Nr. 17 Erstes Blatt 189. Fahrgang $rdtag,2O.3anuar 1939 Erscheint täglich, auher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblälter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt üernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten^ Anzeiger Gietzen Postscheckkonto: Zrontfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche llniverfitätr-ruckerei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schuistrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70 mm Brette 50 Rpf..Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/^ mehr. 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Man kann hinter diese Feststellung wohl ein Fragezeichen machen. Auf alle Fälle sind jetzt wieder einmal die Fronten zwischen den Vertretern einer kriegslusttgen Politik (in der Hauptsache Marxisten plus einige wenige Uebernattonalisten) einerseits imi) den hinter der Regierung Daladier—Bonnet stehenden Anhängern einer realistischen, von dem Münchener Abkommen ausgehenden Außenpolitik, anderersetts abgegrenzt. Die Aussprache, die jetzt vor sich gegangen ist, hatte eine gewisse Aehnlichkeit mit der kurzen, inhaltsschweren Auseinandersetzung, die sich unmittelbar an die Unterzeichnung des Münchener Abkommens vom 29. September anschloß. Damals genoß Ministerpräsident Daladier als Erhalter des Friedens den Vorteil einer für französische Verhältnisse ins Unwahrscheinliche gesteigerten Volkstümlichkeit: sogar die Marxisten gaben damals der Regierung ihre Stimme, indem sie für die Vertagung der vorliegenden Anfragen stimmten. Nur die Kommunisten und Herr de Kerillis als einziger Nattonalist waren Anfang Oktober in der Opposition. Die Argumente für oder gegen die sogenannte Münchener Polittk sind bei der jetzigen Aussprache im wesentlichen die gleichen geblieben. Aber die Aussprache hat sich sehr in die Breite verlagert. Bei 38 Jnterpellationsrednern, wie jetzt, müssen manche Argumente sich mit der Zeit abstumpfen. Und vor allem spricht man jetzt über andere, zwar ebenfalls zum Fragenkreis der Münchener Politik gehörenden Dinge, die die französische Mentalität ungewöhnlich erhitzen: die S p a n i e n f r a g e und die Nichtein- mischungspolitik, das Mittelmeerproblem und Italiens Stellung zu Frankreich. Das Abkommen von München und die osteuropäischen Fragen wurden — von de Kerillis abgesehen — mehr oder weniger akademisch behandelt. Man regt sich hierüber nicht mehr allzu sehr auf. Aber die Geister entzünden sich bis zu einem ^.unvorstellbaren Grade an allen Dingen, die mit der Spanienpolitik Zusammenhängen. Es war früher bereits einmal angedeutet worden, daß der Zeitpunkt des Endsieges Francos vermutlich in Frankreich zu einer Zerreißprobe zwischen den marxistischen Anhängern Sowjetspaniens und den Kräften der Ordnung, die auch General Franco als südlichen Nachbarn nicht fürchten, führen dürfte. Das scheint sich nun zu bewahrheiten. Auf außerparlamentarischem Boden machen die Anhänger Sowjet- fpaniens einen letzten krampfhaften Versuch, die französische Regierung zur Oeffnung der Grenze nach Katalonien und damit zu einem höchst gefährlichen Abenteuer von unabsehbarer Tragweite zu zwingen. Eine Massenversammlung im Winter-Velodrom, bei der außer dem Kommunisten Tborez, dem Marxisten Leon Blum und dem Gewerkschaftspapst Jouhaux auch ein Vertreter des linken Flügels der Radikalsozialisten sprach, hat dafür ein Beispiel geliefert. Der Ruf „Kanonen und Flugzeuge für Spanien" ist erschollen, vielleicht zum letztenmal. Im Palais Bourbon, dem Sitz der Kammer, verliefen die Dinge nicht weniger anschaulich. Auf beiden Seiten, bei der Kriegspartei wie bei den Friedensanhängern, wird mit starken Argumenten gearbeitet. Die „Epoque", das Blatt des Abgeordneten d e Kerillis, der heute wie vor 300 Jahren eine Politik im Sinne Richelieus, eine Politik der 'Einkreisung und Erdrosselung Deutschlands (mit welchen Kräften übrigens?) betreiben möchte, bat behauptet, jetzt stehe vielleicht nicht nur das Schicksal der französischen Bündnisse auf dem Spiel, sondern das Schicksal der volitischen Einrichtungen Frankreichs überhaupt. Man hat einen beklemmenden Eindruck, wenn man de Kerillis längere Zeit zugehört hat. Dieser Mann scheint seine Zeit verschlafen zu haben. Das Argument, daß er eine Außenpolitik vertritt, wie sie sonst eigentlich nur noch van den geschworenen Feinden jeder europäischen Ordnung, den Kommu- n i st e n, gefordert wird, scheint auf ihn nicht den geringsten Eindruck zu machen. Mit beschwörenden Gesten fleht er Bonnet an, einen Ring von Bündnissen rings um Deutschland herum abzuschließen. Man fragt sich nach der geistigen Fundierung dieses Hnpernationalismus. Die Kreise, die hinter de Kerillis stehen, fetzen sich meist aus Offizieren, Beamten zusammen. Ein Werbe-Aufruf der „(Epoque", der in diesen Tagen herausgekommen ist, weist u. a. die Unterschrift von vierzehn Generalen, neun Obersten, einigen Literaten auf. Die Frage: Einmischung oder nicht in Spanien hat auf die Verhandlungen wie ein Sprengkörper gewirkt. Gegen Flandin, der in einer äußerst beherrschten und doch sehr wirkungsvollen Rede das hinterhältige Spiel der Kriegstreiber aufdeckte, ent- feffelte sich die ganze Meute der marxistischen Beleidigungen und planmäßigen Unterbrechungen. „Agent Hitlers" und „Agent Francos" waren noch verhältnismäßig milde Beschimpfungen in diesem widerlichen Konzert. Und dann kam der große Coup, als Leon Blum sich erhob und in einer etwa zehn Minuten dauernden sogenannten Intervention die Argumente Flandins zu entkräften suchte. Blums Stimme, die schon an sich meist etwas heiser klingt, überschlug sich; er redete sich in immer größere Erregung hinein, aber im Grunde zeigte sein ganzer Rechtfertigungsversuch doch nur, wie sehr er sich von den Darlegungen Flandins getroffen fühlte. Flandin hatte nämlich festgestellt, daß die ganze Nichteinmischungspolitik ja im Jahre 1936/37 von der Regierung Blum selb st ins Leben gerufen worden war. Die Feststellung Flandins, unter der Herrschaft des zweiten Kabinetts Blum im März 1938 hätten 5 0 000 Tonnen Kriegsmaterial für Sowjetfpanien Frankreich passiert, löste dann wieder neue heftige Proteste bei den Marxisten aus, ohne daß in sachlicher Beziehung etwas zu berichtigen gewesen wäre. Die Stellung der Regierung in der Nichteinmischungsfrage und vor allem auch in der Mittelmeerfrage ist nicht ganz einfach. Es soll sogar Kabinettsmitglieder geben, die nichts dagegen einzuwenden hätten, wenn Frankreich ausgerechnet jetzt noch den Sowjetspaniern mit Waffen- und sonstigen Lieferungen zu Hilfe kommen würde. Natürlich kann die Regierung auf eine solche Selbstmordpolitik nicht eingehen. Aber andererseits muß sie doch jedes nur denkbare Zugeständnis machen, wenn es sich um die Schärfe der Tonart handelt, mit der sie über die französischen Interessen im Mittelmeer wachen will. In dieser Hinsicht muß die Regierung vor allem auch auf ihre Anhänger in den eigenen Reihen, die Radikalsozialisten, Rücksicht nehmen. Denn der linke Flügel der Radikalsozialisten ist wieder sehr aktiv geworden und würde sich mit dem Sieg Francos nur dann absind en, wenn eine energische Haltung Frankreichs im Mittelmeer einen gewissen Ausgleich bieten würde. Nach S. K. Kairo, im Januar 1939. Gegenwärtig sind überall die Blicke der arabischen Welt auf Kairo gerichtet. Offizielle Abordnungen aus allen selbständigen arabischen Staaten sind in Aegyptens Hauptstadt als Gäste der Regierung eingetroffen. Die Mitglieder des Palästinensischen Komitees find — mit Ausnahme des Mufti, der fein Exil im Libanon nicht verlassen will — versammelt, und in wenigen Tagen wird unter dem Vorsitz des ägyptischen Ministerpräsidenten die interne arabische Palästina-Konferenz beginnen, die der Auftakt für die bevorstehende Londoner Konferenz ist und auf der ein gemeinsamer arabischer Standpunkt in der Palästinafrage ermittelt werden soll. Die großen Hotels, in denen die verschiedenen arabischen Delegationen untergebracht sind, bieten ein buntes Bild. Alles, was in Kairo einen Namen hat, geht dort ein und aus. Die Frühstücke und Essen jagen sich. Die Mitglieder der saudischen und yemenitischen Delegationen, Prinz Emir F e i sa l und Prinz Seif ul Islam und ihr Gefolge, in die feierlichen Gewänder der Wüstenbeduinen gekleidet, erregen Aufsehen, wo immer sie sich zeigen, und geben dem Ganzen einen farbigen Ak-ent. So wird die Welt, wenn in diesen Tagen die arabische Vorkonferenz im ägyptischen Außenministerium eröffnet wird, zum erstenmal wirklich das Schauspiel einer „Pan-Arabischen Konferenz" erleben. Zwar gab es schon des öfteren Zusammenkünfte arabischer Kreise, die so benannt waren. Aber diese früheren Konferenzen waren keineswegs von staatlich autorisierten Delegationen beschickt und hatten kein unmittelbar politisches Ziel. Ihre Teilnehmer waren zwar gute Patrioten, aber doch Privatleute, und meistens ver- plätscherten die Beratungen in substanzlosen Entschließungen. Das ist diesesmal grundsätzlich anders. Zum erstenmal finden sich alle arabischen Staaten am Konferenztisch zusammen, um in gemeinsamer Beratung zu einem festum- riffenen politischen Thema einen entscheidenden Entschluß zu fassen, der in London durchgesetzt werden soll. Das ist ein bedeutsames Symptom. Wie wird dieser Entschluß, den man auf der Kairoer Vorkonferenz fassen wird, aussehen? Die politischen Führer der Palästina-Araber, die auf dieser Vorkonferenz berufen sind, die arabischen Nachbarstaaten auf die Forderungen der Palästina-Araber festzulegen, haben als allergeringste Mindestforderung die sofortige kompromißlose und endgültige Einstellung der jüdischen Einwanderung gefordert: diese Forderung dürfte von den arabischen Nachbarstaaten ebenfalls als Minimum betrachtet werden. Aber — wird London s i e annehmen? Sie würde ja grundsätzlich das Ende des jüdisch-zionistischen Staates in Palästina, ja schlechthin das Ende des auf Palästina ausgerichteten Zionismus überhaupt bedeuten. Dieser wurde bisher in London als willkommener Verbündeter begrüßt, mit dem das Kriegsministerium ebenso Verbindung hielt wie der englische Kolonialminister. Wird England bereit sein, den Zionismus samt seinen Palästtnaplänen fallen zu lassen, um seine arabischen Interessen zu sichern? Durch Hinzuziehung der arabischen Nachbarstaaten zur Palästinischen Konferenz in London hat diese wie vor darf es bei den Radikalsozialisten keine großen Absplitterungen geben; sonst wäre es mit der Mehrheit des Kabinetts Daladier vorbei. Aber die Leute, die im gegenwärtigen Augenblick die Verantwortung für eine Regierungskrise in Frankreich übernehmen mochten, sind wohl zu zählen. Verzögerung der außenpoliljschen Aussprache in der Kammer. Regierungskreise erwarten große Mehrheit für Daladier. Par t 5 , 20. Jan. (DNB.-Funkspruch). Die Pariser Frühpresse bestätigt am Freitag die Tatsache, daß sich die außenpolitische Aussprache in der Kammer auch noch über d i e kommmende Woche hinzieht. Don den 38 Interpellanten habe bisher kaum die Hälfte geredet. Unter diesen Umständen nimmt man an, daß Außenminister Bonnet nicht vor Dienstag seine Schlußrede halten wird und die Schlußabskimmung erst für Donnerstag oder Freitag zu erwarten sei. Man macht sich noch auf eine Reihe dramatischer Augenblicke gefaßt. Falls von den Linksparteien, insbesondere vom sozialdemokratischen Parteichef, dem Juden Blum, eine Abänderung des radikalsozialen Entschließunasentwurfs zur" Außenvolitik verlangt werden sollte, dürfte Ministerpräsident Da lädier die Vertrauensfrage stellen. In politisch interessierten Kreisen unterstreicht man, daß die Verlängerung der außenpolitischen Aussprache über diese Woche hinaus es einerseits den einzelnen Parteien gestatte, ihre Stellung genauer festzulegen, auf der anderen Seite aber auch der Regierung die Möglichkeit gebe, die Erklärung des englischen Ministerpräsidenten > C h a m b e r - Iain im Unterhaus abzuwarten. Alles in allem ist man der Ansicht, daß die Regierung einen verhältnismäßig leichten Sieg davontragen wird, da sich die Kammer vermutlich mit großer Mehrheit nach einem letzten Appell des Ministerpräsidenten Daladier für die Politik der Regierung aussprechen werde. Konferenz an Bedeutung erheblich gewonnen, und sie wird weltpolittsche Bedeutung haben, wenn das Arabertum, jenseits aller Eigenbröteleien und Rivalitäten, geschlossen steht. Ob das möglich ist, wird die Vorkonferenz in Kairo bald entscheiden. Einigung in Kairo. Kairo, 19. Jan. (DNB.) Nachdem die Verhandlungen der Kairo-Konferenz über die nationalen Forderungen der Araber eine Einigung aller Beteiligten ergeben haben und nur noch einige untergeordnete Person al fragen zu regeln sind, kann mit der Abfahrt der Palä- stina-Araber nach London am Sonntag gerechnet werden. Die offizielle britische Einladung wird für morgen erwartet. Auch die übrigen arabischen Abordnungen werden sich wahrscheinlich am Sonntag mit Schiff oder Flugzeug nach England begeben. Der ägyptische Ministerpräsident wird aus Gesundheitsrücksichten in Kairo bleiben. Es sind Bestrebungen im Gange, in Kairo eine Aufenthaltserlaubnis für den Mufti zu erwirken. Diese Bemühungen werden wahrscheinlich von den Engländern aus ganz bestimmten Gründen lebhaft unterstützt. Der ORing um Barcelona schließt sich. Jgualada im Feuerbereich der nationalspanischen Batterien. Saragossa, 20. Jan. (DNB. Funkspruch.) Seit der Einnahme Tarragonas haben die nationalen Truppen ihren Vormarsch im verschärften Tempo in allen Abschnitten der Front erfolgreich fortgesetzt. Fast sämtliche nationalspanischen Armeekorps an der katalanischen Front sind bereits in die Provinz Barcelona eingedrungen. So ist die Maestrazgo-Armee bis auf 58 Kilometer an Barcelona herangekommen, die Arragon-Armee sogar bis auf 53 Kilometer. Die Truppen General S2)agues rücken längs der Küste vor und befinden sich noch 70 Kilometer von Barcelona entfernt. Im Abschnitt nordwestlich Jgualadas beherrscht die Maestrazgo-Armee den wichtigen Knotenpunkt C a I a f an der Straßenkreuzung von Pons—Jgualada und Cervera—Manresa. Hierdurch wird die feindliche Rückzugslinie weiterhin eingeschränkt. Jgualada liegt bereits im Wirkungsbereich der natonalspanischen Artillerie der Arragon-Armee, die die westlich der Stadt liegenden Höhen erobert hat. Die bedeutendste Kampfhandlung am Donnerstag war die Ueberschreitung des Flusses Gaya durch die nationalen Truppen. Dieser Fluß mündet etwa zehn Kilometer nordöstlich von Tarragona ins Meer. Das ganze linke Ufer des Flusses ist in nationalem Besitz. Die Milizen hatten gehofft, in dem Fluß einen natürlichen Schutzwall gegen die vorwärtsdrängenden nationalen Truppen zu finden. Da dieses Hindernis nunmehr aber überrannt ist, ist die Stadt V e n d r e l l, die dreißig Kilometer nordöstlich von Tarragona an der Straße nach Barcelona liegt, unmittelbar bedroht. ReichswirtschafismmifterKunk auch Reichsbankpräsident. Berlin, 20. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die restlose Erfüllung der an die Wirtschaft für die Wiederaufrichtung Grohdeutschlands zu stellenden zusätzlichen Aufgaben erfordert eine einheitliche Führung der Wirtschaft s-, Getd- und Kapitalmarktpolitik. Aus diesem Grunde hat der Führer angeordnet, daß d i e Leitung des R e i ch s w i r t f cha f t s m i n i - fteriums und der Reichsbank wieder vereinigt wird. Der Führer hat demzufolge den Präsidenten des Reichsbankdirektoriums, Dr. Schacht, von seinem Amt entbunden und zum Präsidenten des Reichsbankdirektoriums auf die Dauer von vier Jahren den Reichs- wirtschastsminister Walther Funk unter Belassung in seinem Amt als Reichswirt- schaftsminister ernannt. Dr. Schacht wird in seiner Eigenschaft a l s Reichsmini st er auch weiterhin Mitglied der deutschen Reichsregierung bleiben. Er ist zur Lösung besonderer Aufgaben vorgesehen. Wie sieht es in derWittschast aus? In feiner Proklamation zum Parteitag Groß- deutschlands 1938 wies der Führer darauf hin, die deutsche Volkswirtschaft werde so aufgebaut, daß sie auf eigenen Füßen stehen könne. Er sagte: „Den Gedanken an eine Blockade Deutschlands kann man schon jetzt als eine gänzlich unwirksame Waffe begraben." Gerade weil wir im Weltkrieg die Wirkungen der Blockade so schmerzlich verspürten und schließlich darüber zusammenbrachen, ist die Ausrichtung der Wirtschaft auf die eigene Kraft so besonders wichtig. Vor dem Weltkriege herrschte bis in die höchsten Beamtenkreise die volkswirtschaftliche Dokttin des Münchener Professors Lujo Brentano vor, der immer wieder den libe- ralistischen Grundsatz verfocht, die Weltwirtschafts- beziehungen seien derart eng verflochten, daß kein Land diese Verflechtung durch einen Krieg zu stören versuchen würde. Diese Doktrin führte dazu, daß in Preußen z. B. Minister Delbrück Anträge auf Ansammlung von Getreide und auf- eine bessere wirtschaftliche Rüstung zur Freude der Linksparteien glatt ablehnte, bis das bittere und zu späte Erwachen zeigte, daß wir einer Seifenblase nachgejagt waren. In einer Sondernummer der im Auftrag des Ministerpräsidenten Generalfeldmarschall Goring herausgegebenen Zeitschrift „Der Vier- jahresplan" wird nun ein umfangreicher Rechenschaftsbericht über die Verselbständigung der deutschen Nationalwirtschaft gegeben. Der General- feldmarschall selbst leitet diese Sondernummer durch einen Aufsatz ein, der programmatisch Ziel und Zweck seines gewaltigen Werkes erklärt. Nicht die Wirtschaft, sondern der Staat ist das deutsche Schicksal. Goring umreißt die neudeutsche Wirtschaftspolitik sehr klar, sehr bewußt und sehr un- dogmatisch mit folgenden Worten: „Die gesunde deutsche Volkswirtschaft zu stabilisieren, läßt sich der nationalsozialistische Staat als eine innerdeutsche bedeutungsvolle Aufgabe besonders angelegen sein. Aus diesem Grunde führt der Staat die Wirtschaft. Er bestimmt die Grundlinien, nach denen sie sich entwickeln soll, er stellt die Aufgaben, er setzt die Ziele und ordnet dadurch das Stteben und Schaffen des einzelnen dem übergeordneten Gesamtwohl ein. Mit Sozialisipren im marristischen Sinne hat das nichts zu tun. Derartige Maßnahmen lehnt der nationalsozialistische Staat ab. Grundsätzlich soll die deutsche Wirtschaft in eigener Verantwortung und aus eigener Initiative die ihr gestellten Aufgaben erfüllen. Nur da, wo es die Wirtschaft und ihre Oraane nicht schaffen können, schaltet sich der nationalsozialistische Staat materiell und organisatorisch selbst in die Wirtschaft ein." Diese gewaltigen Aufgaben sind, wie der Reichs- finanzminister Graf Schwerin 'von Krosigk barlegt, dadurch finanziert worden, daß der weit überwiegende Teil der Vorhaben durch eigene Mittel der Unternehmen und durch Emissionen auf dem Kapitalmarkt, der Rest durch reichsverbürgte Kredite und Haushaltsmittel nach seiner geldlichen Seite hin gesichert wurde. Diese Geld- und Devisen- wirtschast wurde durch ein gesichertes Preisgefüge, durch die Rentabilität unserer Landwirtschaft, durch die Mehrbeschäftigung, durch Neuanlagen und neue Erfindungen so ergänzt, daß eine lehr erhebliche Steigerung der Erzeugung eintrat. Unsere Eisenindustrie marschiert jetzt an der Spitze aller Länder, sogar vor den USA., unsere Stein- und Braunkohlenindustrie ist gewaltig vorwärts geschritten. Leichtmetalle sind an die Stelle ausländischer Rohstoffe getreten, ebenso die Zellwolle. Dieser industrielle Fortschritt drückt sich darin aus, daß die für die industrielle Erzeugung des Scheinkonjunkturjahres 1928 angenommene Indexzahl 100, die auf 54 im Jahre 1932 gesunken mar, 1938 bereits den Stand von 132 erreicht hat. Die Zahl der in der Industrie Beschäftigten belief sich 1932 auf 12,5, im Vorjahre aber auf 19,5 Millionen Menschen. Dazu kommt der erfolgreiche Kampf des deutschen Bauerntums um unsere Nahrungsfreiheit, die sich u. a. darin zeigt, daß die deutsche Gefamt- ernte von 36,4 Millionen Tonnen Stärkewerte im Jahre 1932 auf 42,4 Millionen im Vorjahre gestiegen ist. Schon diese wenigen Stichproben zeigen, Die panarabische Palästina-Konferenz. Um das Mindestprogramm für London. Eigener Äerichi des Gießener Anzeigers. daß mir vorwärts gekommen sind und das hohe Ziel des Vterjahresplanes beftimmt erreichen werden. « Wirtfchaftslenkung ist heut nicht mehr eine Frage, die nur in den totalitären Staaten Bedeutung hat, auch in den demokratischen Staaten steigt vas Interesse dafür mehr und mehr. Tatsächlich zeigen sich bereits in der englischen, französischen und amerikanischen Wirtschaft deutliche Ansätze für staatliche Einflußnahmen auf die Produktion und zum Teil auch auf den Handel. In den weniger großen Wirtschaftsstaaten scheut man sich dagegen bedeutend weniger, das Kind beim Namen zu nennen, und da, wo eine staatliche Lenkung der Wirtschaft vorhanden ist, auch von einer gelenkten Wirtschaft zu reden. Ungarn, das uns durch den Besuch seines Außenministers auch wirtschaftlich wieder besonders nahegebracht worden ist, geht mit seinem Fünfjahresplan konsequent auf eine Wirtschaftslenkung aus. Den im Februar 1938 von dem damaligen ungarischen Ministerpräsidenten von Daranyi verkündeten Fünfjahresplan war in der Praxis bereits, soweit die L a n d w irisch a f t in Frage kam, ein ausgebildetes System von Wirtschaftslenkung voraufgegangen. Eine staatliche Steuerung bestand in Ungarn großenteils bezüglich der Anbauflächen, bezüglich der Festsetzung von Erntemengen und Uebernahmeprei- s e n (Tomaten und Zuckerrüben) und schließlich bei der Regelung der Anbaugebiete für einige Quali- tätserzeugnisse, die überwiegend zum Export bestimmt sind. Wie es beispielsweise der Fall bei Gewürz, Paprika und Zwiebeln ist. Der Staat behält sich dabei weiterhin eine Qualitätskontrolle vor. Die Innehaltung der vom Staat aus nationalwirtschaftlichen Gründen festgesetzten Preisvorschriften wird durch staatliche Organe genau kontrolliert. Der Wert der landwirtschaftlichen Erzeugung wird auf 1,5 Milliarden Pengö angegeben, wovon rd. für 400 Millionen Pengö ausgeführt werden. Rund 65 v. H. dieser Ausfuhrmenge unterliegen der staatlichen Kontrolle in bezug auf Preise usw. Die Industrie ist in zahlreichen Kartellen zusammengeschlossen, aber im Lause des Jahres 1938 hat das Außenhandelsamt praktisch die Außenhandelslizenzen in seiner Hand vereinigt. Die industrielle Erzeugung ist von 130 Millionen Pengö 1937 auf 138 im dritten Quartal 1938 gestiegen. Der Realwert der agrarischen Kaufkraft im gleichen Zeitraum von 63 auf 83, der Nominalwert der Lohnsummen von 270,3 auf 441,8 Millionen Pengö. Auch im Äußenhandel bewährt sich die staatliche Organisation, und zwar war Groß- veutschland der beste Kunde der agrarischen Erzeugung Ungarns sowie der Hauptlieferant für industrielle Fertigwaren. Englische Wirtschaftskreise fetzen neuerdings alles daran, mit Hilfe der Regierung die Ausfuhr zu f ö rd e rn. Man kann geradezu angesichts der zahlreichen Subventtonsanträge gewisser englischer Wirtschaftszweige, namentlich der englischen Schiffahrtsindustrie, von einer Ausfuhroffensive sprechen. Nach den Ankündigungen, „daß 'in der englischen Geschichte bisher ohne Vorbild stehende Methoden benutzt werden, um den britischen Ausfuhrhandel gegen neue Methoden ausländischen Wettbewerbs zu schützen", darf man auf die Weiterentwicklung des Außenhandels von 1939 recht gespannt sein. Allerdings kann man sich der Tatsache nicht verschließen, daß der Verlauf des englischen Außenhandels in 1938 gewisse Beunruhigungsanzeichen enthält. Sowohl die Ein- führ wie die Ausfuhr haben sich um 10 v. H. gegenüber dem Vorfahr vermindert. Das heißt, Ein- und Ausfuhr haben fast dieselbe Einbuße erlitten, die der Welthandel im letzten Jahr schätzungsweise durchgemacht hat. Ein erheblicher Teil des Rückgangs der Außenhandelsumsätze ist auf die Rückläufigkeit der Großhandelspreise zurückzufüh- ren, die im Durchschnitt um rund 7 v. H. unter dem Stand des Vorjahres lagen. Die niedrigen Preise wirken sich besonders bei der Getreideeinfuhr und da wieder besonders bei Weiten, Gerste, Hafer iuni) Mais aus. Auf der Ausfuhrseite zeigen sich die stärksten Rückgänge bei Textilien. Die Ausfuhr von Vaumwollerzeugnissen ist ebenso wie die Ausfuhr von Wollerzeugnissen um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Ebenso konnten bei Kohlen, Eisen und Stahl die Ausfuhrmengen nicht gehalten werden. Recht aufschlußreich ist auch die Tatsache, daß in England, das in seiner Presse über die deutsche Maschinenausfuhr nicht immer sonderlich verständnisvolle Ausführungen bringt, die Maschinenindustrie heute zur bedeut- f am st en Ausfuhr indu st rie geworden ist, leine Position, die bisher die englische Baumwollindustrie innehatte. Eine Entwicklung, die ohne Frage mit der fortschrettenden Industrialisierung im bisher überwiegend agrarisch eingestellten Ländern xusammenhängt. Die Kaffee-Ernte der Welt im letzten Jahr kann jetzt insgesamt geschätzt werden. Die „Der- eeniging vor den Koffeehandel" in Amsterdam gibt die brasilianische Ernte für 1938 auf 18 Millionen Sack gegen 26 Mill. Sack 1937 an, die Ernte in Kolumbien auf 4,3 gegen 4,4 Millionen Sack, in Venezuela auf 600 000 gegen 770 000, in Guatemala auf 800 000 gegen 730000, in Gab vador auf 1 Million gegen 750 000, in Mexiko auf 600 000 gegen 600 000, in Haiti und San Domingo auf 450 000 gegen 500 000, in Kuba auf 500 000 gegen 550 000, in Costarica auf 360 000 gegen 440 000, in Jamaica, Equador und Honduras auf 300000 gegen 280 000, in Nicaragua auf 250 000 gegen 250 000. Die Ernte Niederlandisch-Ostindiens wird auf 1,9 Millionen gegen 2,205 Millionen Sack und die Ernte Britisch-Jndiens auf 150 000 gegen 250 000 Sack geschätzt. Für Afrika wird eine gleichbleibende Ernte von 2 Millionen Sack angenommen. Insgesamt soll sich die Weltkaifee-Ernte auf 31,240 Millionen Sack gegen 40,158 Millionen Sack im Jahre 1937 betragen. Das wäre ein Ernteausfall von 22 v. H. Der Weltverbrauch an Kaffee wird mit rund 25 Millionen Sack geschätzt. Tagung des Reichsfachamtes „Nahrung und Genuß". Innsbruck, 18.Jan. (DNB.) Am Mittwoch wurden die Verträge der Reichsfachwalter über die Gebiete der einzelnen Arbeitsgemeinschaften fortgesetzt. lieber die Arbeitsgemeinschaft „Verbrauchergenossenschaften" referierte Reichsfachgruppenwaller Joseph. Die Arbeitsgemeinschaft „Fischindustrie, Ob st- und Gemüsekon- serven-Jndustrie" wurde von Reichssachgrup- penroalter Stenzel behandelt. Reichsfachgruppen' walter Matthias berichtete über die „Brot- und Backwarenindustrie" und gab interessante Aufschlüsse über die Berufsausbildung in diesem Wirtschaftszweig, die jetzt eine wesentliche Verbesserung erfahren wird, lieber die Fachgruppe „T a - b a r, die mit rund 200 000 Beschäftigten die größte des Reichsfachgruppenamtes „Nahrung und Genuß" ist, berichtete Pg. Allvater. 86 v. H. der Beschäftigten in der Tabakindustrie sind Frauen. Der Vortragende behandelte eingehend die sozialen Maßnahmen der DAF. für diese Fachgruppe, die sich auss beste bewährt haben. Zu Ostern d. I. wird in der Zigarrenindustrie ein neuer Lehrlingsvertrag nach den Richtlinien des Jugendschutzgesetzes geschaffen werden. Die Fachvorträge wurden am Donnerstag mit einem Bericht der Arbeitsgemeinschaft „Molkereien, Oe le, Fette, Margarine-Industrie" urtb Referaten über die Zucker- und Süßwaren-Jndustrie sowie über die Aufgaben der sozialen Selbstverwaltung fortgesetzt. Das Reichsfachamt „Nahrung und Genuß" steht im Leistungskampf der 'Betriebe prozentual an erster Stelle. Don 84 000 tellnehmenden Betrieben waren 5249 im Reichsfachamt „Nahrung und Genuß"; 19 hiervon erhielten unter insgesamt 103 Betrieben die höchste Auszeichnung. Das Fachamt hat bisher 56 männliche und 16 weibliche Reichssieger und etwa 500 Gausieger gestellt. In den letzten beiden Jahren wurden 16 neue Lehr- und Anlernwerk- ftätten geschaffen. 589 Werkschartrupps gibt es im Fachamt „Nahrung und Genuß". Aden, Englands jüngste Kolonie, 100 Jahre all. Eigener Bericht des Gießener Anzeigers. abs. London, Januar 1939. Englands jüngste Kolonie, Aden am Roten Meer, die erst 21 Monate alt ist, wird am 19. Januar d. I. ihre 100jährige Zugehörigkeit zum englischenWeltreich feiern. So widerspruchsvoll dies klingt, entspricht es doch genau den Tatsachen. Aden wurde am 19. Januar 1839 von England als Teil von Britisch-Indien annektiert, nachdem das berühmte Felsennest jahrhundertelang ein Schlupfwinkel für Piraten gewesen war, die das Rote Meer und den Persischen Meerbusen heimsuchten. Es vergingen dann aber noch 98 Jahre, bis Aden am 1. April 1937 eine selbständige, der englischen Krone unmittelbar unterstellte englische Kolonie wurde. Bei dieser Gelegenheit erinnert man sich der wechselvollen Geschichte dieses heute für das englische Weltreich so bedeutenden Stützpunktes am Wege nach Indien. England war klug genug, sich den Besitz der Insel von Aden schon lange vor dem Bau des Suez-Kanals zu sichern, als noch niemand deren Bedeutung erkannte, uttd die anderen Mächte dieser Besitzergreifung kaum Beachtung schenkten. Sie ist auf einem erloschenen Vulkan gelegen und wurde wahrscheinlich um das Jahr 24 vor der Zeitrechnung bereits von den Röme r n entdeckt. Später befand sie sich dann im Besitz der Portugiesen, dann der Türken und des Sultans von Sana. Als im Jahre 1839 ein englisches Schiff an den Felsen von Aden strandete und von den arabischen Stämmen Beni Boo Alis geplündert wurde, rüstete England eine Strafexpeditton aus und besetzte das alte Piratennest, das die indische Regierung schon früher einmal vergeblich zu zerstören versucht hatte. Damit begann die englische Herrschaft. 1902 wurde das Protektorat Wen erklärt, 1920 wurde es dem englischen Foreign Office und 1921 dem Colonial Office unterstellt, bis es 1937 zur selbständigen Kolonie erklärt wurde. Ein interessanter Zwischenfall ereignete sich im Jahre 1857, als der Suez-Kanal gebaut wurde. Eines Tages ging im Hafen von Wen ein französisches Kriegsschiff unerwartet vor Anker, dessen Absichten nicht ohne weiteres klar waren. Der englische Gouverneur lud jedoch den Kapitän des Schiffes zum Essen ein, obwohl er sich wunderte, daß die Ankunft des Schiffes nicht vorher gemeldet worden war, wie dies sonst üblich ist. Durch Erzählungen des redseligen französischen Kapitäns wurde sehr bald sein Auftrag offenbar: er sollte die 100 Kilometer entfernt liegende Insel Perim in französischen Besitz nehmen. Noch während der Franzose beim Weine saß, sandte der englische Gouverneur ein im Käsen liegendes englisches Kanonenboot zur Perirnmsel, um den Franzosen zuvor- zukommen. Als am nächsten Tage das französische Schiff sich der Insel näherte, mußte der Kapitän zu seiner Enttäuschung erkennen, daß bereits der Union Jack vom höchsten Punkt der Insel flatterte, er konnte seiner Regierung nur noch melden, daß er z u spät gekommen sei. So hatten sich die. Engländer durch eine schnelle Tat einen unbequemen Nachbar für alle Zeiten vom Halse geschafft. Gras Cianos Besuch in Zugoslavien. „Aufbau Oonau-EuropaS als Zone der Sicherheit und Klarheit". Belgrad, 19. Jan. (Europapreß.) An den im Rahmen einer Jagd ab gehaltenen politischen Besprechungen in B e lj e nahmen außer Minister- präsioent Stojadinowitsch und dem italienischen Außenminister G r a f C i a n o die italienischen Minister B u 11 i und Diteti, der italienische Gesandte in Belgrad, Jndelli, unb der Kabinettschef des jugoslawischen Ministerpräsidenten, Pro - titsch, teil, lieber die streng vertraulichen Besprechungen wurden bisher keinerlei Mitteilungen ausgegeben. Graf Ciano wird Samstagabend die Fahrt nach Belgrad antreten, wird aber in Ruma den Zug verlassen und einige Stunden Gast des Prinzregenten auf dessen in der Nähe gelegenen Jagdschloß sein. Am Sonntagvormittag trifft der Minister in Belgrad ein, wo er die italienische Buchausstellung eröffnen wird. Nach einem Diner im Königsschloß tritt Graf Ciano am späten Abend die Heimreise an. Der in Belgrad weilende Herausgeber des halbamtlichen „G i o r n a l e d' Italia", Gayda, stellt in einem „Aufbau Donau-Curovas" überschriebenen Artikel fest, daß zwischen Italien und Jugoslawien keine politischen Angelegenheiten mehr zu regeln seien und daher auch keine neuen Abkommen oder Protokolle erwartet zu werden brauchten. Jugoslawien fei vor allem als Adria-Macht an dem Mittelmeer- Problem interessiert. Gegenüber dem Kommunismus habe Jugoslawien ohne unmittelbaren Anschluß an den Antikominternpakt feine Haltung in entschlossener Unnachgiebigkeit — Verweigerung der Anerkennung der Sowjetregierung — festgelegt. Die nationalen Interessen Jugoslawiens seien rein geographisch von der Tatsache bestimmt, daß Italien und Deutschland gemeinsame Grenzen mit Jugoslawien besitzen, ferner durch die Möglichkeit nützlicher wirtschaftlicher Zusammenarbeit. Italien und Deutschland strebten ferner die Anlehnung des Einvernehmens. mit Jugoslawien auf die übrigen mit ihnen befreundeten Nachbarländern ab. Zwischen Jugoslawien und Ungarn werde man schnell zu einem