Nr. 30- Erstes Matt Zreitag, 29. Dezember M9 189. Jahrgang Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8' ,,Uhr des Vormittags Grundpreise für I mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf. für Textanzeigen von 70 mm Breite 50 Rpf. Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrift nach vorheriger Vereinbarung 25 % mehr. Ermäßigte Grundpreise Büderanzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Rpf- Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen und Verlag: vrühlsche Univerfilätsdruüerei R. Lange in Gießen. 8chriftlettnng und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Setlagen: Die Illustrierte Gieuener Familienblätter Heimat'm Bild Die Scholle Monats-vezugspreir: Mil 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen Postscheckkonto: ^rantfurl am Main 11688 voraussichtlich, bei günstigem Verlauf der Wirt- dis Besetzung der letzten wichtigen Häsen an der Am 849 137 180 498 526 169 74 759 258 209 46 425 17 233 37 240 79 600 ,, _ r-,. tu ■ r * । ivurue von Kcnion norowarrs ennung vei schaftsverhandlungen, positive Beziehungen an. Der Kanton-Hankau-Bahn eingeleitet, durch die die Zu- Krieg in China dauert zwar an, doch hat die suhrstraßen nach der Kwanqsi-Provinz abqeschnürt japanische militärische Leitung es verstanden, durch werden sollen. Die Japaner erwarten von den Ope- auch der japanische Vorstoß in Richtung der indochinesischen Grenze. Eine dritte Operation wurde von Kanton nordwärts entlang der noch immer im Besitz des Feindes. Der Krieg war seit dem Fall Kataloniens entschieden, wenn auch noch nicht beendet. Franco befahl deshalb, um wei- a) 14 brltlsche Schiffe b) 4 französische Schiffe c) 20 neutrale Schiffe d) 17 unbekannte Schiffe des nationalen Hauptquartiers in lakonischer Kürze mit den Sätzen: „Die letzten militärischen Ziele sind besetzt. Der Krieg ist beende t." Stolz und unermeßlicher Jubel klang aus diesen knappen Worten. Der Krieg, der zweieinhalb Jahre hindurch durchtbare Wunden geschlagen hatte, war zu Ende, ein neues Leben konnte beginnen. Rasch waren seit dem Beginn des Jahres die letzten Schläge gefallen. In schnellen Stößen hatten die Franco-Truppen Katalonien genommen. Barcelona ergab sich kampflos. Vierzehn Tage später standen die Falangisten-Bataillone an der französisch-spanischen Grenze. Ein lang erkämpftes Ziel war erreicht. Madrid jedoch, die Hauptstadt, war infolgedessen die ihm übertragene Aufgabe durchführen. * Gegen die Hauptstadt der Kansu-Provinz, Lan- tschau, führten japanische Flugzeuge Massen- angriffe durch. Die Zahl der eingesetzten Flugzeuge und die Heftigkeit der Bombenabwürfe übertraf bei weitem alle früheren im chinesisch-japanischen Konflikt erfolgten Luftangriffe. Dem Ziel, alle Z u - fuhr st raßen nach China zu unterbinden, diente Widerstandskraft. Das imvenale Spanien aus dem Misch. Don unserem s-Korreipondenien. Madrid, Dezember 1939. 1. April 1939 schloß der letzte Heeresbericht Kunst und Kamps. Nationalsozialistiche deutsche Kulturpolitik im Kriegsjahr 1939. Don Erich Langenbucher. rationen^eine entscheidende Schwächung der chinesischen Lieber eine Million Tonnen gesunken. Oie Gesamwerluste der feindlichen und neutralen Schiffahrt feit Kriegsbeginn Weltpolitik an der Jahreswende Unsere Ausländskorrespondenten berichten. Summa 224 Schiffe 2. Darüber hinaus find mit großer Dahr- fReinlichkeit als verloren anzunehmen: ' } Vr.-Reg. t Südküste Chinas die Tchungking-Regierung von einer Seeverbindung nach dem Ausland völlig abzuschneiden. Außer Protesten haben die Westmächte England und Frankreich weder der Besetzung der Insel Hainan noch der Annektion der Spratley- Inseln im Frühjahr 1939 etwas entgegensetzen können. Der europäische Krieg, den England in einer auch in Japan völlig unverständlichen Ueberschätzung seiner Stellung und seiner Möglichkeiten angezettelt hat, bedeutet eine weitere E n t l a st u n g für die japanische China-Politik. Trotz dieser befriedigenden Bilanz ist das politische und militärische Jahr 1939 auch für Japan nicht ohne ein bewegtes Auf und Ab verlaufen. Nach dem unerwarteten Rücktritt des Ministerpräsidenten Fürst Konoye Anfang 1939 kam es zur Bildung des Kabinetts H i r a n u m a, dem General A r i t a als Außenminister und General I t a g a k i als Kriegsminister angehörten. Dieses Kabinett führte die China-Politik der vorangegan- Endfiege der Franco-Truppen zähneknirichend das Fehlschlagen ihrer jahrelangen Bemühungen fampf der Auspuffgase eines Flugzeuges bei hierfür besonders geeigneten Luftverhältnissen, in großer Höhe und bei besonders großer Kälte mit der Luftfeuchtigkeit zusammen kondensieren und jo- gar gefrieren kann. Die entstehenden „Streifen" ind auch auf große Entfernung noch lange zu P- K. Eine Scheinwerferstellung in der Luft- verteidig ungszone W e st. Auf einem lang- gestreckten Höhenzug haben sich im Spätsommer bie Männer eingebubbelt, bie schon längst zu einer verschworenen Gemeinschaft geworben sind. Mehrere Kilometer vom nächsten Ort entfernt, sind sie ganz auf sich angewiesen. Sie haben vor allem die Einsamkeit tennengelernt, bie sie nun meistern, unb mit ber sie in allen Lagen fertig werben. Die einzige Verbinbung, bie sie mit ber Umwelt haben, bas sinb bie Kameraben, die täglich mit bem Verpflegungswagen kommen, unb ber Fernsprecher. Auch ip biefer Stellung in ber Einsamkeit hat man unter bem Abventskranz eine vorweihnachtliche Stimmung geschaffen. Ehe bie Dämmerung anbricht, versammeln sich alltäglich bie Kameraben zu einer stillen halben Stunbe. Sie erzählen vom Zuhause, lassen liebe Erinnerungen wach werben unb singen weihnachtliche Weisen. Aber nicht lange hält biese Stimmung an, benn wenn bie Sonne im Westen verschwinbet, bann heißt es für bie Scheinwerferleute auf bem Posten sein. Nun istberBescherabenl„' schmückt kein Tannenbaum bie Unterkunft. Nichts erkannt unb können sich noch gerade in eine chützende Wolkenschicht retten. Der dritte aber kommt von feinem Verfolger nicht mehr los. Noch ein paar kurz« Feuerstöße hören wir, unb bann ist ber Spuk zu Enbe. Plötzlich haben bie weißen Striche auf» gehört, man sieht eben noch ben feinblichen Flieger teil adstürzen, zirka 2000 Meter kann man ihn verfolgen, bann ist er in ben Wolken verschwunben. Es vergeht fast eine Minute, ba hören mir roieber rasenbes Maschinengewehrgeknatter, untermischt mit bem bekannten Singen unserer Mel09. Ich will mieber nach oben sehen unb nun ben neuen Ort bes Luftkampfes feststellen; man beruhigt mich jeboch: Dies war nur bas Tongemälbe zu bem, was wir zuletzt gesehen, ber Schall hatte bie weite Ent- ernung e r st j e tz t zurückgelegt Zur selben Zeit stößt vorn« über unferer Bunker- ttnii im Gleitflug eine französische Maschin e, mit qualmendem Motor, durch die Niedrige Wolkendecke und setzt zur Notlandung an. Man sieht, ber Pilot versucht, die eigenen Limen noch zu erreichen, aber es geht nicht mehr. Schon nach einigen hun^rt Meter setzt bie Maschine auf unb wird durch ihre eigene Wucht herumgeschleudert. Stichflammen schlagen hoch, die Maschine brennt. Erlig hinzugelaufene Soldaten reißen die Trümmer auseinander, um die Besatzung zu befreien, was auch gelingt. Die Maschine enthält eine gute Ladung Propagandamaterial. Sie haben es tot» sachlich noch nicht aufgegeben, die kindlichen Gemüter. Sie hoffen noch immer auf eine Wirkung ihrer lächerlichen Propaganda und versorgen unsere Soldaten fleißig mit Papier. Am meisten hat sich die Besatzung des Flugzeuges darüber gewundert, daß man sie nach der Gefangennahme sofort verbunden hat, daß man ihnen weder den Kopf abgeschnitten noch sonst etwas zuleide 90. Geburtstag von -------------- . Anlaß bes Reichsgründungstages erhielten bedürftige Altveteranen eine besondere Spende, für drck 76 000 RM. aus gegeben wurden. Die Zahl der Altveteranen, bie aus ben Einigunäskriegen noch leben, beträgt schätzungsweise 4000. Die Zahl der Kameradenerholungsheime in den schönsten Teilen bes Reiches erhöhte sich auf sechs. Heber 3500 Kameraden fanden 1939 dort Aufnahme, 550 kostenlos. Außerdem stehen fünf Äinber« unb Waisenheime zur Verfügung. 87 000 RM^ wurden für bas Ki nd e r e rh o lu n g s w e r k ver« ausgabt, etwa 1500 Kameradenkinder erhielten einen kostenlosen Erholungsaufenthalt. Am Schieß- dienst nahmen im letzten Jahre über 600 000 gegenüber 500 000 im Vorjahre teil. 11 000 eigen« Schießstände unb über 45 000 eigene Klsinkaliber- I aemebre sieben zur Verfügung. kriegerverbänden 835 Kreiskriegerverband« mit 41 000 Kriegerkameradschaften, die über b ret Millionen Mitglieder umfaßten. Durch den Krieg hat das Kameradschaftsleben kein« Einbuße erlitten. Mit den an ber Kampffront stehenden Ka- meraden wird enge Verbindung gehalten. Die im NS.