiten, statt der bisherigen unterschiedlichen Feiertagszuschläge nunmehr einen einheitlichen Fe-iertags- zuschlag von 100 v. H. erhalten. Ausgenommen von dieser Regelun>g sind lediglich die Gefolgschaftsmitglieder, deren Tätigkeit ihrer Natur n ad) von jeher eine Arbeit an den Feiertagen vorsieht und die dafür auf Grund von bestehenden Bestimmungen und Vereinbarungen einen arbeitsfreien Tag an einem anderen Wochentag erhalten. Hierzu gehören insbesondere die Gefolgschaftsmitglieder, die in den lebenswichtigen Betrieben B e - reitschaftsdienst haben, die im G a st ° st ättenge werbe tätig sind, ferner Wächter und solche Gefolgschaftsmitglieder, die gerade für die Arbeit an solchen Tagen besonders vorgesehen sind. Sie erhalten bereits durch die geltenden Tarifordnungen durch Erhöhung ihrer Stundenlöhne oder Wochenlöhne einen angemessenen Ausgleich. Da jedoch beobachtet wurde, daß Gefolgschaftsmitgliedern, die z. B. am 1. Mai arbeiten mußten, dafür einen unbezahlten freien Tag an einem anderen Wochentag erhielten, hat der Reichstreuhänder der Arbeit angeordnet, daß der Feiertagszuschlag für die Wochenfeiertage durch Freistellung an einem anderen Werktag nur dann ausgeglichen werden darf, wenn dieser andere Werktag bezahlt wird. Der Sinn der Anordnung des Generalfeldmarschalls Göring über die Lohnzahlung an den Wochenfeiertagen vom 3. Dezember 1937 ist nämlich, daß den Gefolgschaftsmitgliedern der Wochenfeiertag nicht dadurch gestört werden darf, daß sie in dieser Woche durch Ausfall eines Arbeitstages weniger verdienen, als in den anderen Woche-n. Bei den Gefolgschaftsmitgliedern, die in Wochen- oder Monatslohn stehen, wäre der ersatzweise gewährte freie Tag Nicht besonders zu vergüten, da für sie keine Minderung in ihrem Durchschnitttseinkommen eintritt. Diese Anordnung, die nicht für die Betriebe des öffentlichen Dienstes gilt, wird erstmalig am Ostermontag dieses Jahres wirksa m. Man kann diese Anordnung nur begrüßen, da sie die vielen Unklarheiten und Unstimmigkeiten, die sich in den letzten Jahren herausgestellt haben, nunmehr beseitigt. Fähnlein 21 musiziert. Das Fähnlein 21 „Gorch Fock" (Spielschar) trat om Mittwoch mit einem kleinen Musikabend im Studentenhaus an die Oeffentlichkeit, der sehr freundliche Aufnahme fand. Die Pimpfe zeigten trotz der knappen Zeit, die ihnen für die Vorbereitung zur Verfügung stand, gute Leistungen. Sie gaben sich auch redliche Mühe, den Abend vielseitig und abwechslungsreich zu gestalten. Es war darum schade, daß der Besuch zu wünschen übrigließ. Im Studentenhaus wiesen Zeichnungen der Musikanten, den Pimpf mit den einzelnen Instrumenten darstellend, einladend den Weg zum großen Saal. Auch dieser war mit Zeichnungen und Fahnenschmuck ausgestaltet. Durch den pünktlichen Beginn zeigten die Pimpfe, daß sie ernst genommen werden wollen. Der Abend, der den Abschluß der Arbeit des Fähnleinführers Hans Eckhardt darstellt, der jetzt in den Arbeitsdienst einrückt, wurde mit Auslese-Lager der Gießener Sludenlensührung Fortsetzung und Abschluß. gadeführers, SA.-Obersturmführer Muth durch- gcführt. Aus dem Lehrkörper der Universität hatten sich die für die Beurteilungen der übrigen Leistungen der Abiturienten die Professoren,Dr. Elze, Dr D o g e l, Dr. A u l e r , Dr. H a l l, Dr. Krollpfeiffer, sowie der Assistent des historischen Seminars Dr. Klaß zur Verfügung gestellt. Im Rahmen des Ausleselagers zeigte sich bei einem großen Teil der Einberufenen ein erhebliches Maß geistiger Beweglichkeit, weltanschaulicher Festigkeit und körperlicher Einsatzbereitschaft, so daß für einen großen Teil der Teilnehmer' an diesem Ausleselager Mittel des Reiches für die Förderung des Studienganges eingesetzt werden können. Ein Kameradschaftsabend, den die jungen Abiturienten selbst auszugestalten hatten, schloß sich an. Die Abiturienten warteten, nach der Begrüßung durch den Leiter des Lagers Diplom-Volkswirt Grebe, mit einer Reihe von humorvollen Vorträgen aus dem Stegreif auf, die von den Gästen (Dozenten und Kameradschaftsführern) mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurden. Prof. Dr. Elze gab in einem kurzen Vortrag eine Darstellung des wahrhaften Begriffes und der Auffassung von der „akademischen Freiheit", die er als eine aus dem Studenten heraus freiwillige Verpflichtung zu ernster wissenschaftlicher Arbeit verstanden wissen will. und Schuhe kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie erhalten bet freier Kost am Familientisch des Bauern nnö bei freier Wohnung in einem sauberen und wohnlichen Heim je nach ihrem Alter monatlich 10 bis 30 Mark Lohn. Ihre Arbeitszeit ist genauestens festgelegt; ein halber Tag in der Woche ist freigegeben. Die Jungen und Mädel erhalten eine zusätzliche Berufsschulung, außerdem wird ihnen Gelegenheit zur Teilnahme an landwirtschaftlichen Sonderkursen gegeben. Dem Land- * dienstler stehen damit alle landwirtschaftlichen Be- Lornotizen. Tageskalender für Donnerstag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Bel Ami". — Licht- . fpielhaus (Bahnhofstraße): „Ich verweigere die Aus- sage". — Frühjayrsmarkt (Schaumesfe) aus Oswald sgarten. Vorfahrtsrecht beachten...! Strenge Strafen für Verkehrssünder. Innerhalb unserer Stadt, wie auch in ganz Ober- Hessen, wird gegenwärtig aus Anlaß der Derkehrs- erziehungstage vom 27. März bis 6. April der Straßenverkehr durch die Beamten der Polizei dzw. der Gendarmerie, einer zeitweiligen Kontrolle unterzogen. Die Kontrolle gilt diesmal besonders den Vorschriften über das Vorfahrtsrecht, d. h. die Beamten richten ihr besonderes Augenmerk auf die Einhaltung der Bestimmungen über die Vorfahrt und haben Anweisung, gegen jeden Verkehrssünder ouf das strengste vorzugehen. Zu diesem Zweck nehmen die Beamten an den Einmündungen von Nebenstraßen auf Hauptverkehrsstraßen Ausstellung und beobachten die Verkehrsteilnehmer auf ihr Verhalten. Als Ergebnis der bisherigen Kontrollen rann erfreulicherweise mitgeteilt werden, daß sich die Kraftfahrer, also Auto und Motorradfahrer, bereits sehr exakt an die Bestimmungen halten und damit dazu beitragen, Verkehrsunfälle zu verhüten. — Am 27. Marz und 28. März brauchten bei den mehrstündigen Kontrollen nur zwei Kraftfahrer angehalten und zur Anzeige gebracht zu werden. Sie haben damit zu rechnen, daß ihnen der Führerschein auf zunächst unbestimmte Zeit entzogen werden wird. Demgegenüber muß leider davon berichtet werden, daß sich die Radfahrer noch lange nicht so um die Verkehrsoorschriften kümmern, wie es bei dem gesteigerten