Freundschaftspakt nach den Grundsätzen des italienisch-jugoslawischen Abkommens gelangen. Schwieriger werde die Klärung des Verhältnisses zwischen Ungarn und Rumänien fein, aber unlöslich sei auch dieses Problem nicht. Auch aus P o - l e n erstrecke sich die klärende Polittk Italiens und Jugoslawiens. Im ganzen weiten Gebiet Europas, von der sowjetrussischen Grenze bis zum Rhein, von der Nordsee bis zur Adria, zum Schwarzen und zum Aegäischen Meer seien also Derständigungs- versuche in'Gang gebracht worden, die darauf abzielten, diesen Raum zu einer Zone der Sicherheit und Klarheit zu machen im Gegensatz zu dem Nebel, der sich über Westeuropa verdichte. Das Schicksal des Segelschulschiffes „Admiral Karpfanger". Oie Verhandlung vor dem Seeamt Hamburg. - Keine sichere Feststellung der Ursachen des Verlustes möglich. Hamburg, 19. Ian. (DNB.) Das Seeamt Hamburg trat zusammen, um über den Verlust des Segelschulschiffes „Admiral Karpfanger" der Hamburg-Amerika-Linie und das Schicksal der 60 Mann Besatzung zu verhandeln. Am 20. September 1937 trat „Admiral Karpfanqer" unter Führung von Kapitän Walker seine Ausreise nach A u ft r a l i e n an. Im australischen Hafen Port Germain wurde das Schiff mit Weizensäcken beladen. Es hat dann am 8. Februar 1938 abends die Heimreise angetreten. Am 1. März 1938 fünfte „Admiral Karpfanger" feine letzte Standort- Meldung. Einige Tage später wurden von dem Schulschiff noch Nachrichten über Norddeich gegeben. Seitdem liegen keinerlei Nachrichten mehr vor. Im September 1938 sind in der Umgebung von Kap Horn Schiffstrümmer gefunden worden, von denen angenommen werden muß, daß sie teilweise von dem verschollenen Segelschulschiff stammen. Der Direktor der Personalabteilung der Ham- burg-Amerika-Linie. Kapitän M a s ch k e , der das Schiff mit einem Vertreter des Germanischen Lloyd in Liverpool am 19. Juli 1937 gekauft hat, war, wie er aussagte, überrascht über den guten Zu stand des Fahrzeuges. Die Umbauten sind in sehr großzügiger Weise durchgeführt worden. Don der Besatzung waren 13 Mann erfahrene Leute vom Schulschiff „Deutschland". Von den Jungen sind 13 ein Vierteljahr lang in Finkenwärder zur Ausbildung gewesen. Der Vertreter der Seeberufsgenossenschaft macht dann Mitteilungen über das Be- sicyttgungsergebnis des verschollenen Schulschiffes. Da Der Segler als Schulschiff in sehr gutem Zustand erhalten worden war und auch von der Hapag viel für die Ausgestaltung getan worden fei, so seien Beanstandungen nicht zu machen gewesen. Kapitän Walker werde das Zeugnis eines ruhigen und besonnenen Seemannes ausgestellt, dem das Wohl der ihm anvertrauten Mannschaft sehr am Herzen gelegen habe. Die Ausrüstung des Schiffes fei eine ganz ausgezeichnete gewesen, Auch die Hilfsmittel zur Navigation hätten in jeder Hinsicht allen Anforderungen genügt Die Unterbringung der Fun k- st a t i o n im Kartenhaus sei nicht zu beanstanden, da dies wohl auch der für das Schiff paffende Ort gewesen fei. Die Besatzung sei vollkommen aus- reicheick) gewesen. Es sei auf anderen Segelschiffen : auch nicht üblich, mehr erfahrene Besatzungsmit- 1 glieder an Bord zu haben. Die Bedienung der Funkstation habe in guten Händen gelegen. Reichskommissar Vizeadmiral a. D. Werth stellte in seinem Gutachten fest, daß man nach eingehender Prüfung aller Aussagen zu dem Schluß gekommen sei, daß das Schiff genügend bemannt, gut eingerichtet und ausgerüstet wurde. Er bedauert nur, daß zur Wartungder Motoren nicht ganz geeignete Leute an Bord gewesen seien. Trotzdem haben die Motoren doch noch bis zum 12. März den Betrieb des Kurzwellensenders und -empfängers gestattet Der Reichskommissar erkennt die erfolgreiche Suchaktion nach Wrackteilen an, die von dem chilenischen Forschungsschiff „G a l v a r i n o" unternommen worden sind. Es hat im Oktober vorigen Jahres bei der Navarine-Jnfel von dortigen Einwohnern am Strand gefundene Holzteile ausgenommen, an denen sich Armaturen befanden, so u. a. ein Türschild mit der Aufschrift „Kapitän und Offiziere". Das Schild ist aus einem neuerdings in Deutschland verwandten Leichtmetall hergestellt und wurde von einer Hamburger Firma einwandfrei als zu einer Lieferung für den „Admiral Karpfanger" gehörig erkannt. Nach den Wettermeldungen der Schiffe, die sich zur Zeit des Unglücks auf dem Wege zwischen Australien und Kap Horn befanden, lassen sich gewisse Rückschlüsse ziehen. Es besteht die Möglichkeit, daß „Admiral Karpfanqer" mit einem Eisberg zusammengestoßen ist oder durch plötzlich auftretendes schlechtes Wetter erhebliche Beschädigungen der Takelage stattgefunden haben. Der frühere Besitzer des Schiffes hält wegen der starken Masten des Schiffes eine Entmastung durch Schlechtwetter allerdings für unmöglich. Eine dritte Möglichkeit daß das Schiff unter dem Einfluß von Schlecht- Sellisch-tschechischesGesprS- Der Berliner Wochenendbesuch des tschecho-slowa« tischen Außenministers Ch v al ko o sky ist rein zeitlich interessant; er erfolgt nach dem Besuch des ungarischen Außenministers und vor der Warschau- Fahrt des deutschen Außenministers'. Das tschechische Volk hat eine umgekehrte Himmelfahrt hinter sich. Himmelfahrt im gewöhnlichen Sprachgebrauch bedeutet das Verlassen dieser Erde, um in ein besseres Jenseits einzugehen; das tschechische Volk ist aber aus dem Himmel der Illusionen auf die rauhe Wirklichkeit dieser Erde gestürzt. Das war eine harte Sache. Die Gerechtigkeit gebietet die Anerkennung, daß das tschechische Volk in einer so schweren seelischen Krise seinen Kopf nicht verloren und ein bemerkenswertes Maß von Selbstzucht unter Beweis gestellt hat. Diese Leistung imponiert jedem Deutschen mehr als die Großsprechereien eines Scheindaseins, das nicht nur in einer „Als-ob"-Philosophie, sondern auch in einer „Als- ob"-Großmachtspolitik und in einer „Als-ob"-Stra- tegie machte. Inzwischen ist — um einen Klichä-Ausdruck zu verwenden — eine Normalisierung der deutsch-tschechischen Nachbarschaft eingetreten. Normalisierung? Was heißt das? Normalisierung ist nicht viel: Normalisierung ist schließlich als solche nur ein Sich-Einrichten auf einen gegebenen Zustand, der zur Gewohnheit des Alltags wird. Aber eine solche Normalisierung hat außerhalb ihres rein sachlichen Bereiches doch einen großen seelischen Vorteil: daß nämlich eine neue Lage, für die eben die äußeren Formen gefunden werden mußten, in aller Ruhe erst einmal in bas allgemeine Bewußtsein bringen und in allen ihren Auswirkungen unb Folgen üb erprüft werben kann. Von deutscher Seite ist alles geschehen, um diese Normalisierung zu erleichtern: Das völkische Leben ber Tschechen jenseits der beuffchen Volkstumsgrenzen würben respektiert. Nach der ersten Aufregung gab es keine Zwischenfälle mehr an der neuen beutsch-tschechischen Grenze. Das wirtschaftliche Leben wurde durch die ungestörte Fortsetzung der natürlichen Beziehungen zwischen dem Sudetengau unb dem tschechischen Gebiet in Gang gehalten. Deutschland bot den Tschechen den Anschluß an ein großräumiges Wirtschaftsgebiet und schafft gerade damit den Ansatzpunkt für eine fortwirkende Klärung ber Problemstellung im tschechischen Volks- bewußtsein selbst. Wir geben uns keiner Täuschung hin; wir glauben nicht, daß die Tschechen von gestern auf heute Freunde des deutschen Volkes geworben sind. Mehr noch: wir spekulieren gar nicht auf diese Freundschaft. Aber wir wissen aus dem Schicksal unserer volksdeutschen Landsleute des alten Oesterreich- Ungarn, daß die Verhältnisse dieses Völkerstaates für eine harmonische, geradlinige Entwicklung feiner einzelnen Völker ungünstig gewesen sind. Die Regierungsmaxime des Fortfrettens und Fortwurstelns hatte zum natürlichen Gegenstück, daß sich die einzelnen Völker in einer „Geistigkeit" verbiesterten, die — um ein Goethe-Wort umzukehren — bas Kleine groß unb das Große klein sehen ließ. Die Tschechen sind auf wirtschaftlichem Gebiet ein regsames und tüchtiges Volk; aber biefes Oesterreichertum ließ sie nicht los, ja, sie selbst übersteigerten es unter dem Be- nesch-Regime zu einer Groteske. Gegen biefe Krankheit helfen nur Straßen, Kanäle, Eisenbahnen, Häsen! Offene Grenze für den Krastfahrzeng- verkehr in die Tkchecko-Slowafei. Berlin, 19. Jan. (DNB.) Das Reichsverkehrsministerium gibt ben Vertrag bekannt, den die deutsche Regierung und die Regierung ber tschecho-slo- wakischen Republik in bem Wunsche abgeschlossen haben, ben Verkehr mit Kraftfahrzeugen unb Fahrrädern zwischen ihren ßänbern zu erleichtern. Danach ist die Einreise von Kraftfahrzeugen bes einen 93ertragsftaates in bas Gebiet bes anderen ohne die durch internationale Abkommen vorgeschriebenen internationalen Fahrtausweise für Fahrzeuge und F a h r z e u g f ü h r e r zulässig. Fahrräder, die zum vorübergehenden Gebrauch in das Gebiet bes anberen Staates eingeführt werben, bleiben von Zöllen und Zollförmlichkeiten befreit. Ferner enthält der Vertrag, der sofort in Kraft tritt, Bestimmungen über einen erleichterten Durchgangsverkehr auf bestimmten Straßen, die noch bekanntgegeben werden. wetter nach vorheriger starker Beschädigung der Segel und des Ruders durch (Einfdjlagen von Luken leck geworden ist. Tüe vierte Möglichkeit ist ein eventuelles Kentern des Schulschiffes im Zusammenhang mit vorherigem Leckwerben, da eine andere Möglichkeit bes Kenterns bei der langen Fahrzeit, die das Schiff feit seiner Indienststellung bereits hinter sich batte, wohl ausgeschlossen ist. Eine letzte Möglichkeit ist, daß bas Schiff durch Beschädigung soweit manövrierunfähig geworden ist, daß es in der Nähe von Kap Hom strandete. Die Beweisaufnahme hat ergeben, daß „Admiral. Karpfanger" am ober nach bem 12. März 1938 innerhalb eines Seegebietes zwischen bem 50. unb 60. Grab südlicher Breite unb zwischen bem 115. Grad westlicher Länge und Kap Horn untergegangen und die Besatzung nicht mehr am Leben ist. Dieser tragische Seeunfall muß auf höhere Gewalt zurückgeführt werden. Auch weiterhin wird alles unternommen werden, um Nachrichten über „Admiral Karpfanger" zu erlangen. — Der Spruch des Seeamts entsprach dem Gutachten bes Reichskommissars. Oie Gesundheitspflege von Juden bereinigt. Berlin, 19. Ian. (DNB.) Nachdem durch Verordnung zum Reichsbürgergesetz ben jübischen Aerz- ten bie Bestallung am 30. September 1938 entzogen worben ist, bestimmt eine weitere Ver- orbnung das Erlöschen ber Bestallungen bzw. Approbationen auch ber jüdischen Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker am 31. Januar 1939. Darüber hinaus ist den Juden bie Ausübung ber Heilkunde, Zahnheilkunde und Tierheilkunde überhaupt verboten. Als Hilfskräfte in der Gesundheitspflege sind die Juden auf ihre Rassengenossen beschränkt. Die von der Verordnung betroffenen Juden können ihre Wohnungen ober Praxisräume für den 28. Februar 1939 kündigen; die Kündigung muß dem Vermieter bis zum 31. Januar 1939 zugegangen fein. Der Führer empfing seine jüngsten Offiziere. WM $ M MMMWl ME : Z' ? In Anwesenheit der drei Oberbefehlshaber der Wehrmachtsteile und des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht empfing der Führer und Oberste Befehlshaber — wie schon gemeldet — in der Mosaikhalle der neuen Reichskanzlei die Leutnante des Offiziersjahrganges 1938 von Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe. Im Anschluß daran waren alle Leutnante Gäste des Führers. — (Presse-Jlluftration-Hoffmann-M.) Kreuzer „Seydlitz" vom Stapel gelaufen. Bremen, 19. Jan. (DNB.) In Anwesenheit des Oberbehlshabers der Kriegsmarine, Generaladmiral Dr. h. c. Raeder, lief auf der Werft der Desckimag-Bremen der auf den Namen „Seydlitz" getaufte Kreuzer „K" vom Stapel. Durch die Namensgebung wird das neue Schiff verpflichtet, die Tradition des ruhmreichen Panzerkreuzers „Seydlitz" fortzuführen. Die Stapellaufrede hielt Admiral a. D. Förster, Erster Arttl- lerie-Offizier der alten „Seydlitz" währen des Well' krieges und späterer Flottenchef in der neuen Kriegsmarine. Der Taufakt wurde von Frau von E g l d y der Gattin des vor zwei Jahren verstorbenen Kriegskommandanten der „Seydlitz" vollzogen. In seiner Rede verwies Admiral a D.F ö r- st e r auf die in großer Zahl erschienenen Männer, die 'm Frieden und im Krieg auf dem Vor- 9 $n 9 er dieses Schiffes D i e n st getan hatten. Zu ihnen gehörten auch der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und er selbst. Sie alle seien dem Führer aus tiefstem Herzen dankbar dafür, daß er für diesen Kreuzerneubau den Namen wres alten geliebten Schlachtkreuzers bestimmt habe. Damit sei auch ein Wunsch erfüllt worden, der sie alle beseelt habe seit dem Sonnwendtage 1919, an dem ihr kriegserprobtes und narbenbedecktes Kren- zerflaggschiff zusammen mit der deutschen Hochseeflotte durch die entschlossene Tat des Admirals von Reuter den selbstbereiteten Untergang in der Bucht von Scapa Flow gefunden habe. Nach einem kurzen Rückblick auf den Stapellauf des allen Schlachtkreuzers „Seydlitz" vor 27 Jahren rief Admiral a. D. Förster dem neuen Schiff den Wahlspruch „Allen v o r a n" zu, der an dem hintersten Geschützturm des alten Schlachtkreuzers gestanden habe. „Allen voran", sei dein Wahlspruch in Pflichterfüllung und Leistung in den Zeiten des Friedens, wenn du als Träger deutschen Wesens und Wollens hinausfährst in die Welt, um das Ansehen Deutschlands in der Welt zu stärken und zu schützen; in den Zeiten der Not, wenn es heißt, Leib und Leben einzusetzen für Deutschlands Ehre." Der neue Kreuzer, für den ursprünglich 15-em- Geschütze vorgesehen waren, wird auf Grund dyr Ende vorigen Jahres mit der britischen Regierung durchgeführten Flottenbesprechungen eine Armierung von acht 20L-cw-Geschützen in vier Doppeltürmen erhalten und somit zur Klasse der s ch w e- ren Kreuzer rechnen. Nach den in den beiden Vorjahren vom Stapel gelaufenen schweren Kreuzern „Admiral Hipper", „Blücher" und „Prinz Eugen" ist Kreuzer „Seydlitz" das vierte Schiff Lieser Schiffsklasse. Ausrüstung der amerikanischen Luftwaffe. Erhebliche Sterrererhöyungen angekündigt. Washington, 19. Jan. (Europapreß-Funkspr.) Die erste der durch das Riesenaufrüstungsprogramm des Präsidenten Roofevell notwendig gewordenen 14 Aufrüftunasvoklagen wurde am Mittwoch von dem Vorsitzenden des Militärausschusses des Repräsentantenhauses, May, eingebracht. Die Vorlage beantragt die Erhöhung der Luftstreit- kräfte auf 6000 Flugzeuge und 51000 Mann. Ferner werden Maßnahmen für die Be- sckleunigung der Produktion der amerikanischen Fluazeugindustrie gefordert. Ferner wurde eine Vorlage eingebracht, die die Regierung ermächtigen soll, zwölf neue Stützpunkte für die Marineluftwaffe im Stillen und Atlanttschen Ozean einzurichten. Die in Frage kommenden Stützpunkte sind Pearl Harbour aus Hawaii, die Inseln Wake, Midway, Johnstone, Pal- myria sowie Kodiak auf Alaska, Sitka, San Juan Puerto Rico, Pensacola und Jacksonville sowie die Insel Guam. Dabei läßt man jedoch durchblicken, daß die Errichtung eines Marinelufthafens auf Guam noch nicht endgültig fei, sondern noch in Verhandlungen mit Japan mit Bezug auf die Fragen des wefttichen Süllen Ozeans geklärt werden soll. Zur Erleichterung der Finanzierung des Aufrüstungsprogramms plant Präsident Roosevelt eine Reihe von erheblichen Steuererhöhungen. In einer Sonderbotschaft an den Kongreß fordert er, daß in Zukunst alles Privateinkommen aus Regierungs- gehältern und künfttgen Regierungsanleihen den allgemeinen Einkommensteuergesetzen der Bundesregierung und der Regierungen der einzelnen Staaten der Union unterworfen werden soll. Das Mchr- einkommen an Steuern, das sich bei dieser Maßnahme ergeben würde, wird auf 300 Millionen Dollar (rund 750 Millionen RM.) im Jahre geschätzt. Oie Sprengstoffanschläge in England. Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen in Nordirland. Dublin, 19. Januar. (Europapreß.) Das Justizministerium hat eine Erklärung über eine Bomben- Explosion in Tralee aus^egeben. Dort war in der Nähe des Hotels, in dem sich gegenwärtig der Sohn des Ministerpräsidenten aufhält, eine Explosion erfolgt. Wie es nun in der Erklärung des Justizministeriums heißt, hat es sich nur um eine kleine Menge Sprengstoff gehandelt, die in einer kleinen Tabakschachtel untergebracht war. Diese Schachtel sei dann in einem Mauerloch, etwa elf Meter von dem Hotel entfernt, zur Explosion gebracht worden. Die Explosion sei im Hotel kaum gehört worden und habe lediglich einige Fensterscheiben zertrümmert. Das Hotel selbst habe Heinen Schaden genommen. Ministerpräsident de Valero hat sich bei Ministerpräsident Chamberlain durch den irischen Oberkommissar in London, Dulanty, für die Explosion entschuldigen lassen. Bei Liverp'ool ist auf eine Brücke über den Liverpool-Leeds-Kanal ein Bombenanschlag verübt worden, obwohl die Brücke von mehreren Polizisten Tag und Nacht bewacht wird. Die gesamte Polizei der Umgebung ist aufgeboten worden, da man weitere Anschläge auf die in der Nähe liegenden Gas- und Elektrizitätswerke befürchtet. Don der Polizei w'rd angenommen, daß die Täter aus Liverpool stammen, da hier die verhältnismäßig stärkste irische Bevölkerung in England lebt Nervosität herrsche auch in Glasgow, nachdem an der Clyde-Schiffswerft von Barclay, Curie & Cy zwei , geheimnisvolle Männer gesehen worden sind Man > vermutet in ihnen Attentäter und befürchtet das > Schlimmste für die nicht weit von der Werft ent- jfernt liegende Kraftstation der Clyde-Tal-Elektn- ^zitäts-Gesellfchaft. Göring 25 Jahre Offizier. Berlin, 20. Jan. (DNB.) Generalfeldmarschall Hermann Göring begeht am heutigen Tage sein 25jähriges Offiziersjubiläum. Nach der Schulzeit in Ansbach kam er in die Kadettenanstalten Karlsruhe und Lichterfelde. Mit der besten Note besteht er sein Examen. Am 20. Januar 1914 tritt Hermann Göring als Leutnant in das Infanterie-Regiment „Prinz Wilhelm" Nr. 112 in Mühlhausen (Elsaß) ein. Wenige Tage Der Reichsminister des Innern hat eine Dienstanweisung für die Standesbeamten erlassen, die auch die für das ganze Reich zum erstenmal einheitlich festgelegten neuen Vor-- ch ritten über die Eheschließung ent- lält. Entsprechend der Anschauung des national» ozialistischen Staates und seiner bevölkerungspoll- ischen Ziele soll die Eheschließung vor dem Standesbeamten in besonders feierlicher und würdiger Form vorgenommen werden. In den dazu ergangenen Richtlinien wird empfohlen, das Zimmer, in dem die Ehe geschloffen wird, mit einem Bild oder einer Büste des Führers, mit der Reichs- und Nationalflagge oder den Hoheitszeichen des Reiches und mit Blumen auszuschmücken. Sollte die finanzielle Lage der Gemeinde Ausgaben für Blumenschmuck nicht erlauben, soll den Brautleuten gestattet sein, selbst für die Ausschmückung des Zimmers zu sorgen Wenn die Diensträume des Standesbeamten zu diesem Zweck nicht ausreichen, soll die Gemeinde für die Eheschließung einen anderen würdigen Raum, etwa ein Sitzungszimmer oder das Dienstzimmer des Bürgermeisters zur Verfügung stellen. Die Feier der Eheschließung (Trauung) vor dem Standesbeamten soll nicht in einer mehr oder weniger guten Nachahmung kirchlicher Gebräuche bestehen, sondern eine würdige Gestaltung von besonderer Eigenart erfahren. Eine Verbindung der standesamtlichen Eheschließung mit kultisch-religiösen Feierlichkeiten ist nach den Richtlinien des Reichsinnenministeriums nicht zulässig. Dagegen ist auf Wunsch der Verlobten eine Mitwirkung von Parteiorganisationen und ihre Teilnahme oder Spalierbildung vor dem Standesamt durch Parteiorganisationen zulässig. Dem Standesbeamten ist es gestattet, vor oder nach der Eheschließung auf die Bedeutung der Ehe und der Familie im nationalsozialistischen Staat kurz hinzuweisen, falls nicht schon ein Vertreter der Partei dazu gesprochen hat. Das Buch des Führers „Mein Kampf" wird gegebenenfalls im Anschluß an die Trauung überreicht werden. Ferner ein Familien st arnrnbuch, soweit dies von den Ehegatten gewünscht wird, das Hausbuch für d i e deutsche Familie, wenn es in der Ge- Jn Nordirland sind Sicherheitsmaßnahmen ge- ttoffen worden, die außergewöhnlichen Charakter tragen. Nicht nur, daß die gesamte Polizei Nordirlands unter Sonderalarm steht, ist auch eine 11000 Mann starke R e s e r v e p o l i z e i t r u p p e mobilisiert und zum Teil bewaffnet worden. An allen wichtigen Plätzen der nordirischen Städte stehen Posten, auch die Ueberlandstraßen und vor allem die Grenze werden ständig von Patrouillen überwacht. Mehr Ehescheidungen in England. abs. London, 19. Jan. Ein Anwachsen der Ehescheidungen innerhalb der ärmeren Bevölkerung Englands auf nahezu das Dreifache während des Jahres 1938 ist auf Grund des neuen-englischen Ehescheidungsgesetzes und der Möglichkeit der Inanspruchnahme des Armenrechts eingetreten. Während 1937 im ganzen 2947 Armenrechtsanträge auf Ehescheidung gestellt wurden, wuchs die Zahl im Jahre 1938 auf 6737 Anträge, von denen allerdings nicht alle zur Ehescheidung führten. Nur in etwa einem Drittel der Fälle wurde die Ehe geschieden. Die Vorteile des Armengesetzes liegen darin, daß die Klagen auch am Ort des Klägers durch die örtlichen Gerichte entschieden werden können, während sonst alle Ehescheidungsverfahren nur in London zur Verhandlung kommen können. Dies bedeutet nicht nur eine Verminderung der Gerichtsspesen, sondern vor allem der Ausgaben, die durch die Bestellung Londoner Anwälte, der Vernehmung von Zeugen und dcr Notwendigkeit eines längeren Aufenthaltes in London bis zur Beendigung des Prozesses entstehen. nach Kriegsausbruch bereits echäU Leutnant Göring als Führer einer schneidig durchgeführten Erkundung die Feuertaufe, wenige Wochen darauf trägt er als erster Leutnant des Regiments das E. K. II. Später kommt er zur Fliegerei, nachdem er im Herbst 1915 in Freiburg i. Br. in nur vier Wochen das Pilotenexamen gemacht hat. Bald fügt er einen Luftfieg zum anderen und erhält den Pour le mSrite. Im Juli 1918 wird er Kommandeur des Jagdgeschwaders Richthofen. meinde zur Ausgabe gelgngt, und ein Gutschein des Reichsverbandes deutscher Zeitungsverleger zum unentgeltlichen Bezug einer von den Ehegatten frei auszuwählenden in dem betreff senden Orte erscheinenden oder stark verbreiteten Zeitung auf die Dauer eines Monats. Auch au; den Ratgeber für Mütter soll empfehlend Wenn das Essen nicht schmeckt, bei Müdigkeit und Abspannungserscheinungen oder in Genesungszeiten nehmen Erwachsene und Kinder das blutbildende Kräftigungsmittel Bioferrin. 3iov Zb\ ( A \ (BAYER) \E 7 hingewiesen werden. Andere Bücher, Zeitschriften oder Reklamen dürfen jedoch nicht ausgegeben werden. Erst auf Grund einer den Eheleuten auf ihren Wunsch sofort auszu stellend en Bescheinigung des Standesbeamten darf der Geistliche die religiöse Feier der Eheschließung vornehmen. Eheleuten, die Ehestandsdarlehen beantragt haben, wird die Eheschließung gebührenfrei bescheinigt und ferner im Beisein der Ehegatten und der Zeugen ein besonderes Blatt des beim Standesbeamten geführten Familienbuchs eröffnet, dessen Eintragungen genehmigt und unterschrieben werden. Die Dienstanweisung des Reichsministeriums des Innern stellt es den Gemeinden frei, für die Standesbeamten eine Amtstracht zu beschaffen, die sich in Schnitt und Farbe von anderen eingeführten staatlichen oder kirchlichen Amtstrachten deutlich unterscheiden muß. Es wird daran gedacht, als einheitliche Amtsttacht einen braunen Talar mit braunen Samtbesätzen einzuführen, der durch ein auf der Brust eingesticktes Stadtwappen noch einen besonderen Schmuck erhalten kann. Alle Klagen auf Grund des Armenrechtes werden erst von einem Komitee bearbeitet, das in 94 größeren Städten Englands Vertretungen hat. Rekord-Geburtenüberscfiuh in Italien Rom, 18. Jan. (Europapreß). Nach einer amtlichen Mitteilung sind im Jahre 1938 in Italien 1031 193 Lebendgeburten zu verzeichnen gewesen, die h ö chste Ziffer seit 1931. Die Zahl der Todesfälle betrug 606 799. Die Bevölkerungsziffer ist damit um 424 394 auf 44 056 000 am 31. Dezember 1938 angewachsen. Der Geburten-Koeffi- zient ist ocn 22,7 je Tausend im Jahre 1937 auf 23,6 je Tausend im Jahre 1938 angeftiegen. Besserung der italienischen Außenhandelsbilanz. Rom, 19. Jan. (Europapreß.) Im technischen Ausschuß des Faschistischen Instituts für Außenhandelt teilte Minister Guarneri mit, die italienische Handelsbilanz habe im Jahre 1938 eine bedeutende Besserung durch einen starken Rückgang des Einfuhr-Ueberschusses aufzuweisen. Unter Ausschluß des Handelsverkehrs mit den Kolonien habe sich der Fehlbetrag der Bilanz von 5739 Millionen Lire im Jahre 1937 auf 2959 Millionen Lire im vergangenen Jahre ermäßigt. Die Einfuhr fei von 13 592 Millionen Lire auf 10 918 Millionen Lire zurückgegangen, besonders infolge der Verminderung der Getreide-Einfuhr. Die Ausfuhr habe sich leicht von 7859 Millionen auf 7959 Millionen Lire erhöht. Guar- nerie entwickelte dann die Richtlinien, die im Jahre 1939 für die italienische Handelspolitik maßgebend sein werden, um die Ausfuhr zu fördern. Genfer Sachverständigentagung des Roten Kreuzes. Genf, 19. Jan. (DNB.) Auf Veranlassung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz haben in Genf Delegierte des Roten Kreuzes aus Deutschland, den Vereinigten Staaten, Frankreich, Belgien, Holland, Schweiz und Jugoslawien Empfehlungen ausgearbeitet, die für den Kriegsfall eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Roten Kreuz in den neutralen wie in den kriegführenden Ländern sicherstellen sollen. Die Delegierten haben den Wunsch ausgesprochen, daß dem Internationalen Komitee in Genf die unbedingt notwendigen Gelder zur Verfügung gestellt werden, damit seine Tätigkeit in Spanien solange fortgesetzt werden kann, wie es die Umstände erfordern. Der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Dr. G r a w i tz, ist in Genf eingetroffen, um mit dem Präsidenten des Internationalen Komitees, Professor Max Huber, Angelegenheiten allgemeiner Art zu erörtern. Kunst und Wissenschaft. Die Schweizer Dichterin Maria Wafer f. 3n Zürich ftarb in einem Krankenhause nach längerem Leiden die Schweizer Dichterin Maria Wafer im 61. Lebensjahre. * Am 15. Oktober v. I. beging Maria Waser ihren 60. Geburtstag. Ihr letztes Buch war der Gedichtband „Das besinnliche Blumenjahr" mit Aquarellen chrer Schwester Hedwig Krebs. Früher erschienen „Sinnbild des Lebens", „Begegnung am Abend", bie Romane „Land unter Sternen", „Wende" und „Die Geschichte der Anna Waser", ferner „Der heilige Weg", ein Bekenntnis zu Hellas. Ailmschauspieler Wosjukiu f. Der Filmschauspieler Iwan Mosjukin, ein vor den Bolschewisten geflohener Russe, der zur Zeit des Stummfilms auch in Deutschland viel von sich reden machte, ist in einem Pariser Krankenhaus in völliger Armut gestorben. — Es war bereits vor einiger Zeit eine Meldung in ausländischen Blattern zu lesen, daß man Mosjukin in eine Anstalt habe bringen müssen. Nun hat der Tod ein Leben beendet, das manchen Wechselfällen unterworfen, aber auch an Erfolgen reich war. Die alten Freunde des FUms werden sich an die Titelrollen in „Manolescu" und vor allem in „Casanova" erinnern, die zu den glänzendsten Leistungen des ungewöhnlich begabten, vielseitigen und temperamentvollen Schauspielers zählten. Mosjukin, der ursprünglich Jurist und vor dem Kriege Rechtsanwalt m Moskau war, ist nur 50 Jahre alt geworden. Der russische Akzent, den er nicht ablegen konnte, verbaute ihm später den Uebergang vom stummen Film zum Tonfilm. Königsberger Lehrgang des Langemarck-Studiums. In Schloß Bledau bei Cranz fand die feierliche Eröffnung des Königsberger Lehrgangs des Langemarcks-Studiums der Reichs- ftudentenführuna statt. In einer kurzen Feierstunde, an der zahlreiche Vertreter der Partei und chrer Gliederungen, der Universität und der Wehrmacht teilnohmen, sprach Reichsstudentenführer Dr. Scheel und übergab das neue Heim des Lange- marck-Studiums seiner Bestimmung. Am Abend fand eine Kundgebung statt, auf der Reichs- swdentenfiihrer Dr. Scheel wiederum das Wort ergriff. Aus aller Welt. Der älteste französische Veteran von 1870 gestorben. In Cahors in der Normandie ist dieser Tage der älteste unter den überlebenden Teilnehmern am deutsch-französischen Kriege von 1870/71, der frühere Gemeinderat C h a l o n, im hohen Alter von 94 Jahren gestorben. Chalon hatte an den hauptsächlichsten Schlachten des 70er Krieges teilgenom- men. Ausgrabungen in Trier. Gegenwärtig sind in den Trierer Kaiserthermen Ausgrabungsarbeiten im Gange, die eine weitere Freilegung der unterirdischen Kellergänge zum Ziele haben. Diese Kellergänge zeigen das Heizungssystem eines anttken Badepalastes. Die Grabungsarbeiten in Trier können nur im Winter durchgeführt werden, da die starken Befucherzifiern im Sommer Rücksicht verlangen. Tausende der KdF.-Urlauber lernten bei ihren Führungen auch diese unterirdische Anlage kennen. Die Arbeiten in den Thermen ergänzen die Arbeiten des Winters 1938 im Amphitheater, wo ebenfalls der Keller einer denkmalpflegerischen Arbeit unterzogen wurde. Grippe-Epidemie in Budapest fordert 200 Todesopfer. Die Grippe-Epidemie in Budapest hat in ben letzten Wochen gefährliche Ausmaße angenommen. Fast eine halbe Million Menschen wurde von der Krankheit heimgesucht, die in über 200 Fällen mit dem Tode endete. — Aus der Provinz sind dagegen nur vereinzelte Grippefälle bekannt geworden. Wit dem Schrecken davongekommen. In Bridlingtou in der englischen Grafschaft Yorkshire mußte ein Bombenflugzeug der Luftwaffe, das im dichten Nebel und schwerem Regen die Orientierung verloren hatte, notlanden. Diese Notlandung, die auf einem Golfplatz versucht wurde, mißlang. Das Flugzeug kam auf einem durch den Regen durchweichten Rübenfeld zum Absturz. Die fünfköpfige Besatzung kam mit dem Schrecken davon. Neues Unwetter in Argentinien. Die argentinische Provinz Cordoba wurde inner- halb weniger Tage abermals von einem von schweren Wolkenbrüchen begleiteten Unwetter heimgesucht. Mehrere Brücken, Wege und zahl- reiche Telegraphenlinien wurden zerstört. Eine Reihe von Ortschaften ist durch Ueberschwem- m ungen von jeglichem Verkehr abgeschnitten und zahlreiche Häuser zerstört worben. Bis auf einen Fall liegen Berichte über den befürchteten Verlust von Menschenleben noch nicht vor. Vlattern-Epidemie in Schanghai forderte über 300 Todesopfer. Die in Schanghai herrschende Blättern- Epidemie ist ttotz allen Vorsichtsmaßnahmen der Gesundheitsbehörden noch nicht zum Stillstand gekommen, breitet sich vielmehr weiter aus Unter den Chinesen sind über tausend Falle festgestellt worden, von denen über dreihundert einen tödlichen Ausgang nahmen. Don den Gesundheits, behörden wurden verstärkte Abwehrmaßnahmen einaeleitet. Ein großer Teil der Bevölkerung wird kostenlos geimpft. Die Eheschließung vor dem Standesbeamten. Würdige Ausgestaltung der Feier. - Amtstracht für den Standesbeamten Büchertisch. — In B. Behrs Verlag. Friedrich Feddersen, Berlin-Friedenau, erschienen zwei deutsche Ge- ichichtsüramen von Fritz Wichmann: „Herzog von Friedland" — (459) — und „M o r i tz von Sachsen" — (458) —, je 2,85 Mark. Das Geschichtsdrama fordert nach Wichmanns Auffassung ..bedingungslose Wirklichkeitstreue und Wahrheit". Es kommt ihm darauf an, „die Männer, die Geschichte gemacht haben, so zu zeigen, wie sie waren, die Probleme und Situationen, mit denen sie zu ringen hatten, mit Wirklichkeitskunst zu gestalten, und damit den Persönlichkeiten chren eigentümlichen, ursprünglichen und natürlichen Reiz zu geben .. — Unter dem gemeinsamen Titel „Die Tragödie Rußlands" erschienen von Hanns Gobsch in B. Behrs Verlag, Friedrich Feddersen, Berlin und Leipzig, die drei geschichtlichen Dramen „Der andere Feldherr", „Der Thron zwischen Erdteilen" und „U n st e r n über Rußland": mit einer Einführungsschrift und dem Bild des Verfassers RM. 6,75. — (456.) — Im „Thron zwischen, Erdteilen", dem geschichtlich frühesten der drei Dramen, erleben wir in der Spannung zwischen der aus Deutschland stammenden Katharina und ihrem Gemahl Peter III. die Auseinandersetzung nicht nur zweier feindlicher Persönlichkeiten, sondern unversöhnlicher Rassen und Erdteile. — Im „Andern Feldherrn" wird die Schlacht bei Tannenberg von der Gegenseite her, in der Gestalt des russischen Generals Samsonow, erlebt. — Im „Unstern über Rußland" wird mit dem Leben und Ende des letzten Zaren Nikolai II. eine lange geschichtliche Entwicklung zum Abschluß gebracht. — Die drei Dramen sind an zahlreichen deutschen Bühnen mit großem Erfolge aufgeführt worden. — Hilda Torthofer: Der Schicksals- b e r a. Roman. 