-Reichskriegerbund gepflegte Kameradschaft sin- bet ihren Ausdruck auch in ber Betreuung der Familien einberufener Kameraden und in Hunderttaufenden von Liebe s g äbe n- spenben. Rund 920 000 RM. Unterstützungen wurden an 23 000 Kameraden und Kameradenwitwen gezahsi. 75 000 RM. wurden für Ehrengaben aufgewendet, rund 900 Kisten Wein uim ~ ' — Altveteranen versandt. Aus hundert Jahren in Hannover die — Tortur getonnt hat? Erst 1840 würbe sie abgeschafft, wie auch im selben Jahr bie Bastonade in ^r Türkei. Unb während das Haarleme r Mo o r trocken gelegt wurde, drangen die ersten Nachrichten über den Gorilla nach Europa. Mit Verwunderung werden viele vernehmen, daß im Jahre 1848 das — Saxophon von bem Musiker A Sax erfunben wurde. Wie lange hat es gedauert, bis sich dieses Saxophon seinen Platz in der Musikkapelle eroberte! Hatte man 1839 bie Fotografie erfunden, so brachte das Jahr 1840 bereits bie Mikrofotografie. Ein Beweis, wie schnell sich die Wissenschaft neuer Entdeckungen annimmt. Dann aber muß vor allem einer wissenschaftlichen Leistung gedacht werden, die vor hundert Jah^n das Licht der Welt erblickte. Es ist der k ü n st l i ch e Dünger, der durch die Geistestat des großen Chemikers Justus von Liebig, dessen Name so eng mit unserem Gießen und dem Hessenland' verbunden ist, seinen Einzug in der Landwirtschast hielt. Was wären wir heute ohne künstlichen Erdbeben in Los Angeles. In Los Angeles war ein schweres Erdbebrnzu verzeichnen, das in ber Stadt und in Lang Beach eine schwer« Panik hervor gerufen hat. Schwindel ml« rNililär.Unlauglichkettsbejcheinigungen in Belgien. In Lüttich sind 8» Personen verhaftet worden, denen nachgewiesen werden kann^, dvh ' , einem Schwindel mit falschen Att f r fangung einer Mil'tar-UntauAchkeitsbel-yem g » bekffig? hatten. Fünfzig Verhaftete md MNU« dienstpflichtige, die |id). dem fteeresbienft entzogen batten; dreißig Famittenangehonge, m^süqung fruten zu ihrem Schwindel Geld Wiest- oeftelU hatten. ber wenigen SBo= Vermittler hat bei diesem Geschäft in_ roen g chen mehr als hunderttausend Franken veroiem. Nur 90 Rhinozerosse gib« « auf ba «r «•_ Die Freude der Amerikaner; an eine ir.Ä'iÄnÄ fcu"- ® Dagegen wird dt« Anzahl der Millionen das ist immerhin trostsich Statistik zu- geschätzt. Em sehr Menes Der b ^an gIaubt Wge, dos We-tzschw-nz $tempIare nur noch an 150 in ^ie Sippe ber dieser Art aufzahlen zu können. ^ 2000 Tiere Gorillas wird dagegen lmmechm aisi geschätzt. Die Zahlder Ele anten g E flk mit 100 000, Me der Tiger mit PK. Auf der vorgeschobenen Bergnase hoch über dem Land ringsum, steht ein Geschütz einer leich - ten Flakbatterie, weithin beherrscht es ben Luftraum. Der Zugführer hatte uns seine Stellung gezeigt und gerade, als wir uns verabschieden wollten, wurden wir Zeugen eines interessanten Schauspiels. Steil steht seit einigen Sekunden ein dicker weißer Strich in ber Luft. Der Flugmelber des Geschützes hat uns barauf aufmerksam gemacht unb Fliegeralarm gegeben. Aus der nebenan liegenden Bereitschaftshütte ertönt ein Trampeln und Rumoren, die Brettertür fliegt auf unb bie Mannschaft bes Geschützes eilt an bie Plätze. Feuerbereit! Wir haben in ber Zwischenzeit ben Strich, ber nach oben hin immer länger wirb, weiter beobachtet, unb ich warte schon darauf, daß jetzt die Schleife zum P von „Persil" kommt. So wie eben sah es nämlich aus, wenn früher ber altbekannte Himmelsschreiber seine Reklameschrift in ben blauen Wenn das alte Jahr von dem neuen Jahr abge- löst wird, hatten wir für einen kurzen Augenblick den Atem an. Dieser Augenblick gehört der Be- , (Innung über das Vergangene. Dabei nnrd manch einer darüber nachgrübeln, mie es wohl m der Wett vor einem Jahrhundert -usgefthen hat? Ja — wie ah es damals im Jahre 1840 in der Welt aus? Schlagen wir das Geschichtsbuch auf, so erzählt es uns sofort, daß in diesem Jahre 1840 Friedrich Wilhelm IV. den preußischen Königsthron bestieg. Das war für viele deutsche Patrioten ein gewichtiger Ta,S. brachte er ihnen doch bie langersehnte Freiheit wieder. Unter denen, bie d-e Politik bes österreichischen Kanzlers Metternich hinter Schloß unb Riegel unb Festungswalle ge- morfen hatte, befanben sich auch Turnvater Jahn und der Stubent F r i tz R e u t e r, der spater einer der volkstümlichsten Dichter plattdeutscher Zunge werden sollte. Aber auch ber große Frelheltssanger Ernst Moritz Arndt, der 1820 wegen seiner Schriften die doch alle nur seiner großen Vaterlandsliebe entsprungen waren, seines Amtes als Vrofessor der Bonner Universität enthoben war, auch er erhielt seine Lehrfreiheit wieder, wurde von N-U-M Professor in Bonn und im darauMgenden Jahre sogar zum Rektor gewählt. . Ju gleicher Zeit kochte jenseits bes Rheins wieder die französische Volksseele. Frankreich drohte Deutschland m??"einem Kriege und sorderte den Rbe n als Grenze. Dieses unsinnige Verlangen er- melkte das deutsche Nationalgefühl, das uns zwei em vergängliche Lieder schenkte Nikolaus Beck er dichtete das Rheinlieb „Sie sollen ihn nicht haben, d n freien deutschen Rhein!" und Mar Schnek' fn h u r a e r sang die „Wacht am Rhem . Wahrend Isises Lieb brausend durch die deutschen Gaue -rklang trug man die Gebeine Napoleons I. nnn St' Aelena nach Paris in den Jnvaliden-Dom. I°n!°7ts des Aermelkanals, in England tauchte zum erstenmal die Briefmarke auf. Jenes kleine rrchtetfiae Stückchen Papier, das von diesem Jahre nfi äux größten Weltbedeutung aufstieg. Aber wie out und böse dicht beieinander liegt, so auch in diesem ^ahre in England: einer der niedertrachsigsten unb von chnöbem Kapitalismus getragenen Kriege ber nniumtriefl in China, wurde vom Zaun« ?J!rnrhen Im Anschluß daran wurde — getreu der NLt^- °°n England das groß- N e u s ° -- ' ^Indessen «™Än Gebieten war das Jahr 1840 ein ereignisreiches Gebur^jahr. Zum ersten Male erklang der Turnerruf „Gut 5) eil! Hnb Aum ersten Male sprach man von einem „Kul- Erkämpf", welches Wort es bis dahm mcht 1A »ftonha te Auch Begriff und Name „Re- Kilian?“' [4 jetzt erst hundert Jahre alt ob- m hu^enaiffance klbft viel weiter zuruckliegt. Und wer v^n uns wutzte 'wohl, datz man m>ch vor Seit jeher ist Großbritannien bemüht, aufftet- gende Völker durch Bündnisse unb Hilfeleistungs- versprechen einzukreisen, sich anbahnende Verbin- bungen zu zerstören und andere Mächte zu verpflichten, für das „stolze Jnselreich" die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Nach ber Niederhaltung und Einkreisung Frankreichs unb nach der Machtoerschiebung bes Krieges 1870/71 bachte England an die Einkreisung Deutschlands, bie balb berartig eindringlich betrieben würbe, baß ber belgische Gesandte in Berlin um 1900 nach Brüssel berichten konnte: „Die wahre Ursache bes Hasses ber Engländer gegen Deutschland ist Eifersucht." Und: „Wo immer England Deutschland Schwierigkeiten machen tonn, nimmt es die Gelegenheit sofort wahr." Im Jahre 1905 konnte dieser Gesandte feststellen: „Wenn England eines Tages Deutschland angreift, nur, um einen Gegner los zu werden, so würde es damit nur seinen alten Grundsätzen folgen." Und 1907: „Die ganze Kraft der englischen Diplomatie ist auf bie Isolierung Deutschlands gerichtet." Und wenige Wochen nachher: „Die durch Furcht unb Eifersucht hervorgerufene antibeutsche Stimmung in England, die ich Ihnen zu schildern des öfteren bie Ehre hatte, hat noch um keinen Grad nachgelassen." Die britischen Bemühungen, sich mit an- deren Nationen gegen Deutschland zu verbunben, werben durch die Worte des belgischen Gesandten bestättgt: „Dieser Eifer, Mächte, die von niemand bedroht sind, angeblich zu Derteidigungszwecken zu einen, kann mit vollem Recht verdächtig erscheinen. (1907.) Derselbe Mann schrieb 1911 nach Brussel: , Einige meiner Kollegen sind erstaunt über die Langmut Deutschlands! Baron Guillaume, damals belgischer Gesandter in Paris, berichtete seiner Regierung 1911: „Man wird viel geringere Aussichten haben, sich mit Deutschland zu verständigen, wenn England an den Besprechungen teil« nimmt." Und 1913 meinte Baron Beyens, damals belgischer Außenminister: „Es unterhegt feinem Zweifel, daß man in Pans dieser Winkelrüge müde ist, aber man erträgt eben, wenn auch mit Verwünschungen, die Folgen des Bündnisses und läßt sich auf eine Bahn dränaen, die zu einem allgemeinen Kriege führen kann. Gerade in unseren Tagen sollte man besonders in Frankreich an diese ahnungsvollen Worte des damaligen belgischen Außenministers, der vorher belgischer Gesandter in Serbien gewesen war und also mancherlei aus eigener Anschauung wissen konnte, denken. Gerade iteine Gewerbesteuer bei Betriebs« einstellung wegen Einberufung. Wenn der Unternehmer eines Gewerbebetriebes «nn Wehrdienst einberufen wird, so wird dadurch Die Gewerbesteuerpslicht