Nr.N4 Erstes Blatt 189. Jahrgang Mittwoch, I?. Mai 1939 IN Oie Neuordnung des italienisches Heeres Oer Führer prüft die Arbeiten am Westwall neuen Aufgabe Typs der Division geführt, besser ihrer gerecht zu werden, geradewegs auf ihr praktisch völlig gelähmt. Diejenigen Radikal- Sozialen, die gegen die neue Außenpolitik Da- ladiers eingestellt sind, sind angesichts des moralischen Niederbruchs an ihrer linken Flanke zum Stillhalten verurteilt. Auf den Volksfrontrausch von 1936 ist drei Jahre später auf der französischen Linken ein Katzenjammer von noch nie dagewesenem Ausmaß gefolgt. Es war eben zu viel russischer Fusel in dem Trank. Die Volksfront ist an ihrer inneren Verlogenheit Zugrundegegangen. Bis sich eine neue Linke formiert haben wird, dürfte noch viel Wasser die Seine herunterfließen — und bis dahin hat das Kabinett Daladier die Hände frei Unsere Ausnahme zeigt den Führer bei der Besichtigung. Hinter ihm der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generaloberst Reiteli rechts vom Führer General der Infanterie von Mjtzltzb^m — (Presje^llustxationM'ZoÜwgM'W^ Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis 8V,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrist nach vorh. Dereinbg.25"/, mehr. Lrmähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzei- yen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B bildung begriffen. Die Erfahrungen in Ostafrika, in den sizilianischen Manövern des vergangenen Jahres und in Spanien hätten zur Bildung eines Morizet. Immerhin — der pazifistische Flügel ist stark genug, um eine Uebersteigerung des pro-russischen Kurses zu vermeiden. In eingeweihten Kreisen rechnet man damit, daß auch der Pfingstkongreß der Partei keine endgültige Entscheidung bringen wird, und daß der Streit in den eigenen Reihen weitergeht. Da die Kommunisten gänzlich isoliert sind und die Sozialisten sich in inneren Kämpfen vermehren, ist die französische Linke Oer Kurswechsel in Ankara. Don unserer berliner Schriftleitung. Kr. Berlin, 17. Mai. Das türkisch-englische Abkommen, das praktisch einen Verzicht der Türkei auf feine bisherige neutrale Haltung gegenüber den Großmächten und den sich zwischen ihnen bildenden Blocks darstellt, dient in erster Linie den Interessen Englands. Ob die Türkei bei dieser Haltung ihre eigenen Interessen gut aufgehoben sehen wird, kann erst die Zukunft lehren, doch schon heute finden sich bei den Nachbarn der Türkei Stimmen, die der türkischen Haltung nicht gerade Geschmack abge- * winnen. Der Kaufpreis, den die Engländer für diesen Vertrag gezahlt haben, ist zunächst der Sandschak Alexandrette, den Syrien an die Türkei abtreten soll. Es ist also ein echt englisches Geschäft, bei dem London wieder einmal mit fremdem Eigentum zahlt, eine Methode, die sich in seiner vielhundertjährigen Geschichte immer wieder bewährt hat. Wieweit die kleinasiatischen Jn- fein Griechenlands, die für die Türkei aus strategischen Gründen von Bedeutung sind, dabei ebenfalls eine Rolle spielen, ist noch nicht recht zu erkennen, möglich, daß sie noch als Köder für künftige Fälle zürückgehalten werden. Die Türken geben vor, daß der Ausbau der italienischen Flottenbasis auf dem Dodekanes sie veranlaßt hätte, eine aktive Zusammenarbeit mit der stärksten Seemacht der Welt im östlichen Mittelmeerbecken aufzunehmen. Aber auch diese Frage betrifft eigentlich nur rein englisches Interesse, wie überhaupt die türkisch-englische Annäherung, die seit der Konferenz von Nyon im September 1937 zusehends enger geworden ist, bisher den allein sichtbaren Zweck hatte, Englands Einfluß zur See im östlichen Mittelmeer zu stärken. Mit diesem Kurswechsel der Türken hat der Balkanbund sein Gesicht vollkommen geändert. Früher war es gerade die Türkei gewesen, die am energischsten den Standpunkt vertreten hatte, sich von den Großmächten unabhängig zu halten, um auf diese Weise allen Streitigkeiten aus dem Wege zu gehen. Die anderen Balkanstaaten hatten sich dieser Ansicht angeschlossen und glaubten ihre Neutralität und damit ihre Integrität wohl aufgehoben zu sehen. Es entsteht nun die Frage, was jetzt aus dem Balkankund werden soll, da bei weitem nicht alle seine Mitglieder gesonnen sind, dem Beispiel der Türken zu folgen. Die Balkanstaaten müssen also neue Standpunkte beziehen, und man kann nicht behaupten, daß der Frieden in diesem Teil Europas damit eine Stärkung erfahren hätte. Daß die Regierung von Ankara die Absicht haben könnte, sich vom Balkan und damit aus Europa überhaupt zurückzuziehen, darf nicht angenommen werden. Wenn auch nach dem Abkommen von Montreux die Türkei sich eine wesentliche Einschränkung seiner Souveränität über die Meerengen gefallen ließ, so ist doch nicht anzunehmen, daß sie die Absicht hat, Positionen zu räumen, die sie immerhin noch zu einem wertvollen Partner bei zwischenstaatlichen Kombinationen macht. In der Türkei scheint man zunächst angenommen zu haben, daß die Achsenmächte das türkische Vorgehen stillschweigend hinnehmen würden. Weil nun aber die Kritik in der deutschen und italienischen Presse nicht ausgeblieben ist, gibt man sich in türkischen Blättern neuerdings Muhe, den vollzogenen Kurswechsel auch moralisch zu begründen. Merkwürdigerweise geschieht das durch laute und grobe Ausfälle gegenüberDeutschland, von dem die Türkei wohl am allerwenigsten zu befürchten hat, wie sie auch in der Vergangenheit niemals Anlaß hatte, eine deutsche Gegnerschaft gegenüber dem türkischen Volke anzunehmen. Wiederholt sind in der Geschichte die Dardanellen, von Krisis -es Marxismus in Frankreich Don unserem pH. Bl..-Korrespondenten. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Famllienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monatr-vezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr . . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11688 des Herrn Paul Faure eine Mehrheit findet. In den Zentralinstanzen der Partei ist er in der letzten Zeit stets knapp unterlegen. Mit 16 gegen 14 Stimmen beschloß die Parteiexekutive, am Bündnis mit den Kommunisten festzuhalten, mit 15 gegen 13 wurde Paul Faure die Erstattung des Jahresberichts auf dem Parteitag verwehrt. Praktisch ist Faure auf die Bundesgenossenschaft der Pazifisten des rechten Parteiflügels angewiesen, darunter auf die früheren Minister F e d r i e r und Spi- nasse und sieht sich einer Koalition gegenüber, gegen die er nicht aufkommen kann. Die alten S o - zial-Jmperialisten der Weltkriegszeit, die Leon Blum und Jean Lebas, die Dormoy uvd Auriol stehen heute wie damals gegen Faure, und zu ihnen gesellt sich die kommuni st en- freundliche Parteilinke um Zyronski und Ziel vorzustoßen. Ihre wendigen Formationen verleiht ihr eine große Anpassungsfähigkeit an das Gelände; ihre mächtigen Feuermittel sicherten ihre Bemühungen. Da diese Division ihre volle Deckung dem Armeekorps Überlasse, könne sie mit jener Entschlossenheit vorgehen, die die Voraussetzung für das Gelingen jeder Operation sei. Infolge dieser Neuordnung umfasse das italienische Heer dreizehn Spezial-Divisionen, nämlich fünf Alpen-Divisionen, drei schnelle Divisionen, drei motorisierte Divisionen und zwei Panzer-Divisionen sowie 51 Infanterie-Divisionen. Hinzu kämen die Grenztruppen, die Bersaglieri jihö Kavallerie-Regimenter, die nicht den Divisionen zugeteilt seien. Man könne sie auf insgesamt weitere zwölf Divisionen schätzen. Schließlich sei noch die faschistische Freiwilligen-Miliz zu erwähnen, die als Unterstützungstruppen der Armee-Korps kämpfe, aber auch selbst ganze Divisionen aufstellen könne. Mussolini besichtigt die Grenzbefestigung in den Westalpen. Turin, 16. Mai. (DNB.) Am Dienstag unternahm Mussolini von Turin aus eine Fahrt in die Gebirgstäler der W e st a l p e n bis an den Befestigungsgürtel an der italienisch-französischen Grenze. Zunächst begab sich Mussolini mit einem Eisenbahnbetriebswaben in das Susa-Tal nach Susa, der alten Römerstadt, wo ihm die Gebirgsbauern eine überaus herzliche Kundgebung bereiteten. Mussolini weihte hier eine Augustusstatue ein und besichtigte auch die Ausgrabungszone mit den vollkommen erhaltenen römischen Triumphbögen. Auf seiner Weiterfahrt nahm der Duce Gelegenheit, die gewaltigen B e f e st i g u n g e n der Gegend zu inspizieren. Im Tal der Dora fuhr er an dem alten Fort Esille und an dem massiven Gebirgsstock des Monte Chaberton vorbei, dessen Gipfel die h ö ch st- gelegene Befestigungsanlage Europas trägt. Das Tal wird von immer höher aufstrebenden schneebedeckten Gebirgsketten eingerahmt, die den Grenzkamm gegen Frankreich bilden. In Bardonechia, dem am weitesten nach der französischen Grenze vorgeschobenen Punkt seiner Reise, jubelten Schwarzhemden, Bauern, Bergleute und Fabrikarbeiter Mussolini zu. Metzeim Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesfen Druck und Verlag: vrühlsche Universttättdruckerei «.Lange in Sichen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7 G.R. Rom, 16. Mai. In der Kammer der Faschi und Korporationen hielt bei der Beratung des Haushalts für das Kriegsministerium Unterstaatssekretär General P a - r i a n i eine Rede, in der er auf die Neuordnung des italienischen Heeres hinwies. Sie beziehe sich vor allem auf die Artillerie. Die Motorisierung der Luftabwehr brintze zugleich einen Ausbau der Kriegsindustrien mit sich, so daß es in verhältnismäßig kurzer Zeit möglich sein werde, die monatliche Produktion auf^as Vierfache der gegenwärtigen Erzeugung zu steigern. Hand in Hand damit gingen die Bemühungen, dieser Industrie die notwendigen Rohstoffe — vor allem durch Autarkie-Verfahren — zu verschaffen. Besonders eifrig werde die Herstellung der neuen Maschinengewehre, der Mörser und der Panzerabwehr-Geschütze betrieben. Außerdem würden neue Luftabwehr-Geschütze hergestellt werden. Schritt damit halte die sich steigernde Erzeugung der Munivion. Ferner würden Panzerwagen beschafft, von denen Italien in Kürze neue Typen herausbringen werde. Auf dem Gebiet der Motorisierung sei das in Angriff genommene Programm durchgeführt worden, der Infanterie wurden mehrere tausend leichte Lastkraftwagen, der Artillerie schwere Lastkraftwagen, leichte und schwere Schlepper zugewiesen. Die Kampfweise der schnellen Entscheidung mache gewaltige Machtmittel erforderlich und zur Durchbrechung der feindlichen Front noch mehr wendige Einheiten, die von jedem Zurückweichen des Gegner profitieren könnten, sowie ferner schnelle Einheiten, die imstande wären, mit großer Geschwindigkeit in die Tiefe vorzudringen. Diese schnellen Einheiten — motorisierte Divisionen — seien bereits seit längerer Zeit gebildet und würden nur noch hin und wieder unter Beobachtung der neuen Erfahrungen gewissen Aenderungen unterzogen. Die unlängst gebildeten beiden Panzerdivisionen befänden sich noch in einem Versuchsstadium, da sie erst demnächst ihre neue Ausrüstung erhalten könnten. Gegenwärtig aber sei die große grundlegende Einheit, die Infanterie-Division, in zunehmender Urn- Jnterpreß Copyright. Paris, im Mai. Nach langer Pause gibt es in Frankreich wieder so etwas wie Innenpolitik. Die kurze Frülyahrs- iagung des Parlamentes hat begonnen, die Zeremonien des bedeutungslosen Septennatswechsels in der Präsidentschaft der Republik sind vorbei. Und die großen Intrigen um die Regierung sind wieder da. Allerdings zeigen sie heute ein ganz anderes Gesicht, in der Opposition gegen Daladier steht heute selbst die Linke nicht mehr geschlossen da. Das war sie allerdings auch im Herbst und überhaupt nicht, seit die ganze französische Innenpolitik im wesentlichen zu einem erbitterten Streit um den außenpolitischen Kurs der Regierung geworden ist. Aber seitdem hat Daladier diesen Kurs sichtlich geändert, und damit haben sich auch bei der Opposition neue Fronten gebildet. Als Daladier — dem Rate Bonnets folgend — im September die Politik der Münchener Akkorde praktizierte, stand, von einigen eingeschworenen Russenfreunden und Deutschlandfeinden der Rechten abgesehen, nicht nur das ganze Bürgertum geschlossen hinter ihm, sondern auch der rechte, reformistische Flützel der Gewerkschaften, die große Masse der Pazifisten unter den Gruppen der äußersten bürgerlichen Linken und unter den Sozialisten, und — grotesker Weise — auch die ultra-linken Gruppen der Trotzkisten, Anarchisten und sonstiger kommunistischer Splittergruppen, während das Gros der zur Moskauer Linie stehenden Kommunisten, gefolgt von einer Minderheit der Sozialisten und einigen Außenseitern von Daladiers eigener Partei, den Nadikalsozialisten, den Kampf gegen ihn aufnahmen. Doch änderten die erbitterten Polemiken zwischen den „Munichois" und den „Anti-Munichols" solange nichts an den Dingen, bis im Laufe des Winters auf einmal ein Teil der Rechten einen Stellungswechsel vollzog und sich auf eine gegen Deutschland und Italien gerichtete Politik umstellte. Wenn man die Ursachen dieses Kurswechsels untersucht, der lange vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Prag erfolgte, wenn er mach außen auch erst dann sichtbar wurde, so zeichnen sich drei ausschlaggebende Kreise ab: die katholischen Kreise, die mit der Liquidation des spanischen IBürgerErieges ihre in Frankreich traditionelle antideutsche Linie wieder aufnahmen, die jüdische Hochfinanz, die namentlich auf dem Wege über das Haus Rothschild maßbebenden Einfluß auf die französischen Banken besitzt, und die französische S ch w e r i n d u st r i e, die lange Zeit für eine Verständigung mit Deutschland eintrat, aber schließlich ihrer Rüstungskonjunktur nicht die politische Grundlage und damit die wirtschaftliche , Basis ihrer Existenz entziehen wollte. Daladier paßte sich der Umstellung schnell an und geriet in der Folgezeit ganz unter d e n Einfluß des Militärs. So ist die Situation noch heute. In Konsequenz dieses Kurswechsels hat sich nun Daladier die Gegnerschaft aller Pazifisten der Linken auf den Hals gezogen. Die Bundesgenossen von München sind heute seine unbarmherzigsten Widersacher, während umgekehrt der pro- russische Teil der Linken, vor allem der Blum- Flügel der Sozialisten und die Linksradikalen ihre Opposition gegenüber dem Kabinett sichtlich dämpfen. Solange diese Uneinigkeit in den eigenen Reihen der Opposition weiter besteht, hat das Kabinett nicht viel zu fürchten. Die innere Krise der Sozialisten, dieser größten Partei Frankreichs und eigentlichen Seele seiner Linken, ist in dauerndem Wachsen. Die Partei treibt immer deutlicher einer unvermeidlichen Spaltung zu. Nachdem bereits im vergangenen Jahre der äußerste linke Flügel der Partei sich obgesplittert hat, stehen sich jetzt innerhalb der S.F.J.O die „Munichois" und „Anti-Mumchois in zwei fast gleich starken Blöcken gegenüber. Die .Munichois", die für die schärfste Opposition gegen die Militär-Politik Daladiers eintreten, für eine „friedliche Regelung" der internationalen Konflikte und grundsätzlich gegen den Krieg sind, werden geführt von dem permanenten Generalsekretär der jozialistischen Partei, Paul Faure Er knüpft mit dieser Politik wieder an an seine Haltung wahrend des Weltkrieges, wo er als einer der ersten Sozialisten Frankreichs gegen die Knegspolltlk Poincares und Clemenceaus auftrat und auf Abschluß eines Kompromiß-Friedens drängte, genau io wie er sich in den ersten Nachkriegsjahren zum Agitator gegen die französische Rüstungsindustrie Ipezialisierte. Der kleine erregbare Mann aus dem Süden mit seinem olivenbraunen Teint, den großen dunklen Augen und den silbrigweißen Haaren war lange Jahre der „schöne Mann" der Partei, der leine Dogmen mit Elan und Leichtigkeit tn die herzen der französischen Frauen hlnemredete und — Don Juan genug war, um von der Anbetung, t>ie ihm entgegengebracht wurde, so reichlich zu profitieren, daß es mehr als einmal zu amüsanten Skandalprozessen der von dem amoureufen sozialistischen Generalsekretär betrogenen Ehemänner Heute ist Paul Faure das viel umfämpfte Haupt des pazifistischen Flügels seiner Partei. Wenn er auch von den seltsamen Formu- lierungen seiner Gesinnungsgenossen Le Bail uno 3'Heveder: „Lieber die Knechtschaft als den Krieg!" zurückscheut, so hat er doch neulich erst in einer Wählerversammlung erklärt: „Djibouti i|t nicht die Knochen eines einzigen Weinbauern der Jourgogne wert!" Der bevorstehende Kongreß tar Partei wird zeigen, ob sich für solche Thelen > MW feindlichen Flotten angegriffen worden, so von der russischen und der englischen Flotte, niemals aber, hat es um die Meerengen einen Streit zwischen Deutschland und der Türkei gegeben. Im Gegenteil glauben wir uns zu entsinnen, daß e s deutsche Truppen unddeutsche Kriegsschiffe waren, die in den Jahren 1914 bis 1918 den Schutz der Meerengen im Interesse der Türkei übernommen hatten. Daß nun gerade die Sowjetunion und England als die Freunde der Zukunft betrachtet werden, in deren Hände man die eigene Sicherheit legt, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Wenn auch in Moskau das Regime gewechselt hat, so hat man dort doch nicht die alten historischen Ansprüche nach Beherrschung der Dardanellen aufgegeben, und in Ankara scheint man heute vergessen zu haben, daß die Zerstückelung der Türkei nach 1918 im wesentlichen das Werk der Engländer gewesen ist. Heute aber gefällt sich die türkische Presse darin, die „Vorherrschaftsgelüste" Deutschlands als Vorwand für die neue Politik zu gebrauchen und weil man sich offenbar in seiner neuen Haut doch nicht wohlfühlt, attackiert man Deutschland und schreibt von deutscher Engstirnigkeit. Wie die türkische Handlungsweise einzuschätzen sein wird, bleibt noch abzuwarten. Wäre die Türkei nicht aus ihrer Neutralität leichtfertig herausgetreten und hätte ihre alten Grundsätze über den Haufen geworfen, so brauchte sie sich heute nicht nach Sündenböcken umzusehen und hätte die Nerven behalten können. Auf Kosten Syriens. In Syrien findet Frankreich keine Regierung. Das Ministerium Nassau Boukhari ist als geschäftsführende Regierung nur mit Not und Mühe zu- standegekommen und protestiert jetzt gegen die der Türkei in Aussicht gestellte Abtretung des Kreises von Alexandrette, vielleicht aber auch der ganzen Provinz Aleppo durch Niederleaung -eines Amtes. Die schweren Mißhelligkeiten zwischen Syrien und Frankreich schreiben sich nicht von heute her. Im Jahre 1936 wurde ein Vertrag zwischen Frankreich und Syrien vorläufig unterzeichnet, nach dem das französische Mandat über Syrien im September 1939, also nach drei Jahren, aufgehoben werden soll und Syrien als selbständiger souveräner Staat dem „Völkerbund" beitreten sollte. Dieses Vertragswert scheiterte an dem Widerstand des französrschen Generalstabs. Und das, obwohl die in Aussicht gestellte Souveränität Syriens nur auf dem Papier stand: denn die syrische Regierung sollte auch weiterhin ausschließlich Franzosen als Berater Verwenden: auch war vorgesehen, daß eine französische Militärmission ständig in Syrien amtiere und daß die syrisch« Armee nach dem Muster der -ran^ösischenArmce ausaerüffet werden solle. Schließlich hatte sich Frankreich auch das Verbleiben französischer Truppen, wenn auch in etwas verminderter Anzahl, in Syrien ausbedungen. Aber alle diese weitgehenden tatsächlichen Einschränkungen der sogenannten syrischen Unabhängigkeit und Souveränität genügten dem französischen Generalstab nicht. Er Hintertrieb die endgültige Unterzeichnung des Vertrages. Jetzt aber, wo England und Frankreich Köder auswerfen, um Bundesgenossen zu fangen, will Frankreich sogar die Hilfe der Türkei auf Kosten Syriens bezahlen. England hat Idas Geschäft vermittelt und seinerseits auf Paris gedrückt. Man kann sich vorstellen, daß die Syrer durch diesen hinreißenden Beweis französischer Vertragstreue „wie vor den Kopf geschlagen" sind. England läßt in Transjordanien die Zügel locker. Löndon, 16. Mai (Europapreß). In London wurde ein Abkommen zwischen der englischen Regierung und dem Emir Abdullah von Irans» jorbamen veröffentlicht. Transjordanien erhält das Recht zur Aufstellung eigener Trupen. Weiter wird der bisherige Derwaltungsrat in einen M i n i st e r r a t ugewandelt. Schließlich erhält die transjordanische Regierung das Recht, in bestimmten arabischen Staaten konsularische Vertreter zu unterhalten. Mit dem Abkommen yat die englische Regierung, offenbar unter dem Druck der Verhältnisse in Palästina, einen Teil der Forderungen erfüllt, die der transjordanische Minister lau fit Pascha während der Palästina-Konferenz zu Anfang des Jahres der englischen Regierung unterbreitet hatte. * Transsordanien ist britisches Mandat und untersteht dem britischen Oberkommissar in Jerusalem. Das Land, das sich längs der Ostgrenze Palästinas hinstreckt, im Norden an Syrien und den Irak, im Osten an Saudiarabien grenzt, umfaßt 42 OOO Quadratkilometer mit 300 000 überwiegend arabischen Bewohnern. In der Hauptstadt Amman refi- diert seit 1920 der Emir Abdullah, der Bruder des 1925 von Ibn Saud aus Mekka vertriebenen ehemaligen Königs Hussein von Hedscha und Onkel des eben tödlich verunglückten König Ghazi von Irak. 3ogu in den Zußstapfen des Ex-Negus. Genf, 16. Mai. (Europapreß.) Achmed Z o g u hat bei der Genfer Liga in einem anderthalb Seiten langen Schreiben Protest eingelegt gegen die Entwicklung in Albanien. Zogu glaubt, darin seinen „Rechtsstandpunkt" offenhalten zu müssen. Interessant an diesem „Protestschritt", der sich würdig den theatralischen Auftritten Halle Selassies anreiht und dem keinerlei praktische Bedeutung zukommt, ist, daß er gutem Vernehmen nach auf englische Anregung zurückgehen soll. Dies erscheint wie- derum aufschlußreich im Zusammenhang mit den in den letzten Tagen aufgetauchten Meldungen, nach denen man in London mit dem Gedanken spielt, Zogu die Krone eines neuzuschaffenden „Vereinigten Königsreichs P a l ä st i n a, Transjordanien, Syrien und Libanon" anzubieten. Die Dienstpflicht in der Noten Flotte um ein Jahr verlängert. Moskau, 16. Mai. (DNB.) Laut Verordnung der Sowjetregierung wird die Dienstpflicht für die Angehörigen der Roten Flotte auf fünf Jahre verlängert, für die Angehörigen der Küstenverteidigung auf vier Jahre. Durch diese Neuregelung, die mit einem kurzen Hinweis auf die Notwendigkeit der „Erhöhung der Kampfbereitschaft" der Roten Flotte und der Beherrschung der modernen Technik der Kriegsmarine begründet wird, wird im Verlaufe der nächsten Jahre die zahlenrnäfflge S t ä r k e der Sowjetflotte erheblichvermehrt werden, da bis jetzt in der sowjetrussischen Kriegsmarine nur, eine v-ierjährige Dienstpflicht bestand. Der Kührerbesichligl die Befestigungen im Gaargemet Eine Mauer aus Beton und Stahl schützt das deutsche Land der Saar. Saarbrücken, 16. Mai. (DNB.) Der dritte Tag der Inspektionsreise des Führers galt den Westwallbauten im Bereich des Saargebietes. An jedem Ort, den der Führer passiert, wird er von der Bevölkerung auf das freudigste begrüßt. Ueberall wehen die Fahnen, flattern Spruchbänder im Winde, die den Dank der Saarländer in knappen Schlagworten ausdrücken. Die Dörfer haben sich in ein Kleid grüner Buchenzweige gehüllt, die die Bevölkerung noch in der Nacht eilends aus den nahen Wäldern geholt hat und die nun mannshoch zu beiden Seiten die Straße des Führers dicht umsäumen, lieber dem Grün der Zweige grüßen Kastanienblüten, Fliederhecken und Tulpen. Bilder des Führers sind goldbekränzt über den Hauseingängen