nr. 192 Erstes Blatt 189. Jahrgang Keitag, 18. August 1939 Grschetttt täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschiüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gietzeu Postscheckkonto: granffujt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche UniverfitStrdruckerei «.Lange in Sietzen. Schristlei'tung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7 Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer bis8^/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/a mehr. 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Als Lady Wood in Begleitung Sir Kingsley Woods und des polnische Militärflieger Wer slowakischem Gebiet. Soldaten flüchten über die Grenze. Preßburg, 17. August. (DNB.) Erneut konnte festgestellt werden, daß polnische Militärflugzeuge über slowakisches Gebiet geflogen sind. Die Bevölkerung ist in wachsendem Maße empört und besorgt, zumal auch schon vor der Grenzsperre Scharen von Militärflüchtlingen auf unwegsamen Gebirgspfaden slowakisches Gebiet erreichten, die nicht genug von den Schikanen der polnischen Hetzer zu berichten wußten. Nach den Schilderungen dieser Flüchtlinge nimmt die innere Zerrüttung in Polen immer groteskere Formen an, da selbst viele Polen, ganz zu schweigen von den Ukrainern, Volksdeutschen und Slowaken, nicht mehr einem Staate dienen wollen, dem die Ordnung immer mehr aus der Hand gleitet. polens Vernichtungskampf gegen das deutsche Volkstum auf der ganzen Linie entbrannt Der diplomatische Vertreter Polens in Danzig, Minister Chodacky, traf mit dem Flugzeug in Warschau ein und hatte eine länge Bespre- chung mit dem polnischen Außenminister Beck. Lebensraum entzogen werden soll. Eine weitere Verordnung des Staatspräsidenten ermächtigt den Finanzminister, Kredite für landwirtschaftliche Vorbereitungen der Landesverteidigung bis zu einer Höhe 150 Millionen Zloty zu garantieren. Britische Heuchelei am Pranger. London erfindet und „dementiert" Konferenzgerüchte. — Was Meuter unter .bewunderungswürdigerliuhe und Geduld der polnischen Regierung" versteht. Wohnungssorgen in den englischenLlendsvierieln Von unserem A. T.-Korrespondenien. schöpften Zu st and auf reichsdeutschem Boden ankommen. Augenblicklich sind in 19 Flüchtlingslagern noch 4 461 Personen untergebracht. Neues Grenzzonengeseh. Die Deutschen werden von der ererbten Scholle vertrieben. Warschau, 17. Aug. (Europapreß.) Soeben wird eine Verordnung bekannt, der man unschwer eine neue deutliche Spitze gegen das deutsche Volkstum in Polen ansehen kann. Der polnische Staatspräsident hat den Landwirtschaftsminister ermächtigt, im Einverständnis mit dem Innenminister Parzellierungen von Grundstücken vorzunehmen, die in der Grenzzone liegen, wenn die Sicherheit des Staates oder der notwendige Schutz der Grenzen dies erfordern. Die Verschärfung gegenüber dem bereits in Kraft befindlichen Bodenreformgesetz liegt darin, daß künftig Parzellierungen in der Grenzzone nach freiem Ermessen des Landwirtschaftsministers und nach ausgesprochen politischen Gesichtspunkten gesetzlich zulässig sind. Die zur Parzellierung bestimmten Grundstücke müssen im Laufe eines Jahres aufgeteilt oder an die staatliche Agrarbank verkauft werden, worauf der Besitzer zum Verlassen des bisher ihm gehörenden Grundstückes gezwungen wird. Es ist nach der seit längerem in Polen geübten Praxis klar, daß durch diese neuen noch verschärften gesetzlichen Bestimmungen den trotz schwerstem Volkstumskampf bisher auf heimatlicher Scholle verbliebenen Volksdeutschen in Polen nun auf f»genanntem rechtlichen Wege der England ohne Maske. Zum 70. Geburtstag des Grafen Ernst Reventlow am 18.August. Nur wenige deutsche Politiker können eine so fruchtbare schriftstellerische Tätigkeit ausweisen w>e Graf Ernst Reventlow, dessen Geburtstag sich am 18. August zum 70. Male jährt. Die Fülle seiner Bücher, Schriften und Aufsätze ist kaum zu übersehen. Das wesentliche an ihnen ist aber nicht die Zahl, sondern die stetige, aufrechte und uner» schrockene Haltung und völkische Gesinnung, die sich in ihnen kundtut. Graf Reventlow, der in Husum geboren wurde und zunächst als aktiver Offizier in der kaiserlichen Marine Dienst tat, ist von einer leidenschaftlichen Liebe zu Deutschland und zu dem deutschen Volke ergriffen. Sie war es auch, die ihn den Weg zum Führer schon früh finden ließ und die ihn veranlaßte, in dem von ihm herausgegebenen „Reichswart" für den Nationalsozialismus entscheidend einzutreten. Graf Reventlow hat auch im Deutschen Reichstag, dem er noch heute angehört, seine Weltanschauung gegen alle Anstürme gehässiger Kritiker mannhaft zu ver- leidigen und dürchzusetzen gewußt. Die Unermüdlichkeit des publizistischen Wirkens Graf Reventlows kommt gerade jetzt an seinem 70. Geburtstag sichtbar zum Ausdruck in dem soeben erschienenen Buche „Wir erinnern uns . . ." (M. A. Klieber Verlag, Berlin), das eine Sammlung seiner in den Fahren 1914/18 für die Deutsche Tageszeitung geschriebenen Aufsätze darstellt. Alle in diesem Buche wieder veröffent- lichten Aufsätze befassen sich mit der Politik Englands. Graf Reventlow hat es sich zu seiner Lebensaufgabe gemacht, das wahre Gesicht Eng- lands aufzuzeigen, indem er England schonungslos die Maske herunterreißt. Was dabei zum Vorschein kommt, ist so grauenvoll, daß wir Deutsche die unabwendbare Pflicht haben, zu diesem Buche Reventlows zu greifen, um auch den allerletzten Rest der sattsam bekannten deutschen „Objektivität" aus unserem Gehirn zu reißen, ganz zu schweigen von unserem „weichen Gemüt", das die Dinge noch immer nicht so klar sehen will, wie sie in der Tat liegen. Wer die Art des trockenen Humors Graf Reventlows kennt, wird sie auch in diesem Buche wiederfinden, so zum Beispiel, wenn er von der „glas- augigen Verständnislosigkeit" der Briten spricht gegen alles, was nicht den Nutzen Englands betrifft, ober ausführt, wie England „mit der Bibel in der Hand den Erdkreis eroberte". Nichts hält vor dem scharfen Blick und Verstand Graf Reventlows die Prüfung aus. Er geißelt die „Gentlemanpose" des Briten ebenso wie seine „sportliche" Haltung. Er zerreißt den Nebel des „Verständigungsrummels", er warnt die „England-Anbeter", die unter der „englischen Krankheit" leiden. Er nennt den Engländer „Brandstifter" und „Mörder". Er bezichtigt ihn der schlimmsten Lügen, brandmarkt den „brittschen Vormund", entschleiert die englische Suggestionskunst, weist mit deutlichen Fingerzeigen auf den britischen Sadismus, zählt die „Grenzen Englands" auf, die es im Laufe der Geschichte je beansprucht hat, und wendet sich mit hohnvoller Schärfe gegen den „Kulturvetter" jenseits des Kanals. Es wäre aber falsch, anzunehmen, daß sich Graf Reventlow in feinen England - Artikeln, die das Deutschland des Weltkrieges leider niemals verstanden hat, darin erschöpft, daß er sich der härtesten Worte und Urteile bedient, ohne etwa den B e - London, August 1939. Die Bewohner der englischen Elendsviertel führen ,'eit Wochen einen erbitterten Kampf gegen Wucherer, die Wochenmieten von ihnen ver- angen, die weit über das Maß des Gerechtfertigen hinausgehen und in keinem Verhältnis zu der Jröße und dem Zustand der Wohnungen stehen. 3m Londoner East End, in den Midlands-Graf- chaften, in Birmingham und Liverpool haben sich .Mieterschutz-Genossenschaften" gebildet, die durch regelrechte Streiks das zu er« eichen versuchen, was man ihnen auf gutwilligem Dege seit Fahren verweigert. In Birmingham ollen dieser Genossenschaft schon mehrere tausend Mieter angehören, ein Zeichen für die Dringlichkeit >)er Mietfrage und gleichzeitig der Beweis für das »äufige Vorkommen menschenunwürdiger Wohnungen. Kürzlich wollte der arbeiterparteiliche Bürgermeister dieser Stadt eine neue Wohnsiedlung ein- »eihen. Er wurde jedoch davon durch Kundgebungen abgehalten, die die neue Genossenschaft für ihn leranstaltete. Als er mit seinem Wagen vorfuhr, im eine „Weiherede" zu halten, hängten die Ge- Wssenschaftler eine Strohpuppe aus einem der Fenier der neuen Wohnungen. Die Puppe stellte einen gekannten Gerichtsvollzieher der Stadt dar und mußte von der Polizei entfernt werden. Damit noch nicht genug. Achttausend arbeitsverhärmte Frauen marschierten in einem schweigsamen Zug 2urch die Stadt an den neuen Wohnungen und dem veinlich berührten Bürgermeister vorbei. Die Menge neigte ehrfurchtsvoll den Kopf, als ein Sarg vor- neigetragen wurde, der das Elend der mittellosen Stadtbevölkerung verkörpern sollte. Fn Oxford, Stadt alter englischer Kultur, Ort iner Jahrhunderte alten Tradition und Sitz wohlhabender Familien des Landes, versuchte der Miet- änzieher eines Montagmorgens vergeblich von der Zewohnerfchaft der unwürdigen Wohnungen auch ?ur einen einzigen Penny zu bekommen. Kaum : atte der Beamte sein Büro verlassen, um seinen Weg in die Elendswohnungen anzutreten, als sich hm Hunderte von schweigsamen Frauen mit schä- irigen Kinderwagen anschlossen, ihm auf Schritt und tritt wie ein Gespensterreigen folgten und vor »dem Haus, das der Beamte betrat, fo lange warteten, bis dieser mit leeren Händen wieder auf die Straße trat, um an anderer Stelle fein Glück zu versuchen. Dem Mann standen schließlich die Schweißperlen auf der Stirn, und er war froh, als »-er sich wohlbehalten aber verängstigt wieder hinter ! feinen Schreibtisch retten konnte, — mit leeren . Händen, aber gedankenvoller Stirn. Diese Mietergenossenschaft muß ernst genommen iwerden, denn ihre Mitglieder sind entschlossen, sich »die Hilfe zu verschaffen, die ihnen die Be- !Hörden versagen, selbst die Behörden solcher Städte, idie eine sozialistische Mehrheit haben. Daß dieses ^Ziel erreicht werden kann, geht aus dem folgenden, lbesonders eindrucksvollen Beispiel hervor: Fn dem ! Londoner Dorort S t e p n e y ist vor kurzem ein 'Mieterstreik zu Ende gegangen, der schon heute in idie englische Sozialgeschichte unter dem Namen .„Schlacht des Langdale Mansions" eingegangen ist. -Bei diesem „Mansion" handelt es sich um einen Sgroßen Block von Mietwohnungen, dessen Beiwohner zwölf Wochen gestreikt haben. Weder der «Gerichtsvollzieher, noch die Polizei konnten die ! Barrikaden brechen, die man errichtet hatte, um j jeden Zutritt zu verhindern. Man sah sich dazu ogezwungen, weil die Hausbesitzer einen Räumungs- lbefehl erwirkt hatten, die Bewohner der Elends- Mgend aber nicht wußten, wo sie hätten bleiben [fallen, wenn dieser Befehl tatsächlich ausgeführt roorben wäre. Ihr Streik war ein Akt der Selbstverteidigung, ein Verzweiflungsschritt, geboren aus ßher Unfähigkeit, Mieten zu zahlen, die weit über Sias Zahlungsvermögen der Betroffenen hinaus- wngen. Wohnungen (zwei Zimmer), die noch im ^Fahre 1914 acht Schillinge je Woche gekostet haben, waren bis auf siebzehn Schillinge und sechs Pence Alnaufgegangen. Die Besitzer der Wohnungen hatten sich jedoch in all diesen Fahren geweigert, auch nur die primitivsten Reparaturen ausführen zu lassen. Die Wohnungen sind feucht, denn Stepney gehört zu den Londoner Dockvororten. Siebenund- -iwanzig Familien leben in einem Block, und das, obwohl weder fließendes Wasser, noch die primitiv- tten Abflußanlagen und Entlüftungsschächte vorhanden sind. Die Fußböden sind faul; für je sieben Familien (mit stellenweise acht Köpfen) gibt es nur ein Klosett; an den Wänden hängen Zeitungen jtatt Tapeten; das Mauerwerk ist im Zustand des Verfalls, und allerlei Getier fühlt sich in dem Dunst, Schmutz und Küchenqualm wohler als die Familien, Me feine Möglichkeit haben, diesen Wohnhöhlen zu mtrinnen. Die Streikbewegung unter der Bevölkerung der Llendsviertel wächst und damit die Mitgliederzahl ■•er neuen „Mietergenossenschaft", an deren Spitze !>er anglikanische Geistliche G r o s e r steht. Die Ar- ’^eiterpartei, sonst immer darauf bedacht, als ar- '' eiter- und armenfreundliche Bewegung dazustehen, ublickt in der neuen Genossenschaft einen „Rioa- sn", und einige ßabourabgeorbnete gingen sogar soweit, von einer „gefährlichen Bewegung" zu sprechen. Im Londoner Grafschaftsrat hat die Arbeiterpartei die Mehrheit, aber die Bevölkerung der Lon- iioner Elendsviertel mußte sich erst in einer neuen Jenossenschast zusammenschließen, um ihre Forderungen durchzubringen. Man darf nicht vergessen, !,aß die Familien, deren Brotverdiener wöchentlich ms zu siebzehn Schillingen und sechs Pence Miete i.cchlen, in den seltensten Fällen mehr als zwei Deutschland mit dem ganzen Konferenzgerede nicht das geringste zu tun hat und für Deutschland irgendein Kompromiß, durch das man auf einer Konferenz das klare deutsche Recht auf Rückkehr Danzigs zum Reich und Befeitigung der ganz unhaltbaren Zustände im Korridor verwässern möchte, unter gar keinen Umständen in Frage kommen kann. Der englische Versuchsballon ist in Deutschland sehr wohl als solcher erfanht worden, und ebenso plump ist das Manöver, nun, wo dieser Versuchsballon zerplatzt ist, Deutschland als Urheber dieses Konferenzplanes hinzustellen. „Wenn gleichzeitig in der Verlautbarung des Reuterbüros die bewundernswürdige Ruhe und Geduld der polnischen Regierung angesichts der ständig wachsenden Provokation' gepriesen wird, so kann nichts besser als diese infame Verdrehung der tatsächlichen Verhältnisse die wahre Einstellung der britischen Politik beleuchten. Tag für Tag tobt sich in der polnischen Presse der polnische Chauvinismus in immer überheblicheren Forderungen auf deutsches Reichsgebiet aus. Tag für Tag mchren sich die Leiden der seit zwei Jahrzehnten unter ständigen Schikanen polnischer Behörden und Organisationen in den abgetretenen Gebieten lebenden Volksdeutschen Bevölkerung. Die polnische Regierung sieht diesem Treiben nicht nur gelassen zu, sondern duldet auch, daß hohe Militärs und Beamte den polnischen Chauvinisten immer wieder neue Stichworte für ihre brutalen Deutschenverfolgungen geben. Und das nennt man dann in England „bewunderungswürdige Ruhe und Geduld". Nein, nicht Deutsche provozieren die polnische Regierung, sondern die sich mit der englischen Blankovollmacht in der Tasche nun ganz sicher fühlenden Polen provozieren Deutschland in der frechsten und anmaßendsten Weise. Darüber können auch die frivolen Verdrehungskunststücke des Reuterbüros die Weltöffentlichkeit nicht länger täuschen. 6* über 76000 Wlmge aus polen DNB. Berlin, 17. August. Der polnische Terror gegen das Deutschtum, der vor allem in Ostoberschlesien unermeßliches Leid über die deutsche Bevölkerung gebracht hat, hält in unverminderter Schärfe an Ueberall sind die noch nicht verhafteten Deutschen gezwungen sich in Waldern oder anderen Unterschlupfen zu verbergen, um dem Haß der entfesselten polnischen Wut zu entgehen. Unzählige werden trotz aller Vorsichtsmaßnahmen abgegriffen, so daß d e Zahl der Verhaftungen von Stunde zu Stunde anschwillt uni bereits weit über 1 000 betragt. 3n Ostoberjchlesien sind letzt a 11 ® 5~ “ " V keime geschlossen worden, so daß die Augend- arbett der Msbünbe völlig eingestellt werden "Wer es nur irgendwie ermöglichen kann W fein «ielln der Flucht in das rettende deutsche Vaterland. Die Zahl dieser Nüch«'nge erre-chte bis Anfang August bereits den Swnd von 76 535. Einblick auf den verstärkten Terror der letzten Tage ist naturgemäß auch der blüchtlingsstrom GÄMht/i Steinen begriffen, wenn auch die polni- schen Lr^nIachen lwrch brutalste Anwendung von wird in Deutschland umgehend Arbeit vennitte werden Dies ist um o erfreulicher, als me tflW llnge die vor ihrem Srenzübertr.tt tage- und nächtelang in den Wäldern untijenrrten, in einem völlig abgerissenen und er. nordirischen Ministerpräsidenten Craiaavon die Tribüne bestieg, von der aus der Taufakt vorgenommen werden sollte, bewegte sich der Schiffskörper plötzlich und glitt mit lautem Getöse — drei- ß i g Minuten zu früh — ins Wasfer. Dabei waren etwa achtzig Arbeiter unter dem Rumpf des Schiffes. Ihre Lage wurde dadurch noch gefährlicher, daß die Hintere Wiege unter dem Flugzeugträger sich nicht mit ins Wasser bewegte, da sie zu fest verankert war. Der Hintere Teil des Schiffes wurde so über den Boden geschleift. Die Ursache dieses gefährlichen Stapellaufes ist noch nicht geklärt. Abergläubische Engländer sehen in dem Zwischenfall ein ungünstiges Vorzeichen und erinnern daran, daß das Flugzeug, mit dem Sir Kingsley Wood sich vor bereits drei Wochen nach Belfast begeben wollte, um die „Formidable" zu besichtigen, äbstürzte, wobei sich der Privatsekretär des Luftfahrtministers den linken Arm brach. Die „Formidable" ist mit 23 000 Tonnen etwas größer als der bisher größte englische Flugzeugträger „Arc Royal" (22 000 Tonnen). Das neue Bauprogramm sieht sieben neue Flugzeugträger vor. Die „Formidable" ist das dritte Schiff dieser Klasse, das bisher vom Stapel gelaufen ist. London, 18. Aug. (DNB.) Das Reuter- büro nahm gestern abend in einer Verlautbarung zu den Kombinationen und Gerüchten über eine Viermächtekonferenz wie folgt Stellung: Während die britischen Zeitungen voller Berichte aus verschiedenen Hauptstädten Europas über die og. Friedenspläne waren, erfährt Reuter aus amtlichen Kreisen, daß dort nichts von irgendeiner Friedenskonferenz bekannt ist. Das Gerücht, das in den letzten Tagen am meisten verbreitet wurde, bestand in einem Plan für eine Viermächtekonferenz zwischen Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien. . Dieses Gerücht, so glaube man in London, sei jedoch offenbar lediglich ein anderer Schachzug im fogenanuten Nervenkrieg. Die Verbreitung dieses Gerüchtes werde als eine von den Achsenmächten geleitete Propaganda angesehen zu dem Zwecke, Verdach^n polnischen Kreisen über die wahren Absichten der britischen Regierung zu erregen. Wenn es eine derartige Konferenz gebe, so würde offensichtlich Polen das hauptsächlichste Land sein, das man einlade. Was die Frage angehe, ob eine solche Konferenz überhaupt wünschenswert sei, so gehe die Ansicht in London dahin, daß die Frage nicht von der brittschen Regierung entschieden zu werden brauche, noch sei dies eine Frage, zu der sie Stellung zu nehmen brauche. Die bewunderungswürdige Ruhe und Geduld der polnischen Regierung angesichts der ständig wachsenden Provokation werde in London voll gewürdigt. Diese vom Foreign Office lancierte Verlautbarung des amtlichen brittschen Reuterbüros ist wirklich der Gipfel- schamloser Heuchelei, mit der die englische Politik sich in der Danzigfrage nun aus einer Sackgasse zurückzuziehen sucht, in die sie mit ihrem Versuchsballon von einer angeblich geplanten Viermächtekonferenz geraten ist. In der deutschen Presse ist mit aller Eindeutigkeit klargestellt worden, daß Oer polnische V-Zugunsall in Danzig vor Gericht. Oer Güterzugführer auf der V-Zug Lokomotive. - Oer eigentliche Schuldige die polnische Bahnverwaltung. weis für sie zu erbringen. Nein! Das Erschütternde an diesen Darlegungen Reventlows ist, daß er für keine. einzige seiner Behauptungen den Beweis schuldig bleibt. Hier kommt ihm seine große historische Kenntnis des Weltgeschehens zu Hilfe. Er steigt in die Jahrhunderte hinab und holt aus dem Keller der Vergessenheit alle jene Verbrechen hervor, deren sich England in seiner Ichsucht schuldig gemacht hat. Graf Reoentlow beschreibt, wie britische Seeoffiziere und Matrosen miteinander wetteiferten, die wehrlose Besatzung eines versenkten deutschen Kriegsschiffes zusammenzuschießen. Er enthüllt die Feigheit Englands, sich hinter der sonst so geschmähten Flagge kleiner neutraler Länder zu verstecken. Er beschreibt, wie England im Jahre 1911, als es galt, die Londoner Deklaration zu ratifizieren, bereits insgeheim entschlossen war, diesen internationalen Seerechtsvertrag im Ernstfall in keinem einzigen Punkte zu halten. Und er zieht immer wieder neue Beweise ans grelle Tageslicht dafür, wie England im Verlauf seiner Geschichte immer und grundsätzlich bemüht war, andere Völker für sich verbluten zu lassen. So steht England, so steht das englische System, nachdem man die letzte Seite des Buches „Wir erinnern uns..gelesen hat, hüllenlos vor uns. Und so sehr sich der eine oder der andere Leser der Reventlowschen Aufsätze vielleicht auch innerlich wehren mag, weil es ihm unmöglich erscheint, daß es eine Politik so hinterhältigen Charakter geben soll — es bleibt ihm bei den wahrheitsgetreuen Belegen Graf Reventlows zum Schluß nichts anderes übrig, als diesem deutschen Mahner auf der ganzen Linie zuzustimmen. Wenn Graf Reventlow seinem neuen Buch mit den einstmals geschriebenen Aufsätzen den Untertitel „Britenpolitik vor 25 Jahren und heute" gab, so wissen wir warum: Wir Deutsche sollen endlich lernen, aus der Geschichte die Folgerungen zu ziehen, die notwendig sind. Denn, so schreibt Graf Reoentlow, „Warum sollen sich die Engländer in Zukunft ändern?" Nichts spricht dafür! 