Ur. 67 Erstes Blati 189. Jahrgang Montag, 20. Mrz 1939 Erichemi täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat >m Bild Die Scholle Monatr-Bezugspreis: Mil 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illusttierte . 1.80 Zustellgebühr „ -.25 , Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern tmfolge höherer Gewalt Zernfprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen ________^ruck und Verlag: vrühlsche Univerfitätrdruckerei «.Lange in Sieben. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze r Annahme von Anzeige« für die Mittagsnummer bis 8%Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für T^t- anzeigen von70mm Brette 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg. 25% mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenhettsanzei- gen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder», Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Ein dankbares Volk grüßt den Führer. Triumphaler Empfang des Führers in der Reichshauptstadt. — Feldmarschall Göring macht sich zum Dolmetscher der Gefühle des deutschen Volkes. Die Reichshaupfstadt in Erwartung des Führers. Berlin, 19. März. (DNB.) Adolf Hitler, der 3 ehrer des Reiches, kehrt nach seiner großen gerichtlichen Tat in des Reiches Hauptstadt zurück. £*in Einzug in Berlin entspricht der geschichtlichen 8"öße seines Werkes. Obwohl ein leichtes Schnee- r iben herrschte, waren Hunderttausende schon in in frühen Nachmittagsstunden zu der Einzugsstraße strömt und bildeten hier ein dicht gestaffeltes Spa- vä. Singende Kolonnen ziehen durch die Straßen, Ygusikkapellen tragen zu der festlichen Stimmung ir Hunderttausende bei. SA., ff, Politische Leiter, Ql., Arbettsdienst und viele andere Verbände und Sieberungen haben ein Ehrenspalier und Absperr- rimst gebildet. Der Wilhelmplatz trägt großen Staatsschmuck. Lmg wallen die großen Hakenkreuzfahnen an den rviräsentativen Gebäuden herab. Den Balkon der Mchskanzlei umwindet eine grüngoldene Girlande. Ach die Wilhelmstraße und die Linden sind in crie einzige Flut leuchtender Farben getaucht. Bor len Görlitzer Bahnhof sind die Ehrenformationen «getreten. Hohe Fahnentürme überragen den weite Platz. Auf dem Bahnsteig hat sich die große Ml der Ehrengäste bereits versammelt, an ihrer Emtze Generalfeldmarschall Göring, die Reichs- mnifter, Reichsleiter, Generale, Staatssekretäre und (Weiter. Man sieht ferner den italienischen Bot- Ichafter A t t o l i c o , den japanischen Botschafter v!ih i m a und den ungarischen Gesandten S z t o - jfli), sowie die Militärattaches von Italien, Japan pitB Ungarn. Hermann Göring grüßt den Führer. 19.30 Uhr. Schmetternde Fanfaren eines Musik- kcns der HI. künden das Nahen des Sonderzuges Führers. Langsam rollt her Zug m die weite Lmmhofshalle ein und hält vor dem in langer auf dem Bahnsteig den Schöpfer Großdeutsch- ltm*5 erwartenden Führerkorps. Die Händen recken (itfc im Deutschen Gruß dem Führer entgegen, der etz den Wagen verläßt und von Generalfeldmar- |d)Ll Göring begrüßt wird. Tiefe Bewegung liegt tnf dem jedem Deutschen so vertrauten Antlitz, als tifcUf Hitler sich nun an das vor ihm stehende Füh- keüorps von Staat und Bewegung wendet und lebm einzelnen dieser Männer mit festem Hand abg begrüßt. Der unbeschreiblichen Stimmung von Da- kbarkeit und Begeisterung gibt bann General- ^limarschall Göring mit folgenben Worten Aus- ruff: Mein Führer! tot einem Jahr empfing Sie die Reichshauptstadl i großem Jubel zum ersten Mal. Eine geroal- l ge:Iaf war vollbracht. Sie hatten Ihre engere ! ei mat dem Reich zurückgeholt. Sie hatten Ihre ! runpen in Ihre Heimat geschickt, nicht als (Erobe- i sondern als Befreier. Der Erste aber, der mit i i sm Truppen in das befreite Land einrückte, find : i; selbst gewesen, mein Führer. Und als : igöbann in die Reichshauptstabl zurückkehrten, war 1 vielleicht der glücklichste Augenblick ; ) es Lebens. Sie halten dem Deutschen Reich *. hci Heimat gebracht. Und nur wenigen Monate vergingen. Zum z w e i- t e n Male klopfte das Schicksal. Und Sie, mein Führer, haben das Schicksal verstanden. Zum zweiten Mate sandten Sie Ihre Truppen, um deutsches Land zu befreien. Und wieder waren Sie, mein Führer, der Erste unter ihnen. Sie kehrten zurück unter dem Jubel Ihrer Reichshauptstadt. Das war ein stolzer Tag für Sie. Rur wenige Monate trennen uns von diesem Ereignis und wiederum hat das Schicksal gerufen und wieder haben Sie den Ruf verstanden. Diese drei Entscheidungen, mein Führer, ich weiß es, sind aus einem ungeheuer tapferen und gläubigen herzen gekommen. Und seht kehren Sie zurück und haben nicht nur deutsche Brüder von einst ins Reich heimgeführt. Sie haben dem ganzen Volk auch die Sicherheit, den Frieden, die Herrlichkeit, die Gröhe und die A u f e r - siehung des Deutschen Reiches gebracht. Das, mein Führer, ist der stolzeste Augenblick Ihres bisherigen Lebens. Wieder waren Sie bei den Truppen als erster und als Ihre Standarte, vom eisigen Winde gepeitscht, über dem hradschin aufgezogen wurde, entstand das ganz große gesicherte Deutschland. Zum drillen Male, mein Führer, empfangen wir Sie jetzt in der Reichshauptstadt. Und ich soll für das ganze Volk sprechen und soll Ihnen Dank sagen. Wie sollen wir Ihnen unseren Dank ausdrücken? Das ist unmöglich, mein Führer. Aber statt des Dankes nehmen Sie heute namens des ganzen deutschen Volkes einen heiligen Schwur, der uns nicht Phrase ist, den Schwur: Das Gewaltige, das Große, das Sie mit einzigartiger Tapferkeit geschaffen haben, nie mehr zu taffen, mag kommen, was kommen will. Und wenn alles Große auch Reid und Mißgunst hervorruft, so stehen wir darüber. Denn es ist unmöglich, daß hinter einem so heldenhaften Soldaten ein nicht heldenhaftes Volk steht. So wie die Führung ist das Volk. Sie, mein Führer, haben dieses Volk wieder frei und ehrlich gemacht, tapfer und groß. Und das z u behalten und zu bewahren ist in dieser Stunde der Schwur aller Deutschen. Unser Führer Sieg-Heit! Trmmphzug zur Reichskanzlei Feierlich erklingen die Lieber ber Nation. Der Führer schreitet vorüber an bem Meer von blutroten Hakenkreuzbannern, bie im gleißenden Licht ber Der Gau Hesseu-Aaffau dankt dem Mer. NSG. Die Tage unerhörter Spannung, die das deutsche Volk seit jener denkwürdigen Rächt zum 15. März erleben durfte, haben mit der Heimkehr des Führers in die Reichshauptstadt ihren Höhepunkt und vorläufigen Abschluß gesunden. Mit unbändigem Stolz und voll Bewunderung schaut auch der letzte Volksgenosse auf das geschichtliche Wirken des Führers. Spontan und mit heller Begeisterung demonstrierte bereits am Mittwochabend die gesamte Bevölkerung des Gaues Hessen-Rassau in allen Städten und Orten. Voll Dank und Freude marschierten die Partei- und Volksgenossen auf den Straßen, um dem Führer zu huldigen. In einem Telegramm an den Führer gab am Sonntagabend Gauleiter Sprenger diesen Empfindungen der Bevölkerung unseres Gaues mit folgenden Worten Ausdruck: „Mein Führer! Als Sie als Mehrer, Wahrer und Bürge der Sicherheit des Reiches in die Burg von Prag einzogen, eilten in Frankfurt a. 21t. und allen Orten des Gaues Heffen-Raffau die Partei- und Volksgenossen auf die Straßen und formierten Fackelzüge, um fo dem Dank und dem Jubel aller Volksgenossen Ihnen gegenüber Ausdruck zu verleihen. Heute, da die Reichshauptstadt, voran die deutsche Jugend, Sie in unerhörter Begeisterung empfing, nahmen die Millionen Volksgenossen des Gaues Hesien-Rafsau Anteil an dem Empfang und blickten ehrfurchtsvoll und dankerfüllt zu Ihnen auf. Mein Führer, wenn Sie uns rufen, die Gefolgschaft ist bereit, ihre Gcfolg- schaftstreue durch die Tat zu beweisen. heil! mein Führer! Gez.: Sprenger." Scheinwerfer wie ein leuchtendes Purpurbanb bis Wänbe ber Halle oerkleiben. Nun hat er bep Aus, gang des Bahnhofs erreicht. Er wirb b e n M a s s e n sichtbar, bie bicht gebrängt seit Stunden! auf diesen Augenblick gewartet haben, ihm ihrs überströmende Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. Der Jubelsturm, der über den weiten Bahnhofsvorplatz fegt, schlägt dem Führer wie eine Welle entgegen und wird ausgenommen von den Hunderttausenden, die in den anschließenden Straßenzügerr in einem tiefgegliederten Wall stehen. Der feierliche Hall der Kirchenglocken und das Donnern der Salutschüsse mischen sich in diesen Orkan des Jubels. Der Führer hat die Front der Ehrenformationen abgeschritten, und nun beginnt feine triumphale Fahrt durch die Hauptstadt des größeren Großdeutschen Reiches. Ein Taumel der Begeisterung hat die Menschen erfaßt, die den Führer heute mehr noch als je zuvor ihre ganze Treue und Verehrung, ihre Liebe, Dankbarkeit und zugleich ihren Stolz bezeugen wollen. Die phantastische Ausschmückung, die die Feststraßen in ein einziges Meer von Fahnen und Licht getaucht hat und sie in ein feenhaftes Zauberkleid von Hakenkreuzbannern, Pylonen und begalischem Feuer hüllt, bildet den würdigen Rahmen "für diese einzigartige Fahrt des Führers. Wohin wir auch aus der Wagenkolonne blicken: jedes Fenster ist illuminiert, überall sehen wir jubelnde, begeisterte Menschenmassen, die immer aufs Neue dem Führer zujubeln. Wir passieren die festlich erleuchtete Wiener Straße und fahren unter der Hoch, bahnbrücke hindurch, die durch wunderbaren Grün- und Goldschmuck in ein großes Tor verwandelt worden ist und in riesigen goldenen Lettern die Jn- srchift trägt: „Wir danken unserem Führer!" Auf dem Oranienplatz grüßen zwei haushohe Fahnenpylonen und die ganze Dresdener Straße ist ein einziges Fahnenmeer. Wir fahren über die Roßstraßs und die Breitestraße, wo eine Abordnung der SA- Gruppe Sudeten Aufstellung genommen hat, zum Schlaßplatz. Ein grandioses Höhenfeuerwerk begrüßt hier den Führer Feenhaft leuchten die hellen Farben der Raketen und Lichtfassaden, dis ihr gleißendes Licht weit über den Himmel ausstreuen. Die Front des Schlosses ist hell angesttahlt. Bengalisches Feuer hüllt Menschen und Häuser in einen zauberhaften Glanz. Bei der Einfahrt in die Linden bietet sich ein zauberhaftes Bild, ein Lichtdom erstrahlt am nebligwolkigen Himmel und begleitet die Fahrt des Führers. Unzählige Scheinwerferfäulen vereinigten sich zu diesem einzigartigen Schauspiel, das die ganze Straße Unter den Linden in Tageshelle taucht. Der Lichttunnel wird abgelöst wiederum von einem großartigen Feuerwerk. Und über diesem wunderbaren Schauspiel klingt und braust, rauscht und tönt immer wieder eine unvergeßliche Sinfonie des Jubels und der Begeisterung, die den Führer von der ersten Sekunde feines Aufenthaltes in Berlin an umgibt und nun auch in der Wilhelmstraße und am Wilhelmplatz noch einmal eine Steigerung erfährt. Auf dem AMelmsvlaß Jrn Wagen stehend fährt Adolf Hitler in langsamer Fahrt die Wilhelmstraße entlang. Der Jubel der Menschen kennt keine Grenzen mehr. Ihre Heilrufe übertönen das Donnern des Feuerwerks. Allein die schmetternden Fanfaren des Musikkorps durchdringen den Begeisterungssturm. Eine Gruppe Egerländer, die sich an der Einfahrt zur UWE ■ AW i «AB 'v % 4 * Ur i». % -3W Durch das Spalier der ff und verschiedener Formationen verließ der F ü h r e r den Görlitzer Bahnhof. Neben dem Führer Generalfeldmarschall Goring. Hinter ihm erkennt man (von links) Reichsminister Frick, Reichsaußenminister von Ribbentrop, Generaloberst K e i t e l und Reichsführer ff H i m m l e r. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Nach seiner Rückkehr in die Reichskanzlei stand die Volksmenge Kopf an Kopf auf dem Wilhelmplatz und jubelte in unbeschreiblicher Begeisterung zum Führer empor, als dieser in Begleitung des Generalfeldmarschalls Göring auf den Balkon trat. — (Scherl-M.) U sä W t * JWr w. L HUM MM ----— ’T Katsche Rezepte. Der englische Ministerpräsident Chamberlain j war in den letzten Tagen der Zielpunkt offener und versteckter Angriffe der Clique um Eden und Duff Cooper, die ihm offen androhte, die Tage seiner politischen Führung seien gezählt, wenn er nicht endlich eine scharfe Stellung gegen Deutschland einnehmen werde. Wir glauben nicht, daß es diese Angriffe waren, die den Ministerpräsidenten veranlaß, ten, in seiner Rede in Birmingham eine unfreundliche Haltung gegen die Veränderungen in Mitteleuropa einzunehmen. Wenn er den Dorwurf erhoben hat, Deutschland habe das Münchener Abkommen verletzt und es habe auch den Grundsatz verleugnet, kein fremdes Volkstum beherrschen zu wollen, so mag daraus die typische englische An, schauung sprechen, von anderen Völkern zu verlangen, was England selbst in keinem Zeitpunkt seiner Geschichte als berechtigt anerkannt hat. Was das Münchener Abkommen anbelangt, fo ist es offenkundig, daß feit Ende September vieler, lei geschehen ist, was dem Geist und Sinn dieses Abkommens weiter entwickelte. Man braucht nur daran zu erinnern, daß sich inzwischen die Slowake, von Prag gelöst hat und daß auch die Karpatho- Ukraine ihre eigenen Wege gegangen ist. Der tschecho-slowakische Staat, der in einer veränderten Form in München ins Leben gerufen wurde, bestand nicht mehr, als die tschechische Regierung in Prag selber die Initiative ergriff, sich an den Führer zu wenden und seiner starken Hand die Geschicke der tschechischen Nation anzuvertrauen. Es ist doch nicht so. daß die Herren Hacha und Chvalkowsky erst in Berlin den ganzen Ernst der Lage erkannt hätten, vielmehr ist aus der Rundfunkrede des Präsidenten Hacha hervorgegangen, daß man sich in Prag über die Tragweite und das Ziel der Entschlüsse im tschechischen Ministerrat schon im klaren war, als man um den Empfang beim Führer gebeten hat. Die Folgerung aus der veränderten Lage ging Deutschland ganz allein an. Das tschecho-slowakische Problem ist in der Vergangenheit stets daran gescheitert, daß allzu viele Köche an dem Brei herum» gerührt haben. So hat der verflossene Staatspräsident Benesch selbst in seinem Domizil in Nordamerika nicht vergessen, sich an Chamberlain, Daladier, Roosevelt und Finkelstein zu wenden, damit diese Männer den Schritt Deutschlands nicht anerkennen sollen. Aber der böhmisch-mährische Raum ist seit einem Jahrtausend so eng mit Deutschland verbunden gewesen, daß es des guten Rates anderer Mächte nicht bedurfte, wenn endlich reiner Tisch gemacht und der Friede Mitteleuropas damit ge- sichert wurde. Wir mischen uns auch nicht in dir unendlich vielen Probleme, die das britische Well- reich an so vielen Stellen aufweist, nur dann und dort, wo deutsche Interessen mitsprechen, melden wir uns zum Wort. Daß aber die englischen Interessen durch die Proklamation des Protektorates nicht geschädigt worden sind, ist unbestreitbar. Dann kommt noch die R a s-s e n f r a g e. Es ist sonderbar, aus dem Munde eines englischen Staatsmannes die Klage darüber zu hören, daß das Deutsche Reich (angeblich) seinen rassenpolitifchen Grundsatz verletzt habe. Seit sechs Jahren haben wir endlose Reden und zahllose Artikel aus England gehört und gelesen, in denen uns diese Rassenfrage zum schlimmsten Vorwurf gemacht wurde. Das ist verständlich, denn Großbritannien besitzt in seinem Weltreich die Angehörigen aller weißen und farbigen Völker, vom Nordgermanen bis zum Australneger. Nur kann man keine Folgerichtigkeit daraus erkennen, wenn jetzt der Ministerpräsident Chamberlain uns Vorhaltungen machen will, weif wir