befestigt, und Girlanden schwingen sich über die Straßen. Die Fahrt des Führers führt abermals bis an d i e Grenze, wo der Führer an strategisch wichtigen Punkten das Gelände prüft, ob auch alle Möglichkeiten einer unbedingten Verteidigung erschöpft sind. Wo noch einzelne Verstärkungen des Westwalles möglich erscheinen, werden sie sogleich vom Führer angeordnet. Dem ungeübten Auge fallen solche Möglichkeiten überhaupt nicht mehr auf. Seit Stunden sind wir ununterbrochen an Festungswerken aller Art oorübergefahren. Große Panzerwerke wechseln ab mit grandiosen Sperranlagen, mächtigen Mannschaftsständeü, gewaltigen Betonklötzen von ungeheurer Kampf- und Widerstandskraft. Zwischen die militärischen Inspektionen schieben sich Besichtigungen der Wasserbauten, Besprechungen über Straßenbauten und über die allgemeinen Verkehrsverhältnisse. Dem Führer ist es ausgefallen, daß im Saargebiet noch zahlreiche schienengleiche llebergänge vorhanden sind. Der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen, Dr. Todt, erhält sogleich Auftrag, für die Beseitigung dieses Zustandes zu sorgen. Gerade in einem Industriegebiet, in dem täglich Hunderttausende Straße und Bahn benutzen, muß ein Höchstmaß an S i ch e^r h e i t für den Verkehr Le schaffen werden. Daher wird nach dem Willen des Führers das Saargebiet bald nur noch kreuzungsfreie Eisenbahnstrecken aufweisen. Don Orscholz aus blickt der Führer hinunter auf die berühmte Mettlacher Saarschleife^wo viele hundert Meter unter dem Beschauer der Fluß sich in einer riesigen Windung um einen hohen, waldbedeckten Bergrücken herum fast zu sich selbst wieder zurückwindet. Dann geht es wieder weiter, aufs neue an Festungen und Sperren, Panzerwerken und Höckerlinien vorüber. Auf engstem Raum massieren sich die Werke zu ganzen Bastionen. Ganze Berghänge sind oft wie übersät von solchen Werken. Man sieht sie fast unmittelbar nebeneinander, in viele Reihen gestaffelt, aufmarschiert, eine unzerreißbare Front aus Stahl und Beton. Auf dem Hindenburgturm. bei Berus wird eine kurze Mittagsrast eingelegt. Dann geht die Fahrt weiter, mitten hinein in die Industriestädte. In Saarlautern, Völkingen, Saarbrücken sind die Straßen geschmückt. Ein Wald von Fahnen wogt im Winde. Diele Glieder tief stehen die Menschenmassen. Die Geschäfte sind geschlossen. Don ihren Arbeitsplätzen weg sind die Belegschaften der Fabriken auf die Straße geeilt, um den Führer zu grüßen. Langsam fährt der Führer durch die prächtig geschmückten Straßen und grüßt alle die Tausende, die ihm brausende Kundgebungen bereiten. Des Führers Dank. Empfang einer Abordnung der Arbeiter des Westwalls. Alb Dienstagabend besuchte der Führer in Saarbrücken die Aufführung der Millöckerschen Operette „Die Dubarry" im Gautheater Saarpfalz. Bei die-, fer Gelegenheit traf der Führer mit den Reichs« und Gauleitern der NSDAP, zusammen, die sich auf Einladung des Oberbefehlshabers des Heeres Generaloberst von Brauchitsch seit Montag ebenfalls auf einer Besichtigungsreise im Westen befinden. In der Pause begrüßte der Führer eine Abordnung von Arbeitern des W e st w a 11 e s , die der Oberbefehlshaber des Heeres von Brauchitsch nach Saarbrücken zur Dor- stellung im Gautheater eingeladen hatte. Der Führer dankte ihnen und durch sie allen ihr e n Kameraden durch eine kurze Ansprache für ihre treue Arbeit an diesem gewaltigen Werk. In den Morgenstunden des Dienstag hatte von Saarbrücken aus die große Fahrt der Reichs« und Gauleiter der NSDAP, an den Grenzwall des Deutschen Reiches im Westen unter Führung des Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, zunächst in das südlich von Saarbrücken liegende Gelände begonnen, lieber Dölklingen und Mettlach ging die Fahrt weiter durch das Saartal. In allen festlich geschmückten Saarorten, durch die der Oberbefehlshaber des Heeres mit feinen Gästen kam, wurde ihnen von der Bevölkerung ein jubelnder Empfang zuteil. Mittags wurde Trier erreicht', wo der erste Teil der Besichtigungsfahrt abgeschlossen wurde. Auf der Besichtigungsfahrt, die von Trier über die Höhenzüge des Hunsrück wieder zurück nach Saarbrücken führte, gaben Generale des Heeres dem Führerkorps der Partei an mehreren wichtigen Punkten durch Dorträge einen umfassenden Einblick in die Größe und die Gestaltung des riesigen Sicherheitswalles im deutschen Westen. Einen besonders finnfälligen Ausdruck sand die Derbunden- heit zwischen Partei und Wehrmacht am Abend in Saarbrücken gelegentlich der Festaufführung im neuen Gautheater in Anwesenheit des Führers. England macht Moskau neue Vorschläge. London bitter enttäuscht, daß potemkin nicht nach Genf kommt. abs. London, 17. Mai. Die Morgenblätter beftäti^en, daß dem Kabinetts- unterausschuß für Auswärtige Angelegenheiten am Dienstagabend in einer zweistündigen Sitzung der Entwurf für eine Antwort an Mos - tau Vorgelegen habe. Die Blätter wollen wissen, der Dorschlag sei in seinen einzelnen Punkten wie folgt festgelegt: 1. Englisch-sowjetrussische Erklärung über die Bereitschaft und den Willen zur gemeinsamen Bekämpfung eines Angreifers: 2. eine Sowjetgarantie an alle Nach - barstaaten mit Einschluß der baltischen Länder gegen unprooozierte Angriffe: 3. französisch-englische Beistandsverpflichtung für die Sowjetunion, falls diese bei der Ausübung ihrer Verpflichtungen in einen Krieg verstrickt wird. 4. Generalstabsbesprech ungen zur Festlegung der einzelnen militärischen Obliegenheiten. Als wichtigster Bestandteil wird in London der Punkt 1 betrachtet, da mit ihm angeblich' eine sofortige Drei-Mächte-Erklärung verknüpft sein soll. Dem Vernehmen nach besteht die Möglichkeit, daß die englische Regierung eine Unterhaltung über die neuen Vorschläge von einer baldigen Z u - sammenkunft des Außenministers Lord Halifax mit dem stellvertretenden sowjetrussischen Außenkommissar P o t e m k i n abhängig macht. Wie groß die Verlegenheit darüber ist, daß die Sowjets an Stelle des stellvertretenden Außenkommissars P o t e m k i n den Londoner Sowjetbotschafter M a i s k i nach Genf beordert haben, geht daraus hervor, daß eine Reihe von Ministern auf der Sitzung eine umgehende Fühlungnahme des englischen Botschafters in Moskau, Sir William S e e d s, mit M o l o t o w forderten, um die Sowjetunion hinsichtlich der Wahl ihres Genfer Vertreters umzustimmen. Unter mehreren Deutungsversuchen, die der Moskauer Korrespondent des „Daily Telegraph" dem Nichterscheinen Potemkins gibt, findet sich auch folgende bemerkenswerte Auslegung: Als Der Kreml das letztemal einen Vertreter zum Völkerbund entsandt habe, während der Septemberkrise 1938, habe sich der englische Außenminister Lord Halifax wegen Arbeitsüberlastung entschuldigen lassen. Mithin würden die Sowjets, die ohnehin sehr auf ihr Prestige bedacht seien, im Augenblick Gleiches mit Gleichem vergelten. Alle englischen Blätter weisen auf die Ungeduld und das Unbehagen hin, daß in Paris zu verzeichnen ist, von wo aus auch in letzter Stunde ein Kompromißplan nach London abgegangen war. Der „Daily Herald" erklärt, die Bekanntgabe, daß Potemkin nicht nach Genf gehe, habe in offiziellen Kreisen Londons Enttäuschung und sogar etwas ähnliches wie einen Schock hervorgerufen. Man hoffe aber, daß es für Potemkin möglich fein werde, nach Genf zu kommen, denn man halte eine direkte Aussprache für das nützlichste. „News Chronicle" hält einen völligen Umfall der britischen Regierung für möglich. Eines der Hindernisse für ein Uebereinfommen könne noch das Vorurteil gegen den Austausch militärischer Informationen sein. „Daily Mail" will wissen, daß England jetzt zusammen mit Frankreich und der Sowjetunion den „Plan einer gegenseitigen Ver 1 eidi - pariser Vorwürfe an E.F. Paris, 17. Mai. Die neue Krise in den Verhandlungen mit Sow- jetrußland wird von den Pariser Blättern eingehend besprochen. In den bürgerlichen Blättern werden gegen Moskau heftige Vorwürfe gerichtet. So schreibt der „Excelsior", die Sowjets suchten ganz offensichtlich einen doppelten P r e st i g e- u n b Sicherheitserfolg zu erringen. Die. englische und die französische Regierung, deren Einigkeit mehr denn je notwendig sei, müßten sich vor Manöoern hiittn, die daraus abzielten, sie zu entzweien. Sowjetrußland bleibe ein Mysterium und Stalin ein unlösbares Rätsel. Es liege im eigensten Interesse der Sowjets, mit offenen Karten zu spielen. Das „Journal" schreibt, daß die Moskauer Ankündigung, Potemkin nicht nach Genf zu schicken, eine Drohung darstelle. Moskau wolle damit die Tragweite der Krise in den englisch-sowjetrussischen Verl)andlungen unterstreichen. Auch das linksgerichtete „Oeuvre" spricht von einer Warnung, die Moskau der englischen und der französischen Regierung durch die Ankündigung der Abwesenheit Potemkins von Gdnf habe geben wollen. Lson Blum schreibt im „Populaire", er wolle erst gar nicht über die Vorschläge der drei Regierungen diskutieren. Das einzig Wichtige sei, daß man schnell z u einer endgültigen Einigung komme. Die kommunistische „Hüma- g u n g" vorlegen wolle, vorausgesetzt, daß Sowjet« rußland Polen, Rumänien, der Türkei und den baltischen Staaten eine ©aranti: gegen einen Angriff gebe. In erster Linie aber wolle man die -Sowjetunion ersuchen, .sich sofort an einer Drei» Mächteerklärung zu beteiligen, die besage, daß Sowjetrußland mit England und Frankreich zusammen jedem Angriff Widerstand leisten wolle. Es sei noch nicht klar, wie weit diese Erklärung gehen werde. Aber es fei möglich, daß sie nicht nur Ost-, sondern auch W e st e u r o p a einschließe. Die britifdje Regierung wünsche, daß diese Erklärung ohne Verzug abgeschlossen und veröffentlicht werde. Man werde daher die Sowjetregierung ersuchen, Potemkin doch noch nach Genf zu schicken. Die „Daily Mail" drängt auf den baldigen Abschluß eines Abkommens, wobei sie hinzufügt, daß es für Lord Halifax kaum Zweck hätte, nach Genf zu fahren, wenn Potemkin nicht auch käme. die Adresse Moskaus. nite" stellt in schärferer Form die gleiche Forderung und gibt den französischen und englifd)en Ministern die Schuld an dem bisherigen Mißerfolg der Verhandlungen. Der „Figaro" meint, die enalisch-sowjetrussischen Verhandlungen seien das typische Beispiel dafür, was man auf diplomatischem Gebiet nicht machen dürfe. Mit unglaublicher Leichtfertigkeit seien diese Verhandlungen sogleich an die große Glocke gehängt worden und jetzt höre man nur immer von neuen Schwierigkeiten sprechen, die sich den Unterhändlern in den Weg stellen. Die „Action Frangaise" warnt Frankreich, eine Vermittlerrolle zwischen England und der Sowjetunion zu spielen. Die Sowjetunion mache den Eindruck, als wolle sie öen anberen eine Falle [teilen. Auch die „Liberte" meint, England werde schon wissen, warum es sich mit der Sowjetunion nur unter Beachtung aller Vorsichtsmaßregeln in Verhandlungen eingelassen habe. Wenn Frankreich heute eine Vermittlung zwischen London und Moskau anstrebe, so begebe man sich a u f einen gefährlichen Weg, weil Frankreich damit die Verantwortung zufallen würde, jede Vorsicht außer acht gelassen zu haben. Im übrigen müsse man sich fragen, ob Has Verhalten der Sowjetdiplomatie nicht wieder einmal darauf abspiele, alles durcheinander zu bringen. Oie Nebelfahrt der „Empreß of Australia" Das wäre eine schöne Ueberraschung, wenn zwischen März und Juni und dann wieder zwischen August und November die Flüsse in der europäischen Breite von Mailand bis Köln Eisgang hätten und dicke Nebelschwaden über dem Lande brauten. Die Bauern in Baden, Württemberg und Bayern schimpfen in diesem Jahr sowieso genug über den Regen, der ihnen als allzureichlicher Segen direkt vom Himmel her herzhaft auf den Kopf kommt: würde es noch dicke Nebelschwaden und Eisgang geben, so blieben ihnen wohl — die Worte zum Schimpfen weg ... Justament in derselben geographischen Breite aber liegt das südliche (!) Kanada und die große Insel Neufundland. Tausend ober zweitausend Seemeilen von diesen westlichsten Küsten des nordamerikanischen Kontinents hatte das Königsschiff „E m • preß o f A u st r a l i a", der frühere deutsche Dampfer „Tirpitz", seinen tagelangen Kampf gegen die drohenden Eisberge und die Gefahr der Nebelwände zu bestehen. Man hatte in England schon eine sanfte Ahnung und ließ das Schiff zwei Tage früher abfahren, als es nach seiner technischen Schnelligkeitsleistung gebraucht hätte: die Hemmungen der Schifffahrt waren aber so groß, daß die „Empreß of Australia" mit dem englischen Königspaar an Bord trotz dieser „Vorgabe" von zwei Tagen nur mit knappster Mühe einigermaßen rechtzeitig ankommen konnte. Warum nun ist die Schiffahrt auf der amerikanischen Seite des Atlantischen Ozeans in einer geographischen Breite gefährdet, in der in Europa die Spitzenweine des Rheins und der Mosel und südlich der Alpen sogar der Reis gedeiht?! Die Antwort liegt auf der Zunge: Es ist der Golfstrom, der in Europa dieses Wunder vollbringt, für das wir gar nicht dankbar genug fein können — jener Golfstrom, der feinen Namen l)at, weil er im Golf von Mexiko entspringt und dann, abgelenkt von der Halbinsel Florida, mit seinen warmen Wassern England umfließt und bis weit in den europäischen Norden hinauf das Klima ungemein linden. Bergen in Norwegen ist als Rosenstadt berühmt: an der anderen Seite des Ozeans sagen fich buchstäblich die Polarfüchse Gute Nacht. Allein diese Erklärung mit dem Golfstrom ist, wie so oft in solchen Fällen, nur eine halbe Antwort. Denn die klimatische Lage Amerikas wird dadurch verschlechtert, daß eine falte Meeres st rö- m u n g, die sogenannte Labrador-Trift, aus dcm Polarmeer zwischen Ostgrönland und dem schon zum nördlichsten Kanada gehörigen Baffin- Land kalte Wassermengen herbeiführt, die in dieser Jahreszeit noch mit gewaltigen treibenden Eisschollen oder gar riesigen Eisbergen bedeckt sind. Trifft diese kalte Meeresströmung bei und südlich von Neufundland auf die wärmere Seeluft, so entsteht durch die Abkühlung der erwärmten Luft- massen ein ausgedehntes Nebel« und Niederschlagsgebiet. Wie katastrophal diese Klima- Gestaltung wirkt, läßt sich aus wenigen Angaben ablesen. Die Insel Neufundland ist größer als Bayern, Württemberg und Baden zusammengenommen: aber in dem ganzen Gebiet gibt es nur 284 000 Menschen, also 2,6 auf den Quadratkilometer, während die drei süddeutschen Länder 13 Millionen Einwohner zählen. Die Fischerei freilich findet vor Neufundland genau so ergiebige Fang« gründe wie vor Island oder im „Weißen Meer. Dr. Ho. Das britische Königspaar in Kanada. London, 17. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die „Empreß o f Australia" mit dem englischen Äönigspaar an Bord ging kurz nach 23.30 Uhr kanadischer Zeit, etwa 4.30 Uhr hiesiger Zeit, 14 Meilen östlich von Quebec vor Anker. Das Schiff wird hier liegen bleiben, um um 8 Uhr morgens kanadischer Zeit, 13 Uhr hiesiger Zeit, i n Quebec zu ankern. Beim Einlaufen der „Empreß of Australia" in den St. Lorenz-Strom wurde dem englischen Königspaar am Montagabend durch drei F 1 u g z e u g e der kanadischen Luftwaffe ein c r ft e r Gruß Kanadas entboten. Wenige Stunden später erschienen zwei kanadischeZerstörer, die die Begleitung des Dampfers übernahmen. Die Konsuln von England, Frankreich und den Vereinigten Staaten haben den japanischen Behörden von Amoy einen gemeinsamen Einspruch gegen das Eindringen japanischer Streitkräfte in die Internationale Niederlassung von Ku- langsu überreicht. Die japanische Antwort steht noch aus. — Der Chef der englischen China-Streitkräfte, Sir Percy Noble, ist in Amoy eingetroffen und hatte eine Unterredung mit dem japanischen Generalkonsul. Der Michskolonialiag in Wien. Wien, 16. Mai (DNB.) Die Wiener Tagung des Reichskolonialbundes begann mit einem Empfang des Bundesführers, des Reichsleiters General Ritter von Epp, im Rathaus. Vizebürger- meister B l a s ch k e gab seiner Freude Ausdruck, dqß der Reichskolonialbund gerade diesen alten Vorposten deutscher Kultur zum Sitz der ersten großdeutschen Rbichskolonialtagung gewählt habe. Der Leiter der italienischen Abordnung, Kolonial- Vizegouverneur Meregazzi erklärte, Mussolini habe in seiner Rede die Notwendigkeit betont, daß das große deutsche Volk den Platz an der afrikanischen Sonne wieder erhält, den es vor dem Kriege innehatte und der ihm zukommt. Die Rede des Duce in Turin zeige den Weg, der vom italienischen und vom deutschen Volke gemeinsam zu gehen sei. „Es entsteht ein neues Europa, geboren von unseren beiden Revolutionen. Die Achse will den Frieden mit Gerechtigkeit und ohne unnötige Beunruhigungen. Auch m unserem Kolonialsektor besteht eine natürliche und wechselseitige Solidarität zwischen Rom und Berlin. Wir gehen von gemeinsamen Grundsätzen aus und marschieren auf gemeinsame Ziele hin. Geführt von unseren beiden großen Führern, Mussolini und Hitler, blicken wir in die Zukunft mit der Sicherheit der Starken und der Glaubenden." Ritter von Epp stellte fest, daß wir im Hinblick auf die Kolonien heute auf ein Deutschland sehen können, das geformt und tragfähig ist, Kolonien festzuhalten und zu entwickeln. Unter Hinweis auf das Mailänder Abkommen und die letzten Reden des Führers und des Duce betonte Ritter von Epp, es fei eine Schicksalsgemeinschaft zwischen Deutschland und Italien geschaffen worden, die ihre großen Auswirkungen haben werde. „Deutschland und Italien^ setzen gemeinsam ihren Weg fort in der gemeinsamen Aufgabe, für beide den Lebensraum zu sichern. Wir finden uns hier zusammen zu einer machtvollen Gemeinschaft des Rechtes, einer Gemeinschaft im Kampf um vorenthaltenes Recht, aber auch zu einer großen Arbeitsgemeinschaft der beiden Völker für ihr Leben und für ihre Zukunst." In der Nordbahnhalle tagten am Dienstagnachmittag alle Amtsträger des Reichskolonialbundes, Reichsleiter General Ritter v. Epp stellte fest, daß ganz Großdeutschland auch in der Kolonialfrage nur einer Meinung sei. Das ganze deutsche Volk stehe geschlossen und einsatzbereit auch in der Kolonialfrage hinter dem Führer. Eine wichtige Aufgabe des Reichskolonialbundes sei die Betreuung der deutschen Schulen und Schülerheime in Deutsch- Südwestafrika und Deutsch-Ostafrika. Ferner unterhalte der Bund ein Jugendheim in Blankenburg am Harz und ein anderes in Wuppertal, wo deutsche Kinder aus den Kolonien für einen Beruf ausgebildet würden. In einer Schule bei Bitterfeld würden junge Deutsche zu Siedlern für die Tropen geformt. Der Reichskolonialbund beschäftigte sich aber auch mit der Untersuchung der Naturschätze in den deutschen Kolonien und ihrer möglichen Nutzbarmachung. Ebenso schenke er der Rohstoffergänzung der deutschen Wirtschaft aus den Kolonien große Aufmerksamkeit, v. Epp rief die Amtswalter auf, sich mit allen Kräften einzusetzen, bis der Führer unserem Volke die alten Kolonien habe zurückbringen können. Land und Volk derSkipetaren Dvn profestor £)r. G Tliemeier, Münster. Die Bora, der kalte stürmische1 Fallwind der dalmatinischen Küste, hat eigentlich meine Bekanntschaft mit Albanien und mit Achmed, dem albanischen Medizinstudenten, vermittelt. Unser Schiff fuhr von Split an der Küste entlang nach Süden. Auf Deck lag alles bleich und Neptun opfernd und hatte wenig Sinn für den seidig-blauen Himmel und die abendlichen Farbenspiele des Gischtes, den der Sturm wie ein Schleier über das blaue Meer breitete. Achmed suchte sich durch einen Sprung vor den Gaben eines Opferers zu retten, rutschte aus und — landete in meinen Armen. Die Folge war eine stürmische Einladung nach Dura'zzo. Wenn wir dann auch nur kurze Zeit im Lande der Skipetaren reisen konnten, so schlepvte Achmed doch alles aus seiner Sippe und Freundschaft heran, was dem wissenshungrigen Deutschen Auskunft geben konnte. So haben wir manche Stunde am Hasen verbracht oder oben auf den Mauern des Türkensorts, von wo der Blick weit über Stadt und Hafen, über die Talniederung dahinter mit ihren Malariasümpfen bis zu den bewaldeten Bergen im Hintergrund wandert. Ich lernte eines der merkwürdigsten Länder Europas kennen. Europas? Nun, was man so europäisch nennt, das drang recht eigentlich erst seit dem Weltkrieg in das Land, zuerst in die kleinen Hafenstädte und in einige größere Orte des Inneren: europäisch waren die Banken und Konfektionsanzüge, einige Autos und Maschinen, Erdölsucher und Händler. Mittelalterlich-balkanisch aber blieb der Hauptteil des Landes, seine sozialen und wirtschaftlichen Zustände und seine Bevölkerung. Sind doch von den rund einer Million Staatsangehörigen sieben Zehntel Moham- m^>aner, zwei Zehntel Griechisch-Orthodoxe und nur ein Zehntel Anhänger der römisch-katholischen Kirche. Wichtiger als das oft recht lax ausgeübte kirchliche Bekenntnis ist aber die Gliederung der Stämme und Sippen, in GH egen und Tosten, in Serben und Zingaren, in Türken und Griechen, wobei die absolute Mehrheit bei den beiden ersten, in sich wiederum sehr zersplitterten Stammcsqrüppen liegt. Besonders im Innern führen die Bauern-Hirten auf ihren verstreuten Berghöfen ein weitab geschlossenes Dasein, in dem die Blutrache und der wehrhafte Gehöftturm, die Kula, immer noch eine Rolle spielen. Albanien ist trotz seiner Kleinheit — es bedeckt eine Fläche von weniger als 28 000 Quadratkilometer — durch feine Gebirgsnatur vielfach gekammert, in viele kleine Lebensräume zerlegt, die durch Gebirgshöhen von oft alpiner Formung bis fast 2700 Meter Höhe und durch steil- wandige Täler voneinander geschieden werden. Dadurch wurde das landschaftliche und politische Eigenleben solcher kleinen und kleinsten Lebensraume und die Zersplitterung in Stämme und Sippen wesentlich gefördert. Nur das küstennahe, bis 60 Kilometer -breite Niederalbanien ist sanfter geformtes Hügelland mit Mittelmeerklima, mit einem kältesten Monat von 8 bis 9 Grad Celsius im Mittel und mit heißen, trockenen Sommern. Gerade hier könnten dank dem niederschlagsreichen Hinterland aus den heute noch vielfach versumpften, weiten Talbecken üppige Fruchtgärten mit künstlicher Bewässerung geschaffen werden. Gleichwohl stellt Niederalbanien auch heute die wichtigste Landbauzone des Landes mit seinen Mais- und Weizenfeldern, mit feinen Agrumen- und Olivenhainen, mit feinen Versuchsfeldern für Reis und Baumwolle dar. Nur bis etwa 600 Meter steigt die immergrüne Region der mediterranen Macchien aufwärts. — „Dahinter" und darüber beginnt Hoch- albanien, das rauhe Gebirgsland mit seinen viehverbissenen Buschwäldern aus Eichen und Hainbuchen, mit seinen Rotbuchen- und Tannenwäldern: so nah am waldarmen Mittelmeer stellen sie einen noch fast unaehobenen Schatz dar. Das Klima mutet dort oben fast mitteleuropäisch an wie das Vegetationsbild. Dor dem notdürftigsten Anbau von Nahrungsmitteln spielt hier die Schaf- und Ziegenzucht die erste Rolle; im Sommer wandert man bis auf die alpinen Matten, im Winter tal- und küsten- roärts. Wolle und Häute stehen in der Ausfuhr an erster Stelle; an die dritte ist wertmäßig in den letzten Jahren das Erdöl gerückt, das bei Mala- kastra und Devol erbohrt worden ist; dann kommen nach dem Ausfuhrwert wieder tierische Produkte: Käse, lebende Tiere, Eier u.a. Alles zusammen machte 1937 aber erst rund 8 Millionen Mark aus, während die Einfuhr, vor allem aus Mais, dem Hauptgetreide, und Textilwaren bestehend, den doppelten Wert erreichte, lieber die Hälfte des Außenhandels konnte Italien verbuchen, dem mit Abstand Jugoslawien, die frühere