Nr. 88 Erster vlatt 189. Jahrgang Samstag, 15./Sonntag, w. April 1939 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Bezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr . . , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Liehen Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck UN- Verlag: vrühlsche Univerfitäts-ruckerei L. Lange in Sietzen. 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Danach ist also Roosevelt der Brennpunkt der Kriegshetze, Chamberlain sein willenloses Ausführungsorgan und Dala- dier wieder abhängig von Chamberlains Direktiven, und von diesen beiden Staatsmännern sind wieder die polnischen und sonstigen Politiker abhängig, die sich an der Einkreisung mehr oder weniger willenlos beteiligen. Diese Kette von Abhängigkeiten liegt in der Hand eines Mannes, der zum dritten Male den Präsidentenstuhl der USA. besteigen möchte und nichts anderes weiß, als die Sünden seiner Mißregierung durch einen Weltkrieg zugunsten der amerikanischen Plutokratie zu vertuschen. Immerhin geht es nicht ohne scharfen Widerstand ab. Der Präsident hat vor allem aus Kreisen, die seine plutokratische Mißwirtschaft erkannt haben, eine Opposition gefunden, die jetzt bei den Kämpfen um das Neutralitätsgesetz im Kongreß und Senat kein Blatt vox den Mund nimmt. Die Farmer sitzen auf ihren Baumwolle- und Weizenbergen und verelenden, die amerikanische Arbeitslosigkeit ist heute um rund ein Drittel größer als bei Roosevelts Amtsantritt, der Gegensatz zwischen Millionären und Habenichtsen ist drüben so kraß geworden, daß selbst ein Leiter dos städtischen Fürsorgeausschusses, Edward C o r s i, eine Statistik veröffentlichte, wonach 7 0 v. H. aller amerikanischen Familien sich in wirtschaftlicher Notlage befinden. Statt dieses furchtbare Elend zu bekämpfen, schreit Roosevelt im Auftrage einer kleinen jüdischen Kapitalistengruppe nach einem neuen Weltkrieg, und der amerikanische Landwirtschoftsminister Wallace, der den Schiffbruch seiner Farmerpolitik zugeben mußte, macht dafür ausgerechnet Deutschland und Italien verantwortlich! Das ist den Farmern zu bunt geworden. Sie haben durch ihre Sprecher im Kongreß und Senat, durch Denden'oerg und George, durch Borah und andere, erklären lassen, sie hätten durchaus keine Lust, um dieses Roosevelt halber ihre Söhne auf fremdem Boden verbluten zu lassen. Andere Prominente haben sich dem angeschlossen und Roosevelt geradezu als den Kriegstreiber gebrand- markt, so daß der Senator Bridges sogar eine Entschließung im Senat einbrachte, die verlangt, daß dem Präsidenten ein Maulkorb angelegt werden solle. Kein Wunder, daß der bekannte amerikanische Jurist Malone fordert, Roosevelt solle u n - ter Anklage mit dem Ziel der Amtsenthebung gestellt werden, wenn er seine Politik der Kriegsgefahr fortsetze. Roosevelts Kampf für den Weltkrieg ist also ein Kampf um sein Amt geworden. Gegenüber seinen und seines Staatssekretärs Phrasen über die Notwendigkeit einer Quarantäne für die autoritären Staaten sowie seiner Nachplapperer im Chamberlainkreis empfiehlt sich die Lektüre eines Aufsatzes des englischen Reverend Inge im „Eveninq Standard". Inge betont, daß gerade Hitler den Frieden aufrecht erholten wolle und das Grauen eines Weltkrieges verhindert habe. Die anderen aber ... englischen und französischen Goldanlagen und andere Guthaben in den Bereinigten Staaten weit höher und gibt 11,5 bis 14 Milliarden Dollar an. Nach Abzug der laufenden Verpflichtungen würden die Netto-Finanzquellen beider Länder noch zwischen 9,5 und 12,5 Milliarden Dollar betragen. Diese Summen würden genügen, um die englischen und französischen Käufe von Kriegsmaterial für eine mindestens zweijährige Kriegsdauer sicherzustellen. Arm in Arm mit der Sowjetunion London, 15. April. (Europapreß.) Die Londo- nerSamstagmorgenpresse widinet dem Meinungsaustausch zwischen dem englischen Außenminister Halifax und dem sowjetrussischen Botschafter M a i s k i, sowie der bevorstehenden Zusammenkunft des englischen Botschafters in Moskau mit dem sow- jetrussischen Außenkommissor Litwinow-Finkelstein starke Beachtung. „Daily Telegraph" will wissen, daß die Fühlungnahme zwischen England und Sowjetrußland vornehmlich dem Zweck diene, bereits bestehende Militärabkommen zwischen England, Frankreich und der Sowjetunion nach Möglichkeit noch zu vertiefen, besonders in Richtung auf eine „Zusammenarbeit" der Luftwaffen dieser drei Staaten. Die „Times" stellt fest, daß der Wert der Sowjetunion als Faktor der englischen Politik bisher doch sehr zweifelhaft gewesen wäre und es den Anschein habe, als ob auch heute noch die Politik in Moskau sehr abwartend sei. Von Interesse ist die Feststellung des Blattes, daß die unerbetenen Garantien an Rumänien, Griechenland und auch Polen bisher vor allem .nur Sow - jetrußland zum Vorteil gereicht seien, da nun die Grenzen der beiden im Westen Sowjetrußlands gelegenen Staaten Polen und Rumänien durch England und Frankreich endgültig garantiert worden seien. Englische Methoden. In nicht mehr als einer Woche hat Italien in Albanien konsolidierte Verhältnisse geschaffen. Die italienischen Truppen, die das Land in feiner gan» zen Ausdehnung besetzt haben, haben nach der schnellen Flucht des durch seine verschwenderische, nur auf die eigene Tasche bedachte Mißwirtschaft bei allen ordnungsliebenden Albanern verhaßten Königs Zogu keinerlei ernsthaften Widerstand gefunden, ja sie sind von weiten Bevölkerungskreisen als Befreier von unerträglicher Willkürherrschaft begrübt worden. Die kulturelle Pionierarbeit, die Italien schon mehr als ein Jahrzehnt hindurch im Lande geleistet hat, war der beste Schrittmacher für das Verlangen Italiens, das tatsächliche Schutzverhältnis, in dem Albanien zu Italien bisher schon stand, nun auch in aller Form begründet zu sehen. Eine in Tirana aus allen Provinzen des Landes zusammengetretene verfassunggebende Nationalversammlung hat dem italienischen Herrscher die Krone Albaniens angeboten und der Faschistische Großrat hat dieser engsten Verknüpfung jahrhundertealter Freundschaftsbande beider Völker freudig zugestimmt. Aeußerungen der italienischen Presse ist zu entnehmen, daß Albanien auch unter der Personalunion mit Italien ein souveräner Staat bleibt mit einer eigenen Regierung, die indessen nach faschistischem Muster autoritär gestaltet werden wird, da ein solches Regime die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung des Landes unter stabilen politischen Verhältnissen am besten gewährleistet. So wird bei der Knonungsfeier in Rom auf Anordnung des Duce neben der italienischen Trikolore Albaniens Flagge, der schwarze doppelköpfige Adler auf rotem Grund, wehen als Zeichen des neuen Verhältnisses zweier souveräner, aber durch die Person des Herrschers eng verbundener Völker. Die mm also auch verfassungsrechtlich begründete italienisch- albanische Schicksalsgemeinschaft wird dem albanischen Volk unter dem starken Schutz der Großmacht Italien jenes Eigenleben sichern, auf das es dank feiner alten und stolzen Geschichte ein wohlbegründetes Anrecht hat. Der Faschistische Großrat hat in Auf den Spuren Chamberlains. lleberflüssige Garantieversprechen. Anmaßende Einmischung in europäische Angelegenheiten. Washington, 14. April. (DNB.) Roosevelt hielt anläßlich des Panarnerika-Tages eine Rundfunkansprache, in der er erneut den anmaßenden Anspruch der Vereinigten Staaten auf Mitbestimmung in europäischen Angelegenheit en erhob. In böswilliger Unkenntnis europäischer Verhältnisse und ohne das geringste Verständnis für die gewaltigen geschichtlichen Umwälzungen, die in mehreren Ländern des alten Kontinents eine neue Blüte nicht zuletzt auf wirtschaftlicher Grundlage hervorgerufen haben, spricht Roosevelt dann von „Methoden", wie die Hunnen und Vandalen sie vor 1500 Jahren an gewendet hätten. Dabei meinte der Präsident allerdings nicht die Gangster- und Korruptionsmethoden in den Vereinigten Staaten, die nachgerade zum Himmel stinken und der besonderen Aufmerksamkeit des Staatsoberhauptes wohl wert wären. Amerika habe Anteil am Weltgeschehen und verlange daher, daß seine Interessen .