das tschechische Volk in den Schutz des @ro&- deutschen Reiches gestellt haben. Wie schon gesagt, ist das durchaus in friedlicher Weife und auf den Wunsch der tschechischen Regierung selbst geschehen. Das Dekret des Führers hat für das Protektorat bestimmt, daß die Rechte des tschechischen Volkstums gewahrt werden, es wird also keine Germanisierung betrieben, und die Tschechen werden nicht in die Rolle einer „Minderheit" gedrängt Sie behalten ihre innere Verwaltung, sie besitzen einen eigenen Regierungschef, die Interessen des Reichs sind lediglich durch den Reichsprotektor gewahrt, der darüber wachen wird, daß die gemeinsamen Interessen keinen Schaden leiden. Die Deutschen sind auch nicht als Feinde im Lande erschienen, sie haben keine farbigen Truppen mitgebracht und keine Offiziere, die mit der Reitpeitsche die friedlichen Einwohner vom Bürgersteig treiben, wie es einst im Rheinlands und im Saar- gebiet geschehen ist. Im Gefolge der deutschen Heere erschien auch kein Troß von Spekulanten und Devisenschiebern, wie es vor 20 Jahren erlebt wurde, als fremde Truppen in deutsches Land einrückten. Den deutschen Marschkolonnen und Panzergeschwadern folgten lediglich die Gulaschkanonen der NSV., die allen Notleidenden ohne Unterschied des Volkstums ihre Hilfe boten. Schließlich will das tschechische Volk nach Jahren der Wirrnisse und der getäuschten Hoffnungen Ruhe und Arbeit, die ihm weder von Benesch noch von Chamberlain verschafft werden kann. Der deutsche Lebensraum, in den die Tschechen durch ihr Schicksal hin- eingestellt sind, wird sich unter der nationalsozialistischen Führung als kräftig genug erweisen, um auch dieses Problem zu lösen. Es ist höchst seltsam, gerade von englischen Blättern in diesem Zusammenhang den Vorwurf zu hören, Deutschland strebe nach der Weltherrschaft, besitzt doch nicht etwa Deutschland, sondern vielmehr England ein Viertel der Erdoberfläche und regiert mehr als ein Drittel der Menschheit. Das britische Empire und nicht Deutschland beherrscht alle bedeutenden Seewege des Erdballs und verfügt 'über alle wichtigen Rohstoff- quellen. Seine überlegene Finanz- und Wirtschaftskraft sucht den Außenhandel anderer Völker vom Weltmarkt zu verdrängen. Der Vorwurf des Imperialismus klingt also angesichts dieser Tatsachen aus englischem Munde besonders merkwürdig Deutschland hat vielmehr durch den Abschluß des Flottenabkommens mit aller Deullichkeit die see- beherrschende Stellung Englands anerkannt und dem Wunsch nach klarer Trennung der lebenswichtigen Interessen beider Nationen Ausdruck gegeben, obwohl es selbstverständlich durchaus in der Lage wäre, eine gleichwertige Kampfflotte wie England aufzustellen. Aber Deutschland hat bislang daraus verzichtet, weil es jede Einmischung in die eigentliche Interessensphäre des englischen Volkes abgelehnt hat. Nicht so England. Es wünscht noch heute, wie aus den ' Reden der britischen Staatsmänner und aus englischen Pressestimmen eindeutig heroorgeht. seine Schiedsrichterrolle auch im Lebensraum des deutschen Volkes aufrecht zu erchalten und glaubt nun, das deutsche Volk durch Drohungen mit einer neuen Einkreisung, für die man sich die Sowjet-' union und die Vereinigten Staaten neben Frank' reich als Bundesgenossen verschreiben will, einschüch' Der deutsche Botschafter in London, Dr. von D i r k s e n , hat am Sonntag, um 14 Uhr, London verlassen und sich nach Berlin begeben. Der englische Botschafter in Berlin, Sir Neville Henderson, traf am Sonntagnachmittag in Lom don ein und begab sich sofort ins Foreign Office, wo er von Außenminister Lord Halifax empfangen wurde Die deutsch-rumänischen Wittschastsverhandlungen. Die freundschaftliche Atmosphäre ungetrübt Bukarest, 19. März. ZDNB.) Die rumänische Presse veröffentlicht eine Mitteilung der amtlichen rumänischen Nachrichtenagentur Rador, in der die Behauptung von einem angeblichen „Ultimatum" des Reiches an Rumänien im Verlaufe der gegenwärtig stattfindenden Wirtschaftsverhandlungen aufs entschiedenste in Abrede ge st eilt wird Die englische und die französische Presse hatte in dreister Weise die Lüge verbreitet, daß Deutschland im Zuge der zur Zeit im Gange befindlichen Wirtschaftsoerhandlungen einen Druck auf Rumänien ausgeübt habe. In politischen Kreisen Rumäniens ist man e m - pört über dieses durchsichtige Manöver, mit dem die deutsch-rumänischen Wirtschafts- Verhandlungen gestört werden sollten. Die für die rumänische Außenpolitik maßgebende Stelle hat sofort eingegriffen und durch ihr Dementi alles getan, um die freundschaftliche Atmosphäre zu erhalten, in der sich diese Verhandlungen zwischen der rumänischen Regierung und dem deutschen Vertreter Ministerialdirektor Wohltat bisher abgespielt haben. Ende her Beflaggung Eine Anordnung des Reichsinnenministers. DNB. Der Reichsminister des Innern gibt im Einvernehmen mit dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda bekannt: Die anläßlich der Uebernahme des Schutzes über die Länder Böhmen und Mähren durch das Reich und aus Anlaß der Rückkehr des Führers aus diesen Ländern in der Reichohauptstadt angeordnete Beflaggung endet am Sonntag, 19 März d. I., nach dem Empfang des Führers durch die Bevölkerung von Berlin. verwandelt. Wenn wir heute, so sagte Dr. Schwarze, wieder einer lichteren Zukunft entgegen s e he n, so verdanken wir das dem Führer. Nie mehr werden wir uns durch politische Grenzen das Recht nehmen lassen, uns zur deutschen Weltanschauung zu bekennen Der Redner schloß mit einem Treuegelöbnis und einem dreifachen Sieg-Heil! auf den Führer Großdeutschlands und den Führer der Memeldeutschen, Dr Neumann, in das die Masse begeistert einstimmte. Als Dr. Neumann den Platz am Denkmal verließ, um den Vorbeimarsch der Kriegerkameradschaft und der übrigen Verbände abzunehmen, brausten ihm erneut stürmische Heilrufe entgegen, und aus den dichten Menschenmassen, die weichin die Straßen umsäumten, erklang immer wieder der Ruf: „Wir wollen heim zum Reich?" Kramer des Todes. „Franzosen! Während die Tschecho-Slowakei in ihr Grab niedersteigt, ruft sie euch zu: Wenn ihr auch 40 Divisionen verloren habt, so bleiben euch trotz allem elf Millionen Fxeunde!" Diese Aufschrift trägt ein Plakat in der Eingangshalle des ehemaligen tschecho-slowakifchen Reisebüros in Paris, das sich in geschmackloser Weise in eine Trauerkapelle verwandelt hat. Hier zeichnet sich in Paris lebender marxistischer Pöbel in eine Art K v n d o l e n z l i st e ein, um so auf diese demonstrative Weise gegen das Ende des tschechoslowakischen Staates zu „protestieren", dem auch das Ausland seine Brüchigkeit in vollem Umfange bestätigt hat. Wir haben volles Verständnis dafür, wenn ein an seinem Volkstum und an dem Staat, der diesem Volkstum politische Macht gab, hängender Tscheche in diesen Tagen stürmischer Dorwartsentwicklung trauert Die Art aber, wie das Pariser Büro dieser „Treue" Ausdruck gibt, zeigt in zynischster Form den Willen zur Hetze, zeiA den W i l l e n z u r u n - verschämten Provokation. Keine Tränen über das Ende des selbständigen Staates werden vergossen, keine Trauer darüber kommt zum Ausdruck, daß das ffchechische Volkstum nunmehr seine Macht Über andere verloren hat. Nur ein Gedanke beherrscht die Hetzer, die die demokratische Welt mobilmachen möchten: Frankreich hat 4 0 Di - visionen verloren! Die Zahl derer, die für Frankreichs Politik sterben sollten, ist kleiner geworden! Daraus kommt es also denen an, die jetzt ihre Stimme gegen Deutschland erheben! Nicht der Gedanke an die Gefühle tschechischer Volksangehöriger rührt sie, sondern der Verlust an Macht für imperialistische Ziele anderer. Nicht um Leben und Freiheit des ffchechischen Volkes geht es ihnen, sondern um die zahlenmäßige Stärke der Hintermänner der Kriegshetze, der Versailler Kräfte, der Gegner des Reiches! Das, was in Paris jetzt vor sich geht, entlarvt die Freunde der zu Grabe getragenen Tschecho-Slowakei als wahre Krämer des Todes, als nüchterne Rechner mit der Zahl derjenigen, die in Tod und Verderben geschickt werden können, damit die Versailler Politik lebe! Etwas Niedrigeres, etwas Gemeineres, etwas Zynischeres ist wohl fetten im politischen Leben der Völker inszeniert worden. Möge es dem tschechischen Volke die Augen darüber öffnen, welches Schicksal man ihm zugedacht hatte und weshalb man jetzt um sein Schicksal Klagelieder intoniert. GngUschenndsranzösjscheproteste in Senin zurückaewiesen. Berlin, 18. März. (DNB.) Der englische und der französische Botschafter haben aus Anlaß der Aktion, die von Deutschland zur Herstellung von Ruhe und Ordnung in Böhmen und Mähren und damit zur Befriedung Mitteleuropas durchgeführt worden ist, eine Demarche i m Auswärtigen Amt gemacht, um gegen eine angebliche Unrechtmäßigkeit des deutschen Vorgehens zu protestieren. Wie verlautet, ist den beiden Diplomaten von amtlicher Seite mitgeteUt worden, daß die Reichsregierung nicht in der Lage sei, solche Proteste entgegenzunehmen, da diese jeder politischen, rechtlichen und moralischen Grundlage entbehrten. Oer „Tag der Wehrmacht" in Prag. Eindrucksvolle Parade der deutschen Truppen auf dem WenzelSplah. Memel, 19. März. (DNB.) Unter gewaltiger Teilnahme der memeldeuffchen Bevölkerung fand am Sonntag in Memel die Einweihung des wiederaufgerichteten Denkmals Kaiser Wilhelms I. statt, das vor 16 Jahren van litauischen Frevlerhänden gestürzt worden war. Der memeldeutsche Kriegerbund dem als Träger der soldatischen Tradition dieses alten preußisch-deutschen Landes die Führung der Feier übertragen wurde, war in Stärke von 3000 Mann aufmarschiert, daneben Ehren sturme und Abordnungen sämtlicher Gliederungen der memeldeutfchen Bewegung. Die Stadt prangte be- reits seit Tagen im reichen Flaggen- schmuck, da die Memeldeuffchen ihrer inneren Anteilnahme an dem historischen Geschehen in Böh- men und Mähren durch Hissung der Fahnen spontan Ausdruck gegeben hatten Neben den grünweiß, roten Memelfahnen waren besonders viele Hakenkreuzfahnen zu sehen. „Wir wollen heim zum Reich!" Große Dolkskundgebung der Memeldeutschen bei der Wiederaufrichtung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. Prag, 19. März. (Europapreß) Am Tage der deutschen Wehrmacht wurde auch in der Hauptstadt des Protektorats Böhmen und Mähren eine große Parade aller zur Zeit hier liegenden Truppenteile der deutschen Wehrmacht einschließlich der Luftwaffe abgehalten. Schon in den frühen Morgenstunden begann trotz der bissigen Kalte der Zustrom der Bevölkerung, der deutschen sowie der tschechischen, zum Wenzelsplatz, zu jenem historischen Platz, auf dem am 28. Oktober 1918 der tschecho-slowakische Staat ausgerufen wurde und auf dem sich heute das für Prag erstmalige Schauspiel einer deutschen Truppenparade abspielen soll. Als einige Minuten vor 10 Uhr der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe3, General der Infanterie B l a s k o w i tz , vor der in der Mitte des Platzes aufgestellten und mit der Reichskriegsflagge, den Fahnen der Bewegung und den ffchechischen Farben geschmückten Tribüne eintraf, war der Wenzelsplatz bereits ein unübersehbar wogendes Menschenmeer geworden. Die Balkone der Häuser waren zum Bersten überfüllt. In den Fenstern lagen die Menschen wie Trauben übereinander geschichtet. Auf der Tribüne hatten sich inzwischen die offiziellen Gäste, darunter der neuernannte Staatssekretär für das Protektorat Böhmen-Mähren, Karl Hermann Frank, Ministerpräsident Beran mit der gesamten Regierung des Protektorats, darunter auch General Sirooy, der deutsche Geschäftsträger in Prag. Gesandtschaftsrat Hencke, der Pnmator der Stadt Prag, K l a p k a , und dessen Stellvertreter, Profesior Pfitzner, loroie eine große Anzahl anderer Vertreter von Böhmen und einiger noch in Prag bestehenden Gesandtschaften emgefunben. Der Führer der Memeldeuffchen, Dr. Neumann, wurde bei seiner Ankunft von den Massen mit Sieg- Heitt-Rusen begrüßt. Der Memeler Gebietskriegerführer Dr. S ch w a r z e hielt die Weiherede. Wenn verblendete Menschen, so sagte er, vor 16 Jahren glaubten, durch die Beseitigung der deutschen Denkmäler auch die Treue aus den deutschen Herzen reißen zu können, fo hätten die Memeldeuffchen ourch sechs Wahlen aller Welt bewiesen, daß sie deutschen Blutes seien. Blut aber sei ftarter als Stein und Erz. 20 Jahre lang sei das Selbstbestimmungsrecht der Memeldeuffchen mit p u ßen getreten worden Ohne Volksbefragung feien sie abgetrennt und nach dem litauischen Putsch nn Jahre 1923 gegen ihren Willen Litauen e i n oerle ibt worden Zwölf Jahre lang habe das Memelland unter dem Kriegszustand geschmachtet, die memeldeuffchen Führer seien in Zuchthäuser geworfen worden, und die Wirtschaft des Memellandes wurde in einen Trümmerhaufen Wenige Minuten nach dem Eintreffen des Oberbefehlshabers begann das Schauspiel, gleich eindrucksvoll und unvergeßlich für die deutsche wie die tschechische Bevölkerung der Stadt. Bevor noch die ersten Fahnen am oberen Ende des Platzes aufgetaucht waren, verkündeten schon stürmische Heilrufe die Ankunft des Zuges. Besondere Bewunderung sand die Wucht der marschierenden Infanterie-Kompanien, der ^-Verfügungstruppen und der Polizeitruppen. Zum erstenmal sah Prag auch mehrere Einheiten der Fallschirmjäger. Die berittenen Truppen, voraus ein Trompeterkorps, wurden beim Einschwenken mit besonderem Beifall bedacht. Das prachtvolle Pferdematerial mit für jede Einheit gleichmäßigen Farbe zeigte dem Pferdekenner den hohen Stand der deutschen Pferdezucht. Motorisierte Truppen, leichte und schwere Panzerspähwagen, Kraftradschützen, schwere Maschinengewehre, Panzer- Abwehrkanonen, leichte und schwere Artillerie rollten vorbei. Nachrichtentruppen, Flakbatterien und die dröhnende Kette der Panzertruppen bildeten den Abschluß der Parade. Auch die tschechische Bevölkerung, die sich in den letzten Tagen mit den deutschen Soldaten schon auf recht freundschaftlichen Fuß gestellt hat, konnte sich des überwältigenden Eindrucks nicht erwehren, und fast selbstverständlich erhoben sich auch die Hände tausender Tschechen, wenn die Fahnen der einzelnen Truppenteile vorbeigetragen wurden. Die ursprüngliche Neugierde war einer Bewunderung und Hochachtung gewichen. Unbeschreiblich war natürlich der Jubel bei der deutschen Bevölkerung, die mit Stolz jeden Schritt der Soldaten und jedes Gerät der deutschen Wehrmacht beobachtete. Während der Parade üb erflogen einige Male schwere Kampfflugzeuge in der Marschrichtung der Truppen den Wenzelsplatz. Oer erste Reichsprotektor Berlin, 18.März. (DllB.) Der Führer hat den Reichsminifter Freiherr» Konstantin von Neurath zum R e i ch s p r o t e k t o r in Böhmen und Mähren mit dem Dienstsih in Prag ernannt Freiherr von Neurath behält feine Aemter als Reichsminister und Präsident des <ße-, Heimen Kabinettsrates bet Ferner hat der Führer sich Berlin zum Dolmetsch der Gefühle des ganzen deutschen Volkes. Als Adolf Hitler das erste Mal auf dem Balkon erscheint, sind in seiner Begleitung Generalfeldmarschall Hermann Göring und der Reichsmimster des Auswärtigen von Ribbentrop. Dreimal noch zeigt sich der Führer. Dann aber zieht er sich zurück zu dringenden Besprechungen Erst nach und nach verebbt die Hochstimmung auf dem Wil- helmplatz. Langsam gehen die Massen auseinander. Glücklich, eine der großen und herrlichen Stunden der deutschen Geschichte in nächster Nähe miterlebt zu haben. Reichskanzlei aufgestellt hat, grüßt der Führer im Vorbeifahren vor allen anderen. Kaurn aber ist der Führer in der Reichskanzlei, da durchbrechen die Masten die Absperrungen und mit einem einzigen Jubelschret auf den Lippen stürmen sie über die Straße. Denn sie wissen, lange dauert es nicht mehr, bis der Führer auf dem Balkon erscheinen wird. Und doch vergehen Minuten, in denen die hunderttausende schaffende Berliner nicht aufhören, ihrer Begeisterung Ausdruck zu geben. Endlich öffnet sich die Tür Hunderttausend Hände strecken sich zum Gruß. Sieg-Heil! Unserem Führer! So macht war er Kabinettschef des Königs von Württemberg. Auf diesem Posten verblieb Neurath bis November 1918, dann wurde er Gesandter in Kopenhagen. Zwei Jahre später vertrat er als Botschafter die Interessen des Deutschen Reiches in Rom. Am 1 Oktober 1930 erfolgte seine Berufung auf den Botschas- terpoften in London. 