tlr.190 Erstes vlatt 189. Jahrgang Mittwoch,16.Augustl9Z9 wen des Caracalla z u Rom. »euer Mißglückte polnische Ablenkungsmanöver ) SrjaijP Ungarns preße gegen die Vrunnenvergister D Sie- tion. Rom, August 1939. 3n vierjähriger planmäßiger Arbeit ist die Idee bic große Massen fassenden lyrischen Freilichttheater in Italien verwirklicht worden, die L.>ernaufführungen bringen. Eine Krönung dieser Pstrebungen war in der vorjährigen sommerlichen Sielzeit die Eröffnung des gewaltigen, 25000 Bescher fassenden Freilichtheaters in üen Ther- D a n z i g , 15. August. (DNB.) Die Danziger politische Polizei hat die beiden polnischen Zollinspektoren Wladislaw Slowikowski und Roman G u l a k o w s k i festgenommen, die auf dem Wasserwege mit Hilfe eines polnischen Zollbootes Flugblätter aus Polen n a d) Danzig g e - bracht haben. In diesen Flugblättern wird in deutscher Sprache gegen den Danziger Gauleiter Albert Forster gehetzt. Das Flugblatt ist eine einzige Schmähschrift. Unterzeichnet sind die Flugblätter von einem sogenannten „Exekutivausschuß der Danziger Freiheitsfron t". Mehrere hundert Flugblätter siyd im Laufe der letzten Tage durch die Post an die einzelnen Haushaltungen in Danzig versandt worden; doch schon vor ihrem ersten Erscheinen in Danzig wußte die polnische Presse von diesen Blättern und der erten $ in M 98, W || W 20 M R 151$ 191 M 1 PlM keizenck. reis Nx Type K ,20, ® i W 13 fc . 20 N t 12 22,ti l 19 W V, Weis i 19 US 18 M. ab W W w >0V Wil!"', ind, tot? roden M s net)eu> ni>, trMr- tpreßl Amuchwe oos Anzeige« für die Mittagsnummer vis 8*/,Uhr des Dormittag« Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rpf., für Tert- anzeigen von 70 mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrist nach vorh.Dereinbg.25°/, mehr. Lrmätzigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenhettsanzei« gen 5 Rpf., Familienanzei- oen,Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B polnische Zollinspektoren als Aufwiegler 3m polnischen Zollboot Hetzflugblätter nach Danzig geschmuggelt. äsei meinem diesiährigon Besuch der Fveilicht- I^ter-Aufführungen in Verona. Mailand und hau konnte ich mich von dem gewaltigen Ansturm dr Massen zu den Darbietungen dieser Bühnen Ilik zeugen. Hoch hinauf bis zu ihren vier Stock- tefi’e hohen obersten Rand stauten sich die Besucher in weiten Rund der Arena von Verona; in Mai- lcr füllten sie zu vielen Tausenden die im riesi- gnlHof des Sforzaschlosses stufenförmig aufsteigen- di: Sitzreihen; in Rom, im Earacallatheater aber Asimmelt sich allabendlich eine Theatergemeinde, dnn Kopfzahl jene einer mittleren Provinzstadt steigt. Den Spiel plan aller dieser lyrischen Lilien beherrschen, entsprechend dem Geschmack ^'.Hauptmasse der Besucher, natürlich Werke b i 5 und Puccinis. Hier und dort sieht rG1 auch das eine oder andere Musikdrama W a g- rtz der reichen Hilfsmittel moderner Bühnentech- j>l.-nd noch immer Fragen der Ausstattung Im der Beleuchtung der Bühnenbilder mit jjhr für die Oper notwendigen Feinheiten zu lösen, pnitvolle Wirkungen werden allerdings im Eara- <>laacheater erzielt. Oft traumhaft schön sind hier r» Bühnenbilder. Auch das Arenatheater zu -;8i-cna hat glückliche Lösungen gefunden, es wurde X Itmeifterin aller lyrischen Freilichtbühnen. Gerin- g|ee Möglichkeiten scheinen die Beleuchtungsanlagen lntunq(p ft )erichi.stlr uftrieb: djmeine. 6 (35 bis'? 52 B - teilt; menhang damit in polnischen Blättern lesen kann, Polen müsse sich nunmehr überlegen, ob nicht schon dann seine „vitalen Interessen" bedroht erscheinen könnten, wenn die Selbständigkeit seiner Nachbarn, etwa Ungarns oder Rumäniens, gefährdet fei. Jedenfalls sind alle diese Versuche der Polen, vom Thema abzulenken, von vornherein zur Erfolglosigkeit verurteilt, denn die Klarheit, die die Salzburger Gespräche geschaffen haben, ist zu groß, als daß sie sich durch solche Manöver vernebeln ließe. Kr. «b,t ■lüu) in ZU heben. „Andare al Popo lo" (zum Volke, zu den Massen gehen) ist die von ihm ausgegebene Losung. Was vermag aber die Volksseele tiefer zu bewegen, zu erschüttern, zu läutern, zu erziehen, als das gute Theater, als die edelsten Schöpfungen des dramatischen und musikalischen Genius? Den Massen, die in der winterlichen Spielzeit aus wirtschaftlichen Gründen und auch aus Raummangel in den geschlossenen Theatern feiten oder nie dieses erhebenden und erziehenden Genusses teilhaftig werden konnten, ist nun Gelegenheit hierzu in reichstem Maße geboten. Das tatkräftige Eingreifen des Duce war, wie immer, erfolgreich. Wie sehr diesen warmfühlenden Freund der vom Schicksal materiell weniger Bedachten diesen Erfolg befriedigt, kann daran ermessen werden, daß er oft im Caracalla- theater während des Spiels im tiefen Dämmer des Zuschauerraumes auftaucht, um sich an der gespannten Aufmerksamkeit, an der sich häufig impulsiv luftmachenden Begeisterung der Massen über die künstlerischen Darbietungen zu erfreuen. Ueber- flutet bann nach Aktschluß ein Lichtmeer den Zuschauerraum, bleibt der Duce natürlich nicht un- entdeckt und die von den dankbaren Massen dem Dolksführer bereiteten Ovationen nehmen kein Ende. polM der Selbstverständlichkeit. Am 22. Mai wurde der Wortlaut des zwei Wochen vorher in Mailand unterzeichneten politischen und militärischen Paktes zwischen Deutschland und Italien veröffentlicht. Diejenigen Bestimmungen des Paktes, die augenblicklich am aktuellsten sind, stehen in den ersten beides Artikeln. Sie lauten: „Artikel 1. Die vertragschließenden Teile werden ständig in Fühlung miteinander bleiben, um sich über allgemeinsame Interessen oder diü Europas Gesamtlage berührenden Fragen zu »er« ständigen. Artikel 2. Falls die gemeinsamen Interessen dev vertragschließenden Teile durch internationale Ereignisse irgendwelcher Art befährdet werden sollten, werden sie unverzüglich in Beratungen über die zur Wahrung ihrer Interessen zu ergreifenden Maßnahmen eintreten. Wenn die Sicherheit oder andere Lebensinteressen eines der vertragschlie». ßenden Teile von außen her bedroht werden sollten, wird der andere vertragschließende Teil dem bedrohten Teil seine volle p o H ti f A) e und diplomatische Unterstützung zuteil werden lassen, um diese Bedrohung zu beseitigen." Da dieser Wortlaut in London, Paris und Warschau seit dem angegebenen Datum genau bekannt ist, hätte man annehmen sollen, daß die deutsch- italienischen Besprechungen von Salzburg und Berchtesgaden gerade in der gegenwärtigen Lags Europas etwas völlig Selbstverständliches, ja vertraglich Pflichtmäßiges waren. Schließlich ist ja der Begriff der Konsulationsklaufel gerade den westlichen Einkreisungsmächten seit Jahren zum handwerksmäßigen Bestandteil ihrer Alltagsdiplomatie geworden. In den Zentralen der europäischen Friedensstörung erschienen jene Besprechungen jedoch so wenig selbstverständlich, daß dort ganze Wirbel von Vermutungen über den Inhalt der Besprechungen entstanden. Man trieb das Spiel der allzu Naiven durch tägliche Fabrikation von Nachrichtenkombinationen auf den deutsch-italienischen Busch zu klopfen, und man erfuhr dabei — nichts. Je weniger man aber erfuhr, desto nervöser wurde man. 3ii. brölkti, 5 l'ch fff- \ an dr- Ifai koui> Haitis nien gif "etall oir 143 Qflgj. )enus inj. rki eriU inesman- 3 (88,U lach, Wü': A gefror • mit Hi t mit W nd LU 4,50 D.r 8- iM' »bahn-U - Tesch?- >ar-U hcben sich den bestehenden einige kleinere Freilicht- th ater in Provinzhauptstädten zugesellt, sodaß nun bi- Verwirklichung der Idee als abgeschlossen gelten /am. In der Arena in Verona war die erste FiLilichtbühne errichtet worden. Verona gilt somit al Geburtsstätte des großen italienischen lyrischen Fi^ilichttheaters. Gelegentlich des Goethe-Tages in Bronn hat Reichsminister Dr. Goebbels einer Abführung der Oper „Faust" auf dieser Freilicht- bi>ne beigewohnt. Jn Italien ist D'Annunzio als zeitgenössischer An- re;er von Theateraufführungen im Freien anzu- ft^chen. Wohl hat Italien schon im Mittelalter Mysterienspiele vor seinen herrlichen Domen ge= ?a~nt; im 15. und 16. Jahrhundert sind in Neapel, -Rim, Florenz, Mantua, Ferrara und Venedig Ver- su»e unternommen worden, antike klassische Thea- tenufführungen im Freien Wiedererstehen zu lassen; dc 18. Jahrhundert hat auch in Italien Schäfer- fvi le in den herrlichen Gärten feiner prunkvollen Piriziervillen gekannt; dann aber gerieten auch in Jtilien Theateraufführungen im Freien in Verges- seioeit. Erst im ersten Dezennium des 20. Jahr- hii'derts begann D'Annunzio einen lebhaften Feld- $u: zur Wiedererweckung der Aufführungen von amten griechischen und römischen Dramen, aber ach neuzeitlichen Dichtungen im Freien. Er fand in damaligen Italien wenig Verständis und noch nötiger Förderung. Dennoch wurde seine als B te eines verschrobenen Dichterhirnes belächelte 2d»e kurz vor dem Ausbruch des Weltkrieges im römischen Theater von Fiesole bei Florenz und im «r chischen Theater von Syrakus verwirklicht. Aber eslblieb beim Experimentieren. Den vollen Sieg nnng die Freilichtbühnen-Jdee erst im Jahre 1925. Ä klassischen Aufführungen in Syrakus wur- nun zur ständigen Einrichtung, sie hatten im -ce einen verständisovllen Förderer gefunden. rtzt setzte auch die planmäßige Arbeit ein, um Freilichttheater zum Theater der Massen ;-i machen. Zunächst wurde die Einrichtung des Wchen (im Jahre 1930), bald auch des dramati- c-n „Earro die Tespi" (Tespiskarren) ins Leben prüfen, ein mit modernsten technischen Einrichtun- M großzügig ausgestattetes fahrendes Theater. In ihn treten erstklassige Sänger und Sängerinnen, b besten Schauspieler Italiens auf. Es spielt 'Ihrend den Sommermonaten in den mittleren ld kleineren Provinzstädten und bietet ihrer Be- IFerung künstlerische Höchstleistungen, deren Ge- «H ihr bisher versagt war. Tausend sanden im Eiichauerraum dieser fahrenden Theater Platz (in bun lyrischen Tespiskarren bis zu 5 000 Personen). Das war ausreichend für die Volksmaffen der wvinz, aber nicht für die der großen Städte. ~l‘fe Unzulänglichkeit bestimmte die Schaffung der gs'ßen Freilichttheater in Italien. In •' apel unter dem Pofilip, in Rom in den J ’men des Caracalla, in Florenz im Boboli- gcz ten (Palazzo Pitti), in M a i l a n d im Hofe des viorzaschlosfes, in Turin im Parco Balentino, in te prachtvollen Arena zu Verona, in Triest k St. Just, in Bologna, Genua, Pa - le'm o und anderwärts sind riesige lyrische Frei- kOttheater erstanden, die allabendlich Tausende von Schauern aufnehmen können. Das monumen- IMe ist wohl das im Vorjahr in Rom unter Be- rniiung der Ueberrefte der Thermen des Cara- *1JXI unb des vorgelagerten Geländes erbaute Frei- !'j'theater, dessen Zuschauerraum auf bequemen ^platzen insgesamt 25 000 Personen aufnehmen ffini. nur die amtliche polnische Fassung -der Ortsnamen ohne Uebersetzung oder Umschreibung Gültigkeit habe. Die Polen sind gründliche Leute. Nun kann es ja an nichts fehlen! Aber wie wäre es, wenn sie sich — statt dieser kümmerlichen Namensgeographie — einmal die Karte ihres Landes vornehmen und aus einer geopolitischen Lage gewisse Rückschlüsse ziehen würden, die sich auch einem ganz einfachen, mit Wissen nicht belasteteten Verstände aufdrängen? Wachsendes Verständnis in Rumänien. Bukarest, 15. August. (DNB.) In letzter Zeit mehren sich in der rumänischen Presse einsichtige Stimmen, die auf die Berechtigung des deutschen Standpunktes in der Danziger Frage und aus die unhaltbaren Zustände in Polen Hinweisen. So unterstreicht das große Blatt „Curentul", daß Gauleiter Forster in seiner Rede mit vollem Recht auch den wirtschaftlichen Standpunkt zur Sprache gebracht habe. Der Verfasser des Aufsatzes erklärt, sich selbst an Ort und Stelle davon überzeugt zu haben, daß Gdingen blühe und der Hafen von Danzig dahinsieche. Auch der Hauptschriftleiter der angesehenen Wirtschaftszeitung „Excelsior" Prvs. V a l c o w i c i berichtet über polnische Reiseeindrücke. Er stellt fest, daß die polnischen Dörfer mit ihren hühnerstallähnlichen Häusern Zeugen eines aroßen Elends sind. Die Lebenshaltung des polnischen Bauern liege noch tief unter jenem des rumänischen. Auch die Lage in den Städten sei voll Fragezeichen. Die geistige Schicht des polnischen Volkes sei von Sorgen erfüllt. Polen habe solche Grenzen erhalten, daß mehr als ein Drittel seiner Bevölkerung nationalen Minderheiten anaehöre. Die geschlossene Masse der 7 000 000 Ukrainer im Südosten Polens mit ihrem Streben nach Unabhängigkeit bildeten eine latente Gefahr für den Staat. Dazu komme die akute Frage des Korridors und Danzigs. Valcowici stellt schließlich die Frage warum Polen eigentlich in die demokratische Front eingeschwenkt sei, wo es doch mit [eine guten Beziehungen zu Deutschland, die es mehrere Jahre lang hatte, nicht schlecht gefahren sei. Volkstheater im faschistischen Italien Don unserem Mg..Korrespondenten. Bubap eft, 15. Aug. (Europapreß.) Das christlich-nationale „Nemzeti Ujsag" betont, als positives Ergebnis der Salzburger Verhandlungen stehe fest, daß die deutsche und die italienische Politik in allen aktuellen Fragen in voller Harmonie zueinander ständen, so auch in der Danziger Frage. Im übrigen zählt das Blatt zahlreiche ausländische Vermutungen und Falschmeldungen auf und meint, es sei hohe Zeit, diesen irreführenden Brunnen« Vergiftungen ein Ende zu machen. Das Pfeilkreuz- ler-Blatt „Magyarsag" schreibt, nach München und Wien habe Salzburg kommen müssen, damit die Welt abermals zur Kenntnis nehme, daß die Achse fest und das Bündnis zwischen den Achse n ft a a t e n unerschütterlich sei. Das Regierungsblatt „Függetlenseg" erklärt, die demokratische Presse habe die Salzburger Verhandlungen abermals dazu benützen wollen, um Beunruhigung in der öffentlichen Meinung der zur Sphäre der Achsenmächte gehörenden Staaten hervorzurufen. Diese Kampagne sei aber ebenso gescheitert wie in der Vergangenheit. Alle diese Versuche und die Schauernachrichten, die auch über Ungarn verbreitet worden seien, habe man in Berlin und Budapest auf ihren gebührenden Wert herabgesetzt. Der dem Außenministerium nahestehende „Pester Lloyd" schreibt u. a„ Ungarn sei innerlich viel zu ruhig und gefestigt, um sich durch f a l s ch e G e - rüchte und phantastische Erfindungen aus der Fassung bringen zu lassen. In Berlin und Budapest nehme man diese Produkte der aufgeregten Phantasie seit langem nicht mehr ernst. Sei pure Sensationslust die Quelle dieser Lügen, so müsse dies im Interesse der Ruhe Europas und der Welt verurteilt werden. Sei aber ihr Beweggrund der Wunsch, Ungarn zu schaden, so müsse der ausgesprochen böse Wille, der darin zum Ausdruck komme, noch besonders gebrandmarkt werden. In beiden Fällen handele es sich um ein gewissenloses Treiben, das dem Frieden nur schaden könne. polnische Revanche. Das polnische Innenministerium hat die Z u - rücksendung aller Po st fachen angeordnet, die den Wohnort des Adressaten i n deutscher und nicht in polnischer Fassung enthalten. Ja, es wird ausdrücklich angeordnet, daß sogenannten Freiheitsfront zu berichten. Sie versuchte den Eindruck zu erwecken, als feien diese Hetzflugblätter in Danzig selbst hergestellt worden, und als gebe es auf dem Gebiet der Freien Stadt tatsächlich eine Bereinigung, die den Anschluß Danzigs an das Reich verhindern wolle. Das neue polnische Manöver war aber zu durchsichtig und zu plump. Nach eingehenden Ermittlungen der politischen Polizei wurde nunmehr eindeutig festgestellt, daß die Blätter inPolengedruckt worden sind. Die beiden verhafteten polnischen Zollinspektoren, die in Danzig stationiert waren, befinden sich im Polizeigefängnis. Festgenommen wurde auch der Bootsführer Alksander G o r n y des polnischen Zollbootes, mit dem die Flugblätter nach Danzig gebracht wurden. Lkschewl täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle Monatr-vezugspreis: gRit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen oon einzelnen Nummern infolge höherer Gewatt Zernsprechanschlüffe inter Sammelnummer 2251 Unschrist für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 dieses, ?• t und P •' für bie,1; lernte ih , wenn * eid)l$r; . tarnen Länder August ( NE nif. D-? mV für die' 16. . ich nj J e KontE niäß'S./ jrüfC ein(E r Wu V igenel^ G S lieue „Bedrohte" gesucht. Don unserer Berliner Schristleiiung Die Polen müssen ihrer sogenannten Rechtsansprüche in und auf Danzig wohl nicht allzu sicher fein. Nicht nur das schon seit Wochen andauernde Eroberungsgeschrei der polnischen Presse und polnischer Staatspersonen läßt darauf schließen, daß sie selbst ein Empfinden haben, auf wie schwachen Füßen ihre Argumente stehen. Auch sonst bemühen sie sich, so viel Verwirrung wie möglich zu stiften, um die unbefangene Welt sowie ihre Freunde möglichst nicht zum klaren Nachdenken kommen zu lassen. Immer soll es so scheinen, als sei es Deutschland, das Ungebührliches verlange, und als läge es nur am mangelnden deutschen Verständigungswillen, daß die Verhältnisse immer unhaltbarer und damit friedensgefährdender werden. Daß mit dem Augenblick, da man die Danziger allein über ihr Schicksal bestimmen lassen würde, auch die Herstellung einer wahren europäischen Gerechtigkeit sich anbahnen würde, darf beileibe nicht in das Bewußtsein der anderen Völker dringen. Im Kreise der vielfachen wilden Kombinationen soll es so aussehen, als sei ja Polen nicht allein in Danzig bedroht' sondern als gäbe es eigentlich keinen anderen in Europa, an den Deutschland nicht mit ungerechtfertigten Ansprüchen heranzutreten sich bemühe. Das bezieht sich nicht nur auf diejenigen Staaten, die sich heute schon mehr oder weniger der Einkreisungsfront zurechnen, sondern auch auf jene Nationen, mit denen Deutschland seit Jahren in den freundschaftlichsten und engsten Beziehungen lebt. Nicht einmal das verbündete Italien wird mit solchen ' lächerlichen Verdächtigungen verschont. Polen in feiner moralisch und rechtlich so schwachen Position genügen die gegenwärtigen Garantiemächte schon nicht mehr. Es möchte so viele Bedrohte" wie möglich schaffen, um aus diese Weise eine Einheitsfront aller bedrohten" Länder herzustellen in der Hoffnung, damit Danzig und das Reich emzufchuch- tern und an den kürzeren Hebelarm zu bringen. Das muß auch schon der Engländer und Franzosen weaen geschehen, die sich möglicherweise überlegen könnten ob es wirklich die Knochen auch nur eines ihrer Soldaten wert sei, verhindern zu wollen, daß die Deutschen Danzigs sich mit den Deutschen im Reich verbinden und jenen Zustand wieder- herstellen, der Jahrhunderte lang in der Geschichte zum Nutzen und Frommen beider Teile bestanden hat. Um diesen Eindruck zu verwischen, bemüht sich heute schon die polnische Presse, zu erklären, daß die Danziger Angelegenheit eigentlich nur ein Detail sei, daß Deutschland noch 6 anz andere Dinge damit im Schilde führe, und daß es letzten Endes um die Existenz der Demokratien ginge, für die man also, diesmal unter dem Nenner Danzig, kämpfen müsse. So faseln schon seit einigen Tagen polnische Blatter von einem geplanten deutschen Vormarsch in südöstlicher Richtung längs der Donau. Deutschland habe die Unmöglichkeit eingesehen, die Danziger Hi, e;h 1 s, Jeihi ber Freilichtbühne im Sforzaschloß zu Mailand zu bieten. Diese gewaltigen Freilichttheater eignen sich kaum jur Aufführung von Schauspielen. Das gesprochene Wort würde der riesige Zuschauerraum glatt verschlingen. Selbst Aufführungen von Opern erzwingen 9Nasfenaufgebote auf der Bühne und im Orchester. Nur Massenchöre, Blaffen von Komparsen vermögen überdies auf den zwangsläufig in den Ausmaßen ebenfalls ungeheuer geräumig gehaltenen Bühnen auch für das Publikum in den von der Bühne entferntesten Sitzreihen (im Caracalla- theater etwa 250 Meter) wirksame Szenenbilder zu stellen. Massenchöre, Riesenorchester und Solisten zu einem geschlossenen Klangkörper zu formen, in dem jeder Faktor zu wohlüberlegter Geltung kommt, bereitet selbstverständlich unerhörte Schwierigkeiten. Es ist.bekannt, wie sehr der Duce bestrebt ist, auf ollen Gebieten den Bildungsgrad der Massen Frage auf friedlichem Wege zu lösen und suche jetzt einen leichten Erfolg durch eine Niederwerfung Rumäniens, wobei Ungarn als Helfershelfer in Betracht gezogen sei. Man habe geradezu auf Ungarn einen Druck ausgeübt. Selbst das energische ungarische Dementi dieser widersinnigen Gerüchte hat die polnische- Presse noch nicht zum Schweigen gebracht. Man versteht ganz gut, daß die Polen nur ungern ihr letztes Kartenhaus Zusammenstürzen sehen. Aber es kennzeichnet gleichzeitig wiederum den polnischen Größenwahn, wenn man im