'Um so mehr Gültigkeit hat aber damit der Satz, den Graf Reventlow in seinem Aufsatz über den britischen Vernichtungswillen ausspricht: „Die deutsche Zukunft kann nur gegen Großbritannien errungen werden!" Dr. Fr. Bubendey. King Hall für Herausgabe des Korridors. King Hall, der sich bereits mehrfach an das deutsche Volk heranzumachen suchte, um ihm seine politische Weisheit einzuimpfen, schreibt nicht erst seit heute und gestern Briefe. Wir wissen, daß er schon im vergangenen Jahr seiy Tagewerk damit ausfüllte, anderen Leuten seine politischen Meinungen vorzusetzen. King Hall ist sich aber nicht immer gleich geblieben. Sein Gesicht von heute unterscheidet sich von dem von gestern wie Tag und Nacht. Dafür können wir einen Auszug aus einem seiner Briefe anführen, der vom 7. Oktober 1938 stammt. Wohlgemerkt am 7. Oktober, also mitten in der militärischen Aktion zur Besetzung der sudeten- deutschen Gebiete, nahm er zur polnischen Frage Stellung und schrieb: „Die unanständige Hast, mit der der polnische Geier auf den hilflosen Leichnam seiner Beute niederstieß (gemeint ist der Raub des Olsa- Gebietes), bildet ein schmachvolles Blatt in der polnischen Geschichte, und wenn Herr Hitler plötzlich den polnischen Korridor in Besitz nehmen würde, könnte ich fast „Sieg- Heil" rufe n." King Hall schreibt in seinem Brief, daß alles, was er zum Ausdruck bringe, seiner lautersten Ueberzeugung entstamme. Wir müssen also annehmen, daß er damals ehrlich von der Notwendigkeit einer Rückgabe des ehemaligen preußischen Gebietes an das Reich überzeugt war. Wenn er jetzt die Partei Polens nimmt, dann muß entweder in seinem Innern eine höchst merkwürdige Wandlung vor sich gegangen sein, oder aber King Hall gehorcht den Befehlen einer höheren Londoner Stelle je nach deren außenpolitischen Zwecken. England fleiff den polen den Rücken. London, 18. Aug. (DNB. Funkspruch.) Times berichtet, daß der polnische Botschafter in London gestern einige letzte Punkte des englisch-polnischen Vertrags mit dem ständigen Unterstaatssekretär im Foreign Office, C a d o g a n , besprochen habe. Der Vertrag werde dann noch vor dem Vertrag mit der Türkei, bei dem es natürlich noch etwas mehr Arbeit gebe, alsbald unterzeichnet werden. Daily Telegraph entschuldigt die Tatsache, daß das englisch-polnische Bündnis bisher noch nicht unterzeichnet sei, mit der Arbeitsüberlastung der beiden Regierungen und der Notwendigkeit, daß die Frage der indirekt lebenswichtigen Interessen geklärt und in den französisch-polnischen Vertrag eingebaut werden müßte. Das Blatt glaubt, daß der endgültige Vertrag gegen Ende der nächsten Woche fertig sein werde. Daily Herald teilt mit, der Vertrug würde Definitionen über die Tatbestände enthalten, unter denen sich die Notwendigkeit des Beistandes ergebe. In diesen Definitionen werde es klar gemacht, daß „ein deutscher Coup in Danzig" (!) als eine Bedrohung der Unabhängigkeit Polens angesehen werde. Daily Expreß erklärt, daß die Engländer im Falle eines Angriffes auf Polens Unabhängigkeit „sofort und automatisch zu Hilfe kommen würden". Die beiden Mächte würden alle für notwendig gehaltene Unterstützung zu Lande, zu Wasser und in der Luft zur Verfügung stellen, sobald Polen um Hilfe ersuche. — Das Blatt verrät übrigens ebenso wenig wie die anderen Zeitungen, wie man sich in London eigentlich die auch den Herren Benesch und Schuschnigg wie dem Ne- gus nicht bekanntgewordene Hilfe für Polen zu Wasser, zu Lande und in der Luft praktisch vorstellt. Chamberlain unterbricht seine Serien. London, 18. August. (DNB. Funkspruch.) Ministerpräsident Chamberlain wird am Dienstag nächster Woche nach London zurückkehren und mit seinen Ministerkollegen die allgemeine internationale Lage besprechen. An den Besprechungen werden Außenminister Lord Halifax, Scha'tzkanzler Sir John Simon und Innen- minrfter Sir Samuel Hoare teilnehmen. Wie weiter verlautet, wird Chamberlain, falls keine unerwarteten Ereignisse eintreten, voraussichtlich nur kurze Zeit in London bleiben und sich dann zu seinem Ferienaufenthalt nach Schottland zurück- begeben. Gegen Ende des Monats wird Chamberlain einige Tage als Gast des Königspaares auf Schloß Balmoral verbringen. Danzig, 17. Aug. (DNB.) Die Große Strafkammer in Danzig klärte die Frage, wer die Eisenbahnkatastrophe am Himmelohrts tage in Danzig am Olivaer Tor ver- chuldet hat. Der Lokomotivführer des verunglückten V-Zuges, der polnische Staatsangehörige Paul Luszaj, war angeklagt, die Katastrophe fahrlässig herbeigeführt und dabei die Körperverletzung einer Reihe von Personen verursacht zu haben. Die Verhandlung ergab ein eindrucksvolles Bild von den höchst eigenartigen Zuständen bei der polnischen Eisenbahnverwaltung. Der Sachverständige Prof. Dr. de Jo n ge stellte est, daß der Angeklagte bis zu dem Unglückstage ioch nie einev-Zuglokomotive ge- ührt und daher auch bisher keine Vorsicht bei der Abgrenzung der Geschwindigkeit beobachtet hatte, da die Güterzüge fast immer unter der auch an gefährlichen Stellen vorgeschriebenen Höchst- aeschwindigkeit blieben. Luszaj hatte zudem keine Ahnung, wie die Hilfsmittel eines Lokomotiv- ührers, nämlich Fahrplanbuch uni> Anhang, zu verwerten feien. Der Sachverständige wies darauf hin, daß man gewöhnlich Lokomotivführer von Güterzügen erst nach längerer Tätigkeit als Personenzug- Lokomotivführer für O-Züge verwende, und auch dann lasse man diese Lokomotivführer auf unbekannten Strecken zunächst nur unter Aufsicht ahren. kr. O. R o m , 17. August. Die italienische Presse fordert zur Erhaltung des europäischen Friedens die Wiedergutmachung der gegenüber Deutschland und Italien begangenen Ungerechtigkeiten. Die Achsenmächte, so heißt es, seien in der Wahrung ihrer Rechte und Interessen solidarisch und entschlossen, loyal jene Probleme zu lösen, die Europa trennen und den Frieden bedrohen. Dagegen hätten die demokratischen Mächte keinen Versuch unternommen, die von Versailles geschaffenen Probleme zu regeln, sondern Frankreich und England suchten Deutschland und Italien seit 21 Jahren zu bevormunden. So müsse das Problem von Danzig nach Gerechtigkeit und der geographischen Wirklichkeit gelöst werden. Der „Corriere della Sera" betont, für Polen seien entscheidende Stunden gekommen. Es müsse einsehen, daß eskeinenande- ren Ausweg gebe,als sich mit Deutschland zu verständigen. Die Polen müßten auch zur Einsicht kommen, daß niemand ihre politischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen bedrohe. Wenn die Westmächte die Dinge auf die Spitze trieben, hätten sie die Verantwortung zu tragen. Das halbamtliche „Giornale d'Jtalia" stellt fest, Polen fahre fort, mit dem Feuer zu spielen und den Terror gegen die Deutschen zu verstärken. Die hinter Lebersültte Gefängnisse in Offgalizien. Warschau, 17. August. (Europapreß.) In Ostgalizien wurden wieder neue Haussuchungen und Verhaftungen in den ukrainischen Gebieten vorgenommen. Unter den Verhafteten befanden sich auch die leitenden Beamten einer ukrainischen Bank in Lemberg, denen der Vorwurf gemacht worden war, in den Räumen der Bank seien antipolnische Flugschriften hergestellt worden. Da sich diese Behauptung als falsch erwies, mußten die Bankbeamten wieder freigelassen werden. Die polnischen Gefängnisse in Ostgalizien sind überfüllt. Die Zahl der verhafteten Ukrainer beträgt über tausend. Unter ihnen befinden sich etwa siebzig griechisch-orthodoxe Priester. Da die Gefängnisse nicht zur Unterbringung aller Verhafteten ausreichten, mußte ein Teil von ihnen vorübergehend in einer leerstehenden Fabrik in Stryj untergebracht werden. Die Nachrichten der polnischen Presse über angebliche politische Verhandlungen zwischen polnischen und ukrainischen Stellen werden von dem in Lemberg erscheinenden ukrainischen Blatt „Dilo" in Abrede gestellt. Das Blatt erklärt, es hätten keine polnisch-ukranifchen Gespräche zwischen offiziellen Stellen zur Bereinigung des polnisch-ukrainischen Verhältnisses stattgefunden. Alle Anzeichen sprechen vielmehr dafür, daß sich die Polen durch diese Massenverhaftungen, die sich fast auf jedes größere Dorf erstrecken, Geiseln zu verschaffen suchen, die ihnen für den Fall einer entscheidenden Auseinandersetzung in der Ukraine den Rücken sichern sollen. HemmungsloseGroßmannssuchl Polen verteitt schon Bürgermeisterpostcn im deutschen Oberschlesien. Kattowitz, 17. Aug. (DNB.) Dem polnifchen Größenwahn kann es mit der Eroberung der angrenzenden deutschen Gebiete gar nicht schnell genug gehen. Er ist schon jetzt eifrig dabei, jene erstrebten Gebiete zu verteilen und „neu zu ordnen". Die Woiwodschaft Kattowitz hat bereits für alle Städte und Gemeinden Deutsch-Oberschlesiens kommissarische Bürgermeister bestimmt und Ernennungspapiere für diese namentlich ausgestellt. Für Oppeln soll z. B. ein Dr. Piechard (Kattowitz) als polnischer Bürgermeister vorgesehen werden. In Teschen wurden nachts Handzettel in polnischer Sprache angeschlagen mit der Aufschrift: „Wir kommen von Warschau nach Berlin und werden Hitler und seine Kumpane ausrotten." Aus einer zur Zeit in Posen verbreiteten Karte sind die Grenzen des zukünftigen Polen in vier Sprachen ausdrücklich mit dem Zusatz aufgezeichnet: „Das muß Polen sein." Auf dieser Karte werden als zu Polen gehörig bezeichnet: O st pommern mit Kolberg, die Grenzmark Posen-Westpreußen, Schlesien östlich der Oder einschließlich Breslau und Oppeln sowie ganz O st Preußen und Memel, Danzig und Litauen. Im übrigen feiert die Großmannssucht weiter ihre Triumphe in den Spalten der polnischen Presse. „Dobry Wieczor" erklärt, mit der Erweiterung der deutschen Forderungen auf Pomerellen solle das deutsche Volk anscheinend zum Kriege vor- Im übrigen ist die ru hohe Geschwindigkeit d i e einzige Ursache des Unglücks gewesen. Prof, de Jonge wies darauf hin, daß der Danziger Hauptbahnhof nur auf eine Durchfahrtsgeschwindigkeit von 45 km in der Stunde eingerichtet sei, und daß es ein großes Glück sei, daß sich nicht durch zu schnell fahrende polnische Zuge schon früher einmal eine Katastrophe ereignet habe. Der Sachverständige schloß mit der dringenden Warnung, endlich dafür Sorge zu tragen, daß mit diesem — von dem polnischen Rechtsanwalt übrigens offen zugegebenen — unhaltbaren Z u - stand aufgeräumt werde. Auch darin kommt unverantwortliche polnische Großmannssucht zum Ausdruck: Polnische Lokomotivführer lassen die V-Züge in halsbrecherischem Tempo über die Weichen des Danziger Hauptbahnhofes jagen, und die polnische Eisenbahnverwaltung unterstützt das noch, indem sie unausgebildetes Personal auf die 0-Zuglokomotiven setzt. Der Staatsanwatt beantragte gegen den Angeklagten aus den von dem Sachverständigen dargelegten Gründen nur eine Gefängnisstrafe von einem Jahr. Schuldig sei in erster Linie die frivol handelnde polnische Behörde. Das Gericht verurteilte den Angeklagten, der bei der Eisenbahnkatastrophe einen Arm verloren hat, zu einem Jahr Gefängnis. Polen stehenden Westmächte wollten Europa die Gesetze diktieren und den Achsenmächten Bedingungen stellen. Zahlreiche Politiker und Publizisten der Westmächte — unter ihnen Wilson, Lloyd George, General Smuts, Lord d'Abernon, Lord Rothermere und Marschall Fach haben sich einst gegen die in Versailles vorgenommene Gebietsverteilung in Osteuropa ausgesprochen und den polnischen Korridor als „das Pulverfaß Europas" oder als „die Ursache des nächsten Krieges" bezeichnet. Aber Clemenceau gäbe, so schreibt ..Giornale d'Jtalia" weiter, Polen als den Wachhund Frankreichs gegen Deutschland im Osten betrachtet. Wenn daher heute die Westmächte und die Vereinigten Staaten sich darauf versteifen würden, Klauseln des Versailler Diktats zu verteidigen, die sie früher selbst für ungerecht erklärt hätten, wenn sie Deutschland die Wiedergutmachung ihm zugefügten Unrechtes verweigerten, wenn sie den polnischen Chauvinismus gegen das weit stärkere Deutschland aufstachelten, dann bewiesen sie damit, daß sie Polen als Instrument ihrer Einkreisung spolitik benützten. In der Danziger Frage sähen sie nur einen Vorwand für die eigenen Angriffspläne. bereitet werden. Man halte es für nötig, vor feinen Augen das Bild der Gewinnung polnischer Butter und polnischen Weizens zu entrollen. Deutschland versuche heute besonders angesichts des bevorstehenden Parteitages mit Absicht, die Kriegsdrohungen zu verschärfen, um Europa zu schrecken und die verängstigten Völker nach einem neuen München zu führen. „Wieczor Warszawski", der gleichfalls von einer „wachsenden Derzweiflungsstimmung in Deutschland" faselt, versichert, daß Polen sich durch keine deutsche Provokation aus dem Gleichgewicht bringen lassen werde. „Polen kann sich nicht den Termin für irgendeine Auseinandersetzung von Deutschland aufzwingen lassen, sondern wird selbst über Zeit und Art seines Hervortretens auf der internationalen Arena entscheiden." Der Slovo bezieht seine starken Worte aus den Kreisen des englischen Bundesgenossen und weiß nicht recht anzugeben, wessen Standpunkt wohl Polen gegenüber unerschütterlicher ist, der Englands oder der Frankreichs. Das Blatt meint dann beruhigend, daß in Berchtesgaden eine Entscheidung bisher noch nicht gefallen fei, wenn auch die Chancen für Krieg oder Frieden 50 :50 stehen^ und wenn auch die diesjährigen Manöver ein größeres Ausmaß haben als im vergangenen Jahre. Korkanty oestorben. Warschau, 17. Aug. (Europapreß.) Der polnische Aufständischenführer Adalbert Korfanty ist im Alter von 65 Jahren am Donnerstagmorgen In einem Warschauer Sanatorium nach einer erfolglosen Leberoperation gestorben. Korfanty, der vor dem Kriege die polnische Minderheit im schlesischen Landtag und im Reichstag vertreten hatte, organisierte nach dem Kriege die drei oberschlesischen Auf ft ä nde und erzwang unter stiller Duldung der französischen und englischen Besatzungstruppen die Teilung Oberschlesiens, durch die 75 vom Hundert der wirtschaftlichen Werte an Polen fielen, obwohl die Abstimmung einen Zweidrittelsieg für Deutschland ergeben hatte. 1923 war er stellvertretender Ministerpräsident in der Regierung des linksradi- falen Bauernführers Witos, stieß aber bei Pilsudski auf eisige Ablehnung. In dem Machtkampf in der Wojewodschaft Schlesien unterlag er dem heutigen Wojewoden Grazynski. Bei den Wahlen im Jahre 1930 versuchte Korfanty an der Spitze der von ihm gegründeten Partei der Christlichen Demokraten mit Witos noch einmal feine Position zurückzuerobern. Doch ließ Pilsudski die Opposittonsführer in der Festung Brest-Litowsk für mehrere Monate gefangen setzen. Damit war die politische Laufbahn Korfantys beendet, der sich nun wirtschaftlichen Transaktionen in Oberschlesien zu- wandte. Diese brachten ihm aber eine Reihe von Korruptionsprozessen ein. Korfanty ging dann nach Prag: nach der Errichtung des Protektorats kehrte er über Paris nach Kattowitz zurück, wo er verhaftet wurde, aber bald feines Gesundheitszustandes wegen aus der Haft entlassen wurde. Ein ungarisch-rumänischer Grenzzwischenfall. Budapest, 17. Aug. (Europapreß.) Amtlich wird gemeldet: „Zwischen Mezögyam und Nagy- Szalonta ereignete sich ein Grenzzwischenfall. Fünf rumänische Gendarmen überschrit. ten die Grenze und drangen tief in ungarisches Gebiet ein. Sie begegneten drei ungarischen Gendarmen. Die Rumänen griffen die ungari- schen Gendarmen an, die in Notwehr das Feuer auf sie eröffnen mußten. Zwei Mann der rumänischen Patrouille sind schwer verletzt worden. Einer wurde gefangen genommen. Die übrigen flohen auf rumänisches Gebiet zurück." Aus Bukarest verlautet über diesen Grenz- Zwischenfall von amtlicher rumänischer Stelle: „Am Donnerstag hat sich bei Homorog (Olah-Homorog) ein Grenzzwischenfall ereignet. Eine rumänische Grenzwachpatrouille aus Ateiasul Nou soll bei den Weingärten von Homorog plötzlich aus dem Hinterhalt beschossen worden sein, wobei ein rumänischer Soldat auf der Stelle getötet wurde. Ein rumänischer Gefreiter soll Ba- jonettoerletzungen baoongetragen haben, die als ernst bezeichnet werden. Außerdem wird ein Sani- tätssoldat vermißt. An der Stelle, an der sich die Schießerei abgespielt hat, sollen mehrere Patronen- hülsen des ungarischen Modells 95 gefunden morgen sein." Oie Falklandinseln. Im Süden Argentiniens liegen die Falklandinseln, die heute britische Kronkolonie sind. Es handelt sich um eine reich gegliederte Inselgruppe, die rund 12 000 Quadratkilometer groß, aber nur von rund 2 250 Einwohnern besiedelt ist. Vergleichsweise sei gesagt, daß Thüringen etwa denselben Flächenraum barfteUt, aber van 1,7 Mil. Honen Menschen bewohnt wirb. Allein die Falklandinseln sind strategisch ungemein wichtig: zu- nächst einmal, weil sie die Schiffahrt um die Süd- spitze Argentiniens und Chiles, nämlich um das berüchtigte Kap Hoorn, beherrschen und bann, weil ber englischen Verwaltung ber Falklanbinseln auch das riesige west antarktische Gebiet untersteht, bas die Engländer für sich beanspruchen. Hier handelt es sich um die Gewässer und Land- flächen vom 50. Grad südlicher Breite bis zum Südpol. Dieses Gebiet führt den Namen „Falk- land Dependency" und umfaßt an antarktischem Landgebiet 3 Millionen Quadratkilometer. Die Argentinier selbst nennen die Falklandinseln bas englische Gibraltar in ihren Gewässern und vertreten den Anspruch, daß die Falklandinseln von Rechts wegen zu Argentinien gehören. Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Die Engländer hatten sich auf den Inseln festgesetzt, räumten sie aber im Jahre 1774 und anerkannten in einem Vertrag des Jahres 1790 ausdrücklich die spanische Oberhoheit über die Insel- gruppe. Als sich dann Argentinien selbständig er- klärte, nahm es die Rechte Spaniens über diese In- sein in Anspruch, besetzte sie 1820 und verwaltete sie ungestört, bis sich die Engländer 1833 mit nackter Gewalt dort festsetzten. 1936 gab die argentinische Regierung eine Briefmarke heraus, die die Falklandinseln als argentinischen Besitz zeichnerisch darstellten. Die englische Regierung protestierte. Aber das Parlament von Buenos Aires nahm eine Entschließung an, in der die argentinische Regierung zur Anmeldung ihrer Rechtsansprüche nachdrücklich aufgefordert wird. Die national-spanische Presse unterstreicht jetzt den Gibraltar-Charakter der Falklandinseln und verweist darauf, daß sich England feiner anderen „Gibraltars", wie Malta, Cypern, Singapur, Hongkong usw. in ähnlicher Weise bemächtigt habe. Aber wenn von Danzig als deutscher Stadt gesprochen wird, entrüstet sich bas fromme England. Französische Reklameflüge über England. London, 17. Aug. (Europapreß.) Die Oefsent- lichkeit Südenglands wurde am Donnerstagnachmittag von einem neuen Reklameflug französischer Bomben- und Jagdmaschinen überrascht. Der erste Flug hatte um Mitternacht, ber zweite in den frühen Morgenstunben des Donnerstag stattgefunden. Etwa 120 französische Bomben- und Aufklärungsmaschinen und 60 Jagdmaschinen nahmen an den Uebunqsflügen über England teil. Gegen Mittag wurden 120 französische Flugzeuge die englische Küste überfliegend und von hier aus Angriffsübungen auf verschiedene Ziele ausführend gesehen. Englische Flugzeuge suchten zusammen mit der Flakartillerie den Angriff im Rahmen dieser Hebungen abzuwehren. Die „Daily Mail" wirst die Frage auf, wie es kommen konnte, daß derjenige Teil der französischen Flieger, der die Ostküste bei Harwich überflog und bis nach Liverpool vordrang, unentdeckt bleiben konnte. Die amtliche Erklärung sei unbefriedigend. In ihr hatte es geheißen, in den betreffenden Luftübungsgebieten fei ber Bereitschaftsdienst schon um Mitternacht eingestellt worben. Die Abwehrformationen, verlangt das Blatt, müßten Tag und Nacht auf dem Posten fein. Der Preis der Sicherheit liege in ständiger Wachsamkeit. Ernennungen in Spanien. Burgos, 17. August. (DNB.) Ein Ministerrat unter dem Vorsitz des Caudillo ernannte zum Oberkommissar in Spanisch-Marokko General Asensio anstelle des jetzigen Außenministers Oberst Beig- beb er, zum Unterstaatssekretär ber Luftwaffe General Marron. Chef des Generalstabes der Luftwaffe wurde Oberstleutnant Gallar za, Chef der Luftakademie Oberstleutnant R u b i o. Zum Chef des ersten Wehrkreises wurde General Sili- q u e t ernannt, Chef des zweiten Wehrkreises wurde General Fidel Da villa, der bisher Kriegsminister war. Befehlshaber der Streitkräfte i" Marokko wurde General Pomte. Generalkonsul der Balearen wurde General Kindel an, der bisherige Befehlshaber der Luftwaffe. Chef des IX. Armeekorps wurde General Bautista Sauch e z. Chef des X. Armeekorps wurde General Kar- cia Valino. Der neue Oberkommissar von Marokko hat dort lange Jahre gedient und gilt als besonders guter Kenner der Verhältnisse unter den marokkanischen Truppen. Er ist sehr volkstümlich- Kleine politische Nachrichten. Reichsleiter Amann sprach als alter Regimentskamerad dem Führer auf dem Berghof persönlich seine Glückwünsche zum 25jährigen Soldatenjubiläum aus. Der Führer hat dem Reichsbeauftragten für das Winterhilfswerk, Hauptamtsleiter Erich 5) v* genfeldt, für feine Verdienste um die Durchfuhr rung des WHW. die Erste Stufe des Ehrenzeichens für deutsche Dolkspflege verliehen. Hauptamtsleiter Hilgenfeldt ist formt der Erste, dem diese Auszeichnung vom Führer verliehen wurde. Die Achsenmächte sind solidarisch, polen Instrument der Einkreisungspolitiker. Der Stellvertreter des Führers der NSDAP Rudolf Heß, besuchte das R ü ck w a n d e r e r h'e i m der AO. der NSDAP, in Prien am Chiemsee. Rudolf Heß betonte, daß er selbst als ehemaliger Auslandsdeutscher der Arbeit der AO. sein besonderes Interesse entgegenbringe. Die Heimkehrer aus aller Welt könnten sicher sein, daß Großdeutschland für sie sorgen werde. Großdeutschland könne alle Deutschen brauchen und habe für sie alle Möglichkeiten der Betätigung. * Mussolini hat den Chef des allgemeinen Generalstabes, Marschall Badoglio, empfangen. Nach der amtlichen Mitteilung wurden Militärsragen behandelt. * Der französische Botschafter in Rom Francois-Poncet ist am Donnerstagnachmittag aus Paris kommend nach Rom zurückgekehrt. Außenminister Graf Ciano empfing am Donnerstagnachmittag den englischen Botschafter Sir Percy Loraine. Die längere Unterhaltung galt der internationalen Lage und trug informativen Charakter. ♦ Der italienische Außenminister Graf Ciano wird sich am 19. August nach Albanien begeben, um Tirana und andere wichtige Orte zu besichtigen. Graf Ciano wird die im Gange befindlichen öffentlichen Arbeiten in Augenschein nehmen und weitere Bauten anordnen. * Der englische Politiker Winston Churchill ist nach seiner „Inspektionsreise" entlang der Magi- not-Linie nach Paris zurückgekehrt. ♦ Generalmajor von Richthofen, der letzte Kommandeur der „Legion Condor", ließ Reichsleiter Dr. Ley eine in der Staatlichen Porzellanmanufaktur hergestellte Erinnerungsgabe der „Legion Condor" für das Flaggschiff „Robert Ley" überreichen. Gleichzeitig dankte General von Richthofen Dr. Ley für die Rückführung der „Legion (Eonbor" mit einem Teil *der KdF.-Flotte. Die französische Botschaft in Spanien ist von der spanischen Regierung unterrichtet worden, daß demnächst sämtliche von den nationalspanischen Truppen während des Krieges gemachten französischen Militär- und Zivilgefan- oenen, die auf sowjetspanischer Seite gekämpst hatten, freigelassen würden. Nur die Gefangenen, die sich Verbrechen hätten zuschulden kommen lassen, würden von den spanischen Gerichten für Ihre Straftaten zur Verantwortung gezogen werden. Vorbildliche Kriegsopfersiedlungen. Von der NS.-Kriegsopferversoryung konnten bisher 10 0 0 0 Eigenheime für Kriegsbe- chädigte und Kriegerhinterbliebene erstellt werden, wobei die Kriegsopfer selbst kein Eigenkapital für das Eigenheim beizusteuern brauchen, weil die NSKOV. die Restfinanzierung übernimmt. Etwa sieben Millionen RM. hat die RSKOV. allein hierdurch den Kriegsopfern zuge- vendet. Die Kriegsopfersiedlungen werden in allen Reid)steilen errichtet, besonders in den Grenzbezir- !en. Sie sollen keine „Krüppelsiedlungen" sein; deshalb besteht jede NSKOV.-Siedlung zu 60 v. H. ms Kriegsbeschädigten und zu 40 v. H. aus Kameraden der Parteigliederungen oder alten, verdien- «n Parteigenossen, wie überhaupt die NSKOV. den Auftrag übernommen hat, neben ihren eigenen Kriegsopfersiedlungen auch die SA.-Dankopfer- »iedlung und Siedlungen der ff und des NSKK. gu erstellen. Jeder angesiedelte Frontkämpfer erhält Au feinem Eigenheim mit durchschnittlich drei Zim- r-nern und Diehstall gleichzeitig Die erforderliche Aus- sftattung an Geräten, Baumbestand, Düngemitteln fsowie an Vieh, außerdem ein Ferkel und sechs Hüh- mer. Für die nächsten Jahre hat sich die NSKOV. mach ein weiteres Bauprogramm vorgenommen, wo- Bbei neuerdings, um der Wohnungsnot abzuhelfen, meben den Eigenheimen auch Stockwerkswoh- mungen vorgesehen sind. Keine Llebertreibnng des Frauensports. Der Chef des Gesundheitswesens im Reichsinnen- ^uluisterium, Ministerialdirektor ^-Brigadeführer Dr. Gütt, schildert in der NS.-Landpost die Be- Leutung der Leibesübungen auch für die länd- ll i ch e Bevölkerung. Was uns not tue, feien m? ch t Sportsensationen um der Sensation willen, sondern Leibesübungen des g e - enDolkes, um feine körperliche Leistungsfähigkeit zu fteiaern und so vorbeugende G e ° I u nJp '1.? 9 € Zu treiben. Insbesondere n>enöet sich Dr. Gütt auch gegen eine Uebertreibung [ Sraä.enfP°r^5- Nicht iede Sportart eigne uct) für grauen, denn die inneren Organe der Frau >elen geaen allzu starke Erschütterungen empfind- lir'j. 0 k ® leicht Schädigungen und Beschwerden aller Art eintreten könnten Insbesondre seien es gewisse Geräteübungen, Uebertreibun- l.eu bei anderen Sportarten und Spitzenleistungen, ne Schädigungen Hervorrufen könnten, die qeaebe- lenfalls Frauen körperlich oder seelisch für ihren Trauen- und Mutterberuf ungeeignet machen könn- TN. Besonders im lugendlichen Alter sollte ''arum dem Sportarzt in Mädchenschulen lin erheblicher Einfluß eingeräumt werden Eine so Msgesaßte Korperertuchtigung trage auch zur Stär- Lmg des Charakters und Willens bei und werde t-J einer kulturellen Tat, einem Mittel der sittlichen (rziehung und Rassenpflege. Schießübungen der Wehrmacht. Für das Zusammenarbeiten der Wehrmacht und fcr Polizeibehörden bei Schießübungen sind zwi- fc)en dem Oberkommando der Wehrmacht und dem i.eichsinnenministerium Besttmmungen vereinbart niorben. Danach wird bei beabsichtigten Schieß- ünungen der für das gefährdete Gebiet zuständige 5aegierungspräfibent, in den außerpreußischen Län- d- rn die entsprechende Dienststelle, benachrichtigt, insbesondere wird dabei der Bereich des abzusper- t mben Gebiets geklärt. Da die Umgebung der Usdungsplätze der Luftwaffe meist nur zu einem feinen Teil reichseigen, aber fortlaufend durch Schießübungen gefährdet fein kann, ist in solchen ^llen die Sperrung des gefährdeten Gebietes für leben größeren Zeitraum zu beantragen. Die Kom- irnnbanturen müssen jedoch dann das Gelände für stimmte Stunden ober Tage so freigeben, baß Vs notwendige wirtschaftliche Nutzung bes gesperr- Itn Gebietes durchgeführt werben kann. Der Re- xsrungspräsibent hat im übrigen die in Betracht Die: \ix: ehrmacht gratuliert dem Führer. ■■■ ■ ■ Anläßlich ber 25. Wiederkehr des Tages, an dem der Führer als Kriegsfreiwilliger in das 16. Bayerische Reserve-Jnfanterie-Regirnent eintrat, kam eine Abordnung des Infanterie-Regiments 19 (München), bas bie Trabition bes Infanterie-Regiments List fortführt, auf ben Obersalzberg, um bem Führer eine Glückwunschabresse zu überreichen. Unser Bilb zeigt links vom Führer ben Kommanbeur bes Regiments Oberst Zorn und rechts von ihm Oberleutnant E u e n, ferner Hauptfeldwebel Pirngruber (ganz links) und Gefreiter Reichenberger (Zweiter von rechts). — (Preffe-Jlluftrationen-Hoffmann-M.) Die Reichsbahn für Nürnberg gerüstet. lieber 500 Sonderzüge. — 1,3 Millionen Personen müssen befördert werden. Berlin, 17. Aug. (DNB.) Alljährlich, wenn sich die Bewegung zu ihrer Heerschau in Nürnberg rüstet, beginnt auch für bie Reichsbahn eine Zeit höchster Inanspruchnahme. Fast eine halbe Million parteiamtlicher Teilnehmer müssen aus allen Teilen des Reiches innerhalb weniger Tage und recht- e nach Nürnberg und nach Beendigung ber lärsche planmäßig roieber in die Heimat befördert werben. Dafür werben auch in diesem Jahre wieder 500 Sonderzüge auf den sechs Zugangsstrecken in den Knoten Nürnberg hineinlaufen und hier neben bem Regelverkehr entladen. Ebenso groß ist die Zahl der Sonderzüge für den Abtransport der Teilnehmermassen. Daneben ist eine beträchtliche Zahl von Wehrmachtszügen vorbereitet. Zu befördern sind ferner bie Sonder- züge des Führers, ber Ehrengäste und ber Diplomaten. Nicht vergessen werben bür f en bie zahlreichen Pendelzüge, die zum Heranbringen der Teilnehmer, die in und um Nürnberg untergebracht sind, zu ben großen Veranstaltungen eingesetzt werden müssen. Da jedoch die Bahnhöfe der Stadt Nürnberg nicht ausreichen, um die entladenen Züge bis zu ihrer Wieberverwendung für bie Rückfahrt aufzunehmen, müssen über 1000 Leerzüge gefahren roerben nach Abstellbahnhöfen, die bis zu 350 Kilometer von Nürnberg entfernt liegen, wie Frankfurt a. M., Lindau, Rosenheim, Passau usw. Zu ben in allen Einzelheiten vorbereiteten Transporten kommen die zahlreichen Einzelteilnehmer und „Schlachtenbummler", die bie planmäßigen Züge des allgemeinen Verkehrs benutzen. Ihre Zahl ist im voraus schwer zu bestimmen. Es ist jedoch Vorsorge getroffen, baß bie planmäßigen Züge bis zum Aeußer- ften verstärkt werben. Daneben werden noch rund 100 Vor- und Nachzüge eingesetzt werden. Rechnet man alle biese Leistungen zusammen, so wird sich bie Gesamtzahl ber zu beförbernben Personen auf 1,2 bis 1,3 Millionen stellen. Für bie reibungslose Bewältigung dieser Verkehre sind alle Einzelmaßnahmen vorbereitet. Bauliche Verbesserungen ber Strecken und' Bahnhöfe finb burch- geführt worben, die Fahrpläne erstellt, bie Dienste für die Zugbegleiter genau geregelt, ihre Verstärkung aus weniger in Anspruch genommenen Bezirken in bie Wege geleitet. Lokomotiven werben aus bem ganzen Reichsgebiet zugeführt werben. Da augenblicklich bie Personenwagen etwas knapp geworben finb (feber verfügbare Wagen ist eingesetzt), mußte aufs sparsamste bisponiert werden. Bei ben oorbereitenben Maßnahmen ist ber Güterverkehr besonbers sorgfältig behanbelt worben. Das Gebiet um Nürnberg wirb, soweit möglich, von Güterzügen freigehalten werben. Durch Umleitungen der Güterzüge wirb bies ermöglicht werben. Für Nürnberg selbst wirb bie Annahme ber Güter beschränkt werben, nachbem sich die Empfänger auf Veranlassung ber Reichsbahn in ben vergangenen Monaten nach Möglichkeit schon mit Vorräten eingebeckt haben. kommenben Verwaltungsbehörben von ben Schießübungen zu benachrichtigen unb bie Kreispolizei- Behörbe zu beauftragen, die Schießübung jeweils unter genauer Angabe bes Tages, ber Stunbe und bes Ortes sowie ber Gefahrenzone in ben Tageszeitungen bekanntzugeben. Den ßanbräten ist hinsichtlich ber Benachrichtigung ber Ortspolizei Weisung zu erteilen. Die Absperrung bes gefährdeten Geländes erfolgt durch die Truppe. Oie Leistungssteigerung im Bergbau. Eine Aufgabe der Menschenführung. Nürnberg, 15. August. (DNB.) Acht Tage noch ber Ernennung bes Reichsamtsleiters Walter zum Beauftragten für ben Kohlenbergbau hielt das „Fachamt Bergbau in ber DAF." in Nürnberg eine Sondertagung ab, auf ber ber Leiter des Fachamtes „Bergbau in der DAF." Gauobmann Stein eine übersichtliche Darstellung ber Lage bes beut- schen Bergbaues gab. Nach ihm zeigte der Beauftragte Walter die Wege zur Steigerung ber Förberung im Bergbau. Das Hauptaugenmerk werde er gemäß feiner bisherigen Tätigkeit in der Deutschen Arbeitsfront der Frage ber Menschci- führung wibmen. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley erklärte bann: Auch im Bergbau werbe bart bie beste Wirtschaftlichkeit erzielt werben, wo die beste sozial-politische Arbeit geleistet werde. Durch bie neue Sozialpolitik seien neue Schätze gegeben worben, unb aus ben revolutionären Maßnahmen sei auch bie Wirtschaft neu gewachsen. Zwei Millionen ehrenamtliche Mitarbeiter ber DAF. ftünben zum Einsatz bereit. Gerade der Westwall und bie Fülle ber Schwierigkeiten, bie dort zu überminben waren, seien auch eine Feuerprobe für bie DAF. gewesen. Oie Beitragsnachentrichtung zur Handwerker-Altersversorgung. Das Altersversorgungsgesetz gibt bem Hanb- werker bas Recht, Beiträge für bie Zeit, m ber er felbftänbig gewesen ist, frühestens für die Zeit feit bem 1. Januar 1924, zur Angestelltenversiche- runq nachzuentrichten. Der Reichsstand bes beutschen Hanbwerks gibt hierzu bekannt, baß bie erwähnte Frist zu beachten ist unb baß Beitrage nur für eine Zeit nachentrichtet werben dürfen in ber der Hanb- werker s e I b ft ä n b i g war. Auch dürfen bie Beiträge nur bis zum, 31, Dezember 1941 nachentrichtet werben; sie können nicht mehr entrichtet werben, wenn ber Hanbwerker das 6 0. Lebensjahr vollenbet hat ober berufsunfähig ist. Ebenso burfen nach seinem Tobe keine Beiträge mehr zur Erlangung von Hinterbliebenenrente geleistet werben. Endlich sind Hanbwerker, bie auf Grund eines abgeschlossenen Lebensoersicherungsoertrages bie Dersicherungsfrei- heit geltenb machen, nicht berechtigt, Beitrage nachzuentrichten. Mr leistungsfähiges Saatgut. Die Versorgung ber Lcmbwirtschaft mit bestem Saatgut leistungsfähiger Sorten erfordert ein enges Zusammenarbeiten der wissenschaftlichen Institute mit den privaten Pflanzenzüchtern. Wie das Reichsernährungsministerium bekanntgibt, muß bie Abgabe von Pflanzenzuchtmaterial ber lanbwirtschaft- lichen, wissenschaftlichen Institute an private Züchter und Züchtergruppen nach bestimmten Richtlinien erfolgen. Neu Züchtungen werben über ben Reichsverba nb ber Pflanzenzucht als Vermittler unb Treuhänber an einzelne Züchter oder Züchtergruppen abgegeben. Der Reichsverband legt im Benehmen mit bem betreffenden Institutsleiter geeignete Vorschläge einem Ausschuß vor, ber über bie weitere Verwenbung ber Züchtung unb bie Bedingungen ihrer Abgabe entscheidet. Für bie Abgabe von Neuzüchtungen ist als Ent- schäbigung entweder eine einmalige Abfinbung ober eine Lizenz vom Saatgutumsatz ber Neuzüchtung festzusetzen. Aus aller Welt. Schwerverbrecher ermordet drei Kriminalbeamte. DNB. Linz, 17. August. Der furchtbaren Bluttat eines Schwerverbrechers, ber vermutlich auch einen Bankbeamten in Garmisch-Partenkirchen ermorbet hat, fielen am Donnerstagvormittag zwei Kriminalbeamte in Linz zum Opfer. Nachforschungen nach bem Täter, ber am 2. August in Garmisch-Partenkirchen einen Bankbeamten umgebracht hat, fiel ber Verbacht auf einen angeblichen Kurt Reese aus Flensburg. Dieser ist mit 7 Jahren Zuchthaus vorbestraft unb suchte häufig, in Linz, ohne sich polizeilich zu melden, Unterschlupf. Zwei Kriminalbeamte drangen überraschend in das Gastzimmer ein, in dem Reese bei einem Freunde wohnte. Obwohl Reese seiner Verhaftung Widerstand entgegensetzte, gelang es den Beamten zunächst, ihn niederzuringen. Dann aber vermochte Reese einen Arm freizubekommen unb blitzschneI fünf Schüsse auf bie Beamten abzufeuern. Der Kriminalbeamte Manzenreiter war auf ber Stelle tot. Der Beamte Donner vermochte bem flüchtenden Täter zu folgen, bann aber brach er durch einen Brustschuß schwer verletzt zusammen. Er wurde in bas Krankenhaus gebracht, wo er kurz darauf starb. Der Schwerverbrecher ermordete wenige Stunden darauf bei Ottensheim in Dberbonau einen dritten Beamten. Der Gendarm Schwab bemerkte in ber Nähe der Ortschaft einen Mann, ber zweifellos mit bem Mörber von Linz ibentisch war. Er hielt ihn an, boch zog ber Verbrecher blitzschnell eine Pistole unb schoß ben Gendarm kurzerhand nieder. Dann bemächtigte er sich des Motorrades des Getöteten und floh in der Richtung donauaufwärts. Die Behörden glauben, baß man es tatsächlich mit bem Mörber von Garmisch zu tun hat. — Der Gauleiter von Dberbonau (Ei grub er hat an alle ©lieberungen ben Auftrag erteilt, sich in ben Dienst ber Verfolgung bes Verbrechers zu stellen. Äammermufifabenb auf Schloß Leopoldskron. Auf Schloß Leopoldskron bei Salzburg veranstalteten ber Reichsminister bes Innern, Dr. Frick, unb Frau aus Anlaß ber Salzburger Festspiele einen Kammermusikabenb. Kammersängerin Emmy Leisner sang, begleitet von Professor Michael Rauch eisen, Lieber von Brahms unb Schubert. Das Stoß-Quartett (Professor Wilh. Stoß, Franz Schmibtner, Professor Hürtl unb Professor Grümmer) spielten Mozarts Klavierkonzert in Es-dur unb bas Streichquartet in d-moll von Schubert. Der Bläserchor ber Wiener Philharmoniker leitete zu bem Empfang über, zu bem Minister Frick unb feine Gattin im Anschluß an bas Konzert eingelaben hatten. Der Veranstaltung wohnte ber ungarische Außenminister Graf Csaky bei. In feiner Begleitung befanb sich ber ungarische Gesanbte Sztojay. Mit Reichsminister S e y ß- In q u ar t, Reichsleiter Fi e hier, Staatsminister Meißner, bem bayerischen Mini- fterpräfibenten Siebert unb bem Salzburger Gauleiter Dr. Rainer mit ihren Damen waren zahlreiche Gäste erschienen. 