Nr. 268 Erstes Blaff 189. Jahrgang» Mittwoch, 15. November 1939 Erlchemi tügltch, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im DUd • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen PostschecNonfo: Sranlfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche UniverfilSttdruckerei R. Lange in Sieben. Schristlettung und Geschäftsstelle: Schulftraße 7 Annahme von Anzeigen str die Mitfagsnummer vis8'/,Uhr des Vormittags Srunvpreife für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrist nach vorh. Dereinbg.25"/, mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf.,Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördlicheAnzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B England plani eine Blockade der Neutralen. Ltnierbindung der deutschen Einfuhr in neutrale Staaten bedeutet willkürlicher Zugriff auf legales Eigentum der Neutralen Berlin, 14. November. (DNB.) Der „Deutsche Dienst" schreibt: Das Londoner Wirtschaftsblatt „Financial News" hat in den letzten Tagen wieder mehrfach die Forderung erhoben, die.englische Blockade auch auf die deutschen Ausfuhren auf neutralen Schiffen auszudehnen. Die Zeitung kann aber ihr unsicheres Rechtsgefühl bei diesem Verlangen doch nicht ganz verbergen und schreibt daher selbst, daß sich eine derartige Blockadeerweiterung nur schwer bewert st eiligen lasse, wenn sie nicht als legal gerechtfertigt werden könnte. Diejenigen, die diese Ansicht nicht teilten, verträten die Auffassung, daß auf Grund der allgemein anerkannten Grundsätze des internationalen Rechtes nur die deutsche Einfuhr blockiert werden könnte. Gegen diese sehr zutreffende Auffassung der Rechtslage wendet der Lombard-Trade-Korrespon- dent des Blattes ein, daß das Recht einer Repressalie einen integrierenden Teil des internationalen Rechtes bilde und alle anderen Erwägungen ausschalte. Solange Deutschland in seiner U - Boot-Kriegführung nicht zwischen aus- oder heimfahrenden britischen oder neutralen Schiffen unterscheide, habe England das Recht, dagegen -in Form einer Repressalie vorzugehen und keinen Unterschied zwischen aus- und einfahrenden deutschen Schiffsladungen zu machen. Zu dieser Darstellung der „Financial News" ist vor allem zu bemerken, daß die aus Deutschlanü in neutrale Länder zur Ausfuhr gelangenden Güter mit dem Verlassen des deutschen Reichsgebietes bereits in das Eigentum des neutralen Käufers übergegangen sind und von diesem aus neutralen Ländern und auf neutralen Schiffen nach dem neutralen Bestimmungsort zum Versand gebracht werden. Eine Verwirklichung der in der „Financial Neids" erhobenen Forderung trifft also säst ausschließlich und in erster Linie 6 i e neutralen Staaten, denen England offenbar mit dieser weiteren Erschwerung ihres Handelsverkehrs ihre eigene Ein - und Ausfuhr vollends unterbinden will. Man wird deshalb in London bei den Beratungen über diese Pläne auch in Rechnung stellen müssen, ob 'ich die neutralen Länder, die für ihre Volkswirt- chaft und die Aufrechterhaltung ihrer wirtschaftlichen Existenz deutsche Waren benötigen, damit ab- -inbenwerden, daß legalesEigentum ihrer Bürger willkürlichen brittschen Zugriffen ausgesetzt wird. Man sollte sich in England auch weiterhin überlegen, daß es sich bei einer derartigen Ausfuhr aus Deutschland in keinerlei Hinsicht um Konterbande handelt, da die in neutrales Eigentum übergegangenen Waren weder direkt noch ndirekt zu einer militärischen Stärkung Deutsch- ands beitragen könnten. Und wenn schon be- 'ckimmte englische Kreise nach Angabe der „Finan- rial News" der Ansicht sind, daß nur bie beut- s ch e Einfuhr rechtmäßig blockiert werben Könnte, bann muß dies dahin berichtigt werden, daß Nach den internationalen Rechtsnormen sogar nur ge ro ijf e Teile der deutschen Einfuhr blockiert »erben könnten, nämlich hinunter ben Begriff ber : einen Kriegs-Konterbanbe fallende Warenelnfuhr. Obwohl die Begriffe des unbebing- i«en unb bedingten Banngutes im internationalen Necht feststehen und von einer weit überwiegenden Mehrheit der Staaten anerkannt sind, wie etwa Zon den ganzen amerikanischen Ländern auf ber Konferenz auf Panama, hält sich bekanntlich