196 Erstes Blatt Mittwoch,2Z.AugUstl939 189. Jahrgang Moskau in Erwartung Ribbentrops Ito natürlich ergänze. Dis ^eugortei Staats- «4 «6lit»er erklären, daß die Westmächte den schwer- f t;r Schlag seit Beginn des Nervenkrieges gegen j erhalten hätten. England habe monatelang in vem Hut in der Hand Moskau beschworen, eii’ Militärpakt abzuschließen. Schon Bismarck I)c:c Rußland als ein Land erkannt, daß Deutsch- Der Dziennik Poznanski in Posen sagt: „Berlin hat sich mit Moskau in wirtschaftlichen und politischen Themen verständigt. Das ist keine Ueber- r a s ch u n g. Der Nichtangriffspakt Berlin—Moskau bedroht Polen durch nichts. Entzaubert muß nur London fein und besonders d i e englisch - französischen Generalstäbler, welche gestern die Beratungen, die heute schon gegen st andslos sind, mit dem Sowjetgeneral- Paris, 23.Aug. (DNB.-Funkspruch.) Die Pariser Presse hat heute das Aussehen von Plakaten. Seitenlange Kommentare mehr oder weniger kriti- cher Stellungnahme und Leitartikel wechseln ab mit Bildern des Reichsaußenministers von Ribbentrop, Molotows und Stalins, in Kartenskizzen verdeutlichen einige Blätter das geographische, politische und diplomatische Problem Mittel- und Osteuropas. Trotz der offensichtlich ausgegebenen Parole „Fassung bewahren" gelingt es der Pariser Presse nicht, ihre Ueberraschung, Empörung, Enttäuschung, ihren Zweifel und ihre Besorgnis wegen des deutschrussischen Paktes und seine noch nicht abzusehende Auswirkung zu verhehlen. Die Blätter machen olle Anstrengungen, die französische Oeffentlichkeit nach der ersten Ueberraschung und Bestürzung zu beschwichtigen und fordern, daß Kaltblütigkeit mehr denn je notwendig sei. Allgemein betonen die Blätter, die Lage sei weiterhin ernst. Die Blätter geben sich Mühe, ihren Lesern Mut zuzusprechen, wobei sie versuchen, die Bedeutung des Paktes zu schmälern. England werde, so schreiben die Zeitungen, fest zu seiner Garantie an Polen st ehe n. Unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten D a - lädier trat am Dienstag der Kobinettsrat zusammen, um über die internationale Lage zu beraten. Ueber das Ergebnis der Beratungen wurden keinerlei positive Mitteilungen gemacht. Am Donnerstag findet unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik erneut ein Ministerrat im Elyste statt. Außenminister Bonnet hat vormittags den englischen Geschäftsträger Campbell, den polnischen Botschafter Lukasiewicz und den rumänischen Botschafter Tatarescu empangen. Dem französischen und englischen Botschafter m Auf -em Flug nach Moskau. Nach einerZwischenlandung in Königsberg. Berlin. 22.Aug. (DBB.) Der Reichsminister des Auswärtigen v. Ribbentrop verließ am Dienstagabend gegen 21 Uhr mit dem Condor- Flugzeug ..Grenzmark" die Reichshauptstadt, um sich nach Moskau zu begeben. 3n seiner Begleitung befinden sich Unterslaatssekretär Gaus, der Chef Eiichetnt täglich, außer Smntags und Feiertags plagen: Die Illustrierte ©'•{jener Familienblätter H,-mat im Bild • Die Scholle Nonatt-Vezugsprels: 4 Beilagen RM.1.95 Zeitung" bemerkt, Deutschland habe in einem Konflikt, der Europa an den Rand des Abgrundes zu führen drohte, einen Sieg errungen, dessen Auswirkungen auf das künftige Menschheitsgeschick überhaupt nicht zu ermessen seien. Die Ankündigung des Paktabschlusses sei eine G a - rantie gegen einen bewaffneten Konflikt in Europa. Damit sei ein dicker Strich durch die Rechnung der We st Mächte gezogen. Drastisch schildert „Rew Dort Journal American" die völlige Fassungslosigkeit aller britischen Kabinettsmitglieder, die der Korrespondent des Blattes sofort nach Bekanntwerden der Paktankündigung anrief. Ein Kabinettsmitglied habe ausgerufen: ..Großer Gott, stimmt das wirklich?", das andere habe gesagt: ..Dies ist die verheerendste Bombe, die im diplomatifchen Nervenkrieg jemals geworfen wurde." Polen markiert Gleichgültigkeit. Warschau, 22. August. (DNB.) Die polnische Presse zeigt gegenüber dem bevorstehenden Abschluß des deutsch-sowjetischen Paktes völlige Ratlosigkeit. „Pat" versichert, Polen werde den Gesprächen in Moskau mit der Objektivität des „nicht interessierten Zernsprechanfchlüffe Hit er Sammelnummer 2251 Aischrist für Drahtnach- ritzten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: ^anlfurt am Main 11686 Wenige Stunden nach seiner Rückkehr aus Salzburg startete der Reichsminister des Auswärtigen o o rr Ribbentrop am Dienstagabend vom Zentral» flughafen Tempelhof aus nach Moskau. Unsere Aufnahme hielt den Augenblick des Abschieds fest. —, (Scherl-Bilderdienst.) des Protokolls Gesandter v. Dörnberg, Gesandter Schmidt, die Vortragenden Legationsräte Schnurr und Hencke, sowie die Mitglieder des persönlichen Stabes. Der Minister traf am Dienstag gegen 23.30 Uhr auf dem Flugplatz K ö - n i g s b e r g ein. wo er sich in das Parkhotet begab. Er hat mit dem vom Flugkapilän des Führers ^-Obergruppenführers Baur gesteuerten Sonderflugzeug Königsberg um 7.10 Uhr zum Weiterflug nach Moskau vkrlafferu Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps.. für Text« anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25"/„ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemein« nützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B n. Trfochvj nbte Ich des 3® hat h terniA' den vch gen, bra- >5 m W- rtWck m 6N* 'ter gM Spuren F begibt ft i den peri' hMM yie Ueberraschung in London. N. T. London, 23. August. ii!ctsmitgliedern Unterredungen gehabt hatte, iMsing kürz vor dem Zusammentritt des Kabinetts len Stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der La- joir Party, Greenwood. An der Kabinetts- itzlig, die pünktlich um 15 Uhr begann, nahmen illc Minister mit Ausnahme des sich in Kanada usütenden Lordkanzlers Lord Maugham teil, da-Unterhaus wird am Donnerstag um 14.45 1hl zusammentreten und einleitend eine E r k l ä - ■ w g des Ministerpräsidenten entgegen* ,eh-ien. Gre enwood wird als amtierender Lei- rr der Arbeiterpartei und Sir Archibald Sin» hir als Leiter der liberalen Opposition nach der frhrung Chamberlains mit Reden folgen. Im )brrhüus, das sich um 15 Uhr versammelt, siv Außenminister Lord Halifax eine Erklä- ivra abgeben. Man nimmt an, daß ihr Wortlaut n,en wichtigsten Stellen der Erklärung Chamber- [aii5 gleichen wird. Jönig Georg wird nach dem am Dienstag- iba d veröffentlichten Hofbericht aller Wahrschein- ich'it Mittwoch Schloß Balmoral verlassen und ivii London zurückkehren. Lordkanzler M a u g - oi, der sich zur Zeit in Kanada aufhält, ist durch .!otttelegramm der Regierung zurückberufen isoten. Le Einberufung des Parlaments und andere Ilochahmen werden von der Londoner Mittwoch- lioiZenpresfe als Beweis dafür angesehen, daß incand an seiner bisherigen politischen Linie eh u 6 a 11 e n gedenke. ,L)aily . Telegraph" er- Paris ringt nach Fassung. Eine französisch-englische Demarche bei Molotow. Was sagt die Well zu dem neuen Pakt? Bestürzung bei der Einkreisungsfront. — Alle Friedensfreunde hoch befriedigt Ä1, pol einzelnen Nummern JJnli* höherer Gewalt Beobachters" gegenüberstehen und ihnen keine beson- c,. o _,------- dere Bedeutung beimessen. (!) Der „Kurjer Polski" Istab wieder aufnahmen.", gibt wenigstens zu, daß Adolf Hitler „einen neuen ---- iu&en übereinstimmend in größter Aufmachung 1e daß Polen unter keinen Umständen l e n gelassen werde. >er bevorstehende Abschluß des deutsch-svwjetrus- Wen Nichtangriffspaktes steht natürlich im Brenn - 1’11 ft des Interesses der Londoner Presse. Man ist sie im klaren darüber, daß die deutsch-so wjetrussi- sch'n Vorbesprechungen schon sehr weit ge° di hen fein müssen. Staunen erregt vor allem d?i reibungslose Verlauf dieser Vorver- brLlungen, umsomehr, als man selbst seit April ii>"aus unliebsame Erfahrungen bei den Verhand- - stufen mit dem Kreml gesammelt hat. Einige Klötter geben sich dabei der müßigen Hoffnung hin, kij die Unterzeichnung des deutsch-sowjetrussischen £e~trages ebenfalls auf sich warten lassen werde. große Mehrzahl der Blätter allerdings rechnet »mit, daß dieser Vertrag spätestens in vier Tagen, Nin nicht schon vorher, unterschriftsfer- co rite gen würde. Mit größter Vorsicht läßt Tn babei die Frage unbeantwortet, welchen Sinn ??r ^tzt ab die französisch-englischen Verhandlungen v Moskau noch haben sollen. Kopfzerbrechen h^^cht auch über die weitere Entwicklung des gan- 'englisch-französischen Garantiesystems. Die ge- Presse von rechts bis links muß einstimmig istlchen, daß die Karten für das diplomatische 'e.ill jetzt in London und Paris neu gemischt lütten müssen, und „News Chronicle" stellt resig- ’F Nft: „Der diplomatische und militärische Aspekt |pn sich über Nacht vollkommen g e- sl eht". Allgemein ist in der Londoner Presse !'Bestreben festzustellen, es mit der Sow- 1 ils schen Ausfällen gegen Moskau und von An- I stffm Warschaus auf die Sowjetunion. Moskau, 22.August. (DNB.) Die Moskauer Zeitungen veröffentlichen in großer Aufmachung auf der ersten Seite die Mitteilung über die bevorstehende Reise des Reichsaußenmmyters. „Nach Abschluß des sowjetisch-deutschen Handels- und Kredit- abkomemns", so heißt es wörtlich, „entstand die Frage der Verbesserung der politischen Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion. Der dieser Frage gewidmete Meinungsaustausch zwischen den Regierungen Deutschlands und der Sowjetunion zeigte den beiderseitigen W u n s ch , die Gespanntheit der gegen- eitigen politischen Beziehungen zu losen, die Gefahr eines gegenseitigen Krieges zu beseitigen und einen Nichtangriffspakt abzuschließen. Wie der „Frankfurter Zeitung aus Moskau berichtet wird, wird der Reichsaußenmmister von Ribbentrop in dem schönen Empire-Palais der ehemaligen österreichischen Gesandtschaft Wohnung nehmest. Dort werden ihm zehn repräsentative Räumlichkeiten und ein Empfangssaal zur Verfügung stehen. Die Begleitung des Außenministers, die mit dem technischen Personal 32 Personen umfaßt, wird in anderen Moskauer Gebäuden und in der deutschen Botschaft einguartiert. Der Zufall hat es gefügt, daß sich gerade in der Auchbarschaft her ehemaligen österreichischen Sesanhtschast lenes Gästehaus befindet, bas hie Soroietregterunfl her englisch - französischen Mil.tarmrs- s i o n zur Verfügung stellte. In Moskau empfindet man die neue Gestaltung des Verhältnisses zwischen Deutschland und der Sowjetunion als einen geschichtlichen Wen de- punkt. Die zielbewußte und energische Jnangrlu- M die Garantie an Polen bleibe unoer« in: e r t gültig. In dem gleichen Blatt findet sich I in Hinweis darauf, daß die Militärabord- im g der Westmächte „bis zur Klärung der Lage" leite gegenteiligen Anweisungen er= joltm werde, wenn das Blatt auch nicht umhin kn;, ine Unnatürlichkeit dieses Zustandes al-peinlich zu empfinden. Die Zeitung stellt fist England und Frankreich hätten keinen Augen- 6iv daran gedacht, einen politischen Rückzug an- Mrten und sich „vor eingegangenen Verpslichtun- 1?- zu drücken". Das Blatt begründet diese eng- H«e „Standhaftigkeit" mit der offenherzigen Fest- ■-(iciung, daß den Engländern keine andere -f) itung übrtgbleibe, denn „das Msehen •h der Einfluß Englands würden vollkommen ver- striinden, wenn jetzt zum Rückzug geblasen würde", j Ä der gleichen Richtung liegen die Kommentare 'oliir anderen Blätter. Vor allem stellen die Zei- Der Weg zu einem neuen Frieden. Der Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und' Rußland pflügt die europäischen Verhältnisse jählings um. Die größten Nationen der Welt finden ich nach einem verhängnisvollen Irrweg wieder in der Freundschaft zusammen, die feit Peter deZ Großen Zeiten für beide Partner von Vorteil matt Zwei gewaltige durch die Natur aufeinander ab* gestimmte Wirtschaftsgebiete sind in dem am Sonn* tag veröffentlichten Handels- und Wirtschaftsabkoin* men und sodann politisch wieder zusammengetroffen, o daß sie politisch und wirtschaftlich künftighin uniberwindbar sind. Die Demokratien Londoner und Pariser Fasson, Mächte, die an der Randzone Euro* pas liegen und von dort aus durch Zerteilung deb Festlandsmächte den europäischen Kontinent zu beherrschen glaubten, haben endgültig ihre Stützpunkte! in Osteuropa verloren. lieber alle Verschiedenheiten der politischen, wirt- chaftlichen und geographischen Struktur der beiden Rationen wurde in Berlin und Moskau das Verbindende realpolitisch erkannt und zum Durchbruch geführt. Das russische Volk, das dem ersten! Napoleon das Grab grub, mit Deutschland zusammen den Tyrannen Europas bei Leipzig nieder* warf und sich immer wohl dabei befand, wenn es mit deutscher Hilfe die ungeheuren aber noch schlummernden Kräfte der russischen Erde zu entfesseln! versuchte, das bis 1890 mit Preußen und den anderen deutschen Staaten in Freundschaft lebte, ist einst durch die falsche Führung einer kleinen ehrgeizigen Kaste in den Weltkrieg geführt worden. Als Bismarck, der trotz aller Anfeindungen liberalistischcr Gegner Wert auf ein Freundschaftsverhältnis mit Rußland legte, den Rückversicherungsvertrag ab* schloß, richtete er das Augenmerk auf die englifch- ranzöstschen Machenschaften und den Neid dieser peripheren Nationen. Seitdem der neue Kurs nach England strebte wurde Rußland automatisch durch die deutsche Zickzackpolitik an die Seite der Westdemokratien gedrängt. Bismarck hatte immer gewarnt. Er hatte ständig betont, Deutschland und Rußland hätten nur gemeinsame Interessen, aber keine Gegensätze aufzuweisen, die zu einem Kriege führen könnten. Als eine verderbte Hofkligue in Petersburg den! Weltkrieg begann, befand sie sich im Banne der englischen Schlagworte und der Franzosen, die als Sozialdemokraten und Nachkommen der Bastille* ftürmer merkwürdigerweise nichts darin fanden, daß sie sich mit dem Inbegriff der Autokratie verbündeten. Diese widernatürliche Ehe hat das alte Rußland mit einem Kriege gegen Deutschland bezahlt, in dem es verblutete und der eine radikale Aenderung hervvrrief. Die Westdemokratien schienen, nachdem ein Versuch, die Revolution in Rußland mit Waffengewalt wieder wett zu machen, zerbrach, das Heft in der Hand zu haben, aber das Moskau sind des weiteren Anweisungen zugegangen, bei Molotow eine Demarche zu unternehmen über den Sinn des geplanten deutsch- sowjetrufsischen Paktes. Die großen Pariser Morgenblätter, die allerdings meist antikommunistisch eingestellt sind, lassen ihrer tiefen Verärgerung in schärfsten Worten freien Lauf. Dor allem der „Matin" ergeht sich in maßlosen Vorwürfen gegen Moskau und stellt die Frage, ob die sranzösischen Generale und die englischen Admiräle noch länger am Vorzimmer Molotows märten würden. Das Blatt ergeht sich dann in geschichtlichen Reminiszenzen und stellt fest, dreimal hätten die Franzosen ihre Erfahrungen mit den Sowjets gemacht, bei Brest-Litowsk, in Rapallo und jetzt in Moskau. Drei solche Schläge innerhalb von zwanzig Jahren, das sei viel, sogar zuviel. In den gleichen Ausfällen ergeht sich das „Petit Journal". Die Zeitung vertritt erneut den Standpunkt der bedingungslosen Unterstützuna Polens, wenn sie erklärt, „die polnische Grenze sei der Vorposten der französischen Grenze". Auch andere Blätter geben zu, sich in der Politik Moskaus nicht mehr auszukennen. Sie rechnen damit, daß weitere Ueberraschungen nicht unmöglich seien. Allen diesen Eventualitäten suchen sie durch die erneute Erklä'cung vorzubeugen, daß England, Frankreich und Polen fest bleiben und den gegenwärtigen Nervenkrieg auch weiterhin aushalten würden. Immerhin werde, so erklärt beispielsweise das bisher sowjetfreundliche „Ordre", der deutschsowjetrussische Nichtangriffspakt „schwierige Probleme" aufwerfen. Der marxistische „Popu- laire" seinerseits gibt zu, daß Stalin der französischen Sicherheit „einen schweren Schlag" versetzt habe. Hft. M in hen Bereinigten Staaten. u 9 0 r!, 22. Aug. (Europapreß.) In den , •?<’< tilgten Staaten entwickeln sich die Nachrichten <5,(9^ iibr den deutsch-sowjetrussischen Nichtangriffspakt M935 fr.*ci i Tn r mehr zur größten „Sensation des letzten .jjftiflrf ! jmjzehnts". Die Mittagsblätter übertreffen mit der SSuÄJ (ihrer Schlagzeilen in der Aufmachung der nRieO’ft- 'Mengen noch die Morgenblätter. In verschiede- Hf Kommentaren wird der Paktabschluß als 1l'p : , b ; lomatisches Meisterstück" gekennzeich- y ,;,i rne ,„New York World ^elegram" und andere nähme dieser Neuordnung hat hier starken Eindruck gemacht. Die eigenen Methoden der neuen deutschen Diplomatie, als deren Verkörperung man in Moskau Ribbentrop betrachtet, haben der sowjetrussischen Bevölkerung die U e b e r l e g e n h e i t gegenüber dem schleppenden Verfahren der englischen und französischen Unterhändler überzeugend sichtbar gemacht. Es ist das erstemal, daß nun mit Ribbentrop ein aktiver deutscher Reichsminister seinen Weg nach Moskau nimmt. Wenn es die in protokollarischen Frager sehr empfindsamen Russen seinerzeit den Engländern und Franzosen verübelten, daß sie bei der Wahl ihrer Unterhändler mit Moskau allzu viele Rücksichten mitsprechen ließen, so hat der Entschluß des Reichsaußenministers, selbst nach Moskau zu kommen, von vornherein sympathisch berührt. Die sowjetrussische Presse zog aus der neuen Lage bereits die Schlußfolgerung, indem sie bei der Wiedergabe des außenpolitischen Nachrichtenmaterials ihre Auswahl mit bemerkenswerter Ruhe und Vorsicht trifft. Die Danziger Frage tritt im Gesamtbild der Berichterstattung fast völlig zurück. Die Militärbesprechungen werden auch nicht einer einzigen Silbe gewürdigt. Die englisch-französische Militärmissivn scheint, wie die Diplomaten selbst, von der Wendung außerordentlich überrascht gewesen zu sein. Die Militärbesprechungen sind am Dienstag nicht wieder ausgenommen worden, obwohl dies ursprünglich geplant gewesen war. Dagegen hatten die militärischen Vertreter der beiden Westmächte vom Kreml die Einladung erhalten, den Kreml und die alten Museen Moskaus zu besichtigen. 0!ne Illustrierte , 1.80 Zrtellgebühr . . , -.25 «ich bei Nichterscheinen psychologisch-propagandistischen Erfolg" erlangt habe. Ein Artikel der Iskra-Agentur, die der Regierung nahesteht, sagt, daß Polen über die Rolle der Sowjets und ihre „byzantinische Politik" immer gut unterrichtet gewesen sei. Es wäre auch für niemand ein Geheimnis, daß Polen einen „gleichgültigen Standpunkt" gegenüber den Projekten eingenommen habe, mit Sowjetrußland ein Abkommen zur gegenseitigen Hilfe abzuschließen. Polen habe auch nicht an den diplomatischen und militärischen Verhandlungen der Westmächte in Moskau teilgenommen und ihnen niemals große Bedeutung beigemessen. Das Blatt vergißt dabei zu erwähnen, daß vor Beginn der Verhandlungen die polnische Presse mehr als einmal versteckt ober offen zum Ausdruck brachte, daß man eine Einladung, auch nach Moskau zu kommen, freudig begrüßt hätte. Aufrichtig gesagt — so heißt es in dem Artikel weiter —, habe Polen auch nicht den Eindruck gehabt, daß diese Verhandlungen durch ein positives Ergebnis gefrönt sein könnten. LM >r w.; Ntfk j ->se 5 1 m? j ■Oanbhp'; \' 'Quent< ti m M T jenen .4 ’fnsgtG-' i erie - ierte(ic 'stW 1 in du di- ta Soli* I ws ft'' uberlor, & ch in b. 's nb oerc. lid) „j, i tolbc ur, ' ine seiiMM 3beafiiJ njb schw.» Wu-, ung ei^l beruh* I 15 gilt r-| sicher fr es Maik | ers M1 nal Siri * ninber c • oven-Der beitet, t eitimmtr bt auf igung m i > Gig® ’ Wahl t, Thyriol | Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühlsche UniverfitStrdruckerei «.Lange in Liehen. Schrislleilung und Seschäftrftelle: Lchulstrahe 7 Neue Ein- gung eröffne freundliche Ausblicke für die Zukunft irtschastsgefahren für Danzig Polen droht mit der Blockade. polnische Zollinspektoren bewaffnen polnische Eisenbahner in Danzig Oie Warschauer Negierung auf das schwerste kompromittiert. Riga, 22. 