Nr. 191 Erstes vlatt 189. Jahrgang Donnerstag, ir. August 1939 Gießener Anzeiger Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für l mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Text- anzeigen oon 70 mm Breite bO Rpf..Platzvorschrift nach oort).Berembg.25°/0 mehr. Ermähtgre Grundpreise: Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle Monatr-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr . . , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686 General-Anzeiger für Oberhessen graft und Verlag: vrühlsche UniverfitStrdruckerei R. Lange In Siegen. 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Sie sprechen mit den maßgebenden Danziger Persönlichkeiten und mit den Polen, klopfen beim Bölkerbundskommissar an, [fragen diesen und jenen um seine Meinung, machen ["sich Notizen über Notizen — und wenn sie genug Der widerspruchsvollsten Einzelaussagen beieinander Haben, geben sie einen je nach Temperament aufregenden oder beschaulichen Bericht, schreiben dazu noch eine amüsante „story", die in den seltensten Zöllen ganz wahr ist, und reisen wieder ab. So 'An>a, wie die Kriegsberichterstatter im Weltkrieg mach dem Besuch eines Frontabschnitts alles ungeheuer interessant fanden, was man ihnen zeigte, sich vieles ganz anders vorgestellt hatten, vielleicht rin wenig ärmer an Illusionen geworden waren, wenn sie den Schützengraben wieder verlassen hatten, alles dann viel besser wußten als die Front- ioldaten selbst — und sich doch nicht ganz zurecht- nnden konnten in dem, was an der Front wirklich ws war. Genau so ist es jetzt hier in Danzig, einem Brennpunkt der unsichtbaren Front, an der um die Revision unhaltbarer Zustände in Europa gekämpft wird. Die Danziger bekommen Briefe von Bekann- sen aus dem Reich, die noch im Juni fest entschlos- sn waren, Danzig einen Besuch abzustatten, hier I in paar sonnige Ferientaae zu verleben, und die un im August plötzlich Bedenken bekommen haben, l'b die Schiffe des Seedienstes Ostpreußen noch »oppot anlaufen, und ob man auch wieder aus I Ranzig herauskommen würde. Fragen, die gegenwärtig ein belustigtes Lächeln auf die Züge der mpfdnger dieser Briefe zaubern, die für eine wei- : re Zukunft gestellt, aber nur von Propheten be- mtwortet werden könnten. Und Propheten sind Isute noch seltener als früher. Man prophezeit da- rir am besten gar nicht, sondern erzählt nur vom |Z t s ä ch l i ch e n Leben dieser wunderschönen ur- isutschen und gana gegen ihren Willen in die welt- plitischen Ereignisse hineingestellten Stadt. Reden wir nicht viel herum, geben wir gleich ,u: Hauptperson dieser Sommersaison ist der iöoldat. Bisher hat Danzig ja — trotz der hoch- "abenben Bezeichnung Freie Stadt an allen Ecken Md Enden gefesselt durch die Beftimmungen ihm Liufgenötigter Verträge — auf eigenes Militär verachten müssen. Auch jede Anlage von Befestigungen war der Freien Stadt untersagt. Am Danziger »tranb im Dünensand stehen heute noch die zerstören Batteriestände der Küstenartillerie aus der Vorkriegszeit. Schutzlos war bisher Danzig dem sogenannten Schutz der Genfer Liga preisgegeben, und riese Liga hatte es fertigbekommen, Polen im Ernst- mll als „besonders geeignet zur Betreuung Danzigs" -u bezeichnen. Heute aber ist das anders. Die jungen ;&ute brauchen nicht mehr mit Neid auf ihre Altersgenossen im Reich zu schauen, die das Ehrenkleid ; es Soldaten tragen dürfen. Sie stehen jetzt genau ■® in den Reihen der Danziger Heimwehr, •e 1tar* UM ist, um etwaigen polnischen Gelüsten, ie nach Wilnaer Muster in Danzig vollendete üEat= □djen zu schaffen suchen könnten, die Suppe gründlich zu versalzen. Und nachdem schon vor Monaten die Polen es ür zweckmäßig gehalten haben, ihrem tiefgrün- igen Mißtrauen gegen die Danziger durch Anlage aon Tanksperren und ähnlichen schönen Dingen auf .2raPe von Zoppot nach Gdingen Ausdruck zu «^rlelhen, haben die Danziger auch eine solche c. -LSl--e r c tief in den Boden eingelassenen .i^aumftammen bis an den Zoppoter Badestrand iimuntergeführt. Da stehen die Stämme in unreael- maßlger Höhe hintereinander gestaffelt und sind tun in den Danziger Alltag hineingehörendes kleines, aber vielsagendes Zeichen dafür, daß wir uns jm der europäischen R e o i s i o n s f r o n t l finden. Ein paar hundert Schritt weiter nach ^orbwesten geht an der Mündung des Menzelbachs kre polnische Grenze ins Meer hinaus. Dort mlten in zwei nur durch den Bach getrennten iüuschen die Danziger und die polnischen Grenz- riachter ihres Amtes, und wie ein „Stein des An- st'ßes" ragt der Grenzstein neben dem Prome- niibenweg empor mit einer Inschrift, die an das Lgrsailler Diktat mahnt. Um die Revision dieses Oktats geht das Ringen. wie Zahl der Spaziergänger, die zwischen Zoppot stid dem polnisch gewordenen Adlershorst hin und h-rwechseln, ist in den letzten Wochen noch erheblich giTinger geworden. Aber ein paar hundert Schritt vriter nach Südosten und der Zoppoter Kur- zirten bildet den eleganten Rahmen für ein »^gesprochen internationales Babe- ' ' Idb e n. Gute Konzerte, sportliche und gesellschaft- li?oe Veranstaltungen lösen einander ab. Hin und vLder wagt sich auch ein ausländischer Ozeandamp- ie: auf die Reede, um die auf einer Fahrt rund IM die Ostsee befindlichen Passagiere schnell einmal iiszubooten, schnell einmal durch Danzig zu füh- ! feu, und dann im Zoppoter Spielkasina ihr Glück ^suchen zu lassen, ehe der Dampfer abends ebenso Iiknell wieder die Anker lichtet. Die Augen der Aus- ! Iridspassagiere aber strahlen. Sie haben „eine bmsation" erlebt Sie können daheim in London (t:r Paris oder Oslo oder USA. begeistert erlitten: „Denken sie sich — wir waren sogar in Lnnzig". I| Oie Danziger selbst gehen inzwischen jeden Tag ih'isn, unter internationalem Druck immer schwieri- j «e: werdenden Geschäften nach und warfen. Wo- Wi.-Korrespondenien. rauf? Auf die Vernunft. Die Welt kann nun wirflid) nicht mchr vorschützen, sie wüßte nicht, was die Danziger wollen, und sie sei sich über das hier ZU lösende Problem nicht klar. Die Danziger haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie Wiedergutmachung des Versailler Unrechts und Heimkehr ins Reich verlangen. Sie haben ebenso klar zum Ausdruck gebracht, daß die wirtschaftliche Verbindung zwischen dem polnischen Hinterland und den Ländern in Ueberfee über den Danziger Hafen durch ein zum Reich gehörendes Danzig genau so, wenn nicht noch besser gewährleistet werden würde, als die im Schnittpunkt widerstrebender politischer Interessen stehende „Freie Stadt". Sie warten auf öie Entscheidung und sind sicher, daß-sie nur im deutschen Sinne fallen kann. Darauf ist ihr ganzes Denken und Tun jetzt eingestellt. Zum Tagesgesprächsstoff gehört etwa die Frage, zu welchem Kurse wohl der Gulden gegen Reichsmark eingewechselt werden würde, wenn es soweit wäre. Denn bei der Heimkehr Oesterreichs und des Sudetenlandes und des Memelgebietes gab es ja Unterschiede. So werden auch manche Käufe zurück- gestellt, die sich „nachher" wohl besser tätigen lassen dürften — auch das ein Zeichen für die unbedingte Zuversicht der Danziger in ihre deutsche Zukunft. Danzig, 16. Aua. (DRV.) Ein Danziger Grenzbeamter erblickte an der Danziger Grenzsperre etwa 350 Meter von der Danzig-polnischen Grenze a u f Danziger Gebiet einen polnischen Soldaten. In einer Entfernung von etwa acht Meter rief er den Polen an, der sofort sein Gewehr von der Schulter riß. Auf einen nochmaligen Anruf des deutschen Beamten, der sofort einen Warnungsschuß in die Erde abgab, feuerte der Pole auf den Danziger, in dessen Begleitung sich zwei weitere Grenzbeamten befanden, einen Schuß ab. Daraufhin schoß einer der beiden anderen Beamten auf den Polen. Der Pole wurde in die Brust getroffen und war sofort tot. Am gleichen Tage, gegen 19 Uhr, wurde von polnischer Seite auf einen deutschen Kraft- wagen in Liessau in der Nähe der Dirschauer Brücke, also auf Danziger Gebiet, scharfgeschos- s e n. In dem Wagen, der vor einer Tankstelle Halt gemacht hatte, befanden sich reichsdeutsche und englische Pressevertreter. Der Danziger Senat hat sofort gegen diese erneue polnische Herausforderung schärfsten P r o t e st bei der polnischen Regierung erhoben und darauf hingewiesen, daß die Tatsache, daß an einem Tage von polnischer Seite zwei schwere Grenzzwischenfälle hervorgerufen wurden, als unerträglich angesehen wird. Lächerliche Erfindungen. Berlin, 16. August. Ein ausländisches Gerücht besagt, jemand habe gehört ober erfahren ober gelesen, daß beutsche Reservisten sich am zweiten Mobilmachungstag (ober am britten bzw. vierten Tag) in Gnesen ober Graubenz bzw. Thorn zu melben hätten. Da biefe beutschen Stäbte zur Zeit auf polnischem Staatsgebiet liegen, so wäre also in ben Augen bes Auslandes erwiesen, wie rasch und bestimmt der deutsche Apparat jenseits der Grenze tätig fein will. Natürlich ist ein solcher Befehl keinem Menschen im Reich zugegangen, ganz einfach, weil er nicht existiert. Dieses Gerücht steht auf derselben Linie wie der bekannte Scherz von dem Gespräch zwischen beutschen unb tschechischen Grenzsoldaten gegen Ende der Benesch-Republik. Da erzählte der Ka tto wi tz, 16. Aug. (DNB.) Nach Meldungen aus Ostoberschlesien hielt den ganzen Mittwoch über der Terror der Polen gegen das Deutschtum weiter an. Die Massenoerhaftungen nehmen zu. Ununterbrochen ist die polnische Polizei unterwegs, um Haussuchungen unb Verhaftungen vorzunehmen. In verschiedenen Ortschaften finb f a st alle jungen Deutschen verhaftet worden. Die Zahl der in die Gefängnisse verbrachten Volksdeutschen beträgt am Mittwochabend 900 bis 1000. Unter ihnen befinden sich sämtliche Funktionäre b er Jungdeutschen Partei unb ber volks- beutschen Organisationen, bereu Arbeit jetzt völlig lahmgelegt ist. Im polnischen Kerker befinden sich u. a. ber Führer ber Jungdeutschen Partei in Polen, ber frühere Senator Wiesner, und ber Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Arbeiter in Polen, der frühere Abgeordnete Jankowski. Mit dem heutigen Tage ist von den Polen der kleine Grenzverkehr vollkommen g e sch l o s s e n worden. Auf verschiedenen Straßengrenzübergängen ist der Verkehr überhaupt -licht zugelassen. Die Ein- unb Ausreise nach Ostoberschlesien ist noch an ben Hauptbahnstrecken möglich. Die Durchsuchung ber Zuge erfolgt mit einem Massenaufgebot von Polizei, bie oft in rigorosester Weise vorgeht. Viele Deutsche sind m Inzwischen geht de r normale lageslauf weiter. Die Danziger fahren wie immer an die See hinaus zürn Baden, sie machen ihren Herzen erregt Luft, wenn einmal der Sonntag verregnet, und sie freuen sich, baß die Zoppoter Waldoper in diesem Jahre so besonders vom Wetter begünstigt war. Wenn nicht die Männer der He im wehr im Danziger Straßenbild wären, denen die Herzen der kleinen Mädchen besonders freudig entgegen* schlagen, wenn auf der Reede vor Gdingen, vom Zoppoter Strand aus ausgezeichnet zu sehen, nicht die polnischen Kriegsschiffe ostentativ aufgereiht liegen würden, um „Polens Seemacht" zu demonstrieren, wenn nicht nachts die Scheinwerfer der polnischen Luftabwehr über den dunklen Wäldern rings um Gdingen spielen würden — fein Mensch würde, ehe er nicht über die Tanksperre auf der Zoppoter Strandpromenade stolpert, rein äußerlich spüren, daß er sich hier am Brennpunkt der politischen Reoisionsfront befindet. Und doch leben die Danziger in diesem Brennpunkt, unb die Auslanbs- berichterstatter haben schon Grund, zu uns zu kommen. Denn jeder Tag bringt Neues, und wer einen Blick hinter die Kulissen werfen kann, ber wird sich bewußt: Hier geht ein nervenaufreibendes Ringen nicht nur um Danzig vor sich, sondern um den Grundsatz friedlicher Revision unmöglicher Verhältnisse. Tscheche dem deutschen Gegenüber, baß er am zweiten Mobilmachungstag in Pilsen fein müsse. Worauf der Deutsche prompt antwortet: „Und ich in Prag!" Danzigs Kamps, ein Kamps des deutschen Rechts. Tagung deutscher Rechtswahrer in Zoppot. Vorn 21. bis 25. August veranstaltet das R ei ch s- rechtsamt der NSDAP, in Zoppot eine Tagung, um in klarer und wissenschaftlicher Weise die rechtlichen und politischer) Probleme bes Ostens, insbesondere ber Freien Stadt Danzig, durch führende Männer aus Politik, Wissenschaft unb Rechtsleben zu behandeln und die Rechtmäßigkeit ber Stellungnahme Danzigs unb des Reiches zu den gegenwärtigen aktuellen politischen Problemen zu beweisen. Das Treffen wird eröffnet durch eine Rebe des Gauleiters Forster (Danzig), an die sich ein Vortrag des Leiters ber Auslandsorganisation, Gauleiter Bohle, anschließt. Zum Thema „Der Kampf Danzigs, ein Rechtskampf" wird Reichsleiter Dr. Frank Stellung nehmen. Weiterhin werden der Chef der Kanzlei des Führers, Reichsleiter Bouh - I er, zum Thema „Kampf des Führers um die Schaffung eines einigen Großdeutschlands" und Reichsminister Dr. Seyß-Jnquart über bie Rückgliederung der Ostmark sprechen. Als weitere Redner kommen Staatssekretär Dr. S t u tf a r t über Rechtsfragen ber heimgekehrten Gebiete, Staatssekretär Karl Hermann Frank über das Zusammenleben von Deutschen und Tschechen im Protektorat unb Staatssekretär Karmasin (Preßburg) über ben verfassungsrechtlichen Schutz des frentben Volkstums in ber Slowakei zu Worte. Eine Reihe von weiteren rechtspolitischen unb historischen Themen, die für den deutschen Osten von Bedeutung sind, werden durch Staatssekretär Dr. Freister, Gauschulungsleiter L o e b s a ck (Danzig), Professor Dr. Recke (Danzig), Oberbürgermeister Dr. Markmann (Magdeburg) und Professor Müller (Danzig) behandelt werden. die naheliegenden Wälder geflüchtet unb halten sich dort vor den polnischen Häschern verborgen. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, ist der Auf- ständischenverbanb in den letzten zwei Tagen bewaffnet worden, so daß mit einem furchtbaren Terror gegenüber wehrlosen Deutschen zu rechnen ist. Die Tatsache, daß alle Nachrichtenverbindungen schon jetzt so gut wie abgeschnitten sind, wirft ein eindeutiges Licht auf das Vorhaben der Polen. General Haller sammelt ein Freikorps. HerarrsforderndeSPrachegegenDeutschland Warschab, 16. Aug. (Europapreß.) Der polnische General Haller, der durch bie Aufstellung seiner Polnischen Legion in Frankreich während bes Weltkrieges bekannt geworben ist, hat bie Wiederkehr des Jahrestages ber polnischen Kämpfe gegen Sowjetrußland im Jahre 1920 zum Anlaß genommen, um erneut von sich reben zu machen. Haller erklärt in einem wortreichen Au stuf, er habe in Pornerellen ein „blaues Freiwilligen- r cgi ment für den Krieg mit Deutsch-, Der Danziger Senat protestiert gegen erneute polnische Grenzverletzungen. Wachsender poleaterror in Ostoberschlesien. Scharfes Vorgehen gegen die Zungdeutsche Partei. — Auch Senator Wiesner verhaftet. - Oer Grenzverkehr unterbunden. Am Kompromiffe kein Raum. Don unserer Berliner Schristleitung In seiner großen Reichstagsrebe vorn 28. April gab ber Führer ber Welt Kenntnis von einem Vorschlag an bie polnische Regierung, ber barauf hin» auslief, baß Danzig zum Deutschen Reiche zurückkehre, unb baß eine Straße unb eine Eisenbahnlinie mit exterritorialem Charakter burch ben Korribor geschaffen werbe. Als Gegenleistung hatte ber Führer bas Angebot gemacht, sämtliche wirtschaftlichen Rechte ber Polen in Danzig anzuerkennen, ihnen einen Freihafen beliebiger Größe bei völlig freiem Zugang zu sichern, die bestehenben Grenzen zwischen Deutschland unb Polen zu akzeptieren unb einen 25 Jahre bauernben Nichtangriffspakt mit Polen abzuschließen. Darauf ging bie polnische Regierung überhaupt nicht ein, sie wollte nur „erwägen", wie Erleichterungen für ben Durchgangsverkehr burch ben Korribor möglich seien. Die Tatsache bieser Ablehnung würbe vom Führer mit der Feststellung beantwortet, daß das zwischen ihm und dem verstorbenen Marschall Pilsudski geschlossene Abkommen hinfällig geworden und daß sein Angebot nur „einmalig" gewesen sei. Denn mittlerweile hatte sich Polen der Einkreisungsfront angeschlossen und damit gegen Sinn unb Wort bes Abkommens verstoßen. Die wahnwitzige Kriegshetze Englands unb Frankreichs, die babei immer roieber ben polnischen Vasallenstaat vorschickten, hat nun zu ben deutsch- italienischen Besprechungen in Salzburg unb Berch- tesgaben geführt. Die demokratische Presse entwickelte darauf mangels anderer Unterlagen bie tollsten und ausschweifendsten Phantasien. Seit Sonntag sind in dieser Geistesverwirrung immerhin zwei Richtungen wahrnehmbar, die beide natürlich gänzlich falsch und verlogen sind. Zunächst wurde U n - g a r n vor Deutschland „gewarnt" und ebenso wie die Balkanstaaten Bulgarien und Jugoslawien mit einem englischen „Garantieangevot" bedacht. Die Antwort aus Budapest, Sofia und Belgrad lautete geradezu vernichtend. Dann wurden allerlei Kombinationen aufgetischt, in Salzburg ober in Berchtesgaden sei man zu Kompromissen geneigt und erstrebe eine Konferenz über Danzig. Demgegenüber können wir versichern, baß solche Konferenzpläne mir in der Phantasie ber Londoner und Pariser Skribenten bestehen, aber in Wirklichkeit einfach deshalb unmöglich sind, weil Deutschland und Italien eine Konferenz über Danzig unb ben Korridor gar nicht benötigen. Jetzt spricht allein bas unbezweifelbare deutsche Recht auf Danzig unb ben uns geraubten Korridor. Die deutsche Ehre erfordert, baß ben unhaltbaren Zustänben ein Ende gemacht werben muß. Und in Ehrenfragen gibt es für uns keinen Kuhhandel. Der jetzige absurde Zustand, daß über das deutsche Danzig und den geraubten Korridor andere Mächte mitzubestim- men hätten oder gar sich als Vormünder aufspielen. l a n d" organisiert und die polnischen Militärbehörden bereits um dessen Bestätigung ersucht. Außerdem habe er innerhalb bes sog. Verbandes ber Haller-Soldaten (in diesem Verband sind die Angehörigen der im Weltkrieg von Haller aufgestellten Legion zusammengefaßt) die A u f st e l - lung von zwei Bürgerwehren unb einem Freikorps in Pommerellen in Angriff genommen. In seinem Aufruf heißt es großsprecherisch, heute droht uns nichts mehr vom Osten, sondern ber do m SB eft e n entfesselte „Teutonis - m u s", ber sich gegen unsere Freiheit und die Unabhängigkeit bes polnischen Volkes auf ewig pol» nischer Erde richtet. Aber wir sind bereit, bis zum vollständigen und „für immer entscheidenden Sieg" zu kämpfen. Mlten warnt die Polen. R. G. Rom, 16. August. In Rom beachtet man vor allem die Haltung Polens und der hinter der Warschauer Regierung stehenden westlichen Demokratien. Obwohl bas Echo der polnischen Presse wenig ermutigend klingt, hegt man in Rom immer noch die Hoffnung, daß sich die Polen angesichts ber Entschlossenheit des deutsch- italienischen Blocks zu einer vernünftigen Lösung des Danziger Problems bereit finden werden. Das halbamtliche „ Giornale d' Italia " redet den Polen noch einmal eindringlich ins Gewissen. Mit schonungsloser Deutlichkeit legt das Blatt die Gründe dar, bie bie Warschauer Regierung trotz ber englisch-französischen Aufstachelungsbemühungen zu einer entgegenkommenderen Einstellung gegenüber Deutschland veranlassen sollten. Die Polen hätten anscheinend als einzige noch nicht die Warnung begriffen, bie in den Besprechungen Cianos mit dem Führer und Ribbentrop liege; denn sie setzten ihre Beleidigungen und Herausforderungen gegen Deutschland fort. Bon deutscher Seite seien weder die Unabhängigkeit noch die Wirtschaftsinteressen Polens bedroht, aber es sei undenkbar, baß ein Volk wie das deutsche die Provokattonen und Beteiligungen durch Polen weiterhin ertrage. Es gebe Rechtsansprüche, die ganz einfach befriedigt werden müßten. Zu diesen Rechtsansprüchen gehörten bie Ansprüche Deutschlands auf Danzig und die Italiens im Mittelmeer und in Afrika. „Dribuna" erklärt, ber Wiederaufbau Europas mache bie Lösung ber Danziger Frage unerläßlich. Da ber Fortschritt Europas nicht vor einer Sonberfrage Hott machen könne, sei nicht baran zu zweifeln, baß unwiderstehliche Kräfte bie Lösung bes Konflikts zwischen Deutschlanb unb Polen auf ber Grunblage ber Ehre und des Rechtes herbeiführen werben. Oer Führer 25 Jahre Soldat. Die Glückwünsche des Traditionsregiments List. - Zahlreiche Gratulanten auf dem Obersalzberg. Reichskriegsflagge. Die Gedenktafel vor der Kaserne ist mit Eichenlaub umkränzt. Vor der Tafel ist em Doppelposten aufgezogen. Im Rahmen eines Appells wurde vom Regimentskommandeur Oberst Zorn ein Tagesbefehl an die Truppe verlesen, in dem es heißt: „Am heutigen Tage sind es 26 Jahre, fett der Führer in unserer Kaserne als Kriegsfreiwilliger in die Reihen des 16. Bayerischen Infanterie- Regimentes „List" eintrat, um für Deutschland zu kämpfen. Als Traditionsregiment gedenken wir in besonderer Verbundenheit dieses Tages und jenes unbekannten Soldaten, der auszog und uns alle Kriegsjahre hindurch beispielhaft Tapferkeit, Opferbereitschaft und Treue vorlebte, den das Schicksal