Verkehr in unserer Stadt unbedingt erforderlich wäre. Wie wir nach Rücksprache mit Polizeileutnant Fischer hören, mußten in diesen beiden Tagen allein zehn Radfahrer zur Anzeige gebracht werden, weil sie das Vorfahrtsrecht nicht beachteten. Diese Radfahrer haben damit zu rechnen, daß ihnen ; auf einige Zeit das Fahrrad entzogen wird, so daß sie also in der nächsten Zeit ihre Wege zu Fuß gehen müssen. Darüber hinaus müssen die zur Anzeige gebrachten Verkehrssünder an einem Belehrungsabend teilnehmen, der durch das NSKK. durchgeführt wird. Die Kontrollen werden fortgesetzt! Angesichts dieser Tatsache empfiehlt es sich für jeden Verkehrsteilnehmer, sich endgültig dazu zu bequemen, das Vorfahrtsrecht zu beachten. Vor allem werden die Radfahrer gut tun, sich vor Augen zu halten, daß es für die nächste Zeit keine freundliche Ermahnung mehr geben wird, sondern mit stren - gen Strafen unweigerlich zu rechnen i ft. In größeren Abständen werden in der nächsten Zeit weitere derartige Verkehrskontrollen stattfinden, die sich dann auf einen anderen Teil der Reichsstraßenverkehrsordnung erstrecken werden. Saft 15000 für bett Führerschein 4 geschult. NSG. Im Gau Hessen-Nassau finden zur Zeit die Schulungen und eine große Anzahl Prüfungen für den Führerschein der Klasse 4 durch das NSKK. statt, lieber die bisher vom NSKK. geleistete Arbeit können dabei heute folgende Zahlen genannt werden: Im Bereiche der M o t o r st a n da r t e 147, -...... - Gießen, wurden bis zum l.März 1940 Volks- Lehrgänge dieser Art sind in Alsfeld, Homberg, genossen geschult, die auch die Prüfung abgelegt Lauterbach und Grunberg in Vorbereitung. Marschweisen des Spielmannszuges und des Fan» ssrenzuges eingeleitet. Mit einem Fahnenlied mit Instrumentalbegleitung, das das Wollen der Jugend zum Ausdruck brachte, und nach einem von einem Pimpf vorgebrachten Spruch sprach Jungbannführer Taesler davon, daß mit der Bildung der Spiel- .schar neben der körperlichen Ertüchtigung und der sozialen Förderung sowie der weltanschaulichen Schulung auch die kulturelle Arbeit in der HI. frühzeitig eine Pflegestätte finde. Der erste Teil des Abends war dann bestimmt von Ehorgesängen. Es kamen Landsknechtslieder, alte Volkslieder und Kanons zu Gehör, die durch die frischen Stimmen und die strgffe Führung ihre Wirkung nicht verfehlten und starken Beifall fanden. Dazwischen zeigten die Pimpfe auch, daß sie auch das Spiel auf der Blockflöte verstehen. Der zweite Teil des Abends brachte Instrumentalmusik. Zunächst trat ein Streichquartett auf, das unter Klavierbegleitung einen erfreulichen Beweis feines Könnens gab. Dann kam die Ziehharmonika, und zwar im Orchester, im Zusammenspiel zweier und mehrerer Pimpfe, aber auch im Solospiel zur Geltung. Die Pimpfe hielten Takt und Rhythmus und zeigten gutes Können, so daß es nicht an Bei- fall fehlte. Giehener Dochenmarktpreife. * Gießen, 30. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Eier, Klasse S 13, A 12%, B 12, C 11%, D 10%, Weißkraut, % kg 13 bis 14, Rotkraut 17 bis 18, Karotten 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 35, Unterkohlrabi 9 bis 10, Feldsalat, Vio 12 bis 15, Tomaten, % kg 35 bis 45, Zwiebeln 15 bis 16, Meerrettich 40 bis 70, Schwarzwurzeln 30 bis 40, Kartoffeln, % kg 5 bis 7 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,95 Mark, Nüsse, % kg 45 Pf., Blumenkohl, das Stück 40 bis 50, Salat. 60, Salatgurken 85, Lauch 5 bis 15, Sellerie, % kg 40 bis 50, Radieschen, das Bündel 20 öis 25 Pf. * ** Mieterjubiläum. Die Familie Ludwig Hartmann (Lokomotivführer a. D.) wohnt am 1. April ununterbrochen feit 30 Jahren im Hause Frankfurter Straße 95. Das lange Mietoerhältnis zeugt von gutem Einvernehmen zwischen Mieter und und dem Hausbesitzer Karl O 11. ** Fe st genommen. Wie die Kriminalpolizei mitteilt, wurden dieser Tage ein 34jähriger Mann wegen Betrug und Urkundenfälschung und außer» dem ein etwa 30jähriger Mann wegen widernatürlicher Unzucht festgenommen. Letzterer wurde in das | Amtsgerichtsgefängnis gebracht. //Hessischekrastfahrtechnische Prüfstelle^ Lpd. Da r m st a d t, 29. März. Vom 1. April 1939 an gilt die Hessische D a m p f k e s s e l i n s p e k - t i o n äls aufgelöst. Die bisher bei dieser Dienststelle für die Prüfung der Kraftfahrzeuge, Kraftfahrzeugführer und Fahrlehrer zuständigen beamteten und nichtbeamteten Sachverständigen sind mit dem dazugehörigen Büropersonal zu einer selbständigen Dienst stelle zusammengefaßt, die die Bezeichnung „Hessische kraftfahrtechnische P r ü f ft e 11 e" führt und ihren Sitz in Darmstadt, Heinrichstraße 56, hat. Meterhohe Schneeverwehungen im Westerwald. Lpd. Rennerod, 29. März. Im hohen Wester- wald sind sehr starke Schneeverwehungen zu verzeichnen. Der in einer der letzten Nächte über die Höhen des Westerwaldes hinweggegangene -ötwrm hat Schneeverwehungen verursacht, die meterhoch sind und streckenweise jeden Verkehr unmög- l i ch machen. Viele Kraftwagen liegen Tag für Tag dort auf den Straßen und müssen mit großer Anstrengung wieder flott gemacht werden. bei Regen..! hält Schuhe wafTerdichtl 287 C QUALITÄTS-ERZEUGNIS de, SIOOL WERKE. KÖLN Das Wöchen Maüc. Vornan von Walther kloepffer. dopyrigfjf by darf DunSer Verlag,veclin^Z5 33 Fortsetzung (Nachdruck verboten.) „Ich denke, wir gehen jetzt für ein paar Stunden schlafen, Fräulein. Sie haben sich ja überzeugt, daß unser Patient in besten Händen ist. Am Nachmittag dürfen Sie wiederkommen", sagte der kleine rundliche Dr. Kistenmacher zu Paula Gieseke und legte ihr die Hand auf die Schulter. Das Mädchen erhob sich mit tauben Gliedern, denn es hatte, um den Kranken nicht zu stören, lange in unbequemer Stellung gesessen. Paula hatte ein ausgeleertes, hoffnungsloses Gesicht, und wenn sie notgedrungen sprach, klang ihre Stimme brüchig vor Tränen, die nicht geweint werden durften. Sie warf einen letzten Blick auf den Geliebten, der mit maskenhaft starren Zügen und geschlossenen Augen in seinen Kissen lag und kaum merklich atmete. Die Hand schon auf dem Türgriff, drehte sie sich noch einmal gegen Dr. Holl, der ihr vertrauter war, und flüsterte: „Ich folge, ich gehe. Aber was ist, wenn er stirbt, während ich nicht da bin?" „Wenn etwas Besonderes ist, rufen wir Sie, Fräulein Gieseke", erwiderte Dr. Kistenmacher an Holls Stelle. „Sie müssen nicht so viel Angst haben. Herr von Tinser hat eine Bärennatur, obwohl er schlank und feingliederig ist. Sie müssen sich merken: immer die Dünnen machen das Rennen. Was Sie ins Bockshorn jagt, ist diese lange