Zusam- Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Dradt und Verlag: vrühlsche Unlverfilätsdruckerel «.Lange In Gießen. Schristleiiung und Seschästrftelle: Schulstratze 7 Und das hat nun freilich feinen sehr bestimmten, sehr ien Rückwanderer beim fröhlichen Spiel. — (Scherl-Bildevdienst-M.) leit und Einheit. . „ Da hinein platzt nun die angebliche „Sensation" der deutsch-italienischen Besprechungen. Sie sind eine Angelegenheit von insgesamt ein paar Stunden! Auf der gemeinsamen Basis der deutsch-italienischen Freundschaft im allgemeinen und des soeben zitierten Paktes im besonderen ist alles Nötige in kurzer Zeit durchgesprochen. Das Ergebnis besteht in der — selbstverständlichen — Bekräf- tigung, den von den Achsenmächten eingeschlagenen Weg zur Befriedung und Stabilisierung Europas unbeirrbar weiter zu gehen. Die Aussprache konnte die Sicherheit und Klarheit dieses Weges nur be- stätigen. Ein „gemeinsames Kommunique", wie man es in der Einkreisungspresse so voreilig und so neugierig hatte ankündigen lassen? Keine Rede davon — wozu denn? Denn der wesentliche Unterschied zwischen dem Dauerpalaoer von Moskau und den deutsch-italienischen Besprechungen liegt ja darin, daß wir und unsere Freunde es nicht nötig hoben, an einem Verhandlungstisch unter dauernden „Konzessionen" irgendeine gummiartige Formel auszu- Inobeln, um wenigstens die Verhandlungen selbst notdürftig am Leben zu erhalten. Wir haben es nicht nötig, uns miteinander monatelang darüber herumzustreiten, ob und wie wir wohl zu irgendeiner Zusammenarbeit kommen könnten, sondern die grundsätzliche Zusammenarbeit ist für uns ein Ausgangspunkt, aber nicht ein heftig umstrittenes Ziel einer vagen Zukunft. — Zugegeben, es muß sehr mißlich sein, derart himmelweite Unterschiede zwischen Moskau und Salzburg von London und Paris aus festzustellen. Aber abgesehen davon, daß man diese primitive Erkenntnis schon sehr viel früher und vor allen Dingen sehr viel biliger hätte haben können, verbindet sich mit jener Erkenntnis für die Einkreisungsmächte heute zwangsläufig die weitere, daß nämlich die Zeit endgültig vorbei ist, in der die Diktatstaaten von Versailles allein und ganz nach eigenen Interessen das Schicksal Europas bestimmen. Endgültig! Etwas von dieser zweiten Erkenntnis deutet sich in den resignierten Pressebetrachtungen über die Stärke der Achse an. Irgend etwas muß also ge- ichehen. um die allzu starke Kontrastwirkung zwischen Salzburg und Moskau für die Umwelt abzuschrecken — da schießt die Londoner „Times" unmittelbar noch dem Abschluß von Salzburg zum Zweck der Ablenkung ihren Schlager ab: „Wahrscheinlich bald" Unterzeichnung des Paktes mit Polen? Wir hatten darauf gewavtet. Dieser Londoner Schlager hat das Schicksal einer Rakete; man sieht einen Augenblick hin, dann zerplatzt sie spurlos ins Nichts. Heue polnische Schikanen. Thorn, 15. Aug. (DNB.) In den letzten Tagen wurde wieder eine Anzahl deutscher Betriebe geschlossen oder beschränkt. Dem volksdeutschen Gastwirt Kwiatkowski in Ostburg bei Argenau sowie dem Gastwirt Steinbarth in Schönarund wurde die Konzession zum Ausschank alkoholischer Getränke entzogen. Durch Entscheid des Starosten von Schubin wurde die Bäckerei -des Volksdeutschen Tempi Neue japanische Offensive in Südchina. Hongkong von der Küste abgeschnitten. 5 ch a n g h a i. 16. Aug. (DJtB. Funkspruch.) Die englische Kronkolonie Hongkong wurde durch militärische Handlungen Japans plötzlich in das allgemeine Interesse gezogen. Die Japaner haben Truppen unmittelbar an der Grenze des englischen Pachtgebietes Kowloon- Hongkong gelandet. Nachdem japanische Flugzeuge vereinzelt vorhandene Stellungen chinesischer Par- tisanen (irreguläre Truppen) bombardiert hatten, rückten die Truppen, ohne Wider st and zu luden, vor. Nach wenigen Stunden wurde von hnen schon die Siedlung Schumchun an der Eisenbahn Kowloon—Kanton erreicht. Damit ist die unter britischer Verwaltung stehende Halbinsel bereits zur Hälfte von China abgeschnitten. Zwei englische Kompanien besetzten die Grenzzone des Pachtgebietes. Zahlreiche bewaffnete Chinesen flüchteten in das pachtgebiet. In englischen Kreisen, die bisher noch immer an Kriegslieferungen für Tfchiangkeifchek glänzend verdienten, fürchtet man die Abschnürung der Kolonie, nachdem Japan Südchina völlig beherrscht. Neue Iren- Demonstrationen. London, 15. Aug. (Europapreß.) Durch Funk und Presse veröffentlichte die englische Polizei die genaue Beschreibung eines jungen Mädchens und eines jungen Paares, die im Verdacht stehen, zwei Hotelbrände durch Bombenexplosionen verursacht zu haben. Die beiden Brände brachen fast zur gleichen Zeit in der Nacht zum Dienstag in den an der irischen See gelegenen Badeorten Fleetwood und Southport aus. Als Brandherd wurden in beiden Fällen Schlafzimmer festgestellt, die kurz vor Ausbruch des Brandes gemietet, von den Gästen aber nicht bezogen worden waren. Als Täter werden in beiden Fällen irische Extremisten vermutet. Man glaubt, daß ihre Tat eine Antwort auf die Unterzeichnung zwölf weiterer Ausweisungsbefehle durch den Innenminister darftellen sollte. In der Umgebuna des Picadilly-Platzes in London wurden Dienstagabend 4 0 Telefon- Z e l l e n von bisher unbekannten Tätern zerstört. Die Telefonleitungen wurden durchgeschnitten, die Apparate unbrauchbar gemacht und zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. Die Polizei glaubt, daß die Täter ebenfalls in den Reihen der irischen Extremisten zu suchen sind. Im Zentrum Londons entstand am Dienstag- * abend in einer Kartonagenfabrik ein G r o ß f e u e r. 1 Die ganze Front des Gebäudes wurde von den 1 Flammen erfaßt. Neber 20 Löschzüge wurden ein- i gesetzt, die schließlich den Brand eindämmten. In- ■ zwischen war jedoch bereits ein großer Teil der - Fabrik zerstört. Hunderte von Bewohnrn der Umgebung der Fabrik muhten in aller Eile ihre Woh- Das Schloß Leopoldskron soll zu einem K ü n st l e r h e i m umgestaltet werden für die bei den Festspielen Mitwirkenden. Auf dem früheren Kapuzinerberg werde eine neue große Stadt entstehen mit einer Reche monumentaler Bauten. Auf dem Mönchsberg und an vielen anderen Stellen der Stadt entständen Schulen, Wohnhäuser, Sportanlagen. Fast Verdreifachung der Geburten in Wien. Wien, 15. Auaust. (DNB.) Nach einer amtlichen Statistik hat Wien einen außerordentlichen Geburtenzuwachs aufzuweisen. Im ganzen Jahre 1937 betrug die Zahl der lebend geborenen Kinder 10 032, jedoch im er ft en Halbjahr 1939 bereits 12 900. Da die Geburtenziffer von Quartal zu Quartal steigt, rechnet man für das Jahr 1939 mii einer Verdreifachung gegenüber 1937. Wien war zur Zeit des Systernregirnes die gebürten* ärmfte Stadt der Welt. Damals tarnen nur 5,5 Geburten auf 1000 Einwohner, jetzt 14,4 auf 1000 Einwohner, wobei der jüdische Bevölkerungsteil nicht mitgerechnet ist. Einheitliche Steuerung der Tuberkulosebekämpfung. Im Anschluß an die im Gau Mecklenburg durch- geführten Reihenuntersuchungen auf Tuberkulose nach dem Röntgenschirmbildverfahren fand- in Berlin eine Zusammenkunft der an der Bekämpfung der Tuberkulose interessierten Stellen der Partei und des Staates statt. Die Besprechung, die un" ter Leitung von Hauptamtsleiter Dr. Blome, Stellvertr. Leiter des Hauptamtes für Volksgesundheit der NSDAP, stand, brachte den Willen der beteiligten Dienststellen zum Ausdruck, die sich aus den Untersuchunaen ergebenden weiteren Ausgaben in derTuberkulosebekämpfung unter e i n h eil' licher Steuerung durch die Reichsgs' sundheitsführung in planvoller Weise,n Angriff zu nehmen. Das Zeichen -des Friedens. NSG. Dor fünf Monaten verkündete der Füh^ in Wilhelmshaven, daß er sich entschlossen habe- den Reichspartei 1939 „Reichsparteitag he.6' Friedens" zu nennen. Zu diesem Höhepunkt nu der Jahresarbeit der nationalsozialistischen Bewe" gung hat die Meisterhand eines Bildhauers da« Symbol geschaffen. Getreu den Worten des W" rers schuf Professor Richard Klein die Iß I a f e 11« des Reichsparteitages. Fruchtbarkeit und Muttes Erde vereinigen sich in der Darstellung der in üP ruhenden weiblichen Gestalt. Aehren und Reve^ symbolisieren das Brot der Nation und glückiM schließt das Ganze das Kind mit dem Blumen" strauß in der bewußten Darstellung des Friedens Darüber aber wacht alles überstrahlend der weyr^ hafte Adler des Reiches; er sichert die Früchte ve- Landes und die Erträge der Arbeit des fchaffem^ Dolkes; er spannt seine schützenden Flügel um Mutter und Kind; er ist stark und mächttg Q6™ jedem Feinde für immer die Lust zu nehmen, de- Frieden des deutschen Volkes zu stören. Die naheliegenden Grund. Versetzen wir uns einmal in die Lage der Einkreisungsmächte, dann sieht die Sache so aus: Seit nun bald fünf Monaten geht in Moskau das nervenaufreibende hin und her zwischen England und Frankreich auf der einen, Sowjetrußland auf der anderen Seite. Man schickt sogar von London einen Sondergesandten, Mr. Strang, Spezialisten für ganz heikle Fälle. Nicht, wie vorgesehen, nach vier, sondern nach 45 Tagen reift Strang fast so plötzlich ab wie General Jronside von Warschau. Was er seinem Chef, Lord Halifax, aus dem Kreml mitbringt, ist so wenig, daß es noch nicht einmal zu dem bescheidensten Kommunique in London reicht. Unterdessen kuhhandeln die beiderseitigen Militärmissionen weiter. Moskau schweigt sich darüber in allen Tonarten aus, weil es zwar in die englischen Karten sehen, sich aber nicht in die eigenen sehen lassen will; London schweigt so vielsagend wie nach der Rückkehr Mr. Strangs. Es hat sich also seit Monaten nichts geändert, nur die' Akteure auf der Szene haben gewechselt, wobei es übrigens bei der zweiten Besetzung geblieben ist. Das Entscheidende aber an diesem uielmonatiar- Hergang ist die Tatsache, daß man dort in Moskau von einer Schwierigkeit zur anderen, von einer grundsätzlichen Meinungsverschiedenheit in die andere hineintastet und heute ersichtlich noch nicht weiter ist als vor vier ober fünf Monaten. Mit anderen Worten, es fehlt die Basis der grundsätzlichen Einig- Mutter mit Kind beim Verlassen des Kinderhemrr in Prien. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Deutsche Auswanderer aus Aord-Amenka. N e u y o r k, 15. Aug. (DNB.) Mit dem seit zwei Jahren anhaltenden Strom deutscher Rückwanderer wird am Donnerstag an Bord des Lloyddampfers „Bremen" wieder eine Gruppe von 150 Volksdeutschen eintreffen, die eine zweifelhafte Eristenz in der Fremde mit einer gesicherten Zukunft im neuen Deutschen Reich vertauschen. Einige von ihnen waren seit Generationen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika oder in Kanada ansässig, andere wurden erst durch die Not der Nachkriegszeit aus Deutschland vertrieben. Unter ihnen sind Banater Schwaben und Volksdeutsche, die erst nach der Bolschewistenherrschaft auf dem Umweg über die deutschen Siedlungsgebiete in Südwestrußland nach Amerika gelangten. Es sind auch Danziger unter ihnen, deren Vorfahren Deutschland schon vor mehr als 200 Jahren verließen, deren Kinder aber heute noch fließend deuffch sprechen. Viele wurden nur arbeitslos, weil f i e deutscher Abstam - mung waren. Einer von ihnen, dessen Vorfahren 150 Jahre lang in Südkanada gelebt haben, und der Deutschland noch niemals gesehen hat, erklärte: „Mr wollen endlich nach Hause." Prien, 15. Aug. (DNB.) Auf Einladung der Auslandsorganisatton der NSDAP, hatten Ser- treter deutscher Blätter Gelegenheit, das Rückwandererheim der AO. in Prien am Chiemsee zu besuchen. Nach herzlicher Begrüßung durch den Heimleiter, Gaustellenleiter Weidner, schilderte der Leiter des Rückwandereramtes, Gauamtsleiter Andersen, die von echt nationalsozialistischem Geist und Aufbauwillen getragene segensreiche Arbeit seines Amtes. Die Auffassung der Vorkriegszeit, daß der Ausländsdeutsche für die Heimat ein verlorener Sohn sei, sei unrichtig, heute stehe das Auslandsdeutschtum mitten in feiner Kampfzeit. Jüdischer Boykott und jüdische Pressehetze seien die Hauptkennzeichen hierfür. Neben den politischen Beweggründen spiele die elende wirtschaftliche Lage eines großen Teiles unsrer deutschen Siedler in Ueberfee die ausschlaggebende Rolle für die starke Rückwanderung, die im Jahre 1937 rund 20 000, 1938 etwa 30 000 und in der ersten Hälfte des Jahres 1939 bereits 20 000 Menschen umfaßte. Bei der Betreuungsarbeit handelt es sich um drei Sonderaktionen: Rückschaffung von R u ß l a n d d e u t f ch en , Heimschaffung und Betreuung der Chinaflüchtlinge und schließlich Heimschaffung der Taufende von Spa n i e n - deutschen, die durch den Ausbruch des Bürgerkrieges gezwungen waren, in die Heimat zu ruckzukehren. In allen diesen Fällen fei es gelungen, Heimkehr ins Vaterland. Ein Besuch im Nückwandererheim der AO. am Chiemsee aus Mieczkowo geschlossen. Als Grund für die Schließung wurde, wie in zahlreichen anderen Fällen, angegeben, daß die Bäckerei nicht den fani- i tären Anforderungen entspräche. Ebenso wurde die deuffche Molkereigenossenschaft in Rogow, Kreis Thorn, geschlossen. Als Grund wurde angeführt, daß das Wasser für Molkereizwecke unbrauchbar sei. Man hat immerhin mehrere Jahre gebraucht, um dies festzustellen. Ebenso wurde die deutsche Privatmolkerei in Fordon von den Behörden g e - schlossen. Die Verhaftungenvon Volks- deutschennehmenin letzter Zeit immer größeren Umfang an. So wurden in der Nacht zum Sonntag in Kulm zwölf bekannte Volksdeutsche, darunter der Leiter der deutschen Dolksbank, Büttner, verhaftet. Amerikanische Manöverkritik. Neu yo r k, 16. August. (Europapreß.) General Hugh A. Drum, der die Oberleitung bei den großen amerikanischen Manövern hatte, hielt vor Offizieren sowie ausländischen Militärattaches eine Manöverkritik. Er erklärte, an den Manövern hätten nur 75116 Offiziere und Mannschaften statt der vorgesehenen 321 475 teilnehmen können, da vor allem bei der 1. Armee nur eine unzureichende Ausrüstung vorhanden sei. So fehlten hier beispielsweise 67 vom hundert der notwendigen Maschinengewehre und 85 vom hundert der Lastkraftwagen. Auch bei einer Reihe anderer Waffen» mit Ausnahme der Tankwaffe, seien größere Lücken festzustellen. Manöver in der Türkei. Istanbul, 15. Aug. (DNB.) heute beginnen die türkischen Manöver in Thrazien bei Adria nopel. Die eigenen Streitkräfte haben den Angri der vereinigten Armeen zweier verbündeter Staaten abzuwehren, die von Norden und Westen angreifen. Der Chef des Generalstabes, Marschall C a k m a k, hat sich ins Manövergelände begeben, heute reift der Staatspräsident Ismet I n ö n ü , begleitet vom Ministerpräsidenten und der Mehrzahl der Kabinettsmitglieder, nach Adria- nopel. Auch Istanbul ist in die Manöver einbe» zogen worden, lieber Istanbul ist für die nächsten zehn Tage der Zustand drohender Luftgefahr er- klärt worden. Zum erstenmal werden Luftschutzübungen bei Tag und bei Nacht abgehalten. nungen räumen, da die Gefahr eines llebergreifens der Flammen groß war. Heber die Ursache des Brandes, insbesondere ob es sich um einen Anschlag handelt, ist noch nichts bekannt^ Das Schicksal Syriens. Der französische vberkommissar in Paris. Paris, 16. Aug. (Europapreß.) Der ftanzösische Oberkommissar in Syrien, Gabriel Puaux, traf in Paris ein. Er wird mit Ministerpräsident D a - ladier und Außenminister Bonnet Konferenzen haben, um den Erfolg der von ihm in Syrien durchgeführten diktatorischen Maßn-ahmen zur Unterdrückung des syrischen Nationalismus' darzulegen. Die Opferung des Sandschaks Alexandre 11 e — der den Kaufpreis für den Beitritt der Türkei zu dem englisch-französischen Bündnissystem im Nahen Osten darstellt — hatte seinerzeit zum Rücktritt des syrischen Staatspräsidenten und der syrischen Regierung geführt, ^araushin hatte die französische Regierung die syrische Verfassung auf gehoben und ein Regierungsdirektorium eingesetzt. Dieses Vorgehen Frankreichs hat in Syrien große Erregung hervorgerufen. Nunmehr soll in Paris das syrische Problem eingehend besprochen werden. Wie es heißt, sollen dabei auch die alten Pläne zur Einsetzung einer arabischen Dyna° ftie in Syrien oder die Vereinigung Syriens mit Trans jordanien erörtert werden. Diese Vereinigung wird von dem Kommissar deshalb befürwortet, weil die Abschaffung sämtlicher politischer Selbstverwaltungskörperschaften der Syrier in ihrem eigenen Lande auf die Dauer nicht aufrechterhalten werden könnte. Oie indischen Mohammedaner verweigern Unterstützung Englands im Kriegsfall. London, 16. Aug. (Europapreß.) Die indischen Mohammedaner haben, nach Meldungen aus Bombay, die Absicht, England in einem Kriegsfall ernste Schwierigkeiten zu machen. Dem Exekutiv-Ausschuß der Old Indian Moslem Ligue, der am 27. August in Delhi tagen wird, wird ein Antrag vorliegen, England wegen seiner den Arabern und den indischen Mohammedanern gebrochenen Versprechen jede Kriegsunterstützung zu verweigern. Hinter diesem Antrag soll auch der einflußreiche Zweig der Moslem-Ligue in den Vereinigten Provinzen stehen. Es wird erklärt, den Aradern fei durch den Bruch von Versprechen, die chnen im Weltkrieg gemacht worden seien, großes Unrecht zuaefügt worden. Außerdem sei ihnen eine Verfassung aufgezwungen worden, die es zu- lasse, daß die religiösen, sozialen und wirtschaftlichen Rechte der Moslems von einer Minderheit mit Füßen getreten würden. Ausbau der Stabt Salzburg. Auf einer Pressekonferenz der Reichspreffestelle der NSDAP, in Salzburg erklärte der Salzburger Gauleiter Dr. Rainer, daß eine breite Autostraße, eine Bahn von Salzburg nach Berchtesgaden und eine vergrößerte Flughafenanlage geplant seien. Tausenden von Volksgenossen, die draußen Arbeit und Besitz verloren hatten, zu helfen. . Ein Rundganq durch das Rückwandererh^m tn Prien — weitere Heime befinden sich m -Berlin, Düsseldorf und Stuttgart — überzeugte von der vorbildlichen Unterbringung und Betreuung per Rückwanderer. Das schone Heim — das ehemalige Strandhotel" — liegt mit seiner breiten Terrasse und den davor fanft abfallenden Rasen ""d Wegen unmittelbar an den Ufern des Chiemsees. Don den Baikonen und Fenstern der hellen, sauberen und luftigen Zimmer fällt der Blick auf See und Walder. Ein Spaziergang durch den prächtigen Wald führt zu dem etwa eine Viertelstunde gelegenen zweiten Heim, das vorzugsweise als Kinderheim ausgestaltet ist. Zur Zeit beherbergen die beiden für 220 Personen berechneten Heime 40 Männer, 40 Frauen und 70 Kinder, davon das Kinderheim 14 Mütter mit 36 Kindern. Zu der materiellen Versorgung in den Heimen tritt die Schulungsarbeit durch den Einsatz der Gaufilmstellen und der Unterricht für die Km- der. Der Aufenthalt ist auf acht Wochen befristet. Beim gemeinschaftlichen Mittagsmahl, bei einem Plauderstündchen auf der sonnigen Terrasse und einem frohen Kameradschaftsabend erhielten die Pressevertreter Einblick in manches erschütternde auslandsdeutsche Schicksal. Sie sahen, wie dankbar die Rückwanderer für die herzliche Aufnahme in der Heimat sind. ■MM ■ <5* rer L Mseitzr !ückvmdk lyddüNMj ) MU Na M t im Wi von ih- * & i>a oniör ta^triegji i sind fr rst nach!r j eg über hl 'ußland iti Danzig! ni> schon:: Kinder A fiele Absta- Sorfflb en, uni* lädt:;' JU K : für : grchrü der Bo' elen ack° WohM kburtttt iner aiE lerorbenti®' zanzen 3^ irenen w ^r 1939 k on Ouaridl: Jahr 1939 t rw» gebürte; ,ls tarnen jetzt 1^ eDÖlterwf )fung. tenburg^ genau':; ^versahrei - nber^ teilen W * echunß, °U' Dr. ir $1W « «*! li, di- ff; Ittdi 8* er , Jiii?; oll-- «* [»etiü. Hie d» i; Ä Sfc ÄH eii «ÄV "hÄ Tfii yfen- * fette wird nicht nur von jenen getragen, die diese Tage in der Stadt der Reichsparteitage erleben, sondern alle, die durch Rundfunk und Zeitung am Reichsparteitag teilnehmen, bringen durch das Tragen der Plakette ihr Bekenntnis zu Nürnberg zum Ausdruck. Vormilitärische Erziehung. 