bewährte in Tod und Gefahr, damit er sein geltet), tes deutsches Vaterland aus tiefster Rot wieder emporführe zu Macht und Ansehen. Wir sind stolz daraus, daß er in unserem Regiment kämpfte. Wir wissen, daß uns das dazu verpflichtet, es ihm in allen Soldatentugenden gleich zu tun. So erneuern wir an diesem erinnerungsreichen Tage, da sich wieder aller Augen auf unseren Führer richten, das Gelöbnis, ihm treu zu folgen und uns voll einzusetzen für Großdeutschlanos Zukunft" Der Führer empfing am Mittwochnachmittag im Berghof eine Ab ordnung des Regiments, bestehend aus dem Kommandeur Oberst Zorn sowie Oberleutnant Euen, Hauptfeldwebel Pirngruber und Gefreiten Reichenberger. Oberst Zorn überreichte dem Führer eine Glückwunsch- adresse, die von Hauptfeldwebel Pirngruber fünft- lerisch gestaltet worden war. Der Führer dankte mit herzlichen Worten und überreichte jedem Mitglied der Abordnung zur Erinnerung an diesen Tag sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift. Berchtesgaden, 16. August. Aus Anlaß ber 25. Wiederkehr des Tages, an dem d e r Führer als Kriegsfreiwillige 'r in das 16 Bayerische Reserve - Infanterie- Regiment eintrat, sprach heute mittag der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Generalfeldmar- chall Göring, dem Führer auf dem Berghos eine persönlichen und die Glückwünsche der »eutschen Wehrmacht aus. Die Oberbefehlshaber des Heeres und der Kriegsmarine sowie der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht gedachten des Tages durch Glückwunschschreiben an den Führer. Der Reichs- ührer ff Himmler erschien in Begleitung der ^.Führer Heydrich und Wolfs auf dem Berghof, um dem Führer die Glückwünsche der nationalsozialistischen Schutzstaffeln zu übermitteln. Dem Führer prachen ferner Reichsaußenminister von R i b - b e n t r o p, Reichspressechef Dr. Dietrich, Reicks- [eiter Bohrmann, Generalbauinspektor Professor Speer und Reichsbildberichterftatter Professor Hoffmann ihre Glückwünsche aus. Am Mittwochabend stattete der Stellvertreter des Führers der NSDAP, Reichsminister Rudolf Heß, dem Führer einen Besuch ab, um ihm zugleich im Namen der Partei seine Glückwünsche zu übermitteln. Der Stabschef der SA., Viktor L u tz e, hat an den Führer im Namen der Sturmabteilungen ein Glückwunschtelegramm gerichtet. Mit einer kurzen militärischen Feier wurde die- er Tag in der „Ad olf - Hitler -Kaierne" les I. - R. 19 in München begangen, des Regimentes, das die stolze Tradition des 16. Bayeri-- chen Reserve-Jnfanterie-Regimentes ,List" fort« ührt. Don der Kaserne am Dimyplatz flattert die Vor 25 Lahre«. Oie Kette der Sommer-Schlachten im Westen. Es waren heiße Augusttage im Jahre 1914. In Ostpreußen brachten die Bauern mit eisernem Fleiß die letzte Getreideernte herein, während schon der Kanonendonner der Kämpfe von Stallupö- nen hörbar wurde. Im Westen hatte sich der Handstreich gegen Lüttich in finsterer Nacht bei strömendem Gewitterregen abgespielt, die Verbindung war oftmals abgerissen, niemand wußte, wie das Gefecht stand, und doch gab es nur die Losung: vorwärts! Kaum war die mächtige Sperre von Lüttich gefallen, fo schweifte schon dieHeeres- Kavallerie unter General von der Marrn i tz weit durch das Land. Sie fand den Gegner abwehrbereit am Flußlaus der Gelte, wo er eine neue Linie bezog, um die Verstärkungen der Franzosen und Belgier abzuwarten und Brüssel zu chützen. Bei Haelen ritten deutsche Reiter die eindlichen Schützen in wilder Attacke nieder, am 15. August stießen sie weiter südlich bei D i n a n t auf den Gegner, bei dem sich nun auch Franzosen befanden. Die Engländer aoer waren noch nicht im Lande, so daß es für die Belgier unsicher wurde, ob ihnen die Verbindung mit ihrer Festung Antwerpen noch erhalten bleiben werde. Am 18. August erschien die 1. deutsche Armee (v. Kluck), „wie aus dem Boden gewachsen" ander Gettelinie und warf die Verteidiger zurück. Die Umfassung drohte den Belgiern, und so blieb ihnen, von den Verbündeten allein gelassen, nichts anderes übrig, als der Rückzug nach Antwerpen. Am 20. August befand sich die belgische Feldarmee im Schutz ihrer Landesfestung, am gleichen Tage zogen die deutschen Truppen um Mitternacht in Brüssel ein. Der Weg des rechten deutschen Flügels, der sich von Brüssel nach Mons zur Umklammerung des feindlichen Aufmarsches erstrecken sollte, war frei. Allerdings sollte dieser Weg von einer ganzen Schlachtenfolge begleitet sein. Die französische Armee unter Marschall Ioffre war in ihren Hauptkräften zwischen Mons, Verdun und den Vogesen aufmarschiert. 9m südlichen Sektor, bei Belfort, standen hauptsächlich Divisionen der Alpenkorps, die Anfang August einen Vorstoß gegen Mülhausen machten, der von den Badenern abgeschlagen, aber am 17. August wiederholt wurde. Deutsche Landwehr brachte auch diesen Angriff zum Stehen. Jahrelang sollte dieser Teil des Kriegsschauplatzes erbitterte Einzelkämpfe sehen. Gegenüber dem deutschen Vordringen in Belgien und Nordfrankreich muhte sich General Ioffrezum Gegenschlage entschließen. Er begann ihn Mitte August an der Lothringer Front, so daß sich seine Offensive in den Raum zwischen Metz und Sttaßdurg richten mußte, um das Saargebiet und die Pfalz zu erreichen. Acht französische Anneekorps, die sich in die Armeen Castelnau und Dubai! gliederten, stießen auf die deutsche 6. und 7. Armee unter dem Kronprinzen von Bayern und dem Berliner Brief. 3m tönenden Spielkabinett. — Von der Sandwüste zum Mussolini-Platz. Häuser für einen Tag. — Oas tödliche Plätteisen. General von Heeringen. Der deutsche Plan bestand darin, die Gegner aus ihren befestigten Stellungen herauszulocken und ihnen womöglich im^freien Felde eine entscheidende Schlacht, ein Cannä, zu liefern. Die deutschen Vorttuppen zogen sich daher langsam auf das Gros zurück, und die Franzosen konnten in Saarburg einziehen. Nur mit Widerwillen folgten die Bauern der 6. Armee dieser Taktik. Zudem entstand her Eindruck, daß es der feindlichen Seite mehr darauf ankam, die Deutschen zu beschäftigen, als einen entscheidenden Waffengang zu wagen. Daher ging der deutsche strategische Rückzug am 19. und 20. August zum Angriff über, und es kam zur Schlacht in Lothringen (Saarburg-Mör- chingen). Mit ungestümer Tapferkeit warfen sich unsere Truppen auf den Feind, der mit schwersten Verlusten geschlagen wurde und sich wieder unter den Schutz seiner Fettungen zurückzog. Die 7. Armee, Schwaben und Baoener, kämpften währenddessen am linken Flügel in den Vogesen und am Donon. Auch hier trat der Franzose den Rückzug an, er räumte sogar das abseits im Süden der Front gelegene Mülhausen, ein Zeichen, daß seine offensiven Absichten gescheitert waren. Die Franzosen lernten die überlegene Feuerkraft unterer schweren Artillerie kennen? während die deutschen Infanteristen mit den leichten französischen Geschützen fertig werden mußten. In weit ausholenden Bewegungen stürzte die 1. Armee (Kluck) durch Belgien nach Nordfrankreich, durch einen starken Schleier von Kavallerie in ihren Zielen verdeckt. Am 22. August stieß sie bei Mons auf die Engländer unter French und die Franzosen unter Lanrezac. Der Feind wurde völlig geschlagen, ein Teil der Franzosen warf sich in die Festung Maubeuge. Zur gleichen Zeit entwickelten sich die französischen Heere links und rechts der Maas zum Angriff gegen die 2. Armee (Bülow), die 3. Armee (o. Hausch), die 4. Armee (Herzog o. Württembera) und die 5. Armee (Kronprinz v. Preußen). Bei Char-- leroi. Longwy und Neufchateau wurden alle Angriffe zurückgeschlagen. Unsere Truppen find die Nächte hindurch marschiert, hatten am Tage durch hohe Getreidefelder den Sturm siegreich vorgetragen und jedes Schlachfeld behauptet. Nie- mals hat eine Armee stolzer und tapferer gekämpft als bas Feldheer von 19141 Zu einer Umfaffungs- schlacht war es aber wieder nicht gekommen. Am 24. August fiel Namur. Fraglich schien, ob in Lochringen der Durchbruch bei Toul und (Spinal gelingen und bann die Vereinigung mit dem äußersten Flügel Kluck, das strategische Ziel erreichen könne. Inzwischen bahnte sich bei der 1. Armee eine neue Entscheidung an, während die Nachrich. ten über den Russeneinfall in Ostpreußen alarmie- rend wirkten. wie England und Frankreich, muß und wird ein Ende finden. Damit erledigen sich auch die Satze, welche die in diesem Falle wohl als Sprachrohr der britischen Regierung anzusehende „Time s" sich abgerungen hat und die mit ihrer Mischung aus trampfiger Nervosität, Beschränktheit und unverhüllten Drohungen aeradezu lächerlich anmuten. Der „K r i e g ohne Kanonen" so meint die „Times" könne nicht endlos weitergehen. Die Einkreifunasmächte würden dann einen gemeinsamen Kodex ober eine Doktrin für die internationale Praxis aufstellen. Es würde ein katastrophales Schauspiel geben, wenn die Deutschen durch eine massive und „monopolistische" Propaganda in einen Krieg getrieben würden mit Völkern, die keinen Streit mit ihnen wünschten und die weder Neigung noch Interesse daran hätten, dem deutschen Volke einen vollen und wachsenden Anteil an allen Eroberungen, die der Zivilisation noch beschieden seien, zu versagen. Die nächste Ausgabe der Friedensmächte sei daher, die Essenz eines positiven Friedensprogramms feftzulegen und der Welt zu präfentie- ren. Unter gewissen Bedingungen könnte dadurch der Weg zu Verhandlungen eröffnet wer- den. Verhandlungen seien aber nichts wert, wenn mit ihnen nicht eine Rüstu n g sb e gr e n zu n g einhergehe. Verhandlungen könnten auch zu nichts führen, wenn Deutschland nicht . seine Idee vom Lebensraum aufgebe. Die deutsche Auslegung dieses Wortes bedeute, daß 80 Millionen Deutsche nur ganz sicher und auskömmlich leben könnten, wenn sie ihre Nachbarn unterdrückten und ihnen sogar ihr Hab und Gut und ihr Heim rJJüberi könnten. Das Blatt erklärt abschließend: „Wenn Fortschritte zu einem ehrenhaft organisierten Frieden gemacht werden sollen, so muß die Ab- stung kommen. Den Tschechen muß die freie Ausübung ihres Selbstverwaltungsrechtes gegeben werden. Darüber hinaus müssen berechtigte Forderungen auf kolonialem Gebiet befriedigt werden, ohne daß von einer Rückkehr zu der alten Vorstellung, daß Völker und Länder Austauschgüter seien, die Rede sein kann. Unter den modernen Treuhänderprinzipien ist eine weit umfassendere Gleichheit in der Tat erreichbar, als sie durch irgend einen Handel mit „Besitzungen" erzielt werden könnte. Dies sind die nackten Bedingunaen, die durch niemand und nichts anderes als Erfordernisse des Friedens diktiert werden. Wenn sie angenommen werden, so gibt es keinen Grund, an einer Lösung der politischen, finanziellen und wirtschaftlichen Forderungen, die Europa auf den Verhandlungstisch au legen hat, zu verzweifeln." Die Bedingungen, welche die „Times" nach vollendetem Wiederaufbau der Versailler Front in Aussicht stellt, kennen wir aus den diesbezüglichen Diktaten von 1919. Den Kodex für internationale Praxis haben wir Deutsche zu einer Zeit, da eine schwache Staatsführung sich englisch-amerikanischer Großmut anoertraute, ebenfalls gründlich kennengelernt. Daß unsere einhellige „monopolistische" Meinung sich gegen Leute richte, die keinen Streit mit uns wünschen, ist eine dumme Lüge. Denn wer das Deutsche Reich, das Menschlichkeit, Geschicklichkeit und Einsicht in heikelsten Dingen tagtäglich beweist, hindern will, Kernfragen seines Lebens und seiner Ehre zu ordnen, will Streit mit uns. Es ist eitel Geschwätz, daß Lebensraumsicherung in Unterdrückung der anderen bestehe. Wir unrerdrücken weder die Tschechen — Indien und Palästina würden Gott auf den Knien danken für eine Protektoratspolitik, wie die unfolge sie ist — noch beabsichtigen wir, die Polen zu unterdrücken. Wir beabsichtigen lediglich, keinesfalls Deutsche von ihnen kulturell unterlegenen und von England ange- stacheltenDölkern unterdrücken zu lassen. Daß wir den Anspruch auf den deutschen Lebensraum aufgeben und die Zustände im Protektorat wieder auf die Benesckart zurückschrauben sollen, heißt doch von Deutschland Selbstmord verlangen. Und nach diesem Selbstmord würde Deutschland eingeladen, an einer „Friedenskonferenz" teilzunehmen, auf der nickt die deutschen Kolonien zurückgegeben, sondern ode englischen Treuhänderprinzipien angenommen werden sollen, die sich überall in der Welt ja so „vorteilhaft" für England bewährt habe. Mit solchen Narreteien aber haben wir nichts gemein. Unser Wea ist uns durch die Gebote von Ehre und Recht eindeutig vorgezeichnet. Vernebelung durch Lleberfülle. Vor uns liegt die „Time s" vom 14. August. Die Berichterstatter in allen europäischen Hauptstädten sind auf Trab gebracht. Wichtiges und Nebensächliches geht wirr durcheinander, nach dem deutschen Sprichwort: „Wie Kraut und Rüden". Zwischendurch ein Leitartikel, in dessen erstem Absatz ein Friedensfähnchen hochgezoHen wird und in dessen weiteren Absätzen eine mäßige Bosheit verspritzt wird. All diese Aufregung und diese lieber« fülle sich oft überschneidender, für den kritischen Leser im Werte sehr unterschiedlicher Nachrichten machen es schon zu einer Anstrenaung, überhaupt das Wesentliche vom Zufälligen zü unterscheiden. Eine geschlossene Linie ist auf weiter Flur nicht zu entdecken. Und das große „Times"-Format ist nun wirklich eine weite Flur, was wohl niemand bestreiten mag. Aber wie soll die „Times" erst auf den Normalleser wirken, der nicht hauptberuflich als gewissenhafter Zeitchronist gezwungen ist, jebe Meldung und manchmal auch jedes Wort zweimal umzudrehen, ehe er darüber ein Urteil abgibt. Und dabei handelt es sich immer noch um die „Times", also um ein Blatt, das für Englands ,/große Politik" auf das Ausland repräsentativ wirken soll. Wie sieht es erst in den anderen Zeitungen aus?! Der Engländer selbst unterscheidet ja zwischen den Massenzeitungen und der „ernsten" Presse. Aber wo läuft der Trennungsstrich? Das Blatt, das nächst der „Times" vor allen als „ernst" gilt, nämlich der „Daily T e I e g r a p h", ist m den letzten Monaten auf heftigen Abonnentenfang und hat sich eine „Schauseite" zugelegt, die ganz und gar diesem Zwecke dient. Hier verwischt sich also schon der Unterschied zwischen Massenzeitung und „ernster" Presse uno dem Gotte der sensationellen Anreißerei wird auf der Schauseite reichlich gehuldigt. Das Ergebnis ist jedenfalls ein Tohuwabohu, das den Leser durch die Ueberfülle reichlich zusammenhangloser und jedenfalls nicht sinngemäß abge- stufter Nachrichten einnebelt und ein nebeln foll. Jenseits der augenblicklichen politischen Lage muß feftgefteHt werden, daß die französische Presse nicht allgemein, aber doch in mancher auch für den Mafsenabsatz gedruckten Zeitung eine klarere Linie und ein bedächtigeres Abwägen der einzelnen Meldungen zeigt, als die englische. Der aufmerksame Leser wird auch bald den Grund des Unterschiedes merken: die Franzosen haben eben erst das Dolksfrontexperiment hinter sich, das ihnen noch mit merklicher Schwere in den Knochen liegt; die englischen Zeitungen turnen an den Strickleitern ihrer schönen Gefühle und merken gar nicht, daß sie sich dabei affig genug ausnehmen. Unweit des ehemaligen Berliner Ghettos, an das heute noch der Jüdenhof und die vom Rathaus abzweigende Iüdenfttaße mahnen, erhebt sich die Parochialkirche, die in den Jahren 1695 bis 1703 erbaut wurde. Wer das Glück hat, just zur vollen Stunde an ihr vorüber zu gehen, der hört das klingende Spiel der größten und schönsten „Sing- uhr Deutschlands. Hält der eilige Fußgänger seine Schritte an, begibt er sich in das Innere der Kirche und ersteigt er den Turm, fo gewahrt er, daß der Turm vor kurzem einem durchgreifenden und verschönernden Umbau unterzogen wurde. Der Besucher kann sich im zweiten Stockwerk des Turmes an einer mit Liebe und großem Sachverstand zusammengetragenen Historischen Sammlung erfreuen, die ihm viel von Alt-Berlin zu erzählen vermag. Steigt der Wißbegierige noch höher, bis in den kunstvoll gezimmerten Holzdachstuhl hinein, so gewinnt er Einblick in das Räderwerk der Singuhr. Ueberrafdjt wird er die große Walze mit ihren 4800 Spielftiften betrachten, die allmonatlich um- gesteckt werden, damit immer wieder neue Melodien ertönen. Der schönste Raum dieses 66 Meter hohen Turmes ist aber das Spielkabinett, das mit bunten holländischen Kacheln ausgelegt ist, die daran erinnern sollen, daß 35 der insgesamt 37 Spielglocken, die über zwei Jahrhunderte alt sind, aus Amsterdam stammen. In diesem Spielkabinett waltet der Glockenmeister von Berlin, nachdem er das Walzwerk ausgeschaltet hat, an einem mit Holzstäben und Pedalen versehenen „Spieltisch" an jedem Sonntag und Mittwoch seines Amtes. Dann schwingt noch wundersamer als sonst ein Glockenlied über die Dächer der Berliner Altstadt, das völlig vergessen läßt, daß tief unten eine eilige, hastende, brausende Diermillionenstadt liegt... * Zu den vielen Arbeitsstätten, die der Reichshauptstadt eine neue und würdige Gestalt verleihen sollen, hat sich eine weitere gesellt. Sie liegt, wenige hundert Meter vom Funkturm entfernt, auf dem Adolf-Hitler-Platz und dient seinem Ausbau und seiner Verschöneruna. Noch kurz vor der Jahrhundertwende war hier eine Sandwüste, aus der sich in Richtung Westend der rote Kasernenbau des Königin-Elifabeth-Garderegiments erhob. Die „Eli- sabether" waren es denn auch, die als einzige diese Sandwüste belebten, indem sie auf ihr eifrig exerzierten, zielten und Sturmangriff übten. Balo nach der Jahrhundertwende schob sich aber das Häusermeer Charlottenburgs immer näher an diese Einöde heran. Im Jahre 1906 wurde die Heerstraße nach Döberitz angelegt, die sich hier zu einem rechteckigen Platz, dem Reichskanzlerplatz, srwefterte. Und schon zwei Jahre später hielt unter ihm die Untergrund« bahn. Im Februar 1933 erhielt der Platz den Namen des Führers. Den immer stärker anschwellenden Ausfallverkehr nach dem Westen war aber die wenig glückliche Anlage des Adolf-Hitler-Platzes nicht mehr gewachsen, besonders nicht, seitdem die Ost-West-Achse bis zu diesem Platz hin ausgebaut worden ist. Aus diesem Grunde hat man jetzt die Neugestaltung des Platzes in Angriff genommen, der nach dem Willen des Führers ein Ehrenplatz ür den italienischen Regierungschef und Duce, Benito Mussolini, werden foll. In der Mitte des künftigen Mussolini-Platzes wird ein hohes Monument errichtet, ein runder Säulengang an den Seiten des Platzes wird zum Kreisverkehr über- leiten und die Verbindung zu der westlich des Platzes ebenfalls im Ausbau begriffenen Mussolini- Allee Herstellen. Diese wird bis zum 8-Bahnhos Heerstraße" führen, neben dem sich ein imposanter Fernbahnhof erheben wird, auf dem der Führer in Zukunft seine hohen Gäste empfangen wird. Welch ein stolzer Weg von der Sandwüste bis zum Mussolini-Platz! In seltsamem Gegensatz zu den großen Bauten der Neugestaltung der Reichshauptstadt stehen jene Plätze, Straßen und Häuser Berlins, die nur für einen Tag, oft sogar nur für eine Stunde gebaut werden. Es sind die Filmbauten in Babelsberg- Ufastadt. Einerlei, ob man das weite Freigelände durchwandert oder ob man sich in den Riesenhallen der Ateliers umsieht, ständig stößt man auf mehrere Trupps von Bauarbeitern und Handwerkern, die in emsigster Arbeit begriffen sind. Da wird gemauert, gezimmert, gehämmert, gestrichen, gekalkt und gepinselt; da werden Defen und Kamine gesetzt, Fußböden und Treppenstufen gelegt, elektrische Leitung gen montiert, Gardinen aufgeftetft, Teppiche entrollt und ausgebreitet, kurzum: Da wird gebaut und gebastelt, daß es eine wahre Lust ist, diesem Treiben zuzusehen. Niemals wird Pfuscharbeit getan. Im Gegenteil! Alles geht nach einem wohlgeordneten Plan, nein — nach unzähligen Plänen! Wer entwirft sie? Es sind die Architekten, bereit Namen wir im Vorspann hinter dem Wort „Bauten" lesen. Nicht weniger als 16 Architekten sind für das Ufa-Produktionsprogramm 1939/40 tätig. Und ein jeder von ihnen ist ein große? Künstler feines Faches! Muß es fein! Denn oft ist ein Architekt nicht nur für die Bauten eines Filmes, wie zum Beispiel Karl Böhm für „Kennwort: Machin", Hanns H. Kuhnert für „Waldrausch", Franz Schroedter für „Sommer, Sonne, Erika", sondern gleich für zwei Filme tätig, wie etwa Herbert Froberg für „Drei Väter um Anna" und „12 Minuten nach 12" oder Walter Röhrig für Kadetten" und „Legion Condor". Bereits diese kleine Aufzählung verrät, welches baukünstlerifche Wissen, welches stilistische Einfühlungsvermögen und welches technische Können die Filmarchitekten jederzeit bereit haben müssen. Nicht zu vergessen, welche Entsagung von ihnen gefordert wird, stellen doch ihre mühevollen Werke oftmals nur Häuser für einen Tag dar, für jenen einen Tag nämlich, an dem die Kamera sie als Hintergrund für eine Spielhandlung abtastet oder aufnimmt. * Es ist fünf Uhr morgens. Dicke Rauchschwaden bringen aus dem Dachstuhl des vierstöckigen Hauses Habsburger Straße 10 in Schöneberg. Gleich darauf schlagen helle, züngelnde Flammen zum fahlen Morgenhimmel empor. Großfeuerk Die Hausbewohner werden geweckt. Eine Panik droht auszubrechen. Aber da raffeln schon fünf Züge bet Feuerlöschpolizei auf die Brandstätte zu. den Dächern der Nebenhäuser, von hohen Magirus- leitern ergießen sich Wasserstrome in die toten Gluten. Ein Trupp beherzter Feuerwehrmänner bringt bis zum Brandherd vor. Plötzlich schießt ihnen eine meterlange Stichflamme entgegen. Der Feuerwehrmann Wilhelm Schultze, erst fünfundzwanzigjährig, sinkt um. Man trägt ihn fort. Doch schon auf dem Wege nach unten stirbt er an den schweren Brandwunden. Die Ursache des Brandes? Die Kriminalpolizei deckt die Spur auf: In einem Plättraum des Dachgeschosses war ein elektrisches Plätteisen nicht ausgeschaltet worden. Ein mutiger Volksgenosse mußte sein Leben opfern, nur weil aus lästiger Unachtsamkeit ein kleiner Handgriff zu wenig getan wurde! Sollte nicht diese erschütternde Tragik des Alltags uns allen ein Fingerzeig fein? — Kampf der Gefahr? „Ach, es kommt ja nicht fo genau darauf an!" Und bann wölbt sich eines Tages ein Grabhügel über einem Toten, dem es doch darauf ankam — feine Pflicht zu tun..