Tschecho-Slowakei und andere Staaten folgten. Zieht man noch in Bettacht, daß die Bevölkerungsdichte nur 36 Einwohner auf einem Quadratkilometer zählt, dann merkt man, daß Albanien ein nur wenig erschlossenes Land sein kann, ein Land, das dies Wenige zudem nahezu ausschließlich Italien verdankt. Daß dieses Land so wenig mit Europa Schritt halten konnte und wollte, hängt wohl vor allem mit seiner Stammeszerfplitterung zusammen. Das Stammes- und Sippenbewußtsein ist hier immer stärker gewesen als das Nationalbewußtsein. Alle „Freiheitskriege" haben, sich immer wieder in einem Bandenkrieg totgelaufen, weil man keinem Stammeshäuptling den Oberbefehl über alle gönnte. Erst durch den zweiten Balkankrieg 1912 bekam das Land feine problematische Freiheit von der Turken- herrschaft. Die Gastrolle des F ü r st e n v o n W red im Jahre 1914 ist bekannt. Der Weltkrieg brachte den verstärkten Einfluß Italiens, der nach der Wahl Zogus zum Präsidenten (1924) und zum König (1928) Geld, technische und organisatorische Kräfte ins Land brachte. Die erste und einzige Eisenbahn, die von Durazzo nach Tirana, wurde gebaut und Tirana in ein verzweigtes L u f t- verkehrsnetz einbezogen. Aber alles, was nicht unter der unmittelbaren Aufsicht der Italiener stand, gedieh nicht. Die Anleihen blieben zum guten Teil in den Händen der Stammeshäuptlinge und Feudalherren kleben, der kleinbäuerliche Pächter merkte nichts davon. Der Bedarf des „Hofes" war nicht gering, nicht zum wenigsten deshalb, weil das Geld für das innen- und außenpolitische Intrigenspiel benötigt wurde, ein Zustand, über den man auch schon vor 1939 manches herbe Wort Horen konnte. Ein großer Teil der wirklich nationalgesinnten Intelligenz ist sich seit Jahren nach der Enttäuschung üb-r d-s Regime Zogus barüber flat, klar mit bl. terer Selbstironie, daß Albanien aus eigener Kraft trotz der Begabung seiner Bevölkerung nicht zu geordneten Zuständen, geschweige denn zu einer planmäßigen Entwicklung seines Lebensraumes kommen ^°Jch fuhr mit Achmed über etliche Kilometer der „Autostraße": „Nach der Statistik haben wir 2100 Kilometer von diesen Schlaglöchermuseen und Autofallen; wenn der Wagen stabil ist, man Glück und gutes Wetter hat, dann schaffen wir an einem Tag 100 Kilometer! Erreichen wir nicht etwas mit dem geliehenen Geld?" In Niederalbanien hat die Malaria die Bevölkerung großenteils degenerieren lassen; planmäßige Trockenlegung, Sanierung und Kultivierung könnte hier viele Quadratkilometer fruchtbaren Bodens für Zuckerrüben und Reis, für Agrumen und Oliven, für Mais und Baumwolle gewinnen. Aber fast nichts ist geschehen. Der Grundherr nimmt nach uralter Tradition seinen Pächtern ein Viertel bis zur Hälfte des kümmerlichen, mit primitiven Mitteln dem Boden abgerungenen Er- ttages ab. Wenn Italien feine starke Hand jetzt über die Meerenge von Otranto geftteckt und das Land unter feinen Schutz genommen hat, fo spielen gewiß politische Gründe im Sinne des alten „Mare nostro"-Programms dabei ein gewichtige Rolle. Die lange, ungeschützte Ostflanke der Halbinsel wird durch die 'Besetzung des Gegengestades an der entscheidenden Stelle gesichert, seine andern Fronten im Mttelmeer dadurch entlastet. Im unruhigen Albanien aber wissen Einsichtige schon lange zu schätzen, was Friede und Gerechtigkeit für Albanien bedeuten. Das Land ist noch in hohem Maße entwicklungsfähig; es kann durch eigene Arbeit unter italienischer Anleitung seine Sttaßen ausbauen, seine primitiven Landbaumethoden verbessern, seine Sümpfe trockenlegen, seine Wasserkräfte ausnutzen, mancherlei Bodenschätze wie Erze, Del, Asphalt und Kohle heben. Hier und im Sanitätswesen, in der Schulbildung und im Neubau des sozialen Lebens springen die Aufgaben nur so in die Augen. Was Albanien dazu an Kapital braucht, kann es zum Teil schon durch den Holzreichtum seiner Wälder und seine Oel- quellen amortisieren; ist doch der Ertrag an Erdöl von 3500 Tonnen im Jahr 1935 auf 70 000 Tonnen 1937 gestiegen! Italiens wahres Interesse aber kann und wird sich nicht mit einem bloßen Raubbau begnügen, sondern wird den Ausbau des gesamten Landes auf eine neue Grundlage stellen, der beiden, durch die königliche Personalunion verbundenen Partnern auf lange Sicht zum Segen gereicht. Rumänien übernimmt die Hoheitsrechte der Europäischen Donaukommission. Bukarest, 16. Mai. (Europapreß.) In dem an der Donaumündung gelegenen Schwarzen-Meer- Hafen Sulina fand die Uebergabe der Hoheitsrechte und des Eigentums der Europäischen Donau- Kommission an die rumänische Regieruna statt. Außenminister Gafencu gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Donaumündung nunmehr unter die Oberhoheit des Staates komme, in dessen Gebiet sie liege. Gleichzeitig betonte er, daß sich damit an der Freiheit der Schiffahrt auf der Donau nichts ändere. Er begrüßte den Eintritt Deutschland s in die neue Donau-Kommission. Ein neuer Motor für amerikanische Riesenflugboote. Washington, 16. Mai. (Europapreß.) Das Kriegsministerium der Vereinigten Staaten teilt den Bau eines neuen achtzehnzylindrigen, luftgekühlten Flugzeugmotors mit, der angeblich der größte und stärkste sein soll, der bisher in der Welt gebaut worden sei. Der neue Motor ist für Flugboote bestimmt, die den Verkehr über d e n Nordatlantik aufnehmen sollen. Diese Flugboote sollen 52 Personen befördern können. — Auch die großen Bomber der Luftwaffe der Vereinigten Staaten die sog. Fliegenden Festungen, sollen mit diesem neuen Motor ausgerüstet werden. Stabschef und Neichsbauemführer im Heichsführerlager derHitler-Zugend Braunschweig, 16. Mai. (DNB.) Im Reichsführerinnen- und Reichsführerlager der Hitler-Jugend sprach Stabschef Lutze über die gemeinsamen Aufgaben von SA. und HI., die Menschen weltanschaulich und körperlich zu erziehen. Reichsbauernführer Darre legte dar, was besonders auf landwirtschaftlichem Gebiet und auf dem Gebiet der Ernährung des deutschen Volkes im letzten halben Jahrzehnt geleistet worden ist. Er betonte mit großem Nachdruck, daß es keine nationale Sicherheit ohne die Sicherung der Ernährung im eigenen Lande gebe. Sein Appell an die Jugendführer, sich mit aller Kraft für die Wiederverankerung des Volkes mit dem Boden einzusetzen, fand bei den Hörern begeisterte Ausnahme. Dem Stabschef Lutze wurde durch den Reichsjugendführer das Goldene Ehrenzeichen der HI. überreicht. Gippenkundliche Bestandsaufnahme. (Ndz.) Die große Aufgabe der sivpenkundlichen Bestandsaufnahme des deutschen Volkes ist bereits vor längerer Zeit durch ein Abkommen eingeleitet worden, das der N S. - L e h re r b u nd, der Reichsnährstand ünd das Rajsenpoli - tische Amt der NSDAP, geschlossen haben. Die Arbeitsgemeinschaft verfolgt das Ziel, durch die Verkartung der Kirchenbücher und die Schaffung von Dorfsippenbüchern und Stammtafeln eine umfassende sippenkundliche Bestandsaufnahme des deutschen Volkes zu ermöglichen. Jeder Volksgenosse soll damit die Möglichkeit erhalten, in kürzester Zeit und mit den geringsten Kosten und Mühen die Quellen seines Blutes zu erforschen. Das Stammtafelwerk soll die Grundlage bilden für eine erbbiologische Bestandsaufnahme und damit für eine erfolgversprechende Rassenpolitik, ferner für die menschliche Erbforschung und für die Geschichte des deutschen Blutes. Bis jetzt arbeiten rund 10 000 deutsche Erzieher ehrenamtlich an diesem gewaltigen Werk, während der Reichsnährstand die Arbeit vor allem durch Bereitstellen der erforderlichen Mittel ermöglicht. Keine Befriedigung des Stellenangebots für Angestellte. Der Vierteljahresbericht über den Arbeitseinsatz der Angestellten in den Monaten Januar dis März stellt fest, daß der geringe Rest arbeitsloser Angestellter mehr und mehr zusammen- schrumpft. Waren Ende Juni 1938 von den 4,2 Millionen arbeitsbuchpflichtigen Angestellten noch über 65 000, also jeder 63. Angestellte arbeitslos, so war Ende März, bezogen auf die gleiche Zahl der Arbeitsbuchpflichtigen, bei 31000 arbeitslosen Angestellten nur noch jeder 136. Angestellte ohne Beschäftigung. Die Gesamtzahl der arbeitsbuchpflichtigen Angestellten ist allerdings durch Zu- und Rückwanderungen aus selbständiger Betätigung gestiegen. Die Befriedigung des stark gewachsenen Stellenangebots wird von Vierteljahr zu Vierteljahr schwieriger. Soweit möglich, helfen die Arbeitsämter durch kurzfristige Umschulungslehrgänge. Bei qualifizierten Angestellten versagt dieses Mittel. In vielen Angestelltensparten kann deshalb nur noch der geringere Teil der gemeldeten offenen Stellen besetzt werden. Die Unterbringung älterer Angestellter in einfache Arbeiten vollzieht sich jetzt reibungsloser, weil jüngere Kräfte nicht mehr verfügbar sknd. Keine Abwerbung durch Behörden. Nachdem der Reichsfinanzminister im Einvernehmen mit dem Reichsinnenminister bereits darauf hingewiesen hatte, daß es unbedingt Pflicht jeder Dienststelle im öffentlichen Dienst sei, mit Gefolg- schastsgliedern anderer öffentlicher Verwaltungen oder Betriebe wegen etwaigen Ueberttitts erst dann in Verbindung zu treten, wenn sie sich davon überzeugt habe, daß die derzeitige Beschäftig u'n gs st eile damit einverstanden ist, nimmt der Reichsarbeits- minifter nochmals zu dieser Frage Stellung. Er ersucht um genaue Beachtung innerhalb seines Geschäftsbereichs, damit Sondermaßizahmen, wie sie z. B. für technische Angestellte bestehen, nicht getroffen zu werden brauchen. Die erwähnte Regelung gelte auch dann, wenn ein nichtbeamtetes Gefolgschaftsmitglied des öffentlichen Dienstes zu einem anderen Dienstherrn oder einer anderen Verwaltung als Beamter übertreten solle. Ausnahmen von der dreijährigen Lehrzeit. Das Reichswirtschaftsministerium hat für folgende 13 handwerkliche Lehrberufe statt der generell vorgesehenen dreijährigen eine 3V- jährige Lehrzeit genehmigt: Flugzeughandwerker, Bootsbauer, Schiffbauer, Elektromechaniker, Optiker, Uhrmacher, Büchsenmacher, Goldschmiede, Silberschmiede, Graveure, Orgelbauer, Klavierbauer und Orthopädiemechaniker. Das Ministerium weist ausdrücklich darauf hin, daß für andere Lehrberufe vorläufig keine Genehmigung auf eine 372= jährige Lehrzeit erteilt wird. Oogleich nicht verkannt wird, daß auch für eine Reihe anderer Lehrberufe schwerwiegende Gründe für eine mehr als dreijährige Lehrzeit vorgebracht werden können, wird von allen ^Betrieben erwartet, daß sie sich ernsthaft bemühen, auch bei einer dreijährigen Lehrzeit den Ausbildungsstand zu steigern. Kunst und Wissenschast. Oie Reichsmusiktage in Düsseldorf. Auf der Tagung „Singen und Sprechen" wäh- rend der R e i ch s m u s l k t a g e hielt Professor Geißler (Erlangen) einen 'Vortrag über „Das Sprechen im Gesamtbau der Kultur" und entwarf ein Bild von der Entwicklung der Wort- und Sprechkunst im Laufe der deutschen Geschichte. Der Vortrag „Musik und Sprache in Spannung und Ausgleich" von Professor Müller -Blattau stellte Klopstocks Spracherneuerung und ihre musikalische Ausdeutung durch Gluck in den Mittelpunkt; seine Darlegungen waren verwoben mit Darbietungen Gluckscher Werke unter Leitung von Generalmusikdirektor Schulz-Dornburg. Die Studenten der Musikhochschulen des Reiches befinden sich während der Reichsmusiktage in einem K471t schützt | Pflegt I Musiklager, das mit einer kulturpolitischen Kundgebung eröffnet wurde. Der Musikreferent der Reichsstudentenführung, S ch r o t h, sprach über das Thema „Der Musikstudent im Ringen um die völkische Musikkultur". Der Kampf gehe um die Schaffung einer Einheit von körperlicher Ertüch- tigung, geistiger Erziehung, weltanschaulicher Ausrichtung und musischer Erziehung. Bei der musischen Erziehung gehe es nicht darum, einzelne große Künstler, sondern unsere ganzen Mannschaften musisch zu erziehen. Aus jeder Kameradschaft müsse eine singende Mannschaft werden. Aus aller Wett. Neue Handwerksinstitute in Frankfurt a. M. Das schon vor einiger Zeit schwebende Projekt, einer Landes - Gewerbeförderungsan st a l t steht nun vor feiner Verwirklichung. Diese für das gesamte Handwerk unseres Bezirks mustergültige Schule wird bis zum Herbst d. I. in Frankfurt ihrer Bestimmung übergeben werden. Eine zweite musterhafte Ausbildungsstätte für das Handwerk wird die Reichsfachschule für das Elektrohandwerk fein. Sie wird ebenfalls, mit den modernsten Laboratorien versehen, voraussichtlich zum Spätherbst in Frankfurt eröffnet werden. Beide Einrichtungen sind dem tatkräftigen Eintreten des Gauleiters und der Unterstützung durch den Frankfurter Oberbürgermeister zu danken. Oie Ursache des Brandes auf der »Paris". Ueber die Ursachen des Brandes auf dem großen stanzösischen Passagierdampfer „Paris", der zur Vernichtung des Schiffes führte, hat der französische Handelsmarineminister de Cappedelaine der, Marinekommission der Kammer erklärt, es sei unmöglich festzustellen, ob das Brandunglück auf ein Attentat zurückzuführen sei. Dagegen seien unbestreitbare O r g a ni s a ti o n s f e h l e r und Nachlässigkeiten festgestellt worden. So sei der mit der Sicherheit des Dampfers betraute Bordoffizier erst um fünf Uhr morgens an Bord erschienen, während der Brand bereits um 10 Uhr abends ausgebrochen sei. Selbst der Kapitän habe sich trotz der durch die Polizei gegebenen Warnungen an Land begeben und sei erst nach Mitternacht, also zwei Stunden nach Ausbruch des Brandes, an Bord erschienen. Der Verlust der „Paris" und der des ebenfalls im Hafen von Le Havre vor einem Jahr ausgebrannten Dampfers „Lafayette" betrage für Frankreich rund eine halbe Milliarde fronten, da beide Schiffe nur teilweise versichert gewesen seien. Streif in einem Pariser Karosseriewerk. Dem „Matin" zufolge ist die 450 Mann starke Belegschaft eines Pariser Karosseriewerkes in den Streik getreten, weil die Werksleitung einen aufsässigen Arbeiter entlassen hatte. Wetterbericht Der Wiederaufbau eines kräftigen Hochdruckgebietes über dem Ostatlantik ist im wesentlichen für die west- und süddeutschen Gebiete bestimmend. Im Zusammenhang mit der Gesamtlustdruckverteilung ist für die Anfuhr verhältnismäßig kühler und feuchter Luftmassen gesorgt, die bei uns zu recht unbeständigem Wetter Anlaß geben. Bei wechselhafter Bewölkung kommt es dabei zu wiederholten und teilweise gewittrigen Niederschlägen. Auch ist eine wesentliche Aenderung des Witterungscharakters für die nächste Zeit noch nicht zu erwarten. Vorherfa gefürDonnerstag: Veränder- lich mit zeitweiliger Aufheiterung, aber noch unbeständig und zu weiteren, teilweise gewittrigen Niederschlagen geneigt Mittagstemperaturen um etwa 15 Grad, Winde meist aus Süd und West. Vorhersage für Freitag: Wechselhaft und unbeständig. Lufttemperaturen am 16. Mai: mittags 11,9 Grad Celsius, abends 8 Grad; am 17. Mai: morgens 5,8 Grad. Maximum 13,2 Grad, Minimum heute nacht 3,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe anr 16. Mai: abends 12,4 Grad; am 17. Mai: morgens 9,8 Grad. — Niederschläge: 2,6 mm. — Sonnenscheindauer 3,2 Stunden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr.W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 39: 9530. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Aus der engeren Heimat. Lichtbild und Schule. = Bad-Nauheim, 16. Mai. Die Kreisbild- stelle beim Landratsamt Friedberg trat heute mit einer größeren Veranstaltung vor die breitere Oef- fentlichkeit.'Kreisführer K ö th , der Leiter der Lichtbildstelle, hat die Lehrerschaft des Kreises und interessierte Gäste ins Kerckhoff-Jnstitut geladen. Unter den Ehrengästen befanden sich Kreisleiter Backhaus (Gießen) und der Kreiswalter des NSLB., Schulrat N e b e l i n g (Gießen). Schulrat K ö t h sprach einführend über die Bedeutung des Stehbildes und seine Verwendungsmöglichkeiten im heimatkundlichen Unterricht und zeigte dann aus den großen Beständen der Kreisbildstelle eine reiche Auswahl von heimatkundlichen Lichtbildern, vorzugsweise farbige Aufnahmen. Die vorgezeibten Reihen waren nach unterrichtseinheitlichen Gesichtspunkten anae- ordnet, wie: die Landschaften der Kreises, Wehrtürme und Wehranlagen, die Heimatnatur im Wechsel der Jahreszeiten, Bilder aus dem Tier- und Pflanzenleben. Dos Schlußwort sprach Kreisleiter Backhaus. Anknüpfend an die hochwertigen Veranstaltungen des Kreises Wetterau in der nun zu Ende gegangene^ Gaukulturwoche wies er auf die Bedeutung hin, die die Kreisbildstelle für unser kulturelles Schaffen im Kreisgebiet habe. Er bat die Erzieherschaft, sich für die Hebung des Kulturlebens einzusetzen und besonders die Arbeit am Dorf- und Hausbuch tatkräftig zu unterstützen. Der Kreisleiter wandte sich gegen die Verschandelung von Natur und Landschaft und empfahl die Bestrebungen, die auf die Verschönerung des Dorfbildes hinzielen, ganz besonderer Beachtung. Die reichhaltige und heimatkundlich wertvolle Sammlung der Kreisbildstelle, die nun überall in Dorf und Stadt benutzt und ausgewertet werden müsie, könne hier treffliche Dienste leisten. Mit dem Gruß an den Führer schloß Kreisleiter Backhaus die anregend verlaufene Tagung. Gauwandertag in Schotten. NSG. Der Vogelsberg ist in diesem Jahre das Ziel der Wanderer Hessen-Nassaus, die dort am Donnerstag den Gauwandertag der NS.-Ge- meinschaft „Kraft durch Freude" in fröhlicher Gemeinschaft in Schotten verbringen. Bereits vor- mittaas treffen Sonderzüge aus Frankfurt a. M. und Offenbach, Omnibusse aus dem ganzen Gaugebiet und Fußwanderer aus der näheren Umgebung ein. Auf dem Festplatz erfolgt die Begrüßung, bei der der stellvertretende Gauleiter Lin- d e r sprechen wird. Es schließen sich fröhliche Spiele an. Ein Lagerzirkus sorgt für Frohsinn, Wandergruppen führen einen Singwettstreit durch, zu dem der Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront, Gauamtsleiter Becker, einen Wanderpreis gestiftet hat, den in diesem Jahre der Kreis Wiesbaden verteidigt. Gewertet wird bei diesem Wettstreit Art und Klangreinheit des Liedes. Bei dem Gauwandertog finden zahlreiche Wanderer des Rhein-Main-Gebietes Gelegenheit, den schönen Vogelsberg kennenzulernen, der vor einigen Jahren noch ziemlich unbekannt war und erst durch die Arbeit der NS.-Gemeinscyaft „Kraft durch Freude" für Wanderer und Urlauber in dem heutigen großen Umfang erschlossen wurde. Wandertreffen in Friedberg. = Friedberg, 17. Mai. Alljährlich treffen sich am Himmelfahrtstage die Wanderer aus den deutschen Gebirgs- und Wanderoereinen zu großen Sterntreffen, um einmal im Jahr geschlossen aufzumarschieren und zu zeigen, was die deutsche Wanderbewegung für eine Bedeutung hat. Der D o - gelsberger Höhen-Club (VHC.) und der Taunusbund treffen sich diefes Jahr in Friedberg zur Himmelfahrtsstern- wanderung 193 9. Durch den Zusammenschluß im NS.-Reichsbund für Leibesübungen stehen alle heimatverbundenen deutschen Männer und Frauen heute zusammen im Bekenntnis zu den unzerstörbaren seelischen Kräften deutschen Wanderertums. Ueberall im groß-deutschen Vaterland treffen sich am Himmelfahrtstag die deutschen Wanderer an schönen Punkten ihrer Heimat zu Kundgebungen, die im Auftrag des deutschen Wanderführers durchgeführt werden. Den Höhepunkt des Wandertreffens wird die Kundgebung im Burghof bilden. Akademisches Preisausschreiben des Lauterbacher Museums. Lpd. Lauterbach, 16. Mai. Das Lauterbacher Mufeum hat ein akademisches Preisausschreiben beschlossen, nach welchem die Aufgabe gestellt wird,, die Entwicklung des Verkehrsnetzes des heutigen Lauterbacher Kreisgebietes von frühester Zeit bis zur Gegenwart kartographisch darzustellen und zu erläutern. An dieser Bearbeitung können Dozenten und Studenten der Technischen Hochschulen und der Universitäten Darmstadt, Frankfurt, Gießen und Marburg, ferner Privatgelehrte, teilnehmen. Für die besten Arbeiten sind ein Preis von 200 Mark und zwei Preise von je 50 Mark ausgesetzt. Dieses Preisausschreiben stellt eine Erweiterung des Stipendiums dar, durch dessen Schaffung das Lauterbacher.Museum im vorigen Jahr die wissenschaftliche Förderung der heimatkundlichen Arbeit angebahnt hat. Von der Transmission getötet. Lpd. Lauterbach, 16. Mai. Bei dem Kreisort Herbstein geriet auf noch ungeklärte Weife der Betriebsführer David Josef Staub ach im Steinbruch in die Transmission des Steinbrechers und wurde t o t g e d r ü ck t. Landkreis Gießen * Heuchelheim, 16. Mai. Am vorigen Sonntag unternahm der Gesangverein „Teutonia" eine wohlgelungene Sängerfahrt in die Gegend von Nassau. Nach Besichtigung der Stadt begann die Fußtour durch das romantische Mühlbachtal nach Singhofen und abwärts durch das Dörnbachtal nach Oberhof, von wo nach längerer Rast die Heimfahrt angetreten wurde. Die Sanger trugen mehrmals Lieder und Chöre vor und ernteten unter Leitung von Otto Bender überall reichen Beifall. (D Leihgestern, 16. Mai. In dem nahe gelegenen Ludwigshof wunde heute nacht ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Einbrecher war durch ein Küchenfenster in die Küche und von hier in das Wohnzimmer eingeürungen und machte sich an dem Tischschubkaften zu schassen. Er wurde jedoch von dem Bewohner bemerkt und ergriff die Flucht. Ein Herrenmantel und eine Wurst sind von dem Einbrecher entwendet worden. Die Gendarmeriestation Großen-Linden wurde sofort in Kenntnis gesetzt und hat die notwendigen Nachforschungen oorgenommen. Es wird vermutet, daß der Dieb mit den örtlichen Verhältnissen vertraut war. s. Lang-Göns, 16. Mai. In den ersten 4V2 Monaten hat das Jahr 1939 unserer rund 2000 Einwohner zählenden Gemeinde eine auffallend hohe Sterblichkeitsziffer gebracht. Während im Durchschnitt der letzten zehn Jahre (1938 ausgenommen) 14 bis 16 Sterbefälle vorkamen, betrugen diese bis jetzt schon 18. Darunter wurden einige Familien sehr hart betroffen: denn es starben zwei verheiratete Männer im Alter von 32 und 34 Jahren, zwei Frauen in den vierziger Jahren, ein Mädchen von 19 Jahren. Dieser hohen Sterblichkeitsziffer stehen bis jetzt nur 7 Geburten gegenüber. Auffallend ist auch die Erkrankung an Blinddarmentzündung in unserem Dorfe. In den letzten Wochen mußten sich acht Personen in der Gießener Klinik einer Blinddarmoperation unterziehen. Kreis Zriedberg <^Münzenberg,16. Mai. Der hiesige Bauer Heinrich Walter, der zusammen mit' anderen । Bauern für die Firma A. I. Tröster, Butzbach, gestern Nutzholz fuhr, verunglückte beim Abladen in Butzbach durch das Scheuen seines Pferdes. Walter kam unglücklich zu Fall, und das Pferd traf ihn mit einem Fuß auf die Brust, wodurch einige Rippen und die Lunge verletzt wurden. Der bedauernswerte Mann mußte in das Johanniterkrankenhaus nach Nieder-Weisel gebracht werden, wo ihm gleich ärztliche Hilfe zuteil wurde. Kreis Büdingen. O Nidda, 16. Mai. Inmitten der Stadt wurde zum Schutze der elektrischen Hochspannungsleitung ein W e i d e n b a u m am Ufer der Nidda gefällt, der als Seltenheit bezeichnet werden kann. Er hat eine Stammlänge von etwa 15 Meter, einen unteren Durchmesser von 1,90 Meter und einen Inhalt von fast 9 Kubikmeter. Sein Alter wird auf ungefähr 80 Jahre geschätzt. Zu der sehr schwierigen Bergung des unteren Teiles, der an der steilen Böschung und in der Nidda lag, mußten zwei Flaschenzüge und eine Zugmaschine verwendet werden. Kreis Alsfeld. § Mücke, 16. Mai. Anläßlich ihrer 25jährigen zufriedenstellenden Dienstzeit wurde den Hilfsweichenstellern Adam Böck und Wilhelm Hermann das silberne Treudienst-Ehrenzeichen für 25jährige treue Dienste mit einer Widmung des Führers und der Reichsbahndirektion Frankfurt durch Bahnhofsvorsteher Bloh überreicht. Rundfunkprogramm. Mittwoch, 17. Mai. 13.15 Uhr: Von Stuttgart: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Miliza Korjus — Marcel Wit- trisch — Wilhelm Strienz. 