Mittwoch, I8.3anuarl939 Nr. 15 Erstes Blatt 189. Jahrgang Annahme von Anzeige« für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrist nach Dort).$ereinbg.25°/0 mehr. Ermähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Eichener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugrprelr: irischast Berlin, 17. Ian. (DNB.) Wesentliche Voraussetzungen für die Steigerung der Wirtschaftlichkeit in der deutschen Wirtschaft ist eine klare Erkenntnis aller betrieblichen Vorgänge, insbesondere der Koste n. Der Reichswirtschaftsministssr und der Reichskommissar für die Preisbildung haben daher für die Reform des gesamten betrieblichen Rechnungswesens der gewerblichen Wirtschaft auf der Grundlage der Vorschläge des aus Sachverständigen beim Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit gebildeten Reichsausschusses für Betriebswirtschaft Kostenrechnungsgrundsätze erlassen, die den erwarteten Kostenrechnungsrichtlinien der Gruppen zugrundegelegt werden müssen. Diese Grundsätze enthalten keine P r e i s kalkulations Vorschriften, vielmehr nur Bestimmungen über die Ermittlung und Verrechnung der Kosten, und sollen erreichen, daß der Betrieb Klarheit über Art, Höhe und Entstehung der Kosten erhält. Sie gliedern sich in vier Abschnitte über den Zweck der Grundsätze, Wesen und Aufgaben der Kostenrechnung, Aufbau der Kostenrechnung und die Auswertung derselben. Diese Reform des Rechnungswesens muß durch die klare Erkenntnis der Kosten -. will noch den Kampf gegen den Verderb versuchen? Landsrau und Landflucht. Die großen Leistungen des Bauerntums für die Sicherung der Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes hat der Reichsbauernführer R. Walther Darre in seiner Rede zum Abschluß des 6. Reichsbauerntages in Goslar eindeutig aufgezeigt. An dem stolzen Ergebnis der Steigerung des Selbstversorgungsgrades von 75 v. H. 1932 auf 82 v. H. 1937 trotz aller Schwierigkeiten ist nicht zuletzt auch die deutsche Landfrau erheblich beteiligt. In unermüdlicher Kleinarbeit in Haus und Hof trug sie zu ihrem Teil zum Gelingen des großen Werkes bei. Sie ist aber heute bereits so mit Arbeit überlastet, daß sie ihrer eigentlichen Aufgabe, Mutter einer zahlreichen Kinderschar zu fein, kaum mehr gerecht werden kann. Der Reichsbauernführer würdigte chre Tätigkeit sehr deutlich und umfassend, indem er sagte: „Was unsere Bauersfrauen in den vergangenen Jahren an Arbeit und seelischer Belastung, an Mühe und Not haben durchhalten müssen, ist wahrhaftig das Hohelied eines wahren Heldentums" Untersucht man die Gründe dieser Ueberlastung, so muß man feststellen, daß es die Abwanderung vom flachen Lande in die Städte, die „L a n d - flucht" ist die der Bäuerin die mithelfenden Arbeitskräfte entzieht. Don dieser Abwanderung werden nicht nur die Landarbeiter, sondern ebenfo die Kinder der Bauern, also die familieneigenen Arbeitskräfte betroffen. Da eine Auffüllung der so entstehenden Lücken nicht möglich ist, weil einerseits überhaupt die Arbeitskräfte fehlen und andererseits keine Mittel zu ihrer Einstellung zur Verfügung stehen, fällt der Bäuerin die Mehrarbeit zu. Durch diese Abwanderung ist aber die weitere Durchführung der Erzeugungsschlacht sehr erschwert. Zum anderen ist diese Entwicklung für den Bestand unseres Volkes eine nicht zu unterschätzende Gefahr, da das Bauerntum unter diesen Umständen seine große Ausgabe, Blutsquell der Motion zu fein, kaum mehr erfüllen kann. Die Arbeitsüberlastung auf dem Bauernhof ist heute derart daß die Arbeitskraft der Landfrau nicht ausfallen Darf. Die werdende Mutter kann also nicht von schwerer körperlicher Arbeit befreit werden. ,, ... , Die Ueberwindung der Landflucht ist somit zu einem Problem geworden, das vordringlich gelost werden muß. Mit materiellen Mitteln allem ist es allerdings nicht getan, sondern hier ist die seelische Bereitschaft eine wesentliche Voraussetzung. Es liegt einmal an Der weiblichen Land- „Mn, meine Suvve ess'ichmcht!" Wie oft mag wohl der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann diesen Ausruf aus einem Kinder- mund gehört haben, ehe er den kleinen Nichtessern die bekannten Verse in feinem „Struwwelpeter" widmete. Aber allen Struwwelpeterbilderbiichern zum Trotz gibt es noch immer viele Suppenkaspers in der Welt! Es ist unrichtig, die mangelnde Eßlust zu ve- strafen oder als Nörgelei anzufehen. Die körperliche Beschaffenheit dieser Kinder, die oft mit besonders leichter Erregbarkeit und Hang zum vielen Weinen verbunden ist, bedarf besonderer Ernährung. Diese Kinder müssen seelisch und körperlich abgehärtet werden und zwar in überlegter und folgerichtiger Art. Man soll Die Empfindlichkeit nicht durch Rührseligkeit unterstützen, sondern alle übermäßig gefühlvollen Eindrücke auswägen und andererseits die körperliche Empfindsamkeit durch gesunde Kost beeinflussen. Andere Abhärtungsmethoden, wie Wechsel- oder Kaltbäder, Sonnen- und Luftbäder, Höhensonne und Medikamente, darf man nur nach ärztlicher Verordnung anwenden. Bei der Ernährung Der Kinder ist es gut, Fleisch ganz klein unD Fisch sehr groß auf den Küchenzettel zu schreiben. Ab und zu etwas Blut- oder Leberwurst, ein Stück Leber — Das genügt vollkommen, hingegen Fischgerichte mindestens zweimal und recht viel Heringsspeisen außerdem Alle Fischgerichte find sehr leicht verdaulich und von besonders hohem Nährwert! Ein sehr billiges und nahrreiches Lebensmittel ist Milch, die aber oft nicht gut vertragen wird. Besonders bei kleineren Kindern stößt man oft auf hartnäckige Weigerung, ein Glas Milch zu trinken. Die Lust am Milchtrinken kann einfach hervvr- gerufen werden, wenn man etwas Himbeer-, Zitronen- oder einen anderen Obstsaft Dazuquirlt und noch ein Trinkröhrchen spendiert. Das macht unseren Kindern besondere Freude und schmeckt ihnen gut. Die Verdaulichkeit der Milch, die sehr grobflockig im Magen gerinnt und Daher etwas belastet, erreichen wir durch ein kalk- und eiweißreiches Hilfsmittel: Gelatine. Ein Blatt für einen Liter Milch verquirlt, genügt, sie feinflockig im Magen gerinnen zu lassen und sie restlos verdaulich zu machen. Außerdem können wir Die Lust aller KinDer an Geleespeisen ausnutzen und ihnen mit Hilfe der Gelatine viele nötige Speisen zuführen. Die sie sonst nicht gerne essen wollen. Außer rohen Mohrrüben, die von den meisten Kindern gern geknabbert werden, können wir die verschiedensten Gemüse feingeschnitten roh in kleinen Formen oder auch in einer Schüssel anrichten und mit einer mit Zitrone, etwas Salz und Zuck"r abqe- schmeckten Gelatinebrühe übergießen. So eine Blubberspeise essen sie gern zu Pellkartoffeln oder auch Kartoffelbrei und nehmen durch diese Rohkostspeisen viel Vitamine zu sich, Die in gekochten Gemüsen nicht mehr in gleichem Maße vorhanden find. Der Wunsch, oft etwas Saures zu essen, kann getrost erfüllt werden. 'Ein Stück Gurke, ein saurer Hering, eine Zitronenscheibe, säuerlich eingelegte Fischkonserven usw. schaden chnen nichts und regen den Appetit an. Verschiedene Aufläufe, Gerichte von Teigwaren (Makkaroni werden besonders gern gegessen), süße Suppen aus Gries, Haferflocken, Kartoffelmehl ufw. — alles soll möglichst verschieden und immer liebevoll abgeschmeckt zubereitet werden. Auch ist es gut, Kindern nicht vollgehäufte Teller vorzusetzen; je weniger auf einem Teller liegt, desto größer wird die Eßlust sein, und je mehr mir uns bemühen, dem Kind ein hübsch aussehendes, gut abgeschmecktes und nahrhaftes Gericht vorzufetzen, um so mehr werden wir auch feinen Appetit anregen und um fo weniger werden wir hören: „Nein, meine Suppe ess' ich nicht!" Das wird's barm wirklich nur noch im „Struwwelpeter" geben! S. Fr. Enae Schube - böse Folgen! Da hat man zufällig irgendwo ein Paar besonders hübscher Schuhe gesehen, nur drücken sie ein wenig bei der Anprobe. Aber — bei dem Preis! — wird sich das Drücken sicher geben. Jedoch, es gibt sich nicht, sondern eines Tages — man will ja schließlich Die neuen Schuhe zeigen — bekommt man Die bösen Folgen zu spüren. Man ist schon kaum noch vor Brennen und Drücken die Treppen heraufgekommen, das Ausziehen Der Schuhe bedeutet eine unendliche Wohltat und Dann sieht man Die Bescherung: Blasen? Neue Schuhe soll man immer erst im Haus mehrmals kurze Zeit „Probe tragen", bevor man Den ersten Ausgang wagt. Denn neue Schuhe müssen sich erst Der Fuß form anpassen. Drückt Der Schuh, Dann ziehe man ihn auf etwas größere Leisten ober lasse ihn beim Schuhmacher weiten. Das ist besser als sich so unerträglichen Qualen auszusetzen. Und was macht man mit ber bösen Blase? Das Beste ist, sie austrocknen zu lassen, b. h. wenig laufen unb Dann in bequemen Schuhen. Leiber wird Die anbere Behandlung des Aufstechens meist bevorzugt. Dann aber immer die Nähnadel ausglühen. Dieser Einstich bringt zwar Erleichterung, man kann auch gut unb angenehm laufen, aber er ist gefährlich, beim nun ist bem Einbringen von Krankheitserregern, Entzündungen unb Eiterbildungen die Tür geöffnet. Darum muß man die geöffnete Blase sorgfältig behandeln, niemals einen farbigen Strumpf in direkte Berührung bringen. Ein mit Vaseline getränkter Leinenlappen ist Der beste Schutz. Eine viel ernstere Folge der „zu engen" Schuhe sind die Druckstellen, die zu den berüchtigten Hühneraugen führen, die erstens unschön sind unb zweitens eine lange und schmerzhafte Behandlung erfordern. Noch viel schlimmer aber ist, baß man sich mit schlecht sitzenben unb namentlich engen Schuhen bie Füße richtig verderben kann. Erst, wer kranke Füße hat, weiß, daß gefunbe Füße ein wichtiger Bestandteil bes allgemeinen Wohlbesinbens finb unb rät allen zu einer sachgemäßen Fußpflege. Zu bieser Pflege gehört auch unbebingt das Tragen von hohen Stiefeln bei kleinen Kinbern. Es ist zwar viel hübscher, sein Mäbel in einem zierlichen Halbschuh zu sehen, aber — denkt an die Zukunft! Göring im Militärwaisenhaus Potsdam. Als Chef des großen Militärwaisenhauses Potsdam besuchte Generalfeldmarschall Göring die Junqrnannen und Jungmädel, um ihnen persönlich für ihre Glückwünsche zu seinem Geburtstag zu danken. — (Scherl-Bilderdienst-M.) M K M - T "" W WSUM in Westindien. einer deutschen Fangexpedition. Auf Haifischjagd Die ersten Ergebnisse Am 4. Juni 1938 ist von Hamburg aus das Haifisch-Fangschiff „Aequator" zu seiner ersten großen Fahrt in die Weltmeere ausgelaufen. Eine Offenbacher Lederfabrik, der es schon vor vier Jahren gelungen war, die Haifischhaut zu gerben, hatte die Anregung gegeben. Kapitän, Reeder und Lederfabrikanten fanden sich im vergangenen Jahr zusammen zu gemeinsamer Tat. Es gibt über hundert verschiedene Arten von Haifischen, die alle je nach ihrer Beschaffenheit verschiedenartige Häute und damit auch verschiedenartiges Leder liefern konnten. Der Korallenhai hat zum Beispiel eine faltige