- Studentischer Ernteeinsatz an der deutschen Ostgrenze. Nahezu 50 000 deutsche Studierende leisten auch in diesem Jahre wieder Erntehilfe in den deutschen Ostprovinzen. Nachdem Reichsstudentenführer Dr. Scheel vor einigen Tagen eine Bettchttgunasreift in den Einsatzgebieten des studentischen Lanvdien« stes, in den deutschen Sprachinseln des Protektorates und in Oberfchlesien durchgeführt hatte, veranstaltete am Ende der verganaenen Woche die Reichsstudentenführung eine Presserundfahrt durch einzelne ^Grenzkreise Oberschlesiens. Schriftleitern aus allen Teilen des Reiches wurde dabei Gelegenheit geboten, den studentischen Ernteeinsatz im Grenzgebiet aus eigener Anschauung kennenzulernen. Die Fahrt führte von Oppeln durch die Grenzkreise Grotz-Sttehlitz und Rosenberg und endete auf dem Annaberg. Sie gab einen umfassenden Einblick in die Organisation und die praktische Arbeit des studenttschen Ernteeinsatzes. Die freudige Mitarbeit der studentischen Iugeno gibt der Bevölkerung, die so lange Jahrzehnte Der- nachlässigt und verkannt worden ist, das Vertraut" zur großen deutschen Volksgemeinschaft zurück. F Bauern und Bäuerinnen, deren Hofe auf btt Presse fahrt besucht wurden, erklärten einstimmig ihre Freude und ihre Zufriedenheit über den studentischen Ernteeinsatz. Mit Lust und Liebe pack' ten diese jungen Menschen die ihnen unaewcchnte Arbeit an und scheuten sich vor keiner Tätigkeit. Beim Einbringen der Ernte, bei der Feldarbeit, im Stall und bei der Betreuung der ftinber sino sie für den Bauern und für die Bäuerin gleich wertvolle Hilfskräfte. Neben diesem praktischen Ernteeinsatz ist &ie Dolkstumsarveit der Studentenschaft tm Grenzgebiet von großer Bedeutung. Sing- und Dolkstanzabende, Kindernachmittage und Märchenstunden gehören zu den ständigen Veranstaltungen jeder studentischen Dorf gruppe. Den Höhepunkt bubet jedesmal der Dorfgemeinschaftsabenv. In mehreren Orten hatten die Teilnehmer der Pressefahrt Gelegenheit, diesen Volksfesten beizu- wohnen. Hier zeigt sich so recht, wir ftarr Die studentischen Erntehelfer mit ihrer Freizeitgestaltung in her Dorfgemeinschaft der Einsatzorte Fuß gefavl haben und welch gutes Einvernehmen Zwischen Landdienst und Bauernschaft herrscht. !- rthvÄ Ä N?°h r?* & mchslhv^ ?igen Meid) boi: mm fdt Die fyj droht p w 1. n fa bk* öehr‘.“r itzlich U itgegir/i rst M in fort tti t er m In es UfflW f: 3n eirt« n MW Ein M« n, nut w MB f n Wh es kommt |i nn wölbt fÜ n Toten, bw cht zu tun,,. tinW zrenp e Mften «j den heutig tenführer • ME 5 ft runbf* lens. Wj : wurde N Ern^ Bngffft .ein bck nberg $ nen " ~ Men jer. ,e. nur p; ;°belsb^ ?eW Knh< .uf nichh kern, dj^ ', Semauen 1 und 8(i i che i| pp'che « x“ Weit & 1 mem J 7 planer 'kten, bete »poj . * uu t(! en b'S z>tz Friedericus rex. Keine Gestalt der deutschen Geschichte hat sich dem putschen Menschen so tief in die Seele geprägt wie her große König, der vor rund hundertfünfzig ;«hren, am 17. August 1786 sein reich bewegtes Men beschloß. Ungeheure Tatsachen sind seit jenen bergen über das deutsche Volk hinweggegangen: Das iirste Reich zerbrach unter der Sturmzeit Napo- .-ons, die junge Saat der Freiheitskriege wurde .«ter dem reaktionären Druck der Aera Metter- üchs niedergetreten. In unendlichen Irrungen und Qirrunyen gebar unter Bismarck ein neuer völki- 'her Einheitswille; das Zweite Reich wurde im Bruderkrieg und im Waffengang mit dem äußeren beiitb geschmiedet. Ein neuer nationaler und wirt- chaftlicher Morgen erhob unser Volk wieder in den (41 anj der Ehre und Weltgeltung. Der Weltkrieg trachte uns die denkwürdigste Heimsuchung unserer Geschichte, der schließliche Zusammenbruch ließ uns cl- Volk fast verbluten, die grauenvolle Nacht der 'tachkriegsjahre sandte uns Not über Not, bis uns ter Retter und Gründer des Großdeutschen Reiches l stand — nie aber hat in all dieser Zeit das hohe licht des frtderizianischen Genius zu leuchten aufge- fjört. Ganz im Gegenteil: Die atmosphärische Kraft Friedrichs wuchs von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, im- ner aufs neue weckte sie unseren völkischen Glau- i n, spornte sie unseren politischen Willen, blieb fr uns Sinnbild des unsterblichen Deutschland! „Man ist nur fruchtbar um den Preis, an Ge- «ns ätzen reich zu sein" — so charakterisiert Nietzsche Idn Führermenschen. Friedrich ist ganz von dieser trt. Mag die unbekümmerte, lebensfrohe Jugend t dem idealistischen und heiteren Kronprinzen ftiedrich den Gegenstand ihrer Liebe sehen, mag der äthafte Mensch die rastlose Schaffenskraft des Man- v!S nacheifernd bewundern, der Staatsmann die islbstsicheryeit feines königlichen Herrschertums prei- in, der Psychologe Friedrichs Menschenkenntnis mb Menschenbehandlung besonders bewerten, mag \?.t Soldat dem Feldherrn Friedrich die Ehre geben, tetr Friedensfreund mehr dem Kolonisator näher- i»hen, der Philosoph aber die Haltung und Weis- si:it des Königs durch alle Lebensstürme als den ticksten Ausdruck seines Wesens ansprechen — olle ssse Vereinzelungen sagen viel und doch zu wenig, los Geheimnis des großen Königs liegt eben in Vr Ganzheit und Rundheit seiner Natur, in dem ^Lsammenklang von Natur und Eharakter, in der geprägten Form, die lebend sich entwickelt", in fixer Einmaligkeit, daß der geschichtliche Beiname l iedrichs, der Einzige, schlechthin selbstverstänD-- Ich ist: Er umgreift die Summe seines Daseins, fines Schaffens und Wirtens. „.Dasein ist Pflicht, und wärs ein Augenblick", fncht Goethe im „Faust". Wir wissen, daß er da- ri den großen Preußenkönig im Auge hatte. Und tis wäre uns Deutschen der wundervolle Hymnus Pflicht, den Kant uns in seiner „Kritik der prak- tihen Vernunft" als Vermächtnis hinterließ, wenn < nicht an der lebendigen Flamme Friedrichs sich ^zündet hätte?! Hier schlägt uns der Atem des ^zeußenkömgs unmittelbar entgegen, hier gebar sich « Lebens- und Weltgefühl, das sich in der Folge « volksformende und staatsbauende Kraft erwies. I diesem erhabenen Sinnbild hatte der Deutsche D'nsch fortan seinen festen, unverrückbaren Stano- o: gefunden, aus dem er sich volklich und staatlich n den großen Leistungen entwickeln konnte, wie sii später in der Geschichte so glanzvoll in Ersehet- nng traten. Noch etwas anderes machte den König nm erkorenen Volksführer: Das instinktfichere Gest! l der Gerechtigkeit. Auch dies ist bei ihm Haltung, TLbstvollzug und Forderung in einem. Er machte vi.hr, was Goethe vom Herrscher überhaupt for- brte: «n gro^ Denn:> ; tat ein hu M ter, Ton-i 1 kätia, vx । um Sinn: Her M Bereits bir rkünstletisjl , mögen in tekten 1A- essen, web stellen te Häuser t nämM: i eine fe Der befehlen soll, muß im Befehlen Seligkeit empfinden. Ihm ist die Brust von hohem Willen voll; Doch was er will, es darfs kein Mensch ergründen. Was er den Treusten in das Ohr geraunt: Es ist getan — und alle Welt erstaunt. . So wird er stets der Allhöchste sein, der Würdigste. IDenie ist Fleiß. Diese Wahrheit gilt nickt nur vom lftsmännischen Schaffen, sondern auch von der priftstellerischen Levensarbeit des großen Fried- rch. Er hat mehr gesonnen, durchdacht und ge- s-rieben als irgendein Schriftsteller seines so schreib« il'gen Zeitalters. Ueberschaut man die Gesamtheit rises literarischen Werkes, so enthüllt sich dem Be- Dichter die ganze Dramatik einer leidenschaftlichen kielengeschichte, spürt man die innersten Spannun- M eines Herrscherlichen, mit allem Reiz des Lenschlichen durchzogenen Lebens. Alle Lebens- tttionen sind hier irgendwie Gestalt geworden: Der kristfreudige Prinz, der musische Mensch, der junge ll-rug, der Heros des Siebenjährigen Krieges, der lMlosoph der Einfachheit und Abgeklärtheit, der °Iae Volker und Kabinette in Atem haltende Lmatsmann, der Meister der Verwaltung, der Bnuernfreunb, Der wirklichkeitssichere Menschen- enner. Der „Alte Fritz" in seiner unendlichen Ein- irnkeit all dies hat in seinem literarischen Schaf- P feinen wesentlichen Niederschlag gefunden. Nichts aber hat das Bild Friedrichs mit solch te:rem Glanz umgeben wie der „herrliche Sieg von Lruthen' am 5. Dezember 1757. Nach dem Fall der ,j«-tung Schweidnitz sah sich der König den vereiniq- n. österreichischen Armeen gegenüber. 34 000 Mann Sonden einer mehr als doppelten Stärke auf Fein- bi-'seite gegenüber. Es ging um Sein oder Nichtsein. Scannt ist die kurze und zündende Ansprache des Jätigs an die Generale und Stabsoffiziere. Die Truppe war zuversichtlich. Friedrich rief feinen tei.en Ziethen heran und erbat sich einen Offizier fünfzig Mann zur persönlichen Bedeckung. „Ich *8 mich heute mehr aussetzen als gewöhnlich. Falle J so bedeckt Er den Körper gleich mit seinem Amtel und sagt keinem ein Wort. Die Schlacht geht fr und der Feind — der wird geschlagen!" M meisterhaftem Geschick benutzte Friedrich die kchaffenheit der Gegend, die ihm völlig vertraut *. Hinter einer Wand niedriger Hügel, geschützt tidties durch aufsteigenden Nebel, zog er unbe- >it den größten Teil der Infanterie zusammen warf sich bann in ber sog. „schiefen Schlacht- ckiiung" auf den überraschten linken Flügel der Glorreicher, der aufgerollt wurde. Auch den großen Äiserangriff des Feindes brachte er durch feine [flatterte zum Scheitern. Dann aber erfolgte der Huptschlaa durch Aufrollen auch des rechten Flü- Der Gegner hatte an Toten, Verwundeten und vif mgenen mehr als die Hälfte des Bestandes ver- Die preußischen Verluste waren dank der un- vrcleichlichen Führung gering zu nennen, lieber ds°Kampfteld tonte durch die winterliche Stille das Dm। einem Grenadier angestimmte, baß) von allen Atnllonen mitgesungene, von ber Feldmusik be- ßtfcete Lied „Nun danket alle Gott". Noch vor Die Japaner vor den Toren Hongkongs. U. T. London, 16. August. Die in den frühen Morgenstunden des Mittwochs erfolgte Landuna japanischer Trupven bei Namthau auf der Halbinsel vor der britischen Kronkolonie Hongkong hat die Entsendung von zwei Kompanien der englischen Middlesex. und Rajpurtana- Regimenter an die Grenze von Hongkong zur Folge gehabt. Die Truppenoerschiebung wird damit begründet, daß die Kämpfe vor den Grenzen Hong- kongs derartige Vorsichtsmaßnahmen notwendig machten. Die Landung der japanischen Truppen ist in London nicht ganz überraschend gekommen. Wie man erfährt, wurde den englischen Militärbehörden von Hongkong bereits vor 48 Stunden ber Bescheid übermittelt, daß Japan seine militärischen Aktionen erneut bis an die Grenze von Hongkong vorttagen werde. Man befürchtet, daß auch am anderen Ende der Hongkonggrenze japanische Truppen an Land gehen und Hongkong einer scharfen Blockade unterworfen werde. Die „Times" meldet aus Hongkong,, man warte jetzt ab, was die Japaner unternähmen, befürchte aber, daß diese s i ch f ü r bauer nb festsetzen und über Hongkong eine Blockade als politisches Druckmittel verhängen werden. In ber Nähe der Bias Bay seien zahlreiche japanische Schiffe versammelt, was darauf schließen lasse, daß weitere japanische Truppenlandung en in Schataukok am anderen Ende der Hongkonggrenze geplant feien. Der „Daily Telegraph" berichtet, daß 2000 Japaner bereits Schurnfchun an der Bahnlinie von Kanton nach Hongkong besetzt hätten, um Hongkong völlig vom chinesischen Festland abzuschneiden. „Daliy Expreß" meldet, daß jeder, ber nach Hongkong hinein wolle, durchsucht werde. Zwischen 18 Uhr und 6 Uhr sei kein Verkehr gestattet. Die chinesischen Irregulären hätten vor den Japanern die Flucht ergriffen. Die japanischen Truppen hätten 20 Meter von der britischen Grenze ihre Flagge gehißt. Die Lebensmittelpreise seien bereits beträchtlich gestiegen. Eraigie hat noch keine neue Weisungen aus London. Tokio, 17. August. (DNB. Funkspruch.) Der britische Botschafter Lraigie teilte heute dem japanischen Außenministerium mit, daß die weiteren Besprechungen vorläufig nicht stattfinden könnten, da die Londoner Beratungen noch nicht beendet sind. Wegen ber schwierigen wirtschaftlichen Fragen hinsichtlich des Tschungking-Dollars und des Tientfin-Silbers sei London zu längeren Verhandlungen mit den Dominien und dritten Mächten gezwungen. „Sine stumme, aber bestimmte Warnung" AuchSchanghai befürchtet eineneueBlockade Schanghai, 16. August. (Europapreß.) Die neuen japanischen Truppenlandungen an der Grenze ber englischen Kronkolonie Hongkong und die Unterbindung des Verkehrs zwischen Hongkong und dem chinesischen Festland wurde am Mittwoch von japanischer Seite in Schanghai als eine „stu mm e, aber bestimmte Warnung gegen eine heimliche Unterstützung des Tfchiangkaischek-Regimes durch England" bezeichnet. Seit dem Fall von Swatau wurde der chinesische Nachschub von Süden her über eine längs ber englisch-chinesischen Grenze verlaufende Strecke geleitet. Dabei sind die Chinesen von den Engländern durch Warenlieferungen aus Hongkong unterstützt worden. Seit Juli waren in dem Gebiet um Hongkong auch aktive chinesische Truppen zur Verstärkung der Freischärler eingesetzt, die die Nachschubstrecke auch durch den Ausbau von Schützengräben und Tankfallen zu sichern versucht haben. — Durch die neuen japanischen Operationen, die am Mittwoch auch noch zur Besetzung des Ortes Paoan an der Mündung des Perlflusses führten, sind diese chinesischen Maßnahmen w i r 1 u n g s - l o s geworden. In der Internationalen Siedlung und der ftan- zöfischen Konzession sind Gerüchte von einer bevorstehenden Blockade der Fremden ft adt durch die japanischen Militärstreitkräfte im Umlauf. Ein japanischer Sprecher soll auf der Pressekonferenz erklärt haben, daß eine örtliche Aktion in Schanghai im Bereich der Möglichkeit liege. In der von Sir Robert Craigie in Tokio angenommenen Enigungsformel sei das Recht der japanischen Armee auf Jnteressenschutz anerkannt worden. In Schanghai ließe man ein Entgegenkommen gegenüber den japanischen Notwendigkeiten vermissen, so daß die japanische Armee unter Umständen neue Maßnahmen ergreifen müsse. Der Sprecher der japanischen Botschaft erklärte, daß weder für die Internationale Niederlassung in Schanghai noch für die französische Konzession die Gefahr bestehe, isoliert zu werden. Umsätze im ersten Halbjahr 1939 die Ziffer 155,8 gegenüber 137,3 in 1938 und 129,0 in ber ent« sprechenden Zeit von 1937. Schule und Leistungssteigerung. In „Weltanschauung und Schule" führt Ministe» rialdirektor Professor. Dr. H o l f e ld e r vom Reichserziehungsministerium aus, es sei psychologisch verständlich, wenn in einer Zeit ber „Sofortmaß« nahmen" die Bedeutung ber Schule für die ßei- stungsfteigerung nicht überall von vornherein richtig eingeschätzt werde. Was man heute für die Schule tue, mache sich nicht heute und morgen, aber i n einem halben Menschenalter bezahlt, was man ihr heute vorenthalte, räche sich nicht im Augenblick. Aber wenn sich einmal die Folgen ber Versäumnisse zeigten, sei es zu spät, um sie einzu« holen. Eine gute Schule «gehöre zu ben besten und sichersten Investierungen, Die ein Volk sich schaffen könne. Werde einmal die Schule als eine der vornehmsten Aufgaben und Einrichtungen des Reiches erkannt, dann werde es auch für den jungen Deutschen ehrenvoll und ersttebenswert erscheinen, d e n Beruf des Lehrers zu ergreifen. Es wäre völlig verkehrt, zu meinen, die Ausrichtung der Schule auf die Bedürfnisse des Lebens müsse in der Weise erfolgen, daß die allgemein- bildenden Schulen Aufgaben der speziellen Berufserziehung übernähmen. Das sei nicht Sache der Schule. Der wesentlichste Beitrag, den die Schule zur Leistungssteigerung liefern könne, bestehe in einem einfachen, klaren Schulaufbau und in Methoden der M e n s ch e n a u s l e s e und des Unterrichts, die es jeder lebenbiaen Kraft ermöglichten, auf dem kürzesten Wege zuder ihr angemessenen Betätigung im Dienste der Allgemeinheit ohne Rücksicht auf Herkommen und Besitz zu gelangen. In einem weiteren Aufsatz erklärt Oberstudiendirektor Dr. Walther Jantz en, daß der Leistungsstand ber deutschen Schule heute durchaus hoch sei. Die Leistungen ber Schule aber könnten noch erheblich gesteigert werben, wenn sich zweierlei erreichen ließe: sie Dürfe nicht von außen gestört werden, und sie müsse allen Leerlauf vermeiden. Die schulfremde Beschäftigung der deutschen Äugend Dürfe grundsätzlich nicht in bie festgesetzte Un- ternchtszeit gelegt werden, mit einer einzigen Ausnahme, ber Beteiligung von Schulklassen an der Ernte arbeit als Nothilfe. Die Urlaubserteilung auch in allen privaten Angelegenheiten müsse mit aller Strenge gehandhabt werden. Leerlauf aber werde vermieden, wenn der -klare Aufbau für jede Unterrichtsstunde gegeben sei. Jahresschluß war Schlesien wieder in Friedrichs Hand! Schon die Zeitgenossen bewunderten die Feld- herrnkunst Friedrichs, die er bei Leuthen gezeigt hatte. Wenig bekannt aber ist das Urteil Napoleons, der auf St. Helena Die Feldzüge Des Königs zum Gegenstand kriegswissenschaftlicher Betrachtung aemacht hatte. Nachdem Napoleon aufs genaueste das Operationsfeld beschrieben und die Gefechtslage im einzelnen geschildert hatte, kommt er zu folgendem Schluß: „Die Schlacht bei Leuthen ist ein Meisterwerk der Bewegungen und Manöver sowie von Entschlossenheit. Sie allein würde genügen, um Friedrich unsterblich zu machen und ihm einen Rang unter ben größten Feldherren anzu- weifen. Er greift eine Armee, welche stärker als die feinige in Stellung und siegreich ist, mit einer Armee an, welche zum Teil aus eben geschlagenen Truppen besteht, und erringt einen vollständigen Sieg, ohne ihn mit einem zum Resultat außer Verhältnis steheriden Verluste zu erkaufen ... Der König erwirbt fick unsterblichen Ruhm und stellt alles wieder her, indem er die Schlacht bei Leuthen gewinnt ..." Oie Fernost-Frage in den Moskauer Paktverhandlungen Französische Besorgnisse. E. F. Paris, 16. August. Die Pariser Blätter berichten, die Verhandlungs- grunblage ber Militärbesprechungen in Moskau habe sich wegen ber neuen sowjetrussischen Forderungen in unvorhergesehener Weise verschoben. Die Sowjets hätten gefordert, daß die militärische Zusammenarbeit auch auf den Fernen Often ausgedehnt werde. In Moskau zeige man sich von Den jüngsten Kämpfen an ber mandschurisch- mongolifchen Grenze stark beeindruckt. Aus Sibirien zurückgekehrte französische Reisende berichteten, daß von ben Sowjets große Truppenverstärkun- g e n im Fernen Osten vorgenommen würben, auf ber transsibirischen Bahn rollten in bichter Folge Truppen und Kriegsmaterial nach dem Osten. Die Entwicklung ber Moskauer Generalstabsbejprechun- gen wirb in Paris mit Verdrossenheit verfolgt. Man glaubt, daß bie sowjetrussischen Forberungen nach einem militärischen Zusammengehen auch in Ost- afien Frankreich, besten Interessen im Fernen Osten bei weitem nicht so lebenswichtig seien wie bie Eng- lanbs, in einen verhängnisvollen Kampf mit Japan hineinziehen könnten. Weiter fürchtet man, baß sich Japan bei einer Annahme ber sowjetrussischen Forderungen durch bie Westmächte „noch enger an bie Achsenmächte anschließen werde". Was wird aus Gyrien? England spielt mit einer arabischen Föderation. E. F. Paris, 16. August. Die Anwesenheit des französischen Oberkommis-. sars im Mandatsgebiet Syrien, Puaux, lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf die Frage, welche politische Verfassung künftig Syrien erhalten solle. Der „Jntransigeant" macht auf das große Interesse aufmerksam, bas man auch in England aus naheliegenden Gründen dieser Frage entgegenbringe. Die Türkei habe beim Abschluß ihres Bündnisses mit England und Frankreich u. a. auch die Bedingung gestellt, daß sowohl das syrische, als auch bas palästinensische Problem enb gültig geregelt werde. Daraus gehe also hervor, daß Die Türkei sich mit der Abtretung des