Itr. 225 Erstes Blatt Samstag, 25./$onntag, 24. September 1939 189. Jahrgang Oer Wirtschaftskrieg W44A « 2895711 gePgiL Bi-! UN 1047811 1441611 171813t 1996911 2383331 2622m 3126631 3280111 342133 36226'/ 397642 38 07 24 91 58 68 08 46 66 87 33 vbn 1SU 'N SM zwischen kameradschaftlich in der Form der Ablösung. Dieses Verfahren ist zu e rst v 0 r Lemberg angewandt worden. Man macht von ihm nunmehr auch bei anderen wichtigen Städten und allen Anlagen von verkehrstechnischer und wirtschaftlicher Bedeutung Gebrauch, so daß jede Form von polnischer Sabotage und Banditentum unmöglich gemacht wird. Dieses Handinhandarbeiten der beiden großen Armeen wird dem durch den Wahnwitz der ehemaligen polnischen Regierung ruinierten Land schnell die Ruhe bringen, deren die dort lebende Bevölkerung so dringend bedarf. Es sind freilich fek Beginn der von den Polen vom Zaun gebrochenen Kampfhandlungen e r st drei Wochen vergangen, aber die Intensität der Kämpfe, die über das Land hinweggezogen sind, war sehr groß. Der angezogene Vergleich, daß nach dem Beginn des Weltkrieges in Polen ein volles Jahr Krieg geführt wurde (Warschau wurde am 5. August 1915 von den deutschen Heeren eingenommen), ist schief. Denn das deutsche Ostheer hat den Herbstfeldzug von 1939 mit einer ganz anderen Intensität zu führen vermocht als vor 25 Jahren. Die technische Ausrüstung der Truppe, die damals von einer schwachen und gedankenlosen Staatsführung vernachlässigt worden war, ist heute auf das höchste vollendet. Der sichere Schutz, den der W e st w a l l gewährleistet, machte jetzt im Osten einen anderen Einsatz möglich als 1914. Aber auch abgesehen von Panzertruppen und Luftwaffe hat schon allein das Infanterie-Regiment im Jahre 1939 eine technische Ausstattung, die ihm gestattet, in den militärischen Ablauf der Ereignisse anders einzugreifen als 1914. Die Großzügigkeit, mit der der nationalsozialistische Staat die Wehrmacht unter Berücksichtigung aller technischen Erfordernisse und bei immer erneuter Nachprüfung der größten Zweckmäßigkeit ausstattete, hat sich bei den Schlachten in Polen aufs höch ste bewährt. Sie hat geholfen/ den Femd mit Blitzesschnelle niederzuwerfen und dabei im Einsatz der eigenen Truppen kostbares Blut zu sparen. Wie wenig England das gleiche von sich behaupten kann, haben die Neutralen inzwischen schon zu spüren bekommen. England sieht im Wirtschaftskrieg seine vornehmste, wenn nicht überhaupt seine einzige Waffe in diesem von der britischen Regierung gewissenlos vom Zaun gebrochenen Konflikt mit dem Reich, und es ist gewillt, diese Waffe ohne jede Rücksicht auf die Rechte der Neutralen oder die Gesetze der Menschlichkeit zu gebrauchen. Es er- Beoölkerung als lebenden Schutzwall vor die eigenen verbrecherischen Aktionen stellt. Im Laufe des späten Nachmittags kehren wir von unserem Frontbesuch bei der Nordarme in das Führerhauptquartier zurück. Generaloberst Frhr. v. Fritsch vor Warschau gefallen. Staatsbegräbnis für den früheren Oberbefehlshaber des Heeres. Berlin, 23. September. (DNB. Funkspruch.) Generaloberst Freiherr von Fritsch ist am 22. September in den Kämpfen vor Warschau gefallen. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat in einem Tagesbefehl an die Wehrmacht des Generalobersten Freiherrn von Fritsch ehrend gedacht. Oer Führer hat ein Staatsbegräbnis ange- ordnet. Deutschland kann niemals durch Hunger unterworfen werden. Ein einsichtiges amerikanisches Urteil. Führerhauptquartier, 22. Sept. (DNB.) T-r Führer begab sich am Freitag zu den ste^ nichen Truppen der Nordarmee, die durch ifren Vormarsch über Bug und Narew 111b den Stoß auf die Bahnlinie zwi- shen Minsk und Warschau einen wesent- lihen Anteil an dem raschen und siegreichen Ende |bir Umfassungsschlacht in Polen hatte. Der Flug kchrte über Danzig, die Marienburg und das sud- lihtz Ostpreußen mitten hinein in das Operations- z-biet der letzten Woche. Der heutige Tag gab nicht iiiEr einen aufschlußreichen Ueberblick über die ge- svaltigen Leistungen, die die deutschen Truppen bei ifcem Vorgehen von Ostpreußen her nach Süden zu biim Uebergang über den Bug und den Narew ooll- biachten, wo die Polen stark ausgebaute Stellungen verteidigten, sondern zeigte auch bi» Präzisionsarbeit unserer Luftwaffe. Auf allen Lahnstrecken, die von Warschau nach Osten führen, ligen die Bomben unserer Sturzkampf-- Hmber an vielen Stellen genau auf dem Lahnkörper. So wurde den Polen jegliche Möglichkeit, auszuweichen, abgeschnitten. Ein beson- birs eindrucksvolles Bild ergab sich auf der Bahn- idecke nach Minsk. , Hier hatten die Polen versucht, mit einem iHweren Panzerzug nach Osten durchzu- biechen. Eine einzige wohlgezielte Bombe machte H>rcht nur die Bahnstrecke unpassierbar, sondern be- jrtiete auch dem in voller Fahrt befindlichen pol- -rrfchen Panzerzug ein blitzschnelles Ende. Umgestürzt, jbi» Wagen ineinandergeschoben, ein Bild der Ver- »«-istung, liegt der in Trümmer geschlagene schwere IPemzerzug auf dem Bahndamm, 17Ä Ä * Werner Freiherr von Fritsch wurde am 4. August 1880 in Benrath geboren. Er stammt aus einer alten Soldatenfamilie. Sein Vater war Generalleutnant, seine Mutter eine geborene v. Bodelschwingh. Er trat 1898 als Fahnenjunker in das Feldartillerie- Regiment Nr. 25 in D a r m st a d t ein und wurde 1900 zum Leutnant befördert. Nach Besuch der Kriegsakademie und darauffolgender Kommandierung zum Großen Generalstab wurde er 1913 Hauptmann. Im Kriege wurde er im Generalstab verwandt und 1917 Major. Er war später Generalstabsoffizier bei der 4. Armee und bei der 1. Garde- division und danach im Generalstab der Luftstreit- kräfte. In der Reichswehr wurde er am 15.11.1922 als Abteilungskommandeur im 5. Artillerie-Regiment in Ulm zum Oberstleutnant befördert. Später wurde er Abteilungsleiter im Reichswehrministerium und 1927 Oberst. Nachdem er dann Kommandeur des 2. Artillerie-Regiments in Schwerin gewesen war, wurde er am 1. 3.1930 Artillerie-Führer II in Stettin. Am 1.11.1930 wurde er Generalmajor und mit dem 1. 10. 1931 Kommandeur der 1. Kavallerie- Division in Frankfurt a. d. O. Als Generalleutnant wurde er am 1.10.1932 Befehlshaber im Wehrkreis III, Berlin. Am 1.2.1934 wurde er dann an Stelle des ausscheidenden Frhr. v. Hammerstein- Equorü zum Chef der Heeresleitung und am 1.2.1934 zum General der Artillerie ernannt. Am 20. 4. 1936 erfolgte seine Beförderung zum Generaloberst. Nach einem längeren Erholungsurlaub, den er in Aegypten verbrachte, nahm er am 5. 2.1938 seinen Abschied. Am 2. 4.1938 beglückwünschte ihn der Führer in einem durch die Presse veröffentlichten Schreiben zur Wiederherstellung seiner Gesundheit. , In einem Schreiben an Freiherrn von Fristch ernannte der Führer ihn am 13. Juni „in dankbarer Würdigung der hohen Verdienste in Krieg und Frieden zum Chef des Artillerie-Regiments 12". Generaloberst von Fritsch fiel während eines Aufenthaltes vor Warschau an der vordersten Front. >mbn 1939 >ea geM 14 142566 26 26968 g88 238246 i0 45 20406} 35 27o<»' 5827 32440 »88 HS Neuorleans, 23. Sept. (DNV.-Funkfpruch.) Der von einer (Europareife zurückgekehrte bekannte amerikanische Richter (Stabiles, der jahrelang Mitglied des internationalen Schiedsgerichtes in Kairo war, erklärte, Deutschland könne niemals durch hunger unterworfen werden. Die Amerikaner sollten sich auch endlich den Gedanken aus dem Kopf schlagen, daß das deutsche Volk gegen die nationalsoziali- stische Regierung revoltieren werde. Deutschland sei absolut von der Gerechtigkeit seiner Forderungen überzeugt. Die arrogante Dummheit der Engländer, über einem unbesiegten Deutschland Papierzettel abzuwerfen- müsse einen an den gesunden Menschenverstand und den Führereigenschaften Englands zweifeln taffen. Oie Westmachie isoliert. Berlin das politische Zentrum der Welt. Stockholm, 22. Sept. (Europapreß). Ein militärischer Sachverständiger stellt :m Stockholmer Abendblatt „Aftonbladet" fest, daß die Wilhelm st raße in Berlin das politische Zentrum der Welt geworden sei. Schon jetzt könne man beobachten, daß England und Frankreich durch die politischen Erfolge Deutschlands isoliert daständen. Die sogenannte Balkanfront sei z u s a m m e n g e b r 0 ch e n. Die Hoffnungen, eine Entscheidung an der Siegfried-Linie zugunsten der Westmächte zu fällen, wäre verfehlt, da Deutschland ihnen überlegen sei. Deutschland auszuhungern sei dis.siszigs ÖoiifiUBß Englands. DM jet i04 96 '32 79 191 '44 196 00 »23 J40 173 >64 Annahme von Anzeige« für die Mittagsnummer bis 8*/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrist nach vorh.Dereinbg.25°/<» mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüffe Staffel B 681 69381 HS HS 0 28263 7 33393 103 1306) 36 402m 08 68004! 46 W3 521 >90 '54 )1 9 8 S 16 7 37 >2 )3 14 12 13 37 33 15 57 47 78 53 30 53 36 56 Heldenhafter Einsatz einer Flak-Abteilung. Berlin, 23. Sept (DBB.-Junfiprudj) Der Oberbefehlshaber der Luftwaffe hat folgenden Tagesbefehl ertaffen: Das I. Flakregiment 22 hat in einem Gefecht bei Ilza am 8. September und 9. September mit hervorragender Tapferkeit an der Abwehr stärkster, an Zahl um das Vielfache überlegener feindlicher Kräfte teilgenommen. Zahlreiche Offiziere, Unteroffiziere und Mannfchaflen an der Spitze der Kommandeur, starben dabei den Heldentod. Ihrem heldenhaften Einsatz bis zum Letzten war es zu verdanken, daß das Gefecht siegreich beendet wurde. Ich spreche hiermit der Abteilung für ihren mannhaften Einsatz Dank und höchste Anerkennung aus. Mit Stolz aber gedenkt die ganze Luftwaffe jener tapferen Männer, die in Helden- Haftern Kampfe geblieben find. Sie sollen uns eit* leuchtendes Vorbild fein! (gez.) Göring. Die Demarkationslinie zwischen emDentschenHeernnd derRoten Armee Klar und einfach am Lauf großer Flüsse entlang. - Schon am Tage des russischen Einmarschbefehls festgelegt. wehrenden Gegner gelang es gestern, die Sübufer- Slraße an der Weichsel zwischen M o d l i n und Warschau zu überschreiten und damit beide Städte getrennt abzuriegeln. Mehrere tausend Gefangene wurden gemacht. 3m Westen nur an einzelnen Stellen schwache Artillerietätigkeit. Bei Saarbrücken wurde ein französisches Flugzeug durch Flakfeuer zur Landung gezwungen, die Besatzung gefangen genommen, ein deutsches Flugzeug im Luftkampf ab- geschossen. 15 4 9 2 5 9 6 0 7 4 3 Der Führer hei den Truppen der Nordarmee Vom W. B.-Sonderberichierstatter des Deutschen Nachrichtenbüros. 301 >SS 105 [86 171 >2° >1^7 nCOft) Ä S Ä Ä' 676 ßtQji KK «B zwar vor 25 Jahren gelungen, doch müsse man diese Zielsetzung als ein „Ueberbleibsel aus dec Gedankenwelt des letzten Krieges" werten. Denn heute sei eine Aushungerung Deutschlands aussichtslos. Die Hoffnung Englands entbehre nicht nur einer begründeten Basis, sondern sei auch verhängnisvoll. Deutschland stände nicht wie im Jahre 1914 vor einem Zwei-Fronten-Krieg. Deutschland habe heute größere Möglichkeiten, denn im Ost e n stehe eine Deutschland befreundete Nation, nämlich Rußland. Englands „Schwarze Liste". Wie die britische Blockade den Handel der Neutralen untergräbt. A m st e r d a m, 22. Sept. (DNB.) Der Finanzkorrespondent des „Nieuwe Rotterdamsche Courant" berichtet aus London, daß von den 278 Namen der englischen Schwarzen Liste mehr als 10 0 süd - amerikanische Personen und Firmen betreffen. Nach dem englischen Gesetz über den Handel mit dem Feind ist es verboten, mit Per- fönen und Firmen Handel zu treiben, die auf dieser Liste stchen. In der Liste sind auch Firmen in verschiedenen neutralen europäischen Ländern verzeichnet, so sind Holland, Belgien, die Schweiz und Bulgarien mit je 10 Namen auf der Liste vertreten. Ferner ist der Handel mit 18 Firmen in Griechenland, mit 14 Firmen in Norwegen, 11 in Dänemark, 11 in Finnland, je 6 in Rumänien, Litauen und Jugoslawien und je fünf in Lettland und Estland verboten. Die Liste umfaßt hauptsächlich die auswärtigen Vertretungen großer deutscher Jndustriefirmen, 298119 312781 320341 s 379710 389221 394514 Modlin und Warschau getrennt obgeriegelt. Der Oberbefehlshaber der polnischen Korridor-Armee gefangen. — Lemberg ergab sich Lrfchetm täglich, außer Sonntags, und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter jeimat im Bild -DieScholle Monats-Bezugspreis: Alt 4 Beilagen RM. 1.95 )hne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 juch bei Nichterscheinen ion einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zernfprechanfchlüffe inter Sammelnummer 2251 Inschrift für Drahtnach- schien: Anzeiger Giehea Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 „Deutschland will eine Lokqlisierung des Krieges, England seine Verallgemeinerung; Deutschland sucht die Feindseligkeiten schnellstens zu beenden, das Programm Englands sieht einen Krieg vor, der sich über mehrere Jahre hinzieht." Treffender als mit diesen Worten des „Journal de Geneve" kann der grundlegende und tiefgreifende Unterschied zwischen der deutschen und der englischen Einstellung zum gegenwärtigen Krieg nicht gekennzeichnet werden. Daß die Meinung der gerecht und unvoreingenommen Denkenden in der ganzen Welt, soweit sie nicht englandhörig ist, die deutsche Auffassung teilt, schon 'aus nüchternem Selbsterhaltungstrieb teilen muß, unterstreicht das schweizerische Blatt noch, wenn es schreibt: „Das Interesse Deutschlands deckt sich mit dem der Neutralen. In der Tat hat Deutschland absolut kein Interesse, den großen Wirtschaftsraum, in dem die Neutralen ihre Produktion und ihren Handel entwickeln, irgendwie reduziert zu sehen." Deutschland hatte dem ja schon im Frieden eindeutig Ausdruck gegeben durch die letzthin im deutsch-dänischen Nichtangriffspakt niedergelegte Anerkennung des Rechts der Neutralen, im Kriege auch mit den kriegführenden Parteien ungestört Handel zu