Bewußtlosigkeit. Sie wird vergehen, wenn der Bluterguß, der aufs Gehirn drückt, aufgesogen ist. Ich will nicht sagen, daß der vorliegende Fall harmlos ist, beileibe nicht, das wäre ja unverantwortlich — aber ich meine, Sie sollen Mut haben, liebes Fräulein." Paula neigte den Kopf mit dem sehr hellen, ausgebleichten Haar und schlich aus dem Zimmer. Als sie gegangen war, sagte Dr. Kistenmachen leise: „Hattest du davon eine Ahnung, Holl?" „Nein, aber ich mag die Gieseke. Sie ist ein prachtvoller Mensch. Hoffentlich meint es Tinser ehrlich mit ihr." „Nicht gut zu sprechen auf den Mann?" Holl zuckte die Schulter und wendete sich ab. Er murmelte: „Glaubst du, daß etwas zurückbleibt, wenn er es durchreiht? Eine posttraumatische Lähmung oder jo?" „Kann man nie wissen, Holl." „Kistenmacher, ich möchte dich um eine Gefälligkeit bitten." „Wenn ich es machen kann, gern." „Ich möchte dich bitten, mir nach der Visite eine Einspritzung zu machen", sagte Holl zögernd. „Wenn's weiter nichts ist!" „Du weißt doch, daß ich die ganze Zeit her an so einer Blutgeschichte arbeite?" „Weiß ich, mein Lieber. Das ist aber auch alles. Der alle Moltke konnte nicht schweigsamer sein als du. Willst du nun endlich damit herausrücken?" „Sei nicht böse, Kistenmacher. Ich habe gefürchtet, mich zu blamieren. Aber jetzt habe ich es doch geschafft. Ich habe alles hinter mir bis auf den letzten Versuch, den ich an mir selbst vornehmen möchte. Ich habe drüben im Labor ein Röhrchen Blut, Gruppe A wie das meinige, vier Tage alt, Konservierung ärztlichem Ermessen nach einwandfrei gelungen. Ich möchte dich ersuchen, mir das einzuspritzen", sagte Dr. Holl seelenruhig. Kistenmacher sah Holl entgeistert an. „Vier Tage alt? Mensch, du bist ja übergeschnappt!" Er legte dem Kollegen die Hand auf die Schulter und sagte in dem sanften Ton, den er sich für leicht erregbare Patienten reservierte: „Sieh mal, Holl, das habe ich gleich gewußt. Zuviel Arbeit ist von Hebel. Du bist ein bißchen überarbeitet, mein Guter. Da hat man zuweilen so vertrackte Ideen. Du mußt ausspannen. Du mußt dich hinlegen und einmal vierundzwanzig Stunden durchschlafen. Vielleicht anderthalb Schlaftabletten zuvor. Das wird dir guttun. Ich erbiete mich von Herzen gern, den heutigen Dienst allein zu machen. Kommt mir nicht darauf an. Du kannst dich ja gelegentlich mal erkenntlich zeigen. Ein Mensch, der ausgeschlafen hat, ist gleich ein ganz anderer Kerl, ja?" Holl schüttelte die Hand des andern ab und seufzte. „Kistenmacher, red doch nicht so blöd daher. Mir fehlt ja gar nichts. Du verstehst mich nicht. Ich habe wirklich ein Verfahren entdeckt, mit dem man Blut begrenzte Zeit haltbar machen kann. Schau doch nicht drein wie ein gestochenes Kalb. Das mit der Vertretung ist nett von dir, und ich nehme es dankend an. Aber jetzt zur Hauptsache. Machst du mir die Einspritzung oder machst du sie nicht?" „Ich mache sie nicht!" legte der andere los, so laut, als es in einem Schwerkrcyikenzimmer g'erade noch angängig war. „Ich bin doch nicht vom wilden Hahn gebissen! Du bist ja verrückt, Mensch!" „Der Tierversuch hat großartig geklappt..." „Laß mich mit deinen Tierversuchen aus. Ein Mensch ist ein Mensch. Wenn etwas passiert, Blutpfropfbildung, Haemolyse, Vergiftung oder so ein Dreck — dann sitze ich drin, und dann hilft mir kein Deubel und kein noch so schöner Tierversuch. Mit so einer wilden Sache will ich nichts zu tun haben, mein Lieber. Sprich doch mit Brettschneider erst. Dann werden wir ja sehen", erhitzte sich der andere und war voller Abwehr. Die Sache war die, daß er an Holls Entdeckung nicht recht glaubte'oder höchstens mit vielen Vorbehalten. Er hatte oft genug erlebt, daß Entdeckungen, die mit großem Trara von ihren Urhebern hinausposaunt wurden, ernsthafter Nachprüfung nicht standhielten. Und da kam so ein siegesgewisser junger Mann und mutete ihm zu... Man war doch schließlich schon ein bißchen länger beim Bau als dieser Holl. Hatte der wirklich einen Fund gemacht, gut, dann war die nächste Instanz der Geheimrat. „Ich werde deinen Rat befolgen und mich auf mein Zimmer zurückziehen, Kistenmacher", sagte Holl kurz. „Du wirst keine Dummheiten machen?" fragte der andere mißtrauisch. „Ich denke, daß ich über dieses Alter hinaus bin. Wiederschauen!" Holl ging aus dem Krankenzimmer und holte sich im Labor die beiden Gläschen mit dem Blut der Anna Schwiebus aus dem Brutschrank. Das Ergebnis war genau wie erwartet. Röhrchen A zersetzt, Röhrchen B unverändert und mikroskopisch ohne Tadel. Vom Labor ging Holl, nach einem kleinen Abstecher in den Opetationssaal, auf sein Zimmer. Er schrieb einen Zettel „Bin ausgegangen" und heftete ihn außen an die Tür. Dann nahm.er den Kragen ab, zog die Hausschuhe an und entledigte sich des Rockes. Sodann wusch er sich mit Sorgfalt die Hände und füllte die mitgebrachte Rekordspritze mit dem Inhalt des Röhrchen-s B. Er tat all dies ohne Hast, aber mit vielen* Gedanken. Daß der gute KistSnrnacher ihn im Stiche ließ, erschwerte das Vorhaben, aber verhinderte es nicht. Er, Holl, hatte einen langen Weg zurückgelegt, hatte über viele Hindernisse gemußt, und nun kam die letzte Hürde. Er wand sich ein zusammengedrehtes Handtuch um den Oberarm, um das Blut in den Adern zu stauen; dann reinigte er die Ellenbeuge mit Aether und stach die dicke Nadel der Rekordspritze in die größte der vorspringenden Denen. Es gelang nur schwer und tat ziemlich weh, weil er nur eine Hand zur Verfügung hatte. Bevor er den Spritzenstempel niederdrückte, er» wog er alles noch einmal. Ferkel 6 hatte vorhin, genau vierundzwanzig Stunden nach der Einsprit» zung, noch gelebt und würde quickmunter auch für» derhin leben. Würde der Versuch an Menschen nun genau so ausfallen? Theoretisch war das anzuneh» inen, aber in der Praxis stellten sich bei derlei 23er» suchen oft unvorhergesehene Zufälle ein, unerwünschte Begleiterscheinungen, wie das bei jeder Erfindung, die noch in den Kinderschuhen steckt, zu sein pflegt. Das durfte einen aber nicht abschrecken. Um den'Wert der neuen Entdeckungen zu beweisen, mußte einer den Anfang machen. So sehr Holl von der Lösung seiner Aufgabe über» zeugt war, so wenig gab er sich darüber einer Täm schung hin, daß das Experiment nicht ungefährlich war. Jeder der unerwünschten Zufälle, die Kisten« macher vorhin an die Wand gemalt hatte, konnte tatsächlich eintreten, ein Herzschlag, Vergiftung ober ähnliches. Es brauchte nur eine Winzigkeit in dem Blut der Anna Schwiebus anders sein als in gewöhnlichem, eine Möglichkeit, die