3n(ernalionale Bereinigung für Tierzucht wird gegründet. Der Vierte Internationale Tierzuchtkongreß, an dem mehrere hundert wissenschaftliche und praktische Tierzüchter aus aller Welt teilnahmen, fand dieser Tage in Zürich seinen Abschluß. Der Kongreß, der im Zeichen bester zwischenstaatlicher fachlicher Gemeinschaftsarbeit stand, hat bie Grünbung einer internationalen Vereinigung für Tierzucht beschlossen. Die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde, die feit 1905 bie Verwirklichung des Gedankens einer internationalen Vereinigung auf dem Gebiete ber Tierzucht betrieben hat, wurde mit den vorbereitenden Arbeiten beauftragt. — Der Fünfte Internationale Kongreß wird 1942 in Rom stattfinden. Altveteranentreffen in Bad Lms. Wie alljährlich findet vom 26. August bis 4. Sep tember in Bad Ems auf Einladung des Reichskrie gerführers, General Reinhard, ein Reichs, treffen ber Altveteranen aus ben Eini> gungsfriegen statt. Im Rahmen biefes Altveteranentreffens wirb am 2. September in Kochern an bei Mosel eine Sedan-Feier veranstaltet. Von Jahr zu Jahr wirb bie Zahl ber Mitkämpfer aus der Einigungskriegen kleiner. Sie haben bereits die Schwelle des 90. Lebensjahres überschritten. Während im vorigen Jahr noch rund 8000 Altveteranen lebten, sind es in diesem Jahr nur noch etwa 4000. Die Altveteranen werden in ihrer engeren Heimat von den Kriegerkameradschaften des NS.-Reichs- kriegerbundes betreut. Neuer Dorstoß zum Jtanga parbaf. Wie die „Münchener Zeitung" meldet, hat die Deutsche Himalaja-Sttftung v'on dem Expebitions- leiter ber beutschen Nanga-Parbat-Kunb- fahrt 1939, Peter Aufschnei ter, die überraschende Mitteilung erhalten, baß bie Expebition, die ihre Tätigkeit am Nanga Parbat bereits abgebrochen hatte unb zu Tal gestiegen war, erneut gegen den Berg vorgestoßen ist. Neue argentinische Universität. In Gegenwart des Dizepräsibenten ber Republik mürbe in Mendoza, ber Hauptstabt ber gleichnamigen Provinz an ber Chilegrenze, bie neue Cuyo-Universität eingeweiht. Die neue Hochschule soll ben wissenschaftlichen Nachwuchs in ben Provinzen ber Anbengebiete fördern. Damit hat sich die bisherige Zahl der argenttnischen Universitäten auf f e ch s erhöht. 3n 3dstein wird gefilmt! Für den neuen Tobis-Film „Im Rebeloch rumort’s" werben bie Hauptszenen in Idstein gedreht. Die Kameramänner trafen dieser Tage mit einem größeren Stab in Idstein ein, um mit ben Vorbereitungen für bie Aufnahmen zu beginnen. Für bie Aufnahmen werben auch eine ganze Anzahl Mitwirkenbe aus ber Bevölkerung benötigt. Der Tod in den Bergen. In Gletsch (Kanton Wallis) vermißte man seit mehreren Tagen ben Hotelgast Hermann Hilde- branb aus Mannheim. Die Nachforschungen blieben zunächst erfolglos. Jetzt entdeckte nun eine Suchkolonne bie Leiche bes Hilbebranb am kleinen Sie- belhorn, bas sonst als nicht sehr gefährlich gilt. Hilbebranb muß sich im Nebel verstiegen haben und bann abgestürzt sein. Unwetter in den Dolomiten. In den Dolomiten gingen neue schwere Unwetter nieder. Erdrutsche hatten zwischen Klausen und Brixen bie Brennerstraße an sieben Stellen unterbrochen, boch konnte mit einem Aufgebot von Truppen ber Verkehr wieder hergestellt werben. Im Funestal hat der gleichnamige Fluß eine Zementbrücke weggerissen, wobei ein junger Mann ertrank. Die Straße nach Tiers ist an acht Stellen verschüttet worden. Auch im Sarntal verursachte bas Unwetter eine längere Verkehrsunterbrechung. Schweres Unwetter über Neuyork. lieber Neuyork gingen schwere Wolkenbrüche nieder, die besonders im Stadtteil Queens großen Schaden anrichteten. Der gesamte Verkehr war hier lahmgelegt. In die Untergrundbahn drang das Wasser mit derartiger Gewalt ein, daß vier Stationen zwei Stunden lang den Verkehr einstellen mußten und 13 Züge auf ber Strecke liegen blieben. Das Unwetter brachte auch eine Mauer zum Einsturz, die mehrere Menschen unter sich begrub, von denen einer getötet wurde. Schweres Lasiaulounglück in Marokko. In ber Nähe von Azrou (Französisch-Marokko) ereignete sich ein schwerer Unfall. Ein Lastkraftwagen, der mit sieben Personen besetzt war, stürzte auf abschüssiger Straße infolge Versagen ber Bremsen in ben Abgrund. Vier ber Mitfahrenden würben getötet, bie übrigen brei schwerer verletzt. Hebet eine kartoffelschale zu Tobe gestürzt. In B r e i t s ch e i b (Eifel) wollte eine junge Frau an ber Beerdigung einer Bekannten teilnehmen. Sie begab sich nach ber Versorgung ihrer brei kleinen Kinber in bas Schlafzimmer, um sich umzuziehen. Hier rutschte sie auf einer am Baben lie- genben Kartoffelschale aus unb fiel so unglücklich auf einen Stuhl, daß sie bas Genick brach. Ihre Mutter fanb sie kurze Zeit später tot im Schlafzimmer auf. Gesegneter Schlaf. Während eines schweren Gewitters, bas über Sübmähren nieberging, schlug ber Blitz auch in bas Pfarrhaus von Lodenitz, Kreis Nikolsburg, ein, bas er in Branb fetzte. Glücklicherweise würbe bas Feuer von ben durch ben heftigen Donnerschlag aus dem Schlaf geweckten Nachbarn bald bemerkt, so daß sie die Feuerwehr rufen konnten, die rasch zu Hilfe eilte. Als sie aber zum Psarrhof kam, öffnete den Wehrmännern niemand das Tor, weil die Insassen des brennenden Hauses noch f e st sch l i e f e n. Sie mußten erst geweckt werden, bevor die Löschaktion beginnen konnte. Die größte Stadt der Welt. Eben wird bekanntgege5en, daß London 8 650 000 Einwohner zählt und damit vor N e u - york mit 7 000 000 Einwohnern noch immer den Vorrang als größte Stadt der Welt behauptet. In London wohnt rund ein Fünftel der Gesamtzahl aller Einwohner Englands, was sicherlich ein recht ungesundes Verhältnis ist. Noch schlimmer ist es, wenn die Zahl der Engländer in Großstädten mit über 100 000 Einwohnern verglichen wird mit der entsprechenden Zahl von Deutschen in Großstädten, natürlich immer nur im Verhältnis zur Gesamteinwohnerzahl des Landes. In den letzten Jahren stellt der Luftschutz einer solchen Riesenstadt wie London besondere Probleme, die um so empfindlicher sind, als die Breite der Straßen nach Maßstäben bestimmt sind, die 100 oder 70 Jahre alt sind. Das eigentliche Gefchäftsviertel von London, die City, hat nur knapp 14000 ständige Einwohner. Aber auch „London" im gewöhnlichen Sprachgebrauch stellt- keinen einheitlichen Begriff dar. Die eigentliche Grafschaft London zählt nur 4,5, der PolizeibezirkLondon oder „Groß-London" dagegen die erwähnten 8,65 Millionen Einwohner. Infolge des Dorwiegens des Einfamilienwohnhauses kommen nur 7 bis 8 Personen auf das Haus. — Als Kuriosum wird angeführt, daß es 1936 im örtlichen Stadtbezirk von London .loch 36 Kuhställe mit etwa 150 Kühen gab. 121 Menschen lebten im Stadtgebiet von der Landwirtschaft. Es gab auch noch 13 Pferdedroschken. Ein rüstiger Trompeter. In den Reihen des Oelberger Jnstrumentalvereins, des ältesten und berühmtesten bergischen Liebhaber- Orchesters, gegründet 1812 als Musikalische Akademie zu Burscheid, beging der Trompeter Hugo Müller ein überaus seltenes Jubiläum. Rund 65 Jahre sind vergangen, seit Müller als Trompeter in die Reihen des weit über die Grenzen des Bergischen Landes hinaus bekannten Orchesters eintrat. Und heute noch bläst der 81jährige in alter Frische sein Instrument, das ihm ein kostbarer Besitz geworden ist. Die nützlichen Mäuse. Eine merkwürdige Diebsgeschichte wird aus Mosigkau bei Dessau gemeldet. Dort wurden einem Bauern nachts einige Sack frischgedroschenen Getreides gestohlen. Während sonst die Mäuse im allgemeinen zu den Schädlingen gehören, so waren sie diesmal nützlich genug, die Diebe zu stellen. Die Mäuse nämlich hatten Löcher in einen der Säcke genagt. Das weitere kann man sich denken. Beim Abtransport der Säcke krümelte Getreide heraus und zeichnete den Weg der Diebe genau nach, und so konnte der Verbleib des Getreides rasch festgestellt werden. Die Diebe werden sich bald vor dem Strafrichter verantworten müssen. Sechs Todesopfer tollwütiger Hunde in Bosnien. In Bosnien sind im letzten Monat sechs Personen am Biß toller Hunde gestorben. Der letzte Fall war der des Bauern Risto Kozitsch, der durch den Biß eines tollen Hundes selbst tobsüchtig geworden ist und nur mit schwerer Mühe von sechs Wachmännern überwältigt und ins Krankenhaus gebracht werden konnte. Dort starb er unter größten Qualen. Durch den Biß toller Hunde wurde auch Hausvieh von Tollwut erfaßt und mußte getötet werden. Dolfplage in Lettland. In einigen Gegenden Lettlarcks sind die Wölfe wieder zudringlicher geworden. Ein Dauer, dem sie bereits ein Fohlen gerissen hatten, kam gerade zurecht in den Stall, wo eben ein Schaf von einem Wolf weggeschleppt wurde. Es gelang dem Verfolger, den Räuber einzüholen, der seine Beute fallen ließ und das Weite suchte. Das Schaf war jedoch bereits versendet. Nun haben sich die Bauern der Gegend züsammengeschlossen; sie veranstalten regelrechte Feldzüge gegen die Wölfe. Büchertisch. — Conan Doyle: Das getupfte Band. (7. Band der Sherlock-Holmes-Serie.) 195 S. Kart. 2 RM., Leinen 3 RM. Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. — (113) — Sherlock Holmes gehört zu den unvergänglichen Gestalten der Literatur. Der Gedanke, Conan Doyles Sherlock-Holmes-Bücher in Neuausgaben einer'breiten Leserschaft zugänglich zu machen, kam einem Bedürfnis entgegen. „Das getupfte Band" verrät in besonderem Maße die erzählerische Raffinesse des Engländers: klar durchdachte Fälle, geheimnisvolle Milieuschilderungen, immer neue Spannungsreize. — Reiseland Württemberg. Herausgegeben von Adolf Mauer. 120 Seiten mit 92 Photos, 8 farbigen Tafeln und einer bunten Landkarte. Großformat. Halbleinen 3,70 RM. Verlag Knorr & Hirth, München. — (217) — Das Reiseland Württemberg ist der vielgerühmte Schwarzwald, der Bodensee mit seinen lieblichen Dörfern und Städtchen am Ufer, die Donau, die Schwäbische Alb, das Paradies der Wanderer. Es ist auch das Neckartal mit seinen weltberühmten Städten der Arbeit, mit seinen Rebhängen' und Weindörfern. Es sind die gesunden, fleißigen, geschäftlich wie industriell bedeutsamen Städte und Dörfer, die bekannten Luftkurorte und Bäder, an deren Spitze das herrlich gelegene Stuttgart, die Stadt der Ausländsdeutschen. Und dazu gehört der schwäbische Mensch, der diese gesegnete Erde bewohnt, die Deutschland und der Welt Kepler, Schiller, Hölderlin, Mörike, Zeppelin und viele andere große Denker, Dichter und Erfinder geschenkt hat. Rund 100 Photos und farbige Kunstblätter und eine bunte Landkarte zeigen all diese mannigfachen Schönheiten in herrlichen Bildern. Schwäbische Dichter kommen gebührend zu Wort. Alles in allem ein verführerisches Reisebuch. Zeitschriften. — Die neueste Nummer der Leipziger Jllu- strirten Zeitung wird durch einen Beitrag von Dr. Johannes Stoye „Deutschland—Südosteuropa" eingeleitet. Eine Statistik unterrichtet genau über die Wirtschaftsbeziehungen Großdeutschlands zum Donauraum. Prächtige Farbaufnahmen zeigen die malerische Schönheit Jugoslawiens als lockenden Reiselandes. Ein Beitrag von dem Generalsekretär des in Berlin stattfindenden VI. Internationalen Archäologen-Kongresses Dr. Max Wegener berichtet über „Die neuen Forschungen deutscher Archäologen". Ein interessanter bebilderter Artikel des bekannten Tierfreundes und Erzählers Paul Eipper schildert eine „Filmpirsch auf Gemsen". Die Partei jenseits der Memel. Ein halbes Jahr Aufbau. - Oie Organisation steht. Als im Frühjahr dieses Jahres für unsere deutschen Brüder jenseits der Memel die Befreiungsstunde schlug und der Führer an der Spitze seiner Soldaten dieses kerndeutsche Land heimholte ins Reich, da war ein langjähriges Sehnen dieser deutschen Menschen in Erfüllung gegangen. Die Hoffnung, wieder mit dem Mutterlande vereint zu werden, war gerade in den letzten Jahren ständig größer geworden. Mit stolzer Freude verfolgten die Me-meldeutschen den gewaltigen Ausstieg Großdeutschlands unter der Führung Adolf Hitlers. Das besondere Interesse der Memeldeutschen galt in dieser Zeit naturgemäß mit in erster Linie der von Adolf Hitler geschaffenen Partei und ihren Gliederungen. Mit ihnen sich vertraut zu machen, sah jeder als eine Ehrenpflicht an. Wenn fie auch wußten, daß es ihnen unter fremder Herrschaft niemals erlaubt war, der Bewegung zu dienen, so konnte ihnen doch niemand verwehren, sich das notwendige innere Rüstzeug zuzulegen. Noch wenige Wochen vor der Heimführung des Memellandes ins Reich erhielten diese deutschen Menschen einen für sie erschütternden und zugleich beglückenden Beweis von der Hilfsbereitschaft des Nationalsozialismus. Eine große Kolonne von Lastkraftwagen des Winterhilfswerkes, bis zum letzten Platz beladen mit Lebensmitteln und Kleidungsstücken, brachte Freude in viele tausend Familien, denen es am Nötigsten fehlte. So war es kein Wunder, daß, nachdem die Befreiungsstunde geschlagen hatte, der Aufbau der Partei und ihrer Gliederungen mit Riesenschritten vorwärts ging. Bereits in den ersten Tagen kamen Tausende und aber Tausende, um sich für den freiwilligen Dienst in der Bewegung des Führers zu melden und damit ihren Dank abzustatten für das, was Adolf Hitler für sie getan hatte. Die organisatorische Entwicklung der Partei sah die drei Kreise Memel-Stadt, Memel-Land und Heydekrug vor, die zum Gau Ostpreußen der NSDAP, aehören. Die Arbeit, die in diesen drei neuen Kreisen bereits geleistet, worden ist, hat gezeigt, wie tief das Ideengut des Nationalsozialismus hier schon verankert war. Es war für die vielen hundert Politischen Leiter, die hier, auf vorgeschobenem Posten, ihre Pflicht tun, ein Ehrentag, als sie am Geburtstag des Führers feierlich vereidigt wurden. Zur Zeit werden in den drei Kreisen des ehemaligen Memellandes alle Vorbereitungen für den Reichsparteitag getroffen, an dem selbstverständlich nicht nur die Politischen Leiter, sondern auch Angehörige der SA., ff usw. teilnehmen werden. Die SA., die am 23. März 1939, dem Tage, da Adolf Hitler nach Memel tarn, gegründet worden ist, hatte ihren Vorläufer in dem Memelländischen Sicherheitsdienst, der zu Beginn dieses Jahres aufgezogen worden war. Heute zählt die SA. bereits über 5000 Angehörige. Die ff entstand aus dem Memeldeutschen Ordnungsdienst, der im November des vergangenen Jahres von dem Führer des Memeldeutschtums, ^-Oberführer Dr. Neumann, ins Leben gerufen worden war. Die Arbeit, die Dr. Neumann hier unter den schwierigsten Verhältnissen leistete, hat sich glänzend bewährt und reiche Früchte getragen. So war es möglich, daß die Gründung der ff schnell und ohne Schwierigkeiten bewerkstelligt werden konnte. Auch der Aufbau des NSKK. vollzog sich glatt und reibungslos. Korpsführer Hühnlein konnte sich vor geraumer Zeit persönlich davon überzeugen, daß diese Gliederung der Bewegung restlos ihren Mann steht. Das NSFK. hatte seine Grundlage in dem ebenfalls von Dr. Neumann gegründeten Segelfliegerverein. Es verfügt jetzt schon über mehrere Segelflugzeuge, mit denen oft geübt wird. Besonders hervorgehoben zu werden verdient auch die selbstlose Arbeit der NS.-Frauenschaft, wobei vor allem anerkannt werden muß, daß die memeldeutschen Frauen schon vor der Heimkehr ins Reich stets zur Fahne Adolf Hitlers gestanden haben und nun stolz darauf sind, ihren Glauben nicht nur mit Worten, sondern auch durch die Tat beweisen zu können. Daß die Hilfe, die das Reich vor der Befreiung dem Memelland durch Lebensmitteltrans, porte des Winterhilfswerkes zukommen ließ, auf fruchtbaren Boden fiel, beweist nicht zuletzt die Tat- jache, daß jeder zweite Haushalt der NS.-Dolks- wohlfahrt angehört. Es erübrigt sich, zu betonen, daß auch die Hitler- Jugend und die Deutsche Arbeitsfront eine gleiche Aufwärtsentwicklung genommen haben. Gerade die NS.-Gerneinschaft „Kraft durch Freude" hat besonders erfolgreiche Arbeit geleistet, indem sie viele Memeldeutsche in andere Gaue des Reiches geführt hat, wo sie sich von der von Adolf Hitler geleisteten Aufbauarbeit haben überzeugen können. Noch nicht ein halbes Jahr ist seit der Heimkehr des Memellandes ins Reich verflossen. Wenn in dieser kurzen Zeit der Aufbau der Partei und ihrer Gliederungen so planmäßig durchgeführt werden konnte, daß man sagen kann „Die Organisation steht!", so ist das mit in erster Linie auf die Treue und Einsatzbereitschaft dieser deutschen Menschen zu- rückzuführen, die nunmehr ihren größten Stolz darin sehen, unter der Fahne Adolf Hitlers für Großdeutschland zu schaffen. Ob Politische Leiter, SA.- oder ^-Männer, sie alle wetteifern mitein- ander, das Ideengut des Nationalsozialismus bis in die letzte Familie hineinzutragen, auf daß der Füh- rer die Gewißheit haben kann, sich auf diese Deutschen genau so verlassen zu können, wie auf alle anderen. St. Wetterbericht Deutschland liegt am Südhang eines Hochdruck- rückens, wobei sich bisher im Westen und im Süden des Reiches fast ungestörtes Schönwetter gehalten hat. Mit steigender Erwärmung bei gleichzeitiger Druckverflachung kann jedoch sttzt mit dem Auftreten gewittriger Störungen gerechnet werden. Vorhersage für Samstag: Stellenweise Frühnebel, sonst vielfach heiter, Neigung zu örtlicher Gewitterbildung, tagsüber warm, Winde meist um Ost. Vorhersage für Sonntag: Warmes und vielfach heiteres Wetter, jedoch nicht allgemein stö- rungsfrei. Lufttemperaturen am 17. August: mittags 20,4 Grad Celsius, abends 16,6 Grad; am 18. August: morgens 15,7 Grad. Maximum 22,4 Grad, Minimum heute nacht 13,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. August: abends 21,5 Grad; am 18. August: morgens 17,4 Grad. — Sonnenscheindauer 10 Stunden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VIL 1939: 8855. Druck und Verlag: Brühlsche Unioersitäts- druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Mo- natsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzel- Verkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste 9lr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Photo _ 5602 A V (^omemann Gießen (Bahnhofstraße 10), den 17. August 1939. Ruf 2135 5594D Altersvereinigung 1870 — 1920. Gießen, den 18. August 1939. 