1932 wurde er zum Reichsminister des Auswärtigen ernannt. Seit 1933 gehörte er dem Kabinett des Dritten Reiches an, das Adolf Hitler am 30. Januar bildete. Neurath zählt zu den Persönlichkeiten, die das besondere Vertrauen Des Führers genießen Auf feinen eignen Wunsch entband ihn der Führer am 4. Februar 1938 von seinem Amt als Reichsminifter des Auswärtigen und ernannte ihn zum Präsidenten des am selben Tage gebildeten Geheimen Kabinettsrats. Durch seine Ernennung zum ersten Reichsprotektor in Böhmen und Mähren kommt das große Vertrauen zum Ausdruck, das der Führer seinem ehemaligen Minister des Auswärtigen entgegenbringt. Staatssekretär Karl Hermann Frank steht im 41. Lebensjahr. Er wurde in Karlsbad als Sohn eines Lehrers geboren. Er war Mitarbeiter Konrad Henleins und gründete in Karlsbad die erste Ortsgruppe der Sudetendeutschen Heimatfront. 1935 war Freiherr von Neurath. (Scherl-Bilderdienst-M.) den stellvertretenden Gauleiter des Gaues Sudeten- land. Karl Hermann Frank, zum Staatssekretär und den Regierungspräsidenteu Kurl von Burgsdorfs zum Miuisterialdirek- l o r beim Reichsprotektor in Böhmeü und Mähren ernannt. * Der erste Reichsprotektor für Böhmen und Mähren, Freiherr Konstantin von Neurath, der jetzt im 66. Lebensjahr steht, ist Württemberger: sein Vctter war der Oberstkammerherr des Königs von Württemberg. Schon vor über dreißig Jahren trat Neurath in den diplomatischen Dienst. Vor dem Weltkrieg war er Vizekonsul in London und bann Botschaftsrat in Konstantinopel. Während des Weltkrieges wurde Neurath von der Front, an der er als Kompanieführer kämpfte, zurückberufen und als Botschaftsrat nach Konstantinopel gesandt. 1917/18 Staatssekretär Karl Hermann Frank. (Scherl-M.) er für die Wahlvorbereitung verantwortlich und wurde Abgeordneter des Egerland-Wahlkreifes. 1936 berief Konrad Henlein ihn in den Führerrat der SDP., und bestellte ihn 1937 zu seinem Stellvertreter. Bis jetzt war Karl Hermann Frank Stellvertretender Gauleiter des Sudetenlandes. fern zu können. 21 ber damit wird man in London kein Glück haben. Deutschland wird sich durch solche plumpen Methoden ledialich veranlaßt sehen, die Sicherheit des deutschen Lölkes auf allen Gebieten mit den stärksten Mittel auf das äußerste zu steigern. Chamberlain, der gerade in diesen Tagen seinen 70. Geburtstag begehen konnte, läuft Gefahr, unter dem Einfluß einer augenblicklichen Verstimmung der in München angebahnten Entwicklung zu einer ver- nünftiaen naturgegebenen Neuordnung und Friedenssicherung Europas den Weg zu versperren. Denn es kann nicht ausbleiben, daß auf die Herausforderungen, zu denen sich der britische Premierminister bedauerlicherweise hat hinreißen lassen, Deutschland die Antwort nicht schuldig bleiben wird. So wenig Deutschland es jemals unternommen hat, englische Interessen zu beeinträchtigen, so sehr darf es auch verlangen, daß das englische Volk sich jeder Einmischung in ausschließlich deutsche Angelegenheiten enchält. Nuraufdieser Grundlage kann zwischen Deutschland und England das freundschaftliche Verhältnis- entstehen, das das deutsche Volk und seine Regierung seit langem anstreben, dessen Zustandekommen aber durch solche Reden, wie wir sie in den letzten Tagen jenseits des Kanals hören mutzten, unmöglich gemacht wird. Jedenfalls werden weder die Rüstungskredite, die Daladier gefordert hat, noch die Reden englischer Politiker das deutsche Volk von seinem Wege abbringen. Es kennt aus der Vergangenheit diese Töne gut genug und geht darüber zur Tagesordnung über. Vielleicht ist bk Opposition gegen Chamberlain durch seine Rede in Birmingham etwas besänftigt worden, in jedem Falle werden die Gelder für die Rüstungsindustrie lebhafter fließen — und darauf mag es gewissen Leuten ankommen. Es ist schade, daß sie kein anderes Rezept für den Wiederaufbau Europas gefunden haben. Chamberlains Rede. Gonntagsbefprechungen in London. Erregte Kombinationen der englischen presse. London, 20. März. (Europapreß.) In der Amtswohnung des Ministerpräsidenten fanden am Sonntag Besprechungen statt. Nachdem Chamberlain den Luftfahrtminister, Sir Kingsley Wood, empfangen hatte, hatte Lord Halifax, der vom Unterstaatssekretär C a d o g a n begleitet war, eine eineinhalbstündige Unterredung mit ihm. Weitere Besucher waren Handelsminister Stanley, Do- minienminister Sir Thomas Jnskip, Verteidigungsminister Lord C Hatfield und Marineminister Lord Stanhope. Von ausländischen Diplomaten sprachen der französische und sowjetrussische Botschafter im Außenministerium vor. Ministerpräsident Chamberlain begab sich kurz vor 19 Uhr in den Buckhingham-Pa- l a st, wo er oom König, der kurz vorher von Schloß Windsor nach London zurückgekehrt war, in Audienz empfangen wurde. Chamberlain erstattete dem König Bericht über die letzte Entwicklung der Lage und über den Verlauf der Kabinettssitzung. Die Audienz Chamberlains beim König dauerte über eine Stunde. Im Anschluß daran hatte der Ministerpräsident in seiner Amtswohnung neue B e - s p r e ch ungen mit Lord Halifax und dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes. Für Montagvor- mittag ist eine außerordentliche Kabinetts- I r si u n g zur Beratung der außenpolitischen Lage anberaumt worden. Sie wird den Ministern Gelegenheit geben, die Erklärungen zur Kenntnis zu nehmen und zu billigen, die Ministerpräsident Chamberlain und Außenminister Lord Halifax am Nachmittag im Parlament abzugeben beabsichtigen. Mit Ausnahme der „Times" sprechen die Blätter in mehr oder weniger deutlicher Form von der Möglichkeit einer gemeinsamen Front aller demokratischen Staaten unter Englands Führung, wobei aber eigentümlicherweise d i e Sowjetdiktatur neben Frankreich als einer der wesentlichsten Faktoren eines solchen demokratischen Paktes angesehen wird. „Daily Telegraph" schreibt, das Kabinett prüfe die Frage, ob es ratsam sei, sofortige Beratungen mit Frankreich, Sowjetrußland und den Balkan st aaten (!) zu eröffnen. Man erfahre, daß der Sowjetbotschafter Maiski ersucht worden sei, die Ansicht seiner Regierung über „gewisse Punkte" einzuholen, denen man in London wesentliche Bedeutung beilege. Die seit langem von der britischen Regierung vertretene Ansicht, daß es keinen Zweck habe, irgendwelche Länder nördlich ober westlich der Türkei aktiv zu unterstützen, werde in Downing Street zur Zeit überprüft. In größter Aufmachung meldet „Daily Mail" bereits, daß die britische Regierung die sowjetrussische Regierung formell aufgefordert habe, ihre Beteiligung an einem Pakt mit England und Frankreich zu prüfen. Das Blaff bezeichnet wieder einmal General st absbesprechungen mit Frankreich und möglicherweise auch mit anderen Ländern als „dringlich". Eine nüchterne Haltung nimmt das meistgelesene Londoner Blatt, der „Daily E x p r e ß", ein, der seinem Montagsteit- artikel die Überschrift „Kein Krieg in Aussicht" gibt. Das Blatt zitiert eine Anzahl hoffnungsvoller Zeichen bei der Beurteilung der neugeschaffenen Lage in Mitteleuropa und stützt sich dabei insbesondere auf die Persönlichkeit des zum Reichsprotektor ernannten Herrn von Neurath. rung ist anzuordnen, wenn begründete Aussicht besteht, den Schulpflichtigen noch 'wesentlich zu fördern. Vorzeitige Entlassung aus der Schulpflicht ist nicht statthaft, widerrufliche Beurlaubung nach siebenjährigem regelmäßigen Schulbesuch nur bei ungewöhnlich schwierigen häuslichen, wirtschaftlichen oder persönlichen Verhältnissen. Während der ersten 4 Jahre darf nur in seltenen, besonders begründeten Ausnahmefällen an Stelle des Volksschulbesuchs eine anderweitige Erziehung und Unterweisung genehmigt werden. Als bildungsunfähig und damit von der Schulpflicht befreit find diejenigen anzusehen, die körperlich, geistig ober seelisch so beschaffen sind, daß sie auch inSonderschu- len nicht gefördert werden können. Die Schulpflicht geistig und körperlich behinderter Kin- ber und die Erfassung der Schulpflichtigen werden noch geregelt werden. Wo vom Schuljahr 1939/40 an die Volksschulpflicht von 7 auf 8 Jahre verlängert wird, sind Schulpflichtige des 8. Schuljahres, die das 14. Lebensjahr vollendet haben, zum Schluß eines Schulvierfeljahrs für den Reff der Schulzeit zu beurlauben, wenn Nachwuchsmangel es erfordert. Verhandlungsangebot Madrids von Franco abgelebnt. Paris, 19. März. (Europapreß.) Der rote „Derfeidigungsausschuß" von Madrid hat folgende Mitteilung an die nationalspanische Regierung Francos ergehen lassen: „Der Nationale Derteidi- gungsausschuß hat seine Mission erfüüt. Infolgedessen wendet er sich an Ihre Regierung, um ihr wirktschmerzstillend- I IVIQberfrischend-belebend ■ Amol Karmelitergeist ab 80 Pf. in allen Apotheken u. Drogerien London, 18. März. (DNB.) Ministerpräsident Chamberlain, der am Samstag 70 Jahre alt wurde, hielt am Freitagabend in Birmingham eine Rede, in ber er zur tschechischen Frage Stellung nahm. Chamberlain verteidigte sich dagegen, daß das Abkommen von München an den letzten Ereignissen die Schuld trage. Die Tatsachen von heute änderten nichts an der Lage, wie sie im September vorigen Jahres gewesen sei. Wenn er damals recht gehabt habe, dann sei er auch noch heute im Recht. In München sei vorgesehen gewesen, daß durch eine internationale Kommission die „endgültige" B e g r e n z u n g der Tschecho-Slowakei erfolgen solle. Ferner habe er in München eine Erklärung unterzeichnet, wonach alle die beide Länder, Deutschland und England, berührenden Fragen i m Wege der Konsultation behandelt werden fällten. (Wobei darauf hinzuweisen ist, daß das fragliche Gebiet nicht als englische Interessensphäre gelten kann, dagegen aber seit Tausenden von Jahren unmittelbar zum deutschen Lebensraum gehört.) 3m weiteren Verlauf feiner Rede behauptete Chamberlain, bevor auch nur der tschechische Präsident empfangen worden fei, und bevor Forderungen gestellt worden seien, denen Widerstand zu leisten er nicht fähig gewesen wäre, seien die deutschen Truppen auf dem Marsch gewesen. (Hier muß Chamberlain an die Rundfunkansprache Hachas in Prag vor feiner Abreise nach Berlin erinnert werden, in der her tschechische Präsident nach einer Prager Rundfunkmeldung unmißverständlich erklärt hat, man müsse die historischen und geographischen Tatsachen respektieren, die die Eingliederung des tschechischen Staates in den Machtbereich bes Deutschen Reiches als gegeben erscheinen kreißen.) Chamberlain erklärte bann, daß er die Ent- itäuschung des britischen Volkes über den Fehlschlag »der Münchener Politik teile, und gab seiner Sympathie für das tschechiche Volk Ausdruck. Der bri- Uische Ministerpräsident erinnerte darauf an die Keinerzeitige Erklärung, daß Deutschland nach ber Lheimkehr des Subetenlanbes keine territo ri« aalen Forderungen mehr habe, unb verbuchte hieraus einen Wiberfpruch zu konstruieren. llChamberlain vergißt dabei, baß deutsche territoriale ^Forderungen überhaupt nicht erhoben worden find, sondern daß es um die Sicher- fteUung von Ruhe, Ordnung und Frieden in einem Gebiete ging, das durch unerträgliche Ausschreitungen und einseitige Verhetzung iiu einem dauernden Gefahrenherd geworden war. Jeberbies hatte der tschechische Staatspräsident ja elbst von sich aus den Schutz des Deutschen Reiches nngerufen.) Zum Schluß stellte Chamberlain die Frage, ob fcie Entwicklung ber letzten Tage ein Schritt auf »em Wege zu dem Versuch sei, die Welt mit Gern a l t zu beherrschen. „Das sind schwere und ernste fragen", fuhr er fort. „Ich werde sie heute nicht beantworten. Ich bin aber sicher, daß sie eine chwere und ernste Prüfung verlangen." siede Seite des nationalen Lebens müsse vom Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit überprüft wer- ien. Er glaube nicht daran, daß irgend jemand sine Aufrichtigkeit in Zweifel stelle, wenn er erkläre, daß es kaum etwas gebe, was er nicht für inen Frieden opfern wolle. Ein Ding gebe es jedoch, Inas er ausnehmen müsse, unb bas sei b i e Freiheit, die England feit Hunderten von Jahren genieße und die es niemals aufgeben werbe. Obwohl ir das Land nicht unbegrenzt verpflichten wolle auf Bebingungen, die sich nicht voraussehen ließen, d dürfe doch niemand vermuten, baß Großbritannien sich nicht bis zum Letzten einer Beherrschung leer Welt burch Gewalt widersetzen würbe, jnlls sich diese Drohung jemals ergeben würde. Lustflottenkommando in Wien. Berlin, 18. März. (DNB.) Der Reichsmimster Iter Luftfahrt unb Oberbefehlshaber der Luftwaffe (ibt bekannt: „Infolge ber weiteren Verstärkung unb irtn Zuge der Errichtung des Reichs- zrotektorats Böhmen unb Mähren t irb mit sofortiger Wirkung bas Luftflotten- kvmmando 4 aus dem bisherigen Luftwaffen- Iimmanbo in Wien gebildet. In territorialer Einsicht umfaßt es folgende Gebiete des Großdeut- fyen Reiches: die Ostmark, Böhmen, Mähren, Teile d:s Sudetengaues und Schlesien. Z u m Chef bae r Luftflotte 4 und Befehlshaber Südost i der bisherige Kommandierende General des Luft- oaftenkommanbos Ostmark, Generalleutnant Löhr, unter gleichzeitiger Beförderung zum General der Flieger ernannt worden, der aus ber otten österreichisch - ungarischen Armee heroorgegan- am ist unb nach bem Weltkriege am Ausbau ber Fliegertruppe des österreichischen Bundesheeres füh- rmb beteiligt war. Die Tatsache ber Bildung des Luftflottenkommandos 4 bedeutet einen weiteren gsroaltigen Stärkezuwachs der deutschen Luftwaffe, der die (^''-rigen Alst" ' u-stchtLS Mf-elltüch übMeigLc", Das Echo in Frankreich. Sondervollmacht für Daladier. Paris, 20. März. (DNB.) Das Ermächti- g u ngsgefetz wurde von der Kammer mit 321 gegen 264 Stimmen angenommen. Die Regierung hatte daran die Vertrauensfrage geknüpst. Auch ber Senat erteilte bem Ministerpräsidenten am Sonntagnachmittag mit 286 gegen 17 Stimmen die geforderten Vollmachten. Der K a b i n e 11 s r a t, der am Sonntag zusammentrat, hat einen Bericht des Ministerpräsidenten unb Kriegsministers Daladier über d i e ersten Maßnahmen angehört, die auf Grund der Vollmachten der Regierung getrof- fen werden. Diese Maßnahmen werden am Montag dem Ministerrat zur Billigung vorgelegt. Zum erstenmal besinnt sich am Montag die Pariser Presse — vielleicht auf einen deutlichen Wink von oben hin — eine Art „nationale Einigung und so etwas wie eine nationale FroM gegen die angebliche Deutsche