Haut, die sich ganz besonders zu eleganten Handtaschen verarbeiten läßt. Andere Haifischarten ergeben ein so hartes Leder, daß es sich sogar als Sohlleder und Riemenleder verwenden läßt. Vor allem aber hat die Haifischhaut einen Vorteil vor allen anderen, das ist ihre Größe. Alle diese Vorteile gaben den Ausschlag, den Plan zu verwirklichen und eine Haifisch-Fangexpedition auszurüsten. Außerdem wurden durch den Haifischfang der deutschen Wirtschaft auch noch Fischmehl, Tran und Oel zugeführt. Die „Versuchsgesellschaft für Haifisch- und Hochseefang", die zur Durchführung des Planes gegründet wurde, ging nun an den Ausbau des ersten Fangschiffes. Rach fast einjähriger Bauzeit war der „Aequator" Mitte vorigen Jahres fertig und lief am 4. Juni aus dem Hamburger Hafen. Nunmehr liegen die ersten Berichte über die bisherigen Ergebnisse des Unternehmens vor. Der „Aequator" hatte im August sein erstes Fanggebiet bei Westindien erreicht und betreibt nun seit vier Monaten das Fanggeschäft. Das Schiff selbst ist gewissermaßen die schwimmende Fabrik, die bei Westindien vor Anker gegangen ist. Der Fang wird mit vier großen Fangbooten betrieben, die der „Aequator" mit sich führt. Haifische werden mit Angeln und Netzen gefangen. Die Fangboote haben einen doppelten Boden, der dazu dient, die gefangenen Haie aufzunehmen. Die Fangboote sind jeweils einen ganzen Tag unterwegs. Es erwies sich als notwendig, die gefangenen Haie vor der Sonne zu schützen, was ebenfalls durch den doppelten Boden in wirksamer Weise möglich ist. Am Abend eines jeden Tages kehren die Fangboote wieder zum „Aequator" zurück und liefern die Beute ab. Nun kommt es darauf an, die Häute sofort zu verarbeiten. Denn wenn die Häute längere Zeit liegen, ergeben sie kein brauchbares Leder mehr. Ein Betriebsleiter des Offenbacher Werkes, der ein anerkannter Fachmann für Haifischhaut- Gerbung ist, nimmt an der Expedition teil. Sobald die Fangboote ihre Tagesbeute abgeliefert haben, werden die Haie enthäutet. Auch das hat wieder feine Schwierigkeiten, denn die Haifischhaut trägt auf der Außenseite kleine Dornen, die entfernt werden müssen, ohne daß die Haut beschädigt wird. Die Offenbacher Fachmänner haben einen besonderen Kniff dabei, so daß es heute auf dem Schiff möglich ist, auch eine größere Anzahl Haie in kürzester Zeit einwandfrei zu enthäuten. Sofort nach dem Enthäuten werden die Haifischhäute präpariert und gerbfertig gemacht. Schon noch 24 Stunden ist dieser Prozeß beendigt und die Häute können dann mit der nächsten Transportgelegenheit nach Offenbach geschickt werden, wo sie gegerbt werden. Bis jetzt wurden bereits einige Hundert Haie gefangen, die in Offenbach gut angekommen und gegerbt, ja größtenteils schon verarbeitet sind. Manche Dame trägt vielleicht schon Schuhe oder eine Handtasche, die aus den Ergebnissen dieser ersten Haifisch-Fongexpedition stammen. Gefangen wurden überwiegend die sogenannten „Tropenhaie". Außer der Haut liefert der Haifisch auch noch andere verwertbare Materialien. Im Zwischendeck des Dampfers ist eine Fabrikanlage untergebracht, die es ermöglicht, den Haifisch sofort nach dem Fang an Ort und Stelle zu verarbeiten. Die Haie werden zu Fischmehl verarbeitet, Tran und Oel werden gewonnen und geeignetes Fischfleisch wird sofort zu Konserven verarbeitet, denn sogar eine kleine Konservenfabrik birgt der Schiffsleib. Die Haifischflossen werden in besonderen Trockenapparaten getrocknet und verkauft. In den Häfen werden Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach« mittag geschlossen. sie als Delikatesse für den fernen Osten hoch bezahlt. Fischmehl, Tran, Oel, Konserven nnd die anderen Produkte des Haies werden, wenn eine genügende Menge vorhanden ist, in Behältern und Kisten verpackt und mit einem anderen regelmäßigen Schiff nach Hamburg geschickt, von wo die Produkte dann der deutschen Wirtschaft zugeführt werden. Das erste Haifisch-Fangschiff „Aequator" wird noch ein halbes Jahr in den westindischen Gewässern bleiben und den Haifischfang betreiben, dann wird es nach Hamburg zurückkehren. Wenn auch über die wirtschaftlichen Ergebnisse dieser ersten Haffisch- Fangexpedition noch kein abschließendes Urteil möglich ist, so darf man doch schon sagen, daß auch hier in der Lederfabrikation und Verarbeitung deutscher Unternehmergeist eine Bresche geschlagen hat. r. Rohstoffbeschaffung der Seifensieder. 13,6 12,6 237,9 9,1 21,4 4,4 14,9 2,3 12,6 59,7 9,3 33,9 17,1 14,9 2,3 3,3 6,2 Premier jus und Speise rind ertalg Technischer Talg und Preßtalg . Schweinefett...... Abfallfette Rohtran . v b » e a 6 Harttran »»»*»; Palmkernöl * » a a s s Kokosöl . b b i a a b Palmöl . • a • a a a Sojaöl . Leinöl .«.,3.8 Rizinusöl Baumwollsaatöl . Sonstige Pflanzenöle und Fette . Spaltungsfettsäuren und Destil- Von dem großen Liebig stammt das Wort: „Die Seife ist das Maß der Kultur". Wahrscheinlich ist sie eine Erfindung der Germanen oder Kelten, die FettundPflanzenasche zusammentaten und damit ein Reinigungsmittel erfunden hatten, das besser war, als das bisher von den Mittelmeervölkern verwandte Oel. Später, als mit der steigenden Textilerzeugung die Anforderungen auch an die Waschmittel immer größer wurden, als man vor allem das lästige Bleichen auf den Rasenflächen ausschalten wollte, kam man dazu, die Pflanzenasche zu ersetzen und fand in dem damals von Leblanc und Solvay hergestellten Soda ein geeignetes Erzeugnis. Leblanc, der Erfinder der Soda, nahm sich noch als ein Nichtverstandener im Armenhause das Leben, und der Chemiker L a o o i - sier, auf dessen wissenschaftlichen Erkenntnissen er ausaebaut hatte, wurde 1794 hingerichtet. Trotzdem aber trat ihre Erfindung vor allem nach dem wirtschaftlichen Verfahren des Belgiers Solvay ihren Siegeslauf an und ermöglichte eine gewaltige Ausdehnung der Seifenerzeugung. Schwieriger war die Beschaffung des zweiten wichtigen Rohstoffes, des Fettes, an das verschiedene Anforderungen gestellt werden. Vor allem muß, wie der Seifensieder sagt, „das Unverseifbare ausgeschieden werden". Die verschiedensten Fette und Oele hat man für die Seifenerzeugung genommen. Dor dem Beginn der deutschen Rohstoffschlacht im Jahre 1933 verbrauchte die deutsche Seifenindustrie folgende Rohstoffe: In 1000 Tonnen Horten Mark ermittelt. Die obitze Liste läßt den Beschauer nun schon einwandfrei erkennen, daß unter den dort aufgeführten Hilfsstoffen der Seifenerzeugung viele Stoffe zu finden sind, die devisengebunden sind und eine Ueberprüfung ihres Einsatzes notwendig machten. Bekanntlich hat ja die Fettfrage unseren Männern von der Vierjahresplandienststelle und vom Reichsnährstand besondere Kopfschmerzen gemacht. Nach einer Berechnung von Staatssekretär Backe im „Vierjahresplan" stellte sich die deutsche „Fettbilanz" im Jahre 1936, als also schon recht beachtliche Erfolge errungen werden konnten, etwa folgendermaßen dar: Verbrauch an Ernährungsfetten 16000001 Verbrauch an technischen Fetten 3680001 Gesamter Fettverbrnuch 1968000 t Eigenerzeugung 943 0001 = 48 o. H. Der Devisenbedarf für die Fetteinfuhr stellt sich auf rund 400 Millionen Mark. Don dem Verbrauch von 368 000 Tonnen für technische Zwecke gingen etwa 70 v. H. an die Seifenindustrie. lationsfettsäuren . .... Raffinattons- und Abfallfettsäuren Oele, Fette und Fettsäuren zus.: Hinzu kommen noch einige andere Hilfsstoffe, darunter Harze, Grundseifen u. a. Der Gesamtwert der Roh- und Hilfsstoffe der deutschen Seifenerzeugung betrug im Jayre 1933 116,4 Millionen Mark, der Gesamtwert des Absatzes würde mit 262,5 Mil- Man hat nun auf die verschiedenste Weise versucht, eine völlig neue Rohstoffgrundlage für die Seifenerzeugung zu schaffen und damit auch schon recht schöne Erfolge gehabt. Am Rande sei vorweg bemerkt, daß man die für die Seifenher- stellung benötigten Harze heute schon zum Teil durch neuartige Harzgewinnungsmethoden aus den deutschen Wäldern gewinnt. Schwieriger war schon die Frage der F e t t b e s ch a f f u n g. Man hat hier Versuche gemacht, das bei dem steigenden Hanfanbau anfallende Hanföl zu verwerten, man hat aus den Roßkastanien das Saponin gewonnen, man hat die Knochensammelaktton eingeleitet, um das wertvolle Knochenfett stärker auszunutzen, und man hat schließlich sogar Versuche unternommen, ein Seifenfett aus Kaffeegrund herzustellen. So lobenswert all diese Versuche auch sind, sie vermochten doch nicht die Fettfrage für die Seifenindustrie endgültig zu lösen. Gewiß mag manch einer dieser so gewonnenen Stoffe für gewisse feine Seifen oder Spezialerzeugnisse von hervorragender Eignung sein, die Aussicht auf eine endgültige Klärung der Rohstoff-Frage brachten aber erst zwei andere Maßnahmen. Das eine war der Aufbau einer deutschen Walfangflotte, die im letzten Fangjahr schon 94 000 t Walöl heimbrachte, das vor allem von der Margarine- und SeifeN- industrie verbraucht werden wird. Beinahe noch interessanter ist es, daß es.deutschen Chemikern gelungen ist, aus Kohle Seife herzustellen. Bei der Herstellung synthetischen Benzins nach dem Fischer-Tropsch-Derfahren fällt Paraffin als Abfallstoff an. Dabei ist es bemerkenswert, daß man durch die Wahl der bei der Erzeugung eingesetzten Drücke die Höhe des Paraffinanfalls steuern kann. Nach verschiedenen Verfahren, die von den IG.