216 Seiten. Leinen 4,20 Mark. Verlag Kösel-Pustet, München. — (470). — In Tirol steht der Einödshof, in dem die junge Lehrerin Heli Widmann die Kinder der Bergbauern unterrichtet. Der Donner der Lawinen, der brausende Föhn des Frühlings, die Farben des Sommers, die Herbstnebel und der unendliche Schnee geben den Hintergrund für die Handlung, die in der Erfüllung einer großen Liebe gipfelt. Neuerscheinungen der Essener Verlagsanstatt. Die Essener Verlagsanstalt kündigt folgende Neuerscheinungen für das erste Halbjahr 1939 an: Jozef Beck: Beiträge zur europäischen Politik, Reden, Erklärungen, Interviews 1932—1938. — Ernst Ed. Berger: Deutsch-Italienisches Jahrbuch. — Max HiU>ebert Boehm: Deutsch-Oesterreichs Wanderung und Heimkehr. — Heinz Bongo r tz : Luftmacht Deutschland. Luftwaffe — Industrie — Luftfahrt. — Claus Grimm: Jahre deutscher Entscheidung im Baltikum 1918/1919. — Hubert Herring: Amerika auf dem Wege zum Kriege. — Karl G. Hugelmann: Volk und Staat. — Ricardo Levene: Argentinien. — Wyndham Lewis: Der mysteriöse John Bull. Ein Tugendspiegel des Engländers. — Herbert Müller-Jena: Die Kolonialpolitik des faschistischen Italien. — Hans Raupach: Der tschechische Frühnationalismus. — Das Diktat von Versailles. Entstehung / Inhalt / Zerfall / Dokumente. Mit einem Vorwort von I. von Ribbentrop. Zwei Bände. — Wolfgang Windelband: Berlin — Madrid — Rom. Bismarck und die Reife des deutschen Kronprinzen 1883. Auf Grund unveröffentlichter Akten. — Asmus: Die Zulu. — .Baumann - Thurnwald - We st ermann: Völkerkunde von Afrika. — Alfred Petrau: Schrift und Schriften im Leben der Völker. — Walther Boehmer: Pioniere! Pioniere! Ein deutsches Kolonistenschicksal in Südafrika. — P. N. Kraßnoff: Nach Haufe (Roman). — Hans Rudolf Rieder: Am Lagerfeuer im Indianerland. (Indianermärchen und -geschichten.) — Jussi Sihvo: Sturmfahrten für Finnlands Freiheit. — Tamara Solonewitsch: Drei Jahre bei der Berliner Sowjethandelsvertretung. — Wilhelm Vershofen: Fenriswolf. Eine Finanznovelle. Neue Ausgabe. Wetterbericht Die Umgestaltung der Großwetterlage, die sich auch bei uns durch kräftig steigenden Luftdruck und leichte Abkühlung bemerkbar macht, hat keine durchgreifende Witterungsänderung im Gefolge. Trotz zeitweiliger Wetterbesserung noch keine Beständigkeit. Vorhersage für Samstag: Gelegentlich aufheiternd, doch unbeständig. Zeitweilig Regen, mild. Kräftige Winde aus südlichen Richtungen. Vorhersage für Sonntag: Wechselnde Bewölkung und zu Niederschlägen geneigt, tagsüber mild. Lufttemperaturen am 19. Januar: mittags 9,6 Grad Celsius, abends 8,4 Grad: am 20. Januar: morgens 7,2 Grad. Maximum 10 Grad, Minimum heute nacht 6,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Januar: abends 7,6 Grad: am 20. Januar: morgens 7,3 Grad. — Sonnenscheindauer 1,2 Stunden. In unseren Nachbargebirgen bestehen keine Schneesportmöglichkeiten. Schneefälle sind vorerst nicht zu erwarten. Die milde Witterung hält an. Schwarzwald. Feldberg: Bewölkt, 0 Grad, Gefamtschneehöhe 15 Zentimeter, verharscht, Schi und Rodel mäßig. Alpen. Garmisch - Partenkirchen: Bewölkt, 2 Grad, Gesamtschneehöhe 6 Zentimeter, verharscht, Schi und Rodel nur stellenweise möglich. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. XII. 38: 10843. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM.> 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Jllu- ftrierten-15 Ps mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig L..-B. VOLKSTUM UND HEIMAT Frau Sophie Ohler, geb. Schröder. Jeder Heimatfreund willkommen -Gießen, den 20. Januar 1939> 20.30 Uhr Lache mit uns! 395D Groß-Variete 383D für Stadl- und Landkreis Gießen in Gießen. Mitglieder des Feierabend-Ringes müssen ihre Mitgliedskarte mitbringen. 387D 389D u. Flugzeugbau Frankfurter Str. 52 Ruf 2847 | Vereine | Verkäufe | Junker, Vereinsführer. Wagenpflege West-Garagen KUPRESS1939 Windstärke 13 Ludwigsplatz-Drogerie,Photohaus Stadttheater Lohnstr. / Hammstr. Fernsprecher 3516 Eintrittspreise von RM. 0.80 bis 2.—. Vorverkauf: Seltersweg 60 (KdF.-Dienststelle) ManfiedVolz GIESSEN Marktstil Große Laboratorien Lehrfabrik f. Praktikanten Am 18. Januar starb nach kurzem Leiden im 85. Lebensjahr unsere Hebe Schwester und Tante Die Beerdigung findet Freitag, den 20. Januar, nachmittags 2 Uhr, auf dem Alten Friedhof statt Flasche 1.75, 3.30, 4.20 (394A Drogerie Bornemann Bahnhofstraße 17 — Ruf 2135 am Dienstag, dem 24. Januar 1939 im Gloria-Palast zu Gießen tinpiTnn Ein Wagen, der der Welt gehört Die Geburt eines gesunden Bübchens zeigen hocherfreut an Or.Mittermaier und FrauRuih,geb.Gsenberg Staufenberg über Gießen, den 19 Januar 1939 388d Familien-Drucksachen veriobungsanzeigen Vermählungsanzeigen bei BrOhl, Schulstraße 7 Geburtsanzeigen gesetzte Frist bis ZUM 25. dieses rNonals. Allgemeine Ortskrankenkasse Heute entschlief sanft nach langem schweren Leiden unsere liebe, gute Mutter und Großmutter Frau Emma Sohl Wwe., geb. Müller aus Oberneisen im 68. Lebensjahre. Karten im Vorverkauf bei Challier 50 -S, an der Abendkasse 70 -Z 384D Das große gesellschaftliche Ereignis Gießens am Samstag, dem 4. Februar Kostüme: „Was Ihr wollt“ und „Wie es Euch gefällt Vorverkauf hat begonnen Selbständiger Bäckergeselle mit Konditorei- Kenntnissen anfangs Februar gesucht. Schriftl. Angebote unter 402Dmtb. Gieß. 'Anzeiger erbet. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Prof. Hermann Pfeiffer. In tiefer Trauer: Emmy Berger, geb. Sohl Adolf Berger, Apotheker und 3 Enkelkinder. Gießen (Kaiserallee 10), den 18. Januar 1939. Die Trauerfeier findet am Samstag, 21. Januar, vormittags ll8/« Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofs zu Gießen statt. Nachlässe von 3 bis 20 v. ff. er* halten Sie bei wiederholten Veröffentlichungen einer Anzeige / Achtung! am22.Oktob.38 10.30 Ubr Kaiserallee Ecke Georg-Philipp- Gail-Ttraste Augenzeuge ä. Unkosten werden vergütet. Adresse unter 381D an den Gieß. Anz. fiainetflöW' AvveU (Jahreshauptversammlung) Samstag, den 21. Januar 1939 20 Uhr [396d im Kameradsch.- Heim Auerhahn Sonnenstraße. Erscheinen Ka- meraden-Pflicht. nMik 3 r Würden Sie Ihrem Kinde, wenn es sich den Magen verdorben hat, einen Hering geben? Aber ganz gewiß nicht. Und wenn es hustet? Am besten etwas, was gegen den Husten gut ist und dem empfindlichen Magen des Kindes nicht schadet. Richtig I Aber dann kaufen Sie bitte auch immer eine Packung der echten „mit den 3 Tannen" und das schöne Vogelbild wird Ihrem Kindd eine besondere Freude machen. tofimooen 2% Tonnen fahrbereit, Bereifung noch sehr gut, zu verkauf, schriftl. Angeb. unt. 385 Dan den Gieß. Anz. erbet. 20—22.30 Uhr Außer Miete! Zu ganz kleinen Preisen Die große Syl- vesterPremiere MnlM Heiteres Spiel von Hch.Spoerl Preise: RM. 0.40-2.10. Morgen Samstag, um 20 Uhr, im Cafe Leib: Froher Heimatabend mit TANZ 2türig......... RM. 3575.- ab Werk 4türig.........RM. 3975.- ab Werk Vorführung und Probefahrt HotompJeMges. m. b. H. Gießen Masken' Stolle in jeder Art einfarbig, gemustert und gestreift Maskenschmuck Ohrringe Armbänder und Ringe Maskenschnitte in neuen mod. Formen in großer Auswahl Besichtigen Sie bitte unsere Schaufenster! Keine Zeugnisse in Urschrift wabern nm Zeugnis» abjchriften dem Br- werbungsichretben beilegen i — Lichtbilder unüBewerbungöunter» %gen müssen zur Vermeidung von Verlusten aus der Rückseite Namen und Änschrist des Bewerbers trauen 1 Elektrische ablampeaTascheniampen, Anhängelampe, Fahrradscheinwerfec lichlwerfer, Batterien,' Zwerg-Glühbirnen Edgar BORRMANNe: fließen, Neustadt 5-7, Rn! Nr. 41GB Mahnung. Die Beiträge für den Monat Dezember 1938 derjenigen Arbeitgeber, die von der Kaffe Rechnung erhielten, können noch bis zum 25. Januar 1939 ohne Kosten bezahlt werden. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung evtl. Zwangsbeitreibung. Für die Arbeitgeber, die die Beiträge selbst nach dem wirklichen Arbeitsverdienst berechnen, gilt die Jüngerer Verkäufer für Herren-Bekleidung u. Manu» fakturmar., welcher möglichst auch dekorieren kann, zum 1. April 1939 gesucht. Schriftl. Angebote unter Nr. 397D an d. Gießener Anzeiger. mwv / DOPPELHERZ-ffow! 20—23 Uhr Erstaufführung Die Tänzerin Fanny Elßler Operette voq Jonann Strauß Mus. Leitung: J. Popelka. Spielleitung: G. Buchheim. Preise: M8D RM. 0.90-3.60. | Mietgesuche | Wehrmachts- Angestellter sucht 45-Mllll. per 1. April od. früher. Schriftl. Angebote unter 386Dand. Gieß. Anzeiger erbet. HÄ-Mn. Küche usw. möglichst part. oder 1. Stock, im Ostoder Südviertel, für 1. März oder später zu mieten gesucht. Schriftl. Ang.m.Preisan- gabe u. 0307 an denGieß.Anzeig. |Stellenangebote| Junger Wr und fionditot für Eisdiele gesucht. Schriftl. Angeb. unt. 0306 an d. Gieß. Anz. Tüchtiges Mädchen gesucht. 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Natürlich; das Wetter ist ja auch unbestreitbar recht mild. Um diese Zeit müßte doch eigentlich noch der bitterböse Frost einhersahren und alles so eindringlich anpusten, daß es vor Schrecken gleich gefriert. Lange ist es allerdings noch nicht her, daß er sich in solcher Weise bemerkbar machte, aber anscheinend hat die Gründlichkeit, mit der er {ein Geschäft besorgte, uns die ganze Kälte des Winters auf einmal gebracht. Ich sage anscheinend, denn genau kann man das niemals wissen. Wenn es aber so wäre, dann könnten wir einigermaßen zufrieden sein. Denn dann hätten wir das Schlimmste bereits überstanden. Es gibt jedoch verständige und erfahrene Leute, die den Kopf schütteln und eine solche verwegene Auffassung überlegen abtun. In meinem Haus wohnt ein alter Knasterbart, der mit einem kräftigen Krückstock ausgeht und auch sonst sehr auf das Solide hält. Solide Grundsätze, solide Ansichten. „Nein", sagt der mit einer Bestimmtheit, gegen die es keine Widerrede gibt, „der Winter ist noch nicht vorüber, wir werden es schon merken." Es scheine eben nur alles so, und wie man wisse, trüge der Schein. Selbst der Hinweis auf die Meisen kann seine Ansicht nicht erschüttern. Allerdings sind die Meisen Optimisten. Und wie ich offen gestehen will, habe ich die Neigung, diesen Optimismus zu teilen. Ein fröhlicher Optimismus ist jedenfalls besser als eine klug redende Miesmacherei. Womit nicht gesagt sein soll, daß der Alte mit dem Krückstock nur ein elender Miesmacher ist. Aber er beharrt unnachgiebig auf seinem Standpunkt. Wir begegnen uns jeden Tag im Treppenflur, und jedesmal frage ich munter, mit einem Kopfdeuten nach dem Garten: „Na, immer noch kein knackender Frost in Aussicht?" Und jedesmal fährt er mich unwirsch an: „Nur nicht so voreilig, junger Mann!" Es ist eine reizende Unterhaltung. Wir werden sehen, wer recht behält. Ich bleibe bei meinem fröhlichen Optimismus, worunter nicht verstanden fein soll, daß das Thermometer nicht auch mal absinken kann. Gegen gelinde Fröste und gelegentliche Schneefälle habe ich nichts einzuwenden, nur die klirrende Kälte von 10 und mehr Grad Frost soll uns gefälligst verschonen. Damit die Nase nicht erfriert, die jetzt schon manchmal den Frühling zu wittern vermeint und auf diese Weise dem fröhlichen Optimismus immer wieder neu zur Stärkung verhilft. H. W. Dornotizen. Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 20 bis 23 Uhr, „Die Tänzerin Fanny Elßler". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Lauter Lügen". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Menschen, Tiere, Sensationen". — Oberh. Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: 20 Uhr, Forstinstitut, Braugaffe, Vortrag Prof. Funk: „Neue Wege in der Erforschung des Laubblattes". — Oberhesfi- fdjer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr, Ausstellung im Turmhaus am Brand. Erstaufführung „Die Tänzerin Fanny Elßler". Heute abend findet die Premiere der Operette „Die Tänzerin Fanny Elßler" von Johann Strauß statt. Musikalisä)e Leitung Joachim Popelka, Spielleitung: Gert Buchheim, Tänze: Thea Maaß. Leitung und Einstudierung der Chöre: Heinz Markwardt. Bühnenbilder: Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 16. Vorstellung der Freitag- Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr. Landschaft unter Hochwasser. Das Hochwasser der Lahn hat die Landschait in unmittelbarer Nähe der Stadt gründlich verändert. Das Heuchelheimer Feld ist, vom Dorfe bis zum Eisenbahndamm der Strecke Dutenhofen- Gießen, ein einziger See. Teilweise ist sogar die Straße zwischen dem Allendorfer Wäldchen und Heuchelheim überschwemmt. Durch die Wasserdurchlässe braust das Wasser in mächtigem Schwall. Aber auch in unmittelbarer Nähe der Stadt tritt das Hochwasser eindrucksvoll in Erscheinung. Die Gärten an der Bleiche sind überschwemmt. Die Wäsche, die aus der Bleiche hängt, spiegelt sich im Wasser. In der Schützenstraße steht das Wasser auf der Fahrbahn, und zwar teilweise so tief, daß den Bewohnern der Häuser in den dortigen Gärten der Weg abgeschnitten ist. Das Wasser trat auch bis auf die Wiesen am Leimenkauter Weg und die neuen Häuser stehen wie am Ufer eines Sees. Der Zugang zum oberen Bootshaus der Gießener Rudergesellschaft ist nicht mehr möglich. Zum Kameradschaftsheim des Marinevereins kann man Überhaupt nur noch mit Hilfe eines Bootes vordringen. Auch vom Launs- bacher Steg aus kann man erhebliche lieber« schwemmungen der dortigen Wiesen und Felder beobachten. Unsere Bilder zeigen das Heuchelheimer Feld, das am stärksten vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen ist. — (Aufnahme [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.) Froher Heimatabend. Der Landschaftsbund Volkstum und Heimat lädt, wie alljährlich, zu einem „Frohen Heimatabend" am Samstag im Cafe Leib ein. Außer der Volkstanzgruppe des Bundes unter Leitung von Frl. Hübner wirkt der Wißmarer Volkstanzkreis unter Leitung von Hauptlehrer Wagner mit, dazu der Handharmonika-Club N u r t s ch. Volksmusik, Volksspiel und allgemeiner Volkstanz versprechen einen stimmungsvollen Abend, zu dem alle Freunde der Heimat eingeladen sind. Hitler-Jugend Bann 116. 1. Betr.: Führerappell. Sämtliche Gefolgschaftsführer, Stammführer und Stellenleiter treten am Sonntag, 22. Januar, um 9 Uhr am Heim der HI., Gießen, Roonstraße 28, an. 2. Betr.: Dien ft Meldung der Gefolgschaften. Bei dem Antreten zu dem Führerappell am 22.1. hat jeder Gefolgschaftsführer eine ausführliche Dienstmeldung abzugeben. In der Meldung sind die einzelnen Standorte der Gefolgschaften listenmäßig aufzuführen, dahinter sind die Wochentage zu vermerken, an denen Dienst ist. Die Uhrzeit, sowie die Räume, in denen der Dienst stattfindet, sind ebenfalls anzugeben. 3. Betr.: Dien st Meldung der Stamm- f ü h r e r. Bis zum 25. d. M. haben die Führer der Stämme einen Erfahrungsbericht über die Durchführung des Sonntagsdienstes an den Führer des Bannes zu übersenden. 4. Betr.: Dien st Meldung der Stellenleiter. Ebenfalls bis zum 25. d. M. haben die Stellenleiter und Sachbearbeiter des Bannstabes einen Erfahrungsbericht über ihr Arbeitsgebiet an den Führer des Bannes zu senden. Hierbei sind Vorschläge und Anregungen für das betreffende Sachgebiet im Bericht mitzuvermerken. Militärische Beförderungen. Im Bereiche der 9. Division wurden vom Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht befördert: Oberstleutnant H o ß f e l d (wie gestern bereits berichtet) in Siegen zum Oberst; Hauptmann Israel beim Stab der 9. Division zum Major; Leutnant Behr end beim Jnf.-Regt. 116 zum Oberleutnant. Oberst Hoßfeld stand vor etwa zehn bis zwölf Jahren mehrere Jahre lang als Oberleutnant, dann als Hauptmann und Kompaniechef beim I. Bataillon des damaligen Jnf.-Regts. 15 in Gießen und hat sich hier einen großen Bekanntenkreis erworben. Auszeichnung für einen Pionier des Telegraphenbaues. Bei einem Betriebsappell des Telegraphen-Bau- bezirks III Gießen wurde gestern einem verdienstvollen Pionier des Telegraphen-Fernsprechbaues, dem Telegraphen-Oberbaufiihrer Vetter, das Goldene Treudienst-Ehrenzeichen als äußeres Zeichen der Anerkennung für feine treue Dienstzeit in feierlicher Weise überreicht. In Anbetracht der außerordentlichen Leistungen des Jubilars sanden sich zu der Feier auch Vertreter der Reichspostdirektion Frankfurt a. M. ein und ehrten damit den verdienten Mitarbeiter. Der Betriebsführer des Tele- graphen-Bauamtes Darmstadt, Postrat Dipl.