(sprich Geschäfte) nicht geschädigt würden. Im übrigen Teil seiner Rede wandelte Roosevelt unverkennbar auf den Spuren Chamberlains, indem er im übrigen amerikanische „Garantien" anbot, um die ihn diese Länder, die bekanntlich fast alle schon die schlechtesten Erfahrungen mit der unerbetenen nordamerikanischen Einmischung in ihre Verhältnisse gemacht haben, in keiner Weise ersucht haben. Sollte em Angriff in Gestalt wirtschaftlichen Druckes auf irgendeinen amerikanischen Staat erfolgen, so ver- pslichte er sich, erklärte Roosevelt, „daß die Vereinigten Staaten dem bedrohten Staat wirtschaftlich zu Hilfe kommen werden, da kein amerikanischer Staat auch nur einen Bruchteil seiner souveränen Freiheit aus wirtschaftlichen Erwägungen aufzugeben brauche". Dies sagt das Statsoberhaupt eines Londes, das es im Laufe feiner Geschichte immer wieder verstanden hat, kleinere Staaten mit den brutalsten Druckmitteln wirtschaftlich zu versklaven. Roosevelt sagt, er habe Kanda Waffen- hilfe gegen einen Angriff versprochen. Es ist aber noch keineswegs vergessen, daß es die Vereinigten Staaten waren, die Annektierungsgelüste auf Kanada hotten. Roosevelt verspricht in theatralischer Form allen amerikanischen Staaten den Wirtschaftsschutz der USA Was das bedeutet, dürften die lateinamerikanischen Völker wohl am besten selber wissen, die sich herzlich dafür bedanken, unter die brutale Gewaltherrschaft der Finanzjuden von Neuyork zu kommen. , v < Der Hinweis auf die Methoden der Hunnen und Vandalen zur Erreichung von Schicksalsaufgaben ist- eine besonders unverschämte Rüpelei, die aus ihren Urheber zurückfallen muß. Was würden die Amerikaner beispielsweise sagen, wenn auch wir in der Geschichte des amerikanischen Staates nachforfchen und die Behandlung ans Tageslicht bringen wurden, die die Amerikaner seinerzeit den Indianern zuteil werden ließen. Davon wissen die Indianer — soweit sie Überhaupt einer Aeußerung ,ah,q sind — sehr viel zu erzählen, und auch ine Archive des Staatsdepartements dürsten darüber manches interessante Dokument enthalten. Roosevelt fach. die Menschen seien nicht Gesan- qene des Schicksals, sondern nur Sefa Hfl en ihres eigenen Willens. Das laßt sich ehr wohl auf Herrn Roosevelt beziehen. Es. besteht keine Notwendi-ikeit dafür, daß das amerlkamfche Volk in einen Krieg gegen uns mit ollerlci teuf- lifchen Agitationskün-ften hineingehetzt wird. Roose- velt möchte bereits den „heiligen Kreuzzug" gegen das deutsche Volk eröffnen, bevor er erklärt ist. Daher müssen seine „Cookie-Pusher"- Diplomaten auch jetzt schon in voller Kriegsbemalung mit Gasmasken umherlaufen, um dem amerikanischen Volk mit Gewalt das Gruseln beizubringen. Wir begrüßen durchaus die gesunde Aeußerung des amerikanischen Kongreßmannes Osmera, der den Antrag stellte, daß im Kriegsfälle Herr Roosevelt mit seinen Ministern sowie die Generaldirektoren der amerikanischen Rüstungsindustrien in die vorderste Front gestellt werden. Wenn dieser Antrag angenommen wird, dann ist mit Sicherheit zu rechnen, daß auch Herr Roosevelt wesentlich friedlicher wird. Dies wünschen mir dem amerikanischen Volke von Herzen. Roosevelt hat keine Vollmacht. Amerikanische Stimmen gegen die Kriegsagitation des Weitzen Hauses. Washington, 15. April (DNB. Funkspruch). Unmittelbar nach der Rundfunkansprache Roosevelts melden sich auch schon in den Kreisen der amerikanischen Oeffentlichkeit Stimmen, die deutlich und unmißverständlich gegen den Präsidenten Stellung nehmen. Senator Reynold wendet sich vor allem gegen die Ausführungen Roosevelts, in denen dieser sich das Recht zur Mitbestimmung in den Angelegenheiten fremder Staaten anmaßt. Der Abgeordnete Hamilton Fish erklärt, die europäischen Völker sollten wissen, ehe es zu spät sei, daß Roosevelt nicht nur keine Vollmacht zu einer Kriegserklärung, sondern auch keine Macht dazu habe, die „Angreifer-Nationen" zu bestimmen oder sie durch wirtschaftliche Sanktionen oder Gewalt zu isolieren. Fish meint, daß nicht einmal ein Drittel d e s Bundeskongresses mit der „provozierenden und aufreizenden Agitation", die das Weiße Haus täglich betreibe, einverstanden fei. Amerikas Hochfinanz plant das Knegsgeschäff. Womit England und Frankreich ihre Rüstungskäufc in USA. bezahlen sollen. Neuyork, 14. April. (DNB.) „New York Times" verichtet von einem Plan, der von Finanzminister Morgenthau und anderen leitenden Regierungsbeamten gutgeheißen wurde. Dieser Plan soll offenbar den Zweck verfolgen, unter Umgehung des Johnson-Gesetzes, das amerikanische Anleihen an Kriegsschuldner verbietet, die englischen und französischen Kriegskassen aus Mitteln der Bundesregierung um mehrere Milliarden Dollar zu verstärken. Der Vater dieses Planes ist der jüdische Wall-Street-Bankier Wassermann. Unter dem Vorwand, den amerikanischen Effektenmarkt im Kriegsfälle zu „stabilisieren und vor Erschütterungen und Schwankungen zu bewahren", sollen sämtliche britischen und französischen Anlagen auf dem amerikanischen Effektenmarkt aufgekauft werden. Die Höhe dieser Anlagen wird auf zwei bis vier Milliarden Dollar geschätzt. Zur Uebernahme dieser Werte ist die Gründung einer Gesellschaft vorgesehen, an der sich alle Trusts, Versicherungsgesellschaften und Banken sowie die Regierung beteiligen sollen. ,/The Annalist" schätzt die Frankreichs Pläne. Sie Türkei soll mit dem Sandschak Alexandrette geködert werden. E. F. Paris, 15. April. Die Erklärungen Daladiers und Chamberlains haben offenbar nicht vermocht, der öffentlichen Meinung in Frankreich die Ruhe und Festigkeit wieder- derzugeben, die man anderen, angeblich von der Achse Berlin—Rom bedrohten Mächten mit diesen Erklärungen einhauchen wollte. Jedenfalls war die Pariser Börse, die sich wieder einmal als Stimmungsbarometer erwies, am Freitag von wilden Gerüchten über angeblich schon unmittelbar für das Wochenende bevorstehende neue „Unternehmungen" erfüllt. Diese Symptome stehen in einem sonderbaren Gegensatz zu der ruhigen Festigkeit, die in Deutschland und Italien zu beobachten