2Iug. (DNB.) Der gewaltige druck, den die bevorstehende Unterzeichnung des deutsch-sowjetrussischen Nichtangriffspaktes auch in Lettland, als einem Grenznachbarn der Sowjetunion, gemacht haben, spiegelt sich deutlich in der Stellungnahme des halbamtlichen lettischen Blattes „B r i v a Z e m e" wieder. Das Blatt schreibt u. a,. der bevorstehende Vertrag erfülle Lettland mit um so größerer Befriedigung, als er entscheidende Bedeutung für die Sicherung des Friedens in Oft- und Nordeuropa habe. Durch den deutschsowjetrussischen Vertrag werde dieser Teil Europas vor allen Zufällen bewahrt und die Gefahren eines bewaffneten Konfliktes hätten sich der keinen Krieg, sondern die Zusammenarbeit zwi- chen dem deutschen und russischen Volke wolle: Adolf Hitler. Was könne es Größeres für den Frieden der Welt und für Europa geben als dies? Dieses unerhörte Ereignis der Verständigung zwi- chen den beiden Völkern schaffe eine völlig neue Lage. Es habe nur zustande kommen können, weil die verantwortlichen Staatsmänner auf beiden Seiten ungleich besser die Zügel der Staats- ührung in den Händen halten als jene Ahnungslosen, die 1914 die Welt in den Krieg stürzten. Danzigs Ketten werden fallen. Danzig, 23. August. (DNB.) Diele tausend Volksgenossen hatten sich am Dienstagabend im großen Zoppoter Kurgarten zu einer Massenkundgebung eingefunüen, auf der Reichsmimster Dr. Frank und Gauleiter Albert Forster sprachen. Unter den Ehrengästen befanden sich auch Reichsleiter B o u h l e r und Reichsminister Dr. S e y ß - Hauptpfeiler dieses Gebäudes habe bilden sollen stelle nunmehr seine Menschen, seine Waffen uiü seine Wirtschaftsreseroen nicht in den Dienst bei französisch-englischen Offensivpläne. Zum Schluß erinnert Gayda daran, daß das faschistische ytalie-, als eine der e r st e n europäischen Mächte eine Annäherung an Sowjetrußland vol!» zogen habe durch die Anerkennung der Sowjetrezw rung am 7. Februar 1924, durch den Abschluß eines Freundschafts-, Neutralitäts- und Nichtangriffsptt tes am 2. September 1933 und durch die Unten zeichnung eines umfassenden Handels- und 2Bir|. schaftsoertrages am 7. Februar 1939. Auch die „Tribun a" erklärt, die (Ernt re ifang«, Politik der großen Demokratien sei zusammengebn. chen. Der deutsch-sowjetrussische Nichtanariffsvertra, versetze den Plänen der kriegerischen Demokratien, den Todesstoß. Die „Gazetta bei Popolo' schreibt, die internationale Lage habe eine voll, ständige Umwälzung erfahren. Die Ein, kreisungspolitik sei gescheitert und ein neuer Ersoh der Achse erzielt worden. Der Pakt sei vereinbart worden, während die Diplomaten der Einkreiser, Staaten sich vergeblich vor der „russischen SplM." bemüht hätten. Das Abendblatt „Sera" schreibt, die Verwunderung und Verzweiflung der westliche Demokratien sei voll am Platze, denn i h r Mißerfolg fei unbe ft reitbar und vollst ä n d i g. Der Traum einer Erdrosselung der autoritären Achsenmächte mit einem Block aus Polen.. Sowjetrußland, Rumänien, der Türkei, Griechen-- land, Frankreich und England fei endgültig zunichte gemacht. Für die großen Demokra-- tien bedeute das eine Niederlage und Italien be-- trachte mit Befriedigung die neue Lage, die sich ici Europa und der Welt entwickele. Die Auflösung bes- Versailler Diktates werde weitergehen. Alle Anstrengungen, die Ungerechtigkeiten zu verteidigen., seien daher vergeblich. von Lettland bedeutend entfernt. * Auch in Helsinki brachten die Zeitungen das sensationelle Ereignis groß aufgezogen an erster Stelle. Es wird in den Straßen eifrig besprochen. „Soenska Pressen" schreibt, „Ein Meilenstein in der europäischen Geschichte". — Das „Hufvud- stadsbladet" ruft Bismarcks Allianz mit dem Zarenreich sowie den Rapallo-Vertrag -der Nachkriegszeit in Erinnerung. Der Eindruck im Horben. Kopenhagen, 22. August. DNB. In der Kopenhagener Presse ist der deutsch-sowjetrussische Nichtangriffspakt das große Thema. „Berlinske Aftenavis sagt, daß die ganze Ostfront, von der Ostsee und weiter südlich bis zu den Dardanellen, nun ihren bisherigen Charakter ändern würde. Deutschland habe jetzt freie Hand im Osten. Die große Bedeutung des Paktes bestehe darin, daß Deutschland und Sowjetrußland, wie am Ende des 18. Jahrhunderts, Polen vor die (Eri- stenzfrage stellen würden. Die polnische Regierung stehe daher vor schicksalsschweren Entschei- oungen. Das Stockholmer „2If ton Habet" erklärt, die politische Hilfe, die man von Paris und London aus Polen gewährt habe, hätte dazu beigetragen, um die Stellung Polens zu versteifen und die Möglichkeiten für eine friedliche Lösung der Danziger Frage zu verringern. Der „Nervenkrieg" sei von den Demokratien mit einem sehr negativen Resultat geführt worden. Jetzt sei die Karte für einen europäischen Krieg völlig v e r • Ri o b e Janeiro, 22. August. (DNB.) Zu der Nachricht von dem Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion schreibt „Gazeta de Noticias", daß England und Frankreich angesichts der neuen Lage w o hl kaum einen Krieg wagen würden, „föiario be Noticias" bemerkt, ehe Paris und London Zeit zum Atemholen gehabt hätten, habe der Führer zu einem gewaltigen Schlag ausgeholt. England und Frankreich feien sich vorläufig überhaupt noch nicht der Trag- weite der jüngsten Ereignisse bewußt. Die Anstachelung Polens und die dauernden Versicherungen der Waffenhilfe feien unter gänzlich anderen Voraussetzungen erfolgt. Weder England noch Frankreich hätten heute die Möglichkeit, den Polen zu Hilfe zu kommen. Jugoslawien sieht seine Politik gerechtfertigt. Belgrad, 22. Aug. (Europapreß.) Die Meldungen über den bevorstehenden Abschluß des deutsch-sowjetrussischen Nichtangriffsvertrages werden von den Belgrader Blättern in größter Ausführlichkeit wiedergegeben. Auch in Belgrad zeigt sich großes Interesse für diese neue Entwicklung. Die Blätter nehmen jedoch noch nicht selbst zu der neuen Lage Stellung. In amtlichen jugoslawischen Kreisen erklärt man, Jugoslawien werde durch die- en Pakt nicht unmittelbar berührt. Falls der Vertrag zu einer Bereinigung der Beziehungen unter den Großmächten beitrage, könne er auch von Jugoslawien nur begrüßt werden. Jugoslawien halte weiterhin seine streng neutrale Haltung aufrecht; es pflege weiter die b e st e n Beziehungen zu allen seinen Nachbarn, besonders zu Deutschland und Italien. Man stelle mit einigem Bedauern fest, daß die Türkei, die sich in das englische Bündnissystem habe einsvannen lassen, in eine schwierige Lage gekommen sei, was zum Teil auch auf die beiden anderen Länder des Balkanpaktes, Rumänien und Griechenland, zutreffe, die die englische Garantie angenommen hätten. Dieses englische Garantiesystem habe durch den deutsch - sowjetrussischen Nichtangriffspakt einen schweren Schlag erhalten und sei jetzt als völlig überholt anzusehen. Jugoslawien könne mit Genugtuung feststellen, daß es sich von der Linie der Neutralität und des freundschaftlichen Verhältnisses zur Achse niemals habe abbringen lassen und daß seine bewährte Außenpolitik auch durch die letzten Ereignisse eine volle Rechtfertigung erfahre. Vulgarien begrüßt den Pakt. Sofia, 22. August. (Europapreß.) Der bevorstehende Abschluß des deutsch-sowjetrussischen Nichtangriffspaktes wird von der bulgarischen Oeffent- lichkeit lebhaft begrüßt. Alle Blätter veröffentlichen Kommentare, in denen die Freude über diese Wendung zum Ausdruck kommt. Das offiziöse Organ „ D n e s " schreibt, dieser neueste politische Akt werde den europäischen Geschehnissen ganz neue Wege weisen. „Mir" betont, es handle : sich um das wichtigste Weltereignis feit dem Kriegs- , ende. Bulgarien könne ruhig auf den Abschluß : dieses Vertrages blicken. „Slooo" meint, die - Vernunft habe gesiegt. Diese Verständi- Deutschland hat die Lage umgekehrt Größte Befriedigung in der römischen presse. Danzig, 22. August. (DNB.) Die Danziger Polizei hat eine umfangreiche polnische Bewaffnung von in Danzig lebenden Polen, namentlich von Eisenbahnern, auf- gedeckt. Dabei stellte es sich heraus, daß es auch in diesem Falle wieder polnische Zollinspektoren gewesen sind, die ihre Stellung zu dieser außerordentlich schwerwiegenden, gegen die Sicherheit Danzigs gerichteten Maßnahme ausgenutzt haben. Bei einer aus einem anderen Grunde erfolgten Verhaftung des polnischen Schrankenwärters Kartzewski in Danzig wurde bei diesem eine Pistole gefunden, über deren Besitz der Pole zunächst ausweichende Angaben machte. Dann jedoch bequemte er sich zu einer eingehenden Darstellung. Danach hat der polnische Zollinspektor P o ß m a n n zusammen mit weiteren Zollinspektoren an im Gebiet der Freien Stadt Danzig lebende Polen Waffen ausgegeben. Poß- mann äußerte sich Kartzewski gegenüber, daß alle für Terroraktionen in Frage kommenden Polen in Danzig mit Waffen versehen werden sollten, da man, wenn es in Danzig los gehe, jeden Mann ändert und das Reden der Westmächte nach Wie- derherstellung der Varkriegskonstellation sei ae- ch eitert. Man könne wohl sagen, dieser Ersorg ei so phantastisch, daß er alle bisherigen diplomatischen Erfolge des Führers noch übertreffe. * Di- norw-gUch- Pr-N- spricht von der genialen Politik Adolf Hitlers und unterstreicht da- bei das große Vertrauen des deutschen Volkes zu einem Führer. Allgemein wird festgestellt, daß der Paktabschluß ein schwerer Schlag für das Prestige Englands ist. Die Blätter drücken schließlich die Ueberzeugung aus, daß Polen nunmehr sein Verhältnis zu Deutschland notgedrungen gründlich revidieren müsse. Nie Meinung der Neutralen. Basel, 22. August. (Europapreß.) Die Nachricht von dem bevorstehenden Abschluß eines deutsch-sowjetrussischen Nichtangriffspaktes hat auch tn Der Schweiz größte Sensation heroorgerufen. Allgemein kommt die Auffassung zum Ausdruck, das angekun- digte deutsch-sowjetrussische Abkommen werde entscheidend sein für die weltpolitische Lage. Der Berner Korrespondent der „Basler Nattonal-Zettung bemerkt u. a., diesem Ereignis werde im Bundeshaus für die Entwicklung der internationalen und vor allem der europäischen Lage sehr große Bedeutung beigemessen. Die schweizerischen Bundesbehorden höben angesichts dieser Entwicklung neuerlich die Richtigkeit der von ihnen streng befolgten Neutralitätspolitik hervor. ♦ Amsterdam, 22.August. (DNB.» „T-legra-f" stellt fest, die Ankündigung des deutsch-sowietrusst- chen Nichtangriffsoertrages, die wirtschaftlichen Vereinbarungen und die Moskauer Reife des Reichs- außenministers zeigten deutlich, daß eine grundlegende Aenderung in den Beziehungen beider Länder eingetreten sei. Das polnische Problem sei jetzt in sein akutes Stadl um eingetreten. Ohne Unterstützung Sowietrußlcmds könne England die Verpflichtungen, tue es Polen gegenüber übernommen habe, nicht er f u Il e n. Polen und fein englischer Bundesgenosse seien m eine überaus schwierige Lage geraten. — Das „Handelsblad" betont, die Machtverhaltmsse in Europa und Asien hätten sich jetzt völlig geändert. Heute lasse sich bereits feststellen, daß die Umzmge- lungspolitik der demokratischen Staaten völlig versagt habe. Madrid, 23. Aug. (DNB.) Die Madrider Abendpresse bringt seitenlange Berichte über den bevorstehenden Abschluß eines deutsch-sowjetrussischen Nichtangriffspaktes. Uebereinftimmend sprechen die Zeitungen von einem gewaltigen Sieg der deutschen Diplomatie und einem „jämmerlichen Zusamenbruch der demokratischen Einkreisungspolitik". „Alkazar" schreibt, der jetzige Erfolg sei der beste Lohn für die ständischen Friedensbemühungen Deutschlands. „Jnformaciones" hebt hervor, daß mit einem Schlage das ganze Gebäude der englischen „Garantien" zusammengestürzt sei. Zu der Danziger Frage schreibt die Zeitung „DA , der Korridor sei die große Wunde, die Deutschland jetzt nicht länger dulden könne. Jnquart; mit ihnen waren die Rechtswahr^ des Großdeutschen Reiches erschienen. Nach dem Einmarsch der Fahnen und Staudas ten sprach Gauleiter Forster: Noch nie sei bit. innere Verbindung Danzigs zum Füh, rerundzumReichsoeng gewesen wie in bi(1 fen Tagen. Alle Danziger seien felsenfest davon überzeugt, daß die heute noch bestehende äußerliche Trennung in kurzer Zeit fallen werde. Am allerwenigsten können die Polen ba5 verhindern. Danzig könne von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde zuversichtticher werden, daß biE Befreiungsstunde schlage. Dann ergriff, immer wieder von Beifallskundg«, bungen unterbrochen, Reichsminister Dr. Frau/ das Wort. Besonders große Begeisterung löste Erklärung des Redners aus, daß er die Gr des Führers überbringe. Die Welt möge übei, zeugt fein, daß die Ketten D a n z i gsf allen würden, ob es ihr passe oder nicht. Die Welt möge wissen, daß Danzig nicht mehr verlassen fei, dafür aber seien andere verlassen. Mittel eine totale Wirtschaftsblockade gegen Danzig durchführen könnte. Das heute zu Polen gehörende Hinterland ifüi der natürliche Lieferant für den Danzigs Verbrauch, wie umgekehrt die Danziger inbuftrieUsi Erzeugung ihren Rückhalt finden muß in einem auf»' geschloffenen Absatzgebiet, das ebenfalls heulsi in Polen liegt. Beide Faktoren der Exiftenzfähigkeir: Danzigs find in Frage gestellt. Don einem Absatz Danziger Erzeugnisse im normalen Umfang nach Polen konnte niemals während der ftrciftaai».1 Zeit die Rede sein. Eine Wirtschaftsgrenze kann btn Danziger Export nach Polen völlig unmöglift machen. Diese Wirtschaftsgrenze ist als ein glai- ter Bruch der Rechtsgrundlage im Dai>< zig-polnischen Verhältnis bereits eine reale Tatsache Die Abschnürung Danzigs von der Versorgung durtt Polen steht als drohende Gefahr bevor. Umsonst die polnische Presse nicht vorgeschickt worden, um Feststellungen zu machen, die heute zwar noch nichi zutreffen, die aber morgen schon Wirklichkeit finM wenn Polen die Lieferung von Fleisch und Getrei.^ aufhält, was nach den Anzeichen zu befürchten if-i Wir sprechen das hier mit aller Deutlichkeit au-,! weil wir uns auf das Schlimmste gefafc: machen müssen, nachdem Polen in den letzten M* chen und Tagen unsere Brüder, die Zwanzig 3abnn trotz des Zwanges ihrer Lage als loyale polniW Staatsbürger im ehemaligen deutschen Gebiet ihrr: Arbeit nachgingen, jetzt von Haus und flon verjagt und der Quälerei und der Verfolg!!^! aussetzt. Wir in Danzig wissen, wozu der polnM Haß fähig ist. Wir wollen unsere Augen nicht w» schließen, weil uns nicht nur die polnischen Kanons drohen, sondern auch die Gefahr einer pob nischen Hungerblockade über uns schweb fest, daß Poßmann einen ganzen Kosft° von Pistolen und Mun iti o n sstreist neben seinem Tisch stehen hatte. Kartzewski weiter feststellen, daß Poßmann in seiner sehr häufig von polnischen Eisenbahnern ausgE^ wurde, die zweifellos gleich Kartzewski mit ausgerüstet wurden, uie mit Waffen versehe^ Polen erhielten genaue Anweisungen die Art ihres Einsatzes bei Terrorhandlungen. . polnischen Revolverhelden wurde Belohnung den polnischen Staat zugesichert. , Es ist klar, daß schon die Bewaffnung auch einer verhältnismäßig geringen Anzahl brm^ und verhetzter Männer genügt, um unabsehbar^, Schaden anzurichten. Durch die Beteiligung der p nischen Zollinspektoren an dieser illegalen Wass - verteilung ist die polnische Regier!1 » s e l b st aufs schwerste kompromittiert. Immer w-? der ist die Warschauer Regierung auf die illego Tätigkeit dieser Zollinspektoren hingerm. worden. Die Tätigkeit dieser Männer fällt «so die verantwortlichen Warschauer Stellen 1 rück. Danzig kann dem unverantwortlichen Tre polnischer Provokateure nicht ruhig zusehen- R. G. Rom, 22. August. Die bevorstehende Unterzeichnung eines Nichtangriffsvertrages zwischen Deutschland und der Sowjetunion hat in Italien lebhafte Bert edigung hervorgerufen. Die Blätter sprechen von einem großen politischen Erfolg der beut» chen Diplomatie, der für die Pläne der Einkreiser einen harten, ja tödlichen Schlag bedeute. Gleichzeitig wird auf die „bittere Ueberraschung" und Verwirrung hingewiesen, die die Mitteilungen über den Abschluß des Vertrages im Lager der Gegner der Achsenmächte hervorgerufen hätten, und ür die die sofortige Einberufung der Kabinettsräte in Paris und London kennzeichnend sei. In diplomatischen Kreisen wird betont, daß die italienische Regierung, wie dies bei der enaen Zu- ommenarbeit der beiden Achsenmächte selbstver- tändlich sei, über die deutsch-sowjetrussischen Verhandlungen ständig unterrichtet worden sei, und daß der Abschluß des Nichtangriffsvertrages keine Aenderung in der allgemeinen Ausrichtung der Achsenpolitik zur Folge haben werde. Im halbamtlichen „Giornale d'Jtalia" untersucht Gayda die Tragweite der neuen Entwicklung. Nach vier Monaten angestrengter diplomatischer und militärischer Verhandlungen Frankreichs und Englands, um die Sowjetunion in das Einkreisungssystem einzubauen, habe Deutschland durch ein geschicktes Manöver hie Lage umgekehrt. Polen werde isoliert. Großbritannien und Frankreich, die auf Unterstützung Sowjetrußlands gerechnet hätten, müßten heute ihre eige- n e n Hilfsmittel und die ihrer verschiedenen Mitläufer auf eigene Gefahr einsetzen. Das Blatt spricht dann von einer Umkehrung der Positionen und Systeme und von einem greifbaren und umfassenden Erfolg der Achsenpolitik. Das ganze Gebäude der Einkreisung sei ins Wanken geraten, denn die Sowjetunion, die einen der Danzig, 22. Aug. (DNB.) lieber die schweren Gefahren, die Danzig durch polnische Wirtschaftsmaßnahmen drohen, schreibt der „Danziger Vorposten": Wovon lebte Danzig vor dem Weltkriege? Sein Hafen war nicht wie heute ein Massengüterumschlagsplatz, sondern Danzig war eine wirkliche Handelsstadt, in der der Kaufmann anders als jetzt als Eigenhändler auftreten konnte. Es war eine Stadt der Werften- und Rüstungsindustrie. In der Freistaatszeit als Wirtschaftsausland für das Reich, war Danzig im wesentlichsten auf die Aufträge aus dem gemeinsamen polnisch-Danziger Wirtschaftsgebiet angewiesen. Diese Aufträge blieben aus. Danzigs Werften und seine vielseitige Jndusttie waren seither dem polnischen Boykott ausgesetzt. Danzig als Teil des polnischen Wirtschaftsgebietes war in feinem Verbrauch auf d i e polnische Erzeugung angewiesen, und es war zugleich ausschließlich von der in Warschau diktierten Wirtschaftslenkung abhängig. Die Zuspitzung der Danziger-polnischen Beziehungen hat aber nun noch neue drohende Wirtschaftsg.fahren heraufbeschwo- ren. Wir haben erlebt, daß durch plötzliche und willkürliche polnische Maßnahmen Danziger Erzeugnisse, die alljährlich in Millionenwerten — als rühmliche Ausnahme im Falle der Margarine — nach Polen geliefert worden sind, mit einem Male durch die Aufrichtung einer unrechtmäßigen Wirtschaftsgrenze im gemeinsamen Zollgebiet vom polnischen Markt f e r n g e h a l t e n wurden. Jeden Tag können neue Weiterungen aus der polnischen Absicht, wirtschaftliche Repressalien gegen Danzig anzubringen, entstehen. Gewisse Anzeichen deuten darauf hin, daß Polen als eines der letzten deutsche und bas russische Volk beklagten den Bruch - der alten Freundschaft und ahnten instinktiv, daß eine Wiederherstellung dieses Zusammengehörig- keitsbewußtseins beide Völker unüberwindbar machen und der Welt eine neue Aufgabe stellen 1 würde. Mit behutsamer Hand sind die Fäden gesponnen worden. In England war Chamberlains Regierung , mit der Opposition der Labourparty darin einig, Sowjetrußland nach traditionellem Dorkriegsmuster wieder gegen Deutschland einzuspannen; Frankreich berief sich auf das von Barthou und Doumeraue abgeschlossene Militärabkommen, als ob sich seit den Vorkriegszeiten nichts geändert habe; und das kläffende, chauvinistische und kriegslüsterne Polen wurde vorgeschickt, um den deutschen Fels mit seinen Phrasen und barbarischen Untaten zu erschüttern. In wehrbereiter Ruhe wurden diese lächerlichen Versuche von Deutschland und Italien abgewehrt. Inzwischen enthüllte sich England in Moskau gänzlich. Seit dem 5. April bat es zusammen mit seinem französischen Anhängsel