-Jng. P i r o t, stellte in seiner Ansprache die großen Verdienste des Jubilars heraus und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Arbeitskraft Vetters dem Tele- graphen-Baubezirk noch lange erhalten bleiben möchte. Jeder trägt Verantwortung. NSG. Mehr als jemals in der Geschichte der Menschheit haben die Arbeit und Arbeitsehre im nationalsozialistischen Deutschland Ansehen und Bedeutung gewonnen. Es gibt nur einen Adel bei uns, den Adel der Arbeit. Diese Auffassung, die der Führer uns immer wieder lehrt, bedeutet ober auch die höchste Verpflichtung. Erst der Wert der Arbeitsleistung, die verantwortungsvolle PflichtTue gecegelten Stuhl । zuverlässig erfüllung an dem Arbeitsplatz, an den der einzelne gestellt ist, gibt ihm das Recht zum Stolz und auf Achtung. Jede Arbeitsleistung in Deutschland ist Dienst an der Gemeinschaft. Das deutsche Volk hat nur d i e Werte zu verleben, die es selbst schafft. Geschenkt wird uns nichts. Je besser also jeder seine Arbeitsleistung gestaltet, desto größer ist die Summe der Werte, an denen der einzelne wieder teilhat. Den gerechten Anteil jedes einzelnen stellt der nationalsozialistische Staat sicher. Die Erreichung höchster Arbeitsleistung ist aber nicht nur eine Frage des Einsatzes der Körperkräfte. Viel wichtiger ist es, daß der Arbeitsgang so gestaltet wird, daß hierbei mit g e r i n g st e m Kräfteeinsatz der höchste Erfolg erzielt wird. Jeder kann hierbei mithelfen. Wenn jeder schaffende Deutsche auch nur einen regelmäßig wiederkehrenden Handgriff verbessert, einen Arbeitsweg verkürzt, muß die Summe des Erfolges gewaltig groß sein. Neben die Bestleistung muß aber gleichzeitig die Ausschaltung aller vermeidbaren Verluste treten. Sparsames Haushalten mit dem zur Verfügung stehenden Material ist geboten, damit wir aus ihm mehr Werte schaffen. Vermieden werden muß jede Vernichtung von vorhandenen Werten, die Volksvermögen sind. Vor allem aber gilt es, die Arbeitskraft des schaffenden Menschen zu erhalten. In immer stärkerem Maße müssen Unfälle/soweit sie irgend vermeidbar sind, verhindert werden. Daran muß jeder im Arbeitsleben stehende deutsche Volksgenosse denken, ob er im Verkehrsdienst öffentlicher Verkehrsmittel, an der Maschine oder auf dem Baugerüst steht, ob er Maschinen baut, Arbeitsplätze gestaltet ober den Arbeitsgang bestimmt. Sicherheit, die wir schaffen, vermeidet viel Leid für den einzelnen und viel vergebliche Arbeit für die Gemeinschaft des deutschen Volkes. Jeder Linser Spieß. Von Heinz Ulrich. Manche werden nicht wissen, was ein Spieß ist, ober ich denke, die sind hoffnungslos in der Minderzahl. Ein Spieß trägt eigentlich den Titel Oberfeldwebel und bei den berittenen Truppen und der Artillerie, auch bei der Flak, heißt er Herr Ober- wachtmeifter, aber gleich wie man ihn anredet: wenn man von ihm spricht, an ihn denkt mit Lachen oder mit Grausen, so ist es der Spieß. Ich weiß nicht, warum er so heißt. Vielleicht, weil er die armen Schäflein seiner Batterie auf« spießt in feinem dicken Notizbuch mit seinem dicken Bleistift und in seinem noch dickeren Notizbuch einspießt, wo ihre Namen dann stehen bleiben, bis ihre Sünden gebüßt worden sind. Vielleicht auch heißt der Spieß Spieß, weil er seinen armen Rekruten droht, sie ungespitzt in den Erdboden zu spießen, wenn sie ihre Beine nicht auseinander bekommen und ihre Fußspitzen noch immer nicht die nächste Wolke berühren. Vielleicht aber ist es auch ein Ehrenname, übertragen von einem Spieß, der nicht nur Spieß war, sondern auch Spjeß geheißen hat. Und das glaube ich, ist wohl die beste Erklärung, wenn sie auch kaum zu begründen ist. Spieß, Spieße gab es schon immer. Wer soll sich des Anfangs erinnern? Jede Truppe hat ihren eigenen Spieß. Und jeder Spieß hat seine kleinen und kleinsten Eigenheiten, an denen man ihn erkennen kann, schon von weitem, selbst in der Nacht, wenns stockduster ist. Aber irgendwie sind sie auch alle wieder gleich. Es ist, als ob dieses Amt, Mutter der Kompanie zu fein, nur von einer bestimmten Art Männer geführt werden könne. Es ist seltsam, wie eine natürliche Auslese überall den gleichen Typ erzeugt. Das ist der Typ des Mannes, der sorgt bis zuletzt, selbst auf Kosten der eigenen Bequemlichkeit. Er ist immer bereit, alles zu tun, was verlangt wird und noch viel mehr. Er ahnt voraus, was werden wird, er ist immer auf dem Poften, er weiß grundsätzlich alles, was feine Truppe angeht. Er kennt jeden Mann fo genau wie fein Notizbuch. Er kennt ihre Schwächen, ihre Stärken und Sorgen. Er raunzt viel, aber hat ein gutes Herz. Das muß ja so sein. Und nun endlich muß ich einmal sagen, wie unser Spieß ist, was er tut, wie er spricht und schimpft. Dann bilde ich mir ein, ja wir alle, die ganze Batterie bildet sich ein, solch einen Spieß wie unserer ist, gibt es in der ganzen Welt nicht mehr. Als wir, die jungen Rekruten, damals ankamen vor so langer Zeit, da sahen wir ihn als ersten vor dem Kasernentor stehen. Und liebevoll betrachtete er sie alle die sanften Schafe, die da ein wenig gedrückt von dem Nichtwissen um die nächste Zukunft einhergewandelt kamen, jeder allein, ohne Hirten. Da kamen sie, Koffer oder Riesenpakete in der Hand. Und jeden hielt er an und fragte ihn aus, woher und wie alt und was von Beruf. Und bann schickte er die, die ihm paßten, alles was Schlosser und Handwerker und was Schüler war, gleich zur Siebten rauf in die Schreibstube, wo sie dann auf ihn warten sollten, um dann verteilt zu werden auf die schönen frischgestrichenen leeren Stuben, die schon lange auf sie warteten. „Ja", sagte er dann zu einem von den alten Knochen, der gerade an ihm vorüber kam: „Köppchen, Käppchen müssen die Bengels haben, bann steht bie Siebente roieber mal soooo!" Unb er rieb sich freudig die Hände, da er bemerkte, daß er der einzige Spieß war, der sich so tummelte. Wir wissen alle noch, wie er eines Tages beim Appell unseren Dicken anschrie, der Schlächter war, weil er einen Fleck, so einen riesengroßen, baß er gar nicht mehr zu beschreiben war, auf ber Feld- blufe hatte. Einen Fleck, so groß, baß er offenbar bie ganze Bluse bebeefte, benn wir anbern sahen beim besten Willen nichts, gar nichts bavon. Oh, wie brüllte ber Spieß. Die Wänbe zitterten, es. rieselte ber Putz, bie Balken bogen sich. Alle unsere Sünben fielen uns ein. Wie wir einen ganzen Tag bamit verbracht hatten, zehn Zentner Kartoffeln aus einer Kantine in bie anbere zu bringen, wie wir zum Friseur gegangen waren statt ins Revier zur Untersuchung, wie wir im Trainingsanzug in bie Stadt gelaufen waren unb hatten keinen Vorgesetzten gegrüßt dabei, wie wir ... na, es war ein ganz nettes Register. Um/ alles bas zitterten wir. Wir bebten wie Espenlaub. Natürlich nur innerlich. Aeußerlich standen wir steif unb bol- zengexade und dachten „Bleib mir vom Leibe". Das Weltgewissen selbst schien uns erschienen zu sein. Er hatte eine gute Lunge, das mußte man sagen. Aber wir hatten ja gar nicht Zeit unb Lust, über die Kraft feiner Lunge nachzudenken, wir hörten nur. Es war entsetzlich. Und dabei der Gedanke: Jetzt kommt er zu dir. Und da plötzlich, urplötzlich brach sich der Donner seiner Stimme, die Kraft versiegte, und fast liebevoll hörten wir alle ihn sagen: „Hat dich dein Meister auch immer so angebrüllt?" Und er lächelte und ging von bannen. Wir aber wußten, wir würden für ihn durchs Feuer gehen. Nie Frauen von Kopenhagen. Ein Ausländsbrief. Wenn ein schöner Tag über Kopenhagen liegt, so schön, wie nur ber Norden den Sommer kennt, bann fliegen viele zierliche lichtgraue Schmetterlinge ben Weg nach Klampenborg hin: junge Kopenhagenerinnen zu Rad. Es ist kein Zufall, daß die junge Kopenhagenerin mit ihrem Rade auf die Welt gekommen zu sein scheint. Es ist ein Symbol. Sie strebt mit aller Energie vorwärts. Wo fliegt sie nur hin, denkt man? Und weiß sofort die Antwort: der Liebe entgegen. Denn zu dieser ist sie geboren: so schmiegsam, so zärtlich, so behutsam, so hingebungsvoll, so aufopferungsfähig, wie sie ist. Sie liebt die Liebe, und daher mag es kommen, daß sie sich manchmal überhastet. Es wird in Kopenhagen rasch und gern geheiratet. Man kann sagen, daß wirklich schlechte Ehen dort selten sind. Die Kopenhagenerin heiratet, wenn sich ihr Gelegenheit bietet, immer wieder, mit einem Optimismus, ber etwas Rührendes hat unb oft burch eine späte, sehr glückliche Wahl gelohnt wird. Mut zum Leben und Erleben ist ihre Parole. Sie hat aber auch ein außerordentliches Talent, einem lieben Menschen ein harmonisches Heim zu bereiten. Ihr Naturell ist nämlich ber Kunst nahe verwandt. Sinn für Stil und Form ist ihr angeboren. Selbst in den bescheidensten Kopenhagener Wohnungen läßt es sich gut leben. Wenige gute Möbel, gut gestellt, wenige Bilder, gut gehängt, Verständnis für Farbe und eine große Leichtigkeit, Heiterkeit und Zweckmäßigkeit. In einem dänischen Haushalt ein Hausgreuel zu finden rft unmöglich. * Die Kopenhagenerin ist eine gute, sparsame Hausfrau. Sie hat viel Sinn für echtes Material und seine Verwendung und eine große innere Teilnahme für die Wissenschaft der' Haushaltführung, die ja noch in den Kinderschuhen steckt. Insbesondere für Ernährungsfragen besteht ein immer waches Interesse. Die Ernährung hygienisch, aufbauend, erhaltend, fportförbernb und zugleich mit dem Aufwand an geringsten Mitteln durchzuführen, ist eine in Dänemark ernst genommene Frauenaufgabe. Anspruchslosigkeit ist die persönliche' Note- ber Kopenhagenerin. Das zeigt sich besonders in Angelegenheiten bes Vergnügens. Im hübschen Kleid- I chen, das lichte Haar schicklich und kleidsam geordnet, in lieber Gesellschaft, ben unvermeiblichen Kaffee mit Kuchen, ben sie, nur Gott weiß warum, „Wiener Brot" nennen, im Grünen zu sich nehmen, ist schon ein Fest; Kino ober gar Dagmar-Theater flutende Lebensfreude; ein Sommerabend im Tivoli ein Erlebnis; ein Nachmittagstee mit Tanz und Jazzmusik im 2Ingleterre der Traum. Aber auch ein bloßes Flanieren auf „Ströjet" ober bas Perfchlingen der umfangreichen Sonntagsblätter gibt erhöhtes Lebensgefühl. Natürlich find junge Mädchen überall leicht zu erfreuen, weil das Blut fo rasch durch ihre Adern rinnt. Aber die junge Kopenhagenerin kniet sich in jede kleinste Lustbarkeit noch ganz besonders hinein, mit einem tiefen Gefühl für den nie wiederkehrenden Wert des Augenblicks und mit einer strömenden Dankbarkeit gegen den Spender alles Guten. , * Wenn man die junge Kopenhagenerin beim improvisierten Tanz blumenhaft und selbstvergessen sich wiegen sieht oder bei dem bescheidenstes Scherz- chen ihr wirklich silbernes Lachen ertönt, dann könnte man völlig vergessen — und das ist ihr Hauptvorzug, daß man es vergessen könnte, daß sie bei alledem eine ernste Arbeiterin ist. Das ist sie nämlich. Es gibt in Kopenhagen nur wenig Frauen und Mädchen, die nicht im Beruf stehen oder sich nicht mindestens für einen vorbereiten. Das beruht darauf, daß jeder Mensch, der will, in Dänemark in ben Besitz einer ordentlichen Schulbildung gelangen kann. Beinahe jedes Mädchen macht Abitur. Alle turnen, viele treiben Musik, jede macht einen Samariterkurs. Die Forderung nach dem gleichen Start für alle Kinder ist restlos durchgeführt. Zuverlässige Menschen haben mir gesagt, daß in ihrem kleinen Lande kein wissenschaftliches oder künstlerisches Talent unbemerkt verkümmern könne. * Trotz großer geistiger Leistungen, ober vielleicht gerade deshalb, liegt intellektueller Hochmut der Dänin fern. Sie ist schon so lange Herrin ihres Geschicks, baß ihr bie Vornehmtuerei ber Freigelassenen fremb ist. Die Tochter bes höchsten Richters im Lande melkt als Lanbwirtschaftselevin mit Feuereifer Kühe; bie Frau bes weltberühmten Dichters ist stolz auf ihr Gesellenstück als Tischler; bie Witwe bes Gelehrten eröffnet ein Geschäft, worin Männerkleiber gebügelt werden, nachdem vorher die Flecke daraus entfernt worden sind, und bie Frau, bereu Mann Minister wirb, bleibt, was sie schon immer war, Parlamentsstenographim E. Sch. kann hier helfen und jeder trägt als Arbeitsbeauf- fragtet des deutschen Volkes an seinem Arbeitsplatz die Verantwortung. Vorsicht bei Mitnahme oder Unterstützung verdächtiger Jugendlicher. LPD. In letzter Zeit konnte oft festgestellt werden, daß verdächtige Jugendliche beiderlei Geschlechts von Kraftfahrzeugfahrern mitgenommen wurden. In vielen Fällen wurde beobachtet, daß Lastzugfahrer entwichene arbeitsscheue Fürsorge- Zöglinge auf ihre Hrachtsahrzeuge ausgenommen haben. Es handelt sich in solchen Fällen um Iu- geirdliche, die größtenteils schon mit den Strafgesetzen (Diebstahl, sittliche Verwahrlosung) in Konflikt gekommen sind. Vielfach ist diesen Flüchtlingen von verschiedenen Personen sogar Uebernachtung Schrott oder gute Maschinen? Jeder Betrieb hat zu wählen! und Verpflegung gewährt worden, teilweise wurden sie noch mit Ratschlägen für ihre weitere Flucht versehen. Auch in Familien wurde schon oftmals verdächtigen Jugendlichen Unterkommen auf Grund von Schwindeleien gewährt. In allen diesen Fällen ist größte Vorsicht geboten. Durch das unverständliche Verhalten verschiedener Kraftfahrer und sonstigen Personen gegenüber verdächtigen, meist asozialen und straffälligen Jugendlichen wird die Volksgemeinschaft erheblich gefährdet. Den Polizeiorganen wird durch dieses Verhalten die Arbeit erschwert. Stile Bevölkerungskreise werden dringend gebeten, mit allen Kräften dazu beizutragen, daß verdächtige Jugendliche bei ihrem Auftauchen so schnell wie möglich dem nächsten Polizeiposten zu- geführt werden. Sauvaneie »Lacke mit uns" in Gießen Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" bringt im Zuge ihrer Bemühungen um die Ausgestaltung des Feierabends wieder eine große Unterhaltungsveranstaltung. Das Gauvarietö „Lache mit uns" wird am Dienstag, 24. Januar, im Gloria-Palast ein Gastspiel geben und dabei mit einem bunten Programm aufwarten. Der Ansager Werner Veidt wird die Besucher mit den Künstlern vertraut machen und lustige Schnurren erzählen. Die „Drei E r e l l y ' s" zeigen ihr Können auf dem Gebiete des Tanzes. „Drei Brüder K e n t s ch" sind Akrobaten, die am Doppelreck ihre Flugkunststücke vorführen werden, und „Hermez und Cortez" werden mit Zauberkunststücken und illusionistischen Darbietungen aufwarten. Im großen Programm fehlen auch die Musical-Clowns nicht, .Kuckartz & Co." nennen sie sich, und werden bemüht sein, die Lächmuskeln in Bewegung zu bringen. Von „Nauti-Nauti" sind ungeschickte Geschicklichkeiten zu erwarten, und in der Tracht der Gladiatoren wird sich „DIbas" vorstellen, der mit einer eigenartigen Mischung von Körperkraft und Komik aufwarten wird. Zwei Steffens produzieren sich als Foß- und Spatensvrinqer. Für diesen Abend gilt das Wort: „Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen!" Rundfunkprogramm Samslag, 21. Januar. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Gaunachrichten. 9.40: Deutschland — Kinderland: Die Schneeballschlacht. 10: Schul* fünf. Die Reichskleinodien. Eine Hörfolge. 11.30: Ruf ins Land. 12: Mitagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: „Schi und Rodel: gut!" Musikalischer Wintersportwetterbericht. 15: Bilderbuch der ffiodje. 15.15: Woran wir achtlos vorübergehn...! 15.30: Der Winter ist ein harter Mann. Unsere Jungmädel fingen und erzählen non' dem frostigen Gesellen. 16: Großes Künneke-Konzert. 18: Bühne und Film im Rundfunk. 18.30: Blasmusik. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 2015: Großer bunter Abend. Genießen und lachen! 22: Nachrichten. 22.30: Wir tanzen in den Sonntag? 