Drohung" widerzu- spiegeln. Nachdem das französische Parlament ber Regierung Daladier die Sondervollmachten bewilligt Hat, findet sich in allen Blättern von rechts bis links die Tendenz, den Eindruck einer geschlossenen öffentlichen Meinung hinter der Regierung zu erwecken. Auffällig ist, daß sogar ber ewig oppositionelle Querluant de Ke- rillis in den chauvinistischen Epoque erklärt, seinen Feldzug gegen die Regierung Daladier einstelten und der Regierung von heute an im Interesse des Gemeinwohles unb der Einigkeit aller Franzosen einen neuen und weitgehenden Kredit einräumen zu wollen. Auch aus ber sozialdemokratischen unb kommunistischen Presse sind die kämpferischen Aufrufe gegen Daladier unb gegen die Diktaturgesahr in Frankreich verschwunden. Dieser Umschwung scheint den Oppositionsblättery augenscheinlich leicht gemacht zu sein, durch die Hoffnung auf ein Z u - sammengehen der großen „Demokra- tien" mit Moskau gegen die totalitären Staaten. Die außenpolitischen Kommentare aller Frühblätter bewegen sich um die angeblich in Bildung begriffene große Front der Demokratien gegen die „Hitler-Gefahr". Das rechtsstehende „Petit Journal" rechnet mit Maßnahmen zur Beschleunigung der R ü - stungsproduktion, Steuerungen im System der 40-Stunden-Woche, Abstellung der Lieferungsrückstände in den für die Landesverteidigung arbeitenden Privatbetrieben, Priorität für die Bestellungen der Armee, der Luftwaffe unb ber Marine in allen Jnbustriezweigen, Finanzerleichterung für die Rüstungsbetriebe, weiter die Bildung von Reserven durch Ankäufe im Ausland. Ferner glaubt das Blatt an die schnelle Einberufung von Spezialisten und der Zurückgestellten im Bedarfsfall. Reserveoffiziere sollen in weitestgehendem Maße zum aktiven Dienst herangezogen werden. Der „Petit Parisien" sagt, es handle sich darum, daß Frank- reich eine industrielle Mobilmachung durchführe. Die französische Kraftanstrengung müsse der Englands entsprechen. Der begeisterte Empfang des Führers durch die Bevölkerung der Reichshauptstadt wird von den französischen Blättern stark beachtet. Das Journal" sagt kummervoll: „Während die ganze Welt auf einen ,Gewaltstreiclst reagiert, bereitet Berlin dem Führer einen triumphalen Einzug!" Der Berliner Korrespondent des Blattes gibt zu, der Einzug sei eines großen siegreichen Füh- rers würdig gewesen. Dieser Empfang sollte dem Führer die Verehrung und Dankbarkeit des Volkes und gleichzeitig dem Ausland zeigen, daß dieses Volk ganz hinter feinem Führer steht. Der Berliner Vertreter des „Jour" versucht indessen, den Empfang abzuschwächen und möchte seinen Lesern weißmachen, „Berlin habe seine Angst am Sonntagabend in einem Taumel betäuben wollen". Die Gestaltung des Jugendstrafrechts. Lugendgemäße Strafen. - Vom Wochenendkarzer bis zum Lugendzuchthaus. Im Anschluß an die Ausführungen im Jugendrechtsausschuß der Akademie fürDeut- s ch e 5 Recht äußert sich Staatssekretär Dr. F r e is« ler in ber sozialpolitischen Zeitschrift der Hitler- Jugend „Das junge Deutschland" über die materielle Gestaltung des Jugendstrafrechts. Die Haupt- bebeutung ber Jugendstrafrechtspflege liege in der Scheidung der asozialen Jugendlichen von der Gruppe der Labilen. Diese Aufgabe offenbare sich in ihrer ganzen Bedeutung, wenn man bedenke, daß drei Viertel aller zu Sicherungsverwahrung Verurteilten ihre erste Freiheitsstrafe als Jugendliche erhielten. Das frühzeittge Erkennen ber Antisozialen und Asozialen erspare der Volksgemeinschaft unenblich viel Leib. Die Jugendgemäßheit bes Jugendstrafrechts werde im Gesetz am sinnfälligsten im Nebeneinander von Erziehungsmaßnahmen unb Strafen heroortreten. Dabei fei die Frage entscheidungsbe- bürftig, ob ein Jugenb Zuchthaus vorgesehen werden müsse. Zuchthaus sei wegen seines entehren- ben Charakters keine fügend gemäße Strafe, feine Anwendung müsse daher ayf erkannt antisoziale Jugendliche beschränkt bleiben. Vielleicht fönno- bie sehr harte Behanblung im Zusammenhang mit anschließenden Ueberführungsmaßnahmen boch noch biesen und jenen ber Volksgemeinschaft wiedergewinnen. Gefängnis hatte in ber Jugendstrafrechts- pflege bisher große Bebeutung, aber brei Viertel ber Strafen lagen unter ber Dreimonatsgrenze. Einen Gefängnisvollzog, der die erstrebte Wirkung gar nichtentfalten könne, sollte man am Jugendlichen gar nicht erst beginnen. Zwei bis brei Monate seien die Minbestspanne zur Wirksamkeit des Jugendgefängnisses. Als weitere jugendgemäße Freiheitsstrafe fei ber Jugendarrest empfohlen worben, unb zwar in zwei Vollzugsformen, als Wochenenbkarzer und als fortlaufenb zu vollziehender Arrest. Ein solcher Arrest entehrt nicht, behaftet in ber Öffentlichkeit nicht mit bem Makel ber kriminellen Strafe und gibt infolge feiner „Schockwirkung" eine letzte sehr ernfte Warnung vor dem Gefängnis. Sem Mindestmaß sollte 24 Stunben fein. Die Haftstrafe werde infolgedessen im Jugendstrafrecht nicht benötigt. Auch die Geldstrafe sollle ausgemerzt werden. Dagegen seien Sicherungsmaßregeln auch im Jugendstrafrecht notwendig. Das Arbeitshaus dürfe nicht in Frage kommen. Sehr schwierig sei die Frage, ob die Entmannung vorgesehen werden soll. Endlich müsse ? der Jugend bewahrung geklärt &£ iül texTfireis &£ JugelldlWü 2U» Wendung finden konnte, für den Jugendzuchthaus in Frage kommt. Staatssekretär Dr. Freister fordert, daß der Jugendarrest von allen Registerauskünften mit Ausnahme an die Strafgerichte ausgenommen fein muß. Er empfiehlt weiter, imAugenblickder Volljährigkeit bei jedem Jugendlichen zu prüfen, ob mem ihm noch einmal reine gänzlich weiße Papiere geben kann. Bei den Erziehungsmaßregeln müsse die Verwarnung mit einem lebendigen Inhalt versehen werden. Der Zwang zur Wiedergutmachung könne erzieherisch wirken. Die anderweitige Unterbringung sei häufig wertvoll. Die Schutzaufsicht werde steigend angewandt. Die Fürsorgeerziehung kranke an Diskreditierung dadurch, daß Schwer- kriminelle und ausgesprochen Unterwertige aus ihr nicht ausgeschieden sind. Wer mit schwerer Kriminalität belastet sei, gehöre in den Jugendstrafvoll- zug, während die Fürsorgeerziehung für erziehungsfähige gefährdete Jugendliche bestimmt sei. Nie Volksschulpflicht. Der Reichserziehungsminister hat die Bestimmungen über den Volksschulbesuch der Neuordnung und Vereinheitlichung für das Reich angepaßt. Für alle Kinder, die bis zum 30. Juni das 6. L e - b e n s j a h r vollenden, beginnt mit bem Anfang bcs Schuljahres die Pflicht zum Besuch der Volksschule. Auf Antrag ber Erziehungsberechtigten können aber auch solche Äinber zu Anfang bcs Schuljahres in die Schule aufgenommen werden, die in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September das 6. Lebensjahr vollenden, wenn sie die erforderliche geistige und körperliche Reife besitzen. Wenn also Aussicht besteht, daß sie in ber Gage sein werden, ohne gesundheitliche Schädigung am Unterricht mit Erfolg teilzunehmen. Dabei sind bie örtlichen Umstände und die häuslichen Verhältnisse zu berücksichtigen. Ergeben sich Zweifel, ob ber Schulpflichtige körperlich ober geistig ausreichend entwickelt ist, so ist zu prüfen, ob es der Zurückstellung bedarf, die in ber Regel zunächst für das laufende Schuljahr auszusprechen ist. Dabei kann auf Antrag bes Schulleiters bestimmt werben, daß Zurückgestellte einen geeigneten Kindergarten besuchen, wenn dies zur Förderung ihrer Entwicklung angebracht erscheint. Die Volksschulpflicht endet acht Jahre nach I ihrem gesttzlick^n Beginn, auch wenn der Schul-! MchsiLe AoaÄt üM, Ems LerLiiKge« mitzuteilen, daß wir bereit sind, in Verhandlungen emzutreten. Wir erwarten Ihre Entscheidung." Wie „Exchange Telegraph" erfährt, ist das Der- handlungsangebot von der Regierung in Burgos abgelehnt worden. „Nur ein siegreicher Friede kommt für das nationale Spanien als Abschluß des Krieges in Betracht", erklärte in ber Nacht zum Sonntag der Innenminister ber Franco- Regierung, Serano Suner, zu dem „Friebens- angebot" des Mabrider „Verteidigungsrates". Natio- nalspanien habe seine Großzügigkeit bei ber Liquidierung bes Krieges bereits unter Beweis gestellt. Ss habe Tausende von geflüchteten Milizangehörigen fteundlich aufgenommen. Nur die verbrecherischen Elemente würden zur Rechenschaft gezogen. Kunst und Wisfenschast. Goethemedaille für Emil Lannings. Der Führer hat dem Staatsschauspieier Emil 3 a n n i n gs in Berlin aus Anlaß seiner 25jäh- rigen Tätigkeit beim Film in Anerkennung seiner Verdienste um bie beutsche Filmkunst bie Goethemedaille ffir Kunst und Wissenschaft verliehen. Aus Anlaß des 25jährigeich Filmjubiläums von Jannings hatte der Produktionschef der Tobis, Ewald von Demanbowsky, hervorragende Künstler sowie alte Freunde des Gefeierten in den Kaiserhof geladen. Reichsminister Dr. Goebbels, der zur großen Freude aller der Einladung ebenfalls i^olge geleistet hatte, überreichte dem Jubilar im Namen des Führers die Goethe-Medaille für Kunst uni) Wissenschaft. In einer herzlichen Ansprache be- gründete er diese außergewöhnliche Ehrung für ben großen Schauspieler und Menschengeftalter. Er glaube, daß er sich zum Sprecher von Millionen deutscher Menschen mache, wenn er in Emil Jan- nings den Künstler ehre, dessen Durchschlagskraft und Reichweite wett über die Grenzen des eigenen Volkes hinausgegangen fei. "Emil Jannings", fo stellte Dr. Goebbels fest, „hat den Namen und den Rang der deutschen darstellenden Kunst durch Europa und über alle Kontinente getragen. Es ist uns ein Herzensbedürfnis, Jm heute für 25 Jahre angestrengten Schäftens zu danken, die eine Unsumme von Erfolgen, aber auch oon Sorgen, Lasten und Verantwortung in sich schließen/ Mit der äußeren Ehrung, die der Führer ihm zuteil werden ließe, verbinde er den Wunsch, daß es Emil Jannings vergönnt fein möge, auch in Zukunft noch viele Jahre als Pionier der deutschen Schauspielkunst mitten hn Volke zu stehen. Staatsschauspieler Emil Jannings dankte in bewegten Worten für die hohe Auszeichnung. Er wisse sehr wohl, daß seine Arbeit erst in einer Zeit wirklich erfolgreich sein konnte, in der in früher unvorstellbarer Weise die Kunst geachtet und geehrt werde. Sein Dank an den Führer solle in dem Versprechen bestehen, daß er unbeirrbar den Weg zu den hohen Zielen der deMschen Kunst weitergehen wolle. Aus alter Welt. Oer Reichskriegeibund in der Front »Heim aufs Land"'1 Der Reichskriegerführer hat an bie Kameraden des Reichskriegerbundes einen Aufruf gegen bie Landflucht gerichtet. Ueberall i den Kameradschaften soll vornehmlich bei den jüngeren Kameraden für bie Parole „Heim aufs Lanb" geworben werden. Jeder Kamerad oll seinen Kindern klarmachen, wie wichtig bie E r - Haltung bes beutschen Bauerntums ist, unb sie aufforbern, sich für den ßanbbienft zur Der- ügung zu stellen. Auch in ben Kinber- unb Waisenheimen bes NS.-Reichskriegerbundes werben bie Kinber auf lanbwirtfchaftliche Berufe vorbereitet. Der Aufruf spricht die Erwartung aus, daß bie alten Solbaten auch auf diesem Gebiet für Volk unb Daterlanb ihre Pflicht tun werden, wie sie es im großen Weltkriege taten. General N inhards 70. Geburtstag. Berlin, 19. März. (DNB.) Am 18. März beging ber Führer des NS. - Reichs - friegerbunbes, Generalmajor a. D. Reinhard, einen 70. Geburtstag. Der Führer und Oberste Be- ehlshaber ber Wehrmacht hat ihn aus biefem Anlaß zum charakterisierten General der Infanterie ernannt unb ihm burch Generaloberst oon Bock in Vertretung bes Oberbefehlshaber des Heeres folgendes Handschreiben überreichen lassen: Lieber General Reinhard! Ich freue mich, Ihnen in Würdigung Ihres hingehenden Einsatzes für die Pflege deutschen Soldatentums und den Zusammen- chluß aller Gruppen ehemaliger Soldaten im NS.° Reichskriegerbund zu Ihrem 70. Geburtstag den Charakter als General ber Infanterie verleihen zu können. Meine 2lnerkennung verbinde ich mit den kcheZ KLLMichLU SMwünLchell Lhr iMlStts Wohlergehen. In kameradschaftlicher Verbundenheit mit Deutschem Gruß gez. Adolf Hitler. Die Glückwünsche des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht hat Generalmajor Reinecke, der Chef des Allgemeinen Wehrmachtsamtes, überbracht. Der Reichskriegsopfer- führer Oberlindober übermittelte neben telegraphischen Glückwünschen eine prächtige Blumenspende. Unter den telegraphischen Gratulanten befand sich auch der Präsident der Vereinigung deutscher Frontkämpferverbände, Herzog von Coburg. Als Vertreter des Luftfahrtministeriums überbrachte Oberst Bonatz, als Vertreter des Oberbefehlshabers der Marine, Kapitän zur See Brinckmann, im Auftrage des Reichsluftschutzbundes Generalleutnant a. D. Dr. Schroe- der Glückwünsche. Unter den weiteren Gratulanten bemerkte man auch eine Abordnung des Traditionsverbandes des 4. Garderegiments zu Fuß, dessen Kommandeur General Reinhard im Weltkriege war. ^-Obergruppenführer Heißmeyer sprach dem General im Namen des Reichs führ ers H herzlichste Glückwünsche aus und überreichte im Auftrage des Reichsführers einen Ehrendegen. 40jähriges rMlilärjubNäum des Generals der Infanterie Liebmann. Am 20. März begeht General der Infanterie Liebmann, der Kommandeur der Kriegsakademie, sein 40jähriges Militärjubiläum im aktiven Dienst. In Koburg 1881 als Sohn eines Offiziers geboren, trat er in das Kadettenkorps ein und wurde 1899 als Leutnant in das Infanterie- Regiment 88 (Mainz), 1901 in das Füfelier-Regi- ment 90 (Rostock) versetzt. 1906 zur Kriegsakademie kommandiert und 1912 als Hauptmann in den Generalstab versetzt. Während des Weltkrieges wurde er in verschiedenen Generalstabsstellen verwendet; 1919 murt» er in das Reichswehrministerium versetzt, wo er 1924 die Abteilung Fremde Heere übernahm. Dazwischen liegen zwei Jahre als Bataillonskommandeur in Tilsit. 1928 wurde er Kommandeur des Infanterie-Regiments 5 (Stettin), 1930 Chef des Stabes des Gruppenkommandos 2 (Kassel), 1931 Kommandeur der 5. Division, 1934 Kommandeur der Kriegsakademie der neuen deutschen Wehrmacht und 1935 zum General der Infanterie befördert. Der Führer übermittelte General Liebmann telegraphisch seine besten Glückwünsche. Furchtbare Bluttat eines 16jährigen. Auf dem Oranienhof, einem Geflügelhof und Ausflugslokal bei Siegen ereignete sich eine furchtbare Bluttat. Nach einer Auseinandersetzung erschoß der 16jährige(!) Gerhard Seifert, der Sohn des Besitzers des Oranienhofes, mit einem Gewehr seinen Vater und den Untermieter des elterlichen Anwesens, den 50jährigen Werkmeister Ewald Schwarz. Nachdem der Junge auch auf feine Mutter geschossen, die Frau aber nicht getroffen hatte, griff er zu einem Revolver und tötete sich selbst. Zwischen dem 16jährigen Seifert und fernen Eltern sowie dem Untermieter Schwarz war es zu einer Auseinandersetzung gekommen. Der Junge sollte zu einem Landwirt in Arbeit gehen, doch verlangten die Eltern, daß ihr Sohn nicht, wie dieser es wünschte, den Lohn ganz für sich behalte, sondern die Hälfte auf ein Sparkassenbuch einzahle. Auf einem polnischen See 42 Kinder ertrunken. Ein erschütternder Unglücksfall trug sich a u f einem See bei Krzemieniec in der polnischen Provinz Wolhynien zu. 45 Kinder, die sich mit ihrem Lehrer auf einem Ausflug befan- Oie HZ. ruft den Jahrgang 28/29’ den, begaben sich, noch ehe der Lehrer sie daran hindern konnte, aus die dünne Eisdecke des Sees, die bald unter ihnen zusammenbrach. Sämtliche Kinder stürzten ins Wasser. Unter Einsatz seines eigenen Lebens gelang es dem Lehrer, drei Kinder zu retten, während 42 den Tod fanden. Unter den Opfern befindet sich auch die Tochter des Lehrers. Zur Bergung der ertrunkenen Kinder sind alle umliegenden Dörfer mobilisiert worden. Die Bergungsarbeiten stoßen jedoch infolge der Größe des Sees und der Tiefe des Masters auf große Schwierigkeiten. Weiterbericht Nach dem Durchbruch einer Niederschlagsfront in der Nacht vom Sonntag auf Montag, die leichte Schneefälle brachte, herrscht zunächst wolkiges, jedoch weiterhin kühles Wetter. Die lebhafte Wirbeltatlgkeit über dem Nordatlantik hält weiter an. Bei der fortbestehenden Nordströmung wird daher unser Wetter den unbeständigen Charakter behalten. Vorhersage für Dienstag: Meist stärker bewölkt, vereinzelt noch leichte Schneefälle; Tages- temperaturen wenig über Null, nachts leichter bis nebliger Frost, 'Winde um Nord. Vorhersage für Mittwoch: Weiterhin unbeständig. Hauptschristleiler Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot: für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. II 39: 10 631. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K-G, sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. &rüßjaßrs-cNeuf)eiten für die Dame mit höheren Ansprüchen zeigt Modehaus JOSEF UNVERZAGT Fernsprecher 2301 GIESSEN Kreuzplatz 13 1979D «Gebrauchte Versandkartons kauft laufend 1987Ä STADTTHEATER GIESSEN Räutnungs- I Kaufgesuche I Ausverkauf I 1 Warmwasser 1975D unmodßrmn und 19690 die sich im esefrt häben,du/ch LWSWMtzSAS ei Hausverwalter Becker, Univ.-Gebäude. zu Heute Montag bis Mittwoch Eintritt 0.30 NM. Der Ortsleiter des VDA.: Dr. Lotz, Landrat. DDD Cafe Amend im Hole! Prinz Carl, Gießen, Seltersweg 40 Ein UFA-FILM mit 1971A OSKAR SIMA GUSTAV DIESSL Die elektr. Glucke bewahrt Sie vor Verlusten b. d. Kükenaufzucht. V. Mk. 13.50 an. Gießener Zoo, Gießen, Seltersweg 6, Tel. 3292. Eintritt frei! abends 8.30 Uhr Einspaltige Kleinanzeigen werden rum er. mäßigten Grund, preis von s pf. fürdteMllimeler. »eile veröffentlicht Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Büchner, Pfarrer i. R. FRAUKE LAUTERBACH - VIKTOR STAAL Ausfuhrende: Das Städtische Orchester Solist; Erich Meyer-Stephan Leitung: Professor Stefan Temesväry Karten zu 1, 1.50, 2.25, 3 Mk. Musikhaus Challier und an der Abendkasse Gießen (Liebigstraße 62), den 18. März 1939. Die Beisetzung findet Mittwoch, den 22. März, 14 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. cKans Garofja: Wirkungen goeißes in der gegenwait“ Die Mitglieder des Goethe-Bandes und des KanlmMu, Vereins haben bis zu swei Plätzen freien Eintritt (G.B. blauer Ausweis Kontrollabschnitt Nr. 6 u. 7- K.V. grüner Ausweis Kontrollabschnitt Nr. 13). Zusatzkarten zu 75 Pf. Mitglieder der NSDAP., der NS.« Franenschaft, des Landschaftsbundes Volkstum und Heimat erhalten ermäßigte Eintrittskarten zum Preise von 75 Pf. gegen Vorzeigen des Mitgliedsausweises, Nichtmitgl. zu RM. 1.50, Studenten, Militär u.Schüler Dienstag 21. März SPIELLEITUNG: PAUL MARTIN Die fröhliche Geschichte eines schriftstellernden Frauenkenners, der auf eine etwas ungewöhnliche und drastische Art von einem jungen temperamentvollen Mädel und von seinen einfallsreichen Freunden zur Liebe und Ehe bekehrt wird Tobis Wochenschau - Kulturfilm - Tägl, 4, 6, 8,30 Todes-Anzeige. 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Wir wissen wohl, !«ß an diesem Tage die Sonne bei ihrer scheinbaren Kordwärtsbewegung den Aequator durchschreitet und !lvn der südlichen Himmelshälfte auf die nördliche ifcertritt, daß damit an diesem Tage, an dem auf ter ganzen Erde Tag und Nacht gleich lang sind, für lie nördliche Erdhalbkugel der Frühling, für die süd- Iche der Herbst beginnt Es ist aber nicht möglich, (men bestimmten Punkt für den „wirklichen" Früh- ! ngsanfang zu nennen, und es darf uns nicht wun- ternehmen, daß die alten Kalenderregeln, die sich auf ten Beginn des Lenzes beziehen, zeitlich weit aus- lnanderliegende Daten nennen. „Fabian, Sebastian, laßt den Saft to Holte gan", isrkündet der alte Bauernspruch und legt damit den beginn des Frühlings mitten in den Hochwinter (20. Itamiar). Tatsächlich regt sich auch um diese Zeit chon, wenn unsere Erde meistens noch mit Eis und i stchnee bedeckt und nicht das kleinste Frühlingszei- c-en weit und breit zu sehen ist, der unsichtbare I srühling tief drinnen in der Erde und im Wasser mb im Innern der Bäume, und mit Recht können • v-ir auf die im Spätwinter oft ungeduldig ge- j iußerte Frage: „Wann kommt der Frühling?" ant- ; tiorten: „Er ist schon lange da!" Nach den alten Bauernregeln zu urteilen muß es öer in alten Zeiten tatsächlich früher Frühling geworden sein als heutzutage oder die sehnsüchtige Un- > x-duld unserer Vorfahren eilte der Jahreszeit oor- cus. Zahlreiche mittelalterliche Kalender, nicht nur us südlichen Gegenden, sondern auch aus dem rnttleren und nördlichen Deutschland, sogar aus (ngkand und den skandinavischen Ländern, nennen 1 n Tag von „Petri Stuhlfeier", den 22. Februar, cs Frühlingsanfang, während St. Urban (25. Mai) d n Sommer eröffnet, Bartholomäus (24. August) in beendet und St. Clemens (25. November) die (rrenze zwischen Herbst und Winter zieht. Noch sicher kannte man in Deutschland ja nur drei Jahreszeiten, Frühling, Sommer und Winter, aber i Colerus' Hausbuch vom Jahre 1591 heißt es foon: Vier Theil des Jahres ich fandt, Das erst wird der Lentz genannt; Peter Stuhlfeyer hebt ihn an Und gehet aus auf Sanct Urban. Dementsprechend war der 22. Februar früher auch en wichtiger Tag im Volksleben, an dem der Bauer, D°nn die Witterung es irgend gestattete, bestimmte ['•tbarbeiten wieder aufnahm, in den Gegenden rd)t5 des Rheins das Pachtjahr ablief und das (tejinbe den Dienstherrn wechselte. Nach dem Lübeck- | ft en Seerecht sollte kein Schiff aussegeln vor Petxi (!nthedra, und auch in Nordfriedsland galt dieser 2ng als Termin für die Wiederaufnahme des See- rirkehrs. Ms der eigentliche erste Frühlingsmonat galt Qier schon in der höfischen Minnezeit der März, dr Lentzinmanoth, wie er von Karl dem Großen bäi seiner Einführung deutscher Monatsnamen ge- ntmnt wurde, der lentemaand, wie er noch heute in den Niederlanden heißt. Es ist der Monat, in dm viele unserer Zugvögel wieder zu uns zurück- teuren oder auf ihrer Wanderung noch weiter nord- m: rt5 unser Land durchziehen, wo die ersten Früh- Ibigsblumen ihre Köpfchen aus der Erde strecken, b(5 erste schüchterne Grün sich an Büschen und Luräuchern zu zeigen pflegt. Allerdings ist ber Einzig dieser Lenzesboten innerhalb unseres Vater- lc«des je nach der Gegend zeitlich recht verschieden. Ewa vier bis fünf Wochen dauert der Siegeszug in* Frühlings durch ganz Deutschland, von seinem ersten Erscheinen im Rhein- und Neckartal an, bis (er unsere kälteste Gegend, Ostpreußen, erreicht hat. Sogar in unseren mildesten Gegenden aber kann > März, wie dieses Jahr beweist, sich noch recht Taub und wild zeigen, und wir müssen zuweilen jicti) dem Kalender sehen, um uns zu vekgewissern, ob es trotz allem wahr bleibt: „Der März — trift dem Winter ans Herz", und wirft dieser auch Ci* und Schnee umher, „es muß doch Frühling werben!" Gießen und Umgegend feiern mii ihren Soldaten. Oer „Tag der Wehrmacht" war ein großer Erfolg auf der ganzen Linie und ein starkes Bekenntnis zur Einheitsfront von Soldat und Volk. Jrn Hof des Gymnasiums durften die Kinder reiten. Bei Sonnenschein unb kalter Luft am Samstagnachmittag und am Sonntagvormittag, bei lebhaftem Schneetreiben und unangenehmer Naßkälte am Sonntagnachmittag hat Gießen seinen „Tag der Wehrmacht" erlebt. Aber nicht nur die Gießener waren mit ganzem Herzen dabei, besonders am gestrigen Sonntag, sondern auch vorn Lande rundherum um die alte Soldatenstadt Gießen waren viele Volksgenossen, alt und jung, groß und klein, erschienen, um hier in den Kasernen die alte Verbundenheit mit unseren Soldaten erneut zu bekunden und sich außerdem noch möglichst gründlich überall umzusehen. Großer militärischer Betrieb am Samstaqnachmittaq. Am Samstag von 14 Uhr ab stand unsere Stadt vollständig im Zeichen der Wehrmacht. Mit klingendem Spiel marschierten die Infanteristen und die Artilleristen in einer Marschkolonne, die Flieger mit ihrem Musikkorps an der Spitze in einer anderen Kolonne durch zahlreiche Straßen der Stadt, um hier auf den Tag und seine Bedeutung aufmerksam zu machen. Sammler vom NS.-Reichskriegerbund, von der Abteilung Wehrmacht in der DÄF. und von der NSV. begleiteten die Marschkolonnen und luden die in großer Menge auf den Straßen weilenden Volksgenossen mit froher Aufforderung zu einer Spende für das WHW. in die bereitwilligst hingehaltenen Sammelbüchsen ein. Und an dem „Rappeln" der meisten Sammelbüchsen konnte man erkennen, daß die Opferfreudigkeit überall wieder sehr groß war. Aber nicht nur bei dem Marsch durch die Stadt, sondern auch auf zahlreichen Plätzen und Straßen herrschte militärischer Großbetrieb, den auch hier die unermüdlichen Sammler für ihre -Sammelbüchsen auszuwerten sich bemühten. Bei den militärischen Vorführungen zeigte eine Batterie unserer Artillerie-Abteilung auf dem Platze vor dem Liebig-Bau (Alte Klinik) in der Liebig- straße zunächst ein Schießen mit Manöverkartuschen, dann Geschützexerzieren, anschließend noch einmal schießen mit Manöverkartuschen. Wer von den vielen Zuschauern eine Mark in die Sammelbüchse spendete, durfte an einem der vier Geschütze eigenhändig Abzugskanonier spielen, nämlich „seine" Manöverkartusche abfeuern. Kaum war die Batterie aufgefahren, so mar auch schon starker Besuch um sie herum versammelt, der mit größtem Interesse alles verfolgte. Auf dem Landgraf-Philipp-Platz und dem Brandplatz war die 14. Kompanie unserer 116er (Panzer- Abwehr) in Stellung gegangen, die dort im Kampf gegen Panzer-Spähwagen, die vom Landgericht her vorzudringen versuchten, ihre Einsatzkraft bekundete. Im übrigen konnte man die erstaunliche Geschicklichkeit im Fahrdienst und im Exerzierdienst mit ihren Waffen sehen. Im Hofe der Zeughauskaserne zeigte der Reiterzug des JR. 116 den interessierten Besuchern sein Können, und auch hier konnte man an den Leistungen von Mann und Pferd seine Freude haben. Im Hitlerwall vom Landgericht bis zum Stadttheater herrschten die Fußtruppen der 116er. Da lagen in den Anlagen MG.-Schützen mit ihren Maschinengewehren. Andere Truppen zeigten Ausschnitte aus dem Exerzierdienst. Wieder andere bauten Fernsprechleitungen oder waren mit Eifer an den Granatwerfern tätig. Blinker und Funker zeigten, welche Bedeutung ihrem Dienst zukommt. MG.- Schützen machten erkennbar, wie man im Gefecht in zweckmäßiger Weise Gebüsche, Bäume, Höfe usw. als Deckung bzw. Ausgangspunkt zu neuen Vorstößen benutzt. Vor dem Stadttheater entwickelte sich buntes Biwakleben und = treiben. In der Johan- nesstraße konnten die Jungens die Freude erleben, sich auch einmal auf Militärpferde zu setzen. Dann gab cs so etwas wie einen kleinen Krieg, denn es wurde u. a. gezeigt, wie ein Angriff unter Einsatz der MG.s sich entwickelt. Da ratterten denn die Maschinengewehre ihre „Musik" los, daß man es weithin in der Stadt hörte, während gleichzeitig von der Liebigstraße her die Schüsse der Artillerie zu hören waren Aber auch die Infanterie zeigtö ihre schweren Brocken, die Infanterie - Geschütze. Kurzum: es war ein Manöoer-Gefechtsfeld im Kleinen, das man hier in interessanten Ausschnitten zu sehen bekam. Wer aber schauen und sich unterhalten wollte, konnte und durfte natürlich auch die Sammelbüchsen der Sammler nicht vergessen, die! allenthalben gute „Geschäfte" machten. Das E.-Bataillon 116 hatte den Hof des- Gym- nasiums in einen Biwakplatz verwandelt, auf dem — - Soldat der alten Armee hilft beim Sammeln. (Aufnahmen [4j: Neuner, Gießener Anzeiger.) man alles so sauber hergerichtet antraf, wie es bei einer tadellosen Truppe im Biwak eben aussehen muß. Putzig nahm sich dabei der Bataillons-Meckerer, ein ordentlicher Ziegenbock, aus; der offenbar das „Maskottchen" der älteren Semester unserer 116er ist und der auch den Besuchern im Hofe des Gymnasiums und später auf dem Marsch durch die Stadt viel Freude bereitete. Während aller dieser Vorführungen konzertierte das Musikkorps der 116er vor, dem Stadttheater Links: In der Anlage am Stadttheater. — Rechts: Artillerie vor dem Liebigbau. hi j i . L '' >' Gießener Goethe-Festwoche. Eröffnung im Stadttheater» Die Gießener Goethe-Festwoche, unter der Schirm- rnschaft von Oberbürgermeister Ritter vom Goethe- 3imbe aus Anlaß seines 25jährigen Bestehens ver- ataltet, wurde gestern vormittag mit einer Goethe- Drgenfeier im Stadttheater feierlich eröffnet. Nach le: wuchtig-getragenen Klängen der „Weihe des hcuses" von Beethoven, durch das Städtische Or- Uter unter Leitung von Heinz Markwardt vor- ves stich zu Gehör gebracht, betrat Bürgermeister Zwfessor Dr. Hamm die Bühne zu seiner Eröff- Migsansprache; er gedachte, bevor er auf das eigent- ch- Thema zu sprechen kam, der weltgeschichtlichen :t:nben, die wir in der vergangenen Woche dank der l’fialen Tatkraft unseres unvergleichlichen Führers iiii der Einsatzbereitschaft unserer schlagfertigen Wehr- ncfi)t erlebt haben, und wies auf den Gegensatz hin, nf hier im tiefsten Frieden, indes an den deutschen Minzen Weltgeschichte gemacht werde, unsere Herzen tr kulturellen Feier geöffnet seien. Dies könne nur »kurch möglich sein, daß Deutschland heute einen faltigen Block gemeinsamer Weltanschauung und iie::nen Wehrwillens bilde. Der Redner brachte ein ?r den Besuchern freudig aufgenommenes dreifaches -icy-Heil auf den Führer aus, dessen geniale Tat eine :i? sche Schicksalswende bedeute. Cum Namen des Goethe-Bundes, der Stadtverwal- tni|, des Verkehrsamtes und des Fremdenverkehrs- eriins der Stadt Gießen, sowie des Stadttheaters rchzete Pros. Hamm hieraus Dank und Gruß an die ßrucher der Morgenfeier, insbesondere an Herrn fr irbürgermmfter Pg. Ritter als den Schirmherrn Gr Festwoche, an die Vertreter der Partei und ihrer Milderungen, der Wehrmacht, der Reichskultur- fcrmer, der Universität, der Behörden und der Presse. (rrllichen Willkomm entbot .der Redner endlich it-n Dr. Henning als dem Begründer und Leiter sWoethe-Bundes und dem Anreger der Festwoche. Goethe-Bund, im Schicksalsjahre 1914 gegründet, |< ins dem kulturellen Leben unserer Stadt nicht htli wegzudenken. Rückblickend erinnere man 'ich ML dankbar der langen Reihe erlauchter Namen irt schöpferischer Kräfte der Nation, die durch den Sub seinen Besuchern im Laufe der Jahre nahe- O acht worden seien; in einer Zeit elenden Tiefstandes habe er es gewagt, ruhmreiche Kämpfer und Träger heroischen Geistes zu uns sprechen zu lassen. Das Bestreben des Goethe-Bundes, in die Breite zu wirken, habe zu seiner Verbindung mit dem Kaufmännischen Verein, dem Gewerbeverein, der Universität und später, im Dritten Reiche, mit dem Volksbildungswerk der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" geführt. Prof. Hamms herzlicher Glückwunsch zum Jubiläum galt dem Goethe-Bunde, seinem Leiter Dr. Henning, seinen Mitarbeitern und Mitgliedern; der Bund habe große Erfolge im kulturellen Leben unserer Stadt erzielt und das Erbe Goethes treu bewahrt; auch