treiben. Deutschland hat sich auch zu Beginn der Feindseligkeiten in besonderen diplomatischen Demarchen bei den neutralen Mächten erneut zu diesem Grundsatz bekannt und praktisch durch die Gestaltung seiner Prisenordnung bewiesen, daß es gewillt ist, sich an die international festgelegten Regeln der Seekriegführung zu halten. Von dort führt unser Weg nach Minsk und wieder inRichtungaufWarschau. Ueberall, wo der Führer Stellungen ober Ruhelager der einzelnen Regimenter der Nordarmee passiert, empfängt ihn der brausende Jubel dieser im Kampf bewährten o st preußischen und mecklenburgischen Soldaten, von denen viele schon mit Stolz das Eiserne Kreuz tragen. Mit Windeseile verbreitet sich die Nachricht, daß der Führer hier im Operationsgebiet weilt. Einem Bataillon gelingt es sogar in aller Eile sein Musikkorps dort zur Aufstellung zu bringen, wo aller Wahrscheinlichkeit nach der Führer vorüberfahren wird. Und als wir tatsächlich an diesem Punkt vorüberkommen, tont zur Ueberraschung dem Führer der Badenweiler Marsch entgegen. Wenig später haben wir Gelegenheit, von einem besonders günstig gelegenen Punkt aus die von deutschen Truppen völlig umschlossene Stadt Warschau zu überblicken Wir erkennen trotz des dunstigen Wetters deutlich die Kirchtürme der Stadt und sehen vor uns das Häusermeer, über dem dunkle Rauchwolken stehen. Durch Scherenfernrohre schauen wir auf die ehemalige Hauptstadt Polens die ihr Bestehen nur noch der Menschlichkeit und rücksichtsvollen Kriegführung verdankt die das deutsche Heer trotz aller Verletzung der Kriegsregeln durch die Polen anwendet. In Warschau, das nach der Vernichtung des gesamten polnischen Heeres militärisch völlig bedeutungslos geworden ist, wird die Zivilbevölkerung gegen alle Regeln des Völkerrechtes in völlig sinnloser Weise in einen aussichtslosen W id erstand h ine in g ehe tzt, inbem man die. unglückselige Berlin, 23. Sept. (DNB. Funkspruch.) Das ßiierfommanbo der Wehrmacht gibt bekannt: Lernberg ergab fich gestern den bereits im | dmarsch befindlichen deutschen Truppen, chergabeverhandlungen find im Einvernehmen mit n am Osirand der Stadt stehenden forojet- uffifchen Truppen im Gange. Beim Abfuchen der Waldungen an der z u r a fiel am 21. September der O b e r b e - sthlshaber der polnischen Korridor-Armee, Ge- irral Bortnowf ki, mit feinem ganzen Stabe in unsere Hand. Aach heftigem Kampf mit einem sich verzweifelt 10691 34117 64533 62529 812« 101162 113601 125868 135720 149401 168606 192548 1966« 211974 219907 226083 239111 262063 f bttbobi Sh ttf Ht Berlin, 22. Sept. (DNB.) Die deutsche Regierung und die Regierung der UdSSR, haben die emarfationslinie zwischen dem deutschen eer und der Roten Armee fe ff gelegt. Die stnarfalionslinie verläuft entlang den Flüssen ifta, Narew. Weichsel und San. * .Hierzu und zur Erläuterung bes Berichts des toerfommanboö ber Wehrmacht vom Freitag reibt ber Deutsche Dienst: Die Demarkationslinie, die zwischen |r beutschen Regierung und ber Regierung der Sowjetunion festgelegt würbe, ist klar und einfach gezogen. Bei einer im allgemeinen norb- iiblichen Richtung, wie sie aus ben Sleblungs- tiumen beiber Völker sich ergibt, hält sie sich von en Karpathen bis an die ostpreu- : sche Grenze an den Lauf großer lasse, ben San, bie Weichsel, den Narew und le Pisia. Indem man an so eindeutige geografische Begriffsbestimmungen anknüpfte, wurden le weiteren Verhandlungen überflüssig. Es brauten keine Kommissionen ben weiten Raum zu be= äsen, um nun festzustellen, an welchem Platz im Münde die Linie, ber Markierung auf der Gene- ilstabstarte entsprechend, gezogen werden muß. on der San-Ouelle am Uszoker Karpathenpaß bis ir ostpreußischen Grenzecke südlich Johannisburg durch Fluhläufe eine klare Abgrenzung zwischen der deutschen und der Roten Armee fest- g:Iegt Die Uebereinkunft über die Demarkationslinie ist nicht etwa neuesten Datums. Sie bestand vielmehr, seit die Regierung der UdSSR, den Einmarsch- brfehl gab. In der Moskauer Besprechung zwi- jo en deutschen und sowjetrussischen Offizieren waren jkzt nur noch die Einzelheiten der Ab- ll sung und der Uebergabe von Gefechts- schnitt en zu regeln. Sie wurden innerhalb drzester Frist — einer Frist, die nicht nach Tagen, sondern nach Stunden zählt, besprochen und verein- b- rt. Die Uebergabe der bisher von deutschen Trup- ptn besetzten Gefechtsabschnitte vollzieht sich in- 23 'S 86 23060» g S 95 565? S Ä S - ’S I s 1813g ■ lon. Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Druck und Verlag: vrühlsche llniverfitätrdruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7 t{|w ‘n« S M 'S if5 'N. hol eM> ' ist ft. ngeglirj. neuert damit nur seine unrühmliche Tradition, die in mittelalterlichem Freibeutertum und völkerrechtswidriger Hungerblockade keine Schande für ein ehr- liebenoes Volk sieht. Wir sind darin anderer Meinung, aber wir sind entschlossen, jeden Schlag Englands mit den gleichen Waffen zu parieren, denn in dem uns aufgezwungenen Kampf für unser Lebensrecht und unsere Selbsterhaltung müssen wir auch auf der Ebene, auf der England anscheinend in der Hauptsache den Krieg zu führen gedenkt, die Abwehr mit aller Kraft und mit allen gebotenen Mitteln führen. Das hat zunächst zur Folge gehabt, daß wir die Ausweitung des Begriffs der Konterbande durch England mit gleichen Maßnahmen beantworten mußten. Deutschland war gewillt — und seine Prisenordnung beweist es — sich auch hier streng an die internationalen Grundsätze des Seekriegsrechts zu halten, um den Handel der Neutralen so wenig wie möglich in Mitleidenschaft zu ziehen. Aber England tut alles, die Wirtschaft der Neutralen unter feine Kontrolle zu bekommen, um Lieferungen an Deutschland zu unterbinden. Dem dient die allem Völkerrecht hohnsprechende Praxis Englands, von den durch britische Kriegsschiffe angehaltenen neutralen Handelsschiffen den Nachweis zu verlangen, daß die an Bord befindliche bedingte Bannware, wie z. B. Lebensmittel, nicht für die feindliche Streitmacht oder den feindlichen Staat bestimmt sind. Der gleiche Zweck liegt vor, wenn britische Kriegsschiffe auch solches bedingtes Banngut beschlagnahmen, das in einem neutralen Hafen ausgeladen werden soll. Hunderte von neutralen Schiffen sind bereits unter willkürlicher Mißachtung des Völkerrechts von englischen Kriegsschiffen auf» aebracht und in die englischen Kontrollhäfen geschleppt worden, so daß die in der Versorgung der Bevölkerung wesentlich auf die Zufuhr von Uebersee angewiesenen neutralen Länder wie Belgien und Holland sich bereits in höchst bedrängter Lage befinden. Das ist gerade die Situation, die England herbeiführen möchte, um die Neutralen sich gefügig zu machen. Um nicht nur ihren Außenhandel, sondern auch ihre Binnenwirtschaft der englischen Kontrolle zu unterwerfen, verlangt England von den Neutralen, daß sie ihren jährlichen Bedarf an Lebens- Mitteln angeben und den Nachweis führen, daß die von ihnen eingeführten Rohstoffe nicht zur Anfertigung von Gegenständen verwandt werden, die nach Deutschland ausgeführt werden sollen. Das wäre die Rückkehr zu dem unerhörten System der lieber» wachung, das im Weltkrieg das neutrale Wirtschaftsleben völlig lahmgelegt hat. Selbst die Schweiz ist damals davon nicht verschont geblieben. Mit der Drohung, auch die Zufuhr von Lebensmitteln für die Bewohner der neutralen Schweiz zu unterbinden, hatten England und Frankreich im Jahre 1917 die Zulassung einer regelrechten Heberwachungs- behörde, der berüchtigten Soci£t£ Suisse de Sur- veillance, auf schweizerischem Boden erzwungen, um die Warenausfuhr von der Schweiz nach Deutschland unmöglich zu machen, eine nackte Vergewaltigung, die England zu wiederholen im Begriff ist, wenn die Neutralen sich dagegen nicht energisch zur Wehr setzen, wozu sie heute, durch die Erfahrungen des Weltkrieges klug geworden, zur Vertretung ihrer gemeinsamen Interessen geeint und keineswegs mehr wirtschaftlich so von England abhängig wie vielleicht vor 25 Jahren, sehr wohl in der Lage sind. Die englische Wirtscha tsblockade führt mit den eben angedeuteten skrupello en Methoden ganz selbstverständlich zu einer Verengung des Wirtschaftsraums der Neutralen und macht sie in letzter Konsequenz geradezu zu Hilfsvölkern des englischen Wirtschaftskriegs gegen Deutschland. Die Brüsseler und b^->enhagener Konferenzen der Oslostaaten haben ?igt, daß man in der nord« und westeuropäischen G. uppe der Neutralen diese außerordentliche Gefahr erkannt hat. Die nächste Zukunft schon muß lehren, ob man auch die Kraft finden wird, dieser Gefahr zu begegnen. Darauf wird auch nicht (fang ohne Einfluß sein, welche moralische und faktische Rückenstärkung die europäischen Neutralen aus der Haltung der größten neutralen Macht in Uebersee, der Vereinigten Staaten von Nordamerika empfangen. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat im gegenwärtigen europäifchen Konflikt ihre Neutralität erklärt, und es kann kein Zweifel darüber sein, daß der weitaus größte Teil des amerikanischen Volkes mit dem Krieg in Europa nichts zu tun haben will und eine Politik verabscheut, die die Gefahr mit sich bringen müßte, die Vereinigten Staaten in den Konflikt hineinzuziehen. Die Veröffentlichung von Dokumenten aus dem Weltkrieg, die die schamlose Vermischung von Politik und Geschäft bloßlegten, als deren Folge die Vereinigten Staaten an der Seite der Alliierten in be/i Krieg eintraten und das amerikanische Volk Tausende seiner Söhne für die Sicherung der Profite von Waffenhändlern und Rüstungsfabrikanten auf den Schlachtfeldern Frankreichs sterben sehen mußte, diese Enthüllungen hatten den Befürwortern einer strikten Neuttalitäts- gesetzgebung Oberwasser gegeben, die die Wiederholung einer solchen Tragödie für alle Zeiten verhindern sollte. Das Neutralitätsgesetz vom 1. Mai 1937 verbietet grundsätzlich die Ausfuhr von Kriegs- gerät und im Kriegsfall auch den privaten Waffenhandel und indirekte Waffenlieferungen an kriegführende Staaten, sobald der Präsident den Kriegszustand festgestellt hat. Dagegen können kriegswichtige Rohstoffe an kriegführende Staaten verkauft werden, jedoch gemäß der vielbesprochenen Cash- and-Carry»ßlaufel nur gegen Barzahlung und bei Abholung auf eigenen Schiffen. Diefe Klausel war auf zwei Jahre befristet und ist demnach seit dem 30. April 1939 nicht mehr in Kraft. Sie hört sich zwar im ersten Augenblick sehr neutral an, ist es aber in der Praxis keineswegs, denn sie begünstigt selbstverständlich die Westmächte, die in der Lage sind, die von ihnen gekauften kriegsnotwendigen Rohstoffe auf ihren eigenen Schiffen abzuholen, wie es freilich mit der Barzahlung aussieht, steht nach dem Sturz des Pfundes auf einem andern Blatt. Aber gemeint war die Klausel jedenfalls als eine Chance, die man einseitig den Westmächten gab. Und so war sie auch von den Anhängern einer strikten Neutralitätspolitik, den sogenannten Isolationisten, verstanden worden, die deshalb alle Hebel in Bewegung setzten, um die Erneuerung dieser Klausel zu verhindern und die Vereinigten Staaten auf die Linie einer strikten Neutralität zurückzuführen. Schon im Frühjahr hat Roosevelt versucht, vom Kongreß eine Acnderung zu erreichen. Er wollte selbst das Recht haben, zu bestimmen, wer in einem Konfliktsfall der Angreifer und wer der Angegriffene fei, und wollte das Waffenausfuhrverbot dann für den Angegriffenen aufgehoben wissen. Ferner soll die schon erwähnte Casch-and-Carry- Klausel erneuert und auch auf Flugzeuge, Waffen und Munition ausgedehnt werden. Der Präsident ist damals mit seinen Vorschlägen nicht durchgedrungen, der Kongreß vertagte sich, und Roosevelt war also genötigt, bei Ausbruch der Feindseligkeiten anfangs des Monats das Neutralitätsgesetz zur Anwendung zu bringen. Aber er hat nicht gezögert, den Kongreß zu einer Sondersitzung ein» zuberufen, die am Donnerstag zusammengetreten ist. In seiner Botschaft an den Kongreß hat der Präsident an die Spitze seiner' Forderungen die Aufhebung des Waffenausfuhrverbots gestellt mit der Begründung, daß das Neutralitätsgesetz „die friedlichen Beziehungen der Vereinigten Staaten zu anderen Ländern beeinträchtige". Und Roosevelt sagt weiter: „Ich schlage vor, dieses Land wieder auf die solide Grundlage einer realen und traditionellen Neutralität zu stellen." Es ist klar, daß eine so gefährliche Argumentation in Kongreßkreisen auf heftigen Widerspruch stoßen wird. Fr. W. Lange. Das Echo der Kongreßbotschast in LtGA N e u y o r k, 22. Sept. (DNB.) Diele Morgenblätter begrüßen Roosevelts Rede als sachliche Erklärung zum Problem der Neutralität und als beruhigende Versicherung, Amerika vom Kriege fernzuhalten. „New Pork Times" schreibt: Ohne zu verlangen, daß das amerikanische Volk den Weg des internationalen Rechtes verläßt, schlägt der Präsident einen Plan vor, der das Risiko einer Kriegsverwicklung Amerikas verringert. „New Port Herald Tribüne" sagt im Leitartikel, die USA. müßte das „Höchstmaß von Handlungsfreiheit" (!) wiedergewinnen, um den möglichen Entwicklungen der schwierigen Lage entgegentreten zu können. „New Port Daily News" bezeichnet die Rede als eine der besten, die Roosevelt je gehalten habe, und meint, feine Erklärung, er fei entschieden gegen jede Kriegs- beteiligung Amerikas, dürfte eine Menge von Leuten beruhigt haben, die befürchteten, Roosevelt wolle ähnlich wie Wilson Amerika aus Liebe zur notleidenden Menschheit in den Krieg verwickeln. „Philadelphia Record" übt eine milde Kritik. Das Blatt zählt vier Einwände auf: die Einschränkung der Anleihen an Kriegführende solle auch auf Privatkredite ausgedehnt werden; nicht Roosevelt, sondern der Kongreß solle die Kriegszonen festlegen, der Kongreß solle für die Dauer des Notstandes seine Session nicht unterbrechen; schließlich