03975 Obstkuchen Fa c t/drogerie-Bahnhofstr.n; Mündlich können (Sie e§nur wenigen sagen, schriftlich mehreren, durch eine Kleinanzeige sagen Sie es allen Schönheitswasser Aphrodite Drogerie WinterhoH, Kreuzplatz 10 Löwen-Drogerie, Seltersweg 69 Parfümerie Plank, Seltersweg 8 Frisier-Salon Wahl, Bahnhofstr. 63 Parfümerie E. Muhl, Mänsburg 8. nach einem arbeitsreichen Leben im 70. Lebensjahre heute nacht nach kurzer, schwerer, in großer Geduld ertragener Krankheit, gestärkt durch die Tröstungen unserer hl. Kirche zu sich heim zu holen. In tiefem Leid: Regina Schmidt, geb. Gisbert * Willi Schmidt und Frau Elli, geb. Fröhlich Karl Anger und Frau Berta, geb. Schmidt Paul Schmidt Anni Schmidt und 1 Enkelkind. ÖA tut- Das hangt nicht nur von den Zutaten, sondern auch von den richtigen Backgeräten ab. Obstkuchen - Backform, Gas- Backform, Springform, Rührlöffel, Schüttelsieb, Pflaumen- und Kirschen - Entkerner preiswert von J.B. Häuser Gießen, a.Oswaldsgarten (Parkplatz) Fernruf Nr. 2145 - 2146 Das Seelenamt ist Samstag, den 19. August, vormittags 6 Uhr. Beerdigung: Samstag, den 19. August, 11 % Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus. — Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. Mehr Freude an der Natur durch Äermühler-Äücher! Verlobungs-Anzeigen bei Brühl. SchuHfrJ Schneider- Nähmasch ne ungebraucht,bill. verkaufen, v3ss« Wiefeck, Gießen. Str. 164 Gott dem Allmächtigen hat es nach seinem unerforschlichen Ratschlüsse gefallen, meinen lieben, teuren Gatten, unseren herzensguten, treusorgenden Vater, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel Herrn Carl Schmidt MM für selbständige Führung d.Haus- haltes bei gutem Lohn gesucht. Telefon-Anruf 2282. 5599D Hin., ebrlicb. Mädchen für den Haushalt sofort gesucht. Frdr. Schmidt Gasthaus Werb, Butzbach. UanhlöoCD von3 bis 20v.H. erhalten Sie bei wieder» NdiniäSSB holten Veröffentlichungen einer Anzeigei Zu Ostern ssosv Lehrling gesucht. Drogerie Bornemann Bahnhofstraße 17 [Vermietungen | Einfach möbl. Zimmer sofort zu Derrn. Hammstr. 16 v. [ Mietgesuche"] Gebild., ruhiges Ehepaar sucht zum 1. 10.1939 3-Zimmer- Wohnung mit Bad in gut. Hause. Schr. Ang. um. 5593V a.d.G.A. | Verkäufe | Gebr. 3/20 BMW.- Limousine intadellosemZu- stand zu verkauf. Cafe Diehl, Aßlar. 03981 Grober Menwap (Handwagen) zu verkaufen. 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August, vormittags ll3/< Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 559813 Nr.192 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Aeitag, (8. August (939 Aus der Stadt Gießen. Der Reisemonat der Vögel. Der August ist ein rechter Reisemonat. Don den Vögeln, die während der Sommermonate bei uns weilten, nehmen die einen und anderen jetzt Abschied, um ihre Winterquartiere in fernen Ländern aufzusuchen. Langsam wird es stiller in Wald und Feld, langsam naht der Herbst. Den Fortzug mancher Vögel merken wir kaum, weil sie schon lange vorher zu singen aufhörten. Andere Vogelarten fliegen einzeln oder nachts, immer aber ganz unauffällig davon. Diele Vögel dagegen sehen uns als Beobachter ihres Abfluges. Ohne besondere Ordnung fliegen die Störche davon. Doch sammeln sie sich zuvor auf feuchten Wiesen oder weiten Niederungen, als beratschlagten sie über den Reiseweg und hielten Musterung über die Mitfliegenden. Ehe der Weizen gemäht ist, fliegen die Turmschwalben, die Pirole und Grasmücken in ihre Winterheimat. Auch die Schwalben ziehen nicht heimlich und unbemerkt von dannen. Tagelang vorher reihen sie sich auf den Drähten, ein herbstliches Bild. Auch der Kuckucksschrei verklingt nun in den Wäldern. Die Alten sind schon zeitig davongeflogen. Die Jungen ziehen jetzt den Alten nach. Der große, scheue Vogel mit dem langen Schwanz fliegt nicht mehr durch die Büsche und durch die Wiesen. Daß die Nachtigallen uns nun erst verlassen, wer wird das gewahr? Sie haben nur in ihrer Liebes- und Brutzeit gesungen. Selten wird später jemand die scheuen Vögel gewahr geworden sein. Wachtel und Rohrsänger gehören ebenfalls zu den August- Reisenden; auch die Mehl- und Nachtschwalbe. Es bleiben die Bachstelzen und Rohrdommeln, die Blaukehlchen und Turteltauben, die Heide- und Feldlerche, die Wildgänse und Wildenten. Wir aber freuen uns um so dankbarer aller derer, die noch bei uns verweilen. Dornotizen. « Tageskalender für Freitag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Mann für Mann". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Ich bin Sebastian Ott". rlS'SenielnWft M Ml öiM Steuöe Jtalienlandfahrten. Für den Herbst sind bis jetzt folgende Italienlandfahrten vorgesehen: AF. 1 4.—14.10. 39 nach Venedig-Lido für 78 RM. AF. 2 15.—25.10. 39 nach Comersee für 78 RM. Auskunft und Anmeldung in unserer Kartenverkaufsstelle Seltersweg 60. 5591D Echulsammlung des VOA. NSG. Die deutsche Jugend in aller Welt ist der verständnisvollste Helfer des Dolksbundes für das Deutschtum im Ausland. Die Jungen und Mädel im Reich bestätigen die große Gemeinschaft, die sie mit den draußen verbindet, in diesem Jahre wieder durch eine Schulsammlung. Die Möglichkeit dazu gibt ihnen der VDA. als Betreuer des Dolks- deutfchtums jenseits der Reichsgrenzen. Die Ju- aenb aller reichsdeutschen Schulen sammelt bei Bekannten, Freunden und Verwandten. Die Sammel- Hefte enthalten Quittungsmarken über Beiträge zwischen 10 Rpf. und 1,— RM. Darauf sind führende Persönlichkeiten aus den Volksgruppen und besonders kennzeichnende Stätten deutschen Kultur- schafsens jenseits der Grenzen dargestellt. Diese Zeichnungen werden den einzelnen Spender stolz daraus machen, daß auch er dieser großen Volksgemeinschaft zugehört. In unserem Gau führt der Gauverband des VDA. die Sammlung zwischen dem 29. August und 5. September durch. „Wille und Tat" - ein breiter Querschnitt. Sehenswertes, Interessantes und Neues in Wiesbaden. NSG. Das Institut für Deutsche Kultur- und Wirtschaftspropaganda veranstaltet unter Mitwirkung der Gauleitung Hessen-Nassau, der Wirtschaftskammer Hessen, des Deutschen Gemeindetages und des Landesfremdenverkehrsverbandes vom 25. August bis 10. September in Wiesbaden die große Ausstellung „Wille und Tat". Die fünfzehn großen Hallen der Ausstellung sind bereits fertiggestellt, so daß nun mit dem Innenausbau begonnen wird. 2luf dem großen, freien Gelände an der Kaiser- ftrafje in Wiesbaden erheben sich seit einigen Tagen grofee Zelthallen, die nach außen eine hervorragende künstlerische Verkleidung erhalten. Fünfzehn Großzelte in einer Gesamtlänge von 350 Meter überdecken eine Bodenfläche von 22 000 Quadratmeter, auf der sich die nach den modernsten Gesichtspunkten aufgezogene Ausstellung erhebt. Die Ausstellung gibt einen umfassenden Querschnitt durch das politische, kulturelle und wirtschaftliche Geschehen des Gaues Hessen-Nassau. Einen Gang durch die vielseitige Ausstellung hat — um nur einen kleinen Eindruck zu vermitteln — eine Länge von 10 Kilometern. Nachdem man die Ausstellung durch die Ehrenhalle der NSDAP, betreten hat, kommt man in die zahlreichen Ausstellungskojen, die einheitlich mit Sperrholz ausgekleidet sind. Nach einer Darstellung der Landschaften des Gaues vertreten die wesentlichsten und für unser Gebiet typischen Firmen aus allen Kreisen des Gaues die Rhein-Mainifche Wirtschaft in ihrer Gesamtheit. Die Städte treten mit ihren Besonderheiten der Lage und Industrie an die Öffentlichkeit, um einen großen Querschnitt durch die Leistungshöhe des Rhein-Main-Gebietes zu geben. Die NS.-Frauen- schaft tritt mit einer Sonderausstellung über ihre mannigfaltigen Arbeitsgebiete hervor, so daß die Ausstellung sich auch in weitgehendem Maße an die Frau wendet. Die Gauausstellung des Rasfenpoli- tischen Amtes, die bereits mit großem Erfolg in. mehreren Städten gezeigt wurde, wird auch in Wiesbaden ihre Anziehungskraft nicht verfehlen. Das Wiesbadener Handwerk und der Wiesbadener Einzelhandel find ebenfalls in zwei großen Hallen vertreten, die mit einer Ausstellungsgast- ftätte schließen. Weitere Hallen sind dem Verkehr in feinen mannigfaltigen Formen gewidmet, und auch die Roh- und Werkstoffe, die heute eine besondere Stellung einnehmen, werden in ihrer vielfachen Anwendungs- und Bearbeitungsmöglichkeit gezeigt. Bereits heute gewinnt man, obwohl die Ausstellung erst langsam' ihrer endgültigen Gestaltung entgegengeht, einen guten Eindruck von ihrer Größe, ihren interessanten Ausstellungsgegenständen und ihrer hervorragenden architektonischen Gestaltung. Das Alte stürzt... Wieder sollen einige Zeugen aus Gießens Vergangenheit verschwinden: verschiedene Häuser an der Ecke Seltersweg-Kreuzplatz werden der Altstadtsanierung zum Opfer fallen. Es handelt sich dabei um eine Verbreiterung der Hauptgeschäftsstraße Gießens von ihrem Beginn nm Kreuzplatz bis zum ehemaligen Hospitalsgäßchen zwischen der Wirtschaft „Lotzekasten" und dem Kleidergeschäft Köhler, also um eine Maßnahme, deren Notwendigkeit wohl jedem einleuchtet, der mit den Verkehrsverhältnissen auch nur etwas vertraut ist. Streng genommen ist diese Maßnahme aber überhaupt nicht eine Neuerung, sondern nur die Wiederherstellung eines früheren Zustandes. Der Kreuzplatz war nämlich ehedem ein gutes Stück größer und anschließend der Seltersweg breiter als heute. Das Eckhaus von Kaufmann Schulze (Seltersweg 1) denke man sieb fort, ebenso das Eckhaus von Kaufmann Geisse (gegenüber, Seltersweg 2) und schließlich noch die Eckhäuser von Kaufmann Brück Nächst, Hammermann (Kreuzplatz 8) und Drogerie Winter- hoff (Kreuzplatz 10); dann hat man ungefähr ein Bild von der Gestaltung dieser Gegend, noch im Jahre 1840, wie das erste Gießener Adreßbuch verrät. (Womit nicht gesagt sein soll, daß bei der Altstadtsanierung alle vorgenannten Häuser verschwinden sollen. Die Schriftleitung.) In früheren Zeiten war die Gegend natürlich noch weniger bebaut. Als Gießen zur Festung gestaltet wurde (hauptsächlich von 1530 bis 1533), legte man das Selterstor in Höhe der heutigen Wolkengasse an; vorher, als die Stadt nur mit Mauer und Graben umgeben war, stand die Selterspforte in der Mäusburg bei der Rittergaffe; sie wird 1314 urkundlich erwähnt und ist 1585 abgebrochen worden. Vor der Seltzerpforte lag die „Herberge zum weißen Roß am Kreutz", die schon 1495 erwähnt wird und später zu einer Posthal- terei ausgebaut wurde; 1840 gehörte das Anwesen mit der Bezeichnung Litera D, Kreuz N. 2, 3 und 4 den Gebrüdern Weidig; heute sind es die Nummern 11 (Tabakwaren Hintze) und 12 (Hutgeschäft Bramm) mit den Anbauten. Der Neuenweg schloß 1840 mit der Bäckerei Campus (Litera B, Kreuz Nr. 154) ab; daneben lag als Beginn des Seltersweges — aber noch am Kreuzplatz — die Metzgerei Lampus (Litera C, Kreuz Nr. 1); es handelt sich hier jedenfalls um das heutige Doppelhaus Neuenweg Nr. 2 mit einem Uhrengeschäft und der Konditorei Haas. Der Seltersweg begann damals eigentlich mit dem Hause von Buchbinder Lüdeking (Litera C, Seltersweg Nr. 2). Wenn man sich den Häuserkomplex einmal von der Rückseite betrachtet, erkennt man deutlich die alte Bauweise; die Fronten sind eben modernisiert worden, nur die (jetzt verlassene) Metzgerei Sack zeigt noch das ursprüngliche Gesicht; 1840 war dies unter Litera C, Seltersweg Nr. 3 die Metzgerei Lony. Nr. 4 fehlte 1840. Nr. 5 hatte das „Hospital". Schon um die Mitte des 14. Jahrhunderts wird hier ein „Spital 3um hl. Geist und zur hl. Elisabeth" als Krankenhaus, Armenhaus und Altersheim urkundlich erwähnt; es lag also vor der Stadtmauer. In dem Hospital befand sich 1840 die 1837 gegründete Pfandleihanstalt. Die Nummer 6 gehörte früher einer Familie Weidig, die darin eine Wirtschaft betrieb und auch eine eigene Brauerei hatte; schon 1778 wird der „Stangenwirt „Balthasar oder der Stangenbalzer am Seltzerweg" als guter Mundschenk empfohlen; er hieß Balthasar Weidig. Das Adreßbuch von 1840 verzeichnet das Gebäude als । „Bierbrauerei Becker" und als Mieter den Wirt und Küfer Balthasar Weidig (jedenfalls einen Nachkommen des vorgenannten Stangenbalzers). Zwischen 1840 und 1868 ging das Geschäft an Theo Lotz über, der aber schon vor 1868 gestorben fein sein, denn in diesem Jahre wohnte dort die Th. Lotz Witwe, Marie, Bierbrauereibesitzerin. Von dieser Familie Lotz stammt der bis heute erhaltene Name „Lotzekasten" ober „in's Lotze"; über die Eigenart des Lokales, des Wirtes und der Gäste zirkulieren eine Menge mündlicher und auch schriftlicher tatsächlicher Berichte, aber auch gut erfundener Erzählungen. Das Anwesen erwarb dann die Firma Friedel und Asprion. Die Brauerei ging später ein, der Wirtschaftsbetrieb hat sich bis heute erhalten. Der Seltersweg bildete also ehemals als Fortsetzung der Frankfurter Straße eine gerade Linie bis zum Kreuzplatz; diese Linie ging bann über dis Mäusburg nach dem Markt- und Kirchenplatz und von dort durch den Asterweg nach der Westseite des Rodbergs. Der Weg bildete eine Verbindung zwischen den Dörfern Selters und Hagenftadt ober Hachstadt; er ist schon vor ber Römerzeit als Han- belspfab benutzt worben, boch haben ihn bie Römer bei ihren Zügen ins Innere Germaniens ausgebaut; in bem Tal zwischen Seltersberg und Rod- berg war es eine auf Pfählen ruhenbe Steinstraße (via lapidea), deren Reste wiederholt bei Haus-, bauten, Kanalisation, Ausschachtungen usw. tief in der Erde angetroffen worden sind. Der Ausdruck „Kreuzplatz" (früher Creutz, Selters,Creutz ufw.) entstand natürlich, als die Kaplansgafse und deren Fortsetzung, der „neue Weg", den „Steinweg" durchschnitten, so daß zwei Hauptstraßen entstanden, welche die Form eines Kreuzes bildeten; dieses Kreuz gab bei der Entwicklung des Stadtbildes die Unterlage zur Gestaltung, nämlich zur Entstehung der Eiform; diese läßt sich an den Plänen der Festung Gießen ganz deutlich erkennen. Wann die Namen „Kreuz" und „Seltersweg" aufgekommen sind, ist unbekannt; man muß bedenken, daß früher die Namen lateinisch waren; so heißt z. B. bas Kreuz lateinisch crux unb ber Kreuzweg coni- pitum (von competere) doch ist keiner von diesen Ausdrücken für den Gießener „Kreuzplatz" nachweisbar; wahrscheinlich entstanden hier die Wohnungen erst, als man schon deutsche Namen gebrauchte. Vom Seltersweg ist ein ‘älterer Name urkundlich bekannt: im Jahre 1314 verkaufte ein Bürger feine „Hofreite mit Garten vor dem Tore, durch das es nach dem Ort Selters geht, neben bem steinernen Weg"; hier heißt es also noch „via lapidea", so daß man annehmen muß, baß ber „Steinweg" noch vorhanden war; im Jahre 1650 war er aber schon im Morast verschwunden. Das ist leicht erklärlich: nach dem Festungsbau hatte die Stadt nichts mehr mit dem (abgebrochenen) Ort Selters zu tun, vorher aber allerlei Beziehungen, besonders kirchliche (Gottesdienst, laufe, Beerdigung!), fo daß der Weg dorthin erhalten werden mußte. H. G. Das Treudienssehrenzeichen verliehen. Der Führer hat das goldene Treudienftehrenzei- chen für 40jährige treue Dienstzeit dem Justizinspektor Jakob Dickler, das silberne Treudienst- ehrenzeichen für 25jährige treue Dienstzeit dem Landgerichtsrat Richard S ch a e g und bem Kanzlisten Walter Gramm, sämtlich in Gießen, verliehen. Das Ehrenzeichen würbe im Auftrage des Oberlandesgerichtspräfidenten den ausgezeichneten Beamten durch die zuständigen Behördenleiter in feierlicher Form überreicht. Hausfrau und „Groschengrab". NSG. In dem Kampf um die Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes darf der Bauer nicht allein stehen. Denn zur siegreichen Durchführung dieses Kampfes genügt nicht nur eine Steigerung der Erzeugung. Von ebenso großer Bedeutung wie die Erhöhung ber Produktion landwirtschaftlicher Güter ist der mit der gleichen Intensität geführte Kampf gegen den Verderb. Und in diesem Kampfabschnitt der Schlacht um bie Nahrungsfreiheit Deutschlands haben die Verteilerbetriebe und die Verbraucher genau so wie der Bauer ihren Mann zu stehen. Gerade in den Kreisen der Verbraucher gehört der „Kampf dem Verderb" zu den wichtigsten Maßnahmen unserer Ernährungssicherung. Die Notwendigkeit dieses Kampfes kann nur der vollkommen ermessen, der weiß, daß von dem Gesamtver- berb an Lebensrnitteln in Höhe von jährlich 1,5 Milliarden Reichsmark allein rund 750 Millionen auf den Verbraucher entfallen. Man gibt sich heute alle erdenkliche Mühe, um hier einen Wandel eintreten zu lassen. Die Mitarbeit der Verbraucherkreise ist um so reger geworden, weil die Aufklärung über die Schäden des Verderbs klar gemacht hat, daß dieser Kampf nicht allein wegen volkswirtschaftlicher Belange geführt wird, sondern auch deutlich im Geld„Mann für Mann." Gloria-Palast. Der oft geforderte, immer wieder empfohlene Griff ins Leben, in die Gegenwart von heute mit ihren Menschen, ihren Schicksalen und ihren Aufgaben: ber Film „Mann für Mann" fand seinen Schauplatz an einer Baustelle der Reichsautobahn. Damit stellte sich das Thema sozusagen von selbst: Rhythmus ber Arbeit, Segen der Arbeit... Wunderwerk ber Technik, Gefahren ber Technik. Sand unb Kies finb ein gutes Material, stille märkische Landschaft, Feldbahnen, Kranen, Betonmischer, Barackenlager geben eine Fülle brauchbarer £>b= jefte für die Kamera und für einen sauberen, leben« bigen Kultursilm. Aber bas nebenbei: es war hier gar nicht auf einen Kulturfilm abgesehen, sonbern der Bildstreifen heißt mit gutem Grunde „Mann für Mann", unb bamit ist bas zweite unb eigentliche Thema angeschlagen. Beton unb Kies unb Maschinen sind nichts ohne den Menschen, der sinnvoll unb auf ein festes Ziel gerichtet bamit umzugehen versteht. Hier sollte nicht nur gezeigt werben, wie es beim Bau einer Autobahnstrecke zugeht, sondern vor allem, was bas für Kerle sind, die da schaffen mit der Schaufel in der Hand, am Kran, im Caisson. Es sollten in der großen Arbeitsgemeinschaft und Kameradschaft ein paar Individualitäten herausgehoben werden, die es zu betrachten unb zu verfolgen lohnte bis hinein in ben Feierabend im Lager, in die Freizeit am Sonntag daheim — in der großen Stadt Berlin oder im kleinen märkischen Dorf. * Es stellt sich also heraus — was natürlich zu vermuten war, aber in diesem Zusammenhang leicht übersehen werden könnte —, daß sie da, Mann für