nicht berührt, wenn der Betrieb, z. B. durch Angestellte ober Familienangehörige, für Rechnung des Unternehmers w e i • Itergeführt wird, jedoch erlischt sie, wenn mit bet Einziehung des Unternehmers zum Wchrdienst der Betrieb tatsächlich eingestellt wird. Di« tatsächliche Einstellung ist anzunehmen mit dem völligen Aufhören jeder werbenden Tättgkeit. Di« Einziehung einzelner rückständiger Forderungen aus der Zeit vor ber Betriebseinstellung gilt Acht als Fortsetzung der Betriebstättgkeit. Es wird deshalb z. B. bei Handelsvertretern und allein ar- beitenden Handwerkern die tatsächliche Einstellung des Betriebes in der Regel im Zeitpunkt der Einziehung zur Wehrmacht anzunehmen sein. Die Wie- deraufnahme der gewerblichen Tättgkeit muh der Steuerpflichtig« d«r Gemeindebehörde anzeigen. Schneestürme auch in Dänemark. Starte Schneestürme hoben in N°rdMand zu ernsten Verkehrsstörungen geführt. ™ hoher Schneeverwehungen war ber Sttatzenverkehr an vielen Orten für mehrere Stunden unterbrochen Die Eiienbahnverdindungen lagen auf S*" Linien still, da Schnee und Frost bie elektrischen Weichen auher Betrieb gesetzt hatten. Da man mtt anhaltendem Schneefall rechnet, wurden bereits Hilfsmaßnahmen in die Wege geleitet. Seit dem Aufblühen der Kolonialpolitik, die m der Elisabethanischen Epoche ihren Anfang nahm, glauben Englands Staatsmänner besonders das Aufftreben anderer Nationen überwachen zu müssen. Diese Wachsamkeit schlug oft in Neid um, von dem Shakespeare, der große germanische Genius, in seinem Schauspiel „Heinrich V." (1599) gesagt hat, er sei so stark, daß „Englands Küsten selbst vor Neid erblassen bei der anderen Glück". Derselbe Dichter hat diesen Neid „Einbildung" genannt und dazu bemerkt: „3m Schwachen wirkt die Einbildung am stärksten!" (Hamlet.) der älttfr tet,l hn Nen dn Artikel 3- und bi? ru erjwi» t^PPenein. In*fan Wo L«. ^nommen !rnen Sol* °rauf, u General, wurde je, 'tun nicht; u festigen, 19 an der Krieg ein, einzelnen, sziplin da, Pen unter !luch dar machte selbst dtt ich bin und ich - die " Baldm ! Führung sziplin als hende not- :rden solle, ine eigene so bfmtf der Ar, its hat er nkreich ge> Regiments« rischen Ne- i in den d gekommen. Noch Posten stehen und die an diesem Tag besonders Unterkunft. Nichts merken sollen, wie sehr bie Heimat an sie denkt und ihnen zu danken weiß. Hans Jütte. Generalleutnant a. D. Johannes Krebs feit 1907 in Wiesbaden seinen Wohnsitz hat, feiert am 28. Dezember feinen 95. ^burtstag Der Jubilar hatte an den großen Neubefestigungen m Metz vor dem Weltkriege wesentlichen Anteil. 1901 war er Präsident des Ingenieur-Komitees g 9 worden. Weihnachtsfeiern der SA. Wirtschaft a M., 28. Dez. In Anbetracht der 0,25 v.H an auf 138,50, während Reichsbchn-VA. setzen ? T Till 1 fmprr (ft P f h - 11 nta ö1 nniMf m m CX . C 4 a*? 4 n n • V r v , Die behördlichen Leitsätze für die Kosten- oon di ess Gedenket der hungernden Vögel! Bei anhaltend kleinem Geschäft war die Börse Bereiche der zivilen Bedarfsdeckung gilt ebenfalls Das gesicherte Vollwerk deutscher Währung Betrachtungen zum Jahresende. Reichsbank den Notenumlauf deckte. der Währung undenkbar. .Silreitet. im U/ien Im 77. Lebensjahr. Gasherd | Kaufgesuche I 3fl. mit Wärm- ' schrank u. Back- Kleines ofen. 2-ta-ta kaufen. 0562» . . 05629 7768V S Mm» Verk lOschwarzk, Dienstag, den 2. Januar J- Heuchelheim, den 29. Dezember 1939. S — Z Januar Januar 1940, 7775 P der Allgemei- Frankfurt-Main ie oder wynzugesicher Fr. Muhl, Mäusburg 8. Stadttheater Packer od. Packerin Januar Januar Januar 1940, 1940, 1940, 1940, 1940, 1940, Platz- und Verzehrkarten werden ab Freitag, den 29. Dezember ausgegeben Mein'Mainifche Börse. Bei ruhigem Geschäft fest. Hohen Eigenschaften der gediegenen Familien- Drucksache oietet ihnen in zahlreichen neuzeitlichen Ausführungen sowie Papieren oiiilgst die BrUhl’sche Druckerei Schulstr. 7. Ruf 2251 Gießen Danziger Straße 19 05559 Angeb. erbet, an Zinn, Gießen Schwarzlachweg Nr. 28. l 05626 Zahnarzt Dt. Suiegeiüerger Butzbach Straße d.S.A.15 Stets saubere Hände durch die Waschpaste Drobona für die Hausfrau, für den Handwerker, greift die Haut nicht an und macht fie geschmeidig. I 7760a Drogerie Bornemann Bahnhofstraße 17 Telefon 2136 Unter ganz anderen Gesichtspunkten hat man 11939 das Problem der Währungsficherung rechtzeitig angepackt. Wir leben nun bereits feit fünf Nähren im Zeichen einer lückenlosen Einfuhrkontrolle, die auf dem Prinzip beruht, nicht mehr einzuführen, als ausgeführt werden kann. Eine Währungsbedrohung durch unbezahlte Einfuhr ist also ausgeschlossen. Mancher, der in den vergangenen Jahren eine Reife ins Ausland zu unternehmen, eine Zahlung nach dort zu leisten hatte, mag es als unbequem.oder gar „kleinlich" empfunden haben, daß die Reichsbank für die kleinste Zahlung eine Devisengenehmigung oorschrieb, das Reisezehr- 6ei gutem Lohn zum 1. Januar o. später gesucht. Jffurt Kolderer Univ.-Buchhandlung, Seltersweg 75, Ruf 2265 7776D Ehepaar Kaufmann (Rückwanderersucht sofort heizb. möbl.Doppel- Schlasz immer vier- bis fünfmal wöchentlich ges. Im Freiverkehr hörte man Rastatter Waggon mit 43,50 und Verein. Fränk. Schuh mit 69. Tagesgeld uno. 1,75 v. $). Die Beerdigung findet Samstag, den 30. Dezember, nachmittags 2 Uhr, vom Sterbebaus Brauhausstrahe 11 aus statt mit Küchi^ — Küchenbenutz. In tiefer Trauer: Adele Nowack, geb. Remmert Hilde Spankus. geb. Nowack Julius Spankus, Vizepräsident am Reichskammergericht y Ilse Banse, geb. Nowack Paul Banse. 3f?re Vermählung geben bekannt Friedrich Steinacker Greta Steinacker, geb. Lochum Gießen, Silvester 1939 Hindenburg wall 16 I. 8—12 Uhr, J — R Mittwoch, den 3. 8—12 Uhr, S — Z Donnerstag, den 4. 8—12 Uhr. 2. Reichsverbilligungsscheine II. Gartenstratze 2, Zimmer 16 In Hausarbeit erfahrenes, solid, ttta »dir ooÄig.ta Samstag, 30. Dezember 1939 bleibt meine Buchhandlung ab 13 Uhr wegen Inventur ar beiten geschlossen! Größe 48-50-auf Seide gearbeitet komplett, neuwertig, weihe Weste extra, preiswert bei Hörst, Gießen, Bahnhofstr. 531 Läßt man am Jahresende die Gedanken rück- , warts schweifen, so wiederholt sich für alle, die die kriegswirtschaftlichen Maßnahmen der Jahre 1914/18 miterlebt haben, gegenwärtig immer wieder e i n typischer Eindruck: wieviel zweckmäßiger und wirk- famer ist diesmal die wirtschaftliche Seite der Kriegsführung durchdacht, vorbereitet und orqani- ftert. Nachlässe von 3 bi» 20 v. h. er halten Sie bei wiederholten Veröffentlichungen einer Anzeige 20.00—23.00 Uhr 13. Freitag-Miete Maria Stuart Tragödie von Friedr. v. Schiller. Preise: RM. 0.60 bis 3.10. 7768d 8—17 Uhr. d) für Unterstützungsempfänger nett Fürsorge: Lonystrahe 2, am Schalter A — Z Mittwoch, den 3. Januar 1940, 8—17 Uhr. e) für Volksgenossen, die nicht in Betreuung des Sozialamts stehen: Gartenstraße 2, Zimmer 16 A — H Dienstag, den 2. Insbesondere sind rechtzeitige und ausreichende Vorkehrungen getroffen, um die unbedingte Stabilität und Wertbeständigkeit der Reichsmark-Währung unter allen Umständen sicherzustellen. 1914 hatte man sich mit einer einzigen Maßnahme be- A — L Freitag, den 5. Januar 194V, 8-17 Uhr, ' M — Z Samstag, den 6. Januar 1946, 8—13 Uhr. ' 3. Reichsverbilligungsscheiu III wird unmittelbar an die Betriebe ausgegeben. Gießen, den 29. Dezember 1939. 775YV Der Oberbürgermeister - Sozialanri, tiine Zeugnisse In Urschrift Evern nm Heuqntfr ablchriftev dem B». werbungSjchrelben bet- legen - Lichtüllve, anöBeroetbunflSuntet- '■gen müssen im «er- ■eibunfl oon itictiuften Welche Wege immer sie dabei gehen mag, ein Weg ist ausgeschlossen: der Versuch, durch Zahlung von Ueberpreisen mehr Ware zu erhalten, denn die Behörde des Preiskommissars und die sonstigen Bewirtschaftungsämter sind in der Lage, ihr Gebot der Preisstabilität, wenn nötig, mit nationalfozia- listischer Harte zu erzwingen. Die Währung ist also von der Preisseite her restlos abgedichtet. Ei« deutsches Währungsproblem gibt es also nicht. Im Inneren sorgt der Preiskommissar daß daß keinerlei Preisauftrieb entsteht. Im Zusamme wirken mit den Treuhändern der Arbeit wird Vi ~ v sarge dafür getroffen, daß nicht gut gemeinte, aber r £mu x- Le V m ?..r \f ?ar bas Geschäft wenig volkswirtschaftlich abträgliche Lohnauftriebe die be. ebhaft, die An agekaufe dauerten aber fort, ins- kannte Schraube ohne Ende (höherer Lohn, höher^ besondere am Psaadbriefmarkt. Reichsaltbesitz zogen Preis, damit erneut höherer Lohn usw.) in (LQ 8MMWZ UWUM WWWM MßSS fiLen^L^ll^d^ Tten besitz be- gelb auf ■ ?ber ben tieferen Sinn dieses Systems: dafür zu sorgen, d e m<^ etwa aktiv für daß im Wege des Kapital- und Reiseverkehrs nicht 6 hnt X ' f?ch mit der mehr Zahlungen in Auslandswährung geleistet Reickl^bnn^' ^^utende Goldbestand der | werden, als tatsächlich Devisenguthaben vorhanden Eine zu- sind. Es kann keine ungezügelte Nachftaqe nach hn'nn«®eJ,£n.,be5 Zusammen- fremder Währung entstehen, da sie dank der Kow in hrHx 6n' und Wahrung hatte man ttolle nie das Angebot übersteigt. Demgemäß ist müssen 0 b b man pa^,D' roo man ^tte handeln denn auch eine Erschütterung des Außenwertes munen- her Wäbriinn itnhonFhnr Slwlplii (a. Anfängerin) Schnitt" Angeb. unter 7773D an denGieß.Anzeig. Frau zum Putzen gesucht, vormittags 2 Stunden. 