1914 mußten mir die böse Feststellung machen, daß uns einmal ausreichende Reserven an Offizier und Mann fehlten und daß zum anderen nicht genügend Kriegsmaterialien vorhanden waren, außerdem die Industrie erst in mühseliger Klein- arbeit auf die Bedürfnisse des Heeres und der Front eingespielt werden mußte. Erfahrungen sind dazu da, daß man sie richtig und nutzbringend verwertet. Darum ist zwischen Wehrmacht und Hitler-Jugend die militärische Vorbereitung der Jugend unter ausschlaggebender Beteiligung der Wehrmacht vereinbart und in die Wege geleitet worden. Es wird also von nun ab die Äugend im Rahmen der Hitlerjugend so erzogen, daß sie nicht nur beim Eintritt in den Heeresdienst mit hoher körperlicher Leistungsfähigkeit in die Erscheinung tritt, sondern gleichzeitig auch gewisse Kenntnisse mitbringt, die sonst dem neugebackenen Soldaten während seiner ersten Rekrutenzeit vermittelt wer- iben müssen. Praktisch ergibt sich für die Waffen- lausbirbung ein ungeheurer Vorteil. Denn die jun« !gen Männer mit mlitärischer Vorbildung können Isofort in die Spezialausbildung eingeführt werden. Hütten wir 1914 bereits eine gut eingespielte vormilitärische Ausbildung gehabt, dann wären größere Reserven vorhanden gewesen, mindestens wäre es laber nicht nötig gewesen, für die Vorgebildeten das Ausbildungszeitmaß aufzuwenden, das nunmehr «notwendig war. In dem Zeitraum der Ausbildung Lines Jahrganges hätte man vielleicht zwei Jcchr- «aänge kriegsbereit machen und der nach Verstärkung {schreienden Front zuführen können, die wichtige {Operationen aus Kräftemangel unterlassen mußte. In diesem Zusammenhang ist aber noch eine Feststellung von Wert für die Erhöhung unserer Wehrikraft: Kenntnis des Waffengebrauchs allein ge- mügen nicht, auch der Geist muß zu seinem Recht Sommen. Namentlich die jungen Männer, die auf -irgendwelche Führerposten gestellt werden, dürfen -nicht unterlassen, ihren Schatz an allgemeinem Wissen zu bereichern. Somit ergibt sich automatisch nir jeden Jugendlichen, der an der vormilitärischen Ausbildung teilnimmt, daneben die übrigen Kenntnisse so weit wie möglich aufzufüllen, verlangt doch Der moderne Krieg tiefe Eingriffe in das' Wirt- ichaftsleben, die zu Zeiten noch nicht nötig waren, nls man noch mit einfachen Waffen kämpfte und nn die Einbeziehung der tausendfältigen Erscheinun-, gen des täglichen Daseins in die Landesverteidigung noch nicht zu denken brauchte. Warenaustausch gegen Dogma. Der Reichswirtschaftsminister und Reichsbankprä- -ident Funk hat in einem Gespräch mit dem Berliner Vertreter der „New Port Times" den Der- u'inigten Staaten geantwortet. Nur ist dieser Aus- iruck nicht ganz genau. Die Antwort Funks geht in zwei absolut gegensätzliche Strömungen in den Bereinigten Staaten: Vor wenigen Tagen haben 0 Kongreßmitglieder — der Ausdruck lKongreß" ist der Sammelname für Senat und Ab- veordnetenhaus — im Interesse der Farmer eine /Überprüfung und Neuausrichtung der amerikanischen Handelspolitik gegenüber Deutschland verlangt; und gleichzeitig hat der neue Ministerialdirektor im Staatsdepartement (Auswärtiges Amt) Henry G r a d y aus dem Gegensatz der wirtschaft- ichen Prinzipien der totalitären Staaten den Schluß Mzogen, daß die Vereinigten Staaten und Deutschland (bzw. Italien) die zwei Königskinder sind, die 'iich nicht finden können. Funk hat kurz und bündig in der einprägsamen Art, die dem Amerikaner verständlich ist, erklärt: „Das Dogma ist der izeind der Wirtschaft". Er fügte hinzu, daß fäe deutsche Wirtschaftspolitik eine Wirtschaftspolitik des gesunden Menschenver- ittand e s sei, die darin bestehe, das Notwendige zu '.□in. Die Zahlen, die Funk über die Verringerung ioes deutsch-amerikanischen Warenaustausches gab, waren eindrucksvoll genug:. Vor wenigen Jahren nahm Deutschland den Amerikanern noch über 30 io, H. ihrer Fettproduktion ab, heute nur noch 1 v. H. Mit der Baumwolle steht es ähnlich. Gewiß, :®ir haben unsere Mangelerscheinungen, aber unser Außenhandel konnte erweitert werden trotz des iüdischen Weltboykotts. Und heute ist es schon so, vaß die einstmalige Monopolstellung der Vereinigten Maaten im Baumwollanbau erschüttert ist und mit iWem Jahr mehr erschüttert wird. Das dogmatische illhantom, dem die Amerikaner nachjagen, kann eine kostspielige Zeche werden. Aber das soll nicht unsere Schuld fein. Wir bleiben zu einem Waren- ustausch bereit, wenn wir gemäß den Richtlinien :«es „Neuen Planes" mit unseren Waren können, was wir im Auslande an iremben Waren kaufen. Und hier liegt die Wurst: Wir wollen keine fremden Kredite, sondern Wa- isenaustausch. Oie kommunale Steuerpolitik. V Zu der 4. Ausführungsanweisung über die Realstem erklärte Regrerungsrat Dr. D a h l g r ü n vom Leichsfinanzministerium in der „Deutschen Ge- r°eindebeamten-Zeitung", daß dem Gedanken einer Herabsetzung überhöhter Steuersätze esstmals mit der jetzt erfolgten Lockerung d e r Sealsteuersperre Raum gegeben werden kannte. Indessen solle eine Senkung nur dort er« Engen werden, wo eine Möglichkeit dazu gegeben V-. Das werde einmal bei den Gemeinden der Fall fan, bei denen sich nachträglich herausgestellt hat, df.ß im Rechnungsjahr 1937 der Gewerb'esteuerhebe- sch oder 1938 der Grundsteuerhebesatz bei der Um- sMung auf das neue Recht höher festgesetzt torben sind als nach den Sperroorschriften zulässig Kwesen wäre, und zweitens bei den Gemeinden, ds durch die Neuordnung des Finanzausgleichs in bm Ländern erhöhte Zuweisungen er» leiten haben oder bei denen öie Lasten ver - t n g e r t worden sind. In beiden Fällen komme ei nicht daraus an, ob der geltende Hebesatz über bin zulässigen Höchstsatz liegt. Auch wenn das nicht brr Fall ist, solle von der Senkungsmöglichkeit Oe« bnud) gemacht werden. Allgemein sei eine Herab- I jtMng des Hebesatzes mmer dann anzustreben, vinn er erheblich über das „auf die Dauer Der« tltbare Maß" hinausgeht. Das feien eben die in k: Anweisung festgesetzten Höchsthebesätze. Jedoch ttißten die Gemeinden vor einer Senkung stets li praktischen Auswirkungen übersehen. Ihre Haus- siltslage dürfe nicht gefährdet werden und die h:rabsetzung einer Steuer nicht zu sprunghaften ollastungssteigerungen bei anderen Steuern führen. 8:im Streben nach Herabsetzung dec Hebesätze gelte MrGmaumwohnlingen für alieVolksgenoffen. Der Relchsarbeitsrninister hat bestimmt, daß in Zukunst bei Errichtung von Altershei- m e n Einraumwohnungen aus Dolkswohnungsmit- teln stärker als bisher gefördert werden können, sofern dadurch Altwohnungen frei werden. Der Anteil der alten, erwerbsunfähigen Personen der Gesamtbevölkerung ist heute, so betont Reqie- rungsrat Dr. Schmidt-Schmiedelbach (Berlin), im amtlichen „Reichsarbeitsblatt", erheblich großer als in der Vorkriegszeit. Viel Rentner und Unterstützungsempfänger leben heute in Wohnungen, die im Verhältnis z u ihrem Einkommen zu teuer sind. Die Folge ist, daß diesen Volks- genossen keine ausreichenden Mittel für ihren son- fhgen Lebensbedarf verbleiben, daß sie sich, um ihre Wohnung zu halten, kaum zumutbare Beschränkungen auf erleg en müssen, und daß die öffentliche Fürsorge mit übermäßigen Ausgaben für Mietbeihilfen belastet ist. Man muß beachten, daß sich bei vielen Menschen der Wohnbe- darf im Lause des Lebens ändert. Einraum - w o h n un ge n für ältere Personen kann man als die billigste Form des Bauens bezeichnen, weil jede neue Einraumwohnung die Freimachung einer Mehrraumwohnung ermöglicht. Es mag vor allem auf die Rentnerwohnheime hingewiesen werden, die hundert und mehr Ginraum» Wohnungen umfassen. Bewährt haben sich bei Bauten dieser Art besonders Einraumwohnungen mit eingebauter Kochnische, wobei die Tür oder Doppeltür der Wohnung unmittelbar auf den gemeinsamen Flur führt. Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, Rentnerwohnheime am Rande der Stadt zu errichten, wo einerseits genügend Grünflächen und Möglichkeiten zu Spaziergängen vorhanden sind, wo aber andererseits eine enge Nachbarschaft mit Familien der jüngeren Generation besteht, und wo Verkehrsmittel und Läden bequem erreichbar sind. Die Erfahrung lehrt, daß die Nachfrage nach Wohnungen in Rentnerheimen dieser Art sehr groß ist. Der Reichsarbeitsminister beabsichtigt, für 1940 einen erheblichen Betrag zur Förderung des Baues von solchen Altersheimen zur Verfügung zu stellen. Durch die Schaffung von Rentnerwohnheimen wird es allmählich gelingen, den ungesunden Zustand zu überwinden, daß noch Tausende von Wohnungen von alten, bedürftigen Volksgenossen besetzt sind, die den dringenden Wunsch haben, in eine ihren Verhältnisse angemessene kleinere Wohnung überzusiedeln. Gesunde Füße in gesunden Schuhen. Als ein beachtlicher Gefahrenherd für die Dolks- aesundheit hatten sich bei schulärztlichen Untersuchungen und bei den Musterungen der Wehrmacht sowie nach den Erfahrungen der orthopädischen Kreise die Fußleiden erwiesen. Beim Geburtsjahrgang 1916 zeigten nicht weniger als 37,8 v. H. der Dienstpflichtigen Formveränderungen der Füße im Sinne der Fehlertabelle. Als Ursache kommt außer konstitutioneller Schwäche der Füße und dem einseitig belastenden Straßenpflaster vor allem die mangelnde funktionelle Beanspruchung unserer Füße im festen Schuh in Betracht. Wie Oberregierungsrat Dr. Dornedden und Dr. Schulz von der human-medizinischen Abteilung des Reichsgesundheitsamts im „Reichs-Gesundheitsblatt" berichtet, sind es weiter auch die zu hohen Absätze, die vor allem bei den für den täglichen Gebrauch bestimmten Schuhen für schädlich angesehen werden. Je höher der« Absatz, um so mehr werde der unter natürlichen Verhältnissen auf der Ferse ruhende Teil des Körpergewichts dauernd auf die Zehenballen verlegt und damit das vordere Fußgewölbe abgeflacht, soweit die Schuhe für die Fußspreizung Raum geben. Durch hohe Absätze werde aber auch die gesamte Körperhaltung verändert, das Kniegelenk weniger gestreckt, das Becken stelle sich steiler und die Wirbelsäule erhalte verstärkte Krümmungen. Stöckelschuhe ließen nicht nur die Zehen- und Wadenmuskeln verkümmern und veränderten die Gesamthaltung, sondern führten auch leicht zu Unfällen und zum Umknicken. Das aber lockere den Bandapparat und damit das normale Gefüge des Fußes und führe zu den bekannten Platt-, Knick- und Spreizfußbeschwerden, die die Gehleistungen und die Möglichkeiten zu körperlicher Ertüchtigung unserer Frauenwett auf ein erschreckendes Mindestmaß herabsetzten. Als ein großer Erfolg der Zusammenarbeit von Gesundheitspflege und Schuhfach sei es daher zu buchen, daß bereits die heutige Schuhmode Straßenschuhe für Damen überwiegend mit flachen Absätzen anbiete. Versuche, einen Schuh zu schaffen, der den physiologischen Grundsätzen näherkommt, seien bereits übernommen worden. Der auf Körperertüchtigung eingestellte Zeitgeist verlange ein Mindestmaß an Schutz und Stützung des Fußes zur Erhaltung aller Gelegenheiten zu freier Muskelentfaltung. Der Säugling brauche zwar einen Wärmeschutz, also gegebenenfalls einen Strumpf, aber feinen Schuh. Auch das Kleinkind komme in der Wohnung teilweise ohne Schuhe aus. Der Hausschuh solle die Bewegungen des Fußes in feiner Weise hemmen. Dabei könne auch der Pantoffel dadurch gute Dienste leisten, daß der Fuß ihn beim Gehen zum Teil aktiv festhalten muß. Wesentliche Einzel- fragen, wie Anordnung der Befestigungsvorrichtungen des Schuhes am Fuß, Einführung des Schnürstiefels als Marschstiefel,' einengende Strümpfe und Berücksichtigung der Fußtypen in der Schuhindustrie, seien noch zu erledigen. Daneben müsse Verständnis für die Notwendigkeit der F u ß - Hygiene und Fußg^ymnastik erweckt werden, wobei die Referenten auf den Wert des Bar - fußlaufens oder der leichten Sportschuhe mit biegsamen Sohlen Hinweisen. für solche Gebietsteile des Reiches besondere Vorsicht, in denen die Hebesätze einer Steuerart allgemein über den durch die neue Ausführungs- anweisung genannten Höchstsätzen liegen. Der Referent verweist hier z. B. auf die Grundsteuer in S ü d w e st d e u t s ch l a n d. Die grundsätzlich wünschenswerte Anpassung an die Höchstsätze könne in solchen Fällen nur allmählich erfolgen. Durch Verkoppelung der Hebesätze solle erreicht werden, daß alle Einwohner der Gemeinden möglichst gleichmäßig belastet werden. Diese Regelung bedeute einen ersten Schritt zu einer grundsätzlichen Ordnung der Steueranspannungsverhältnisse in den Gemeinden. Feuerwehr in polizeiuniform. Nach dem Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23. September 1938 wurden die bisherigen Berufsfeuerwehren unter der Bezeichnung „Feuerschutzpolizei" dem Chef der Ordnungspolizei unterstellt und treten zum Korps der Deutschen Polizei. Sie erhalten als jüngste Polizeiformation eine Uniform, die dem Dienstanzug der Ordnungspolizei (Schutzpolizei und Gendarmerie) völlig angeglichen ist und sich von dieser nur durch karmesinrote Aufschläge und Paspelierung unterscheidet. Statt des Tschakos trägt die Feuerschutzpolizei den Feuerschutz- Helm, in der Form dem Stahlhelm ähnlich, der bei dienstlichem Einsatz durch das Nackenleder vervollständigt wird. Die Offiziere der Feuerschutzpolizei erhalten den Degen, während die Mannschaften am Koppel das Faschinenmefser tragen. Kleine politische Nachrichten. Reichsminister Dr. Goebbels, der zusammen mit dem italienischen Minister für Polkskultur, A l - fiert, auf einem Torpedoboot von Venedig nach Brioni gefahren war, startete in Pola zu seinem Heimflug und traf wieder* in Berlin ein. Der italienische Kronprinz besucht in seiner Eigenschaft als Jnfanterie-Truppeninspektor die Provinzen Tripolis und M i s u r a t a. Am Montagnachmittag fand in Tripolis eine Alarm- Übung aller dort liegenden Truppen statt. Den ganzen Nachmittag über fanden ununterbrochen Fliegeralarmübungen statt. Das Ergebnis der Hebungen war in jeder Hinsicht befriedigend. Auf dem B e l g r a d e r Fluaplatz traf eine Staffel von neun deutschen Messerschmitt-Maschinen ein, die den ersten Teil einer größeren deutschen Flugzeuglieferung an die jugoslawische Luftwaffe darstellt. Der s ch w e i z e r i s ch e B u n d e s r a t hat einen Bericht des politischen Departements entgegengenommen, der sich mit dem Vorschlag auf Wiederaufnahme der politischen Beziehungen mit Sowjetrußland befaßt. Der Bundesrat lehnt weiterhin die Wiederaufnahme der politischen Beziehungen mit Sowjetrußland ab. Die englischen A u ß e n h a n d e 1 s z i f f e r n für Juli weisen sowohl für die Einfuhr als auch für die Ausfuhr im Vergleich zum Vorjahr eine Z u - nähme auf. Die Einfuhr belief sich wertmäßig auf 78 279 673 Pfund (fast eine Milliarde RM.) im Vergleich zu 73 897 551 Pfund im Juli v. I. Die entsprechenden Ausfuhrziffern sind 40 350 025 (rund eine halbe Milliarde RM.) bzw. 37 469 969 Pfund. Um der wachsenden Unzufriedenheit der in Südafrika lebenden Inder zu steuern, erwägt die Regierung der Südafrikanischen Union die Gewährung einer parlamentarischen Vertretung der in Südafrika lebenden Inder nach dem Muster der bereits bestehenden Eingeborenenrechte. Die Inder, die bisher kein Stimmrecht besitzen, würden danach Europäer zu ihren parlamentarischen Vertretern zu wählen haben. Der Generalgouverneur von Franzosisch-Jndo- china, Jules Brevie, wird am Mittwoch, dem 23. August, an Bord des Kreuzers „Suffren" in Singapur eintreffen und dort mit den englischen militärischen Stellen Besprechungen haben. Anschließend begibt sich der französische Generalgouverneur mit dem Dampfer „Präsident Doumer" nach Frankreich. Aus aller Wett. Englisches Verkehrsflugzeug brennend ins Meer gestürzt. Wie die britische Luftfahrtgesellschaft Imperial Airway mitte ilt, ist eines ihrer Flugzeuge auf dem Fluge nach Stockholm im Süden der Insel Seeland brennend ins Meer gestürzt. Der Pilot Wright wurde gerettet, während die übrigen fünf Insassen, der Mechaniker und vier Passagiere — der Deutsche Reuß, der Amerikaner Simonton, der Engländer C r o ß b y und der Mexikaner C a - stello — umfamen, wahrscheinlich durch Ertrinken. Der Pilot war aus der Maschine geschleudert worden, wobei er den Arm gebrochen hatte. Es gelang ihm, sich an eine Boje anzuklammern, bis ein Boot ihn in erschöpftem Zustande an Bord nahm. Nach einem Bericht von Augenzeugen stürzte das Flugzeug aus etwa 200 Meter Höhe mit einem dicken Rauchschweff ins Wasser. Das Wrack ist durch Taucher gesunden worden. Die Maschine stand aufrecht auf dem Meeresgründe in etwa 15 Meter Tiefe. Es gelang, vier der Leichen zu bergen. Sechs Menschen an der französischen Küste ertrunken. Zwei Unfälle, die insgesamt sechs Tote forderten, ereigneten sich in der Nähe von Biarritz in der Südwestecke Frankreichs. Am Strande von Mimizan wurden ein Pariser Ehepaar und seine beiden Sohne von einer Grundwelle erfaßt und ins Meer hinaus getrieben. Nur die Mutter konnte gerettet werden. Der zweite Unfall ereignete sich, als ein mit 24 Personen besetztes Motorboot auf ein Felsenriff auflief und kenterte. Glücklicherweise ereignete sich dieser Unfall nur 50 Meter vorn Ufer entfernt, sodaß es den Rettungsbooten gelang, alle Insassen bis auf drei zu retten, die in den Wellen umfamen. Lastauto in Flammen. — Drei Insassen verbrannt. In der Nähe von Greimerath, unweit von Trier, geriet ein gegen Straßenbäume gefahrener umgestürzter Lastkraftwagen in Brand. Zwei der Insassen konnten sich nicht schnell genug aus dem Fahrerhaus in Sicherheit bringen und verbrannten, ehe herbeieilende Straßenpasfanten Hilfe zu bringen vermochten. Ein dritter Mitfahrer, der mit brennenden Kleidern auf die Landstraße gesprungen war, wurde mit schweren Brandwunden ins Krankenhaus gebracht. Dort ist er einige Stunden später gestorben. Mutter mit drei Kindern vom Zuge ersaßt. Ein Unglück ereignete sich an dem schrankenlosen Bahnübergang kurz vor der Station Oberhattert bei Hachenburg, wobei eine Frau und drei Kinder zum Teil lebensgefährliche Verletzungen davontrugen. Frau Wilhelmine Müller aus Oberhattert, die mit drei Kindern auf einer Mähmaschine saß, wollte noch vor dem herankommenden Kleinbahnzuge die Gleise überfahren. Die Zugkühe waren bereits jenseits der Schienen, als die Mähmaschine von der Lokomotive erfaßt und mehrere Meter weit mitgeschleist wurde. Die Frau trug lebensgefährliche Verletzungen davon und liegt in bedenklichem Zustand im Krankenhaus, wo auch zwei der Kinder mit erheblichen Verletzungen eingeliefert wurden. Das dritte Kind konnte mit leichten Verletzungen wieder entlassen werden. Vom Zuge ersaht und getötet. Ein Maschinist eines Frankfurter Betriebes wurde kurz vor dem Bahnhof Dattenfeld (Sieg) von einem Zug erfaßt und getötet. Es ist anzunehmen, daß der Mann über die Bahnstrecke nach Dattenfeld gehen wollte und beim Versuch, dem herannahenden Zug auszuweichen, zu Boden stürzte. Ein litauisches Städtchen in Flammen. Das 18 km östlich von Memel gelegene litauische Städtchen Garsden, das etwa 3 000 Einwohner zählt, steht seit Dienstagabend in Flammen. Die Stadt ist, wie die meisten litauischen Städte, großenteils aus Holz gebaut, so daß das Feuer an den Häusern reiche Nahrung findet. Nach Reibungen aus dem deutschen Ort Laugallen, der etwa 1 km von Garsden entfernt ist, soll fast die halbe Stadt in Flammen stehen. Die Enfftehungsursache des Brandes ist noch nicht bekannt. Ebenso weiß 'man nicht, ob Todesopfer zu beklagen sind. Die Memeler Feuerwehr rückte nach Garsden aus. Auch eine Abteilung des Reichsarbeitsdienstes ging zur Hilfeleistung über die Grenze. Heißer Sommer, zweite Blüte — im Baltikum. Ein ungewöhnlich heißer Sommer hat in den baltischen Staaten merkwürdige Erscheinungen in der Pflanzenwelt gezeitigt. So blühen an vielen Orten die Obstbäume zum zweitenmal. Auch Heckenrosen, Rot-, Gelb- und andere Dorne prangen im Blütenschmuck des Frühlings. Man kann sich in den baltischen Ländern an so hohe Durchschnitts- temperaturen, wie sie in diesem Jahre der Sommer brachte, nicht mehr erinnern. Der Tod in den Bergen. In einem Dorfe im Roms-Tal in Norwegen wurden dieser Tage Hilferufe gehört; sie schienen von einem der mächtigen Felsenberge zu kommen, die das Tal umgeben. Eine Rettunasexpedition brach unter Führung des bekannten Bergsteigers Karl O s h a u g auf, um dem Rufer Hilfe zu bringen. Nach einer anstrengenden Kletterpartie stieß die Expedition auf zwei nahezu unkenntliche Leichen. Die Gefundenen waren eine vierhundert Meter hohe Felswand herabgestürzt; in einem von ihnen erkannte Oshaug feinen Bruder. Der Expedition gelang es dann, Verbindung mit dem Rufer, dem Kameraden der beiden Verunglückten, zu bekommen. Dieser hatte 26 Stunden, ohne sich bewegen zu können, auf einem winzigen Felsvorsprung zubringen müssen. Mit großer Mühe gelang es, ihn zu retten. Verwegener Gangster-Uebersall bei Neuyork. Einer der verwegensten Raubüberfälle der letzten Jahre ereignete sich in dem bekannten, Neu- york benachbarten Seebad Longbeach. Sechs Banditen überrumpelten einen Bankboten und den ihn begleitenden Polizisten, entwaffneten diesen und entrissen dem Bankboten seine Geldtasche mit etwa 70 000 Dollar. Dann rasten die Verbrecher in einem Kraftwagen davon. Die Polizei sperrte sofort mehrere Brücken und Landstraßen, während sechs Polizeiwagen mit Funkanlagen und Maschinengewehren unter Mitwirkung eines Polizeiflugzeugs und einiger Patrouillenboote der Küstenwache die Verfolgung aufnahmen. Das Flugzeug sichtete später den Bc^iditenwagen auf einer verkehrsreichen Landstraße, und die Verfolger gaben mehrere Schüsse auf die Verbrecher ab, deren Festnahme jedoch bisher noch nicht gelang. Deutschland schlägt Internationale pharmazeutische Akademie vor. In Berlin findet vom 27. bis 31. August die 11. Generalversammlung des internationalen Apothekerbundes statt, zu der 22 Staaten, darunter Frankreich, Großbritannien, Japan, Italien, Polen, Spanien, Ungarn, Griechenland und Belgien Teilnehmer entsenden. Reichsminister Dr. F ri ck hat die Schirmherrschaft übernommen. Bedeutende Gelehrte von internationalem Ruf werden das Wort nehmen. Der Vizepräsident des internationalen Apothekerbundes, Reichsapothekerführer Schmierer, wird auf dem Kongreß die Einrichtung einer Internationalen Akademie für pharmazeutische Fortbildung nach dem Muster des von der Deutschen Apothekerschaft geschaffenen Instituts vorschlagen. Er wird darauf Hinweisen, daß die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Erfahrungen im Dienst an der Gesundheit keine Ländergrenzen kennen dürfen und internationale Fortbildungskurse anregen. Wetterbericht Die Zone der Unbeständigkeit, in der es vor aüei.i in Schlesien und der Ostmark zu verbreiteten Nieder- schlügen kommt, greift über Mitteldeutschland hinaus langsam westwärts. Demgemäß kann auch für den Westen und den Süden des Reiches mit Nachlassen des bisher ausschlaggebenden Hochdruckeinflusses gerechnet werden. Vorhersage für Donnerstag: Morgens vielfach dunstig oder neblig, sonst vielfach wolkig und von Osten her aufkommende leichte Unbeständigkeit, tagsüber mäßig warm, Winde meist um Nord. Vorhersage für Freitag: Leicht unbeständiges Wetter. Lufttemperaturen am 15. August: mittags 19,9 Grad, abends 13,9 Grad; am 16. August: morgens 10,4 Grad. Maximum 20,5 Grad. Minimum heute nacht 8,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 15. August: abends 20,7 Grad; am 16. August: morgens 15,2 Grad. — Sonnenscheindauer 11,8 Stunden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertteter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gieyen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2). 