-Chemikern im Werk Ludwigshafen-Oppau, von den Deutschen Fettsäure-Werken in Witten und von einem Magdeburger Werk ausgearbeitet wurden, ist es gelungen, aus dem Paraffin in langwierigem Prozeß eine Fettsäure zu gewinnen, die für die Seifenerzeugung zu gebrauchen ist. Auf Anregung von Staatssekretär Keppler wurde in Witten an der Ruhr die erste Anlage zur jährlichen Erzeugung von 20 000 Tonnen Fettsäure aus Kohle im Jahre 1937 in Betrieb genommen. Man plant die Erzeugungsstätten soweit auszubauen, daß ab 1939 mit einer jährlichen Erzeugung von 60 000 Tonnen zu rechnen ist. Kunst und Wissenschaft. „Sehnsucht nach Afrika", ein Naturfilm von Bengt Berg. In Anwesenheit des Forschers Bengt Berg fand in Frankfurt eine Vorführung eines neuen Films „Sehnsucht nach Afrika" statt. Bengt Berg betonte bei dieser Gelegenheit, daß ihn der künstlerische und wissenschaftliche Wert des Filmes erst in zweiter Linie interessiere. Viel wichtiger sei es ihm, den Millionen naturliebender Menschen einen Einblick zu verschaffen in die Wunder der Natur an den Gestaden des Nils. Er habe nicht die-Absicht gehabt, einen Kulturfilm zu schaffen, sondern einen Naturfilm, denn die Menschheit in den Industriestaaten sehne sich nach etwas Lebendigem, nach etwas Natürliche'in, sei es auch nur ein kleiner Vogel oder eine kleine Pflanze. Der Film veranschaulicht einen Ausschnitt aus der Tropenpracht des Nils, aus dem Tierleben in ihm und an seinen Ufern, und schildert in überaus gelungener Weise den Zug der Vögel aus den kälteren Regionen nach den wärmeren Ländern, besonders nach dem Lande der Pharaonen. DerBaukünsilerAibertSpeer Von Martin Richard Moebius. Die Lage war heillos, als sich der Baukünstler Albert Speer 1933 mit den Voraussetzungen und Bedingungen des öffentlichen Neubaus beschäftigte. Die Tradition aus den Epochen großer Stile war unterbrochen. Die sogenannte Moderne liquidierte die Reste eines entarteten Kunst- und Vernunftwillens. Auf der einen Seite wuchsen die Sttlungeheuer formalistischen Ueberschwangs, auf der anderen waltete nüchterne Sachlichkeit, pedantische Vorsicht. Doch Albert Speer machte daraufhin keine trostlose Philosophie, sondern entschloß sich, im Vertrauen auf die eigene Kraft, die nächste Stunde schon, den nächsten Tag damit anzufüllen, aus den Notwendigkeiten, Zweckmäßigkeiten und Ansprüchen des Augenblicks heraus die Elemente eines Stils zu schaffen, der gleich der preußischen Prägung durch Schinkel d i e deutsche Prägung einst ermöglichen könnte. Ihn begeisterte der Wunsch, daß die noch unsicheren Künstler, die vielleicht ihr besseres Können dem Dernunftwitz fremder Völker opferten, durch die neue, dem Dritten Reich entschlossen dienende Baukunst den Takt der deutschen Epopöe, der Epopöe des Enthusiasmus hindurchhören und dem stillen Geheiß irgendwie, jedoch nach deutscher Art bald folgen würden. Wer dieser fünf Jahre aufblitzende Wunder erlebt hat, möchte es nicht für Zufall halten, daß der Führer und Reichskanzler den jungen Baumeister Albert Speer zur Gesamtplanung des Reichsparteitaggeländes, zur Planarbeit der Reichskanzlei, zur Neugestaltung Berlins herangezogen yat. Hier glühte Enthusiasmus, hier harrte Kraft, Entschlossenheit und Ausdauer der höchsten Aufgaben, hier war der Einsatz ein ganzer Mann, ein ganzer Künstler. Die heillose Lage wurde über Nacht die hoffnungsvollste. Die Frage nach dem Stil war absurd. Es gab keine Wahl, kein Bedenken dieser und auch jener Möglichkeiten auf Grund überlieferter Formenschatzes, — es gab nur den einen, gewissen Weg zur Verewigung des neuen Reiches, den Umsatz der Notwendigkeiten, die Ordnung in Stein. Es verdient besondere Betonung, daß 1933 weder saturierte Macht noch gesicherter Reichtum Bauaufträge gaben, — der Auftrag kam von dem im Augenblick vom Nationalsozialismus erkannten Notwendigkeiten. Es war notwendig, in Nürnberg für des Aufmarsch des geeinten, uniformierten Deutschlands den Raum, auch den Rahmen zu schaffen. Es war notwendig, im Zwang der neuen Daseinsformen die Reichskanzlei erheblich zu erweitern, notwendig, der Stadt Berlin endlich das Gesicht zu geben. Albert Speer, den Takt der Zeit im Innern, das Bild der breit und tief gegliederten Kolonnen auf dem Zeppelinf^ld, dem Märzfeld vor dem Auge, die Notwendigkeiten, Forderungen und Bedingungen des Bauschaffens genau erkennend, schuf aus diesen Elementen erlebter Zeit, erlebter Rhythmen, in großer schwingender Linie die gewaltige Runde der LuitpoldMrena mit den beiden Emblemen auf den seitlichen Podesten, stellte die ungeheure pfeilerstrebende Front der Haupttribüne auf dem Zeppelinfeld gegen oen Himmel, legte um das Märzfeld das Rechteck gereihter Pylonen, zwischen denen die Fahnen hängen, entwarf den großartigen Bogen des Deutschen Stadions, der notwendigen Karnpfftätte des neuen Deutschlands. Wer da von Klassizismus sprechen wollte, von Antike oder gar von Renaissance, sähe nicht das Wesentliche, den Kern. Gewiß, die durch Last und Stütze seit Jahrtausenden entwickelten Formen kehren wieder, die Säule, der Pfeiler, fast alle Grundformen sind sichtbar erhalten, — aber was ist aus diesem uralten Formenschatz unter dem Druck unserer Zeit, unter dem Anspruch der heutigen Notwendigkeiten geworden! Es ist Albert Speer hoch anzurechnen, daß er als Baukünstler nirgends, niemals ein Experiment gemacht hat, daß er trotz feiner Jugend keinem in phantasievollen Bildern ausschweifenden Genie gefolgt ist, sondern das allein verwirklicht hat, was als Verewigung unserer Zeit vor den Jahrhunderten bestehen könnte. Dieses Vertrauen des Führers und Reichskanzlers hat der Erweiterungsbau der Reichskanzlei in Berlin bestätigt. Albert Speer ist innen und außen eine restlos geglückte, höchsten Ansprüchen und Zwecken völlig genügende Raumgestaltung gelungen. Die häufige Reihung der Durchbrüche der Außenwände, die Serien der Fenster, Türen, Säulen und Pfeiler ist hier nicht nur praktische Konsequenz der Raumkonzeptton, sondern zeitgemäßer Ausdruck des Reihenerlebnisses der aufmarschierenden Natton. Zeitgemäß ist auch die Zurückhaltung im Schmuck, die Sparsamkeit des Ornaments. Großartig, wuchtig, würdig verkündet diese Form noch einmal den Willen des'Nationalsozialismus, die diesseitige Wirklichkeit vollkommen zu ordnen und den im Führer und Reichskanzler großgewordenen Impuls steinern auszuprägen. Der Schöpfer der Bewegung verewigt sich in der Schöpfung aus Stein. Der Name Albert Speer wird sich für immer mit diesem Vorgang verknüpfen; heute schon dankt ihm das Volk für seinen Einsatz, für sein Dasein, seinen Enthusiasmus im Dienst am Neubau des Deutschen Reiches, polar-Abenteuer auf Tod und Leben. Von O. p. Brandt. Eine kleine Gastwirtschaft in einem der Vororte der Industriestadt Bochum. Fünf alte Männer sitzen um den Stammtisch. Der einzige Gast außer diesen fünf Alten hört Bruchstücke einer tollen Erzählung. Die Wirtin gibt nicht nur rasche Aufklärung, sondern schafft Atlanten, Tagebücher und amerikanische Zeitungen herbei. Der Held der Erzählungen der fünf Kameraden am Stammtisch ist ihr vor kurzem gestorbener Vater Friedrich Bruch. Friedrich Bruch hielt es in jungen Jahren nicht zu Hause in der väterlichen Kneipe. Ihn lockte die Weite, das Abenteuer. Als Schiffsjunge setzte er über nach Amerika. Jahrelang hörte man kein Lebenszeichen von ihm, er galt als verschollen. Dann berichteten eines Tages die Zeitungen von seinen abenteuerlichen Fahrten und von seinem Forscherglück. * Bruch war einer der ersten, die sich im Jahre 1881 bei der amerikanischen Marine meldeten, als der Aufruf erging, eine Such-Expedition für die auf einer Polarexpedition verschollene „Jeanette" auszurüsten. Für 100000 Dollar erstand die amerikanische Regierung den in San Franzisko liegenden Dampf-Walfischfänger „Mary und Helen". Proviant wurde für drei Ähre an Bord genommen. Das Schiff erhielt den Namen „Rodger". Am 16. Juni 1881 ging die Fahrt ins Ungewisse los., Am 27. Juli fuhr man cm den schneebedeckten Gipfeln der Behringstraße vorbei nach St. Michaels in Alaska. Die Fleischvorräte waren inzwischen zur Neige gegangen, und die getrockneten Fische voller Maden machten das Leben an Bord sehr unangenehm. Nach weiterer vierwöchiger Fahrt war dann am 28. August die Wrangelinsel erreicht. Das Schiff warf Anker, um von einem gesicherten Stützpunkt aus, dem der Name Rodgerhafen gegeben wurde, umfangreiche Untersuchungen nach dem Verbleib der Besatzung der „Jeanette" anzustellen. ♦ Die schwersten Strapazen standen der Besatzung noch bevor. Nachdem man 16 Tage vergeblich gekreuzt hatte, ahne eine Spur von der „Jeanette" zu finden, wurden zwei kleine Boote ausgerüstet, welche die Aufgabe hatten, die Spitze zu umfahren. Der Deutsche Bruch steuerte das in östlicher Richtung ab fahrende Boot, das nach drei Tagen jo fest im Eise saß, daß an ein Weiterkommen nicht mehr zu denken war. Wiederum war es Bruch, der die schwierige und unlösbar scheinende Aufgabe übernahm, das Land zu erforschen. Bei Schnee und Eis machte er sich mit zwei Kameraden auf den Weg, der durch tiefe Schluchten, Gletscherspalten und zahlreiche eisbedeckte Höhen führte. Nur mühsam bahnte sich die kleine Expeditton Schritt für Schritt den Weg durch das unwirtliche Klima. Nach unermeßlichen Anstrengungen, halbtot vor Ermüdung, wurde eine Höhe erreicht. Man stieß ein Freudengeheul aus. Entgegen den Aussagen der Walfischsänger gab es hier Land von beträchtlicher Ausdehnung. Bei der Rückkehr zum Boot wurden die drei tapfe« ren Auskundschafter mit lautem Hallo empfangen. Man hatte sie schon fast aufgegeben gehabt. Unter Führung von Bruch kehrte nun die gesamte Bootsbesatzung durch die Eisfelder zur „Rodger" zurück. Hier traf dann auch ein wenig später das in westlicher Richtung abgegangene Boot ein. Beide hatten von der Besatzung der Jeanette" keine Spur finden können. Am 15. September 1881 ließ Kapitän Berry Bruch zu sich rufen und teilte ihm mit, daß er, als Anerkennung für seine große Leistung, den langen Streifen Land, den der Deutsche an der Nordküste festgestellt hatte, Bruchspitze benannt hätte. * Auf der Rückfahrt bezog die „Rodger" in der Lawrence-Bucht, vollkommen vom Eis eingeschlossen, Winterquartier. Am 30. November brach plötzlich Feuer auf dem Schiff aus, das völlig vernichtet wurde. Mit Mühe und Not konnte die Mannschaft über die Eisfelder an Land kommen und wenigstens das nackte Leben retten. 5Vs Monate verlebte Bruch mit seinen Kameraden, die ausgezogen waren, Schiffbrüchige zu retten und nun selbst schiffbrüchig geworden waren, bei den Tschukisten, wo man eine gastliche Aufnahme fand. Nur mit der Hauptmahlzeit, hie aus ungekochtem, rohem Fleisch bestand, hatte es seine Schwierigkeiten. Erst Ende April 1882 konnte die tapfere Besatzung von einem Eisbrecher aus ihrer Weltabgeschiedenheit befreit werden. In Amerika gab es, obwohl der eigentliche Zweck der Fahrt nicht erreicht worden war, einen großen Empfang. Bruchs Bild ging durch fast alle Zeitungen. Sein kühnes Vorgehen beherrschte tagelang die Spalten der Presse. „Wenn die Fahrt auch auf Leben und Tod ging", hat er in seinem Tagebuch aufgezeichnet, so sie mir doch den größten Erfolg meines Lebens eingebracht. Wir Deuffchen find auch auf diesem entlegenen Erdteil für ewig in das Buch der Geschichte eingetragen" M.15 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, 18.Zanuar 1959 aufwärts führte und wie er für Deutschland den «Gruß starken Schul; durch unsere Wehrmacht schuf, wandte I wei- die privaten Rundfunksender in den anderen Län- Jm Mittelpunkt des Appells stand die» Ansprache öes Gauinspekteurs und Gauredners Pg. David die es vor allem anging, die Sudetendeutschen, gleich- menhang auch Großer Beifall. Hans Thyriot. ein. mir Der Vision, strigcn dern als Nachrichtenmittel und damit als Instrument zur Gestaltung der öffentlichen Meinung in Erscheinung getreten sind. Besonders erinnerte er daran, daß in jenen Krisentagen nur diejenigen, Müller. Der Redner beschäftigte sich zunächst eingehend mit der Stellung Deutschlands und des deutschen Volkes in der Welt, jenes deutschen Volkes, das jetzt in einem beispiellosen Aufstieg begriffen sei, Mie ihn die Welt nach einem verlorenen Kriege und nach den schweren Jahren der Nach- kriegszejt nie erwartet, aber auch nie gewünscht habe. Deutschland sei, so betonte der