sich Wissenschaft' licher Nachprüfung vorerst noch entzog. Drüben auf dem Schreibtisch lagen, säuberlich ordnet und aufgestapelt, die Aufzeichnungen übtt seine Versuche, angefangen vom ersten AufdämmeNi der Idee bis zum letzten Eintrag über F 6, der um 10.45 Uhr erfolgt war. Wenn Holl jetzt ein)*15 Menschliches zustieß, konnten andere das Werk fort' setzen und sich über die Fehlerquellen den Kopf 3er' brechen. Fertig! Holl drückte langsam den Stempel nieder, uno 00 Blut des Mädchens Anna strömte in fein eigens über. Dann zog er die Nadel mit einem Ruck <*u der Ader und überklebte die Einstichwunde w' Heftpflaster. Ferner nahm er den Handtuchkneoei ab und ging zur Ottomane, auf der er nun viel Stunden würde ruhen müssen. Nachdem er sich ' sichtig zurechtgebettet hatte, begann sein Hirn na und sauber zu arbeiten, wie es gewöhnt war. Der erste Gedanke hatte etwas mit Befriedigung zu tun, Holl empfand eine tiefe und heimliche Freu darüber, daß er die Einspritzung bis jetzt ohne spu bare Wirkung vertrug. Nichts von Atemnot, nicy von Unbehagen oder noch Schlimmerem. Alles ga wie sonst; man mußte dankbar sein. Schade, ö Kistenmacher nicht da war. Man hätte ihm so I“) alle Selbstbeobachtungen diktieren können. war ein famoser Mensch, nur zu ängstlich u d wenig verantwortungsfreudig. Holl stellte Dr. K 1 macher beiseite und beschäftigte sich mit feinem nen Werdegang. (Fortsetzung folgt Q SJlxfport 3 Die Spiele stehen kurz konnte sich die Mannschaft Wirtschaft II. Kreisklasse Gießen B. Unentsch. Verl. Gruppe wurde Londorf Preiswerte Modewaren 1.95 1.20 1.95 2.50 0.90 1.10 1.50 G ü rtel 0.60 1.10 1.35 Blumen 0.75 1.25 1.75 3.50 4.75 5.50 G/ESSEA/xMSUSBUR GIG 2244 A An fei NORDSEE Gießen, Selterswcg 18, Ruf 2467. ren bei der nächsten Wäsche. Leibbinden Jabots Ecken Wenn Sie Burnus noch mehl kennen, schreiben Sie an die BURNUS GmbH., Darmstadt Nr. 40 . Sie erhalten 0 0 0 1 0 1 Pkte. 14:4 12:8 10:4 8:12 5:11 3:13 0:0 Harbach Nieder-Ohmen Geilshausen Saasen Ettingshausen Grünberg Göbelnrod Verl. 1 4 2 Spiele 9 10 7 10 8 8 7 Unentsch. 2 0 0 2 1 SCHELL FISCH Pkte. 18:2 14:6 10:8 7:13 4:12 3:15 Der Turnverein 48 Kreuznach ist einer der Vereine, die das Basketballspiel in Deutschland zuerst aufgriffen und mit großem Eifer betrieben. Sportlehrer Niebuhr, einer der Pioniere des deutschen Basketball, war es, der die Mannschaft bald zu beachtlicher Leistungshöhe führte. Ueberhaupt ist in Kreuznach Basketball Trumpf! Es spielen alle Schulen, das Jungvolk, die HI., der BDM., die Vereine. Schon im Frühjahr 1936 hatte Kreuznach öie besten deutschen Basketballmannschaften, die Heeressportschule Wünstzorf und die Luftwaffensportschule Spandau zu Gast. In der Olympiamannschaft stellte Kreuznach den Mannschaftsführer und zwei Spieler. In den weiteren Jahren wurde eisern geübt. Im Jahr 1937 wurde bei der inoffiziellen deutschen Meisterschaft Kreuznach nach Wünsdorf Zweiter. Ein weiterer großer Erfolg war den Kreuznachern 1937 beschieden. Bei einem internationalen Turnier in Kreuznach wurde der französische Meister, Cercle Athletique Mulhouse, geschlagen. 1938 stellte Kreuznach bei einem Großtürnier der besten westdeutschen Mannschaften den Turniersieger, kämpfe gegen Luxemburg unentschieden, errang bei dem Basketballturnier in Breslau einen ehrenvollen 3. Platz und stellte die beste Zivilmannschaft des Reiches. Kreuznach hat also schon eine gewisse Basketballtradition zu wahren. Am kommenden Samstag und Sonntag wird man die Mannschaft von Kreuznach bei den Gaugruppenspielen in Heuchelheim näher kennen lernen. Londorf Krofdorf VfB.-R. III : Treis SA. II 'Staufenberg In dieser idie bessere ' Bruchbänder Senkfußeinlagen tigung in eigen. Werkstätte 5 6 2 Kurt Kling, vormals Heger Nachf. Bandagistenmeister, Marktstr. 16 Lieferant der Krankenkassen. Dam.-Bedien Am die deutsche Aasketballmeisterschast in Heuchelheim. Oie Saumeister stellen sich vor. i 3 4 6 6 7 Gew. 9 7 5 3 2 1 Bubikragen 0.90 1.50 Spiele 10 10 9 10 8 9 Sportappell der Betriebe 1939. Aufruf an alle Schaffenden. Der Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und der Rcichssportführer von Tschammer und Osten haben einen gemeinsamen Aufruf an alle Betriebe Großdeutschlands erlassen, in dem alle Schaffenden zur Beteiligung an dem großen Sportappell dieses Jahres aufgerufen werden. In dem Aufruf heißt es: „Zum zweiten Male rufen wir — diesmal auch die Frauen — zum Sportappell der Betriebe. Wie im vergangenen Jahre so wird dieser Appell wieder eine gewaltige Demonstration des Lebensund des Gemeinschaftswillens aller Schaffenden werden, ein neuer großer Beweis für die Einsatzbereitschaft und Einsatzfähigkeit der Betriebssportgemeinschaften, wenn es gilt, für den Führer ein starkes, gesundes und frohes Volk zu schaffen. Wir grüßen besonders die Kameraden der Ostmark, die auch bei dieser Leistungsprüfung nicht zu- rückstehen wollen. Betriebsführer und Gefolgschaftsmitglieder! Wetteifert, die gesundeste und körperlich leistungsfähigste Betriebsgemeinschaft Großdeutschlands zu sein! (gez.) Dr. Robert Ley. (gez.) vonTschammerund Oste n." Stand der Spiele in denFußball-Kreisklaffen. II. kreisklasse Gießen A. -Jetzt weiß ich, daß nur mit dem Schmutzlöser Burnus ein so müheloses, schonendes Waschen möglich ist." Alle Frauen, die Burnus verwenden, können Ihnen sagen, wie einfach seht daS Waschen geworden ist, wie mühelos die Wäsche sauber wird und wie sehr Burnus das Gewebe schont. Das schafft nur Burnus: Jlur Burnus löst schon beim Einweichen biologisch den meisten Schmutz aus den Wäschestücken heraus, ohne das Gewebe anzugreifen. Ohne anstrengendes Reiben und Bürsten und langes Kochen wird die Wäsche vollkommen sauber. So wird die Wasch« arbeit leicht gemacht, die Wä« sche geschont und an Wasch« Mitteln und Feuerung gespart. Burnus ist sehr sparsam im Gebrauch. Ein Eßlöffel für den Eimer Wasser genügt. Schon für 15 pf. erhalten Sie eine Probedose Burnus bei Fhrem Kaufmann. Burnus löst den Schmutz und schont die Wäsche I .. -------, Meister, aber Mannschaft war doch Krofdorf. Durch .Splelenlassen eines Spielers, der nicht spielberechtiqt iwar, mußten der Mannschaft drei Spiele als verloren gewertet werden. Krofdorf ist die einzige !Mannschaft, die ungeschlagen die Serie beendete. In 'ihren Leistungen zu unbeständig war die Dritte vom -VfB.