21. VII. 1939: 8855. Druck und Verlag: Brühlsche Universitäts- druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Mo- natsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzel. Verkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Corrida in Madrid. Bericht eines Zuschauers beim spanischen Stierkampf. Don Peter Bamm. schleuderter Felsblock, loszusprinaen. Immer ist die Richtung seines Angriffs vollkommen gradlinig. Darin liegt die Chance der Kämpfer, im Ausweichen mit äußerster Kühnheit die äußerste Geschicklichkeit zu zeigen. Jeder Angriff des Stiers fuhrt handbreit am Tode eines Menschen vorbei. Die Männer mit den bunten Tüchern verlocken den Stier zum Angriff auf die berittenen Lanzen- träaer, die Picadores. Die Picadores nehmen häufig den Ansturm des Stieres direkt an. Sie bohren ihm die Lanze in den Nacken, und häufig genug rollert sie dabei in den Sand. Der Stier beginnt von den Lanzenstichen zu bluten. Aber seine Kraft und seine Wut scheinen unerschöpflich. Jetzt nämlich versuchen d'.e Banderille- ros, seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Sie halten spitze, mit Widerhaken versehene oben mit Bändern geschmückte Stäbe in der Hand, in jeder Hand einen. Diese Stäbe haben sie dem Stier in den Nacken zu stoßen. Mit kurzen Staccatobewegungen suchen sie ihn auf sich zu lenken. Zuweilen bleiben ie stehen, bis der Stier heran ist, um im letzten Augenblick zuzustoßen und sich mit einer unbeschreiblich schnellen Bewegung seitab zu drehen, so daß der Stier an ihnen vorbeirast. Oder sie nähern sich dem stehenden Stier von vorn mit tänzelnden Schritten, um dann die letzten zehn Meter auf ihn zuzulaufen und, die Banderillas in seinen Nacken stoßend und gleichzeitig als Stütze verwendend, eine halbe Flanke über sein Horn hinwegzumachen. Diese Bewegung geschieht mit einer Grazie und Leichtigkeit, die verblüffend ist. Unendliche Feinheiten werden dabei unterschieden und von den Kennern bewundert und beklatscht. Wenn der Stier drei Paar Banderillas im Nacken hat, gibt der Präsident das Zeichen zur Suerte de Mater. Der blutende, äußerst gereizte Stier steht nunmehr allein dem Espada gegenüber, der nichts mehr hat als seine Kühnheit und seinen Degen. Der Stier ist schwerfälliger geworden. Die Vergeblichkeit seiner Angriffe hat ihn verwirrt gemacht. Mit dem scharlachroten Tuche lockt ihn der Espada. Der Stier vom Pferd aus mit der Lanze erlegen Auf den Steinstufen drängt sich das Volk, aus dessen Rechen heute die Toreros stammen , Unten in der Arena stehen sie, die yroßen Akteure der Gefahr, die Schauspieler der Kühnheit, mit ihren merkwürdig kurzen Zöpfen, die em Abzeichen ihres Standes find. Plötzlich wird es still. Aus einem dunklen Tor m der Holzbalustrade, die die Arena umgibt, kommt der Stier herausgeschossen. Geblendet bleibt er tn der grellen Sonne stehen, schnaufend, zitternd vor Erregung, die Flanken schlagend, schwarz, drohend, die Hufe in den Sand gestemmt, ein wie von einem Gott gebanntes Monument ungeheuerlicher Kraft und ungeheuerlicher Lebendigkeit. Altes, heiliges, mediterranes Tier! Reittier der Götter und vornehmstes Opfer zugleich! Auf Stieren sitzen in archaischer Zeit die Göttinnen der Fruchtbarkeit. In einen Stier verwandelte sich Zeus, als er Europa entführte. Auf der Nike^Baluftrade in Athen reitet die Göttin des Sieges auf einem Stier. Freilich schon immer auch war er ein Tier des Kampfes. Am alten Athenetempel auf der Akropolis ist, in Stein gehauen, dargestellt der berühmte Kampf zwischen dem Stier und dem Löwen, in dem der Stier den Löwen tötet. Hier und heute freilich ist kein Sieg ihm geschieden. Die Weide wird er nicht mehr sehen. Dieses ungeheuerliche, berstende, zitternde Leben ist dem Tode geweiht. Mit der Suerte de picar beginnt der Kampf. , Die Capeadores mit ihren bunten Tüchern reizen den Stier. Gesenkten Hauptes mustert er seine Feinde. Immer scheint er lange zu zögern, um dann mit unvermuteter Schnelligkeit, wie ein vorwartsge- (Nachdruck verboten.) Wer etwas tut, weil es gefährlich ist, ist kühn. Tapfer ist, wer etwas tut, obgleich es gefährlich ist. Kühnheit hat eine obere Grenze, jenseits derer sie zur Tollkühnheit wird. Die Grenze wird bestimmt durch die Angemessenheit des Risikos. Tolltapser kann man nicht sein. Kühnheit ist eine Eigenschaft, die dem Menschen gegeben ist wie Stolz oder Schönheit. Tapfer kann man werden. Sogar der Feige kann tapfer werden. Aber kühn kann der Feige niemals werden. e . Die Bewunderung für Tapferkeit ist eine moralische Bewunderung. Die Bewunderung für Kühnheit ist eine ästhetische Bewunderung. Das Turnier ist das Schauspiel der Gefahr, das Schauspiel der Kühnheit. Das letzte Turnier, das in Europa noch gespielt wird, ist die Corrida, der spanische Stierkampf. ... , , , Die Überlieferung ist uralt. Stterkampfe hat es schon in Kreta gegeben in der ersten spätminoischen Epoche. Und die Regeln scheinen damals ungefähr dieselben gewesen zu sein, wie heute. Im vatikanischen Museum ist uns eine Darstellung erhalten, bei der der Kämpfer den Stier hei den Hörnern packt und sich in einer großartigen Kurve über ihn hinwegschwingt, wie es ähnlich die Banderilleros noch heute tun. Der Lärm des Südens füllt die Arena bis zum Rand. Die Nachmittagssonne fallt schräg herein. Obgleich wir im Schatten sitzen, ist es drückend heiß. Die Luft ist voll eines gelben Dunstes, den man zu schmecken meint. Eine Kapelle spielt. Madrid feiert den Frieden. In den Logen sieht man die schönen Frauen Spaniens deren Ahnen einst den Stierkampf als ritterliches Borrecht betrieben. Damals mußte der Caballero den Stier zögert länger, aber nur, um dann um so furchter« lieber sich in Bewegung zu setzen. Der Espada schwingt das Tuch zur Seite, und das Horn des Stiers scheint seine Brust zu streifen. Dieses Spiel wiederholt sich viele Male mit un« zähligen Abstufungen der Feinheit und der Kühnheit. Die Spannung wächst ins Ungeheure. Zwischen der Kraft und Fürchterlichkeit des wilden, blutenden Tieres und der Grazie und Kühnheit des Espada spielt der Kampf sich ab. Schließlich wirft er das Tuch weg, faßt den Degen, tritt vor den Stier hm und mit einer letzten, leichten Bewegung sticht er ihm die Klinge von oben ins Herz. Die Kraft des Stieres ist so gewaltig, daß es lange, lange dauert, bis der Stoß seine Wirkung tut. Fester stemmt der Stier sich in den Sand, tiefer senkt er den Kopf, unerschütterlich scheint dieser Fels des Lebens. Dann bricht er, wie von einem unsichtbaren Blitz getroffen, krachend zusammen, so gewaltig in feinem Tode wie er im Leben war. Die ungeheure Spannung löst sich in einen ungeheuren Jubel. Hunderte von Kissen fliegen in die Arena. Der Espada geht den Kreis der Arena ab. grüßt, winkt, wirft die Kissen zurück, genießt den Sieg, die Sonne, das Leben, den Ruhm seiner Kühnheit, während der tote Stier von einem Maul- tiergespann durch den Sand der Arena hinausge« schleift wird. , . Man sinkt, erschöpft von der Erregung, auf seinen Steinsitz nieder. Es ist grausam, mit dem Tode zu spielen. Aber es ist kühn, mit dem Leben zu spielen. Der Mensch hat solche Spiele seit den Zeiten der alten Götter immer geliebt. Und während wir noch nachdenken über diese fremde, archaische Welt, über das Spiel und den Menschen und die Welt und den Tod, hat sich das dunkle Tor aufs neue geöffnet, und in der grellen Sonne steht, schnaufend, zitternd vor Erregung, die Flanken schlagend, schwarz, drohend, die Hufe in den Sand gestemmt, ein neuer Stier in der Arena, ein neues Monument, vom Gotte gebannt, und das Spiel zwischen Leben und Tod beginnt aufs neue. Neuausgabe zu 42- Reichsmark Adreßbuch Stadtkreis und Landkreis Gießen Großstädtisch ausgestattetes Nachschlagewerk von 624 Seiten Umfang, mit Stadtkreis Gießen, acht Städten und 75 Landgemeinden von mehr als mooo Einwohnern Heiße Tage, Schlaflose Nächte Schlaflosigkeit und ähnliche sommerliche Gdundheftsftörungen beruhen häußg auf Überanstrengung von Herz und Nerven. Große Hitze und Schwule machen die Beschwerden schlimmer. Beruhigend und regulierend wirkt gerade dann Kloiter ftau-Melisfengeist. der auch Schlaflosigkeit auf natürliche Weise und ohne ungute Schcm ^vie!e "habe"i ^lo ft err f rau «SXRelif f e n g ei ft mit Erfolg Schlasloftgkeit angewandt. So schreibt Fran Antonia Karnolz.o.B. (Bild nebenstehend), Wien-24« Hennersdorf, Müller-Siedlung 125 am 29.5.39: .Schaufelt lE an Schlaflosigkeit, Da machte ich einen.Versuch nut KM^au-MelissengeisL Schon nach der ersten Flasche verwarte ich Besserung. Seither.nehme^ich Kloster- frau-Melissengeift regelmäßig und hatte in letzter Zeit keine schlaflose Nacht mehr. WM:=easrnsa» -m. » --nehme, bat sich dieses Übel erheblich gebessert. Haben auch Sie besonders unter Schlaflosigkeit zu leiden? Dann machen Sie einmal emen Versuch mit ofterfrau.9Jtelfflengeiftl Sie erhalten den echten KlaNrsrau-Metissengeift in der blnnen Packung mit den Stadiplan Gießen einschl. Klein-Linden und Wieseck, ergänzt bis in die letzte Zeit Sorgfältig bearbeitete Anschriften., Straßen- und Geschästsverzeichniffe, Abschnitt über NSDAP., Behörden, Vereine, Standes-, öffentl. Einrichtungen usw. Oberhessischer Adreßbuchverlag Gießen Schulstraße 1 Fernsprecher 2251 Die MW MellSWl Berusserziehungswerk Uebungsstatte Gießen Die neuen Lehrgemeinschaften in Kurzschrift und Maschineschreiben beginnen wie folgt: Am Montag, dem 4. September 1939 Verkehrsschrift-Einführung (K/I) Maschineschreiben-Einführung (M/I) Am Dienstag, dem 5. September 1939 Verkehrsschrift-Praxis (K/II) (60—100 Silben) Eils chri ft -Einführung (K/III) (100—120 Silben) Eilschrift-Praxis (K/IV) (120—140 Silben) Eilschrift-Uebungsgemeinschaft (140—180 Silben) Maschineschreiben-Praxis (M/II) Am Mittwoch, dem 6. September 1939 Maschineschreiben für Meifterschreiber (M/III) Kraftfahrer gesucht 03952 für Ferntransporte Karl Bender, Gießen Bleichstraße 3 Telefon 3350 Man kann nie oft genug. den herrlich gelegenen Wffmberg besuchen. sstsD Täglich frischen Zwetschen- und Apfelkuchen, dazu eine gute Tasse Kaffee. Der Omnibus verkehrt täglich: Ab Bahnhof Gießen 15.10 Uhr, ab Horst-Wessel-Wall (Gasth. Lamm) 15.12 Uhr, ab Ludwigsplatz 15.15 Uhr, ab Gnauthstratze (Bahüber- gang) 15.17 Uhr. Die Anmeldungen müssen schriftlich auf der vorgeschriebenen Anmeldekarte auf der Dienststelle der DAF., Abteilung B. u. B., Gießen, Schanzenstr. 18, Zimmer 22, Persönlich vorgenommen werden. Letzter Anmeldetermi» 31. August 1939. Die Gebühren müssen mit der Anmeldung entrichtet werden. 5568D Knackieste uod Irische Gurken über NEUE REZEPTE BEI IHREM HÄNDLER Rest Bergschenke Groß.schattig. Garten,Terrassen X 1k T Neuzeitliche I Bk fV ■ Kristallglas- 1 1 <-# Leuchtdiele Mittwoch Samstag u.Sonntag,SUhr Motin verfett tn Buchhaltung, Stenographie und Maschinenschreiben sucht ver 1. Oktober sich zu verändern. Schriftliche Angebote unter 03954 an den Gieß. Anz. SCALA-VARIETE * Tägl. 8.15 GroO-Franklurl am Eschenh. Tor im neuen Bewände Wiedereröffnung heute Mittwoch, 8.15 Uhr mit Hans Lorenz „Schwabenhansl“ 5571v Steinhauerarbeiten Scharrierarbeiten werden prompt und zuverlässig ausgeführt Helmut Schmall Marburger Straße 60. O395fl BERGFREUNDE! Ein neues Buch von gedlwitz: Gams in ihrer Dergheimat Lin Lebensbild der Gemse im Wechsel der Jahreszeiten von Franz Graf Iedtrvitz Insgesamt 137 Seiten mit 94 Abbil- düngen nach Naturaufnahmen. 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Ich litt weift ein« ersuch mit g mit den 15 «m). iu># sirK A<, - tiejej o * «neu ^tttrn, in Var. 1 nen unae, sA ä enQ Qi) 2* den lm seiner ? Maui. O’nausge, QUJ leinen 1 Tode >t ru.spielen. Zetten der über diel, I und den sich d°; )er greller e9ung, bi, £ ^ufe in der Aren« t und bc; iss neue. Kinder werden tierlieb. Don Paul Eipper. Man kann alle Kinder zur Tierliebe erziehen, mb es fällt um so leichter, je früher man damit beginnt, denn gewiß ist den Kindern die Freude c der Tierwelt angeboren. Diese Freude, zunächst cne selbstsüchtige und etwas gewalttätige, zu ( tiger Tierliebe auszubauen, darin liegt nach mei- nr Meinung eine der schönsten und wichtigsten Zufgaben der Eltern. Aus der echten Tierliebe ent- flht dann schon beim Kleinkind das Gefühl für in wahren Tierschutz, der nicht weinerlich und sen- friental empfindet, sondern zur guten Tat des kör- prlich oder geistig Stärkeren gegenüber dem Hilf- leeren wird. Als ich meinem damals vier Jahre axn Sohn während eines Wiesenspazierganges e lärt hatte, daß der liebe Gott gerade von ihm Drange, den kleinen und den großen Tieren zu | Iffen, war bei seiner künftigen Beziehung zu du Tieren nie eine Verwarnung oder gar eine Lrafe notwendig. Man hört zuweilen, daß kleine Kinder geradezu nit Begeisterung Tiere quälen, den Käfern und E-ymetterlingen Beine und Flügel ausreißen, Zitzen und Hunde in den Schwanz kneifen. Hier jldt es ganz an der rechten Unterweisung, denn r Beweggründe sind nicht Grausamkeit und jiimtüde seitens des Kindes. Ich glaube viel- rlhr, der Drang zu solch kindlicher Tierquälerei j in der Hauptsache Neu gier, darüber hinaus aber rllleicht ein unbekümmertes Besitzenwollen. Warrs wird ein Kind von der Katze gekratzt? Weil es fnen Wunsch verwirklichte und das liebe, weiche 3sr ganz fest an sich preßte. Weil es eben in d Katze nur ein Spielzeug sieht, das ihm gefeit und das er auf feine Weife eben „liebhaben" -iijl. Oft sind die Tierquälereien von Kindern Lachen von irregeleiteter Sympathieform. Wir ^wachfenen haben die Pflicht, unseren Kindern Di i Anbeginn an den Unterschied klar zu machen zischen einer Blecheisenbahn und einem Lebe- rriien. Daß Tiere ihren eigenen Willen haben und idnne Sachen sind, sondern Geschöpfe Gottes wie D Mensch, das kann man nicht früh genug der Liiderseele einprägen. .ich habe oft Gelegenheit, mit kleinen und kleinst । Kindern über Tiere zu sprechen und weiß, d: bei vielen auch Angst vor Tieren besteht. 21 r ich bin stets schnell zu einem guten Ziel geheimen, wenn ich auf das Schöne, das Gute und Loe eines Kaninchens, eines Hundes, einer Katze jhigewiefen habe, und wenn ich vor den Augen dc Kindes um das Vertrauen des betreffenden !Tres warb. Wie bei aller Kindererziehung kommt !esnuch hier in erster Linie auf das gute Beispiel an Ein erwachsener Mensch, der tierlieb ist, wird ebmso rasch einem scheuen wie einem derben Kind die rechte Einstellung zu den Tieren vermitteln können. Es bedarf ja im Grunde nur einiger luterer Fingerzeige: sei nicht hastig und zappelig, bkn still vor hem Tier stehen, rede freundlich und : nie! zu laut mit chm, lobe es und sieh es liebeln an. Bohl alle Haustiere sind zu Kindern gut. Daß 2in° tierischen Geschöpfe offensichtlich Zuneigung zu 3e Menschenkindern haben, das erkläre ich mir ätch die Nahhaftigkeit der Kinder. Ihre gar nicht il?chnende Tolpatschigkeit ist den Haustieren an- cc-iehrn. So oft ich kleine Buben oder Mädel zwi- Ifrn Tiere gesetzt habe, zwischen Lämmchen, junge U, Fohlen oder Kälbchen — immer konnte ich ^stellen, daß sie sogleich mit den Tieren auf du w» du standen, alsbald den richtigen Umgangston Kunden hatten. Allerdings kann ich auch eine Warnung an die k^rnfchaft nicht unterdrücken: Es gibt mancherlei Eiahren, wenn man Kinder allzu frei mit Tieren ii'igehen läßt. Jedes Kind hat ein anderes Tem- qimment, und gerade das tierliebe wird leicht un- ÄlPchtig. Mein Kind fürchtet sich vor keinem Tier — njcht ®i dem größten und nicht vor dem wildesten", Li en Ausspruch aus Elternmund halte ich für ein W verkehrtes Heldentum ... AS Ausbessern von Strümpfen. 31 topfen und Stopfen ist zweierlei. Der eine nimmt Mndein Stückchen Garn, das ihm gerade in die Ner fällt, ganz gleich, wie Farbe, Material und «^t.irke des Fadens sind, zieht damit hin und her zui! her und hin, reißt bei zu starkem Garn feines «He^ebe nur mehr entzwei, zieht mit feinstem Garn »rr Löcher gestrickter, grober . Strümpfe eilig und 8iil zusammen, — und glaubt hernach, ein Stopfen lü-'e eben als krauses, häßlich sich zeigendes Etwas l oder übel in Kauf genommen werden. Der icn^re wählt sorgfältig gleiches Material und pas- ische Farbe als Stopfgarn aus, legt fürsorglich ein ' Schfholz unter das Loch und zieht Faden für ' Pihrn gleichmäßig und ordentlich in Längs- und j Lm richtung durch, so daß der Stopfen später kaum J pemrft wird. M Stopfen allein ist's aber nicht immer getan, ID rattern dann nicht, wenn Kinder durch „Unglücks- 1 fcje1'' ein großes Loch im Knie des nagelneuen • Ernnpfes mit nach Haufe brachten. Und diese Un- ! S'jdöfätte bei Sport und Spiel gibt es im Leben Minder sehr häufig. Handgestrickte Strümpfe : die beste Haltbarkeit und werden auch gerade bst;egen meist durchweg von Kindern gern ge= hig?m. Die Mühe des Strickens lohnt sich schon, zu- aioann, wenn gleich so viel Wolle gekauft wurde, dz Mr Einstricken eines neuen Knies, der beschä- Hn Ferse ober Anstricken einer verlängerten 1 pijse, falls das Kind sehr schnell herausgewachsen ' 'wch genug übrig bleibt. Schadhafte Stellen wer- 1 bi i'eim Neu-Einstricken durch Fadenausziehen auf- ! S-nnt, die Maschen auf eine Stricknadel genom- •pjunb das zu erneuernde Stück beigestrickt. Seit- * :i«irb durch Aufnehmen der entsprechenden Rand- >^c-en das neue Teil befestigt, wobei man nach Ilifeseinen etwa V» cm breiten Rand überstehen läßt, v nachher mit der Stopfnadel befestigt wird. Das s Äls Stück wird mit Strickstich an der gegenüber* Halben, auf Stricknadel genommenen Maschenreihe h leifiigt. Kmn man gewirkte Strümpfe mit feinem Garn airtrifen will, ist das Maschenaufnehmen kaum nivsiich. Man kann sich aber dabei sehr gut dadurch hie? , daß man etwa einen halben Zentimeter vom Uli: entfernt einen Faden mit der Stopfnadel in ^r. (M nentoiti be-Distel irühl.tel Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Aus dem Reiche der Krau. sehr kleinen, regelmäßigen Abständen durchzieht. Den obenauf liegenden Faden nimmt man Stich für Stich auf eine Stricknadel und hat nun die 3um Beginn der Einstrickarbeit nötigen haltbaren Maschen. Der innenliegende Rand des Wirkgewebes wird später fein mit Garn umstochen, damit er nicht weiterreißt. Sind die Füßlinge von Strümpfen derart zerschlissen, daß ein Ausbessern sich nicht mehr lohnt, kann man aus den Enden Wadenstrümpfe Herstellen. Von einem noch brauchbaren Stück des abgeschnittenen Füßlings schneidet man eine neue Ferse zu, die in den Beinling, der einen entsprechenden Einschnitt in etwa halber Höhe erhält, eingesetzt wird. Am oberen Rand wird ein PRAKTISCHE VORSCHLÄGE schmaler Saum zum Durchziehen eines Gummibandes umgeschlagen und festgenäht. . Abgeschnittene Füßlinge lassen sich als Schuhüberzüge weiterverwerten. An Stelle von Zeitungspapier nimmt man solch einen alten Füßling, in den man je einen Schuh hineinsteckt, bevor er im Reisekoffer verstaut ober ben Kinbern zum Turnunterricht mitgegeben wirb. Es empfiehlt sich auch sehr, Schuhe, bie nur wenig getragen werben (z. B. Gesellschaftsschuhe, Schistiefel, bie ben Sommerschlaf halten, ober anbere, nur hin unb roieber benutzte Schuhe), in unbrauchbar geworbene Strümpfe zu stecken, bamit sie bei längerem Stehen im Schuhschrank Nicht verstauben. V. wir tragen ? INS ERES MODEZEICHNERS Dunkle Seibe ist bas Material ber heute gezeigten brei festlichen Kleiber für ältere Damen. Das Kleib unten links mit ber gezogenen Rock- rrittelbahn ist aus schwarzem Krepp-Geor- e 11 e; es wirb über einem Unterfleib aus glänzen' ber, hellgrauer Seibe getragen. Reichgezogen finb auch bie Halspartie, bie Aermel unb ber Gürtel. Knöpfe unb Schließe sind aus Jett. Aus weinrotemReversibleist das Kleib in der Mitte für stärkere Damen. Die durchgehende Mittelbahn läßt die Figur schlanker erscheinen, ber Blusenteil ist oben völliger gehalten, ber Gürtel sitzt etwas unter ber eigentlichen Taillenlinie. Für schlanke Erscheinungen eignet sich gut bas Jackenkleib (rechts) aus weichem, b u n k el- bla u e m Taft mit ber Schoßjacke und ber Bluse aus bunkelblauer Spitze. Der Jackenärmel ist breioiertellang unb in ber Kugel etwas eingelesen. Drei Seibenknäpfe schließen bie Jacke, der Schalkragen ist eingeschnitten, ebenso ber Schoß. H. Was andere Leute Gutes kochen. Don Krida Aisch. Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen, sagt ein altes Gedicht. Da habe ich auch so allerhand Nettes von einer Reise aus dem süb- westlichsten Zipfel unseres lieben Vaterlandes erzählt bekommen: Lauter Kochvorfchriften als Mitbringsel. Laßt sehn! Wenn die alten Kartoffeln zur Neige gehn und die neuen zum Sattessen noch zu wenig und zu schade sind, tritt ein Sockel von ausgequollenem Reis an ihre Stelle. Er wird zuerst mit Wasser ausgesetzt, dann dünne Fleischbrühe dazugegossen. bis er steif ausgequollen ist. Man rechnet dazu viermal so viel Flüssigkeit als man Reis hat. Darum kann man nun alles, was man hat — es braucht keine große Menge zu sein, denn Reis macht sehr satt! —, anrichten: Rahmschnitzel, gedämpfte Nierchen ober gebackene Leber. Rings herum gibt man einen Ranb von klein geschnittenen Brotwurfelchen, bie in wenig Fett kroß gebraten finb. Wer schon junge Champignons gefunben hat, bämpft sie mit. Solch ein Reissockel, ber mit kleinen, knusprig gebratenen Schweine- schnitzelchen umgeben ist, mit gewürfeltem Brot unb geriebenem Hartkäse bestreut wirb, heißt: Piccata milanese. Ein anberes, sehr nettes Rezept heißt: Weißes unb schwarzes Filet. Hier wirb em Schweinelendchen unb ein Stückchen junges Rmbs- lenbchen jebes einzeln, wie gewohnt, gebraten unb miteinander abwechselnd in einem Ring von gewürfelten Röstkartoffeln, die auf Blättersalat liegen, angerichtet. Dieser wird nur mit einigen Tropfen Zitrone und wenig Oel gewürzt. Filetgulasch. Etwa 500 Gramm Rindertet wird gewürfelt und mit Salz, Pfeffer und wenig Fett wie gewohnt gebraten. Kurz vor dem Anrichten nimmt man das Fleisch heraus, gibt in das Fett einige Hände voll gleichgroße Würfel fertiger Salz- fartoffeln und ganz kleine Würfel von besonders gebratenem Weißbrot. Sind die Kartoffeln burch- gezogen, werden Fleisch unb Semmelwurfel darunter gemischt unb alles auf heißer Platte mit Kopfsalat gereicht. Das Brot barf nicht verweicht fein. Diese Vorschrift hat sich ber Sohn eines Almwirtes ausgebucht. Seefisch auf Matrosenart: Jrgenbem grobflockiger Seefisch, wie Kabliau ober Seelachs ober Schellfisch, wirb wie üblich in wenig gewürztem Wasser gebämpft, mit Petersilie, Liebstöckel ober Sellerie, wenig Salz unb Pfeffer. Der Fisch barf nicht zerfallen. Dann bereitet man mit wenig Butter ober Margarine unb Mehl eine helle Schwitze, bie man mit etwas Rahm ablöscht. Frische Krebse werben in kochenbem Wasser gegart, bas Fleisch aus Schalen, Scheren und Schwänzen gebrochen unb beiseite gelegt. Alles übrige wirb zerstoßen unb mit etwas Krebsbrühe burchs Sieb in bie Mehlschwitze gerührt. Mit Salz, weißem Pfeffer unb Fleischextrakt ober Brühwürfel abschmecken, bas Krebsfleisch bazu tun und reichlich frischen, gehackten Dill hinzufügen. Mit Rahm so weit verdünnen, daß die Tunke auf dem Fisch haftet. Geröstetes Brot bietet auch eine gute Unterlage für allerlei Gerichte. Schweinenierchen werden ganz fein in Scheibchen geschnitten, in heißes Fett gegeben, mit Mehl überpudert und rasch gebämpft, bis alles grau ist. Geröstete Brotscheiben werden mit bem Bratfett bestrichen, bie Nierchen barauf gehäuft, alles mit feingehacktem,, hartem Ei bestreut unb heiß gereicht. — Ebenso lecker richtet man auf gebratenem Brot, über bem eine Schicht bünne, harte Cischeiben liegt, gedämpfte Spargel an ober auch gemischte Pilze, lieber alles gibt man biete hollänbische Tunke ober leichte Mayonnaise, wie sie schon oft beschrieben ist. Kleine junge Karotten finb nun auch zu haben. Wir brühen nur die Haut, schütten bie Rübchen auf ein Tuch und reiben die Haut ab, bann mit kaltem Wasser nachspülen. Die Rübchen im Dampf garen, mit wenig Butter burchschweuken, in der man eine Spur hellen Honig sehr gut aufgelöst hat. Dann mit frischer Petersilie überstreuen. Karottentorte. Drei Eigelb werben mit 160 Gramm Zucker schaumig gerührt. Dann gibt man 150 Gramm mit der Schale geriebene Haselnüsse dazu, 150 Gramm roh geriebene Karotten, einen Eßlöffel Rum unb den Eischnee dazu, füllt in eine Springform und bäckt. Nach dem Erkalten stürzen, mit Aprikosenmarmelade bestreichen unb mit Schoko- labenglasur überziehen. Gefüllte Tomaten: Große feste Tomaten, gut gewaschen, Deckel abschneiben, aushöhlen. Das Innere wirb zur Tunke verwendet. Mit einer Fischhackfleischmasse aus V2 Kilogramm Fischfilet, durch die Hackfleischmaschine gebreht, mit Brötchen, Zwiebeln, Salz, etwas Mehl, 1 Ei vermischt, füllt man in bie Tomaten, setzt ben Deckel obenauf und schmort die Tomaten in einem Schmortopf ungefähr 20 Minuten gar. Mittwoch, 16. August 1039 Ein Mdchen wirdphotographin. Strahlenb vor Freube fahren fünf junge Möbel in bem schönen Reise-Omn'bus, ber sie, wie auch bie übrigen Mitreisenben, ins Subetenland bringen soll. Ich sitze ganz in ber Nähe ber Lustigen unb habe Teil an ihrem fröhlichen ©eplauber. Ich erfahre baburch, baß bie zierliche Blonbe Photographin ist unb auch als Gausiegerin beim Reichsberufswettkampf in Köln gewesen. Wir kommen ins Gespräch. „Wie ich auf ben Gedanken kam, Photographin zu werden? Das liegt nahe; mein Vater hat ein eigenes Atelier, doch auch aus bfcm Gefühl heraus, baß mir bie Arbeit in der Photographie liegt, habe ich biefen Beruf ergriffen. Ich habe zwei Jahre L e h r l i n g s a r b e i t geleistet, und es ist mir nichts geschenkt worben. Wie gut bas war, habe ich erst viel später werten können." — „Und wie entwickelte sich nun Ihre weitere Ausbilbung? Konnten Sie nach biefen zwei Jahren schon ans Gelboerbienen benfen?" — „O ne, keineswegs; um wirklich.eine Ausbildung zu haben, die ein festes Funbament für weiteren Aufbau schafft, gina ich ein Jahr nach München auf bie Photo- technische Fachschule, und anschließend nahm ich rinen Bromölbruck-Kursus. Dann konnte ich meine Gehilfinnenprüfung machen. 150 Reichsmark monatlich für Unterhalt und Ausbildung hat Vater für mich aufroenben müssen, aber bann hatte ich eine gute Grundlage unb konnte mich nach Arbeit umsehen." „Hatten Sie Glück bamit und für welche Art ber Photographie hatten Sie sich bann nach Ablauf Ihrer Ausbilbung entschieben?" — „Ja, da hatte ich nun zu wählen; erstens war da die Presse- photograhie, interessant zwar, aber für eine Frau sehr anstrengend. Zweitens: Porträtarbeiten, bie große psychologische Kenntnisse voraussetzen; bei vollwertiger Leistung kann man hier schon von künstlerischer Begabung sprechen; unb drittens bie Jnbustrie-Werbephotogra- phie, ein großes Gebiet mit tausenb Möglichkeiten. Ich entschieb mich für bie letztere, ba gerade bie Werbephotographie ber Frau besonders liegt. Aus eigener Kenntnis der. Mentalität der kaufenden Frau weiß man sehr wohl, w 0 die Stärke in ber Werbung liegen muß. Auch volkswirtschaftlich gesehen ist hier eine bankbare Aufgabe zu läsen; benn unterhalten!), unb hoch erziehenb können wir ber kaufenden Frau nahebringen, was volkspolitisch gesehen für bie Gesamtheit wichtig ist. Unb jetzt habe ich bas Glück, unter einer Frau tätig zu sein, bie mir nicht nur beruflich, sondern auch rein menschlich gesehen ein Vorbild ist. Aber ehe ich hier meine Stellung antrat, war ich ein Jahr in Amerika. Als Hausgehilfin fing ich dort an. In meiner Freizeit suchte ich Verbindungen zu meinem eigentlichen Beruf, und bald konnte ich meine vorhandenen Kenntnisse durch Erfahrungen ergänzen unb vertiefen." — „Und bie Berufsaussichten?" — „Sie sind gut für alle diejenigen, die etwas leisten. Und" — lacht sie — „wenn ich es auch in Köln diesmal nicht geschafft habe, deswegen darf ber Eifer nicht Nachlassen, benn ich will ja noch Meisterin werden; unb nächstes Jahr geht's wieder in ben Kampf!" — „Na, bann Glückauf! Ihre Fachschaft kann stolz barauf sein, eine so tüchtige Be- rufstamerabin unter sich zu haben." Ä. K. Verwendung minderwertigen Obstes. Da man zur Konservierung von Obst sowie für Obstsäfte, Marmeladen, Gelees unb Dörrfrüchte meist nur bie besten Früchte aussortieren muß, bleibt fast immer ein gewisser Rückstanb übrig, ber sich zum Einkommen ober zu anberer Winterobstbereitung nicht eignet. Es wäre schabe, biefe minderwertigen, angefaulten oder unreifen Früchte wegzuwerfen, benn auch für fehlerhaftes Obst gibt es manchmal noch eine Verwenbung. Da ist es zunächst einmal bas Apfe 1 gelee, zu bem man alle minberroertigen, vor allem unreifen unb vom Baum gefallenen Aepfel verarbeiten kann. Selbstverstänblich müssen bie Früchte abgewaschen unb von allen Unreinlichkeiten sowie Stielen und Kernhaus befreit werben. Sobann kocht man die zerschnittenen Stücke unb bereitst baraus ein schmackhaftes Gelee, zu bem jebes Kochbuch eine Anweisung gibt. Das gleiche gilt für bie Apfel» marmelabe. ♦ Einige Kompottarten erlauben bie Verwendung überreifen Obstes, bas zu Marmelaben unb Gelees nicht haltbar genug wäre. Besonders das Kirschkompott war in ber Beziehung vorteilhaft, benn man kann alles nehmen, was nicht birett schlecht ist: überreife, auch geplatzte Kirschen, weiche, ztzrbrückte Früchte, — kurz, alles, was man zum Einkochen nicht nehmen barf, wenn man nicht schon in kurzer Zeit ein gegorenes Eingemachtes in ber Speisekammer auffinben will, nehme man lieber zum Kompott. Unter ben gleichen Bebingungen kann man ein gutes Pflaumenkompott Herstellen; benn auch bazu finb bie überreifen, angefaulten Früchte brauchbar. Natürlich muß bie angefaulte Stelle vorsichtig ausgeschnitten werben. Welke ober überreife Pflaumen ergeben auch ein recht wohlschmeckenbes Pflaumenmus, befonbers, wenn man es mit einer Zitronenschale würzt. Nicht zu vergessen ist bie Aprikosenmarmelabe, bie an unb für sich etwas Teures wäre, wenn man auch bazu sich nicht ber zerbrückten, zu weichen unb überhaupt fehlerhaften Früchte bebienen bürste. Ebenso bieten alle Obstpasten ber praktischen unb sparsamen Hausfrau Gelegenheit, minberroertige Früchte günstig unb schmackhaft zu oerroenben, ohne Gefahr zu laufen, baß bas bamit Hergestellte verdirbt. ♦ Alle genannten Möglichkeiten zur Ausnutzung fehlerhaften Obstes sind aus verschiedenen Gründen besonders ratsam: Da es sich zumeist um wirkliche Ueberrefte beim Einkochen handelt, stellen sie sich über Erwarten billig, außerdem sind sie ein gutes Beispiel dafür, daß bie beutsche Hausfrau bamit auch bem Volkshaushalt wirtschaften unb sparen helfen kann, inbem sie auch bas vermeintlich Wertlose verwerten kann, um ihrer Familie eine gefunbe unb vielseitige Kost vorsetzen zu können. H. v. L. Oie Flachsernte beginnt. Aus der Stadt Gießen. Gegensätze. Vor meinem Fenster, jenseits des Gartens, liegt die offene Landschaft, ein Stück Natur mit gelben, braunen und grünen Ackerstreifen, mit Haferfeldern und Stoppeln, mit Kartoffel- und Gemüseanbau, mit Bäumen und Waldstrichen, mit Hügeln und Horizont. Mag der helle Sonnenhimmel die Weite mit wechselndem Licht überstrahlen, mag sie vor dem Färbenspiel der Abendröte in Schatten sinken, oder in der Nacht nur noch die Umrisse ihrer Formen schwarz und ins Gespensterhafte gewachsen andeuten, immer ist sie bezwingender Ausdruck von Ruhe und Gelassenheit, von Unbekümmertheit und Stille. Selbst unter drohend geballtem WeÜerge- wölk mit zuckenden Blitzen und rauschenden Reaen gerät sie nicht außer sich. Es rinnt vielmehr alles an ihr ab wie die niedergießenden Wasser der Wolken, und selbst tobende Stürme müssen die Bäume stehen lassen, wo sie wurzeln. Zwischen dieser Landschaft und dem Garten führt eine breite Fahrstraße vorbei, nahe Ortschaften und ferne Städte verbindend, herrlich geebnet und äsphalliert, staubfrei und blank wie ein Tanzboden. Man weiß mit einem Blick, daß sie für Eile und Hast geschaffen ist, daß ständiger Wechsel und Töan- del ihre Lebenselemente sind. Autos und Motorräder sausen her und hin. Der Abfahrsort der einen ist das Ziel der andern. Alle haben ein Tempo, als könnten sie etwas versäumen. Diele Wagen sind überfüllt, und man fühlt es den Insassen nach, daß sie danach drängen, wieder herauszukommen und vielleicht darum Eile haben. Zuweilen fährt ein Pärchen im offenen Waaen langsam und genießend, mit sich und der Landschaft allein. Oester jagen „Er" und „Sie" aus dem Motorrad, und man erschreckt über die Schreie der Vorüberflitzenden, als sei ein Familienkrach im Werden, und sie hatten doch sicher nur das Bedürfnis, sich etwas Liebes zu sagen. Ganz an den be° kiesten Saum der Straße sind di« Radfahrer abge- drängt. Ihre Beine können es mit den Motoren nicht aufnehmen, und so scheinen sie gemütlich zu fahren. Meist rodeln junge Leute, Mädchen und Knaben, zu Wandergruppen gesellt, bisweilen strampeln ein paar Freundinnen miteinander in die Gegend. Eine Frau, die ein Körbchen vor sich hat, aus dem ein Kind kräht, und ein Mann, der ebenfalls ein Körbchen mit einem Kleinen vor sich verwahrt, stellen eine radelnde Familienstube dar. Mutter und Vater fahren bedächtig, sie haben Zeit. Selten und nur wenige Augenblicke lang bleibt die Straße leer. Man meint ihren schnellen Atem zu hören, so abgehetzt müsse sie sein von allem, was über sie hinlärmt. Die ganze Welt scheint auf Reisen. Wieviel von den Unsteten wohl auf ihre Kosten kommen oder überhaupt zu einem Erleben? Meine Blicke schweifen über sie hinweg in die ruhende Landschaft und sind glücklich, verweilen zu können. P- B- Domotizen. Tageskalender für Mittwoch. Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Westwall"; „Ins blaue Leben". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ,Zch bin Sebastian Ott". polizeiliche Kennkarte allein gültiger Znlandsausweis. Bisherige polizeiliche Ausweise ungültig. Der Reichsführer h*1 und Chef der Deutschen Polizei weist in einem Runderlaß die Polizeibehörden des Reiches darauf hin, daß mit der gesetzlichen Einführung der polizeilichen Kennkarte vom 22. Juni 1938 ein allgemeiner polizeilicher Jnlandsausweis geschaffen worden ist. Für weitere polizeiliche Ausweise bestehe deshalb kein Bedürfnis mehr. Alle Ermächtigungen zur Ausstellung anderer polizeilicher Ausweise seien sofort aufzuheben. Die bisher ausgegebenen polizeilichen Ausweise der fraglichen Art verlieren ihre Gültigkeit mit Ablauf ihrer Geltungsdauer. Polizeiliche Ausweise, in denen eine Gültigkeitsdauer nicht angegeben ist, sind nach dem Erlaß sofort als ungültig anzusehen. NSG. In diesen Tagen fand in Gießen, Limburg, Mainz und Darmstadt die Schulung einiger Bauern und Landwirte, sowie der Außenbeamten der Bäuerlichen Hauptgenossenschaft über die Grund- sätze, die bei der diesjährigen Flachsabnahme zu beachten sind, statt. Wenn auch die diesjährige Anbaufläche etwas zurückgegangen ist, so ist doch zu hoffen, daß die Bauern und Landwirte, die in diesem Jahre Flachs angebaut haben, mit ihrem Ernteertrag einen befriedigenden Erlös erzielen, nachdem der Preiskommissar eine angemessene Preisfestsetzung genehmigt hat. Der Wert des Flachsstrohes wird, wie bei kaum einem anderen landwirtschast- schaftlichen Erzeugnis, in hohem Maße von seiner Qualität bestimmt. Die beste Qualität wird nach den Richtlinien des Preiskommissars mit 20,50 RM., die geringste Qualität mit 10,50 RM. bezahlt. Bei der Abnahme und Festlegung der Qualität der einzelnen Lieferungen wirken die Außenbeam- Die Vortragsreihe der Deutschen Arbeitsfront für Betriebsführer und führende Mitarbeiter der heimischen Wirtschaft wurde am gestrigen Dienstag- abend mit einem außerordentlich interessanten Dor- trag im Hotel Hindenburg" fortgesetzt. Nach der Eröffnung durch den Vertreter der Deutschen Arbeitsfront (Kreiswaltung Wetterau), Pg. P i p p e r, sprach Prof. Dr. Auler vom Institut für Wirtschaftswissenschaft unserer Universität über das Thema „Die deutsche Rationalisierung als Mittel der Leistungssteigerung". Der Redner leitete seinen Vortrag mit einigen eindrucksvollen Zahlen ein, in denen sich die Steigerung der Produktion spiegelte, die durch den verstärkten Arbeitskräfteeinsatz erreicht werden tonnte. Im Jahre 1932 habe der Wert der gesamten Pro- duktion 50 Milliarden RM., im Jahre 1938 dagegen 90 Milliarden RM. betragen. Die deutsche Wirtschaft sei damit gleichzeitig in das Stadium der Vollbeschäftigung getreten. Wenn das auch noch nicht für jeden einzelnen Betrieb unserer Wirtschaft zutreffe, so gebe es doch heute viele Betriebe, die einen höheren Auftragseingang aufzuweisen hätten, als er ihrer Leistungsfähigkeit entspreche. Nachdem der Redner in seinen weiteren Darlegungen das Verhältnis der verschiedenartigen Betriebskosten zur Leistung aufgezeigt hatte, betonte er, daß die Rationalisierung ein Gebot der Stunde sei. Die Rohstoff, und Wirtschaftsfreiheit unserer gesamten Volkswirtschaft müsse durch den Einsatz aller geistigen, physischen und seelischen Kräfte erreicht werden. Es gelte dabei, mit den zur Verfügung stehenden Kräften sorgfältig haus- zuhalten. Das gleiche gelte für das vorhandene Material. Die erstrebte rationelle Betriebsführung solle in jeder Hinsicht vernünftig und in der Schau auf das Ganze ausgerichtet fein. Eine Rationalisierung eines Betriebes an sich genüge nicht, vielmehr müßten die volkswirtschaftlichen Belange berücksichtigt werden. Die Rationalisierung der deutschen Wirtschaft muffe als eine Gemeinschaftsleistung aufgefaßt werden. Im Hinblick auf die a r b e i t s w i r t s ch a f t- liche Rationalisierung betonte der Redner die Wichtigkeit der Lösung der Nachwuchsfrage, di« Notwendigkeiten der persönlichen Eignung, der Erhaltung des Leistungswillens des deutschen Arbeiters, der Förderung der Betriebstreue ufw. Darüber hinaus sei eine gute und sorgfältig erwogene Sozialpolitik im Betrieb auch immer die beste Wirtschaftspolitik. . Bei der Erörterung der technischen Rationalisierung forderte er zur Verbesserung der Herstellungsgänge heraus, die immer zweckmäßiger werden müßten, stellte veraltete Derarbeitungsgänge als Arbeitskraft- und materialverschwendend dar, tert der Bäuerlichen Hauptgenossenschaft als Vertreter der Flachsröste und di« Gutachter aus der praktischen Landwirtschaft bzw. von den 2andwirt- schaftsschulen als bäuerliche Vertreter kameradschaft- lief) zusammen. Nach den Schulungen ist damit zu rechnen, daß bei der diesjährigen Flachsabliese- rung jede einzelne von den Bauern eingelieferte Partie mit d-em größten Wohlwollen in di« Preisklasse eingereiht werden wird, di« sie billigerweise verdient. Es ist erfreulich, daß schon einige größere Partien aus dem Gemeinschaftsanbau zu einem recht günstigen Preis zur Ablieferung kamen, der eine angemessene Vergütung für die aufgewandten Mühen brachte. Es ist zu hoffen, daß bei einigermaßen befriedigender Entwicklung des Erntewetters auch der noch draußen stehend« Flachs gut geerntet und dann später auch befriedigend bezahlt wird. wies auf die Notwendigkeit der Verringerung der Fertigungszeiten hin und betonte, daß auch in kleinen und mittleren Betrieben eine vernünftige Rationalisierung Platz greifen müsse. Ferner gelte es, wertvolle menschliche Arbeitskraft immer mehr nur für hochwertige Arbeit freizustellen und untergeordnete Arbeit der Maschine zu überlassen. Im Zusammenhang mit der Behandlung der betriebswirtschaftlichen Rationalisierung sprach der Redner eingehend über die Vereinheitlichung und Ordnung des Rechnungswesens und seine mannigfachen Vorteile als Grundlage für eine gerecht« Preisgestaltung, als wertvolles Vergleichs- Mittel für die Leistungsfähigkeit der Betriebe untereinander und für einen klaren Kosten- und Gewinnausweis. Die neue Ordnung des Rechnungswesens diene einer Kosten- und Leistungskontrolle, die zur Herabsetzung von Gestehungskosten und damit zur Leistungssteigeruna führen könnte. Schließlich beleuchtete der Redner noch die volkswirtschaftliche Seite der Rationalisierung und betonte hier, daß die Rationalisierung durch den Dienst an der gesamten Volkswirtschaft ihren tieferen Sinn erhalte. Der Staat nehme hier die Wirtschaft in unabdingbare Pflichten. Der Staat gebe aber auch ein« Planung, die vom Unternehmer nicht als eine Krücke betrachten dürfe. In klarer Gegenüberstellung kennzeichnete der Redner noch den grundsätzlichen Unterschied zwischen der Auffassung der kapitalistischen Wirtschaftsführung, die in dem Begriff der „Rente" sich erschöpfe, und der nationalsozialistischen Wirtschaftsführung, di« von dem Begriff der Arbeit als Ethos ausgehe und die Arbeitskraft als den bedeutendsten Wert in den Vordergrund stelle. Der Vortragende, der das gestellte Thema universell in hohem Maß« allgemeinverständlich behandelte, schloß seine Ausführungen mit dem Leitsatz: „Di« deutsche Rationalisierung ist nicht Selbst- Meck, sie muß vielmehr der Erhaltung der Lebenskraft, der Frecheit und Unabhängigkeit unseres Voltes dienstbar gemacht werden." Der Vortrag wurde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und mit dankbarem Beifall aufgenommen. HI /Bann und Iungbann 116. EgersahrtTellnehmer. Heute, Mittwoch, Antteten sämtlicher Egerfahrt- Teilnehmer zum Kakaoabend im HJ.