Sandschaks Alexandrette durchaus nicht zufrieden gebe. Die Lösung für bas syrische Problem soll nach Londoner Wünschen in der Bildung einer syrisch- palästinensisch-arabischen Föderation bestehen, die später auch Transjordanien und den Irak umfassen soll. Man nimmt dafür bie Form einer Monarchie in Aussicht. Es sind zahlreiche Thronanwärter vorhanden. Der bevorzugte Kandidat Englands ift Emir Abdullah von Transjordanien. Dieser soll auch die Unterstützung jüdischer Kreise genießen, doch sind Die Nationalisten Palästinas unter Führung des Großmuftis von Jerusalem durchaus gegen seine Kandidatur, da sie von Abdullah eine Bevorzugung der Juden in Palästina befürchten. Auch würde der Herrscker von Saudi- Arabien, Ibn Saud, eine Ausdehnung ber Macht seines Rivalen, der dem von ihm einstmals aus Mekka vertriebenen Königshause angehört, nur sehr ungern sehen. Oie Förderung der Hochlandsiedlung in Kenya. London, 16.Aug. (Europapreß.) Die Kolonialregierung von Kenya (Brittsch-Ostafrika) wird bei Der nächsten Anlecheoergebung vom Kolonialministerium 250 000 Pfund (3,1 Millionen RM.) erhalten zur Förderung der englischen Einwanderung. Ein Ausschuß hatte schon im Jahre 1937 betont, daß Siedler in dem gesunden Hochland von Kenykk ein Anfangskapital von mindestens 1500 Pfund (rund 18 000 RM.) haben müßten. Die englischen Bestrebungen, dieses Hochland zu einem großen weißen Planta gen bezirk zu machen, haben den Widerstand der Eingeborenen gefunden, die große Protestoersamm' hingen abhielten. Aus Nairobi wirb bekannt, daß 30 000 Pfund aus dem Kolonialen Erschließungsfonds für mineralogische und geologische Forschungen in Kenya ausgesetzt worden sino. Englische Erzgrube in Jugoslawien stillgelegt. London, 16. August. (Europapreß.) Die einer englischen Kapitalistengruppe gehörenden Trepca-Erzgruben in Jugoslawien sind auf Anweisung von London geschlossen worden, weil es nicht gelungen war, mit Den feit dem 19. Juni streikenden 2300 Arbeitern eine Einigung über strittige Lohnfragen zu erzielen. Von englischer Seite wird behauptet, bie englischen Investitionen in diesen Gruben beliefen sich auf etwa 1,5 Millionen Pfund und seien bie größten, bie von Englanb Überhaupt in Jugoslawien gemacht worden seien. Die Nachricht, das englische Personal ber Trepca-Gruben werbe noch im Laufe bes Mittwochs nach Englanb zurückkehren, wird in London in Abrede gestellt. Es sollen keine derartigen Beschlüsse gefaßt worden sein. OieGchweizbetreibtVorratswirtschast. Bem, 16. Aug. (Europapreß.) Das Volkswirt- schaftsdepartement wurde vom Bundesrat beauftragt, Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgung des Landes mit lebenswichtigen Gütern zu treffen. Vorerst sind die Inhaber von Betrieben, die lebenswichtige Güter erzeugen oder in Verkehr bringen, aufgefordert worden, ihre Betriebe so auszustatten, daß Deren Leistungsfähigkeit auch im Falle wirtschaftlicher Absperrung oder eines Krieges nach Möglichkeit gesichert ift. Zu dieser Maßnahme gehört vor allem die Haltung angemessener Vorräte einschließlich Saatgut, Futtermitteln usw. Der Bundesrat hat ferner in einem Rundschreiben an die Kantone und in einem Aufruf an die Waldbesitzer zur Förderung Der Vorratshaltung von Brennholz aufgefordert. Weitere Steigerung derWerbeumsühe. Der Werberat der deutschen Wirtschaft gibt bie Entwicklung ber Werbeumsätze im erften Halbjahr 1939 bekannt, die gegenüber dem Vorjahr eine weitere Steigerung um 13,5 v. H. erfahren habe. Im einzelnen ergibt sich, baß im Berichtshalbjahr bei einem Satz von 100 für 1934 die einzelnen Werbemittel folgende Ziffern erreichten: Anzeigen in Zeitungen 151,2 (1938: 133,1), in Zeitschriften 160,8 (145,8), in Anschriftenbüchern und Kalendern 199L (152,6), Bogenanschlag: 127,6 (120,3), Verkehrsmittelwerbung: 116,7 (112,7), Werbefilme und Stehbilder: 261,6 (181,6). Insgesamt erreichten die WerbeMehr als 22 Millionen Beschäftigte. Vermehrter Einsatz der Frauen zur Deckung des wachsenden Bedarfs an Arbeitskräften. Berlin, 16. Aug. (DNB.) Im Juli hat im Alt- reich die Zahl der beschäftigten Arbeiter und Angestellten (einschl. Kranke) erstmals die Grenze von 22 Millionen überschritten (22 050 000). Trotzdem hat sich Die Lage im Arbeitseinsatz dadurch weiter verschärft, daß aus einer Reihe von Wirtschaftszweigen neuer ft ar ter Bedarf an Arbeitskräften angemeldet wurde. Dieser Mehrbedarf war zum Teil saisonbedingt wie in der Landwirtschaft und in der Konservenindustrie. In einzelnen Bezirken konnte die durch die ungünstige Witterung verspätete Heuernte erst in Der ersten Julihälfte eingebracht werden. Gleichzeitig begann die Getreideernte. Der hierdurch auftretende Bedarf konnte nur durch umfangreichen Einsatz von Erntehelfern einigermaßen gedeckt werden. Auch der Bergbau, die Eisen- und Metallwirtschaft, Das Bauaewerbe und Die ExportinDustrie erhoben erhöhte Ansprüche. Zum Teil konnten bisher selbständige Handwerker und Einzelhändler, noch arbeitsfähige Kriegsbeschädigte und Rentenempfänger als Arbeiter und Angestellte in Beschäftigung gebracht werden. Zahlenmäßig bedeutsamer war jedoch,der zusätzliche Einsatz von Frauen. Von den 175 000 Arbeitern und Angestellten, um die sich im Berichtsmonat die Beschäftigung erhöhte, waren 95 000 Frauen und nur 80 000 Männer. In den letzten zwei Jahren hat Die Zahl Der beschäftigten Männer Dagegen nur mehr um 10,1 v. H. zugenommen. Von Der Gesamtzahl Der Beschäftigten sind heute bereits 32,5 v. H., also beinahe ein Drittel, Frauen. Auch Der Halbtagseinsatz der Frauen hat im Juli weitere Fortschritte gemacht. Oie Autobahn Berlin-Rom. Im Organ Des Generalinspektors für Das deutsche Straßenwesen, „Die Straße", führt Dr. Todt, aus, daß Die engen politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien einen von Jahr zu Jahr wachsenden wechselseittgen Kraftverkehr bedingen. Um ihm gerecht zu werden, sei auf deutscher Seite im Zuge einer unmittelbaren Verbindung von Berlin nach Rom bereits eine Autobahnstrecke von rund 600 km Länge zwischen Berlin und München und weiter bis nach Rosenheim verkchrsbereit. Sie werde in Bälde ergänzt werden durch Die Fort- setzung über Kufstein-Wörgl-Jnns- druck in Richtung Brenner. Darüber hinaus habe sich Deutschland bemüht, auch Die sonstigen nach Italien führenden Straßenverbindungen zu verbessern, insbesondere Den Uebergang über Den Refchen-SckeiDeck-Paß sowie Die beiden zu Den Grenzpässen führenden Hauptzufuhrstraßen über Den Fernpaß nach Imst-Landeck und Den Zirlerberg nach Innsbruck. Achnliche Bemühungen habe Italien unternommen, um gute Anschlüsse an Das deutsche Straßennetz zu schaffen. Neuartige vordere Kennzeichenschilder für Motorräder. Bei einer Reihe von Verkehrsunfällen hat sich her- ausgestellt, Daß die vorderen Kennzeichenschilder von Krafträdern Schnittverletzungen hervor- gerufen haben. Wie Der Reichsverkehrsminister bekanntgibt, werben Die Herstellerfirmen Demnächst dazu übergehen, Den oberen und vorDeren Kanten Der Kennzeichenschilder durch wulstartige V e r d i k - tungen ihre Schneidewirkung zu nehmen. Für Den Uebergang sei Damit zu rechnen. Daß dabei auch aufgezogene runde Gummiwülste ver- wendet werden, Die Dam führen können, daß Die Maße Des senkrechten Abstandes der Beschriftung vom schwarzen Rand nicht eingehalten werden. In Derartigen Fällen sind Beanstandungen nicht zu erheben. Aus aller Welt. Oie Schauspielerin Helene Fehdmer. 1° Aus Berlin kommt die Nachricht, daß die Schauspielerin Helene Fehdmer, die Gattin Friedrich Kayßlers, die Mutter Christian Kayßlers, in ihrem Hause in Klein-Machnow unerwartet gestorben ist. Die deutsche Schauspielerschaft und das deutsche Theater haben mit Helene Fehdmers Tode einen schmerzlichen Verlust erlitten. Sie war, als Tochter des Malers Georg Fehdmer, in Königsberg geboren, spielte 1902 bis 1904 in Berlin am Trianon-Theater, vorwiegend in französischen Salonstücken, um sich nach ihrer Verheiratunb mit Koyßler (1905) größeren und ernsteren Ausgaben Zuzuwenden. Sie spielte z. B. die Rhodope in Hebbels „Gyges", die Rebekka West in Ibsens „Ros- mersholm", die Dame in Strindberas „Nach Damaskus". Ihre schönsten und reifsten Leistungen gab Helene Fehdmer wohl im Zusammenspiel mit ihrem Gatten Friedrich Kayßler, mit dem sie eine menschlich wie künstlerisch ideale Gemeinschaft verband. Sie spielten zusammen in vorbildlicher Wesens-Ergänzung und persönlichstem Zusammenklang, etwa Paul Lange und Thora Parsberg bei Björn- son, oder den Kurfürsten und die Kurfürstin im „Prinzen vom Homburg" bei Kleist. Einige unserer Leser werden sich vielleicht auch noch des gemeinsamen Gastspiels der beiden auf dem Marburger Schloßberg erinnern: Kayßler als Götz von Ber- lichingen, Helene Fehdmer als feine Frau Elisabeth. -Unvergeßlich die letzten Szenen der beiden in Heilbronn und im „Gärtchen am Turn": unvergeßlich die warme, klingende Stimme, die reife Menschlichkeit und Mütterlichkeit in den Gestalten der Frau Fehdmer, mit der eine der großen Persönlichkeiten des deutschen Theaters von der Bühne abgetreten ist. hth. Reichsminister Darre Ehrenbürger von Bad Kreuznach. Die Stadt Bad Kreuznach wird dem Reichsbauernführer, Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Walther Darr 6, dem es zu dan- ken ist, daß der Internationale Weinbaukongreß und die Reichstagung des deutschen Weinbaues in diesem Jahre nach Bad Kreuznach gelegt wurden, das Ehrenbürgerrecht verleihen. Die feierliche Verleihung findet in einer öffentlichen Ratsherrensitzuna während des Internationalen Weinbaukongresses im Kurhaus statt. Deutsche Wissenschaft in Jbero-Amerika. In Mexiko wurde die am 15. August begonnene Amerikanistentagung beendet. Die Tagung faßte einstimmig die wichtige Entschließung, das Panama-Institut für Geographie und Geschichte um Mitwirkung anzugehen, damit grundlegende klassische deutsche Werke über Anthropologie und Ge- schichte, wie der deutschen Forscher S e l e r (Azteken- und Mayaforscher) Forst ermann und Sap- per (Geographie), Preuh (Ethnologe) und Walter Lehmann (Ethnologie) ins Spanische übersetzt werden. Sie sollen so den der deutschen Sprache nicht mächtigen Ibero-Arnerikanern zugänglich gemacht werden. Ferner soll das Jbero-Amerikanische Institut andere deutsche Organisationen auffordern, wichtige Werke von Amerikanisten außer in deutscher auch in spanischer Sprache zu veröffentlichen. Autounfall auf der Grohglocknerstrahe. Auf der Großglocknerstraße ereignete sich ein Autounfall. Unterhalb des Glocknerhauses fuhr ein Kraftwagen aus Stuttgart gegen einen Randstein. Dabei kam das Auto ins Schleudern. Der Fahrer, der sich in Begleitung seiner Eltern und eines weiteren Mitfahrers befand, verlor die Gewalt über das Fahrzeug, das sich überschlug und einen 300 Meter tiefen Abhang hinabstürzte. Die vier Insassen wurden auf die Straße geschleudert, wodurch sie dem sicheren Tode entgingen. Autounglück in der Eifel. Auf der Strecke von Losheim nach Prüm (Eifel) fuhr ein mit fünfzehn Personen besetzter Lastwagen mit großer Geschwindigkeit in eine Kurve, prallte gegen die Bäume an der Straße und stellte sich auf den Kopf. Sämtliche Insassen wurden auf die Straße geschleudert. Ein Mann war auf der Stelle tot, ein zweiter starb nach kurzer Zeit. Außerdem wurden drei Schwer- und mehrere Leichtverletzte dem Krankenhaus zugeführt. Lawinenunglück in Polen. In der polnischen Tatra bei Zakopane ereignete sich ein folgenschweres Lawinenunglück. Eine Gruppe Ausflügler, die dicht unter einem Berggipfel im Geröll vor einem Gewitter Schutz gesucht hatte, wurde von einem Steinschlag erfaßt, durch den zwei Personen getötet und 13 verletzt wurden. Fleischvergiftungen fordern zahlreiche Opfer in Polen. In Rawaruska bei Lemberg sind dreizehn Personen nach dem Genuß verdorbener Schweinesülze gestorben; zehn Personen mußten mit schweren Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht werden. — Auch in Warschau sind sechs Personen an Fleischvergiftung erkrankt; zwei von ihnen schweben in Lebensgefahr. Grohfeuer in Bologna. Während der Mittagszeit brach in dem eleganten Restaurant „Maiani" in Bologna Feuer aus und griff so rasch um sich, daß in weniger als einer Stunde der ganze Bau zerstört wurde. Es entstand ein Sachschaden von einer Million Lire. Feuer auf einem schwedischen Ausflugsdampfer. Auf dem Gotenburger Ausflugsdampfer „Havs- bandet" brach während einer Fahrt in den Schären nördlich von Gotenburg plötzlich Feuer aus. Das Feuer griff jo schnell um sich, daß das ganze Schiff in wenigen Minuten ein Flammenmeer war. Sämtliche Fahrgäste, etwa vierzig, darunter viele Frauen und Kinder, mußten ins Wasser springen, um sich zu retten. Sie wurden von herbeieilenden Booten ausgenommen oder konnten sich an das nahe Ufer reffen. Der Dampfer ffl vollkommen zerstört. Drei Personen wurden durch das Feuer schwer verletzt, doch scheint kein Fahrgast und kein Besatzungsmitglied ums Leben gekommen zu sein. Verhängnisvolles Spiel mit der Schußwaffe. In Pachten bei Dillingen (Saar) zeigte ein junger Mann in einer Wirtschaft einigen Gästen seine Pistole. Beim Hantieren mit der Waffe ging ein Schuh los und traf zwei Männer im Alter von 54 und 60 Jahren. Einer erhielt einen Oberschenkelschuß, der andere einen Bauchschuß. Aus Entsetzen über den Unfall richtete der junge Mann die Waffe gegen sich selbst. Er verletzte sich so schwer, daß er auf der Stelle st a r b. Serie von Meuchelmorden in Kroatien. Im Dorfe Bosiszo in Kroatien wurden im Laufe des letzten Monats acht Bauern aus dem Hinterhalt erschossen. Die Polizei kann trotz eifriger Untersuchungen nicht die Gründe und die Täter dieser Massenmorde ausfindig machen. An einem Tage wurden im Dorf vier Bauern erschossen. Bei der Rückkehr vorn Begräbnis dieser Opfer wurden noch zwei andere Bauern auf dieselbe Weise aus dem Hinterhalt durch Gewehrschüsse getötet. Einige Tage nachher wurden wieder zwei Bauern aus dem Hinterhalt erschossen. Die Bewohner des Dorfes können oder wollen keine Angaben über die Morde machen. Die Polizei glaubt, daß es sich um Blutrache handelt. Kleine politische Nachrichten. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat den Chef des Generalstabes der Luftwaffe, Oberst Jefchonnek, auf Grund besonderer Verdienste zum Generalmajor befördert. General Jefchonnek ist seit 1915 als Kriegsfreiwilliger eingetreten und hat am Weltkrieg als Jagdflieger teil- genommen. Er steht jetzt im 40. Lebensjahre. * Durch eine Verordnung des Führers werden die Deutsche Universität in Prag, die Deutsche Technische Hochschule in Prag und die Deutsche Technische Hochschule in Brünn in bie Verwaltung d e s Reichs eingeordnet. Die rechtliche Stellung der Professoren usw. bleibt späterer Regelung vorbehalten. Die Uebernahme der Hochschulen findet am 1. September statt. In Salzburg traf der Reichsminister des Innern, Dr. Frick, mit seiner Gattin zu einem mehrtägigen Besuch ein. Mit ihm nahmen der königlich ungarische Außenminister Graf Csaky, der seit einigen Tagen privater Gast des Reichsministers Dr. Frick ist, und der königlich ungarische Gesandte in Berlin, Szto gay, im Schloß Leopoldskron Wohnung und wohnten der Aufführung des „Barbier von Sevilla" im Festspielhaus bei. * Die Außenminister Dänemarks, Schwedens, Norwegens und Finnlands werden sich am 29. und 30. August in Oslo treffen, um die Lage des Nordens zu besprechen. Wiiierungsvorhersage für die Zeil vom 17. bis 26. August. Herausgegeben vom Forschungsinstitut für langfristige Töitterungsvorhersage des Reichswetterdienstes in Bad Homburg am 16. August 1939. In den nächsten zwei bis drei Tagen im Süd, osten des Reiches (Sudetengau, Protektorat Böhmen und Mähren, Ostmark, Bayrisches Alpenvorland) meist stark bewölkt und verbreitete Regenfälle. Nach Norden und Westen hin mehr und mehr in besseres Wetter Übergehend. In Schlesien zunächst noch stark bewölkt, zum Teil noch Niederschläge, dann aber rasch Wetterbesserung. Im übrigen Reichsgebiet iy den nächsten Tagen überwiegend heiteres bis be< wölktes und im allgemeinen niederschlagsfreies Weh ter. Im Nordosten ziemlich warm; sonst Tempe, raturen, die nahe dem jahreszeitlichen Regelweri liegen. x In der nächsten Woche im größten Teil beä Reichsgebietes überwiegend freundlichere, warn^ und — von gewittrigen Störungen abgesehen — trockene Witterung. Oertlich beschränkt können bid gewittrigen (Störungen erhebliche Niederschlags« mengen bringen, insbesondere wird das Alpennord, land zeitweilig stärkere Niederschläge erhalten. Jry Nordwesten etwa von Mitte nächster Woche ab ba ginnende stärkere Unbeständigkeit. Sonnenscheindauer in den zehn Tagen ziemlich überall mindestens 65 Stunden, im Nordosten ein« schließlich Schlesien größer als 85 Stunden. Wetterbericht Die Störungstätigkeit hat von Ost- und Mittel deutschland westwärts weitergegriffen und mad)| sich auch in unserem Gebiet durch zeitweiliges Be« wölkungsaufkommen bemerkbar. Eine nachhaltig« Störung des Schönwettercharakters ist jedoch kaum zu befürchten. Vorhersage für Freitag: Morgens oich fach dunstig oder neblig, sonst heiter bis wolkig, trocken, tagsüber ziemlich warm, Winde meist um Nord. Lufttemperaturen am 16. August: mittags 21,3 Grad Celsius, abends 16 Grad; am 17. August: mor, gens 14,2 Grad. Maximum 22,1 Grad, Minimum heute nacht 11,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. August: abends 21,6 Grad; am 17. August: morgens 16,9 Grad. — Sonnenschein« dauer 11,3 Stunden. Hauptschristleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik und die Bilder; Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VIL 1939: 8855. Druck und Verlag: Brühlsche Universitäts« druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Ma« natsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zu« stellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzel- Verkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit her Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. gesucht. für iGLORIri Heute Donnerstag Erstaufführung I i.gi.L60,,/iF1.o.gi.L30 der des Gieß. Anz. 5581A NORDSEE- einige Artikel Täglich 4.00, 6.00, 8.30, Sonntags 3.00, 5.30, 8.30 Uhr. POLOST G iessen 5MMMME Beutel 6 Beutel 8 Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die MilHmeterzelle veröffentlicht 41 V; Frdr. Schmidt Gasthaus Werb, Butzbach. Paket 14 Paket 15 .Paket 18 . 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Bei dem bekannten Ge« sangspädagogen Professor Walter wurde Gesang mer gespeichert. Musikladen. Ein junges Mädchen wartet auf Kunden. Jetzt müßte man diesen Laden betreten, der u. a. Musik auf dünnen schwarzen Platten aufbewahrt. Brahms, Bach, Beethoven, Mozart, Schubert. Und das Mädchen könnte mir auch die lustigen und leichten Lieder vorspielen. Die Stimme der Boyer. Den Gesang der großen Tenore. Ade, da l ft ruh nnrh nirti» P.