16: Aus dem Kurpark Bad Wildungen: Nachmittagskonzert. 17 bis 17.10: Bücher, von denen man spricht. 18: Hier spricht der Jurist: Die „faulen" Kunden. 18.15: Auf gut deutsch ... 18.30: Frauenschaffen der Gegenwart: Marie Grengg, eine Dichterin der Ostmark. 19: Fliegendes Deutschland: Ein alter Flugpionier erzählt: Zum Geburtstag von Hans Grade. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 20.15: „Jdomeneo" Oper von Varesco. Musik von Wolfgang Amadeus Mozart. 22: Nachrichten. 22.20: Kammermusik: Aus dem Lied der Flamen. 23 bis 24: Von Wien: Musik aus Wien. Donnerstag, 18. Mai. 6 Uhr: Von Leipzig: Frühkonzert. 8.10: „Am frischgeschnitt'nen Wanderstab ..." Fröhliche Lieder und Klaviermusik. 9: Dichter unserer Zeit: Agnes Miegel: „Meine ersten Verse". 9.15: Heitere Blasmusik. 10.15: Wie fchön ist so ein Feiertag! Frohsinn auf Schallplatten. 11.15: „Eine Mühle seh ich blinken ..." Eine Hörfolge mit Texten älterer und zeitgenössischer Dichter und Liedern aus dem Zyklus „Die schöne Müllerin". Von Franz Schubert. 12: Von Stuttgart: Aus der Reichsgartenschau (Ehrenhalle oder Ehrenhof): Blasmusik. 13:. Das Mikrophon unterwegs. 13.15: Von Stuttgart: Musik am Mittag. 14: Für unsere Kinder: Die Gänsehirtin am Brunnen. Ein Märchenspiel von F. Claus. 14.30: Beliebte Suiten und Potpourris. 15.30: Frühling und Sonnenschein. 16: Von Koblenz: Nachmittagskonzert. Tanz- und Unterhaltungsmusik. 17 bis 17.10: Die feindlichen Brüder am Rhein (Burg Sternberg' und Liebenstein). 18: Zum Reichshandwerkertag: Saure Wochen — Frohe Feste. Ein heiteres Spiel vom deutschen Handwerk. 19.30: Der Sport am Himmelfahrtstag: Reit- und Fahrturnier, Darmstadt; Opel-Radrennen; Leichtathletik-Gaukampf. 20: Nachrichten. 20.15: Unser singendes, klingendes Frankfurt. 22: Nachrichten. 22.30 bis 24: Von Stuttgart (aus der Reichsgartenschau): Volks- und Unterhaltungsmusik. Schwäbische Volksmusik. Freitag, 19. Mai. 5 Uhr: Frühmusik. 5.50: Bauer, merk -auf! Anschließend Nachrichten. 6: Uebertragung nach Saarbrücken: Entree von M. C. Bossi. — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Von Königsberg: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: „Moosmännlein". 8.40: Von Köln: Froher Klang zur Werkpause. 10: Von Hamburg: Schulfunk. Revolution im Kornfeld. Ein Hörspiel um Justus von Liebig. Von Walther Heuer. 10.30: Von Hamburg: Das Recht auf der Straße. Eine Sendung mit Dr. Schwiegt. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Melodien am Rhein. 16: Zwei Stunden im Rhythmus der Freude. 17 bis 17.10: Eifelrennen auf dem Nürburgring: Das Training der Motorräder. 18: Zwischen Enkel und Ahn. 18.15: Sport der Woche und für den Sonntag. 18.30: Wiener Volksmusik. 19.15: Berichte von der Eröffnung des Reichshandwerkertages. Dazwischen: Unterhaltungsmusik. 20: Von Stuttgart: Nachrichten des drahtlosen Dienstes. Anschließend: Hier spricht die Reichsgartenschau. 20.15: Dem Opernfreund. 21: „Revolution" bei Busse. Lustspiel von Ewald von Demandowsky. 22: .Nachrichten. \ Bersrod, den 15. Mai 1939. 3595D Statt Karten Garage 3590D Tätigkeit. 3591V U/FPRF DRUCKSACHEN vv cnoc Brühl, Gießen «vezial-Neva- raturwerkstätte Die Beerdigung findet Christi Himmelfahrt, dert 18. Mai, nachmittags 2% Uhr statt. mit guten Fachkenntnissen gesucht. Schriftliche Bewerbungen mit Gehaltsansprüchen erbeten an Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Ludwig Graulich Familie Christian Graulich Familie Fritz Bremer Familie Ludwig Schneider. Einspaltige Kleinanzeigen werben zum en mäßigten Grund- Dreis von 5 ps. für dieMlllmelen teile veröffentlicht Tflchl Oe Verpozer Gießen, Neustadt — Ecke Bahnhofstraße 36180 Das Beilpiel der JVatiir ist mustergültig in bezug auf Zweckmäßigkeit / Zweckmäßigkeit ist auch der Grund dafür, daß das beliebte Bohnerwachs Seifix nur in Dosen zu haben ist. Ebenso wie die Schale eine Frucht vor dem Austrocknen bewahrt, erhält die Seifix-Dose ihrem Bohnerwachs Frische, Glanzkraft, Duft und Gewicht. Daß in Seifix die Bohnet« ktäfte bieiben, ist nicht zuletzt dec Dose zuzuschceiben (ca. 45 qm) eventl. auch als Cagerraum sofort zu vermiet. Schriftliche Anfragen u.3560D an den Gießener Anzeiger erbet. 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SPITZENLEISTUNG OPEL Krasiradschiitzen. Die Kraftradschützen, die ihren Dienst auf Krafträdern versehen und Schützen und Maschinengewehre im Beiwagen mitfuhren können, find von allen Landstreitkräften die raschesten und haben die größte Reichweite. Sie bieten während des Marsches infolge ihrer hohen Geschwindigkeit und Wendigkeit und bei ihrer kleinen Zielfläche keine lohnenden Ziese für die Flieger, und sie verfügen felber über starke Feuerkraft durch ihre Maschinenwaffen, die sie zur Lösung selbständiger Aufgaben befähigen. Die Krastradsvldaten vereinen den Vorteil größter Schnelligkeit mit allen Eigenschaften des vollwertigen Infanteristen. In sausender Fahrt rücken sie und bereits am 18. Oktober verließ er die brennende Stadt, um den Rückzua des Todes auf Wilna anzutreten. Mangel und Kälte, unausgesetzte Angriffe der rings umherschwärmenden Kosaken richteten bald so große Verheerungen an, daß kaum etwas mehr-als 40 000 Mann in den Tagen vom 9. bis 12. November Smolensk erreichten. Nur unter schrecklichen Leiden und Verlusten gelang es diesen Trümmern der einst so stolzen, ehemaligen „Großen Armee" den Rückzug hinter die Beresina zu bewerkstelligen. Und dies war gerade der Zeitpunkt, in dem das „provisorische leichte Regiment" auf dieser Stätte des Grauens eintraf. Es hotte am 9. November in Wilna den Befehl erhalten, den Marsch zum 6. französischen Korps anzutreten, das nördlich der Beresina zur Deckung der rechten Flanke des Rückzuges stand, traf am 13. November dort ein und wurde der Brigade Coutard zugeteilt. Das 6. Armeekorps, nur zwei Brigaden und im sack. Die stete Verschlechterung der Beziehungen zwischen dem Kaiser Alexander von Rußland und Napoleon, die ihren Hauptgrund in der abgewiesenen Werbung Napoleons um eine russische Großfürstin und im Nichteinhalten der Kontinentalsperre gegen englische Waren hatte, ließ den baldigen Ausbruch neuer Feindseligkeiten erwarten. Das treibende Element war auch hier England das auf diese Weise hoffte, endlich fernen Todfeind Napoleon zu Boden zu ringen. Der Haß war gegenseitig. Denn Napoleon hatte langst klar erkannt, daß England nicht allein sein, sondern der Feind der ganzen Welt war, die es wagte, sich seinen egoistischen Herrschergelüsten zu widersetzen. Genau wie heute! So kam es zu dem gewaltigen Kriege, Der für Napoleon trotz des Aufgebots von halb Europa das Grab feiner Hoffnungen und Plane wetten ^Bereits Anfang 1812 fetzten sich seine gewaltigen Heersäulen gegen die russische Grenze in Bewegung. Auch Oesterreich mußte em Hilsskorps von 30 000, Preußen ein solches von 20 000 Mann tdlen.^djon vorher, im Mai 1811, waren zwei WW Bataillone des Leib-Regiments mit zwei Geschützen v o n Gießenzur sog. Beobachtungsarmee nach £an = 3 i q entsandt worden. Mitte Januar 1812 erfolgte die Mobilmachung sämtlicher hessischen Truppen, die am 17. Februar nach Magdeburg abruckten. Den Oberbefehl über sie hatte der Großherzog seinem jüngsten Sohn Emil übertragen, um, wie es m der bett. Ordre heißt, „den Truppen aufs Neue einen Beweis Höchstseiner gnädigen Gesinnung und Liebe zu geben". Um es vorweg zu nehmen, Der sunge Prinz machte den ganzen Feldzug und auch ben9 Rückmarsch aus Moskau mit seinen Truppen mit ertrug mit ihnen alle Leiden in tapferster Weise und war in Wirklichkeit der Mittelpunkt und die Sorge seiner treuen Hessen. Es waren iw, gan- 3Cn 7322 Mann, die das Großherzogtum Hessen Napoleon zur Verfügung stellen mußte. Don ihnen befanden sich 1500 Mann (Regiment Groß- und Erbprinz, später 118) in Spanien, unsere beidm Stamm-Bataillone, Garde-Füsilier-Bataillon und Leib-Füsilier-Bataillon, waren je 757 Mann stark unö traten zum letzten Male als einzelne Bataillone in die Erscheinung. Denn bereits am 22. Februar befahl ein Erlaß des Großherzogs die Vereinigung der beiden Bataillone zu einem „Prnotorischen leichten I n f a n t e r i e - R e g i - ment", das unter dem Befehl des Oberst von S ch o e n b e r g trat und 31 Offiziere, 96 Unteroffiziere und 1280 Gemeine, im ganzen mit Unterstab und Train so ldaten 1514 Köpfe zählte. Während des Marsches nach Magdeburg erhielt das neue Regiment einen Sonderauftrag, der es aus dem hessischen Verband herausführte und ihm zunächst die großen Anstrengungen, die blutigen Schlachten und die entsetzlichen Leiden des Rückzuges von Moskau ersparte, um es dann schließlich doch noch, bis an die Beresina nachgezogen, in die Trümmer der französischen Armee zu verwickeln und größtenteils zu vernichten. Auch die übrigen hessischen Truppen rückten, mit Ausnahme des bereits in Danzig befindlichen Leib-Regiments, nicht mit der „großen Armee" in Rußland ein, sondern folgten ihr erst später; sie teilten restlos ihr grausiges Schicksal. Das provisorische leichte Infanterie-Regiment blieb bis 1. Juni in Stettin und erhielt hier den Befehl, die Sicherung der Insel Rügen und der vorpommerschen Küste gegen Landeversuche der Engländer und der mit diesen verbündeten Schweden zu übernehmen. Es kam auf diese Weise wieder in die Gegend, die es schon einmal vom 16. August bis 11. November 1807 besetzt gehalten hatte. Das I. Bataillon brach sofort auf, traf am 6. Juni in Stralsund ein und am 7. Juni auf der Insel Rügen. Das II. Bataillon folgte einige Tage später. Die Bewachung der Insel erfolgte in weit auseinandergezogenen Abteilungen. Mehrere Landungsversuche der Engländer und Schweden wurden rechtzeitig entdeckt und abgewiesen. Zu einem kurzen Gefecht kam es nur am 15. August 1812 bei der Halbinsel Mönchgut, wo mehrere schwedische Kanonenboote zu landen versuchten und die das Ufer besetzt haltende 8. Kompanie des Hauptmanns von Karlsen auf 400 Schritt lebhaft mit Kartätschen beschossen. Am 19. September verließ das Regiment die Insel Rügen. Es hatte den Befehl, der in Rußland eingerückten „Großen Armee" nachzurücken. In Greifswald vereinigte es sich mit der hessischen Artillerie, die von nun an während des ganzen Feldzuges bei ihm verblieb und ihm die Rettung ihrer Geschütze verdankte, was um so ehrenvoller war, als die hessische Artillerie fast die einzige war, die von der gesamten Geschützzahl der „Großen Armee" aus Rußland zurückkam. Von Greifswald marschierte das Regiment über Anklam, Stettin, Köslin nach Danzig und von da am 14. Oktober weiter nach dem befohlenen Ziele Smolensk über Elbing, Königsberg, Tilsit, Kowno nach Wilna, wo es am 2. November ankam und bis 9. November verblieb. Es war ein Riesenmarsch von etwa 850 Kilometer Luftlinie gewesen, den das Regiment in guter Verfassung zurücklegte, ahnungslos von dem Zustande der „Großen Armee", von der jede Nachricht fehlte. Von Tilsit aus hatte der Marsch fast ununterbrochen über Stätten des Brandes, des Raubes und der Plünderung geführt, so daß eine geordnete Verpflegung bald unmöglich wurde. Auch in Wilna war noch nichts von dem traurigen Zustande der großen Armee und ihrem Rückzug aus Moskau bekannt. Man wußte nur, daß sie tief in Rußland eingedrungen und zwei große blutige Schlachten bei Smolensk und Borodino geschlagen hatte, bevor sie in Moskau einzog. Man wußte aber nicht, welche Opfer bereits der Vormarsch und welch größere Opfer die beiden Schlachten gefordert hatten, die nicht einmal volle Siege gewesen waren. Immer waren die Russen ausgewichen und hatten sich in ihr unermeßliches Land zurückgezogen, während Napoleon gegen seinen Willen — denn er wollte eigentlich nicht über Smolensk vorgehen, wie sein treuer Begleiter, der Oberstallmeister Graf , Caulaincourt, in seinen Memoiren nachweist — mit fast magischer Gewalt angezogen, immer weiter folgte, um sie endlich zu fassen und zu vernichten. । Es -mar ihm nicht gelungen! Alles hatte er aufs : Spiel gesetzt, aber die Möglichkeit, Borodino durch : den Einsatz seiner letzten Reserve, der alten ®arbet i in einen vollen Sieg zu verwandeln, hatte er nicht i auszunutzen gewagt. Die Hauptstadt Moskau, wo i er den Frieden diktieren wollte, lockte zu sehr, und ) so rannte er, eigentlich gegen seine bessere lieber« ! zeugung, in sein Verderben. Mit knapp 100 000 * Mann war er dort am 14. September eingezogen, Aus der Geschichte des alten Regiments 116 Don Generalmajor a. D. Rudolf Mohr, Gießen. Kolonnen Usw. i-rkamvfflieger sind im allgemeinen bestimmt zum Kampf gegen kleine aber sehr wichtige Ziele, sogenannte „Punktziele, f nur ein Bombenwurf aus niedrigen Hohen Aussicht auf Erfola hat z B. Brücken, Dämme und sonstige Kunstbauten. Die dabei verwendeten. sind einmotoriae Maschinen, die mit schweren und mittleren Bomben, Torpedos und Mnschmew gewehren ausgerüstet sind. Die Flieger stürz sch aus großen Höhen wie Raubvogel herab und werfen ihre Bomben aus einer Hohe von Meter oder tiefer auf das Ziel ab um dann schnellsten Steilfluge wieder hochzuftelgen. Bei D großen Wehrmachtsmanöpern 1937 wurden am 1 tz^ ten Tnae Sturzkampfflieger in größerer Anzahl zur Unterstiitzuna eines Durchbruchangriffs gegen die KKAe zuteil. Bei ihm fand sich plötzlich der Prinz i Emil mit dem jammervollen Rest seiner drei hes- - fischen Regimenter ein. Es waren im ganzen noch I 55 Offiziere und Mannschaften, alle halb verhungert , und erfroren, die den ganzen Rückmarsch von Mos- V0N1810 -1812. Aus bem Kriege 1809 gegen Oesterreich waren die hessischen Truppen, begeistert von der Bevölkerung empfangen, am 21. 1. 1810 nach dreimonatigen Märschen in die Heimat zurückgekehrt. Das Garde- Füsilier-Bataillon (späteres 1/116) blieb in Darmstadt, das I. Leib-Füsilier-Bataillon (späteres 11/116) kam nach Homburg v. d. H. Sämtliche Mannschaften wurden bis auf 50 je Kompanie beurlaubt, der Friedensdienst trat wieder in seine Rechte. Die ganze polittsche Lage ließ klar erkennen, daß die Truppen bald wieder zur kriegerischen Tätigkeit würden gerufen werden. Eine gesteigerte Tätigkeit trat ein, aber so ganz im Zeichen der damaligen Anschauungen beschränkte sie sich lediglich auf Exerzierübungen nach dem französischen Reglement und den Garnisonwachtdienst. Don Felddienstübungen war gar nicht die Rede, und außerhalb der Garnisonen bewegte man sich höchstens im Monat Juni zur großen Exerzierzeit, zu der die Kompanien bis zu 80 Urlauber einzogen. Auch das Scharfschießen sand wenig Förderung. Nach der Scherbe wurde nur einigemal geschossen, 15 Patronen von jedem Mann. Nichts geschah, was als unmittelbare Vorbereitung für den Krieg gelten konnte. Dagegen traten in der Bekleidung, Ausrüstung und Bewaffnung wiederum Aende- rungen ein. Unsere beiden Füsilier-Bataillone erhielten statt der grünen fortan blaue Röcke mit einem Waldhorn auf dem Umschlag der Rockschöße, und an Stelle der weißen Leinenhosen blauwollene mit grauleinenen Gamaschen, wie „solches altes in der französischen Armee gebräuchlich". Säbel und Patronentasche wurden von jetzt ab kreuzweise über die Brust an Riemen getragen. Die gesamte hessische Infanterie bekam anstatt der Hüte Tschakos mit versilberten Kinnbändern (Schuppenketten) und 1811 nach mehrfachen Versuchen neue Gewehre österreichischen Modells. Der Sollstand der Kompanien wurde auf 160 bis 180 Mann erhöht. Auch neue Feldgerätschaften wurden eingeführt, deren Fehlen bisher sehr schmerzlich empfunden worden war. Je 12 Mann erhielten 1 Kochkessel und 1 Kasserole je 5 Mann eine große Feldflasche und an Stelle von Brotbeuteln je 12 Mann einen Mantel- dem Gegner auf den Leid und durchstoßen seine Derschleierungslinie, sie eilen der Armee weit voraus, decken ihre Front und besetzen wichtige Geländeabschnitte, die für die Operation von Bedeutung sind. Sie sind die er st en am Feind. Durch den Wechsel zwischen Gefecht zu Fuß und Bewegung auf Krafträdern sind sie besonders geeignet, blitzschnell den Kampf zu eröffnen, ihn rasch abzubrechen und an anderer Stelle wieder aufzu- nehmen. Ueberall, wo es daranf ankommt, den Gegner von verschiedenen Seiten überfallartig zu packen, sind sie in ihrem Element. Denn die bewegliche Kampfführung befähigt zu Unternehmungen in der Flanke und im Rücken des Gegners. Ob es gilt, den fliehenden Feind weiter zurückzuschlagen ober die Deckung des eigenen Rückzuges zu übernehmen, in allen Fällen ist die Kraftradttuppe zur entfcheidenden Mitwirkung berufen. So vielseitig und interessant der Dienst bei der Kraftradtruppe ist, er stellt doch außerordentlich hohe Anforderungen an die moralischen, körperlichen und geistigen Fähigkeiten des einzelnen Mannes. Die jungen Rekruten bekommen zunächst die Waffe in die Hand gedrückt; denn strafte Einzelschulung soll eine feste militärische Grundlage schaffen. Sobald die Handhabung der Waffe einigermaßen geläufig geworden ist, beginnt die Fahrausbildung. Es ist Grundsatz, daß jeder Schütze Fahrer und jeder Fahrer ein Schütze sein muß. Das Fahren wiederum verlangt Geistesgegenwart und technische Kenntnisse. Aber nicht die Fertigkeit im Fahren ist das letzte Ziel der Ausbildung, sondern die Anwendung der Fahrkunst beim Kampfeinsatz. F. Kronberger. Moderner Lufikamps. I Lange Jahre hindurch war Deuftchland ohnmächtig in der Luft. Heute verfügt es dank dem Führer und dem Luftorganisator Hermann Göring wieder über eine Fliegertruppe zu Lande und zur See, die an Stärke, Angriffsgeist und fliegerischer Tüchtigkeit jedem möglichen Gegner gewachsen ist. Zusammen mit der Flakartillerie und der Lustnachrichtentruppe sichert die Fliegertruppe den Luftraum des Deutschen Reiches gegen alle etwaigen Luftangriffe der fremden Mächte, deren heutige Einkreisungspolitik in erster Linie auf ein konzentrisches Lustbündnis gegen das deutsche Volk hinzielt. Die enge Zusammenarbeit mit dem erfb= klüftigen Luftheer des befreundeten und verbündeten italienischen Volkes verleiht der deutschen Fliegertruppe darüber hinaus einen Rückhalt, der sie zu vernichtenden Gegenschlägen befähigen würde. Die Fliegertruppe, eine der drei Waffengattungen der Luftwaffe, zu erkennen an ihrer goldgelben Waffenfarbe, hat den Kampf in der Luft und aus der Luft zu führen. Die Staffel ist die kleinste, aus einer Reihe von Flugzeugen bestehenden Kampfeinheit. Mehrere Staffeln bilden eine Gruppe, und zwar unterscheidet man je nach der verschiedenartigen Ausrüstung mit Flugzeugen Aufklärungsgruppen, Kampfgruppen, Sturz- fampfgruppen und Jagdgruppen. Mehrere Gruppen werden organisatorisch zu Geschwadern zu- benflugzeugen erheblich überlegen sind. Um diese Überlegenheit voll zur Geltung zu bringen, müssen die Jagdflieger im fliegerischen Können, im Derbandsfluge und im Kunstfluge meisterhaft ausgebildet sein. Sie sind mit mehreren Maschinengewehren, teilweise auch mit Flugzeugkanonen ausgerüstet. Ihr Vorteil im Kampf gegen die Bomber besteht außer der oben erwähnten fliegerischen Ueberlegenheit in ihrer Kleinheit, die den Bombern ein wohlgezieltes Feuern erschwert, während der Jagdflieger schon auf größerer Entfernung, vor allem ntit der Kanone, Aussicht auf entscheidende Treffer gegen den Motor ober das Leitwerk des Bombers hat. Außer zur Abwehr der feindlichen Bomber werden Jagdflugzeuge auch zum Tiefangriff gegen lebende Ziele auf der Erde, z. B. Schützen, Reserven, anmarschierende Kolonnen usw. verwendet. am 5. Dezember seine Armee verlassen hatte, um Stollen trugen, und mit Hilfe aller Mannschaften, eine steile, mit Glatteis überzogene Höhe zu überschreiten, während rechts und links von ihnen die Kosaken bereits, über das Eis des Niemen ritten. Die Märsche der nächsten Tage verliefen unter fortgesetzten Verlusten bei kleineren Nachhutgefechten, aber das schlimmste war überstanden, lieber Scrande ging der Marsch nach Wirballen, das am 15. Dezember erreicht wurde. Dort hatten die hessischen Truppen eine „Parade" vor König Murat, der nach der Abreise des Kaisers Napoleon, der kau bis Wilna mitgemächt hatten. Mit tiefer Erschütterung empfing der Prinz den Oberst von Schönberg und ließ sich die Schicksale' des leichten Infanterie-Regiments schildern. Er faßte auch sofort, trotz des Widerstandes der französischen Führer, alle Hessen wieder unter sein Kommando zusammen und setzte durch, daß sie der „alten Garde", die noch feste Verbände aufwies, angegliedert wurden. Das hatte ben großen Vorteil, daß sie an der bevorzugten Belieferung für diese Elite-Truppe teilnahm, die allerdings nach dem Bericht des Prinzen Emil hauptsächlich in einer Plünderung der Magazine mit am 5. Dezember seine Armee verlassen hatte, um roher Indisziplin bestand. Der großen Masse gegen- ^nach Paris vorauszueilen, die Trümmer der Armee über hielt man unbegreiflicherweise die Vorratshäuser streng verschlossen, was das Elend und dje Verzweiflung der halbverhungerten und erfrorenen Soldaten natürlich aufs äußerste steigerte' Dicht aufaeschlossen setzten am 10. Dezember die Hessen mit der alten Garde den Rückzug auf Somno fort. Die Kälte erreichte 28 Grad, die Leiden wurden immer furchtbarer. Das 6. Korps des Grafen Wrede hatte sich völlig aufgelöst, eine Nachhut gab es überhaupt nicht mehr. Lediglich der Marschall Ney konnte mit der Macht seiner Persönlichkeit bei Kowno ein paar hundert Mann sammeln, mit denen er den nachdrängenden Feind einige Stunden zurückhielt. Dadurch gelang es, die hessische Artillerie zu retten. Die Tatkraft des Kapitäns von Karlsen ermöglichte es, mit den sechs Geschützen unter den unsäglichsten Anstrengungen der Pferde, die ja sämtlich nur glatte Eisen ohne mit wenig Geschick befehligt hatte. Die Stärke der hessischen Truppen war (nach dem Tagebuch des Prinzen Emil) folgende: Leib-Garde-Regiment 5 Offiziere 12 Mann Leib-Regiment 8 „ 13 „ Prov. Leichtes Inf.-Rgt. 26 „ 206 „ Artillerie 1 „ 44 „ Der Rest von 6800 Mann. König Murat wunderte sich über die gute Haltung der Brigade (zusammen 40 Offiziere, 275 Mann). Er hatte allen Grund dazu. Denn was da vor ihm stand, das war eine Heldenschar ohnegleichen, der Mann für Mann der Lorbeerkranz gebührte, eine Schar, die in Tapferkeit und Treue, in Ausdauer und Manneszucht die schrecklichsten Leiden der Kälte und des Hungers überstanden, ein soldatisches Vorbild für alle Zeiten. (Fortsetzung folgt.) Wann beginnt die Erinnerung? „Oer Taubenschlag des Gedächtnisses." — Aufschlußreiche Experimente eines deutschen Forschers. — Wie viele Lebensdaten bleiben hasten? 