solle Roosevelt das Argument weglassen, daß Kriegsaufträge Taufenden Beschäftigung geben würden. Zu einer bemerkenswerten Friedensdemonstration kam es, als die Senatoren kurz vor Beginn der Tagung des Kongresses durch den Kuppelbau des Kapitols in den Sitzungssaal schritten. Von den in den Wandelgängen versammelten Männern und Frauen wurden amerikanische Flaggen geschwenkt und laute Zurufe ausgebracht wie: „Friede! Friede! Friede!" — „Haltet uns den Krieg fern!" — „Schützt unsere Neutralität!" und „Schickt unsere Jungen nicht nach F r a n k r e i ch!" Nachdem Roosevelt seine Botschaft verlesen hatte, vertagte sich der Senat auf Montag, um dem Auswärtigen Ausschuß Gelegenheit zur Beschlußfassung über die ihm vorliegenden Gesetzentwürfe zur Aen- berung des Neutralitätsgesetzes zu geben. Unmittelbar vor der Vertagung war auf einen scharfen Einspruch des Senators Pittman der Antrag des republikanischen Senators Tobey a b g e l e h n t worden, die kürzlich gehaltene Rundfunkrede des Obersten Lindbergh, der in feinen Ausführungen für die unbedingte Neutralität Amerikas eintrat, den Kongreßakten einzuverleiben. Vormittags hielten siebzehn Senatoren, die sich der Aufhebung des Waffenausfuhrverbots widersetzen, eine gemeinsame Sitzung ab, um die Richtlinien für die kommende Debatte festzulegen. Rumänien lieferbereit. Rumänien läßt sich in seinem Warenaustausch mit dem Reich nicht beeinträchtigen. Berlin, 22. Sept. (DNB.) Der ehemalige ru- mimische Wirtschaftsminister und Großindustrielle Jon Cigurtu, Vizepräsident des rumänischen Abgeordnetenhauses, benutzte einen längeren Aufenthalt in Deutschland, um mit führenden deutschen Persönlichkeiten in Fühlung zu treten. Cigurtu erklärte auf die Frage, ob die deutsch-rumänischen Wirtschaftsbeziehungen durch den Krieg vielleicht beeinträchtigt werden könnten: „Ich glaube, daß der deutsch-rumänische Warenaustausch keineswegs gestört, sondern im Gegenteil noch enger gestaltet werden wird. Was die Lieferungen Rumäniens nach Deutschland betrifft, so kann ich sagen, daß wir liefern können und wollen und ich könnte mir vorstellen, daß Deutschland heute viel mehr als je für die Lieferung nach Rumänien frei hat, da alle jene Waren, besonders Maschinen und Investitionsgüter, die bisher nach einigen anderen Ländern gegangen find, zur Ausfuhr nach den nahen neutralen Staaten, also besonders für Rumänien, heute einen der größten Handelspartner Deutschlands, frei sind. Der deutsch- r um ä Nische Wirtschaftsvertrag ist die beste Voraussetzung für diese Entwicklung, Rumä- nien wird in wirtschaftlicher Hinsicht durch diese enge Zusammenarbeit in kurzer Zeit schon ein ganz neues Gesicht bekommen. Neutralität bedeutet für uns mindestens dasselbe gute Verhältnis „das vor dem Kriege zwilchen unseren beiden Ländern geherrscht hat. Es ist selbstverständlich, daß wir uns in unserem friedensmäßigen Handel mit dem Deutschen Reich von niemandem beeinträchtigen lassen. Im Spiel der Kräfte Mittel- und Osteuropas eracksten wir die Großmacht Deutschland, die immer wirtschaftliche Interessen im Südosten haben wird, als geeignet, das Gleichgewicht zu stabilisieren und zu erhalten. Rumänien hat Interesse an einem Großdeutschland, wie auch Deutschland ein Interesse daran haben muß, daß die Donaumündungen in den Händen eines neutralen Landes find. Von diesem Standpunkt aus gesehen, ist für uns ober für einen Rumänen der Krieg heute eine unverständliche ziellose Sache, da einerseits Deutschland kein Kriegsziel aegen den Westen l)at und anderseits eine etwa von den Westmächten gewünschte Aufteilung Deutschlands als Unmöglichkeit zu betrachten ist. Der Krieg kann sich nur als ein P ri n zi p i e n k r i e g behaupten. Es ist jedoch schwer auszudenken, daß ein solcher Vernichtungskampf nur der Prinzipien wegen geführt werden soll. Ich persönlich kann keinen Vorteil sehen, den sich eine Macht aus diesem Kriege sichern könnte, welches auch immer das Resultat sein möge. Ich habe feststellen können, daß es alle Persönlichkeiten Deutschlands nicht fassen können, warum Frankreich diesen Krieg führt, da Deutschland gar keine Ansprüche gegen Frankreich hat. Für uns als Kleinstaat ist es selbstverständlich am günstigsten, wenn dieser Krieg sobald wie möglichein Ende findet. Die Tschecho-Slowakei und Polen find nach unserer Ansicht nur deshalb in eine mißliche Lage gekommen, weil sie es nicht lassen konnten, am gefahrvollen RänkespielderinternationalenGroß- m ach t p o l i t i k teilzunehmen." Bries aus der Schweiz. Die Organisation der schweizerischen Kriegswirtschaft. Von unserem (9. A.-Korrespondenien. Gens, Mitte September. Obwohl die Schweiz als neutrales Land nicht so unmittelbar durch den Konflikt berührt wird wie die kriegsführenden Staaten, hat die europäische Ausein- andersetzung dennoch bedeutende Veränderungen in ihre Innen- wie Außenwirtschaft mit sich gebracht. Wohin die Tendenz der Kriegswirtschaft gehen wird, wird sich auch in der Schweiz erst endgültig zeigen, wenn sich auf beiden Seiten der Kriegführenden die Verhältnisse, soweit dies in Kriegszeiten eben möglich ist, stabilisiert haben werden. Der vorsichtigen und vorausschauenden Polittk der Eidgenossenschaft entsprechend yat eine Kriegswirtschaft in der Schweiz schon im Hochsommer eingesetzt. Sie begann mit der Aufforderung des Bundesrates, an die Bevölkerung, Lebensmittelvorräte zu schaffen. Einige größere Gemeinden begannen gleichfalls, Vorräte für die Bevölkerung anzulegen; so kaufte Zürich z. B. schon im Juli eintausend Tonnen lagerbare Lebensmittelvorräte ein. Die eigentliche Kriegswirtschaft setzte aber erst mit der allgemeinen Mobilisation der Militärpflichtigen und der Hilfs- tnippen in der Schweiz ein. Eine der ersten Maßnahmen, welche als Folge eines gewissen Fiebers in der Groß- und Kleinwirtschaft getroffen wurde, war die Ausgabe einer größeren Anzahl von Fünf- sranken-Noten durch die Schweizerische Nationalbank. Diese Ausgabe wurde notwendig durch die sich von Tag zu Tag steigernde Nachfrage nach Zahlungsmitteln. Der vermehrte Zahlungsumlauf war dadurch eingetreten, daß die Bevölkerung Silbermünzen in großen Mengen zu hamstern begann. Die Lage der Nationalbank ist deshalb aber keineswegs beunruhigend geworden; sie besitzt nämlich etwa drei Milliarden Schweizer Franken in Gold und Devisen, d. h. einen Betrag, der fünfzehnmal höher ist als die Reserven, die im August 1914 vorhanden waren. Mit diesen drei Milliarden Schweizer Franken könnte, vorausgesetzt daß die Preise nicht allzu sehr steigen, die schweizerische Einfuhr auf zwei Jahre hin finanziert werden. Diese günstige Lage der Nationalbank rechtfertigt es denn auch, daß Bern keine außerordentlichen sinanziellen Maßnahmen getroffen hat. Dabei verhehlt man sich keineswegs, daß die Kosten der Mobilmachung, deren Höhe sich auf täglich fünf Millionen Schweizer Franken beläuft, sehr am Nationalvermögen zehren. Der Schweizer Franken erscheint aber, verglichen mit den Devisen der Westmächte, keineswegs bedroht. Beunruhigend waren allerdings kurze Zeit hindurch die spekulativ hochgetriebenen Preise auf verschiedenen Märkten. Um einer damit zusammenhängenden ungerechtfertigten Verteuerung der Lebenshaltung zu steuern, hat das eidgenössische Volkswirtschaftsde-partement mit Bewilligung des Bundesrats jede Erhöhung der Warenpreise, der Mieten und der Tarife der öffentlichen Unternehmungen verboten. Darüber hinaus wurden alle notwendigen Maßnahmen getroffen, jede Spekulation und jeden Wucherkauf zu unterbinden und die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen. Für die Sicherung der letzteren hat sich die Anordnung des Bundesrats von Vorratskäufen sehr nützlich in dem Augenblick erwiesen, als zusammenhängend mit der GeneraImobilmachung die Detailgeschäste, um die notwendigen Maßnahmen für eine gleichmäßige Verteilung der Lebensmittel zu treffen, für kurze Zeit geschlossen wurden. Bei den industriellen Erzeugnissen hat die Schweiz, um ihre strikte Neutralität zu bewahren, ein Ausfuhrverbot für eine Reihe von Waren (insbesondere von Kriegsgerät) erlassen. Für die Sicherung der Eigenproduktion und der Einfuhr im Rahmen der kriegswirtschaftlichen Versorgung hat die Schweiz im Prinzip mit allen ihren Nachbarn Abkommen getroffen, durch welche die Lebensmittelversorgung des Landes ficherge stellt werden soll. Für die Eigenproduktion steht besonders auf dem landwirtschaftlichen Gebiete eine Umordnung und Ausweitung bevor. Soweit sich bis jetzt die kriegswirtschaftlichen Maßnahmen übersehen lassen, sichern sie die Fortführung der schweizerischen Wirtschaft, wenn auch in engerem Rahmen. Auch das Problem der Arbeitskräfte, die zum großen Teil durch die Mobilmachung aus Landwirtschaft, Industrie und öffentlichem Dienst herausgezogen worden sind, ist durch die Einführung des Zwangszivildienstes gelöst. Nach ihm können Personen beiderlei Geschlechts, die nicht im Militärdienst oder ohne Arbeit sind, zum wirtschaftlichen Hilfsdienst herangezogen werden. Durch diese Maßnahme soll die Ausfuhr der Schweiz, ohne welche das Land kaum lebensfähig ist, aufrechterhalten werden. Als ein besonderes Zeichen der krisenfesten schweizerischen Wirtschaft und des allgemein herrschenden Vertrauens wird die Wiedereröffnung der Landesausstellung jn Zürich, die anläßlich der Mobilmachung drei Tage lang geschlossen war, gewertet. Wir lassen uns nicht aushungern! Diele Volksgenossen mögen sich wundern, daß England in den ersten Kriegswochen keine ernst, lichc militärische Aktion — außer dem mißlunge. nen Fliegerangriff auf Wilhelmshaven — gegen Deutschland unternommen hat. Die Erklärung hier, für ist einfach genug. Man. weiß an der Themse ganz genau, daß eine Gewaltoffensive nutzlos wäre, weil die deutschen Verteidigungskräfte wie über- Haupt unser Soldatentum und unsere Rüstung un» überwindlich sind. Man weiß drüben auch, daß diesmal die zahllosen Hilfsvölker schien, die, wie im Weltkrieg, durch einen ungeheuren Bluteinsatz dem britischen Imperialismus zum Siege verhelfen konnten. Aus diesen Gründen hat England sofort zu feiner schärfsten, aber auch heimtückischsten Waffe gegriffen: zum Hungerkrieg! Es hofst durch eine langdauernde, fintenreiche Blockade das deutsche Volk allmählich mürbe zu machen und so auf die Knie zu zwingen. Denn die englische Ober- käste will in ihrer hemmungslosen Raffgier und in ihrem maßlosen Dünkel nicht dulden, daß ein freies und mächtiges Deutschland existiert, das von dem „Wohlwollen" fremder Plutokraten unabhängig ist Deshalb hat England uns den Krieg erklärt. Der Nationalsozialismus hat es sich im Laufe eines langjährigen politischen Ringens zum Prin. zip des Kampfes aemacht, den Gegner nie« mals zu unterschätzen. Wir machen uns also auch heute nicht die germgften Illusionen über die Zähigkeit, Härte und absolute Rücksichtslosigkeit, mit der England die Aushungerung des deutschen Volkes betreiben will. Es wird auch die verwerflichsten und teuflischsten Mittel anwenden, um zu feinem Ziel zu gelangen. Es wird keinen Rechtsbruch, keine Lüge, kein Gift, keine Schurkerei, kein Verbrechen auch gegenüber unbeteiligten Menschen und Mächten scheuen, um die innere Widerstandskraft der deutschen Nation zu lähmen. Aber diese englische Kriegspolitik hat auch einen großen.Nachteil. Sie verfügt nur über eine einzige Waffe von voller Wirksamkeit, nämlich die Hungerblockade. Wird ihr diese Waffe aus der Hand geschlagen, so ist ihre Niederlage besiegelt, so ist sie hilflos und wehrlos. Die Folgerung, die wir aus diesen Tatsachen, ziehen müssen, ist klar und unerbittlich: Deutsch, land muß — koste es was es wolle — seine Nahrungsfreiheit aufrechterhalten. Es kann und darf sich nicht auf fremde Zufuhren verlassen, die den Zufälligkeiten und Wechselfällen des Krieges ausgesetzt sind. Wir wollen ganz sicher gehen. Wir wollen uns von vornherein so einrichten, daß wir mit den Vorräten und mit dem, was das eigene Land hervorbringt, auf jeden Fall auskommen. Vor dieser harten Notwendigkeit gibt es fein Ausweichen. Glücklicherweise ist Deutschland aber durchaus in der Lage, die Nahrungsversorgung des Volkes bis zum Ende durchzuhalten. Dank der Jnitiattve der Reichsministers DarrL wurde in den vergangenen Jahren unsere Ernährungswirtschaft und ihre Dr- ganifation so aufgebaut, daß sie jederzeit auch den w e h r w i r t sch ä f t l i ch e n Ansprüchen genügt Gewisse Lücken in der Fett- und Futtermittelproduktion konnten freilich nicht geschlossen werden, weil sich nun einmal die agrarpolitischen Sünden eines Jahrhunderts nicht in einem Jahrfünft beseitigen lassen. Deshalb müssen wir uns auf gewissen Gebieten des Lebensmittelbedarfs harte Einschränkungen auferlegen und deshalb wurde das neue Ernährungsrecht geschaffen, damit dem 25. September in Kraft tritt. Das Kartensystem ist nach den verschiedenen Berufsarten, Lebensaltern und Landschaften so gegliedert, daß eine möglichst gerechte Befriedigung aller Bedürfnisse erfolgt. Denn es ist ganz klar, daß beispielsweise der Schwerstarbeiter in einer Eisengießerei mehr Speck gebraucht als die Kontoristin in einem Büro. Die neuen Kriegsrattonen sind aber auch so beschaffen, daß kein Mensch in Deutschland zu hungern braucht. Wir haben alle satt zu essen. Wir werden auch in Zukunft satt zu essen haben, weil wir uns eben jetzt schon einschränken. Eine gewisse Umstellung in seinen Ernährungsgewohnheiten wird der eine ober andere vornehmen müssen. Aber mit gutem Willen und fester Selbstdisziplin ist das zu schaffen. Und das ist das Entscheidende! Folgen mir alle den Geboten der Vernunft und der Pflicht, nehmen wir der englischen Hungerblockade ihre Wirkung, so ist uns der Sieg gewiß! H. Evers. Französische Bomber verletzen schweizerische Neutralität. Ein Flugzeug zum Landen gezwungen. Bern, 22. Sept. (DNB.) Der Prunttuter Zipfel (20 Kilometer südöstlich von Belfort) wurde von zwei französischen Flugzeugen aus verschiedenen Richtungen überflogen. Die eine französische Maschine, wie man annimmt ein Bomber, erschien über der Stadt Pruntrut von Nordosten her und entfernte sich in Richtung Be- fan?on. Das andere französische Flugzeug flog von Delle (französischer Grenzort nordwestlich von Pruntrut) her in den Prunttuter Zipfel. Es überflog den schweizerischen Zollposten Boncourt, wo es beschossen wurde, so daß es bei Delle landen mußte. Es handelt sich um ein Bloch-Bombenflugzeug. Man nimmt an, daß sich die beiden Flugzeuge nach einem heftigen Luftkampf, der sich am Mittwochnachmittag im Oberelsaß abgespielt haben soll, verirrt hatten. Keine Massierung deutscher Truppen an der belgischen (Grenze. Brüssel, 22. Sept. (Europapreß.) Die halbamtliche Agentur Belga erklärt die Gerüchte für falsch, nach denen ausländische Truppen in größerer Zahl an der belgischen Grenze massiert seien. Man darf wohl annehmen, daß hiermit die wiederholten Falschmeldungen dementiert werden sollen, die von einer angeblichen Räumung Aachens und einer Besetzung dieser Stadt durch große Truppenverbände berichteten. Sowjetrussische Onjepr-Flotille in polnische Gewässer vorgedrungen. Moskau, 22. Sept. (D71B.) wie -le Sorojef- presse berichtet, ist die sowjetrussische Dnjepr- Flottille in die polnischen Gewässer vorgedrungen. ohne auf Widerstand polnischer Schiffe zu stotzen. L W Xh U K r-q „ 1 Jktf *z W.'t , - WM Ser Führer im Kampfgebiet der Westerplatte Am Donnerstag besichtigte der Führer die von den Polen vertragswidrig schwerbefestigte und von anseren Truppen nach heftigem Kampf genommene Westerplatte, die bei Neufahrwasser die Einfahrt zum Danziger Hafen beherrscht. Unser Bild zeigt den Führer bei der Besichtigung der Wirkung der Granateinschläge. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Ein Leutnant und vier Mann Mit der pinaffe des Kommandanten in den unerkundeten polnischen Kriegshafen wrgewachsen im Zeitraum weniger Jahre. Arneri- anisch in seinem Beispiel und seinem Durcheinan- üllen, dessen Tragweite zunächst Niemanden recht klar wird. Erst als man die -grauen Stielhand- ranaten ins Boot legt, sehen wir uns ernst an. Es DNB. Gotenhafen, 22. September. (PK.° Zonderbericht.) In das Grau eines regentrüben vormittags getaucht, liegt Gotenhafen das ihemalige polnische Gdingen, am Horizont. Die hohen Hellen Häuser der Hauptstraßen erheben sich iber den dunklen, weit in die See vorgestreckten ^tris der großen Hafenanlagen. Ein Chigago, emder Auftrag lautet kurz: Ein Leutnant und ier Mann haben in den Gdinger Großadmiral Raeder beglückwünscht die desatzung erfolgreicher Ll-Sooie führlich berichtet die dänische Presse über ein Bravourstück deutscher Unterseeboote. Am letzten Montag wurden an der Südküste Norwegens zwei finnische Dampfer aufgebracht, die für den ostenglischen Hafen Hüll bestimmt waren. Es irdjaus ii Volkes bii iative btf I ■gangen- ihre | eit au^ prüdje: ii> Futte? geschlossn 'politisch» ir uns cu1 irfs hal» b wurdl affen, bei 15 Kartell I »tufsarttn ’ edert, das ibigun; i5 ist W rbeiter ii ht als bii 'rieflsraife aß teil lungeri Wir wr? , Mil mit ne gewiß feilen wirb Aber B ist dar ß >e! FoP der PM ickade ih« wehrlo- ^atsachü Deutz , leim halte:. Zufch« chseWt! 1 flani omrjeren und irc ißt, air er hart» 15 s le übe 'Vie i> Hbf 1 Evers, rlehei lifät mngen. Pruntrut« fort) m-ld! gzeu^ oaen. mimint ttrut aoi jchtung -stii-h' [ 65 * ourt,«*" \t \ a n öe" Zombenil^ er von Hochhaus und Hütte. Die Dünung der Danziger Bucht hebt und senkt msere Pinasse. Wir haben einen Auftrag zu er- bord dicht am Ufer geht ausgeschwärmt deutsche Infanterie vor. Bei den ersten Villen am Stadtrand sind sie jetzt. Ein leichter Kampfwagen stößt nach. Unser Leutnant verteilt Zigaretten. Alle rauchen, keiner spricht. Das kleine Boot schiebt sich mit einer hohen Bugwelle näher und näher an den verlassen daliegenden hufeisenförmigen Kai. In der Einfahrt ragen der Schornstein und die Aufbauten eines versenkten Dampfers aus dem glatten Wasser. Der Pole versenkte das Schiff, um den Hafen zu sperren. Unser kleines Boot stört das nicht. Die vorhandenen Lücken sind groß genug zum Durchschlüpfen. Wir sind am Ziel. Dicht am Pachthafen stößt unser Boot gegen bir Steinmauer des Kais. Wir finden eine schmale Metalleiter nach oben. Die ersten Matrosen entern auf. Weit und breit kein Mensch. Fern hämmern Maschinengewehre. Die großen Kräne stehn verlassen da. Ein großer Neubau hat leere Fensterhöhlen. Die Patrouille geht mit lautem Schritt auf den glatten Steinen des Kais voran. In der Bucht der Mole schaukeln einsam herrliche Pachten des Warschauer Pachtklubs, dessen weißes Klubhaus erbrochen vor uns liegt. Ein großer Dreimaster ist am Kai vertäut. Hinauf! Dann in das Innere. Handgranaten, Minen, Bomben? Nur Gestank. Alles wieder runter. Die Hafenstraßen Gdingens sind noch nicht gepflastert. Hochhäuser stehen hinter großen Morastpfützen. Gras wächst vor dem Telefunken-Hochhaus. Dor einer Tungsram-Lichtreklame ist das Gehsteigpflaster durch den Wolkenbruch eingesunken. Mitten in der Straße frisch aufgeworfene Erde. Vor einem Kino, das zuletzt einen französischen Film spielte, verlassene Schützengräben. Der Pole hat Gdingen geräumt! Ausgestorbene Straßen, unsere Schritte hallen. Da vorne eben Gestalten. Mit dunklen Stahlhelmen, sie stehen in einem Hausflur. Wir gehen weiter, langsam. „Das sind Deutsche!" Der Leutnant hat es gerufen. Im Glas waren Danzigs Heimwehrmänner zu erkennen Sie sind Vortrupp der Landtruppen, die seit 6 Uhr in der Sjadt sind. Nur in der Gegend des Kriegshafens ist noch Widerstand zu erwarten. Z ü g.e von Zivil- gefangenen begegnen uns im Stadtzentrum. Viele polnische Soldaten haben ihre Uniform v e r st e ck t und werden jetzt gefaßt. Man bringt sie in die Säle der Stadt. Frauen weinen nebenher. Sie glauben noch den Greuelmärchen, die man in Polen über uns geschrieben hat. Aus dem Gebäude der Starostei wird die Kriegsflagge gesetzt. Gdingen ist in unserer Hand. Dr. Steen. Bravourstück deutscher Ll-Boote. Kopenhagen, 22. Sept. (Europapreß). Aus- 1 unb he Ob, r unb > ‘in ?on bi* ingig r irt. n Lor ich Uns Qi/; über bi. Mt.*: hen Sjf',1; rrflichtz u seing nch, ktz erbrech« ib Mtz traft be englisch M & n vch Wirb ) afen vorzustoßen, anzulegen und die Ver- indung mit den von Süden in die Stadt eindrin- xenden Landtruppen cmfzunehmen. Ein Leutnant und vier Mann. — Der Leutnant napp 20 Jahre, vor vier Wochen noch Obersähn- nch, groß, lang aufgeschossen, Auslandsdeutscher aus Jrasilien. Schmales Gesicht. Er hat eine Karte des Gdinger Hafens aus der Tasche gcholl, legt sie auf lie Knie. Der Stahlhelmgurt hangt lose unter dem Kinn. Vier Mann? Sie sitzen um ihren Leutnant lerum. Eben haben sie ihre Karabiner geladen, lls chnen jemand an Bord des Schiffes einen Ditz zurief, hat keiner von ihnen gelacht. Sie haben clle vier ein todernstes Gesicht gehabt. Harte Augen iber unrasierten Stoppelbärten. Im Seitengewehr- vppel stecken die Handgranaten. Die Gasmaske lahinter. Der Gdinger Hafen gähnt weit und offen vor ins. An Steuerbord die auf Oxhöft postierten kölnischen Batterien sind noch nicht be- wungen. Schon hämmert Schnellfeuer von oben «runter. Die Spritzer im Wasser liegen nicht ein- nal schlecht. Umkehren? Gibt es gar nicht. „Alles mal kurz herhören!" Der Leutnant tippt uf die Karte. „Wir landen am Industrie- afen direkt an der Mole bei den Kränen. Heute norgen um 4 Uhr sollen noch MGs. in den Krä- ten gesessen haben, wollen das mal feststellen. Dann §«ht es nach Gdingen hinein. Wir machen tos so: zwei Mann linke Straßenseite, zwei Mann rechts Straßenseite. Jeder beobachtet die entgegen« «setzten Häuserfronten. Kennt Ihr ja aus der kampfzeit! Wenn einer ausfällt, nicht stehenbleiben. Sfn die Häuserfronten heran. Warten! Dann linke Schwenkung zum Rathaus. Dort weitere Befehle!" Zwei kleine Boote begegnen uns. Auf jedem eben die deutschen Matrosen ein MG. montiert. Sins dieser Boote sollte uns eigentlich in den Hafen «leiten. Es stellt sich heraus, daß das nicht mög- ch ist, weil eins der beiden Booten das andere chleppt. Ohne MG.-Schutz einfahren? Umkehren? >er Leutnant winkt ab: „Dann ebenohne NG. hinein!" Er und feine vier Mann riskieren riel. Keiner aber denkt anders als der Leutnant. 5>ie Pinasse braust in den weiten Hafen. An Backürtip»1” ze> Die F ,ie @»«* be Itl”' S*5 Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Dr. h. c R a e d e r, begrüßte in Ki die Besatzungen von nach erfolgreicher Fernfahrt heimgekehrten U-Booten. (Aufnahme: PK.-Urbans. — Scherl-Autoflex.) handelte sich dabei um die Dampfer „Suomen Poika" und „Vega". Die Fracht bestand aus „Stückgut". Es waren insgesamt 39 Passagiere an Bord. Man ist hier erstaunt darüber, daß es den deutschen Kriegsschiffen gelungen ist, die beiden aufgebrachten Schiffe trotz des englischen Minengürtels in einen deutschen Ha- en zu dirigieren. „Verlingske Tidende" sagt dazu: „Es ist von größtem Interesse, daß die deutsche Flotte imstande ist, aufgebrachte Dampfer auf der Nordsee zu begleiten und nach Cuxhaven zu bringen. Da die Dampfer am 15. September Kristiansand passiert hatten, muß die Aufbringung drei Tag« später mitten in der Nordsee stattgefunden haben." 3m Urteil des Gegners. General Geusiorowski des Lobes voll über die deutsche Wehrmacht. Breslau, 22. September. (DNB.) Die „Breslauer Neuesten Nachrichten" veröffentlichen eine Schilderung über die Gefangennahme des Kommandeurs der 7. polnischen Division, des Generals Gen- f i o r o w s k i, der einst der vertraute Mitarbeiter des Marschalls Pilsudski war. Der General wurde schon am vierten Tage des Feldzuges in Polen gefangen. Er hatte sich, in den ersten Tagen des Krieges mit seiner Division wacker geschlagen, bis ihm des Kriegsglück abhold wurde. Ein Unteroffizier und ein Feldwebel einer deutschen Einheit erwarben sich durch ihr entschlossenes Auftreten das Verdienst, den General mit seinem Stabe gefangen zu nehmen. Der General, der ein vollendetes Hochdeutsch sprach, ließ in der Unterhaltung durchblicken, daß er die deutsche Wehrmacht und ihre Führung restlos anerkenne. Offen sprach er aus, daß der schnelle Vormarsch der deutschen Truppen die größte Ueberraschung im polnischen Heer ausgelöst habe. Erstaunt war er über die Treffsicherheit der deutschen Artillerie und über den Stand der deutschen Motorisierung. Worte höchsten Lobes aber sprach er über die vorbildliche Haltung der wenigen deutschen Soldaten, die das Unglück hatten, in polnische Gefangenschaft zu geraten. Noch am Tage vorher hatte er selbst drei deutsche Gefangene vernommen, von denen einer schwer unb seine beiden Kameraden leichter verwundet waren. Sie gaben nur Namen und Dienstgrad an und erklärten auf weiteres Befragen schlicht und stolz: „Wir sind N a t i o n a l s o z i a l i st e n , das muß Ihnen genügen." Sonst war nichts aus ihnen herauszubringen. Preistreiberei in England. Scharfe Kritik an unzulänglichen Maßnahmen London, 21. Sept. (Europapreß.) In den Kommentaren der Londoner Blätter zu der Unterhaussitzung tritt die Erklärung Chamberlains über die Kriegslage in den Hintergrund gegenüber einer Kritik an der Arbeit der mit der Kriegsverso r g u n g befaßten Minister. Diese Kritik an der bürokratischen Handhabung der Regierungsgeschäfte beschränkt sich nicht auf die Blätter der Oppositionspresse, sondern auch in den der Regierung nahestehenden Organen werden sie laut. Die „Times" legt der Regierung nahe, den Zusammenbruch der bürokratischen Regelung der Fischversorgung sich zum Beispiel zu nehmen, und erklärt, „dies ist wieder ein Beispiel dafür, daß eine bürokratische Regierung ebenso viel Schaden angerichtet hat, wie ein erfolgreicher feindlicher Fliegerangriff". Die „Times" führt Beispiele an, daß große Vorräte an wertvollem Fisch durch die Unfähigkeit der Behörden verdorben sind und vernichtet werden mußten. Das Blatt stellt die Fragen: „Wer ist verantwortlich für diese schlechte Organisation? Wer hat das Ministerium für Information organisiert, das seine Laufbahn als Ministerium für Irritation begonnen hat?" Das Blatt erklärt, daß die Pläne der Regierung kn geradem Gegensatz zu dem gewöhnlich befolgten Prinzip ausgestellt zu sein schienen, wonach von bestehenden und erfahrenen Organisationen nach Möglichkeit Gebrauch machen sollte. Auch der „Daily Herald" kritisiert die durch die Regierungsmaßnahmen auf wirtschaftlichem Gebiet her britischen Regierung. verursachte Desorganisation und meint, daß unzulängliche Mittel ergriffen worden seien, um der Preistreiberei entgegenzutreten. Das arbeiterparteiliche Blatt gibt seinen Bettachtungen eine drohende Note, indem es erklärt, die Regierung müsse sich die von Greenwood ausgesprochenen Warnungen zu Herzen nehmen, denn hinter diesen stehe das ganze Gewicht der Arbeiterpartei. — Das liberale „News Chronicle" fordert einen vernünftigen Plan für die Herstellung von Kriegsmaterial, weil das, was auf diesem Gebiete heute als ausreichend erscheine, in Jahresfrist völlig unzureichend sein könne. „Die Preise errreichen die Höhe von Wolkenkratzern", so betont der Londoner Vertreter des Londoner Blattes „Messaggero" und unterstreicht, daß das Steigen der Preise mit der Schnelligkeit eines Aufzuges amerikanischer Wolkenkratzer vor sich gehe. Wenn das Londoner Publikum hierbei die Schuld hauptsächlich der Profitgier der Kriegsgewinnler zuschreibe, so dürfe man doch auch nicht außer acht lassen, daß in einem Land, das wie England zum überwiegenden Teil von der Einfuhr lebt, sehr viele andere Faktoren wie Versicherungen, Transportkosten und der Währungskurs eine ausschlag, gebende