ähptt. men zu Ende. Golden lodern Johanniskraut, Rainfarn, Honigklee und Labkraut, Hornklee und Königskerze. Hell- und dunkelgelb gedeckt flammt das zierliche, dem Löwenmaul unserer Bauerngärten gleichende Leinkraut ober Marienstroh. Weiß und rötlich- weiß prangen Schafgarbe und Winde, Seifenkraut und Kerbel, Lichtnelke und Steinklee. Weinrot in vielen Abstufungen leuchtet Dost und Feldkümmel, Flockenblume und Hauhechel, Weidenröschen und Beinwell. Nur vereinzelt glüht der rote Mohn, als habe er sich rechtzeitig aus den sinkenden Halmfluten gerettet. Und an die himmelblaue Kornblume erinnert die zäher sich behauptende Wegwarte. Pfauenaugen und Füchse, Weißlinge und viele kleinere Schmetterlinge schwärmen von Sonne und würzigen Seimen trunken lebensfroh umher. Bald ist das Fest verrauscht, so hitzig auch die Heuschrecken zirpen und die Grillen bis in die tiefe Nacht hinein geigen. Aus den Büschen der Hohlwege und Walbsteige schimmern schon rote und schwarze Beeren, wo vor wenigen Wochen noch ein Ueberschwang an Düften überraschte. Aber die Sammlerinnen haben es nur auf die Himbeeren und Brombeeren abgesehen, obschon gerade diese so garstig stechen und sich mit ihren Ruten jeden Augenblick an Kleider und Hände fest» haken. Aber sie sind ihrer wohlschmeckenden und ergiebigen Säfte wegen die Königlichen unter den Weg- sträuchern und darum wie die Rosen bewehrt. Je näher die überragenden Waldwipfel kommen und den Pfad verschalten, um so einsamer und stiller wird es. Ein Trauermantel segelt eine Zeitlang vor meinen Schritten wie ein Vorbote des Herbstes. Hier ist die Sommerfreude verklungen, Selten ertönt ein Vogelruf, ein Ueberraschungslaut ober ein Warnungsschrei. Die mit so viel Liebe unb Fleiß gebauten Nester stehen leer. Die Jungen sinb ausgeflogen. Manche flattern schon in großer Unruhe umher, bas Reisefieber im Blut unb den seltsamen Traum von bem großen Sübflug über Lanb und Meer. Einige, wie Pirole, Grasmücke unb Nachtigall, sinb schon nach Afrika unterwegs. Je weniger es etwas für bas Ohr zu erleben gibt, um so schärfer späht bas Auge umher. Zwischen Moos, Gras, Sauerklee, Walb- meifter unb anberem Bobenwilbwuchs haben bie Pilze ihre weißen, gelben unb braunen Schirmchen aufgespannt. Einige tragen sie nur halb geöffnet, anbere mit hochgeklappten Räubern, als habe ihnen ber Winb ben Hut umgestülpt. Die Eßbaren ergeben würzige Gerichte, unb wer auch nur wenige kennt wie bie Steinpilze, Pfifferlinge ober Maronenpilze, für ben lohnt es sich schon, abseits zu biegen und Buschwerk unb Gestrüpp nicht zu scheuen^. fanb. Dann folgte Saarbrücken unb Beuthen. Aus Gießen freue ich mich sehr. Hilmar Manders, erster Charakterheld: Offizier sollte ich werden, sieben spartanische Jahre königlich preußischer Kadett, dann Fähnrich, Krieg, Revolution, Straßenkämpfe gegen die Roten in Berlin und Thüringen ... Was nun? Zur Bühne „durfte" ich nicht. Parole Landwirtschaft! Lehrzeit bei einem Bauern in Thüringen. Universität Halle, Staatsexamen, Diplvmlandwirt. Verwaltung von Gütern in Hessen, im Rheinland, in Pommern und an der polnischen Grenze. Aber der Trieb zum Theater ließ sich nicht „mürbereiten". Ich schrieb Stücke, scharte Laien um mich und spielte Liebhabertheater. Bis ich endlich — 1927 — trotz Krach und Warnung doch zur Bühne ging. Staatstheater Wiesbaden. Vier Jahre. Erst Volontär, dann Chargen, aber kein Fach! Natürlich lockten mich die „Helden". In Stolp, in Hanau, in Remscheid und Solingen spielte ich Egmont, Posa, Tell, Petrucchio, lieber aber noch die Charakterhelden, den Varus, den Leicester, den Dreft, studiert, dazu Klavier, Harmonielehre, Dramatik, Sprechtechnik und Schminken. In seinem ersten Engagement in Koblenz war Harry Grüneke zunächst zwei Jahre als lyrischer Bariton tätig, um dann in bas Fach bes Opern- und Operettenbuffos und das des Schauspielers überzugehen. Nach vier Jahren in Koblenz ging er nach Bielefeld, wo er zwei Jahre als 1. Opern- und Operettenbuffo blieb. Von dort kam er nach Münster als 1. Operettenbuffo. Nach dreijähriger Tätigkeit am Stadtheater Münster wurde Grüneke dann auch mit der Spielleitung Sangt Vlliv BA lhO i: En Neune für ki .81 VE erfifo en. Sb Pf. 8» Ein-u mitte le kl An ben Wiesenrainen unb Hängen brennt in bunten Farben das sommerliche Feuerwerk der Blu- anspruchen die Referate vor dem Kur- unb Bäberausschuß sowie ein Vortrag über das Derkehrsgebiet Rhein-Main und seine Belange. Der Geschäftsführer des Reichsfremdenverkehrsverbandes, Direktor Ritter von Heilingbrunner, hat für die Sitzung des Beirats einen Vortrag über die politischen Aufgaben des deutschen Fremdenverkehrs übernommen. Am Freitag, 25. August, findet um 9.30 Uhr tm kleinen Saal des Kurhauses die Jahreshauptversammlung des Landesfrembenverkehrsver. banbes Rhein-Main statt, ber auch Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger beiwohnen wirb. Um 11 Uhr schließt sich bie öffentliche Kund- g e b u n g an, bie im großen Saal stattfindet. Zu dieser Veranstaltung hat der Leiter des deutschen Fremdenverkehrs, Staatssekretär Hermann Esser, sein Erscheinen bereits in Aussicht gestellt, auch Gauleiter Sprenger wird an der Kundgebung teilnehmen. Anläßlich des Verkehrstages Rhein-Main finden Tagungen mehrerer anderer Organisationen in Wiesbaden statt. An der Eröffnung der Gau- ausstellung „Wille unb Tat" werben Das Petermännchen. Von Karl Schönewolf. In Heidelberg gibt es den Zwerg Perkeo, in Schwerin das Petermännchen. Angetan mit Schlapphut, Wams, Halskragen und weiten Schaft stiefeln mit großen Schnallen, den ritterlichen Degen an der Seite, steht er, ein steinerner Zeuge der ritterlichen Zeit, in einer Nische des Schloßhofes. Als ob er sein Geheimnis in der Ewigkeit hüte, hält er in der rechten einen gewaltigen Schlüssel, und —7 wie Diogenes, ber ben Menschen suchte — in der Linken eine Laterne. Mißtrauisch und streng schauen die Augen unter den buschigen Brauen. Die große, grabe Nase wird durch einen wohlgepflegten Schnurr- und Spitzbart betont. Ein kleiner Mann, dem es die Natur versagt hat, als Ritter aufzutreten, und ber sich boch so kleibet, als ob er einer märe, weil er sich darnach fühlt. Unb sicherlich ist er auch feinem Herzen nach einer gewesen. Da er es in Wirklichkeit nicht sein konnte, hat der Kummer ihn zuweilen böse ober boch bösartig gemacht, wie es ja bei manchen Menschen vorkommen soll. Er ist ber Geist bes Schweriner Schlosses im Guten unb im Schlimmen. Lange Zeit, als bie Großherzöge noch hier wohnten, mürbe ihm ein Platz an der Tafel freigehalten. Und jeden Abend stellte man ihm eine Schüssel mit Gemüse in ben Hof, bie auch regelmäßig jeden Morgen leer war. Das Petermännchen hat sich wieder sattgegessen, berichtete zufrieden ber Oberhofzeremonienmeister. Doch bie ewigen Nörgler behaupteten, es seien bie Spatzen gewesen. Zuletzt würbe ber Schloßgeist von einem Soldaten gesehen. Das war kurz vor dem Weltkrieg unb ein böses Zeichen. Gleich barauf brannte benn auch ber prunkvolle Golbene Saal ab, ber bis heute noch nicht mieberhergestellt mürbe. So ist das mit bem Petermännchen. Doch bie nachdenklichste Geschichte erzählen die Schweriner von seiner Begegnung mit dem Fischer Klaus. Dieser war ein armer Teufel unb hatte ein merkwürbiges Pech beim Fischfang, ber bei seinen Kameraden so sehr viel ergiebiger war. Denn Bauern unb Fischer sinb die meisten Bewohner des wasser- und äckerreichen Landes Mecklenburg. Da ragte nun aus dem See eine Felsenklippe, die man ben Großen Stein nannte. Klaus hatte gehört, daß es dort besonders fette Praxen geben sollte. Er beschloß, das Fischen einmal an dieser Stelle zu versuchen. Damit ihm mm niemand zuvorkommen sollte« und weil er die Zeit für günstig hielt, ruderte Lehrgut Selgenhof als Ausbildungs- stätte für Veterinärmediziner. Nach der neuen Prüfungsordnung für Studierende der Veterinärmedizin muß künftig jeder Studierende dieser Wissenschaft vor Abschluß seines Studiums einen achtwöchigen Lehrkursus auf einem landwirtschaftlichen Gut ableisten. Die Kursus- arbeit soll die gesamten Arbeitsvorgänge in der landwirtschaftlichen Praxis umfassen, damit die jungen Veterinärmediziner einen umfassenden lieber- blick über alle Arbeits- und Aufgabengebiete im Bereich ihres künftigen Berufes erhalten. Für die Studierenden der Veterinärmedizin an der Universität Gießen sollen diese Lehrkurse auf dem Lehrgut Selgenhof bei Ulrichstein durchgeführt werden. Um die Kursisten auf dem Gutshof unterbringen zu können, wird jetzt dort ein Unterkunfts- Haus für etwa 30 Studierende errichtet und damit die unerläßliche Vorbedingung zur Durchführung der Kurse gegeben. Nach Niederlegung eines alten Hauses auf dem Gutshofe ist in den letzten Tagen mit dem Bau des neuen Hauses begonnen worden. Das Haus wird mit allen modernen Einrichtungen versehen sein unb ben Bewohnern sicherlich einen guten Aufenthalt bieten. Im Kellergeschoß werden große Waschräume und die Heizungsanlage geschaffen, im Parterre wird ein Gemeinschaftsraum, der auch als Unterrichts- und Speisesaal dienen wird, im Anschluß an die Küche eingerichtet werden, die Obergeschosse des Hauses werden die Wohräume und die zugehörigen Badeeinrichtungen enthalten. Mit der Fertigstellung des Hauses ist zum nächstjährigen Sommer zu rechnen. Die ersten Kursisten der Veterinärmedizinischen Fakultät werden am Ende bes Sommersemesters 1940 bieses Kursusheim auf bem Lehrgut Selgenhof beziehen, zugleich werben bann bie Lehrkurse an biejer Stätte beginnen. Verkehrsiag Mein-Main. Die große Veranstaltung des Lanbesfrembenver- kehrsverbandes, ber Verkehrstag Rhein » Main 1939, beginnt am Donnerstag, 24. August, 9.30 Uhr, in Wiesbaden. Unter bem Vorsitz des Verbanbsleiters, Oberbürgermeister Ritter (Gießen), werben im Laufe bes Donnerstag Referentenbesprechungen unb Ausschuß « sitzungen burchgeführt. Besonderes Interesse be- Klaus schleppte auch richtig noch einen dicken Stein herbei unb hob ihn mit Hilfe bes Schloß- gelftes auf das kleine Gebäude. Denn ein Mecklenburger hält fein Wort, auch wenn ihn noch so viele Schätze locken. Dann warf er den Rest der Reichtümer in sein Boot, das schon ganz tief im Wasser lag, und sprang endlich selbst hinein. Da schlug es Zwölf vom Dom. Mit gewaltigem Krachen brach ber Steintempel zusammen. Das Boot samt Klaus und seinen Schätzen versank in ben Fluten. Unb bas Petermännchen ist heute noch nicht erlöst von ben Menschen. Seitdem steht er mit ber Laterne in ber einen unb bem Schlüssel in der anderen Hand und betrachtet mißtrauisch alle Schloßbesucher, die ihn bestaunen. Kleines August-Bilderbuch. Von Peter Bauer. In ber Ackerlanbschast überwiegen bie weißblonben unb golbgelben Striche ber reifen ©etreibefelber, wenn auch stellenweise schon Korn unb Gerste heimgeholt sinb. Hier sieht man Frauen unb Kinber, über bie stoppeligen Schollen gebückt, Aehren suchen. Die Obstbäume stehen überall mit gebeugten Aesten schwer von saftiger Fracht. Die späten Pfirsiche leuchten wie bunte! erglühte Mädchenwangen im Laub unb warten auf pflückenbe Hände. Man muß behutsam mit ben prallen, samthäutigen Bällen umgehen, daß sie keine Druckflächen bekommen ober gar Quetschungen erleiben. Sie sollen bas Auge entzücken, ehe sie ben Munb laben. Auch in manchen Birnen- unb Aepfelbäumen früher Sorten stehen bie Leitern zur Ernte. Einem von der Last seiner dunklen Fülle völlig verrenkten Zwetschenbaum ist trotz etlicher Stützen ein überreich tragender Ast niedergebrochen. An den teils abgefallenen, teils aufgeplatzten Früchten wimmelt es von Ameisen und Wespen, Hornissen und Bienen. Erbitterte Kämpfe mit oft tödlichem Ausgang für bie Schwächeren toben lautlos um bie köstlichen Säfte, um bas süß aufgebrochene Fleisch. Rur in ben mächtigen unb hochbetagten Nußbäumen sinb bie Früchte noch grün wie bie Blätter. Sie nehmen sich Zeit zum Reifen unb stecken noch tief unb wohl gebettet in ihren Gehäusen, die erst mit bem herbstlich gilbenben unb roftenben Laub zu zerfallen beginnen unb bie hvlzbraunen Kapseln mit ben wohlschmeckenden Kernen freigeben. In Düsseldorf bin ich geboren. Nach der Schulzeit begann ich das Musikstudium. Geige war mein Instrument. Nebenbei studierte ich in Düsseldorf Köln Gesang. Nach eineinhalbjähriger Tätig- begeistertes Publikum in Münster zu schaffen. Elisabeth Leiprecht, erste jugendliche Salondame: den Goetz ... Auch der Chorakterbonvivant und der Charakterkomiker begannen mich zu interessieren, sonderlich im modernen Konversationsstück. Mich in diesen Fächern zu erproben, hatte ist am Residenztheater Wiesbaden reichlich Gelegenheit. Drei Jahre lang stand ich in etwa 65 verschiedenen Rollen weit über 700 Mal auf der Bühne ... Dort ah mich Herr Intendant Schultze-Griesheim als Kriminalkommissar in „Schuß im Rampenlicht" und verpflichtete mich an das Stadttheater Gießen. Christoph Neuland, erster Operettentenor: als Kaffeehauskapellmeister gelang mir der Uebergang zur Bühne. In Oberhausen stand ich zum ersten Ma! als „Postillon von Lonjumeau" auf ben Brettern. In den folgenben Jahren studierte ich in Berlin weiter. Halberstadt, San- dershausen, Beuthen, München-Gladbach, Stettin unb Aachen waren bie nächsten Stationen meiner Laufbahn. In Aachen war ich fünf Jahre tätig, unb von bort aus habe ich an fast allen Theatern bes Rheinlandes, an mehreren im Norden und Süden Deutschlands gosttert. Weit über hundert Jetzt freue ich mich ft kn irntta b uni Ms 1Ö betraut. Als 1. Operettenbuffo und Spielleiter hatte er bann vier weitere Jahre Gelegenheit, sich Bücher. Es ist schwer, nicht einzutreten. Hier gibt es jeden Tag etwas Neues. Ader ich werde den Laden nicht betreten, benn ich habe Angst, daß ich meinem Vorhaben, nur zu bummeln, bann untreu werbe. Nein, heute nicht, wehmütiger Blick auf die Herrlichkeiten. Kolonialwaren. Das klingt so nüchtern unb ist so abenteuerlich. Geruch von Rosinen, von Gewürzen, Zitrovanille, Muskat. Schnelle Griffe nach Tüten, die mit einem schwer nachahmlichen Schwung aufgestoßen und geschlossen werden. Die Messingwaage schwankt. Eisenwaren. Man kann Eisen riechen. Haden Sie bas gewußt? Nein! dann kennen Sie Schlossereien nicht. Eisen riecht streng und gut. In meines Vaters Schublade lag eine eiserne Rose, die er als Gesellenstück gemacht. Ich habe sie ehrfürchtig oft in der Hand gehabt. Es fängt an zu regnen. Der Bummel muß abgebrochen werden. Aber es gibt nichts Nüchternes, wenn man nicht will. r- k. Tagesfalenber für Donnerstag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Mann für Mann" unb „Der Westwall". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ich bin Sebastian Ott". Läden am Nachmittag. Der freie Nachmittag lag vor mir — weit wie ein Meer. Städte sind nüchtern, nach langläufiger Ansicht. Ich entschloß mich zu einem Bummel „auf das Gegenteil". Nicht in romantische Altstadtbezirke, sondern einfach so, „mittenmang in die Geschäftsstraßen" Ich ging in keinen Laden. Ich stand nur davor. Es war schöner, warmer Sommernachmittag, die Türen war weit geöffnet ... Drogerie. Es riecht nach Zimt unb Ceylon. Im Schaufenster marschiert ein Gipszwerg zwischen rosaroten Hustenbonbons. In blanken Glaskaraffen liegen Schwämme, Seifen, Lakritzstangen. Es bedienen Mädchen und Männer in weißen Kitteln. Der Boden ist sauber wie in einem Laboratorium. Heilsame Kräuter sind sicher in einem Hinterzim- «cfionen^ er eine Stunde vor Mitternacht zu dem einsamen Aus ben Büschen schlugen bie Nachtigallen, ber volle Monb ließ die Schatten ber Türme von Schwerin lustig auf bem Wasser zittern, unb bie alten, bicken Bäume an ben Ufern rauschten ein sanftes Sommerlieb. Klaus träumte vor sich hm unb tauchte gebankenlos bie Ruder em. Plötzlich riß er die Augen weit auf. Ihm gegenüber auf der leeren Bank saß das Petermännchen, der kleine, kavaliermäßig geputzte Schloßgeist wie er ihm geschildert worden war. Die kurzen Beinchen baumelten in der Lust unb mit den Händchen hielt er sich E^michst ^dich nicht zu fürchten, Klaus", sagte das Petermännchen mit einer merkwürdig tiefen, etwas rauhen Stimme. „Wenn du mir hilfst, will ich dir auch helfen. Bau mir aus den kleinen Steinen auf bem Großen Stein einen Tempel. Wirst du vor Mitternacht damit fertig, werde ich von den Menschen erlöst sein. Dir aber will ich einen Schatz schenken, der dich reich unb zufrieden macht. Du darfst jedoch nicht mehr davon nehmen, als du zu deinem Glück gebrauchen kannst. Kaum hatte der Geist die Worte gesprochen da hielt das Boot auch schon an der Klippe. Petermännchen sprang gewandt hinaus, schob nut erstaunlicher Leichtigkeit den schweren Stein beiseite und ließ eine Grube voll mit Gold und Juwelen sehen. Zerbrochene Kronen lagen dann und Ha sketttn Arm- ringe und Gefäße. Alles aus reinem Gold und viele blitzende Edelsteine dazwischem Das alles", sagte Petermännchen, „habe ich Menschen abgenommen, denen es zu gut ging, unb für bie es besser war, wenn sie weniger besaßen. Du barfft bir nehmen, so viel bu willst. Ader bas merke bir gut - nicht mehr als bu zu beinern Glück brauchen kannst. Zuvor mußt bu mir ab er bis Mitternacht meinen Tempel bauen helfen. Schon hatte er Wams, Hut unb Segen abgelegt unb begann allerlei Steine herbeizuschleppem Klaus vom Eifer erfaßt, war nun auch an Lanb geSngeu unb schaffte" baß. ihm ber Schweiß von der Stirn perlte. Steine türmten sie auf Sterne^ unb bald stand das Gemäuer fertig. Nur das Dach fehlte noch. Jetzt wollte Klaus aber erst seinen Lohn haben. Das Petermännchen ließ ihn gewahren und mahnte nur, bis Mitternacht müsse alles fertia werden. Vom Dom zu Schwerin schlug die Glocke dreimal, was noch eine Viertelstunde bis zwölf bedeutete. Klaus raffte was er nur konnte in fein Boot. Seine Augen brannten vor Gier. „Das Dach noch, bas Dach!" schrie bas Petermännchen, benn inzwischen war em Sturm aufg - । kommen. Partien habe ich gesungen, auf die Arbeit in Gießen. (Aufnahmen [4]: Archiv.) Ich wurde in München geboren, wo ich meine schauspielerische Ausbildung erhielt und ......., - - erstes Engagement ans Münchener Staatstheater sind noch viele Laben. Nj 1 Ittcq Jes h. hhalb hk^ RS Bijx Wo[h 'eist ii 95 21|| st: ütj Simm.' , n lOo ib; * Mehr als 1000 Betriebe neu im Leistungskamps. NSG. Das Ergebnis der Anmeldungen zum diesjährigen Leistungskampf der Betriebe liegt nun für den Gau Hessen-Nassau vor. Es hat die erwartete gesunde Fortentwicklung gebracht. Während sich im letzten Fahre 3002 Betriebe beteiligten, sind es dies- mal bereits 4088, wozu noch einige Filialbetriebe kommen werden, die von der Zentrale ihres Betriebes bei dem Zentralbüro der DAF. gemeldet wurden. . , Die stärkste Steigerung der Teilnehmerzahl verzeichnet der Kreis Wiesbaden, der 629 Anmeldungen gegenüber 132 im Vorjahre erhielt. Gut verdoppelt hat sich Darmstadt mit 544 (gegenüber 250) teilnehmenden Betrieben. Ein etwa gleichwertiges Ergebnis erreichte Offenbach mit 326 (gegenüber 160) Betrieben im Leistungskampf. Die Gauhauptstadt hat ihre Teilnehmerzahl fast genau gehalten und metdet 720 Anmeldungen. Fn der W e t t e r a u erhöhte sich die Teilnehmerzahl von 140 auf 164 und im Kreis Alsfeld-Lauterbach von 102 auf 181. In Wiesbaden haben alle Fachabteilungen eine außerordentlich starke Steigerung der Teilnehmerzahl zu verzeichnen. In Frankfurt sind es diesmal 64 Nahrungs- und Genuhbetriebe, gegenüber 35 im Vorjahre. In Offenbach sind es dreimal soviel Lederbetriebe, die teilnehmen; außerdem wurden aus 28 im Vorjahre teilnehmenden Eisen- und Metallbetrieben diesmal 42. Darmstadt verzeichnet die stärkste Zunahme bei Energie, Verkehr, Verwaltung, bei Druck und Papier und bei den freien Berufen. Der Bergbau beteiligt sich im Kreis Biedenkopf- Dillenburg mit 11 gegen 2, im Kreis Oberlahn- Usingen mit 4 gegen 0 und im Kreis Wetzlar mit 5 gegen 0 Betriebe stärker. Nahrung und Genuß zeigte auch im Kreis W e t t e r a u mit 47 gegen 24 Betrieben ein schönes Ansteigen des Interesses. Starke Steigerungen gab es beim Handel in Alsfeld- Lauterbach mit 20 gegen 4, in Bingen mit 20 gegen 10, in Darmstadt mit 164 gegen 74 und in Wiesbaden mit 138 gegen 29 Teilnehmer. Das Deutsche Handwerk verzeichnete in Alsfeld-Lauterbach 44 gegen 11, in Darmstadt 159 gegen 63, in Offenbach 80 gegen 24, in Wetzlar 14 gegen 2 und in Wiesbaden 137 gegen 32 teilnehmende Handwerksbetriebe. Von der Ausstellung ille und Tat". Vom 25. August bis 10. September in Wiesbaden. Oie Leinen-Industrie Oberheffens zeigt ihre Leistungsfähigkeit. NSG. Die Erzeugnisse der oberhessischen Leinenwebereien sind weit über die Grenzen des deutschen Vaterlandes hinaus bekannt und angesehen. Es kommen für die Flachs verarbeitenden Frümstrien vor allem die Städte Alsfeld, Lauterbach, Herbstein und Schlitz in Betracht. Der Hauptsitz der oberhessischen Leinenindustrie ist seit alters- her das uralte Städtchen Schlitz. Hier ist die Leinenindustrie besonders hoch entwickelt. Neben glatten Leinen und Halbleinen werden als besondere Spezialität vornehmlich prachtvolle Tischzeugs und Handtücher in geschmackvollen Dessins erzeugt. Auch auf dem Gebiete der Namen- und Wappeneinwebung leistet der Leinenplatz Schlitz Hervorragendes. In Alsfeld, Lauterbach und Herbstein werden in der Hauptsache Rohleinen, Sackleinen und Scheuertücher hergestellt. Geld- und Postsäcke" ohne Naht werden in Lauterbach hergestellt. Auf der Ausstellung „Wille und Tat" in Wiesbaden wird die gesamte Leinenindustrie Oberhessens einen beachtlichen Ausschnitt ihrer volkswirtschaftlich bedeutsamen Arbeit zur Schau stellen und so allen Besuchern Gelegenheit bieten, die Leinenerzeugnisse auf breitester Plattform kennenzulernen. Das Handwerk zeigt Meisterleistungen. In einer besonderen Halle und einer großen Gemeinschaftsschau der Kreishandwerkerschaften Groß- Wiesbaden und Untertaunus wird sich das schaffende Handwerk mit seinen Qualitätserzeugnissen vorstellen. Fast alle Handwerkszweige sind vertreten, die teils in Darstellungen, teils arbeitend, den Besuchern einen interessanten Einblick in das vielseitige Arbeitsgebiet des Handwerks geben werden. In besonderen Vitrinen wird der Besucher die Meisterleistungen des Goldschmiede-, Schuhmacher-, Putzmacher-, Friseur- und Buchbinderhandwerks bewundern können. Alles in allem gesehen eine Schau, die dank ihrer Lebendiakeit in allen Besucherkreisen besondere Aufmerksamkeit Hervorrufen wird. Deutsches Krauenschaffen. Im Rahmen der großen Ausstellung ist die NS.