7769d Krevert, Plocksttaße 7. Ordentliche Frau oder Fräulein zum Flaschen- fvülen gesucht. Schr.Angeb.unt. 77740a.d.G.A. Ai er bie ?« " k) 1* ?- SM 7744 A Theodor Fontane muar ntuot anuar B muar en ab geben vterblieb»! ^tthalt: 1M B muuk mual anuar 1M 1M ieichsverbllH- Januar tö l ten 3n den nächsten Tagen wird das lieber* nachtungsheim. das vom Roten Kreuz in Gießen für durchreisende Soldaten geschaffen wurde, von feinem jetzigen Platze im Gebäude der Anatomie nach dem Hotel Lenz verlegt werden, das für die Zwecke der Soldatenbetreuung zur Verfügung gestellt wurde. Kriegsweihnachten auf der Ll-Booi-Gchule. Don G G Sreityerrn v.Forstner. Unser Pumpenmeister auf dem Linienschiff „Kaier Karl der Große" hatte eine tadellose Methode erfunden, nach der auch jedes an einer gemeinsamen Geburtstagsfeier durch die Wache behindertes Mitglied der Deckoffizier-Mesfe doch zu dem fälligen Geburtstags-Schnaps kam. „Wenn einer von euch Geburtstag hat, dann muß er eben einfach eine Flasche Korn bei Flaggen- larade morgens auf dem Messetisch .ausstellen', und mnn kann auch jeder, so wie er von Wache kommen tut, sich einen einschenken, dann kann keiner säbeln durfte. ., v Als ich gegen 11 Uhr vormittags mich davon überzeugen wollte, wann die Tore der Ausstellung voraussichtlich geschlossen werden müßten, sah ich zu meinem Entsetzen, wie sich einer der zu uns kommandierten türkischen Seeoffiziere im Ausstellungsraum über den saftigen Schinken hermachte. Er hatte sich ein riesiges Stuck mit breiter Speckschwarte abgeschnitten. Ohne Benutzung des Schanzzeuges 190/ n-ttnii* 0f’ INI- * Das Goldaienheim des Roien Kreuzes in Gießen. Vor dem Llmzug der Llebernachtungsstätte für durchreifende Soldaten in das Hoiel Lenz ton. ,en geplatz w2:3K us. Holz ™ : wird, man ^rforderlit 2tall bauen, :el>t so wart legeben ml en WohiW forderlich. biß er von dem in der Hand gehaltenen Stück ein Ende nach dem andern ab. Mit türkischen Besuchern meiner Weihnachts-Ausstellung hatte ich nicht gerechnet. , ,, Wirklich ärgerlich stellte ich daher unfern U-Boots« kameraden Achmed, der mich bisher noch nicht bemerkt hatte, mit lauter Stimme zur Rede: „Aber Achmed! Schinken essen? Schinken ist vom Schwein! Das hat Allah doch verboten!" Erschrocken zog Achmed nun den Rest des Schinkenstückes wieder aus dem Mund heraus, während er mit der rechten Hand zum militärischen Gruß an den Fez griff. Mit dem in der linken Hand baumeln« den Schinkenstück nach oben auf die an der Gaffel wehende Kriegsflagge zeigend, die durch das Ober» licht vom Ausstellungsraum aus zu sehen war, mel« bete er mir bann stramm: .Herr Kapitänleutnant! Droben wehen deutschen Kriegsflagge. Wo deutschen Kriegsflagge wehen, und wenn Weihnachten ist, Allah nix oben zu sagen! Dagegen war ja nun nichts einzuwenden. Links- Schlafstätte in dem bisherigen U-bernachtungsheim In der Anatomie. - R e ch t-: Durchreisende Soldaten wahrend der Ruhepause im lieber- Un[S,ÜW 7 " nachtungsheim. - (Aufn. [2]: Deutsches Rotes Kreuz Gießen.) wag ^5 eJ Saal di- „Ä e r? den äj, 'druni bt: en.Einö^ »eifa, w l Abend, ar. tdlnofr Da ist das Lichtleinschwimmen. Dazu bedient man sich gleichmäßig großer Walnußschalen — auch Streichholzschachteln lassen sich verwende-n —, in die dünne gleichgroße Wachslichtchen geklebt werden. Durch Befestigung bunter Papierstreifchen in verschiedenen Farben macht' jeder Teilnehmer sein Schiffchen kenntlich. Die Schiffchen werden vorsichtig in eine Wanne gesetzt, die Kerzchen entzündet, und nun beobachtet man, wie die kleinen Rachen schwimmen, ob sie sich nähern, sich von einander entfernen, ob die Lichtchen ruhig brennen ober flackern usw. Aus ihrem Bechalten kann man die kühnsten Rückschlüsse für das Ergehen im neuen Jahr ziehen. Ein anderes Orakelspiel ist folgendes: In der Mitte des Zimmers steht ein viereckiger Tisch. Auf seine eine Ecke wird ein Ring, an die zweite ein Stück Brot, an die dritte ein Glas Wasser, an die vierte ein Kreuz gelegt. Alle Spielteilnehmer werden mit verbundenen Augen nacheinander an den Tisch geführt, den sie ein- bis zweimal umkreisen, bann erst bürfen sie nach einer Ecke greifen. Was sie dabei berühren sagt ihnen, was sie vom neuen Jahr zu erwarten haben: Der Ring bedeutet Der- lobung, das Wasser Tränen — ober wenn man solch büstere Prophezeiung vermeiden will, kann man es als Aussicht auf eine Reise ausdeuten —, bas Brot ein auskömmliches Leben, das Kreuz verspricht Ruhm und Ehre. Ein sehr munteres Silvesterspiel ist das Radieschenziehen. Hübsche, kurze Sprüche werden auf kleine Zettel geschrieben, ober kleine Charakteristiken der Mitspieler, Prophezeihungen und dergleichen. Dann nimmt man viereckige Stücke grünes Seidenpapier, die man an einer Seite einschneidet und über die Scherze zieht, damit sie kraus werden. Man wickelt die Papierstreifchen in das Grün und füllt die Bündelchen, die krausen Spitzen nach oben, in ein Körbchen. Feder zieht für sich und wohl auch für einen Fernen ein oder mehrere solche Radieschen und empfängt so ein mehr oder minder witziges Orakel. Willkommen Gast im grauen Kleid! Sieh, alles steht für dich bereit! Hier kannst du deine Briefe schreiben, mit Lesen dir die Zeit vertreiben. Auch kannst du was zu essen haben, und dich mit Tee und Rum erlaben! Bist du bann mübe, streck dich aus! Und schlafe ruhig wie zu Haus! Und bist du dann gestärkt erwacht, ziehst wieder aus in Krieg und Nacht, das Rote Kreuz es wünscht dir Glück, kehr' wohlbehalten bald zurück! An wen sich dieses nette Gedicht richtet, wirst du wohl leicht erraten, lieber Leser. Ob du aber als Gießener Bürger die Stätte, die unsere Soldaten so herzlichst willkommen heißt, kennst, weiß ich nicht. Um so besser ist sie an der ganzen Westfront bekannt. Deshalb komm, mein lieber Gießener, folge mir! Ich m!ll dich führen! Wir gehen durch den Garten in das Erdgeschoß des Anatomiegebäudes an der Ecke Liebig- und Bahnhofstraße. Du stutzt, ich verstehe, aber komm nur! Wir betreten das Hotel „3 um toten Mann", wie unsere Soldaten es scherzhaft getauft haben. rauen begegnen uns in weißen Kitteln mit der Roten Kreuz-Binde. Medizinerinnen sind es nicht, denn die Universität ist ja geschlossen. Nun erkennst du sie. Es sind Frauen der Ortsg e - meinschaft vom Roten Kreuz. Sie übernehmen nun die Führung und zeigen uns voll Stolz neben einer gut eingerichteten Küche, die die Aus der Stad« Gießen. Silvester-Spiele. Wenn auch Krieaszeit ernste Zeit ist, die unae- hemmte Freude verbietet, so ist sie doch nicht lebens* feindlich in dem Sinne, daß Heiterkeit und Frohsinn im Familien- und Freundeskreis nicht an ae- wiffen Tagen ihr Recht hätten. Gerade unsere Soldaten im Felde wünschen nicht, daß die Heimat ohne den seelischen Auftrieb lebt, den einige frohe Stunden jedem Menschen geben. Auch hat die Jugend ein Recht auf sie, und alte Sitten und Gewohnheiten setzen sich nach Möglichkeit auch durch So wird auch der Silvesterabend in diesem Jahre wohl ein ernstes Gesicht haben, in dem aber doch das Lächeln nicht fehlen soll. Mit dem Silvester verknüpfte sich von jeher die Vorstellung, daß er dem Menschen kleine Einblicke in die nun anhebende Zukunft des neuen Jahres gestatte, wenn man in der richtigen Weise das Orakel beschwöre. So tragen die meisten Silvesterspiele den Charakter der Befragung des Schicksals. Man denke nur an das mitternächtliche Blei gießen mit (einen Deutungen der gegossenen Figuren. Da wir in diesem Fahre darauf verzichten müssen, das Metall als Wünschelrute zu benützen, wollen wir an einige andere Orakelspiele erinnern, die geeignet sind, eine Silvestergesellschaft zu unterhalten, in jener Mischung von Heiterkeit, Neugier und ein wenig Aberglauben, die das Wesen dieser Unterhaltung ausmacht. „durro/ ich bin Papa!" Wieder einmal ein Film mit Heinz Rühmann! Es gibt also etwas zum Lachen und außerdem die Freude, zu sehen, wie der Schauspieler Ruhmann (der sich urplötzlich und etwas gewaltsam m der Eigenschaft eines Vaters kennen lernt) mit einem vierjährigen Jungen umgeht und dabei eine erstaunliche Geschicklichkeit beweist. Heinz Ruhmann sieht sich in diesem Film als lebenslustigen Sohn eines unwahrscheinlich reichen Vaters, dem es nicht gelingen will, den jungen Mann zu einer