-Heim Gießen, Wilsonstrahe, um 19.30 Uhr. Bund Deutscher Mädel. VDM..werkgruppe 2ä/116. Der Dienst für die Auslandkunde- und Literatur- schar beginnt am Donnerstag, 17. August, um 20.15 Uhr in der Schillerschule. Erscheinen ist auch diesmal für die Beurlaubten Pflicht.' Morgen beginnt der Adolf-Hitler-Marsch. NSG. Am Donnerstag, 17. August, begibt sich die Fahnenabordnung des Gebietes Hessen-Nassau der HI. auf den Marsch nach Nürnberg. Der Marschblock wird um 20.30 Uhr auf dem Parade- platz in Darmstadt verabschiedet. Am 18. August marschieren die Hitlerjungen nach Pfungstadt, wo am Grabe des ermordeten HJ.-Kameradkn Christian Crößmann eine Feierstunde statt- findet. Heute Konzert in »Steins Garten". Für das Konzert, das heute um 17 Uhr im ©arten des Stadthauses Bergstraße (Steins Garten) statt- findet und wiederum vom Mufikkorps der tflieger« Horst-Kommandantur unter Leitung von Musik- meister Pfarre ausgeführt wird, ist die nach, stehende Dortragsfolge vorgesehen: 1. „Defiliermarsch", Heeresmarsch II, 50, von Faust 2. Ouvertüre zur Oper „Die schöne Galathee" von Franz von^Suppe 3. „Der verklungene Ton" von Sulivan 4. „Ballett-Suite" in fünf Sätzen von Popy 5. „3m schönen Tal der Isar", Walzer von Löhr 6. „Deutsche Wacht", Marsch von Gauß. Gießen-Wieseck. Unsere Mitbürgerin, Frau Elisabethe Bi e rau, geb. Naumann, Kirchstraße, wird am heutigen Mittwoch, 16. August, 7 8 Jahre alt. Die Hoch- betagte erfreut sich noch aller körperlichen und geistigen Frische. (Wir beglückwünschen zum @e- burtstag!) Oie Kröte Helfer im Garten. Die Chemie hat eine Menge von Mitteln ge. schaffen, die uns in die Lage versetzen, Gartenschädlinge mit viel größerem Erfolg zu bekämpfen, als es in früheren Jahren möglich gewesen ist Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, daß es eine Anzahl Tiere gibt, die uns im Kamps gegen die Feinde unserer Kulturpflanzen auf das wirkungsvollste unterstützen. Zu ihnen gehört zweifellos die Erdkröte. Unverstand und Aberglauben haben bewirkt, baß fie auch heute noch von vielen Menschen als ein schädliches und giftiges Tier angesehen wird. Gewiß, eine Schönheit ift das erdfarbene, plump gebaute Tier mit feinen warzigen Hautdrüsen nicht, dafür aber .einer der besten Helfer im Kampf gegen vielerlei Gartenschädlinge. Tagsüber hält sie sich unter krautartigen Pflanzen, in Erdlöchern, Mauerwerk und ähnlichen Schlupfwinkeln verborgen, um erst zu Beginn der Abenddämmerung auf Nahrungssuche auszugehen. Alles kriechende Getier wird von ihr angenommen, so Schnecken. Asseln, nächtliche Käfer, Erdraupen und Tausendfüßler. Besonders reiche Beute findet sie nach warmen Regentagen, wenn die Schnecken in Scharen durch die Feuchtigkeit aus ihren Verstecken hervor- gelockt werden. Kein Wunder, wenn die schwerfällig hüpfende Kröte diesem reichgedeckten Tisch, wie ihn der Garten darstellt, treu bleibt und keine weiteren Streifzüge in die Umgebung unternimmt. Deshalb ist es durchaus angebracht, im Freien gefundene Kröten mit heimzunehmen und im Garten ungestört leben zu lassen. Eine Tatsache, die sich auch der Gärtner zunutze macht, wenn er Gewächshäuser, die zur Schädlingsbekämpfung nicht begast ober beräum chert werden können, mit Kröten beseht, um so wenigstens eine Art biologischer Bekämpfung durchfuhren zu können. Im Herbst verkriechen sich die Kröten in die Erde und halten hier ihren Winterschlaf, bis sie im Vor- frühling zu neuem Leben erwachen. Dann beginnt die Paarungszeit. Kröten erreichen ein für ihre Größe erstaunlich hohes Alter bis zu etwa 20 Jahren. Dank ihrer Gefräßigkeit werden sie oft sehr groß und „umfangreich". Genehmigunaspflicht für Fischerei-Pachtverträge. NSG. Noch der im Jahre 1937 in Kraft g-> tretenen neugefaßten Grundstücksverkehrsbekannt- Deutsche Rationalisierung als Mittel der Leistungssteigerung. „Ich bin Sebastian Ott." Wiedereröffnung des Lichtspielhauses. Das Lichtspielhaus hat gestern nach der Sommerpause seine neue Spielzeit eröffnet. Auf dem Programm steht der neue Film von Willi F o r st; es ist der erste eigentliche Kriminalfilm, den Forst gemacht hat, und der gräßliche Autoabsturz, mit dem der Bildstreifen einsetzt, und der erbitterte Kampf zweier Männer, mit dem er endet, sind so handfeste Kino - Effekte, wie sie sich der aufregendste Kriminalreißer aus Amerika nicht schöner ausdenken und auch nicht besser machen könnte. Aber um dergleichen zu sehen, brauchte man einen Mann wie Forst nicht zu bemühen, und ihm kam es allerdings, wie man bald gewahr wird, auf ganz andere Wirkungen an. Jene beiden Szenen find nur Ausgangs- und Endpunkt einer mit mathematischer Exaktheit berechneten, ineinander verschlungenen und wieder gelösten Handlungskette: zwischen beiden entfalten sich die sehr viel feineren Sensationen, ergeben sich Wirkungen, die über die groben Effekte im Bilde eines sich überschlagenden Wagens ober zweier auf Tob unb Leben miteinander ringenden Männer beträchtlich hinausgehen. Wenn der Zuschauer sich klarmacht, daß die beiden Männer, von denen zuletzt einer tot am Boden liegt, zwar in der Handlung zwei verschiedene — innerlich unendlich verschiedene, äußerlich zum Verwechseln ähnliche — Menschen sind, vor der Kamera indessen von einem Schauspieler, F o r st selber nämlich, bargestellt werben, so wird er finben, daß die moderne Filmkamera wahrhaftig etwas Zauberhaftes vermag und etwas mehr auf die Leinwand bringt, als den Jahrmarktscherz des Mannes, der mit sich selber ringt. * Ach, Zauber, wird der erfahrene und aufgeklärte Filmbesucher jetzt vielleicht sagen: gar kein Zauber, alles Trick, das gibt es, das kennt man; er wird, wenn er sehr genau Bescheid weiß, vielleicht sogar die technischen Hilfsmittel aufzählen können, deren man sich bei solchen Ausnahmen bedient, das abgedeckte Objektiv, die neutrale Trennlinie, den verdunkelten Hintergrund — aber was wäre damit gewonnen: auf die Wirkung kommt es an; sie kann künstlerisch sein, und sie kann unkünstlerisch sein und gestellt. Hier ist sie künstlerisch. Doppelrollen im Film, Doppelgänger- und Verwandlungsrollen hat es schon früher gegeben; diese hier sind die vollkommensten, die wir bisher gesehen haben. Es gibt da wirklich Szenen, die unheimlich sind und in einem tieferen Sinne (als ihn die übliche Trick- Aufnahme haben könnte) zauberhaft. Die Arbeit, die der Bildtechniker Carl Hoffmann und der Kameramann Carl Löb hier geleistet haben, ift sauberste Präzisionsarbeit, in der sehr viel mehr Erfahrung, Fleiß, Geduld und künstlerisches Empfinden steckt, als der durchschnittliche Kinobesucher abzuschätzen und zu würdigen vermöchte. * Und dann ist da der Spielleiter und Schauspieler F 0 r ft : er vereinigt drei Funktionen in sich, die für den Eindruck des Films entscheidend sind und die 'üblicherweise auf drei verschiedene Persönlichkeiten verteilt werden; er führt nicht nur Regie, sondern er spielt auch die beiden Hauptrollen in einer Person; er ist der Kunsthändler Dr. Sebastian Ott und ist dessen Zwillingsbruder Ludwig Ott; was es mit beiden auf sich hat, mit ihrer äußeren Aehn- lichkeit und ihrer inneren Verschiedenheit, wurde schon angedeutet. Das Motiv der feindlichen Brüder ist, wie an zahlreichen Beispielen zu belegen wäre, nicht neu; auch nicht das des Zwillingsschicksals, aber da entstand der literarischen Auswertung des Motivs immer eine feine Grenze, eine Schwierigkeit, die entweder gar nicht ober nur unzulänglich zu überroinben war. Eine Reihe von Szenen, wie sie hier gezeigt werben, würbe in einer anderen Form, als sie der Film zustande bringt, unmöglich fein, unglaubhaft, gestellt ober glatte Kolportage. Der Film überwindet ober überspringt biefe Schwierigkeiten, er kann, nicht immer, aber manchmal, wirklich zaubern. Ein Mensch steht sich selbst gegenüber, sieht sich ins Gesicht, beugt sich über sich, spricht mit sich leibhaftig und entwertet sich, er wandelt und vertauscht sich vollends: Sebastian wird Ludwig, Ludwig wird Sebastian, sie gehen ineinander über so sehr, baß der Zuschauer manchmal Mühe hat, sie auseinander» zukennen, und die Verwirrung begreift, bi« ein so unheimlicher Gestaltwandel bewirkt. Denn nicht allein werben hier zwei Gesichter, zwei Gestalten, zwei Namen vertauscht, sondern mit Gesicht, Gestalt und Namen auch bi« dazugehörigen ßebensfreife und Schicksale. Daß diese Lebenskreise nichts miteinander gemein haben, daß die Schicksale unb Charaktere einander so fremd unb feindlich sind wie Feuer unb Wasser, das macht — über den an sich interessanten und in manchen Zügen sogar aktuellen Fall hinaus — diesen Film zu einem merkwürdig erregenden Erlebnis. Die Idee dazu wurde durch einen sensationellen Bilberschwindel angeregt, und dieses Bilder-Motiv wurde in die einander verwirrend überschneidende Geschichte der Zwillingsbrüder übernommen. Der eine rst ein Kunsthändler und Experte von europäischem Rang und Ruf, der andere ein Verbrecher von nicht geringerem Format — was geschieht, wenn eines Tages der eine an der Stell« des andern steht und jedermann von der Echtheit der beiden überzeugt ist? Das zu entwickeln, rst nicht Aufgabe dieses Berichtes. Das tut der Film, und der Besucher mag es auf sich wirken lassen. In einem Gespräch ganz zuletzt heißt es, gutmütig-spöttisch und gleichsam nebenbei: „Hat jemand noch eine Frage?" Es ist anzunehmen, daß auch der Zuschauer im stillen verneint, unb eine solche Verneinung bebeutet, wie uns scheint, ein« hohe Anerkennung für den Regisseur Forst: sie kennzeichnet di« Präzisionsarbeit, die er (ebenso wie sein« technischen Helfer) geleistet hat; die beiden Handlungen greifen mit einer verblüffenden Folgerichtigkeit ineinander unb überschneiden einander mH einer bestürzenden Selbst- Verständlichkeit. Die Rechnung des Figurentausches scheint wirklich mit erschreckender Restlosigkeit aufzugehen. Außerdem wirb man finden, daß Forst auch hier wieder meisterlich beherrscht, was die besten seiner früheren Filme so unverwechselbar macht: die Schaffung einer eigentümlichen Atmosphäre, der bestimmten Lokalfarben, unb da man sich vor allem in Men und in Prag befindet, so war er hier noch selbstverständlicher zu Hause als im Paris bes „Bel ami“; man beachte in diesem Zusammenhang auch ein paar Nebenfiguren wie ben Kriminalrat in Prag (Alfred Neugebauer) ober das Faktotum in der Wiener Galerie (Eduard Köck.) ♦ Noch eine Frage? Im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Handlungsablauf wohl keine; vielleicht steigen später, auf dem Heimwege, in größeren Zusammenhängen welche auf. Eine stellt vielleicht die moderne Zwillingsforschung, eine andere könnte sich an die Gestalt der Frau richten, die beide Brüder lieben, während sie nur einen liebt. Sie heißt Erika und wird von Trübe Marlen gespielt, sehr glaubhaft in ihrer Angst unb in der Verwirrung bes Gefühls ... eine andere, moderne Alkmene. Die schwierigste unb auch bestechendste Aufgabe hat sich Forst selber vorbehalten: er ist Sebastian und Ludwig zugleich; man begreift, wie der ungemein komödiantisch« Reiz der Verwandlung und des Doppel-Spieles ihn gefangen genommen haben muß. Er treibt es so weit, daß auf Augenblicke auch der Zuschauer ins Wanken gerät und zweifelhaft wird; dennoch gelingt dem Darsteller, mit sparsamsten, aber höchst markanten Mitteln, nach vollzogener Verwandlung die kleinen, untrüglichen Unterscheidungsmerkmale anzubringen, an denen die Charaktere kenntlich unb der Figuren- tausch durchschaubar werden. In dem sehr geschickt besetzten übrigen Ensernbü zeichnen sich des weiteren Paul Hörbiger um Otto Treßler aus, zwei äußerst aufgeräumte, joviale, ältere Herren aus Men, ferner Gustav Dießl, der aus dem heruntergekommenen Maler Strobl eine pathologisch belichtete Charakterstubie macht. — Das Buch schrieben Eberharb Kein« dorff und Axel Eggebreckt. Viktor Becker führte neben Forst Regie. — (Bavaria.) ♦ Im Beiprogramm sieht man zwei Kulturfilme, die von „Wild und Weidwerk" und vom Fernlasi' wagenverkehr der Reichsbahn handeln. Segelschiff unb Eisberg. Die Eisberggefahr ist in diesem Jahre auf W Atlantischen Ozean besonders groß, gewaltige w selber treiben vom Norden her vor der Küste W" Neufundland. Eine Reihe von Schiffen geriet NJ reits in höchste Gefahr des Zusammenstoßes. JJJ England traf der Dampfer „Ducheß of Bedjoro mit 34 Geretteten von der französischen Schonerda „Ben Hur" ein, die 250 Kilometer östlich von MU funblanb einen Zusammenstoß mit einem E^ver» hatte, bei bem bas Segelschiff zugrunde ging• * war wegen der Eisgefahr vom Kurse nach ^uoe abgewichen unb geriet bann bei langsamer Fay im Nebel in ein Eisfeld, als plötzlich die Umrj eines Rieseneisbergs, der sich über 60 Meter fl bem Meere erhob, vor ihm auftauchten, auf o bas Schiff auffuhr. Der Bug würbe vollständig ei gebrückt, unb ber Vorbermast stürzte auf Deck her • Durch ein großes Leck branqen Wassermassen bas Schiff, unb bie Mannschaft mußte zweieiny Tage mit aller Kraft an ben Pumpen arbeiten u es über Wasser zu halten. Drahtlose Telegraph war nicht an Bord, so baß es zunächst nicht ' Hilfe herbeizurufen. Zwei Schiffe fuhren ooru - ■ ohne bas Wrack zu bemerken; schließlich sichtete „Ducheß of Bebforb" bie Bark und nahm Mannschaft an Borb, als sie alle Hoffnung ' aufgegeben halt«. Als sie ben „Ben Hur vsn d setzte sie die Bark in Branb, um zu verhinv ' baß sie noch länger im Wasser treiben und jo schwere Gefahr für andere Schiffe werden fönn • machimg sind Rechtsgeschäfte, die die Nutzung land- wirtschaftlicher Grundstücke zum Gegenstand haben, durch die zuständigen Landratsämter genehmigungspflichtig. Zu den landwirtschaftlichen Grundstücken rechnen auch Sonderkulturen, wie Teichwirtschaft und Fischerei. Die Teichwirtschaft umfaßt alle Arten von Fischzucht, wie Karpfen-, Forellenzucht und Fischbrutanstalten. Die Fischerei betrifft die Ausübung des Fischfangs in natürlichen Gewässern. Don der Genehmigungspflicht sind Rechtsgeschäfte ausgenommen, an denen das Reich, ein Land oder eine Gemeinde beteiligt ist. Da alle von den Landratsämtern nicht genehmigten Verträge dieser Art schwebend unwirksam sind und die Nichteinholung der Genehmigung mindestens binnen drei Monaten nach Dertragsschluß mit Geldstrafe oder Gefängnis geahndet wird, ist allen Vertragschließenden, Privaten, juristischen Personen oder sonstigen Stellen zur Vermeidung von Unannehmlichkeiten dringend die alsbaldige Vorlage der getroffenen Vereinbarungen der den zuständigen Landratsämtern zu empfehlen. * ** Eine Vierundsiebzigjährige. Am heutigen Mittwoch. 16. August, kann Fräulein Elisabeth Schulz, Wilhelmstraße 311, in aller geistigen und körperlichen Frische ihren 74. Geburtstag feiern. Die Hochbetagte nimmt an den Ereignissen unserer Zeit noch stets regsten Anteil. Seit langer Zeit gehört sie zum treuen Bezieherkreis des Gießener Anzeigers. Wir beglückwünschen herzlich zum Geburtstag! ^ Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 4. bis 10. August ein gegen Kraftfahr- zeugfuhrer mit 7 Anzeigen und 4 gebührenpflich- tigen Verwarnungen; gegen sonstige Fahrzeugführer mit 5 Anzeigen und 3 gebührenpflichtigen Verwarnungen; gegen Radfahrer mit 3 Anzeigen und einer gebührenpflichtigen Verwarnung; gegen Fußgänger mit einer Anzeige. Vor der 3. Landestierschau in Gießen. Umfangreiche Vorbereitungen an der Rhein-Main-Dersteigerungshalle. Nachdem zu der Landes-Eberschau auch die der Bullen und Ziegenböcke hinzugekommen ist, wird die in den Tagen vom 14. und 15. September in der Rhein-Main-Versteiaerungshalle zu Gießen stattfindende 3. Landestierfchau zu einer Großveranstaltung für die hessen-nasscmlsche Zucht werden. In einer Vorbesprechung, die am gestrigen Dienstag im „Hotel Prinz Carl" unter der Leitung von Tierzuchtdirektor Landwirtschaftsrat Dr. W a g n e r stattfand und an der Kreisleiter Backhaus, Oberbürgermeister Ritter, Beigeordneter Nicolaus, Regierungs - Oberveterinärrat Dr. M o n n a r d , Stadtbaudirektor G r a v e r t, der Gebietsreferent des LFV. für „Oberhessen" S ch u st e r, Oberinspektor Müller vom Derkehrsverein sowie Kreisfach- schaftsleiter L. Herr vom Gaststättengewerbe teilnahmen, wurde nach dem Stand der Dinge die zu erwartende Besucherzahl mit etwa 15 000 angegeben. Die Eröffnung der Landesschau soll durch den Gauleiter erfolgen. Bei dieser Gelegenheit wird auch der Landesbauernführer sprechen. Zum Auftrieb gelangt das beste Zuchtvieh der Landesbauern- fchaft, und zwar: 85 Bullen (Rot- und Fleckvieh), 55 Eber (25 Alt- und 30 Versteigerungseber), 55 Kühe, 90 Zuchtsauen, 10 Ziegenböcke und 50 Ziegen, insgesamt 345 Tiere. Zur Unterbringung dieser Tiere zur reibungslosen Durchführung des Preisrichtens sind umfangreiche Um- und Erneuerungsbauten an der Rhein- Main-Versteigerungshalle erforderlich. Stadtbau- direktor G r a v e r t erläuterte die Einzelheiten, die u. a. eine Erweiterung der Halle auf 40 Meter Länae, die Schaffung eines dreiteiligen Ringes (der durch die Beseitigung der Einteilungen in einen «roßen Ring verwandelt werden kann), die Schaffung ausreichender Parkplätze, die Erstellung eines großen Wirtschaftszeltes und die Anlage eines' Treppenaufganges im Zuge der Kliniksbrücke bedingen. Für die Zwecke der Schau wird der ganze Raum des ehemaligen Viehmarktes in Anspruch genommen werden. Oberbürgermeister Ritter, der dieser VeranstaUung seine Unterstützung zugesagt und auch bereits einen Ehrenpreis gestiftet hat, billigte diese Pläne. Das Programm sieht für Donnerstag, 14. September den Auftrieb vor, der bis 11,30 Uhr beendet jein soll. Um 11 Uhr erfolgt die Begrüßung der Ehrengäste durch den Oberbürgermeister. Die Eröffnung der Landestierschau erfolgt um 14 Uhr durch den Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger. Anschließend beginnt die Arbeit der Preisrichter. Um 20 Uhr findet im „Club" ein Züchterabend statt. Nach der Begrüßung durch den Oberbürgermeister und voraussichtlich nach einer Ansprache des Landesbauernführers findet die Erstattung der Geschäftsberichte der einzelnes Züchteroereinigungen statt. Für die Ausgestaltung dieses Abends ist auch Georg Heß gewonnen worden. Am Donnerstag findet die Vorführung der prämiierten Tiere statt. Daran schließt sich die Versteigerung der Elite- Bullen und Elite-Eber an. Die Preisverteilung durch den Landesbauernführer erfolgt im Rahmen einer Kundgebung. Am Nachmittag wird den Züchtern Gelegenheit geboten werden, die Veterinär- Kliniken und die Einrichtungen des Oberen Hardt- hofes zu besichtigen. Für die Preisverteilung werden neben dem Preis des Oberbürgermeisters auch Preise des Gauleiters und des Landesbauernführers zur Verfügung stehen. Außerdem haben die Regierungen in Darmstadt und Wiesbaden, die Landräte und Wirtschaftsoereinigungen Preise in Aussicht gestellt. Wie der Verlauf der