um em Einkreisungsbündnis gegen Deutschland, und als die Verhandlungen sich hinauszögerten, scheute man sich nicht, englische und französische Admiräle und Generäle nach Moskau zu entsenden. Man hatte die Türkei, den alten Verbündeten Moskaus, auf feine Sette gezogen, und ttiumphierend sprach man bereits davon, daß die Achsenmächte ein Diktat der demokratischen Einkreisungsfront hinnehmen müßten. Man redete und erschöpfte sich in den alten Lügen. . m Die Engländer warfen mit Worten und Versprechungen um sich, die Deutschen und Russen aber handelten. Sie haben, wie jetzt der Moskauer Rundfunk bekanntgab, daran gearbeitet, die poltti- schen Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu bessern: „Im Ergebnis des Meinungsaustausches ergab sich das Vorhandensein des Wunsches, auf beiden Setten die politische Atmosphäre zu reinigen und die Gefahr eines Krieges zu beseitige n". Mit offenen Karten wurde in Moskau zwischen den deutschen und russischen Unterhändlern gespielt, während die demo- kratische Diplomatie nur aus reihenweisen Heber- tölpelungsversuchen bestand. Das historisch außerordentlich bedeutsame Ergebnis wird vom deutschen und vom russische Volke als eine Klärung nach der Finsternis, während der die demokrattschen Westmächte am Werke waren, aufgefaßt werden. Eine neue politische Lage, schreibt die Londoner Presse, sei entstanden, eine gänzliche Um- stülpung sei eingetreten, zetern die Pariser Blätter. Aber Zeitungen und (Staatsmänner, die den Krieg und ein zweites Versailler wollten, koönnen vorderhand nichts anderes tun, als alle Welt beschuldigen und sich selbst als schneeweiße Unschuldslämmer hin- stellen. Sie hatten zu offen von ihrem schnöden Vorhclben gesprochen, zu sehr die Polen aufgehetzt, zu klar ihre Vorkriegslinie wiederholt, als daß Deutschland nicht auf Vermeidung der Ereignisse und Vorstellungen bedacht war, die uns und alle Mächte, um ein Wort Lloyd Georges zu gebrauchen, „in den Krieg hineinschliddern" ließen. Der Führer und sein Außenminister von Ribbentrop haben ebensowohl wie Stalin und Molotow diese Gefahr erkannt und die Folgerungen daraus gezogen. Die Tat entscheidet, und diese Tat ist gut und gehört einen neuen Frieden, einen Frieden des Rechts! E-S. Das Echo in Japan. Tokio, 22. August. (DNB.) Die Ankündigung des deutsch-sowjetrussischen Nichtangriffspaktes hat in Japan eine der großen Bedeutung entsprechende Beachtung gefunden. Domei gibt die Ansicht politischer Kreise wieder, wonach bereits seit März dieses Jahres eine Annäherung zwischen den beiden Staaten bemerkbar gewesen sei und daß sich später der Eindruck verstärkt habe, daß sich die Beziehungen zwischen Deutschland und Sowjetrußland nicht nur auf wirtschaftlichem, sondern auch auf politischem Gebiete gebessert hätten. Politische Kreise bezeichnen weiter den Plan als „ein Meisterwerk Hitlers". Mijako Shimbun schreibt, daß für Deutschland der Nichtangriffspakt als ein „voller Erfolg" angesehen werden könne, da es gelungen sei, die englisch- französische EinkreisuyAsfront zu zerschlagen. Die baltischen Nachbarn befriedigt. Europas. Heber allen Schwierigkeiten Europas er» _ _ , hebe sich die gewaltige Gestalt des Mannes, der brauche, um die Bevölkerung unter Terror zu setzen, das Erbe Bismarcks übernommen habe und!Kartzewski stellte bei der AushäMgung der Waffe „Von hier und jeht beginnt eine neue Zeit." Große Politik gegen Intrige. Der Abschluß des dsutsch-sowjetrussischen Handelsabkommens hat, zusammen mit der Verschärfung der Lage im Fernen Osten, schon am Montag über das politische London und Paris eine Stimmung schwüler Nervosität gebreitet; die Nachricht von dem bevorstehenden Abschluß eines Nichtangriffspaktes zwischen Berlin und Moskau in den Spätabendstunden dieses schwülen Montags war dann der Donnerschlag. Und bei alledem kommt diese Ueberraschung nicht ganz unerwartet. Oder sie trifft vielmehr nur unerwartet die Leser der englischen und französischen Presse, die in einer wahren Sintflut von Nachrichten aller Art geradezu ertränkt werden. Der deutsche Leser erinnert sich noch, daß am 3. Mai nach dem Sturz von Maxim Maximowitsch Litwi- now-Finkelstem der bisherigen sowjetrussische Ministerpräsident Molotow auch das Außenministerium übernahm. Er schwieg sich zunächst einige Wochen aus. Am 31. Mai hielt er aber eine Rede, die viel Beachtung fand. Er erklärte, eine B e - lebung des deutsch-sowjetrussischen Handelsverkehrs für erwünscht und erinnerte an das Wort Stalins, daß Sowjetrußland sich davor hüten müsse, die Kastanien für andere Leute aus dem Feuer zu holen! Die Stalinsche Warnung wurde in einer recht charakteristischen Rede am 10. März, also noch vor den letzten mitteleuropäischen Veränderungen, ausgesprochen. In dieser Stalinschen Rede wird von den Westmächten gesagt: „Sie erklären geradeheraus und schreiben es schwarz auf weiß, daß sie von den Deutschen schwer enttäuscht seien, da diese, anstatt weiter nach Osten gegen die Sowjetunion vorzustoßen, sich — man höre nur! — nach Westen wandten und Kolonien verlangten. Es könnte angenommen werden, man hätte den Deutschen Gebiete der Tschecho-Slowakei als Kaufpreis für die Verpflichtung gegeben, den Krieg gegen die Sowjetunion zu beginnen, daß sich aber die Deutschen nunmehr weigern, den Wechsel einzulösen, und den Gläubigern die Tür weisen." In diesem Zusammenhang fiel das bekannte Wort von den heißen Kastanien und das weniger, aber ebenso klare Wort von den „ausgekochten Diplomaten". Es ist richtig, daß nach den Oktober-Ereignissen 1938 in der Presse der westlichen Demokratien ganz plötzlich und trotz einiger hemmender geographischer Begebenheiten ein furchtbares Orakeln über die Ukraine losging, wobei die Ukraine — unter lebhaften Entrüstungen über die deutsche Schlechtigkeit — als (angebliches) deutsches Kriegsziel proklamiert wurde. Dieser Rummel fand in Deutschland kein Echo. Wir erzählen diese Einzelheiten, weil sie mit überraschender Klarheit zeigen, welche kniffligen Jntrigenwege gewisse westliche Politiker gehen. Jeder Leser wird verstehen, daß gegenüber solchen Rücken und Tücken eine voraussetzungslose Politik aus dem offenen Rockärmel eine Gefahr wäre. Gegen diese Rücken und Tücken hilft nur feine Politik aus einem Guß und aus feinem großen Ueberblick. Rur eine solche gewährleistet in einer so erregten Zeit und bei so gespannten Verhältnissen jene Offenheit der 23er« Handlungsführung, die wieder die Bürgschaft eines schnellen und klaren Abschlusses ist. Unwillkürlich drängt sich das Wort des instinktsicheren Goethe in den Sinn, der bei einer großen geschichtlichen Gelegenheit die berühmten Worte geschrieben hat: Don hier und jetzt beginnt eine neue Zeit. Gegen diesen scharfen und temperamentvollen Zug fällt die Politik der westlichen Demokratien kraß ab, die mit Pfiffigkeit einen Besitzstand verteidigen will, der eben so anspruchsvoll wie auf fremde Hilfe angewiesen ist. Schlimmer noch! Diese Politik ist die Verkörperung jener charakterlosen reaktionären Gesinnung, die sich dem toten Besitz verschreibt, fremde Degen wirbt und sich selbst nach besten Kräften außer Obligo hält. Die Engländer Haden schon dem Zarenreiche versprochen, mit ihrer Flotte in der Ostsee und durch die Dardanellen hindurch im Schwarzen Meere zu erscheinen; sie find weder in der Ostsee, noch im Schwarzen Meer erschienen. Wir leben in der Tannenberg-Woche. Run, der russische Vormarsch vom August 1914 nach Ostpreußen wurde infolge dringender Bitten des damaligen französischen und englischen Botschafters am Zarenhofe überstürzt. Auch die weitere zaristische Kriegführung vom Herbst 1914 bis 1916 stand unter dem Druck der ewigen englisch-französischen Hilfegesuche. Zarte Andeutungen dieser Art enthalten die Tagebücher und Betrachtungen des französischen Botschafters Maurice Palöologue „Am Zarenhofe während des Weltkrieges". Die Kremlleute wären gottverlassen gewesen, wenn sie sich nach dem Muster der zaristischen Diplomaten und Generale noch einmal hätten einseifen lassen. Der aufmerksame Beobachter findet in dem Archiv Breslau, 23. Aug. (DRB.) Die Verhaftungen und lieb erfülle auf Reichsangehörige in Polen nehmen ständig zu. So sind»in Pommerellen allein in den letzten Tagen neun Reichsdeutsche überfallen worden. In der Nacht zum 19. August fand ein Ueberfall auf die Besitzung des Reichsangehörigen D a m e r a u bei Strasburg statt, wobei der Zaun zerstört und das Haus beschädigt wurde. Am 20. August wurde dann der Sohn Dameraus von zwei Polen, die mit Pistolen und Schlagringen bewaffnet waren, überfallen und schwer mißhandelt. Am 21. August wurde ein Reichsangehöriger aus dem Kreise Zempelburg, dessen Name aus verständlichen Gründen nicht genannt werden kann, von einem polnischen Rittmeister mit der Reitpeitsche mißhandelt, weil er auf Fragen des polnischen Offiziers in polnischer Sprache nicht antworten konnte. Am 1*9. August wurde ein Ueberfall auf das Gehöft des Volksdeutschen Gullnick in Plowenz ausgeführt, wobei sämtliche Scheiben eingeschlagen wurden. Wenige Tage vorher wurde das Gehöft des Volksdeutschen Richard Stachel in Ostrowitz überfallen, wobei ebenfalls sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen wurden. Stachel wurde von den eindringenden Polen unmenschlich mißhandelt. Dem volksdeutschen Gastwirt G e p p e l t in Trszcyn bei Bromberg wurde die Konzession zum Ausschank alkoholischer Getränke entzogen. Geppelt betreibt die Wirtschaft feit 35 Jahren und steht im Alter von 81 Jahren. Am Samstag, 19. August, wurden im Anschluß an Haussuchungen die Ortsgruppenleiter der Jungdeutschen Partei Draheim, Wölter und Gorzela in Vandsburg verhaftet. Die Massenverhaftungen unter den Ukrainern Ostgaliziens, besonders in der Nähe der rumänischen Grenze bei Kolomea, werden fortgesetzt. Das Kreisgericht von Czortkow verurteilte acht Ukrainer wegen Zugehörigkeit zur „Nationalistischen Ukrainischen Organisation" zu je dreieinhalb Jahren Zuchthaus. Das Kreisgericht Brzezany, ebenfalls Ostgalizien, bestrafte einen Ukrainer wegen angeblicher Propaganda für die „Nationalistische Ukrainische Organisation" unter des Osteuropa-Jnstituts an der Königsberger Universität wesentliche Aufschlüsse zur zeitgenössischen Problematik und außerdem in Bismarck „Gedanken und Erinnerungen" goldene Worte zu dem rein staatlich gesehenen Verhältnis zwischen Deutschland und dem russischen Raum. Dort lesen wir auch — um aus der Fülle nur ein einziges Wort herauszugreifen — den gegenwartsnahen Satz: „In den meisten Fällen ist eine offene und e h rliche Politik erfolgreicher als die Feinspinnerei früherer Zeiten." Der Abschluß des deutsch-sowjetrussischen Handelsabkommens und die schon erwähnten Worte Molotows, die in dieselbe Richtung weisen, bestätigen und erweitern den Gedankenkomplex des künftigen Nichtangriffspaktes in der Richtung der natürlichen wirtschaftlichen Gegebenheiten. Dieser Durchbruch der wirtschaftlichen Tatsächlichkeit bedeutet eine schwere Schlappe der westdemokratischen Wirtschaftsgesinnung, die überall und immer die nächstliegenden Möglichkeiten stören und einengen will, um mit dem Lockmittel des „Kredits" finanzkapitalistischen Raubbau schlimmster Sorte zu betreiben. Es liegt ganz in der Natur der Sache, daß die neue Lage das ganze „Zwischeneuropa" vom Finnischen Meerbusen bis zum Griechischen Meer tief und nachhaltig beeinflussen wird. Dr. Ho. den in der polnischen Armee dienenden Ukrainern zu fünf Jahren Zuchthaus. Volksdeutsche Familie von Aufständischen niedergemetzelt. (Stettin, 23. Aug. (DRB.) Wie der nach Polen entsandte Sonderberichterstatter des „Stettiner Generalanzeigers" aus Bromberg meldet, ereignete sich in der Nähe von Labischin im Netze- Gebiet eine neue Wahnsinnstat polnischer Aufständischer. In der Nacht zum 22. August verübte eine Gruppe schwerbewaffneter Polen einen zweifellos vorbereiteten Ueberfall auf das einsam gelegene Anwesen des Volksdeutschen Christian Ma lze e k, der den polnischen Chauvinisten als deutschbewußter Mann bekannt und verhaßt war. Kurz nach 22 Uhr wurde Malzcek durch laute Geräusche vor dem Hause aufmerksam gemacht und ging vor die Tür, um festzustellen, was los war. Im gleichen Augenblick krachten mehrere Schüsse, die den Volksdeutschen niederstreckten. Wie eine wilde Horde stürmten die Banditen dann in das Haus, wo sie die Frau Malzcek und den 15jährigen Sohn an trafen. Auch der Sohn erhielt zwei tödliche.Schüsse und brach zusammen. Die Mutter, die sich auf den am Boden Liegenden warf, wurde von der entmenschten HSrde mit einer Mistgabel so schwer verletzt, daß sie ebenfalls starb. Eine Verwandte Malzceks, die 51jährige Marie Slowok, die sich in der nebenanschließenden Küche befand, konnte, während die Aufständischen im Wohnzimmer alle Schränke durchwühlten und die Möbel in sinnloser Wut zerstörten, durch den Garten in den Wald flüchten. Kurze Zeit daraus schlug aus dem Dach des Hauses eine Flamme und bald brannte da s ganze Anwesen. Die Mordbrenner entfernten sich in der Richtung auf Schubin. Die Volksdeutschen in der Umgebung von Labischin hat sich wegen dieses verbrecherischen Feuerüberfalls eine ungeheure Erregung bemächtigt. Die | Lage für das Deutschtum wird von Stunde zu Stunde unerträglicher, nachdem erst vor wenigen Tagen zwölf junge Deutsche mit unbekanntem Ziel verschleppt wurden und mehrere volksdeutsche Männer und Frauen auf der Straße und auf dem Felde angefallen und mißhandelt worden waren. Drohender Eisenbahnerstreik in England. London, 23. August. (DRB. Funkspruch.) Die dem Lokomotivführer- und Heizeroerband ongehören- den Eisenbahnangestellten beschlossen gestern, am Samstag in den S t r e i k zu treten, da ihren Lohnforderungen nicht entsprochen worden ist. Äon diesem Streik dürften, wenn er zur Durchführung gelangt, alle großen Eisenbahnlinien Englands betroffen werden. Gegen den Streikbeschluß wendet sich mit großer Schärfe die „Daily Mail". Es fei unmöglich, daß der Beschluß angesichts der gespannten internationalen Lage durchgeführt werden könne. Auch die übrigen Morgenblätter des Mittwochs behandeln die Haltung des Verbandes in ähnlichem Sinne., Prof. Mentzel zum Ministerialdirektor ernannt. Berlin, 22. August. (DNB.) Der Führer hat den Chef des Amtes Wissenschaft im Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung und Präsidenten der deutschen Forschungsgemeinschaft Rudolf Mentzel zum Ministerialdirektor ernannt. ^-Oberführer Professor Mentzel, Träger des Goldenen Ehrenzeichens der NSDAP., ist 1900 in Bremen geboren. Er ist Kriegsteilnehmer 1918, gehörte mehreren Freiwilligenkorps an und nahm am Kapp-Putsch 1920 und an den Kämpfen in Oberschlesien 1921 teil. Seit 1921 ist er Angehöriger der nationalsozialistischen Bewegung. Als Kreisleiter der Kreise Göttingen von 1930 bis 1933 ist er ein alter Mit- fämpfer von Reichsminister Rust, dem Gauleiter des Gaues Süd-Hannover—Braunschweig. Gleichzeitig war er Führer des 1. Sturmbannes der 51. ^-Standarte. Rach dem Studium der Chemie und der Naturwissenschaften in Göttingen machte er 1925 das Doktorexamen. Als Werkstudent arbeitete er in Kohlen- und Kalibergwerken. Nach einem Jahr Jn- dustrietätigkeit als Betriebsleiter einer Bremer Oel- firma wurde Mentzel 1926 Assistent am Göttinger Universitäts-Laboratorium für Chemie und Mitarbeiter des Heereswaffenamtes. Er habilierte sich 1933 und ist seit 1935 ordentlicher Professor für Wehrchemie an der Technischen Hochschule Berlin. Seit 1934 ist Mentzel im Reichserziehungsministe- rium, seit 1936 nebenamtlich Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Kleine politische Nachrichten. In Stettin fand in Anwesenheit von Staatssekretär Bohle und Staatssekretär Königs vom Reichsverkehrsministerium die Einweihung des ersten nationalsozialistischen Seemannsheime s der deutschen Seefahrt statt. Die Feier wurde vom deutschen Rundfunk übertragen, so daß sie von allen deutschen Schiffen ausgenommen werden konnte. Gauleiter Bohle hielt die Weiherede und gab dem Haus den Namen „Haus der Seefahrt". * Der portugiesische Staatspräsident Carmona hat seinen mehrtägigen Staatsbesuch in der Südafrikanischen Union beendet und die Reise nach L o -» a n b a, in der portugiesischen Kolonie Angola, angetreten. Reichsdeutsche mit Schlagringen und Reitpeitsche mißhandelt. Zwei amerikanische Ozeanflieger verschollen. Zwei amerikanische Flieger, die von der englischen Presse als die „verrückten Flieger" bezeichnet werden, hält man nunmehr in London für verloren. Sie waren am Freitag mit einem vollkommen veralteten Flugzeugtyp von St. Peter (Neuschottland) aufgestiegen und wollten am Samstaamittag in Irland landen. Da die Flieger keine Funkgeräte mit sich führten, fehlt jede Spur von ihnen. Der Brennstoffvorrat muß am Samstagspätnachmittag erschöpft gewesen fein. In einigen Londoner Zeitungen finden sich bereits Andeutungen eines Vorschlags, ein internationales Abkommen zu treffen, wodurch die leichtsinnige Ozeanfliegerei aus Reklamegründen verboten werde solle. Zu schnell in die Kurve — dreimal überschlagen. Ein aus Frankfurt kommendes Personenauto verunglückte auf der Straße Wörth—Trenn« furt. Der Wagen fuhr anscheinend mit zu großer Geschwindigkeit in eine Kurve, bekam einen Reifen- defekt und überschlug sich dreimal. Die vier In- faffen, zwei Männer, eine Frau und ein kleines Kind, trugen alle, z.T. schwere Verletzungen davon. Wetterbericht lieber dem größten Teil Europas hat sich einfe sehr gleich förmige Luftdruckverteilung hergestellt, die die Ausbildung lokaler Störungsgebiete vor allem über dem Festland begünstigt, in denen es zu Gewittern kommen wird. Im übrigen wird Schön» wettercharakter vorherrschen. Vorhersage für Donnerstag: Morgens vielfach dunstig ober neblig, sonst heiter bis wolkig mit Neigung zu örtlichen Gewitterstörungen, tagsüber warm und schwül, veränderliche Winde. Vorhersage für Freitag: Im wesentlichen warm und freundlich, doch nicht allgemein ftörungsfrei. Lufttemperaturen am 22. August: mittags 21,7 Grad Celsius, abends 16,9 Grad; am 23. August: morgens 14,4 Grad. Maximum 22,7 Grad, Minimum heute nacht 13,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. August: abends 20,4 Grad; am 23. August: morgens 17,7 Grad. — Niederschläge 0,1 mm. — Sonnenscheindauer 0,4 Stunden. Aus aller Wett schen Kulturlebens zugänglich. Sie werden so ihrer späteren Aufgabe zugeführt, einmal Mütter des Volkes zu werden. Sie werden dann aber auch ihre Kinder in diesem Sinne erziehen. Gärtnerinnen kommen mit dem Wunsch in ihren Beruf, ihr Leben auf anderen Grundlagen aufzubauen als der städtischen. Durch den Umgang mit der Pflanze und dem Boden erhalten, sie tie f e Befriedigung, aus der sich dann auch eine schlichte naturgemäße Lebensführung ergibt. Nicht ausschließlich die Sorge um das Verdienen des Lebensunterhaltes zwingt sie zu dieser Arbeit. Sie sehen daneben die Möglichkeit, als mütterliche Betreuerin für die gesamte Volksgemeinschaft tätig zu sein, was ihnen als letztes Ziel dann die Aufgabe stellt, einmal vertrauensbewußte Frau des Betriebsführers zu sein ober aber als Beraterin ober Lehrerin anderen Menschen den naturgebundenen In- halt einer Beschäftigung mit der Pflanzenwelt zu vermitteln. Die bisher vorliegenden Ergebnisse aus dem Arbeitsbereich der Gärtnerinnen zeigen immer wieder, daß mit der Erlernung dieses Berufes nicht eine materielle Notwendigkeit vorliegt, sondern tatsächlich eine Lebensaufgabe und ein Lebensinhalte dem Beruf der Gärtnerinnen und überhaupt aller weiblichen Arbeitskräfte im Gartenbau zu finden ist. Völkische und sittliche Aufgaben im Gärtnerinnenberuf. Vielseitige Derufserziehung. - In vorderster Front gegen die Stadtsucht. . Von Oiplomgarienbauinspektor Liske-Goslar. umgehen lernen und daß diesen em tiefes Verständnis für die Beziehungen zwischen Volk und Boden und für