vernünftigen Arbeit anzuhalten. Erft auf dem Umweg über ein Kind wird er zu ernsterer Lebensauffassung gedrängt und einer Frau nähergebracht, die einiges Anrecht auf ihn hat. Der Film in feiner Gesamtheit stellt dabei vor die Frage, ob es recht und angebracht ist, das ernste Gefühl um Dater und Kind in die Form eines Schwankes zu gießen und ein Thema von einer fast frivolen Seite zu nehmen, das doch eigentlich einer ernsten und reifen künstlerischen Ausprägung bedürfte. Wenn man sich dagegen entschließen kann, den Film ausschließlich von der heiteren Seite zu nehmen, bann wird man für eine Stunde gut unterhalten. In den Haupttollen begegnet man neben Rühmann noch Albert F l o r a t h , Carola Höhn, Walter Schul« l e r (vierjährig und seiner Wirkungen wohl noch unbewußt), Hansi A r n st a e d t und Bruno Fritz. Das Manuskript stammt von Thea von H a r • b o u. Regie in diesem Cine-Allianz-Film, der seit gestern im Lichtspielhaus Bahnhofstraße gezeigt wird, führt Kurt Hoffmann. Im Beiprogramm sieht man herrliche Winter- landschaften aus dem Riesengebirae. Die Wochenschau zeigt großartige Bilder von der Rückkehr der Bremen" in den Heimathafen, von der Arbeit der Fernaufklärer, ihrer photographischen Arbeit und der Auswertung ihrer Bilder Heinrich Ludwig Neuner. zumal Gießen eine schöne ^tabt, da hatten die Viere bas Reisen satt. Beim Roten Kreuz ba kehrten sie ein und wurden ausgenommen fein. Nach vollbrachter guter Ruh, fuhren sie dem Westen zu. Sie wollen nach dem Westwall eilen, um dort den Franzmann zu verkeilen. Diese vier alten Streiter, drei sind Gefreiter, O. Fischer, E. Preuß und Aug. Schroder und Hermann Rößling unser dicker Köter, ist auch ein ganz sideles Haus. Wir sind zufrieden, wie feiten eins, wir vier von der KPK. 501." Den schönsten Dank und die höchste Anerkennung spricht aber den Frauen der Ortsgemeinschaft, die feit Kriegsbeginn in der aufopferndsten Weife Tag und Nacht für unsere Soldaten hier tätig sind, em Stabsfeldwebel aus, der schreibt: „Wenn jeder in der Heimat seine Pflicht tut, wie die Schwestern des Roten Kreuzes, bann kann auch an ber Front einen nichts mehr erschüttern. Für Unterbringung unb Verpflegung besten Dank." Die Frauen ber Ortsgemeinschaft sind aber nicht so unbescheiden, den Dank ber Soldaten für sich allein zu beanspruchen. Sie geben ihn weiter an Herrn Professor Dr. Elze, ber ihnen bie Raume, die ja in ber Nähe bes Bahnhofs liegen mußten, in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt hatte, und an seine beiden Helfer, die Gebrüder A m e n t, die keine Mühe und Zeit scheuten, den Frauen vom Roten Kreuz bei ber Herrichtung ber Räume behilflich zu fein. Sie bauten auch im Namen ber Soldaten allen Spendern für bie vielen schonen Sachspenden, mit denen sie dem Roten Kreuz die Möglichkeit gegeben haben, vier Monate lang bie burch Gießen fommen» 'den Feldgrauen zu erfrischen und zu erfreuen. D>e zu kurz kommen!" . Der Plan fand freudige Zustimmung. Bald konnte die erste derartige „Ausstellung" eröffnet werden. Neben der von Schnapsgläsern umrahmten Flasche Korn stand in einer durchgeschnittenen Kartoffel eine Flagge an einem Holzstab mit ber Aufschrift: „Ausstellung vom Oberbootsmann?" Fröhliche Stimmung herrschte von morgens ab an biesem Tag in ber Deckosfizier-Messe. Der Oberbootsmann mußte allerbings bie betrübliche Feststellung machen, baß bie Ausstellung bald erweitert werben mußte, und sah sich dazu gezwungen, noch einige Flaschen nachzuorganisieren. Weihnachten 1916 bekam ich als Liebesgabe einen prächtigen Riesenschinken aus Westfalen. Als Lehrer ber U-Boots-Kommanbanten-Schüler hätte ich am liebsten alle Kameraben zu einer Gemeinfchaftsfeier um den schönen Schinken vereint. Der Hochbetrieb, der uns auch in den Festtagen zu Torpedo-Schießübungen zwang, verbot dieses. Ich sann daher nach einer gerechten Verteilungs- möglichkeit. Da erinnerte ich mich der famosen „Geburtstags-Ausstellung" unseres prächngen Pumpenmeisters. Schnell reifte so der Gedanke einer „Schm- ^Am ersten iäeihnachtstag wurde diese Ausstellung um 8 Uhr morgens, gleich nach Flaggenparade eröffnet, indem ich mir das erste Stück abschnitt. In der Offizier-Messe unseres Mutterschiffes „Vulkan standen um den festlich geschmückten leckeren Schinken herum Teller und Schanzzeug. Erfreulicherweise war der Besuch der Ausstellung gleich nach ihrer Eröffnung, schon zur Frühstückszeit, ein sehr reger. Natürlich war es Ehrensache unb Kameradschafts- pflicht, baß jeder Ausstellungsbesucher sich nur ein normales Stück von dem schönen Schinken ab« „Der ist in tiefster Seele treu, \ Der die Heimat liebt wie du." < Mtt diesen Worten, die Fontane seinen König Jakob zum Grafen Douglas sprechen laßt, hat er - sich selbst getroffen. Fontanes dichterisches Lebens- i werk ist aus Liebe zu feiner märkischen Heimat ge- । baren. Es ist freilich eine Liebe, bie nichts Schwär- < mensches an sich hat, im Gegenteil eine hellsichtige Liebe, bie bie Schatten ebenso genau sah mie Das Licht, ja, die grabe in diesem wechselndem Spiel ' von Licht und Schatten das eigentlich Llebenswerie erblickte und nicht mübe wurde, es darzustellen. Die tiefe Siebe zur Heimat und auf ber aderen Seite der helle, nüchterne, kritisch abwagende verstand der unvergleichliche Sinn für Wirktlchkert, der Hatz gegen alle großen Worte und alles Pathos, 6a.5 di« Elemente, aus denen das Wesen des „Dichters der Mark" sich zusammensetzt. Fontane war, wie es dem Sohn der sandigen Mark entspricht, ein Spätreisender. Mit so Jahren entschloß er sich, den Beruf des Apothekers aufzw geben und sich der Schrlftstellerei zu widmen, was zunächst jonieT wie TagesfchristMerei bedeutet., d.h. Feuilleton, Theaterkritiken, Redatteurtallgkeit. denn von den Balladen, die er außerdem verofs-nt. lichte und die rasch volkstümlich wurden, I>eh M nicht leben. Mit 60 sing er an, Romane zu schreiben, mit 75 stand er auf der Höhe seiner Scha^enskratt, und als dem Neunundfiebzigsahngen der Tode l-m die Feder aus der chand nahm, befand er sch in voller geistiger Frische. Unwillkürlich s h ■ wenn wir an Fontane denken, immer das Bild des alten Fontane vor Augen mit feiner wundert^ n Abgeklärtheit und feinem überlegenen.Humor Was er in der entzückenden Schilderung feiner Kmbb ü von seinem Vater, dem Apotheker ,n N°u-Ruppm. fa ibestelle i® .{er W Verpflegung unb Erfrischung unserer Soldaten sicherftellt, eine Reihe von Räumen, bie in liebevoller Weise für bie Uebernachtung unserer durchreisenden Soldaten eingend)tet sind unb in denen bis jetzt schon weit über tausend unserer Krieger eine stärkende Nachtruhe gefunden haben. Doll Freude und Stolz zeigt bir eine ber Frauen bas G ä st e b u ch, das auf vielen Seiten Namen unter Namen enthält unb in dem sich unsere feldgrauen Gäste in mehr ober weniger humorvoller Weise verewigt haben. Aus allen Eintragungen spricht ein herzliches Dankgefühl. Einige Ergüsse scheinen uns wert, veröffentlicht zu werden Kurz unb bündig erklärt einer: „Gut gepennt, bann fortgerennt!" unb ein anderer: „Gut geschlafen, ausgeruht, bas gibt wieder frischen Mut!" Das höchste Lob hat wohl ber gespendet, ber schrieb: „Ich habe geschlafen wie bei Muttern!" Unter ben felbgrauen Gästen waren auch einige Dichter. Zwei Geoichte sollen bem Leser nicht vorenthalten werden. So dichteten drei Feldgraue: „Es kamen einst von ungefähr drei Mann von Deutschlands Westen her. Sie klopften an des Hauses Tür, und baten um ein Nachtquartier. Kaum war bie Bitte angehört, warb solches ihnen gleich gewährt. Sie waren nun ganz ohne Sorgen unb sicher wie zu Haus geborgen. Weil nun es biefen Dreien allen, hier ausnahmslos fo gut gefallen, fo sagen auf biesem Wege hier, bem Roten Kreuz sie Dank bafür." Vier Ostpreußen schrieben: „Don Polen kamen gezogen her, vier vvn ostpreußischer Landeswehr. Der Weg sie auch durch Hessen führte und weil man Müdigkeit verspürte, Vv V W11 y V 11 v.v --- ------ v ’ ■ s ften unb tiefsten Zeugnis feiner Heimatliebe, an bem er ein halbes Leben gearbeitet. Zu Fontanes äußeren Schwierigkeiten kam noch, daß feine häuslichen Verhältnisse nicht immer die glücklichsten waren. Don seiner Frau Emilie sagt er selbst in einem Brief mit der Offenheit, mit der < er sich zuweilen aussprach, daß sie „eine vorzügliche ' Prebiger- unb Beamtenfrau in einer gut und sicher . dotierten Stelle geworden" wäre, aber auf eine Schriftstellerexistenz gar nicht eingerichtet war. Fontane, ber sich selbst als Egoisten bezeichnete machte es ihr allerdings schwer, fo, als er Z.B 1876 die gutbezahlte Stelle als Sekretär ber königlichen Akademie der Künste nach wenigen Monaten schon wie- der aufgab. Er mußte es tun, weil er „nicht Lust hatte nach jeder Geheimratspfeife zu tanzen und well er spürte, baß diese Existenz ihm feine eigent- liehe Lebensader, feine kunstlerifche Schaffenskraft, ab chnitt. Für diese Gründe aber hafte Frau Ermlie, fo innig sie ihren Theodor auch liebte, fein Der- tänbnis, sie fah nur bas entschwundene feste und gute Einkommen und weinte ihm heiße Tranen nack So klagt Fontane an anderer Stelle: „Indem Moment, wo ich erttinkend um Hilfe schreie und ein freundlich ausgestreckter Finger mich über Wasser halten würde, hat sie eine Neigung, ihre Hand nicht rettend unterzuschieben, fonbern sich wie einen Stein auf meine Schultern zu legen." «...