derer, die sich in den Dienst der Festwoche gestellt haben, des Konzertvereins, des Theaters, der Universität unb ber Presse sei heute mit Dankbarkeit zu gebenfen. Die Festwoche, bie einen Querschnitt durch bas kulturelle Leden ber Stabt gebe, solle künftig in jebem Jahre wieberholt werben. Der Rebner betonte, es gelte in bieten Tagen zu zeigen, wie zeitlos lebenbig Goethes Werk in unserer Gegenwart sei, unb gab in biesem Sinne eine Charakteristik bes „Tasso", ber bisher in Gießen noch nicht gegeben worben sei, unb ber in vollkommener Harmonie ber Form bie Erziehung bes Jnbivibuums zur Gemeinschaft barstelle. Carossas Vortrag werbe von ber visionären Kraft bes Goetheschen Genius unb seiner Wirkung auf bie Gegenwart zu uns iprechen. — Erschließen wir unsere Herzen ber Dichtkunst Goethes, bantbar bem Vater- lanbe, bas uns unsere Dichter unb Denker geschenkt hat, im Bewußtsein, baß nur in einem starkenStaate geistige Kultur gebeiben kann, eingebent ber Worte Hölderlins an Germanien: „Du bist es, auserwählt Alliebend unb ein schweres Glück Bist du su tragen stark geworden." Hieraus las Intendant Schultze-Griesheim als einen Gruß an den Goethe-Bund das große, aus liefet Naturerkenntnis geborene Gedicht „Tie Me- 'amorphoie der Bilanzen"; die dann ausgesponnenen Gedanken natürlicher Entfaltung mannigfaltiger Formen zur Harmonie einer höheren Welt lassen 'ich iimvoll auch auf die kulturelle Gemeinschaft übertragen, deren stetige Entwicklung es in diesen Tagen zu feiern gilt. Mit ber Ouvertüre zur „Zauberflöte" leitete dann das Städtische Orchester urtter Herrn Markwardt zum heiteren Ausklang der Morgenfeier über, der Aufführung von Goethes einaktigem Schäferspiel in Versen „Die Laune des Verliebten". In seinen unbeschwert loderen Szenen ist jeder Vers und jede Gebärde aus dem graziösen unb amoureusen Geiste bes Rokoko geboren; bas Amor-Bild im Hintergrunbe ber von Herrn Löffler entworfenen, zartfarbigen Gartenszenerie unb die leisen Klänge der „Kleinen Nachtmusik" von Mozart deuteten die Gefühlslage des Spieles an, in dem die melancholisch-eifersüchtige Laune eines jugendlichen Liebhabers auf die galanteste und amüsanteste Weise geheilt wird. Unter der Spielführung von Dr. Hannes Razurn vereinigten sich die Damen Garbe und Schloeder, die Herren G r ö n d a h l unb Schorn zu einem schäferlichen Quartett, in bem naive Unbekümmertheit unb weiblicher Witz über ientimentalische Grillenfängerei triumphieren. — Die zahlreiche Morgenfeier-Gemeinde spenbete lebhaften Beifall. Hans Thyriot. Dom Farbensinn der Tiere. Daß die Tiere bis zu ziemlich tief in ber Reihe stehenden Arten hinab, einen gut entwickelten Farbensinn haben, ist durch Versuche in den letzten Jahrzehnten erwiesen worden, von denen Professor Dr Heine im Märzheft von „Velhagen und K l a s i n g s Monatsheften" die bemerkenswertesten Tatsachen mitteilt. Professor Nagel hat die ersten zweckmäßigen Versuche gemacht, um zu ergründen, ob sein Hund Rot oder Grün unterscheiden könne; er dressierte ihn auf farbige Kugeln, bis er auf „hol Rot", „hol Grün" usw. ihm stets die richtige Farbe brachte. Es ist als sicher anzunehmen, daß den Wirbeltieren, den Säugern, Vögeln, Reptilien und Fischen, mit geringen Ausnahmen ein Farbensinn zuzusprechen ist, der dem menschlichen ganz ähnlich ist Durch Versuche wurde dies erwiesen außer beim Hund bei den Affen, Katzen, Eichhörnchen und Kaninchen, von den Vögeln besonders bei den Tagvögeln, während die ausgesprochenen Nachtvögel eine Ausnahme bilden; bei Hühnern wurde Rot-, Gelb-, Grün- und Blausinn nachgewiesen. Von den Reptilien wurden Schildkröten. und Krokodile untersucht, und am genauesten wurden die Fische erforscht. Biologisch noch merkwürdiger erscheint es, daß ber Nachweis eines guten Farbsinnes in ber Reihe ber Wirbellosen vielfach überzeugenb geglückt ist. Bei ben Glieberfüßlern finb bie gründlichsten Untersuchungen mit großem Scharfsinn bei den Bienen gemacht worden. Seltsamerweise sehen diese rotes Licht nicht, es erscheint ihnen vielmehr licht- und farblos schwarz, rote Geranien sind für sie also schwarz. Dafür aber sind sie befähigt, über das Spektralviolett hinaus die ultravioletten Strahlen zu erkennen, was dem Menschen nur mit Hilfe des Fluoreszenzschirmes möglich ist. Zwischen dem ihnen unsichtbaren Rot und dem ihnen erkennbaren Ultraviolett unterscheiden sie drei verschiedene Farben: Gelb, Grün und Blau, wobei sie bas letzte bevorzugen. Während aber bie Bienen erst nach gemachter Erfahrung bestimmte Farben als Futterquellen ober Heimstätte aufsuchen, lösen bei manchen Tieren gewisse Farben bestimmte Reaktionen aus, ohne baß eine Dressur vorausgegangen ist. So fliegen viele Schmetterlinge, wie Zitronenfalter, Kohlweißling, Kaisermantel, Tagpfauenauge unb Kleiner Fuchs, sobalb sie aus der Puppe geschlüpft sind, ohne daß sie vorher einmal Nahrung genommen haben, bestimmte Farben an, die man ihnen an künstlichen Papierblumen darbietet. Sie sind also instinktiv an bestimmte Farben der ihnen in der Natur gegebenen Futterblumen gebunden. Sochsckulnacknchten. Professor Dr. Theodor Menzel, der ehemalige Ordinarius der Philosophie Kiel, ist kurz nach Vollendung seines 60. Lebensjahres gestorben. Er stammte aus München und hatte sich in Kiel 1924 für Islamische Philologie habilitiert, nachdem er vorher Professor für Türkisch am Archäologischen Institut der Universität Odessa und dann einige Zeit Lektor für Türkisch in Kiel gewesen war. 1926 wurde er zum Extraordinarius und drei Jahre später zum Ordinarius ernannt 1937 trat er in den Ruhestand. Der Dozent Dr. Willibald Dtemair wurde zum ao. Professor in der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt ernannt und ihm der Lehrstuhl für Lebensmittelchemie über« tragen. - Schaffende geben. NSG. Die Deutsche Arbeitsfront führt am nächsten Samstag und Sonntag die letzte Reichsstraßensammlung in diesem Winter für das Wmterhilss- werk des deutschen Volkes durch. „Schaffende sammeln — Schaffende geben!" ist die Parole, unter der die Walter der DAF., die KdF.-Warte, Betriebsführer, Vertrauens- und Werkscharmänner antreten. Noch einmal ergeht der Ruf an alle, durch ihr Opfer dem Winterhilfswerk zu größtem Erfolg zu verhelfen. Schöne Bernfteinabzeichen in der Form schöner Blumen werden dieses Mal angeboten. Jeder Volksgenosse im Rhein-Main-Gebiet trägt am nächsten Samstag und Sonntag diesen schönen Blumenschmuck, der zugleich ein Bekenntnis zur Opfer- bereitschast des deutschen Volkes ist. Von der Bernsteinindustrie find rund 1000 ostpreußische Familien abhängig, für die das Winter- Iarktumschau für die Sausfrau. Während Frischmilch, Brot und andere Nahrungsmittel unbeschränkt überall bezogen werden können, sicht die Hausfrau bei ihrem Gemüsehändler die immer kleiner werdenden Auslagen. Diese Verknappung an Gemüsen inländischer Erzeugung findet in der Jahreszeit ihre Erklärung. Denn nun gehen die Vorräte an Kohl, aber auch an Wurzelgemüsen aller Art allmählich zu Ende, während die Neuerzeuguna, selbst unter den günstigen Verhältnissen des Treibhauses, noch nicht in vollem Umfang Ernten bringt. Vorerst sind nur Radies, Schnittsalat, auch die ersten Gurken, sowie die anderen Gartenfrühgemüse so weit gediehen, daß die Gärtner damit an den Markt kommen können. Es bleibt aber für die Hausfrau besonders in den nächsten Wochen immer noch der Ausweg, zu Gemüsekonserven aller Art zu greifen. Da ist das Sauerkraut, der durch natürliche Milchsäuregärung haltbar gemachte Weißkohl, dessen Vitamine, Mineralsalze und Kalk ihn zu einem gesunden Nahrungsmittel machen. Auch mit Frischkonserven sind wir reichlich versorgt, wenn sie sich Hilfswerk in diesem Jahr, wie schon 1934, einen großen Sonderauftrag vermittelte, indem es 31 Millionen Bernfteinabzeichen bestellte. In der Staatlichen Bernfteinmanufaktur, in den Werkstätten der Kriegsbeschädigten in Königsberg und in der Manufaktur Danzig konnte die Arbeit nur mit Mühe bewältigt werden. Die Blüten und Blätter wurden aus dem Naturbernstein herausgeschnitten, die rohen Formen geschliffen, durchbohrt und poliert, und da die der Größe der Abzeichen entsprechenden Rohbernsteinstücke bei weitem nicht ausreichten, mußten zahlreiche sogar faustgroße Stücke, zersägt werden. Wenn uns am 25. und 26. März die Männer der DAF. die ersten „Frühlingsboten", die Blätter und Blüten aus Bernstein, anbieten, wollen wir durch den Erwerb der reizenden Abzeichen auch der letzten Reichsstraßenfammlung dieses Winters zu einem guten Ergebnis verhelfen. auch ihres Preises wegen nur für die sonntäglichen Mahlzeiten eignen. Trockenaemüse — dabei ist nicht zu denken an die früheren Angebote des verachteten Dörrgemüses — sollte jetzt die Hausfrau einmal ausprobieren. Ihr Lebensmittelhändler liefert ihr Trockengemüse in hygienisch gepackter Form, billig und in verschiedenen Zusammenstellungen. Sie wird den Versuch fortsetzen, da gerade diese Dauerwaren eine merkliche Verbesserung gegenüber der früheren Herstellungsart aufweisen. — Im allgemeinen heißt es, daß Kinder und Frauen gern Süßes essen. Aber auch die meisten Männer sind hier keine Kostverächter. Das werden sich alle geschickten Frauen zunutze machen und dem Zucker jetzt gerade wieder mehr den Platz einräumen, der ihm gebührt. Süßspeisen finden immer Anklang bei den Tischgenosten. Kohlehydrate, also voran Zucker, vermag der Körper sogar an Stelle von Fett zu verarbeiten. Zucker ist also für den Körper leicht bekömmlich und, was ein besonderer Vorteil ist, er steht das ganze Jahr über ausreichend zur Verfügung. sehr eifrig und bereitete mit feinen ausgezeichneten Darbietungen der großen Menschenmenge eine weitere Freude. . Dann brachte die Musik nach dem Abschluß der militärischen Vorführungen die Einheiten wieder zur Kaserne zurück. Hervorgchoben sei noch, daß am Samstag und auch am gestrigen Sonntag eine Anzahl alter Kavalleristen in den schmucken Uniformen der alten Armee hoch zu Roß mit den Sammelbüchsen eifrig und offensichtlich auch sehr erfolgreich durch die Straßen ritten. Da konnten unsere Buben und Mädels auch einmal sehen, wie schmuck ein Darmstädter Dragoner, ein Husar, ein Ulan usw. vor dem Kriege sich in der bunten Uniform präsentierte. Militärkonzerte. Am Samstagabend fanden im Stadttheater und ini Saale des Cafe Leib Militärkonzerte statt. Im Stadttheater spielte vor sehr gut besetztem Hause das Musikkorps des J.-R. 116 unter Leitung von Stabsmusikmeister Krieg. Es war eine vielseitige Dor- tragsfolge^ bie in ihrem ersten Teil überwiegend klassische Musik brachte, während der zweite Teil der Militärmusik gewidmet war. In der Pause gab das Ballett des Stadttheaters zwei Ausschnitte aus seiner Arbeit zur Bereicherung des Abends. Im Saale des Cast Leib spielte das Musikkorps des Fliegerhorstes unter Leitung von Musikmeister Pfarre. Es brachte Walzer- und Operettenmusik, dann aber vor allem Militärmärsche. Beide Konzerte schlosst- mit dem Großen Zapfenstreich. Die Zuhörer darben in beiden Konzerten den Musikern in verdienter Weise mit lebhaftem Beifall. Großes Wecken am Sonntaamorgen. Bei einer Temperatur von 8 Grad Kälte und leuchtender Sottne auf schneeweißen Dächern und Gärten mag das Große Wecken, das am gestrigen Morgen uni 7 Uhr von der Bergkaserne aus durch eine große Reihe Straßen der Stadt führte, unfern marschierenden 116ern ein etwas reichlich kühler Sonntagmorgen gewesen sein. Trotzdem wurde natürlich stramm wie stets marschiert. Die Spielleute und das Musikkorps hatten dafür die Genugtuung, daß sie manchen Sonntagmorgen-Langschläfer früher als sonst aus den Betten brachten, denn dieses interessante militärische Schauspiel möchte man sich doch, wenn irgend möglich, nicht entgehen lassen. Und so fanden sich denn auch in allen Marschstraßen sehr viele interessierte Zuschauer, natürlich die meisten vom Fenster aus. Besuch in den Kasernen. In den Vormittagsstunden und bis weit in den NackMittag hinein herrschte in den Kasernen unserer Infanterie, der Artillerie und ganz besonders im Fliegerhorst großer Besuchs-Betrieb. Männer und Frauen, Buben und Mädels bis herab zum Kinderwageninsassen statteten unseren Soldaten in ihren Kasernen einen Besuch ab. Da wurde denn in der Bergkaserne und in der Verdun-Kaserne der Infanteristen, in der Bleidorn-Kaserne der Artilleristen und vor allem ganz außerordentlich gründlich im Fliegerhorst Umschau gehalten. Bei den Infanteristen und Artilleristen konnte sich die junge Welt mit Reiten und Kriimperwagenfah- rcn, mit Kleinkaliberschießen usw. vergnügen, in der Bergkaserne konnten alt und jung mit den Fahrzeugen der motorisierten Regimentstruppen durch die Kaserne brausen. Bei der Artillerie konnte man interessante Beobachtungen an 4)en Geschützen machen. Mit den Maschinengewehren und den übrigen "Waffen der Infanterie und Artillerie konnte man gleichfalls bekanntwerden. Kurzum: es herrschte hier der schon von früheren Veranstaltungen her bekannte Besichtigungsbetrieb. Um die Mittagszeit konnte man in den Kasernen ein ausgezeichnetes Eintopfessen, Erbsen mit Speck, einnehmen. Auch an zahlreichen Stellen in der Stadt gaben die Feldküchen dieses Eintopfesten aus, wobei überall starke Nachfrage herrschte. Allenthalben konnte man die Feststellung hören, daß bei unseren Soldaten ausgezeichnet gekochnet wird, denn jedem hakte es vortrefflich ge schmeckt. Bereits am Vormittag, noch viel mehr aber am Nachmittag herrschte im Fliegerhost Massenbetrieb in des Wortes größter Bedeutung, lieber 20 000 Besucher wurden dort im Laufe des Tages gezählt. Es war ja auch geradezu eine Völkerwanderung, die sich selbst noch am Nachmittag bei dem unfreundlichen Schneetreiben hinaus zum Fliegerhorst bewegte. Und dort herrschte ein Hin und Her, ein Schieben und Drängen, wie man es in Gießen seit langen Jahren nicht gesehen hat. Und die Besucher tarnen vollständig auf ihre Rechnung. Ueberall konnten sie sich im Fliegerhorst umschauen. Sie konnten die mächtigen Kampfflugzeuge und die schnittigen kleineren Maschinen bewundern. Sie durften sich in den Hallen umsehen und die Gebäude besuchen. Sie konnten den Fallschirmen ihre Aufmerksamkeit schenken und sie dursten anhand von Modellen und Querschnitten Fliegerbomben kennenlernen. Höhepunkte waren aber der Aufstieg eines geschlossenen Kampfgeschwaders und Fliegerangriffe auf den Horst mit starker Abwehr durch Flak. Zu diesem Zweck war vom Flak-Regiment in Frankfurt a. M. eine Batterie mit ihren großen und kleinen Flak- Kanonen und ihrem Kommandogerät hierhergekommen, die um die Mittagszeit nach einer Rundfahrt durch die Stadt, bei der sie viel Aufsehen erregte, im Horst eintraf. So gab es denn am Nachmittag das sehr interessante Schauspiel eines Kampfes zwischen Fliegern und Flak, bei dem das Feuer der Flak- Kanonen und das Bellen der Flieger-MG. eine wunderbare „Musik" gaben. Außerordentliche Spannung lösten auch zwei Fallschirmabsprünge aus, bei denen sich die Besucher von der wunderbaren Präzision der Fallschirmöffnung überzeugen konnten; an diesem Tage hatte man aber nur große Puppen und keine Menschen mit dem Fallschirm aus dem Flugzeug in der Luft „aus- steigen" lassen. Bis zum späten Nachmittag herrschte im Fliegerhorst größter Betrieb. Kurz nach 15 Uhr wurde sogar noch einmal zur Essenausgabe auf« gerufen, denn offenbar hatte man inzwischen bei den Fliegern noch einmal gekocht. Manöverbälle. Am Abend fanden die Veranstaltungen mit Manöverbällen im Klub, im Saalbau Liekigstraße und im Cafe Leib ihren Abschluß. Auch hier war wieder Massenbetrieb, denn nun kam ja für unsere Soldaten selbst und für die Soldatenbräute „das Schönste vom Janzen": das Tanzen. 