ist und von der auch die hierhergelangenden Meldungen über die Vorbereitungen für die Feier des 50. Geburtstages des Führers Zeugnis ablegen. Man kann nicht verschweigen, daß diese Feierlichkeiten einen glanzvollen Verlauf nehmen werden und durch die Anwesenheit einer ganzen Anzahl führender Persönlichkeiten gerade aus den Ländern des europäischen Ostens und Südostens ausgezeichnet werden, die man jetzt so gern als bedroht hin stellt. Den französischen Journalisten fällt die Verantwortung für die zahlreichen logischen Widersprüche zu, in die sie sich bei der Begründung ihrer Stimmungsmache gegen Deutschland und Italien verwickeln. So hebt der halbamtliche „Temps" z. B. in seinem Leitartikel die Sätze Daladiers hervor, wonach die Politik der französischen Regierung ausschließlich im Schutze des französischen Imperiums bestehe. Man sieht aber nicht recht ein, was das mit den Verdächtigungen der Achse, so z. B. ihrer angeblichen Absichten gegenüber Griechenland und Rumänien zu tun hat. — Aehnlich mußten, an der Börse sowohl als auch in den P resse komme n- taren, die Ankündigung deutscher Flottenmanöver an der spanischen Atlantikküste zu den wildesten Verdächtigungen gegen Deutschland her» halten, obwohl selbst ein englisches Blatt in der weiten Entfernung eines deutschen Flottenge- schwaders von den Heimathäfen eher ein b e • ruhigendes Symptom erblickt. Jetzt will man mit aller Gewalt die Sowjets als Bundesgenossen zum Schutze Rumäniens und der Türkei in den französisch-englischen Plan ein» schalten. Wenigstens soll, so sagt man jetzt beschwichtigend, Sowjetrußland Kriegsmaterial liefern und Flugzeuge zur Verfügung stellen. Diese zweifelhafte Bundesgenossenschast dürfte mit der Zeit den ganzen Plan von selbst auflösen; nur laufen die Franzosen selbst bei diesen uferlosen Plänen Gefahr, schon jetzt Opfer zu bringen, für die sie später niemand entschädigen wird. Es ist ein offenes Geheimnis, daß die Türken als Vorleistung für irgendwelche Bündnispläne die re st lose Abtretung des Sandschaks Alexandrette verlangen, der bis jetzt, wenigstens noch formell, einen Teil des syrischen Man» datsgebiets bildet. Frankreich hatte es bisher verstanden, die Inkraftsetzung des französisch-syrischen Unabhängigkeitsvertrages vom Herbst 1936 auf die lange Bank zu schieben. Die Inkraftsetzung dieses Vertrages soll jetzt ausgehandelt werden gegen die türkische Bereitschaft, sich den französisch-englischen Einkreisungsbestrebungen anzuschließen. Die Presse lanciert in vorsichtiger Weise diesen Kuhhandel, indem sie erklärt, es bestünden Aussichten dafür, ,Haß wenigstens ein Teil der türkischen Forderungen von Frankreich erfüllt" würden, es heißt sogar, daß die Türken die völlige Selbständigkeit Syriens fordern. Möglicherweise wird Frankreich' auch dieses Opfer bringen. Skeptisches Echo in Rumänien. bk. Bukarest, 14. April. Die Kommentare der rumänischen Presse zu den Erklärungen Chamberlains über die unverlangte Garantie gegenüber Rumänien sind ebenso ausführlich wie offenherzig. Besonders zwei Blätter sind es, deren Aeußerungen und Beurteilungen es verdienen, einer breiteren Oeffentlichkeit bekannt zu werden. Das große rechtsstehende Blatt „Universal", das seinen Leitartikel unter der bezeichnenden Ueber- schrift „Einseitige Verpflichtungen" startet, erklärt zwar selbstzufrieden, Rumänien habe keinen Grund, einseitige Garantie-Verpflichtungen abzulehnen, aber der Tenor seines ganzen Kommentars läßt doch eindeutig erkennen, daß es diese englische Erklärung mehr als Bevormundung denn als Liebesdienst betrachtet. Vor allem aber ist es der „ C u r e n t u l ", der das volle Maß feiner beißenden Ironie über feinen so plötzlich auf der Bildfläche erschienenen englischen Schutzherrn ausgießt. Das Blatt stellt fest, daß in Rumänien die Mitbürger jüdischer Nationalität von der englischen Garantie zu Tränen gerührt seien. Die Juden stünden seit über tausend Jahren den militärischen Bündnissen fern, da sie nie Militärdienst geleistet hätten und sich höchstens als Heeresliefe« ranten betätigten. Die Begeisterung der Juden müsse aber als übertrieben bezeichnet werden, denn obwohl das Geld seit Montecuccoli eine große Rolle spiele, sei es doch nicht ausschließlich ausschlaggebend. Das wesentliche sei die Begeisterung und die Zahl der Soldaten. Gerade dies aber fehle beides England. Alle jene Staaten, die auf die militärische Hilfe Englands rechneten, konnten sehr traurige Erfahrungen sammeln. Die militärische Bürgschaft Englands werde erst dann wirksam sein, wenn England wieder die Kriegsmacht wie 1918 darstelle und die Wehrpflicht eingeführt habe. Bis dahin bleibt alles eine Hypothek auf die Zukunft, die für die Gegenwart völlig unwirksam ist. Ministerpräsident C a l i n e s c u erklärte der Presse, Rumänien verfolge mit Interesse und Sympathie jede Aktion, die geeignet sei, den Frieden zu stärken, von dem sein fruchtbares Gedeihen und die guten Beziehungen zu allen Staaten abhängen. Die Politik Rumäniens fei hinlänglich bekannt. Seine Regierung habe ihren Willen zu guter Verständigung geäußert und bemühe sich, die engen und nützlichen Wi rtschaftsbeziehunaen mit den Ländern, mit denen es ergänzende Interessen verbänden, zu entwickeln. Begeisterter Empfang Görings in Rom Ser Duce hieß den Seneralfeldmarschall auf dem Bahnhof willkommen. R. G. Rom, 14. April. Generalfeldmarschall Göring ist am Freitagabend zu einem zweitägigen offiziellen Besuch in R o m eingetroffen. Punkt acht Uhr lief der von Neapel kommende Sonderzug in der festlich mit Blumen und den Fahnen der beiden Länder geschmückten Halle des römischen Hauptbahnhofs ein. Zur Begrüßung des deutschen Gastes hatten sich Mussolini und die meisten Minister, unter ihnen Außenminister Graf Ciano, Dolkskulturminister A l f i e r i, der Generalsekretär der Faschistischen Partei, Minister S t a r a c e, und die drei Unterstaatssekretäre der Wehrministerien eingefunden. Unter den zahlreichen Offizieren bemerkte man den Luftmarschall und Gouverneur von Libyen, B a l b o , die Marschälle Graziani und Badoglio und den Kommandanten der Faschistischen Miliz, General Russo. Die Stadt Rom war durch ihren Gouverneur, Für st Colonna, vertreten. Außerdem waren der deutsche Botschafter von Mackensen mit dem gesamten Botschastspersonal und der ungarische Gesandte Baron D i l l a n i y zur Begrüßung Görings erschienen. Auf dem Bahnsteig hatten Abteilungen des italienischen Fliegerkorps sowie eine uniformierte Abordnung der Ortsgruppe Rom der NSDAP, unter Führung des Lanoesgruppenleiters von Italien, Pg. Ettel, Aufstellung genommen. Zunächst entstieg Generalfeldmarschall Göring, der über der Flieaeruniform das grüne Band des Mauritius- und Lazarus-Ordens trug, mit seiner Gemahlin den Zug und wurde vom Duce und den anwesenden Ministern herzlich begrüßt. Der Gattin des Generalfeldmarschalls wurde ein prächtiger Blumenstrauß überreicht. Unter den Klängen der deutschen Nationalhymnen schritt Generalseldmar- schall Göring die Front der Ehrenabteilungen ab. Dann begab er sich in Begleitung des Duce zum