<« Einem Notizbüchlein, bas er fein "A^^chlem nannte, vertraute Fontane ferne persönlichsten Gedanken an. Hier finbet sich einmal folgendes Selbstbildnis: „Welche Eigenschaften schätzen Sie an bem Manne? — Gehorsam. — Welche an ber Frau? - Kaprice. — Was ist Ihre hervorstechenbste Eigenschaft? - Jndifterenz. - Wie verstehen Sie bas Glück? — Gar nicht. — Wie bas Unglück. Auch nicht recht. — Wo möchten Sie leben? — In meiner Stube. — Was wünschen Sie am sehnlichsten. — ßuft Licht. — Wer ist in Ihren Augen ber erste Dichier, Schauspieler, Mufiker, Maler? — Wechselt alle fünf Jahre. - Welches historische Ereignis mißfällt Ihnen am meisten? — Die Schlacht bei Bronzell (bie es nie gegeben hat). — Welche Feh- lerOfinden Sie am verzeihlichsten? -D" Einigem — Lieben Sie bas Jbeale ober bas Reale? — Die Diagonale. — Was ist am schwersten zu erreichen? - Papst ober großes Los. -Welchen Rat wurden ‘ Sie der Frau geben, bie Sie heben? — Mich wie- ?’ zu lieben - Welches ist Ihre ßiebhngsbefäaf* : ^g' - Schlafen. - Welche polltlsche Richtung jst^Jhnen am fympachifchsten? - Mecklenburg. - Wie denken Sie über bie Ehe? — Je nachbern. Waches Vergnügen ist Ihnen das oben unter Lieblingsbeschäftigung — Welche Blume welches Getränk und welche Farbe Ziehen Sie vor? _ Ttir alles gleich. - Wie definieren Sie b e Liebe? - Mir zu schwer. - Wie befimeren Sie die K. L ÄSEÄ C1C S.Jl.-'fpoit Das Jahr 1939 — in wenigen Stunden ist es zu I geben war, so waren doch die Bemühungen stets ade — hat im Bannkreis des sportlichen Inter- darauf gerichtet, die Sache hochzuhalten. Das ist be- Ende 6 Uhr: Morgengruß. 6.10: Morgengymnastik. 9 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Rundfunkprogramm Samstag, 30. Dezember: Eine reiche Arbeit entfalteten auch die einzelnen Fachämter, und wenn auch nicht jedem Fachamt die Möglichkeit zu einem gleich intensiven Betrieb ge« sonders beim Rudersport der Fall. Es ist gerade in der Gegenwart kaum möglich, eine ganze Gruppe junger Männer zu einem strengen täglichen Training zu verpflichten. Um so eifriger wurde deshalb die Ausbildung der Jugend betrieben und manche Mannschaft ist im schmalen Boot heimisch gemacht worden. LrrlchleMiWrMeiN KomanDonjtlßalliWW CARL DUNCKER VERLAG • BERLIN Was Sport der Heimat im Ähr 1939 Eine Rückschau. gegen den Lokalgegner an und hatten das Spiel fast stets in der Hand. Zu Anfang allerdings dominierten die Grünweißen, doch bau) beherrschten die Platzbesitzer das Feld. Aber jeglicher Torerfolg blieb aus. Auch nach dem Wechsel wurde dies nicht viel archers. Alles Drängen der Blauweißen blieb vergeblich, da der Gegner mit vielen Deinen und geschickt verteidigte. Bei einem Durchbruch gelang es dann zwei Minuten vor Schluß den Grünwei- sien, den einzigen Treffer des Spieles anzubringen. Das Eckenverhältnis lautete 12:4 für 1900. 1900 2. Jugend — Tv. Londorf L Jugend 2:1. Die Gastgeber stellten eine körperlich erheblich stärkere Mannschaft, deren Uebergewicht die Blau- weißen durch Eifer ausglichen. Mt 1:1 wurden die Seiten gewechselt. Nach der Pause gingen die Blau- weißen in Führung und die Gastgeber bemühten sich vergeblich um den Ausgleich. Die 2. Jugend trat in einem weiteren SM ebenfalls gegen die 2. Jugend des Lokalgegners an. Das Vorspiel hatten die DfBer mit 6:1 Toren gewonnen. Diesmal aber erwiesen sich die Blauweißen als die Besseren und sicherten sich mit 2:0 Toren den Sieg. Der Beginn des Jahres 1939 brachte eindrucksvoll das Ereignis des Jahres 1938 in Erinnerung: Breslau! Der Breslau-Film wurde In Gießen gezeigt! Im Geiste von Breslau stand dann für den Sportkreis Gießen das Bundesfest in Grünberg. Festabend und Feierstunde, Wettkämpfe auf breiter Front, Festzug und Vorführungen — das alles unter dem blauen Himmel zweier herrlicher Augusttage — floß zu einem einzigen großen Bild zusammen, in dem Geist, Wesen und Sinn der deutschen Leibesübung gültigen Ausdruck fanden. Noch einige andere Veranstaltungen brachte das Jahr Zugendspiele der Spielveremigung 1900. Eintracht Frankfurt a. 2H. — 1900 Gießen 1. Jgd. 5:3 (1:3). Die Blau weißen fuhren am 1. Feiertag nach Frankfurt. Die Gastgeber stellten eine sehr starke Jugendmannschast ins Feld, zogen sofort mächtig los, setzten die Gäste-Hintermannschast unter Druck und erst allmählich fanden sich die Gießener. Zur allgemeinen Ueberraschung gingen die Gießener dann in Führung. Im Anschluß an einen Eckball erzielte Deeg durch Kopfstoß das erste Tor. Aber schon nach 10 Minuten glichen die Frankfurter aus, erhöhten dann auf 2:1, sogar auf 3:1 und mit diesem Stand ging es in die Pause. Nach dem Wechsel spielten die Blauweißen feldüberlegen und wußten dies auch durch zwei Tore auszudrücken. Dann aber rückte die Hintermannschaft zu weit aus und dies nützten die Frankfurter geschickt aus. Mit zwei Toren stellten sie für sich den Sieg sicher. Die Jugend der Blauweißen schlug sich, das wurde auch vom Gegner rückhaltlos anerkannt, ausgezeichnet. 1900 1. Jgd. — VfV. R. 1. Igd. 0:1 (0:0). Die Blauweißen, vom Vortage her noch etwas abgekämpft, traten am 2. Feiertag zu einem Kampf Doktor Schworm untersucht den Kranken. Franz stöhnt, daß man es bis ins Eßzimmer hört, obwohl die eichenen Türen geschlossen sind. Die Frauen wagen es nicht, sich anzusehen. Als der Arzt zu ihnen kommt, steht Klarissa auf und geht ihm entgegen. ,^Zst es eine Gehirnerschütterung?" fragt sie. „Nein, ich nehme an, das Rückgrat ist verletzt. Pegel muß geröntgt werden, wahrscheinlich für längere Zeit ins Krankenhaus, ich werde gleich nach dem Krankenwagen telephonieren." „Wird er — wird es wieder besser werden?" „Das ist anzunehmen", sagt der Arzt. Es wird nach einem Krankenauto telephoniert, man muß lange warten, und der Kranke stöhnt. Luise sitzt neben ihrem Mann und hat tiefe Ringe unter den Augen. Er läßt sich nur von ihr an« fassen, well sie ihm die wenigsten Schmerzen bereitet. Eine kräftige und gefaßte Frau, diese Luise. Sie ist nicht besonders schön, breit in den Hüften ist sie und ein einfacher Mensch vom Lande. Aber ihre Hände sind die geschicktesten Hände der Welt und ihre Augen voll Güte, sie erraten stets, was der Kranke will. Alle anderen stehen nur herum, wollen helfen und können es nicht. Als der Arzt abgefahren ist, schickt Klarissa die Mädchen wieder ins Bett, und zu Kläre und Anne sagt sie: „Kommt mit." Sie geht, so leise sie kann, vor den Nichten her durch die Diele, klingt die Tür auf und verläßt das Haus. Der Mond ist untergegangen, und der Tag steigt mit grauweißen Nebeln aus Wiesen und Wäldern. Die Nebel schwingen im Hof wie Tücher, die Bäume des Parks fehen wie mächtige Fabelwesen aus. Klarissa geht um das Haus herum. Jetzt ist sie an der Stelle, wo Franz Pegel lag. Sie sieht zum Spalier auf, das bis in den Giebel des Hauses mit Wein berankt ist. ,Holt die Leiter, Anne, das da oben", sie deutet zu Kläre? Fenster hinauf, wo das Spalier zerbrochen ist und Weinranken abgerissen sind, „muß gleich in Ordnung gebracht werden. Ihr ^abt die Sache mit dem Sturz vom Rad erzählt, luu m also dabei bleiben. Nicht deinetwegen, Kläre, sondern Luises wegen." ,2lune senk'- den Kopf tief und auch Kläre sagt kein - rt. Sic ;^fven zum Schuppen und holen die Ann« stellt an uich klettert hinauf, wähMit zwei großen Veranstaltungen traten die artverwandten Paddler hervor. Eine Gau-Kurz- strecken-Regatta brachte ausgezeichneten Sport auf die Lahn und die glatte Durchführung brachte der Paddlergilde auch die Ehre, die Staffelmeisterschaf- ten des Gaues übernehmen zu können. Auch 1939 brachte das Fachamt Fußball die meisten aktiven Sportler in Bewegung. Nicht nur bie Vereine der Stadt, sondern auch die des Landes setzten allen Ehrgeiz darein, mehrere Mannschaften auf die Beine zu bringen. Mit Genugtuung dürfte vermerkt worden sein, daß es endlich der 1. Mannschaft des FC. „Teutonia" Watzenborn-Steinberg gelang, zu wohlverdienten Meisterehren zu kommen. Wenn auch unter Formschwankungen, so wurde auch bei 1900 und VfB.