Redner, kein Spielball anderer Mächte mehr, sondern bestimme selbst sein Geschick, ja, heute könne in Europa, vielleicht in der ganzen Welt keine Politik mehr ohne Deutschland gem-acht werden. Deutschland, das jetzt einen fest zusammengeschmiedeten Block von 80 Millionen klar und einheitlich ousgerichteter Menschen darstelle, sei allen anderen Nationen in dieser Hinsicht überlegen und berge damit in sich eine ungeheure Stoßkraft. Dem deutschen Volke sei gegenwärtig in der Weltpolitik eine große Chance'gegeben. Es müsse mit aller Energie darauf bedacht fein, den gewonnenen Vorsprung auf allen Gebieten zu bewahren, die Leistungen insgesamt steigern und unnachgiebig die Linie halten, die der Führer vor- gezeichnet habe. er sich der deutschen Wirtschaft und der Leistungs- gemeinschaft des deutschen Volkes zu. Er erinnerte an das Wort eines französischen Politikers, der davon sprach, daß es in Deutschland 20 Millionen, Menschen zuviel gebe, und stellte diesem Ausspruch die Tatsache gegenüber, daß es heute und nach den! großen Aufgaben für unser Volk gesehen, in Deutschland 20 Millionen Menschen zu wenig gebe. (Er* wies barauf hin, daß gerade deshalb für jeden Betrieb die Forderung unabdingbar sei, höhere Leistungen zu vollbringen, als je bisher. Dafür müßten: onderfeits aber auch die Voraussetzungen geschaffen/ werden. Es gelte, dafür Sorge zu tragen, daß bett Gefolgsmann freudig und gerne an seinen Arbeitsplatz gehe, daß er eine seiner gesteigerten Leistung entsprechende Anerkennung finde und daß sein Arbeitsplatz so gestaltet sei, wie es eines deutschen Menschen würdig sei. In seinen abschließenden Ausführungen sprach der Redner an Hand zahlreicher Gegenüberstellungen über das erstrebenswerte Verhältnis zwischen Betriebsführung und Gefolgschaft, die in unverbrüchlicher Betriebsgemeinschoft zusammenstehen müssen. Dem Redner wurde dankbarer Beifall zuteil. Er wischte mit dem Staubtuch sorgfältig über die polierten Verzierungen des Regulatorgehauses. Dieses dunkelbraune Uhrgehäuse war mir aus meinen Kindertagen wohloertraut. Den geschnitzten Adler, der mit ausgebreiteten Schwingen dies phantasievolle Werk eines Drechslers krönte, hatte ich einst erfolgreich mit Pfeilen beschossen. Für mich hatte das damals Schmerzen an einer bestimmten Körperstelle, für den Adler einen aufgeleimten Kopf zur Folge. Und nun schaute ich nachdenklich zu, wie eines alten Uhrmachers zarte Hand diesen Mißhandelten Vogel meiner Kindheit liebevoll ab» staubte. „Eigentlich ist ja nichts daran abzustauben gewesen", sagte meine Mutter lächelnd, als Herr Unruh wieder gegangen war, „aber er verlangt eben jedesmal ein Staubtuch. Ja, das ist noch einer pom alten Schlag. Du hättest sehen sollen, wie sorgsam er das Uhrwerk in Seidenpapier wickelte, als er es mitnahm zur Reparatur. Wie etwas krankes Lebendiges trug er es fort. Und als der Regulator wieder ging und ich bezahlen wollte, wehrte er entschieden ab. Er könne erst etwas nehmen, wenn die Uhr sicher und genau gehe, und das müsse er erst eine Zeitlang prüfen. Nun war er fchon zum fünften Male hier. Das letzte Mal fragte er mich gar, ob ich Witwe sei. Ich fürchte schon, er will mir einen Heiratsantrag machen." Zch sah Herrn Unruh nicht mehr, weil ich tags darauf wieder heimfahren mußte. Aber einige Wochen später schrieb mir meine Mutter in einem Brief: „Du erinnerst Dich wohl noch an den sonderlichen Uhrendoktor. Denke Dir, er verlangte für die Reparatur nur zwei Mark! Auf einen Zehnmarkschein konnte er nicht Herausgebern da sagte er, es eile nicht, er komme in den nächsten Tagen wieder vorbei. Einmal dann ließ er sich einfach nicht mehr sehen. Einmal begegnete ich ihm auf der Straße und wollte ihm sein Geld geben, da wehrte er fast brüsk ab. Er habe jetzt keine Zeit, sagte er, und ging eilig weiter. Ich dachte schon daran, ihm das Geld mit der Post zu schicken, da kam er endlich doch. Als einer Witwe fiele es mir am Monatsanfang bestimmt am leichtesten, etwas zu bezahlen, sagte er. Das ist doch wirklich ein sehr netter altmodischer Herr!" sam wie auf einer Insel lebten, denn ihnen waren ja von der Regierung des berüchtigten Benesch die Rundfunkgeräte beschlagnahmt und das Abhören ausländischer Sender verboten worden. Nachdem der Redner eindeutig dargelegt hatte, in welcher Form die Judenfrage für Deutschland gelöst werde, nachdem er ferner bargetan hatte, wie die geniale Politik bes Führers Deutschsanb roieber Betriebsobmann Ernst Bötz bankte bem Rebner für seine von tiefem nationalsozialistischen Geiste getragenen Worte unb schloß ben Appell mit bem m—'\ an ben Führer. hinter die Kulissen tun. Herr Schlick spielte still, menschlich, verhalten unb taktvoll ben gescheiterten Star aus ber Zeit des stummen Films, trauriges U ed erb leib sel' einstigen Ruhms. — orts Gießen und zahlreiche Gäste zu einem Vortragsabend im Offiziersheim aufgefordert, der ebenso wie die früheren Abende dieser Art zahlreich besucht war. Nach den Begrüßungsworten des Standortältesten sprach Schriftleiter Dr. W a g e n f ü h r aus Berlin über das Thema „Internationale Rund- Standortälteste und Kommandeur der 9. Di- Generalleutnant von A p e l l, hatte am ge- Dienstagabend das Offizierkorps des Stand- Auf Veranlassung der Partei wurden in diesen Tagen große Appelle in den Betrieben unserer Heimat abgehalten. Der gestrige Mittwoch brachte eine Reihe von Betriebsappellen in den Industriebetrieben und den größeren Gewerbebetrieben in unserer Stadt und im benachbarten Heuchelheim. Die Betriebsappelle standen thematisch unter großen Gesichtspunkten. Es galt, Betriebsführungen und Gefolgschaften auf eine Reihe von Forderungen unserer Zeit erneut und nachdrücklich hin;uweisen und vor allem die Notwendigkeiten der Leistungssteigerung in allen wirtschaftlichen Betrieben in Öen Vordergrund zu stellen. Ferner sprachen die Redner über die Judenfrage und die Notwendigkeit ihrer kompromißlosen Lösung. In großen Zügen wurden ferner die hohe Bedeutung des deutschen Bauerntums und die Gefahren der Landflucht aufgezeigt und damit auch in den Kreisen der Gefolgschaften der Industriebetriebe manches tiefere Verständnis wachgerufen. In gründlichen Darlegungen wurden außerdem die großen Aufgaben besprochen, die sich durch den Vierjahresplan für die Werksgemeinschaft des gesamten schaffenden deutschen Volkes ergeben. Fragen des Arbeitseinsatzes und der Arbeitsschulung, wie auch der organischen Betriebsgestaltung wurden ebenfalls erörtert und den Zuhörern ihre Bedeutung vor Augen gestellt. Den Gaurednern, die gestern für die Gießener Betriebe eingesetzt waren, war keine Mühe zu viel, den arbeitenden Volksgenossen die großen Fragen und Notwendigkeiten unserer Gegenwart nahe- zuringen. Gauinspekteur und Gauredner David Müller sprach in drei Appellen, und zwar beim Fi n a n z a m t, in den Gail sch en Tonwerter und im* Betrieb des „Gießener Anzeigers" unb ber Brühlschen Universitäts-Buch- brurferei. Vor ben Angehörigen ber Städtischen Betriebe (im Cafe Leib), vor ben Gefolgschaften ber Gummiwarenfabrik Poppe unb bei Schafs- ft a e b t sprach ber Gaurebner von ber Osten. Gaurebner Fischer sprach vor ben Gefolgschaften ber Heil - unb Pflegeanstalt sowie ber Zigarrenfäbriken Gail und Schirmer. Gaurebner Dr. Scholz sprach zu ben Appellen der Universitätskliniken unb ber Fittingsfabrik Bänninger. Der Gaufchulungswalter ber Deutschen Arbeitsfront, Pg. W a ch s m u t h , weilte in Heuchelheim unb hielt Ansprachen im Betriebe von S ch u n k & Ebe, wie auch ber Zigarrenfabrik Rinn & C l o o s. Die beiden Glückskinder, Pechvögel, Anfänger, Talente, Himmelsstürmer oder Marionetten (es fällt einem schwer, ben richtigen Namen zu finden) würben von Giefela Vollert unb Erich Weiland gegeben: sie ergänzten einander sehr, spürten die Uebergänge, Möglichkeiten, Steigerungen ihrer Nollen auf unb den verwirrenden, eben in ber Verwirrung reizvollen Wechsel von Scheinwelt unb Realität. Herr H a ars hatte die Bombenrolle des Managers Tompfon und begnügte sich nicht damit, die Beine im amerikanischen Stil auf den Tisch zu tun: er entfaltete das ganze höllische Repertoire des fmarfen, betriebsamen, verlogenen unb kaltschnäu- •jfgen Menschenhänblers, Talentverkäufers unb Reklamechefs; ex ließ uns ben gründlichste^ Blick. J^nunb, einen Niemanb, ein Nichts? Sie kann es nicht, sie barf es nicht, bas Publikum will es nicht, unb ber Manager erlaubt es nicht. * Aber das konnte nun auch Niewiarowicz wieder nicht mit ansehen. Er hatte es immerhin auf eine Komödie angelegt und wollte kein Trauerspiel schreiben. (Wird auch vom Publikum bei weitem nicht so gern gesehen.) Zu einem richtigen Film gehört das happy end mit Umarmung unb Kuß in Großaufnahme. Also: nachdem der Manager, ber wahrhaftig ein schuftiger Götzendiener ist, unb ber, wo bei anbern bas Herz sitzt, bloß eine Brieftasche hat, sein Möglichstes getan hat, bie Liebenden „diskret" auseinanderzubringen, wenn im Parkett schon die ersten Taschentücher gezückt werben — kommt ihm und uns ein herrlicher Zufall zu Hilfe, welcher den männlichen Partner des eben entdeckten Stars verunglücken läßt (der Kerl ist ja immer viel zu schnell gefahren) — so baß der verschmähte unb namenlose Geliebte, auf ben bie neue Diva schon mit stillen Tränen zu verzichten bereit war, für jenen einspringen unb an ihrer Seite bie Leiter bes Ruhmes besteigen barf. Die Großaufnahme ist gerettet. * Dr. Hannes Razum hat bas Stück geschickt in Szene gesetzt, alles herausgeholt, was es an echter Stimmung unb unechtem Gefühl hergibt, auch bie stellenweise fast gerissene Theaterwirkung, auch bas Durcheinander von Spiel und Realität, von Ku- lifsenzauber, Verlogenheit, Betrieb ... von echter Angst und echtem Ehrgeiz. (Die letzte Szene ist ein Zugeständnis,'das sich das Publikum sehr gern gefallen läßt.) Herr Löffler hatte sich ein Vergnügen daraus gemacht, ber Konkurrenz mit allerlei Projektionen nah und fern ein wenig Konkurrenz zu machen. Hochschulnachrichten. Dem ao. Professor Dr. Georg P s e i l s ch i f t e r in D i l l i n g e n wurde unter Ernennung zum Ordinarius in der Theologischen Fakultät der Universität Würzburg der Lehrstuhl für Kirchengeschichttz Ertragen. Herr Unruh verbeugte sich nochmals und gab ..... bie Hand^ Sie war zart und schmal. Bebächtig legte er Hut, Stock unb Mantel ab. Die Joppe seines grauen, etwas abgeschabten, aber gut gebügelten Anzugs war sorgfältig zugeknöpft. Ein silberweißer Spitzbart unb freundliche blaue Augen hinter einer scharfen golbumronbeten Brille ver- Weitere Betriebsappelle finben am morgigen Donnerstag unb am Freitag in Betrieben ber teren Umgebung von Gießen statt. Herr Unruh. Von Joseph Baur. Es läutete. Ich war bei meiner Mutter zu Besuch unb öffnete die Tür. Ein schmächtiger alter Mann stand draußen, er hatte einen steifen