- Frauenschaft-Deutsches Frauenwerk im Gau Hessen- Nassau mit einer Sonderschau vertreten, die inhaltlich alle Fragen berührt, die heute der Frau gestellt werden. So zeigt die Abteilung Volkswirtschaft- Hauswirtschaft an Hand von zahlreichen Beispielen, welche Hilfsmittel es der Hausfrau ermöglichen, sich jederzeit auf die augenblicklichen Erfordernisse Der Volkswirtschaft einzustellen. Weiter werden prak- ttsche Anregungen zur Gestaltung des Siedlerhauses und des Sisdlergartens gegeben. Die Vorratshaltung der Hausfrau spielt eine besonders große Rolle. Praktisch wird ferner die Hausfrau als Lehrmeisterin des hauswirtschastlichen Nachwuchses, als Meisterhausfrau und als Verbraucherin gezeigt. Gerade als Verbraucherin bedarf sie der Beratung. In weiteren Abteilungen sieht der Besucher die große Arbeitsleistung des Mütterdienstes. Die Gaubräute- und Gaumütterschule wird auf der Ausstellung „Wille und Tat" erstmalig gezeigt. In der Abteilung Grenzland-Ausstellung sehen die Besucher ein vielfältiges Bild von der Arbeit der Heimat für die Brüder und Schwestern im Ausland. Eine Anzahl weiterer Abteilungen veranschaulicht die übrigen Gebiete des deutschen Frauenschaffens in jeder Beziehung. Mit dem KdK.-Sonderzug zur Ausstellung »Wille und Tat". Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Dienststelle Gießen, veranstaltet am Sonntag, dem 27. August, eine Sonderfahrt nach Wiesbaden. Durch diese Fahrt soll vielen Volksgenossen die Möglichkeit gegeben werden, die große Ausstellung „Wille und Tat" zu besuchen. Darüber hinaus läßt sich aber auch gute Gelegenheit finden, die Wiesbadener Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Auch eine Teilnahme am Mainzer Weinmarkt wird möglich sein. sich die Gäste des Verkehrstages Rhein-Main in großem Umfang beteiligen. Gut besuchtes Platzkonzert in Steins Garten. Das herrliche sommerliche Wetter des gestrigen Nachmittags und der hervorragende künstlerische Ruf, den sich das Musikkorps der Fliegerhorst- Kommandantur seit seinem Bestehen in außerordentlich kurzer Zeit erringen konnte, hatten dem gestrigen Platzkonzert in Steins Garten so starken Besuch gebracht, wie er bei den bisherigen Konzerten noch nie zu verzeichnen war. Wieder waren alle Stühle besetzt, die von den älteren Zuhörern dankbar eingenommen wurden. Nach jeder musikalischen Darbietung gab es vielen herzlichen Bei- fall. Unter den Zuhörern waren auch viele Kinder, die kein Auge von den Musikern und ihren blitzenden Instrumenten wandten. Die Dortragsfolge des gestrigen Konzertes brachte sehr unterhaltsame Darbietungen, Walzer, Märsche und ausgezeichnete Konzert-Musik, die die Stunde in Steins Garten wiederum zu einem schönen seelischen Gewinn machte. Dem Musikkorps und seinem Leiter, Musik- meister Pfarre, gebührt für das ausgezeichnete Konzert Dank und Anerkennung. Rücksendung der Weinflaschen. Wie die Landesbauernschaft Rheinland mitteilt, mehren sich in Weinhandelskreisen die Klagen darüber, daß Privattunden und Wirte die leihweise zur Verfügung gestellten Kisten und Flaschen nutzt zurückschicken. Da in diesen Verpackungsmaterialien erhebliche Kapitalien angelegt sind und auch die Beschaffung neuer Flaschen infolge langer Lieferfristen auf Schwierigkeiten stößt, können die Wem- Handelsunternehmen auf die Rückgabe dieser Gegenstände nicht verzichten. Zwecks Einsparung von Material und reibungsloser Versorgung der anderen Verbraucher werden die Besitzer von Weinflaschen gebeten, für umgehende Rücksendung des Leergutes nach Gebrauch besorgt zu sein, ebenso wird gebeten, noch vorhandene Bestände alter Flaschen entweder zurückzuschicken, oder sie dem Althändler zur Verfügung zu stellen und damit einer erneuten Verwendung zurückzuführen. * ** Arbeitsjubiläum. Heute kann der bei der Möbelfabrik Karl Hahn, Gießen, Löber- ftraße 17, beschäftigte Schreinergehilfe Ludwig Bender aus Rodheim auf eine ununterbrochene 25jährige Tätigkeit zurückblicken. Der Arbeitsjubi- lar wurde im Kreise seiner Arbeitskameraden geehrt, erhielt von der Betriebsführung und feinen Arbeitskameraden schöne Geschenke und von der Deutschen Arbeitsfront ein Diplom für treu geleistete Dienste. ** Arbeitskameradschaftliche Verbundenheit. In echt kameradschaftlichem Geiste feierte die Belegschaft des Städtischen Schlachthofes Gießen das 25jährige Dienstjubiläum des Maschinisten Heinrich Rispel. Außer der üblichen Ehrung, über die von uns bereits berichtet wurde, hatte die Belegschaft chrem Arbeitskameraden einen prachtvollen Präsentkorb als Jubiläumsgeschenk überreicht. In dankbarer Anerkennung für das schöne und wertvolle Geschenk hatte der Jubilar seine Arbeitskameraden für den Abend in die Puloermühle eingeladen, wo er sie ausgiebig bewirtete. In humorvoller Geselligkeit und kameradschaftlicher Verbundenheit verbrachten die Arbeits- kameraden schöne Stunden. ** „Dor 60 Jahren in Steins Garten." Zu diesem Aufsatz im Gießener Anzeiger — so schreibt man uns — ist berichtigend zu bemerken, daß Professor Dietz, der Begründer der romanischen Philologie, nicht in Gießen, sondern in Bonn seine Dozententätigkeit ausübte. Die Gedenktafel in der Neuen Bäue bezeichnet sein Geburtshaus. Gießener Wochenmarktpreife. ♦ Gießen, 17. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Eier, Klasse A 12%, B 12, C 10%, Wirsing, % kg 6 bis 8, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 7 bis 8, gelbe Rüben 7 bis 8, rote Rüben 9 bis 10, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen, grün 10 bis 26, gelb 15 bis 26, Erbsen 15 bis 20, Tomaten, deutsche 20 bis 26, italienische 20 bis 22, Zwiebeln 5 bis 13, Rhabarber 8 bis 10» Pilze 35 bis 40, Kartoffeln, neue, % kg 5 bis 6 Rpf., 5 kg 50 bis 55 Rpf., 50 kg 4,25 bis 5 RM., Frühäpfel, % kg 15 bis Oie Fahrt ins Allgäu. Erzählung von Mar6 Stahl. Als der Zug in Kempten hielt, drückte sich Ursula so tief in die Ecke, daß man sie keinesfalls von draußen erkennen konnte. Ihr Herz schlug aufgeregt, sie tat, als ob sie müde sei von der langen Fahrt, und schloß die Augen. Ihr Gegenüber sagte: „Der Zug hat hier einigen Aufenthalt, wollen wir nicht auf den Bahnsteig gehen?" „Lieber nicht", antwortete sie, „ich bin so faul." Ein schwaches Lächeln spielte um ihre blaß gewordenen Lippen. Der junge Mann zögerte noch etwas, er verzichtete nicht gern auf ihre Gesellschaft, aber dann erhob er sich doch, um draußen eine Zigarette zu rauchen. Ursula warf keinen Blick hinaus, aber sie lauschte atemlos auf die vielen Schritte, die über den Bahnsteig klapperten, und dachte: „Darunter sind auch Mamas und Axels Schritte! Sie atmete schwer in dem heißen Versteck, das sie zwischen Mantel und Fensterwand für ihre schmale Gestalt geschaffen hatte, und wünschte mit wachsender Nervosität, daß der Zug doch nur endlich abgehen möchte. Jetzt hörte sie deutlich unter ihrem Fenster sprechen. „Sie ist nicht da", sagte Mamas traueroolle Stimme. „Es scheint so", bestätigte Axel mit gereiztem Tonfall. Seine Redeweise war wie immer beleidigt und kriegerisch. Sie zuckte mit den geschlossenen Lidern wie in Abwehr. Wenn der Zug doch nur endlich fahren würde! Jemand sagte zu ihr: „Da fährt der Zug schon." Sie öffnete die Augen und sah, daß ihr Gegenüber sie anlächelte. Sie lächelte auch. „Gottseidank!", antwortete sie. „Was haben Sie denn?" fragte Johannsen besorgt, „ist Ihnen nicht gut? Sie sehen so blaß aus?" „Das macht das Gewitter", sagte Ursula und trat ans Fenster. Der Zug machte gerade eine Kurve, und sie konnte noch eben Mama in hellem Kostüm auf dem Bahnsteig sehen, flankiert von Axels langer Gestalt in tarierten Knickerbockern, die ihm etwas Komikerhaftes verliehen Ein paar Tränen traten ihr in die Augen. Arme Mama, daß sie sie so enttäuschen mußte. Aber warum war sie auch so versessen darauf, sie mit Axel zu verheiraten. Schließ- 35 Rpf., Falläpfel 6 bis 8, Pfirsiche 32, Brombeeren 35 bis 40, Preiselbeeren 41, Birnen, 15 bis 35, Stachelbeeren 15 bis 20, Johannisbeeren 15 bis 18, Pflaumen 15 bis 30, Zwetfchen 25 bis 27, Mirabellen 25 bis 38, Renekloden 20 bis 30, Blumenkohl, das Stück 10 bis 45, Salat 5 bis 8, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 1 bis 6, Endivien 8 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Rpf. Amtsgericht Gießen. Der R. P. in Lollar hatte durch Strafbefehl eine Geldstrafe von 30 RM. erhalten. Er befuhr am lich hatte sie Axel ihr ganzes Leben lang zu ertragen und nicht Mama. „Darf ich um die Fahrscheine bitten", fragte die Stimme des Schaffners. Ursula erschrak, daran hatte sie gar nicht gedacht, sie reichte dem Beamten die Karte mit einem entsetzlich schlechten Gewissen. Er warf einen kopfschüttelnden Blick darauf und sagte: „Die geht nur bis Kempten, dort hätten Sie aussteigen müssen!" „Ich habe es mir anders überlegt", stotterte Ursula. „Ja, wohin wollen's denn?" fragte der Schaffner und warf einen beziehungsvollen Blick über seine Brille auf die verlegene junge Dame. Ursula wußte einen Augenblick nicht aus noch ein. Johannsen hatte alles erstaunt und schweigend angehört. „Ich löse nach", sagte Ursula, „ich möchte lieber in die Berge, ich weiß nur nicht recht, wohin —" „Vielleicht nach Oberstdorf?" fragte Johannsen. „Natürlich, nach Oberstdorf", sagte Ursula erleichtert. „Also bis Jmmenstadt nachläsen und umsteigen", sagte der Schaffner und öffnete seinen blechernen Kasten mit den Fahrkarten. „Ich danke", sagte Ursula und bezahlte mit etwas unsicheren Fingern den Fahrpreis. Der Schaffner entfernte sich, Ursula verstaute Fahrkarten und Geld in ihrer Handtasche und bemühte sich, den jungen Mann nicht anzusehen. „Ich fahre nämlich auch nach Oberstdorf", sagte er fröhlich. „Ach!" sagte sie und wühlte immer noch ratlos in ihrer Handtasche. „Ich freue mich ganz unbändig, daß wir zusammenbleiben", rief er, „ich hoffe. Sie sind recht lange dort, ich habe mir vorgenommen, vier volle Wochen dort zu verbringen." „So —", sagte sie und ordnete den Inhalt ihrer Handtasche neu, um ihn immer noch nicht ansehen zu müssen. „Sie sind mir nämlich ungeheuer sympathisch", sagte Johannsen. „Danke", antwortete sie und lachte. Endlich machte sie die Handtasche zu und legte sie neben sich- Er betrachtete sie aufmerksam. „Hören Sie", fragte er, „warum sind Sie eigentlich in Kempten nicht ausgestiegen?" 21. Dezember v. I. gegen 15 Uhr mit seinem Fahrrad die Straße Gießen—Lollar in der Gemarkung Wieseck und hat dabei sein Verhalten nicht so eingerichtet, daß er den Verkehr nicht behinderte, indem er mit seinem Fahrrad nicht die äußerste rechte Seite der Fahrbahn einhielt, wodurch er mit einem ihn überholenden Personenkraftwagen zusammen- stieß. Hierbei entstand nur Sachschaden. Gegen den Strafbefehl legte P. Einspruch ein. In der Hauptverhandlung wurde er überführt. Dem Antrag des Anklagevertreters entsprechend wurde er zu einer Geldstrase von 30 RM. ersatzweise 6 Tage Haft, verurteilt. „Davon möchte ich nicht reden", sagte Ursula. Er schwieg eine Weile, bann h- gann er wieder: „Sie sind etwas Unangenehmem urh Peinlichem aus dem Wege gegangen, nicht wahr?!" „Ja", antwortete sie, einer Heirat!" Er stieß einen leisen Pfiff aus. „O, Verzeihung", bat er erschrocken. „Macht nichts!" saate sie und lachte. Da fuhr der Zug schon in Jmmenstadt ein. Sie nahmen hastig ihr Gepäck und sprangen auf den Bahnsteig. Eine kleine, schnurrige Lokomotive keuchte schon in Erwartung der großen Anstrengungen, die ihr bevorstanden, vor zwei bis drei kleinen, gemütlich aussehenden Wagen. Sie sanden ein leeres Abteil und verstauten ihr Gepäck. Das Bähnchen setzte sich fauchend und spuckend in Be- roegung, es hatte schwer zu ziehen, es ging stark bergan. Ursula war auf einmal ungeheuer vergnügt. Sie lief von einem Fenster zum andern und sah hinaus. Johannsen wurde von ihrer Fröhlichkeit angesteckt. Es wurde langsam dunkel. Der Schaffner kam und drehte das Licht an. Er setzte ein verschmitztes Gesicht auf, als er die beiden vergnügten jungen Leute sah, und sagte: ,Leider muß i hell machen — leider!" Ursula versuchte ernsthaft auszusehen. Aber Johannsen lachte. Der Schaffner verschwand, Johannsen sagte: „Ich bin ja so glücklich, daß Sie nach Oberstdorf mitkommen." „Aber", wandte Ursula ein, „Sie kennen mich doch noch gar nicht." „O", rief Johannsen, „ich weiß schon viel von Ihnen — ich weiß zum Beispiel, daß Sie eine Frau sind, die den Mut hat, das Steuer herumzuwerfen, wenn ihr der Kurs nicht paßt. Wer hot schon so viel Konsequenz?!" „Vielleicht ist das nur Feigheit!" murmelte Ursula. Johannsen schüttelte energisch den Kopf. „Unsinn", sagte er, „nur nicht Angst haben vor dem eigenen Mut. Ich bewundere Sie jedenfalls geradezu." lieber den Bergen wetterleuchtete es, als sie in Oberstdorf ausstiegen. Die Lichter der Häuser ?Iä inten blank verstreut aus dem Dunkel, ein star- er Wind, der geradewegs von den Gletschern zu kommen schien, wehte ihnen entgegen. Johannsen blickte über ihre Schulter, als sie sich ins Fremdenbuch eintrug. „Ursula —", sagte er, „was für ein schöner Ramel" Aus der engeren Heimat. Neue Aufgaben des Kreises Marburg. Lpd. Marburg, 16. August. Der Voranschlag des Landkreises Marburg für das Rech- nungsjahr 1939 ist in Einnahme und Ausgabe im ordentlichen Haushalt mit 1399057 RM., im außer- ordentlichen Haushalt mit 133 200 RM. ausgeglichen. Der Schuldendienst des Kreises ist von 50 000 RM. im Rechnungsjahr 1938 auf 10 000 RM. in 1939 gesunken und wird 1940 noch 4 400 RM. betragen. Insgesamt wurden vom 1. 4. 1938 bis 30. 6. 1939 315 000 RM. Schulden ab gedeckt, darunter sämtliche Kreisbahnfchulden, so. wie die des Kreises bei der Kreissparkasse. Der Kreis hat jetzt noch rund 77 000 RM. niedrig verzinsliche Schulden. Nachdem die Lahnreguli e- Jung, für die noch 1938 über 130 000 RM. auf- gewendet wurde, in wenigen Wochen endgültig be- endet fein wird, muß sich der Kreis auf die beiden großen Aufgaben der Ohmre auHerung und der Verbesserung des Kreis straßen- netzes einstellen. Zeder muß da arbeiten, wo sein Einsatz verlangt werden kann. Lpd. F r a n k f u r t a. M., 16. Aug. Fünf minderjährige Arbeiter waren als „Aufbereiter" in einer Grube über Tage beschäftigt. Am 18. Januar wurden sie vom Betriebsführer anaewiesen, gelegentlich unter Tage zu arbeiten. Diese Arbeit lehnten sie ab und wurden daraufhin weaen beharrlicher Arbeits- Verweigerung fristlos entlassen. Bei der Entlassung wurde ihnen ein Teil des Lohnes als Strafe ein- behalten. Sie klagten daraufhin vor dem Arbeitsgericht auf Herausgabe des einbehaltenen Lohnes. Das Arbeitsgericht in Limburg verurteilte die Be- klagte zur Auszahlung der Beträge in Höhe von 28 bis 32 RM. Das Landesarbeitsgericht Frankfurt a. M. hob dieses Urteil auf. In Der Urteilsbegründung wurde ausgeführt: Die Kläger seien im Alter von 15 bis 16 Jahren bei der Beklagten eingeftellt worden. Damals feien sie froh über ihre Einstellung gewesen. Eine ausdrückliche Vereinbarung, daß sie immer nur als „Aufbereiter" beschäftigt würden, ist nicht getroffen worden. Nachdem sie jetzt ein Alter erreicht hätten, in dem sie nicht mehr Aufbereiter sein könnten, wäre es nicht unbillig, von ihnen zu verlangen, daß sie vorübergehend unter Taa arbeiteten. Dieser Aufforderung hätten sie Folge leisten müssen. Von jungen Leuten könne man verlangen, daß sie dort arbeiteten, wo das Vaterland ihren Einsatz fordere. Ihre Weigerung, dem Verlangen der Betriebsführung nachzukommen, sei daher als beharrliche Arbeitsverweigerung aufzufassen. Die fristlose Entlassung sei zu Recht erfolgt. Kür 40000 NM. Autoreifen gestohlen. Lpd. F r a n k f u r t a. M., 16. August. Im vergangenen- Jahre bis zum Februar dieses Jahres waren in Frankfurt a. M., Worms, Koblenz, Mannheim, Mainz, Fulda, Hanau und Ludwigs- Hafen von parkenden Autos nachts die Ersatzreifen gestohlen worden. Die Reifen wurden an zwei Hehler nach Frankfurt geliefert, von denen sich der eine das Leben nahm, als er verhaftet werden sollte. Der Haupthehler schaffte die gestohlenen Reifen meist nach Süddeutschland, vorwiegend in die Schwarzwaldgegend, wo er Abnehmer fand. Ende Februar wurde die Diebes« bande verhaftet. Der Wert der gestohlenen Reisen beläuft sich auf 30 000 — 40 000 RM. Die vier Diebe und der Haupthehler hatten sich jetzt vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Das Gericht verurteilte den 34jährigen, aus Hanau stammenden Willi Lotz zu 3 Jahren Zuchthaus, den 19jährigen Karl W. und den 22jährigen Hans K. zu je 2 Jahren Gefängnis, den 19jährigen Karl S. zu 1 Jahr Gefängnis und den wegen Hehlerei angeklagten Josef Müller aus Frankfurt zu 3'/r Jahren Zuchthaus und Stellung unter Polizeiaufsicht- Todessturz in der Scheune. Lpd. Dillenburg, 16. August. Als die 55 Jahre alte Frau eines Mauerermeisters im be- nachbarten Frohnhausen in der Scheune arbeitete, rutschte die Leiter, auf der sie stand, auf ber zementierten Tenne aus. Die Frau stürzte und zog sich einen schweren Schädelbruch zu. Bald nach ihrer Einlieferung ins Dillenburger Krankenhaus Ehe Ursula in bas Hotelzimmer hinaufging, hielt Johannsen sie einen Augenblick zurück. „Und Sie werden nicht etwa Ihren Entschluß bereuen und heimlich nach Kempten zurückfahr-en?" fragte er ängstlich. Sie schüttelte den Kopf, „O nein", antwortete sie, „ich bin froh, daß ich es geschafft habe, ein zweites Mal brachte ich das nicht fertig, davonzulaufen. „Ursula?", fragte er, brach bann aber ab. „Was?" fragte sie dagegen. „Nichts!", antwortete er, „schlafen Sie wohl. Bis morgen —" „Bis morgen —", sagte sie und ging die Treppe hinauf, die mit roten Läufern belegt war. Er sah ihr nach, trat bann nochmals ins Freie hinaus, umkreiste das Hotel und betrachtete die erleuchteten Fenster. In einem von ihnen wurde für einen Moment Ursulas Gestalt sichtbar. Sie beugte sich hinaus, wandte ihr Gesicht dem Himmel und Den Bergen zu und ging wieder ins Zimmer zurück. Johannsens Hand ftreifte über die Blätter der Hecke am Zaun, seine Finger trafen auf eine Blume. Er brach sie ab, hielt sie gegen das Licht btt Laterne am Eingang des Hotels: Es war eine gan) ausgeblühte dunkelrote Rose. Mit einem leichten Schwung warf er sie in Ursulas Fenster. Er horte, wie sie drinnen mit leisem Rascheln zu Boden fiel. Ursula erschien wieder im hellen Fensterausschnitt. Sie hielt die Rose in der Hand und spähte stumm in die wehende Nacht hinaus- Sie sprach kein Wort, auch Johannsen sagte nichts, obwohl sie seine dunkle Gestalt deutlich unten sehen mußte. Er machte nur eine unbestimmbare Bewegung, als wolle er Erde, Himmel und Ursula umarmen, dann ging er schnell die Straße hinunter auf fein Gasthaus zu. Sochschulnachrichlen. Professor Dr. Georg Hohmann, Orbrnariu» für Orthopädische Chirurgie an ber Universität Frankfurt, wurde von der Deutschen Akademie der Naturforscher (Leopoldina) in Halle zum Mitglied ernannt. Die Entpflichtung des ordentlichen Professors für Tropenmedizin an der Universität Hamburg Dr. med. habil. Peter M ü h l e n s ist bis zum Ende des Sommersemesters 1940 hinausgeschoben worden. erlag sie ihren Verletzungen, ohne das Bewußt, fein wiedererlangt zu hohen. Landkreis Gießen. Oie Entwicklung der Leibesübungen in Grünberg. freunde und chichtlichen Ueb erb tick :or= in das Beamten- Förster er- 8. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) Wunderdini man besübung treibenden Vereine, sowie F' Anhänaer der Leibesübungen nach G ührt, so ist < umher. Herr des Himmels! Hatte man sich nicht w" verdinge von den Papieren versprochen? Hätte nicht bei den Kupferpreisen am Weltmarkt ein Wenn in einigen Tagen das Bundesfest des Kreises 8 Gießen im NSRL. die Lei- „Zum Teufel, ja!" fährt ihn der an. „Sie find »in Sicherheitskommissar... und ängstliche Leute »vie Sie riskieren nichts." „Verlieren aber auch nicht ein Vermögen, weil irgendwo in Südamerika ein paar schlechtgebaute Wruben versaufen. Fünf Minuten vor Börsenschluß Tarn das Kabel. Morgens ftand's in der Zeitung. Kleingedruckt, denn wen interessiert das sonst? Aber »le haben ein Vermögen drangesetzt." Holgerson läuft mit großen Schritten im Raum Helft dem Roten Kreuz! Auf alle kommt es an! Der Täter mitten unter uns Roman von Kurt Riemann Copyright by Verlag Oskar Meister, Weröau t Sa. führungen nur in kleiner Zahl zuließ. So entschloß man sich zu einem Um- bzw. Erweiterungsbau. Auf einen Aufruf an die Bürgerschaft Grünbergs und an auswärtige Gründerger wurden etwa 11000 Mark als Darlehen dem Verein zur Ver- üguna gestellt. Der Umbau brachte eine Verlängerung der Halle um 16 Meter, eine Bühne von 8X10 Meter, Anbauten für Geräte und Abortanlage, Einrichtung einer Wohnung für den Hauswärter, Zentralheizung u. a. und erforderte 39 000 Mark' Baukosten, was die Aufnahme von 19 000 Mark Hypotheken nötig machte. Die Einweihung, verbunden mit der Feier des 50jährigen Bestehens, erfolgte am 10. Dezember 1933. Das Jahr 1938 brachte nochmals bauliche Aenderungen: Einbau einer Kinoanlage und die Einrichtung einer Mietwohnung. Für das hierzu aufgenommene Kapital von 4000 RM. leisteten die Mitglieder des 23r~ und Fabriken, bei Feuersbrünsten, Katastrophen und durch feine sanitären Maßnahmen bei den großen Feiern und Veranstaltungen der Partei, der Wehrmacht und des Staates. Heute steht das Deutsche Rote Kreuz wieder als Hilfsorganisation der Wehrmacht und als Trager des sanitären Rettungs- und Hilfsdienstes seiner Ur. sprungsausgabe gemäß an vorderster Front. Die Bedeutung, die dem Deutschen Roten Kreuz im nationalsozialistischen Staat zukommt, wurde durch das Reichsgesetz vom 9. 