-R. der Fußball nachhaltig gepflegt. Dabei wurde alle Aufmerksamkeit auch der Jugend gewidmet. Beide Vereine hatten fast ständig je drei Jugendmannschaften unterwegs. Das Handballspiel wurde dank der eifrigen Sachwalter im Kreis immer wieder belebt. Land- und Stadtvereine stehen in erfreulicher kämpferischer Wechselbeziehung zueinander. Das große Handball- turnier in der Dolkshalle ließ erkennen, wie groß die Handballgemeinde ist und welch technisches Können vorhanden ist. Einen steilen Aufstieg nahm das Basketball- spiel, das so leidenschaftlich gespielt und entwickelt wurde, daß sich die Mtv.-Mannschaft im ersten Ansturm die Gaumeifterschaft errang und in den Gau- gruppenkämvfen (in Heuchelheim) zum schärfsten Geaner der favorisieren Kreuznacher Turner wurde. Die Leichtathletik trat im Mai mit dem Staffellaus „Rund um Gießen" am augenfälligsten in Erscheinung. Die Trainingsarbeit vollzog sich in der Stille. Leider ist der Kreis der Unentwegten nicht sonderlich groß. Bei den Gaumeisterschaften in Kassel wurde mancher Titel errungen. Auch mehrere «andere auswärtige Sportfeste wurden mit bestem Erfolg besucht. Im Fachamt Turnen lag wieder die Bretten- rend die Leiter unten von Klarissa und Kläre gehalten wird. Es ist nicht schwer, die Weinranken so zurechtzubiegen, daß nichts mehr zu sehen ist, keine Wundertat, wahrhaftig, das ist es nicht, aber Kläre scheint es eine solche zu sein. In wenigen Minuten ist die Arbeit getan. Die Leiter wird von den Schwestern wieder an Ort und Stelle gebracht, und alles ist in bester Ordnung. .Als sie zum Haus zurückkehren', braut der Nebel dicht und dichter. Doch plötzlich verhalten beide den Schritt, sie hören Flüstern und leises Lachen. Wie einen Schatten sehen sie eine weibliche Gestalt zur Hintertür des Hauses huschen und verschwinden. Die Tür knarrt ein wenig, es ist eine alte Tür in einem alten Haus. Jetzt wird die Tür von innen verschlossen. „Das war doch — Irene Waitz, hast du gesehen, mit wem?" „Nein", sagt Anne, und dieses Nein klingt kalt und hochmütig. Sie denkt: Sind die Menschen so? Paul Würz wollte mich küssen und sicher hatte er schon vorher Irene Waitz den Kopf verdreht, sie haßt mich aus Eifersucht. Wie merkwürdig ist das alles, merkwürdig und unschön. Ich könnte nie einen Mann lieben, der so brutal ist wie Paul Würz oder so knabenhaft wie jener Student im Wald, ja, werde ich überhaupt im Leben je verstehen, zu lieben? Grau und gestalllos ist der Morgen, grau und gestaltlos ist die Welt, und die junge Anne Wegner wird von grenzenloser Mutlosigkeit erfaßt. Nahe beim Haus treffen die Schwestern Klarissa. Anne erschrickt. War Klarissa immer so alt, so fahl und verfallen? Ach, Klarissas Herz ist müde. „Geht jetzt schlafen", sagt sie, und ihre Worte sind ein Ge- murmel. Die drei Frauen schleichen sich durch die Diele, der Kranke stöhnt weniger als vordem, vielleicht schläft er? Luise winkt ihnen zu, daß sie gehen sollen, sie wird bei ihrem Mann wachen. Oben an der Treppe sagt Klarissa: „Versucht zu schlafen." Sie wendet sich ab und geht in ihr Zimmer. Sie geht mit tiefgesenktem Kopf, sie ist eine alte Frau, die sich nach Schlaf sehnt, die den Schlaf so nötig braucht wie das tägliche Brot Die Schwestern reichen sich die Hände. „Gute Nacht!" sagen sie. obgleich gerade der erste Sonnenstrahl den dichten Nebel draußen wie Vorhänge zur Seite schiebt. Anne öffnet die Tür ihres Zimmers. Da liegt es vor ihr, mit dem großen Waschbecken, den Möbeln, die sie kennt und liebt, gottlob, sie ist zu Hause. Und hinter ihr sagt Kläre: „Wenn wir nach Hamburg fahren und Einkäufe machen, dürfen wir auf feinen Fall vergessen, daß du einen Morgenrock brauchst. Ja, dieses Ding da sieht fürchterlich aus"--- Kläre Ziegler ist der Aufenthalt auf dem Birken- Marie, rund und mollig, mit einem Gesicht, so blank, als wäre es mit Speckschwarte ab ger ieben, kommt eifrig herzu. Sie ist von sparsamen Eltern und würde für ihr Leben gern ein bißchen mit öem Speck sparen, nicht für sich, versteht sich, aber für die Vorratskammer. Doch nie im Leben würde sie auf diese Frage falsche Angaben machen. Klarissa hört sich ihren Bericht an und läßt sich eine Probe vom Essen geben. Dann ist sie schön wieder draußen und ruft über die Schulter zurück: „Zu wenig Speck, Marie. Nimm noch eine ganze Sette durchwachsenen." So ist sie nun, eine tolle Frau, in ihrer Güte wie in ihrer Härte unberechenbar. Die Leute auf den Feldern sagen: „Junge, auf dem Birkenhof gibt es mal wieder ein Essen, daß man sich reinsetzen möchte, und jeder kriegt satt. Durchgehen läßt die Alte zwar nichts, aber sie ist gerecht. Ein feiner Hof." Bald ist Klarissa wieder im Sattel, nachdem sie schnell noch im Verwaltungsgebäude nach dem Rechten gesehen hat. Hier sitzt Luise Pegel mit hochrotem Kopf über endlosen Lohnlisten. Sie gibt sich redliche Mühe, ihren Mann, so gut es gehh zu ersetzen. Es acht nicht aerobe gut, aber besser, als Klarissa dachte. Luise hat bestimmt nicht das Pulver erfunden, sie hat sich auch vorher nie mit geschäftlichen Dingen abgegeben, muß man beben» ken. Aber die Arbeiten, die sie macht, sind richtig. Em verläßlicher Mensch ist Luise Pegel, und selbst Klarissa weiß es nicht, daß sie die Nächte mit zu Hilfe nimmt, um das zu leisten, was geleistet werden muß. Ja, in diesen Tagen kommt Klarissa kaum aus dem Sattel und bis zum Abend nicht aus Hose und Stiefeln. Die Wetteraussichten finb nicht die besten. Da muß man aus sich und aus allen, die für den Birkenhof arbeiten, herausholen, was her- auszuholen ist. Sie gibt den Leuten, was sie nur geben kann; jeder kommt zu seinem Recht, aber Stellestehen, auch nur für Minuten, duldet Klarissa Wegner jetzt nicht. Und Anne? Da sieh doch einer die Anne an! Sie ist wahrhaftig immer gerade da, wo sie am notwendigsten gebraucht wird. Sie packt jede Arbeit an. Zuerst hat sie Luise und der kleinen Steno- typisttn beim Rechnen und Aufstellen der Listen geholfen. Als aber die Frau eines Landarbeiters, di« beim Binden von irgendeinem giftigen Insekt jämmerlich zerstochen wurde, zum Hof kommt, springt Anne sofort an ihrer Stelle bei den Binderinnen ein. Sie geht zwischen den Frauen, wiegt und schwingt den Oberkörper, wie die es tun, m dem wundersamen Rhythmus des ttächttgen Koms, x" (Fortsetzung folgt.) ' 6 30: Frühkonzert. Es spielt der Gaumusikzug Schle- sien. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Landvolk, merk' auf! 8.10: Gymnastik. 9.15: Deutschland — Kinderland: „Wenn unser Kind krank ist". „Das Kind in der Genesungszeit". Von Dr. Irmgard Müller. 9.30: Frohe Weisen. 11: Musik am Vormittag. Es sptelt das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt. 11.50: Stadt und Land — Hand in Hand. 12: Mittagskonzert. Es spielt das große Orchester des Reichssenders Frankfurt. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 13: Mittagskonzert. Das Orchester des Reichs- fenders Leipzig. 14: Nachrichten. 14.15: Der froh- liche Lautsprecher. 16: Nachmittagskonzert. Bunter Nachmittag bei der Kriegsmarine. 17 bis 17.10: Nachrichten. 18: Bühne und Film im Rundfunk. 18.25: Mit klingendem Spiel. Dazwischen: 18.30: Aus dem Zeitgeschehen. 19.10: Berichte. 20: Nach- richten. 20.15: Uebertragung vom Deutschlandsender. Dazwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten. 24 bis 0.15: Nachrichten. Hof nach dem Sommerfest verleidet, vor allem aus dem Grunde, weil niemand Zeit hat, sich um sie und ihre Wünsche zu kümmern. Ein Mann fehlt beider Arbeit, Franz.Pegel fehlt, und wie es ift, weiß man erst dann die Leistungen eines Menschen richtig zu schätzen, wenn er nicht mehr da ift Die Birkenhofer stecken außerdem mitten in der (rmte, da sind sie für nichts anderes zu sprechen als für die Arbeit und alles, was mit ihr zufam- menhängt. Kläre muß sich also, so gut es geht, mit NS selbst beschäftigen. Die einzige Freude hat sie an Klarissas Auftrag, in Hamburg für Anne nach ihrem Geschmack einzukaufen. Da Anne nur wenig schmäler ift als Kläre und ein bißchen größer, geht das ausgezeichnet. Kläre kommt nach drei Tagen ohne Geld, ober mit zwei gefüllten Koffern wieder. Sie ift voller Geschäftigkeit, doch ihre Freude platzt wie eine Seifenblase, denn Anne ist bald hier und bald da, aber kaum zum Anprobieren zu bewegen. Em merkwürdiges Mädel, diese junge Schwester, und Klare wünscht den Tag ihrer Abreise herbei. Indes klappern auf allen Feldern die Mähmaschinen, und wo sie nicht ausreichen, blitzen Sensen, unter deren wuchtigen Strichen die Aehren zur Erde sinken. Staub glüht und funkelt unter her Sonne, hängt über den Menschen und den wei- ten Aeckern. Wo die Aehren am Boden liegen, beugen sich Frauen darüber und binden die Garben. Sind sie nicht wie bunte Feldblumen? Auf und nieder wiegen die Oberkörper, und es ist fast der gleiche Rhythmus wie der der schwingenden Aehren unterm Wind. Klarissa ist überall und nirgends. Wenn sie just noch da bei dem Selbstbinder stand und den Fuchs