9 200 Portionen Essen verkauft. Innerhalb der Stadt und in den Kasernen wurden gestern insgesamt 9200 Portionen Essen durch die verschiedenen Truppenteile ausgegeben. Davon entfielen auf den Fliegerhorst etwa 5000 Portionen, auf die Artillerie 900, auf das I. Bataillon und Regimentseinheiten (Bergkaserne) 1100, auf das II. Bataillon (Verdun-Kaserne) 1000 und auf das E -Bataillon 200 Effenportionen. Massenbetrieb der Straßenbahn und Autobusse. Bei dem riesigen Andrang zum Fliegerhorst hatten die Straßenbahn und die städtischen Autobusse während des ganzen gestrigen Tages Massenbetrieb zu bewältigen. Alle Wagen waren stets „prall und voll wie eine Wursthaut". Die Artilleristen stellten sich hier ebenfalls in den Dienst der Sache und brachten zwei- und vierspännig mit Krümperwagen die Besucher zum Fliegerhorst und zur Volkshalle zurück. Vornotizen. Tageskalender für Montag. Gloria-Palast (Seltersweg): 20.30 Uhr Konzert der Kuban-Kosaken; 16 Uhr Kinder- und Familien- Sonder-Vorstellung „Jonny Companie", Hunde- und Affen-Dressurakt, und vier Märchenfilme, „Märchen vom Schuh", „Ein Affenscherz", „Aschenbrödel" und „Rache des Elefanten". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Fortsetzung folgt". — Frühjahrsmarkt (Schaumesse) auf Oswaldsgarten. — Schützenverein Gießen c. V.: 20.30 Uhr Jahres-Hauptversammlung. Bann und Untergau 116 Wetterau. Die nächste Montag-Vorstellung im Rahmen des HJ.-Theaterringes findet am 27. März statt. Es gelangt zur Aufführung „der Fliegende Holländer". Die Karten können ab sofort auf der Verwaltungsstelle des Bannes und Untergaues, Seltersweg 52, Hinterhaus, abgeholt werden. Oie Kuban-Kosaken im Sloria-palast. Der Name „Kuban-Kosaken" ist schon zu einem Begriff geworden. Ihre Balaleika-Musik und ihr Chorgesang sind berühmt, und wohl kaum gibt es einen Zuhörer, der sich dem Bann ihrer gesanglichen und musikalischen Gemeinschaftsleistung entziehen konnte. Die Kuban-Kosaken haben es noch immer verstanden, Gehalt und Gemütstiefe der russischen Volksmusik und der russischen Volkslieder auch unserem deutschen Empfinden nahezubringen und zum Leben zu erwecken. Am heutigen Montagabend werden nun die Kuban-Kosaken in Gießen ein Gastspiel geben, das durch die NS.-Gerneinschaft „Kraft durch Freude" vermittelt wird. Sicherlich werden sich, trotz der vielen Veranstaltungen, die die vergangenen Tage gebracht haben, auch heute viele Zuhörer ein- sinden' Landgerichtspräsident Thüre 50 Jahre alt. Von dem Pressedezernenten bei dem Landgericht Gießen wird uns geschrieben: Am heutigen Montag vollendet der Präsident des Landgerichts Gießen, Adolf Thüre, fein 50. Lebensjahr. Landgerichtspräfident Thüre wurde am 20. März 1889 in Lauterbach (Hessen) geboren. Nach abgelegter Reifeprüfung studierte er an den Universitäten Gießen und Berlin und bestand im Frühjahr 1911 pi Gießen die erste juristische Staatsprüfung. Sein juristischer Vorbereitungsdienst wurde durch den Weltkrieg unterbrochen, den er als Artillerieoffizier von Anfang bis zu Ende mitmachte und wofür er u. A. mit dem EK. I und II. Klaffe ausgezeichnet wurde. Nach Ablegung des zweiten Staatsexamens in Darmstadt im Herbst 1919 wirkte er zunächst als Amtsanwalt bei verschiedenen hessischen Gerichten, bis er im Jahre 1921 als Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Mainz ange- ftellt wurde. Vom 1.5.1922 bis 1. 4.1923 war Prä. fident Thüre als Hilfsarbeiter bei der Reichsanwaltschaft am Reichsgericht in Leipzig und anschließend im damaligen Hess. Justizministerium in Darmstadt tätig, wo er am 1.6.1929 zum Vortragenden Rat mit der Amtsbezeichnung Oberjustizrat ernannt wurde. Auch nach feiner am 1.10.1933 erfolgten Beförderung zum Landgerichtsdirektor beim Landgericht Darmstadt blieb er mit der weiteren Dienstleistung bei der Ministerialabteilung Justiz der Hess. Landesregierung beauftragt. Am 1. 4.1934 erfolgte seine Ernennung zum Landgerichtspräsidenten in Gießen. Mit Landgerichtspräsident Thüre steht an der Spitze der Justizverwaltung des Landgerichtsbezirks Gießen eine Persönlichkeit von ausgezeichneten juristischen Fähigkeiten, umfassenden Kenntnissen und reichen Erfahrungen, gepaart mit tiefem sozialem Verständnis, Eigenschaften, die ihm die Wertschätzung seiner Berufskameraden und aller Volksgenossen, die dienstlich und außerdienstlich mit ihm in Beziehung treten, sichern. Gießener Goethe-Festwoche. Vom Goethe-Bund wird uns geschrieben: Im Rahmen der aus Anlaß der 25-Jahrfeier des Goethe- Bundes Gießen vom 19. bis 26. März stattfindenden Gießener Goethe-Festwoche, die unter der Schirmherrschaft des Dberbürgermeifters der Stadt Gießen stattfindet, findet am Freitag, 24. März, 20 Uhr, in der Neuen Aula der Universität eine öffentliche Feierstunde statt. Zu dieser Veranstaltung ist ein hervorragendes Festprogramm zusammengestellt worden. Regierungsrat Hein Schlecht, der stellvertretende Leiter der Abteilung Schrifttum des Reichsminifteriums für Volksaufklärung und Propaganda, wird zu Beginn der Feierstunde eine Ansprache halten „Bekenntnis zur deutschen Dichtung". Sodann wird der von allen Goethefreun- den verehrte Dichter Hans Carossa, dessen Namen ja auch in unserer Stadt besten Klang und Ruf hat, den Festvortrag halten „Wirkungen Goethes in der Gegenwart". Diese Weihestunde, zu der alle Literaturfreunde unserer Stadt eingeladen sind, wird umrahmt werden durch Musikvorträge des Städtischen Orchesters unter Leitung von Kapellmeister Paul Walter. Zu der Festveranstaltunff haben zahlreiche Ehrengäste von Partei, Staat und Kunstinstituten unserer Stadt und von auswärts ihre Teilnahme zugesagt. Bereinigung für Begräbnisbeihi/L Die Generalversammlung der Vereinigung für Begräbnisbeihilfe, Sterbekasse von 1889, fand am Sonntagnachmittag im „Burghof" unter der Leitung des Vorsitzenden, Schreinermeister Tränkner, statt. Der Vorsitzende erstattete den Geschäftsbericht und bereitete den 42 im letzten Jahre verstorbenen Mitgliedern ein stilles Gedenken. 11. a. wies er auf den Geschäftsgang hin, der eine günstige Entwicklung brachte, und erinnerte daran, daß die einst non Gießener Bürgern als Selbsthilfe gegründete Sterbekasse, deren Ansänge auf das Jahr 1884 3U* rückgehen, auf dem Grundsatz der sofortigen Hilfe im Sterbefalle trotz mancherlei Umwandlungen fortbestehen wird. Durch die Unterstellung der' Sterbe- lasse unter die Reichsaufsicht ist Gewähr für eine geordnete Fortführung gegeben. Wenn auch in der Leitragsgestaltung durch die Einführung eines regelmäßigen Beitrages an Stelle der bisherigen, nur im Bedarfsfälle einfetzenden umschichtigen Ünkosten- erhebung eine Aenderyng eintreten mußte, so sind anderseits die Beihilfen wieder auf die frühere Höhe gekommen. In dem vom Rechner, Bausekretär i. R. Decker, Gießener Konzertverein. I Liederabend Erna Sack. Auffallende Höhenentwicklung der menschlichen Stimme hat von jeher stets allseitige Bewunderung auf sich gelenkt, den Künstler angeregt und im Schassen beflügelt, den Hörer mit unwiderstehlicher, faszinierender Macht eingefangen. Stimmsterne wnr- den mit Recht der Mittelpunkt höchster Verehrung, weil glänzende Naturgaben und künstlerisches Vermögen sie vor allen andern auszeichneten und abhoben. Wir wissen von der Begeisterung des jungen Mozart (1770) über die berühmte Sängerin Lncrezia Agujari, die vier und eine halbe Oktave beherrschte und das viergestrichene „C" erreichte. Noch eine Terz höher (also wenige Töne von der oberen Grenze der Klaviatur entfernt) vermochte die Engländerin Miß Ellen Boaw (f 1842) hinaufzusteigen. Ebenso waren (um die letzte Jahrhundertwende) der Australierin Adda (Sollei) und der Spanierin Marse Barrientos die Grenzen der dreigestrichenen Oktave im gehaltenen Ton verfügbar; jo,die erstgenannte sang imVariete das Intermezzo aus „Cavalleria" als Vokalise und entwickelte .auf dem dreigestrichenen „as" einen regelrechten Schwellton. Der deutsche Koloratursopran Lucie Krall führte seine Stimme ebenfalls bis zum viergestrichenen „C" hinauf. Was so die Geschichte der Gesangeskunst als außerordentliche Leistung im Gedächtnis bewahrt hat, entzieht sich allerdings in einer Hinsicht unserer Nachprüfung. Wir wissen nämlich nicht, woher diese außerordentlichen Stimmentsaltungen kamen. Waren es angeborene Anlagen, die sich durch irgendeinen Zufall zu erkennen gaben? Waren sie in bewußter zielgerichteter Arbeit entwickelt worden? Nur die Tatsache ihres Daseins ist uns eben bekannt. Und dennoch, die Herausbildung der letzten Höhe ist vielleicht doch noch des öfteren feststellbar gewesen, wenn auch nicht immer in der Oefsentlichkeit. So berichtet eine unserer bedeutendsten Vertreterinnen deutscher Sangeskunst, die unvergleichlicheLiliLehmann,über verschiedentliche dahingehende Beobachtungen; u. a. schlug ihr bei einer „Norma"-Probe in der Metropolitan-Oper zu I Neuyork die Stimme aus dem Pianissimo plötzlich in die viergestrichene Oktave um, und sie konnte die ganze Stelle in dieser außerordentlich hohen Lage zu Ende führen. Für den forschenden Stimmbildner steht es zweifellos fest, daß diese hohen und höchsten Töne Eigenentwicklungen der Stimme darstellen, die einmal durch Lösung aus Muskelzwang, infolge falscher Stimmdiagnose oder falscher methodischer Behandlung, sich plötzlich überraschend zeigen, zum andern aber auch im bewußter Arbeit zielmäßig geweckt tverden können. Es steht unbedingt fest, daß diese höchsten Regionen in weit größerer Zahl, als man gemeinhin annimmt, einer gewissen Gruppe von Frauenstimmen zu eigen sind. Ja, bei planmäßiger Durchbildung der (stimme erscheinen sie sogar regelmäßig. Ihr Herauswecke,t ist sogar eine stimmbildnerische Notwendigkeit, um den vollendeten Ausgleich des bann über das übliche Maß hinausweisenden Stimmumfanges zu erreichen. Ob sie daun mehr als Partialtöne sich auswirken, oder in der größten Weite, des Umfangs jederzeit gebrauchsbereit zur Verfügung stehen, entscheidet sich allerdings durch die individuelle Veranlagung des Gesangsapparates und durch den gegebenen Stimmtypus. Das Hineinbeziehen der dreigestrichenen Oktave in den Ausdrucksbereich erscheint so also für besonders gelagerte Fälle durchaus möglich. Und ist nicht Erna Sack die überzeugendste Bestätigung dafür, wie eine stimmliche Veranlagung sich allmählich selbst aus dem ihr durch Methode und falsche Diagnose auferlegten Zwang löst. Zuerst in die Fesseln des Mezzosoprans geschlagen, auf Grund einer angesichts des Typus von Erna Sack geradezu unbegreiflichen Diagnose, wird sie dann für das lyrische Fach bestimmt; aber persönliches Empfinden und immer mehr gewiß werdendes Selbsterkennen des eigenen Typus lassen Erna Sack aus eigener Initiative sich dem Koloraturfach zuwenden. Und nun in der ursprünglich von Natur aus vorgezeichneten Bahn, stellt sich ganz von selbst, durch den Zufall gefördert, die phänomenale Höhenentwicklung dieses begnadeten Organs ein. Glückhafte Mittel I ließen so den augenblicklichen Stern deutscher Sangeskunst heranreifen, der für die ganze Welt als verheißungsvolles Symbol deutscher Kunst gilt. Wer Erna Sack je am Lautsprecher und durch die Schallplatte gehört hat, niemand konnte sich dem unwiderstehlichen Reiz ihrer stimmlichen Sonder- begabung, den unvergleichlichen hohen Tönen entziehen. Und nun in der Unmittelbarkeit des Konzertsaales wird gerade diese ihre Domäne zum eindringlichsten und nachhallendsten Erlebnis. Denn zumal diese hohen Töne üben die stärkste Anziehungskraft aus, ja, in ihrer sinnlichen Schönheit sind sie'der Inbegriff höchster Gesanglichkeit. Flötengleich, gelost, im Vergleich zu den tieferen Lagen der (stimme frei von allem, was überhaupt an die Hervorbringung und Erzeugung des Tones erinnern konnte, so schweben sie fast substanzlos im Raum, nur noch fast unbegreiflicher Klang. Nachgiebig, jeder Nuancierung fähig, fügen sie sich zur Kantilene, breiten sich in schier endlosem Tenuto aus; verhallen; seelischem Hauch gleich, lassen sie im gedehnten Decrescendo den Hörer innerlich erschauern. Diese schönsten glücklichsten Mittel beherrscht Erna Sack als die vollendetste Virtuosin ihres Instruments und weiß sie sinngemäß, der Wirkung sicher und gewiß, zu werten und zu nützen. Sie ist eben die künstlerische Sängerpersonlichkeit. So wie sie sich einst in ihrer Laufbahn durchFusetzen vermochte, so fügen sich auch jetzt die Mittel ihrem Gestaltungs- und Ausdruckswillen in Unbedingtheit. Die Hörer müssen ihr verfallen,sie fängt sie ein;sie singt bewußt für alle, und diese ihr entgegenkommende Bereitschaft der Hörenden gibt ihr die innerliche Resonanz, die ihre Kräfte bis zur letzten Faser sreiwerden läßt. Solche stimmtechnische und gestalterische Heber« legenheit macht sie bewußt künstlerischen Zielen dienst- ’bar. So gewinnt manches Lied, manche Arie ein neues, verändertes Gesicht, bisher unbekannte Werte blühen auf, die bei anderen unter den üblichen stimmlichen Voraussetzungen nicht möglich waren. Es war besonders auffallend, wie sie, zumal im Liede, äußerst gedehnte Zeitmaße bevorzugte, eben weil ihr die Mittel verfügbar und geläufig sind, um so die innere Weite des Musikalischen zu erfüllen. Ein Reichtum an klanglichen und differenzierenden Möglichkeiten belebt und vertieft ihren Vortrag, so daß selbst das einfachste, bekannteste Volkslied als gänzlich Neues, Anziehendes, Gewinnendes erscheint. Oft aber Hot man den Eindruck, als werde durch sie manches Weik erst so vollkommen, wie es der Komponist seinerzeit wohl geahnt hatte, aber mit Rücksicht auf die ihm zur Verfügung stehenden gesanglichen Kräfte nicht niederschreiben konnte. Die Vielseitigkeit der Vortragsfolge ließ Erna Sacks Können in hellstem Lichte auf strahlen: Bel' canto-Arien mit weitgespanntem Kantilenenbogcn und feinster musikalisch-gesanglicher Durchbildung: vier Schubert-Lieder in persönlich bestimmter Durch' bringung. Eine Volksliedergruppe gab in lebendigstem Vortrag den fünf vertretenen Nationen individuelle Gestalt. Mit dem reinen Koloraturgesang aber feierte Erna Sack wahre Triumphe; hier ließ sie das. Feuerwerk ihrer Koloratur raketengleich ausglühen, *n filigranhafter Durchsichtigkeit und Gliederung dos Figurenwerk sich ausranken. (Arie der Philine auS „Mignon", von Thomas; Arie der Rosine aus dem „Barbier von Sevilla".) In den Variationen über ein Mozart-Thema von A. Adam standen virtuos Jnftrumentaltechnik (Flöte: Herr Kirch mann) und stimmliche Hochkultur in edelstem Wettstreit. Das Ganze beschloß Aräitis Parla-Walzer, als zündendes Bravourstück. Zugaben über Zugaben, Wiederholum gen der Einzelgaben, Marchesis „La Foletta", culi-Funicula", und dann Erna Sack als Filmdiva- „Ein Blumenstrauß aus Nizza". Als Schluß aber Regers „Mariä^Wiegenlied" in seiner schlichten Schom heit und Innigkeit. Am Flügel war Charles Cern e ganz auf die Solist^ eingestellt, bis zum letzten mit Nachgiebigkeit, Schlagfertigkeit und innerer Verbundenheit folgend, bei alle" Eigenwerten stets der