die Werte des Landlebens vermittelt werden. Die Gärtnerin bildet damit eine Brücke zwischen Stadt und Land. Die Gärtnerinnen sind aber auch für die Spezialarbeiten des gesamten Gartenbaues nicht zu entbehren. Sie sind em wichtiges Glied in der E r z e u g u n a s s ch l a cht, und ihre Tätigkeit wird besonders bewußt m Zeiten schwieriger Versorgung des Marktes. Die weibliche gärtnerische Arbeitskraft sorgt weiter als Gartenarbeiterin und Gartenbaulehrerin dafür, daß die Gärten richtig ausgenutzt und die Erzeugnisse aus den Gärten und den Kulturen auf praktischem -Jßege verwertet und haltbar gemacht werden. Die durch ihre Arbeit mit Boden und Pflanzen vertrauten Gärtnerinnen sind damit dem Einfluß echten deut- Auf dem 1. Reichstreffen der Gärtnerin- : nen, das auf dem 3. Reichsgartenbau- s tag in Stuttgart stattfand, sprach der ' Reichssachbearbeiter der Fachschaft „Gärtner" : über die Berufserziehung der Gärtnerinnen. , Die augenblickliche Zeit verlangt den Einsatz der Gärtnerinnen in den deutschen Gartenbaubetrieben verstärkt zu fördern. Dabei ist nicht allein an ihre Tätigkeit im Erwerbsgartenbau gedacht, sondern gleichzeitig auch an alle Gärtnerinnen im häuslichen Gartenbau, in der Beratungstätigkeit und in der Lehrtätigkeit. Die Stellung der berufstätigen Frau im Gartenbau hat sich aus der hauswirtschaftlichen Erzeugung des Bedarfes an Obst und Gemüse entwickelt. Durch die Erfordernisse des erwerbswirtschaftlichen Gartenbaues fand dann die Gärtnerin auch Beschäftigung als gelernte und ungelernte Arbeitskraft. Seit etwa vier Jahrzehnten gibt es die berufstätige Gärtnerin, die eine Ausbildung erfahren hat und hernach in selbständigem oder abhängigem Arbeitsverhältnis Aufnahme findet. Rach einer Schätzung befinden sich im Altreich etwa 14 0 0 0 gelernte Gärtnerinnen. Auf Grund einer Erhebung der Arbeitsbuchpflichtigen der in Gartenbaubetrieben tätigen weiblichen Per- fonen (nach dem Stande vom Dezember 1938) ergibt sich eine Zahl von 35 000. Die Tätigkeit der Gartenarbeiterin erfordert keine besondere Ausbildung, da sie die notwendigen Handgriffe im Betriebe selbst erlernt. Der Berulsweg der Gärtnerin geht über die Tätigkeit als Lehrling über die Gehilfin und Meisterin zur Gartenbaulehrerin. Nach dieser Entwicklung kann die Gärtnerin im Beruf verschiedene W eg e einschlagen: als geprüfte Gärtnerin, als geprüfte Gartenmeisterin, als staatlich geprüfte Gartenbautechnikenn und Gartenbauinspektorin, als Diplomgärtnerin. Sie ist hiernach im Beruf tätig als Gärtnerin in den Erwerbsgartenbaubetrieben des hauswirtschaftlichen Gartenbaues (Haus- und Anstaltsgärten), als Fachkraft im weiblichen Arbeitsdienst und im Landjahr, als Gartengestalterin in Entwurfsbüros, als Gartenbauassistentin in Gärtnereien, als Gartenbaulehrerin und Beraterin für den hauswirtschaftlichen Gartenbau, als Frau des Betriebsführers oder dessen Stellvertreterin, als selbständige Unternehmerin in den einzelnen Berufszweigen. Worin liegt nun die große völkische und sittliche Bedeutung der Gartenbautätigkeit der Frau? Durch die Erlernung des Gärtnerinnenberufes wird ein Gegengewicht gegen oie Stadtfucht geschaffen. Die Gärtnerinnen helfen, daß weite Frauenkreise mit Blumen und Pflanzen Watteaus „L’Indifferent“ schwer beschädigt. Das vor zwei Monaten aus dem Louvre m Paris aestohlene und vor wenigen Tagen von dem Dieb xurüierftattete Bild „L'Indifferent“ oon Watteau hat noch Ansicht des vom Untersuchungsrichter de- austragten Sachverständigen durch die °°n dem Dieb vorgenommene „Restauration so !iark gelitten daß es feinen Kaufwert mehr besitzt. Die genaue Untersuchung des Bildes hat ergeben daß die Farbe an verschiedenen Stellen abgewaschsn worden ist. Die Auflackierung ist von dem Dieb mit einem ganz gewöhnlichen Wagenl a d »orgenom- men worden, der das Gemälde schwer beschädigt hat. Der Sachverständige ist aber trotzdem der Auffassung, daß das Bild noch gerettet werden Der Tod in den Bergen. Ein schweres Bergunglück ereignete sich im M a s s i v von Danoise in Savoyen und kostete drei jungen Bergsteigern das Leben Trotz Warnung der Bergführer hatten jene versucht, von der Nordwand her den 3800 Meter hohen Grande Cafe zu erstes aen stürzten jedoch von einem Gletscher über 500 M-t-rtiäab Ündblieb-n z - r s ch m e t t - r t steaen. Am gleichen Tage ereignete sich nn selben Massiv ein weiteres Unglück, bei dem ein Schweizer Alpinist ums Leben kam. - Wie ausGhamonix verlautet, sollen sich im Mont-Blanc-Massw vier Schweizer Alpinisten verstiegen haben und in Le- bensaefahr befinden. Eine Rettungskolonne ist zur Hilfäeistung aufgeftiegen. „3m Scherz" den Arbeilskameraden tödlich verletzt. Auf einer Baustelle in Zweibrücken warf im Scherz ein Arbeiter mit einem Stein nach einem 15jährigen Arbeitskollegen. Der Stein traf den Jungen an der rechten Schläfe, ohne eine äußere Verletzung zu verursachen. Wenige Stunden später starb der junge Mensch. Die auf Anordnung der Staatsanwaltschaft vorgenommene gerichtliche Leichenöffnung ergab, daß durch den Anprall des Steines an das Schläfenbein ein Blutgefäß verletzt war, aus dem sich das Blut ins Gehirn ergoß. Blädchenmörder zum Tode verurteilt. Hannover, 12. Aug. (DNB.) Das Schwur- geriet)! verurteilte den 35Jahre alten Kurt H an s ch- mann, gebürtig aus Leipzig, wegen Mordes zürn Tode. Hanschmann hatte am 24. Mai d. I. ein 15 Jahre altes Mädchen, das feine Annäherungsversuche stets zurückwies, in Hannover-Linden auf offener Straße durch sieben Messerstiche getötet. Be- merkenswert ist, daß der Verbrecher im Jahre 1926 in Frankfurt a. M. ebenfalls ein Mädchen getötet hat. Damals war er wegen Totschlags zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. hillerjunge überfahren und getötet Auf der Reichsstraße zwischen Göttingen und Niedernjesa wurde ein Hillerjunge von einem Personenauto angefahren und getötet. Der Fahrer des Wagens ist flüchtig. An dem Auto wurden die rechte Lampe, der rechte Kotflügel und die Windschutzscheibe beschädigt. Hauptschriftleiter vr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Haupffchriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und die Bildert Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Emst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. 21. VII. 1939: 8855. Druck und Verlag: Brühlsche Unwersitats- druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Mo- natsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzel« Verkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Rr.4 vom 1. September 1937 gültig. Aus der engeren Heimat. Eommerfest im TlGV.-Kindergarten 0 Laubach, 21. Aug. Am Sonntagnachmittag fand bei herrlichem Wetter das S o m m e r f e ft des hiesigen N S B. - K,i n d e r g a r t e n s statt. Um 15 Uhr zogen etwa 60 mit Blumen und Bändern geschmückte Kinder auf dem schattigen Spielplatz des nahegelegenen Ramsberges ein, wo sich bereits 'eine große Zahl von Zuschauern eingesunden hatte. Die Kinder warteten mit einer großen Folge von Spielen und sonstigen Unterhaltungen auf, wobei auch das Kasperletheater nicht fehlte. Bürgermeister Högy dankte am Schlüsse namens der Ortsgruppenamtsleitung der NsV. Laubach allen am Feste Beteiligten, insbesondere der Leiterin des Kindergartens Frl. Jentsch und ihrer Helferin Frl. Stotz, sowie allen Kindern. An die Eltern richtete er die Bitte, dem erst seit acht Monaten bestehenden Kindergarten auch für die Zukunft das gleiche Interesse entgegenzubringen wie seither. Die schön verlaufene Veranstaltung wurde mit dem Gruß an den Führer geschlossen. Landkreis Gießen. * Daubringen, 23. August. Der Gesangverein „S ä n g e r l u st" Daubringen feierte, wie wir gestern bereits kurz berichteten, sein Sommer fest. Nach der Begrüßungsansprache des Dereinsführers brachte der stattliche Sängerchor unter der Stabführung von Dirigent Robert Häuser (Watzenborn-Steinberg) mehrere Lieder zum Vortrag, die in ihrer Wiedergabe von einer ausgezeichneten Schulung Zeugnis ablegten. Im Verlaufe der Veranstaltung wurden, verschiedene Sänger für regelmäßigen Singstundenbesuch mit der silbernen Ehrennadel ausgezeichnet, und zwar Wilhelm Wack, Ludwig Schäfer VIII., Wilhelm Euler und Karl O p p e r. Ein besonderes Geschenk erhielt der jugendliche Sänger Karl Roll, der seit Januar 1937 keine Singstunde versäumt hat. Für 25jährige treue Mitgliedschaft wurden Ludwig Euler IL, Johannes Ruth, Jost S ch l i'e n b e ck e r , Heinrich Walther III., Karl Rudolph II., Karl Albach IL, Wilh. Dietrich Walther, Heinrich Euler, Johann Will und Ludwig Schäfer III. geehrt. Das Fest, das unter bunten Lampions im Garten von Mitglied Ludwig Schäfer stattfand, brachte schöne Stunden, die nur allzu rasch vergingen. Kreis Büdingen. k. Schotten, 22. Aug. Der Zweigverein Schotten des VHC. feierte nach alter Sitte am Samstag im herrlichen Giertal sein Waldfest. An dieser landschaftlich schönen Stelle befindet sich ein kleines, würdiges Kriegerehrenmal für die Gefallenen des VHC., auch wurde dort zu Ehren des Reichswanderführer Dr. Ferdinand Werner die „Werner-Eiche" gesetzt, lieber 60 VHCer lagerten sich bei frohem Picknick im Kreise. Vorsitzender S c r i b a sprach treffliche Worte über den Sinn der schönen Feier. h. Schotten, 22. Aug. Am nächsten Samstag wird die Stadt wieder großen Besuch durch einen Betriebsausflug einer Frankfurter Firma erhalten. In einem Sonderzug treffen gegen 10 Uhr über 8 0 0 Gäste hier ein. Empfang, Führung durch die Stadt und Umgebung, Verpflegung in den verschiedenen Gasthäusern, Tanz u. dgl. sind vorgesehen. Abends fahren die Gäste mit dem Sonder- zua wieder zurück. — In der Gauausstellung „Wille und Tat" zu Wiesbaden wird auch der Vogelsberg mit einer Reihe von schönen Bildern und Gemälden vertreten sein. Die Rennstrecke „Rund um Schotten" ist in einem schönen Relief dargestellt. Aus dem Schottener Heimatmuseum sind verschiedene wertvolle Altertümer ausgestellt. Rundfunkprogramm Donnerstag, 24. August. 5 Uhr: Frühmusik. Reichsarbeitsdienst, Gaumusikzug 1, Ostpreußen. 5.50: Bauer, merk' auf! 6: Uebertragung nach Saarbrücken: Morgenlied, Morgenspruch — Nachrichten. Betriebssport der DAF. 6.30: Frühkonzert. Das kleine Dresdner Orchester. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25 Kleine Rat- schläge für Küche und Haus. 8.40: Froher Klang zur Werkpause. Das Orchester des Reichssender^ Königsberg. 9.30: Nur Koblenz-Trier: Nachrichten« 10: Schulfunk. Dolksliedfingen. 11.40: Ruf ins Land^ 12: Mittagskonzert. Das kleine Rundfunkorchester« 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert (Fortsetzung). 14: Nachrichten. 14.10: Nette Kleinigkeiten. 14.45) Für unsere Kinder: Bastelstunde. Eins — zwei < drei — wer hat den Ball? 16: Nachmittagskonzert. Das Unterhaltungsorchester des Reichssenders Wien. Zeder kann helfen! Durch einen Ferienplatz für ein erholungsbedürftiges Kind! Berichte von den Studenten-Weltspielen in Wien. 18: Aus Arbeit und Beruf: 1. Berufsaufklärung tut not. 2. Steuergutscheine. 18.30: Volksmusik vom Deutschen Eck. Das Handharmonika - Duo Georg Schäfer - Hans Siebert und die Koblenzer Schrammeln unter Leitung von Peter Daumen. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20j Nachrichten. 20.15: Das singende, klingende Frankfurt. 22: Nachrichten. 22.15: Sport in Kürze. 22.205 Unsere Kolonien. Ein Gespräch mit dem Leiter des kulturmorphologischen Instituts, Dr. Volhard. 22.35 bis 24: Volks- und Unterhaltungsmusik. Die Stutts garter Volksmusik Braves, solides Oie Geburt eines gesunden Zungen Homberg lOberhessen), den 19. August 1939 5691D Kesselöfen. 5692Ö 5680D Ittfifl Gerichtsvollzieher i. Gienen 2llUU Ludwigstr. 33. Tel. 3239. Neuausgabe zu 42.— Reichsmark Adreßbuch Stadtkreis und Landkreis Gießen Stiftsruine Bad Hersfeld hübsche neue Formen sehr preiswert Oberhessischer Mreßbuchverlag Gießen Fernsprecher 2251 Schulstraße 1 5677 A Für die jetzige Aussaat im Feld und Garten WZZ Bergschenke 5676A Heinrich Hahn, Samenhandlung Telefon 3403 Bahnhofstraße, Ecke Wolkengasse 5605 A 5635V vertcaOie friedliche Sommerwelt: Menschen stehen auf Lebern, es ist, als könnten sie nie fertig werden mit Brechen aller dieser Herrlichkeiten. Manch einer jjtganfl eingerahmt von Früchten. In flache Kästen les man die samtwangigen Pfirsiche. Brombeer- slcuden stehen über und über behängt. Männer gehen n abends mit hellen Emailleimern durch die Ersen der Gärten, die schwarzen Früchte quellen übr den Rand. ! Hs Kraut der Bohnen gilbt schon. Birnen hängen priM im Spalier. Der Mund wässert dir ... Welch ei'gesegnetes Jahr! stan kümmert sich nicht um das bißchen Staub bei weißen Feldwege. Du kannst ihn nachher von bei Schuhen blasen. Wichtig ist es, durch die gute, lciizentbehrte Hitze gehen. Wichtig ist es, die farbigen Lcvhblumen im fetten Gras zu sehen-, die Lichter übr den Weiden; die Kringel, die durch die Büsche mt Obst auf die gute Erde fallen. iohe Tage der Schmetterlinge. Vom armen, ge- vij-nlichen Kohlweißling bis zum herrlichen Admiral un! leuchtenden Pfauenauge schweben sie dahin, vom (errfen Wind getragen. Ihr Leben ist kurz. Aber es ist «uchtend, farbig und süß. Edelsteine aus hauch- bünnem Stoff, die durch den August schweben. ! ur an den Abenden ist schon die erste Ahnung bei Herbstes. Frösteln in jäh aufsteigender Kühle. ($)nng in den Gärten, Laut einer Laute, Zirpen bei Mandolinen bricht früher ab als vor Wochen. Jir die Liebenden spüren die Kühle nicht. is sind so wenig gute, heiße Tage. Halte sie fest, ge!" in jeder freien Stunde zwischen Gärten hin. Eiden sind gut. r. k. Dornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Gloria-Palast (Seltersweg): „Die barmherzige Süjje". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die tziiebte". Lockerung "er Mitgliedersperre der 71SOAP. !SG. Der Reichsfchahmelster Hal ange- orhict, daß die Mitgliedersperre in der NSDAP, in sofortiger Wirkung bis auf wei- !ei«s aufgehoben wird. Volksgenossen, die idjafiio für die Idee des Nationalsozialismus ein- kh, wollen, haben damit Gelegenheit, ihre A u f - i a m e in d i e p a r t e i zu beantragen. Die Ortsgruppen der NSDAP, nehmen An- Itige zum Parteieintritt entgegen. Näheres über sie Aufnahmebedingungen ist dort zu erfahren. Heute wieder Konzert in Steins Garten. ’im heutigen Mittwoch, von 17 bis 18 Uhr, gibt li Musikkorps der Fliegerhorst-Kommandantur Gen unter Leitung von Musikmeister Pfarre vLer ein Platzkonzert in „Steins Garten" (Bürger- mffterei in der Bergstraße). Musikfolge: .. ,Flandernflieger", Marsch von Husadel. „Marinarella", Ouvertüre von Fucik. Li. „Liebesgruß" von Elgar. IL „Kleinigkeiten", Suite in 3 Sätzen — a) Pizzi- fato, b) Canzonetta, c) Marcia burleska — von Fischer. „Liebeslieder", Walzer von Joh. Strauß. ■.». „Operettenreise", Potpourri von Robrecht. .. „Frühlingsständchen" von Lacombe. „Ernst-August-Marsch" von Blankenburg. Abschied vom 3Reifef öfter. Von Nikolas Knobel. Selbst für den schönsten schweinsledernen Koffer ist»es keine Schande, nach getaner Sommerarbeit uüber unterm Dach auf dem Boden Quartier zu tecehen. Erstens ist der Boden entrümpelt. Und wiitens findet der Koffer bei der alten Wiege, kni Christbaumkreuz und einigen Kollegen einige i kixhaus würdige Gemeinschaft. immerhin, betrachten wir ihn no.ch einmal liebe- i diesen Genossen unserer angenehmen Ferien- rchhen! Daß er eine Persönlichkeit ist, zumal im ^gerückten Aller, wird niemand leugnen können, taie Koffer gleichen unangerauchten Tabakspfei- "r Wie sagenhafte Weltreisende heimkehren, ver- s sirert von den Sonnen aller Zonen, gegerbt von 3ollen Herzen mit verschlungenen Buchstaben in ' p Bäumen. k, träumen wir vor dem melancholischen Ab- I^ei nehmen noch ein wenig bei ihrem Anblick. JLd halten sie, schmerzlich zum Erinnern verlok- "d den Duft der letzten Reise fest — und wenn ’s Mch nur der unserer gut geölten Bergstiefel ' vr. Oder Seesand verkrümelte sich in den Ritzen ’ »'!> widersteht nun der Säuberung. Träumen wir 1 i’f) ihren getreuen Diensten nach! D: ist zum Beispiel dies ein großartig bewegen- Gedanke: lieber die ganze Welt hin ist die Ibizcmsation kräftiger, freundlicher Männer vorge- |pj„ lediglich den Koffern zu Ehren. Kein Bahn- i k, ietn Hafen ohne die feierliche Zurüstung des (kifianges — eine Gilde, nicht gerade von j jugAauen, aber von Chrenathleten schickt ihre Ao- iptnjmgen an jede bessere Zug- und Schiffsankunft. 2IL1) auf jeden Reisenden kann auf jedem Bahn- 1 teg । eine Geliebte, eine Tante oder ein Geschäfts- jkAW erwarten. Aus jeden Koffer aber wartet an iHi Stelle ein 2lbgesandter jener vortrefflichen, löjtneiten Bruderschaft der Gepäckträger. ■ )l;2t laßt uns der wirklich merkwürdigen Rolle inihiinnen, die der Koffer als eine späte Ersin- Mittwoch, 23. August 1939 Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Oer Sitzungssaal im Stadthaus in neuer Gestalt. Links: Der Sitzungssaal in seiner bisherigen Gestalt. Rechts: Die neue Ausgestaltung. (Aufnahmen: Stadtbauamt slj, Neuner, Gieß. Anz. sls.) * -wfr wem - v> WA Auf Anordnung des Oberbürgermeisters ist im Verlaufe der letzten Monate der Sitzungssaal im Stadthaus Bergstraße, der den Beratungen der Ratsherren und gelegentlich auch anderen Veranstaltungen repräsentativer Art dient, nach den Vorschlägen und unter der Aufsicht des Stadtbauamtes neu gestaltet worden. Der Saal wurde zunächst von allen alten Einrichtungsgegenständen befreit und dann in feiner Wand- und Deckenbemalung neu hergerichtet. Sodann erhielt er neue Möbel, bei deren Beschaffung und Aufstellung neue Gesichtspunkte der raummäßigen Verwendung des Saales Geltung erlangten. Während früher die Plätze des Oberbürgermeisters und der Beigeordneten sich auf einem Podest gegenüber der Saaltür befanden und die Plätze der Ratsherren in der von früher her überkommenen Form von Sitzen und Tischen nach der Art von'Schulzimmereinrichtungen beiderseits der Saaltür gegenüber dem Podest angeordnet waren, ist jetzt der Platz des Oberbürgermeisters und seiner Beigeordneten an einem langen Quertisch auf der der Fensterfront des Hauses gegenüberliegenden Seite auf gleicher Höhe mit den Plätzen der Ratsherren geschaffen worden. An beiden Seiten dieses Quertisches, in Richtung nach der Fensterfront zu, befinden sich die Plätze der Ratsherren. An der Wandfläche hinter dem Quertisch sind große Bilder des Führers, rechts von ihm des Reichsinnenministers Dr. Frick (als Minister für die Gemeinden), links vom Führer das Bild unseres Gauleiters Sprenger angebracht worden, so daß schon durch diesen würdigen und repräsentativen Schmuck die große Wandfläche ein eindrucksvolles Bild bietet. Für festliche Sitzungen können zu beiden Seiten der Bilder und zwischen ihnen Flaggen angebracht werden, so daß die Bilder bei solchen Anlässen festlich umrahmt erscheinen. An Stelle der früheren dunklen und unbequemen Möbel haben jetzt helle Kirschbaummöbel Verwendung gefunden, deren Sessel und Tische bequeme Sitz- und Schreibmöglichkeit bieten. Für die Ausstattung des Sitzungssaales wurden 37 Sessel, 12 Stühle und 9 Tische von einer Firma an der Bergstraße beschafft. Die Tischplatteneinlage besteht aus Marmorplatten in Deutsch Gelb. Im Hinblick darauf, daß der Sitzungssaal nicht nur für die Beratung der Ratsherren, sondern auch zu anderen Tagungen Verwendung findet, sind mehr Sessel und Tische angeschafft worden, als an sich für die Zwecke der Ratsherrensitzungen erforderlich gewesen wären. Bei düng zivilisierten Nomadenlebens spielt. Er zeigt uns, mit welch kleiner Unterkunft für seine Ausrüstung selbst der Besitzer einer Fünf-Zimmer- und Acht-Schrcinke-Wohnung auskommen kann. Diogenes, der sich mit einer leeren Tonne behalf, hätte freilich keinen Koffer, höchstens eine Hutschachtel für feine Laterne benötigt. Aber er wurde auch nur deshalb berühmt, weil er so ungehörig übertrieb. Wir