Bahnhofsvorplatz, wo er von einer großen Men- chenmenge mit stürmischem Jubel empfangen wurde. Der Generalfeldmarschall dankte 'der Menge mit erhobenem Marschallstab und bestieg dann mit Außenminister Craf Ciano einen Kraftwagen, der ihn durch die von begeisterten Mengen umsäumten Straßen Roms zur Repräsentationsvilla des Außenministeriums, der Billa Madama, brachte. Etwas später verließ Mussolini ebenfalls im Kraftwagen den Bahnhofsplatz, was der Menge Anlaß zu erneuten Begeisterungsstürmen gab. Vor einer Rede Graf Llanos. Heute Sitzung der Faschistischen Kammer. Rom, 14. April (Europapreß). Der M i n i st e r - r a t trat am Freitagvormittag unter dem Vorsitz Mussolinis zusammen. Sämtliche Minister waren anwesend. Der Ministerrat nahm von dem Beschluß des Großen Faschistenrats vom Donnerstag Kenntnis und billigte folgenden Gesetzentwurf: Artikel 1. Der König von Italien nimmt, da er die Krone von Albanien angenommen hat, für sich und seine Nachfolger den Titel „K ö n i g v o n Italien und von Albanien, Kaiser von A e t h i o p i e n" an. Artikel 2. Der König von Italien und Albanien, Kaiser vonAethiopien wird inAlbanien durch einen General st atthalter vertreten werden, der in Tirana residieren wird. Der italienische Außenminister Graf Ciano wird in der außerordentlichen Kammersitzung am Samstagmorgen zur Annahme des Gesetzentwurfes über die Personalunion mit Albanien über die Ereignisse der letzten Zeit sprechen und das Vorgehen Italiens in Albanien begründen. Der Kammersitzung wird auch die albanische Abordnung beiwohnen, die nach Rom kommt, um dem König und Kaiser die Königskrone Albaniens anzubieten. Sämtliche italienischen Sen- der werden am Samstag von 15 bis 15.50 Uhr die Sitzung der Kammer übertragen. seinem denkwürdigen Beschluß eindeutig zum Ausdruck gebracht, daß Italien entschlossen und in der Lage ist, „dem alten und tapferei albanischen Volk die Ordnung, die Achtung des religiösen Glaubens, den kulturellen Fortschritt und mit der Verteidigung der gemeinsamen Grenzen den Frieden zu garantieren". So bedeuten die Ostertage des Jahres 1939 für Albanien den Beginn einer neuen Aera, die das Land dem demoralisierenden Zwist ehrgeiziger Stammeshäuptlinge, die es als Beuteobjekt ihrer persönlichen Herrschgelüste betrachteten, ebenso endgültig entreißen wird, wie den politischen Intrigen der Mächte, die sich allzu lange daran gewöhnt hatten, es ohne Rücksicht auf das Wohl und Wehe des albanischen Volkes nach eigenem Belieben und ausschließlich in eigenem Interesse in ihre Rechnung einzusetzen. Wenn man im Hinblick hierauf in England van einer „Aenderung des Status quo“ spricht, so ist das nur insofern richtig, als Italien mit der Schaffung klarer Verhältnisse in Albanien endgültig einen Urheberherd beseitigt Hot, der lange Jahrzehnte hindurch als willenlose Figur auf dem Schachbrett eifersüchtiger Großmächte dem europäischen Frieden oft genug gefährlich zu werden drohte. Im übrigen aber kann von einer „Aenderung des Status quo“, wie man in England meint, keine Rede fein. Denn Italien ist ja nicht erst seit gestern und heute der tatsächliche Herr Albaniens, lediglich die Form der italienischen Vorherrschaft in Albanien ist geändert worden, nachdem sich die bisherige Art der Bindung durch Verträge mit einer von Italien eingesetzten und von Italien abhängigen Dynastie durch das kurzsichtige Verhalten Zogus als unzweckmäßig und gefährlich erwiesen hatte. Wie Albanien als Staat einst der Eifersucht der Balkanstaaten seine Existenz verdankte, so seine formale Unabhängigkeit der Eifersucht der um die Erhaltung des Gleichgewichts im Mittelmeer besorgten Großmächte. Aber wie sich im Weltkrieg niemand um diese Unabhängigkeit kümmerte, so wurde Albanien nach dem Kriege Objekt der vorwiegend auf das albanische Erdöl abzielenden wirtschaftlichen Interessen der Großmächte, obwohl bereits der in Zusammenhang mit den kolonialen Forderungen Italiens gegenüber Frankreich viel genannte Londoner Vertrag vom 26. April 1915 Italiens lebenswichtige Interessen in Albanien anerkannt hatte. Mit dem Erstarken der italienischen Großmacht im Zeichen des Faschismus suchte und fand Albanien nach langwierigen inneren Kämpfen, die von den Nachbarstaaten eifrig geschürt wurden, seine natürliche An- iehnung an Italien. Wie italienisches Kapital und italienische Ingenieure erst Albaniens Wirtschaft erschlossen haben, so bot Italien auch bereitwillig seine .Hilst zum Aufbau eigener Staatsfinanzen durch Errichtung einer Notenbank und eines Salz- und Tabakmonopols. Politisch kam diese enge Zusammenarbeit zum Ausdruck in dein Freundschaftsvertrag vom 27. November 1926, der ein Jahr später in ein Defensivbündnis verwandelt wurde. Wenn damals Italiens Politik der Durchdringung Albaniens noch im Zeichen des Kampfes mit Jugoslawien um die Vorherrschaft in der Adria gestanden hatte, so lag ein Jahrzehnt später der Abschluß des Vertrages vom 17. März 1936, der Albanien tatsächlich schon zu einem italienischen Protektorat machte, auf dem Wege zu einer Verständigung mit Jugoslawien, die durch den Freundschastsvertrag vom April 1937 gelang. Albanien war als ausschließlich italienische Interessensphäre als Konfliktstoff zwischen Italien und Jugoslawien ausgeschieden. Man hat deshalb jetzt in Belgrad auch die italienische Aktion in Albanien, von der Jugoslawien durch die italienische Regierung unterrichtet worden war, mit aller Rühe verfolgt, zur bitteren Enttäuschung der Engländer und Franzosen, die von Jugoslawien her am ersten energischen Widerstand gegen die italienische Besetzung Albaniens erwartet hatten. Italien hat auch dem anderen Nachbarn Albaniens, Griechenland, die ausdrückliche Versicherung gegeben, daß die italienische Aktion sich streng in den Gebietsgrenzen Albaniens halten werde und Italien die Unabhängigkeit und Unversehrtheit Griechenlands als wesentlichen Faktor seiner Mittelmeerpolitik betrachte. In der gleichen Richtung lag ja auch der Schritt des italienischen Geschäftsträgers in London, der darauf hinwies, daß die griechische Insel Korfu, die dicht an die albanische Küste heranreicht, „ein vitaler strategischer Punkt für Italien" sei, dessen Besetzung Italien keinem anderen als Griechenland gestatten könne. Italien hat also seine Aktion nach allen Seiten hin streng abgegrenzt und keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie nichts anderes beabsichtigt, als einem schon seit Jahrzehnten bestehenden und von den übrigen Mächten in einer Reihe von Verträgen und Uebereinkornmen anerkanntem tatsächlichen Zustand eine endgültige staatsrechtliche Form zu geben. Um so lächerlicher mußte es auf jeden unbefangenen Beobachter wirken, wenn als Reaktion auf den Schritt Italiens sich in der Presse der westlichen Demokratien ein Sturm der Entrüstung erhob und die Regierungen Frankreichs und Englands ihre diplomatische Tätigkeit verdoppeln, um aus diesem neuen Moment für ihre bereits nach den Tagen von München eingeleitete und nach dem deutschen Einmarsch in Böhmen und Mähren energisch voran- gettiebene Einkreisungspolitik