23on Dr. $. Kaden. Die Wissenschaft hat sich in letzter Zeit eingehend mit der Frage beschäftigt, wie groß unser Erinnerungsvermögen ist, und wie es überhaupt mit dieser in vieler Beziehung noch recht geheimnisvollen Fähigkeiten des Menschen steht. Besonders aufschlußreich war ein großangelegter Selbstversuch des bekannten deutschen Forschers Pros. R. Hennig, der erstmalig die Frage geklärt hat, an wieviele datenmäßig festgelegte Ereignisse aus unserem Leben mir uns erinnern können. Die Ergebnisse dieses Versuchs waren außerordentlich interessant; der nachstehende Artikel berichtet darüber. Zahllose Einzelerinnerungen trägt der Mensch mit sich herum. Fortwährend vervielfachen sie sich durch neue Eindrücke und Erlebnisse, die in der unsichtbaren Vorratskammer, dem Erinne- rungsgut, aufbewahrt werden. Lange Zeit hindurch scheinen sie vergessen zu sein — aber dann tauchen sie blitzartig wieder im Bewußtsein auf. Irgendein Zufall kann den Anlaß dazu geben: ein belangloses Wort, ein Name oder eine Zahl, eine Melodie, der Anblick eines Gegenstandes, das Erleben einer Landschaft, irgendeine Stimmung ... Und wer wüßte nicht um jenen merkwürdigen Vorgang, der sich beim bewußten Suchen nach einer Erinnerung abspielt? Angestrengt denken wir nach: wann, wo, wie war es?' Wie war der Name, die Zahl, die Melodie? Es will uns nicht gelingen, darauf zu kommen, und wir geben unsere Bemühungen auf. Und dann, nach kürzerer oder längerer Zeit ist das Gesuchte plötzlich ,,ba". Es ist uns, wie wi^ zu sagen pflegen, „eingefallen". Wie auf ein Klingelzeichen hatte die Erinnerung den Wunsch des Bewußtseins vernommen und unbemerkt das Material ihres Speichers gesichtet. Nichts wirklich Eindrucksvolles geht völlig verloren. So gleicht das Gedächtnis, wie Plato vor mehr als 2000 Jahren sagte, „einem Taubenschlag, in den Tauben einziehen, in dem sie zeitweilig unsichtbar bleiben, und aus dem sie später wieder zum Vorschein kommen." Die Erinnerung birgt also unsere Erlebnisse, unser Werden und Wissen, unser Wünschen und Hoffen, die glücklichen und leidvollen Erfahrungen. Sie ist unser eigener Lebensinhalt. Die moderne Psycho- logie bezeichnet daher die Erinnerung im Unterschied zum Gedächtnis als das „Lebensgedacht- n i s". In ihm gestaltet sich die Geschichte unseres Daseins. Aber wie steht es nun mit der Exaktheit dex Erinnerung über lange Zeiträume — an wieviele Daten aus unserem Leben können wir uns erinnern? Der bekannte deutsche Forscher Professor Richard Hennig (Düsseldorf) hat sich in mühsamen, ins Einzelne gehenden Selbstoersuchen der Aufgabe unterzogen, diese Frage zu klären. Ueber sechs Jahrzehnte eines langen Lebens standen ihm dafür zü Gebote. Schon geraume Zeit war es feine Gewohnheit, in seinen Mußestunden zu prüfen, was er am jeweiligen Kalendertag des betreffenden Tages in früheren Jahren erlebt hatte. Allmählich zeichnete er die Zahl der Erinnerungen von Tag zu Tag auf, und er ergänzte die Liste von Fall zu Fall, wenn ihm nachträglich noch weitere Erlebnisse früherer Jahre zu diesem oder jenem Datum einfielen. Nach und nach entstand eine Tabelle, aus der er ersehen konnte, wie hoch die Gesamtzahl seiner datterbaren Lebenserinnerungen sei. Auf ganz verschiedenen Wegen gelangten die Erinnerungsbilder und ihre Daten während des Selbstversuchs ins Bewußtsein — keineswegs immer „auf Anhieb", wie wir sehen werden. Oftmals tauchten sie in der bereits erwähnten Weise blitzartig durch irgendwelchen Anlaß auf oder sie erschienen auf Anruf des Bewußtseins, das ihnen grübelnd nachgegangen war. Manchmal weckte ein bestimmtes Datum eine andersartige Erinnerung, für die aber der genaue Zeitpunkt erst gefunden werden mußte. Ungeheure Schwierigkeiten erwuchsen, wenn das Jahr seststand, nicht aber Monat und Tag, oder wenn Wochentag nnd Datum gegeben waren, nicht aber Monat und Jahr. In solchen Fällen bedurfte es eines zähen Nachsinnens, rechnerischer Fähigkeiten, Kunstgriffe und, wie Hennig sagt, der „sonderbarsten Akrobatenkunststückchen des Datengedächt- nisses". Aber der Erfolg stellte sich überraschend häufig ein. Was längst vergessen gewähnt, erstand in neuer Klarheit. Jeweils vorgenommene Nachforschungen und nachträgliche Ueberprü- f u n g e n der Einzelfunde an Hand von brieflichen Aufzeichnungen und Tagebuchnotizen bestätigten die Richtigkeit der „erinnerten" Daten. Sehr interessant war zunächst die Beantwortung der Frage, wann die ersten Erinnerungen einsetzen. Die Psychologie hat durch zahlreiche Un- Ankunst auf dem Lande. ' Von Hans Brandenburg Der Stadt entflohen —: das erste Ferienwort aller derer, die das übrige Jahr in künstlerischer Steinflut behaust sind. Und glücklich, wer die Stadtwohnung nicht nur mit Hotels, Gasthäusern und Pensionen vertauscht, sondern wer den Sommer in einem Bauernhause verleben darf. Wenngleich er aUe gewohnten Bequemlichkeiten dabei vermißt, was auch schon Erholung bedeutet — er ist eine Weile mitaufgenommen und doch angerührt von dem Kreisläufe naturgewollten, erdnahen Lebens. Grüne, gewachsene Flut spült bis an den kleinen fcHgen Jnselstrand deines offenen Gartenhäuschens oder umschmeichelt deine Füße unter dem Tisch im Schatten der Obstbäume. Gleich vor der Schwelle wandern diese fruchtenden Böpme hinaus, in lockerer Versammlung ein Stückchen in den offenen Grasplatz hinein. Und dieser Orasgarten geht unmittelbar in die Wiesen über, in schlichtes Gemüseland, in das blaugrüne Wellenbeben des Kornes. Das Haus steht auf einer Kuppe, die nur so viel gehoben ist, daß die Welt um dich schwebt und du selber schwebst. Wenn du zurückblickst, hast du unten das Dorf. Wenn du vorwärtsblickst, hast du oben die Berge; und mit der Front des Hauses spielt dein Blick auf der Verbindung von beiden, schweifend über die Brücken und Bögen eines geschwungenen Landes. Das klösterliche Dorf, gegen das die blühenden Lindenwipfel der Straße anmarschieren, würfelt wie Spielzeug Tor, Schloß und Häuser, Satteldächer und Kirchenschiff in den grünen Geländeteppich. Sein weißer Turm und seine Haube, ein Ritterhelm mit Obelisk, ruhen auf dem Hintergrund eines Hügels, auf Weidenblößen und Fichten- ketten, ein zweiter höherer Hügel mit Wallfahrtskirche schließt sich an; wie Glieder eines Leibes lagert sich dieser Doppelbug, durch die Zäsur einer bezaubernden Senke getrennt. Außer dem Dorf und feiner Umgebung gibt unsere Kuppe keine Tiefe frei, sie rollt ihren Rand so ein, daß Straße und Bergflußtal in unsichtbarer, blau dunstender Falte versinken. Aber jenseits kommen hinziehende Wald- lehnen hoch, überschnitten von einem herrlichen Sattel, auf dem ein Dorf mit spitzem Turme reitet und von dem die Felder und Aecker wie Schabracken heradhängen. An ihm vorbei werden die Blicke wie Bälle vom Zug und Gegenzug grünen Wogenganges zum Gebirge emporgeworfen. Der Abend spannt die Pyramidenzelte der Dorberge aus, er stürzt Lichtkaskaden durch die Scharten zackiger Felsburgen und haucht die höchste Wand wie Schaum aus Glas sand rosig auf. Wenn sie zu Schlacke erbleicht, legt ein einzelnes Dach in der Nähe noch kaminroten Brand davor. Du wirst erwachen von jenen Vogelstimmen, die auch im Sommer nicht verstummen, vom Lerchenlied, vom Schnalzen der Rotschwänzchen, vom Schwalbengezwitscher über der Treppe neben deiner Zimmertür. Und in den nächsten Wochen werden deine gefangenen mauer- und bücherbegrenzten Augen fliegend, horizontfrei, raumbeherrschend wie Adler. Oer historische Grünewald. Mathis Gothardt-Neidhardi Die Persönlichkeit des Meisters des Jsenheimer Altares ist trotz der tiefen und nachhaltenden Wirkung, die das gewaltige Werk ausübte, bis in die letzte Zeit fast völlig im Dunkel geblieben, und als fein Name wurde immer Matthias Grünewald angegeben, seitdem Sandrart 1675 diesen, ohne daß eine Begründung dafür vorlag, für den Künstler überliefert hat. Erst seit dem Weltkriege ist es der Forschung gelungen, erstaunlich viel zur Aufhellung des Lebensganges und der Lebensumstände des unvergleichlichen Malers zu ermitteln. In einem großen Werk „Der historische Grünewald: Mathis Gothardt-Neithardt" hat Walter Karl Zülch, der vor allem den Spuren des äußeren Daseins des Künstlers in unermüdlicher Forscherarbeit nach- gegangen ist, seine Ergebnisse zusammengefaßt; über diese berichtet Otto H. F ö r st e r im Aprilheft Der bei F. Bruckmann in München erscheinenden Monatsschrift „Pantheon". Zunächst der Name. Daß Matthias Grünewald der richtige Name des Meisters sei, wurde im Laufe os.r Forschung immer stärker bezweifelt. Die eigenhändigen Monogramme weisen neben „M. G." mehr- fach ein unerklärliches „N" auf, und der Nams Grünewald kommt in keiner Quelle vor, wo vielmehr stets ein „Meister Mathis der Maler von Aschaffenburg" genannt wird. Als „Mathis ? e 14 " .'st der spätere Schöpfer des Jsen- heimer Altars in Würzburg geboren, und er hat anscheinend kurz vor 1516, während der Arbeit an seinem Hauptwerk, feinen Namen in „Gothardt" geändert. Mit Rücksicht auf bestehende Rechtsbräuche mußte er aber auch den Geburtsnamen beibehalten ünd trug so einen Doppelnamen: dies erklärt das Monogramm „M. G.N.". Wenn cs auch schwer scheint, den Namen Grünewald aufzugeben, der uns so lange Höchstes bezeichnet hat, so treten die For- Der Hinweis - ein Blick in die Zeitschriften. Moderne Musik. Leben mir heute in Deutschland von der großen Musikkultur der Vergangenheit oder besitzt unsere Zeit eine eigene schöpferische Musikkultur? Mit dieser Frage beschäftigt sich Walther Abendroth in einer Betrachtung „Vom Lebens- und Entwicklungsrecht des jungen Musikschaffens", im Maiheft der „M o natsschrift für das deutsche Geistes- leben". Der Verfasser bemerkt: „Es fehlt unserer Gegenwart durchaus nicht an großen und bemerkenswerten schöpferischen Begabungen. Allein nachdem viele Jahre hindurch das künstlerische Wollen und Wirken in der Tat starke Kennzeichen der Entwurzelung und Entartung getragen hatte und infolge mancher Zumutungen aller Art das Publikum aus Sälen und Theatern entflohen war, ist es nun dahin gekommen, daß bald alles in der Musik für Bolschewismus erklärt wird, was nicht dem entspricht, woran sich zu Anfang dieses Jahrhunderts Normalohren und Durchschnittsgemüter eben gerade gewöhnt hatten. Was dem Hörer, der nicht Musik erleben will, um am Geistesleben und am Gestaltungstrieb feiner Mit- und Umwelt teilzunehmen, sondern lediglich, um seine Gefühle und Gefühlchen hochzuschrauben und aufzublähen, — was diesem Hörer nicht auf den ersten Anhieb gefällt, das wirft er jetzt einfach schnell und bequem auf den Schutthaufen des Kulturbolschewismus." Solche Hörer hätten einst auch die Größten der deutschen Musik abgelehnt. „Bach, Mozart, Beethoven, Wagner — er vor allem — erschienen in ihren entscheidenden Werken den Zeitgenossen nicht nur maßlos kühn, ohrenbeleidigend, häßlich und mißtönend, sondern auch überkompliziert und allzu schwer verständlich. Und das mit Recht — von der Ebene der jeweils gewohnten Norm aus, in welche die neue Substanz — zunächst ein Fremdkörper — ja erst eingehen sollte. Niemals vermag die Gegenwart ein gültiges Urteil zu sprechen über Wert und Bestand des Werkes, das mit neuem Stil und neuem Ausdruck in die Zeit tritt; denn sie kann durchaus nicht mit Sicherheit unterscheiden zwischen relativer Unverständlichkeit (die durch den Zusammenprall des Ungewohnten mit dem Gewohnten bedingt ist) und absoluter (die als Schwäche, Unvermögen oder Entartung im Werke selbst begründet liegt)." ^5erü Sie meinen, eine Glatze sei wie die andere? Und weil die Haare ausgefallen seien, so stecke nichts dahinter? Welch ein Irrtum! Zumindest allen denen, die eine Glatze haben oder voraussichtlich eine bekommen werde, sei die Lektüre einer kulturhistorischen - physiognomischen Plauderei in der „neuen 1 i n i e" empfohlen, wo Hans Erman unter dem Titel „Des Mannes Glatze sei ein Glanz" ebenso Erbauliches wie Tröstliches über den fehlenden Haarschmuck zu lagen weiß, wobei er auf nicht wenige berühmte Glatzen Hinweisen kann: „Man bedauert, daß unsere Physiognomiker sich nicht ausführlicher gerade mit den Glatzen beschäftigt haben, und man ist versucht, auf eigene Weise sie auszudeuten und zu typisieren. Breit aus der hohen Stirn, die der Kupferstich von Johann Heinrich Lips uns zeigt, steigt Goethes Glatze auf dem Bild Stielers empor, noch ein Büschel Haar in der Mitte, tief ausgebuchtete Geheimratsecken, alles zusammen umrahmt vom lockigen Randhaar. Wie anders die entzückende Glatze Schopenhauers; dicht über die Schläfen bringt das Haar, es deckt auch die Höhe des Hauptes, aber weit zog es sich vom Schädelansatz zurück, der Kopf ist zur hoch- geschwungenen Stirn geworden ... Eigenwillig floh Jean Pauls Lockenhaar längs des Scheitels rechts zurück, halb liegt der Kopf frei, halb decken ihn Locken. Breit, in mächtigen Ouerfalten fast stufenartig ansteigend wölbt sich Berlichingens Haupt zwischen seitlich fallenden Locken empor; in glatter, fast nackter Stirn wölbt sich Grabbes Kopf; schmal zusammen fließt das Haupt Hegels, genau so eng und hoch steht eines Walter von Plettenberg kahler Scheitel über dem seitlichen Haar, das fast in den Bart hinabwächst. Adolph Menzel wieder — was das Haar sonst verborgen hätte, diese stark nach vorn sich weitende Stirn zieht in flachem Gewölbe sich nach hinten zurück, breit und starrsinnig, gewiß auch selbstsüchttg, und doch durch die Falten der Stirn als Kopf des Künstlers gezeichnet." tersuchungen festgestellt, daß die früheste Einzel- erinnerung des Menschen bestenfalls im zweiten, spätestens im neunten Lebensjahre möglich ist. Normalerweise stammen unsere ersten Erinnerungen aus dem Ende des vierten Lebensjahres. Prof. Hennig ist nun der erste Forscher, der seine früheste datierbare Erinnerung festgestellt hat. Sie liegt bei ihm drei Tage vor seinem dritten Geburtstage. Zu berücksichtigen ist hierbei, daß unser Gedächtnis erst im Alter von 10 Jahren voll entwickelt ist und sich von da ab in zunehmendem Umfange betätigt. Diese Tatsache hat in der Tabelle Prof. Hennigs ihren sichtbaren Niederschlag gefunden. Verhältnismäßig gering ist die Anzahl der frühen datterbaren Erinnerungen: bis zum 11. Jahre sind es nicht mehr als 32, von denen 24 auf die ersten vier Schuljahre entfallen. Erst mit den Entwicklungsjahren, zugleich also mit der vollen Entfaltung der Gedächtniskraft, werden sie häufiger und steigern sich beträchtlich. Außerordentlich aufschlußreich ist auch die zeitliche Verteilung der Erinnerungen. Bestimmte Monate erscheinen in der Tabelle häufiger als andere, die Sommerhalbjahre beleben die Statistik weitaus stärker als die Winterhalbjahre. Vom Standpunkt eines 60jährigen gibt es lange Strecken, für die sich die Erinnerung ungemein Leb- haft erhalten hat, während andere spurlos dahin- gegangen zu sein scheinen: jede Erinnerung an sie ist erloschen. Auch die Erinnerung der Menschen scheint also ihre „Gezeiten" zu haben, ihre Ebbe und Flut. Nun aber zu dem Gesamtergebnis der datierten Erinnerungsbilder. Auf den Zeitraum von 621/2 Jahren entfallen insgesamt 5126 datierbare Erinnerungen. Im Durchschnitt ist also s a st ein Viertel aller von ihm durchlebten Tage für die Erinnerung lebendig geblieben. Prof. Hennig weist allerdings darauf hin, daß sein Versuch nicht eindeutig ist. Unternehmen ihn andere, dann ist scher doch dafür ein, daß man auch in der Literatur dem Meister seinen echten Namen wisdergibt, nur noch von Mathis Gothardt-Neithardt spricht. Ueber den Lebensgang des Künstlers hat Zülch ermittelt, daß er wahrscheinlich früher als man bisher dachte, vielleicht um 1460, geboren ist. In einem köstlichen, M. N. gezeichneten Bildnis eines jungen Malergesellen, dessen Auftauchen vor einigen Jahren die Kunstwelt erregte, hat er sich selbst dargestellt. Von 1486 bis mindestens 1490 hatte er als Meister in Aschaffenburg gearbeitet. Von den ersten zwanzig und vielleicht fast dreißig Jahren feines Schaffens wissen wir nichts, die 1503 einsetzende Reihe seiner erhaltenen Schöpfungen gibt nur von den letzten 20 Jahren seines Schaffens Kunde. Von 1501 an bis zum Tode am 31. August 1528 ist das mannigfaltige Hin und Her im Leben des großen Einsamen gut zu verfolgen. 25 Jahre lang „Maler und Bürger zu Seligenstadt", ist er zugleich Hofmaler des Mainzer Kurfürsten und mehr als das, künstlerischer Intendant von dessen vielseitigen Bau- und Kunstschöpfungen gewesen. Das Nachlaßverzeichnis führt noch die prachtvollen roten Hofgewänder an. Dazwischen hat er 1515 den Jsenheimer Altar vollendet. Es folgt der Maria-Schnee-Altar für die Stiftskirche zu Aschaffenburg, für Halle wird die Tafel nut Eraqmus und Mauritius geschaffen, die heute der Mittelpunkt des großen altdeutschen Saales der Münchner Pinakothek ist. Für das letzte große Werk, den Altar von Tauberbischofsheim, fehlen die unmittelbaren urkundlichen Nachweise. Ueber ihn fällt schon der blutige Feuerschein des Bauernkrieges von 1525, der Meister Gothardts Tätigkeit für den Mainzer Hof und feinen Aufenthalt in Seligenstadt ein Ende bereitete. Wie fein Büchernachlaß bartut, war er Anhänger Luthers und scheint, wie die ganze Stadt, mit den Aufständischen sympathisiert zu haben. Vor der Rache des Fürsten mußte Meister Mathis mit allen, die ihr Leben retten konnten, aus der Heimat fliehen. Wir begegnen ihm erst in Frankfurt, dann feit 1526 in Halle, und am 1. September desselben Jahres, in dem auch Dürer, starb, wird zu Halle fein Tod beurkundet. Als „Wafferkunst- macher" hatte er feine letzten Jahre zugebracht. So rundet sich das Bild eines geistig, technisch und künstlerisch die Fülle des Lebens und der Erkenntnisse seiner Zeit in sich vereinenden, von der unerbittlichen Leidenschaft zur Wahrheit bis zur Aufopferung und Zerstörung seines Daseins besessenen Genies, das alle Höhen überschaut und überflogen, das Grauen der tiefften Abgründe durchlitten hat." C. K. damit zu rechnen, daß die „registrierbare Tätigkeit" des Gedächtnisses bei jedem Menschen etwas anders ist. Die Ergebnisse müßten auch nach dem jeweiligen Lebensalter, nach dem Gesundheitszustand usw. schwanken. Die Erfahrung lehrt, daß die meisten Menschen nur eine verhältnismäßig recht kleine Zahl ihrer persönlichen Erlebnisse zuverlässig da- tiereu können. Eingehende Versuche haben erwiesen, daß die Zahl 100 von vielen Menschen nicht über» schritten wird. Bei manchen Versuchspersonen waren sogar nur einige Dutzend Geschehnisse aus der Erin» nerung datierbar. Prof. Hennig, der auf diesem Gebiet zweifellos ganz besonders befähigt ist, gibt mit seinem Selbstversuch einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der menschlichen Gedächtniskraft. Vielleicht werden sich diejenigen unserer Leser, die über ein besonders gutes Daten- und Zahlengedächtnis verfügen, dadurch angeregt fühlen, gelegentlich die datterbaren Erinnerungen aus ihrem Leden aufzuzeichnen. Der Gewinn einer solchen „amateurwissenschaftlichen" Arbeit ist nicht gering; blicken wir doch hierbei tiefer in unsere „persönliche Geschichte" und verbessern den Ueberblicf über unser von Tausenden von Erfahrungen und Erlebnissen durcb- wirktes Dasein. Das Grab der bei den Thermopylen gefallenen Spartaner gefunden? Im Laufe der Nachforschungen nach dem berühmten Schlachtfelde von Marathon ist man bei Ausgrabungen in der Gegend, in der man das Schlachtfeld vermutete, auf Skelette und auf antike Helme und Waffen gestoßen, die spartanischer Herkunft sind. Die Ausgrabungen werden von den Fachleuten mit größtem Interesse verfolgt und fortgesetzt. Man glaubt auf Grund der Funde das Grab der in der Schlacht bei den Thermopylen im August 480 v. Ehr. gefallenen Spartaner gefunden zu haben. Zeitschriften. •— "D a s Innere R e i ch". (Herausgeber: Paul Alverdes. Verlag Albert Langen/Georg Müller Verlag, München). — Der Herausgeber bat einen hervorragenden Kenner der italienischen Literatur, den verdienstvollen Förderer der deutschen Literatur m Italien, Professor Gabetti, ihm anhand von Droben einen Querschnitt durch die moderne ita» uemsche Literatur für deutsche Leser Herstellen zu helfen. So ist das erste Italien-Sonderheft der Zeitschrift entftanben. Zwanzig der bekanntesten Dichter des modernen Italien künden in Lyrik und Prosa vom Leben ihres Volkes in Geschichte und Gegenwart, in Zeiten des Krieges und des Frie* dens, in der Vielfalt und Eigentümlichkeit von Gestalten und Begebenheiten mit einem Instinkt für die (Situation des Dichterischen, mit einem Gefühl für das spannend Lebendige, mit einem Reichtum des Ausdrucks und mit einer Ehrlichkeit der Haltung, daß es erstaunlich ist, daß diese Dichter mcht langst bei uns heimisch sind. Elf Tafeln nach Werken verschiedener Maler und Bildhauer befestigen die Eindrücke, die die Dichter geben. 77. Für die Fußgesundheit der Kinder ist es wichtig, daß nicht erst gewartet werden darf, bis Jj® ihren Dienst versagen und schwer geschädigt sind, sondern daß schon auf die Fußgesund- heit geachtet werden muß, bevor stärkere Beschwerden auftreten — schon beim Kleinkind. Im Mai- Heft der Zeitschrift „Mutter und K i n d", (Der- lag Elwin Staude KG., Berlin W30 und Oster- wieck) findet die interessierte Mutter wertvolle Anregungen; Abbildungen erläutern den Text. Ebenso lehrreich sind für alle jungen Mütter auch die weiteren Beiträge wie z. B.:' „Hygiene des Schulkindes", „An der Wiege des Lebens", „Abenteuer zweier Maikäfer", „Mutti, sag mal, warum" usw. „Der Bergsteiger" (Älpenverlag F. Bruck» mann KG. & Holzhausen, München'— Wien) bringt in feiner Aprilfolge für den Schiläufer, der im Frühling noch das winterliche Hochgebirge auf* suchen will, lohnende Fahrten um die Berliner Hütte, sowie Touren im Krottenkopfgebiet. Weitere Beiträge behandeln die Frage der Ernährung des Bergsteigers (von Professor Dr. Durig) sowie die des Wassertrinkens auf Bergfahrten. Schließlich lesen wir ein von feinem Verständnis für die kraftvolle Eigenart eines der bedeutendsten künstlerischen Gestalter der grandiosen Gebirgswelt diktiertes Gedenk» wort für den vor 20 Jahren verstorbenen Münchner Maler Fritz Baer aus der Feder Dr. Anton Schmids. M.M Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch,!?. Mai (959 Aus der Stadi Gießen. Himmelfahrt — Tag geselliger Freude Dies ist der Tag, auf den seit Wochen die Aufmerksamkeit gerichtet ist. Seit Jahrzehnten versteht es fid) geradezu von selber, daß der Himmelfahrtslag draußen im Grünen verbracht wird. Ob es die verschiedensten Vereine, oder auch nur die für diesen Tag gemeinsam aufgerufenen Familienmitglieder sind: Pläne haben sie alle gründlich gemacht. Es gibt kein Ausflugsziel im näheren und weiteren Umkreis, das nicht in Erwägung gezogen worden wäre. Ziele, die fick) zu Fuß, per Rad oder auch im Auto oder Omnibus erreichen lassen, auf alle Fälle lohnende Ziele, auf dercm Weg and) einladende Einkehrsmöglichkeiten winken. Zu verwundern ist es nicht, daß sich diese Eigenart des Himmelfahrtstages im Laufe der Fähre fo herausgebildct hat. Was liegt näher, als die freien Stunden, die uns in dieser köstlichen Zeit des Blühens und des Werdens zur Verfügung stehen, draußen in Wald und Feld zu verbringen? Jeder Sonntag, erscheint jetzt geradezu wie ein Geschenk, das weidlich ausgekostet werden muß. Kommt aber ganz und gar ein Feiertag in der Woche, wie dieser Himmclfahrtstag, dann ist der Drang ins Grüne mächtiger als jede andere Regung, so daß die Losung Viktor von Scheffels beinahe magische Kraft gewinnt: „Wohlauf, die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt, muß rosten!" Also geht es hinaus — sofern der Wettergott keinen Strich durch die Rechnung macht. Dieser mögliche Strich burd) die Rechnung ist allerdings das Problem, das bis zum letzten Augenblick alle Ausflugsbegeisterten in Spannung hält. Wird es regnen? Wird die Sonne scheinen? Es gibt Pessimisten, für die cs als eine ausgemachte Sache gilt, daß es am Himmelfahrtstag in Strömen gießen muß. Ihnen gegenüber steht die größere Zahl der Optimisten, die sich in ihrer Hoffnungsfreudigkeit nicht beirren läßt und recht daran tut. Denn jo erträglich wird das Wetter allemal fein, daß der Ausflug doch unternommen werden kann, selbst wenn er 'später durch eine längere Pause in einer Gastwirtschaft unterbrochen werden muß (was der Begeisterung für den Ausflug keineswegs besonderen Abbruch tut). Denn wie es bei allen Ausflügen, Picknicks und gemeinsamen Veranstaltungen ist, so zeigt es fid) insbesondere auch am Himmelfahrtstage: es handelt sich ausschließlich um eine Angelegenheit geselliger Freude. Alle, die wir Tag für Tag an den Arbeitsstätten unsere Pflicht erfüllen, find für jede Gelegenheit dankbar, in Gemeinschaft fröhlich zu fein. Daß uns der Himmelfahrtstag auch in diesem Jahr dazu verhelfen wird, wer möchte es bestreiten? H. W. Sch. Vornotizen. Tageskalender für Mittwoch. Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr „Meine Schwester und ich". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Gouverneur". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Salonwagen E 417". Tageskatender für Donnerstag (Himmelfahrt): Großes Luftwaften-Konzert auf der Burg Gleiberg, Beginn 15.30 Uhr. — Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Gouverneur". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Die Hochzeitsreise". — Himibelsahrts- Ausflüge: TV. von 1846 Abfahrt 8.20 Uhr, MTV. Abfahrt 9.57 Uhr; 1900: Treffpunkt 7 Uhr Lahnbrücke. Sladtlhealer Gießen. Heute abend findet eine Wiederholung des musikalischen Lustspiels „Meine Schwester und ich" von R. Benatzky statt. Spielleitung Gert Buchheun, am Flügel Joachim Popelka. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 31. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Ende nach 22 Uhr. _________ anderer Fragen besprochen wurden, regte der Kreisleiter die Instandsetzungen der Ortsdurchfahrten an. In einem zweiten Vortrag sprach der Leiter des Arbeitsamtes Gießen Oöerregierungsrat Nr. List über „A r b e i t s e i n s a tz f r a g e 'n". Er schilderte den Arbeitsprozeß, der zur Zeit auf Hochtouren läuft und für den auf weite Sicht eine Entspannung nicht zu erwarten ist. Da für diese großen Arbeitsvorgänge keine ausreichenden Arbeitskräfte mehr zur Verfügung sind, mußte die Bewirtschaftung der Arbeitskräfte aud) auf solche Personen zurückgreifen, die in Arbeit stehen. Nachdem eine Rangordnung der Dringlichkeit für die Arbeitsaufführung geschaffen ist, wird auch in diesem Jahre in noch höherem Maße von dieser Herausnahme der Man kann auf 2 Arten braun werden: l Allmählich on die Sonne gewöhnen, was das vernünftigste ist. Dann nimmt man die re» bewährte NIVEA-CREMEI 2 Vom erstenTagon lange in der Sonne bleiben und - schnell braun werden! Dann braucht /öjffV-wr man NIVEA-ULTRA.Ol m,t dem verstärkten Uchtschut^. 8 o Bürgermeisteriagung in Gießen. Die Kreisabteilung Gießen des Deutschen Gemeindetages hielt am gestrigen Dienstag im Landratsamt eine Bürgermeisterversammlung ab, bei der zunächst der von seinem Amt als Vorsitzender der Kreisabteilung zurückgetretene Bürgermeister Euler infolge Eingemeindung der von ihm geführten Gemeinde Wieseck in den Stadtkreis Gießen verabschiedet wurde. Nach den Begrüßungsworten des Vorsitzenden, Bürgermeister E u - ler, sagte der Hoheitsträger der Bewegung im Kreise Wetterau, Kreisleiter Backhaus, dem scheidenden Vorsitzenden den Dank der Partei für die von ihm geleistete Arbeit und für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Bewegung. Als Nachfolger führte er den Kreisschulungsleiter und Leiter der Kreisschule Wetterau, Bürgermeister Michel (Großen-Linden), in das Amt des Vorsitzenden der Kreisabteilung ein. Dabei sprach er dic Hoffnung aus, daß er die Nachfolge in der gleichen Weise zum Wohle des Kreises führen möge. Der Landrat des Landkreises Gießen, Dr. Lotz, würdigte die Arbeit des Bürgermeisters Euler, deren Bedeutung er durch die Herausstellung der Aufgaben der Kreisabteilung als eines Gliedes der alle Gemeinden und Verbände umfassenden Organisation des Deutschen Gemeindetages unterstrich. In diesem Zusammenhang erkannte er an, daß Bürgermeister Euler sich die vordringlichste Aufgabe, seine Kameraden weltanschaulich auszurichten, damit sie ihrx Pflicht im gleichen Sinne in den Gemeinden erfüllen konnten, sehr angelegen sein ließ, und durd; die verschiedenen Bürgermeisterversammlungen seine Kameraden in ihrer Arbeit wesentlich unterstützte. Mit dem Dank dafür verband er den Dank für die vertrauensvolle und harmonische Zusammenarbeit mit den Beamten des Landratsamtes. Indem er den Amtslütthfolger, Bürgermeister Michel, begrüßte, sprach er die Erwartung aus, daß auch unter seinem Vorsitz das vertrauensvolle Verhältnis unter den Kameraden und zwischen Vorsitzenden und Landratsamt fortbestehen möge. Der scheidende Vorsitzende, Bürgermeister E u - ler, dankte dem Kreisleiter und dem Landrat für das Vertrauen, durch dos sie seine Arbeit gefördert haben. Er erinnerte an feine vor fast sechs Jahren erfolgte Berufung durch den Leiter des Hessischen Gemeindetages, Oberbürgermeister Ritter, und rief mand) trübe Erinnerung, so an die Arbeitslosigkeit, die Wirtschaftsdepression und Hoffnungslosigkeit jener Tage wach. Mit Stolz konnte er nun darauf Hinweisen, daß die Kreisabteilung große Arbeiten getan hat und daß sie in der Durchführung der erforderlichen Maßnahmen mit an erster Stelle stand. Bürgermeister Euler dankte Kreisleiter Backhaus für bas rege Interesse, das er den Arbeiten der Kreisabteilung entgegengebracht hatte, Landrat Dr. Lotz für die gedeihliche Zusammenarbeit und tatkräftige Unterstützung und seinen Kameraden für das harmonische Einvernehmen, durch das dem Kreise Gießen am besten gedient war. Er sagte weiterhin der Presse seinen Dank dafür, daß sie durch die verständnisvolle Mitarbeit mitgeholfen habe, die Durchführung der Maßnahmen 3U erleichtern. Zum Schluß wandte er sich mit der Bitte an feine Kameraden, ihre Arbeiten zum Wohle der Gemeinden und des Kreises als eme Verpflichtung gegenüber dem Manne zu tun, der uns einer besseren Zukunft entgegenführt. Bürgermeister Michel übernahm den Vorsitz mit dem Versprechen, ihn im Sinne der Idee des Führers fortzuführen, und indem er seinem Vorgänger namens der Bürgermeister ^dankte, bat er diese, ihm ihr Vertrauen entgegenzubringen. Kreisleiter Backhaus, der über „D i e Aufgaben des Bürgermeister s" sprach, gab zunächst bekannt, daß Bürgermeister Euler für seine Verdienste um den Kreis Gießen eine Erinnerungsgabe Überreicht wird. Hierauf legte er die Art der Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister und Ortsgruppenleiter und für die überwiegend bäuerlichen Gemeinden auch die mit dem Ortsbauernführer bar. Dabei stellte er heraus, baß bie Amtsführung des Bürgermeisters ebenso wie die des Ortsgruppenleiters getragen sein muß von der weltanschaulichen Grundhaltung, aus der heraus er die Sicherheit und die Energie für die Durchführung der erforderlichen Maßnahmen erhält und burd) bie er auch bas rechte Verstänbnis für seine Dorfinsassen finden wird, und sachlich und korrekt das zu tun, was notwendig ist. Im Verlaufe seiner Ausführungen hob er weiter die vordringlichen Aufgaben der HI.-Heimbeschaf- fung, der Anlage von Schwimmbädern und NSV- Kinbergärten hervor, und zeigte Wege, wie sie zusätzlich Geldmittel für die Förderung dieser Maßnahmen frei machen können. Der Kreisleiter sprach den Wunsch aus, daß überall wenigstens in den Sommermonaten NSV.-Kindergärten' errichtet werden sollen, damit die Mutter auf dem Lande eine Erleichterung in ihrer Arbeit erhalten kann. Weiterhin teilte der Kreisleiter mit, daß zum 1. Juli in einer Anzahl von Gemeinden selbständige Ortsgruppen der Partei eingerichtet werden, und er bat die Bürgermeister um die entsprechende Unterstützung für die in Kürze zu ernennenden Ortsgruppenleiter. Ferner forderte der Kreisleiter die Bürgermeister auf, durch Zusammenarbeit mit den Genossenschaften für die Errichtung von Gemeindewaschküchen, die Beschaffung von Geräten für die Landwirtschaft und für die Gemeinschaft Sorge zu tragen. Nach einer Schilderung des Gaumusterdorfes Holzhausen gab er den Wunsch bekannt, daß auch im Kreise Gießen mit derartiger Gemeinschaftsarbeit begonnen werden möge. Diejenigen Ortsgruppen, die sich in diesem Sinne betätigen, werden herausgestellt werden. Die Gemeinden müssen burd) die Erneuerung ihrer Rathäuser, wie es Großen-Buseck bereits getan hat, den Gemeindebewohnern ein Beispiel geben. Schließlich empfahl er den Bürgermeistern die Anlage eines Dorfbuches und bas Zusammentragen aller kulturhistorischen Erinnerungsstücke und Funde für eine Ausstellung „Deutsches Ahnenerbe". Namentlich durch Farbaufnahmen aus dem Dorfe soll in der Jugend der Sinn für bie Schönheit ber Heimat geweckt werben. Nachbem noch eine Reihe Arbeitskräfte aus ben weniger wichtigen Betrieben im Wege der „Verpflichtung" Gebraud) gemacht werden. Der Vortragende gab ben Bürgermeistern Richtlinien für biese Maßnahmen und ersuchte die Bürgermeister, burd) Aufklärung in ihren Gemein- ben bas Verständnis hierfür zu wecken. Die Sicher« heit bcs Reiches macht solche Maßnahmen uner- läßlich. Auf der anderen Seite sind Anordnungen getroffen, um Härten auszugleichen. Weiterhin sprach er über die Beschränkung der Freizügigkeit und die Kündigungsbeschränkung, die Beschaffung von Arbeitskräften für die Landwirtschaft aus dem Pflichtjahr, dem Arbeitsdienst und dem Ausland, wobei er ersuchte, sich mit diesen Hilfskräften einstweilen zu bescheiden, bis das Reich, das die Not kennt, weitere Hilfsmaßnahmen getroffen haben wird. Schließlich machte er noch interessante Ausführungen über die Nachwuchslenkung und über die Zuteilung von Baumaterialien. Lugend im Lustschuh. Eine HI.-Lufischuhübung in Gießen. Am gestrigen Dienstagabend fand auf Oswalds- garten eine HJ.-Luftschutzübung statt. Auf der Seite nach der Kirchstraße zu war durch Fahnen der Partei, der HI. und des Reichsluftschutzbundes ein schöner Hintergrund geschaffen. Im großen Viereck waren die Gefolgschaften des Standortes Gießen der HI., der BDM. und die Amtsträger und Amtsträgerinnen bcs Reichsluftschutzbunbes aufmarschiert. Ferner hatten sich der Vertreter des Kreisleiters, Äreispropaganbaleiter Heß, Standortoffizier Major Krehan, Major der Schutzpolizei Hellwege- Emden, ber Sachbearbeiter des Lanbratsamtes, Reg.-Rat Dr. Krüger, Beigeorbneter V o g t, ber Abjutcmt ber Kreisstelle bes Deutschen Roten Kreuzes, die die Ausbildung der HI. im Bereitschaftsdienst vornimmt, DRK.-Hauptführer Röhr, sowie der LS.-Führer Schmidt cingefundcn. Der Leiter der Veranstaltung HI.-Standortführer Oberstammführer Dr. Schneider entbot den Willkommensgruß und würdigte die Zusammenarbeit von HI. und Luftschutzbund. Im Auftrage des auf einer Dienstreise befindlichen Kreisleiters überbrachte KreiSümtsleiter e. h. Heß die Grüße. Er versicherte HI. und Lüftschutzbund die Unterstützung ber Partei unb unterstrich die Bedeutung dieser Ausbildungsarbeit. Dabei hob er hervor, daß im Ernstfälle den Frauen und der Jugend die Hauptarbeit für den Schutz der Heimat zufallen wird, und daher begrüßte er diese Vorbildung als eine Selbsterhaltungsmahnahme. Im weiteren Verlauf feiner Ausführungen würdigte er die ersprießliche Zusammenarbeit zwischen Hitler- Jugend und Luftschutzbund und sprach der HI. im Auftrage ber Kreisleitung Anerkennung für beit Eifer aus, mit dem sie sich biefen Aufgaben unter« Zieht. Nach einem Ueberblick über bie politische Lage stellte Pg. Heß fest, baß die Rüstung für bas beutsche Volk ber Garant bafür ist, baß bie Nachbarvölker bes Reiches, ob sie wollen ober nicht, ben Frieden wahren müssen. Zum Schluß forderte er alle Volksgenossen unb befonbers die Jugend zur Mitarbeit am Luftschutz auf. LS.-Oberführer Cloh erinnerte an den 6. Gründungstag des Reichsluftschutzbundes, ber — wie alljährlich — burd) diese Hebung begangen wird. In einem Rückblick auf die Arbeit in dieser Zeitspanne stellte er die drei Aufgaben, ber Aufklärung, ber Ausbildung unb ber Werbung heraus, bie in Gießen eine guten Fortschritt genommen haben, so daß mit bestem Erfolg zuerst bie Marine-HI. und jetzt aud) bie anderen Gefolgschaften ber HI. im Selbstschutz ausgebilbet werben konnten. Er bankte ben HI.-Führern für bie verständnisvolle Zusammenarbeit, durch die es 6250 verlorene Bräute. Don Peter Barnni. Gefühle täuschen nicht immer. Im allgemeinen hat man bas Gefühl, daß zwei, die sich lieben, nebeneinander durchs Leben gehen sollten. Man kann zwar keine Vorschriften darüber machen wie lange sie bas tun sollen. Denn bie Liede ist ebenso -unvollkommen wie die Menschen, die an ihr leiden, fo daß Menschen, bie sich lieben, ebensooft gegeneinander- ober auseinanbergehen wie nebeneinander. Aber niemand würde wohl einen Einwand erheben, mpnn man bie Vorschrift machte, baß Leute, bie sich lieben, nicht hintereinander durchs Leben gehen sollten. In der Tat, wenn man sich vorstellte, daß an einem schönen Maienabend im Tiergarten bie Liebespaare alle hintereinander herg'ingen, wobei sie Zimmer mit beiden Händen fein en Gürtel s e) thielte, ■fo würde man bas wohl ziemlich komisch finden. Es gibt aber Tausende von Liebespaaren die so durch bie Natur schweben, wenn sie nämlich außer durch die Bande ber Liebe noch durch bas Gestell bes Motorrads miteinander verbunden sind. Man hat beim Anblick von Liebespaaren in dieser merkwürdigen stereometrischen Anordnungl immer das Gefühl gehabt, baß ba etwas nicht w Ordnung fei. Unb bieses Gefühl ist burd) eine statistische Untersuchung aufs glänzenbste gerechtsertiat worbem Eine polizeiliche Untersuchung m ben Bereinigten Staaten hat ergeben, baß im letzten Jahre im ganzen 6250 Mädchen vom Kameradschaftssitz gefallen unb verlorengegangen sind. man müßt- üi°s° 6250 h-runt-rg-fall-nen M«d- chen in einer hübschen Herbe auf ber einen oeite eines Stadions versammeln Auf der anderen Seite müßte man die 6250 Jünglinge aufstellen, bie jeber eine Liebe fürs Leben auf bie Straße geworfen haben. Dann müßte man fünf gebieten, unb man fönnte fidjer fern, baß an feiner Stelle der menschlichen Geschichte eme solche Fülle uon Einsicht in die Nutzlosigkeit von Seschrvmblgkeit n der Liebe stattgehabt hatte wie in diesem Cta- bion ber verlorenen Bräute. Dann kann e man ei 'urzes Trompetensignal ertönen lassen, unb die von der Geschwindigkeit auseinanbergerissenen Herzen dürften sich in stürmischer Weise wieder miteinander ^NMu/lich würden dabei eine ganze Reche von Verwechslungen vorkommen, ba eine Motorbraut hren Liebsten natürlich besser von hinten a born kennt, und ein Liebster feine Motorbraut mei- tens überhaupt noch nicht richtig angesehen Y Aber zum Schluß wird die Rechnung aufgehen, und nur ber Trompeter und ber Chronist werden übrig- bleiben. Unb wenn diese beiden dann eines Tages zur allgemeinen Verblüffung ihren neunzigsten Geburtstag feiern werden, wird die Menschheit wieder ein Stück weitergekommen sein, und die beiden Ehrengreife werden darüber manche bemerkenswerte Weisheit von sich geben, wovon der Chronist bann zu angemessener Zeit dem geneigten Leser gebüh- renbe Kenntnis geben wirb. Der Erste. (Sin Auio-(§rlebnis von HansIoachini Müller. „Er ist nicht mehr ganz jung", sagte Marion, „aber wie bie Leute ihn finben, kann einem dock) gleichgültig sein, nicht währ?" „Gewiß", pflichtete ich ihr bei, „danach soll man sich nicht richten." , „Ick) bin ja so glücklich, daß ich ihn habe, ich möchte ihn gar nicht mehr allein lassen. Stell dir vor, mein erster Wagen!" Hiermit traten wir vor die Haustür, und ich erblickte eine hochbeinige, lehmgelbe Limousine. Der Lack war blind, und die Kotflügel zeugten von vergangenen Kämpfen. „Fein, was?" sagte Marion erwartungsvoll. „Sieht doch noch anständig aus, meinst du nicht?" Ich versicherte, daß sie sehr gut gekauft habe. Dann wurde ich aufgefordert, einzusteigen. „Gas weg, auskuppeln, ausschalten, zweiter Gang, einkuppeln, Gas geben", murmelte Marion halblaut und angestrengt vor sich hin. „Aber was ist denn? Er bleibt ja stehen?" Sie überlegte einen Augenblick. „Bitte, sag nichts. Ich muß selbst drauf kommen. Ick) habe ihn doch nicht abgewürgt? Was könnte ich denn falsch gemacht haben?" Sie startete wieder, aber im zweiten Gang oc- gann er zu stottern unb stanb still. Nach dem dritten Versuch gab sie es auf. . „Sieh nur", rief sie aufgeregt, „er raucht ja ^In der Tat zeigten sich Spuren von Rauch. Er rauchte nicht nur, es roh auch danach. Nun sitz doch nicht so unbeweglich ba Du kannst doch auch mal den Mund auftun. über wahrscheinlich weißt du ja selbst nicht, woran es ^/Vielleicht", sagte ich, „kommt es durch die ungezogene Handbremse?" „Hab ich das schon wieder vergessen? Natürlich! Na, ich hätte es auch ohne dich gemerkt. Jetzt geht er richtig. Hoppla, ein Radfahrer. War ein bißchen knapp aber du brauchst keine Angst zu haben. Ich hatte einen sehr guten Fahrlehrer." Das Tachometer zeigt nach kurzer Zeit auf sünf- undbreißig, unb ich muß sagen, bas kam mir schnell vor. Ich dachte daran, daß ich jetzt irgendwo sitzen konnte unb in Ruhe meinen Kaffee trinken. „So, jetzt kannst bu ein bißchen den Gang festhalten, der geht nämlich bei vierzig raus. Komisch, was, wie kommt das? Der einzige Fehler, ben ber Wagen hat." Ich hielt den Schalthebel fest, der nach vorne zu rucken begann. „Ich bin ja froh, daß ich es geschafft habe mit ber Fahrprüfung. Ich hatte solche Angst bavor. Alle hätten mich bock; ausgelacht, wenn ich durchgefallen märe. Wochenlang habe ich vor bem Schlafengehen gepaukt, was man beim Vergaserbrand macht und was eine Hauptverkehrsstraße ist." Fünfzig, unb lauter belebte Querstraßen! „Als ich bann morgens zur Prüfung gegangen bin, habe ich keinem Menschen ein Sterbenswörtchen gesagt." Sechzig. Wenn sie rebet, kann sie doch unmöglich aufpassen. „Von der reinsten Mordkommission finb wir geprüft worden. Mich hat er gleich gefragt, wieviel Umdrehungen macht die Pleuelstange auf eine Umdrehung ber Kurbelwelle? Ich habe gesagt: ,Zweip Aber das hatten wir von ber Nockenwelle gelernt. Im Vertrauen gesagt, ich weiß gar nicht, was Nockenwelle unb Pleuelstange eigentlich finb." Da, ber Lastwagen! Bremsen — Bremsen! Gott fei Dank, bas war reines Glück. Hinter uns Tumult. „Laß bie ruhig schimpfen, ich hatte ja Vorfahrtsrecht. Ich glaube wenigstens. Du mußt nicht fo ängstlich fein. Uebrigens, Kurbelwelle und Pleuelstange brauchten sie meinetwegen nicht einzübauen, Hauptsache, der Wagen läuft." „Da hast bu recht." „Hier wird bie Straße frei. Da können wir mal aufdrehen." Der alte Kasten kommt fast auf achtzig. Soll ich ben Schalthebel loslassen. Die Vorsehung. hat mir diese Chance in die Hand gegeben. Ich bin in ben besten Jahren, schließlich. „Nanu, warum hast bu losgelassen?" fragte sie, als ber Motor leer aufheulte. „Jetzt muß ich halten, sonst kriege idj ben Gang nicht wieber rein." Mein Puls würbe ruhiger. „Uebrigens bei ber Prüfung hat er noch gefragt, was ich machen würbe, wenn ich im Winter beim Starten merke, baß das Benzin gefroren ist. Das haben wir nicht gehabt im theoretischen Unterricht, aber ich wußte mir sofort zu helfen. Ja, habe ich gesagt, ein Streichholz darf man nicht unter den Tank halten wegen Explosionsgefahr. Dann würbe ich mir eben einen Eimer mit heißem Wasser holen und feud)te Tücher auf den Tank legen. Ich finde, bas ist boch nicht zum Lachen, ba soll erst mal einer drauf kommen, nicht? Der Prüfer hat gesagt, er würbe es auch so machen, und ich hätte bie Prüfung bestanden." Leiber blieb der Wagen jetzt auf einer Kreuzung von Straßenbahnschienen stehen. Sie trat auf ben Starter, fuhr an und blieb wieder stehen. Sie jagte, ich solle nichts sagen, sie müsse es allein schaffen. Hinter uns hupte es unausgesetzt, unb mehrere Straßenbahnen klingelten. Nach geraumer Zeit erhielt ich Sprecherlaubnis: Sie hatte versucht, mit dem dritten statt bem ersten Gang anzufahren. „Wenn es bir recht ist, hole ich dich morgen wieder ab", sagte sie, als wir uns verabschiedeten. „Hör mal, Kind, morgen muß ich bis abends arbeiten." „Du Aermster. Na, bann übermorgen." „Uebermorgen habe ich eine Einladung." „Dann werbe ich anrufen, bamit wir bie nächste Fahrt ausmachen." „Gewiß", sagte ich, „ruf mich am besten mal an. Vielleicht paßt es in ber nächsten Woche. Wenn nicht, bann später. Ich werde schon mal wieder in deinem Wagen fahren." „Später", dachte ich, „später, wenn sie den zweiten ober ben dritten hat ..." Hochschulnachnchien. Professor Dr. Erhard Riecke, ber frühere Dr« binarius für Haut- unb Geschlechtskrankheiten an ber Universität Göttingen, beging seinen 70. Geburtstag. Riecke, ber früher in Leipzig wirkte, kam 1917 nach Göttingen unb erhielt hier 1920 bas Orbinariat, bas er bis zu seiner (Emeritierung (1935) innehatte. Neben verschiedenen ber» matologischen Abhanblungen in Fachzeitschriften hat er vor allem ein Lehrbuch ber Haut- unb Geschlechtskrankheiten veröffentlicht, bas ein unentbehrliches Hilfsmittel für Stubierende und Aerzte ist. Professor Dr. Wilhelm Haberling, Ordinarius für Geschichte der Medizin an der Medizinischen Akademie Düsseldorf, mürbe zum orbentlidjen Mitglied ber Kaiserlid) Leopolbinisch-Carolinisch Deutschen Akabemie der Naturforscher in Halle ernannt. Auf einem „weißen Schiff" durch den Meingau. Am gestrigen Dienstagnachmittag in Mainz. Am Rhein versammeln sich an einer Landebrücke der Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt zahlreiche Leiter von Reise- und Verkehrsbüros, sowie eine Anzahl Männer der Presse des Rhein-Main- Gebiets. An der Landebrücke hat einer der schönen „weißen Dampfer" der Köln-Düsseldorfer, der „Großherzog Ernst Ludwig", festgemacht, mit dem die Männer des Verkehrswesens und der Presse auf Einladung der Direktion der Köln-Düsseldorfer Rheindampfschiffahrt die seit einer Reihe von Jahren bereits zur Tradition gewordene Frühsommerfahrt zur Eröffnung des Sommerdienstes dieser Linie unternehmen. Bei schönem Wetter und fast während der ganzen Fahrtdauer leuchtendem Sonnenschein gleitet das herrliche Schiff, auf dem rund 2000 Personen Platz finden könen, in wunderbar ruhiger Fahrt von Mainz aus den gewaltigen Strom hinab bis Aßmannshausen. Hier wendet der Dampfer inmitten des Stromes mit einem ausgezeichneten Manöver und nimmt nunmehr wieder Kurs nach Mainz zurück. Die Fahrt des Schiffes zeichnet sich, trotz der großen Stärke der Maschine, durch wunderbar ruhigen Gang aus, so daß man selbst am Wein im Glas keinerlei Erschütterung bemerken kann. Zu dieser Annehmlichkeit, die bei dem etwas bewegten Wasser besonders beachtenswert ist, kommt die schöne und bequeme Ausstattung des Schiffes hinzu, die eine Fahrt mit diesem „schwimmenden Hotel" zur schönsten Erholung werden läßt. Im Verlaufe der Fahrt erzählt der Leiter der Köln-Düsseldorfer, Generaldirektor Thiele, allerlei Interessantes aus dem Betrieb, den Erfahrungen und den Plänen seiner Linie. Man erfährt bei dieser Gelegenheit, daß der Ausländer-Reiseverkehr auf den Schiffen der Köln-Düsseldorfer nach wie vor als besonders bedeutsam angesehen wird und der Betrieb in diesem Verkehrszweig als wichtige Verpflichtung gegenüber dem Auslandsdienst, aber auch im Hinblick auf die Werbung für unser schönes Vaterland als Reise- und Gastland gilt. Daneben wird dem innerdeutschen Reisendenoerkehr auf den Schiffen der Linie selbstverständlich unablässig größte Beachtung und stärkste Förderung zuteil. Diese Einstellung gilt nicht nur gegenüber den schnellen Expreßschiffen, die auch dem verwöhnten Reisenden die Fahrt auf dem Rhein zu einem Erlebnis machen können, ebenso hat sie Gültigkeit für den preiswerten Reiseverkehr der breitesten Bevölkerungsschichten, denen durch günstige Fahrgelegenheiten die schöne Erholung einer Rheinfahrt geboten werden soll. Die bisherige starke Steigerung der KdF.