finden es lehrreich, duß wir wochenlang aus- fommen können, ohne unsere Kommoden nebst Inhalt um uns zu haben, ohne die Akten der Schreibtische und sonstige Gerätschaften unserer Arbells- ^"'Hausfrauen suchen es den Kindern und Man- nern einzureden, daß gewisse Dinge sich nicht miteinander vertrügen — und daß, wenn man nicht diesen oder jenen Gegenstand sorgsam von einander getrennt hielte, sie sich wohl mordend auf einander stürzten und ein Weltuntergang im kleinen drohe Stiefel neben den Taschentüchern, Schlipse zwischen den Büchern, das Medizinfläschchen in die Badehose gerollt — em grollendes Chaos? Nein seht doch, wie friedlich sich alles neben-, über- und untereinander in dem Koffer bettet Me versöhnlich geht auf einmal der unverträgliche Kram, wohl. tuenZ verhindert, mit einander um. Wir Horen ,OH,^Uausendrnal" lieber würden wir Kleider in Falten zerdrückt nochmals auf Reisen gehen als ordentlich im Schrank zu hangen. Ja lieber Koffer, nun schwenken wir dich trostlos leicht und leer am Griff, hohl und ode, wie du nun wieder warten mußt. Ein.leerer Koffer gleich dem unbefriedigenden Anblick eines Rahmens ohne Bild. Wie bereuen wir jetzt, daß wir vor wenigen Tagen noch wegen feiner Fülle turnten. Die Kos- kr haben ja ganz offenbar die rätselhafte Eigenschaft, binnen weniger Wochen kleiner zu werden. Als wir in die Ferien fuhren, ging der Deckel ver- hältnismäßig glatt zu; es genügte, daß Lieschen sich mithelfend darauf setzte. Als wir aber zur Heimfahrt packten — leichter um o^es Aufgegessene und Verlorene — da auf einmal wollte der Platz nicht mehr ausreichen. Man wird das nie oer- ,kUnh bubet hatten wir zu Beginn der Reise nach all die Träume und Phantasien der Erwartung mit hineingepackt. Was packen wir letzt aus? Em Quentchen Weisheit. Denn den Traumbildern, den Erwartungen romantischer Reiseschicksale sind wir nun begegnet und können Bild an Bild abmessen und uns dazwischen und wie mir sie bestanden ^Wie gut oder schlecht auch immer — der Koffer, dem Ankauf der Möbel ist aber auch darauf Rücksicht genommen worden, daß sie für Sitzungszwecke im künftigen neuen Rach aus Verwendung finden können. Als Beleuchtung dienen vier große vielarmige Deckenleuchten mit zahlreichen Kerzen, sodaß der Sitzungssaal bei abendlichen Beratungen reich beleuchtet ist. Der Sitzungssaal in seiner neuen Gestaltung ist ein besonderes Schmuckstück im Stadthaus geworden und macht nach jeder Richtung hin einen ausgezeichneten Eindruck. Schweineberta mit dem großen Kopf fehlt nicht. Die blonden ostpreußischen Jungens sitzen schon in langen Reihen oben auf dem Heuschober, lieber den Köpfen der spielenden Soldaten baumeln ihre „barsten" Füße. Die Hunde wollen natürlich auch in so einem feierlichen Augenblick nicht fehlen, sie benehmen sich je nach ihrem Temperament. Der alte dicke Langhaarteckel Michel heult in schmerzlicher Begeisterung zu der Musik, seine schöne junge Ge- mahlin mit dem Seidenfell umschwänzelt die Leutnants und läßt sich, wie sie es gewohnt ist, streicheln und bewundern. Der kleine Mufti aber,.dieses kindliche Wollknäuel, kugelt sich selig im Staub. Und dann ertönen die Klänge eines altmodischen Walzers. Nun kann es die Gutsherrin trotz aller Würde nicht mehr aushalten, diesen Walzer hat man in ihrer Jugend gespielt, ihr schmaler Fuß bewegt sich im Takt, nun muß sie tanzen. Sie faßt die Frau Kutscher um, die auch im Laufe der Jahre ein wenig vollschlank geworden ist, und dreht sich mitten auf dem Hof — wie die Beiden das verstehen, das sieht großartig aus, und sogleich werden sie von einem Soldaten geknipst. Aber nun müssen natürlich die Lene, das Roschen, die Martha, wie sie da alle heißen, bis zur alten Schweinebertha mittun, und in der nächsten Minute dreht und wirbelt ein bunter Kreis auf dem Hof unter dem blauen Augusthimmel, durch den die Schwalben flitzen. v Im Hintergrund ist die Hochfahrtscheune, und die letzten Erntewagen rollen zu den Klängen der Musik hinauf, stehen als Silhouette gegen den Himmel, Pferde, Kutscher und Wagen mit seiner kostbaren Last. Märsche und Walzer verklingen, die Musikkapelle packt ein und zieht weiter, aber in der Luft bleibt ein Summen und Singen, und eine frohe Zuversichtlichkeit geht mit in die Arbeit des Tages herein. In dem alten Gutshaus jubeln trepvauf treppab fröhliche junge Stimmen, tragen die Melodie in den Garten hinaus. Das Küchenmädchen aus Masuren setzt die Füße im Walzertakt, und das Mamsellchen hantiert am Herd mit Topfdeckeln im Marschtempo! Am Abend geht manches Paar an den Stoppelfeldern entlang. Die Grillen zirpen, und die Sterne fangen an zu leuchten. Hochschulnachrichten. Dem ao. Professor Dr. Gerhard B u ch d a wurde unter Ernennung zum Ordinarius an der Universität Halle der Lehrstuhl für deutsche Rechtsgeschichte, deutsches Privatrecht, bürgerliches Recht und Handelsrecht übertragen« Altstadtsanierung im Geltersweg. Nach Genehmigung durch den Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — hat der Oberbürgermeister von Gießen am 10. August 1939 eine sofort in Kraft getretene Ortsbausatzung für d i e Neubebauung der Straßenecke Seltersweg-Neu en weg veröffentlicht. Es handelt sich hierbei um die Rechtsgrundlage zur Durchführung des Abschnitts II der Alt- stadtsanierung, die im Seltersweg vom Haufe Datz ab bis zur Ecke Seltersweg-Neuenweg (Haus Schulze) durchgeführt werden soll. Mit dem Inkrafttreten dieser neuen Ortsbausatzung ist die alte Baufluchtlinie für dieses Stück des Selterswegs in Fortfall gekommen. Die neue Baufluchtlinie nach der Zielsetzung der Altstadtsanierung an dieser Stelle sieht vor, daß der gegenwärtig über die Hausfront hinaus in den Bürgersteig vorspringende Erker des Hauses der Frau Datz in Wegfall kommt und die Bauflücht- Imie nach der gegenwärtigen Hausfront des Bekleidungshauses Kähler ausgerichtet wird. Don dort ab wird die Baufluchtlinie in gerader Richtung bis zur Ecke Seltersweg-Neuenweg durchgeführt, so daß die jetzt in diesem Straßenteil stehenden Häuser nach Maßgabe der baulichen Neugestaltung in Anspruch genommen und den unabweisbaren Erfordernissen der Derkehrsverhältnisse in diesem Straßenteil untergorbnet werden müssen. Das Sanierungsprojekt läuft also, wie wir früher schon mitteilten, auf eine gerade Linienführung des Selterswegs von der Plackst raße bis zur Ecke Neuenweg, gleichzeitig auch auf eine Verbreiterung des jetzigen unhaltbaren Engpasses an dieser Stelle hinaus. Dadurch wird nicht nur die Uebersichtlichkeit für die Verkehrsverhältnisse erheblich verbessert werden, sondern es wird in Zukunft dort auch em Bürgersteig vorhanden sein, bei dessen Benutzung der Fußgänger nicht mehr, wie jetzt, gewissermaßen das Gefühl einer lebensgefährlichen Bedrohung durch die auf engem Raum zusammengeballten Fahrzeuge bei viel zu schmalem Gehsteig haben wird._________ Nach der Neugestaltung der verbreiterten Straße wird in Zukunft auch die Bebauung nach den Vorschriften der neuen Ortsbausatzung unter neuen Gesichtspunkten erfolgen. Danach sind alle durch Gase, Dämpfe, Gerüche, Rauch, Ruß, Wärme, Staub, Geräusche, Erschütterungen usw. für die Anwohner gefährlichen oder lästigen Gewerbebetriebe grundsätzlich verboten. Alle übrigen Gewerbebetriebe können auf besonderen Antrag genehmigt werden. Abgesehen von Nebenanlagen (Stallgebäuden und Kraftwagenschuppen) dürfen nur Gebäude zu Wohnzwecken errichtet werden, wobei die Erbauung von Seiten- und Hintergebäuden zu Wohnzwecken untersagt ist. Für die Bebauung gilt die geschlossene viergeschossige Bauweise, die Erdgeschoßräume können zu Geschäftsräumen ausgebildet werden. Die Ausnutzung der Grundstücke durch die Bebauung darf nicht mehr als sechs Zehntel und bei Eckgrundstücken nicht mehr als sieben Zehntel betragen. Die Gebäude müssen in ihren Grundrissen und Ansichten allseitig gut durchgebildet und architektonisch einwandfrei sein. Oer Ludwigsplah erhält einen Springbrunnen. Gegenwärtig sind inmitten der Gartenfläche auf dem Ludwigsplatz Ausschachtungsarbeiten im Gange, die der Schaffung eines Springbrunnens dienen, wie er vom Oberbürgermeister schon vor längerer Zeit für diesen Platz ins Auge gefaßt wurde. Die Anlage wi.rd derart beschaffen sein, daß aus einem großen Becken, das mit Kunststein eingefaßt ist, ein Wasserstrahl sich erhebt, der als Springbrunnen in Gemeinschaft mit der Gartenanlage zur Verschönerung des Platzes beitragen wird. Es ist damit zu rechnen, daß diese Anlage, die man nur begrüßen kann, in einigen Wochen fertiggestellt sein wird und noch vor dem Herbst seiner Bestimmung übergeben werden kann. der sich bescheiden nun zur Ruhe begibt, weiß es jo gut wie wir: Sobald es nur möglich ist, werden wir wieder zu den Hemden, Stiefeln und Wanderkarten — mit ungeschmälerter Lust an jeglicher Phantasie — die blauen Reiseträume dazwischen packen. Das haben die Koffer nun mal so an sich. Und wir auch. Erntemonat in Ostpreußen. Von Margarete von Olfers. In diesem goldenen Sommer, in dem nach kurzen Gewittern immer wieder die Sonne hervorkam, ist das Korn früher gereift als sonst. Eine reiche Ernte ist es! Schwer waren die Garben von dem Gewicht ihrer Frucht, die alt und jung, Knaben- und Frauenarme, die sonst nicht an diese Lasten gewohnt waren, zu Hocken aufstellten. Es wurde von früh bis spät geschafft, von der Morgenstunde an, wenn Himmel und Feld rosig schimmerten bis in den Abend hinein, wenn das Korn rotgolden auf= leuchtete und die Welt, diese sehr weite ostpreußische Welt im warmen Glanz der untergehenden Sonne lag. Und wenn auch der Rücken nach ein paar Stunden Erntearbeit schmerzte und die Arme brannten und zerschunden waren von den emporgehobenen Garden, es wurde unermüdlich gearbeitet, vergnügt und mit lustigen Zurufen. Reihum ging der erfrischende Trunk. Der tiefe Deckel der großen Blechkanne, die Kaffee oder Saftwasser enthielt, ging immer wieder gefüllt von Mund zu Mund — man dürstete und trank in vollen Zügen! Jetzt stehen die Felder fast überall leer, das letzte Getreide wird eingefahren, dann ist alles geborgen. Es würde herbstlich sein und still auf dem Lande, wenn nicht Einquartierungen Bewegungen in das Dorf und in den Gutshof hereinbringen würden. Da ist ein Kommen und Gehen, ein Rufen und Singen, Kommandieren, Hupen von Autos und Motorrädern. Und wenn dann noch die Musikkapelle auf einem großen Auto an einem schönen sonnigen Morgen anlangt und die strammen Märsche spielt, wird alles herbeigelockt, was gerade Zeit hat und für ein halbes Stündchen abkommen kann. Es steht die Kapelle mitten auf dem riesigen Gutshof, der von wundervollen Linden flankiert ist, steht geschützt gegen einen hoch überdachten Heuschober, und der Hof wimmelt von Soldaten. Die Gutsherrschaft fornmt langsam und würdevoll herbei und steht im Schatten der Linden. Aber die jungen und alten Mädchen aus Küche, Haus und Hof eilen hinzu, so schnell es geht, und sei es auch auf Klotzkorken oder Pantoffeln. Selbst bie uralte VS-GenieiliWst M Kraft önrd) Aeude Sonderzug nach Wiesbaden. Der für den 27. VIII. vorgesehene Sonderzug nach Wiesbaden muß aus technischen Gründen abgesagt werden. Der Preis für die bereits bezahlten Karten wird in unserer Verkaufsstelle, Seltersweg 60, zurückgezahlt. 5682D Nochmals Erinnerungen an Steins Garten. Die wiederholten Veröffentlichungen im „Gießener Anzeiger" Über „Erinnerungen an Steins Garten" und der vor einigen Tagen im „Gießener Anzeiger" abgedruckte Bericht über das Ruderfest der „Hassia", bei dem auch der alte „Gießener Rudermarsch" gespielt wurde, haben einem langjährigen Leser des „Gießener Anzeigers" Veranlassung gegeben, in berechtigter Weise auch einmal daran zu erinnern, daß mit den Konzerten in Steins Garten und mit dem erwähnten „Gießener Rudermarsch" ein Mann und Künstler eng verbunden ist, der zu feinen Lebzeiten in Gießen und wei^ darüber hinaus allgemein hochgeschätzt wurde: nämlich der damalige Musikdirektor Karl Krautze, unter dessen Leitung das Musikkorps unseres alten Regiments 116 sich einen hervorragenden künstlerischen Ruf erwarb. Die Verdienste Krautzes um das Musikleben in unserer Stadt sind bis heute noch nicht vergessen, und sie werden von allen alten Gießenern in dankbarer Erinnerung behalten werden. Neben dem Gießener Rudermarsch, den der mittlerweile verstorbene Künstler der Gießener Rudergesellschaft gewidmet hatte und der es wahrlich verdient, Deutscher Rudermarsch zu werden, hat Musikdirektor Krauße auch noch eine Reihe vortrefflicher Militärmärsche komponiert, von denen als besonders rühmlich hier nur genannt feien der „Offiziersruf", „Der 116er", die „Kaisermusketiere", die ebenso, wie alle übrigen Märsche gleicher Art aus Kraußes künstlerischem Schaffen, weithin bekannt wurden. Die bisherigen Konzerte in Steins Garten haben in verdienter Weife die dankbare Würdigung der großen musikfreudigen Gemeinde unserer Stadt gefunden. Wenn nun im Verlaufe der künftigen Konzerte auch Kompositionen des früheren Gießener Musikdirektors Krauße, des „alten Krauße", wie er in Gießen vielfach genannt wurde, auf der Dor- tragsfolge erscheinen würden, so werden sicherlich bei vielen älteren Konzertbesuchern die Freude und die Dankbarkeit über diese musikalischen Darbietungen in dem altbeliebten Garten noch größer sein, als bisher. SanitcitSverein Gießen in Bad Ems. Am Sonntag veranstaltete, wie man uns berichtet, der Sanitätsverein Gießen, Krankenversicherungsverein a. G., einen Ausflua nach Bad Ems, um dort die Badeeinrichtungen uno Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Am Bahnhof wurden die Teilnehmer von dem Geschäftsführer des Verkehrsoereins, Muschel, begrüßt. Nach einem gemeinsamen Gang durch einen Teil der Kuranlagen fand im Kurhaussaal die Begrüßung durch den Chefarzt des Bades, Dr. med. Diener, statt. Sein anschließender Vortrag über die Entstehung und Heilweise des Bades wurde mit großem Interesse und starkem Beifall ausgenommen. Heber die Sehenswürdigkeiten des Bades sprach dann Herr Huschet. Der Vorsitzende des Sanitätsvereins Gießen dankte den beiden Rednern im Namen der Teilnehmer. Anschließend wurden die Teilnehmer durch die Räume des Kurhauses und der Trinkhallen geführt. Eine besondere Freude wurde den Teilnehmern durch die Badeverwaltuna bereitet, indem auch die Besichtigung des Kurmittelhauses, der staatlichen ärztlichen Untersuchungsanstalt sowie der bio- klimatischen Station freigegeben wurde. Den Teilnehmern wurde von Aerzten die Heilweise der einzelnen Leiden erklärt und teilweise praktisch vorge- sührt. Nach dem Mittagessen machten die Mitglieder eine Rundfahrt mit den Motorbooten auf der Lahn und begaben sich bann mit der Zahnradbahn auf den Malberg. Auch das Kurkonzert wurde besucht. Sehr befriedigt kehrten die Teilnehmer abends nach Gießen zurück. * ** Familientreffen der Krieger- kameradfchaft 1 8 7 4. Unter starker Beteiligung veranstaltete die Kriegerkameradschaft 1874 Gießen in Saal und Garten der „Karlsruhe" ein Kameradschaftstreffen, zu dem die Kameraden mit Der Täter mitten unter uns Roman von Kurt Riemann Copyright by Verlag Oskar meister. Verdau L Sa. 13. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Da ist ihm der Inhalt des Briefes jedenfalls nicht sonderlich belastend vorgekommen. Solche Briefe hätte er auf keinen Fall in der Hosentasche herumgeschleppt, damit du sie im Labor finden kannst." „Stimmt auffallend. Deine Folgerungen sind nicht ohne Reiz. Bitte, ziehe weiter so kluge Schlüsse!" Linkerton nimmt das bedeutsame Stück Papier in die Hand und glättet es mehrere Male in Gedanken. „Wer ist der unbequeme Mensch, den Hellmers junior aus dem Wege räumen will? Wer ist der große Herr, der nicht an seine Vergangenheit erinnert werden will? Das ist die entscheidende Frage!" „Gewiß", bestätigt Pembroke, „und ich denke, alter Freund, wir werden uns mal daran machen, diese Frage zu lösen. Vermuten läßt sich ja aller- Hand." „Man braucht bloß für den unbequemen Menschen zu setzen: Sir John Perkins. Dann hat das alles feinen Sinn." „Du bist verrückt! Welchen Grund sollte denn der junge Hellmers haben, seinen Chef aus dem Wege zu räumen, der ihn verhätschelte nach allen Regeln der Kunst! Ein Sohn hätte es nicht besser haben können als er. Jetzt allerdings sitzt er auf dem Trockenen! Wenn ihn die Erben herauswer- fen, ist es zu Ende mit feiner Allmacht." „Vielleicht wußte Hellmers, daß Perkins ihn zum Erben einsetzt." Linkerton schüttelt zweifelnd den Kopf. Doch Pembroke läßt ihn kaum zu Worte kommen. Ausstellung „Wille und Tal". Wer den Aufbau erleben will, muß „Wille und Tat" sehen. NSG. Die Gau-Ausstellung „Wille und Tat" kennzeichnet in ihrem Namen fchon den Inhalt dieser Ausstellung. Wille und Tat sind die beiden Pfeiler dieser umfassenden Schau des Gaues Hessen-Nassau. Man wird bei allen Maßnahmen, die das nationalsozialistische Deutschland in Angriff nimmt, immer zuerst nach dem Willen der Bewegung fragen müssen und wird auf dieses Wollen immer eine Antwort finden im Programm der NSDAP. Aus diesem Wollen wird dann der Weg gefunden werden müssen, um den Willen zur Tat werden zu lassen. Diese Ueberlegungen hat auch die Wirtschaft des Gaues Hessen-Nassau bei ihrer Entwicklung und bei ihrem Ausbau in den letzten sechs Jahren zur Richtschnur ihres Handelns genommen. Der Wille stand unverrückbar fest. Er hieß Beseitigung der Arbeitslosigkeit und Aufbau der dar- niederliegenden Wirtschaft. Die Durchführung dieses Willens hat im Gau Hessen-Nassau ihre besonderen Schwierigkeiten gehabt, weil der Gau in vielen Teilen hart an die Grenzgebiete des Reiches stößt und weil er in allen seinen Teilen entweder direkt in der entwchrten Zone tag, oder unmittelbar an diese anstieß. Diese beiden Schwierigkeiten sind es gewesen, die die wirtschaftliche Entwicklung unseres Gaues erst zu einem Zeitpunkt Tat werden ließ, als im Norden und Osten des Reiches neue Industriegebiete das Reich mit all den Gegenständen versorgten, die es im Zuge der Unabhängigmachung von ausländischen Rohstoffen und zur Verteidigung des Reiches benötigte. Erst als durch die Wiederaufrichtung der Hoheitsrechte in der entwehrten Zone das stärkste Hemmnis für eine wirtschaftliche Entwicklung in Wegfall gekommen war, konnte die Wirtschaft unseres Gaues auch ihren Anteil an der EntwiÄung des Großdeutschen Reiches nehmen. Daß sie bei der Kürze der ihr zur Verfügung stehenden Zeit den Anschluß an die Leistungsfähigkeit der übrigen Wirtschaftsgebiete des Reiches erreicht hat, beweist die Schau unserer Wirtschaft auf der Gau- Ausstellung. Die Auswärts-Entwicklung des Rhein-Mainischen Wirtschaftsgebietes hat fast restlos alle wirtschaftlichen Unternehmungen unseres Gaues ergriffen. Dies ist besonders bemerkenswert, da im Gau Hessen-Nassau fast alle wirtschaftlichen Betriebsarten und alle Gewerbezweige vertreten sind. Nicht nur die Leder-Industrie, die Maschinen-Jndustrie und die pharmazeutische Industrie gestalten das Bild der hessen-nassauischen Wirtschaft, in ihr sind auch alle die vielen sonstigen Betriebsarten in sehr starkem Maße vertreten. Alle diese wirtschaftlichen Unternehmungen beseelte der Wille, ihren Anteil an dem Aufbau des neuen Reiches zu leisten, und zwar nicht nur durch Vervollkommnung und Ausbau ihrer bisherigen Betriebsstätten, sondern auch durch Einsatz all ihrer geistigen und technischen Fähigkeiten mit dem Ziel, auch ihrerseits zu der Schaffung neuer Werkstoffe und deren Verwendung beizutragen. So haben aus dem Gaugebiet eine ganze Reihe von bahnbrechenden Werkstoffen ihren Ausgang genommen, sei es in den Laboratorien großer Unternehmungen, fei es in der praktischen Durchführbarkeit bei verschiedenen Industrien. Die Gau-Ausstellung soll allen Volksgenossen ein kurzes, einprägsames Bild von dieser Leistungshöhe vermitteln und das Wirken der Bewegung an diesem Aufbau sowie die Besonderheiten unseres