auswechseln ließ, der vor der Maschine ging und lahmte, so ist sie gleich darauf drüben im Roggen« schlag bei den Schnittern und Binderinnen. Kaum gedacht, erscheint sie in der Küche, wo das Essen m~mächtigen Kupferkesseln kocht. Es riecht gut und kräftig nach Bohnen, Birnen und Speck bis in den Hof hinaus. Die Frauen m der Küche stoßen sich an. „Die Alte kommt", flüstern sie und hören auf zu lachen. Sie stimmen ein Lied an, denn Klarissa hat es gern, wenn gesungen wird. Sie sieht wie ein Mann aus in ihren hohen Schaftstiefeln, einen fleckigen Hut mit verschwitztem Band fest über den Kopf gezogen. Nun merkt keiner, daß Klarissa Wegner eine alte Frau ist, und keiner merkt, wie müde sie ist. Straff und aufrecht geht sie mit schweren Schritten über das Land und empfängt den reichen Segen wie eine Gnade. Jetzt steht sie über einen der großen Kessel gebeugt. „Wieviel Leute haben wir heute mittag, Marie, und wieviel Speck hast du genommen?" cffes eine Fülle bedeutender Veranstaltungen gebracht und war erfüllt von einem ungemein regen Leben. In der Rück- und Ueberschau wird diese Tatsache beglückend bewußt. In der Zusammen- sassung spiegelt sich aber auch deutlich die Viel- eitigfeit der Leibesübung im NSRL., es spiegeln ich ernste Arbeit, eifriges Training, Kampf und Erfolg. Der überragenden Bedeutung der Leibesübung entspricht es, auch in der Gegenwart, das Gewesene nicht einfach vergangen und vergessen ein zu lassen. Ortsgemeinschaft vom Roten Kreuz hofft, daß ihnen auch im neuen Jahr die Spender treu bleiben, wenn nunmehr nach Wiedereröffnung der Universität die Anatomie (das Hotel „Zum toten Mann") geräumt werden muß und das Tätigkeitsgebiet des Roten Kreuzes in das Hotel Lenz verlegt wird. Dornotizen. Tageskalender für Arettag. Stadttheater: 20 bis 23 Uhr „Maria Stuart". — Gloria-Palast, Seitenweg: „Das Lied der Wüste". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: .Hurra! Ich bin Papa!" Sladlkhealer Gießen. Arn heutiaen Freitagabend wird die Aufführung des Trauerspieles „Maria Stuart" von Schiller wiederholt. Die Spielleitung der Neuinszenierung hat Dr. Hannes Razurn. Bühnenbild: Karl Löffler. 13. Vorstellung der Freitag-Miete. Oer Landdienst wirbt. NSG. Nur noch wenige Monate, dann ist Gruppenschluß in den 40 Landdienstlagern des Gaues Hessen-Nassau. Ein ganzes Jayr haben 500 Jungen und Mädel die Bauernarbeit kennengelernt und dem Bauern geholfen. Nun wollen 85 von den 300 Landdienstjungen unseres Gebietes auf dem Lande bleiben, 44 wollen Wehrbauern werden. Das ist schon ein schöner Erfolg, trotz aller Schwierigkeiten, die sich im Laufe eines Landdienstjahres des öfteren ergeben. Die Werbung neuer Mannschaften setzt im Januar wieder ein. Die Hitler-Jugend wird in bewährter Zusammenarbeit mit den Arbeitsämtern unb den Bauernschaften eine strenge Auslese durch« ^hren, um wiederum wertvolle junge Menschen über den Landdienst der Hitler-Jugend zum Dienst am Boden zu erziehen. Abschnittsinspekteur Hessen der Feuerwehren. 3m Zusammenhang mit der Neuordnung des Feuerlöschwesens ist der seitherige Landesverbands« sichrer der Freiwilligen Feuerwehren Hessens, Eugen Müller (Mainz), zum Abschnittsinspekteur Hessen der Feuerwehren ernannt worden. Soldatentreffen im Marine-Bootshaus Wie alljährlich, so sanden sich auch in diesem Jahre wieder am zweiten Weihnachtsfeiertag die auf Urlaub weilenden Wehrmachtsangehörigen der Marine-SA., Marine-Kameradschaft und Marine- HI. mit den in der Heimat verbliebenen Kameraden zu einigen frohen Stunden im Marine-Bootshaus zusammen. Fast war der Saal des Marineheimes zu klein, um alle die frohgestimmten Kameraden aufzunehmen. Kameradschastsführer Lich hieß die Männer ' herzlich willkommen und gab seiner Freude über . bas zahlreiche Erscheinen Ausdruck. Sturmführer Heß 11/34 wies darauf hin, in welch' herrlicher < Weife sich heute wieder die schon immer in den Stürmen der Marine-SA. gepflegte Kameradschaft 1 beweise. Er gab dem Wunsche Ausdruck, das Jahr : 1940 möge dem Führer die Erfüllung feines Kamp- ! fes um das deutsche Lebensrecht bringen, und er 1 schloß mit dem Gruß an den Führer. f e st mit über 700 aktiven Teilnehmern, das ausgezeichnet und in schönster Harmonie verlaufene Gaualterstreffen in Heuchelheim und das Hoherodskopf-Bergfest, das schon unter dem Schatten der oeginnenben kriegerischen Auseinandersetzungen stand. Eine erhebliche Bereicherung fand das sportliche Leben durch die Gliederungen der Partei. HI. und BDM. hielt Bann- und Unter- gaufporttage ob. SA. veranstaltete einen großangelegten Standartensporttag; stark war die Beteiligung an den Vorbereitungen für die Reichswettkämpfe der SA. Standarten- und Brigadestab traten in Fuß- und Handballkämpfen hervor. Die ff startete u. a. auch eine Gepäckmarschmeisterschaft. Die Politischen Leiter bestritten im Rahmen eines Appells verschiedene Hebungen. Das NSKK. brachte manche strapaziöse Gelände-, Drientierungs« und Nachtsuchfahrt hinter sich. Die Hitler-Jugend und der BDM. pflegten die Leibesübung in enger Anlehnung an den NSRL. Dann saßen die Kameraden zusammen, Erlebnisse wurden ausgetauscht und manches Wiedersehen gefeiert. Unter den Urlaubern befanden sich auch Kamerad Hengst, der auf dem U-Boot war, das feinerzett den englischen Flugzeugträger „Coura- aeous versenkte, und manch anderer U-Boots- fobrer, ferner Kameraden der Marine-SA., die bei anderen Wehrmachtsteilen ihre Pflicht tun und die 3um Teil den Polen-Feldzug erlebten. Daß unter den älteren Kameradschaftsangehörigen die ewig jungen Alten „Hans der Snider" und „Duschiri^ waren, versteht sich von selbst. Als man sich trennte, gingen die Wehrmachtsurlauber mit dem Gefühl, daß die Front der Heimat an ihrer Seite steht. Echisportmöglichkeit am Hoherodskopf Wie wir auf Anfrage im Klubhaus hören, besteht auf dem Hoherodskopf mäßige Schisportmöglichkeit. arbeit im Vordergrund und dabei auch die unioer» feile Körperausbildung durch die Mehrkämpfe. Dabei wurde die Förderung der Spitzenleistung keineswegs versäumt. In Grünberg wurde das alles nach, ürucklich bewiesen. In Gießen, Wieseck, Heuchelheim und Großen-Linden sind ausgezeichnete Geräte, turner zu Hause, die schon in manchem gau- unb reichsoffenen Wettbewerb ehrenvoll bestanden. Um ermüdlich sind die Altersturner bei der Sache, deren einige, schon im Greisenalter, mit erstaunlicher körperlicher Disziplin und Leistung aufwarten. Das Fachamt Radfahren war wiederum sehr aktiv. „Der große Straßenpreis von Gießen" wurde, vor einer großen Zuschauermenge ausgetragen, zu einem großen sportlichen Erfolg., Das Vahnradren- nen fesselte wieder lebhaft die Anhänger des Radsports, und das Rundstreckenrennen war getragen vom Reiz der Neuheit. Die Schwimmer traten nicht häufig an die Oeffentlichkett. Einige auswärtige Veranstaltungen wurden bestritten (u. a. das schöne Schwimmfest in Lich). Bei den Gaumeisterschaften in Wildungen machten unsere Schwimmer gute Figur, und während vieler Tage und oftmals auch bei weniger günstigem Wetter belebten sie die Lahn. Der Kraftsport wurde unentwegt weitergeführt — auch wenn nur wenige Zuschauer da waren, und wenn die Mannschaft des Äraftfport« Vereins in Mannschafts kämpfen nicht immer gut abschnitt, so wurde doch ehrenvoll gekämpft und oer Sache die Treue gehalten. Die Schützen hielten unerschütterlich an chrer ttadittonsreichen Sache fest und stellten ihren Sport auf immer breitere Basis. Heute kann jedermann bei den Schützen schießen lernen. In Vereinswettkämpfen, wie auch in Fern-- und Meisterschafts- kämpfen, bewiesen die Gießener Schützen eine unverändert gute Form. Fechten, Tennis, Reiten wurde in kleineren Kreisen weiter gepflegt. Das Wandern hatte in den Wander- und Heimatvereinigungen den bekannten Rahmen. Die Segelflieger übten bei Amöneburg und bei Lauterbach und hatten im NSFK. Basis und Kameradschaft. Der Eissport hatte nicht allzureiche Möglichketten der Betätigung. Das Fachamt Schilauf war aus unserer Stadt bei den Gaumeisterschaften in der Rhön gut ver- treten, und die Kreis Meisters chasts kämp fe in un= durchdringlichem Nebel des hohen Vogelsbergs sind auch noch in Erinnerung. Schon dieser kurze Rückblick läßt erkennen, daß das sportliche Leben in unserer Stadt und in der engeren Heimat ein reiches und farbiges Mosaik ist. Der Ausbruch des Krieges hat vorübergehend eine Einschränkung der sportlichen Betätigung gebracht. Inzwischen aber wurde auf allen Fronten der Uebungsbetrieb wieder ausgenommen und trotz mancher Schwierigkeit so lebhaft gestaltet, daß auch das neue Jahr mit der Hoffnung begonnen wird, das in den vergangenen Jahren Erarbeitete zu erhalten und die Sache des Nationalfozialistifchen Reichsbundes-für Leibesübungen für Gegenwart und Zukunft zu bewahren. N.