Rolle spielen. Das Blatt führt dann im einzelnen noch aus, wie schwer die gesamte Lebenshaltung des englischen Volkes durch den von der jüdisch-plutokratischen Oberschicht heraufbeschworenen Krieg belastet wird. Neutrale Ausländer sollten in Warschau als Geiseln dienen. Oie Bevölkerung Warschaus wird von polnischen Verbrechern tyrannisiert. Berlin, 22. Sept. (DNB.) Am Donnerstagabend haben, wie bereits gemeldet, 13 7 8 Angehörige neutraler Staaten, insbesondere der nordischen Staaten, Finnlands, Italiens, Hollands und Belgiens, weiter Angehörige der Vereinigten Staaten, Chinesen, Japaner und einige Angehörige süd amerikanischer Staaten, Warschau verlassen. Die Diktatoren der völlig von den deutschen Truppen eingeschlossenen Stadt wollten die neutralen Ausländer gewissermaßen a l s Geiseln gegenüber den deutschen Truppen benutzen. Sie wollten den Krieg ihrer Heckenschützen im Schutze der Angehörigen neutraler Staaten betreiben. Einer energischen Aktion der neutralen Diplomaten unter Führung des schwedischen Geschäftsträgers gaben die polnischen Machthaber nach. Unter dem Schutze der Flaggen der neutralen Staaten und unter Führung der Geschäftsträger und Generalkonsuln kam man in polnischen Lastwagen bis an die vorderste polnische Linie. Die Polen schickten die neutralen Ausländer ohne jeden Abschied von bannen. Männer, Frauen und Kinder mußten mit ihrem Gepäck, das sie in aller Eile zusammengerafft hatten, etwa 300 Meter zu Fuß bis zu den deutschen Linien während eines zwischen den beiden Fronten verabredeten Waffenstillstandes geben. Bei den deutschen Truppen wurden die neutralen Ausländer sofort mit größter Freundlichkeit aufgenommen. Man transportierte sie in bequemen Wagen nach Nasielsk, wo drei Son- Verzüge bereit ft anben. Eine Wagen- f o I o n n e mit etwa 150 Personen, meist in Wagen ber diplomatischen Vertretungen, fuhr auf der Lanb- sttaße nach Königsberg. Die brei Sonderzüge wurden in Deutsch-Eylau von der NSV. verpflegt unb betreut. Aus Gesprächen mit den ausländischen Diplomaten ergab sich, daß die polnische Regierung mit absoluter Bestimmtheit erwartet hatte, daß englische und französische Hilfe ihr wenigstens in Form von Luftgeschwadern zur Verfügung gestellt werden würde. Man hat auf polnischer Seite allgemein erklärt, daß dafür beftimmte Zusagen vorlägen. Der völlige Zusammenbruch, nicht etwa nur eine militärische Niederlage, des polnischen Staates ist absolut eindeutig. In Warschau herrschen einfach Verbrecher. Sie tyrannisieren die Stadt. Würde man eine Abstimmung veranstalten, es würden nicht 10 v. H. ber Einwohner sich für eine Fortsetzung der Verteidigung erklären. In Warschau herrscht ferner eine furchtbare Notlage der Bevölkerung, die tagelang nicht einmal Brot erhalten kann. Die Bevölkerung ist bereits stumpfsinnig geworden. Sie geht kaum noch in die Keller unb weicht dem meist von polnischer Seite durchgeführten Bombardement sowie den Bomben der Luftwaffe kaum noch aus. Die Zivilbevölkerung ist bewaffnet. Banden durchziehen die Straßen und behaupten, im Auftrage irgend welcher von ihnen selbst erkorener Machthaber zu regieren. Bezeichnend für die Stimmung in Warschau ist, daß selb st Angehörige neutraler Staaten, die noch zu den Missionen in engeren Beziehungen stehen, nicht einmal aihnuna von der wirklichen politischen und militärischen Lage in Europa haben. Die polnische Regierung hat auch die fremden Journalisten in Warschau zu tyrannisieren versucht. Sie hat je nach der Einstellung des einzelnen Journalisten ihm Telephonmöglichkeiten verschafft. Neutrale Journalisten, besonders Italiener, konnten zwei Wochen lang mit ihren Zeitungen weder durch Briese noch durch Telegramme oder durch das Telephon in Verbindung treten. Rudolf Heß im saarpfälzischen Grenzgebiet. WM •>-'i Der Stellvertreter des Führers unternahm in diesen Tagen eine Fahrt durch das faar-pfälzifche Grenzgebiet am Westwall. Unser Bild zeigt den Stellvertreter des Führers im Gespräch mit einer Bunkermannschaft. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und die Bilder: Or. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen, Provinz, Sport unb Wirtschaft: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. Druck unb Verlag: Brühlsche Unioerfitätsbrurferei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1.6eptembet 1227 ßÜUlfl, L jdenn Erleichterung bei Ins elfte Spülbai) S184C/3? hmein/lWMiiie Wscheklmmdrein! ADOLF-HITLER- JL INGENIEURSCHULE Maschinenbau, Elektrotechn., Hoch- u.Tief- V f bau, Kraft-u. Luftfahrt Elg.Lehrwerfatätten. JEL —- - Staatlich anerkannt - —-s El FRIEDBERG — HESSEN 3 Büroräume m[t Heizung in unserem Hause Johannesstraße 17 I. Stock zu vermieten. 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September 1939 Ln der heutigen Dormittagsziehung wurden gezogen AN! an 9343 19298 27729 46227 61980 72253 84322 70568 127698 138340 160575 181844 224329 251290 265391 312293 337107 370708 101881 127808 148361 160861 198050 236580 256677 284438 313453 340990 377495 106660 135620 148871 161958 212365 238374 262207 289244 321390 341392 377868 124166 42464 235045 300311 20389 135646 248855 305211 60676 121917 136752 151088 168105 222516 246076 263514 309170 328535 358940 387961 67428 123839 137564 159245 170791 223512 246140 263602 310961 331485 367672 398990 280578 19799 103898 231209 302702 zu verkaufe«.—Anzusehen am Samstag und Sonntag 110315 135654 149370 165862 220392 243368 263338 305575 324166 356179 385806 sind der Stolz der Hausfrau. Aber es müssen gute sein, dann haben Sie jahrzehntelang Ihre Freude dran. Sehen Sie sich diese schönen Bestecke mal an. Es sind Muster, die Sie jederzeit nachkaufen können. Gewinnouszug 5. Klasse 1. 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Sept. 1939. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. __________________________________________04382 In tiefer Trauer: Georg Häuser u. Frau, geb. Bieler Grete Häuser. Mehrere Männer und Frauen zum Flaschenspülen, Abfüllen und Verpacken zu sofort gesucht. 607eD Chr. Onderthal Seltersweg 55 Den Heldentod für Führer und Vater- land starb am 9. September bei Radom unser innigstgeliebter Sohn und Bruder, Enkel, Neffe und Vetter Hans Häuser Schütze in einem Kavallerie-Regiment. o-.fiwerdE!1 Dringt die leichte Mäßei^ - Giessen lriedrichstr.7 Lieferant aller Kassen Nr. 225 Zweites Blatt 25./24. September (959 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) alksgrenze General v.Voyen und die allgemeine Wehrpflicht Don Siaatsminister Professor Or. Paul Schmitthenner, Heidelberg. V. für di. Bet gpkikec am galjnhof | W. |f vor dek en Zeitschriften. vom urt a.R i, erfolgt »rforgung te: RM. niete hgj erfolgen, 6O50C die Jtei.' für di, wohnt. Aller Voraussicht nach mar es weitere Jahr-1 die Nation, die Liebe zum Reich und zum^Land und - -> * ■ r *■ - —>•■**— Hur Person des Herrschers. Im Mittelpunkt aber i whrt vf» tM t A irtt I hfltt rtrtötl :e« 5953D 23551 M. igen. CHULE „HocH-W* hnveffc*5891 nnt — HESSEN Heimat und Front. Von Heinrich Anacker. Friedlich liegt das weite, deutsche Land, Von der Sonne warmem Glanz beschienen. Kühe weiden-. Kinder spiel'n im Sand. Friedlich führt den Pflug des Bauern Hand, Unterm Schutz der kreisenden Maschinen. Fern im Osten aber loht der Brand Blutigen Krieges. Die Geschütze dröhnen; Feuerschein erhellt den Himmelsrand. Die Gedanken gehn zum Weichselstrand, Zu des Vaterlandes besten Söhnen. Fliegerketten ziehn am Horizont ... Jeder Garten, wo noch Rosen ranken, Jeder Giebel, den das Licht besonnt^ Mahne uns, den Männern an der Front Opferfreudig durch die Tat zu danken! Infanterie zu helfen und den Weg zum Siege zu bahnen. Nicht nur zum augenblicklichen Siege, sondern zu jenem Siege, welcher das hn wohlvorbereiteten Ansturm Errungene in Händen und Füßen. Gewehr und Handgranate, Brot und Fett, endgültig festhält. Dies aber, die große und entscheidende Aufgabe, den errungenen Sieg zu befestigen, damit er weiter vorgetragen werde, war die große und entscheidende Aufgabe der Infanterie, des Soldaten zu Fuß, welcher heute nicht mehr allein durch das Gewehr gekennzeichnet ist, sondern dessen Aufgabe sich unerhört verbreitert und konzentriert hat. Denn zum Infanteristen gehört heute nicht nur das Gewehr, sondern die Handgranate, der Spaten, die Gasmaske, die Beherrschung anderer Waffenarten wie des leichten und schweren Maschinengewehrs, des leichten Minen- werfers, der Infanterie-Begleitgeschütze und oft genug der entsprechenden Waffenarten der feindlichen Heere. Die Infanterie ist die unentbejr" lichste aller Waffengattungen. Sie bildet den Kern der Armee. Ich glaube, daß die Zukunft die ausschlaggebende Bedeutung der Infanterie unwiderleglich nachweisen wird. — Im September beginnen „Westermanns Monatshefte" ihren 84. Jahrgang, der das tausendste Heft bringen wird: Den neueft Jahrgang eröffnet Vin Aufsatz „Der nackte Mensch in der Kunst" von Edz. Schumann, dessen sorgsam ausgewählte Bilder von der Antike bis zur Münchener Ausstellung die Beweisführung veranfchau- kichen, welche Kräfte und Schwächen im Wandel der Jahrtausende die Einstellung des Künstlers zur Schönheit des menschlichen Leibes bestimmt haben. Deutsches Vol'ksschickfal durch tausend Jahre deutscher Geschichte erwächst in Theodor Skiesenhofers Zusammenschau „Von der Reichskrone zum Hakenkreuz" zur Schicksalsgestaltung durch das ewige Wirken der Reichsidee, lieber das Werden des Kampf- und Bekenntnisliedes, des Naturliedes und Kinderliebes in den letzten Jahren spricht Wolfgang Stumme, der Musikreferent der Reichsjugendführung. Zur Widerlegung englischer Spiegelfechtereien unter- sucht Otto E. Geyer die „Kolonialfraqe unter strate- gischem Vorwand". Die farbigen Beiträge zeigen stand unveränderlich wie seit den Tagen Friedrichs des Großen und Cäsars die Infanterie. Dann brachte der Weltkrieg der Infanterie die endgültige Bestätigung ihres entscheidenden Wertes und zugleich brachte derselbe Krieg der gesamten Armee die ungeheure und durch keine Theorie und keinen Frieden zu ersetzende Bestätigung, daß alle Waffengattungen auf das Innigste ver - schweißt sind und zueinander gehören, wenn der Krieg seine unwiderlegliche Stimme erhebt. Der Große Krieg hat alle Waffengattungen der Armee auf das Innigste zusammengefügt wie das verwickelte Getriebe einer ungeheuren Maschine, welche in ihren mannigfaltigen Teilen von Männern bedient wird. Die Kavallerie verlor einen Teil ihrer Bedeutung, mußte absitzen und in die Schützengräben gehen; der ein wenig übersehene Infanterist gewann eine ungeheure Bedeutung. Und dieser Infanterist begann die technischen Truppen, Pioniere, Train, schwere und leichte Artillerie, die ihm bisher als Sondertruppen erschienen waren, ungeheuer zu schätzen, wenn plötzlich die Brücken über reißende Flüsse entstanden, Lebensmittel, die unentbehrlichen, herangeschafft wurden, und wenn die leichten und schweren Granaten ihm den Weg zum Sturm vorbereiteten gegenüber Stellungen, an denen er sich sonst restlos verblutet hätte. Und die ganz neue und u ngewohnte Truppe der Flieger, welche bis Dahin nur als Verkehrstruppe galt und selbst von hohen Führungen nur mit Achselzucken betrachtet wurde, gewann binnen einem Jahr ein äußerst ernsthaftes Gesicht und schaltete sich unabweisbar in bas große Getriebe des Krieges ein, die weithin spähenden, entschleiernden und voraussagenden Augen des großen Heereskörpers. Plötzlich war die ganze Armee ein einheitlicher, großer und unter einem diktatorischen Befehl stehender Körper, in welchem jedem sein wesentlicher Teil zukam. Alles arbeitete ineinander, füreinander und zusammen: Artillerie, Flieger, Minenwerfer, Munitionskolonnen, Train, und eines war ohne das andere überhaupt undenkbar. Der Krieg hatte alle Unterschie- denheiten restlos aufgehoben. Die innigste Verbindung. zwischen allen Waffengattungen war her- Westgalizien sind wertvolle Petroleumlager und die berühmten Steinsalzbergwerke in der Nähe oon Krakau an Polen gekommen. Die Jndustriebezirke waren schon zur russischen Zeit leistungsfähig und gut entwickelt, und die Bevölkerung dicht genug, um eine genügende Arbeiterschaft und einen gewissen inneren Konsum zu. schaffen. Dazu kommt die hohe landwirtschaftliche Qualität eines großen Teils der polnischen Böden. Auch große Holzreichtümer sind vorhanden, und das ausgedehnte Netz natürlicher Wasserwege hätte nur eines regulierenden Ausbaues bedurft, wie ihn die untere Weichsel zur deutschen Zeit besaß, um die polnische Wirtschaft zu stärken. Zu einer sachgemäßen Entwicklung aller dieser Faktoren hätte nur der Erstschluß gehört, ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn, namentlich zu Deutschland, zu suchen. Der Marschall Pil- sudski pflegte zu sagen: Polen kann zwei Feinde nicht ertragen, und wenn es die Wahl zwischen Deutschland und Rußland hat, so darf es nicht in Feindschaft mit Deutschland leben. Jetzt müssen die Polen dafür zahlen, daß sie diese Lektion nicht gelernt haben, und sie werden auf ihre Ansprüche im ost-mitteleuropäischen Raum über ihren Volksboden hinaus verzichten müssen. Infanterie. Don Franz Sckauwecker. erzogen, wurde Boyen der Mann, dem es beschieden sein sollte, die alte Tradition und die neue Lehre in. schöpferischer Weise zu verschmelzen. Er wurde nie ein gedankenloser Nachbeter der französischen Revolution. Stets hielt er an der altpreußischen Offizierstradition und an den gegebenen preußisch- deutschen Lebensoerhältnissen fest, deren Eigengesetz er unbewußt anerkannte. Er wollte den Zeitgeist der Humanität mit den bewährten alten Grundsätzen der preußischen Regierungspraxis vereinigen, versöhnen und in Einklang bringen. Zwar war er für den Fortschritt begeistert. Dennoch blieb er unbeirrbar „ein treuer Diener seines Staates, dessen Grundfundament, seine militärischen und zivilen Institutionen, er für völlig intakt Hielt". Wohl aber wollte er sie weiter entwickeln und im Geiste des Dolksstaates vollenden. In der Unglücksschlacht bei Auerstedt schwer verwundet, gehörte später Boyen als Mitglied der Militärreorganisation an. Hier beteiligte er sich an den Vorarbeiten für die Volkserhebung des Jahres 1813. 