Gaues Üarstellen. Sie soll den Bewohnern unseres Gaues die Vielgestaltigkeit der Industrie vor Augen führen und sie dabei gleichfalls in die Lage versetzen, all diejenigen Stoffe kennen zu lernen, die in unserer heimischen Wirtschaft ihre Entstehung und Verwendung gefunden haben. Sie soll also den Beweis dafür liefern, daß der unbeugsame Wille, am Aufbau mitzuhelfen, durch die Tat seine Krönung gefunden hat. Spezialitäten aus allen Gebieten des Gaues. NSG. Jede Ausstellung weiß mit Besonderheiten aufzuwarten, die naturgemäß um so stärker dann in Erscheinung treten, wenn es sich um eine Veranstaltung handelt, die ein umfassendes Gebiet ausstellungsmäßig behandelt. In dieser Beziehung kommt der großen Ausstellung „Wille und Tat" in Wiesbaden besondere Bedeutung zu. Angesichts der Vielseitigkeit, die das gesamte Gebiet in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht bietet, dürfte vor allem die große Mannigfaltigkeit überraschen. An dieser Stelle seien einige Einzelausschnitte herausgegriffen. Da ist z. B. die Stadt Mainz, bekannt als Gutenbergstadt. Sinn und Zweck der Mainzer Ausstellung ist naheliegend: die besondere Herausstellung der anerkannten Leistung und schöpferischen Tättgkeit Gutenbergs auf dem Gebiete deutschen Druckschaffens. So wird zur Illustration des Werdeganges deutscher Druck- und Buchkunst eine hölzerne Zeitungspresse aus dem Jahre 1722 praktisch in Betrieb vorgeführt. Weiterhin sieht der Besucher hochinteressante Drucke der „Mainzer Presse" und der Gutenberggesellschaft. Der Rheingaukreis zeigt in erschöpfender und instruktiver Weise die wirtschaftliche Bedeutung des Weinbaues für den Rheingau und die seit 1933 geleistete Aufbauarbeit. Obst und Früchte, sowie die bekannten übrigen Erzeugnisse des Rheingaues werden den Besuchern die beachtlichen Arbeitsleistungen der Rheingauer Bevölkerung nahebringen. Die Stadt Wetzlar als Goethe-Stadt bringt DriginaTbriefe, Silhouetten und Drucke aus der Zett Goethes in Wetzlar und ruft so manche Erinnerung an Goethes Aufenthalt wach. Und so ließen sich noch eine Unmenge Dinge aus der Reichhaltigkeit des vorliegenden Stoffes mitteilen. Immerhin ist schon an diesen Teilausscynitten die hohe Sendung der Ausstellung „Wille und Tat" erkennbar, Mittler und Vermittler und zugleich Propagandist deutschen Kulturgutes zu sein. ihren Familienangehörigen erschienen. Der zweite Kameradschaftsführer begrüßte die Teilnehmer, wies in kurzen Worten auf den Ernst der Zeit hin, forderte die Kameraden auf, echte Frontkameradschaft zu pflegen und dem Führer unwandelbar zu vertrauen, denn bei ihm liege das Geschick Deutschlands in guten Händen. Im Verlauf der Veranstaltung trug die Kapelle Krengel mit guter Musik zu Unterhaltung bei. Die Kinder wurden mit Brezeln bedacht. Eifrig wurde — auch von den älteren Kameraden — getanzt und überall sah man zufriedene und frohe Gesichter. Erst zu später Stunde machte man sich auf den Heimweg. ** Unfall. Gestern gegen 17.30 Uhr ereignete sich an der Ecke Mühlstraße-Horst-Wessel-Wall ein Unfall, bei dem leider ein zweijähriger Junge zu Schaden kam. Die Großmutter des Kindes wollte mit dem Knaben, der im Kinderwagen saß, die Straße vom Spielplatz her überqueren, als im gleichen Augenblick ein Motorradfahrer herankam, gegen den Kinderwagen stieß und ihn mitsamt dem Kinde ein Stück mitschleifte. Dabei erlitt das Kind eine erhebliche Kopfwunde. Nach erster Hilfeleistung durch Passanten wurde das Kind nach Hause, von dort aus durch die Sanitätsbereitschaft vom Deutschen Roten Kreuz in die Klinik gebracht. VezirksfOöffengen'cht Gießen. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit wurde gegen K. D. in Wölfersheim wegen Verführung eines unbescholtenen Mädchens unter 16 Jahren verhandelt. Der Angeklagte wurde zu einer Gefängnisstrafe von einem Monat verurteilt. Der H. Sch. in Lauterbach, einschlägig vorbestraft, war wiederum des Betrugs beschuldigt. Am 28. November 1938 hatte er bei einem Elektrohändler in L. ein Telefunken-Rundfunkgerät zum Preis von 35 RM. unter Eigentumsvorbehalt gekauft und eine Anzahlung von 5 RM. geleistet. Obwohl er keine weiteren Zahlungen leistete, hatte er das Gerät in ein Autobahnlager mitgenommen und dort darüber verfügt. In der gestrigen Hauptverhandlung war der Angeklagte trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen. Auf Antrag des Anklagevertreters wurde gegen den Angeklagten die Untersuchungshaft angeordnet. Gegen den R. Sch. in Massenheim war am 11. April wegen Urkundenfälschung und Betrugs verhandelt worden. Die Verhandlung wurde damals zwecks Aufklärung der Sache ausgefetzt. Zu der gestrigen Hauptverhandlung war der Angeklagte trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen. Auf Antrag des Anklagevertreters wurde neuer Termin auf den 5. September bestimmt und die Dorführunib des Angeklagten zu diesem Termin angeordnet. ” Große Strafkammer Gießen. Der A. Sch. aus Somborn bei Gelnhausen, Zeit in Strafhaft, mehrfach und einschlägig vorbe. straft, hatte sich wegen Diebstahl, Unterschlagung Untreue, Betrug und schwerer Urkundenfälschung zu verantworten. Der Angeklagte befand sich J Winterhalbjahr 1936/37 im Arbeitsdienstlager Bo, benhausen II. Anfang September 1936 hat er unbe, fugt 7,10 RM. in Form eines Schecks kassiert uni für sich verbraucht. In derselben Zeit erschien tt bei einem Metzgermeister in Friedberg und otr, schasste sich unter dem Vorwand, eine Revision Versicherungspapiere vornehmen zu müssen, Betrag von 6,— RM., den der Metzgermeister an. geblich zu wenig bezahlt habe. Um die gleiche hat er in Gedern durch Vorspiegelung falscher Tat. fachen auf Kredit im Werte von 54,— RM. kauft, aber nicht bezahlt. Während seiner Dienst, zeit im Arbeitsdienstlager hatte er die Kantine $ versehen, und in dieser Zeit t)at er Wareneingän« von rund 130,— RM nicht verbucht und die Rech, nungen beiseite geschafft. Die Waren hat er aut eigene Rechnung weiterverkauft und den Erlös für sich verbraucht. Anfang Dezember 1936 erhielt er von einem Kameraden 2,75 RM. zum An. kauf eines Spiegels, den dieser aber nicht bt. kam. Ende Dezember 1936 brachte er auf ähnliche Weise einen Kameraden um 3,50 Reichsmatt Jrn Dezember 1936 erschien der Angeklagte bei einer Frau in Wohnfeld, kaufte dort zehn Käscher Wein, die er nach Rückkunft zu zahlen Derfpradj (Schaden 15 RM.). Im Januar 1937 versuchte er, 2000 Stück Zigaretten von einem Händler auf Kredit zu bekommen. Dieser lehnte ab; darauf hat er die Zigaretten durch Vermittlung eines Dritten erhalten (Schaden 68 RM.). Im Juli 1937 logierte er in Groß-Eichen in einer Wirtschaft und blieb dort von Sonntag bis Freitag. Obgleich er wußte, daß er nicht bezahlen konnte, gab er sich al- wohlhabend aus, zog ein Scheckbuch hervor unb prahlte, daß er noch 500 RM. auf seinem Konto habe, fuhr dann heimlich ab und ließ sich nicht ptefjr sehen (Schaden 140 RM ). Der Tochter bes Wirtes entwendete er eine Armbanduhr und einem anderen eine Motorbrille und eine weiße Mütze. Bei einem Optiker erschwindelte er sich eine Griffe im Werte von 23 RM., indem er einen Scheck au.-- stellte, obwohl er wußte, daß keine Deckung M« Händen war. Während der Verhandlung würben verschiedene Anklagepunkte zur besonderen Ad. urteilung abgetrennt, da sie inzwischen weiter auf. geklärt werden müssen. Der Angeklagte war zu verschiedenen Anklagepunkten geständig; im übrigen bestritt er die Schuld. Der Anklagevertreter beantragte eine Gesamtzucht. Hausstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten, fünf Jahre Verlust der Ehrenrechte und Sicherungsver- Währung. Der Verteidiger beantragte in einigen Fällen Freisprechung, im übrigen eine erheblich nicb- rigere Gefängnisstrafe. Der Angeklagte wurde des Betruges in vier Fällen, der Unterschlagung in zwei Fällen sowie der Diebstahls schuldig erkannt und unter Freisprechung im übrigen zu einer Gesamtgefängnis- ft r a f e von einem Jahr und zwei Mo- naten verurteilt. Dem Angeklagten wurde auf die Dauer von fünf Jahren die Ausübung des Berufs als Reifender und Vertreter untersagt. In der Urteilsbegründung wurde der Angeklagte darauf hingewiefen, daß er im Wiederholungsfälle mit Zuchthausstrafe und Sicherungsverwahrung zu rechnen habe. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) $p. in 3t. Bei der gegebenen Sachlage ist der Pächter nicht berechtigt, auch bei Fortzahlung des Pachtzinses den Geschäftsbetrieb einfach einzustellen. Er hostet Ihnen für jeden durch die unberechtigten Einstellungen des Geschäftsbetriebes erwachsenen und noch erwachsenden Schaden. Es dürste sich empfehlen, den Pächter unter Fristsetzung und An- drohung der Schadensersatzansprüche zur Wiedereröffnung des Geschäftsbetriebes aufzufordern. Sprechstunden Der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach- mittag geschloffen Das scheidet aus. Ein normaler Mensch sägt den Ast nicht ab, auf dem er sitzt!" fährt er erregt fort. „Verlaß dich außerdem auf meine Nase, Hellmers ist ein fanatischer Erfinder, aber kein Mensch, der für solche Dinge in Frage kommt." „Abwarten!" will Linkerton in seinem berufsmäßigen Mißtrauen gerade sagen, da unterbricht ihn das Telephon. Aergerlich nimmt er den Hörer auf. „Wer ist da? Perkins? Sir John Perkins? Sind Sie wahnsinnig? Der Mann ist gestern begraben worden! Ach so, sein Bruder. Moment... er kann kommen!" Bedeutungsvoll sieht Linkerton seinen Kameraden an. „Ein Mann namens William Perkins. Was hat der hier verloren?" Pembroke zuckt die Achseln. „Weiß ich's? Vielleicht will er auch sagen, daß sein Bruder ermordet wurde!" spottet er. „Vielleicht hat ihm die Rede des Pfarrers beim Begräbnis nicht gefallen. Scheint ein richtiger alter Schwätzer zu sein, der Bruder aus Schweden. Auf jeden Fall bin ich gespannt, was er hier will. Wahrscheinlich der nächtliche Einbruch ohne Erfolg. Hast doch nichts dagegen, wenn ich protokolliere?" „Meinetwegen." Ein Druck auf den Knopf. In der Tür steht William Perkins, das müde, stets ein wenig melancholische Gesicht den beiden Herren zugewendet, aber tadellos in einem Gehrock von dezentem Dunkelgrau gekleidet. Er geht auf den Stuhl zu, setzt sich, ohne dazu aufgefordert zu sein, zeigt in seinem ganzen Gebaren, daß er gewohnt ist, nur auf sich Rücksicht zu nehmen. Linkerton grinst zwar ein wenig, aber er hat Sinn für Humor und läßt den alten Herrn gewähren. Eine Weile ist es ganz still im Zimmer. William Perkins putzt emsig seine Brille, die von der Wärme des Zimmers beschlagen ist. Und erst dann, als er mit diesem umständlichen langwierigen Verfahren zu Ende ist, sieht er den geduldig wartenden Beamten an. „Sie heißen doch Linkerton, nicht wahr?" „Seit meiner Geburt. Das stimmt." „Hm. Ich habe gehört, daß Sie einige Fälle sehr erfolgreich bearbeitet hätten. Die Polizei soll sehr tüchtig sein in England." „Wir freuen uns, wenn man das in Schweden von uns denkt. Und der Einbruch in der Villa des Herrn Perkins wird bereits untersucht. Aber Sie sind doch nicht gekommen, um uns das zu sagen?" William Perkins wirst ihm einen Blick zu, der vieldeutig ist. Dann holt er aus seinem Rock die Brieftasche hervor, eine ungewöhnlich kostbare braune Tasche, und kramt eine schmale Besuchskarte heraus. „Bitte!" ächzt er und wirft sie dem Inspektor auf den Schreibtisch. Der nimmt sie vorsichtig auf, betrachtet sie kopfschüttelnd und sieht dann seinen Besucher fragend an. „Drei schwarze Sterne? Ist das ein Vereins ab - zeichen?" „Die Rückseite!" stöhnt Perkins und fährt sich mit dem Taschentuch über die Stirn. Doller Erstaunen lieft Linkerton da drei Worte, sonst nichts. Drei Worte, mit der Schreibmaschine getippt: „Im ... nächsten ... Monat!" „Ja, was soll denn das bedeuten?" fragt er kopfschüttelnd. „Das soll heißen, daß ich der nächste bin. Im Laufe des nächsten Monats komme ich dran." „Wollen Sie damit etwa sagen, daß .. „Jawohl, das will ich sagen. Hier ist die gleiche Besuchskarte, die wir im Schreibtisch meines armen Bruders heute morgen fanden. Wenn Sie sich überzeugen wollen ...I Drei schwarze Sterne auf der Vorderseite ... auf der Rückseite die Ankündigung: „Am nächsten Wochenende!" Mein Bruder verunglückte sehr pünktlich. Ich habe nicht Lust, daß es mir genau so geht. Darum bin ich hier!" Mit einem Ruck ist Linkerton aufgesprungen. „Wollen Sie etwa damit sagen, daß Ihr Herr Bruder ermordet wurde?" „Das will ich. Und wenn es Ihre Zeit erlaubt, würde ich Sie bitten, sich ein wenig darum zu kümmern. Ich bin zwar ein alter Mann, aber Sie werden zugeben, daß auch alte Leute sich nicht gern umbringen lassen. Ich ... ich habe nämlich Angst, Herr Inspektor." 11. Hier stimmt etwas nicht! Holgerson ist da. Wider Erwarten bereits zwä Tage nach seiner so eiligen Abreise. Auf die erstaunte Frage seiner Frau gibt er an, daß feine Probenarbeit noch nicht in vollem Gange sei. „Außerdem, liebes Kind, möchte ich dich in diesen schwierigen Tagen nicht ohne meinen Rat lassen. fügt er mit gewinnender Herzlichkeit hinzu und leg! oen Arm um sie. „Du verstehst von geschäftlichen Dingen nicht das geringste, und so wird es wohl nötig fein, daß dir jemand in allen diesen Fragen zur Seite steht. Wer aber kann das anders sein, dein Mann, nicht wahr?" Divie ist sehr verwundert. Sie glaubt ihm dar nicht recht, was er da vorbringt. . . Aber Asbjörn ist so bestrickend liebenswürdig oaB sie nicht zögert, ihm Vollmacht zu erteilen. ?.{ wie so oft, sie steht ihm hilflos gegenüber. ’l. das so zuwider, was nun noch alles kommen ®,r0- Testamentseröffnung, Erbschaftsregelung, 0«®on’ gelegenhetten. Das Werk, Vaters Werk, hü r bange gemacht. Sie fürchtet sich davor, j^01 in diesem Riesenbetrieb irgendeine Verantwortung 3U tragen. In dieser Zaghaftigkeit unterstützt Asbjörn Holgerson immer wieder. w „Du bist eine Frau, eine kleine zarte Frau, Di es nicht anders kennt, als daß man sie liebt un verwöhnt. Du bist empfindsam, kannst es nuy vertragen, daß jemand eine Fliege in deine Gegenwart tötet ... wie willst du dich Obligationen, Tantiemen, Bilanzen, Patenten un was es derlei noch alles gibt, zurechtfinden. 1 wärest jedem ausgeliefert, der dich zu bereden ve steht. Nein, Kind, für diese Dinge bin ich °|; Und verlaß dich auf mich, ich werde dir hü!^' Sie atmet wirklich heimlich auf, als in feine Hände gelegt hat, und ist ihrem Man dankbar, freut sich seiner Teilnahme. Sie abnt ja nicht, daß noch in der gleichen Stunde ein $a abgeht, in dem einem gewissen Mr. Blumberg o Mitteilung gemacht wird, alles gehe program gemäß und nach Wunsch. -u Holgerson sieht wieder blauen Himmel, izr = beste Laune, ist sogar zu seiner Schwägerin bestrickender Liebenswürdigkeit. (Fortsetzung folgt) SJ.4port Internationale Sechstagefahrt für Motorräder. Das wesentliche der zweiten Etappe der Internationalen Motorrad-Sechstagefahrt am Dienstag war daß es im Kampf um die Internationale Trophäe die ersten Strafpunkte gab. Der Italiener Macchi, der als Ersatzmann für Serafini fährt, erhielt wegen verspäteten Eintreffens am Ziel zwei Strafpunkte. Deutschland und England dagegen bewältigten die 373 Kilometer lange Strecke durch das Salzkammergut einwandfrei. Zugleich wurde Ungarns ^-Mannschaft für die Silbervase durch das Ausscheiden des Delocette-Fahrers Tiffens gesprengt. Im übrigen wurde auf dieser Tagesschleife das Feld noch weiter gelichtet. Maschinenschaden und Sturze räumten gehörig auf; 22 Fahrer schieden aus. Kurze Sportnotizen. MaxSchmeling wird für seinen Kampf gegen Walter Neusel am 1. Oktober in der Dortmunder Kampfbahn „Rote Erde" ab 2. ober 3. September in der Gelsenkirchener Ausstellungshalle trainieren. * D i e Schien derhaner Stute Schwarz- 9°lb gewann mit großer Ueberlegenheit am zweiten Tage der Internationalen Rennwoche in Baden- Baden das ^ukunftsrennen über 1200 Meter, die klassische Prüfung der Zweijährigen. Die Italienerin Coronary kam auf den zweiten Platz vor der Zop- penbroicher Stute Newa. Der Franzose Syrinx wurde nur Fünfter. * Fast 6 0 0 km/st erreichte der englische Automobil- Rennfahrer John Cobb bei Rekordfahrten mit seinem Napier-Railton-Ueberrennwagen auf dem Großen Salzsee in Utah (USA.). Bei dem Versuch, den absoluten Geschwindigkeitsweltrekord seines Landsmannes Eyston zu brechen, erreichte Cobb auf der Hinfahrt 549,2 km/st. Dann aber versagten die Motoren, und Cobb mußte auf die Rückfahrt verzichten. Studenten-Welispiele in Wien Vie Ungarin Horvath siegt im Florettfechten. Auch am Dienstag, dem dritten Tag der Studen- ten-Weltspiele in Wien, herrschte auf allen Wettkampfplätzen Hochbetrieb. In der Messehalle fiel bereits am Vormittag die Entscheidung im Frauen- Florettfechten. Die Ungarin Horvath zeigte sich allen Mitbewerberinnen klar überlegen und schlug im Kampf um den ersten Platz die Deutsche Meyer mit 4:0. Der Endstand lautet wie folgt: Frauen - Florettfechten: 1. Horvath (Ungarn), 4 Siege, 16 erh. Tr.; 2. Meyer (Deutschland), 3 Siege; 3. Kraus (Deutschland), 2 ©iege; 4 Zäckel (Deutschland), 1 Sieg; 5. Tamowa (Bulgarien) 0 Siege. Beim Florett-Cinzelsechten der Studenten nahmen je drei Vertreter Deutschlands, Italiens, Ungarns und Finnlands den Kamps auf zwei Bahnen auf. In der Gruppe 1 setzte sich der Ungar Palocz ungeschlagen an die Spitze vor seinem Landsmann Berszenyi, während in der zweiten Gruppe der Italiener Nostini vor v. Friedenfeld (Deutschland) auf den ersten Platz kam. Ausgeschieden sind sämtliche Finnen und der Wiener Vetters, so daß in der Ent- scheidung neben drei Italienern und drei Ungarn nur zwei Deutsche stehen, und zwar neben o. Friedenfeld noch Dr. Knies. Spannende Tenniskämpfe. Auf den Weiß-Rot-Weiß-Plätzen wurden die Tenniskämpfe fortgesetzt. Im Stuoentinnen-Einzel erreichten Frl. Kröhling (Deutschland) und die Ungarin S z i l v a s s y die Schlußrunde. Im ©tu- denten-Doppel sind die Italiener Canepele - della Vida bereits bis zur Endrunde vorgestoßen. Deutsche Siege im Schwimmen. Im Schwimm-Stadion fielen die ersten Entscheidungen. Die Berlinerin Ursula Pollack sicherte sich die Weltmeisterschaft über 200 Meter Brust und Gerda Daumerlang (Nürnberg) siegte im Kunstspringen. Einen ungarischen Sieg gab es im 100-Meter Kraulschwimmen der Studenten, wo Abai-Nemes mit 1:01,5 Minuten einen Handschlag-Sieg über Schröder (Deutschland) davontrug. Einen dreifachen deutschen Sieg gab es im Kunstspringen der Männer. Walter siegte mit 144,3 Punkten vor Aderholt und May. Italien im Wasserball erfolgreich. Im Wasserballkampf wurde die deutsche Stu- denten-Sieben von Italien knapp mit 4:3 (0:1) geschlagen. Anfänglich sah es keineswegs nach einem Siege der Italiener aus. Strauß hatte bis zur Pause einen Treffer vorgelegt. Dann aber drehten die Italiener auf und schossen in kurzer Zeit vier Treffer, denen die Deutschen trotz aller Bemühungen bis zum Ende nur noch zwei weitere Tore von Strauß und Meiner entgegenzustellen hatten. Nachlese zum Vundessest in Gründers. Auszug aus der Siegerliste. — Die Kämpfe der Schützen. Im Nachstehenden bringen wir einen kurzen Auszug aus den umfangreichen Siegerlisten des Bundesfestes. In diesem Zusammenhang bedarf es der besonderen Erwähnung, daß sich der Berechnungsausschuß, der die Ergebnisse feststellte, restlos einsetzte und in uneigennütziger Arbeit Stunde um Stunde des vergangenen Sonntags im geschlossenen Raum verbrachte, um die Ergebnisse zu ermitteln. Den Kameraden im Reichsbund, die diese Arbeit auf sich nahmen und denen dadurch nur ein Teil des festlichen Miterlebens beschieden mar, gebührt der Dank aller am Fest Beteiligten. Pünktlich zur Siegerehrung lagen die Listen vor. Mehrkämpfe. Zwölfkampf der Männer, Unter» stufe (70 Teilnehmer, 62 Sieger): 1. Herb. Fischer, Tv. Großen-Linden, 226,5 P.; 2. Walter Schäfer, Tv. Leihgestern, 212,5 P.; 3. Alfred Kraft, Tv. Krofdorf, 209 P.; 4. Kurt Wagner, To. Lang-Göns, 205 P.; 5. Walter Schaum, Tv. Leihgestern, 204 P.; 6. Rudi Velten, To. Wieseck, 202,5 P.; 7. Wilh. Kraft, Tv. Alsfeld, 200 P.; 7. Otto Peter, Tv. Troß-Eichen, 200 P.; 8. Albert Knobel, Tv. Alsfeld, 198 P.; 9. Alfred Henning, To. Heuchelheim, Hermann Speier, Tusp. Odenhausen, je 197 P.; 10. Werner Kreiling, Tv. Heuchelheim, 196,5 P.; 11. Adolf Henkel, Tusp. Odenhausen, 196 P. Gemischter Zwölfkampf der Mittelstufe (20 Teilnehmer, 18 Sieger): 2. Kurt Lepper, To. Wieseck, 199,5 P.; 5. Karl Bücking, To. Alsfeld, 191,5 P.; 6. Otto Bender, Tuspo Rodheim, 189 P.; 7. Willi Engelhardt, To. Heuchelheim, 186,5 P.; 8- Willi Jäger, To. Wieseck, 181 P.; 9. Waldemar Grote, VfL. Lollar, und Hermann Gutbub, To. 1846 Gießen, je 180,5 P.; 10. Wilhelm Schneider, Tuspo Odenhausen, 177 Punkte. Dreifampf der Spielerklasse (369 Teilnehmer, 284 Sieger): 1. Erwiy Best, Tv. 1893 Ewersbach, 63 Punkte; 2. Herbert Deinert, Tv. 1843 Dillenburg, Unteroff. Strack (1./J.