Hut auf unb trug einen dünnen Spazierstock mit silbernem Griff am Arm. „Ich möchte nur kurz nach dem Pattenten sehen", sagte er unb lüftete mit einer leichten Verbeugung ben Hut. Patient? — dachte ich verwundert. Ich wußte meine Mutter wohlauf und gesund. Sie war Witwe und lebte hier ganz allein. In ber Wohnung befand sich außer dem Kanarienvogel weiter nichts Lebendiges. „Ah, Herr Unruh", griff nun meine Mutter c.., ^kommen Sie nur herein. Das ist mein Sohn aus Internationale Rundfnnkarßeit in politischen Krisenzeiten. Dortrag im Offiziersheim Gießen. Gießener Stadttheater. Roman Niewiarowicz: „Hollywood". Niewiarowicz ist hier nicht mehr unbekannt: er hat sich vor einiger Zeit mit dem Zwei-Personen- Stück „Ich liebe dich!" vorgestellt, das hernach mit Glück und Geschick verfilmt wurde. Der Autor, statt dem Film Dank zu wissen, gibt es dem Film gehörte — zwar nicht bem deutschen, aber bem amerikanischen, der in bem Zauberwort Hollywood symbolisiert ist. * Sein neues Stück heißt „Hollywood", und der Untertitel sagt ganz deutlich, wie es gemeint ist: Glanz und Elend hinter den Kulissen. Es gibt, alles in allem, mehr Elend als Glanz. Niewiarowicz verkündet: die Götter von Hollywood heißen Geschäft, Publikum, Reklame, Karriere, Ruhm, Verlogenheit — es gibt noch ein paar andere liebenswürdige Namen in dieser modernen Mythologie, wir können sie nicht alle aufzählen. * Glanz: bas ist ber namenlose Anfänger aus der finsteren Provinz, ber über Nacht entdeckt, mit Hilfe bes betriebsam brüllenden Managers „gemacht" und ein Liebling des Publikums wird. Elend: das ist der große Star aus der Zeit des stummen Films, der über Nacht erledigt war, weil er nicht sprechen kann (stottert nämlich). Glanz und Elend auf einmal: zwei junge Ansänger aus der Provinz. Der eine hat Glück, der andere Pech. Weniger Sache der Begabung als des blöden Zufalls. Der eine steigt aufwärts, ber andere abwärts auf der von Jupiterlampen angestrahlten Leiter des Ruhms. Und den meisten gelingt es weder mit Talent noch mit Glück noch durch Zufall, auch nur die aüerunterfte Sprosse der Leiter zu erklimmen. * Ganz schlimm wird es erst, wenn diese beiden Jungen, nach Glück, Ruhm, Geld und Vertrag Gierigen aus bem Niemanbslanb ber hunderttausend- fättigen Anonymität sich Heben. Ihr Glück, ihr Ruhm würbe nur vollkommen sein, wenn sie die Leiter gemeinsam erklimmen könnten. Wie aber, wenn sie die Prüfung und bas Fegefeuer ber Probeaufnahme besteht, er aber durchfällt? Unb wenn sie alle beide auf das Geschrei, auf bas Gelb, auf bie Gunst unb bie Skrupellosigkeit ihres Managers angewiesen sind? Dann ist es fürchterlich. Denn bann ift es aus mit der Liebe und mit bem Glück zu zweien. Kann eine neue, eine 150prozentige Greta Garbo einen unbekannten Jüngling lieben, einen Sauinspekteur David Müller im Gießener Anzeiger. Auch im Betrieb des Gießener Anzeigers unb ber Brühlschen Universitätsbuch- b r u cf e r e i mürbe ein Appell abgehalten. In einem großen mit ben Fahnen ber Bewegung, geschmückten Raum bes Werkgebäubes fanb sich bie gesamte Belegschaft ein. Die Werkschar bes Betriebes war on- getreten unb würbe burch ben Stoßtruppführer Siegfried Hardt dem Gauinspekteur Pg. David Müller gemeldet. Als Vertreter der Kreiswaltung Gießen ber DAF. nahm Verwaltungsstellenleiter Pg. Schmidt, außerdem der Kreispropaganba- walter ber DAF. Pg. Römer teil. Be'triebs- voUstänbigten bas Bild eines altmodischen Märchen- boftors. Er ließ sich eine alte Zeitung, ein Staubtuch und einen Küchenstuhl geben. Damit ging er in bie Wohnstube. „Herr Unruh hat den alten Regulator repariert", erklärte meine Mutter, „und er kommt nun jeden Zweiten Tag, um den Gang der Uhr zu prüfen. Er nimmt es sehr genau." Sie lächelte. Auch Herr Unruh lächelte. „Ich tu nur meine Pflicht", wehrte er ab. Er stand auf bem Küchenstuhl, auf den er zuvor die Zeitung gelegt hatte, und verglich bie Zeit des Regulators mit der feiner Taschenuhr. „Eineinviertel Minuten Differenz", murmelte er, es klang wie ein leiser Tadel. Er hielt ben Perpen- bikel an und drehte an einem Schräubchen. Dann, nachdem^die Uhr wieder in Gang gebracht und die Glastüre geschlossen war, tat er etwas, das meine Mutter mit stillvergnügtem Schnmnzeln beobachtete. Aus der Stadt Gießen. Warten ohne Ende ... Wir warten alle. Kein Tag vergeht o-hne Warten. Am Morgen ist es da5 Warten "auf den Omnibus ober auf die Straßenbahn. Dann warten wir auf die Frühstückspause. Der Bürovorsteher wartet inzwischen auf die Post, und der Werkstattleiter wartet auf die neuen Muster. Es ist ein Warten, von dem kein Mensch verschont bleibt. Der Betriebsführer will seine Kunden befriedigen und wartet deshalb auf die Fertigstellung der Aufträge. Der Kassierer wartet auf den Eingang versprochener Zahlungen, der Lehrling wartet darauf, daß ihm ein neues Arbeitsgebiet zuoeteilt wird. Es ist ein Warten ohne Ende ... Am Morgen warten wir auf den Abend, und am Wochenanfang warten wir auf das Wochenende. Zwischendurch warten wir noch im Wartezimmer bes Arztes ober des Anwaltes, und wenn wir auf der Post zu tun haben, warten wir. vor dem Schalter. Mit jedem neuen Tag beginnt eine neue Spanne des Wartens, ben Sonntag nicht ausgenommen, wo wir auf Gäste warten, auf das Mittagessen, auf das Fußballspiel ober auf ben Beginn ber Theatervorstellung. Unterbessen zieht ber Uhrzeiger seinen gleichmäßigen Kreise, teilt die Zeit in Sekunden, in Minuten und Stunden. Er ist unermüdlich. Die Zeit des Wartens wird von ihm genau so objektiv gemessen wie die Zeit des Ausruhens und des Vergnügens. Und doch erscheint es uns, als sei es anders^ als vergingen die fröhlichen Augenblicke viel rascher als diejenigen, in denen zum Beispiel gewartet werden muß. Dabei gehört das Warten zum Dasein wie jede andere Lebensfunktion. Gut Ding will Weile haben, und wer da glaubt, etwas zwingen zu können, weil ihm das Warten nicht gefällt, wird feinen Reinfall erleben müssen. Ohne Warten geht es nun einmal nicht. Und außerdem wartet jeder im stillen auch noch auf etwas Besonderes, auch wenn er es nicht zugeben will. Er wartet auf das große Glück feines Lebens, auf rasche Beförderung, auf eine sagenhafte Erbschaft, kurz: auf eine erfreuliche Wendung in seinem Dasein. Und dabei merkt er kaum, wie er mit dieser wartenden Hoffnung von einem Jahr zum anderen älter und schließlich immer mehr aus dem Möglichkeitsbereich der Erfüllung gerückt wird. Und eines Tages sieht er ein, daß ein wesentlicher Teil seines Lebens aus dem Warten bestanden hat, daß aber gerade dieses Warten, dieses Nichterfülltsein geheimer Wünsche, erst das Leben lebenswert machte. Deshalb sollten wir ein wenig geduldiger das Warten ertragen. Denn im Warten erfüllt sich die Zeit ynd damit ein gewichtiger Teil des Lebens. Selbst wenn es ein Warten ist, bas uns im Augenblick nicht wichtig erscheinen mag. H. W. Sch. Keine Zwischenvermittlung bei Liquidierung jüdischen Grundbesitzes. NSG. In Maklerkreisen wird Klage geführt, daß ehemalige j ü b i s ch e Makler immer noch die Tätigkeit fortsetzen, indem sie durch Benennung von Grundstücken unb andere Zuträgereien aus dem Kreise ihrer Rassegenossen, die ihren Grundbesitz jetzt abstoßen wollen, Beteiligungen oder Unterbeteiligungen am Vermittlungsgeschäft zu erhalten suchen. In einem, bem Amt „Haus und Heim" in der Deutschen Arbeitsfront bekannt geworbenen Falle sind babei zwecks Umgehung bes Gesetzes „Geschenk e" an Stelle von Honoraren in Aussicht gestellt worben. Solche Fälle müssen rücksichtslos zur Anzeige gebracht werden. Denn auch diese Tätigkeit ist den jüdischen Maklern verboten und wird bestraft. Deutsche Makler, die sich auf solche Geschäfte mit Juden einlassen, machen sich ebenfalls strafbar. Weiterhin berichtete der Vortagende über den Einsatz und den Verlauf der Rundfunkarbeit in den Tagen der Heimkehr der Ostmark in das Reich, wobei die Hörer einige interessante Erlebnisse aus der Rundfunktätigkeit in der Schuschnigg-Zeit des früheren Oesterreich kennen lernten. Wie groß und bedeutsam der Einfluß des Rundfunks in politischen Krisenzeiten werden kann, machte Dr. Wagenführ auch durch Berichte über die Tätigkeit des italienischen Senders Bari während bes Abestinien-Feld- 3u9es Italiens unb des damaligen Ringens • des Duce gegen England unb besten Helfer deutlich. . Mussolini hat in jener Zeit ben Sender Bari zu einer stärkstens beachteten Stimme Italiens, zu einem außenpolitischen Instrument von größter Bedeutung gemacht, um das sich sogar ein Rundfunkkrieg entspann. In diesem Zusammenhang gab ber Vortragende ein aufschlußreiches Bild von, der außerordentlich wichtigen Rolle dieses Senders für ben ganzen Mittelmeer-Raum. Ferner erfuhr man burch eine Reihe von Beispielen, welche Bedeutung der Rundfunk als geistige Waffe namentlich auch in ber Auswirkung auf bie mohammedanische Welt in den für England besonders wichtigen Ländern am Mittelmeer erlangt hat, so daß es nicht, verwunderlich ist, daß' England darauf stark reagierte, neuerdings aber auch von Aegypten her dem Rundfunk besondere Beachtung zuteil wird. Abschließend gab der Redner noch einen lieber« blick über bie hervorragende Rolle des Rundfunks in Jbero-Amerika unb namentlich über bie wirtschaftlichen Gesichtspunkte, bie für Amerika und für Europa, auch für Deutschland unb England, dabei in Betracht kommen. Er rückte in diesem Zusam- tzie neueste Errungenschaft, bas fünf arbeit in politischen Krisenzei - t e n". Der Vortragenbe gab zunächst einen Ueber- blick über die Rundfunkeinrichtungen der verschie- bpnen Länder und mies darauf hin, daß es beim Rundfunk drei Arten von Sendern gibt: den Mit- telwellenfender, den L-angwellensender und den Kurzwellensender. Dann berichtete er über bie Rund- sunk-Erfahrungen währenb ber September-Krise im vorigen Jahre. Im Vordergrund des aufschlußreichen Rundfunk-Erlebens stand damals zunächst die Rede des Generalfeldmarschalls Göring auf dem Reichsparteitag, dann kam als bedeutsamster und unvergeßlicher Höhepunkt bes Reichsparteitags bie große Rede des Führers, bie beibe dein deutschen Rundfunk große Aufgaben seines Nachrichtendienstes stellten. An Hand des weiteren Verlaufs der Ereignisse jener Krisentage, bie burch bie Begegnungen ber Staatsmänner in Berchtesgaden, Godesberg und München gewaltige Meilensteine der Weltgeschichte aufwiesen, machte der Redner seinen Hörern deutlich, welche großen Aufgaben der deutsche Rundfunk damals zu erfüllen hatte; er berichtete Leistungssteigerung sm die Zukunst des deutschen Bolles Gauredner sprechen in Gießener Betriebsappellen. sichrer Dr. Erich Hamann eröffnete den Appell, uiunuium uumuiä zu erpmen gurre; er oencgteie b'cß ben Rebner unb bie Kameraden ber Arbeite- aber auch, wie in jenen Tagen die staatlichen unb front willkommen unb sprach kurz über die großen • - Aufgaben, die unserem Volke im Kampf um feine politische unb wirtschaftliche Freiheit zy erfüllen aufgegeben sind. Hauptversammlung des VHC-Zweigvereins Gießen. Der Vogelsberger Hohen-Club, Zweigverem Gießen, der im verflossenen Jahre seinen dreißigjährigen Gründungstag begehen konnte, hielt — wie man uns berichtet — am Samstagabend bei gutem Besuch im Vereinsheim, Hotel Hopfeld, seine ordentliche Hauptversammlung ab. Fernsehen, mit in den Vordergrund der Betrachtungen und gab einen interessanten Ausblick auf die Zeit, in der man durch Rundfunk und Fernsehen den jeweiligen Sprecher nicht nur hören, sondern ihn auch am Rednerplatz sehen kann. Rundfunk und Fernsehen werden dann noch mehr eine große politische Waffe sein, deren überragende Bedeutung gewaltig sein wird. Nach den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Darlegungen unterstrich der Standortälteste, Generalleutnant von Apell, einige Gesichtspunkte des fesselnden Vortrages noch in eindrucksvoller Weife. Ein kameradschaftliches Beisammensein beschloß den interessanten Abend. Dornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr „Die lustige Witwe". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Lauter Lügen". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Menschen, Tiere, Sensationen". — Oberhesfischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand. Stadltheater Gießen. Heute abend Wiederholung „Die luftige Witwe", Operette in drei Akten von Franz Lehar. Musikalische Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Gert Buchheim, Leitung und Einstudierung der Tanze: Thea Maaß. Bühnenbilder: Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 16. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30 Uhr, Ende gegen 22.30 Uhr. HL., Bann und Lungbann 116. Uttfergou u. Lungmädeluntergau 116. Arn 28. Januar 1939, vormittags 11 Uhr, läuft im Lichtspielhaus Gießen der Film „Volksfeind" zur Jugendfilmftunde. Die Karten für diese Vorstellung sind sofort von den Geldverwaltern und den Geldverwalterinnen der Gießener Einheiten bei der Verwaltungsstelle abzuholen. Der Eintrittspreis be- Die ^Verwaltungsstelle befindet sich jetzt: Seltersweg 52, Mittelbau, Part., Zimmer 1. Hitler-Lugend Bann 116. Betr.: Annahme Unlersuchung der --.Bewerber. Die nächste Annahme-Untersuchung findet am 22 d M um 9 Uhr in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt, Gießen, Licher Straße 106, statt. Alle noch nicht gemusterten und noch nicht untersuchten ---Bewerber sind zu diesem Zeitpunkt zu bestellen. , ... Die fertig ausgefüllten Erbgesundheitsbogen stnd gleich mitzubringen, da diese dann sofort vom --- Arzt unterschrieben werden. BOM.-llntergau 116 Gießen. Am Donnerstag, 19. Januar, kommen alle Mä- del-Gruppen- und Scharführerinnen des Standorts Gießen zu einer Besprechung auf die Dienststelle des Untergaues (Seltersweg 52, Hinterhaus links). Am Sonntag, 22. Januar, ist die erste Wochenendschulung dieses Jahres. Es beteiligen sich außer den Ringführerinnen alle Schar- und Schaftsführerinnen. Die Schulung findet in den^bekann- ten Schulungsorten statt. Lediglich die Schulung des Ringes Bad-Nauheim findet diesmal in Bad- Nauheim selbst statt. Mitzubringen ist Turnzeug und Schreibzeug. Für den Ring Gießen ist die Schulung wieder in der Schillerschule. Beginn der Schulungen 8.15 Uhr. IM.-tlntergan 116 Gießen. Die Wiederholungsschulung der Jungmädelführe- rinnen am Sonntag, 22. Januar, findet in den Standorten Gießen und Friedberg statt. Die Fuhrerinnen, die in Gießen geschult werden, treten um 8.30 Uhr am Brandplatz an, die anderen um 9 Uhr in. Friedberg am1 Bilsteintürmchen. Verkehrskontroll-Aktion auch im Kreis Gießen. Durch die Gendarmerie wurden auch im Kreise Gießen umfangreiche Verkehrskontrollen durchgeführt. Die Aktion erwies sich auch im Kreise Gießen als sehr notwendig. Insbesondere mußte beanftan- Nach dem vom Dereinsführer erstatteten Jahresbericht ist erfreulicherweise die Mitgliederzahl gegen das Vorjahr etwas gestiegen, so daß der VHC. Gießen nunmehr als zweitgrößter Zweigverein des Gesamt-VHE. fungiert. Der beiden durch Tod abgegangenen Vereinsmitglieder wurde ehrend gedacht. Die Wandertätigkeit war recht lebhaft und Überstieg mit durchfchnitllich 65 Teilnehmern die der Vorjahre beträchtlich. Recht rege war auch, nach dem Bericht des Wandermeisters, die Arbeit des Wegebezeichnungsausschusses (WBA.), der im Vorjahre auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Allgemeinheit zurü^blicken konnte. Der Kassenbericht ergab ein günstiges Bild der Vereinsfinanzen. Der satzungsgemäß ausscheidende Vereinsführer, Oberjustizinspektor W. H a r d t, dem für seine seitherige ersprießliche Tätigkeit herzlicher Dank ausgesprochen wurde, wurde einstimmig wiedergewählt. NSG. Die Arbeit des Mütterdienstes im Deutschen Frauenwerk beschränkt sich schon seit langer Zeit nicht mehr allein auf Einzelkurse, die in Stadt und Land gehalten werden. Daneben wird fortlaufend in Mütterschulen und Mütterschulstätten geschult. Die neue Gauheimmütterschule, die ab 1. März 1939 in Weilburg in Betrieb genommen wird, bietet nun auch die Gelegenheit, in geschlossenen sechswöchigen Kursen das Diplom des Mütterdienstes zu erwerben. Es gibt aber noch eine dritte Art der Mütterschule, die im Gau Hessen- Nassau bereits seit langer Zeit besteht, nun aber viel stärker durchgeführt werden soll. Diese dritte Art ist die W e r"k m ü t t e r s ch u l e. Die erste Werkmütterschule des Gaues Hessen- Nassau besteht seit längerer Zeit bei der Firma Heyl-AG. in Worms. Andere große Werke sind dem Beispiel gefolgt und haben in vorbildlich eingerichteten Räumen eine Mütterschule erstellt, deren Kurse laufend durch die weiblichen Gefolg- schaftsmitglieder besucht werden. Je nach Vereinbarung trägt das Werk die Kosten der Schulung ganz oder zum Teil. Jedenfalls wird der Besuch der Lehrgänge den weiblichen Gefolgschaftsmitgliedern so leicht wie möglich gemacht. Oft ist es so, daß die Werkmütterschule, in der für jede Kursart ein besonderer Raum bereitsteht, Mittelpunkt und Heim det werden, daß zahlreiche Fahrzeuge noch nicht mit dem zusätzlich notwendigen Rückstrahler versehen waren; mehrere Fahrzeuge wurden anaetrof- sen, an denen die Lichtanlagen nicht in Ordnung waren. Zahlreiche Radfahrer fuhren ohne Licht. Auch an den Kennzeichen wurden mancherlei Mängel festgestellt. In einigen Fällen mußten sich die Beamten dazu entschließen, Fahrzeuge dadurch dem Verkehr zu entziehen, indem die Luft aus den Reifen entlassen wurde. Zahlreiche gebührenpflichtige Verwarnungen wurden verhängt. Darüber hinaus wurden mehrere Fahrzeuge zur Vorführung bei der zuständigen Stelle beordert. Außerdem mußte zu einigen Anzeigen geschritten werden. In leichteren Fällen ließen es die Beamten bei Belehrungen bewenden. 3um alten Eisen werfen ... Lpd. Man war früher leicht damit bei der Hand, alles mögliche „zum alten Eisen" zu werfen. Ob es sich nun um abgenützte oder ausgediente Eisenge- Die übrigen Vorstandsämter blieben in den Händen der seitherigen Inhaber. Die erste Vereinswanderung im neuen Jahr, die am Sonntag unternommen wurde, verlies in sehr schöner Weise. Die Regentage der vorigen Woche hatten wohl manchen Wanderer abgeschreckt, so daß die Beteiligung geringer als gewöhnlich war. Der Wettergott hatte jedoch ein Einsehen und bescherte den 32 Unentwegten überaus günstiges Wanderwetter. Die Wanderung ging zunächst die Krofdor- fer Straße entlang, hierauf an den Hängen des Wettenbergs her über Launsbach und Wißmar zur Einkehr nach Ruttershausen. Unterwegs boten sich prächtige Blicke nach der Badenburg, dem Hangel- stein, Lollarer Kopf und Staufenberg. Namentlich fesselte der Blick auf das Flußbett der Lahn, die zu einem reißenden Strom angeschwollen war und mit ihren gelben Fluten große Wiesenflächen überschwemmt hatte. Der Weitermarsch führte am Fuße des Altenbergs her über das Tal der sonst so friedlich fließenden Salzböde, die ebenfalls sehr wild und ungebärdig war und das liebliche Tal stellenweise in eine Seenlandschaft verwandelt hatte. Auf guter Straße war bald das Endziel Fronhausen erreicht, von wo nach einer Schlußrast bei guter Zeit die Heimfahrt erfolgte. der weiblichen Gefolgschaftsmitglieder wird. Hier kann man sich jederzeit guten Rat holen, und die hellen, einfach eingerichteten Räume geben manche Anregung zur Gestaltung des künftigen Haushaltes, oder auch zur Umstellung des bereits bestehenden Heimes. Es ist fast als eine notwendige Maßnahme zur Erlangung des Leistungsabzeichens zu betrachten, daß jedes größere Werk eine Werkmütterschule einrichtet. Gerade die berufstätige Frau hat es oft nicht leicht, nach einem anstrengenden Arbeitstag noch einen weiten Weg zurückzulegen, um vielleicht in einem ganz anderen Stadtteil einen Lehrgang des Mütterdienstes zu besuchen. Heiratet das berufstätige Mädel eines Tages, soll sie nicht ohne jegliche Kenntnisse in ihren neuen Beruf als Hausfrau eintreten. In richtiger Erkenntnis, daß die Mütterschulung notwendig ist für jedes Mädel und jede junge Frau, machen viele Werke den Besuch der Werkmütterschule sogar zur Pflicht. Nachdem einige Werke des Gaues Hessen-Nassau Werkmütterschulen eingerichtet haben, mit anderen Verhandlungen über die Neuerrichtung von Mütterschulen bestehen, ist zu hoffen, daß sich in diesem Jahr weitere Betriebsführer für diese schöne Einrichtung bereitfinden. rate, Menschen oder sonst etwas handelte. War etwas zum alten Eisen geworfen, fo kümmerte man sich nicht weiter darum, ließ es verrosten, verkommen. So entstanden die alten Rumpelkammern für tausend Dinge, die Ecke hinter dem Ofen für alte Menschen, der Müllhaufen, aus dem „Fundsammler" mit dem Haken noch dies imd jenes Brauchbare herausangelten. Mancher soll dabei sogar zum Schatzgräber geworden sein und ein kleines Vermögen auf die hohe Kante gelegt haben. Jedenfalls sprach man immer geringschätzig vom „alten Eisen". Die Zeit der Vierjahresplanös hat uns wie in mancher Hinsicht so auch in diesem belehrt. Es gibt kein altes Eisen mehr, es gibt nur noch Eisen, ganz gleich, wo man daraus stößt. Das alte, in der Rumpelkammer vergessene Eisen ist gutes, brauchbares Eisen, das nur nutzbringend verwendet werden muß. Der „alte" Mann, den man oft genug vorzeitig durch „Pensionierung" aus dem Arbeitsprozeß ausgeschaltet hat und der nicht weiß, wie er feine langen Tage hinbringen soll, steht wieder seinen Mann mit Kenntnissen, Erfahrungen und Lei- stunq. Alte Stoffe, ob nun Bindfaden, Altpapier, alte Säcke oder sonstwas, alles wird neuer Aufbereitung und Wiederverwendung zugeführt. Was „zum alten Eisen geworfen" ist, man hat es wieder in seinem Werte erkannt. Alles hat seinen Wert, es muß nur am richtigen Platze fein. Umwertung aller Werte im besten Sinne, das hat uns der