1812 trat er vorübergehend in russische Dienste, kehrte 1813 zurück und nahm als Generalstabschef des Generals von Bülow am Feldzug 1813/14 teil. 1814 wurde er Kriegsminister und als solcher mit dem Entwurf und der Durchführung des Gesetzes der allgemeinen Wehrpflicht betraut. Stärksten Widerstanden zum Trotz, man könnte sagen gegen den Geist des Jahrhunderts, erkämpfte Boyen das Fortbestehen der ursprünglich nur für den Krieg gedachten Einrichtung auch im Frieden. Damit schuf er mehr als nur ein brauchbares und nützliches Gesetz. Er wurde zum Werkzeug des Schicksals. Staat, Volk und Heer hatten sich ja überall in der Welt seit dem 15. Jahrhundert auseinandergelöst. Ein verwildertes, freies und feiles Söldnertum stellte die Heere. Mit dem Emporwachsen des modernen europäischen Groß-Staates wurde dieser unselige Zustand allmählich wieder überwunden. Zunächst riß der Staat das Wehrrecht wieder an sich und machte dem freien Söldnertum ein Ende. Dies geschah freilich in Europa in verschiedener Weise. In Westeuropa konnte der nationale Gesamtstaat, wie in Frankreich und England, die Militärhoheit wieder für sich allein zurückgewinnen. In Deutschland mißlang dies dem Reich und glückte nur dem Einzelstaat. So erwuchs das neue Staatsheer des 18. Jahrhunderts mit dem Unterschied heran, daß es in Westeuropa national und in Deutschland territorial war. Hieraus entstand die furchtbare außenpolitische Schwäche des Deutschen Reiches und der sich nunmehr verhärtende deutsche Bruderkampf. Zugleich aber wurde innerhalb der zahlreichen deutschen Staaten und Heere der preußische Staat und das preußische Heer, zunächst noch unbewußt und e« achgeniäb lOtt Nr. 19. et neu“ w cksaiM esehl. W tgebote ö« wab ßhandM Lieferant- Ihrer »Ih M Das Exerzierreglement für die Infanterie Jahre 1906 enthält einige Worte, die endgiltig sind. Sie lauten: „Die Infanterie ist die 5) a u p t = waffe. Im Verein mit der Artillerie Eampft Jic durch ihr Feuer den Gegner nieder. Sie briet): seinen letzten Widerstand. Sie trägt d i e ftaupt« last des Kampfes und bringt die größten Opfer. Dafür winkt ihr der größte Ruhm. Dies sind klassische Worte. Was die Artillerie an- betrifft müßte man dieser Waffengattung heute die Luftwaffe hinzusiigen und im weiteren Sinn Des „totalen Krieges" jede andere Waffengattung und überdies die mobilisierten Kräfte des gesamten ßanbes, angefangen von den Frauen, welche in den Munitionsfabriken arbeiten oder an den Fuhrungs- schaltern der elektrischen Straßenbahnen stehen, bis Am 3. September 1939 sind 125 Jahre verflossen seit dem Tage, an dem im damaligen Königreich Preußen das Gesetz der allgemeinen Wehrpflicht verkündet wurde. Der Vorkämpfer und Schöpfer dieser segensreichen, alle deutsche Zukunft verbürgenden Friedenseinrichtung war der preußische General Hermann von Boyen. Sein Name ist nicht in dem gleichen Maße bekanntgeblieben, wie die Namen der anderen großen Männer der damaligen Erhebungszeit. Er trat und tritt zurück hinter dem strahlenden Doppelgestirn S ch a r n - Horst-Gneisenau und hinter dem Namen des Generals von Clausewitz, der in seiner stahl- harten Unbedingtheit uns heute durch die Nationalsozialistische Bewegung wieder so nahe gerückt ist. Und doch gehört Boyen in die Reihe der größten Männer der deutschen Geschichte. Denn mit der allgemeinen Wehrpflicht, die er damals als Kriegsminister in Preußen einführte, schenkte er dem deutschen Volke jene Kraft, die für den Aufstieg und die Größe deutschen Lebens in aller Zukunft entscheidend werden sollte. General von Boyen hat zwar dieses rettende, heilende, staatserhaltende und volksverbindende Gesetz nicht allein „entdeckt" ober „erfunden"; er stand vielmehr im Kreise der großen preußischen Reformer, die zwischen 1806 und 1813 um Stein und Scharnhorst geschart, die deutsche Erhebung vorbereiteten. Dort wurde ja auch gerade die Wehrhaftmachung der ganzen Nation geistig erkämpft und praktisch vorbereitet, so daß Preußen im Jahre 1813 als Volk der allgemeinen Wehrpflicht in den großen Befreiungskampf zog. Damit stand Boyen auf beit Schultern von Scharnhorst und Gneisenau. Ihm aber sollte es beschieden sein, das Werk, an dessen Vorbereitung er schon im Kreis der Reformer mitgeholfen hatte, endgültig zu v o l l - enden und die damals nur für die Kriegsdauer geschaffene allgemeine Wehrpflicht gegen den Widerstand der Zeit in Preußen auchim Frieden zu erhalten. Dies war sein unsterbliches Verdienst, für das das deutsche Volk ihm auf alle Zeiten ewige Dankesschuld zu entrichten hat. Hermann von Boyen entstammte einer wohl ursprünglich deutschchöhmischen Familie, die seit dem Ausgang des 17. Jahrhunderts in Ostpreußen heimisch geworden war. Schon sein Vater war preußischer Offizier. Zwölfjährig trat Boyen im April 1784 in das preußische Heer. Geistig aufgeschlossen und mit feinem politischen Instinkt begabt, mußte der junge Offizier die alten erstarrten Zustände des absolutistischen Staates und Heeres ebenso verurteilen wie er manches, was aus dem Westen herüberdrängte, als brauchbar und nützlich anerkannte. Unter dem Eindruck der Lehren der Aufklärung und doch zugleich in echtem preußischen Pflichtgeist als in der Weichselregion. Die Flüsse, namentlich der ukrainische Karpathenfluß D n j e st r , haben sich enge und tiefe, vielgewundene Talschluchten, wahre Canons, in den Felsboden ein gegraben. In der Gegend der Dnjestrquelle liegt die Vi " hunderte und Jahrtausende zuvor nichts anders. [ Die Infanterie ist im Lauf der Kriegsgeschichte aller Zeiten und Völker die unverrückbare Achse, um welche sich viele Kurven anderer Waffengattungen schlingen. Sie kann übersehen werden, sie wird vielleicht nicht beachtet, sie stirbt oft genug abseits im Kornfeld, im Unterholz, an Abhängen, in Schluchten, irgendwo Niemand erfahrt, wer da liegen geblieben ist. Beim Appell heißt es: Fehlanzeige. Dann: vermißt. Dor dem Weltkriege war es so: die deutsche Armee unzweifelhaft die beste der damaligen Welt — das hat sie in vier Kriegsjahren gegen diese oanze Welt bewiesen — war trotzdem kein ganz einheitliches Gefüge. Zwar zusammengehglten durch die Person des Obersten Kriegsherrn, des Kaisers, war sie nicht nur in bezug auf die Waffengattungen, sondern auch hinsichtlich mannigfacher Truppenteile oft genug scharf unterschieden. „Garde" und „Llmen- truppe" standen sich nicht etwa gegenüber, aber ihre Geltung untereinander war sehr verschieden geartet. Kavallerie galt im allgemeinen für vornehmer als Infanterie. Der Kavallerist bemitleidete von seinem Pferd herab den unterm Gepäck keuchenden Infanteristen Für den Train und die Pioniertrupve hatte man wenig übrig. Man war, da man feit 1871, ab- gesehen von kriegerischen Kolonialunternehmungen, ohne jede moderne Kriegserfahrung war der vorgefaßten Meinung, Pioniere und Tram seien holde Etappe und kämen nicht ins Feuer. Das stellte sich nachher als total falsch herauf und, abgesehen von der Artillerie, hat wohl keine Truppe der Infanterie mehr geholfen, als eben der Train und die Pioniere. Die schwere Artillerie stand gleichfalls sozusagen auf ihrer eigenen Basis. Dazu gehörte Mathematik, also eine gewisse Gelehrtheit, die etwas fremdartig wirkte entsprechend der Stellung, welche man ber Marine gegenüber oft einnahm, sie sei eine Wgjsen- gattung, welche in Badehosen spazieren fahre und für die man mit einem gewissen wohlwollenden ftumor das immerhin nicht unbezeichnende Wort „die Klempnermeister" erfunden hatte Und das von weaen der ausgeprägten Technik und Wissenschaft. «X qott als ein- Ar. non technischer Truppe. für sich lebte. Das galt sogar nach em wenig für die Feldartillerie So lebten in dieser ta fad), h* besten Armee der Barkriegs,-,t. der deutschen, die einzelnen Waffengattungen sich em wenig auseinander, obwohl alle ein und dasselbe Band ernte: wurde die Landwehr eine Art königlicher Miliz, die nach Haltung und Ausbildung sowie nach Leistungskraft und Zuverlässicsteit weit hinter der Linie zurückstand. Dieser gehörten mir junge, gut ausgebildete Leute an, soweit sie dem Etat und der Finanz- krast des Landes entsprechend zum stehenden Heere eingezogen werden konnten. Zur Landwehr aber zähltn nicht nur die älteren ausgedienten Soldaten des aktiven Heeres, sondern vor allem auch jene zahlreichen jungen Wehrpflichtigen, die infolge der Kleinheit des stehenden Heeres nicht zu diesem eingezogen werden konnten. Damit war notwendig ein fühlbarer Mangel an Leistungsfähigkeit der Landwehr verbunden. Dennoch wurde gerade diese im Volke selbst für besonders wertvoll gehalten; sie war ausgesprochen populär. Hierbei wirkten mit die Legende des Jahres 1813, die nicht ganz mit Recht den schönsten Ruhmeskranz um die Stirn der Landwehr flocht, sowie die demokratische Gesinnung der Zeit. So wurde die Frage Landwehr oder Linie sogar ein Gegenstand des innerpolitischen Kampfes. Während der altpreußische Geist sich dem demokratischen Liberalismus widersetzte und im stehenden Königsheer das eigentliche preußische Heer erkannte, schwärmte die vom Wehrgeist überfremdete demokratische Gesinnung von einem von der preußischen Zucht befreiten Volksheere lebensunfähigster Art und sah in der preußischen. Landwehr eine Art Idealform, die es nur noch zu „vervollkommnen" gelte. Damit hing es zusammen, daß die preußische Landwehr in der Revolutionszeit der vierziger Jahre doch nicht die gleiche Zuverlässigkeit wie die Linie bewies und daß Preußen bei dem diplomatischen Kampf in Olmütz 1850 vor Oesterreich zurückweichen und die deutsche Frage noch einmal vertagen mußte. Erst Bismarck war es beschieden, in der Konflikts- Der ost-mitteleuropäische Raum. Von Dr. Paul Rohrbach. Die Weltgeschichte macht geographische Wanderungen, und es gehört zu ihrem Verständnis, diese zu verfolgen. Gegenwärtig ist die Uebergangs- region zwischen dem mittleren und dem östlichen Europa ein Derdichtungsge- biet welthistorischen Geschehens geworden. Napoleons Satz, daß die Geographie die Geschichte macht, behält auch hier viel von seiner Geltung; nur bedarf er in Ostmitteleuropa stärker als anderswo einer Ergänzung von der Seite der völkischen Gegensätze her. Ost-Mitteleuropa ist ein binnen ländisch gearteter Raum. Die Pommersche und die Ostpreußische Seenplatte gehören nicht dazu. Sie legen sich in Gestalt eines flachen, zur Eiszeit aufgeschütteten Walls von eigentümlicher Natur zwischen die Ostsee und das Gebiet der Urstromtäler Polens, in denen beim Abschmelzen des Eises die Gewässer nach Westen abslossen, und sind, ausgesprochen ein Zubehör Norddeutschlands. Polen ist das Kernstück von Ost-Mitteleuropa, füllt aber diesen Raum keineswegs aus. Im Norden und in der Mitte wird es von denselben eiszeitlichen Stromtälern durchzogen, die sich westwärts in die norddeutsche Tiefebene fortsetzen. In das Haupttal tritt schon bald unterhalb Krakau die Weichsel ein. Von rechts strömt ihr der mächtige Bug zu, der kurz vor seiner Mündung seinen Namen an den weniger bedeutenden Na- r e w verliert. Durch die Vereinigung von Weichsel, Bug und Narew entsteht eine große, von Wasserläusen durchzogene Ausweitung des eiszeitlichen Talsystems. An der letzten Uebergangsstelle über die Weichsel oberhalb des ausgedehnten sumpfigen Schwemmlandes an der Narewmündung liegt auf dem hohen linken Weichselufer Warschau. Wegen dieser beherrschenden geographischen Lage ist es die polnische Hauptstadt geworden. Ursprünglich, im Mittelalter, lag das politische Zentrum des polnischen Volkes weit näher an den mitteleuropäischen Kultur gebieten: anfangs in Gnesen, danach in, Krakau. Gegen das östliche Deutschland liegt Polen offen und ungedeckt da. Flußtäler, Eisenbahnlinien und Straßen schneiden hier von jeher eine künstlich gezogene politische Grenze in einem Gebiet starker gegenseitiger ethnographischer Durchdringung. Im Norden dagegen bilden die versumpften Täler des Narew und seines Nebenflusses Bobr, die in nahem Abstand Der Südgrenze von Ostpreußen parallel ziehen, ein auch aus dem Weltkrieg bekanntes strategisches Hindernis, die fogenannte Narewlinie. Den jetzigen Vormarsch der deutschen Truppen hat allerdings auch die durch Befestigungen verstärkte Narewlinie nicht aufzuhalten vermocht. Im Urstromgebiet ist der Boden meist sandig, Kiefernwald herrscht vor. Die Aecker sind mager, die Dörfer arm und schmutzig, die Menschen primitiv, man möchte sagen, einem im übrigen Europa schon lange überwundenen Urzustand noch nahe. Anders geartet ist Südpolen. Das polnische Mittelgebirge, die Lysa Gora, deren Höhen 600 Meter erreichen, liegt vor den Karpathen wie das deutsche Mittelgebirgsland vor den Alpen. Bis hier hinauf hat die Eisbedeckung nicht gereicht, dagegen hat sich während eines früheren steppenhaften Klimas reichlich fruchtbarer Löß abgelagert. Die ßöfcregion reicht noch weit über die Weichsel hinaus nach Osten bis auf die Wolhynische Platte, die den Ausklang Mitteleuropas gegen das große östliche Tiefland bildet. Hier liegen die reichsten Ackergebiete Polens, aber mitten durch sie hindurch, nur wenig östlich von Lublin, zieht bereits die ethnographische Grenze zwischen polnischen und ukrainischem Volkstum. Galizien ist mit seinem kleineren westlichen Teil Weichselland und polnischer Volksboden; mit seinem großen östlichen gehört es bereits zu einer anderen geographischen Region, der ukrainischen Schwelle, die