-Fahrten ist hierfür schon ein überzeugender Beweis. Als neue Einrichtung zur weiteren Förderung des innerdeutschen Reisendenverkehrs hat man nunmehr wahlweise Sonntagskarten für die Hauptstrecke Mainz—Köln geschaffen. Diese wahlweisen Sonntagskarten gelten auch für die Fahrt in der umgekehrten Richtung, also von Köln nach Mainz, mit Aussteigemöglichkeiten in Rüdesheim oder in Wiesbaden-Biebrich. Selbstverständlich kann man damit auch von Mainz bis Koblenz fahren. „Wahlweise Sonntagskarten" heißt, daß man diese Fahrkarten ganz nach Belieben zur Fahrt mit der Bahn oder mit dem Schiff, ebenso umgekehrt benutzen kann. Diese Karten werden künftighin auch in Frankfurt a. M. zu haben sein; man kann also dann mit einer solchen Karte auf der Bahn von Frankfurt nach Mainz fahren und dort auf das Schiff übersteigen, bei gewissen Schiffen kann man aber auch schon in Frankfurt an Bord gehen. Unterwegs kann man, ganz nach Wunsch, vom Schiff erneut auf die Bahn und von dort wieder auf das Schiff hinüberwechseln, je nach der Laune des Einzelnen. • Die sog. Pauschalreisen, d. h. die Schiffsfahrten über zwei bis drei Tage, ferner die Abendfahrten von Mainz aus durch den Rheingau und zurück sollen im Dienste des innerdeutschen Reiseverkehrs immer weiter ausgebaut werden, um damit unfern herrlichen deutschen Strom immer mehr in den Vordergrund des Reiseinteresses zu bringen. Die Stabilität des Fahrplans gestattet es, den Dienst nach allen Erwartungen der Reisenden durchzuführen. Da die Reiselust unserer deutschen Volksgenossen noch ständig im Wachsen begriffen ist, wobei wiederum die Tätigkeit der NSG. „Kraft durch Freude" im Vordergrund steht, erachtet es diese größte deutsche Binnenschiffahrtslinie > als ihre besondere Aufgabe, mit allen ihren Mitteln und Schiffen sich in den Dienst unserer Volksgemeinschaft zu stellen und an ihrem Teile nach Kräften beizutragen zur Hebung der deutschen Wirtschaft. Die Gäste verlebten mit den Vertretern der Schiffahrtslinie einige frohe Stunden, die erfüllt waren von dem Geiste des kameradschaftlichen Dienstes auf dem Gebiete des Verkehrswesens für unsere Volksgemeinschaft. B. möglich war, daß in diesem Jahre zum ersten Male die HI. Träger dieser Kundgebung wurde. Nachdem er alle Volksgenossen zu tatkräftiger Mitarbeit aufgerufen hatte, gab er seinen Amtsträgern und -trägerinnen bekannt, daß der Führer die Arbeit des Reichsluftsckutzbundes dadurch anerkannt hat, daß er für die Amtsträger das Tragen der Kampf- binde, der NSDAP, angeordnet hat, eine Auszeichnung, die eine neue Verpflichtung in sich schließt. Der HJ.-Standortführer, Oberstammführer Dr. Schneider, brachte dann den Treugruß an den Führer aus und gab das Kommando zum Beginn der Hebungen. Oie Hebungen. Hierauf zeigten Hitlerjungen, daß sie eifrige Schüler waren. Hitlerjungen der 1. Gefolgschaft führten in den vorgeschriebenen Schutzanzügen des Selbstschutzes mit Stahlhelm und Dolksgasmaske einige Hebungen vor. Nach einem Aufmarsch führten sie Laufübungen aus und bewiesen, daß sie auch den Anstrengungen eines Marsches mit Gelang vollauf gewachsen sind. Der Trupp wurde dann zur Löschung von Brandsätzen eingesetzt. Zu diesem Zwecke waren Holzfeuer angezündet worden, die sie mit Klatschen ausschlugen. Bei einer anderen Hebung waren Brandbomben auf den Platz geworfen worden, die mit Handspritzen aus Wassereimern, mittels Handpumpen gespeist, bekämpft werden mußten. Auch hier zeigten sich die Jungen sehr anstellig und flink. Schwieriger war dann die Aufgabe, mit den gleichen Spritzen einen Löschangriff auf ein in Brand gestecktes Holzhaus auszuführen, ein Vorhaben, das durch verständnisvolles Zusammenarbeiten zur vollsten Zufriedenheit aus- geführt wurde. In der Zwischenzeit zeigten Mädels vom BDM. den Erfolg ihrer Ausbildung als Vaienhelferinnen. Sie stellten mit einer Decke und zwei Stangen eine primitive, aber sichere Tragbahre her, legten Verbände an und nahmen Wiederbelebungsversuche Gasvergifteter vor. Kreisleiter Backhaus, der während der Hebungen eingetroffen war, sprach HJ.-Standortführer Dr. Schneider seine Anerkennung für die bewiesene Hinsicht und Einsatzbereitschaft der HI. aus. Die Feuerloschpolizei unterstützte die HI. bei den Vorbereitungen. Die Hebung hatte zahlreiche Volksgenossen angelockt, die interessiert die einzelnen Abschnitte verfolgten. BHemeinMt M krall onufi Srenöe Sporkamt. Beginn der Tennis-Kurse. Für nachstehende Ten- nis-Kurse werden auf der Kartenverkaufsstelle, Sel- tersweg 60, nach Anmeldungen entgegengenommen. Sonntag ..... 8 bis 9 Hhr Sonntag..... 9 „ 10 „ Donnerstag ... 18 „ 19 „ Donnerstag ... 19 „ 20 „ Gebühr: 5 Hnterrichtsstunden 6 Mark. In der Gebühr ist die Benutzung des Platzes, Schläger und Bälle unter Anleitung eines Tennislehrers enthalten. Beginn der Kurse: Sonntag, den 21. Mai, und Donnerstag, den 25. Mai 1939. 3604D Mutter-Feier ver Ortsgruppe Gießen-Süd. Die Ortsgruppe Gießen-Süd der NS.-Frauen- schaft und des Deutschen Frauenwerkes hatte zahlreiche ältere und alleinstehende Mütter am gestrigen Dienstagnachmittag zu einer Mutter-Feier in den „Saalbau" Liebigstraße eingeladen. An weißgeLeck. ten, mit frischen Frühlingsblumen geschmückten Tischen fanden sie einen Ehrenplatz. Mit dem Frauenschaftslied „Uns ward das Los gegeben" wurde die schlichte Feierstunde, die zugleich einen vorläufigen Abschluß der Arbeit der Frauenschaftsfüh- rerin Frau Schön bedeutete, die aus gesundheitlichen Rücksichten um eine Beurlaubung eingekommen ist, eröffnet. Die Frauenschaftsleiterin Frau Schön begrüßte dann die Mütter als Gäste der Ortsgruppe Hine Frau mit Herz Roman von Hedda Lindner Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlln 29 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Mit einer Hast, durch die sie sich selbst den Rückzug abschnitt, ergriff sie den Hörer und verlangte die Verbindung mit dem „Claridge". Merkwürdig, dachte sie als sie Mikenys Stimme hörte, gestern um diese Zeit bekam ich Herzklopfen, wenn ich mit chm sprach, und heute ist er für mich nur noch eine Angelegenheit, die möglichst rasch erledigt werden muß; das ist fast wie ein Wunder. „Ja, ich bin es, Dmo!" sagte sie. Nicht Claudette, nicht den Namen, den er ihr gegeben hatte; es gab keine Claudette mehr, es gab nur noch Dina. .«Ich hatte dir versprochen, dich vor meiner Ab- reife nochmals zu treffen. Ist es dir recht, wenn ich in einer knappen Stunde dort im Rauchzimmer bin?" "Du willst wirklich reifen?" kam es fassungslos zurück. „Das kann dich kaum überraschen, da du es seit Montag weißt!" Es war eine sehr klare und entschiedene Stimme, die aus dem Hörer kam. „Also tn^einer Stunde im Rauchzimmer." Sie legte auf und verlangte dann sofort eine neue Verbindung: Luzern. "Herr Dr. Stoecklin? — Es ist mir leider unmöglich. bis heute nachmittag dort zu sein. Wie? Heute abend in Zürich? Aber gewiß! Das paßt ausgezeichnet! Auf Wiedersehen!" Als sie später die Halle durchschritt, um sich in „Claridge" zu begeben, traf sie ein Berliner Che- paar, das ebenfalls zu ihrem Kreis gehörte, am gestrigen Abend aber nicht dabei gewesen war. Man Begrüßte sich freundlich. Ist Frau von Roeder schon auf?" fragte Frau Bender. „Ich wollte ihr ein paar Bilder zeigen." „Ich glaube nicht", sagte Dina lächelnd. „Wir haben gestern Geburtstag gefeiert, und das hat ein bißchen lange gedauert. Aber es war sehr nett. Schade, daß Sie nicht dabei waren." „Wir trafen Bekannte in Chur und sind erst jetzt wieder heraufgekommen, sonst wären wir gern dabei gewesen", bedauerte Frau Bender. „Frau von Roeder versteht solche Sachen zu arrangieren. Sie erzählte neulich, an ihrem eigenen Geburtstag stände immer das ganze Haus Kopf, trotz der Erntearbett." Süd der Frauenschaft und des Frauenwerkes und sagte ihnen, daß nach dem Wunsche des Führers keine Mutter anläßlich des Ehrentages der Mutter allein sein, sondern die Gemeinschaft erleben soll, der sie durch die Erziehung ihrer Kinder gedient hat. In einem von der Frauenschaftsleiterin verfaßten Stegreifzwiegespräch zwischen zwei Landfrauen in oberhessischer Tracht aus Homberg und Wetterauer Tracht aus Gambach sowie einer Stadtfrau wurde ein Heberblick über die vielseitige Arbeit der deut- schen Frau in Frauenschaft und Frauenwerk gegeben und zum Schluß die Aufmunterung an alle Mädchen unb Frauen ausgesprochen, tatkräftig ntit- zuhelfen. Dor und während einer Kaffeepause, bei der die Frauen ihre Gäste mit Kuchen und Kaffee be- wirteten, erfreuten eine Gruppe des BDM. durch Schargesänge und Buben und Mädel der Kindergruppen durch einige tm Zusammenspiel von Klavier und Mockflöte vorgetragene Maienlieder die statttiche Festgemeinde. (Großen Beifall fand dann ein schlichtes, „Putzteufelchen" überschriebenes Spiel der Kindergruppe der Frauenschast, zu dem kleine Mädchen mit Besen, Handfeger, Bürste, Putztuch, Eimer und anderen für den Stubenputz erforder- licken Htensilien aufmarschierten und zur Freude aller in Wechselreimen von der großen Arbeit der Hausftau sprachen. Zum Schluß setzten sie ihren lustigen Marsch mitten durch den Saal fort. Der BDM. erfreute mit weiteren Schargesängen, so daß die Feier in allen Teilen einen sehr schönen Verlauf nahm. Einen Augenblick war Dina still. „Wann hat meine Kusine eigentlich Geburtstag?" fragte sie langsam. ,Lch vergesse es leider immer wieder." „Genau weiß ich es auch nicht", antwortete Frau Bender arglos, „irgendwie Anfang August. Wer hatte denn gestern?^ fetzte sie neugierig hinzu. Dina warf einen Blick auf ihre Hhr. ,T>h. ich bin schon verspätet", sagte sie hastig, ohne die Frage zu beantworten. „Sie entschuldigen mich. Auf nachher." Sie war sehr hellsichtig geworden, diese neue verwandelte Dina; sie brauchte noch nicht einmal die zehn Minuten, die der Weg von Kulm zum „Claridge" dauerte, um die Komödie zu durchschauen, die Margit mit ihr gespielt hatte — ihre einzige Verwandte. Sie verspürte einen bitteren Geschmack auf der Zunge, als sie an diese so oft gebrauchte Redewendung dachte. Das „Was" hatte sie begriffen, aber unverständlich blieb ihr das „Warum". Dieses Rätsel würde Mikeny lösen müssen; das Wissen um seine Verschwörung mit Margit tarn zur rechten Zeit, es erleichterte wesentlich die bevorstehende Aussprache. Das Rauchzimmer des „Claridge" war um diese Zeit leer, wie Dina vermutet hatte. Mikeny wartete bereits; er sah blaß und erregt aus. „Ich hätte doch zu dir ins Hotel ..." begann er. „Mit Hilfestellung meiner lieben Kusine, nicht wahr?" unterbrach sie ihn ironisch. Er wurde sichtlich verlegen. „Wie kommst du darauf?" murmelte er. „Das ist nebensächlich. Aber ich glaube nicht, daß du gestern von dem Portier meinen Zimmerschlüssel gefordert hast!" „Willst du dich nicht setzen?" fragte er ablenkend und schob einen Sessel heran. „Danke!" Dina wartete, bis er ebenfalls Platz genommen hatte. „Ich bin mir über die Rolle, die Margit spielt, völlig klar", fuhr sie unbeirrt fort. "Was ich nicht begreife, ist: welches Interesse hat sie daran, mich wieder mit dir verkuppeln zu wollen?" Er zuckte zusammen. „Ein sehr häßliches Wort!" stammelte er. „Für eine ebenso häßliche Sache!" kam es verächtlich zurück. Mikeny sah sie forschend an. Sie war verwandelt, er hatte es schon am Telefon gemerkt. Sollte ihre plötzliche Abwehr gestern doch mehr bedeuten, als fein Selbstbewußtsein vermutet hatte? Am besten kam er sofort zur Sache. „Willst du tatsächlich ab reifen?" "Ich habe keine Veranlassung, meinen Entschluß zu andern", sagte Dina kühler als beabsichtigt. Schulfrei am Freitag wegen der Volkszählung. DNB. Mit Rücksicht auf die Inanspruchnahme der Lehrer und Schüler bei der Durchführung der Volks-, Berufs- und Betriebszählung 1939 fällt am Freitag, 19. Mai, in allen öffentlichen und privaten Schulen und Bildungsanstalten einschließlich der Hochschulen der Hnterricht aus. Gietzener Dochenmarktpreiie. * Gießen, 17. Mai. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Eier, Klasse B 10, Schnittkahl, % kg 20, Wirsing 22 bis 28, Karotten 15 bis 16, Spinat 15 bis 20, Spargel 1. Sorte 82 bis 90, 2. Sorte 70 bis 74, 3. Sorte 62 bis 64, 4. Sorte 38, Hnterkohlrabi 8 bis 9, Erbsen 20 bis 25, Tomaten 38 bis 45, Zwiebeln 16 bis 18, Schwarzwurzeln 40 bis 50, Rhabarber 15 bis 20, Kartoffeln, neue, % kg 18 Pf., alte, A kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,40 bis 4 Mark, Suppenhühner 1 Mark, Tauben, das Stück 60 Pf., Blumenkohl 20 bis 50, Salat 20 bis 35, Salatgurken 35 bis 80, Oberkohlrabi 15, Lauch, 5 bis 15, Sellerie 10 bis 50, Rettich 10 bis 20, das Bündel 20 bis 30, Radieschen 10 bis 20 Pf. * * Maienblasen. Bei dem Maienblasen am heutigen Mittwoch, 17. Mai, vom Turm der Stadtkirche wird folgendes dargeboten: 1. „Wie groß ist des Allmächt'gen Güte"; 2. „Die Nacht" (Fr. Abt); 3. „Das Moilüfterl". „Du ließest mir gestern glauben, daß die Erinnerung an unsere Liebe dir noch etwas bedeutet", sagte er vorwurfsvoll. Sie griff das Wort sofort auf: „Die Erinnerung, ganz richtig! Aber auch nur die ..." „Das verstehe ich nicht!." sagte er verwirrt. Dina holte tief Atem; es war doch schwer, so etwas klarzumachen. „Sieh mal", begann sie in versöhnlichem Tone, „du warst meine ganz große Liebe, und meine erste dazu. Ein paar kleine Backfischverliebtheiten zählen nicht. Zuerst bin ich sehr glücklich mit dir gewesen, darin hattest du gestern recht. Ich mußte mich von dir scheiden lassen, weil mein Verstand und mein Stolz es forderten; mein Herz — das war eine andere Sache." „Aber dann ist doch alles in Ordnung. Wir heiraten. Sofort, wann du willst! Ich habe mich wirklich geändert!" beteuerte er eindringlich. „Möglich! Aber darum handelt es sich nicht mehr. Ich werde niemals wieder deine Frau." Seine anfängliche Bestürzung wich der Erbitterung. „Hnd diese Erkenntnis kam dir ausgerechnet gestern nacht?" fragte er höhnisch. „Ja!" sagte Dina einfach. Ein häßliches Auf lachen. ,Hch verstehe: die Quittung für damals. Man bringt mich dahin, um Vergebung zu flehen, und zeigt mir dann triumphierend die kalte Schulter. Der ,Rache der Verlassenen' zweiter Akt. Ue-brigens großartig gespielt; soviel Talent hätte ich dir gar nicht zugetraut." Dina starrte ihn fassungslos an. Wie konnte er behaupten, eine Frau zu lieben, die er so niedriger Gesinnung für fähig hielt? „Hnd die schöne Kusine war mit im Komplott!" machten sich seine Wut und Enttäuschung weiter Luft. „Daher dies Gezwitscher über die Millionen, die mir die Sache mundgerecht machen sollten. Hast du überhaupt Millionen?" fuhr er sie an. „Nein!" sagte sie, völlig verblüfft über diese letzte Wendung. „Also auch das Schwindel, wie das ganze Affen- theater! Eine Hnverschämtheit, eine ..." „Halt!" sagte Dina, und es lag so viel Würde in ihrem Ausdruck, daß er zur Besinnung kam. Er sah sie scheu an und murmelte etwas, bas wohl eine EntschuDigung sein sollte. Sie wischte mit einer Handbewegung darüber hinweg. „Du wirst mir eine derartige Gemeinheit bei ruhiger Heberlegung nicht zutrauen, abgesehen da- von, daß du dich mir genähert hast und nicht um« gekehrt. Aber etwas anderes will ich jetzt von dir wissen: war meine Kusine die Veranlassung dazu? Ich bitte dich, sei einmal wahr zu mir." ** D i e städtiscben Büros am kommen, den Freitag geschlossen. Wegen der Volks- zählung, bet der die städtischen Beamten und Angestellten voll eingesetzt sind, bleiben die städtischen Büros am kommenden Freitag geschlossen. Große Strafkammer Gießen. H. K. in Reichelsheim wurde durch Urteil des Bezirksschöffengerichts Gießen vom 4. April 1939 wegen falscher Anschuldigung und übler Nachrede gegenüber dem Bürgermeister in Reichelsheim zu einer Gefängnisstrafe von 6 Wochen verurteilt. Gegen das Urteil legte er Berufung ein. In der gestrigen Berufungsoerhandlung wurde wiederum die Schuld des Angeklagten festgestellt. Daher wurde der Angeklagte wegen falscher Anschuldigung in Tateinheit mit übler Nachrede zu einer Gefäng- n i 5 ft r a f e von 6 Wochen verurteilt. Dem Be- leibiflten wurde die Publikationsbefugnis zugesprochen. * Der O. G. in Ottweiler war durch Urteil der Großen Strafkammer Gießen wegen Amtsunter. fchlagung in 22 Fällen, die er seinerzeit in Fried- berg begangen hatte, zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 9 Monaten verurteilt worden. Gegen das Urteil legte er Revision ein. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde der Angeklagte des Vergehens der Untreue in 16 Fällen schuldig befunden und unter Einstellung des Verfahrens auf Gl^nd des Straffreiheitsgesetzes vom 7. August 1934 in drei Fällen zu einer Gesamtgefängnis st r a f e von 10 Monaten, sowie zu sechzehn Geldstrafen von je 20 Mark, ersatzweise ein Tag Gefängnis für je 10 Mark, verurteilt. dezirksschöffeligericht Gießen. Der H. G. aus Schophoven, wiederholt und einschlägig vorbestraft, hat am 24. 2.1939 im Strafoer. schärfenden Rückfall im Alsfelder Arbeitslager das Spint eines Kameraden erbrochen und daraus eine Geldtasche mit 17 Mark entwendet. Der Angeklagte war geständig. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft betonte, daß es sich im vorliegenden Fall um ein besonders verwerfliches Delikt, den Kameradendiebstahl, handele. Mit Rücksicht auf die Juaend, das Geständnis und die gute Führung des Angeklagten im Ar« beitslaaer und um ihm nicht jetzt schon den Lebens- weg abzuschneiden, wurde, trotz schwerster Bedenken, eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten beantragt. Das Gericht schloß sich den Ausführungen des Anklagevertreters an und verurteilte den Anaeklag- ten zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und neun Monaten. * Wegen Schlachtsteuerhinterziehung hatte sich der G. H. aus Ober-Erlenbach zu verantworten. Am 2.9.1938 ober um diese Zeit hat er in Ober-Erlen- bad) ein Kalb geschlachtet, ohne die Schlachtung vorher anzuzeigen und die Steuer zu zahlen, mei- terhin fyat er die Schlachtung ausgeführt, ohne das Kalb vorher zu betäuben. Der Angeklagte gab zu, ein Kalb schwarzgeschlachtet zu haben, er will aber das Kalb vor der Schlachtung vorschriftsmäßig betäubt haben. Letzteres wurde von einem Zeugen bestätigt. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft führte aus, daß nach der Vorstrafliste die strafbaren Handlungen des Angeklagten (Autosteuer- und Schlachtsteuer. Hinterziehung, sowie Heberschreitung des Arbeits- zeitgesetzes) auf einer Linie liegen und beantragte, auf eine Gefängnisstrafe von drei Wochen, eine Geldstrafe von 100 Mark, Einziehung des Wertes des geschlachteten Kalbs in Höhe von 50 Mark und Einziehung des zum Transport benutzten Wagens zu erkennen. Der Angeklagte wurde unter Freisprechung im übrigen wegen Steu e rh i nterz iehung zu einer Geldstrafe von 250 Mark und zum Ersatz des Wertes des Kalbes in Höhe von 50 Mark verurteilt. Ferner wurde auf Einziehung des zum Transport benutzten Handwagens erkannt. ♦ O. K. in Steinberg, Kreis Büdingen, hat im Jahre 1938 in fortgesetzter Begangenschast Urfunben ge« fälscht und Lohngelder unterschlagen. Er hatte den Sei einmal wahr zu mir! — Mikeny senkte den Kopf, um die aufsteigende Röte zu verbergen. Er hatte so viel, gelogen — und so viele Vorwürfe darüber gehört — und alle hatten ihn kalt gelassen. Dieser einfache kleine Satz beschämte ihn tief. „Ursprünglich wohl. Nachher hatte ich selbst den Wunsch", sagte er leise. „Also meine vermeintlichen Millionen waren die Ursache deiner wiedererwachten Liebe! Nein, laß, das ist nun auch egal!" schnitt sie seinen Versuch der Hnterbrechung ab. „Aber was hatte Margit für ein Interesse daran, für mich Vorsehung spielen zu wollen? frage ich dich nochmals." Er sah sie an, sein Zorn sank kraftlos zusammen. Sie hatte nicht gespielt, sie nicht! Aber die andere! Die andere hatte die Fäden gezogen und ihn als Hampelmann tanzen lassen, diese... Er dachte an ein Wort im Budapester Straßenjargon. Hnd wenn seine frühere Frau wissen wollte, was sie von ihrer lieben Kusine zu halten hatte, das Vergnügen konnte sie haben! ,/Sie fühlte sich benachteiligt bei deiner Erbschaft!" „Fünfhunderttaufend Franken!" fiel Dina ein. Er lachte kurz auf und fuhr fort: „Sie jedenfalls sprach von Millionen, um die du sie gebracht hättest, und der sicherste Weg, dich wiederum darum zu bringen, schien ihr die Heirat mit mir. Es war mir ja schon einmal gelungen, dich zu ruinieren", fügte er mit bitterer Selbstverspottung hinzu. Dina faß unbeweglich und mühte sich, das Gehörte zu erfassen. So etwas gab es! So tief konnte der Neid eine Frau sinken lassen, die sie von Kind auf kannte, die immer wieder ihre Verwandtschaft betonte! Unb- die außerdem reich war und niemals etwas entbehrt hatte. In einer Aufwallung von Scham über die andere verbarg sie ihr Gesicht in den Händen. „Pfui Teufel!" stöhnte sie auf — und dann noch einmal: „Pfui Teufel!" Er sah ihre Erschütterung, und sie tat ihm leid. „Nimms nicht tragisch, Claudette, das ist sie nicht wert. Hnd im Grunde ist sie sich über ihre Gemeinheit auch gar nicht klar. Sie wollte hauptsächlich ein bißchen Intrige, so zur Abwechslung, weißt du? Es gibt solche Frauenwesen, es gibt sie in allen Ländern, aber sie sind Gott sei Dank selten — und immer mehr im Aussterben begriffen. Es lohnt einfach nicht, sie ernst zu nehmen." „Du hast sie doch auch ernst genommen", sagte Dina müde. Er lächelte geringschätzig. „Sie nicht, aber dich, dich immer, trotz allem! Hnd du hast mich doch hoffen lassen — und wenn es nicht mar, um dich zu rächen, bann verstehe ich dich wirklich nicht." (Fortsetzung folgt.) ihm unterstellten Arbeitern Len Lohn auszuzahlen, hierbei hat er die Lohndüten geöffnet, Beträge abgeändert und die Differenzbeträge tms den Düten genommen und sich angeeignet. Der Angeklagte war geständig. Soweit sich die Geschädigten gemeldet haben, ist ihnen der Schaden ersetzt worden. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft führte aus, daß der Angeklagte das in ihn gesetzte Vertrauen schwer mißbraucht und seine Tat, da es sich um Lohngelder von Arbeitskameraden gehandelt habe, besonders verwerflich fei. Strafmildernd komme in Betracht, daß der Angeklagte geständig und nicht vorbestraft sei und die unterschlagenen Beträge ersetzt seien. Er beantragte eine Gefängnisstrafe von fünf Monaten. Der Angeklagte wurde unter Annahme mildernder Umstände wegen fortgesetzter Unterschlagung und fortgesetzter Urkundenfälschung zu einer Gesamt- gefängnisstrafe vonfünfMonaten verurteilt. Bei der Urteilsbegründung wurde besonders betont, daß die Tat dem Kameradendiebstahl gleichzuachten sei. Th. R. in Gießen hatte sich wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Um einen Strafaufschub zu erreichen, hatte er in einer Bescheinigung eines hiesigen Krankenhauses einen Zusatz gemacht. Der Angeklagte war geständig. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte, mit Rücksicht aus die einschlägigen Vorstrafen, wenn auch niemand geschädigt sei, eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Der Angeklagte wurde zu einer Gefängnis- strafe von einem Monat verurteilt. Iugend-Handbatt. Rieder-Deisel — Ebersgöns 20:9 (8:7). Nachdem in Ebersgöns der Spielbetrieb lange Zeit geruht hatte, trat der dortige Turnverein am vergangenen Sonntag mit einer Zugendmannschaft wieder aus den Plan. Daß die Mannschaft selbstverständlich vorerst noch des nötigen Trainings und Zusammenfindens bedarf, ist klar; trotzdem war chon am ersten Spieltag die Leistung der jungen Mannschaft besonders in der ersten Halbzeit recht gut. Sie lieferte bis dahin dem Gegner eine gleichwertige Partie, mußte aber dann die Ueberlegen- heit des Gastgebers anerkennen. Hoffentlich unterhält die Mannschaft in nächster Zeit eifrigen Spielverkehr, um dann an den Rundenspielen in der kommenden Saison mit Erfolg teilzunehmen. Rahnstaffeltag der Leichtathleten. Wie wir kürzlich schon mitteilten, führen morgen die NSRL.-Kreise Gießen und Friedberg auf der v.-Tschammer-und-Osten - Kampfbahn in Bad-Rau- heim gemeinsam ihren Bahnstaffeltag durch. Das vorläufige Meldeergebnis: Männer: 4X1OO-Meter: Tgm. Friedberg (zwei Mannschaften), VfB.-R. Gießen, Tgm. Bad-Rau- heim; 4X400-Meter: Tgm. Friedberg (2), VfB.-R. Gießen; 3X1OOO Meter: Tgm. Friedberg (3), VfB.-R. Gießen. Äugend: 4X1OO-Meter: Tgm. Friedberg, 1900 Gießen; 3X1OO0-Mtter: Tgm. Friedberg, 1900 Gießen. Frauen: 4X1OO-Meter: Tgm. Friedberg, Mtv. Gießen; Tgm. Bad-Rauheim (2 Mannschaften). 9J.-fporl Wasserwandern Lin Werbeabend des kreisfachamles für Kanusport. Das Kreisfachamt für Kanusport 8/XII. (Gießen) veranstaltete am Sonntag auf der „Pulvermühle" einen Werbeabend für das Wasserwandern. Än Vertretung des Kreisfachwartes Franz Ludwig Senner begrüßte der Vereinsführer der Paddlergilde Gießen, Dr. E. Schwarzmaier, die zahlreichen Erschienenen und erklärte ihnen kurz den Sinn und Zweck der Werbeoeranstaltung. Sodann nahm er nochmals eine Ehrung der Sieger der nachmittags durchgeführten Kreis-Kurzstrecken-Re- gatta vor und überreichte den Siegern der im vorigen Herbst erstmals ausgefahrenen Gießener Stadtmeisterschaft im Einer- und Zweier-Wander- faltboot (Esser, Weimar; Lohr, Baurat Mangold und Sohn) nachträglich die Urkunden für ihre Leistung. Ferner wurden die unter den Mitgliedern der Paddlergilde Gießen im Jahre 1938 erzielten besten registrierten Kilometerleistungen be» kanntgegeben: der Obergefreite der Luftwaffe Karl Esser (1145 Kilometer) erhielt die Wanderplakette für Männer, Fräulein Lotte Franz diejenige für Frauen zuerkannt. Rach einleitenden Worten des Dietwartes der Paddlergilde Gießen, Dr. Karl Loew, eröffnete ein Film „Nibelungen auf Fahrt" den eigentlichen Teil des Abends. Der aufnahmetechnisch hervorragende Streifen vermittelte einen lebhaften und besonders von der Jugend begeistert aufgenommenen Eindruck von der letzten Reichsjugendfahrt über die Donau nach Wien. Herrliche Landschafts- bikder, interessante Einblicke in das Lagerleben, flotte Aufnahmen von Boot zu Boot, alles saftig durchwürzt von jugendlichem Frohsinn und Ueber- mut, das zusammen mußte das richttge Endurteil geben: bei den Jungen: „Das wär' was für uns!" und bei den Alten: ,^Hier möchte man nochmals ganz jung und mit von der Partie sein!" Erich Lohr (Paddlergilde Gießen) zeigte anschließend in einer Folge von Leicaaufnahmen das Leben und Treiben der Gießener Paddler auf Wanderfahrt, wobei auch der winterliche Schilauf als Ausgleichssport nicht vergessen wurde. Die größtenteils farbigen Bilder lösten viel Frettde aus, zumal sich dieser oder jener plötzlich in einem heimlichen Schnappschuß wiederfand, und weckten mancherlei Erinnerungen an Fulda, Weser und Edersee, an Ohm und Lahn, und besonders an die Lahn, deren Schönheit jedesmal aufs neue entzückt. Der zweite Film, „Havelland", führte in einem trefflichen Querschnitt durch die manigfaltigen Erlebnisse des Paddlers zu Wasser und zu Land. Kein Wasser ist zu wild und kein Hindernis zu schwer, der Paddler kommt durch. Ob er sich mühsam mit seinem Boot durchs mannshohe Schics stochert, oder flach im Boote liegend' unter einer ganz niedrigen Brücke sich durchwindet: er kommt hin, wohin er will. So lernt er Land und Leute kennen, die Arbeit auf dem Felde, das Werk des Schiffers und das Tun des Fischers; Pflanzen und Tiere sind feine Freunde. Dazu kommt noch der körperliche und gesundheitliche Nutzen des Paddelsportes. Worte können das nicht ausdrücken: man muß selbst im Boot gesessen und muß selbst im Boot gewandert haben. Flotte Musik auf der Quetschkommode und heitere Lieder umrahmten den Abend, den Dr. Loew chloß mit einem Auftuf an alle, mehr und mehr ich dem Wasserwandern zuzuwenden. Mit dem Be- itz eines Faltbootes ist man noch kein Fattboot- ahrer, denn der nimmt seinen Sport ernst und will nicht viel wissen von den „Sonntagspaddlern", die über did Bannmeile der Stadt nicht hinauskommen und ihr Boot nur als Transportmittel bis zu einem nahegelegenen -ruhigen Plätzchen brauchen. Fatt- bootfahren und Wasserwandern gehören zusammen; und wer's noch nicht ausprobiert hat, derversuche es einmal. Die Ueberzeugung — und die Freude am Wasserwandern — kommt dann von selbst! Iaustball im Turnverein 1846. Der Gießener Turnverein eröffnet die diesjährige Wettspielzeit mit der Teilnahme am Himmelfahrtsturnier der Turn- und Spielvereinigung Bad Ems. Da bereits am Sonntag darauf die Pflichtspiele der Gauklasse beginnen, bietet das Emser Turnier eine günstige Gelegenheit, die Mannschaftsaufttellung zu überprüfen und im Wettkampf zu erproben. Mit neun Mannschaften hat das Turnier der Badestadt eine für den Anfang recht gute Besetzung gefunden. Die schärfsten Gegner erwachsen den Gießenern in den Frankfurter und Koblenzer Mannschaften. Da der Turnverein seine Mannschaft, die im vergangenen Jahre zum 4. Male Gaumeister wurde, noch verstärken konnte, im übrigen seine besten Kräfte wiederum zur Verfügung hat, sind alle Voraussetzungen für ein erfolgreiches Abschneiden gegeben. Wormatia Worms bei den Teutonen. Oer dreimalige Güdwest-Meister morgen in Watzenborn-Steinberg. Der Sportplatz an der Neumühle zu Watzenborn- Steinberg dürfte morgen wohl seinen größten Tag erleben. Waren in der Vergangenheit schon mehrmals Gauliga^Mannschaften bei den Teutonen und mußten immer eindeutige Niederlagen mitnehmen, so dürfte das Endresultat morgen wohl umgekehrt lauten; denn Worms verfügt über eine erstklassige Mannschaft, von der die Teutonen nur lernen können. Und gerade dies dürfte wohl der Hauptgrund sein, warum die eifrige Steinberger Vereinsleitung diesen Großtarups aufzieht. Eine nochmalige Besprechung der einzelnen Spieler dürfte sich erübrigen, zumal die Mannen wie Eckert, Kiefer, Fath und Schwindt für ein erstklassiges Mannschaftsspiel bürgen. Die Teutonen gehen unbeschwert in dieses Treffen. Für sie gilt es, möglichst viel zu lernen und dies in den folgenden Aufstiegspielen zu verwerten. An einer Niederlage zweifelt ja wohl auch nicht der fanatischste Anhänger der Steinberger, aber es wird die Ausgabe der wackeren Teutonen-Spieler sein, durch Ehrgeiz den spielerischen Unterschied etwas auszugleichen, damit die Niederlage ehrenvoll ausfällt. Gingen die Teutonen im vorigen Spiel leer aus, so nimmt man jetzt allgemein an, daß diesmal doch wenigstens das Ehrentor zustande kommt. Angesichts der Formverbesserung der Steinberger im letzten Jahr dürfte dies auch unbedingt im Berreich der McMchkett liegen. Auf alle Fälle wird es ein interessantes und anständiges Spiel werden, das hoffentlich die Erwartungen der Zuschauer restlos erfüllt. Folgende Mannschaften stehen sich gegenüber: Worms: Schwindt; Hartmann, Kern; Zimmermann, Kiefer, Herbert; Stahl, Lehr, Eckert, Busam, Fath. Steinberg: Happel; Fett, Buß; Naumann, Hederich, Schmandt; Haas, Lang, Schmidt, Däublin, Heinzemann. Steinberg Jugend — Leihgestern Jugend. Vorher treffen sich die beiden Jugendmannschaften zu einem Freundschaftskampf, den die Platzbesitzer wohl für sich entscheiden sollten. Handball an Hlmmelsahrl. Pokalspiele. Es bleibt nichts weiter übrig, als diesmal auch Himmelfahrt zu belegen, weil durch eine ganze Reihe anderer Veranstaltungen eine gewisse Terminnot Platz gegriffen hat, die sich m Anbetracht der noch zur Verfügung stehenden Zett ungünstig auswirken kann. Das war auch der Grund, weshalb die restlichen Vorrunden- und die ersten Spiele der Zwischenrunde ganz kurzfristta angesetzt wurden. Wenn nicht erneut unvorhergesehene Umstande La- zwischentreten, werden wir auf diese Weise bis zu dem vorgesehenen Zeitpunkt fertig sein. Vorrunde: To. Dutenhofen — To. Garbenheim, To. Katzenfurt — MSV. Barbara Gießen. Dutenhofen und Garbenheim haben sich schon einmal aegenübergestanden. Damals blieb aber der anaesetzte Schiri aus, so daß eine Wertung nicht erfolgen konnte. Gemessen an dem eindeutigen Sieg im Vorspiel sollte Garbenheim auch diesmal die Oberhand behalten, zumal die Platzbesitzer reichlich ersatzgeschwächt antreten müssen. Gespannt darf man sein, wie die Barbara in Katzenfurt spielen roirb. D,- Pl°tzbchtz°r werben alles barans-tzen, um di- G°st° auszuschalten Ob bas gelingt, bleibt abzuwarten. All- Anzeichen spre- chen zwar für eine Ueberraschung; auf der anderen Sette wird die Barbara allerdings wissen, worum es geht, und nichts unversucht lasten, eine Runde weiterzukommen. 1. Zwischenrunde: Tuspo. Wetzlar-Niedergirmes — Mtv. Gießen, Tv. Hörnsheim — Tv. Lich, Tv. Lützellinden — Tv. Holzheim. Wenn auch die Männerturner nicht in spielstärk- ster Aufstellung antreten können, so ist immerhin mit einem günstiges Abschneiden zu rechnen. Allerdings dürfen die Platzbesitzer nicht unterschätzt werden, zumal es ihnen möglich war, ihre Mannschaft in letzter Zeit stark „aufzufrischen" und verschiedene Posten zu ihrem eigenen Vorteil neu zu besetzen. Hörnsheim wird es sicherlich nicht schwer fallen, die junge, aber aufstrebende Mannschaft der Gäste auf Distanz zu halten. Immerhin darf auch hier eine gewisse Vorsicht nicht außer acht gelassen werden, weil es sonst sehr leicht zu einer peinlichen Ueberraschung kommen kann. Zu einem interessanten Ringen wird es in Lützellinden kommen. Die Gäste haben nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen, und werden sich deshalb mit aller Macht vor einer Niederlage zu wehren wissen. Ob es allerdings gelingt, dem Ansturm der Platzherren standzuhalten, ist ungewiß. Fest steht, daß Lützellinden die Oberhand behalten wird, auch wenn der eine oder andere Posten umbesetzt werden muß. Der Kreisfachwart hat für den 2. Pfingstfeiertag ein neues Kreisspiel abgeschlossen, und zwar gegen den spielstarken Kreis Marburg. Mit welcher Besetzung angetreten wird und auf welchem Platz, ist zunächst noch nicht festgelegt. Wahrscheinlich findet das Treffen in Allendorf (Lahn) statt. In Anbetracht der Wichtigkeit eines derartigen Kampfes besteht für die gesamte Umgebung für den zweiten Pfinastfeiertag ab 12 Uhr Spieloerbot. Etwa bereits abgeschlossene Freundschaftsspiele müssen vor- mittags ausgetragen werden. Fußball her heimischen Mimschasten. von dem Gegner nichts wissen. Eine Vorhersage dürfte daher für dieses Spiel nicht angebracht sein. Beginn der Endrunde um die Bannmeisterschast ily Fußball. In Grünberg: Spvgg. 1900 1. Jgd. — Homberg 1. Jgd. Da die Endrundenspiele um die Bannmeisterschaft auf neutralen Plätzen ausgetragen werden müssen, wurde dieses Spiel nach Grünberg gelegt, denn dieser Ort ist für beide Mannschaften der günsttgste. lieber die Spielstärke der Blau-Weißen braucht man nicht mehr viel zu schreiben, denn diese Mannschaft hat im letzten halben Jahr kein Spiel verloren, selbst gegen Vereine wie VsB.-R., 5fm.- Fechenheim und Wetzlar 05. In dem letzten Spiel gaben sie ihre letzte Kraftprobe und den Beweis ihres technischen Könnens. Homberg dagegen ist eine Mannschaft, die den Blau-Weißen in körperlicher Hiniicht stark überlegen ist und einen ungeheuren Kampfgeist hat. Man rechnet mit einem eindeutigen Sieg von 1900 Gießen, den sie dank ihrer technischen lleber- legenheit und der längeren Spielerfahrung verdienen. Die Blau-Weißen beftreiten das Spiel in nachstehender Aufstellung: Dinges (Flieger-HI.); Weniger (Nachr.-Gef.), Neuling (Gef. 4); Launspach (Marine-Gef.), Kraft (Motor-Ges.), Bötz (Motor-Gef.); Schmück (Ges. 2), Kraft II (Motor-Gef.), Schäfer (Ges. Gleiberg), Heeg (Motor-Gef.), Bonarius (Gef. 2), Ersatz: Fiedler (Gef. 2), Stork (Nachr.-Gef.). VfB.-Reichsbahn Gießen. VfV.-Reichsbahn I — Vad-Rauheim I. Auf dem Waldsportplatz treffen sich morgen beide Mannschaften zu einem Freundschaftsspiel. Die Nauheimer weilten schon öfter hier und sind ein gern gesehener Gast in Gießen. Die Mannschaft spielte in der Gruppe Friedberg immer eine große Rolle, doch im letzten Spieljahr reichte es für die Meisterschaft nicht. In der Elf ragen besonders Mühlhäuser, Schnautz und Eyrisch hervor, aber auch sonst ist die Mannschaft gut besetzt. Die Grün-Weißen, die ihre Schwächeperiode glücklich überstanden haben, sind auf eignem Platze sehr gefürchtet, und man darf daher ein spannendes Spiel erwarten, dessen Ausgang völlig ungewiß ist. VfV.-Reichsbahn II — Vad-Rauheim II. Vor dem Spiel der ersten Mannschaften messen die Reserven beider Vereine ihre Kräfte. Die Elf der Grün-Weißen ist als stark bekannt, während wir VfB.-R. 1. u. 2. Jgd. komb. — Rodheim 1. Jgd. 1:7. Die VfB.-R.-Jugend hatte die Rodheimer zu Gast. Das Spiel wurde von beiden Mannschaften flink begonnen. In der 5. Minute konnten die VfBer durch einen Eckball in Führung gehen. In der 6. Minute wurde von den Rodheimern ein Handelfmeter zum 1:1 eingeschossen. Dann schossen die schnellen Rodheimer Stürmer ein Tor nach dem anderen ein, und konnten bis zur Pause ein 5:1 für Rodheim Herstellen. Dann wechselten die Gießener zwei neue Leute aus, aber der kleine Rodheimer Torhüter meisterte alles. Die Rodheimer erhöhten mit zwei prachtvollen Toren auf 7:1, womit das Schlußergebnis hergestellt war. Gpielvereinigung 1926 Leihgestern. FL. 04 Oberursel Liga — Spvgg. 1926 Leihgestern I. FL. 04 Oberursel II — Spvgg. 1926 Leihgestern II. Mit zwei Mannschaften fährt die Spieloereinigung an Himmelfahrt nach Oberursel, um dort gegen die Liga- bzw. Reservemannschaft Gesellschaftsspiele auszutragen. Die 1. Mannschaft, die sich zur Zeit in guter Form befindet, wird auf einen Gegner stoßen, dessen Können weit über den Bezirk der Bezirksklasse Gruppe Friedberg bekannt ist. Konnten sie doch in der vorigen Saison mit Abstand den Meistertitel erringen und um den Aufstieg in die Gauliga kämpfen. Nur ganz knapp blieben sie hinter dem Dun- lop-Sportverein Hanau zurück. Daß unter diesen Umständen die Aussichten alles andere als rosig sind, ist für jeden Kenner klar. Trotzdem sollen die Blau-Weißen den Mut nicht sinken lassen, denn mit dem Können des Gegners wächst auch ihre, eigene Leistung, was sie bis jetzt schon zur Genüge erfahren konnten. Die Spielvereinigung fährt mit Krick; Brückel, Velten; Faber, Brunotte, Funk; Martini, Väth," Schäfer, Funk und Laux. Eine fast unlösbare Aufgabe steht der 2. Mannschaft bevor. Denn vor dem Spiel der 1. Mannschaften spielt sie gegen die Reserve des FC. 04 Oberursel. Daß hier die Aussichten der Leihgesterner auf „Null" stehen, dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen. Auch die Jugendmannschaft ist an Himmelfahrt nicht untätig; sie spielt in Steinberg, uni vor dem Spiel Wormatta Worms — FC. Teutonia Steinberg gegen die Jugend der Teutonen zu spielen. Wer hier das bessere Ende für sich behält, ist nicht vorherzusagen. Vielleicht ist der Vorteil des eigenen Platzes ausschlaggebend. Wirtschaft. Hundert Millionen Reichsmark neue Spareinlagen der Sparkassen im April FWD. Wie die soeben veröffentlichten Monctts- ausroeife der deutschen Sparkassen, Girokassen und Kommunalbanken des Altreichs für Ende April 1939 erkennen lassen, hat sich die günsttge Entwicklung der Spareinlagen bei den Sparkassen auch im Berichtsmonat fortgesetzt. Nur das Tempo der Spareinlagenzunahme hat sich etwas vermindert. Mit 93,4 Millionen RM. lag der Einzahlungsüberschuß diesmal nicht mehr über dem Ergebnis im Vergleichsmonat des Vorjahres (+ 123,2 Millionen RM.), während bisher die Spartätigkeit der einzelnen Monate seit Anfang 1937 fast ununterbrochen Die vorjährige überboten hatte. Den Spareinlagen sind im Berichtsmonat noch 2,0 Millionen RM. Zinsgutschriften zugewachsen. Außerdem haben sie sich durch sonstige Veränderungen noch um 7,6 Millionen RM. erhöht, so daß die Gesamtsteigerung im Berichtsmonat 103,0 Millionen RM. beträgt. Bei den sonstigen Gläubigern brachte der April eine Zunahme von 70,0 Millionen RM., im gleichen Monat des Vorjahres waren die Einlagen sogar etwas zurückgegangen. Durch den Zuwachs im Berichtsmonat wurde der saisonmäßige Abgang im März (89,5 Millionen RM.) nahezu roieoer ausgeglichen, während i. V. der übliche Frühjahrsrück- a dieser Einlagen erst im Mai wieder aufgeholt en war. Die gesamten Einlagen der Sparkassen des Altreichs sind im April 1939 um 173,0 Millionen RM. auf 18 668,1 Millionen RM. gestiegen. Die Einlagenbewegung gestaltete sich also weit günstiger als im gleichen Monat des Vorjahres (+ 132,6 Millionen RM.). Gießener Echlachtviehmarkt. Zürn gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt — Schlachtoiehverteilungsmarkt — in der Viehoersteigerungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 7 Ochsen, 3 Bullen, 34 Kühe, 28 Färsen, 101 Kälber, 318 Schweine, 2 Schafe aufgetrieben. Preise: Ochsen 32 bis 45,5 Pf., Bullen 40 bis 43,5 Pf., Kühe 22 bis 43,5 Pf., Färsen 40 bis 44,5 Pf., Kälber 40 bis 65 Pf., Schafe 30 bis 42 Pf. je Pfund Lebendgewicht. Für Schweine wurden je Kilogramm Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 Kilogramm und mehr) 1,15 RM., bl (135 bis 149,5 Kilogramm) 1,13 RM., b 2 (120 bis 134,5 Kilogramm) 1,11 RM., c (100 bis 119,5 Kilogramm) 1,03 RM., d bis f (unter 100 Kilogramm) 0,97 RM., g 1 (fette Svecksauen) 1,13 RM., i (Altschneider) 1,11 RM., g 2 (andere Sauen) und h (Eber) 1,01 RM. Marktverlauf: Großvieh und Schweine zugeteilt; Kälber und Schafe ausverkauft. Mein-Mäinische Börse. ZHitfagsbörfe knapp behauptet. Frankfurt a. M., 16. Mai. Die Börse brachte keine Aenderuna in der bisher stillen Geschäftslage, da die Zurückhaltung in vollem Umfange fort» dauerte. Am Aktienmarkt ergaben sich rote» herum meist nur belanglose Abweichungen; soweit sie über 0,25 bis 0,50 v. H. hinausgingen, hatten sie zufälligen Charakter. Die führenden Papiere blieben weiterhin behauptet, JG.-Farben 150,13 (150,25), Hoesch 109,25 (109,50), Mannesmann 106,65 (106,75), AEG. 114 (114,25), nur Verein. Stahl 0,65 v. H. rückläufig auf 102. Von Autoaktien verloren BMW. 0,65 v. H. auf 145,40 und Daimler 0,75 v. H. auf 138,25. Sonst kamen vorläufig nur noch Rheinmetall mit 126,50 Geld (126,25), Scherbe- anstatt mit 202,50 (201,50), Reichsbank mit unv. 178,50 und Salzdetfurth Kali 1,50 höher mit 138,50 zur Notiz. Arn Rentenmarkt setzte sich die Nachfrage nach Reichsschatzanweisungen fort. Von den variablen Papieren bewegten sich Reichsaltbesitz bei etwa 131,90 bis 132, Reichsbahn-VA. bei netto 3,50 v. H. Dividendenabgang 0,13 v. H. ermäßigt auf 121,65 (125,25). Im Freiverkehr waren NF.-Steuergut- scheine II weiter etwas angeboten mit zunächst unv. 99, für die erste Serie hörte man einen Kurs von 102,50 (102,30). Abendbörse ruhig. Auch die Abendbörse war dhne Anregung und nahm einen sehr ruhigen Verlauf. Weiter rückläufig waren Rheinstahl auf 134 (134,90), auch Hoesch gingen 0,50 v. H. zurück auf 108,75, während Verein. mit 102 und Mannesmann mit 106 (106,13) sowie Deutsche Erdöl mit 123,50 behauptet waren. Von Chemiewerten notierten IG.-Farben unv. 150, Metallgesellschaft unv. 114, Scheide anstatt weiter etwas erhöht auf 204 (203,50). Am Elektro» markt bröckelten Gesfürel auf 132,50 (133) ab, Licht & Kraft mit 132 und Schuckert mit 179 blieben gut gehalten. Von Maschinenwerten ließen Demag 0,50 v. H. nach auf 142,75, auch Daimler 0,25 v. H. ermäßigt auf 138, dagegen BMW. 146 (145,75), Adlerwerke unv. 102, ebenso MAN. mit 142 und Moenus mit 125. Von sonstigen Papieren stellten sich Bemberg auf 136,50 (136,75), Deutsche Linoleum auf 159,50 (159), Allianz Verein auf 248 (249) und Westdeutsche Kaufhof auf unv. 105,25. Frankfurter Schlachtviehmorkt. Frankfurt a. M., 16. Mai. Auftrieb: Kälber 1053 (gegen 801 am 9.5.), Hämmel und Schafe 53 (90), Schweine 6117 (4519). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Kälber a) 61 bis 65 (61 bis 65), b) 53 bis 59. (53 bis 59), c) 45 bis 50 (43 bis 50), d) 30 bis 40 (35 bis 40). Hämmel bl) 49 bis 50 (49 bis 50), b2) 44 (43 bis 44). fc) 42 (38 bis 42). Schafe a) 42 (42), b) 35 bis 39 (39), c) 31 bis 32 (30 bis 32). Schweine a) 58,50 (58,50), bl) 57,-50 (57,50), b2) 56,50 (56,50), c) 52,50 (52,50), d) 49,50 (49,50). Sauen gl) 57,50 (57,50). Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe mittel. * Frankfurt a. M., 17. Mai. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftrieb: 1139 Rinder (198 Ochsen, 184 Bullen, 544 Kühe, 213 Färsen), 383 Kälber, 21 Schafe, 807 Schweine. Es kosteten:Ochsen 37,50 bis 46,50 Mark, Bullen 35,50 bis 44,50, Kühe 20 bis 44,50, Färsen 36,50 bis 45,50, Kälber 30 bis 65, Schafe 30 bis 42, Schweine 49,50 bis 58,50 Mark. — Marktverlauf: Kälber, Rinder und Schweine zugeteilt; Schafe mittel. Zum JlZuftertag ein Kleid von uns Unser# Stoffe sind immer gut, immer preiswert STOFFSPEZIALHAUS 14.30 BERN ARD « SOHN 16.00 3596D Gießen, Plockstraße 14-16 3625 A Am Donnerstag (H i m m e I f a h rt), nachmittags 2.30 Uhr Wormatia Worms Nach dem Spiel Unterhaltung und TANZ in der vom Volkshalle Eintritt in die Volkshalle frei Himmelfahrttag, ab 4 Uhr: 3607D LICHTSPIELHAUS Morgen Donnerstag: Erstaufführung Vertreter: 1. Zichungstag 16. 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Da die städtischen Beaiiitcn und Angestellten bei der Durchführung der Volks-, Berufs- und Betriebszählung eingesetzt sind, sind sämtliche städtische^ Büros am Freitag, dem 19. Mai 1939, geschlossen. Die mit der Durchführung der Volks-, Berufs- und Betriebszählung beauftragte Dienststelle des Wirtschafts- und Schulamtes ist am Freitag, dem 19i Mai 1939, für den öffentlichen Verkehr geöffnet (Telephon Nr. 2851). 36U3C Gießen, den 16. Mai 1939. Der Oberbürgermeister. I. V.: Vogt. Bekanntmachung. Bctr.: Bekämpfung der Schweinerotlaufseuche; hier: die Anlage der Jmpflistcn. Im Interesse einer geordneten veterinärpolizci- lichcn Bekämpfung der Schweinerotlaufseuche fordere ich die Besitzer von Schweinen in der Stadt (ließen auf, ihre Tiere impfen zu lafsen und die notwendigen Angaben für die Anlage der Jnipslistcn in der Zeit Pom 20. bis 30. Mai d. I. aus dem Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer 5, zu machen. 3606C Gießen, den 16. Mai 1939. Der Oberbürgermeister. I. V.: Nicolaus. Oeffentliche Ausschreibung. Die Fliegerhorstkommandanilir Gießen verdingt für die Zeit vom I. 7. 1939 bis 31. 12. 1939 nachfolgende Lebensmittel: I. Kolonialwaren, Los 1 und 2 II. Frischgemüse, Los 3 III. Brötchen, Los 4 Die Lose sind bei der Küchenverwaltung der Flieger Ihorstkommandantur Gießen abzuholen. Angebote find bis Dienstag, den 23. Mai 1939, 12 Uhr, bot der Küchenverwaltung bef Fliegerhvrstkommandantur Gießen in verschlossenem Umschlag mit der Aufschrift: „An die Küchenverwaltung Fliegerhorstkomman bantur Gießen" betr. Lebensmittelverdingung, ab- ßugeben. Später eingehende Angebote finden keine Berück fichtigung. 3605D Gießen, den 16. Mai 1939. Ftiegerhorsttommandautnr Gießen. Auherdem wurden 567 Gewinne zu te 100 RM. und 6543 Gewinne zu je 60 RM. gezogen.