gegen die autoritären Mächte Kapital zu schlagen. Nach bewährter Methode wird als Begründung für diese Politik der Bünd- nisse die allgemeine Unruhe vorgeschützt, die angeblich die autoritären Staaten mit ihren sich streng auf ihren natürlichen Lebensraum beschränkenden Aktionen verursacht haben, die in Wahrheit aber von einer von Neid und Mißgunst erfüllten Presse in Paris und London in geschicktem Zusammenspiel mit den Regierungen Frankreichs und Englands künstlich entfacht wurde, um die aufgeregte Stimmung zu schaffen, in der erfahrungsgemäß dis verbrecherische Arbeit der Kriegshetzer am besten gedeiht. England hat, wie seit langem schon, auch diesmal wieder die Führung. Der englische Pre- mierminifter, von dem man behauptet hat, daß er im Kabinett bislang auf seinen Außenminister mäßigend eingewirkt habe, ist nunmehr ganz den Argumenten der Opposition verfallen. Seine letzte Rede im Unterhaus zeigte keine Spur von Verständnis für die Lebensinteressen Italiens im Mittelmeer, an deren Spitze von jeher die Sicherung des Zugangs zur Adria stand. Chamberlains Ausführungen waren ausschließlich darauf abgestellt, der nackten Machtpolittk Englands das moralische Mäntelchen umzuhängen. Aber es ist zu fadenscheinig, um nicht darunter den krassen Egoismus Englands zu sehen, das aus der Aktion Italiens in Albanien eine Bedrohung der' Unabhängigkeit Griechenlands konstruiert, um diesem seine Hilfe aufdrängen zu können und sich eine politisch wie strategisch wich- tige neue Stellung gegen Italien im östlichen Mittelmeer zu schaffen. Das ist der Hintergrund der einseitigen Garantieverpflichtung, die Frankreich und England Griechenland gegenüber übernommen haben, ohne darum angegangen zu fein, denn dazu lag in Athen nach der förmlichen Versicherung Italiens, von der wir schon sprachen, keinerlei Grund vor. Aehnlich liegt es mit der Türkei, die ebenfalls erklärt hat, daß ihre Beziehungen zu Italien die denkbar besten feien, die aber trotzdem auserfehen worden ist, als besonderer Schützling unter die Fittiche Englands genommen zu werden. Die Garantieverpflichtung für Rumänien soll erst auf Drängen Frankreichs ausgesprochen worden sein. Auch sie ist in höchstem Maße deplaciert einem Staat gegenüber, der soeben durch den Abschluß eines so gut wie beispiellos umfassenden Wirtschaftsabkommens em- deutig feinen Willen bekundet hat, mit dem Groß- deutschen Reich, gegen dessen tückische Uebergriffe es angeblich geschützt werden muß, die besten und freundschaftlichsten Beziehungen zu pflegen. Es ist bezeichnend für die klare Erkenntnis der großen Gefahr, die in dieser Verstrickung in die demokratischen Bündnisnetze für die kleineren Mächte liegen, daß weder Griechenland noch Rumänien aus ihrer passiven Rolle herausgetreten sind, die sie zwar die Garantieverpflichtung Englands und Frankreichs zur Kenntnis nehmen, ihrerseits aber keinerlei Verpflichtung eingehen ließ. Es blieb also bei einseitigen Garantien, wohingegen Polen analog seinem schon seit zwei Jahrzehnten bestehenden Bündnisvertrag nun auch einen gleichen gegenseitigen mit England schloß. Die völlige Skrupellosigkeit, mit der man in England zu Werk geht, um die Einkreisungspolitik gegen die autoritären Staaten ooranzutreiben, zeigt sich am krassesten in der Einstellung zu Moskau. Daß Chamberlain als erster britischer Premier einen Empfang des Sowjetbotschafters in London durch feine Anwesenheit ehrte, zeigte schon vor einiger Zeit den Stimmungswechsel im britischen Regierungslager. Nun ist unter dem Druck der probolsche- wistischen Opposition die Schwenkung vollzogen. Auch Chamberlain hat die letzten bourgeoisen Vorurteile entschlossen über Bord geworfen und erklärt, daß keine ideologischen Gegensätze England und Sowjetrußland trennten und die englische Regierung bei all ihren Entschlüssen in engster Verbindung mit Moskau stehe. Es ist nun ein Kuriosum, daß Englands Versuch, auf dem Wege über die Einkreisungs- politik den Bolschewismus als Todfeind jeder nationalen Gesellschaftsordnung, als Zerstörer jeder menschlichen Kultur und Träger der gegen den Dölkerfrieden gerichteten Weltrevolution nach seiner schweren Niederlage in Spanien wieder als maßgebliche Macht in die europäische Politik einzu- führen, gerade bei den Nationen auf den heftigsten Widerstand gestoßen ist, die sich England als seine besonderen Schützlinge ausgesucht hat und denen es, da Englands eigener Arm vielleicht nicht lang genug sein könnte, die besondere Unterstützung Sowjetrußlands zugedacht hatte. Aber weder Rumänien noch Polen wollen von einer Hilfe ihres östlichen Nachbarn etwas wissen. Beide haben ihn hinreichend kennen gelernt, um an seiner Uneigennützigkeit berechtigte Zweifel zu hegen. So haben sie Chamberlain bei seinem Sprung in das bolschewistische Lager allein gelassen. Das Derantwortungsbewußtsein für die gemeinsame Sache der europäischen Nationen ist in England auf den Nullpunkt gesunken, so viel davon auch in schönen Reden gesprochen werden mag. Das Bündnis mit dem Bolschewismus, zu dem sich Chamberlain vor dem Unterhaus so offenherzig bekannt hat, trennt die Geister. Fr. W. Lange. Unablässig enqlischeAoldverschickungen nach den !lGA. London, 15. April. (DNB. Funkspruch.) Die Panikmache und Kriegshetze, die seit langem in London betrieben wird, schlägt insofern den eigenen Herrn, alsimmermehr Gold ausden englischen Banken gezogen und nach Amerikaverschickt wird. Wie Daily Expreß meldet, ist England am Freitag allein Gold im Werte von 21 Millionen Pfund verlorengegangen. Auf der „Queen Mary" und „Präsident Roosevelt" wurden gestern 18 Mllionen Pfund Gold von Southamp- ton nach Amerika verfchickt, während drei Millionen Pfund auf dem Schiff „Scytarai" verladen wurden. Im Laufe der nächsten Wochen werden noch größere Goldverschickungen nach den USA. erfolgen. Auswirkungen der Londoner Hetzkampagne in Aegypten Kairo, 14. April. (DNB.) Das ägyptische Militär, das seit Wochen den Assuan-Stau- dämm bewacht, hat nunmehr auch bas große Delta-Schleusenwerk nördlich von Kairo besetzt. In Kairo fand gestern eine Erprobung der Sianalfirenen statt. Die Regierung erließ eine Verfügung, nach der die Goldausfuhr verboten wird. — Ministerpräsident Mohammed Mahmud empfing zu einer ein stündigen Aussprache den englischen Vize-Luftmarschall und Befehlshaber der englischen Luftwaffe im Nahen Osten. Aus Alexandria wird das Einlaufen von sechs englischen Kriegsschiffen gemeldet. Ein neuer palästina-plan. Kairo, 14. April. (DNB.) Nach der hier erscheinenden Zeitung „Mokkatam" spricht der neue englische Vorschlag zur Regelung der Verhältnisse in Palästina von einer Uebergangszeit von 10 Jahren. In den ersten fünf Jahren sollen jährlich 15 0 00 Juden nych Palästina einwandern dürfen, dann soll die Einwanderung aufhören. Nach zehn Jahren soll, „wenn alles gut geht", die Unabhängigkeit Palä- st i n a s proklamiert werden. Nach Abschluß des Vertrages sollen die politischen Gefangenen freigelassen werden und die Verbannten zurückkehren dürfen. In den ersten zwei Jahren, in denen die Verfassung ausgearbeitet