ebenfalls nicht mehr der Vereisung unterlag. In ihr dacht sich das Karpathenvorland zu den nach dem Schwarzen Meer hinabziehenden Stromgebieten ab. Das Bild des Landes sieht hier anders aus unerkannt, zur Lösung der deutschen Frage aufgerufen. Deshalb mußte es für Deutschland von entscheidender Bedeutung sein, was in Preußen geschah. Würde Preußen den Ruf des Schicksals hören? Denn mit dem Wandel des europäischen Staates von der Monarchie zum Volksstaat war eine neue notwendige wehrpolitische Veränderung verbunden. In dem Maße, in dem der Staat zum Dolksstaat wurde, mußte das Heer zum Volksheere und das Söldnerheer verdrängt werden. Staat, Volk und Wehr mußten zur dreifältigen Einheit verschmelzen. Dies wurde das Kernproblem des 19. Jahrhunderts. Nun, der General von Boyen hörte den Ruf des Schicksals. Denn im Gegensatz zu allen europäischen Staaten und zu allen anderen innerdeutschen Territorien kämpfte er für den Fortbestand Der allgemeinen Wehrpflicht in Preußen, auch nach Der Riede rzwingung Napoleons, im Frieden. Er siegte in diesem Kampfe, und Das Gesetz vom 3. September 1814, dessen wir heute gedenken, führte die allgemeine Wehrpflicht in .Preußen auch für die Friedenszeit ein. Damit war allen Widerständen zum Trotz jene soldatische Formung Des deutschen Lebens gesichert worden, die Dem deutschen Volke in seiner mitteleuropäischen Lage auf Die Dauer allein Frieden, Freiheit und Brot zu sichern vermag. Zugleich war der Anfang gemacht worden mit jenem politischen Soldatentum, das, im 19. und 20. Jahrhundert mehr und mehr als deutsches Lebensgefühl heranwachsend, erst von Adolf Hitler und Dem Nationalsozialismus als Träger des deutschen Lebens und des deutschen Schicksals vollendet wurde. Die Form, in der Boyen die allgemeine Wehrpflicht damals in Preußen einführte, war nicht von Bestand, mochte fte auch damals schon Mit Rücksicht auf die geschwächte Finanz kraft des Staates die gegebene fein. Er stellte nämlich Linie und Landheer als zwei getrennte Formationen nebeneinander. Während die Linie Das stehende, militärisch gut ausgebildete und leistungsstarke Königsheer war. 120v.H-er* rholtenW erAn^Si ieW' ÄS i»t= * ssliol, Mi 13.24 zwischen Polen und Ukrainern. Polen, und damit Ost-Mitteleuropa, hat eine natürliche Südgrenze, soweit es an den Karpa- thenwall stößt. Gegen Osten sind die geographischen Uebergänge fließend, die ethnographischen Scheidelinien gegen weißrussisches und ukrainisches Gebiet dagegen sind einigermaßen bestimmt. Den ost-mitteleuropäischen Raum als'solchen werden wir soweit nach Osten auszudehnen haben, wie die vom östlichen Karpathenkamm herabkommenden Flüsse ihr Bett in die Wolhynische und Ukrainische Platte eingetieft haben. Wirtschaftlich ist Polen schon innerhalb seines eigentlichen Dolksbodens von Natur nicht schlecht gestellt, und es hätte vertragswidrigen Raubes der oberschlesischen Grubengebiete nicht bedurft, um die polnische Industrie genügend mit Rohstoffen aus- zustatten. Von Oberschlesien her streicht im Becken von Dombrowo die k o h l e n f ü h r e n d e Gesteinsschicht nach Polen hinüber. Nahe Dabei, im polnischen Mittelgebirge, liegt das Eisen. Mit zu den grauhaarigen Männern, welche in de Schreibstuben sitzen und dadurch junge Kräfte für die aktive Betätigung freimachen. In der Tat scheint mir die Infanterie eine ewige; kriegerische Bedeutung zu besitzen, die ihr seit Den Tagen Cäsars und Alexanders notwendig mne-1 gestellt. Immer mehr schälte-sich im Lauf der kriegerischen -vullvui.u ■ *7 y- =>-- Handlungen das eine heraus: alle Waffengattungen, Malereien aus chinesischer welcher Art auch immer, waren dazu da, um der I bemerkenswerte handgewebte Bildteppiche. Aus aller Welt u=>1 roie stellen könne. * Ohne den Blick aufzuheben fragt Vivian: „Und 8ü (Nachdruck verboten!) 40 Fortsetzung. w chii ür Q( D) U i I Fer jB iit I scheu Jo w -j in iik Lil tyntri njen oll lol Ul 6li W Pi kr z> hpf1 W k d llrb h r' P »'M ich । ult n Mi M ct ni M ^rour i 3re Ho püi f;opo L N hu „Sie hat uns unschätzbare Dienste geleistet. Ihrem Mut verdankt die Polizei die Aufklärung des Mordes — und einige andere gute Fänge. Sie lebt nicht mehr. Bei der Razzia, die wir auf ihre Angaben hm unternahmen, ist sie erschossen worden. Sie hat — ihre Liebe zu Holgerson mit dem Tode bezahlt. „Mit dem Tode — ?" Vivian blickt ernst vor sich hin und es ist, als spräche eine fremde Stimme aus ihr. „Das ist viel. Aber ich habe nicht weniger zahlen müssen — ich habe mit einem Teil meines Lebens Mussolini empfing General N e g r i, den Inspekteur der alpinen Truppen. Der General erstattete dem Duce über Fragen militärischen Charakters Bericht und hob dann die gute Stimmung der alpinen Bataillone hervor, die an den Grenzen des Vaterlandes ihre Pflicht erfüllten. Anläßlich der Ermordung des rumänischen Ministerpräsidenten Calinescu ist der deutsche Gesandte in Bukarest beauftragt worden, der Königlich Rumänischen Regierung die Anteilnahme der deutschen Reichsregierung zu übermitteln. Im Namen des Reichsministers des Aus- wärtigen, von Ribbentrop, hat der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, von Weizsäcker, in Begleitung des Chefs des Protokolls, Gesandten von Dörnberg, dem Königlich Rumänischen Gesandten in Berlin, C r u tz e s c u, sein Beileid persönlich zum Ausdruck gebracht. * Admiral Nomura, der bisherige Präsident der Adelschule in Tokio wurde zum japanischen Außenminister ernannt. Der bisherige Vize- außenminister S a w a d a soll als B o t s ch a f t e r nach Paris gehen. Unterrichtete Kreise erwarten noch einen weiteren Diplomatenwechsel, so etwa in Rom, Brüssel und Washington. ♦ Wie die „Nationalzeitung" mekd-et, ist der ehemalige Völkerbundskommissar in Danzig, Professor Burckhardt, am Mittwochvor- mittag im Auto aus Deutschland in seiner Heimatstadt Basel eingetroffen. Wie das Blatt feststellt, spricht die Tatsache, daß Professor Burckhardt durch Deutschland gefahren ist, gegen ine vor einiger Zeit in englischen Zeitungen Der breitete Nachricht, wonach Professor Burckhardt angeblich Danzig unter Schmähungen der Bevölkerung verlassen hat. * Nach einem Reuterbericht aus der kanadischen Hauptstadt Ottawa hat die kanadische Regierung bekanntgegeben, daß sie „f ü r d e n N o t f a l l zwei Divisionen als Expeditionskorps auf- Trotz Krieg Weiterbau der Reichsautobahn. Berlin, 22. ©ept. (DNB.) Trotz starken Ein> satzes der deutschen Bauwirtschaft bei Befestigungsarbeiten und zur Instandsetzung der Wege und Brücken im Osten hat der deutsche Straßenbau am 23. September zwei weitere Reichsautobahn-Teilstrecken, und. zwar zwischen Hannover und Bielefeld bzw. z w i s ch e. n Frankfurt a. M. und Limburg in der Gesamtlänge von 109 Kilometer f e r t i g g e st e l l t. Der Fertigstellungstermin hat besondere Bedeutung dadurch, daß vor genau sechs Jahren, am 23. September 1933, der Führer mit seinem Spatenstich bei Frankfurt a. M. das Zeichen zum Baubeginn der Reichsautobahnen in Deutschland gab. Lieber 200 Tote bei einem Erdbeben in Anatolien. Kein „Drahtverhau" für unsere Soldaten. über seinen Irrtum dadurch, daß er zwei der „Flieger" mit seiner Schrotflinte erledigte. Vorsicht beim Verdunkeln. In Groß-Schönau in Sachsen hatte eine Frau im Zuge der Verdunklungsmaßnahmen eine über ihrem Bett hängende Glühbirne mit einem schwarzen Strumpf überzogen und beim Verlassen des Schlafzimmers vergessen, das Licht auszulüschen. Die heißgewordene Birne setzt e d e n Strumpf in Brand. Die brennenden Fetzen fielen auf das Bett, das dadurch ebenfalls Feuer fing. Das Feuer wuxde von Nachbarn durch das Fenster bemerkt und konnte gelöscht werden, bevor es sich weiter ausbreitete. Pläne zu einer Lismeerbahn in Finnland. Im finnischen Reichstag wurde der Vorschlag zu dem Bau der Lappland-Eisenbahn von Rovaniemi nach Petsamo (Eismeer) vorqeleott Es wurde vorgeschlagen, vorerst die Strecke von Rova- memi nach Sodankylä, die etwa 130 Kilometer beträgt, auszubauen. Der Kostenvoranschlyg für dieses Unternehmen, das sofort in Angriff genommen werden foll, beläuft sich auf 183 Millionen Fmk. Bisher ist Rovaniemi die nördlichste Eisenbahnstation Finnlands. Der Plan, neben der Gismeerstraße noch eine Bahnlinie nach Lnnaha- mari (Eismeer) zu führen, ist schon mehrfach erörtert worden. Drei Jungen in einer Tongrube gasvergiflel. In den außer Betrieb gesetzten Tongruben in Hettenleidelheim in der Pfalz fand man die Leichen von drei Jungen aus Frankenthal, die bereits seit dem 10. September vermißt worden waren. Die Jungen waren am Sonntagfrüh mit ihren Rädern nach den Tongruben gefahren und in einen Schacht e i n g e ft i e g e n. Dort sind sie den im Schacht angesammelten Gasen zum Opfer gefallen. Der gleiche Umstand gestaltete die Bergung der drei Toten sehr schwierig. zu unterscheiden ist. Die Verpflegung der Soldaten stützt sich im allgemeinen auf Frischfleisch und frisches Gemüse, aber selbstverständlich ist als Rückendeckung für haltbare Konserven gesorgt. Die Mutter der Kriegerkonser- ven war die schon sagenhaft gewordene „Erbswurst". Als ihre Urenkelin kann die Gemüsekonserve betrachtet werden, die in riesigen Mengen im E. 23. M. lagert. Sie besteht aus grünen Bohnen, Erbsen, Schweinefleisch und Rindfleisch und liefert gekocht ein kräftiges wohlschmeckendes Gericht. Der Speisezettel des Krieges von 1939 ist viel reichhaltiger als der im Weltkrieg. Auf den Blechbüchsen im Lager des E. 23. M. — sie sind großer als die frühere „eiserne.Ration" — sieht man Aufschriften, wie „Grüne Bohnen mit Schweinefleisch", junge Brechbohnen, Karotten, Wachsbohnen, junge Erbsen, Weißkohl usw. Aber es gibt neben gedörrtem Sauerkraut auch Aprikosen und andere Leckerbissen. Für konservierte Fleische und Wurst war en ist reichlich gesorgt. Neben Darm und Blechbüchse wird auch das Räuchern zur Haltbarmachung des Fleisches in größerem Umfange als vor 25 Jahren an gewendet. Ganze Schweine werden jetzt nach Entfernuna des Kopfes und der Innereien geräuchert und so zu einem Heeresproviant gemacht, der nicht so schnell dem Verderben ausgesetzt ist. Bei der Ausrüstung unserer Krieger ist also auch durchaus an den Sol- datenmagen gedacht worden, dessen richtige Betreuung schon der Alte Fritz als eine Voraussetzung des Sieges bezeichnet hat. 2 der im Sie' kB |il uil M öW udei ■:ren! iriiioi nrnni -0 v. Soli Sn bi richt in ve teil Hl Ji finmo J tine M)h i;n i M Ai zu tun?" „Das fragten wir uns auch zuerst", gibt Pembroke ernst zur Anwort. „Wir sahen nichts, was den Verbrecher zwang, gerade diesen Mann zu töten. Ein Zufall wies uns den Weg. Bei Inspektor Linkerton meldete sich eine Frau, die Holgerson gekannt hat. In ihrer Wohnung hat Holgerson eines Tages den vermeintlichen Onkel William getroffen. Nein, er war nicht zu jener Frau gekommen, sondern zu ihrem Bruder, der so nebenbei eine einträglich Patzfälscherei betrieb. Auf diese Weise ist Asbjörn Holgerson der erste gewesen, der hinter „Onkel" Williams Geheimnis kam. Wer weiß, was die zwei miteinander verabredet haben, welche Zugeständnisse der Schwede an den Sänger machen muhte, um ihn zum Schweigen fru bringen. Wahrscheinlich waren sie so umfangreich, daß Söderblom den Entschluß faßte, diesen lästigen und gefährlichen Mitwisser einfach beiseitezuschasfen. Ihr Mann, gnädige Frau, verbrauchte viel Geld' fügte Pembroke leise hinzu. „Er war in jenen Tagen fast vollständig ruiniert und hoffte nur noch auf Ihr Vermögen. Er hat für die ärgsten Schulden von Söderblom Hilfe gefordert." Der Täter mitten unter uns Roman von Kurt Riemann Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau f. Sa. Holgerson, den Mitwisser, und Hellmers, den erbitterten Gegner aus Liebe zum Werk von Sir John Perkins. . Möchten Sie je erleben, daß ein Glied Ihrer Familie unter solcher Anklage steht? Danken Sie Gott, daß er es so gefügt hat! Wir werden dafür sorgen,, daß auch bei der Veröffentlichung fein Makel auf den Namen Perkins und die Glieder der Familie fällt — wenn Eric Söderblom nicht redet. Und nun darf ich mich wohl verabschieden. Es ist spät geworden." In jener Nacht schlafen die Schwestern wieder in einem Zimmer, wie in guten alten Zeiten, und jede sucht Ruhe und Vergessen in der Nähe der andern. 34. Das Spiel ist aus. _ Das Gericht hat seinen großen Tag. Der weite hohe Saal ist gefüllt bis auf den letzten Platz. Unzählige mußten vor verschlossenen Türen unv kehren. Die Presse ist sehr zahlreich vertreten, für die meisten Blätter bedeutet der Skandal um du weltbekannte Firma ein gefundenes Fressen. Die Telephone sind ständig besetzt, unablässig hasten die Stifte über das Papier, um jede Phast der Verhandlung festzuhalten. Im Augenblick steht Linkerton vor den Richtern, groß und massig. Er ist in jeder Beziehung der ideau Zeuge. Wäre der Anlaß nicht so ernst, so könnte man er fast als Vergnügen bezeichnen, dem Hin und Her dec klugen Fragen und präzisen Antworten zu folgen. Ihm folgt Pembroke mit seinen Aussagen. In erbarmungsloser Offenheit enthüllen seine Aus- führungen das Bild eines Menschen, den Habsucht zum Verbrecher machte. Auf dem Richtertisch liegen die Indizien, ein Foto und ein Brief. „Wie der Inspektor von Scotland-Pard, der diesen Fall bearbeitet, sicher bereits geschildert hat", 1° führt der wieder unglaublich jung wirkende Krimi' nalift aus, „spielte uns die Unachtsamkeit eines Boten diesen Brief in die Hände. Der Junge hatte zuecss vergessen, ihn abzugeben, und es dann aus Furai vor Strafe ganz unterlassen. Er enthält den Schluss" des ganzen Verbrechens. Ein paar an und für belanglose Rechnungen der schwedischen Firma, o^e der tote Bruder des Sir John Perkins besaß, VrD darin enthalten. (Fortsetzung folgt.) 