Mann, außer ihrer Arbeit und ihrer männlichen Lagergemeinschaft auch ein Privatleben haben, ein kleines Einzelschicksal mit allerlei Sorgen und allerlei Glück, mancherlei Hoffnungen und Plänen für bie Zukunft unb mancherlei Erinnerungen an frühere Zeiten. Es gibt auch noch die Frau und das Mädel und die Ehe und die Liebe, und es ist auch, wie überall, nicht immer alles ganz leicht und ganz einfach; es gibt da Zerwürfnisse und Mißverständnisse und Eifersüchteleien, unb es kommt wohl vor, daß zwei Männer wild aufeinander losgehen und um sich hauen, daß die Gläser klirren. Und bann kann es auch vorkommen, daß am nächsten Tage infolge eines Erdrutsches ein Einbruch der Schlamm- und Wassermassen erfolgt, und die Männer, welche die schwere, höher bezahlte und gefährliche Arbeit im Caisson — im Senkkasten beim Brückenbau — verrichten, an den Rand eines qualvollen Todes bringt. Man wird sich erinnern, eine ähnliche Szene in dem Film „Wasser für Canitoga" (mit Albers) gesehen zu haben, und man wird, wenn man die beiden Szenen nebeneinanderhält, sofort den Unterschied gewahr werden: das eine war blanke Sensation, spannendes Abenteuer im fremden Lande, ein Stück Literatur, weit weg — dies hier, mit einem Wort, ist unsere Sache, sind unsere Leute, das ist nah und gegenwärtig und kann alle Tage irgendwo in Deutschland passieren und geht uns deshalb etwas an Da steht der Beschauer gewissermaßen selber mitten drin in der angstvoll schweigenden, fieberhaft wartenden Menge der zur Untätigkeit verurteilten Kameraden, Frauen und Bräute, welche die nächtliche Unfallstelle im weißen, kreisenden Schem- werferlicht umdrängen; er sieht, wie die beiden, die gestern aufeinander losgingen, jetzt nebeneinander bis an bie Brust im Wasser stehen, wie der eine den anderen hält und stützt, und wie sie sich wie ein Mann gegen den Tod wehren und um ihr Leben kämpfen; 'jeder wird aufatmen, wenn es -uletzt gelungen ist, die Männer da unten herauszuholen, und sie sind sämtlich heil und gerettet. * Der Spielleiter R. A. Stemm le hat das alles mit einer Natürlichkeit und -Urwüchsigkeit lebendig gemacht, daß der Beschauer wirklich etwas vom harten, gesunden Rhythmus dieser Arbeit und von dem schönen unb selbstverstänblichen Gefühl ber Kameradschaft zu spüren bekommt das hier herrscht. Am besten gelangen ihm vielleicht die Szenen hinter der Front", daheim, im Privatleben: die sind in ihrer ungeschminkten und unverwasserten Lebensnähe, in der Deutlichkeit der empfmdungs- mäßigen wie der sprachlichen Aeußerung non einer 2Irt, daß man manchmal an Aehnllches m „Urlaub auf Ehrenwort" erinnert wird. Die frische, zupackende Art ber Inszenierung übertrug sich ganz folgerichtig auf die Darstellung; es präsentiert sich ein großer, melgliebriger Spiel« körper, dem nichts Gestelltes unb nichts Statisterie- mäßiges anhaftet; ber Gememschaftsgedanke, welcher der Fabel des von Stemm le zusammen mit Hans Schmodde unb Otto Bernharb Wenbler geschriebenen Drehhuches zugrundeliegt prägte sich auch dem Ensemble ein. Es scheint uns deshalb richtig, diesmal auf die Hervorkehrung vortrefflicher einzelner Leistungen zu verzichten. Im Vordergründe des Handlungsablaufes standen bei ben Männern: Josef S i e b e r Gustav Knuth, Karl Kuhlmann, Heinz Welzel und Hermann Speelmans; bei den Frauen: Viktoria von Ballasko, Gisela Uhlen, Lina Carstens unb Ellen Bang. Der tüchtige Kameramann heißt Otto Baberske. — (Ufa.) Hans Thyriot. Stichproben. Von Eduard Slemplinger. Goethe bemerkte in den Noten zum „West-östlichen Diwan": Der in jebem Tag düster befangene, nach einer aufgehellten Zukunft sich umschauende Mensch greift begierig nach Zufälligkeiten, um irgenbeine weissagende Andeutung zu erhaschen. Der Unentschlossene findet nur "sein Heil im Entschluß, dem Ausspruch des Loses sich zu unterwerfen. Solcher Art ist die überall herkömmliche Orakelfrage an irgendein bedeutendes Buch, zwischen dessen Blätter man eine Nadel versenkt und die dadurch bezeichnete Stelle beim Aufschlagen gläubig beachtet. Wir waren früher mit Personen genau verbunden, welche sich auf diese Weise bei der Bibel, dem Schatzkästlein unb ähnlichen Erbauungswerken zutraulich Rates erholten und mehrmals in größten Nöten Trost, ja Bestärkung fürs ganze Leben gewannen." Das sind ursprünglich Stichproben gewesen. Diese Art des Losorakels ist uralt; bei den Griechen wurde Homer, bei den Römern Virgil mit Vorliebe aufgestochen, natürlich erst seitdem das Buch zum Blättern (Codex) die Rolle verdrängte, im ersten nachchristlichen Jahrhundert. Die Verwendung Virgils kam in der Humanistenzeit aufs neue auf. So wurden 1529 zwei florentinifche Ebelleute zur Flucht veranlaßt (Aeneis 3, 44); ebenso soll König Karl I. von England durch eine Virgilstelle auf fein -unseliges Ende hingewiesen worden fein. Aber in der Regel trat nach dem Siege des Christentums an Stelle heidnischer Autoren die Bibel. Schon bei Augustinus lesen wir, wie er, die Paulus- briefe aufstechend, zauf Römer 13, 13 traf, wo es hieß: „Lasset uns ehrbarlich wandeln als am Tage; nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid", und zu einem anderen Lebenswandel bekehrt wurde. Die griechischen Christen stachen, wie ein Bericht von 866 erzählt, mit einem Hölzchen in eine geschlossene Bibel oder ein Meßbuch. Als 557 die Stadt Dijon von Chramnus belagert wurde, machten Geistliche Stichproben in der Bibel, die auf dem Altar lag: Es kamen Jefaias 5, 4, Matthäus 7, 26 und ber Thef- faloniferbrief 1, 5, 2 zum Vorschein, bie alle ben Fall der Stadt anzeigten. Die Kirche eiferte vergebens gegen diesen Aberglauben, ob man nun mit Nadeln oder mit Hölzchen in die Bibel stach ober mit bem Daumen auf gut Glück eine Seite festhielt („Däumeln"). Bei den Herrnhutern gehörte das Bibelstechen „als apartes Kleinod" zum herkömmlichen Brauchtum; Graf Zin- fenborf, ber Stifter ber Brübergemeine, unterwarf sich bei allen Unternehmungen der Entscheidung des Bibelorakels. Auch Goethes Mutter war dafür sehr eingenommen, seitdem ihr 1768 bei der Heimkehr ihres schwerkranken Wolfgang der aufgestochene Vers: „Du sollst wiederum Weinberge pflanzen an den Bergen Samarias" wahr prophezeit hatte. Bettina schreibt von ihr: „Sie gibt mir eine Nadel, damit soll ich bas Heft stechen; welchen Satz id) treffe, den soll ich als Gedenkspruch bewahren." Das „güldene Schatzkästlein" mit Bibelversen, seit 1745 aufgelegt, welches Goethes Mutter benützte, erwähnt noch Gottfried Keller, wenn er erzählt: „Sie holte gerührt ein Schatzkästlein hervor und stach mit einer Nadel zwischen die Blätter." Und wie Wilhelm Raabe für seine „Geschichte eines ersten April" nach einem weiblichen Vornamen sucht, bohrt er mit einer Nadel in den Kalender unb trifft mit der Spitze den 30. Januar und den wohlklingenden Heiligennamen „Adelgunde". Solche Stichproben zu machen ist heute noch in vielen Gegenden Deutschlands Brauch. In Frankreich nennt man das piquer un psaume, das ist einen Psalm aufstechen. Im Orient verwendet man den Koran, den Diwan des Hafis ober das Wes- newi des Dschelaladdin. Hochschulnachrichten. Geh. Konsistorialrat Geh. Kirchenrnt Professor Dr. theol. h. c. Dr. jur. h. c. Karl Eger, ehemals Ordinarius für praktische Theologie an der Universität Halle, wird am 18. August 75 Jahre alt. 1864 in Friedberg (Hessen) geboren, wurde Eger 1892 Pfarrer in Darmstadt, 1901 Professor am Predigerseminar in Friedberg, wo er 1907 zum Direktor ernannt wurde. 1913 folgte er einem Ruf als Ordinarius der praktischen Theologie nach Halle. Bekannt wurde er vor allem als Herausgeber der Studien zur Praktischen Theologie. Die Universität Gießen ernannte ihn 1904 zum Dr. theol. h. c., die Universität Halle verlieh ihm 1928 ben juristischen Ehrendoktor-Titel. In seinen Veröffentlichungen behandelt Professor Eger hauptsächlich Kirchenverfassung, Kirchenrecht, Katechetik und Homiletik. Von den amtlichen Verpflichtungen wurde entbunden der ordentliche Professor in der Rechts- unb Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien Dr. jur. Ferdinand Kadecka wegen Erreichung der Altersgrenze. beutel der Hausfrau zu spüren ist. Die Erkenntnisse von der Nützlichkeit dieses Kampfes, der jedem, der sich daran beteiligt, nur Vorteile bringen kann, ist also in breiteste Volksschichten vorgedrungen. Eine Anzahl Zuschriften läßt erkennen, daß das deutsche Volk den „Kampf dem Verderb" ernst nimmt und das „Groschengrab" nicht allein als lustige Witzfigur betrachtet. Im Gegenteil, die Scherzfigur ist vollkommen richtig verstanden worden und hat viele Volksgenossen nicht nur angeregt, Verluste an Lebensmitteln zu vermeiden, sondern auch vielseitige Vorschläge zu machen, wie man den „Kampf dem Verderb" noch erfolgreicher gestalten könnte. Die Verbraucherschaft beweist so, daß sie Verständnis für die schwere Arbeit des Bauern hat und nicht Produkte seiner Jahresarbeit ungenützt verkommen lassen will. Und nicht zuletzt ist das Einsehen der Hausfrauen gewachsen, die die Erfolge im „Kampf dem Verderb" an ihrem eigenen Geldbeutel feststellen konnten. Gieben-Wieseck. HI. fäl und erntet. Am vergangenen Sonntag zogen freiwillige Hel- fer der Hitler-Jugend und des BDM. aus Gießen- Wieseck mit froher Musik und in guter Stimmung hinaus ins Feld, um einen selbstbestellten, fast einen Morgen großen Weizenacker abzuernten. Dieser Acker wurde der Hitler-Jugend von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Erfreulicherweise stellten bei der Aussaat im vergangenen Herbst drei Wiesecker Landwirte ihre Pferde zur Verfügung. Durch freudiges und tüchtiges Zugreifen der Jungens und Mädels ging die Arbeit rasch vorwärts. Wie leuchteten die Augen aller, als am frühen Nachmittag der letzte Sensenhieb in die Halme fuhr, war doch feder sich bewußt, daß er ein gutes Werk für die Ernährung unseres Volkes getan hatte. Nachdem olle Garben in Reih und Glied standen, ging es wieder dem Dorfe zu. Wildwachsende Heilkräuter sammeln. Wenn auch ein großer Teil unserer Heilpflanzen fett), und gartenmäßig angebaut wird, so dürfen doch die wildwachsenden Heilkräuter nicht außer acht gelassen werden. Um den bisher zur Einfuhr von Heilkräutern notwendigen Devisenaufwand weitgehend einzusparen, soll der planmäßigen Sammlung von wildwachsenden Heilpflanzen erhöhtes Augenmerk zügewendet werden, wobei insbesondere an einen Einsatz der Schuljugend gedacht ist. Diese Maßnahme wird in der Landwirtschaft allgemeines Verständnis finden, und es darf erwartet werden, daß den Sammlern beim Betreten der Felder und Wiesen, Weg- und Grabenraine zwecks Einsammeln der Heilpflanzen keine unnötigen Schwierigkeiten bereitet werden. Die Sammler müssen natürlich im Besitz des gesetzlichen Sammelscheines der zuständigen Naturschutzbehörde sein und gegebenenfalls auch von den Besitzern der Grundstücke die Erlaubnis zum Sammeln selbst erbitten. Apfelweinkeltern erst ab 1. September. Fwd. Durch Anordnung der HV. der deutschen Gartenbauwirtschaft vom 11. August 1939 wird vcrsügt, daß Hersteller von Apfelwein, schwäbischem Most (auch Württembergischem und Badischem Mast sowie Frischmost, süßen Apfelwein) und Apfelsüßmost (auch Dicksäften) mit der Kelterung der vorgenannten Erzeugnisse nicht vor dem 1. September jedes Jahres beginnen dürfen, auch wenn die Herstellung im Lohnverfahren erfolgt, es sei denn, daß die Herstellung im Lohnverfahren der Deckung des eigenen Hausbedarfs des Obstanlieferers dient. Soweit Verträge über die Lieferung von Äpfeln zur gewerblichen Kelterung der genannten Erzeugnisse abgeschlossen werden, darf mit der Lieferung nicht vor dem 1. September begonnen werden. * ** Eine Zweiund achtzigjährige. Am morgigen Samstag kann Frau Elisabeth Dietz, Witwe, Steinstraße 74, ihren 82. Geburtstag feiern. Die hochbetaate Frau ist langjährige treue Bezieherin des Gießener Anzeigers. Wir beglückwünschen die Jubilarin herzlich zum Geburtstag. Bauern! Grohdeutschland braucht zur Sicherung seiner Freiheit dringend eine Steigerung der Fetterzeu- gung. Steigert deshalb seht beträchtlich den Oel- sruchtanbau, ohne die Viehwirtschaft zu vernachlässigen. Die neuen erhöhten Oelsaalpreise sichern Luch die Wirtschaftlichkeit des Anbaues. Jehl ist es Zeit. Raps und Rübsen zu bestellen. Laßt Luch dabei vom Reichsnährstand beraten! Erstmalig ein VelnMporlfest in Gießen. Die Betriebssportgemeinschaft des Arbeitsamts Gießen veranstaltet ein Sportfest für Betriebssportgemeinschaften am Sonntag, 2 0. August 1939, 8 Uhr, auf dem Waldsportplatz. Unter der Betreuung des Sportamtes der NSG. Kraft durch Freude" find seit der Machtübernahme in den Betrieben Betriebssportaemeinschaften gebil- det worden, die als Ziel die Erhaltung der Arbeitskraft und Arbeitsfreude der schaffenden Menschen verfolgen. — So sind auch in zahlreichen Betrieben der Stadt Gießen und des Kreises Wetterau auf Anregung der DAF. Betriebssportgemeinschaften entstanden, deren Aufbau fortschreitet. Der seit dem Vorjahre alljährlich stattsindende Sportappell der Betriebe gibt eine stolze Leistungsschau der Arbeit, die hier am schaffenden Menschen geleistet wird. Nicht Leistungssport ist die Aufgabe dieses Betriebssportes, sondern Gesunderhaltung von Körper und Geist durch fröhlichen einfachen Ausgleichssport, der jedem, auch dem Aeltesten, die Teilnahme ermöglicht. In diesem Jahre hat nun die Betriebssportgemeinschaft des Arbeitsamts Gießen zu einem Betriebsportfest eingeladen, das am kommenden Sonntag auf dem Waldsportplätz des VfB.-R. stattfindet und zu dem bis jetzt außer der BSG. des Arbeitsamts die BSG. der Lochanstalt, Butzbach, der Buderus- werke, Lollar, der Didierwerke, Mainzlar, der Commerz- und Privatbank, Gießen, der Rud.-Karstadt- AG. „Karzentra", Gießen, der Heeresstandortver- waltung und der Kreiswaltung der DAF. insgesamt rund 100 Teilnehmer gemeldet haben. Es sind leichathletische Einzel- und Mehrkämpfe sowie Mannschastskämpfe ausgeschrieben, für die sämtlich gemeldet wurde. Außerdem sollen Handballblitzspiele zwischen den gemeldeten Betrieben statt- sinden. Dem» Zuschauer wird also ein abwechslungsreiches Programm geboten. Die Ausschreibungen sind den Betrieben zugegangen, so daß sich eine Aufführung an dieser Stelle erübrigt. Die Sportgemeinschaft des Arbeitsamts Gießen lädt hiermit nochmals die Betriebe, die nicht aktiv teilnehmen, ein, den Wettkämpfen, die erstmalig in Gießen stattfinden, beizuwohnen. Wirtschaft. Oer Möbelfernverkehr mit Kraftfahrzeugen. Fwd. Im Reichsgesetzblatt vom 16. 8. 1.939 wird eine Verordnung des Reichsverkehrsministers und des Reichsministers des Innern über den Möbelfernverkehr mit Kraftfahrzeugen vom 4. 8. 39 veröffentlicht. Auf Grund dieser Verordnung müssen die Fahrzeuge des Möbelfernverkehrs die Aufschrift „Möbelsernverkehr" und die Angabe des Standortes tragen. Die Verwendung von Anhängern und jede Vermehrung der zum Bettieb .zugelassenen Anhänger bedarf der Genehmigung. Unternehmer von Möbelfernverkehr dürfen außerhalb der Nahzone in Fahrzeugen des Möbelfernverkehrs nur Möbel befördern. Unternehmern von Güterfernverkehr ist es verboten, außerhalb der Nahzone Möbel zu befördern. Die Beförderung von Möbeln außerhalb eines Umzugs als Stückgut bleibt davon unberührt. Der Tarif für den Möbelfernverkehr wird von der Fachgrupppe Möbeltransport aufgestellt. Die Verordnung tritt am 1. September 1939 in Kraft, während gleichzeitig die Verordnung über den Möbelsernverkehr vom 17. 9. 1936 außer Kraft tritt. Mein-Mainische Börje. INillagsbörse im Verlaufe schwächer. Frankfurt a. M., 17. August. Die Börse verharrte in starker Zurückhaltung, da am hiesigen Platz fast keine Kundschaftsaufträge vorlaaen. Infolgedessen kamen während der ersten Börsenstunde nur ganze 8 variable Notierungen zustande, die naturgemäß keine Bestimmung für eine Allgemeintendenz ab geb en konnten. Am Aktienmarkt eröffneten IG.-Färben zunächst 0,90 v. H. höher mit 149, liehen aber rasch auf 147,75 nach. Von Montanwerten wurden Vereinigte Stahl mit 97,25 (97) und Hoesch mit 105,25 (105,50) notiert. Sonst stellten sich noch Reichsbank auf 179,75 (179,50), AG. für Verkehr auf 107,50 (106,50), Eonti Gummi auf 218,50 (219) und Mainkraftwerke auf uno. 84,50, wobei alle letzgenannten Werte nominell waren. Am Rentenmarkt dauerte die Geschäftsstille ebenfalls an, größere Abweichungen waren jedoch nicht zu verzeichnen. Etwas Geschäft wiesen Reichs- altbesitz mit 132,13—132,10 (132,13) auf. Fest lagen Dekosarna I und II mit 137,40 (136,75) bzw. 156,25 (155,25), Reichsbahn-VA. 122,75 (123), von Liquidationspfandbriefen Meininger 100,50 (101), Rheinische 100,90 (100,10). Industrie-Anleihen wiesen Schwankungen bis etwa 0,25 v. H. auf, während Goldpfandbriefe und Stadtanleihen unverändert notierten. Für 4,50 v. H. Stadt Mainz soll morgen nach Pause eine Notiz mit 95 (zuletzt 96) erfolgen. Im Freiverkehr blieben Kommunal-Umschuldung mit 92,85 gut behauptet. Steuergutscheine I waren im Telefonverkehr stärker erhöht auf 98,25—98,40 (98,15—98,20). Die im Verlaufe zahlreicher zur Nvttz gekommenen Papiere ließen eine starke Uneinheitlichkeit erkennen, wobei nach vorwiegend etwas festerem Beginn schließlich infolge kleiner Abgaben meist mäßige Rückgänge überwogen. U. a. notierten Verein. Stahl 96,75 nach 97,25, Mannesmann 102,40 nach 103 (102,90), AEG. 111,50 nach 111,90 (111,75). Im übrigen schwankten die später festgestellten Kurse zwischen 0,50—1,50 v. H. Der Frei verkehr lag weiter still. Tagesgeld wurde auf 2,25 (2,50 v. H. gesenkt. Abendbörse still und behauptet. Die Abendböbse war ühne Anregung und nahm einen stillen Verlauf. An den Aktienmärkten entwickelten sich die Kurse, bedingt durch den Zufall der Aufträge, weiterhin etwas uneinheitlich. Bei kleinen Veränderungen war die Gesamthaltung jedoch behauptet. Der Rückgang von 1 v. H. bei Demag auf 138,50 und ein solcher von 0,75 v. H. bei Gesfürel auf 125,75 stellten Anpassungen an Berlin dar. Von den Hauptwerten gingen JG.-Farben mit 147,75 (147,90), Rheinstahl mit 119,75 (120), Verein. Stahl mit 97 (96,75) um. Sonst notierten u. a. AEG. 111,50, MAN. 142,25 (142,90), Bembera 129, Daimler 119, Scheideanstalt 205, Licht & Kraft 129,75 (129,25), Holzmann 152,50 (152), Metallgesellschaft 110 (110,25), Moenus 116,50, Westdeutsche Kaufhof 94,75 (95) und Hoesch 105,25. GroßbaNk-Fil'ialctktien behaupteten weiterhin ihre Kurse, Commerzbank 105,75, Deutsche Bank 111,50, Dresdner Bank 106. Am Rentenmarkt sanden Mofama I zu unv. 137,40 weitere Beachtung, 6 v. H. JG>Farben blieben zum Mittagskurs von 119,40 gefragt. Im Telefonverkehr stiegen Steuergutscheine I per JanuarMärz auf 98,40—98,45 (98,25—98,40). Frankfurter Schtachtvlehmarkt. Frankfurt a. M., 17. Aug. Auftrieb: Rinder 706 (gegen 828 am 10. Aug.), darunter 79 (112) Ochsen, 145 (109) Bullen, 329 (420) Kühe, 153 (187) Färsen. Kälber 489 (627), Hämmel und Schafe 64 (92), Schweine 691 (800). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 46 bis 46,50 (44,50 bis 46,50), b) 39,50 bis 42,50 (40 bis 42,50), c) 29,50 bis 37,50 (36,50 bis 37,50). Bullen a) 44 bis 44,50 (43 bis 44,50), b) 40,50 (40,50), c) 35,50 (—), d) 27 (—). Kühe a) 44 bis 44,50 (41,50 bis 44,50), b) 39 bis 40,50 (39 bis 40,50), c) 30 bis 34,50, (30 bis 34,50), d) 20 bis 25 (21 bis 25). Färsen a) 44,50 bis 45,50 (44 bis 45,50), b) 41,50 (40 bis 41,50), c) 34,50 bis 36,50 (36,50), d) 28 (—). Kälber a 63 bis 65 (63 bis 65), b) 57 bis 59 (55 bis 59), c) 48 bis 50 (45 bis 50), d) 40 (30 bis 40). Hämmel al) 51 (51), bl) 46 bis 50 (49 bis 50), b2) 44 bis 46 (43 bis 46), c) 39 (40). Schafe a) 40 bis 42 (42), b) 39 (34 bis 39), c) 25 bis 32 (20 bis 32). Schweine a) 62 (62), bl) 61 (61), b2) 60 (60), c) 56 (56), d) 53 (53), Sauen §1) 61 (61). Marktverlauf: Rinder, Kälber und Schweine zugeteilt. Hämmel und Schafe flott. Schweinemarkt in Butzbach. ♦ Butzbach, 17. August. Auf dem heuttgen Schweinemarkt waren 237 Ferkel aufgetrie- ben. Es kosteten bis 6 Wochen alte Ferkel bis 15 NM., 6 bis 8 Wochen alte Tiere 15 bis 20 RM. Bei regem Handel wurde der Auftrieb ausverkauft. Der Marsch z«m Mm ha! begonnen. NSG. Darmstadt, 17. August. Der Adolf. Hitler-Marsch des Gebietes Hessen-Nassau nahm am Donnerstagabend seinen Anfang auf dem Marien- platz. In Darmstadt hatte sich die HI. des Bannes 115 zu einer Feierstunde eingefunden, an der auch die Bevölkerung lebhaften Anteil nahm. Nach einer Ansprache des Stabsleiter B e n f m a n n begab sich der Marschblock von 100 Hitlerfungen mit einem eigenen Spielmannszug unter Führung von Bannführer Dettmar, dem Leiter der Gebietsfuhrer. schule, auf den Marsch. In einem 13 Tage dauern- den Marsch werden die hessen-nassauischen Hitler- jungen ihre 18 Bannfahnen zum Reichsparteitag nach Nürnberg tragen, um mit dem Marsch ein großes Bekenntnis zum Führer abzulegen. Am ersten Abend marschierte der Fahnenblock nach Pfungstadt, wo am Morgen des zweiten Marschtages eine Gedenkfeier am Grabe des ermordeten Hitterjungen Christian Crößmann stattfindet. Don da aus führt der Weg durch den Odenwald in das Maintal. „Chsteau Reichenberg" wird eröffnet. NSG. Die Deutsche Arbeitsfront hat — wie bereits berichtet — auf Schloß Reichenberg bei Rei- chelsheim im Odenwald das zweite Fremdfprachen- Jnternat errichtet. Während Hohenstein- Castle dazu dient, englisch sprechenden Arbeitskameraden größte Vollendung zu geben, wird auf Chateau Reichenberg das gleiche Ziel für die französische Sprache erstrebt. Dieses zweite Fremdsprachen- internat, das ebenfalls im Gau Hessen-Nassau geschaffen wurde, wird am 21. August eröffnet. Wegen gehässigerAenßerungen bestraft Lpd. H a n a u, 17. August. Das Sondergericht für den OberlandesgerichtsbeLirk Kassel tagte in Hanau und verhandelte gegen die seit dem 1. Dezember 1938 in Untersuchungshaft befindliche ehemalige Prokuristin eines größeren Verkaufsge- fchäfts, das im Herbst v. I. aus jüdischem m arischen Besitz übergegangen war. Die Angeklagte, die 50 Jahre alte ledige Sybille Israel wurde schuldig befunden, in vier Fällen Äußerungen getan zu haben, die den Tatbestand des § 2 des Heimtückengesetzes erfüllen. Das Urteil lautete auf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. 6 Monate Untersuchungshaft wurden in Anrechnung gebracht. Fünfjähriger Zunge vom Pferdefuhrwerk erschlagen. Lpd. Mainz, 17. Aug. Am Mittwochnachmittag versagten auf einer abschüssigen Straße in Hechtsheim an einem mit Frucht beladenen Fuhrwerk die Bremsen, so daß der Wagen in immer schnellere Fahrt geriet. Das Gespann stürzte plötz. lich, als eine Gruppe von Kindern in der Nähe war, um. Dabei wurde ein fünfjähriger Junge •getötet; drei andere Kinder erlitten leichtere Ver- letzungen. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Ch. L. in G. Falls Ihnen von dem früheren bevollmächtigten Hausverwalter die Genehmigung zur Errichtung eines Hühnerstalles erteilt wurde, sind Sie zur Entfernung desselben auch heute nicht verpflichtet, es fei denn, daß durch eine wesentliche Veränderung der Umstände die Entfernung des Stalles unerläßlich erscheint. K. Sch. in St. Zur Aufrechterhaltung der Anwartschaft in der Angestelltenversicherung ist die Verwendung von 6 Beitragsmarken im Kalenderjahr erforderlich. Die Hohe der Beiträge richtet sich nach dem jeweiligen Gesamteinkommen. Ist kein Einkommen vorhanden oder nur ein solches bis zu 100 RM. monatlich, können Marken der Klasse 8 zu 4 RM. verwendet werden. Im übrigen sind die Beitragsklassen wie folgt gestaffelt: Klasse C, Einkommen von mehr als 100 bis 200 RM. monatlich = 8,— RM., Klasse D, Einkommen von mehr als 200 bis 300, RM. monatlich = 12,— RM., Klasse E, Einkommen von mehr als 300 bis 400 RM. monatlich = 16,— RM., Klasse F, Einkommen von mehr als 400 bis 500 RM. = 20,— RM., Klasse G, Einkommen von mehr als 500 RM. monatlich = 25,— RM. Außerdem sind für die freiwillige Weiterversicherung über die jeweilige Gehaltsklasse hinaus noch die Klassen bl mit einem Monatsbeitrag von 30,— RM., J mit einem Monatsbeitrag von 40,— RM., K mit einem Monatsbeitrag von 50,— RM. gebildet. Der Täter mitten unter uns Roman von Kurt Riemann Copyright by Verlag Gskar meister, Werdau L Sa. 9. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Ach Gott, Mister Morell, da sind zwei Damen, zwei feine Damen, und die wollen ..." Weiter kommt er nicht, denn Morells Rechte, Reichweite einsfünfzig, wirkt bedrohlicher als alles andere, und ihr zu entfliehen ist nun mal Urinstinkt jedes Botenjungen. Es gelingt Mac auch. In wilden Sätzen rast er über den Werkhof, kommt beinahe unter eine Lokomotive, die scheppernd eine Ladung Güterwagen schleppt, um endlich um die Ecke nach dem Verwaltungsgebäude hin zu entschwinden. „Dein Glück, mein Junge!" knurrt der Alte wohl- aefällig und knallt die Tür hinter sich zu. „So, dieser Angriff wäre abgeschlagen." Wenn einer begreift, warum der Doktor heute in Ruhe gelassen werden will, dann ist er es. Schließlich ist es keine Kleinigkeit, mit nur fünf Mann die neue Maschine zu montieren. Und verflucht und zugenäht, zugucken lassen wollen sie dabei keinen. Also entschließt er sich, denen da vorne nochmal ordentlich Bescheid zu-geben. Was er telephoniert, ist kurz und kernig. „Ihr Idioten sollt den Doktor gefälligst in Frieden lassen! Verstanden?" Er wartet gar nicht ab, bis die Telephonistin aus» geredet hat, sondern donnert seinen Spruch unbeirrt in die schwarze Muschel. „Könnt ihr dämlichen Frauenzimmer nicht verstehen, was ein Befehl ist, he? Ich werde euch Ouasselstrippenladies die Köpfe bei lebendigem Leibe von der Hackmaschine abrasieren lassen! Der Doktor ist nach Südafrika abgeflogen! Gestern nacht noch. Und nun richtet euch danach, sonst könnt ihr was erleben!" Schon will er anhängen, da bemerkt er zu seinem Entsetzen, daß da am andern Ende gar nicht Betty Beckett spricht, die er seit ihrer Schulmädchenzeit kennt, weil sie ein Stockwerk unter seiner Werkswohnung ausgewachsen ist, sondern eine fremde Stimme, die verdammt vornehm klingt. „Trotzdem teilen Sie bitte Mister Hellmers mit, daß nicht die ,Quasselstrippenlady' schuld ist. Die beiden Damen sind die Töchter Sir John Perkins. Vielleicht stimmt ihn das umr" Prost Mahlzeit! Das ist ja eine schöne Brühe! „Jawohl ... jawohl ..." stammelt Morell und steht eine Weile wie vor den Kopf geschlagen. Junge, Junge, das ist ein Reinfall mit Pauken und Trompeten! Das dürfte nicht in Ordnung gehen! Er streicht nachdenklich mit dem Zeigefinger an den Nasenflügeln entlang. Aber bann muß er daran denken, was der Doktor für ein Gesicht machen und wie der fluchen wird, und die Vorfreude darauf stimmt ihn gleich wieder fröhlicher. „Der wird sich freuen!" lacht er ingrimmig. Das ist denn auch richtig der Fall. Was Hellmers so still vor sich hinflucht, ist nicht gerade für höhere Töchter bestimmt, und da er in seiner Muttersprache flucht, versteht ihn Morell zum Glück nicht. Doch zu dessen großem Erstaunen kommt der Doktor wirklich herausgekrochen und beginnt, sich die Hände mit Putzwolle abzureiben uno bann den Overall auszuziehen. „Sie wollen wirklich gehen?" staunt ber Alte, denn bas hat er gar nicht in Erwägung gezogen. Sonst kann brauhen ein Haus in bie Luft fliegen — wenn Hellmers arbeitet, ist ihm das ganz gleichgültig. Und geht er wirklich von einer so verdammt wichtigen Sache weg? „Was bleibt mir denn anders übrig? In ein paar Tagen haben bie beiben fremben Frauensleute hier bas Kommanbo. Da kann ich sie boch nicht einfach nach Hause schicken. Werbe mich auch nur flink entschuldigen, Pfötchen geben unb bann schnell roieber auskratzen. Machen Sie nur weiter, Morell! Unb baß mir keiner die Halle betritt! Keiner 'raus unb keiner 'rein, verstanben?" „Keine Sorge, Herr Doktor. Wir machen das hier schon. Nehmen Sie sich ruhig Zeit", nickt er großmütig, unb Joachim Hellmers muß unwillkürlich lächeln. 1 Werkmeister Morell ist schon ein Kerl! Langsam geht er über den Fabrikhof, mit weiten ausgreifenben Schritten, tief saugt er die sommerlich milde Lust ein. Jetzt daheim in den Bergen, sein! Im Riesengebirge! Im Thüringer Wald! Ach, wie das Harz fetzt in ben Wälbern zu buften beginnt! fährt es ihm durch den Kopf — und im selben Augenblick, ba er sich bei biefem Wunsche ertappt, muß er auch schon lächeln. Närrisch! Wenn ich hier mal nicht mehr wirken könnte, hier, in biesem Häusermeer, zwischen biesen roten Backsteinmauern unb bem herrlichen wider- lichen Chemiegestank bes Betriebes ... ich glaube, ich würbe trübsinnig. Was sinb alle buftenben Wäl- ber boch gegen ben Geruch ber Arbeit, bie man liebt! ... In der Halle entdeckt er niemanden. Es ist das gewohnte Bild des eiligen Treppauf-treppab, das Kommen unb Gehen von Besuchern, Reisenben, von Botew und Angestellten. Niemand achtet auf ihn, nur bie wenigen Angestellten, die ihn in seinem verbrückten Anzug erkennen, grüßen achtungsvoll. Im Empfangszimmer wartet Ann Grovers und teilt ihm flüsternd mit, die Damen säßen im Nebenraum. Er stößt die Tür auf unb tritt ein. Das ist für gewöhnlich einer ber alltäglichsten Vorgänge, daß ein Mensch ein Zimmer betritt, in bem er einen anderen zu begrüßen gedenkt. Hier aber wird es zu einem schicksalhaften Ereignis. Nie wird er diesen Augenblick vergessen, in dem er sich beim Vorstellen seinen Namen nennen hört, während bie blonbe schlanke Frau im breiten Sessel ihm langsam bas Gesicht zuwenbet. Nie wird er ihren Blick vergessen. Er fühlt zwei große, etwas traurige Augen auf sich ruhen. Da ist es, als schwinde bie Umwelt, als sänken die Mauern so weich unb geräuschlos, als seien sie aus Wachs geformt, als hebe sich bie Decke und weite sich zu einem mächtigen Dom, in bem eine Orgel wunder» voll unb mächtig stngt. Ober ist's nur bas Klingen feines Blutes? Er weiß es nicht, er sieht nur die Augen dieser Frau auf sich gerichtet, unbeweglich, ohne Unruhe unb ohne Neugier, unb alles, alles löscht in biesem Blick aus. Wie munberbar, daß alles andere, das äußere 'Drum und Dran, doch trotzdem so mechanisch seinen Ablauf nimmt! Wo kommt ihm eigentlich die Kraft her, beiden Damen bie Hanb zu geben, sich wegen seiner Kleibung zu entschulbigen unb sie nach ihren Wünschen zu fragen? Welche Macht führt unb leitet ihn, als er sie auffordert, die Werke Sir John Perkins' zu besehen unter seiner Führung? Was gibt ihm Energie, aufrecht neben dieses Frau herzugehen und so zu tun, als fei man fremd unb fern, obwohl es doch so offen und so klar Tage liegt, daß diese Frau für ihn, für ihn allein bestimmt ist? Bestimmt seit Urvätertagen in geheimnisvollem Ratschluß einer Macht, die jenseits wohnt von Gut und Böse? O wie wunderbar ist doch ber Mensch! Er sieht sich zwischen den Frauen über den Fabrik« Hof hinschreiten unb hört sich antworten auf bid Fragen, bie balb von jener anbern kommen, bie ba kurz unb energisch neben ber einzigen daherstapft, bald von ihr selbst ... „Jawohl, das ist bie Kraftzentrale. Wir erzeu« gen unfern Strom selbst." Aber es ist nur sein Mund, der die nüchternen Sätze spricht, sein Herz singt unb klingt unbekannte Melobien ... Melobien ber Liebe, ber ersten unb einzigen; denn alle Männer, deren Leben ganz unb geschlossen ist, Männer wie Joachim Hellmers, bie nicht Entweber-Ober kennen, sonbern nur Ja unb Nein ... sie alle lieben nur einmal in ihrem Leben unb erleben bann ber Liebe höchstes Glück ober ihr tiefstes Leib. „Unser neuer Maschinensaal!" nickt Hellmers. „Sie sehen gerabe bas Stahlgerüst. Alles wirb elek» trisch verschweißt. Hier entsteht ber mobernste Spinnbetrieb Europas. Es gibt kein Werk, bas mit uns in Wettbewerb treten könnte!" Insgeheim muß er lachen, lachen über sich selbst. Da steht er unb rebet von ben nüchternsten Dingen unb möchte boch am liebsten ... Ach Gott, man muß sein armes Herz festhalten. Zum erstenmal legt sich ber Gebaute beklemmend unb beb rück end auf fein Herz: Was foll baraus werben? ... Wie soll bas einmal weitergehen? . - - Die kleinere ber beiben Schwestern richtet ihrs kurzsichtigen Augen fragenb auf ihn. „Wenn ich recht unterrichtet bin, hat Vater das erst im letzten Jahre begonnen?" (Fortsetzung folgt) Aus der engeren Heimat. 25 Lahre Badenweiler Marsch. Von Hans Walther. HL.-Marschierer in Butzbach. ach Nieber- Don Be- Der Jugendlichen Urlaub in her i t der Beruf s- t eines Lagers Das Zeitalter des Lichtbildes. Zum 100. Geburtstage der Erfindung der Photographie. auf einer kleinen Anhöhe) durch das Rauschen des Regens und das Rollen des Donners ein mir unvergeßliches Kindergeheul. Frauen riefen: „Gwants Scheuer brennt!" Ein schreckliches Feuer loderte gen Himmel. Die Scheune gehörte Peter Wagner. Durch das sehr rasch anziehende Wetter waren die Leute schnell in das Dors gescheucht worden und konnten somit rasch eingreifen, und das Feuer wurde in dem sehr dichten Gebäudekompler mit Gottes Hilfe aus seinen Herd beschränkt. Zu allem Glück wehte in der Zeit kein Lüftchen, und durch den starken Regen waren die angrenzenden Gebäude sehr naß. Um 11 Uhr abends lag die Scheune in Asche." Die niedergebrannte Scheune lag ungefähr 20 bis 25 Meter von derjenigen, in welcher das große Schadenfeuer im Jahre 1748 durch Blitzschlag seinen Anfang nahm, entfernt. Rach einer langjährigen Brandpause ging als erste im Frühjahr 1911 die Scheune der früheren Gastwirtschaft von Luise Waldschmidt Wwe. in Flammen auf. Im Juli des Jahres 1914 brannte die Scheune mit Stallungen des Landwirts Jakob Wagner nieder. Dem letzten größeren Brand fiel eine Scheune des Werkmeisters Wilhelm Jost zum Opfer. Rach dieser Zeit ist bis heute kein größerer Brand mehr zu verzeichnen. Zwei Brände entstanden durch Blitzschlag, während die Ursachen der späteren Brände unergründet blieben. Eine Katastrophe wie die des Jahres 1748 würde sich heute, dank der in unserem Orte neuzeitlichen vorhandenen Feuerlöschgeräte nicht mehr wiederholen. Zum anderen werden der Bevölkerung immer wieder die Worte des durch Brandschäden verloren gehenden Volksvermögens nahe gebracht und zur Schadenverhütung aufgefordert. Was die Jugend betrifft, so werden ihr in der Schule sowie in den heutigen Jugendorganisationen immer wieder die Folgen leichtsinnigen Handelns vor Augen geführt. Die Szenen vor der Akademie der Wissenschaften in Paris, die sich nach der Bekanntgabe der Erfin- findung abspielten, beschreibt Ludwig Pfau: „Rach langem Warten öffnet sich endlich im Hintergrund eine Tür, und die ersten Zuhörer stürzen auf den Vorplatz: ,Jodsilbersi ruft der eine, ,Quecksilbers schreit der andere. Eine Stunde später sind bereits die Läden der Optiker belagert, die nicht genug Instrumente auftreiben können, um das hereinbrechende Heer der Daguerrotypisten zu befriedigen, und nach einigen Tagen sieht man auf allen Plätzen von Paris dreibeinige Guckkästen auf- gepflanzt." Schon 18 Tage nach diesem denkwürdiaen 19. August in Paris, also am 6. September 1839, konnte man in Berlin die ersten französischen Apparate kaufen. Und nach weiteren 10 Tagen verkaufte der Berliner Optiker D ö r f f e l seine selbst gebauten Apparate dem stürmisch andrängenden Publikum. Daß diese hell aufflammende Publikumsbeaeisterung für die „Daguerrotypie", wie der Erfinder sein Verfahren nannte, kein Strohfeuer war, braucht angesichts des beispiellosen Siegeslaufes der Lichtbildkunst nicht ausgeführt zu werden. Wer vermöchte auch in dem begrenzten Rahmen dieser Ausführungen die hundertjährige Geschichte dieser Kunst mit ihren tausendfältigen Verbesserungen und Verfeinerungen nur andeutungsweise wie- derzuqeben? Dennoch lockt die Geschichte der Lichtbildkunst zu einer grundsätzlichen Betrachtung. Roch im selben dies möglich ist. Ob diese Voraussetzung gegeben ist, d. h. ob die betrieblichen oder persönlichen Verhältnisse es zulassen, die Jugendlichen in der Zeit eines Lagers oder einer Fahrt der HI. zu beurlauben, entscheidet der Betriebsführer nach pflichtgemäßem Ermessen. Ein Eingreifen des Gewerbeaufsichtsamts ist dann zulässig, wenn der Betriebsführer diese Ermessensfreiheit offenbar mißbraucht." s ch u l f e r i e n und in der v oder einer Fahrt der HI. zu erteilen, wenn Jahre 1839 wurde für die Daguerrotypie die Bezeichnung Photographie erdacht, welche Bezeichnung somit ebenfalls in diesem Jahre ihren 100. Geburtstag begehen kann. Diese Bezeichnung gibt das Wesen der Erfindung Daguerres weit besser wieder, heißt doch photographieren so viel wie „m i t Licht schreiben oder malen". Und damit taucht die Frage auf, warum man zwar von einem Zeitalter der Dampfmaschine, von einem Zeitalter der Elektrizität, aber nicht von einem Zeitalter des Lichtbildes spricht? Vielleicht mag das Fremdwort Photographie daran schuld sein. Wenn hier auch kein Feldzug gegen das Fremdwort geführt werden soll, so muß doch bedauert werden, daß sich das ebenfalls vor 100 Jahren geprägte Wort „Sonnenbild" für Photographie wenigstens nicht im Unterbewußtsein erhalten hat. Denn, wenn das Dichterwort „Die Sonne bringt es an den Tag" auf eine Erscheinung unseres Lebens paßt, dann sicherlich auf die „Licht"bildnerei, weshalb auch der Begriff „Camera obscura“, d. h. dunkle Kammer, nicht eines unaewollten Wortwitzes entbehrt. Zeitalter des Lichtbildes? Ja, — ein völlig neues Zeitalter, eine Zeitwende brach mit der Erfindung Daguerres an, die uns Menschen die R e v o l u t i o n des Sehens brachte. Gewiß haben uns auch die bildenden Künstler aller Jahrhunderte das Sehen gelehrt. Trotzdem lernten wir erst durch das „Sonnenbild" in dem großen Buche der Natur wirklich intensiv zu lesen. Denken wir nur an die Makrophotographie der Himmelskörper, an die Mikrophotographie der kleinsten Lebewesen, an die Rönt- aenbilder, an die Unterwasseraufnabmen und an die Fliegerbilder, und endlich an das „dynamische Sonnenbild", an den Film mit seiner Zeitlupe und seinem Zeitraffer! Ist es nicht so, daß das Wort Goetbes Geheimnisvoll am lichten Tag Läßt sich Natur des-Schleiers nicht berauben. Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag, Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben! Ist es nicht so, als ob dieses Wort beinahe widerlegt wurde? Daß es trotz des Lichtbildes immer seine metaphysische Gültigkeit behalten wird, ist selbstverständlich. Aber daß die Erfinduna Daguerres vor 100 Jahren die Natur sehr vieler Schleier beraubt hat, das ist ebenso gewiß. Und darin liegt auch der Grund, weswegen wir mehr noch als bisher von dem Zeitalter des Lichtbildes sprechen müßten, um dem Genie die ihm zustehende Achtung zu zollen. D. S. gangen. Qualitätsunterschiede nach den einzelnen Fabrikaten werden in keiner Weise behindert. Eine besondere entsprechende Verordnung zur Kennzeichnung von Ziegenkäse gilt nicht für die Gebiete Alpenland, Donauland, Südmark und Sudetenland. Vereinheitlichung deö Versteigerungswesens. Das Reichgesetzblatt bringt eine Verordnung des Reichsministers der Justiz über das nichtgewerbliche Versteigerungswesen, die auf diesem Gebiet einen Schritt zur Rechtsvereinheitlichung bedeutet. Während für das Versteigerergewerbe die wichtigsten Grundlagen bereits einheitlich geregelt worden sind, blieben hiervon bisher die Versteigerungsbefugnisie unberührt, die nach Landesrecht noch besonderen Behörden oder Beamten zustehen. Zu diesen gehören z. B. die Dorf- und Ortsgerichte in Preußen und die Ortsgerichtsoorsteher in Hessen. Die neue Verordnung b e s e i t i gt die Befugnisse der genannten Beamtengruppen auf dem Gebiet des Versteigerungswesens, soweit die Rücksicht auf die Bevölkerung und die betroffenen Beamten dies zu- läßt. Wo solche Befugnisse bestehen bleiben, werden die bisherigen landesrechtlichen Vorschriften durch eine Geschäftsanweisung des Reichsministers der Justiz ersetzt. Die Verordnung tritt am 1. Oktober 1939 in Kraft. Die Zuständigkeit der Notare wird durch die neue Verordnung nicht beschränkt. Urlaub für Luoendliche. Der ReichsapbeitsmiNister führt in einem Schreiben an eine Nachgeordnete Dienststelle zur Durchführung der Urlaubsvorschriften für Jugendliche aus: „Nach § 21 Abs. 2 Satz 1 des Jugendschutzgesetzes ist der Betriebsführer verpflichtet, den —Homberg, 17. August. Bei der hier durchgeführten Kartoffelkäfer-Suchaktion wurden auf einem Acker am Hohen Berg mehrere Larven des Kartoffelkäfers gefunden. Das Landratsamt Alsfeld wurde noch am gleichen Tage benachrichtigt. — Nachdem die trockene Witterung das Einfahren des Getreides gestattete, wurde am Montag mit dem Dreschen begonnen. — Dieser Tage wurde auf der vor der Stadthalle errichteten Freilichtbühne das Schauspiel „Der Prinz von Homburg" gegeben. Die Veranstaltung war sehr gut besucht. Die Schauspieler bereiteten allen ~ suchern einen genußreichen Abend. ___französische Dekorationsmaler Dag^uerre gehört zu jenen glücklichen Erfindern, die bereits zu ihren Lebzeiten anerkannt, mit Ehren bedacht und reichlich belohnt wurden. Die Erfindung, eine Silberplatte Joddämpfen auszusetzen, die auf diese Weise lichtempfindlich geryachte Platte in eine „Camera obscura“ zu spannen, die Platte zu belichten, sie alsdann mit Quecksilberdämpfen zu bearbeiten, die sich an den belichteten Stellen verdichten und dadurch ein Bild erzeugen, — diese staunenswerte Erfindung Daguerres wurde am 14. August 1839 in England patentiert. Da dieses britische Patent das erste auf photographischem Gebiete war und fünf Tage später zur allgemeinen Benutzung bekannt- gegeben wurde, so konnten wir den 14. August d. I. mit Recht als ben 1 0 0. © e b u r t s t a g b e r $ I) o = tographie begehen, zumal — wie fast immer bei solchen Vorgängen — wegen der langen Reihe ber angestellten Versuche bie Geburtsstunde ober besser: ber entscheibenbe Augenblick ber Geburt ber Erfindung kaum noch festzustellen ist. 4 Krumbach, 17. August. In ber Heimctt- g-chichte werden oft Gedenktage übersehen. Der 6jhö dazu ist wohl ber, daß die ereignisreichen ton vielen Einwohnern nicht mehr bekannt sind, toit diese in ber Heimatgeschichte wichtigen Daten nnt vergessen werben, sind sie in der Dorfchronik abgezeichnet. Unter anderem finden wir auch eini= gt! über Brandkatastrophen ausgezeichnet. Der C!:onikschreiber hat von diesem Unglück folgendes noergeschrieben. .Den 15. August 1748 hatte sich ein Gewitter Ü6ir Krumbach zusammengezogen, und da es kaum eirgemat ein wenig gedonnert, hat es gleich bei Pern Sonnenschein, zwischen 2 und 3 Uhr nach- niitags mit einem entsetzlichen Knall in Johann j Seitab Schmidt, Scheuer, Schreinershof, einge- slh!agen, dieselbe entzündet, wodurch die wüthenden glimmen um sich griffen und 19 Häuser, V Scheuern und ebensoviele Ställe in die Asche gelegt. Viele Einwohner wurden da- brd) obdachlos und eine Menge Vieh kam in den iinmmen um. Der Jammer war sehr groß. Doch li tte (Bott das Herz unseres gnädigsten Fürsten tkd fyrrn, daß auch durch dessen hohe Verfügung Iho viele mitleidige Seelen gefunden, welche den 2.'ogebrannten vieles an Korn und Geld gesteuert hlben. (Bott setze das Gute und bewahre alle und ;| j"en von solch und dergleichen großem Unglück." Mach diesem Schadenfeuer zählte Krumbach zur bumaügen Zeit nur noch 36 Häuser. Der dritte 1 il des Dorfes war somit ein Raub der Flammen gworden. 2er nächste größere Brand war ein W a l d - band, der eine Panik unter den Dorfbewohnern hTDorrief; denn in der fraglichen Zeit war es st v heiß, und durch die damalige Trockenheit hätte ei leicht noch verheerendere Folgen nach sich ziehen ; tinnen. Am 19. August 1892 wurde unser Gemeinde- | wild durch ein verheerendes Schadenfeuer um einen ife:r großen Fichtenbestand geschmälert. Zwei Jun- ijin steckten in Wclldesnäbe ein Wespennest an, um rr zu vernichten. Das dürre Gras brannte schnell m'iter, und das Feuer erreichte den nahen Hege- s: (b; In dem dürren Unterholz fand das Feuer schlich Nahrung und verbreitete sich sehr schnell. V kurzer Zeit vernichtete es einen 30fährigen, zirka !( Morgen großen Fichtenbestand. Trotz der fürch- Mchen Hitze während des Brandes wurden von iissig?n Einwohnern Schneisen gehauen, damit das fauer nicht noch größeren Umfang annahm. Der «üdergebrannte Waldstrich bot ein trauriges Bild. ?-uz und quer lagen die verkohlten Stämme auf ” großen Fläche umher. Nach amtlicher Schätzung leurug ber Schaden zur damaligen Zeit zirka -^0 RM. -er Schrecken des Waldbrandes lag den Krum- achern noch in den Gliedern, als nicht ganz zwei t nafe später wiederum ein Feuer ausbrach. Der irvnd entstand durch Blitzschlag, und es hätte leicht ’i «einer Katastrophe in dem sehr dichten Gebäude- 'nplex kommen können. Der damalige Pfarrer liftau Hamann, welcher später nach Hermannstein tr etzt wurde, schrieb folgendes nieder: ,3lm 1. Oktober 1892, einem Sonnabend, zwischen und 6 Uhr, erlebte ich mit das heftigste Blitz- und ^nerwetter, das ich hier erlebt habe. Etwa 10 ’inuten nach 6 Uhr that es den greulichsten der I ^schlage mit rein blauem Licht, von dem sich jeder fl'«: hier hat es eingeschlagen. Nack drei Minuten sgioll von der Straße herauf (das Pfarrhaus liegt linnerungen an Vrandkalastrophen in Krumbach Aus alten Aufzeichnungen in der Dorfchronik. * Großen-Linden, 18. Aug. Am gestrigen Donnerstag gegen 19 Uhr ereignete sich hier in der Steinstraße ein Zusammenstoß eines Motorradlers mit einer Radfahrerin. Dabei wurde die Radlerin so erheblich verletzt, daß sie nach Gießen in die Klinik verbracht werden mußte. Der Motorradfahrer kam mit geringfügigen Verletzungen davon. Die Untersuchung über die Schuldfrage ist im Gange. * AUendorf (Lahn), 17.Aua. Am gestrigen Mitwoch feierten der Zugführer Ludwig V Lehmann und Frau Marie, geb. Luh, Bergstraße, ihre Silberne Hochzeit. Viele Glückwünsche von Verwandten und Bekannten wurden dem Jubelpaare zuteil. — Technische Umstände haben es notwendig gemacht, daß das T r a n s f o r m a t o r e n -- h a u s der elektrischen Hochspannungsleitung unseres Ortsnetzes um mehr als vier Meter erhöht werden muß. Mit ben Arbeiten ist bereits begonnen morben. — Die Dreschmaschine hat mit dem Dreschen des Roggens begonnen. Die Landwirte {inb außerdem mit dem Schneiden der letzten Reste Hafer beschäftigt, während die größeren Bauern ihre Ernteschätze in die Scheunen einbringen. (!) Lollar, 16. Aug. Wie in jeder Woche, traten oüch jetzt wieder die Suchkolonnen an, um Jagd auf Öen Kartoffelkäfer zu machen. Nachdem in ber Nachbargemarkung bei ber Badenburg dieser Schädling festgestellt wurde, wurde die hiesige Suche mit besonderer Sorgfalt durchgeführt. Glücklicherweise war auch diese Suche erfolglos. Kreis Alsfeld. Alteingesessene Bauerngeschlechter. Zur besonderen Auszeichnung ber bewiesenen Treue zu Blut unb Boben werben auf Anordnung des Reichsbauernführers' alteingesessene Bauerngeschlechter besondersgeehrt, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. So ist zum Beispiel der familiengeschichtliche und besitzrechtliche Nachweis für mindestens 200 Jahre zu führen. Bisher konnten schon 5158 alteingesessene Geschlechter ausgezeichnet werden. Man rechnet aber damit, daß insgesamt rund 150 000 solcher alteingesessenen Landoolk- geschlechter vorhanden sind, die sich von keiner Stadtsucht verlocken ließen, vom Lande zu fliehen. Neue Vorschriften zur Käsekennzeichnung. Die Hauptvereinigung der deutschen Milch- und Fettwirtschaft hat durch zwei weitere Anordnungen die Qualitätssicherung und Kennzeichnungsklarheit für wichtige Käsesorten gefördert. Die eine Anordnung betrifft die Vereinheitlichung der Sorten, Großen, Kennzeichnung und Verpackung von Sauermilchkäse Darin werden Form, Korbkase und Landkase, bestimmt. Alle diese Käsesorten dürfen n u r noch in runber Form hergestellt »erben. Die Harzer Käse müssen ein Einzelgewicht zwischen 25 unb 27 Gramm unb einen Durchmesser oon4,3 Zentimeter haben. Entsprechende Vorschriften sind für die l a n g- förmige n K ä s e unter den Sauermilchkäsen er- llnter ben Kompositionsformen, die sich beim beutschen Volke einer allseitigen Vorliebe erfreuen, sind auch unsere Armeemärsche. Daß Kunstmarsch und Militärmarsch anderen Kompositionen ebenbürtig sind, beweist die Tatsache, daß unsere bedeutendsten Tonmeister einzigartige Märsche verfaßt haben, man denke an den Iorck-Marsch Beethovens, an die Militärmärsche Schuberts, an den „Marsch ber Priester" aus Mozarts Zauberflöte, ober an ben vor dem Kriege viel gespielten ,Kaisermarsch" Richard Wagners. Diese Reihe ließe sich weiterführen bis auf Richard Strauß, hinzu kommen die vielen Armeemärsche von Militärmusikern, von Piefke unb leite bis zu Wieprecht. Einer der volkstümlichsten Märsche unserer Zeit, ber heute gerade ein Vierteljahrhundert alt wird, ist der Badenweiler Marsch, ber eine nicht alltägliche Entstehungsgeschichte aufweist. In ben Augusttagen 1914 hatten bie Franzosen ben Grenzort Badonviller als starke Stellung ausgebaut und verteidigten ihn hartnäckig, tagelang; schließlich aber gelang es dem wilden Ansturm der „Leiber" — so hießen bie Soldaten des Kgl. Bayerischen Jnfanterie- Leibregiments — bie Stellung zu nehmen. Unter ben Stürmenden war auch das Bataillon des damaligen Majors Epp, des jetzigen Reichsstatthalters in Bayern. EiN Augenzeuge hat davon berichtet: „Es war ein unvergleichlicher, ein unvergeßlicher Anblick, wie die Truppen in mehreren Angriffswellen immer wieder vvrstürmten, bis ber Ort genommen war." Kühn und zäh wehrten die Feinde die „Leiber" immer wieder ab, doch am 12. August gegen Abend brach der letzte Widerstand zusammen unter der ehernen Wucht des bajuvarischen Angriffs. Dem Kgl. - Steinbach, 17.Aug. Durch bas Einsetzen fce: günstigen Witterung konnten bie Erntear- b -iten gut gefördert werden, so daß nun alles (fcreibe gemäht ist. Wie alljährlich, dreschen die fitneren Betriebe ihr Getreide auf der Maschine, bi! seit Anfang der Woche auf ber Höhe über dem Arft nach Gießen zu im Betriebe ist. Bei weiterer gültiger Witterung dürfte mit Ende ber Woche größte Teil ber Ernte geborgen sein. 5 Steinbach, 18. Aug. Am heutigen Freitag, August, kann Landwirt Jakob Haas V. in mer Gesundheit seinen 71. Geburtstag feiern, iv Jubilar verrichtet noch seine sämtlichen land- wiüschaftlichen Arbeiten. Am 19. August feiert Frau 9)1:rie Margarethe <5 d) mitt, geb. Horn, Ehefrau b?: Landwirts Karl Schmitt I., ebenfalls ihren 71. Eäurtstag. Auch sie erfreut sich noch einer guten 6 'undheit. Unsere Glückwünsche gelten beiden Ju- tiiren. 5 211b ad), .18. Aug. Unser Mitbürger Jakob Schmitt, srüherer Pflasterermeister,' kann am jhiitigen 18., August seinen 7 5. Geburtstag in g:er Gesundheit begehen. 1937 konnte er bie Hldene Hochzeit feiern. Dem Jubilar herzliche Glück- vmsche. §»ife beteiligten. Am heutigen Morgen setzen D^seldorser Jungen ihren Weg bis nach Nie F.irstadt fort. Landkreis Gießen. Obermusikmeister Georg Fürst lag noch lange ber Klang der stürmenden Bataillone im Ohr, und noch am selben Abend entwarf er zur Erinnerung an diesen siegreichen Tag den „Badonviller Marsch"; als man bald daraus feststellte, daß ber Grenzort Babonoiller früher einmal zum Deutschen Reich gehört hat, und damals Badenweiler hieß, wurde ber Marsch auch umbenannt unb ist heute jedem Deut» scheu als „Badenweiler Marsch" bekannt. Schnell eroberte sich dieser neue, aus heißen Kampftagen geborene Marsch bie Herzen ber Feldgrauen, bald konnte man ihn in allen deutschen Gauen hören, sogar bie Ausländsdeutschen nahmen ihn freudig auf, und einer schrieb an ben Komponisten, „aus diesem deutschen Marsch hören wir ben festen Marschtritt unserer heimatlichen Bataillone!" Unter bem Rhythmus des Badenweiler Marsches marschierten nach dem Zusammenbruch 1918 die freiwilligen Grenz- und Baltikumkämpfer unb später bie braunen Kolonnen ber jungen Bewegung, deren Führer diese mitreißende Musik schon als unbekannter Gefreiter an der Westfront erkannte. Es ist sicherlich mehr als ein bloßer Zufall, wenn sich diese Marschmusik aus den übrigen damals entstandenen Märschen heraushebt, denn in ihr klingt jener Geist des Fronterlebnisses durch, ber {eben echten Deutschen nicht nur ansprechen, sondern gefangen nehmen muß. Selbstverständlich ist der Badenweiler Marsch in die Reihe der Heeresmärsche ausgenommen worden als Heeres marsch II, 113. Auch darf dieser Lieblingsmarsch des Führers fortan nur zu würdigen Gelegenheiten gespielt werden, denn er soll das bleiben, was er einmal war, wenn sein anfeuerndes Signal ertönt: Ruf zum vollen Einsatz für das eine große Ziel, Deutschland! 'V Butzbach, 17. Aug. Gestern abend traf ber reite Marschblock b er H i t l e r - I u g e n b, lC sich auf dem Marsch zum Reichsparteitag nach Airnberg befinbet, von Wetzlar kommend, in un- ti?r Stadt ein. Die Jungen stammen aus Düsselers. Am Stadteingang wurde bie Gruppe von k- Gliederungen, bie in großer Zahl angetreten C:ren, eingeholt. Unter Dorantritt der Werkschar- ka?elle bewegte sich der Zug nach bem Marktplatz, M bie Gäste von Ortsgruppenleiter unb Bürgerin ster Dr. Mörschel herzlich begrüßt würben, to:rauf der Führer des Marschblocks für ben herr- üden Empfang banktss. Nachdem sich die Jungen in den Quartieren gestärkt hatten, fand auf bem Drktplatz ein Singabend statt, an dem sich Gäste •uiö einheimische Jugendorganisationen in gleicher ,-v?He beteiligten. Am heutigen Morgen setzen bie 3 STÜCK Einen blütenzarten Teint - eine jugendfrische Haut erhält Ihnen die regelmäßige Pflege mit der milden Palmolive-Seife, hergestellt mit Palmen- und Olivenöl. r MIT ’ MMimWlR k 554 ; Mit,,1 Sie die mit Olivenöl hergestellte Palmolive-Rasierseife. Wenn Sie sich jeden Tag möglichst angenehm, hautschonend und zeitsparend rasieren wollen, benutzen S.Jt.-^pOTt 5. Gau-Kanu-Gtaffelmeiskrschast in Gießen. Wenn am kommenden Sonntag die NSRL.-Ver- eine in Grünberg das Bundesfest begehen, werden die Kanusportvereine, denen sich in Grünberg keine Startmöglichkeiten bieten, durch die Beteiligung an der 5. Gau-Kanu-Staffelmeisterschaft, ihr Bekenntnis zur Arbeit des Kreises VIII (Gießen) ablegen. Am gleichen Tage werden in allen Gauen des NS.- Reichsbundes für Leibesübungen die Gaumeisterschaften der Kanuten um die Vereinsstaffeln ausgetragen, und die Gaumeister werden anfangs September auf dem Traunsee bei Gmunden in der Ostmark dann die Deutsche Vereinsstaffelmeisterschast austragen. Die Durchführung der Gaumeisterschaften im Gau XII (Hessen) ist der Paddlergilde Gießen übertragen worden. Am Sonntag, 20. August, werden auf der Lahn in Gießen die Kanusportvereine Hessens zur 5. Gau-Kanu-Staffelmeisterschaft antreten. Die Staffelmeisterschaft wird als Pendelstaffel ausgefahren. Der Start erfolgt In zwei Klassen: Klasse A im Kajak und Klasse B im Wanderfaltboot. Eine Mannschaft umfaßt insgesamt neun Fahrer und zwei Boote. Zunächst startet ein Einer-Kajak bzw. Faltboot, das dann den Staffelstab an einen Zweier abgibt, auf den wiederum ein Einer folgt und so fort. Die Strecke führt jeweils über 5 km. Die Gesamtstrecke umfaßt 30 km. Start und Ziel liegen am Bootshaus der Paddlergilde. Die Fahrt geht flußaufwärts bis kurz hinter die Gleibachmündung, wo eine Boje die Wendemarke abgibt, und führt dann zum Stabwechsel an Start und Ziel zurück. Die Meldeeröffnung und Startverlosung ergab ein befriedigendes Ergebnis. Gemeldet haben Paddelsport Kassel, Paddlergilde Hanau, Paddlergilde Gießen, Gießener Rudergesellschaft und Wiesecker Kanuklub. Insgesamt werden 5 Mannschaften mit 45 Fahrern antreten. In der Klasse B sind nur Gießener Vereine vertreten. Gemeldet haben die Paddlergilde Gießen, die Gießener Rudergesellschaft und der Wiesecker Kanuklub e. V. Die besten Aussichten haben die Wiesecker, die über erprobte Langstreckler verfügen. Die spannendsten Kämpfe werden die der Klasse A bringen. Hierfür haben Kassel, Paddelsport, und Hanau, Paddlergilde, gemeldet. Der Kampf geht nicht nur um die Gaumeisterschaft, sondern auch um den ersten Platz in der Gau-Punkttabelle. Neuer deutscher Stabhochsprung-Rekord. Beim Japaner-Sportfest in Duisburg stellte der Luftwaffensportler Glötzner (Weiden) mit 4:14,8 Meter einen neuen deutschen Stabhochsprung-Rekord auf. Den bisherigen Rekord, der auf 4,12 Meter stand, hatte Wegener seit dem Jahre 1931 in Besitz. — (Schirner-M.) W W - / Werbe-Drucksachen liefert BrühFsche Druckerei Man pflege Treppen, Böden und Flur nur mit Obermanns Schnell-Politur glättet nicht, trocknet sofort und spielend leicht im Gebrauch Farbenhaus Obermann Sonnenstraße 15 • Gießen • Telefon 2134 5595P In dem Festzelt gelangt das beliebte 5590D „Pfungstädter Export-Bier“ zum Ausschank. — Festwirt: Heinrich Dechert, Gießen ,,Kühlen Grund“ Bierniederlage Fritz Heinzerling, Gießen, Ruf 3259