Dierjahresplan gelehrt. „Oie Woche der Schule" im Gau Hessen-Nassau. NSG. Die nationalsozialistische Erziehungsarbeit der Schule tritt nicht in gleichem Maße wie bei anderen Erziehungsorganisationen sichtbar in Er- scheinungr, weil sie sich im Schulzimmer und nicht in der Oeftentlichkeit abspielt. Reichswalter Wächtler war von Anfang an bemüht, die führenden Männer der Partei, des Staates und der Wehrmacht über die nationalsozialistische Arbeit und Leistung der Schule aufzuklären. In Schulungslehrgängen, in Ausstellungen, Schullandheimen, in Wettbewerben', in Werkkursen und bei allen größeren Tagungen des NSLB. hatten alle interessierten Stellen Gelegenheit, sich von den neuen Erziehungsgrundsätzen und von dem Einsatz der Schule für das nationalsozialistische Deutschland zu überzeugen. Die Gauwaltung Hessen-Nassau des N«LB. beabsichtigt nun, in absehbarer Zeit die Führerschaft der Partei und die Pressevertreter im Einverständnis mit den Schulbehörden aufzufordern, den Unterricht in den Schulen zu besuchen. Wir sehen in all diesen Maßnahmen ein ausgezeichnetes Mittel, den Verunglimpfungen der Schule und des Lehre^ ftandes zum Teil Einhalt zu gebieten und durch die Anerkennung der schulischen Arbeit auch die Berufsfreudigkeit des Lehrers zu heben. Diehpotizeiliche Anordnung über Impfstoffe und Sera. Der Reichsstatthalter -jn Hessen — Landesregierung — bestimmt, daß Sera aus Einhuferblut und Impfstoffe, die ohne Abtötung lebender Kranbheits» erreger aus Organen von Einhufern gewonnen find, wenn fie. zum Schutz gegen Viehseuchen oder zu deren Heilung bestimmt sind, in verkaufsfertigen Verpackungen erst ab gefüllt werden dürfen, nachdem sie mindestens drei Monate lang nach der Herstellung unter der Einwirkung von 0,5 v. H. Karbolsäure gelagert worden sind. Für Sera, die aus verschiedenen Teilen (Blutentnahmen) zusammengesetzt sind, gilt der Tag der letzten Blutentnahme als Herstellungstag. Soweit diese Erzeugnisse nicht dem staatlichen Prüfungszwang unterliegen, sind sie bis zur Absüllung ebenso wie die dem staatlichen Prüfungszwang unterliegenden Erzeugnisse unter Mitverschluß des staatlichen Konttollbeamten zu lagern. Diese Anordnung tritt mit dem 1. Januar 1939 in Kraft. Gleichzeitig wird die viehfeuchen-pollzelllche Anordnung vom 22. Januar 1938 aufgehoben. Keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch Privatärzte. Lpd. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: In den letzten Monaten sind bei dem verstärkten Arbeitseinsatz, insbesondere im Rahmen des Vierjahresplanes und der Arbeit an der Westgrenze, eine Reihe von Zeugnissen über Arbeitsfähigkeit, Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitsbeschränktheit Arbeitsuchender von Privatärzten ausgestellt worden. Das Ausstellen eines solchen Zeugnisses setzt voraus, daß der Arzt die Arbeitsaufgaben, für die der Untersuchte eingesetzt werden soll, genau kennt. Da die Voraussetzungen für ein gerechtes Urteil in vielen Fällen einfach nicht gegeben sein können, insbesondere der beabsichtigte'Arbeitseinsatz den Untersuchten selbst oft gar nicht bekannt war, wurden die Untersuchungszeugnisse in sehr vielen Fällen sehr allgemein gehalten, so daß sie nicht nur zum Teil für die Arbeitsämter wertlos waren, sondern zum Teil sogar entgegen den Bestrebungen der Arbeitsämter mißbraucht wurden. Der stellvertretende Reichsärzteführer Dr. Bartels hat deshalb angeordnet, daß die Ausstellung privatärztlicher Zeugnisse über die Arbeitsfähigkeit Arbeitsuchender unzulässig ist und zu unterbleiben hat. Sind Mitteilungen über Art Ausbildung zur guten Hausfrau. Werkmütterschulen sind ein gutes Hilfsmittel. MW MUMM? Noman von Hubert Nausse. Copyright by Albert ßangen/QeoVg Müller, München. Schluß. Nachdruck verboten. „Aber nein!" sagte sie. „Heimat ist etwas anderes! Du stammst von den Hügeln und Waldern von Ottakring und ich von den Ufern des Schweriner Sees. Aber Jago? Seine Väter waren West- jalen, seine Mutter ist eine Rheinländerin. Was soll die Zusälligkeit seiner spanischen Geburt? Seine Heimat ist Deutschland!" Sie sann in den grauenden Tag. Sie sah gar nicht die fremde Landschaft, die an ihren Augen vorüberflog. Sie ging 1 mit Jago durch die Straßen Münchens, sie spürte ihn an ihrer Seite, indes sie in Gedanken durch den Tiergarten ging, sie fühlte die Berührung seiner Hand, wenn er ihr sorgend den Mantel umgelegt hatte. Warum hatte sie seine sorgende Liebe so spät empfunden? Zu ihm, zu ihm! , Die Kathedrale von Burgos stand weiß und fast gespenstisch in dem winterlichen Sonnenlicht dieses Januartages. Jte plauderte draußen mit dem Vertreter der Firma, der sich wieder gemeldet hatte. Auch die Schaffner wußten längst Bescheid und waren von vollendeter Höflichkeit. Die Nachrichten seien gut, sagte Jte. Die Herrin, die Diuda de Schmid, werde die Damen am Bahnhof in Madrid erwarten. Seine Mutter! Elisabeth klopfte das Herz. Warum hatte sie seine sorgende Liebe so spät empfunden? War sie nicht undankbar gewesen? Hatte sie nicht unendlich viel nachzuholen? Oh, sie wollte ihm alles vergelten! Ein Strom sorgender Liebe drängte sich aus ihrem Herzen empor. So unendlich langsam kroch der Zug, viel zu langsam für ihre Sehnsucht und ihre Liebe. Ihre Gedanken flogen voraus nach Madrid. Sie fahren, sie fahren! Jte plauderte und erzählte, was sie aus dem Vertreter herausgeholt hatte. „Ein Riesenunternehmen! Mit eigenen Erzgruben in Burgos. Stell dir vor: Erzgruben! Du weißt noch gar nicht, in welche reiche Familie du hineinheiraten wirst." Elisabeth winkte ab. Ihr war nicht zum Scherzen zumut. „Doch! Doch!" sagte Jte. „Auch das zu wissen ist gut. Das überlaß du ruhig mir. Wir armen Mädels haben in diesen Dingen den richtigen Verstand." Sie puderte sich nach spanischer Sitte. Mit ihrem dunklen Haar und den schwarzen Augen sah sie fast wie eine Einheimische aus. „Weißt du, Elisabeth. Es ist in vielem wie beim Engagement. Und wenn ich jetzt am Burgtheater gastiere, werde ich genau so denken!" „Wie wirst du denken?" Daß es nicht nur auf die Rollen ankommt, die man spielen soll, sondern auch ein bissel auf die (Sage!" Jte kniete auf dem Polster vor dem Spiegel des Abteils und legte ihre Haare nach spanischer Art. „Du bist das reinste Theaterblut!" sagte Elisabeth. „Weißt du", entgegnete Jte, „das beste Engagement hast du ja erreicht. Verpflichtet auf Lebenszeit. Vielleicht heiratest du sofort in Madrid!" „Aber Jte!" „Warum nicht! Wenn ich Jago wäre, ich würde dich nicht eher wieder fortlaisen, als bis du meine Frau wärest. Ich würde dir nicht trauen! Weißt du noch, wie du ihm ausgebrannt bist nach Schwerin?" „Ader Jte!" sagte Elisabeth. „Was heißt hier: Aber Jte? War es denn nicht so? Ist dir denn Jago nicht etwa nachgereist quer durch ganz Deutschland? Mir hat er doch immer von seiner Verliebtheit erzählt! Damals mit dem Wagen nach Bamberg, dann die Fahrt nach Schwerin und zu der Insel mit den vielen Möven?" „Das weißt du auch?" „Ja, was weiß ich nicht? Ich war doch sein Vertrauter und sein Beichtvater! Mir hat er von hem beabsichtigten Kauf eines Jagd gutes am Schweriner See schon erzählt, bevor du nur leise ahntest, daß seine Liebe nur dich kannte, Elisabeth, nur dich!" Sie legte ihre kleine braune Hand auf die von Elisabeth. „Sprich weiter, Jte!" „Deinetwegen, um dir nahe zu sein, um für dich sorgen zu können, hat er Plöhne gekauft; deinetwegen zog er mit nach Berlin; er war es, der dein Engagement mit Brasky vermittelte und dir jetzt die' Lösung wieder ermöglichte. Er war wie dein Schutzengel, Elisabeth!" Elisabeth nickte. Sie trank das Lob ihres Liebsten wie berauschenden Wein. Wie lieb Jte war und wie unendlich gut erst ihr Jago! Und wie herzlos war sie selbst gewesen! „Sprich weiter, Jte!" „Weiter? Du würdest zu stolz werden, Elisabeth! Zu hochmütig, wie es die schönen Frauen gerne sind, denen in jungen Jahren schon die Aufmerksamkeit der Männer eine Selbstverständlichkeit ist. Und dann kommt die Strafe auf dem Fuß. Hochmut kommt vor den Fall. Darum ließ Gott dieses Unglück zu. Um dich besser zu machen und dir die Augen zu öffnen!" Sie fahren, sie fahren! Elisabeth dachte an Jago. Sie sah ihn verwundet, leidend, mit Schmerzen in seinem Bett. Sie sehnte sich danach, bei ihm zu sein, ihm zu helfen, ihn zu pflegen, ihm ihre Liebe, ihre Hilfsbereitschaft, ihre Demut zu zeigen. Tränen standen in ihren Augen. „Elisabeth!" sagte Jte, „ist es nicht wie eine seltsame Fügung des Schicksals: erst ist Jago dir nachgereist, deinen Spuren gefolgt, hat er sein Leben nach dem deinen gerichtet. Bis alles reif war zur Erfüllung. Und nun hat sich das Schicksal gewendet: nun zwingt es dich zu ihm, nun folgst du seinem Ruf in ein fernes Land, nun opferst du Theater und Heimat und kennst nur noch das einp; Zu ihm, zu ihm!" Elisqbeth nickte und wiederholte: „Zu ihm!" Am späten Nachmittag erreichte der Zug Madrid. Als Elisabeth der Mutter Jagos in die Augen sah, wußte sie: es ist alles gut. „Und Jago?" flüsterte sie in der Umarmung, ,'Die Lebensgefahr ist vorüber, und in deinen Armen wird er gesunden!" In deinen Armen — hatte sie gesagt. Das Herz schlug Elisabeth hoch bis zum Hals. Das Glück, das Glück! „Komm", sagte die Mutter. „Er wartet voller Ungeduld!" Än der Seite der Diuda de Schmid schritt Elisabeth zum Wagen. Die beiden Frauen, alt und jung, gingen Arm in Arm. Zu ihm! Der Ring hatte sich geschlossen! * ' Zwei Monate dauerte Jagos Genesung. Es ging langsam und mit Stocken. Es gab Rückschläge böser Art. Elisabeth fand Gelegenheit, ihm ihre Liebe, ihre Tatkraft, ihre Geduld reichlich zu beweisen. Der ungeduldige Jago war kein leichter Kranker. „Er wird auch kein leichter Ehemann sein". sagte die Mutter. „Er ähnelt am meisten seinem Vater!" Elisabeth lächelte. Dann lief ihr eine helle Rote in Wangen und Hals. „So werde ich von dir lernen, Mutter!" Und dann fügte sie schalkhaft hinzu: „Ich selbst bin auch keine leichte Braut gewesen, wenn man so sagen darf." Die Witwe Schmid nickte und lachte. „Schwierig —, das hat mir Jago schon erzählt, aber schön. Und alles, was lange währt, wird gut!" Nach den Faschingstagen zog die ganze Familie, wie seit Jahren, nach Toledo. Dort kam der Frühling früher. Dort lag hoch über dem Tajoufer das kleine Haus mit dem. großen Garten, in dem Jago feine frühen Studienjahre verbracht hatte. Sie war voller Wunder, diese alte Stadt! Die beiden Liebenden waren immer unterwegs. Der März war wie aus Silber. „Bist du fertig?" Er fragte voller Ungeduld. Es gab so unendlich viel zu sehen, und es gab so unendlich viel (Erinnerungen aufzufrischen. Und was war ihm Toledo ohne Elisabeth? Er stand in ihrem Zimmer und wartete. Sie tupfte noch rasch etwas Puder in ihr braunes, gesundes Gesicht. „Fertig! Du Ungeduld!" Sie gab ihm einen Kuß. Er hielt sie umfangen. Wie schön