9 Unö als erwache sie plötzlich, fährt sie sich über die Stirn, auf der doch fein Löckchen sich ringelt, und bittet mit stummem Lächeln um Verzeihung. „Lassen mir dem Toten seine Ruhe! Er hctt viel geliebt — ihm wird auch viel vergeben werden." Pembroke ist plötzlich sehr ernst geworden „Ich möchte fast sagen: Gottlob, daß es so fam, wie es eben gekommen ist. In aller Blindheit trifft das Schicksal doch meist das Richtige." „Wie meinen Sie das?" „Bitte — ich will Sie nicht kränken, ich würde nicht davon sprechen, wenn es die öffentliche Verhandlung nicht doch an den Tag brächte. Wäre Asbjörn Holgerson noch am Leben, dann säße er im Gefängnis." „„ , „Sind Sie wahnsinnig?" fährt Vivian verstört auf. „Holgerson war fein Engel,, aber er hat bestimmt nichts Ungesetzliches getan!" „Nicht ich spreche, gnädige Frau , entgegnet Pembroke leise, aber mit unerbittlicher Schärfe, „sondern unwiderlegbare Tatsachen! Wir können einen Zeugen stellen, der unter feinem Eid aussagt, daß Asbjörn Holgerson diese Pläne ausgeliefert hat. Sie wissen ja, was das heißt." Er wirft das gelbe Papierbündel zurück auf den T'^Das war das Geschäft, das der ,Onkell mit Holgerson gemeinsam durchführen wollte. Pläne stehlen, das gesamte Barvermögen der Werke herausziehen, die Werke langsam und systematisch unter der Maske des Verwalters zugrunde richten, um die Produktion der Konkurrenz um so mehr anzukurbeln — oh, es war alles satanisch gut ausgedacht! Aber welch ein Glück, daß der ,Onkell sich jenen sauberen Mord zurechtlege, der ihm mit einem Male zwei unangenehme Gegner vom Halse schaffen sollte: Nein, der Schuß mußte von einem erhöhten Standpunkt aus abgegeben sein, von einem Baum ... ober vom Balkon Ihres Hauses. Der Mörder mußte sich im Hause befunden haben. Und schon damals war eigentlich alles reif, um zugreisen zu können. Es kam nur einer von Ihnen in Betracht: Sie, meine Damen — ja, bitte lächeln Sie nicht, man mußte eben alles bis zum Beweis des Gegenteils für verdächtig halten — „Onkel William, Hawkins, das Dienstmädchen oder die Köchin. Hawkins schlief. Da sein Fenster halb unter der Erde liegt, war also seine Täterschaft ausgeschlossen. Die Köchin, das Dienstmädchen? Schon der Gedanke schien lächerich, die zwei fassen keinen Revolver an. _ . .. Blieben nur Sie ... und „Onkel" William. Fraulein Claire schied Gott sei Dank ihrer Augen wegen von vornherein aus! Man sieht, Fräulein Claire, auch Kurzsichtigkeit hat Dorteilei Mrs. Holgerson? Nein. Unglaubhaft. Bei der Sicherheit, mit der geschossen wurde, kam überhaupt nur ein Mann in Frage, ein Nervenathlet und hervorragender Schütze dazu. Don drei Schüssen in dem schlechten Licht aus mehr als vierzig Meter em Volltreffer ... alle Achtung. Der Schütze stand auf dem Balkon, er wartete die günstigste Stellung ab, als Holgerson unter der Torlampe stand, schoß und warf die Waffe hinter dem entsetzten Hellmers ins Gras. Genial! Sogar die Handschuhe, hatte der Schütze nicht vergessen, um Fingerabdrücke zu ver- meiden. Und nun geben sie acht, wie mein Verdacht zur Gewißheit wurde: . Als Hellmers an jenem Unglücksabend ging, rief ihn Ihr Onkel ... also Eric Söderblom ... zurück, weil er feine Handschuhe vergessen habe. Dabei sagte er: Hch trage zwar nie solche Dinge,,aber zu einem fernen Mann gehört das nun mal! Der Führer an Generalfeldmarschall von Mackensen. Danzig, 20. Sept. (DNB.) Der Führer sandte am Dienstag während seines Aufenthaltes in Danzig folgendes Telegramm an den Generalseld- marschall von Mackensen: „Herr Generalfeldmarschall! Auf den Schlachtfeldern Ihrer geschichtlichen Erfolge war ich Ihnen in Gedanken verbunden. Dem Gedenken gebe ich Ausdruck von der Stätte Ihres Wirkens als Kommandierender General, des heimgekehrten Danzigs. Mit kameradschaftlichem Gruß (gez.) Adolf Hitler." General der Artillerie Karmann gestorben. Berlin, 20. Sept. (DNB.) Der Chef des Heeresverwaltungsamtes, General der Artillerie K a r m a n n , ist plötzlich e i n e m H e r z- schlag erlegen. Die Beisetzung fand Mittwoch, 20. September, um 11.30 Uhr, auf dem Friedhof Lichterfelde statt. General Karmann hat sich schon während des Weltkrieges besonders bewährt. Nach dem Krieg hat er sich um den Ausbau des Verwaltungswesens des Heeres, dem seine Pflichterfüllung bis zum letzten galt, hervorragend verdient gemacht. Kleine politische Nachrichten. Am 22. September hielt der Re ich s ko m mi s- sar für die Preisbildung, Gauleiter Wagner, eine 21 r b e i t s ta g u n g mit ben Preis- bildungs- und Preisüberwachungsstellen ab. Die Fragen der Preispolitik in der Kriegswirtschaft wurden durchgesprochen und die Richtlinien für die weitere Arbeit des Preiskommissars und seiner Dienststellen festgelegt. * Reichsminister Dr. Goebbels empfing im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda die Korrespondenten der in Berlin vertretenen ausländischen Presse und gab ihnen Aufklärung über eine Reihe wichtiger politischer Fragen. In zwangloser Aussprache wurden daran anschließend zahlreiche Tagesprobleme erörtert. Das fruchtbare und dicht besiedelte nördliche Küstengebiet von Smyrna wurde in den letzten 24 Stunden von einer Reihe starker Erdstöße heimgesucht, die schwere Schäden an Menschen und Gut angerichtet haben. Am schwersten hat das am Aegäischen Meer gelegene Städtchen Dikili gelitten, hier sind 250 Wohnhäuser und öffentliche Gebäude zerstört worden, so daß die gesamte Bevölkerung obdachlos ist. Aber auch in den übrigen nördlich von Smyrna gelegenen Dörfern sind große Verwüstungen angerichlet worden. Man rechnet mit über 200 Toten und Vermißten und mehreren hundert Verletzten. Die Krankenhäuser von Smyrna sind überfüllt. Die Zahl der Menschenverluste ist darum so groß, weil die Bevölkerung im Schlaf von den ersten Stößen überrascht wurde. Von Smyrna aus werden die Rettungsarbeiten geleitet, an denen sich auch Militär beteiligt. Auch das Landstädten Per- gama, nach der antiken Ruinenstätte Pergamon benannt, hat einige Schäden erlitten. Der Stapelburger Mörder dreimal zum Tode verurteilt. Das Sond er geri cht Halle (Saale, das in Halberstadt tagte, verurteilte den 27 Jahre alten Walter Pestki dreimal zum Tode, zu zehn Jahren Zuchthaus und sprach ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit ab. Sein 17jähriger-Bruder Hellmut kam mit zehn Jahren Gefängnis, der für Jugendliche zulässigen Höchststrafe, davon. Die beiden Brüder hatten sich etwa acht Wochen lang umher getrieben und während dieser ganzen Zeit ihren Lebensunterhalt aus fortgesetzten Einbrüchen bestritten. Als sie am 3. d. M. schließlich bei einem Einbruch in Stapelburg überrascht wurden, erschossen sie auf der Flucht den sie verfolgenden Gastwirt Wolf aus Ilsenburg im Harz sowie den Gendarm eriewachtmei st er Blaubach aus Stapelburg. Außerdem hat Walter Pestki kurz darauf auf mehrere SA.- Männer, die ihn entdeckt und seine Verfolgung aufgenommen hatten, geschossen. kontrolliert die Garderobe nach vergessenen Handschuhen? Nach solchem Abend legt man sich schlafen oder raucht noch eine Zigarre. Aber der Mö^er sah mit Entsetzen, daß fein Plan ins Wanken geriet. Er hatte die Begegnung veranlaßt, nun zog dieser Kerl, dieser Hellmers die Handschuhe nicht an! Wenn man ihm den Mordrevolver zuschieben wollte, würde die Polizei Fingerabdrücke von Hellmers auf dem Revolver vermissen, weil Hellmers ja ohne Handschuhe geschaffen haben mußte. Darum Handschuhkomodie...! Hätte Hellmers an jenem Abend still feine Handschuhe in die Tasche gesteckt, so hätte der Mörder bestimmt nicht geschossen und vielleicht wäre Asbjörn Holgerson noch unter uns. So hängt em Menschenleben oft an einem kleinen Dinge wie in diesem Falle an einem Paar Handschuhen." Es rft eine Weile still. Nachdenklich, erschüttert sehen die beiden Frauen vor sich nieder. Die hohe Standuhr schlägt hallend die elfte Stunde. Und warum ... warum mußte Asbjörn sterben?" fragt Claire endlich. „Was hat er mit alledem Das Drahtverhau vor der Stellung ist heute im Weltkriege der begehrte Schutz gegen feindliche Ueberraschungen geblieben, aber mit leisem Grauen erinnern sich die Weltkriegsfrontkämpfer noch immer des „Drahtverhaues", das ihnen feit dem bösen „Kohlrübenwinter" 1917 vorgesetzt wurde. Offiziell hieß es Dorrgemüse, aber es war wirklich ein schrecklicher Fraß, der viele derbe Kriegerflüche ausgelöst hat. Da schwammen in der Brühe neben zerschnittenen Kartoffelschalen drahtharte Kohl- sasern, die wenig Nährstoff und par keine Vitamine enthielten. Dörrgemüse findet sich auch heute in reicher Fülle im Versorgungslager unserer Wehrmacht, dem E. V. M. Dieses Dörrgemüse hat aber nicht das mindeste mit dem „Drahtverhau" des Weltkrieges zu tun. Es ist erstklassiges Gemüse, das nach dem Kochen von frischem Gemüse kaum Für zwei Millionen Gulden Edelsteine gestohlen. Einbrecher drangen in der Nacht zum Montag in ein Juweliergeschäft in Amsterdam em und stahlen für nicht weniger als zwei Millionen Gulden Edelsteine. Von den Tätern fehlt jede Spur. Eine Kelle Wildenten verursachte Fliegeralarm. Fliegeralarm setzte am Freitagmorgen die Bewohner einer kleinen Stadt in der sud- englischen Grafschaft K e n t in Aufregung. Ein Mitglied des freiwilligen Beobachterkorps glaubte ein Geschwader deutscker Flieger durch den leichten Morgennebel gesehen zu haben. Er gab die Sirenensignale; in wenigen Sekunden waren die Flakgeschütze einer in der Nähe stehenden Batterie bemannt, alles war bereit, die feindlichen Flieger mit Nachdruck zu bekämpfen, als sich herausstellte, daß dem Beobachter ein kleiner Irrtum unterlaufen war. Die vermeintlichen deutschen Flieger entpuppten sich als eine Ke11e von Wildenten, die einem nahegelegenen Tümpel zustrebten. Die Flakgeschütze brauchten nicht in Aktion zu treten. Der Beobachter aber tröstete sich zeit die preußische Heeresfrage und mit ihr die deutsche Frage in glücklicher Weise der Entscheidung entgegenzuführen. Als Boyen 1814 fein Wehrpflichtgesetz einführte, konnte er diese späteren Schwierigkeiten und Wirrnisse kaum voraussehen. Die Form, die er wählte, war die damals allein mögliche. Vor allem aber vollbrachte sie das, was von der Zeit gefordert wurde: sie wurde die Trägerin der Volksverbundenheit des Heeres. Die Leistung war um so größer, als man anderwärts überall davor zurückschreä.e. In den europäischen Großstaaten und in den deutschen Kleinstaaten, auch im Habsburger Reiche, wurde nach der Niederzwingung Napoleons in der Friedenszeit nicht die allgemeine Wehrpflicht einge- fiihrt, sondern bestenfalls das Konskriptionsheer, das die Dienstpflicht auf die niederen Stände, oft in Form einer Auslosung, beschränkte, das Stellver- ttetungssystem ober den Los kauf erlaubte und somit alles andere als ein Volksheer war. In der Einzigartigkeit der preußischen Tat liegt ihre Größe und Zukunftskraft. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß die Begründung des Zweiten Reiches ohne Doyens Großtat kaum möglich gewesen wäre. Denn sie schuf ja erst die politischen Voraussetzungen für jenes spätere klassische preußische Volksheer, wie es König Wilhelm I., Roon und Bismarck zwischen 1861 und 1866 heranbildeten. Damit ist zugleich der ewige Wert der Bayerischen Tat für unser deutsches Volk erwiesen. Sie steht am Anfang jener soldatischpolitischen Entwicklung, aus der das politische Soldatentum unserer Zeit hervorgegangen ist. So gedenken wir heute des Generals von Boyen und feiner schöpferischen Großtat in Ehrfurcht und Dankbarkeit. Büchertisch. — Meye.s Lexikon, 8. gänzlich neu bearbeitete Auflage in 12 Bänden. Band VII (Kudowa bis Muskel), in Kunsthalbleder 15 RM. Fertig vor- liegen die Bände 1 bis 7 und 12 (Atlasband). Der- lag Bibliographisches Jnstttut AG., Leipzig. Auch dieser Band zeichnet sich durch eine bunte Fülle aus. „Lettland", „Litauen", „Livland", „Memel" usw. geben wertvolle Beiträge zur osteuropäischen Frage, und die Arttkel „Mantschoukuo" und „Mongolei" führen nach dem heute geopolitisch so wichtigen Fernen Osten, während „Mexiko" und der Arttkel „Lateinamerikanische Kultur" einen umfassenden lieber- blick über die Mannigfaltigkeit der Kultur der ibero- amerikanischen Staaten geben. Fast unübersehbar ist diesmal die Zahl der großen und kleinen Bio- araphien: wir nennen nur „Lamarck", „Liebig", ^Ludcmdorft", „Luther", „Mozart", aber auch der „Müller" und „Meyer" sei gedacht. „Lohn" und „Marxismus" führen auf wirtschaftliches Gebiet, während die Kunst besonders durch die umfassen, den Arttkel „Malerei" und „Musik" und Natur- Missenschast und Technik durch wichtige Arttkel wie „Mensch", „Mendelsche Regeln", „Kunststoffe", „Magnesium", „Meteorologie" und die mit „Land- wirtschaft", „Licht" und „Luft" („Luftfahrt") zusammenhängenden Arttkel vertreten sind. Auch die Bebilderung ist Mieder reich und vielgestaltig. — Life Gast: Junge Mutter Randi. Mit 48 Zeichnungen von Siegfried Kortemeier. PrÄs Seinen 4,40 RM. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. — Vier fröhliche Sportsleute mühen sich als Junggesellen ober frischgebackene Ehemänner in kameradschaftlichem Miteinander, wie sich das für alte Schihasen ziemt, noch auf den. ersten Sprossen der Berufsleiter. Ihre Kameradinnen versorgen mit unverwüstlichem Humor ihren beengten Hausstand, wandern mit den Männern, diskutieren und — bemuttern sie. Was uns gleich beim ersten Besuch in der Wohnküche dec jungen Mutter Randi so gefangennimmt: Eochen krabbelt neben dem Waschfaß, und der Herr Rechtsanwalt bringt eigenhändig die kleine Munns zu Bett. Und dann wird's in diesem Buche ein gac lustiges Kinderkunterbunt bis zur letzten Seite. Ein frohes Buch, das Siegfried Kortemeier mit prächtigen Kinderzeichnungen ausgestattet hat. Hellmers zog feine Handschuhe an ... dieses kleine Intermezzo lieh mich aufmerken. Welcher Mann die Frau...? ram-horniho nm* Npi-aellenen 5iam)3 „tote yar uni