-Reichsbahn, die sonst besser hätte abschneiden Ikönnen. Mit weitem Abstand folgt Treis. Zum SSchluß mußte die Mannschaft kampflos auf die -Punkte verzichten, da sich Spielermangel bemerkbar "machte. Die SA. II schnitt wenig günstig ab. Stau- sfenberg hat sich durch Platzsperre um verschiedene Gew. 6 6 5 3 2 1 2 vor 1 500 A3 Gramm jLjfat Pf, ohne Kopf und geschuppt frisch wie aus dem JVetz in der 2239A dem Abschluß, bis jetzt konnte sich die Mannschaft aus Harbach an erster Stelle behaupten, es dürfte wohl kaum möglich sein, die Mannschaft, die bis jetzt am beständigsten war, von der Spitze zu verdrängen. Rieder-Ohmen erreichte das gesteckte Ziel nicht und blieb zum Schluß stark zurück. Geilshausen hat zwar erst sieben Spiele ausgetragen, hat jedoch noch starke Gegner vor sich. Die Mannschaft hat an Spielstärke verloren. Einen guten Mittelplatz sicherte sich Saasen, doch hatte man von dieser Mannschaft etwas mehr erwartet. Ettings- hauten verlor nach gutem Start sehr viel Boden und kam zum Schluß nicht mehr mit. Grünberg spielte sehr unbeständig, auch mußte das gewonnene Spiel gegen Saasen als verloren gewertet werden, da ein nichtspielberechtigter Spieler mitwirkte. Gut gehakten hat sich Göbelnrod. Farben konnten sich nur knapp behaupten mit 147 (147,25), ebenso u. a. Bemberg mit 128,50 bis 129 (129,25), Geffürel mit 131,25 (131,50), Cement Heidelberg mit 150,50 (151,25) und Aschaffenburger Zellstoff mit 99,75 (100,50). Von Maschinenwerten ließen Demaa 1 v. H. nach auf 142,50, ebenso Adlerwerke auf 109; die Verteilung von wieder 6 v. H. Dividende war noch nicht bekannt. Etwas fester setzten u. a. AEG. mit 112 (111,25), Lahmeyer mit 114 (113,50), Reichsbank mit 178 (177,25), Holzmann mit 149 (148) und Westdeutsche Kaufhof mit 102 (101,50) sowie Buderus mit 103 (102,50) ein. Am Renten markt zeigte sich offenbar in Vorwirkung des Kupontermins leichte Nachfrage. Reichs- Altbesitz 129,90 (129,80), Reichsbahn-Vorzugsaktien unverändert 123, Kommunal-Umfchuldung halbamtlich 93,40 bis 93,45 (93,40). Auch am Pfandbriefmarkt fanden Goldpfandbriefe wieder Interesse, während die Rückflüsse unbedeutend bleiben. Meist handelt es sich allerdings um Bonifikationsstücke. Von Liquidationswerten zogen Franks. Hyp. auf Tiere mit Gefühl und Verstand von Dr. Werner Fische! Leiter der Forschungsstelle für Tierseelenkunüe im Westfälischen Zoologischen Garten zu Münster 140 Seiten mit 150 Abbildungen. Leinenband RM. 3.60 Aus dem Inhalt: Versuche mit der Seeanemone, der Schn«»« und dem Einsiedlerkrebs - Lernversuche mit Lidellenlarven, löelbrand- feäfern und Tintenfischen — Tiere, die erkennen, was größer und was kleiner ist - das begrenzte Gedächtnis einiger Vögel - Ziegen, Mäuse und Affen beim Streben nach bevorzugtem Futter — der Fangtrichter des Ameisenlöwen, das Liebesspiel der Schnecken und das Verholten der Kreuzspinnen - das Abrichten von Regenwürmern, dos Verholten von Hunden bei doppelter Handlungsmöglichkeit - Zähmung und Zahmheit-Grundregeln der Hundeabrichtung - neuer« Versuche mit Affen - der Unterschied zwischen den niederen Affen und den Menschenaffen - der Unterschied zwischen Mensch und Tier Das einzig« Buch, in dem die seelischen Äußerungen in der gesamten Tierwelt besprochen werden. Ein wertvolles Hilfsmittel für den, der ernsthaft Tierkunde betreibt und eine Offenbarung für jeden Freund der Tierwelt. 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Die Auto-Union hat das ursprünglich geplante Erstauftreten in Pau wieder abgesagt, da Tazio Ruvolari nicht abkömm- lid) ist. Kurze Sportnotizen. Oxford und Cambridge, die berühmten englischen Universitäten, tragen am kommenden Samstag, 1. April, auf der Themse zwischen Putney und Mortlake ihren 91. Achter-Ruderkampf aus. Cambridge gewann bisher 47, Oxford 42 Rennen, eine Begegnung endete Unentschieden. Oxford gewann erstmalig wieder 1937, nachdem Cambridge sich seit 1923 als unschlagbar erwiesen hatte. * Adolf Jäger (Altona), einer unserer bedeutendsten Fußballspieler der Vor- und Nachkriegszeit, vollendet am Freitag, 31. März, fein 50. Lebensjahr. Der Jubilar, der für den Altonaer FC. 1893 spielte, bestritt für Deutschland 18 Länderkämpfe. Hans Stuck (Auto-Union) wird auch in diesem Jahre wieder am La-Turbie-Bergrennen am 13. April teilnehmen, dessen Rekord der Deutsche Bergmeister mit 107,8 km/st hält. Weitere Teilnehmer sind Sommer (Alfa Romeo), Dreyfus (Dela- haye) und Wimille (Bugatti). Spitzenstoff per Meter Punkte gebracht, sonst hätte die Mannschaft einen besseren Tabellenplatz errungen. Mertedes-Benz kämpst in Pau. Auftakt zur AutomobilfportRennzeit. In dem kleinen südfranzösischen Ort Pau am Fuße der Pyrenäen setzt am kommenden Sonntag die neue Kampfzeit im internationalen Automobil- Rennsport ein. Im Großen Preis von Pau führen Konstrukteure und Techniker zum ersten Male wieder ihre Schöpfungen in den ernsthaften Kampf, nachdem man in den vergangenen Monaten der (vermeintlichen) Ruhe alle Erkenntnisse des alten Kampsjahres in mehr oder weniger wichtige technische Verbesserungen verwandelt hat. Wenn auch nicht alle Firmen, die auch diesmal wieder die Rennwagenschlachten auf den schnellen Bahnen Europas schlagen wollen, schon jetzt startbereit sind, o ist doch für Pau ein beachtliches StartfeD zusammengekommen. An der Schwelle der neuen Saison ist das erste Rennen verständlicherweise für alle Firmen von großer Bedeutung. Mercedes-Benz befolgt auch in ötefeni Jahre wieder die alte Wahrheit, daß eine frühzeitige praktische Erprobung die Grundlage zum Erfolge darstellt. Daher treten die Untertürkheimer gieid) mit drei Wagen in Pau an. Sie sollen von Europameister Rudolf Carraciola, Manfred von Brauch itfch und Hermann Lang gesteuert werden. Zu ihnen gesellt sich die starke französische Streitmacht, die von dem Ehrgeiz gepackt ist, ' 101 (101,90) und Rheinische auf 101,10 (101) an, i dagegen Meininger 100,90 (101). Von Industrie-Ob- • ligatwnen, die ruhig lagen, stiegen 5 v. H. Hoesch : auf 100 (99,75) und 5 v. H. Mittelstahl auf 100,25 : (100), hingegen 6 v. H. IG. Farben 120,90 (121). Stadtanleihen wenig verändert, 4,/s v. H. Mainzer 97 (96,75). Reichsaltbesitz befestigten sich später auf 130 nach 129,90, andererseits Dekosarna I 135,75 (136). Abendbörse freundlich. An der Abendbörse herrschte nur wenig Kundschaftsinteresse, demzufolge blieb auch die Geschäftstätigkeit klein. Es zeigte sich jedoch etwas Kaufneigung, so daß die Haltung im Anschluß an den Mittagsverkehr weiter freundlich war und die Kurse überwiegend etwas ansteigen konnten. Metallgesellschaft blieben im Vordergrund mit 117 bis 117,25 (116,50), außerdem zogen Cement Heidelberg auf 151 bis 151,25 (150,50), Eßlinger Maschinen auf 107 (106), BMW. auf 145 (144), Felten auf 131,50 (130,50) und u. a. Gesfürel auf 132 (131,25) an. Montanwerte waren vernachlässigt und unverändert. Vereinigte Stahl 103, Mannesmann 108,75, Rhein- siahl 131,50. IG. Farben gaben bei kleinem Angebot 0,40 v. H. nach auf .147. Scheideanstalt weiter unverändert mit 200,50, ebenso VDM. mit 177 und Adlerwerke mit 109. Von Renten blieben Reichsaltbesitz und Reichsbahn-Vorzugsaktien zu den Mittagskursen von 130 bzw. 123 gesucht, Kommunal- Umschuldung befestigen sich auf 93,50 nach 93,45. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt ä. M., 29. März. (£5, notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 9 210: W 11 212, W 12 213, W 13 214, W16 217, W18 219, W 19 221, W 20 223, Roggen R11 196, R 12 197, R 14 199, R 15 200, R 16 202, R 17 203, R 18 204, R 19 206 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Futterhafer —. Weizenmehl Type 812 W 13 29,75, W 16 29,75, W 18 29,75, W19 29,75, W20 (Kreis Alzey) 29,75, W 20 (Kreis Worms) 30,10 plus 50 Pf. Frachtausgleich. Für Weizenmehl Type 812 mit Beimischung von Maisbackmehl liegen die Preise 30 Pf. unter den Notierungen. Roggenmehl Type 997 R 12 22,45, R 15 22,80, R 16 22,95, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 50 Pf. Frachtausgleich. Weizenfuttermehl 13,60. Weizen- fleie W13 10,75, W16 10,90, W18 11,00, W19 11,10, W 20 11,20 Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Roggenfuttermehl R19 12,50, Roggenvoll- kleie R19 11,00. Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 16 10,25, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestpreis ab Mühlenstation. Treber —. Wiefenheu, handelsüblich 5,40, Wiesenheu, gut, gesund, trocken 6,40, Kleeheu, do. 7,40 bis 7,80, Luzerneheu, do. 7,80 bis 8,20, Weizenstroh, bindfadengepreßt oder gebündelt 2,80, Roggenstroh, do. 3,00, Hafer- unb. Gerstestroh 2,60 bis 2,70 Erzeugerpreis ab Erzeuger- Verladestation. Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 30. März. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 1496 Rinder (320 Ochsen, 230 Bullen, 672 Kühe, 274 Färsen), 463 Kälber, 43 Härnrnel, 60 Schafe, 695 Schweine. Es kosteten: Ochsen 37,50 bis 46,50 Mark, Bullen 35,50 bis 44,50, Kühe 20 bis 44,50, Färsen 35,50 bis 45,50, Kälber 35 bis 65, Hämrnel 40 bis 50, Schafe 22 bis 42, Schweine 49,50 bis 58,50 Mark. — Marktverlauf: Großvieh, Kälber und Schweine zu- geteilt; Hammel und Schafe mittel. Deutsche Tabak-Außenhandelsbilanz im Februar 1939. FWD. Die Außenhandelsziffern für den Monat Februar 1939 zeigen bei Rohtabak eine Einfuhr von 75 305 (Januar 1939: 76 729) dz im Werte von 42,293 (12,573) Mill. RM. Im Februar 1938 hatte bie Einfuhr 72 803 dz im Werte von 12,017 Mill. RM. betragen. An Tabakerzeugniffen wurden 2601 (1771) dz im Verte von 0,085 (0,084) Mill. RM. emgeführt, im Februar 1938 waren es 2796 dz im Werte von 104 000 RM. Während eine Rohtabat- ausfuhr nicht ftattfinbet, betrug die Ausfuhr an Tabakerzeugniffen (ausschl. des "Verkehrs des Alt- reichs mit Oesterreich) im Februar 1939 39 (62) dz entsprechend 35 000 (42000) RM., im Vorjahre waren es 365 dz im Werte von 66 000 RM. Rhein-Mainische Börse. Millagsbörse uneinheitlich. Frankfurt a. M., 29. März. 'Die Börse war am A k t i e n m a r k t anfangs leicht belebt, da sowohl kleine Käufe als auch Verkäufe der Kundschaft erfolgten. Der Grundton war nicht unfreundlich, im allgemeinen dauerte aber die Zurückhaltung an, wobei der bevorstehende Ultimo nicht ohne Einfluß blieb. Die Kursentwicklung war erneut uneinheitlich,. die durchschnittlichen Abweichungen hielten sich meist unter 1 o. H. Für einzelne Spezialwerte war die Haltung ziemlich fest. So stiegen Vereinigte Deutsche Metall nach dem l'/rproz. Gewinn von gestern weiter an auf 176 bis 177 (175), auch Metallgesellschaft waren fest und verhältnismäßig lebhaft mit 115,50 bis 116 (114,75). Montanwerte erreichten nach meist leicht gedrücktem Beginn wieder den Dortagsstand, so Vereinigte Stahl mit 102,65 bis 103 (10H und Mannesmann mit 108,40 bis 108,75 (108,50), dagegen Klöckner 115,65 (116). IG. AV^eSa^e< »■-"'72.-="*" tnett * *' det£el ' etstdxe V0X\W Vtxd aVXe Mode*aten’ Aie nöt'6ea . . Da»etl tritt N Edgar BORRMANN 5: Gießen, Neustadt5-7,Ruf4165u.4156 Oer Gielmeister. 3n Not und Gefahr ist Helfen Pflicht! Fünfunddreißig Jahre schon ist der Alte im Amt als Sielmcister, als geschworener Wächter der Gemeinschaft. Fünfunddreißig Jahre schon lastet schwere Verantwortung auf seiner Schulter, eine Verantwortung, die nur der begreifen kann, der wie ich in mancher dunklen Nacht neben ihm auf der Kuppe des Deiches stand, wenn der Sturmwind heult und die Wasser gegen den Fuß des Deiches peitschen, daß die Gischt bis zu uns heraufspritzt. Wieder schreiten wir den oft begangenen Weg entlang. Zur Rechten dehnen sich endlose Weiden und Wiesen, kein Baum, kein Strauch, so weit das Auge reichen kann; Marschenland, reichstes Land, durch des Menschen Hand und des Menschen Kraft mit Gottes Hilfe dem Meere entrissen. Zur Linken das Wasser; der blaue Himmel leiht ihm die Farbe, nur ab und an kräuselt ein Windstoß die glatte Fläche und verrät die schlafende Kraft. Wie eine riesige Mauer, von Giganten getürmt, steigt steil der Deich aus der Ebene auf, um sich zum Meere hin ganz allmählich verlaufend zu senken. Sechshundert Jahre und mehr haben Menschengeschlechter geschafft und gearbeitet, um dies Werk zu vollbringen. Wohl ragen auch jetzt noch aus dem Lande die Wurten auf, gekrönt von den mächtigen breiten und reitgedeckten Bauernhäusern. Einst waren die Wurten die einzige Zufluchtsstätte für Mensch und Tier, wenn das Meer mit gieriger Hand ins Land griff, die Frucht vieler Tage Arbeit vernichtend. Die Menschen duckten sich vor Sturm und Not. Und immer wieder zerschlug das Meer das Menschen- werk, das Werk des Einzelnen auf seiner Scholle. Sie wurden hart, die Männer und Frauen am Meer. „Wir müssen ein Gemeinsames vollbringen, eine Wurt, die unzerstörbar ist, die alle anderen überragt." Und sie bauten in jagender Hast die Wurt, deren Krone die mächtigen Quadern der Kirche krönen. Sturm läuten die Glocken. „Menschen zu mir her!" rufen sie über dos' Land. Und des Menschenwerkes spottend, zerbrechen die Wogen die Wurten und Häuser. „Duckt euch, ihr Zwerge!" ruft der Sturm. Aber die Menschen, die noch eben mit brennenden Augen den Untergang sahen, sie recken sich stolz. „Dies Werk, das wir gemeinsam zu Gottes und unserer Ehre errichteten, dies Werk wirst du nicht vernichten." Das Meer brüllt auf in seinem