Vorbesprechungen zu erkennen gab, handelt es sich um eine Veranstaltung, die im ganzen Gau Hessen-Nassau großes Interesse finden wird, sodaß mit zahlreichem Besuch zu rechnen ist. Für die Züchter Hessen-Nassaus bedeutet die auf einem geräumigen Platz untergebrachte Tierschau eine günstige Gelegenheit, einen Ueber- blick über den Hochstand der Tierzucht in Hessen- Nassau zu erhalten und viele Anregungen mit nach Haus zu nehmen. Aus den Gießener Gerichtssälen. Große Gtrasiammer Gießen. Der H. R. in Gießen hatte sich in den Jahren 1927 bis 1936 fortgesetzt der Steuerhinterziehung schuldig gemacht, so daß die Umsatzsteuer, Einkommensteuer, Gewerbesteuer und Vermögenssteuer um rund 6000 RM. verkürzt wurde. Durch Strafbescheid des Finanzamts, gegen den der Angeklagte Einspruch einlegte, hatte er ein-e Geldstrafe von 12 200 RM. erhalten. Die Angaben des Angeklagten, nach denen er steuerehrlich werden wollte, waren nicht so, daß die einzelnen Steuern einwandfrei festgesetzt werden konnten. Der Angeklagte wurde wegen Hinterziehung der Einkommensteuer in Tateinheit mit Hinterziehung der Gewerbesteuer und Hinterziehung der Bürgersteuer, sowie wegen Hinterziehung der Vermögenssteuer zu Geldstrafen von 4000 und 1600 RM., zusammen 5600 RM. verurteilt. Der hinterzogene Steuerbetrag wurde auf 5600 RM. festgesetzt. Insoweit das Amnestiegesetz Anwendung zu finden hatte, wurde das Verfahren eingestellt. Strafmildernd wurde die betätigte Reue durch Selbstanzeige berücksichtigt. Vezirksschöffengericht Gießen. Der in Untersuchungshaft befindliche O. P. aus Gießen, hatte sich wegen Urkundenfälschung und Betrugs zu verantworten. Er hat drei Briefe an das Wohlfahrtsamt geschrieben und diese mit dem Namen seiner Schwägerin M. H. unterzeichnet. Damit bat er erreicht, daß er die seiner Schwägerin zugedachte Unterstützung, und zwar zwei Beträge von 15,— und 9,50 RM., ausgezahlt erhielt. Der einschlägig vorbestrafte Angeklagte war in vollem Umfang geständig. Große Notlage gab er als Grund zur Tat an. Der Anklagevertreter hält den Angeklagten für einen arbeitsscheuen Menschen, der sich Gelder, die für wirklich Unterstützungsbedürftige bestimmt seien, erschwindelt habe, und beantragte eine Gefängnisstrafe von vier Monaten. Der Angeklagte wurde der schweren Urkundenfälschung und des Betrugs schuldig erkannt und Der Täter mitten unter uns Roman von Kurt Riemann Lopgright by Verlag Oskar Meister, wer-du t. Sa. 6. Fortsetzung. (Nachdruck verboten 1) 7. Bekanntschaften in einem feinen Lokal. Die „Greenhorn-Bar" ist ein Lokal im Osten ißonbons m dem man sich schon eine Nacht um die Uhren schlagen kann... wenn's dabei auf die Kosten micht ankommt. Außerdem kann man — wenn man Verbindungen bat — hier auch allerlei Geschäfte mbschließen. Geschäfte der verschiedensten Art, für die sich rscotland-Nard außerordentlich interessieren würde, wenn sie dort bekannt wären. Doch das ist eine Sache, von der natürlich nicht geredet wird. Im Gegenteil, der Wirt achtet streng darauf, daß nichts mit seinem Wissen geschieht, was gegen die fflute Sitte verstößt. Und es geschieht auch nichts. Wenigstens... er weiß davon nichts. Er hat auch keine Ahnung da- :8on, daß da im Hinterzimmer eine gewisse Gruppe •on Männern und Frauen sich mit Karten auf eine Weise abgibt, die mit den Gesetzen in allerlei Wider- Prüche geraten müßte... vorausgesetzt, daß das Äuge des Gesetzes diesen Spielen feine besondere Aufmerksamkeit schenken könnte. Aber gerade das weiß der Wirt mit vorbildlicher Umsicht zu ver- Sinbern. „Meine Kunden sind Künstler, Gelehrte, Leute aus Handel und Industrie... Sie werden nie eine 'öamc in meinen Räumen antreffen, deren ßeu= nunb schlechter ist als der von hunderttausend unbescholtenen Frauen! Ich wüßte nicht, daß in meinem Lokal etwas Ungesetzliches geschieht." Gewiß, davon ist kein Wort gelogen. Aber, was ar nicht weiß, macht die Polizei nicht heiß. Und die Prozente, die einige seiner tüchtigsten Damen erhalten, ergeben am Monatsende das Gehalt eines gutbezahlten Beamten. Zu seinen prominentesten Kunden gehört der gefeierte Tenor Asbjörn Holgerson. Er kommt und geht hier regelmäßiger aus und ein als in seiner Wohnung im Westen. Jeder kennt ihn, nicht nur von der Bühne — die meisten Stammgäste hat Asbjörn Holgerson schon Nächte hindurch frei- gehalten. Verrückt! denkt der Wirt im stillen und mit ihm viele, die hier Stammgast sind. Aber wer kann einen Menschen hindern, das zu tun, was ihm Spaß macht? Mit „Hallo!" wird der Sänger auch heute abend empfangen. Der Pianist der kleinen Kapelle, ein schwarzhaariger fixer Junge, der weiß, wie man seine Leute anpacken muß, hat ihn als erster in der Tür gesehen und beginnt geistesgegenwärtig: „Wie ich dich liebe, braune Madonna ... !" zu intonieren, ein Schlager, den Asbjörn Holgerson hier gratis und franko singt, wenn es ihm so paßt, während er auf der Bühne dafür täglich einige zwanzig Pfund einzustreichen gewohnt ist. Der Tenor nickt dem grinsenden Musikanten freundlich zu und steuert durch das noch schwach besuchte Lokal geradeswegs auf die Hintertür zu. Der Betrieb beginnt vorn immer erst gegen Mitternacht, während ihn im Hinterzimmer bereits lautes Stimmengewirr empfängt. „Hallo... Holgerson? Das verlorene Schaf wieder da!" brüllt O'Brien, ein großer, feister Ire mit einer riesigen Glatze und dem Gesicht eines Karpfens. „Haben Sie Ihren reichen Schwiegervater endlich unter die Erde gebracht? Gratuliere! Gratuliere!" „Zuerst muß ich mal was zu trinken haben?" stöhnt Holgerson und läßt sich an einem der Tische nieder. „Und dann..." er macht eine weite, alles umspannende Geste, „... bitte ich die hochansehnliche Versammlung, sich für diese Nacht als meine Gäste zu betrachten!" „Habt ihr's gehört? Er will in feinem Schmerz nicht allein fein! Also ... ,Black und White* heran! Holgerson zahlt'.!" „Bestimmt?" Der kleine schwarzhaarige Mann mit dem fatalen unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gefängnisstrafe von vier Monaten, unter Anrechnung von 10 Togen Untersuchungshaft, verurteilt. Der ebenfalls in Untersuchungshaft befindliche W. P. aus Rudolstadt, z. Zt. ohne festen Wohnsitz, hatte sich wegen Urkundenfälschung zu verantworten. Er hat einen Abmeldeschein gefälscht, sich aufgrund des falschen Abmeldescheines in Vacha eine Quittungskarte Nr. 1 der Invalidenversicherung ausstellen lassen und dann der Zahl „1" die Zahl „3" hinzugefügt, sodaß der Eindruck erweckt wurde, als handle es sich um die Jnvalidenquit- tungskarte Nr. „13". Diese Karte hat er in Lauterbach mit dem Abmeldeschein zusammen oorgelegt und auf die Fragen des Beamten die darin und in dem Abmeldeschein vermerkten unrichtigen Angaben wiederholt. Der ganz erheblich und besonders einschlägig vorbestrafte Angeklagte war geständig. Der Anklagevertreter beantragte eine Haftstrafe von einem Monat und eine Gefängnisstrafe von acht Monaten. Der Angeklagte wurde wegen Fälschung von Legitimationspapieren zu einer Haft strafe von sechs Wochen, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt gilt, und wegen Fälschung der Jnvalidenguittungskarte zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt. ♦ H. M. in Usenborn war der Beleidigung und üblen Nachrede beschuldigt. Er bat, nachdem er wegen falscher Anschuldigung in Tateinheit mit übler Nachrede zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt worden war, in einem an das bett. Amtsgericht gerichteten Schreiben ohne Unterschrift schwere Beleidigungen zum Ausdruck gebracht und dem Gericht allerlei Böses gewünscht. Der Angeklagte bestritt, der Schreiber des Briefes zu sein. Nach dem schriftlichen Sachverständigengutachten ist der Angeklagte der Schreiber. Auf Antrag des Anklagevertreters wurde die Verhandlung auf den 29. d. Mts. vertagt und die Ladung des Sachverständigen angeordnet. * Der Jude Karl Israel Salomon, zuletzt in Frankfurt a. M., jetzt im Ausland, hat m der Zeit vom 20. Juni 1936 bis zum 30. Mai 1938 eine weibliche Staatsangehörige deutschen Blutes unter 45 Jahre in feinem Haushalt in Alsfeld als Warte, frau beschäftigt. (Vergehen gegen das Gesetz zum Schutze deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. Sept, und 14. Nov. 1935). Die Angestellte war vorher ebenfalls in einem jüdischen Haushalt tätig. Es war dem Angeklagten gestattet worden, die Angeklagte vorläufig wetter zu beschäftigen. Ein Gesuch, die Angestellte weiter beschäftigen zu dürfen, wurde aber abschlägig beschieden. Trotzdem beschästtgte er die Angestellte weiter. Der Anklagevertreter beantragte eine Gefängnis, strafe von zwei Monaten. Der jüdische Vertreter des Angeklagten bat, dem Angeklagten mildernde Umstände zuzubilligen und auf eine Geldstrafe zu erkennen. Der Angeklagte wurde zu einer Geldstra fe von 200,— R M„ ersatzweise 20 Tage Gefängnis verurteilt. Strafmildernd kam in Betracht, daß bei dem flüchtigen Angeklagten eine Wiederholung des Vergehens nicht zu befürchten und der Angeklagte unbestraft sei, er sich auch bemüht habe, eine endgültige Genehmigung zu erhalten. Aus der engeren Heimat. Dr. Alfred Martin, Bad-Aauheim f. <£ Bad-Nauheim, 16. Aug. Dr. med. Alfred Martin, einer der bekanntesten Bad-Nauheimer Badeärzte, ist nach kurzem Krankenlager im 66. Lebensjahre unerwartet g e ft o r b e n. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der durch seine wissenschaftliche Tätigkeit auch in nahe Beziehungen zur Universitätsstadt Gießen getreten ist. Aus dem Gebiete der Geschichte der Medizin und des Gesundheitswesens gehörte Dr. Martin zu den angesehensten deutschen Forschern und Schriftstellern. Sein 1906 erschienenes große Werk „Deutsches Badewesen in vergangenen Tagen" ist heute noch grundlegend für die Geschichte der Bäderkunde. Ungezählt sind die größeren Beiträge, die Dr. Martin für führende in- und ausländische medizinische, naturwissenschaftliche und volkskundliche Zeitschriften beigesteuert hat. Es sei hier nur an die volksmedizinischen Abhandlungen erinnert, die in den „Hessischen Blättern für Volkskunde"' erschienen sind. Die Bad-Nauheimer Heimatforschung verdankt Dr. Martin sehr viel. Er begründete den Heimatverein und das „Bad-Nauheimer Jahrbuch", eines der gediegensten hessischen Jahrbücher der Heimatforschung. Insbesondere die Geschichte der Bad-Nauheimer Saline fand durch Dr. Martin ihre erste wissenschaftliche Darstellung. Zum Oberhessischen Geschichtsverein und zur Hessischen Bereinigung für Volkskunde unterhielt der Verstorbene besonders freundschaftliche Beziehungen. Auch der Beilage „Heimat im Bild" des Gießener Anzeigers war Dr. Alfred Martin ein geschätzter Mitarbeiter. Oer Haushaltsplan derStadtBuhbach # Butzbach, 15. Aug. In einer Ratsherrensitzung gab Bürgermeister Dr. Mörschel zunächst einen Rückblick auf die Jahre 1937 und 1938, wobei er ein sehr günstiges Gesamtergebnis in der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung der Stadt feststellen konnte. Im Jahre 1937 konnte für notwendige Verbesserung in der Wasserversorgung eine Rücklage von 90 000 RM. gemacht und zum Ankauf von neuem Baugelände 30 000 RM. und zwecks Schuldentilgung 70 000 RM. aufgewendet werden. Ebenfalls für die Wasserversorgung benötigte das Jahr 1938 zur Fertigstellung des Filteranlage im Pumpwerk Griedel 20 000 RM. Weitere Bohrungen nach neuen Quellen laufen jetzt schon einige Jahre und erforderten wieder einen Kostenaufwand von 30 000 RM. Der Wasserbedarf unserer Stadt ist nunmehr durch den Zulauf des. Wassers der bereits angeschlossenen Quellen sichergestellt. Das Pumpwerk Griedel verbleibt als Zuschußstation im Notfall. Im Jahre 1938 wurden viele Straßenverbesserungen vorgenommen. Die Ausgaben hierfür betrugen 15 000 RM. Ein der Stadt gehöriges, durch Kauf erworbenes Haus in der Schulstraße wurde mit einem Kostenaufwand von 16 000 RM. umgebaut und dient als vorläufige Jugendherberge. Im vergangenen Rechnungsjahr 1938 konnte die Tilgung der städtischen Schulden um weitere 108 000 RM. erfolgen und Rücklagen von 70 000 RM. ge* macht werden. Für das Jahr 1939 sind vorgesehen: Die zwingend notwendig gewordene Erweiterung des Friedhofes soll im laufenden Jahre in Angriff genommen und damit die alte Leichenhalle beseitigt werden. Eine neue Leichenhalle wird gebaut und zugleich das schon vielfach geplante Gefallenen-Ehrenmal errichtet. Die Kosten hierfür werden zum Teil aus bereits vorhandenen Rücklagen gedeckt werden können. Für Geländeerwerb sind 26 000 RM., für die Leichenhalle 14 000 RM. und für das Ehrenmal 17 000 RM. vorgesehen. Die im Bau befindliche Schweinemästerei des Ernährungshilfswerkes der NSV. geht allmählich ihrer Fertigstellung entgegen. Dis Kosten belaufen sich auf 16 000 RM. Da sich die Stadt durch Neubauten ftetig erweitert, ist neues Baugelände für Siedlungszwecke im Werte von 28 000 RM. erworben worden. Dabei sind gleichzeitig die Dersorgungsan« lagen mit Wasser, Licht, Kanal usw. mit zu schaffen. Für das geplante HJ.-Heim wird ein weiterer Betrag von 15 000 RM. und für die Wald pumpen ein Schlußbetrag von 28 000 RM. eingesetzt. Nach der Vermögenslage der Stadt ist der Wert des bebauten Grundbesitzes mit 612 000 RM., der Wert des unbebauten mit 14 000 RM. zu verzeichnen. Das Kapitalvermögen betrug Ende 1937 insgesamt 782 000 RM., Ende 1938 dagegen 827 000 RM.; die Kapitalschulden 747 000 RM. Durch die günstige Vermögenslage war es u. a. auch möglich, den Haushaltsvoranschlag für 1939 auszugleichen. Die Steuereinnahmen werden sich um rund 60 000 RM. erhöhen, wobei eine Erhöhung der Steuersätze nicht eingetreten ist. Der Haushalt für 1939 schließt insgesamt in Einnahmen und Ausgaben mit 1368 520 RM. ab, gegen 1209 907 RM. im Vorjahre. Mit einem Schuß in der Brust schwerverletzt aufgefunden. * Birklar (Kreis Gießen), 15. Aug. Heute gegen 5 Uhr fand man in einem hiesigen Hause, wo er sich für einige Tage zu Besuch aufhielt, einen 14 Jahre alten Jungen im Bette liegend mit einer Schußwunde unmittelbar unter dem Herzen schwerverletzt Lächeln um die bleichen Lippen zupft Holgerson verstohlen am Aermel. Aergerlich fährt der herum. „Wer wagt es denn... ach, Sie sind's, Blumberg! Zum Teufel, wie kommen Sie denn hierher?" Deutlich malen sich Ueberraschung, Aerger und auch Bestürzung im Gesicht des Sängers. Auf keinen Fall scheint er darauf gefaßt gewesen zu sein, diesem Mann hier zu begegnen. „Können Sie mich denn nicht in meiner Privatwohnung aufsuchen, wenn Sie etwas Wichtiges mit mir zu besprechen haben?" „Kann schon", lächelt Blumberg verlegen und sieht auf seine Stiefelspitzen nieder, oft geputzte, gar nicht sehr elegante Stiefelspitzen. „Aber haben Sie es nicht streng verboten? Wegen der Frau Ge- mablh:9 Und sonst, liebster, bester Holgerson, sind Sie doch nie zu sprechen für einen so armseligen Burschen wie Blumberg. Auf der Bühne, nach dem Theater, bei den Proben, auf Reisen, in Gesellschaft... immer sind Sie von den Menschen umgeben, die Ihnen Schmus sagen, weil sie sich von Ihnen etwas versprechen. Wo der kleine Blumberg wohnt, das wissen Sie immer nur, wenn... ja, wenn es eben fein muß. Sie sind ja wohl im Bilde." „Na, und was haben Sie jetzt?" „Nichts Unerwartetes. Nur die Abrechnung. Es ist ein bißchen viel geworden in den letzten Monaten. Miß Essie verursacht viele Spesen. Alle Damen, die beim Variete sind, verursachen zu hohe Spesen, Mister Holgerson." „Sparen Sie sich gefälligst Ihre Ratschläge. Miß Essie geht sie einen Dreck an! Kommen Sie, hier im Nebenzimmer sind wir ungestört." Er stößt den ungebetenen Gast in das Nebenzimmer. Holgerson weiß ja Bescheid hier. Ohne zu zögern, findet er den Schalter für das Licht, und als der rotverhangene Leuchter aufflammt, bleibt Blumberg einen Augenblick vor Ueberraschung der Mund offen, so daß er außerordentlich töricht aussieht. Der Raum ist mit verschwenderischer Pracht aus- gestattet, gleicht auf ein Haar dem Schmollwinkel einer verwöhnten Frau. Getäfelte Wände, viele Kissen, niedrige Tische, gedämpftes Licht... Ein Grinsen geht über Blumbergs Gesicht. „Verstehe ...", nickt er lächelnd. „Hier finden ... die Privatkonferenzen statt. Ich hab nie geahnt. was die ,Greenhorn-Bar* für niedliche lieber- raschungen birgt!" Holgerson aber ist nicht geneigt, dem Besucher die Zwecke dieser lauschigen Räume klarzumachen, fon- dem ist erbost, daß ihn Blumberg hier aufgestöbert hat. „Schießen Sie los! Sie wollen Gekd, nicht wahr?" Besorgt schüttelt der den Kopf. „Wenn es nur das wäre! Ich bin doch kein Angsthase, Mister Holgerson, und einen Mann, dessen Frau drauf und dran ist, einige Millionen zu erben, drängt nur ein Narr. Nein, das ist es nicht! Aber... ich möchte mit Ihnen zu einer Art ... Generalabrechnung kommen. Sehen Sie, ich verlasse vielleicht in den nächsten Wochen England und reife nach Amerika. Mein Bruder hat drüben ein Geschäft, das mich braucht. Was meinen Sie von meinem Geld? Ich kriege es bis dahin doch nicht von Ihnen. Da habe ich eben kurzerhand meine Forderungen an eine Bank abgetreten... Die wird sie für mich verwalten und gut und sicher anlegen in schönen Papieren, bis ich zurückkomme. Können Sie das verstehen?" „Was geht mich das an? Ich bin an Ihren Familienangelegenheiten nicht im mindesten interessiert." „Schön. Sie sind nicht interessiert an meinen Sachen. Aber ich. Und was soll geschehen mit den Aktien, in die ich für Sie beinahe zehntausend Pfund gesteckt habe?" „Die lassen Sie gefälligst auf meine Kosten liegen!" „Ausgeschlossen. Die Bank übernimmt sie nur zum tatsächlichen Kurs. Sie wissen doch ganz genau, daß sie nicht viel wert sind. Ucbermorgen vielleicht überhaupt nichts mehr." „Warum haben Sie bloß nicht verkauft, als noch Zeit war? Seit acht Tagen liegt mir der Gedanke an diesen Reinfall im Magen." „Wie konnte ich ohne Ihren Aufttaa verkaufen? Ja, und nun werden Sie sich die Stube tapezieren lassen können mit Ihren Aktien! Habe ich nicht immer von den verdammten Kupferminen ab geraten, von denen keiner weiß, wo sie eigentlich liegen und was sie bringen?! Stimmt bas, Mister Holgerson?" (Fortsetzung folgt) SJzfpori Wirtschaft Zu- geteilt, Kälber lebhaft und ausverkauft. Nhein-Mainische Börse. rNitlagsbörse überwiegend leicht erhöht. Frankfurt a. M., 15. August. Im Gegensatz zu der vorbörslichen Annahme hatte die Börse am Aktienmarkt einen vorwiegend leicht befestigten Beginn, da kleine Kaufaufträge eingegan- gen waren. Zwar entwickelten sich die Kurse noch uneinheitlich, da verschiedentlich auch weitere mäßige Verkäufe erfolgten, überwiegend stellten sich jedoch bei den allerdings zunächst nur wenig notierten Papieren Erhöhungen um etwa 0,50—0,75 v. H. ein. IG. Farben gewann 0,65 v. Sy auf 147,90, Verein. Stahlwerke 0,90 v. Sy auf 97, Gesfürel 0,50 v. Sy auf 126, Reichs bank 0,40 v. Sy auf 179,75, Conti Gummi 0,75 auf 216,25 und Heidelberger Zement 0,25 auf 143. Leicht ermäßigt waren AG. für Verkehr auf 106 (106,50), Westdeutsche Kaufhof auf 94,75 (95) und Aschaffenburger Zellstoff auf 86,50 (87), außerdem nannte man Rheinstahl etwa 1 v. Sy niedriger mit 121,50, andererseits AEG. 1 v. Sy fester mit 111. Am Rentenmarkt war das Geschäft unverändert klein. Reichsbahn-DA. notierten unv. 122,75, Reichsaltbesitz gut behauptet mit 132,25, während kennung der neuen Weltrekordmarke dürfte nichts im Wege stehen, da der Versuch vorher angemeldet war. Universität Gießen bei den Studentenweltspielen in Wien vertreten. Bei den Studentenweltspielen in Wien, die am kommenden Wochenende beginnen, wird auch unsere Landes-Universität vertreten sein. An den Wettkämpfen nimmt Dr. Luh teil, der vor allem im Kugelstoßen eingesetzt' werden wird, außerdem ist auch noch Ruprecht Krausch (Gießen) aktiv beteiligt, der sein Können in der deutschen Basketballmannschaft zeigen wird. Für das große Basketballturnier, das rund 15 Nationen im Wettbewerb sieht, wird Gaufachwart M o hr (Gießen) als Schiedsrichter mitwirken. Dr. Luh in Greifswald erfolgreich. Bei den diesjährigen Hochschulmeisterschaften, die gegenwärtig in Greifswald ausgetragen werden, startete allein Dr. Luh für unsere Universität. Er zeigte sich des Vertrauens würdig, indem er mit der guten Weite von 14,52 Meter im Kugelstoßen den zweiten Platz belegte. Reichssieger wurde Olympiasieger Stöck (Universität Greifswald) mit der ausgezeichneten Leistung von 16,49 Meter, mit der er in Europa an erster Stelle steht. Dritter in,diesem Wettbewerb wurde Dr. G roß-Fengel s (Universität Marburg) mit 14,35 Meter. Da Dr. Luh sich technisch immer mehr verbessert, wird man vielleicht schon in Wien mit einer weiteren Steigerung seiner Leistung rechnen dürfen. Oie heimische Handball-Bezirksklasse für die Runde 1939/40. Eine Besprechung zwischen dem amtlichen Vertreter des Gauamtes und den einzelnen Staffelleitern nahm einen interessanten Verlauf. Neben Fragen allgemeiner Natur kam vor allen Dingen die zukünftige Gestaltung der Bezirksklasse und vornehmlich auch die Zusammensetzung der heimischen Staffel IV und V zur Sprache. Wie bereits er- Rundfunkprogramm Donnerstag, 17. August. 