wird, ist der Vorsitz der Regierung dem britisch en Oberkommissar vorbehalten und ein Drittel jüdischer Vertreter vorgesehen. Ferner soll jedem Ministerium ein englischer „Berater" beigeordnet werden. Nach zwei Jahren sollen dann die Lokalbehörden allmählich einheimischen Instanzen übertragen werden, so daß nach zehn Jahren die gesetzgebende und die ausführende Gewalt in der Hand der heimischen Bevölkerung sein soll. — Arabische Kreise beanstanden an diesem Vorschlag, daß sich die Engländer eine Verlängerung des Zeitraumes von zehn Jahren vorbehalten für den Fall, daß „nicht alles gut geht". Sie verlangen mindestens, daß das Urteil darüber, ob das der Fall ist, nicht England, sondern den Arabern zuge- standen wird. Srübjobrüreife eines deutschen Flottenverbandes in die spanischen Gewässer. Berl in, 14. April. (DNB.) Am 18.April wird ein Flottenoerband in Stärke von zwei Panzerschiffen, zwei Kreuzern, zwei Zerstörerdivisionen und drei U-Boot-Flottillen mit den dazugehörigen Begleit- und Troßschiffen zu einer etwa einmonatigen Auslands - Ausbildungsreise aus den Heimathäfen auslaufen. Während der Reise werden Häsen in Spanien, Portugal und Spanisch-Marokko sowie Tanger angelaufen werden. Mit dieser Frühjahrsreise in die spanischen Gewässer wird eine alte, durch den spanischen Bürgerkrieg unterbrochene Tradition der deutschen Kriegsmarine wieder ausgenommen. Or. Goebbels wieder in Berlin. Berlin, 14. April. (DNB.) Reichsminister Dr. Goebbels trat Freitag morgen seine Rückreise von Istanbul nach Berlin an. Alls dem Istanbuler Flughafen hatten sich zu seiner Verabschiedung die Istanbuler Behörden, der Generalkonsul Toepke sowie zahlreiche Angehörige der deutschen Kolonie eingefunden. Bei einer Zwischenlandung in Belgrad wurde Reichsminister Dr. Goebbels auf dem Flughafen von dem jugoslawischen Außenminister (Eincar Markowitsch, dem Kommandeur der jugoslawischen Luftwaffe General Janko- witsch, dem deutschen Gesandten von Heeren sowie von Vertretern der Landesgruppe Jugoslawien der NSDAP, empfangen. Reichsminister Dr. Goebbels unternahm mit Außenminister (Eincar Markowitsch eine Fahrt durch Belgrad. Nach einem kurzen geselligen Zusammensein trat Dr. Goebbels feinen Weiterflug nach Berlin an und landete um 17 Uhr auf dem Flughafen Tempelhof. Dr. Scheel an hie jungen Studenten. NSG. Reichsstudentenführer Dr. Scheel erläßt folgenden Aufruf an die jungen Studenten: In wenigen Wochen werdet ihr auf die Hohen Schulen kommen, um euer Studium zu beginnen. Ein an geschichtlichen Ereignissen beispielloses Jahr habt ihr als Waffenträger unseres Volkes in der Großdeutfchen Wehrmacht erlebt. Viele sind Zeugen der Heimkehr der Ostmark, der Sudetenlande, des Memellandes und der Einfügung von Böhmen und Mähren ins Deutsche Reich gewesen. In dem NSD.-Studentenbund werdet ihr neue und große Aufgaben finden, die eines jungen Deutschen würdig und seines Einsatzes wert sind. Die Mannschaft der nationalsozialistischen Studenten ist bereit, euch als Kameraden in ihre Kameradschaften aufzunehmen. Die Studentenführer wollen euch in allen Fragen des Studiums und des neuen Studentenlebens zur Seite stehen. Ich ordne daher an, daß sich jeder aus Schule, Arbeitsdienst und Wehrmacht entlassene Abiturient bei der Studentenführung der Hochschule, an der er studieren will, sofort schriftlich meldet. 3nfan^erteregimenf Großdeutschland. Grundsteinlegung für die neuen Gebäude des Berliner Wachregiments. Berlin, 14. April. (DNB.) Am Freitagmittag fand die feierliche ©runbfteinlegung für die neuen Gebäude des Wachregiments statt. Auf dem Kasernenhof war das Regiment im offenen Viereck angetreten. Ministerialdirektor Zieseniß vom Wehrmachtsverwaltungsamt stellte fest, daß es nur dem Einsatz aller beteiligten Stellen zu danken sei, wenn schon nach Jahresfrist die Planung so weit habe fortschreiten können, daß mit der Ausführung des ersten der vier Bauabschnitte begonnen werden könne. Oberbürgermeister und Stadtpräsident Dr. L i p p e r t versicherte, daß die RUHL Seilersweg Nr. 67 |Q adiO Telephon Nr. 3170 I eparaturen «<>,< W Stadtverwaltung stets bestrebt fein werde, dar militärische Element immer tiefer in Berlin zUl verankern. Der Kommandierende General des III. Armeekorps, General der Artillerie Haase, verlas darauf den Wortlaut der Urkunde und vollzog nach ihrer Einmauerung die Grundsteinlegung. Das Berliner Wack)regiment wird zum Herbst dieses Jahres als voll motorisiertes Infanterie-Regiment zu drei Bataillonen ausgebaut. Der Mannschaftsersatz für das Regiment wird aus dem ganzen Reich genommen und besteht aus besonders g e - eigneten Freiwilligen, die drei Jahre dienen. Die Freiwilligen werden bei Bewährung im dritten Dienstjahre zum Unteroffizier befördert und können dann als Berufssoldaten übernommen werden. Der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, hat dem Regiment im Hinblick auf feine besonderen Aufgaben für den Ehrendienst in der Reichshauptstadt den Namen Infanterie-Regiment Groß-Deutschland gegeben. Einzelheiten über Freiwilligenannahme und Einstellungsbedingungen werden rechtzeitig bekannt gegeben. Oie Gliederung der sudetendeutschen Gebiete. Berlin, 14. April. (DNB.) Im Reichsgesetzblatt wird das „Gesetz über die Gliederung der sudetendeutschen Gebiete" verkündet, in dem es u. a. heißt: Die mit dem Deutschen Reich wiedervereinigten fudetendeutschen Gebiete bilden den Reichsgau Sudetenland, in dem drei Regierungsbezirke mit dem Sitz der Regierungspräsidenten in Aussig, Eger und Troppau gebildet werden. Nicht in den Reichsgau sondern in das Land Preußen und in die Provinz Schlesien 'werden eingegliedert die ehemals preußischen Gemeinden des Hultfchiner Ländchens. In das ehemals österreichische Land Nieder- ö st e r r e i ch werden eingegliedert die an Niederösterreich angrenzenden Gebietsteile. In das ehemals österreichische Land Oberö st erreich werden eingegliedert die Gebietsteile westlich davon. In das Land Bayern und in den Regierungsbezirk Niederbayern-Oberpfalz werden eingegliedert die Gebietsteile nördlich davon. Oer Geburtstag des Führers in Prag Prag, 14. April. (Europapreß.) Die Regierung des Protektorats Böhmen und Mähren hat beschlossen, den Geburtstag des Führers als Schulfeiertag zu erklären. Sämtliche Staatsgebäude werden am 20. April flaggen. In Prag findet aus Anlaß des Geburtstages des Führers auf dem Wenzelsplatz eine Truppenparade statt. Abends findet im Prager Notionaltheoter eine Fe st Vorstellung statt, an der die Mitglieder der Protektoratsregierung teilnehmen werden. Oas Prager Czernin-Palais Sitz des Reichsprotektors. Prag, 14. April. (DNB.) Wie der Prager Zei- tungsbienft mitteilt, ist für das Amt des Reichsprotektors das Czernin-Palais, In dem sich das ehemalige tschecho-flowakische Außen- Ministerium befand, zur Verfügung gestellt worden. Das Czernin-Palais ist einer der größten Adelspaläste in Prag. Das Projekt zu dem Bau wurde von dem gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Prag lebenden Italiener Francesco Carratti ausgearbeitet. In den Jahren 1929 bis 1934 