-R. 116), Mtv. Gießen, Erich Hochstein, Sportgemeinde Großen-Büseck, je 62 P.; 3. Artur Schmidt, VfB.-Reichsdahn, 58 P.; 4. Heinrich Sitt- ner, Tv. Grünberg, Erwin Pfaff, Teutonia Watzenborn-Steinberg je 57 P.; 5. Fritz Walther, Tv. „Gut Heil" Beuern Paul Broskoo, Luftwaffen- sportoerein Gießen, Adolf Klinket, VfL. Lollar (7./J.- R. 116), je 56 P.; 6. Ernst Hasselbach, Tv. Londorf, Hugo Schreiner, Turnvereinig. Ruttershausen, Otto Brück, Sportgemeinde Großen-Buseck, je 55 P.; 7. Heinrich Harbach, Sportgemeinde Großen-Buseck, Walter Kaps, VfB. Aßlar, je 54 P.; 8. Georg Scharf, Turngemeinde Laubach, Hans Deuker, Sportgemeinde Steinbach, Willi Dietz, Tv. Großen- Linden, Otto Rau, Mtv. Gießen, je 53 P.; 9. Werner Herbert, Sportgemeinde Steinbach, Hugo Jäger, -SA.-Kampfspielgem. Alsfeld, Michel Schmitt, FC. Teutonia Watzenborn-Steinberg, Erich Ploch, Tv. Alsfeld, je 52 P.; 10. Walter Goßmann, Tv. 1846 Herborn, SA.-Rottenfühver Gg. Kraft, SA.-Kampf- fsvielgemein. Alsfeld, Hermann PaNkok, Spvg. 1900 »Gießen je 51 P. Achtkampf der Frauen und Mädchen, Oberstufe (16 Teilnehmer, 16 Sieger): 1. Mar- firet Seim, Mtv. Gießen, 154,5 Punkte; 2. Erika Schneider, Tv. 1847 Wetzlar, 150 P.; 3. Annemarie Ziegler, To. 1846 Gießen, 138 P.; 6. Luise Weiß, Tv. 1846 Gießen, 134 P.; 7. Klara Amend, Tv. 1846 Gießen, 132 P.; 8. Anna Weinan-t, To. Großen-Linden, 131,5 P.; 11. Minna Lotz, Tv. 1862 Wieseck, 122 Punkte. Acht-Ka mpf der Frauen und Mädchen, Unter st ufe. (5 2 Teilnehmer, 46 »ieger): 1. Hildegard Keßler, Tv. Großen-Lin- Ü)en, 149 Punkte; 2. Irene Müller, To. Lang-Göns, 043,5; 3. Ottilie Stoff, Tv. Lang-Göns, 142; 4. Martha Hofmann, Tv. Heuchelheim, 138,5; 6. Christel Herbert, Tv. 1846 Gießen, 136,5; 7. Erna Hahn, Tv. Heuchelheim, 134; 8. Elisabeth Schäfer, To. 1846 Gießen, 131,5; 12. Leni Bastian, TuS. Odenhausen, 125, Liefet Faust, Tv. 1846 Gießen 125; 13. Elli Dietz, Tv. Großen-Linden, 124,5; 14. Marie Trumpfyeller, Tv. Heuchelheim, 123,5; 15. Ilse Kreck, Tv. Ewersbach, 123 Punkte. Dreikampf: Männer klasse (22 Teilnehmer, 15 Sieger): 1. Karl Stahlhut, Tv. Heuchelheim, 63 Punkte; 3. Willi Stöger, Spvg. 1900 Gießen, 54 P.; 5. Willi Munzert, VfL. Lollar, Wilh. Moos, VfL., Lollar, je 51 P.; 7. Erich Opper, Tv. 08 Reiskirchen, 44 P.; 8. Hubert Franz, SA.-Kampfspielgem. Gießen, 43 P. Dreikampf, Altersklasse 1 (41 Teilnehmer, 35 Sieger): 1. August Niemann, SA.-Kampfspielgemeinschaft Gießen, 73 P., 1 Rg.; 2. Wilhelm Leitner, Tv. Großen-Linden, 68 P., 2 Rg.; 3. Walter Zerndt, VfB.-R. Gießen, 59 P., 3 Rg.; Fritz Weitershaus, Tv. Großen-Linden, 59 P., 3 Rg.; Otto Dietz, VfL. Lollar, 59 P. 3 Rg.; 4. Heinrich Mattern, Postsportoerein Gießen, 57 P., 4 Rg.; 5. Wilh. Weißmantel, Pqlizeisportverein Gießen, 54 P., 5 Rg.; 6. Phil. Weller, Tv. Heuchelheim, 52 P., 6 Rg.; Karl Rühl, Sportverein Großen-Buseck, 52 P., 6 Rg.; 8. Karl Größer, Sportgemeinde Steinbach, 49 P., 8 Rg.; 9. Ludwig Ohle- motz, Tv. 1912 Kesselbach, Otto Pfeiff, To. Londorf, Phil. Launspach, Tv. 1908 Reiskirchen, je 48 P., 9 Rg.; 10. Sari Volz. T°. 1860 Lich, 47 P., 10 Rg.; Otto Leidich, Tv. Grüningen, 47 P., 10 Rg. Dreikampf, Altersklasse 2: 1. Karl Heß, To. Braunfels, 49 P.; 2. Hermann Rink, Polizeisportoerein Gießen, 48 P.; 3. Albert Hahn, To. Dillingen, 44 P.; 4. Rudolf Freymann. Polizei- fportoerein Gießen, und Otto Hofmann, To. Großen- Linden je 42 P.; 5. Gustav Baldauf, SA.-Kampf- spielgemeinschaft Gießen, 40 P.; 6. Wilh. Hainer, Polizei portoerein Gießen, 38 Punkte. Dreikampf HI-, Klasse A (106 Teilnehmer, 37 Sieger): 1. Willi Gilbert, Spvg. 1900 Gießen, 71 Punkte; 2. Fritz Karl Jughard, Mtv. Gießen, 59 P.- 3. Helmut Becht, Mtv. Gießen, 52 P.; 4. Kurt Enael, Spvg. 1900 Gießen, Willi Bepperling, Tvg. Ruttershausen, je 51 P.; 5. Kurt Pflüger, Mtv. Gießen, 49 P.; 6. Willi Schwarz, VsB.-R. Gießen, 47 P.; 7. Willi Bittendorf, Mtv. Gießen, 46; 8. Werner Schmidt, To. Heuchelheim, 44 P.; 9. Rudi Min- nert Verein f. K. 09 Alsfeld, 43 P.; 10. Franz Mandler, Launsbach, 42 P.; 11. Wilh. Ott, Tvg. Ruttershausen, Wilhelm Georg, V. f. Rasenspiele 1920 Lich, Artur Sack, To. Huechelheim, je 41 P. ; 12. Wilhelm Nachtigall, Tv. Londorf, 40 P. Dreikampf der HI., Klasse B (141 Teilnehmer, 97 Sieger): 2. Hans Gante, Spvg. 1900 Gissten Erwin Hermann, VfB.-R. Gießen, je 58 Punkte; 3 Hans Demper, Spvg. 1900 Gießen, Richard Döring, To. Reiskirchen, je 56 P.; 4. Reinhold Wehrum, ©porigem. Großen-Buseck, 55 P.; 5. Georg Schmidt, VfL Lollar, Werner Happel, Tv. Großen-Linden, Paul Wagner, ©porigem. Großen-Buseck, Heinrich Knapp Tv. 1889, Klein-Linden, Otto Rinn, Tv. Heuchelheim Ewald Mank, Tvg. Ruttershausen, je 54 P.; 6. Karl Säubert, VfL. Lollar, 53 P.; 7. Otto Schmidt, VfL Göbelnrod, Karl Leicht, Tv. Bieber, je 52 P.; 8. Hasso Wolf, Spvg. 1900 Gießen, Walter Volkmann, Tv. Heuchelheim, je 51 P.; 9. Reinhard Mohn, Tv. Grüningen, Reinhard Weber, Tv. Bieber, je °Oftr auen: Dreikampf (allgemeine und Al t e r s k l a s s e, 12 Teilnehmer, 7 Sieger) 1. Erika Martin, Mtv. Gießen, 52 Punkte; 2. Lotti Diehl, VfB.-R. Gießen, 51 P.; 4. Elfriede Schmidt, VfB.-R. Gießen, 36 P.; Elfriede Pausch, VfB.-R. Gießen, 27 P.; 6. Hilde Schienbein, Tv. 1864, Hausen, 26 P. Dreikampf. BDM.-Klasse A (32 Teilnehmer, 2 0 Sieger): 1. Hedwig Clarius, Mtv. Gießen, Helga Allmendinger, To. Grünberg, Lotte Keßler, Mtv. Gießen, je 56 Punkte; 2. Emmi Rein- städiler, Tv. Heuchelheim, Else Ludwig, DfB.- Reichsdahn Gießen, je 54 P.; 3. Emilie Jung, Tv. Holzheim, Gudrun Weber, DfB.-Reichsbahn Gießen, je 48 P.; Lotte Burkhard, Spvg. 1900 Gießen 45 P.; 5. Toni Koch, ©porigem. Großen-Buseck, 44 P.; 6. Erna Repp, DfB.-Reichsbahn Gießen, Gerda Volkmann, Tv. Heuchelheim, Marie Rühl, Sport- gemeinde Großen-Buseck, je 43 P. Dreikampf BDM.-Klasse B: (3 4 Teil - nehmer, 29 Sieger): 1. Hermine Buß, Mio. Gießen, 62 Punkte; 2. Gertrud Hörder, Tv. 1889 Klein-Linden, 61 P.; 3. Irmhild Schmidt, Mio. Gießen, 60 P.; 4. Emmi Kröck, To. Heuchelheim 59 P.; 6. Marie Klein, Tv. 1889 Klein-Linden, 48 P.; 7. Anni Großhaus, ©porigem. Großen- Buseck, 47 P.; 8. Anni Deibel, Tv. 1862 Wieseck, 45 P.; 9. Nettchen Benner, Tv. 1846 Gießen, 44 P.; 10. Hilde Christ, To. Grünberg, Emmi Fay, Tv. Grüningen, je 43 Punkte. Jugend-Ringen. Federgewicht (Jugend): 1. Gustav Braun, Alsfeld; 2. Heinz Kraft, Alsfeld; 3. Heinrich Kurz, Alsfeld. Jugend: Bantamgewicht): 1. Fritz Dern, Gießen; 2. Hans Maul, Alsfeld; 3. Karl Kurtz, Alsfeld. Jugend: Schwergewicht: 1. Kurt Nuß, Alsfeld; 2. Rudi Minnert, Alsfeld. Jugend-Gewichtheben. Bantam: 1. Fritz Dern, Gießen, 290 Pfund; 2. Karl Jäger, Alsfeld, 210 Pfund; 3. Karl Kurtz, Alsfeld, 200 Pfund. Federgewicht: 1. Gustav Braun, Alsfeld, 340 Pfund; 2. Karl Wagner, Alsfeld, 290 Pfund; 3. Heinrich Kurz, 275 Pfund. Schwergewicht: 1. Kurt Nuß, Alsfeld, 440 Pfund; 2. Rudi Minnert, Alsfeld, 400 Pfund. Ringen. Aktive Klasse. Bantamgewicht: 1. Karl Wagner, Alsfeld; 2. Karl Dörr, Alsfeld. Leichtgewicht: 1. Heinrich Schomber, 2. Willi Schott, 3. Heinrich Schott, sämtlich Alsfeld. Mittelgewicht: 1. Karl Steinbach, Alsfeld; 2. Adolf Klotz, Gießen; 3. Robert Becker, Gießen. Schwergewicht: 1. Willi Fischer, Alsfeld; 2. Karl Albert, Alsfeld. Gewichtheben (olympischer Dreikamps): Bantam: 1. Karl Dörr, Alsfeld, 305 Pfund. Federgewicht: 1. Heinrich Schott, Alsfeld, 455 Pfund; 2. Willi Schott, Alsfeld, 430 Pfund; 3. Fritz Funk, Gießen, 425 Pfund. Mittelgewicht: 1. Paul Lausch, Alsfeld, 490 Pfund; 2. Walter Kröck, Gießen. 440 Pfund; 3. Hermann Rausch, Gießen, und L. Wagenpfeil, Gießen, je 410 Pfund. Halbschwergewicht: 1. Willi Bellos, Gießer, 530 Pfund. Schwergewicht: Willi Fischer, Alsfeld. 410 Pfund. Schwimmwettkämpfe. Kunstspringen der Männer: 1. Hermann Baumgartner, Tv. Wetzlar, 58,46 Punkte; 2. Kurt Schulz, Tv. Nidda, 43,63 P.; 3. Heinz Kleinke, Gießener Schwimmverein, 42,98 P. Kunstspringen für Frauen: 1. Elisabeth Plank, Gießener Schwimmoerein, 30,37 P. 10 0 - Meter - -Brustschwimmen, Kl. 3 für Männer: 1. Emil Hübner, Do. Wetzlar, 1:31,2 Min.; 2. Hermann Baumgartner, Tv. Wetzlar, 1:35,2 Min.; 3. Ferd. Götz, Gießener Schwimm- verein, 1:36,8 Min. 10 0-Meter-Kraulschwimmen: Kl. 2: 1. Karl Heinz Hofmann, Gießener Schwimmoerein, 1:11,6 Min.; 2. Gg. Herbert, Gießener Schwimmverein, 1,16 Min. 100-Meter-Kraulschwimmen, Kl. 3: 1. Hans Breitbach, Tv. Wetzlar, 1,23 Min.; 2. Wilh. Allrnenröder, Tv. Wetzlar, 1,24 Min.; 3. Ernst Schomber, Gießener Schwimmoerein, 1:27,1 Min. 50 - Meter - Brustschwimmen für Frauen (Vereine ohne Winterbad): 1. Inge Biedermann, Tv. Alsfeld, 48 Sek.; 2. Marlies Kehr, Tv. Alsfeld, 52 Sek. 50-Meter-Bru st schwimmen für Männer (Vereine ohne Winterbad): 1. Kurt Wenzel, Tv. Grünberg, 43 Sek.; 2. Willi Büttel, To. Grünberg, 45 Sek.; 3. Heinrich Fuchs, To. Staufenberg, 54 Sek. 50-Meter-Bru st schwimmen für Altersklasse 3 2 bis 40 Jahre: 1. Fritz Becker, Tv. Wetzlar, 42,4 ©et; 2. Friedrich Fälsch, Tv. Wetzlar, 43,4 ©et 50-Meter-Bru st schwimmen für A l - tersklasse über 40 Jahre: 1. Wilhelm Burchard, Gießener Schwimmoerein, SA.-Kamps- spielgemeinschaft 116 Gießen, 46,8 ©et.; 2. Wilhelm Hühn, Tv. Alsfeld, 52 Sek. 10 0 - Meter - Brustschwimmen für Frauen: 1. Lotte Winhold, Tv. Wetzlar. 40- Meter-Streckentauchen für Männer: 1. Helmut Wolf, Tv. Grünberg, 40 Meter in 38 ©et; 2. Wilhelm Allmenröder, Tv. Wetzlar, 32 Meter in 28 ©et 3X50-Meter-Bru st st affel für Frauen (Vereine ohne Winterbad): 1. Tv. Alsfeld 2:43,9 Minuten. 3X50-Meter-Lagen st affel für Män- ne r: 1. Gießener ©chwimmverein 1:56,1 Min.; 2. Tv. Wetzlar 2,01 Min. 7X50 - Meter - Frei stiel st affel für Männer: 1. To. Wetzlar 4,17 Min.; 2. Gießener Schwimmoerein 4,28 Min. Gute Leistungen der Schützen. Von dem Kreisschützenführer Ed. Gondner (Gießen), geht uns heute nachfolgender Bericht über das Schießen gelegentlich des Bundesfestes des Kreises 8 im NSRL. zu: Durch die zahlreichen Meldungen zu diesem Schie- ßen aus den Unterteilen Dillenburg, Alsfeld, Wetz- lar und Gießen und durch den Umstand, daß nur 2 Großkaliberstände auf 100 m und 4 Kleinkaliberstände auf 50 m zur Verfügung standen, mußte mit dem Schießen bereits am Samstagmittag um 17 Uhr begonnen werden. Bei Eintritt der Dunkelheit um 20 Uhr mußte an diesem Tage das Schießen eingestellt werden. Am Sonntag früh um 7 Uhr fing das Schießen auf sämtlichen Ständen wieder an, das dann ohne Pause bis gegen 16 Uhr durchgeführt wurde. Die neu erbauten Schießstände in ©rünberg find sehr schon gelegen, weisen aber doch einige Mängel auf, die wohl auf das Schießen selbst ohne irgendwelchen Einfluß waren, die aber die flotte Abwicklung des ganzen Schießbetriebs etwas behinderten. Das Wetter war günftig. Das ganze Schießen wickelte sich ohne irgendwelchen Zwischenfall ab. Die Kriegerkameradschaft Grünberg hatte unter Führung des Kameraden A. Großhaus das Amt der aufopferungsvollen Anzeiger übernommen. Trotz sofortiger Auswertung der Scheiben nahm die Zusammenstellung der Ergebnisse bei den vielen Schützen etwas länger Zeit in Anspruch, sodaß leider das Endergebnis bei der allgemeinen Siegerehrung auf dem Festplatz nicht vorliegen konnte. Die Auszeichnungen gehen daher den einzelnen Vereinen noch besonders zu. Die Schußleistungen sind, besonders bei Großkaliber, da auf eine ungewohnte Scheibe geschossen wurde, im Durchschnitt als gut zu bezeichnen und auch die Jungschützen haben bewiesen, daß auch sie ihren „Mann stehen" und „auf der Scheibe" sind. Die Ergebnisse folgen! Wirtschaft. Verordnung über Erzeugerhöchstpreise für Kartoffeln. » Der Reichskommissar für die Preisbildung hat eine Verordnung über Erzeugerpreise für Speise- kartofseln, Futterkartoffeln und Fabrikkartoffeln im Kartoffelwirtschaftsjahr 1939/40 erlassen. Die Verordnung lehnt sich eng an die Preisregelung des vergangenen Kartoffelwirtschaftsjahres an und bringt im wesentlichen keine Veränderungen, die sich auf den Verbraucher auswirken. An dem bewährten Grundsatz der Erzeugerfestpreise wurde auch diesmal festgehalten. Neu ist im Abschnitt Futterkartoffeln, daß beim Kaufabschluß ein Abschlag vereinbart werden kann, wenn die gelieferte Ware nicht mindestens 16 v. H. Stärkegehalt aufweist. Diese Bestimmung bedeutet eine erste Maßnahme, den Qualitätsgedanken auch bei den Preisen für Futterkartoffeln zur Geltung zu bringen. Gießener Schlachtviehmarkt. Zum gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main in Gießen wurden drei Ochsen, 5 Bullen, 26 Kühe, 25 Färsen, 86 Kälber, 250 Schweine, 10 Schafe aufgetrieben. Preise: Ochsen 44 bis 44,5 Rpf., Bullen 35 bis 43,5, Kühe 10 bis 43,5, Färsen 35 bis 44,5, Kälber 40 bis 65, Schafe 10 bis 43 je Pfund Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,22 RM., bl (135 bis 149,5 kg) 1,20, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,18, c 100 bis 119,5 kg) 1,10, d—f (unter 100 kg) 1,04, gl) (fette Specksauen) 1,20, i (Altschneider) 1,18, g2 (andere Sauen) und h (Eber) 1,08 RM. Marktverlauf: Lebhaft. Kälber und Schweine zu- geteilt. Alles ausverkauft. Rhein-Mainische Börse. Mittagsbörfe sehr fest. Frankfurt a.-M., 22. August. Die Börse bot heute schon rein äußerlich ein lange nicht mehr gesehenes Bild: lebhafte Umsätze, stärkere Kundschaftsbeteiligung und zahlreiche Notierungen an den Maklertafeln. An den Aktienmärkten ergaben sich auf nahezu allen Gebieten Steigerungen von durchschnittlich 1,50 bis 3 v. H. Darüber hinaus- gehende Erhöhungen waren meist die Folge herrschenden Materialmangels, da Angebot zunächst kaum erfolgte, zumal auch die bestehenden Limite sofort erhöht wurden. Ohne daß die Kurse nennenswerte Abstriche erfuhren, wurden im Verlaufe vielfach einige Gewinnmitnahmen vorgenommen. Die Gesamthaltung blieb zuversichtlich und fest. Den stärksten Anstieg wiesen Aschaffenburger Zellstoff mit 90,40 bis 90,50 (84,50) auf, außerdem erhöhten sich u. a. Lahmeyer auf 112,75 (108), Bemberg auf 133 (129), Feldmühle Papier auf 103 (99,50), Goldschmidt auf 136 (132,50), Rheinmetall auf 121 (117,25), Demag auf 143,50 (140) und BMW. auf 135,75 (132). Don den Spitzenwerten seien IG. Farben mit 152,50 (150), AEG. mit 115,25 (112,25), Verein. Stahl mit 100,25 (97,50), Mannesmann mit 105 (103,50) und Hoesch mit 106,75 (105,25) erwähnt. Bemerkenswert fest lagen Laurahütte mit 16,25 (13,75). Das Rentengeschäft trat noch mehr in den Hintergrund, man nannte, allgemein kaum veränderte Kurse. Von Auslosungsanleihen bröckelten Reichsaltbesitz auf 132,20 (132,25) ab, während Mannheimer Altbesitz auf 134,75 (134,25) und Dekosama I auf 137 (136,90) anzogen, Ueberroiegenb 0,25 bis 0,50 v. H. befestigt waren Industrie-Obligationen, aber 5 v. H. Gelsen-Benzin 98 (98,50). Stadtanleihen und Pfandbriefe unverändert, einzelne Liquidationswerte etwas fester. Im Freioer- kehr stiegen Kommunal-Umschuldung auf 93,13 (93), im Telefönoerkehr ermäßigten sich Steuergutscheine I von 99,10 auf 98,95. Abendbörse weiter fest. An der Abendbörse setzten -sich Käufe der Kundschaft fort, so daß die Aktienkurse, wenn auch nicht so heftig, so doch weiterhin um durchschnittlich 0,50 bis 1 v. H. anstiegen. Das Geschäft war in einzelnen Papieren recht lebhaft und überhaupt größer als in der letzten Zeit. Zu unveränderten Kursen wurden IG. Farben mit 153,50, Adlerwerke mit 98,50, Bemberg mit 133 umgesetzt. Don Montanwerken gewannen Verein. Stahl und Buderus je 0,25 v. H. auf 100,50 bzw. 98,50, erneut rege waren Laurahütte mit 17,75 (17,50). Holzmann zogen 1,25 v. H. an auf 155,25, Conti Gummi 1 v. H. auf 224, DDM. 1 v. H. auf 173, Westdeutsche Kaufhof 0,75 v. H. auf 99,25, Scheideanstalt 0,50 d. H. auf 206,50, ferner u. a. AEG. 115,50 (115,25), BMW. 136 (135,75), Licht und Kraft 131,75 (131,50), Metallgesellschaft 112,25 - (112), Rheinmetall 121,25 (121). Daimler mit 121 bröckelten 0,50 v. H. und Lahmeyer mit 112 um 0,75 v. H. ab. Am Rentenmarkt stellten sich 6 v. H. IG. Farben auf 120,40 (120), Reichsaltbesitz auf 132,25 (132,20) und Reichsbahn-VA. auf unverändert 122,65. Steuergutscheine I gingen mit 98,95 um. frankfurter Sdhladjfüiebmarft. Frankfurt a. M., 22. Aug. Austrieb: Kälber 810 (gegen 850 am 15.8.), Hämmel und Schafe 81 (158), Schweine 3278 (3367). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Kälber a) 62 bis 65 (62 bis 65), b) 55 bis 59 (55 bis 59), c) 45 bis L0 (45 bis 50), d) 32 bis 40 (35 bis 40). Hämmel al) 49 bis 50 (—), bl) 46 bis 48 (46 bis 50), b2) 44 bis 45 (44). Schafe a) 40 bis 42 (40 bis 42), b) 36 bis 39 (35 bis 39), c) 20 bis 32 (24 bis 32). Schweine a) 62 (62), bl) 61 (61), b2) 60 (60), c) 56 (56), d) 53 (53), Sauen gl) 61 (61). Marktverkauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafs flott. Aus der Welt des Films. Filmpapa in Sedrängnis. Der beste Titel mutz es sein! Was ist ein Name? Was uns Rose heißt, wie es auch hieße, würde lieblich duften. Shakespeare, „Romeo und Julia". „Wie soll unser Kind heißen?" Welche Eltern wissen nicht um das vielfache Hin und Her dieser Frage? Welche Bedrängnis gor oft, bis ein paffender Name für das neugeborene Kind gefunden ist! In derselben Lage befindet sich der „Filmpapa", der für seinen Film einen Titel sucht. Denn auch das Kind der Filmproduktion muß einen passenden — und--zugkräftigen Namen haben. Und so sitzen die für die Titelgebung verantwortlichen Männer ebenfalls oft in arger Bedrängnis beisammen. Wohl weiß dieser oder jener von ihnen einen guten Titel. Aber das nützt nichts: es muß der b e st e Tj t e l gefunden werden. Nur zu oft hängt das Schicksal eines Filmes von dem Titel ab! Ist es wirklich so wichtig, wie ein Film heißt? Kommt es nicht vielmehr auf die Güte des Films an? Sagt nicht auch Goeche: „Name ist Schall und Rauch"? Und duftet nicht die Rose lieblich, gleichviel welchen Namen sie trägt? Warum also Bedrängnis um einen Filmtitel? Wohlan! Numerieren wir fortab alle Filme. Die Ankündigung würde alsdann lauten: „Morgen Uraufführung 76 438". Hand aufs Herz! Würde es Sie locken, sich den Film Nr. 76 438 anzusehen? Nein! Em Titel muß sein. Und er muß zudem einprägsam und schlagkräftig sein. Er muß etwas von dem Inhalt erraten und ahnen lassen. Und es muß auch in dem Titel bereits etwas von der Stimmung mitschwingen, die die Eigenart des Films ausmacht. Wenn wir zum Beispiel von dem Film „Sensationsprozeß Casilla" hören, dann sind wir schon gespannt. Wer möchte nicht einem Sensations- pro.zeß zusehen? Wir brauchen also gar nicht einmal zu wissen, daß es sich hier um eine Kindesentführung handelt. Auch der „Schuß im Rampenlicht" macht uns neugierig. Ein Schuß und dazu noch auf den Brettern, die die Welt bedeuten? Das muß doch allerhand sein! Oder man liest von dem Film „Umwege zum Glück". Hören wir nicht alle gern vom Glück? Wenn wir nun noch sehen, daß das Glück einige Umwege macht, dann freuen wir uns darüber doppelt. Nicht etwa über die Umwege, sondern daß es trotz der Umwege hin zum Glück geht. In diesen Titel sind also in drei knappen Worten Spannung und happy end zugleich einbeschlossen. r . . Sind diese drei Filmtitel bereits ansprechend, so gibt es Filmtitel, die tatsächlich ,xmsprechen". Eine gewisse Janine ist es, die angesprochen wird in dem Titel des Films „Hallo, Janine....!" Das sind zwar nur zwei Worte, aber sie sind von einem vielsagenden Ausrufungszeichen und vier geheimnisvollen Punkten begleitet. Was man nicht alles durch Interpunktion ausdrücken kann, nicht wahr? Im Gegensatz zu diesem Filmtitel aus Zwei Worten gibt es auch Filmtitel, die aus einem ganzen Satz bestehen. Unter den neuen Ufa-Filmen befindet sich einer, dessen Titel ein Satz ist. Und was für ein Satz ist das! Es ist ein Satz, in dem bereits eine Stimmung mitschwinqt, deren Zauber wir uns nicht entziehen können. Es ist der Titel des Ufa- Films „Es war eine rauschende Ballnacht". Auch hier brauchen wir wiederum gar nicht zu wissen, um schon von vornherein auf das äußerste gefesselt zu sein, daß in dieser Ballnacht die unvergängliche Musik des großen Tonschöpfers Tschaikowsky aufrauscht und Zarah Leander vom Rausch leidenschaftlicher Liebe überwältigt wird. Diese Beispiele mögen genügen. Leicht scheint es zu sein, solche Titel zu finden. Und doch: wieviel Nachdenken ist erforderlich gewesen, um sie zu „entdecken". Uebrigens kann es geschehen, daß ein Titel noch im letzten Augenblick umgestoßen wird, nicht weil er nicht gut wäre, sondern weil ein noch besserer Titel gefunden wurde. So trug ein Ufa- Film bislang den Titel „Schmidt und Schmidtchen", worunter man sich schon allerlei vorstellen kann. Jetzt aber heißt er: „Die gute Schwiegermutter". In der Tat: dieser neue Titel ist doch noch besser, denn eine gute Schwiegermutter... aber hier sollte ja nur von Filmtiteln die Rede sein und von der Bedrängnis, in die jeder Filmpapa gerät, wenn cs gilt, seinem Kinde den Weg ins Leben zui erleichtern. yih Gegen die Tücke des Objetts! Aus der Arbeit des Requisiteurs. Wir wollen heute wieder einmal einen Blick hinter die Filmkulissen werfen und die Filmschaffenden, die man nicht in Großaufnahmen aus der Leinwand zu sehen bekommt, bei ihrer Arbeit im Atelier besuchen. Es ist nicht leicht, bis zu ihnen vorzudringen. Kabel und Versatzstücke und ein unbeschreibliches Chaos scheinbar unnütz herumlieaen- der Dekorationsstücke stellen sich dem eiligen Fuß des Berichterstatters entgegen. Endlich stehen wir in einer Seitenkulisse mit dem Blick in Die Ausnahme. Gleich wird die Kurbel drehen. Aber sehen wir uns einmal um in der Dekoration. Eine ur- gemütliche Bierstube mit dickbäuchigem Kachelofen und gescheuerten Tischen. Da fehlt auch nichts. Echt die Möbel, echt die Personen, echt das ganze Milieu. Sogar der Bierhahn gibt richtiges Helles, schäumendes Bier. An sich eine Selbstverständlichkeit. Aber wer zaubert hier heute die Bierstube und morgen beispielsweise einen Frisierladen hm? Der Requisiteur! Der Beherrscher aller Requisiten, der die Länge und Dicke angerauchter Zigarren genau so notiert wie die Stellung des Aschenbechers auf dem Tisch. , ,, Es ist schwer, den Requisiteur zu fassen. Er ist überall und nirgends. Schließlich treffen wir ihn in einer kurzen Drehpause. Wie er erzählt, sind in jedem Atelier zwei Fachleute am Werk, der eine hat den Jnnenpoften, während der andere die „besorgende Tätigkeit" ausübt. Sie stehen .beide in dauernder Verbindung und ergänzen sich im besten Sinne. Dieser Zusammenschluß ist meist von Dauer, denn die Requisiteure gehören zum festen Stamm des Ateliers ,m , . . Der Aufgabenkreis ist unerschöpflich. Verlangt der Reqisseur eine flämische Bauernstube, so kann er sich darauf verlassen, daß sie originalgetreu dasteht. Gibt es jedoch keine Möglichkeit, sie zu beschaffen, so fertigt die Tischlerei schnellstens die Möbel an. Besorgen Sie mal im April nachts um 2 Uhr plötzlich einen brennenden Weihnachtsbaum!" sagt der Requisiteur lachend. „Bielleicht ist es noch schwieriger, von einer alten Lotterie ein Los zu besorgen, wenn nur noch ein Exemplar vorhanden ist, das der Besitzer nicht hergibt. Da heißt es, im Eiltempo eine kunstvolle Imitation anfertigen. Man darf nur nicht auf den Kopf gefallen sein!" — Nein, das find die Requisiteure beim Film nun wirklich nicht. „ tzjnmal mußte ein Darsteller in voller Kleidung ins Wasser springen. Ihm machte es nichts aus. Aber seine Krawatte war hinüber. Nirgends konnte man ein auch nur -ähnliches Muster auftreiben. Eine schlimme Situation, die der Requisiteur rettete, der ganz einfach das Muster nachpinselte. Wenn ein alter Requisiteur, der den Filmbetrieb von der Pike auf kennt, aus seiner dreißigjährigen Erfahrung berichtet, so gibt er gleichsam Einblick in seinen dreißigjährigen Krieg gegen die Tücke des Objekts. Aber es hat noch immer geklappt — denn, wie gesagt: Man darf nur nicht auf den Kopf gefallen sein ... Heinz Helmuth Gieske. Der Film als Spiegel der Völker Anmerkungen zur 7. Biennale in Venedig. Der Film hat etwas zuwege gebracht, was seit dem Bestehen der Welt noch niemals gelungen ist: Im Verlauf einer kurzen Zeitspanne die unterschiedlichen Wesensarten der Nationen widerzuspiegeln. Den Beweis hierfür erbringt von neuem die „Internationale F i l m k u n st a u s st e l - lung" in Venedig. Zwar soll dieser Wettbewerb auf der tönenden Leinwand nach dem Willen seiner Veranstalter und Teilnehmer eine internationale Leistungsschau der Filmkunst sein und ist es selbstverständlich auch. Dennoch wird fich auf dieser Filmleistungsschau die Abwandlung eines bekannten Wortes des jüngeren Plinius abermals bewahrheiten: „Zeige mir deine Filme, und ich sage «dir, wer du bist!" Man mag einwenden, daß doch auch Weltausstellungen und insbesondere internationale Kunstausstellungen den Wesensunterschied der beteiligten Völker aufzeigen. Bis zu einem gewissen Grade ist das sicherlich der Fall. Da aber Weltausstellungen und Kunstausstellungen stets nur einen statischen Charakter haben, während der Film dyn^inischer Natur ist, so ist eine Filmkunstausstellung in der Aufdeckung nationaler Eigenheiten allen anderen Ausstellungsarten weit überlegen, ganz davon abgesehen, daß die Verschickung der wenig Platz beanspruchenden Filmrollen selbst fernen und kleineren Nationen die Teilnahme an einer internationalen Leistungsschau erleichtert und es weniger zeitraubend (und bequemer) ist, in einem Sessel vor der Leinwand sitzend, Einblick in das Wesen von zwölf Völkern zu gewinnen, als weite Märsche durch ein riesengroßes Ausstellungsgelände zurück- zulegen. Für uns Deutsche stehen im Vordergrund der diesjährigen Filmparade am Lido begreiflicherweise wiederum die deutschen Filme und ihre Auswirkungen auf die internationale Besucherschaft. Von hiesen deutschen Filmen wecken die Kulturfilme ein erhöhtes Interesse, weil sie besonders getreue Spiegelbilder des deutschen Wesens und des heutigen deutschen Lebenswillens sind. Dies mag im folgenden an einigen Ufa- und Terra-Kulturfilmen kurz erläutert sein. Da sind zunächst jene Kulturfilme zu nennen, die gewissermaßen „Film-Monographien" dar- ftellen: „Räuber unter Wasser", „Können Tiere denken?" und „Tragödien im Jnsektenreich"^ Ferner der Film „Münster, Westfalens schöne Hauptstadt", der Bildstreifen vom Kärntnerland und der farbige Landschaftsfilm von Thüringen. In allen diesen Filmen spiegelt sich das deutsche „Volk der Dichter und Denker" wider. Sie sind lebendige Zeugnisse für die Forscherfreude, den Natursinn und die seelische Verbundenheit der Deutschen mit ihrer Landschaft und ihrer Geschichte. Dann blendet eine andere Seite deutscher Wesensart auf, und zwar in dem Film „Wissenschaft weist neue Wege". In diesem Kulturfilm kommt der deutsche Lebenswille zum Ausdruck, sich von den wirtschaftlichen Maßnahmen unserer Gegner durch immer neue Erfindungen und Entdeckungen auf dem Gebiet her Kunststoffe frei zu machen. Noch weiter stößt her Film „Das steinerne Wort" in das neue Deutschland vor, gibt er doch einen bewundernswerten Querschnitt durch die Architektur des Dritten Reichs, der das Wort des Führers in die Erinnerung ruft: „Wer ein Volk zum Stolz erziehen will muß ihm auch sichtbaren Anlaß zum Stolz geben." Und endlich jene Reihe her Kulturfilme, hie auf her Biennale von deutscher Wehr- Hoheit unh heutscher Wehrhaftigkeit berichten werden. Hier seien der Heeresfilm „Unsere Artillerie" unh der Marinefilm „Minen in Sperrlücke X" genannt. Was aber für Deutschland und seine Filme gilt, gilt auch für die Filme aller Nationen, die sich an der Biennale beteiligen. Wir erkennen das Wesen der Völker an dem, was sie in den Mittelpunkt ihrer Filme rücken und wie sie dieses filmisch gestalten. So ist also die internationale Leistungsschau in Venedig weit mehr als nur ein film- künstlerisches Ereignis, nämlich zugleich ein völker- psychologisches Erlebnis eindringlichster Prägung. Tonfilm-Msik. Gespräch mit dem Kornponisten Hans Otto Borgmann. Zur Stummfilmzeit kannte der Kapellmeister, der die Musikbegleitung zu einem Film zusammenzustellen hatte, ein Hilfsmittel, das uns heute wie ein Kinderbilderbuch zum farbigen Nachzeichnen von Bildvorlagen vorkommt: die „Kinothek". Das waren Komposittonen, hie jeweils für solche Silber ober Situationen geschrieben waren, hie im Film häufig vorkamen und einer musikalischen Untermalung bedürftig erschienen. Zum Beispiel „Gewitter", „Sturm", „Sonnenaufgang", „Kampfgetummel", „Flucht" usw. Diese und ähnliche musikalische Stirn- mungsskizzen wurden in eine Musikfolge eingebaut, die sich im übrigen als ein Potpourri aus allen Gebieten der Musik barstellte. Im Stile dieses Kaleidoskops ist jahrelang der Film musikalisch ausgestaltet worden. In Einzelfällen gab es dann freilich auch durchkomponierte Filmmusiken, deren Wert auch heute nicht zu verkennen ist, da sie die ersten Ansätze zu einer motivisch durchgeführten Film- musik, freilich noch stark von der Bühne her beeinflußt, enthielten. Hier hat bann der Tonsilm die Ansätze alsbald weiterentwickelt und dem Komponisten völlig neue — auch formal neue Aufgaben gestellt. Musik zu einem Tonfilm schreiben bedeutet- mit den Cigengesetzlichkeiten dieser Kunstform völlig verttaut zu sein. Sie durchbrechen durchaus die for- malen Grundgesetze, nach denen etwa eine Sinfonie ober Sonate geschrieben wirb. Eine nur hem äufeet ren Bildverlauf folgende Musik erfüllt ihre Ausgabe heute nicht mehr. Freilich hat auch bte „Illustration" in bestimmten Fällen ihren Wert und ihre innere Berechtigung. Sobalb aber her Film seelische Konflikte entwickelt, motivisch verwendet und dramatisch zur Lösung bringt muß auch her Komponist seine Musik vom Seelischen her bestimmen. Demi dramaturgischen Hauptthema entspricht ein musi* kalisches, das möglichst im Kern so entwicklungs* fähig ist, daß es zur Keimzelle der ganzen Musik geeignet erscheint. „Nun kann", so erklärt Hans Otto Borgmann, „nachdem ein so geeignetes Motiv gefunden ist, bis kompositorische Arbeit beginnen. In her Entwicklung he5 Themas von innen heraus gilt es, ben Gang her Handlung auszudeuten, den dramatischen Verflechtungen nachzugehen, unh — frei von formalen Bindungen — hie Aufgabe zu lösen." Borgmann bezeichnet es geradezu als sittliche Pflicht des Komponisten, zu einer einheitlichen thematischen Gestaltung zu kommen in freiwilliger Anpassung an die Arbeitsgesetze des Films. So gewinnt hie Musik zu einem Film den Charakter und den Wert eines einheitlichen Kunstwerks, geschöpft aus einem künstlerischen Willen, der den Film als Ganzes erfaßt und die Musik dem Ganzen einorbn-et. „Richard Wagner", so meint Borgmann, „wärä heute der ideale Komponist für solche Aufgaben. Die innerliche Kraft, die „Trächtigkeit" feiner Mo- tioe, löst für bas musikalische Bühnenkunstwerk bis Probleme, mit denen wir Filmkomponisten uns mühen. Dabei müssen wir den Willen haben, bas Einfache für alle verständlich — aber auch befriedigend auszusprechen. Denn wir wollen, daß sowohl der einfach empfindende Zuschauer genau so wider erfahrene .anspruchsvolle' Besucher als über« zeugte Freunde des Tonfilms unsere Theater verlassen." Hans Otto Borgmann, her erfolgreiche Komponist zahlreicher großer Filme wie „Verwehte Spuren" und „Jugend", arbeitet zur Zeit an der Musik zum Tobissilm „Die Reise nach Tilsit". Auch hier ent- wickelt sich die Dramatik des Spiels aus einem seelischen Konflikt, aus der inneren Wandlung im Leben eines Mannes. Dieser dramatische Konflikt ergibt den Ausgangspunkt für eine Musik, die dem Komponisten Anlaß ist, seine überzeugende Grundhaltung zur Frage der Tonfilmmusik erneut zu er« proben. DnP. „Die barmherzige Lüge." Gloria-Palast. Kann ein Mensch an die Stelle eines anderen treten und nach dessen Tode bas zu früh beendete Leben weiterleben? Die Frage, in her Literatur auf verschobene Weise beantwortet, bilbet bas Kernproblem bieses Films, dessen Schauplatz vom Fernen Osten in eine beutsche Hansestabt hinüberspielt. Der Forschungsreisende Dr. Clausen trifft auf der Fahrt zu einer Expedition in die Mongolei eine junge Landsmännin, Anja Hoster, wieder, die lange auf seine Rückkehr gewartet hat, um ihrem Kinde ben rechtmäßigen Vater zu geben. Clausen aber, der von der Geburt dieses Kindes während seiner Abwesenheit in Europa nichts ahnt, hat dort inzwischen geheiratet, und als Anja die fremde Frau an der Seite des früheren Geliebten sieht, kann sie ihm nicht die Wahrheit saaen. Die Expedition ist nach ein paar Monaken verschollen. Frau Clausen wird sterbend aufgefunden, und Anja gibt sich, auf ihren Wunsch, um des Kindes willen, und da sie Thomas ebenfalls für tot hält, dessen Eltern gegenüber als seine Frau aus. Erst als der Totgeglaubte nach langer Zeit gerettet wird und zurückkehrt, kommt die „barmherzige Lüge" ans Licht; Thomas hat nicht nur seinen Sohn, sondern auch eine zweite Frau gefunden, die ihn liebt und die so etwas wie ein Vermächtnis der sterbenden ersten erfüllt hat. Die Beantwortung der bis zuletzt schwebenden Fragen nach ben Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten eines solchen Falles wirb teils durch die romanhafte, mit allerlei abenteuerlichen und theatermäßigen Effekten arbeitende Regie von Werner Klingler, teils auch durch den Umstand erschwert, daß Anjas Haltung Thomas' Eltern gegenüber sowohl durch die Liebeserklärungen eines ihrer neuen „Verwandten" als auch durch die Drohungen eines Erpressers belastet wird, der Anja von früher her kennt und sein Schweigen teuer bezahlt haben möchte. Die Handlung spitzt sich gegen Ende immer mehr auf einen reinen Kriminalfall zu, mit dessen Klärung dann das eigentliche Problem ins Reine gebrach: wird. Hilde Krah 1 in her Rolle der Anja ist sehr um die psychologische Glaubwürdigkeit her Figur und eine positive Beantwortung der erwähnten Kardinalfragen bemüht. Den Dr. Clausen gibt in guter Haltung Ernst von K l i p st e i n. Am Rande des Zentralproblems erscheinen als die schauspielerisch interessantesten Gestalten Elisabeth Flicken- childt, Paul Dahlke, Otto Gebühr und Heinrich Schroth. In einer kleinen Szene wird man auch Franz Arzdorf bemerken. Das Drehbuch haben Curt I. Braun, Werner Klingler und Günther K u l e m e y e r gemeinsam verfaßt. — (Tobis.) * Im Beiprogramm sieht man hie Wochenschau und einen Kulturfilm vom Schiffsbau, dessen technische Details manchen Besuchern wahrscheinlich verständlicher würden, wenn die Begleitmusik durch einen knappen und sachlichen Text ersetzt würbe. Hans Thyriot. Fila Venkhoff. Ein kleines poriräi von Christian Bock. Fita B e n k h o f f, bekannt aus vielen Filmen, würbe kürzlich burch ben Titel totaats= schauspielerin ausgezeichnet. Formulierungen sinb gefährlich. Sie versuchen es, einen Ausbruck für etwas Ganzes zu finben — unb heben gerabe ein einzelnes Merkmal hervor. Ist es möglich, mit einem Satz, mit ein paar Worten etwas zu sagen, bas hie Schauspielerin Fita Benkhoff, wie wir sie von so viel verschieben- artigen Filmen her kennen, trifft — unb so trifft, baß bie Leser solcher Formulierungen mit ben Köpfen nicken unb einoerftanben finb: Das ist wahr, so ist sie. —? Es soll hier versucht werben — mit so wenig Sätzen wie möglich — unb ohne jebe Gewähr für Vollstänbigkeit auch. Haben Sie einmal in irgenbeinem Film gehört, wie Fita Benkhoff zu einer Freunbin „Liebste Freundin!" sagte? So, baß in bieser Anrede allein, im Tonfall, mit dem sie so etwas sagen kann, alles, alles gesagt war, was man über das Thema Freundinnen überhaupt sagen kann? Heber bie Bosheit unter Freundinnen, meine ich. Denn bas ist Fita Benkhoff ganz, mit hem eigenen ober dem anderen Geschlecht zusammen: der ewig weibliche Explosivstoff. Und gibt es eine einzige weibliche List (Männern ober Frauen gegenüber), bie irgenbeinmal in ben Jahrtausenben entdeckt wurde, unh bie sie nicht zu hanbhaben wüßte? Immer mit dem Ziel, bie liebe Umwelt platzen zu sehen. Vor Reib ober vor Kummer, vor Wut, vor Eifersucht. Unb platzt sie selbst einmal mitten über dem Pulver, bas sie mit eigener Hanb legte, dann weiß sie meist noch wenigstens einen guten Abgang. Sie hat bas letzte Wort, unb noch ihr letztes Wort glitzert vor liebensroürbig unb höflich brapierter Bosheit. Unb noch wenn sie völlig geschlagen ist, geht sie stolz unb aufrecht aus dem Sa^ unb sagt trium- phierenb: „Komm, Oskar, wir gehen! Fita Benkhoff. — (Zeichnung: Sten/Terra.) Wer kann so talmivornehm mit den Nasenflügeln beben wie sie, so halb gebildet auf Gebilbete unb llngebilbete herabsehen, so wiegenben Schritts gehen, wie sie selbst bann gegangen wäre, wenn sie es gewesen wäre, bie aus bem Parabies vertrieben würbe. Unb so wenig liebenswert manchmal bie sinb, bie sie im Film barstellt, so sehr lieben wir ihre Kunst, sie barzustellen. Etwas menschlich Liebenswertes pflegt bie Schauspielerin selbst noch her boshaftesten Rolle mitzugeben. Darum, weil sie nie bloße Charakterrollen, sondern Menschen fpielt, Heinz Rühmann als Koch. „Falscher Hase" und echte Junggesellen. Diesmal suchen wir uns im großen Atelier irt Babelsberg ben Weg zu her Dekoration, in bid wir wollen, mit her Nase. Wirb hier der erste Duftfilm gebreht? Nun, soweit ist es noch nichts Wir gelangen in eine Küche. Was wirb hier gebraten? „Falscher Hase", unb hie Köche her Szene sind Heinz Rühmann, Hans Brausewetter und Josef Sieber, bie brei Hauptdarsteller bes neuen Heinz-Rühmann-Films her Terra „Parabies ber Junggesellen". Der Oberkoch bes Films ist ein neuer Mann, Kurt Hoffmann, einschlägig vorgebilbet als Söhn bes Kameramannes Karl Hoffmann. Das Kochbuch, Verzeihung Drehbuch schrieben Karl Peter Gillmgnn unb Günter Neumann nach einem Roman von Boldt. „Zwiebel, Petersilie, Schweinefleisch, Rindfleisch — alles da", stellt Rühmann fest. „Der falsche Hase kann geboren werben!" „Das in kleine Stückchen geschnittene Fleisch, bid eingeweichten Brötchen unb bie Zwiebeln durch bis Fleischmaschine drehen", liest Brausewetter aus bem Kochbuch, (biesmal wirklich bem Kochbuch) vor. „Unb bann ’ne Prise Salz. Balbuin, wo ist bas Salz?" Balduin, alias Sieber, antwortet: „Im Schrank. Brausewetter öffnet ben Küchenschrank, in dem eine Reihe von Töpfen mit Aufschriften wie „Essigsäure Tonerde", „Natron, doppelkohlensaures" stehen. „Wo essigsaure Tonerde steht, ist es drin", sagt Sieber. „Aber koste lieber erst!" „Scheint mir eher Seifenpulver zu sein!" meint Brausewetter, nicht eben freundlich und sich schüt« te'Inb. . * „Dann kann bas Salz nur im Karboltopf sein, ruft Sieber. Brausewetter sieht nach, unb diesmal stimmt es sogar. Doch nun fehlen bie Streichhölzer, um bas Gas zu entzünden. Unb keiner hat natürlich Streichs Hölzer bei sich. Aber Rühmann hat eine Idee: feine Zigarre glimmt hoch noch; er hält sie an bas Gas, unb siehe da, bie Flamme brennt! Schöne Junggesellenwirtschaft, hört man ha bie Leser unb namentlich bie Leserinnen rufen. Womit sie auch nicht unrecht haben. Unser Einbruck im Atelier war bas auch.