24 bis 3: Nachtkonzert. Mütterschulen im Dienste des Volkes. gfs. Jeder Gau im Deutschen Reich hat sich besonders schöne Stellen zur Errichtung feiner Mütter- schulen ausgesucht. In schöner Gegend, in luftigen und gesunden Räumen werden die sechswöchigen Lehrgänge in den Mütterschulen des Reichsmütterdienstes des Deutschen Frauenwerkes zur Ausbildung der jungen Mädchen, Bräute und Frauen abgehalten. In diesen sechs Wochen sind alle Gebiete der Mütterschulung enthalten. Nach Abschluß des Lehrganges erhält die Teilnehmerin eine Dollbescheinigung des Mütterdienstes, denn nun ist ihr alles zum Begriff geworden, was sie als Hausfrau und Mutter an Wissen so dringend benötigt. Erstens in der Hauswirtschaft: das Kochen, die häuslichen Näharbeiten, Haus- und Gartenarbeit. Zweitens: in Gesundheits-, häuslicher Kranken- und Säuglinaspflege. Drittens: in der Erziehungslehre mit Anleitung zum Basteln. Zur eigenen Heimgestaltung hat sie Anregung bekommen, über Volkstum und Brauchtum wurde sie aufgeklärt. Große Freude macht meistens den Teilnehmerinnen die Anleitung zur Gartenarbeit, besonders wenn sich ein oder die andere Mütterschule den weniger bekannten Gemüsen und Küchenkräutern zuwendet. Auch von gelungenen Hausmusikabenden der Mütterschulen wird berichtet. Die Mütterschule des Gaues Hessen- Nassau ist in Weilburg an der Lahn schön auf dem Webersberg gelegen. Die einzelnen Fächer verteilen sich entsprechend auf den Tageslauf, der mit Frühsport beginnt und mit froher Gemeinschaft am Abend endet. Die praktische Arbeit geschieht in kleineren Gruppen, so daß feder Teilnehmerin Gelegenheit zu genügender Hebung gegeben ist. An einem Sonntag des Lehrganges dürfen die Teilnehmerinnen den Besuch ihrer Angehörigen empfangen. Die Kosten des Aufenthaltes für Wohnung, Verpflegung und Schulung sind nicht hoch. Außer den Vorteilen, den die reichhaltigen Lehrpläne bieten, besteht noch die Möglichkeit, daß Ehestandsdarlehensbewerberinnen zusätzlich eine Summe erhalten, wenn sie sich verpflichten, diese Bräuteschule zu besuchen, ober wenn sie bei Antrag auf Gewährung detz Darlehns die Vollbescheinigung der Schule vorlegen. Federwettstreit in der HZ. Hessen-Nassaus Oie besten Arbeiten werden ausaezeicknet. NSG. Vom 20. Januar bis 20. Februar führt die Gebietsführung Hessen-Nassau (Presseabteilung) in allen Einheiten der Hit- ler-Jugend einen großen Federwett- ft r e i t durch. Im friedlichen Kampfe soll feftgeftellt werden, wer von den Jungen und Mädels die b e ft e Feder zu führen versteht. Der Federwettstreif soll der Jugend Gelegenheit geben, ihre geistigen Kräfte zu messen und eigen- schöpferisch tätig zu fein. Für den Wettstreit wird kein festes Thema vorgeschrieben. Aus dem alltäglichen Leben soll die Anregung zum Schreiben kommen. Welch eine Fülle von Möglichkeiten bieten sich da. Der Pimpf und das Jungmädel können sich in einfacher, ungekünstelter Form mit den Erlebnissen ihres noch begrenzten Lebenskreises auseinandersetzen, vom Iungvolkdienst und der Schule, vom fröhlichen Spiel und all den Dingen erzäylen, die ihren Alltag ausfüllen. Anders sieht es schon bei den Hitler-Jungen und Mädeln aus, die, meist in der Berufsausbildung stehend, schon mehr Möglichkeiten haben, aus dem persönlichen Erlebnis und Empfinden heraus zu berichten. Ein Gang durch die Heimatstadt, oder das Dorf gibt auch Anregungen, sich einmal mit dem Volks- und Brauchtum zu beschäftigen. Von den Fahrten sind allen noch große und kleine Erlebnisse aller Art in Erinnerung. Im Betrieb gibt es aus der Arbeit interessante Episoden und Gedanken zu schildern. Die Beteiligung am Reichsberufswettkampf ist ferner eines der interessantesten Themen. Noch viele andere könnten genannt werden. Aber die Jungen und Mädel sollen selbst suchen. Die Hauptsache ist: was geschrieben wird, muß selbst erlebt oder empfunden sein! Für die besten Arbeiten sind Preise ausgesetzt. Je einem Jungen und Mädel ist die Möglichkeit gegeben, sich mit der Feder eine KbF.-Fahrt zu erfechten. Ferner winken den Verfassern der besten Arbeiten freier Aufenthalt in Sommerlagern, freie Teilnahme an der Hessen-Nassaufahrf u. v. m. als äußere Anerkennung. Insgesamt werden die 25 besten Einsendungen mit einem Preis bedacht. Damit allein ist es aber noch nicht getan! Diese 25 besten Arbeiten und auch andere/ gelangen noch innerhalb des Schrifttums der HI. zum Abdruck, während die fünf besten der Tagespresse zur Verfügung gestellt werden! x Für den Wettstreit sind drei Wettstreitgruppen vorgesehen: Pimpfe und Jungmädel (von 10 bis 14 Jahre), Hitler-Jungen und BDM.-Mädel und Mädel des BDM.-Werk „Glaube und Schönheit". Die Bewertung der Arbeiten findet innerhalb dieser drei Gruppen statt. Ein Wetkampfausschuß wird die Beurteilung vornehmen und die besten Arbeiten feftfteüen. Dem Ausschuß gehören neben dem Gebietsführer und der Obergaufuhrerin, den Abteilungsleitern Presse-Propaganda des Gebietes und Dbergaues, vor allem auch der Leiter des Reichs- propagandaamtes, der Gaupresieamtsleiter und der Hauptschriftleiter der NS.-Gauzeitung an. Jeder Junge und jedes Mädel kann sich an dem Wettstreit beteiligen. Vier Wochen Zeit sind gelassen. Dann müssen die Arbeiten, mit genauer Anschrift und der HI.- bzw. BDM.-Einheit versehen, an die Presseabteilung der Gebietsführung Hessen- Nassau, Wiesbaden, Herbert-Norkus-Straße, eingesandt werden. Im März werden die Sieger dieses Wettstreites bekanntgegeben! Die deutsche Ostmark in Natur, Kultur und: 1U: irtschast. Die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde beschloß iW Winter-Vortragsreihe am gestrigen Donnerstagabend mit einem Lichtbildervortrag ihres Vorsitzenden, des Ordinarius für Geographie an unserer Universität, Professor Dr. K l u t e, dessen Grönland- Expedition noch in guter Erinnerung ist und der in Anerkennung feiner Forschungen über Afrika, insbesondere über Deutsch-Ostafrika, sowie für die Herausgabe des großen Handbuches der geographischen Wissenschaft im Jahre 1936 von dem Frankfurter Verein für Geographie mit der goldenen Eduard- Rüppel-Medaille ausgezeichnet und zum Ehrenmitglied ernannt worden ist. Nachdem die früheren dieswinterlichen Vorttäge in der Gesellschaft mit dem Fernen Osten, dem Gebiet um Nanga-Parbat-Himalaya, der Insel Borneo und mit Zentralkurdistan bekannt machten, führte Prof. Dr. Klute seine zahlreichen Zuhörer am gestrigen Abend mit Bild und Wort in die wiedergewonnene deutsche Ostmark. In eineinhalbstündigem Vortrag mit ausgezeichneten Lichtbildern gab er unter dem Thema „Die deutsche Ostmark in Natur, Kultur und Wirtschaft" ein Bild jener Lande. Er erinnerte zunächst Schuß im Zunkhaus. Ein Roman von ZNariaOberlin. Copyright by Prometheus-Verlag, Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München. 1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Die Musiker hatten die Jacken abgeworfen und saßen weißärmelig da, was chnen ein kindlich- schlampiges, ein wenig verrücktes Aussehen gab. Nur der Dirigent, ein schmaler, eleganter Mensch, mit langen sehr gepflegten Händen und jäh auf- leuchtendem eisgrauen Haar stand straff und sehr feriös da: er sah mit leiser Ungeduld zur Decke empor, die von schalldämpfenden Tüchern dick verhängt war — Dann fiel die Tür gespenstisch leise wieder ins Schloß. Gegenüber war die Abteilung von Dr. Stein. Man ging durch ein helles Vorzimmer mit gelben Aktenschränken, sacht klappernden Schreibmaschinen und leisem Büro-Aroma. Dann war da ein Schild: Dr. Harald Stein. Musikalische Abteilung. Von innen hörte man Klavierspiel. Irgendjemand brillierte etwas zu glanzvoll eine Liszi-Rhapsodie daher, beschloß sie grab mit einem triumphal auf- klirrenden Ta—Tata—Tatata!! Man hörte dann einen markigen Bariton: „Danke, danke, Klinger--das genügt. Spielen Sie also in Gottes Namen ihren geliebten Liszt --vorausgesetzt, daß ich ihn in der Programmberatung durchbekomme — — Hallo! Was ist?" Er wandte sich jäh um, die Minta hatte ziemlich energisch angetlopft und war gleich darauf ein- getreten, sie brachte den leisen Tiergeruch chres kostbaren Persianermantels und einen Hauch ganz altmodisches Maiglöckchenparfüm herein. „Tag Doktor, wie geht's, wie steht's? Ich wollte mich eben erkundigen, wer die Tenorpartie im Te Deum übernimmt? Sucht euch aber um Gotteswillen jemanden Vernünftiges dafür aus! Der Mann kann uns mit schlecht gelungenen Kantr- lenen die ganze Sendung umwerfen —" „Unbesorgt, Minta, der Berger bekommt's. Der hat Geschmack!" „Na, Gottseidank, mal keiner von der Oper!" atmete die Minta auf, die als Konzersängerin einen leisen Widerwillen gegen ihre Kollegen von der Oper hatte. „Das ist ja ’ne wahre Wohltat. Uebrigens — — können Sie den Klinger entbehren, Stein?" „Ja. Wir sind fertig. Ihr. wollt korrepetieren, was? Wo wollt Ihr proben? Zimmer 2 ist frei. In den kleinen Sendesaal könnt Ihr nicht, da ist Hörspielprobe —" „Gehen wir auf Zimmer 2!" fang die Minta in ihrer tiefen Stimme und im ankündenden Ton eines Oratorium-Rezitativs. Sie ging an einen Schrank, holte einen schwarzgebundenen Bruckner- Band heraus und klemmte ihn unter den fleischigen Arm. Stein hatte sich umgewandt. Er saß da in einem zierlichen hellblauen Ripsfessel, was nicht recht stimmte zu seinem wohlwollenden Privatierbauch. Er hatte ein rundes, freundlich gefaltetes Mondgesicht mit überraschend schönen saphirblauen, sehr Rügen Augen, unter denen es hin und wieder angestrengt zuckte. Jetzt sah er Evelyn, die an der Tür zögernd stehengeblieben war. „Ah, Fräulein Kay! Frühzeitig schon da! Mikrophonfieber, was?" Evelyn lächelte schwach. Es war ein fernes, fremdes, erstaunlich unbeteiligtes Lächeln. Die Minta wandte sich um, lächelte ein wenig. Kollegin? Schau an! Was macht ihr denn mit ihr, Stein?" „Straußlieder singt sie gleich —" „Na, wunderbar! Welche denn?" .„Goldene Füllet Morgen', ,Nacht', ,Ruhe meine Seele' und ,Georgine' —" „Ach, die ,Georgine'! Nett, daß ihr sie wieder einmal herausgeholt habt! Sie ist prachtvoll." Der wunderbar weiche, mit Wohlklang durch und durch gesättigte Alt summte leise: „Warum so spät erst, Georaine? Das Rosenmärchen ist erzählt —* Sie überging ein paar Takte, fang mit halber Stimme, aber in ergreifendem Ton die Schlußtakte: „Und spät wie dir, du Feuergelbe, stahl sich die Liebe mir ins Herz--Ob früh, ob spät, es ist dasselbe Entzücken und derselbe Schmerz!" Evelyn schloß die Augen, horchte mit allen Sinnen, ein schmerzlicher Zug kam in ihr Gesicht. Wie wunderbar erfühlt, wie reif, wie ausgeglichen, wie vollendet schön! So hatte man es auch zu singen versucht. Noch vor einer Stunde, einer Stunde, in der das ganze Leben noch anders aus- sah. Ganz anders-- „Immer gut atmen, kleines Fräulein!" sagte die Altistin mütterlich, nickte dem Pianisten, einem all- zublonden, schmalen Jüngling mit wasserhellen Knabenaugen zu, grüßte mit Der Hand und ging hinaus. Stein sah Evelyn erstaunt an. Sie war jetzt näher gekommen. „Wollen Sie mich noch sprechen, Fräulein Kay." Evelyn setzte sich in den kleinen blauen Ripsfessel, den der Mann ihr zuschob. Einen Augenblick herrschte Sttlle. Evelyn hatte den Blick gesenkt, hob ihn dann plötzlich jäh entschlossen. „Herr Dr. Stein--ist muß unbedingt sofort Dr. Bortefeld sprechen--bitte, können Sie mir dazu verhelfen?" Sie war sehr weiß geworden, zwei zarte Adern an der linken Schläfe begannen blau zu leuchten ... Stein sah sie verblüfft an, glitt sich etwas ratlos über den glatten Schädel. ,Zetzt, Fräulein Kay? Bortefeld ist zwar noch im Haus, glaube ich. Aber seine Besuchszeit ist morgens. Sie müßten sich dann vorher anmelden. Zimmer siebzehn —" Er brach ab. Wie weiß das Mädchen aussieht — Donnerwetter, was ist denn da nur los? „Ich vertrete ihn ja in den wichtigsten musikalischen Dingen, Fräulein Kay", tastete er vorsichtig. „Wenn ich Ihnen irgendwie —" Unsinn, Unsinn, dachte er und hörte auf. Natürlich will sie den Bortefeld selbst sprechen. Natürlich ist's nichts Berufliches. Wie dem Mann die Weiber nacylaufen, es ist eigentlich schandbar! Er empfand plötzlich einen dünnen schneidenden Schmerz, es fror ihn ein wenig. Sah das Mädchen an. Er liebte diese groß und klar geschnittenen ausdrucksvollen Gesichter, die bei aller Mädchenhaftigkeit schon so reif und fraulich waren. Er fühlte eine warme, zündende Freude, als ffm Blick langsam das schmale, sehr rein gezeichnete Oval d'es jungen Gesichtes entlangglitt, er schwieg, ganz versunken in den Zauber dieses sehr ernsten, sehr blassen Gesichtes, in das sich eine lose kräuselnde Haarwelle hineinschob. Evelyn hob jetzt den Blick, sie hatte Augen von ganz reinem, durchsichtigem Goldbraun. Es waren tief erschreckte, ratlose, angstvolle Augen — Stein fühlte das fremde gefährliche Gefühl lang- sam abflingen, er fror jetzt noch stärker und schob achtlos ein paar Partiturblätter durcheinander. Verrückt, verrückt, dachte er. Ein hübsches Gesicht-- das wird mich alten Knaben doch wohl nicht irritieren — „Ich muß Herrn Bortefeld privat sprechen!" sagte das Mädchen jetzt tapfer und sah dem Mann grabe und ehrlich ins Gesicht. „Es ist sehr dringend--" Dringend, dringend. Sicher ist es dringend, dachte der Mann spöttisch. Solche Sachen find immer dringend. Pfui nein, das ist nicht fair. Ist ein tüchtiger, kleiner Kerl, die Kay. Hat's nicht nur in der Ke die, sondern auch im Köpfchen, in dem verdammt hübschen Köpfchen. Eine Liebelei mit Bortefeld? Schad' um das Mä- daran, daß bereits Karl der Große die Ostmark er« richtete, die damals kleiner war als das heutige Ge« biet und die mit Recht stets als deutsches Land ge« aalten hat. Der Struktur nach gliedert es sich in 60 v. H. Alpenland, 30 v. H. Höhengebiete und nur 10 v. H. Niederungen und Ebenen. Das Alpengebiet zieht sich von den nördlichen Kalk-Alpen über die Zentral-Alpen, die Hohen Tauern bis zu den Oester- reichischen Alpen hin. Die Ostmark teilt fick in die Landschaft Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Nieder- und Ober-Oesterreich, das Burgenland, Kärnten und Steiermark. Zur Struktur der Alpen gehören die steilen, schroffen Wände, die nicht überall eine Bewaldung zulasten und in denen nicht allzu große Almen anzutreffen sind. Mit den Zentral-Alpen sind auch der höchste Berg, der Groß-Glockner, mit 3800 Meter Höhe, ferner der Groß-Venediger in den Hohen Tauern zum Reich zurückgekehrt. Die Niedere Tauern mit einem nicht ungünstigen Höhenklima haben noch besondere Bedeutung dadurch, daß sie eine Regulierung der Sommerniederschläge bilden. Neben den Eigenarten dieser Gebirgslandschaft führte der Vortragende noch das unter 0 Grad, im Winter 20 bis 30 Grad Kälte aufweisende Klima an, um die schwierige Kriegführung unserer ehemals Verbündeten verständlich zu machen, die Tunnelbauten und tiefgehende - Unterstände zu errichten hatten und große Sprengungen vornehmen mußten, um sich verteidigen zu können. Der Vortragende schilderte dann die Besiedelung, die in den Alpen sehr dünn ist und nur dort au« nimmt, wo Seen ein milderes Klima aufweifen und wo die Abhänge nicht so schroff sind. Auch die Gebirgstäler, die durch die Eiszeit breiter geschaffen find als man sie fonft antrifft, weisen breitere Talböden auf und weniger schroffe Abhänge, so daß sich Wald und Almen ausbreiten können. Es ist bezeichnend für das Land, daß nur 20 v. H. der 6,7 Millionen Menschen der Ostmark in den Alpen wohnen, obwohl diese 60 v. H. der Fläche einnehmen. Günstiger ist die Besiedlung in den nach Jugoslawien zu abfallenden Höhengebieten Kärntens, der Steiermark und des Surgenlanbes, die Weideland aufweisen und in denen auch Wein gedeiht. Obwohl die Alpen keine Dauersiedlungen aufweisen — die Hochländer sind nicht besiedelt — ist nur ein verschwindend geringer Teil des Landes unproduktiv. Der Winter tritt in der Ostmark sehr heftig auf; selbst Wien ist davon betroffen. Die in elektrischen Strom, das weiße Gold, verwandelten Wasserkräfte deckten 80 v. H. des Eigenbedarfs des Landes, während das Altreich nur 15 v. H. selbst decken konnte. Durch entsprechenden Ausbau sind diese «Stromquellen noch zu erweitern. Neben diesen Naturkräften sind es noch Eisen, Erze und Salze, die den Reichtum des Landes ausmachen. Der Vortragende schilderte, wie aus Funden bei Wien der Nachweis erbracht wurde, daß der Salz- abbau dort bereits in der jungen Eiszeit bergmännisch betrieben wurde und daß jene auf hoher Kulturstufe stehenden Menschen schon die Verwendung der Erze kannten. In einem Rückblick auf die Besiedelung des Landes wies er das Eindringen germanischer Stämme nach und erinnerte daran, daß nach dem Sieae Otto I. über die Hunnen im Jahre 955 deutsche Siedler in das Land hereingeholt wurden inrb deutsche Fürsten vor allem in dem Barockbau, der u. a. im Stift Melk am reinsten zum Ausdruck kommt und der überall anflutreffen ist, dem Lande unverkennbar deutsche Züge verliehen haben. Den vorwiegend dinarischen Einschlag der Rasten machte Professor Klute an Bildern von Grillparzer, Haydn, Liszt, Mozart, bei dem ein dinarischer (Anschlag unverkennbar sei, sowie an Bruckner und dem Heerführer C. von Holzendorff verständlich. An einer Reihe von Trachtendildern schilderte er die dinarischen und auch nordischen (Schubert und Rosegger) Einflüsse, wie sie jeweils anzutreffen sind. Ergänzend hierzu zeigte er an vielen Städtebildern die planmäßige Anlage der Städte, wie sie deutschen Siedlern eigen war. Zum Schluß sprach Pros. Klute über die Wirtschaft der Ostmark, deren Überschüsse an Milch, Butter, Käse und Fleisch vom Altreich aufgenommen werden können, während der Weizenanbau, der nur 56 v. H. des Eigenbedarfs deckte, sich durch die Anwendung von Kunstdünger reichlich steigern läßt. Auch die reichen Holzoorräte werden einer intensiveren Auswertung zugeführt werden können. An del, ist fo'n ernster, tiefgründiger Schlag. Solche packt's und läßt's nicht wieder los. Man sollte warnen, man müßte raten — ach, Unsinn, das könnte sie nicht verstehen. .5)6) kann ja mal anrufen", sagte er nach einer lastenden Pause heiser. „Danke, das wäre sehr freundlich von Ihnen.. .