Zorn: „Was mein war, soll mein wieder werden und ... Gott und der Mensch bleiben Sieger! Doch Jahr für Jahr kommt bitterste Not über das Land. Nur die Menschen finden Raum in der Kirche, manchen schlägt das Wasser auf der Flucht. Da ballt einer die Faust: Noch herrscht das Meer, aber wir wollen die Herrscher sein. Wir wollen wieder zusammenstehen, wir wollen wieder gemeinsam bauen. Wir bauen den Deich, der unser Hab Und Gut und uns beschützen soll! Der Kampf beginnt. Immer wieder schlägt das Meer Breschen und Braken in den Wall. Doch die Menschen verzagen njcht. Mit ihren eigenen Leibern werfen sie sich in die Lücken. Was ist das Leben des Einzelnen, wenn es um das Glück von Tausenden, von Kindern und Kindeskindern geht? Und in den Klang der Glocken mischt sich nach Jahrzehnten der Jubelruf der Menschen: Wir bleiben Sieger. Doch jeder weiß, der Kampf ist nicht beendet, eine Atempause nur, in der wir nicht müde werden dürfen. Stolzer und höher wächst der Wall. Des Menschen Wille, harte Gesetze sichern seinen Bestand. „Wer nich will dieken, mutt wieken." Wer nicht Mitarbeiten will am Werk der Gemeinschaft, soll ausgestoßen sein. Wer nicht stark genug ist, das ihm zuerteilte Pfand zu sichern, wer durch Lässigkeit einen Deichbruch verschuldet, dessen Haus wird niedergebrochen und in die Lücke geworfen, er muß mit dem weißen Stabe als Bettler von dannen gehen. Die Gemeinde stößt den Spaten in den Deich, und wer ihn zieht, ist Bauer und Herr mit allen Rechten und — Pflichten. Wer aber freventlich den Deich verletzt, dessen Schwurhand soll fallen unter dem Beil. Und bricht der Deich infolge frevelnder Tat, so soll der Täter lebendig hegraben sein. So war der Spruch des alten Rechts. Es sind dieselben Gedanken, die uns beim Schreiten bewegen. „Sie waren notwendig, die harten Gesetze." Aufmerksam gleitet das Auge des Sielmeisters über die Böschung. Sein Schritt stockt: Ein Loch, gewühlt von einer Maus. Ein einzelnes Loch bietet den Wogen bereits eine Angriffsfläche. Es muß gedichtet werden. Sollten sich Mäuse im Deich festgenistet haben, so muß man sie ausräuchern. Dort das Huflattichblatt wird abgerissen. Unter dem großen Schirm des Blattes erstickt die Grasnarbe, die das Erdreich zusammenhalten muß. Man wird den Inhaber des Pfandes mahnen, des öfteren zu mähen. Sechzig Kilometer Deich sind dem Sielmeister anvertraut. Ihm helfen die Geschworenen, Bauern, deren Väter und Urväter dasselbe Ehrenamt innehatten. Wir nähern uns einem Schart, einem durch Mauern gefestigten Durchbruch durch den Deich, der den Bauern und Schiffern die Durchfahrt ermöglicht; denn das Befahren der Böschung ist strengstens verboten. „Alles in Ordnung." So begrüßt der Geschworene den Sielmeister. Dessen Blick gleitet prüfend über das Mauerwerk, doch es hat sich kein Moos, kein Halm in den Fugen festgesetzt. Alles wurde säuberlich entfernt. Ein einzelner Tropfen Wasser, durch das Moos festgehalten, kann beim ersten Frost einen kleinen Sprung im Mauerwerk herbeiführen, der sich bann schnell erweitert. Die Bohlen zur Dichtung des Scharts im Winter sind frisch geteert, ein Haufen Erdreich liegt bereit. Wir halten uns nicht auf. Ein Siel, ein kunstvolles Bauwerk im Deich, durch welches die Be- und Entwässerung des Landes erfolgt, ist unser nächstes Ziel. Das Sieltief, der Kanal, reicht weit ins Land hinein, und der Stand des Wassers wird durch das Oeffnen und Schließen der Tore bei Ebbe und Flut geregelt. Der Sielwärter fuhrt ein Boot heran. Wir springen hinein. Die Strömung treibt uns in den dunklen Tunnel. Eine Messerklinge blitzt in der Hand des Sicl- meisters. Hier und da stößt er in Fugen des Mauerwerks. Endlich gelangen wir an die Tore. Wieder stößt der Sielmeister zu, doch wie auf Eisen gleitet die Klinge auf dem harten Eichenholz ab. Der Sielwärter lacht: „Die neuen Tore sind mein Stolz. Die halten dreißig Jahre und länger." Der Sielmeister denkt an die stürmischen Sitzungen im Vorjahr, als die Sielacht, die Genossenschaft der anliegenden Bauern, die zum Unterhalt des Sieles verpflichtet sind, das Geld für die Tore nicht bewilligen wollten. „Es ist eine schwere Zeit für den Bauern", hatten sie gesagt, „wir können die zwölftausend Mark nicht aufbringen. Die alten Tore sitzen schott dreißig Jahre, da werden sie auch länger halten." „Ob sie vielleicht halten, darauf kommt es nicht an", war die Antwort gewesen. „Ich will die Sicherheit haben, daß sie halten. Ist nur ein schwacher Punkt im Deich, dann ist er insgesamt nichts wert, und der Deich ist unser aller Schutz." Die Bauern wissen, daß der Sielmeister nicht locker läßt, wenn er so spricht. Nur ein Junger hatte noch eingeworfen: „Können denn die Tore nicht billiger werden? Immer nur wird das Beste verwendet. Lieber heute weniger und in zehn Jahren neue Tore." Da waren die Züge des Sielmeisters hart geworden, und er hatte den Sprecher angefahren: „Bor fünfhundert Jahren fragte ein Fürst einen Abgesandten der freien friesischen Bauern: „Ist es wahr, daß ihr eure Sieltore aus Kupfer baut, daß ihr so reich seid?" Da hat der Bauer lachend und stolz geantwortet: „Wenn Kupfer besser wäre als Eichenholz, würden wir sie aus Kupfer machen, und wenn Gold noch besser wäre, würden wir Gold verwenden." Noch immer haben die Bauern sich seinem besseren Wissen gefügt. Am Abend stehen wir an einem Pfahl. Marken zeigen die Fluthöhen in vielen hundert Jahren. Man kann vieles aus den Jahreszahlen lesen, viel Not und Elend, wenn der Deich brach, aber auch viel von ungebrochener Kraft der Menschen. Und eines noch sehen wir: Immer höher sind die Fluten gestiegen von Jahrhundert zu Jahrhundert. Der Alte spricht zu sich selbst: „Ob es wohl wahr ist, daß sich die Küste seit fünfhundert-Jahren senkt?" Starr blickt er aufs Wasser. Dann wendet er sich zu -mir: „Der Kampf geht weiter über die Jahrhunderte. Niemals geben wir das Werk der Väter auf, nicht einen Fußbreit Boden überlassen wir dem Meer. Und senkt sich die Küste, wir bauen den Deich noch höher und noch fester. — Seit Tagen schon weht Westwind und treibt die Wassermassen durch den Kanal in die Nordsee. Jetzt dreht er nach Nordwesten und jagt die Wasser gegen die deutschen Küsten und Ströme. Die rote Sturmfahne weht und ruft die Männer an den Deich. Ta stehen sie breitbeinig, die Beine in den langen Seestiefeln, die bis zur Hüfte reichen, in Oelrock und Südwester. Sie starren aufs Wasser, in die Wogen, die gegen den Deich preschen. Und heult der Sturm lauter, dann lachen sie, wie ihre Ahnen gelacht haben: „Blanker Hans! Wir siegen." Alle wissen, auf den Einzelnen kommt es an. Hat einer seine Pflicht versäumt, ist einer nicht auf seinem Posten, bricht an einer Stelle der Deich, dann bricht das Meer ins Land, alles verschlingend und vernichtend. Jetzt spürt ein jeder, wie gut es ist, daß einer wacht- daß einer sie nicht zur Ruhe kommen läßt, und als der Sielmeister von Posten zu Posten fährt, klingt ihm von allen ruhig und zuversichtlich entgegen: „In Ordnung hier, keine Gefahr!" Nun stehen wir wieder auf dem Deich. Der Wind zerrt an unseren Kleidern. Die Regentropfen schlagen uns ins Gesicht. Weit drinnen im Land leuchten dis Lichter, Mütter sitzen an den Betten und Wiegen ihrer Kinder. Sie können ruhig schlafen. Sie schützt ein Deich. Denn noch gilt das alte Wort: „Wer nich will dieken, mutt mieten.