5 Uhr: Frühmusik. Gaumusikzug der NSDAP., GauOstpreußen. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Entrata in D-dur. Nachrichten. Betriebssport der DAF. 6.30: Frühkonzert. Es spielt die Kapelle Otto Fricke. 8.10: Gymnastik. 8.25: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 8.40: Froher Klang zur Werkpause. Das Feuer im Dorf. * L e i d h e ck e n (Kreis Büdingen), 15. August. In der letzten Nacht brach hier in dem Gehöft des Bauern Georg Gaffer ein Brand aus, dem trotz eifriger Löscharbeit der Feuerwehr die Scheune mit dem gesamten Heuvorrat und ein angrenzender Schuppen zum Opfer fielen. Die übrigen Gebäude des Gehöfts und der Viehbestand konnten gerettet werden. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt. Landkreis Gießen. = Steinbach, 15. August. Der O b st - und Gartenbauverein unternahm am Sonntag eine Fahrt nach Geisenheim über Wiesbaden, Rüdes- heim, wo auch das Nationaldenkmal besucht wurde. Die Fahrt, die unter Leitung des Vereinsführers Balthasar Jakob Haas ftcmb, und an der mehr als 80 Mitglieder und Freunde des Vereins teilnahmen, nahm einen guten Verlauf. In Geisenheim, dem Hauptziele der Fahrt, konnten die Teilnehmer durch die Besichtigungen und Darbietungen der Versuchsanstalt viel für ihren eigenen Obstbau lernen. I Lollar, 15. Aug. Der Anordnung von Partei und Staat entsprechend, erfolgte hier am Sonntag der Einsatz zur Erntehilfe. Um 8 Uhr fanden sich an der Bürgermeisterei Volksgenossen in sehr großer Zahl ein, wo sie dann den einzelnen Bauern zugeteilt wurden. Man konnte Volksgenossen jeden Alters und Standes sehen, die in echter Volksgemeinschaft ihre Kräfte in den Dienst der Bergung der Ernte stellten. So konnte dank der Hilfsbereitschaft aller bald das auf dem Felde stehende Getreide eingebracht werden. — Die hiesige Freiwillige Feuerwehr machte am Sonntag einen Familienausflug nach Bad Ems, der einen sehr schönen Verlauf nahm. Nach Besichtigung der dortigen Sehenswürdigkeiten kehrten die Teilnehmer am Abend in bester Stimmung wieder heim. Der Musikzug der Wehr, der an dem Ausflug nicht tell- nehmen konnte, da er am Nachmittag beschäftigt war, hatte sich in anerkennenswerter Weise geschlossen zur Erntehilfe zur Verfügung gestellt. -V/i Jahre Zuchthaus für einen falschen Kriminalbeamten. Lpd. D a r m st a d t, 15. Aug. Der 34jährige verheiratete F. K. aus Heppenheim a. d. B. hatte einer 42jährigen Witwe einen Brief geschrieben, der auf die Empfängerin einen amtlichen Eindruck machte, weshalb sie der Aufforderung zur Vorsprache und Untersuchung bei dem Absender nachkam. Dieser spielte die Rolle eines Kriminalbeamten und ließ sich gegen die Frau, die er abends nochmals in seinen Garten bestellt hatte, um ihr das Schreiben zurückzugeben und sie zu einem Schäferstündchen zu veranlassen, tätliche Beleidigungen zuschulden kommen. Wegen schwerer Urkundenfälschung, Amtsanmaßung und tätlicher Beleidigung verurteilte ihn das Schöffengericht zu IX-Jahren Zuchthaus unter Versagung mildernder Umstände angesichts der „hundsgemeinen Handlung". Einbruch in ein Zuwelengeschäst. 500 RM. Belohnung für Ergreifung des Täters. Lpd. Frankfurt a. M., 15. August. In der Nacht zum Dienstag wurde in einem Juwelen- geschäft auf der Kaiserstraße in der Nähe des Hauptbahnhofs ein verwegener Einbruchs- d i e b ft a h l ausgeführt. Der Täter hatte eine Wand durchgebrochen und in aller Ruhe die wertvollsten Auslagen gestohlen, wie Uhren, Armbänder, Broschen, Ketten usw. Eine genaue Aufstellung der gestohlenen Wertsachen kann zurzeit noch nicht gegeben werden. Die Arbeitsweise des Einbrechers läßt darauf schließen, daß er über gute Branck)e- kenntnisse verfügte. Der Schaden beläuft sich nach den inzwischen getroffenen Feststellungen auf über 10 000 RM. Gestohlen wurden in der Hauptsache Jahre 1940 zu übernehmen. Es hat noch mehr getan: Die Krönung der Olympischen Winterspiele wird zweifellos die Schi-Kundgebung in Klais fein. In einem großartigen Raum wird dies die schönste Ehrung für den Amateursport werden. 1200 Schiläufer, d i e die schön st e und volkstümlich st e der Wintersportarten vertreten, werden an dieser Kundgebung teilnehme n. Graf Baillet-Latour zollte in diesem Zusammenhang Dr. Diem besondere Anerkennung und schloß seine Ausführupgen mit etwa folgenden Worten: Ich verlasse Garmisch voll von Bewunderung für die außerordentliche Leitung, die hier von allen Seiten vollbracht wird. Bon den Leitern im Kurhaus Partenkirchen an- gefangen bis zu den Arbeitern, die mit der Zeit wettlaufen, um ihre gewaltige Arbeit bis zum Winter fertigzustellen — Garmisch-Partenkirchen leseelt nur eine Idee: Aus dem Zähere 1940 die chönste Kundgebung des olympischen Gedankens zu machen. Dr. Earl Diem in Helsinki. Richt gegen — sondern für die 53$. ... Dr. Carl Diem, der Generalsekretär der Fünften Olympischen Winterspiele, traf zusammen mit dem Reichsfachschaftsleiter für den Schilauf, Gustav R a e t h e r (Erfurt) und dem FJS.-Vorstandsmit- glied Guy Schmidt (München) am Dienstag in Helsinki ein, wo sie von Oberstleutnant Kari- ko s k a , dem Generalsekretär für die 12. Olympiade in Helsinki, und Taunio Aarre, dem Präsidenten des finnischen Schiverbandes, herzlich begrüßt wurden. Auf den anschließenden Besprechungen gab Taunio Aarre bekannt,' daß sich Finnlands Schiläufet in voller Ueberein st immung mit dem Vorgehen Deutschlands in der Frage des Sck)ilaufs auf Olympischen Spielen befänden und daß die gesamte finnische Sportöffentlichkeit der Teilnahme Finnlands in Garmisch-Partenkirchen zustimme. Man sei in Finnland allgemein der Ansicht, daß Deutschlands Antrag auf Einberufung eines außerordentlichen Schikongresses vollen Erfolg haben werde. Es sei im übrigen verfehlt, Finnland eine der FIS. feindliche Haltung vorzuwerfen. Deutschland habe 1200 Schiläufer aus aller Welt eingeladen, am „Tag des Schilaufs", dem 1. Februar 1940, in Garmisch-Partenkirchen mitzuwirken. Auch aus den entferntesten Winkeln der Erde würden die Freunde des weißen Sports ins Wer- dcnfelfer Land kommen und in ihrer Heimat dann wieder für den Schilauf werben. Die 1200 ausländischen Schiläufer würden auch noch nach den Winterspielen einige Tage Gäste Deutschlands sein und dann freie Reise bis zu einem deutschen Ostseehafen erhalten, so daß ihnen die beste Gelegenheit geboten wird, anschließend an die Winterspiele die Schimeiflerschaften in Oslo zu besuchen. Dies alles beweise, daß von einer feindseligen E i list e l l u n g gegenüber der FIS. keine Rede sein könne. Im Gegenteil, die Möglichkeit, die Deutschland den ausländischen Schiläufern gibt, spreche deutlich für die FIS. Aarre gab zum Schluß der Hoffnung Ausdruck, daß die V. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen genau so wie die vorangegangenen Spiele ein wirkliches sportliches Völkerfest des Friedens würden. Holländerin schwamm Weltrekord. Einen neuen Weltrekord im Brustschwimmen gab es am Montagabend im Rotterdamer Hallenbad durch die junge Holländerin Dora Heeselaars । über 100 Pard. Die Holländerin benötigte nur 1:15,6 Minuten; die alte Höchstleistung hielt die Ameri- • kanerin I. Dillard mit 1:16,6 Minuten. Der Aner- Neugliederung der Wirtschastsgruppe Bermittlergewerbe. NSG. Mit Anordnung vom 31. Juli 1939 hat der Reichswirtschaftsminister den Neuaufbau der Wirtschaftsgruppe Dermittlergewerbe verfügt. Die Wirtschaftsgruppe Vermittlergewerbe besteht nunmehr aus sechs Fachgruppen, von denen die Fachgruppen Handelsvertreter und Handelsmakler, Versicherungsvertreter und Versicherungsmakler, Versteigerer, in ihrem Bestand unverändert geblieben sind. Die Reichsfachgruppe Vertreter und Makler im Bausparwesen ist in der Fachgruppe Grundstücks- und Hypothekenmakler aufgegangen, die jetzt den Namen „Fachgruppe Makler, Verwalter und Vertreter im Grundstücks- und Bausparwesen" trägt. Neugebildet wurde die Fachgruppe Anzeigenvertreter, der alle natürlichen und juristischen Personen, die Haupt- oder nebenberuflich im Anzeigengewerbe eine Tätigkeit gemäß der Paragraphen 84 und 93 HGB. ausüben, angehören. Die bisherige Fach- Untergruppe Warenvertreter wurde zur selbständigen Fachgruppe ausgebaut. Gießener Schlachtviehmarkt. Zum gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 6 Ochsen, 1 Bulle, 26 Kühe, 22 Färsen, 88 Kälber und Bauern! Großdeutschland braucht zur Sicherung seiner Freiheit dringend eine Steigerung der Fetterzeu- gung. Steigert deshalb jetzt beträchtlich den Oel- fruchtanbau, ohne die Viehwirtschaft zu vernachlässigen. Die neuen erhöhten Oelsaatpreise sichern Euch die Wirtschaftlichkeit des Anbaues. 3eht ist es Zeit, Raps und Rübsen zu bestellen. Laßt Euch dabei vom Reichsnährstand beraten! 303 Schweine aufgetrieben. Preise: Ochsen 43 bis 45,5, Bullen 42, Kühe 21 bis 43,5, Färsen 35 bis 44,5, Kälber 30 bis 65 Rpf. je % Kilogramm Lebendgewicht. Für Schweine wurden je Kilogramm Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,22, bl (135 bis 149,5 kg) 1,20, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,18, c) (100 bis 119,5 kg) 1,10, d—f (unter 100 kg) 1,04, gl (fette Specksauen) 1,20, i (Altschneider) 1,18, g2 (andere Sauen) und h (Eber) 1,08 RM. Marktverkauf: Großvieh und Schweine auf. Der Junge, ein Waisenkind aus Frankfurt a. M„ der in Lich als Pflegling untergebracht war, mußte der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt werden. Es handelt sich bei der Wunde um einen glatten Durchschuß aus einem Kleinkalibergewehr. Wie der Junge an die Schußwaffe kommen konnte und auf welche Ursache seine Schußverletzung zurückzuführen ist, konnte in der Untersuchung'noch nicht festgestellt werden, da der Junge bis Dienstag abend noch nicht vernehmungsfähig war, Zeugen des Vorfalls aber nicht vorhanden sind. Die Untersuchung ist noch im Gange. 11000 RM.-Spende für die Blindenschule Friedberg. LPD. Darmstadt, 15.Aug. Wie der Reichsstatthalter in Hessen (Landesregierung) mitteilt, genehmigte er die Schenkung der Gg. Philipp Kopp II. Witwe in Reinheim für die Staatliche Blindenschule und Staatliche Gehörlosenschule in Friedberg im Werte von 11000 RM., ebenso eine letztwillige Zuwendung von etwa 30 000 RM. des gestorbenen Grafen Kuno von Hardenberg an den Familienverband der Grafen und Freiherrn von Hardenberg und eine letztwillige Zuwendung des gestorbenen Heinrich Rieth von 10 000 RM. für die katholische Kirchengemeinde St. Joseph. Eine Möbelfabrik niedergebrannt. * Friedberg, 15. Aug. In dem Kreisorte Klein-Karben brach in der letzten Nacht in der Möbelfabrik von Neurath ein Brand aus, der sich an den Waren- und Holzoorräten innerhalb kurzer Zeit zum Großfeuer entwickelte. Obwohl neben der Ortsfeuerwehr noch zwei andere Wehren eifrig an der Bekämpfung des Brandes arbeiteten, war es nicht zu verhindern, daß das Gebäude mit allen Vorräten und Betriebseinrichtungen von den Flammen vernichtet wurde. Der Brandschaden ist sehr hoch. Die polizeilichen Ermittlungen über die Brandursache sind noch im Gange. Dom Lastauto tödlich verletzt. * Friedberg, 15. Aug. Auf der Durchgangsstraße in O b e r - W ö l l st a d t wurde der 74 Jahre alte Wagnermeister Veith beim Ueberqueren der Fahrbahn von einem Lastauto u m - gefahren. Der bedauernswerte Mann wurde dabei so schwer verletzt, daß er bald nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus verstarb. Orchester des Reichssenders Königsberg. 9.30: Nur Koblenz-Trier: Nachrichten. 10: Schulfunk. Dolks- liedsingen. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. Das kleine Rundfunkorchester. 13: Nachrichten. 13.15: Italienische Musik. Das Unterhaltungsorchester der EJAR., Turin. 14: Nachrichten. 14.10: Georg Freundorfer und die Gloria-Gesangsgitarristen. 14.4o: Für unsere Kinder. Aus Hutzelweibleins Waldapotheke. Eine lustige Tiergeschichte für unsere Kinder! 16: Musik am Nachmittag. Das große Orchester des Reichssenders Hamburg. Einlage von 17 bis 17.15: Neues für den Bücherfreund. 18: Aus Arbeit und Beruf. 1. Aktuelle-Nachrichten. 2. Der neue Steuerbescheid. 18.30: Musik zum Feierabend. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 20.15: Unser singendes, klingendes Frankfurt. Das große Orchester des Reichssenders Frankfurt. 22: Nachrichten. 22.15: Sport in Kürze. 22.20: Unsere Kolonien. Wie lebt und arbeitet der Eingeborene Westafrikas? 22.35 bis 24: Volks- und Unterhaltungsmusik. Graf Vaillet-Latour in Garmisch-Partenkirchen. Am 14. und 15. August besuchte Gras Baillet- Latour, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Garmisch-Partenkirchen. Graf Baillet-Latour nahm zunächst Kenntnis von den Plänen für die Anlagen zu den V. Olympischen Winterspielen, die von dem Leiter des Olyrn- pia-Bauamtes Bürgermeister Scheck erläutert wurden. Dann besichtigte der Präsident des IOC. die Kampfttätten, die zur Zeit umgebaut werden, und das für den „Tag des Schilaufes" ausgewählte Gelände bei Klais. Der Präsident des IOC. gab seiner Befriedigung über den Gang der Vorarbeiten Ausdruck. So erklärte Graf Baillet-Latour u. a.: Was mich am meisten beeindruckt, ist die Schnelligkeit, mit der die Vorbereitungsarbeiten für die V. Olympischen Winterspiele fortschreiten. Das Organisationskomitee hat bei den Behörden von Garmisch-Partenkirchen jede notwendige Unterstützung gesunden. Die Organisation von 1936 wird im Jahre 1940 noch übertroffen werden. Das Schistadion, der damalige Schauplatz der Eröffnung und Schlußfeier und der Schiwettbewerbe, wird vollkommen erneuert. Dauerhafte Einrichtungen haben die provisorischen ersetzt. 150 000 Zuschauer werden, umgeben von aller modernen Bequemlichkeit, die Feier der V. Olympischen Winterspiele erleben. Das Olympia-Kunsteisstadion wird verbreitert werden, und eine besondere Kunsteisfläche wird gebaut, so daß auch der Eisschnellauf vom Wetter unabhängig fein wird. Das Organisationskomitee hat also alle seine Versprechungen gehalten, die es in London gemacht hat, als man es bat, die Olympischen Winterspiele im wähnt wurde, gelang es, den Bestand zu sichern, so daß also der Kreis VIII auch im kommenden Spieljahr mit zwei Staffeln der Bezirksklasse mit am stärksten beteiligt ist. Nach dem Ergebnis der Besprechungen wird sich die Abwicklung der Spiele für die Folge wie folgt abwickeln: Staffel IV: 1. Mto. Gießen; 2. Luftwaffe Gießen; 3. Heuchelheim; 4. 1900 Gießen; 5. Holz, heim- 6. Diez; 7. MSV. Barbara Gießen. Staffel V: 1. Hörnsheim; 2. Lützellinden; 3. Garbenheim; 4. Katzenfurt; 5. Wetzlar; 6. Münchholzhausen. „ MSV. Barbara hat bis jetzt noch keine Meldung abgegeben. Es ist aber mit ziemlicher Sicherheit mit der Teilnahme zu rechnen, weil die zuständigen Stellen bereits zugesagt haben. Sorgen bereitet nur die Elf der Spieloereinigung 1900 Gießen, die sehr wahrscheinlich mit Mannschaftsschwierigkeiten zu rechnen haben wird. Alles in allem gesehen, die Spiele werden auch diesmal die notwendige Span- nung nicht vermissen lassen, zumal es sich fast aus- schließlich um gleichwertige Mannschaften handelt. Gespannt darf man sein, wie sich vor allem Diez anlassen wird, das den Betrieb neu ausgenommen hat. Kegelwettkampf Lollar-Launsbach. Am vergangenen Sonntag fand ein Kegelwett, kampf zwischen der Keglerabteilung des RBL. Lol. lar und dem Kegelklub „Gut Holz" Launsbach statt. Die Lollarer Mannschaft sicherte sich den Sieg. Das Endergebnis lautete 660 :563 Holz. Der Rückkampf soll an einem der nächsten Sonntage in Launsbach ausgetragen werden. Kurze Sportnotizen. Der Norweger Erling Kaas, ein Schüler von Charles Hoff, ist augenblicklich der beste Stab. Hochspringer Europas. Er schaffte jetzt in Oslo 4,16 m. Major Gardner (England) will demnächst wieder neue Rekordversuche unternehmen, diesmal mit einem 750-ccm-MG.-Wagen. Sein Ziel sind die Rekorde über Kilometer und Meile „fliegend", die von Kohlrausch mit 140,5 bzw. 140,7 km/st gehalten werden. Eine neue Auto-Renn st recke von 10 km Länge soll auf der dänischen Insel Fanoe erstehen. In den Kurven wird die Bahn eine Breite von 100 bis 150 m aufweisen, und Tribünen und Ränge sollen ein Fassungsvermögen für 150 000 Besucher erhalten. Unser W e l t r e k o r d l ä u f e r Rudolf S> a r bi g wird sich an den Rahmenkämpfen anläßlich des Leichtathletik-Länderkampfes Deutschland gegen Belgien am 26. und 27. August in Krefeld beteiligen. Der Dresdner wurde als Schlußmann der 4X800-M- Nationalstaffel eingesetzt. ausgelegten Stücke unterrichtet, wozu er längere Zeit gebraucht haben muß. Auch ist er möalicher- weise beim Betreten oder Verlassen des Hauses gesehen worden. Das Einbruchskornrnissanat der Kriminalpolizei bittet um Mitteilung von Wahrnehmungen. Für sachdienliche Angaben, die zur Ergreifung des Täters oder zur Herbeischaffung der gestohlenen Sachen führen, ist von der Kriminalpolizeileitstelle Frankfurt am Main eine Belohnung doix. 500 RM. ausgesetzt worden. Dekosama I 0,40 v. H. abbröckelten auf 136,90. Im telefonischen Freiverkehr hatten Steuergutscheine l bei 98,10—98,15 größeres Geschäft und Nachfrage. Liquidationspfandbriefe lagen zumeist 0,13 v. H. höher, Goldpfandbriefe und Stadtanleihen blieben unverändert, 4,50 v. Sy Darmstadt v. 26 jedoch 95,25 (95,50). Industrie-Obligationen lagen sehr still bei Abweichungen bis 0,25 v. Sy Im Freioer- kehr gaben Kommunal-Umschuldung auf 92,75 (92,90) nach. Im Verlaufe erhielt sich eine festere Grundten- denz, das Geschäft bewegte sich aber in denkbar engsten Grenzen. IG. Farben zogen noch 0,13 v. H. an auf 148. Die später notierten Papiere kamen zwar uneinheitlich, größtenteils aber leicht befestigt an. U.a. AEG. mit 111,25 (110), Deutsche Erdöl mit 118,75 (117,75), Klöckner mit 115,50 (114), Hoesch mit 105,75 (105,25), andererseits Felten 136,50 (137,65), Schuckert 170 (171), Deutscher Eisenhandel 137,25 (138,25), Adlerwerke 97 (97,50), Feldmühle 98,25 (98,90). Im Freiverkehr zogen Katz & Klumpp 1 v. Sy an auf 94—96. Tagesgeld unv. 2,50 o. H. Abendbörse gut behauptet. Trotz der ausgeprägten Geschäftsstille infolge der anhaltend geringen Kundschaftsbeteiligung behauptete die. Abendbörse die im Mittagsverkehr erzielten leichten Befestigungen und konnte darüber hinaus verschiedentlich noch geringe Erhöhungen erzielen. M^ist handelte es sich allerdings um nominelle Veränderungen, was auch für die vereinzelten Rückgänge zutrifft. Von den führenden Werten stellten sich IG.-Farben auf 147,75 (147,90), Mannesmann auf 103 (102,75), AEG. auf unv. 111,2-5, Rheinstahl auf unv. 122, .Verein. Stahl auf unv. 97,13. Lahmeyer und Demag zogen je 0,25 v.H. an auf 108 bezw. 138,75, während Buderus auf 94 (94,50), Adlerwerke auf 96,50 (97) und Deutsche Erdöl auf 118 (118,25), abbröckelten. Am Rentenmarkt hatten Reichsbahn-VA. zu 122,90 (122,75) verhältnismäßig größeren Umsatz; von Industrie« Anleihen gaben 4,50 v. Sy Mainkraft nach auf 93 (93,50) nach. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 15. Aug. Auftrieb: Kälber 850 (gegen 851 am 8. August), Härnrnel und Schaft 158 (225), Schweine 3367 (3552). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Kälber a) 62 bis 65 (62 bis 65), b) 55 bis 59 (55 bis 59 , c) 45 bis 50 (45 bis 50), d) 35 bis 40 (30 dis 40). Härnrnel bl) 46 bis 50 (49 bis 50), b2) 44 (4-? dis 44), c) 32 bis 39 (40 bis 42). Schafe a) 4U dis 42 (42), b) 35 bis 39 (34 bis 39), c) 24 bis (25 bis 32). Schweine a) 62 (62), bl) 61 (61)' b2) 60 (60), c) 56 (56), d) 53 (53), Sauen gl) » (61). Marktverlauf: Kälber und Schweine zugetem, Härnrnel und Schafe flott. $chweinemarkt in Schotten. c. Schotten, 16. Aug. Zu dem gestrigen hiek abgehaltenen Schweinemarkt waren 4uu Tiere aufgetrieben. Es kosteten 5 bis 6 Wochen an Ferkel 18 bis 20, 7 bis 9 Wochen alte Tiere za bis 28, 10 bis 13 Wochen alte Ferkel 30 bis Reichsmark. Für Läuferschweine wurden 40 bis 50 RM. bezahlt. Der Handel vollzog sich flott; es verblieb kein Ueberftand. Damen-Brillantringe mit Gold- und Platinschienen, schwere goldene Herren-Brillantringe, verschiedene goldene Halsketten und Armbänder, goldene Damen- Armbanduhren, sowie etwa 150 goldene Herren- und Damenringe. Auch eine Brillantbrosche ist dem Dieb in die Hände gefallen. Der bis jetzt noch unbekannte Täter hat sich zweifellos vor dem Einbruch vor dem Schaufenster des Juwelengeschäfts eingehend über den Wert der