* Zögernd nahm der Mann den Hörer ab, sprach eine Nummer, fragte, wartete. Evelyn hatte sich weit und wie kraftlos zurückgelehnt, das letzte blaffe Alt- rosa des großen schöngeschweiften Mundes erlosch und wurde fahl. „Ja", sagte Stein schwer. Evelyn fuhr auf und starrte ihn an. „Sie können kommen. Müßten allerdings einen Augenblick warten." danke Ihnen sehr, Herr Dr. Stein .. Der Mann lächelte fahl. Es war ein Lächeln, fremb und abwesend. „Keine Ursache", raffte er sich dann zusammen. „Ach, was ich Sie noch bitten wollte — halten Sie sich nicht zu lange auf — drüben. Zehn Minuten vor der Sendung hätte ich Sie gern im großen Sendesaal. Hetzen Sie sich nicht, es ist ungünstig für die Stimme —" „3d) werde pünktlich da fein", sagte Evelyn mechanisch. Erschrak plötzlich bei den Worten und dachte: Ich lüge ja. O, wie ich lüge! Natürlich werde ich nicht da sein. Ich kann doch'nicht fingen-- nach solch einer Unterredung! Im übrigen ist das alles egal. Wenn ich den Mann nur erst sprechen kann, diefen Mann, diesen, — diesen--— Stein beobachtete sehr besorgt, sehr aufmerksam ihr weißes Gesicht. «Seine Stimme klang noch immer heiser. „Also, bis gleich denn, Fräulein Kay ..." Evelyn sah ihn an und blickte doch ins Leere, ganz versunken, ganz allein. „Ach ja. Ja, ja ... Bis gleich ... ♦ Im Flur stürmte ein junger Mensch daher, er hat das gleiche goldbraune Haar wie Evelyn, nur das Braun seiner Augen ist dunkler. Sein Gesicht mit der nervös bebenden schmalen Nase ist sehr erregt, auf den Wangen brennen rote Flecke. Jäh faßte er nach dem Arm des Mädchens. „Evelyn? Was machst du denn hier?" Evelyn sieht mit fremden Augen den Bruder an, erst langsam wird ihr Blick wacher und bewußter. „Ich hab hier noch was zu erledigen", sagt sie unbestimmt. „Du singst doch gleich, Evelyn. Da dacht ich, daß ich unten ins Restaurant gehe, sie haben da einen aanz guten Lautsprecher. Machs. gut. Mädchen!" Er sagt das matt und zerstreut. (Forts, folgt) 5 n !r 1 Und heute? Selbstverständlich steht- der erste Lpd. Mainz, 19. Jan. Der „Mainzer Anzeiger" «Mainz, wie er überhaupt während der genannten röffentlicht interessante Einzelheiten über den Ver- drei Tage von Ginsheim nach Mainz und zurück zu i Aenderungen, sowie hurch Ausbau der Dachae- 1 schosse erweitert. Daneben kies das Bestreben, die veröffentlicht interessante Einzelheiten über den Ver lauf der ersten Vernehmung Koscheikes, der sich Fuß ging. von Aus der engeren Heimat :ner n* ne ) das eche« der des 9l er n« lche iar« lt n und »eck e d ) i e Q e nb er i nd XL >ei tt llflit regt tJetzt verbesserte Sörensen die Leistung um drei Sekunden, womit ein Frauen-Weltrekord, der im Brustschwimmen' in deutschem Besitz war, verloren ging. Deutsche Hallentennis-Meisterschasten. Menzel schlägt Pellizza. Am Donnerstag gab es bei den internationalen Hallen - Tennismeisterschaften von Deutschland in Bremen eine etwas verkürzte Spielfolge. Das wichtige Ereignis des Nachmittags war zweifellos der Kampf zwischen Roderich Menzel und dem talentierten Franzosen Pierre P e l l i z z a um den Eintritt in die Vorschlußrunde. Der Franzose begann recht vielversprechend, aber obwohl er mit 3:0 führte, mußte er den ersten Satz mit 6:4 abgeben. Menzel bewies in der Folge, daß er auch in der Halle ein Klassenspieler ist, wenn er auch volle fünf Sätze (6:4, 4:6, 6:2, 3:6, 6:2) benötigte, um den temperamentvollen Gegner auszuschalten. Nach diesem Erfolg R. Menzels steht die Teilnahme eines deutschen Spielers an der Endrunde bestimmt fest. In der unteren Hälfte ist man durch das verspätete Eintreffen von Heinrich Henkel etwas in Verzug gekommen. Der Berliner bestritt seinen ersten Kamvf gegen den Bremer Karstedt und gewann recht sicher 6:1, 6:3. Im Frauen-Einzel erreichten die Amerikanerin W h e e l e r, die jugoslawische Spitzenspielerin Kovac und die Ungarin Somogyi die Vorschlußrunde, während im Männer-Doppel die Deutschen Titelverteidiger, Beuthner - ©opfert, als Erste unter die „letzten Vier" kamen. Mannschastskampf im Hingen! Am morgigen Samstag empfängt der 1. Kraft- unb Sportklub 93 Gießen den „Tufpo" Hanau 1860 in der Turnhalle der alten Pestalozzi schule zum ersten Verbandskampf auf eigener Matte. Den Vorkampf in Hanau verlor die ersatzgeschwächte Mannschaft des Gießener Vereins, da aber bei diesem Kampf eine bedeutend bessere Mannschaft zur Verfügung steht, ist ein spannender Kampf zu erwarten, dessen Ausgang noch ungewiß ist. Die Hanauer haben in den Gebrüdern Lamprecht, in Mädicke, sowie in dem deutschen Meister der schweren Altersklasse Krak - k e r ganz ausgezeichnete Kräfte zur Verfügung. Die Hanauer treten vom Bantamgewicht aufwärts in folgender Aufstellung an: Waßmuth, Hans, Christoph und K. Lamprecht, Ritter, Mä- dicke und Kräcker. Gießen meldet: Rabow, Hebeis, A. Funk, Klotz, Eder, Becker, Richter und Schmidt. Handball im ASM.-Kreis VIII. Wenn auch einstweilen die Wetteraussichten noch nicht allzurosig sind, so steht doch zu erwarten, daß diesmal das Programm restlos abgewickelt werden kann. Denn es wäre bedauerlich, wenn es diesmal abermals zu Verlegungen kommen müßte, weil dadurch zweifellos die ordnungsgemäße Durchführung des Spielbetriebes in Frage gestellt wäre. Diesmal weist weder die Staffel IV noch die Staffel V einen Lokalkampf auf. Diese Tatsache läßt ohne weiteres erkennen, daß wichtige Paarungen nicht auf dem Programm stehen. Die Entscheidungen können also kaum irgendwelchen Einfluß auf die Tabellengestaltung insbesondere der Spitze ausüben. Einen schweren Schlag hat die Staffel'V erhalten. Der Tv. Münchholzhausen hat feine Mannschaften zurückziehen müssen, lieber die angegebenen Gründe kann man geteilter Meinung fein. Fest steht, daß in einem Ort wie Münchholzhausen ohne weiteres möglich fein muß, den notwendigen Ersatz zu beschaffen. Mit dem freiwilligen Verzicht auf eine weitere Teilnahme ist naturgemäß auch der Abstieg in die 1. Kreisklasse verbunden. Damit ist also auch die Abstiegsfrage bereits geklärt. Die Spiele des Sonntags: SpV. 1900 Gießen — 1860 Marburg. Barbara — Heuchelheim. Hörnsheim — Tv. Wetzlar. Garbenheim — Katzenfurt. Wenn auch 1900 anläßlich seines letzten Auftretens nicht restlos überzeugen konnte, so dürfte der Ausgang diesmal nicht zweifelhaft fein. Die Marburger Mannschaft wird auch die Rückrunde kaum stärker bestreiten können und so sicherlich zu keinen Punkt- tzewinnen kommen. — Nach dem erfolgreichen Abschneiden der Artilleristen muß man ihnen gegen Heuchelheim naturgemäß ebenfalls Chancen einräumen, zumal sich die Mannschaft nicht den Scherz erlauben kann, durch eine nicht ausgeschlossene Ueberraschung zurückgeworfen zu werden. — In Hörnsheim sollte es einen sicheren Sieg der Einheimischen geben, zumal Wetzlar doch noch nicht in stärkster Aufstellung antreten kann. — Ein interessantes und spannendes Spiel wird in Garbenheim erwartet, wo die beiden Neulinge aufeinanderstoßen. Kreisklaffen. Holzheim — Nauborn. Dutenhofen — Dillenburg. Nauborn wird, wie auch im Vorspiel, den Sieg der Platzmannschaft anerkennen und eine hohe Niederlage einftecfen müssen. Denn Holzheim ist nach dem Punktgewinn (kampflos) gegen Gröningen auf dem besten Weg, die Meisterschaft zu machen. — Dillenburg hat auf fremden Plätzen noch nicht viel gezeigt. Aus dem Grunde liegt es durchaus im Bereich der Möglichkeit, daß es einen knappen Sieg der. Platzbesitzer gibt, nachdem das Vorspiel verloren wurde. Mtv. Gießen II — $21. 116 Gießen. Krofdorf — Lich. Luftwaffe — Londorf. Wenn die Mannschaft des Mtv. einigermaßen komplett antreten kann, wird es den Gästen schwer fallen, sich zu behaupten. — Eine Voraussage über den Spielausgang in Krofdorf zu treffen, wäre ver- feblt, weil beide Mannschaften ungefähr gleichstark sind. — Wenn die Luftwaffe nicht wieder verstärkt antritt, sollte es Londorf gelingen, zu einem Sieg zu kommen, Handball im Männerturnverein Gießen Die Spielabteilung des Männerturnvereins, die am kommenden Sonntag mit vier Mannschaften in die Runde einzugreifen hatte, erhielt eine Absage des Tuspo. Ockershausen infolge Unspielbarkeit des Platzes. Somit bleibt nunmehr die erste Elf des MTV. auch diesen Sonntag wieder ohne Spiel. Die zweite Mannschaft empfängt die Elf der SA.- Standarte 116 Gießen auf eigenem Platze. Diesem kleinen Lokalkampf kommt weniger Bedeutung zu, denn beide Mannschaften können infolge verschiedener Spielverluste einen Anschluß zur Spitze nicht mehr erreichen. Durch reichliche Abgänge und Versetzungen mußte der Platzoerein seine' Mannschaft fast zur Hälfte neu aufbauen. Notwendiges Verständnis und Zusammenarbeit der einzelnen Mannschaftsteile werden noch einige Zeit auf sich warten lassen. Ein so einwandfreier Sieg wie der des Vorspiels ist wohl kaum zu erwarten. Ein Pflichtspiel der zweiten Jugendmannschaft geht diesem Treffen voraus. Fußballklub 1936 Saasen. Querfborn I — Saafen I 2:8 (0:5). Saasens 1. Mannschaft weilte am Sonntag zum Verbandsspiel in Queckborn. Die Platzverhaltnisse ließen manchen Wunsch offen. Saasens Elf zeigte ein schönes Spiel und kam bereits in der 1. Minute zum Führungstor, um bis zur Halbzeit mit 5:0 zu führen. Auch in der zweiten Halbzeit war Saasen meist tonangebend und konnte noch dreimal erfolgreich fein, während die Platzbesitzer nur zu 2 Toren kamen. Deutschland mit drei Schlitten. Bei der Weltmeisterschaft im Vierer-Bob am 28. und 29. Januar in Cortina d'Arnpezzo, die der Engländer McAvoy zu verteidigen hat, ist Deutschland unter sieben Nationen mit drei Schlitten am stärksten vertreten. Die deutschen Schlitten werden von Kilian, Zweierbob-Weltmeister Fischer und Schäfer geführt. Italien konnte wegen des anhaltenden Schneefalls in Cortina d'Ampezzo dis Ausscheidungskämpfe noch nicht durchführen und infolgedessen auch bisher nicht seine beiden Mannschaften aufftellen. Frankreich und England schicken je zwei Vertretungen, die Schweiz (Feierabend), Belgien und USA. (Heäton) sind mit je einem Bob vertreten. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmittag geschlossen. Gebirgsjäger aus Schiern ganz hervorragend. v» . A ■ M Ä x:^ Ein Bild von einer Hebung unserer Gebirgsjäger in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen. (Schirner-M.) Wirtschaft. Der Kraftwagen bei den Westbefestigungen. Fwd. lieber den Einsatz der Lastkraftwagen bei der Durchführung der Befestigungswerke an der Westgrenze geben einige Zahlen, die wir der „Deutsche Kraftfahrt, vereint mit DDAC.-Motor- welt" entnehmen, einen Begriff von den gewaltigen Beförderungsleistungen. Der Reichskraftwagenbetriebsverband, dem die gesamte Organisation der Baustofftransporte mit Lastkraftwagen im Westen übertragen wurde, hatte eine eigene Verkehrszentrale, die .Kraftwagenleitung West", eingerichtet. Ueber vier Anmietungsstellen wurden in kurzer Zeit Tausende von Fahrzeugen herangezogen. Im September waren im Tagesdurchschnitt 11 bis 12 000 Fahrzeuge bei der Kraft- wagenleitung West beschäftigt, fast ausnahmslos Fahrzeuge des privaten Kraftwagengüterverkehrs. Die Gesamtbeförderungsleistung betrug im Monat September 3,31 Millionen Tonnen eine Menge, für die ein Güterzug von 2200 Kilometer Länge erforderlich fein würde. Zur Sicherstellung der Treibstoffversorgung waren über 70 Tankstellen im westlichen Sicherungsbereich eingerichtet worden, die seit ihrer Errichtung Ende Juli bis 1. Oktober 8,2 Millionen Kilogramm Gasöl. 8,8 Millionen Liter Benzin, 453 000 Liter Oele und 8400 Kilogramm Fette umsetzten. Der private Lastwagen hat bei den Aufgaben im Westen bis an die Grenze feiner Leistungsfähigkeit seine verkehrstechnischen Vorzüge in jeder Beziehung unter Beweis gestellt. Rhein-Mainische Börse. Nlittagsbörfe sehr ruhig. Frankfurt a. M., 19. Jan. Bei weiterhin sehr geringer Beteiligung der Bankenkundschaft lag die Börse erneut nahezu geschäftslos. Da aber anderseits fein nennenswertes Angebot vorlag, zeigte der Aktienmarkt im allgemeinen nur wenig veränderte Kurse, und die Schwankungen nach beiden Richtungen gingen nur vereinzelt über 0,25 bis 0,50 v. H. hinaus. Schwächer lagen am Chemiemarkt IG. Farben mit 148 bis 147,50 (148,75), auch Scheideanstalt 0,50 v. H. abbröckelnd auf 197, ferner konnten sich Metallgesellschaft mit 119 (119,25) nur knapp behaupten-, der in der heutigen Bilanzsitzung getroffene Vorschlag von wieder 6 v. H. Dividende war weiteren Kreisen noch nicht bekannt, Montanwerte konnten sich meist gut behaupten. Vereinigte Stahl 107 (106,75), Hoesch 106,90 (106,75), Mannesmann unverändert 108, aber Rheinstahl 0,75 v. H. schwächer mit 131,25. Im übrigen kamen zunächst noch RWE. 1 v. H. höher mit 117,13, Daimler 1 v. H. schwächer mit 132, Aschaffenburger Zellstoff mit unverändert 110 und Reichsbank mit unverändert 188.25 zur Notiz. Auch der R e n t e n m a r f t war fast ohne Geschäft. Reichsbahn-Vorzugsaktien setzten mit unverändert 123,25 ein, im Freiverkehr gingen Kommu- nal-Umschuldung mit 92,95 und später mit 92,90 um. Am Pfandbriefmarkt waren nur einzelne Liguida- tionsroerte leicht verändert, die beiden Frankfurter je 101,05 (101,25), andererseits Rheinische 101,50 (101,30). Stadt- und Staatsanleihen zeigten zumeist, die gestrigen Kurse, auch Industrie-Obligationen wichen nur wenig ab; 6 v. H. IG. Farben 0,40 v. H. ermäßigt auf 118,90. Reichsaltbesitz kamen verspätet mit 128,30 (128,50) zur Notiz. Im Verlaufe blieb das Geschäft äußerst ruhig, die Kurse veränderten sich gegen den Anfang kaum, dagegen zeigten die erst später notierten Papiere angesichts der Geschäftsstille überwiegend Abschwächungen von 0,50 bis 1 v. H. Höher gefragt wurden RWE. mit 117,65 nach 117,13. Der Freiverkehr lag ruhig, man nannte die gestrigen Kurse. Tagesgeld unverändert 2,25 v. H. Abendbörfe still. Auch für die Abendbörse fehlte jede Unternehmungslust. Die vorwiegend ohne Umsatz notierten Kurse am Aktienmarkt weisen zumeist nur geringe Veränderungen auf, wobei die Haltung weiterhin etwas unregelmäßig war. Bis zu 1 v. H. ermäßigt waren AG. für Verkehr mit 117, Conti- Gummi mit 207,50 und Demag mit 146,25 (147). Knapp gehalten waren ferner Reichsbank mit 187,75 (188,25), MAN. mit 137 (137,50), Adlerwerke mit 103,50 (103,75) und Rheinmetall mit 129,75 (130). Kleines Geschäft verzeichneten JG- Farben zu unv. 148, Verein. Stahl zu 107,25 (107) und Mannesmann zu unv. 108. Etwas gebessert Ingen BMW. mit 142 (141,50), Rhemstahl mit 131,75 (131,50), Gesfürel mit 132 (131,50), Metall- gesellschaft mit 119,50 (119) und Westdeutsche Kaufhof mit 101,75. Von Renten wurden 6 v. H. IG.-Farben mit 119 und Reichsbahn-VA. mit 123,40 je 0,13 v. H. höher bezahlt; Kommunal« Umschuldung werden mit unv. 92,90 bewertet. Sranffurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 19. Jan. Auftrieb: Rinder 1527 (gegen 1436 am 12. Januar), darunter 322 (300) Ochsen, 150 (151) Bullen, 734 (685) Kühe, 321 (300) Färsen, ferner 464 (350) Kälber, 134 (99) Hämmel und Schafe, 218 (360) Schweine. Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 44 bis 46,50 (43,50 bis 46,50), b) 40 bis 42,50 (40 bis 42,50), c) 33 bis 35 (37 bis 37,50), d) 29 (—). Bullen a) 42 bis 44,50 (43 bis 44,50), b) 39 bis 40,50 (40,50). Kühe a) 42 bis 44,50 (42 bis 44,50), b) 37 bis 40,50 (37 bis 40,50), c) 30 bis 34,50 (29 bis 34,50), d) 17 bis 25 (20 bis 25). Färsen a) 44 bis 45,50 (42,50 dis 45,50), b) 41 bis 41,50 (39,50 bis 41,50), c) 36,50 (33 bis 36,50). Kälber a) 63 bis 65 (62 bis 65), b) 55 bis 59 (53 bis 59), c) 45 bis 50 (47 bis 50), d) 38 bis 40 (39 bis 40). Hämmel b2) 45 bis 49 (45 bis 47), c) 35 bis 38 (41 bis 42). Schafe a) 40 bis 42 (40 bis 42), b) 33 bis 39 (33 bis 38), c) 18 bis 22 (23 bis 28). Schweine a) 58,50 (58.50), bl) 57,50 (57,50), b2) 56,50 (56,50), c) 52,50 (52.50), d) 49,50 (49,50) Sauen gl) 57.50 (57,50). Marktverkauf: Rinder, Kälber und Schweine zu« geteilt, Hämmel und Schafe mittel. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) h. D. in Gießen. 1855 erschien im Verlag Vrock- haus (Leipzig) das zweibändige Werk von Wilhelm Soldan „Geschichte des Protestantismus in Frankreich bis zum Tode Karl IX". Ferner wurde in den Jahren 1857 bis 1869 in fünf Bänden die ..Geschichte des französischen Calvinismus" (Verfasser: Polenz) herausgebracht. Für die Beschaffung dieser Bücher setzen Sie sich am besten mit einem Buchhändler in Verbindung, der ohne weiteres feststellen lassen kann, ob diese Bücher noch zu haben sind. Unter Umständen könnten die Werke antiquarisch beschafft werden. Im übrigen befinden sich die genannten Werke im Besitz der Gießener Universitätsbibliothek.