sie war! Wie so ganz anders als alle die Modepuppen aus Madrid! Und wie herrlich das leise Blau ihrer Augen leuchtete in dem gesunden Gesicht. „Was schaust du denn?" „Daß du schön bist, Elisabeth, schöner als alle Frauen, die ich kenne!" Sie errötete: „Das ist das Blonde", sagte sie, ,,das hier natürlich auffällt. Wirst du das in Deutschland auch noch sagen?" Er zog sie an sich und küßte sie auf den Mund. Sie hielt ihr Gesicht zu ihm empor und sah ihm in die Augen. „Wirst du?" „Ich hab dich lieb, Elisabeth!" sagte Jago. „Ich dich auch!" sagte Elisabeth. Aber bann fragte sie weiter: „Wirst du?" Da lachte Jago Schmid, wie er in seinen besten Tagen gelacht hatte, laut und lang und hielt sie im Arm und küßte sie: „Was fragst du denn, Elisabeth! Ich habe doch in Deutschland nur eine einzige gekannt. Dich! Dich! Du bist die Schönste allezeit, und in der Heimat erst recht!" und Verlauf des Leidens eines Arbeitsuchenden zu machen, so sind sie unmittelbar dem Aroeitsamt einzusenden, das den Arbeitsuchenden betreut. Dabei ist jede Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu unterlassen. , * ** Silberne Hochzeit. Am heutigen Mittwoch, 18. Januar, feiern Martin H e i l m a n n und Frau Christine, geb. Heilmann, Feuerbachstraße 12, bei bester Gesundheit das Fest der silbernen Hochzeit. Große Strafkammer Gießen. Der L. H. aus Nieder-Eschbach wurde kürzlich wegen verschiedener Steuerdelikte zu einer Geldstrafe von 2000 Mark verurteilt. Weiterhin sollte das Urteil veröffentlicht werden. Der Angeklagte legte gegen diese gerichtliche Entscheidung Berufung em. Er mußte sich deshalb gestern vor der Großen Strafkammer verantworten. Er hatte mit seiner Berufung nur einen teilweisen Erfolg. Auf Grund der Beweisaufnahme wurde er der fortgesetzten Steuerzuwiderhandlung für schuldig befunden. Die Kammes fetzte aber seine Strafe auf 1500 Mark Ijerab. Sie sah außerdem von einer Publikation des Urteils ab. Vezirksschöffengencht Gießen. Der I. O. L. aus Gimbsheim hatte bei der Gießener Straßenbahn eine Abstellung als Wagenführer gefunden. Bei seinem Dienstantritt im Juni v. I. erhielt er Fahrscheinhefte im Werte von 304 RM. Bei einer Nachprüfung im September besaß er nur noch Fahrscheinhefte für 80 RM. und einen kleinen Geldbetrag. Das restliche Geld hatte er jn Gießener Gastwirtschaften ausgegeben. Der Angeklagte war gemäß § 359 StGB, als Beamter anzusprechen. Er erhielt wegen Amtsunterschlagung (§ 350 StGB.) vier Monate Gefängnis. Amtsgericht Gießen. Am 10. Jüli 1938 ereignete sich während des Sängerfestes in Gießen, Ecke Löberstraße/Bismarckstraße, ein Verkehrsunsall. Der L. St. aus Herbstein kam mit einigen Sängern aus Herbstein in seinem Kraftwagen zum Sängerfest. St. war mit seinen Bekannten schon am frühen Morgen in Herbstein weggefahren, um in Gießen noch am Festzug teilnehmen zu können. In der Gartenstraße bog er in die Löberstraße ein, da er dem lebhaften Verkehr auf den Hauptstraßen aus dem Wege gehen wollte. Er fuhr nun durch die Löberstraße. Wie die Zeugen bekunden, fuhr der Angeklagte mit ganz geringer Geschwindigkeit. In einer Entfernung von ungefähr 40 Meter vor der Bismarckstraße mußte er einen dort parkenden Lastwagen überholen. Nach dem Ueberholen fuhr er aber nicht wieder auf die rechte Straßenseite zurück. Er beobachtete weiterhin lediglich die Bismarckstraße in Richtung Hindenburgwall. Zur gleichen Zeit kam der Mitangeklagte W. B. mit feinem Mietwatzen, mit dem er einige Sänger nach der Pulvermühle fahren wollte, die Bismarckstraße aus der Richtung Ludwigstraße her. Er fuhr gleichfalls in durchaus mäßigem Tempo. B. will in die Löberstraße gesehen, dort aber den vorfahrtsberechtigten St. nicht bemerkt haben. Es kam zwischen den beiden Kraftwagen zu einem Zusammenstoß. Der Wagen des St. rannte dabei heftig gegen das Geländer der Wieseckbrücke. W. B. hatte einen Strafbefehl in Höhe von 60 RM. erhalten, weil er das Vorfahrtsrecht des St. nicht beachtet hatte. St. erhielt einen Strafbefehl von 30 RM. Beide Angeklagten legten gegen diese Strafbefehle Einspruch ein. In der gestrigen Hauptverhandlung wurden zahlreiche Unfallzeugen eingehend gehört. Es stellte sich wieder heraus, haß beide Angeklagten den Unfall verschuldet hatten. Es blieb daher bei den in den Strafbefehlen ausgesprochenen Strafen. Aus der engeren Heimat. > Holzheim, 17. Ian. Der hiesige Kaninchen- und Geflügelzuchtverein hielt eine Kleintierschau ab, mit der gleichzeitig ein Familienabend verbunden war. Vereinsführer Jung hieß die Mitglieder, insbesondere auch die Preisrichter, willkommen. Die Prämiierung der ausgestellten Kleintiere hatte Preisrichter May (Lang-Göns) übernommen, der im Verlauf des Abends in grundsätzlichen Ausführungen über Züchtung und Haltung des Geflügels sprach. Er gab feiner Freude darüber Ausdruck, daß er in Holzheim fo gutes Tiermaterial vorgefunden habe, wie es sich in dieser Ausstellung erwies. Kameradschaftliches Beisammensein beschloß die erfolgreiche Veranstaltung. <> Obbornhofen, 17. Jan. Die hiesige Freiwillige and die Pflichtfeuerwehr waren zu einem Schulungsabend zusammengekommen. Wehrführer Hahn sprach in längeren Ausführungen über das Verhalten des Feuerwehrmannes bei der Arbeit in der Nähe von Hochspannungsleitungen. Die Feuerwehrmänner folgten dem wichtigen Vortrag mit großer Aufmerksamkeit. — Die vor einiger Zeit infolge des starken Schneefalls eingestellten Holzhauerarbeiten wurden nunmehr wieder aufgenommen. Koscheike im Eisenbahnzug festgenommen Auf dem Bahnhof Remagen aus dem Zug heraus verhaftet. » scheite nach feinen eigenen Angaben in der Nacht zum Dienstag einen Ladeneinbruch durch, bei dem LPD. Frankfurt a. 211, 17. Jan. Am Dienstagnachmiltag wurde auf dem Bahnhof Remagen der aus dem Zuchthaus Freiendiez ausgebrochene Schwerverbrecher Oswald koscheike von zwei Polizeibeamten aus dem in Richtung Köln fahrenden Personenzug heraus verhaftet. Hierzu erfährt der LPD. noch folgende Einzelheiten: Die Kriminalpolizei in Koblenz hatte die Reichsbahn in Remagen benachrichtigt, daß sich der flüchtige Koscheike im Personenzug 1285, der Remagen um 15.18 Uhr in Richtung Köln passiert, befindet. Da Koscheike als äußerst rücksichtsloser Verbrecher gilt, wurden entsprechende Vorsichtsmaßregeln angeordnet. So konnte der Schwerverbrecher, der sich im dritten Wagen des Zuges befand, unschwer erkannt und ohne weiteres f e ft = genommen werden. Die erste Vernehmung Kofcheikes ergab, daß er sich sofort nach seinem Ausbruch aus dem Zuchthaus in Richtung Frankfurt begab und sich zuletzt zwischen Frankfurt und Rüsselsheim herumtrieb. In einem Dorf, dessen Name ihm nicht bekannt ist, führte Ko- ihm 4 0 0 Mark Bargeld und eine me^t» volle Kamera in die Hände fielen. Hierauf begab sich Koscheike nach Mainz. Dort hat er sich am Dienstagvormittag völlig neu eingekleidet. Von Mainz aus fuhr Koscheike in einer Äutotaxe nach Hirzenach bei St. Goar, wo er den Personenzug nach Köln bestieg. Bei seiner Festnahme hatte er noch 222,84 Mark in bar und die Kamera bei sich. In einer Aktentasche trug er die Zuchthausunterkleidung. Außerdem hatte er die bei einem Einbruch erlangten fremden Perfonalpapiere bei sich. Die Gefährlichkeit des Burschen wird unterstrichen durch folgenden Ausspruch, den er kurz nach seiner Festnahme tat: „Denn ich eine Schußwaffe gehabt hätte, wäre ich nicht fo leicht in eure Hände gefallen!" Koscheike wurde noch im Laufe des Dienstagabends in bas Zuchthaus Freiendiez zurücktransportiert. Städtische Volksbücherei Lich. rl. Lich, 17. Jan. Die Bücherei des seitherigen Volks b'ildungsvereins Lich ist in den Besitz der Stadt übergegangen. Mit einem moblgepflegten Bestand von fast 2000 Bänden wird sie nun als „Städtische Volksbücherei" weitergeführt. Für ein Städtchen von 3000 Einwohnern wäre es keine leichte Aufgabe, der Aufforderung und dem Willen des Staates nachkommend eine solche Bücherei erst zu gründen. Wir danken es allen Leitern und Helfern des nunmehr aufgelösten Vereins für Volksbildung, daß sie uns ein fo brauchbares Mittel zur Bildung und Erziehung deutscher Menschen geschaffen haben. Für die neue Verwaltung heißt es nun, damit nationalsozialistische Aufbauarbeit zu leisten: politisch bilden, Gemüt und Willen pflegen, Entspannung und Etholung bieten. Die Lesergemeinde muß noch stark erweitert werden. Die Stadtverwaltung wird der Bücherei in der nächsten Zeit einen eigenen Raum zur Verfügung stellen, der auch als Lese- raum benützt werden kann. Der Bücherbestand ist zwar genügend groß, doch wird viel Veraltetes durch Zeitgemäßes ersetzt werden müssen. Die gedruckt vorliegenden Kataloge werden weiteraeführt. Durch einen im Haushaltsplan der Stadt für die Bücherei vorgesehenen Betrag von jährlich 300 Mark, durch Schenkungen und Einnahmen an Leihgebühren ist ein zweckentsprechender Weiterbau gut ermöglicht. Diese Arbeit hat Lehrer S ch n i e r 1 e übernommen, dem die seitherigen Helfer zur Seite stehen. Motorsägen müssen Holzhauer ersetzen. CD Krofdorf, 17. Jan. Der Holzmengenei n f ch l a g im Krofdorfer-Wißmarer Wald ist alljährlich ein beträchtlicher. In diesem Jahre mangelt es in der staatlichen Revierförsterei Krofdorf, wie auch in den Revieren der Gemeinden Krofdorf und Wißmar, an Holzhauern. Um die fehlenden Arbeitskräfte einigermaßen zu ersetzen, sind Motorsägen eingesetzt worden. Während die Gemeindeverwaltungen beider Orte für ihren Wald die Anschaffungskoften tragen, hat die staatliche Holzfällerrotte auf eigene Kosten die Anschaffung der Säge vorgenommen, die sie aus dem höherer Verdienst zu amortisieren gedenkt. Da im Wißmarer Wald die Holzfällarbeiten beschleunigt durchgeführt werden müssen, sind die Holzhauer der beiden staatlichen Revierförstereien Krofdorf und Waldhaus mit dort eingesetzt worden. Unter ihnen befinden sich eine Reihe von Arbeitskräften aus Krumbach und Kirchners. Landkreis Gießen. * Dau bring en, 17. Jan. In der Wirtschaft Weimer hielt der hiesige Gesangverein „Harmonie" seine Jahresschlußoersammlung ab. Vereins füh re r Fuchs begrüßte die Sänger. Schriftführer Klingel Höfer erstattete den Geschäftsbericht, dem zu entnehmen war, daß der Verein im vergangenen Jahre gute Fortschritte gemacht hat und sich an zahlreichen Veranstaltungen beteiligte. Kamerad Letsch erstattete den Kassenbericht, der einen günstigen Stand der Vereinsgelder auswies. Im weiteren Verlauf der Dersamm- iung wurde der bisherige Dereinsführer auf weitere drei Jahre gewählt und verpflichtet. Die übrigen Vorstandsmittzlieder blieben ebenfalls im Amt. Erfreulicherweise konnten auch in dieser Versammlung einige Sängerinnen und Sänger für fleißigen Singstunde nbesuch mit der silbernen Ehrennadel des Vereins ausgezeichnet werden. r li de bo ob kü Ne u»i mif übe toer nie $on tfrei Oei Ksci lende toirh '3fi e?ffe Sie t V d 4lUn %