wurden an dem Gebäude umfangreiche (Erneuerungsarbeiten Dorgenommen. Neichshandwerkertag in Frankfurt o.M. Das Programm für den Reichshandwerkertag Frankfurt a. M sieht u. a. — nachdem er durch die Reichsausstellung der Handwerkerwettkampf- arbeiten und die Siegerehrung der Reichssieger durch Reichsorganisatonsleiter Dr. Ley am 19. Mai eröffnet wird — am Nachmittag des 19. Mai Fachtagungen des Bau- und Holzhandwerks, des- Metallhandwerks, des modeschaffenden Handwerks und des Nahrungsmittelhandwerks vor, auf denen Fragen des Vierjahres- planes behandelt werden. Die große Arbeitstagung findet am 20. Mai statt: die Führer des Handwerks. S e h n e r t und Schramm, sowie von Renteln werden sprechen. Nachmittags folgt die große Kulturtagung mit einer Rede Dr. Leys, während der Abend dem M a i c n f e ft gewidmet ist. Am 21. Mai wird t» der Hauptkundgebung neben Dr. Ley auch N«ühs«irt- schaftsminister Funk sprechen. Die Teilnehmerzahl ist auf 7000 beschränkt worden. Heben den Vertretern aus Ostmark, Sudetenland, Meine Hand werden auch Vertreter aus 20 verschieden«« Nationen erwartet, die im Anschluß an eine Sitzung der Internationalen Handwerkszentrale in Rom nach Frankfurt a. M. kommen werden. Hude qiment :',en Tao genau vollendet sein wird, um sich als ein 'ireftor wahrhaftes Geburtstagsgeschenk Berlins für den Führer präsentieren zu können. Die Rufe der Be> Aus aller Welt e. stelle teilt mit: Geschichten aus aller Welt Iber gab, daß die ganze Eheschließung also ein grober Schwindel war. Die Untersuchung ergab, daß iis Trinkt Kathreiner, den guten Kneipp-Mahkaffee / chsgeseh- ung der dem es mieten ►en den n drei ter Re- ’roppau sondern Provinz fernab rtWx\5. 67 70 Der Führer hat dem ehemaligen Fraktionsführer der SDP. und Führer der Deutschen Volksgruppe nach der Wiedervereinigung des Sudetenlandes mit dem Reich, Herrn Kundt, in Anerkennung seiner großen Verdienste das Goldene Ehrenzeichen der Partei verliehen. für das Reich 5 gewahre Ehrung fizier Soldaten hlshaber h'tsch, sonderen hshaupt- iment ten über ngungen Führers. Wie es nicht anders zu erwarten war, letzte sich bereits an den beiden Ostertagen ein froh »emeqter Menschenstrom in Bewegung, um den letz- ien Porbereitungen für die festliche Aussch rnük - ung der Ost-West-Achse beizuwohnen, die sich in schnurgerader Linie vom Berliner Stadtschloß über die „Linden", das Brandenburger Tor, durch )ien Tiergarten, an der Technischen Hochschule vor- vei, dann über das Charlottenburger „Knie", die Vismarckstraße und den Kaiserdamm bis zum Adolf- Fitler-Platz in Westend hinzieht. Immer wieder »urden Rufe der Bewunderung laut. Sie galten inmal der Tatsache, daß das gewaltige Bauwerk .>er Ost-West-Achse, vor 18 Monaten begonnen, duf nprog Regierung llähren hrers als e Staats- In Prag Führers parade eoter eine Glieder der rischungszelte, wie etwa das „Trompeterschlößchen", Ochsenbratereien und Bayernkapellen in großer Zahl und mannigfaltiger Buntheit! Berliner Herz, was willst du noch mehr? Vielleicht noch das berühmte Marionetten-Theater von Schicht!? Auch dieses wird auf der Treptower Festwiese sein Zelt aufschlagen; oder etwa den berühmten indischen Seiltrick? Auch dieses orientalische Wunder wirb sich zur Schau teilen. Wir kennen es aus den Reisebeschreibungen der Jndienfahrer: ein loses Seil wird in die Luft geworfen. Urplötzlich erstarrt es, so daß ein Mensch an ihm emporklettern kann. Indien in Treptow! Wie das mit dem Seil möglich ist? Run, man begebe sich nach Treptow, man enträtsele den Trick ober — lerne noch im 20. Jahrhundert das Gruseln. , ♦ Haben mir bisher alle geglaubt, daß der Mai der Wonnemonat sei, so mußten wir uns — wenigstens in Berlin — jetzt eines besseren belehren lassen. Es nützt da auch kein Köpseschütteln und kein Umdeuten! Unwiderleglich beweist die Zahl in ihrer nüchternen Exaktheit, daß in Berlin der Wonnemond nur der Monat — Oktober ist. Wer es nicht glauben will, blättere in dem soeben erschienenen Statistischen Jahrbuch der Stadt Berlin. Dort ist zu lesen, daß im letzten Berichtsjahr 4 5 7 6 8 Eheschließungen stattfanden, also 10,7 auf je 1000 Einwohner. Don diesen Eheschließungen fanden nun 5464 im Oktober statt, was einem Tausend- satz von 15 entspricht. Dann erst kommt der Monat Mai, dem der Dezember und der Juli als begehrteste Heiratsmonate folgen. Am schlechtesten ist es um den Monat Januar bestellt; in ihm heirateten nur 1974 Paare (gleich 5,5 je Tausend)? Auch der Februar, der November und der Juni bleiben unter dem Satz von 10,7 je Tausend. Welch em sett- Am Sonntag nimmt der Jugend sichrer des Deut- chen Reiches mit der Uebergabe der D r. - W i l - Helm-Frick-Jugendherberge in Fulda die Weihe der im letzten Baujahr fertiggestellten wei- teren 63 Jugendherbergen vor. imittan für die te, do, rlin z« ol des Berlin, 14. April 1939. Nun ist es also so weit! Nur noch wenige Tage rennen uns von dem 5 0. Geburtstag des Identifizierung geben, daß man darauf einen Schuldspruch hätte gründen können. Infolge eines Zufalls aber konnte einer der Portiers die erforderliche Feststellung treffen. Nach der Rückkehr von dem vollbrachten Einbruch hatte einer der Geldschrankknacker in der Halle des Hotels aus Versehen einen Blumentopf heruntergerissen, und es hatte einen erregten Wortwechsel über die Wiedergutmachung des Schadens zwischen dem Portier und dem Hotelgast gegeben. Der zornige Portier hatte sich das Gesicht des Verbrechers natürlich genau angesehen — und lieferte das so fehlende Glied der Beweiskette. Der Dieb liest den „Faust". AS. Riga. In der kleinen nordlivländischen Kreisstadt Wol- mar ereignete sich folgendes: Die Mutter des örtlichen Schullehrers hatte sich am Montag früh zum Markt begeben und ihr Haus allein gelassen. Als sie nach Ablauf einiger Stunden zurückkehrte, fand sie die Tür des Hauses verschlossen. Auf dem Sofa in einem der Zimmer saß ein fremder Mann, der ganz in die Lektüre des „Faust" vertieft war. Als "er die Hausfrau bemerkte, erklärte er ihr, daß er ein Freund ihrer Tochter fei und hier auf das Mädchen warte. Dennoch gab er bald vor, sich etwas in der Stadt umsehen zu wollen und verließ das Haus. Als die Tochter am Nachmittag zurückkehrte, mußte sie den Verlust ihres gesamten Schmuckes feststellen, der sich in ihrem Zimmer befunden hatte. Der Flieger stört die Golfspieler. Ndz. Kopenhagen. Die Polizei in Helsingör hat sich mit einer Anzeige : zu beschäftigen, die ein ganz neuartiges Delikt be- • handelt. Der Golfklub der Stadt beschwert sich dar- : über, daß seine Mitglieder planmäßig am Spiel ge- , hindert worden sind, und zwar „von oben herab" i durch einen Sportflieger. Gerade über dem grünen - Rasen des Golfplatzes übte ein Sportflieger feine ! Sturzflüge. Er brachte fein Flugzeug fo dicht über • die Köpfe der Spieler, daß diese entsetzt nach allen . Seiten auseinanderstoben. Sie drohten mit geballten i Fäusten nach oben, aber das regte den Flieger dazu : an, immer wieder durch Sturzflüge die Golfbeflisse- : nen nervös und auf diese Weise die Fortsetzung des nö Doll« Regung, herbst s 3n« Nieder- das