Sängerin den Vorrang gebend. Die überall besetzte Aula rauschte immer wieder im tosendsten Beifall auf. Dr. Hermann Hering- erteilten Kassenbericht wurden Gesamteinnahmen in Höhe von rund 26 645 RM. ausgewiesen, denen 14 412 NM. Ausgaben gegenüberstehen. Von den Ausgaben entfallen allein 12 715 RM. auf Beihilfen in 42 Sterbefällen, die in Beträgen von 300 bis 400 NM. ausbezahlt wurden. Im Vorjahr wurden 4 567,62 NM. an Beihilfen ausgegeben. Der Kassenbestand ist bis l.Jan. 1939 auf RM. 12 233,81 angestiegen. Vorstand und Aufsichtsrat wurden Entlastung erteilt. Die nächste Geschäftsprüfung durch das Reichsaufsichtsamt tritt im Herbst ein. Der Vorstand setzt sich aus Schreinermeister Trän kn er als Vorsitzenden, Schneidermeister Hch. Loos als Stellvertreter, Angestellten I o e d t als Schriftführer und Bausekretär i. N. Becker, der Aufsichtsrat aus Kaufmann Bender als Vorsitzenden und Schlossermeister Schmidt, Rentner Eise, Angestellten Pferch und Feldschütz Bopp zusammen. * NSG. Deutsches Frauenwerk ehrt Hausangestellte im Gau Hessen-Nas- s a u. Zum Frühjahr finden in vielen Kreisen des Gaues Hessen-Nassau Ehrungen von Hausangestellten statt, die zum Teil über 30 Jahre ihre Kraft der gleichen Familie zur Verfügung stellten. Jugendgruppen werden die Feiern anläßlich der Ueberrei- chung von goldenen und silbernen Ehrennadeln „Für treue Dienste" verschönern. ** Moden sch au im Cafe A m e n d. Heute und morgen (nachmittags und abends) finden im Cafe Amend wieder Modenschauen statt, die in einer Gemeinschaftswcrbung durch verschiedene Industrie- Firmen veranlaßt werden. Zur Vorführung gelangen 125 Modelle. In Verbindung damit wird auch schöner Schmuck gezeigt. Die Modenschauen beginnen jeweils um 16 und um 20 Uhr. Landkreis Gießen. Alten-Buseck, 20. März. Heute wird unser Mitbürger Ludwig Hofmann II., Wagner- meister, 79 Jahre alt. Herr Hofmann ist noch sehr rüstig und arbeitet noch auf seinem erlernten Beruf, den er nun 65 Jahre ausübt. An den Geschehnissen unserer Zeit nimmt er noch regen Anteil. Seit 54 Aghren ist er Bezieher seines Heimatblattes, des Gießener Anzeigers. Dem alten Herrn unseren herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Wirtschaft. Adam Opel AG., Rüsselsheim weiter im Aufschwung. Fwd. Die Adam Opel AG., Rüsselsheim, legt nhren Jahresabschluß für 1938 vor. Während die «deutsche Kraftwagenerzeugung um 4,3 v. H. aus 1340700 Wagen anstieg — ohne die ostmärkische 'Produktion, die nach dcnr Anschluß einen sehr «erheblichen Aufschwung erfahren hat — stellte Opel 140580 (i. V. 130267) Kraftwagen her, das sind 5),7 (i. V. 7,8) v. H. mehr. Auf das Werk Branden- Durg Iain eine Steigerung um 25,7 (21,6) v. H., anuf Rüsselsheim um 5,2 (5,9) v. H. Der Inlands- Verkauf steigerte sich um 9,3 v. H. auf 104056 (95222), nachdem i. B. ein Rückgang um 9,0 v. H. eingetreten «oar, wobei auf Brandenburg 26,1 (15,2) v. H. mrehr, auf Rüsselsheim 6,2 v. H. mehr (12,4 v. H. (weniger) trafen. Der Export erhöhte sich auf 36444 £32611) Wagen, d. s. 11,8 (107,6) v. H. mehr, davon [beim Brandenburger Werk 17,9 (81,0), in Rüsselsheim um 11,2 (110,4) v. H. Das Verhältnis des Ex- rports zum Jnlandsverkauf- stellte sich auf 35,0 £34,2) v. H. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Begriff Inland durch die Erweiterung der deutschen Grenzen sich erheblich ausgedehnt hat. Dem Werte mach hat sich die Ausfuhr sogar um 23,5 v. H. erhöht, iwobci das Olympia-Modell besondere Erfolge er- gielte; hier wurden die Umsätze im Berichtsjahr mehr als verdoppelt. Die Umsätze im Jnlandsgeschäft werden als be- lüiedigenb bezeichnet. Die Gefolgschaft konnte um 3600 (3000) auf rd. 27000 erhöht werden. Der Durch- chnittslohn stieg nochmals um etwa 5 (7%) v. H. Die Lehrlingswerkstätten wurden erweitert, am Jahresschluß waren 803 Lehrlinge tätig. Die rasche Ausdehnung der Werke in Rüsselsheim und Brandenburg machte das Wohnungsproblem immer dring- icher. In Rüsselsheim hat die Nassauische Heim- flättc eine Siedlung von 418 Stellen nahezu fertig- bestellt, ein neuer Plan für weitere 1000 Sied- ! an gen, Mietwohnungen und Eigenheime wurde Qufgestellt, mit den Bauvorarbeiten begonnen. In Brandenburg hat die Kurmärkische Kleinsiedlung mehrere 100 Mietwohnungen und Siedlungen für Opel errichtet, ein Bauprogramm von weiteren 1000 Wohnungen wurde in Angriff genommen. Insgesamt sind zur Zeit in beiden Städten rund 8000 Wohnungen fertiggestellt bzw. im Bau. Auch uuf dem übrigen sozialen Gebiet wurden weitere Verbesserungen ^burchgesührt. Der Adam-Opel-Ge- '«ächtnis-Stiftung wurden weitere 1,5 Mill. RM. ngewiesen. Die freiwilligen sozialen Aufwendungen rreichten 1938 über 5 Mill, RM. Der Bruttoertrag stellte sich auf 154,86 (113,29) Mill. RM., dazu traten 4,42 (4,05) Mill. Zinsen, 4,06 (0,096) Mill. Beteiligungserträge, 4,06 (4,54) Mill. RM. ao. Erträge, d. s. Einnahmen, die frühere Jahre betreffen und aufgelöste freie Reserven. Der Aufwand an Löhnen und Gehältern stieg auf 74,82 (61,89) Mill. RM., die sozialen Abgaben (gesetzliche) auf 5,62 (4,51), Besitzsteuern auf 32,92 (9,96) — hiervon hatte ein Teilbetrag von 8 Mill. RM. außerordentlichen Charakter —, Beiträge an Berufsvertretungen auf 0,17 (0,12), ao. Aufwendungen, im wesentlichen eine Sonderrücklage für beabsichtigte Aufwendungen im Werk und Zahlungen an die Gedächtnisstiftung enthaltend, gingen auf 4,61 (5,65) Mill. RM. zurück. Nach insgesamt 31,469 (30,289) Mill. RM. Abschreibungen, davon allein 12,61 (10,74) auf Werkzeuge, verbleibt einschl. 6582297 (1810821) RM. Gewinnvortrag ein Reingewinn von 20371674 (11382298) RM. Wie der Fwd. erfährt, wird voraussichtlich wieder eine Dividende von 8 v. H. auf 60 Mill. RM. Aktienkapital vorgeschlagen werden, nachdem im Vorjahre die Dividende um 2 v. H. erhöht worden war. 6 v. H. der Dividende werden in bar gezahlt, 2 v. H. gehen an den Anleihestock. Rhein-Mainische Börse. Uneinheitlich. Frankfurt a. M., 18. März. Die Geschäftsstille erreichte zum Wochenschluß mahl den stärksten Grad. Kundenausträge kamen kaum zur Ausführung, während der Berusshandel eher Glattstellungen tätigte. An den Aktienmärkten war die Entwicklung uneinheitlich und zufällig, im Verlaufe überwogen jedoch mäßige Rückgänge. Die Mehrzahl der Papiere kam nominell zur Notiz. Montanwerte gingen trotz des günstigen Abschlusses von Krupp vorwiegend zurück. Vereinigte Stahl von 109,50 auf 109 (110), Mannesmann von unverändert 109,25 auf 108,50, Hoefch auf 106 (106,75) und Rheinstahl auf 133,50 (134). IG. Farben verloren nach voll behauptetem Beginn 1 o. H. auf 148,13, während Scheideanstalt mit 200,50 und Metallgesellschaft mit 114 unverändert lagen. Elektropapiere stellten sich größtenteils 0,50 bis 1 v. H. niedriger, darunter ÄEG. mit 114,13 bis 113,90 (114,40) und Geffürel mit 133 (134). Maschinenwerte schwankten bis etwa 0,50 v. H. Von Zellstoffaktien gingen Aschaffenburger auf pari (101,13) zurück. Bau werte lagen gut gehalten, Cernent Heidelberg 0,50 v. H. höher mit 152. Nach Pause kamen Marisfelder Bergbau mit 130 (127,75) wieder zur Notiz. An den Rentenmärkten herrschte nahezu Geschäftsstille, die Kurse wiesen kaum Abweichungen auf. Von Liquida ttonspfandbriefen Franks. Hyp. 100,65 (100,90). Industrie-Obligationen schwankten um etwa 0,13 bis 0,40 v. H., während Staats- und Stadtanleihen meist unverändert notierten. Von öffentlichen Anleihen Reichsbahn-Vorzugsaktien 0,13 v. H. höher mit 123,13, Reichsaltbesitz unverändert 130. Dekosama I 135,50 (135,65) Hermann von Salza. Zum 700. Todestage des Hochmeisters des Deutschen Ordens. Als am Palmsonntag des Jahres 1239 der Hochmeister des Deutschem Ordens, Hermann von Salza, in Salerno einer langen Krankheit erlag, schied damit eine der leuchtendsten Gestalten des deutschen Hochmittelalters. Die Spannung zwischen den beiden Häuptern der Christenheit, dem weltlichen und dem geistlichen, Kaiser und Papst, war unter dem Staufen Friedrich II. in ein entscheidendes Stadium getreten. Trotzdem wurde der Endkampf zwischen beiden Mächten während der ersten Jahrzehnte von Friedrichs Regierung immer wieder hinausgezögert und durch immer neue Friedensschlüsse unterbrochen. Das war vor allem das Verdienst eines Mannes: Hermann von Salzas. Ein ganzes Menschenalter lang sehen wir diesen Mann unermüdlich zwischen Kaiser und Papst hin und her gehen, die blutig verwirrten und zerrissenen Fäden immer wieder schlichten und neu knüpfen. Zu dieser Vermittlerrolle war er gleich befähigt durch seine Stellung wie durch seine Persönlichkeit. Er war Ritter, Ordensmann, Diplomat, Staatsmann: vor allem aber war er Deutscher und Christ. In einer Welt, in der die beiden höchsten Autoritäten ihre gegenseitige Abgrenzung nicht finden konnten, es in Wirklichkeit vielleicht keine klare Grenze gab, glaubte Hermann von Salza unerschütterlich an die Möglichkeit, ja an die Notwendigkeit des Friedens zwischen beiden. Wen es ihm gelang, sich zwischen den streitenden Parteien zu halten und auf beiden Seiten als der Mann des Vertrauens zu gelten, so verdankte er das nicht nur feinem ungewöhnlichen diplomatischen Geschick, sondern noch viel mehr der Lauterkeit seiner Person, der rückhaltlosen Treue, mit der er „beiden Herren diente". Für ihn waren es eben nicht „zwei Herren", sondern notwendig sich ergänzende Hälften. Dabei war Hermann von Salza kein Träumer und Phantast, sondern ein Mann der klaren Wirklichkeit, dessen Ordenspolitik eines der fruchtbarsten und folgenreichsten Kapitel deutscher Geschichte bildet. Von seiner Jugend wissen wir nichts. Wahrscheinlich stammte er aus dem thüringischen Geschlecht der Herren von Salza. Wir treffen ihn zuerst 1210 als Hochmeister des Deutschen Ordens in Akkon. Er verstand es rasch, Macht und Ansehen seines Ordens durch kluge Maßnahmen zu heben und die junge Gründung den älteren welschen Ritterorden der Templer und Johanniter gleichzustellen. Mit dem jungen Kaiser Friedrich scheint ihn von Anfang an eine Geistesverwandtschaft verbunden zu haben, die im Lauf der Jahre zu unverbrüchlicher Freundschaft führte. Im Jahre 1221 rief König Andreas von Ungarn die Hilfe des Ordens gegen die feindlichen Kumanen an und verlieh ihm dafür das Burgenland im Süd- often feines Reiches. Der Gedanke, die Kreuzzugs- idee vom Orient ins Abendland zu übertragen, war schon im 12. Jahrhundert aufgetaucht. Für Hermann bedeutete das Angebot willkommene Gelegenheit zur Verwirklichung ureigenster Pläne. Unter der kleinen Schar von Rittern, die er in das Land senden konnte und die einen breiten Strom deutscher Bauern nach sich zogen, blühte das bis dahin „wüste und öde" Land auf. Die Kumanen wurden unterworfen, starke Burgen wie die Kreuzburg, blühende deutsche Dörfer und fruchtbare Felder entstanden. Da drohten die inneren ungarischen Verhältnisse die Früchte jahrelanger Anstrengung zu zerstören. Andeas' Sohn Bela lehnte sich mit dem ungarischen Kleinadel gegen die Zerstückelung des Reiches durch die Belehnung einiger Großer auf. Tatsächlich strebte Hermann von Salza für fein Ordensland nach staatlicher Selbständigkeit, und um das Land nicht zu verlieren, griff er zu dem Mittel, es der Schirmherrschaft des Papstes zu unterstellen. Es war der verhängnisvollste Fehler in Hermanns Politik, ein echter Schachzug feines Jahrhunderts. Aber er erreichte nur das Gegenteil des I Beabsichtigten. Die Empörung flammte in Ungarn hell auf, und unter diesem Druck mußte der Orden 1225 aus dem Lande weichen. Es war eine merkwürdige Schicksalsverknüpfung, daß wenige Monate nach diesem Fehlschlag ein ganz ähnliches Angebot an Hermann herantrat, diesmal nicht aus dem Südosten, sondern aus dem fernsten Nordosten des Abendlandes. Aber er hatte aus den Ereignissen gelernt. Bevor er dem Hilferuf des Herzogs Eduard von Mafovien gegen die feindlichen Preußen für den Gegenpreis des Kulmer Landes folgte, ließ er sich vom Kaiser, später auch vom Papst, das Kulmer Land und alles, was der Orden mit dem Schwert dazu erobern würde, als freies Eigentum bestätigen, bewog in der Folgezeit auch Herzog Konrad zum völligen Verzicht auf das Land. So war also dem Orden ein Staat gewonnen. Wie hochfliegend Hermanns Pläne aber auch gewesen sein mögen, gewiß ist er sich der Tragweite des Schrittes nicht bewußt gewesen. Es war die seltsamste Staatsgründung der Geschichte, wenn man erwägt, daß dieser Ordensstaat, der drei Jahrhunderte lang das starke Bollwerk deutscher Kultür gegen das andrängende Slawentum des Ostens gewesen ist, die Keimzelle des mächtigsten deutschen Großstaates, des Kerns des späteren Reiches werden sollte, ihm Namen, Farben und Wappen verlieh. Und auch in seinem Wesen hat der preußische Staat, der aus der Verschmelzung von Kurbvandenburg und Preußen entstand, immer Züge bewahrt, die an seine Herkunft als Ordensstaat gemahnen. Dem Hochmeister Hermann von Salza blieb freilich gerade in den ersten Jahren wenig Zeit, sich persönlich um die junge Pflanzung zu kümmern. Die großen Angelegenheiten des Reiches hielten ihn fast ständig fern. Da war der Kreuzzug Friedrichs, an dem Hermann teilnahm, die Krönung des Kaisers in Jerusalem zum König des heiligen Landes, Krieg mit dem Papst und jene Versöhnung, die fast ausschließlich das Werk Hermanns war, wie ja auch bei der Zusammenkunft zwischen Kaiser und Papst nach dem Friedensschluß am 2. September 1230 in Anagni Hermann der einzige Zeuge war. Gerade im Frühjahr desselben Jahres war die erste größere Ritterschar untet dem Landmeister Hermann Balke nach Preußen gezogen, zwei Jahre später wurden dort die ersten entscheidenden Siege errungen. Als der Hochmeister Weihnachten 1233 in dem jungen Ordensland weilte, konnte er für die Städte Kulm und Thorn die ersten Privilegien verleihen, die unter dem Namen der „Kulmer Handfeste" berühmt find. Wichtig war auch die Verschmelzung des Ordens mit dem Livländischen Schwertorden, wodurch Macht und Einfluß der Deutschritter bis Kurland und Livland ausgedehnt wurde. Der Hauptsitz des Dübens im Reich war Marburg, wo das von der heiligen Elisabeth gestiftete Hospital des hl. Franz von Assist dem Orden übertragen, Elisabeth selbst zur Patronin des Ordens geworden war. Im Juni 1237 fand in Marburg ein großes Ordenskapitel statt. Es ist zu verstehen, daß auf diesem Kapitel die Brüder ihren Hochmeister nicht wieder nach Italien ziehen lassen wollten. Den Treuen aber riefen Freundschaft und Pflicht an die Seite seines Kaisers. Der Aufstand des jungen Königs Heinrich gegen feinen Vater, der Konflikt mit den Lombarden, der sich trotz der Vermittlungsversuche des Papstes immer drohender zuspitzte, stellten ihm immer neue Aufgaben. Nach Friedrichs großem Siege bei Cortenuova am 27. November 1237 sandte der Kaiser Hermann nach Deutschland, um König Konrad bei der Werbung eines Heeres zu unterstützen. Dort aber erkrankte der Hochmeister und kehrte im Juni 1238 krank zum Kaiser nach Verona zurück. Im August begab er sich nach Salerno, um Heilung zu suchen. Vergeblich: am 20. März 1239 starb er und wurde in der Kapelle des Ordenshauses zu Barletta beigefetzt. lieber seinem frischen Grabe aber flammte der durch ihn so lange beschwichtigte Kampf zwischen Kaiser und Papst in feiner letzten unversöhnlichen Leidenschaft auf. A. v. P. Sag Wöchm Marie. Nomon von Walther kloepffer. Schulzeit mitgab.