“ * Was hier ein Volksstamm als Tat der Gemeinschaft schuf, ist der leuchtende Zeuge feines Kampfes und der Einsatzbereitschaft. Die Gemeinschaft ist weiter gezogen und hat das ganze deutsche Volk erfaßt. Sie zu fördern und für alle wachzuhalten, ist Erziehungsaufgabe, und so hat nicht von ungefähr der NS.-- Lehrerbund der deutschen Schülerschaft auch das Thema „In Not und Gefahr ist Helfen Pflicht" im Nahmen seines großen Jahreswettbewerbes „Volksgemeinschaft — Schicksalsgemeinschaft" zur gestaltenden Bearbeitung in Wort und Bild zur Aufgabe gestellt. Schon den Jungen und Mädeln soll der Begriff der tatbereiten Volksgemeinschaft zur Selbstverständlichkeit werden. Aus her engeren Heimat. Landkreis Gieren. F Lollar, 20. März. Am heutigen Donnerstag vollendet der Lagerverwalter i. R. Heinrich Rein, Kirchstraße, in bester Rüstigkeit sein 70. Lebensjahr. Nahezu 50 Jahre lang war der alte Herr in treuester Mitarbeiterschaft bei den Buderusschen Eisenwerken, Abteilung Lollar, als Lagerverwalter tätig. Im Jahre 1931, nach Erreichung der Altersgrenze, schied er von der ihm liebgewordenen Arbeit und trat in den verdienten Ruhestand. Sein vornehmer Charakter und seine ausgezeichneten Befähigungen erbrachten ihm ehrenvolle öffentliche Stellen. So begleitete er in schwerer Zeit zehn Jahre lang den Posten des Direktors der Spar- und Darlehnskasse Lollar. Diele Jahre war er der freiwilligen Feuerwehr Lollar ein treuer Kassenwalter. Das Vertrauen der Lollarer Bürger entsandte ihn jahrelang in den Gemeinderat, und überall hat der Jubilar feine Treue bewiesen. Seit 45 Jahren gehört er zum treuen Leserkreis des Gießener Anzeigers. (Wir beglückwünschen zum Geburtstag!) Holzheim, 28. März. Im festlich geschmückten Saal der neuen Schule veranstaltete die hiesige erste Schulklasse eine Schulentlassungsfoier. Schulleiter Lehrer Gandenberger begrüßte die Vertreter der Partei, die Gemeinde, sowie die Eltern der Kinder. In ernsten Worten sprach er zu den Kindern, die nun aus der Schule entlassen werden und widmete den Eltern manch'es Wort der Anregung für die weitere L^bensgestaltung der jetzt zur Schulentlassung kommenden jungen Menschen. Er hob im Verlauf seiner Ansprache die Leistungen der ersten Schulklasse hervor und erinnerte dabei auch an den schienen Erfolg, der in der Seidenraupenzucht erreicht werden konnte. Zellenleiter Bürgermeister Buß nahm dann die Schulentlassenen in die Volksgemeinschaft auf und ermahnte sie zu steter Treue zu Führer und Volk. Jedem Jugendlichen überreichte er dann ein Bild des Führers mit entsprechender Widmung als ein Geschenk der Gemeinde. 00 Beuern, 29. März. Die hiesige Bezugs- und Absatzgenossenschaft hielt im Saale Ranft ihre Generalversammlung ab. Direktor! Schwalb gedachte einleitend der im vergangenen Jahre durch den Tod abberufenen Kameraden, deren Andenken geehrt wurde. Sodann erstattete er den Geschäftsbericht, dem folgendes entnommen fei: Der Genossenschaft gehören 206 Mitglieder an mit einer Gesamthaftsumme von 41 200 Mark. Der Gesamtumsatz betrug 234 213 Mark, das sind 13 000 Mark mehr als im Vorjahre. Der Warenumsatz belief sich auf 50 550 Mark und liegt um 2000 Mark höher als im Vorjahr. An Düngemitteln wurden 2476 Zentner, an Futtermitteln 812 Zentner, an Saatgut 120 Zentner und an Brikett 1900 Zentner geliefert Von der Genossenschaft wurden 2100 Zentner Getreide abgenommen. Die Bilanz, die von Rechner Ranft bekanntgegeben wurde, schloß mit 16 000 Mark ab. Die Unkosten beliefen sich huf 3431 Mark, Es wurde beschlossen, 3 v. H. Rückvergütung an dis Mitglieder zu gewähren und den Rest des Reingewinns dem Reservefonds zuzuschreiben. Im Der« lauf der Versammlung wurde dazu aufgefordert, von der durch die Genossenschaft beschafften Saat- gutreinigungs- und Beizanlage, wie auch von dem neuen Bindermäher zu gegebener Zeit eifrig Gebrauch zu machen. Dem Vorstand und dem Aus- sichtsrat wurde für ihre mustergültige Arbeit Dank und Entlastung zuteil. Das satzungsgemäß ausscheidende Vorstandsmitglied H. Spaar und die Aus- stchtsratsmitglieder H. Lindenstruth und H. Damm wurden wiedergewählt. Ortsbauernführer Hermann forderte zu genossenschaftlicher Treue auf. Dann wies er seinerseits auf die Notwendigkeit der Verwendung des besten Saatgutes und die Pflicht der Beizung hin. Direktor Schwalb sprach außerdem über Fruchtkrankheiten und deren Bekämpfung durch die Beizung. = Obbornhofen, 29. März. Die NS.-Ge« meinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltete im Saale des Gastwirts Hensel zwei ibcaMwz/' sührungen. Am Nachmittag wurde den Kindern ein Märchenspiel gezeigt, am Abend gelangte das Lustspiel „Der Frontgockel" durch das Darmstädter Volkstheater zur Aufführung. Die Vorstellungen waren sehr gut besucht. Die Darsteller ernteten reichen Beifall. \HLRfc\ ‘Biber in Deutschland Don Professor Dr. Gustav Hinze 75 Seiten mit 9 Textabbildungen und 62 Abbildungen auf Kunstdrucktafeln nach Natururkunden des deutschen Bibervi Amtmann Behr Heraurgegeben von der Reichsstelle für Naturschutz, De 3n Leinen gebunden RM. 3,00 Wie Wisent und Elch, so gehört auch der Biber zu jenen Tierc die einst in Deutschlands (Bauen weit verbreitet waren, aber t das unnachsichtige (Eingreifen des Menschen mehr und mehr Vernicklung anheimfielen. Es gehört heute zu den wichtig Aufgaben aller Freunde unserer heimischen Tierwelt, dieses seit Nagetier vor em Aussterben zu schützen und die wenigen in Dei land noch vorhandenen Biber zu erhalten und zu hegen. Ein hei ragender Kenner gibt hier in trefflichen Schilderungen und herrl Natururkunden ein anschauliches Lebensbild vom deutschen B HugoVermühlerVerlag.Berlin-Lichterfe Zu haben: 1509 V Geländes Herz w ruhige Nerven w V erquickenden Schlat