Eng- ianb hoch nicht an biese Normen, sonbern veracht die ganze deutsche Einfuhr, auch die von Lebensmitteln und Kleidung für bie Zivilbevölkerung, zu unterbinden. Allein aus diesem Grunde ist es schon völlig abwegig, daß ausgerechnet England das Recht zu Repressalien in Anspruch nehmen will. Ein solches liecht zur brutalen Willkür gibt es nur in ber i ritifchen Rechtspraxis seit Jahrhunberten, picht aber im allgemein anerkannten Völkerrecht. Es ist auch absolut unsinnig, der deutschen U-Boot- Lriegführung vorzuwerfen, daß sie keinen Unterschied zwischen einfahrenden »unb ausfahrenden bri- ! schen Schiffen mache, denn man hat bis jetzt noch r iemals gehört, daß die britische Kriegsmarine für leutfche Schiffe einen derartigen Unterschied macht. England weiß doch selbst ganz genau, baß alle Transport- unb Verkehrsmittel zum tnbebingten Banngut gehören und daß ts für bie prisenrechtliche Einziehung eines feindlichen Hanbelsschiffes belanglos ist, ob es Banngut cit Bord hat ober nicht. Die Behauptung, daß die lsutschen U-Boote auch bei ben neutralen Schiffen feinen Unterschied machten, ist eine britische Propa- coanbalüge. Die von England nach neutralen 1 ändern fahrenden neutralen Schiffe sind lis jetzt von den deutschen Seestreitkräften unbe- l e l l i g t geblieben. Dies schließt allerdings nicht Ide Möglichkeit aus, daß Deutschland seinerseits die lritische Ausfuhr auf neutralen Schiffen, z B. die Kohlentransporte nach Skandinavien, rnterbindet, falls England ohne Rücksicht auf tas Völkerrecht seine Absichten in bezug auf eine Verhinderung ber beutschen Ausfuhr auf neutralen Schiffen verwirklichen sollte. Man müßte in ben interessierten britischen Krei- s'.n mehr bie Ansichten bes früheren Finanzschrift- 1; iters des „Evening Stanbard" A. S. Wade beachten, ber in einer Zuschrift auf bie zuvor behanbelten Ausführungen ber „Financial News" betonte, daß eine derartige britische Maßnahme einer „Blockade der Neutralen" gleichkomme. Neue englische Neutrulitaisverletzung. Drei britische Flugzeuge landen in Belgien. B r ü f f e l, 15. Nov. (DNB.) Drei englische Flug, zeuge haben am Dienstagnachmittag belgisches Gebiet in der Nahe der belgisch-franzö- fischen Küste überflogen. Liner der drei Apparate ist in Loxyde auf belgischen Boden niedergegangen, ein zweiter in La Panne, ebenfalls auf belgischem Boden, und der dritte in unmittelbarer Nähe der französischen Grenze, aber auch noch in Belgien. Die Piloten erklärten, sie hätten geglaubt, sich über Frankreich zu befinden. Britischer Handelsdampfer auf eine Mine gelaufen. Amsterdam, 15. Nov. (DNB.-Funkspruch.) Der 8000 Tonnen große britische Handelsdampfer „M a t r a" ist nach einer Meldung aus London auf eine Mine gelaufen unb schwer b e - schäbigt worben. Bei ber Explosioon würben zwei Mann getötet unb zwei verwundet. Die „Matra" war in Liverpool beheimatet. Der Kapitän, ber Lotse, 10 Offiziere unb 40 Laskaren (indische Matrosen) würben von einem Rettungsboot gerettet, bas dreimal zu bem Frachtdampfer fuhr. Andere Mitglieder der Besatzung, die das Rettungsboot des Dampfers benutzt hatten, wurden von einem Fangdampfer aufgenommen. „Deutsche Mooileule keine herzlosen Meder." Besatzung eines versenkten britischen Dampfers auf deutschem Ll-Boot. London, 15.Nov. (Luropapreß). Der englische Dampfer „Lr eh well" ist in der Nähe von Schottland von einem Unterseeboot versenkt worden. Don der aus zwölf IHann bestehenden Besatzung werden sechs vermihl. Die Be- sahungsmilglieder wurden von dem U-Boot ausgenommen, das sie sieben Stunden lang an Bord behielt, und dann einem Dampfer übergab, von dem sie am Nachmittag in Fleetwood an Land gesetzt wurden. Als der Kapitän des Schiffes das U-Boot verlieh, sagte ihm der deutsche Kommandant: „Sagen Sie den Herrn Churchill, deutsche U-Bootleute sind keine herzlosen Mörder." Ein anderer Mann der Besatzung erzählte: „Die U-Bootmänner laten alles, um es uns bequem zu machen. Sie gaben uns Kleidung, warme Decken und Branntwein. Während wir an Bord des 21- Bootes waren, sahen wir, wie der ,Lrehwelst versank." Britischer Dampfer im Geleitzug erfolgreich torpediert. Boston, 15. Nov.