12. 1937 eindeutig klargelegt. Das Gesetz dient, wie es in seiner Einführung heißt, dazu, die Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes zur Erfüllung seiner Aufgaben durch eine straffe Zusammenfassung seiner Kräfte zu erhöhen. Der Führer ist der Schirmherr des Deutschen Roten Kreuzes. Er hat durch die Uebernahme dieser Schirmherrschaft zum Ausdruck gebracht, daß er es als eine nationalsozialistische Organisation anerkennt, und daß die Männer und Frauen, die unter diesem Zeichen arbeiten, im höchsten Sinne die Pflicht nationaler Volksverbundenheit zu erfüllen haben. , „ AA_ Das früher in Deutschland aus nahezu 9 000 Vereinen und Verbänden bestehende Hilfswerk des Millionenvermögen damit machen können? ... Ein Millionenvermögen, das es gestattet hätte, sich von nen Fesseln einer Ehe zu befreien, die... oh, und bann platzt da irgendeine unterirdische Wasserader inö ersäuft alle Zukunststräume! Hatte er nicht alle Hoffnungen darauf gesetzt, '«eine Schulden, feine entsetzlichen Schulden ins Reine zu bringen? Und nun steht er da... ärmer iils je. Herrgott, es Hilst nichts... er ist ein ruinierter Mann! Ein Vermögen ist zum Teufel, ein vermögen, das er gar nicht besitzt, das ihm nur ;«orgestreckt ist... für das er sein Haus hat verpfänden müssen, fein Auto und seine Gagen für die nächsten drei Jahre! Eine widerliche Situation!... Der Tod des alten Perkins kam wirklich wie gerufen. Ja, es aing gar nicht anders, das mußte kommen. Na, und nun war es ja Gott sei Dank ® weit — Perkins ist tot! G „Tja, und was soll werden, Blumberg?" Der große stattliche Mann sieht achselzuckend zu !"em schmächtigen schmalen Unglücksboten hin. „Dieses Akttengefchäst war meine letzte Hoffnung. Landes Bürgschaft. Die Turnhalle in ihrer heutigen Gestalt erfüllt vor allem die von turnerischer Seite an sie geteilten Anforderungen, sie ist aber auch für das öffentliche und kulturelle Leben der Stadt Grünberg unbedingt nötig, da man bei allen größeren Veranstaltungen auf sie angewiesen ist. Aus dieser Erkenntnis haben Partei und Stadt ihre Veran- taltungen (Kundgebungen, nationale Feiertage, Gedenkfeiern u. a.) vertraglich in der Halle festgelegt. Auch das Turnen der Grünberger Schulen erfolgt seit dem Jahre 1901 in der Halle. Erwähnt ■ ei ferner, daß im Kriege die Halle als Lazarett diente und von 1915 bis 1919 mit Verwundeten belegt war; fünf Todesfälle kamen vor. Für die zehn gefallenen und zwei vermißten Mitglieder wurde bald nach dem Kriege eine Gedenktafel in der Halle angebracht. Der Turnverein ist von jeher fest in der Grünberger Bevölkerung verankert. Ein großer Teil ist in der Jugend als Mitglied im Verein tätig gewesen, und gar mancher davon hält dem Verein die Treue bis ins hohe Alter. So gibt es in Grünberg eine Anzahl Familien, die als die Hauptträger des Vereins angesehen werden, deren Namen man auch in den wichtigsten Aemtern des Vereins findet. Daher sind die wichtigsten Posten des Vereins oft Jahrzehnte in einer Hand gewesen: das Vorsitzendenamt verwaltete von 1884 bis 1906 K. H. Iök - kel, von 1906 bis 1921 Friedrich Schröder und ab 1921 Lehrer Karl Wenzel. Treue Dienste haben auch die beiden Brüder Schmidt dem Verein geleistet: als Turnwart Hch. Schmidt HI. von 1893 bis 1912 und als Leiter der Männerriege bis 1938, fein Bruder Karl Schmidt von 1907 bis 1937 als Kassenwart, nachdem dieses Amt vorher der Vater lange Jahre inne hatte. Als Turnwart kurz nach der Gründung hat sich auch Otto Robert mehrere Jahre betätigt, ebenso kurz vor und nach dem Kriege Fritz Gehringer, der Die Tatsache, daß die opfervolle und restlose Hingabe erfordernde Rotkreuzarbeit schon über sieben Jahrzehnte auf der Grundlage der Freiwil- ligkeit von den deutschen Männern und, Frauen geleistet rvorden ist, die Tatsache, daß diese Arbeit auch über die Jahre des nationalen Zusammenbruchs und der Wehrlosigkeit nach dem Kriege m das neue Reich Adolf Hitlers hinübergerettet wurde, ist ein Beweis dafür, daß ihr sine starke und dem Denken des deutschen Menschen entsprechende Idee zugrunde liegt. Der jetzt wieder stetig wachsende Zustrom an Mietgliedern und aktiven Helfern und Helferinnen bestätigt, daß das Deutsche Rote Kreuz eine frische lebensfähige Struktur erhalten hat, daß es die Jugend zu begeistern vermag. Die geschichtliche Leistung des Deutschen Roten Kreuzes, die Opferbereitschaft seiner Schwestern, Helfer und Helferinnen im Weltkrieg bedarf keiner besonderen Erwähnung. Unvergessen ist die segensreiche Tätigkeit des Roten Kreuzes in den Kriegslazaretten und im Hilfsdienst in der Heimat. Tausendfach bewährt hat sich in unsrer Zeit der Bereitschaftsdienst des Deutschen Roten Kreuzes durch seine Hilfeleistungen im Verkehrsdienst, im Gebirge, an den Seen und Flüssen, in den Gruben 8. Ein Werk, zwei Frauenund ein Mann. „Doktor Hellmers! ... Doktor ... Hellmers!" Mit einem ärgerlichen Kopfschütteln will Joachim den Rufer abweisen, aber immer von neuem schallt es durch die weite Werkhalle B, die heute so unheimlich verlassen daliegt. „Verdammt!" knurrt er und wirst den Schraubenschlüssel beiseite. „Was ist denn nun wieder los? Morell, gehen Sie mal nach vorn und gucken Sie nach! Ich bin heute vormittag nicht zu sprechen und ... herein kommt mir keiner, ehe ich nicht das Zeichen gebe!" „Sie können sich auf mich verlassen!" nickt Morell, zieht die Hose herauf, schnallt den Riemen fester und geht mit seinen großen, wiegenden Schritten zum einzigen offenen Eingang der Halle. Inzwischen ist der Doktor längst wieder in die Verschalung der Maschine gekrochen und gibt seine Anweisungen. An der Tür steht ein Junge, in dunkelblaues Tuch gekleidet, mit der gelben Mütze der Perkins- Werke auf dem Kopf, der Botenjunge aus dem Bürohaus. „Und was ist, Mac?" fragt Morell und legt dem Burschen seine mächtige Pranke auf die schmächtige Schulter. „Du weißt doch, daß der Doktor heute für keinen Menschen zu haben ist, nicht mal für 'n lieben Gott! Was kommste denn überhaupt erst angeschlenkert? Hopphoppl Troll dich, du blauer Affe!" Er gibt ihm einen Klaps aufs Hinterteil, schiebt sich bei der Gelegenheit noch schnell einen snschen Strang schweren Kautabaks zwischen die Zahne und zieht höchst erstaunt seine buschigen Augenbrauen auf, als Mac noch immer da ist. „Hallo!" orgelt er in höchster Verwunderung, und dieses „Hallo!" läßt sonst auch die schwerfälligsten Burschen schnell hüpfen. Denn das Donnerwetter wartet dann gewöhnlich keine Sekunden mehr« Darum ist Morell ehrlich erstaunt, als der Junge immer noch nicht geht. „Sag mal, bist du plötzlich leicht verblödet oder juckt dich dein Fell?" (Fortsetzung folgt) die ihm da in nüchternen Ziffern ins Gesicht starrt. Es ist ihm ein Vermögen, etn großes Vermögen. „So viel soll ich Ihnen schulden?" fragt er heiser. ,Sie vergessen, daß ich natürlich das Risiko des Geschäfts einkalkuliert habe. Das begreift jeder, der ein Geschäftsmann ist wie Sie und ich. Schließlich kann ich ja auch mal ans Verlieren kommen. „Sie nicht, Blumberg!" lächelt Holgerson gering« schätzig und streicht sich das Haar aus der schweiß- feuchten Stirn. „Sowas wie Sie fällt immer auf die Beine. Aber geben Sie her! Was bleibt mir anders übrig? Also Augen zukneifen und ... los!" Damit haut er seinen Namen auf den Wechsel, in großen steilen Buchstaben: Asbjörn Holgerson. Nein, man darf auch nicht allzu schwarz sehen. Warum macht man sich Sorge? In wenigen Tagen verfügt Vivie über unbeschränkte Mittel. Und Dwie wird das tun, was er rät und befiehlt. Punktum. Daran ist wohl nicht zu zweifeln. Sie ist in Geldsachen ein ahnungsloses Kind, sonst hatte er sie nie geheiratet. ei , Mit einer tiefen Verbeugung dankt Blumberg, faltet das kostbare Papier sorgfältig und birgt es umständlich in seiner Brusttasche. Nun wäre alles in Ordnung! Ich will auch nicht länger stören. Man hörfs, die Herren sind bereits recht luftig. Gestatten Sie, daß ich mich empfehle? ,Zch habe keinen innigeren Wunsch!" Schnell und geschmeidig verschwindet Blumberg. Eine Weile steht Holgerson noch still mit verknisfe- nem Gesicht. Ihm ist nicht gerade besonders fröhlich zumute. Wenn er die Augen schließt, hat er das Gefühl, als rase eine Lawine mit gewaltiger Geschwindigkeit gerade auf ihn zu, er aber steht wie erstarrt und kann ihr nicht ausweichen. Doch dies dumme Gefühl weicht bald dem unbezwinglichen Wunsch, das ganze Erleben der letzten Woche zu vergessen, sich zu betäuben und nichts mehr von Geschäften und Geld zu sehen und zu hören. . , ,, „Ach was ... herankommen lassen! Mit einer kurzen, wegwerfenden Gebärde schiebt er alle unangenehmen Gedanken von sich, loscht das Lickt und geht hinaus zu den andern, die mn MU dem tosenden Lärm einer halbtrunkenen Gesellschaft bereits jubelnd begrüßen. u , Jrünberg es wohl angebracht, einen kurzen ge- , , , Ueberblick über die Entwicklung der Leibesübungen in der Feststadt Grünberg zu geben. Wie an vielen Orten, erscheint auch in Grünberg als erster Leibesübung treibender Verein der Turnverein. Denn die heute in Grünberg außer dem Turnverein noch bestehenden Reichsbundvereine, wie Schi-Club und Tennis- Elub, sind erst in der Nachkriegszeit entstanden; ein längeres Bestehen hat zwar der Zweigverein des VHC. aufzuweisen. Der Turnverein kann auf ein 56jähriges Bestehen zurückblicken, schließt man dagegen seine Vorgänger ein, so kommt man auf ein Alter von über 90 Jahren. Der erste Turnverein entstand nämlich im Freiheitsjahre 1848 im Anschluß an einen Besuch Gießener Turner (Turnverein 1846) in Grünberg. Doch schon nach zweijähriger Dauer wurde er im Jahre 1850 mit der beginnenden Reaktionszeit aufgelöst. Erst im Jahre 1859, im Anschluß an die Hundertjahrfeier von Schillers Geburtstag, entstand er wieder. Der Verein war dann bei der endgültigen Bildung des Bezirkes Hessen — später Gau Hessen — am 5. Oktober 1862 in Gießen vertreten. auch viele Jahre die Turnerinnen-Abteilung geleitet hat, die dann später von den Turnerinnen Gertrud Bock und Dina Michel übernommen wurde. Weiter wirkten noch als Turnwarte: Karl Möser, Heinrich Listmann, Christoph Ritter, Otto K r e u d e r, Friedel Schröder, Ludwig Frank, Karl Schmadel, Karl Keil, Georg Rahn und Heinrich Schmadel. Der Turnverein war stets bestrebt, das turnerische Leben zu fördern. So findet man neben den aktiven Turnern später Abteilungen für Männer (1903), für Turnerinnen (1907) und nach dem Kriege für Schüler und Schülerinnen und Frauen. Zeitweilig bestanden auch Riegen für Fechten, Schwimmen und Handball. In früheren Jahren war es Gepflogenheit, alljährlich ein Schauturnen abzuhalten, während das öffentliche Auftreten sich jetzt meist auf das traditionell gewordene Winterfest zu Weihnachten beschränkt. Jeder Jahr werden zwei Turngänge abgehalten, von denen der Gang an Karfreitag in die Umgebung führt, während der an Himmelfahrt sich meist ein weiteres Ziel steckt. Diese Veranstaltungen sowie auch die Feier des Stiftungsfestes dienen der Pflege der Kameradschaft. Stets hat sich der Turnverein Grünberg der höheren Organisation angeschlossen und deren Ziele vertreten. Das geschah früher als Mitglied im Gau Hessen der Deutschen Turnerschaft und heute im Kreis 8, Gießen, des NSRL. An größeren Veranstaltungen durch die übergeordnete Organi-. fation hat der Verein bis jetzt abgehalten: 1892 das 20. Gauturnfest des Gaues Hessen, 1900 eine Gauturnfahrt, 1910 das 37. Gauturnfest, 1919 ein Bezirksturnen, 1926 das 6. Gaufrauenturnen, 1933 das 11. Gauschwimmen, 1934 das 1. Frauenturnen des Kreises 8 (Lahn-Dill), 1937 das Unter« kreisturnen für die Unterkreise Gießen und Alsfeld. Ebenfo wurden die früheren Gau- und Kreisfeste besucht, und oft kehrten Turner und Turnerinnen mit dem Siegerzeichen, dem Eichenkranz, geschmückt von diesen Veranstaltungen zurück. Das Deutsche Turnfest in Frankfurt (1908) ergab eine Beteiligung von 30 Mann und Stellen einer Vereinsriege; auch die weiteren Deutschen Turnfeste: Leipzig (1913), München (1923), Köln (1928), Stuttgart (1933) und Breslau (1938) wurden stets von sechs bis zehn Mitgliedern besucht. Infolge der früher bestehenden Scheidung zwischen Turnen und Sport kam es in Grünberg zur Gründung des Fußballklubs 1926, hie teilweise von früheren Mitgliedern des Turnvereins erfolgte, später entstand auch noch ein freier Fußballklub. Beide schlossen sich 1933 zusammen, aber 1937 löste sich der Verein auf. Die meisten Mitglieder traten dem Turnverein bei, der eine Fußb a l labtet- l u n g einrichtete. Eine Mannschaft spielt in der Kreisklasse, außerdem besteht eine Jugendmannschaft. Sie müssen nun warten, bis meine Frau ihre Erbschaft angetreten hat." „Will ich ja auch, Holgerson. Nur... das kann noch eine Weile dauern. Vielleicht gibt s Schere- reiC®ie1o? Was soll es da für Scherereien geben? Meine Frau erbt die halben Anteile. Ich bin genau im Bilde, daß der Verstorbene so verfugt hat! fährt ihn Holgerson unwirsch an Aber Blumberg ist nicht einzuschuchtern. .Hoffentlich hat er sich das nicht anders überlegt. Manche Leute ändern ihr Testament, wenn sie der Meinung siüd, daß die Erben von dem Erbteil nicht den erwünschten rechten Gebrauch machen. Man hat da natürlich seine Fühler ausgestreckt unb.. _ Er schweigt erschreckt, denn Holgersons Gesicht Familie auch nur ein Wort erfährt..." Aber ich bitte Sie, Mister Holgerson! Ich werde doch nicht schwatzen! Ich habe„nur gehorcht, ein wenig, ein ganz klein wemg . -. Halten Sie den Mund! Ich habe die Nase voll von Ihrem Geschwätz! Wenn Sie glauben, mich aus diese A^und Weise erpressen zu können, haben Sie sich geirrt. Meine Frau brmichtIhnen lernen Pfennig zu zahlen, wenn sie nicht will, und wenn ick morgen finge wie ein Rabe, können sie zusehen, bühr reifen darf. Also lenkt er em. Dann hat die Bank eine Unterlage. Dabei schiebt er lächelnd das so harmlos aus- sehende schlanke Papierchen auf den Dfch und halt einladend feinen Füllhalter bereit. wrüd Holaerfon tritt unwillkürlich einen «cyntk jurua ein, als er d.e Summe heft, herzlichen Glückwunsch. CO Eberstadt, 17. August. Am gestrigen Mittwoch mürbe der Zimmermeister i. R. Konrad MH es 81 Jahre alt. Der Schuhmacher Heinrich Jörl ach begeht am heutigen Donnerstag, 17. August, feinen 7 6., der Dauer Wilh. Müller nm morgigen Freitag, 18. August, feinen 7 3. Geburtstag. Die Jubilare nehmen an den Ereig« missen unserer Zeit noch reiften Anteil und erfreuen sich aller geistigen und körperlichen Frische. Wir beglückwünschen fie herzlich zum Geburtstag. D Lich, 16. Äug. Der beim hiesigen Forstamt rls Hilfsförster beschäftigte Friedrich Fay, in Zanasdorf wohnhaft, wurde durch Urkunde des Meichsforstmeisters unter Berufung ir Verhältnis zum planmäßigen v rannt. — Die ersten Arbeiten an der N e u h e r - I(Teilung der Butzbacher Straße wurden n Angriff genommen. Durch eine hiesige Daufirma vird Aur Zeit von der Bahnüberführung bis zum Inwesen Sten gier auf beiden Seiten der Straße in je drei Meter breiter Fußsteig angelegt, so daß ür die Straße eine 8,50 Meter breite Fahrbahn zur 3erfügung steht, die bei dem heutigen Verkehr auf | tiefer Straße unbedingt benötigt wird. Besonderer Schwierigkeiten halber kann die Straße in diesem Zchr leider nicht mehr fertiggeftellt werden. Z L i ch , 16. August. Im 86. Lebensjahre v e r - Ijtarb heute morgen im hiesigen Krankenhaus tzrl. Marie Brodt. Ueber 65 Jahre übte sie nhren Beruf als Büglerin aus, wovon fie 45 Jahre Hang alle fünf bis sechs Wochen nach dem etwa !5 Kilometer entfernten Kloster Arnsburg ging, um «auch dort ihrem Beruf nachzugehen. Ihre erstaun- Iliche Rüstigkeit ließ sie in den letzten Monaten moch diese Leistung vollbringen. Stets sah sie ihre 'Ausgabe darin, Kranken unb Verletzten zu helfen, iwie sie dies schon während des Krieges 1870/71 im dem damaligen Lazarett als Helferin tat. — 'Auch die älteste Einwohnerin unserer '.Stadt, die am 6.Mai 1852 geborene Frau Helene Wagner, „Tante Lenchen" genannt, schloß am Montag für immer die Augen. Auch sie war Büg- llerin, übte zwar in den letzten Jahren ihren Bern inicht mehr aus, besaß aber gleichfalls noch geistige turtb körperliche Rüstigkeit, die es ihr ermöglichte, ian allem Zeitgeschehen noch regen Anteil zu > nehmen. Schon im folgenden Jahre, am 7. Juni 1863, fand das erste oberhessische Gaufest in Grünberg statt. Bei diesem Fest wurde die Vereinsfahne geweiht, die heute noch im Besitze des Vereins ist. Auf dem 1865 in Alsfeld abgehaltenen 2. oberhessischen Gau fest wurde ein Grünberger Turner, der spätere Vorsitzende und Ehrenvorsitzende des Turnvereins K. H. Jöckel (t 1928), erster Sieger, während er zwei Jahre vorher als 2. Sieger aus dem Wettkampf hervorging. Die beiden Eichenkränze sind noch im Besitze des Turnvereins. Infolge innerer Zwistigkeiten schlief der Verein nach etwa lOjährigem Bestehen ein. Erst durch die Anregung des 14. Mittelrheinischen Kreisfestes in Gießen (1883) wurde in Grünberg im Anschluß an die 10jährige Stiftungsfeier der Freiwilligen Feuerwehr am 10. November 1883 im Gasthaus „Rappen" der Turnverein wieder ins Leben gerufen. Ueber ein Jahrzehnt mußte er oft feine Uebungsftätten wechseln. Der Saal im „Rappen" und das Brauhaus am Winterplatz wurden gewöhnlich im Winter benutzt, während Wagners Garten (heute Villa Emilia), Lehmkaute und Schulhof im Sommer als Turnplatz dienten; zum Teil wurden die Uebungsplätze in freimütiger Arbeit von den Turnern zurechtgemacht. Die fortmährende Suche nach einem geeigneten Turnplatz ließen schon früh den Wunsch nach einer eigenen Halle reifen. Geldsammlungen, Spenden, eine Verlosung, Veranstaltung von Abendunterhal- tun gen und vor allem eine rührige Sammelarbeit von Grünbergem in Amerika unter Führung des in Grünberg geborenen Philipp Heerz in Neu- york brachten eih Baukapital von etwa 7000 Mark zusammen. Nach Erwerb eines geeigneten Bauplatzes von dem Mitglied Otto Robert (f 1919), der die Hälfte feines Gartens an der Gießener Straße, 1761 Quadratmeter für 1056,60 Mark dem Verein käuflich überließ, fand am 1. Mai 1897 die Grundsteinlegung zur Turnhalle statt, die am 31. Oktober desselben Jahres feierlich eingeweiht wurde, Don den 26 000 Mark betragenden Baukosten wurden von der Bürgerschaft 16 000 Mark in verzinslichen Anteilscheinen zu 25 und 50 Mark übernommen. Dieser Betrag war bis zum Weltkrieg durch Schenkung und Auslosung auf etwa 12 000 Mark zurück- gegangen. Der Restbetrag wurde in der Inflationszeit getilgt, dafür mußte der Verein später statt Aufwertung eine größere Summe Obligationssteuer zahlen. Zur Erweiterung des hinter der Halle liegenden Turnplatzes, der selbst für die Abhaltung kleinerer Veranstaltungen nicht genügte, wurde im Jahre 1926 der 1600 Quadratmeter betragende Rest des Robertschen Gartens für 5000 Mark erworben. Außerdem schenkte die Stadt Grünberg einen Geländestr eisen von 56 Quadratmetern zur Verbreiterung der Einfahrt. Schonz bald nach Errichtung der Turnhalle wurden alle größeren Veranstaltungen und Festlichkeiten in ihr abgehalten, da die anderen Säle dafür nicht genügten. Nach dem Kriege erwies auch sie sich für manche Veranstaltungen zu klein, ebenso unzulänglich war die Bühne, die turnerische Vor- [p Loll -ar, 16. Aug. Heute begann in der hiesigen Schule wieder der Unterricht nach den Sommerferien. Ein Teil der Schüler hatte in den Ferien Reisen gemacht oder war auf Fahrt und in ßaaem gewesen. Einige Pimpfe haben die Eger- landfahrt der Hitler-Jugend mitgemacht. Besonders sie wußten viel zu erzählen, hatten sie doch die große Freude, mehrmals den Führer zu sehen. Während der Ferien wurde das sog. Neue Schulhaus einer teilweisen Erneuerung unterzogen. Das Alte Schulhaus war schon im vorigen Jahr erneuert worden. Die dritte Klasse betreibt mit großem Eifer nun noch die letzten Vorbereitungen für hren Lands chulheimauf enthalt, den sie am nächsten Montag unter Führung ihres Lehrers, Rektor Ruckelshaufen, antritt. Sie wird acht läge in dem herrlich gelegenen Landschulheim in herche nhain im Vogelsberg zubringen. — Eine Gefahrenstelle, die schon manches Opfer gefordert nal, fall nun endlich beseitigt werden, der unge = chützte Bahnübergang de r Lum d ab a h n aber die Adolf-Hitler-Straße. Die (Sinmünbung der Lumdabahn in die Hauptbahn soll weiter nordöstlich aerlegt werden, die Lumdabahn soll die Straße in einer Unterführung kreuzen. Eine weitere gefähr- Üche Stelle, die ebenfalls schon verschiedene Men- chenleben gefordert hat, befindet sich in der Orts- mitte an der Einmündung der Bahnhofstraße in die Adolf-Hitler-Straße. Die Beseitigung dieser Ge- -ahrenstelle ist schon seit einiger Zeit ins Auge ge« iafet. Die Stelle soll nun durch den Abbruch -,weier Gebäude übersichtlicher gestaltet werden. Die Jemeinde hat zu diesem Zweck die in Frage kommenden Häuser bereits angekauft. Mit den Arbeiten soll demnächst begonnen werden. ch Watzenborn-Steinberg, 17. August. Mm gestrigen Mittwoch konnte der Landwirt Johan- aes Philipp XIII., Gießener Straße 40, in "orperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 8 0. G e - , u r t s t a g feiern. Johannes Philipp war über ;ehn Jahre lang Rechner der Spar- und Dar- ehenskasse Watzenborn-Steinberg, zu deren Gründern er zählt. Noch heute Hilst der Jubilar rege m der Landwirtschaft mit. Nachträglich unseren Roten Kreuzes wurde auf Grund des Gesetzes energisch in eine schlagkräftige und stets einsatzbereite Organisation umgewandelt. Führende Männer und Frauen der Partei wurden an seine Spitze gerufen. Eine soldatisch straffe und organisatorisch zweckmäßige Gliederung machen es zu -einem Instrument, das in Notzeiten rasch und erfolgreich eingesetzt werden kann. Die Aufgabe des Deutschen Noten Kreuzes muß es sein, das Vertrauen des Führers durch Leistungen zu rechtfertigen. Die äußere Form der Organisation ist geschaffen. Es gilt nunmehr, die Ausbildung zu erweitern und die Bereitschaft zur Mitarbeit auch in noch fernstehenden Kreisen zu wecken. Die Erfolge der Vergangenheit müssen zu neuer Tat anspornen. Das Ansehen, das das Deutsche Rote Kreuz genießt, kann nur auf einer vorbildlichen Haltung seiner Träger beruhen. Sur Durchführung seiner verantwortungsvollen Aufgaben braucht es die Mithilfe und Unterstützung der noch abseits stehenden Volksgenossen. Nur in gemeinsamem Bemühen mit allen Kräften der Nation kann das Deutsche Rote Kreuz ein Hilfswerk fein, das überall und zu jeder Zeit der Gesamtheit des deutschen Volkes dienen kann. SJL-tfport Weitere Zusagen für die Winterspiele. Beim Organisations-Komitee der V. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen sind weitere Zusagen zur Teilnahme eingelaufen. Ihre Meldungen gaben Frankreich, Finnland, Griechenland, Groß-Britannien, Jugoslawien, die Niederlande und die Slowakei ab. Deutschland nicht mit eingerechnet, haben bis jetzt 14 Nationen ihre Teilnahme in Aussicht gestellt. Es sind dies noch Belgien, Bulgarien, Italien, Lettland, Liechtenstein, Norwegen und Ungarn. 1200 ausländische Schiläufer wurden vom Organisations-Komitee zur Teilnahme am „Tag des Schisports" bei den V. Olympischen Winterspielen eingeladen. Die Läufer sind vom Tage der Abreise aus der Hauptstadt ihres Landes an Gäste des Organisations-Komitees. Dr. Lippert, der Oberbürgermeister und Stadtpräfident Berlins, wird die olympischen Symbole zum Beginn der V. Olympischen Winterspiele 1940 nach Garmisch-Partenkirchen bringen. Jugend im Meisterschastskampf. 2600 Zungen und Mädel treten in Chemnitz an. Zum drittenmal ruft in diesem Jahre die Hitler- Jugend ihre Gefolgschaft zu den Deutschen Jugendmeisterschaften auf, die vom 22. bis 27. August in Chemnitz die sportlich tüchtigsten Jungen und Mädel im Leistungskampf zusammenführen. 1937 war schon im Rahmen der NS.-Kampfspiele in Nürnberg der Jugend eine Meisterschaft in einzelnen Disziplinen eingeräumt. Nachdem dann die HI. fast sämtliche Sportarten in den Wettkampfbetrieb ihrer Leistungssportgruppen ausgenommen hatte, konnte bereits den II. Deutschen Jugendmeisterschaften in Frankfurt a. M. eine breite Grundlage gegeben werden. Dieser große Rahmen ist auch für 1939 beibehalten worden. Jungen und Mädel kämpfen in Chemnitz um die Titel in der Leichtathletik, im Schwimmen, Tennis, Handball und Hockey, die Hitlerjungen bestreiten außerdem ein Fußballturnier und Meifterschaftswett- beroerbe im Kleinkaliberschießen. In allen HI.-Ein- heiten, Jugendabteilungen des NSRL. und den freiwilligen Sportdienstgruppen wurde mit äußerstem Fleiß geübt und trainiert, um in Chemnitz bestehen zu können. 2600 Jungen und Mädel sind auf Grund ihrer Leistungen zugelassen worden, gegen 1938 eine Steigerung um 600 Bewerber. Daß wiederum mit größtem Einsatz und Ehrgeiz unter den Augen der Reichsjugendführung gekämpft wird, versteht sich. Schon im letzten Jahr wurden in Frankfurt beachtliche Leistungen erzielt, und mancher Hitlerjunge und zahlreiche Mädel rückten auf Grund ihrer Ergebnisse in die erste Klasse des deutschen Sports vor. HZ.-Gebietsmeisterschasten im KK.-Schießen. Bann 116 vertreten. NSG. Als Vorentscheid für das KK.-Schießen um die Deutsche Jugendmeisterschaft in Chemnitz wurden die gebietsbesten Schützen ermittelt. Bedingung waren 20 Schuß liegend frei auf die Zwölfer- Ringscheibe. Es wurden nachstehende Ergebnisse erzielt: 1. Hermann Schwalb, Bann 254 (Sch.-G. Büdingen), 218 Ringe; 2. Helmut Leonhardt, Bann 287 (Sch.-G. Sprendlingen), 218 Ringe; 3. Horst Niederberger, Bann 117 (Sch.-G. Mainz), 212 Ringe; 4. Wilhelm Erk, Bann 254 (KKS. Nidda), 212 Ringe; 5. Best, Bann 116 (KKS. Nieder-Wöllstadt); 6. Bossing, Bann 117 (Sch.-G. Mainz); 7. Karl Gertmann, Dann 392 (KKS. Großenhausen); 8. Karl Ochs, Bann 81/186 (KKS. Sossenheim); 9. Reinhardt Schnautz, Bann 303 (KKS. Frohnhausen); 10. Kurt Jungels, Bann 303 (KKSch.-Gilde Herborn). Leichtachleiik-Länderkamps gegen England. Die deutschen Leichtathleten, die in diesem Jahre bisher so glänzend abschnitten, deutsche und Weltrekorde aufstellten, gegen Frankreich, Luxemburg, Dänemark, Italien, Jugoslawien und Rumänien mit großartigen Siegen aufwarteten, stehen am kommenden Sonntag vor einer neuen Kraftprobe. Im Kölner Stadion 'geht es zum sechsten Male gegen England. Fast genauf auf den Tag vor zehn Jahren fand in London die erste Begegnung Deutschland — England statt, die damals nur aus Staffeln bestand. Später kamen Einzelwettbewerbe hinzu, immer aber überwogen die Läufe die technischen Hebungen. Nach vier deutschen Ersolgen blieben die Engländer vor zwei Jahren im Londoner White- City-Stadion mit 69:67 Punkten zum erstenmal siegreich. Harbig als Sieger der 800 Meter gewann damals den einzigen Lauf-Wettbewerb. In den technischen Konkurrenzen holten unsere Vertreter bis 66:66 auf, aber die abschließende Olympische Staffel gab den Ausschlag zugunsten Englands. Wenn wir heute die Lage bettachten, dann kommen wir zu dem Schluß, daß die Ueberlegenheit der Deutschen in den technischen Disziplinen geblieben ist, daß aber unsere Läufer die Enaländer erreicht, teilweise sogar überflügelt haben. Leider müssen unsere Gäste in Köln auf ihren verletzten Weltrekordmann Wooderson verzichten. Da auch der Start der beiden Langstreckler Pell und Emery nicht sicher ist, werden die Engländer um eine hohe Niederlage kaum herumkommen. »Willkommen in Köln!" Reichsfachamtsleiter Rr. Ritter von Halt richtet an die englischen Leichtathleten, die zum Länderkampf am kommenden Sonntag nach Köln kommen, folgenden Gruß: „Mit besonderer Freude heiße ich in diesem Jahre die englische Mannschaft in Köln willkommen. Wir wissen aus der Erfahrung unserer früheren Begegnungen, daß wir in Euch auf einen ritterlichen und hartnäckigen Gegner unserer Mannschaft treffen. Euere Läufer verstehen es ganz besonders zu kämpfen und in Form zu sein, wenn es gilt, für das Ansehen und die Geltung des britischen Sports einzutreten. In einer spannungsvollen Zeit, in der viele Verbindungen zwischen den Völkern unterbrochen sind und 'manche Brücke gesperrt ist, bedeutet ein Kampf unter Sportlern eine Gelegenheit zur Fühlungnahme. Diese Fühlungnahme ist möglich und wertvoll, weil sie auf dem absoluten Gefühl der gegenseitigen Achtung und der Anerkennung der Leistungen beruht. In unserem Stadion erkennen wir neidlos die bessere Leistung an. Beide Mannschaften wissen zu kämpfen, zu siegen und mit Anstand zu verlieren. Aus dieser Begegnung und aus diesem Erlebnis gewinnen beide ein Bild voneinander, das zu gerechten Urteilen führt und dem Gemeinsamen beider Völker dient. Wir freüen uns herzlich und aufrichtig, unsere englischen Kameraden t3u begrüßen und gegen sie zu kämpfen." Mens SA.-Mnner bei denAS.-ftampsspielen. GA.-Standarte 116 mit zwei Fechtern vertreten. NSG. Nach den Reichswettkämpfen der SA. in Berlin, die die Besten der SA. ermittelt haben, rüstet sich- nun die SA. zum schwersten Kampf, für die NS.-Kampfspiele in Nürnberg, um hier gegen Kameraden der anderen Gliederungen sowie gegen Wehrmacht, Arbeitsdienst und Polizei bestehen zu können. So wie jede andere SA.-Gruppe des Reiches stellt auch Hessen in diesem Jahre wieder eine erlesene Schar von Kämpfern. Als Reichssieger im Handgranatenweitwurf Kl. B. stellt die SA.-Gruppe Hessen in Nürnberg selbstverständlich die Mannschaft für diese Konkurrenz. Das gleiche trifft für den Reichssieger SA.-Mann Minnich, Standarte 81, zu, der sich durch feinen Sieg im 200-m-Bru st schwimme n die Anwartschaft für Nürnberg wohl verdient hat. Minnich startet dann auch noch in der Lagenstaffel und in der 4 X 100-m-Bruftftaffel der Bei dem Führerkampf Klasse A stellt die SA.- Gruppe Hessen Obersturmführer Mann, Brigade 48, und in der Klasse B Sturmführer Geier, I 33. Beim modernen Fünfkampf, der bei den NS.-Kampfspielen nur in der Klasse B durchgeführt wird, also statt Geländeritt eine Geländefahrt mit dem Motorrad vorsieht, sind von der SA.- Gruppe Hessen vertreten Obertruppführer Lenz, Standarte 63 und Rottenführer Wölfelschneider, Gruppenftab. Zum 400-m-Lauf stellt die Gruppe drei starke Männer nämlich SA.-Mann Seibert, Standarte 87, Truppführer Hohlbein, Standarte 63, und SA.-Mann Helmle, Standarte 63. Letzterer konnte wegen einer Verletzung bei den Reichswettkämpfen in Berlin nicht stark in Erscheinung treten. Seibert und Hohlbein starten dann noch beim 400-m-Hür° denlauf und mit Helmle zusammen auch m der 4 X 400-m-Staffel. Für den Diskuswurf meldet die Gruppe Scharführer Simon, Standarte 81, und dann kommen die Schwerathleten, die zahlreich vertreten sind. Bei dem Gewichtheben sehen wir den bekannten Sturmmann Mühlberger wieder, der voraus- sichtlich im Federgewicht startet und beim Boxen und im Bantamgewicht Sturmmann Stasch, Standarte 83. Da bei den NS.-Kampfspielen nur Mannschaftskämpfe im Säbelfechten ausgetragen werden, wird die Vertretung der SA. hier wiederum vollkommen von der SA.-Gruppe Hessen gestellt. Die SA. meldet zum Säbelfechten zwei Mannschaften mit folgender Aufstellung: 1. Mannschaft: Obergruppenführer Beckerle, Obersturmführer Jakob, Oberscharführer Schöndube, Rottenführer Löffler, Rottenführer Dienstbach und Sturmmann F. Martin. 2. Mannschaft: Oberscharführer L. Gerhard, Scharführer W. Gerhard, (beide SA.- Standarte 116 (Gießen), Rottenführer Welker, Rottenführer Klaus, Sturmmann H. Martin und Sturmmann Rotfuß. BfB.-ReichSbahn-Leichtathletik. In unserer Dienstag-Ausgabe berichteten wir bereits über das erfolgreiche Abschneiden der Leichtathleten vom DfB.-R bei den Nationalen Oranien- kampfspielen in Diez. Außer den Sportlern Gern- mer und Schmuck konnten sich auch die Frauen ausgezeichnet schlagen. Die Frauenstaffel konnte in der Besetzung Weber, Ludwig, Repp und Diehl einen sehr ehrenvollen dritten Platz hinter den Mannschaften BFV. Bonn und der Eintracht Frankfurt a. M belegen. Die erzielte Zeit war 55,2 Sek. Frl. Diehl konnte im Weitsprung ihren Erfolg im Vorjahr (1. im Weitsprung mit 5,22 Meter) nicht wiederholen. Sie wurde diesmal mit der ansprechenden Leistung von 4,95 Meter Dritte hinter Frl. Burgunder, BFV. Bonn mit 5,05 Meter und Frl. Kück vorn BFV. Bonn, das 5,15 Meter erzielte. Den Hochsprung der Frauen gewann die hessische Gaumeisterin Frl. Staudt, Limburg, mit 1,55 Meter. Frl. Diehl belegte auch in dieser Konkurrenz den dritten Platz mit 1,30 Meter. Dr. Jakob beteiligte sich erstmalig wieder im Speerwerfen der Klaffe I. Mit einem Wurf von 45,80 Meter wurde er Dritter. Sonderwecheichen für den Reichsparieitag. i * Die Reichspost gibt zum „Reichsparteitag des Friedens 1939" eine Sondermarke mit dem Bildnis des Führers (rechts) heraus. Unser Bild links zeigt den F r e i g a b ejt e m p el für eine Festpostkarte. Der Entwurf stammt von dem Maler urtd Graphiker Bernd Schachert aus Hamburg-Großflottbek. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Rundfunkprogramm. Freitag, 18. August. 5 Uhr: Frühmusik. Musikkorps der Fliegerhorst- Kommandantur Kassel. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Morgenlied, Morgenspruch, Nachrichten, Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. Musikkorps des 1. Flak- Regts. 11. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: „Spann die Rößlein vor den Wagen". 8.40: Froher Klang zur Werkpause. Es spielt das Hermann-Hagestedt-Or- chester. 10: Schulfunk. Der Ueberseehafen. Eine Hörfolge. 10.30: Schulfunk. Wal! Wal! Schiffsjungen berichten von ihrer Fahrt in die Arktis. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. Das kleine Orchester des Neichsfenders Saarbrücken. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Stimmen, die uns begeistern. Margarethe Teschemacher und Franz Völker. 16:Aus dem Palmengarten Frankfurt a. M.: Nachmittagskonzert. Das Palmengarten-Orchester. 17 bis 17.10: Ein Traum erfüllt sich auf der Adria. Plauderei voy einer KdF.-Hoch- fee-Segelfahrt. 18: Dor den Toren der Nibelungenstadt. 18.15: Sport der Woche und für Sonntag. 18.30: Das soll von Wilhelm Busch sein? Eine Hörfolge. 19.15: Tagesspiegel. 19.30. Hau — Ruck, der Westwall steht! Zeitfunk für die Männer am Westwall. 20: Nachrichten. Anschließend: Hier spricht die Reichsgartenschau. 20.15: Im Marschtritt der SA. 21: Ser en ad en ab end im Hof der Residenz in Salzburg. Werke von Mozart. Das Mozarteum- Orchester Salzburg. 22: Nachrichten. 22.15: Sport in Kürze. 22.20: Wissen und Fortschritt. Konsul E. E. Timm: Der weltwirtschaftliche Monatsbericht für Juli, 22.35: Volks- und Unterhaltungsmusik aus dem Bäderdreieck Karlsbad — Marienbad — Franzensbad. Samstag, 19. August. 5 Uhr: Frühmusik. Das Rundfunkorchester. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Morgenspruch, Nachrichten. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Deutschland — Kinderland. „Mutter, laß mich auf die Gasse zu den anderen." 8.40: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Gaunachrichten. 10: Schulfunk. Schwert im Osten. Hörszenen aus der Geschichte des deutschen Ordens in Livland. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert I. Die Wiener Symphoniker. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert (Fortsetzung). 14: Nachrichten (auch aus den, Sendebezirk). 14.10: Liebeslust und -leid. (Jndustrie- Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Stimmen aus dem Alltag. 15.30: Die Erde verpflichtet. Eine Hörfolge aus dem Landjahr. 16: In bunter Folge. Ein musikalisches Perpetuum mobile. 18: Und abends, wenn kein Dienst mehr drückt. Die Wehrmacht spielt. Musikkorps der Fliegerhorst-Kommandantur Wiesbaden-Erbenheim. Als Einlage: Mit Kurzwellensender und Mikrophoi, über den Wolken. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Bühns und Film im Rundfunk. 20: Nachrichten. 20.15: Abendkonzert. 22: Nachrichten. 22.15: Sport im Kürze. 22.20 bis 24: „Frohes Wochenende auf beim Bodensee" in Verbindung mit der NS.-Gemeinschafä „Kraft durch Freude" vorn Dampfer „Allgäu". Wirtschaft. Mein-Mainische Börse. ZUiftagsbörfe: kleine Veränderungen. Frankfurt a. M., 16. August. Angesichts der weiterhin nur mäßigen Aufträge der Kundschaft blieb das Geschäft an der Börse im bisherigen ruhigen Rahmen, zumal besondere Anregungen weiterhin fehlten. An den Aktienmärkten entwickelten sich die Kurse infolge der zufälligen Auftragserteilung nach wie vor uneinheitlich, im allgemeinen ergaben sich aber nach beiden Richtungen nur kleine Veränderungen. Eine Sonderbewegung lag bei Conti Gummi vor, die um 2,75 v. H. anstiegen auf 219. Etwas regeres Geschäft hatten Elektro- und Versorgungswerte. Während AEG. mit 111,25 und Schlickert mit 170 unverändert ankamen, zogen Lähmeyer auf 108,75 (108) und Betula auf 162 (161,50) an, hingegen bröckelten Gesfürel auf 125,75 (126), Siemens nach Pause auf 187,50 (188) und Lechwerke ebenfalls nach Paus.' 1 v. H. ab auf 95. Maschinenaktien und Chemie-verte blieben gut behauptet, Rheinmetall 1 v. H. gebessert auf 116, IG. Farben gewannen 0,25 v. H. auf 148. Montanpapiere konnten sich vorwiegend nur knapp behaupten, Verein. Stahl 97 (97,13), Mannesmann 102,50 (103), Hoesch 105,65 (105.90), Rheinstahl ca. 121 (122), aber Buderus 94,50 (94). Der Rentenmarkt war weiterhin ohne Anregung und still. Reichsaltbesitz leicht nachgebend auf 132,13 (132,20), ebenso Dekosama I auf 136,75 (136,90). Andererseits Reichsbahn-VA. 0,13 v. H. erhöht auf 123. Von Industrie-Obligationen schwächten sich 6 v. H. IG. Farben auf 119,50 (120), 5 v. H. Eisenbahn-Rentenbank Frankfurt auf 96 (96,50) ab, dagegen 4,50 v. H. Mainkraft 93,25 (93). Am Pfandbriefmarkt ermäßigten sich Kasseler Lan- deskredit Komm.-Obl. auf 98,50 (99), im übrigen blieben die Kurse unv., auch Liquidationswerte. Staats- und Stadtanleihen lagen ruhig. Im Freiverkehr gingen Kommunal-Umschuldung mit 92,8272 (92,75) um, Steuergutscheine I weiter gefragt und 5 Pfg. höher mit 98,15. Im Verlaufe herrschte ausgesprochene Lustlosigkeit und Geschäftsstille, weitere Abschlüsse blieben aus. Von den später notierten Papieren, die im allgemeinen ebenfalls nur kleine Veränderungen aufwiesen, sind Rheinstahl mit 121 (122), Klöckner mit 114 (115.50), andererseits Demag mit 140 (138,75) und Berger Tiefbau mit 146 (144,75) zu erwähnen. Der Freiverkehr war geschäftslos. Tagesgeld uno. 2,50 v. H. Abendbörse freundlich. Obwohl mangels Kundschaftsbeteilgung fast völlige Geschäftsstille herrschte, übertrug sich die freundliche Grundhaltung des Mittagsverkehrs auch auf die Abendbörse. Am Aktienmarkt hatten IG. Farben zu 148,40 (148,13) vergleichsweise lebhaften Umsatz, im übrigen erfolgten die wenigen Notierungen fast ausschließlich nominell. Etwas erhöht waren u. a. AEG. auf 111,75 (111,25), MAN. auf 142,50 (142), Gesfürel auf 126,50 (125,75) und Mannesmann auf 102,90 (102,50). Andererseits bröckelten Buderus auf 94 (94,50), Deutsche Erdöl auf 117,50 (118), Hoesch auf 105,50 (105,65) und Reichsbank auf 179,50 (179,65) ab Stahlvereim mit 97, Rheinstahl mit 121, BMW. mit 132, Adler: mit 96,50, Scheideanstalt mit 205, Holzmann mit 152, Metallgesellschaft mit 110,25, Daimler mit 11$ und VDM. mit 170 lagen u. a. unverändert. Dom Renten wurden 6 v. H. IG. Farben zu um 119,50 gefragt. Steuergutscheine I nannte man im Telefonverkehr mit 98,15—98,20 per Januar-März;. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 16. Aug. Es notierten (Getreide je Tonne,, alles übrige je 100 Kilogramm) im RM.: Weizen W9 195, WH 197, W 12 198, W 13 199, W 16 202, W18 204, W 19 206, W 20 208 , Roggen R11 181, R12 182, R 14 184, R15 185-, R16 187, R17 188, R18 189, R19 191 Groß» Handelspreise der Mühlen der genannten Preis« gebiete. Futtergerste —, Futterbafer —. WeizenmM Type 812 W 13 bis W 20 einschl. Kreis Alzey 30,05-, W 20 Kreis Worms 30,40, do. Type 630 W 13 bis W 20 einschl. Kreis Alzey 31,20, W 20 Kreis Worms 31,55, do. Type 1600 W 13 bis W 20 einschl. Kreis Alzey 23,05, W 20 Kreis Worms 23,55, Roggenmehl Type 997 R 12 22,45, R 15 22,80, R 16 22,95, R18 23,30, R 19 23,50 alles zuzüglich 50 Rpf. Frachi- ausgleich. Weizenfuttermehl W 19 13,60, Weizenvollkleie W 19 11,60. Weizenkleie W 13 10,75, W16 10,90, W 18 11,00, W 19 11,10, W 20 11,20 Mühlen - feftpreis ab Mühlenstation. Roggenfuttermehl R18 12,90, Roggenvollkleie R 18 10,£K). Roggenkleie R12 9,95, R15 10,15, R16 10,25, R18 10,40, R1S 10,50 Mühlenfestpreis ab Mühlenstation. Treber — Wiesenheu, handelsüblich 5,00 bis 5,20, do. gut, gc> sund, trocken 5,60 bis 6,00; Ackerheu, gut, gesund', trocken 6,00 bis 6,30; Kleeheu, handelsüblich 6,00 bis 6,40, do. gut, gesund, trocken 6,40 bis 6,80; Lu" zerneheu, handelsüblich 6,60 bis 7,00, do. gut, gesund, trocken 7,00 bis 7,50; Weizenstroh, bindfaden- gepreßt ober gebündelt (alte Ernte) 2,50, Roggen" stroh, do. 2,70, Hafer- und Gerstestroh, do. 2,30 bi> 2,40 Erzeugerpreis ab Erzeuger-Verladestation. Tem denz: ruhig. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 17. Aug. (Vorbericht.) Uim 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb 706 Rinder (79 Ochsen, 145 Bullen, 329 Kühe, 153 Färsen), zirka 500 Kälber, 40 Hämmel, 20 Schafe: 691 Schweine. Es kosteten: Ochsen 37,50 bis 46,50 Reichsmark, Bullen 40,50 bis 44,50, Kühe 20 bis 44,50, -Färsen 36,50 bis 45,50, Kälber 35 bis 65, Hämmel 40 bis 50, Schafe 25 bis 42, Schweine 53 bis 62 RM. — Marktverkauf: Großvieh, Kälber unB Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe flott. Schweinemarkt in Hamberg. —.— Homberg, 16. Aug. Der Austrieb zm* heutigen Schweinemarkt betrug nur IW Ferkel. Sechs bis acht Wochen alte Ferkel wurden mit 15 bis 20 RM., acht bis zehn Wochen alH mit 18 bis 25 RM. und zehn bis zwölf Wacher alte Ferkel mit 20 bis 35 RM. bezahlt. Markü- verlauf ruhig, es verblieb etwas Ueberstand. Sprechstunden ver:-reoattlon 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Scunstagnachk mittag geschloffen.