ehe- ich wer- h davon, gierungs- geglietert die Aufgebotsfrist des Paares noch lief, und daß ein Antrag des Bräutigams, im Dispens von der Auf- gebotsftist zu gewähren, ab gelehnt worden war. Wahrscheinlich hat nun jemand ein Geschäft gewittert und dem Bräutigam erklärt, daß die Befreiung von einem bestimmten Betrag abhängig sei. Hinterher hat er sich aber vor den Folgen gefürchtet und chließlich den ganzen Schwindel in Szene gesetzt. Wäre nicht das Buch in der Wohnung zurückgeblieben, dann hätte das junge Ehepaar vielleicht er|t sehr viel später davon erfahren, daß es gar nicht verheiratet ist. Sa wird es nun den behördlichen Segen unmittelbar nad) der Hochzeitsreise erhalten. Der verräterische Blumentopf. Utellte stellen ist die 'aß mit Schnitte er. und die % Wer 'hfs 5oitnjt bet ,e - an Berlin, 14. April. (DNB.) Die Just izpr esse- Am 14. April 1939 ist der am 17. April 1911 geborene Heinz Lindemann hingerichtet worden, der vom Sondergericht in Königsberg am 20. März 1939 wegen Mordes zum Tode und dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden war. Heinz Linbe- Während sich solchermaßen die Reichshauptstadt jum 50. Geburtstag des Führers schmückt, ist man im Osten Berlins, in Treptow, am Werk, den Frühling mit einem großen Volksfest zu begrüben, das vorn 19. April bis zum 30. Mai Hun- terttaufente nach diesem schönen Fleck Berliner Erde > locken wird. Der Verein zur Erhaltung des hiftori- chen Fischzuges von Stralau veranstaltet dieses Volksfest in Gemeinsamkeit mit der Stadt Berlin. ICeber 1500 Arbeiter sind dabei, 30 000 Kubikmeter Aoden auszuschütten, um damit ein Fundament für len Aufbau der Fahrgeschäfte und Aussteller zu ichaffen, deren Zahl just ein Dierteltausend beträgt. Ilie Größe des Festplatzes dokumenttert sich außer in dieser Zahl der Schausteller auch in den 72 000 Quadratmeter, die zur Verfügung stehen. Wasser- lutschbahnen, Schlangenbahnen, Autorennbahnen (mit echten Benzin-Kraftwagen), Berg- und Tal- lahnen, Freischwebebahnen und geheimnisvolle £aruffefls wie die „Spinne" und die „Peitsche" wer- !en das Entzücken der Besucher bilden und von dem Mählichen Jauchzen der Jugend erfüllt sein. Dazu tibt es Würfelbuden, Aalstände, Glücksräder, Er- Berlin rüstet zur Geburtstagsfeier. Brief aus der Neichshauptstadt. rag« E C5 W5 sich i-5 ««ri£ 6tm ttoto 115 miM”" „sorb-ck« Schwierigkeiten. Wie aber, wenn man den ein geschlossen en Beamten nicht gehört hätte? Wenn vielleicht niemand mehr im Büro anwesend gewesen wäre? Wenn Wochenende gewesen wäre? Oder gar ein Fest mit zwei Feiertagen? Nicht auszudenken: inmitten des Goldes, der Banknatenberge und Wertpapiere wäre der brave Mann — wie einst der Wüftenwanderer — elendig verhungert und verdurstet! Oder erstickt, wie weiland König Midas an seinem Golde! Woraus sich wieder einmal die Wahrheit des Wortes ergibt: Geld allein macht nicht glücklich — man muß sich auch etwas dafür kaufen Mrk-lM t durch ♦t Rklch fwiiw' (, r ( 5 IArbeit5* ’ie an« Spiels unmöglich zu machen. — Nun wälzen die Herren von der Polizei die Gesetze und Verordnungen, um einen Paragraphen zu finden, mit dem man solche Spielverderber fassen kann. Der prophetische Traum. Ndz. London. Als Mr. Richard Owens in Wellingborough — so berichten englische Blätter, denen die Verantwortung für die Richtigkeit der Erzählung überlassen bleiben muß — eines Morgens aufwachte, teilte er seiner Frau einen furchtbaren Traum mit. Er sei auf der Straße überfahren und schwer verletzt wieder heimgebracht worden. Seine Frau bat ihn inständig, nicht, wie er es sonst stets tat, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Der Mann schlug die Warnung jeboch in den Wind. Eine Stunde später bereits wurde er tatsächlich mit schweren Kopfverletzungen nach Hause gebracht. Er war von einem Auto angefahren und zu Boden gerissen worden. — Soweit der Zeitungsbericht. Zufall oder wirklich ein Wahrtraum? Es wird ja immer wieder über derartige Träume berichtet, man darf aber anderseits nicht vergessen, daß unter den tausend Träumen und den aber tausend Vorfällen des Lebens zufällige Aehn- lichkeiten sehr leicht einmal eintreten können. Bom Finger zum Bein. Ndz. London. Daß Fremdkörper wie Nadeln und Metallstücke, die m den menschlichen Körper eingedrungen sind, zuweilen Wanderungen unternehmen und sich später an ganz anderen Stellen zeigen, ist eine bekannte medizinische Tatsache, die namentlich aus Verwundungen des Weltkrieges geläufig ist. Ein besonders krasser derartiger Fall ist jetzt in Cardiff entdeckt mortem Eine jetzt 80jährige Greisin hatte sich vor 40 Jahren in einer Wäscherei eine Verletzung dadurch zugezogen, daß sie eine Nadel in ihren' Finger bohrte und bann abbrach. Da bie Verletzung nur unbebeutenb erschien, hatte sie ba» mals feine ärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Jetzt litt die Greisin an heftigen Schmerzen im Bein, die einen ärztlichen Eingriff erforderlich machten. Bei dieser Gelegenheit wurde die etwa einen Zentimeter lange Nadelspitze entfernt, die inzwischen den ganzen Körper durchwandert hatte. Die schwindelhafte Trauung. Ndz. Rio de Janeiro. Eine kuriose Heiratsgeschichte hat sich in Rw de Janeiro zugetragen. Dort sollte tn einem Prwathaus hi ne Hochzeit stattfinden, und der gnetensn^ter er schien auch pünktlich, begleitet von seinem Schaber, i, großer Gala. Der Schreiber schwenkte eM n^siges £uÄug « auf unh legte, bann tarfrtlfernen s üllfederhalter zurecht. Das junge Paar trat ei , und nach Beendigung der Zeremonie erkläre der dichter die Brautleute im Namen des Gesetzes für erheiratet Das junge Paar begab sich foi°rt auf 'e Mackie tsreife Als der Brautvater vom Bahn- Lf wriirfPam fand er das dicke Buch des Schrei- Ndz. London. Jeder Kriminalbeamte und Richter weiß, daß auch der gerissenste Verbrecher leicht eine Kleinigkeit übersieht, die ihn später dem Arm der Justiz überhffert ober daß irgendein lächerlicher Zufall ihm zum Verhängnis wirb. Ein solcher — an sich völlig unbedeutender — Zufall, nämlich das versehentliche Zerbrechen eines Blumentopfs, hat es jetzt ermöglicht, die letzten Mitglieder einer der gefährlichsten Banden von Geldschrankknackern zu überfuhren, die England unsicher gemacht haben. Die meisten Mitglieder dieser Bande saßen bereits hinter Schloß und Riegel. Die restlichen drei Gauner aber setzten ihr Treiben trotz der Festnahme ihrer „Kollegen" fort. Schließlich aber gelang es Scotland Yard, die vorhandenen Spuren zu einer fast lückenlosen Beweiskette zusammenzuschließen, bei der nur ein einziges Glied fehlte. Man hatte mit Bestimmtheit feststellen können, baß die Verbrecher, die ben Safe eines Großunternehmens aufgesprengt hatten, in einem bestimmten Zimmer eines bekannten Hotels übernachtet hatten. Auch waren bereits drei Verdächtige verhaftet warben. Es fehlte nun das Mittelglied der Beweiskette: waren die drei Verhafteten in ber frag« Heben Nacht Gäste des großen Hotels gewesen? Da sich das Trio natürlich wenig gezeigt hatte, konnte von dem Hotel-Personal niemand eine so sichere Einstürzende IRauer begräbt spielende Kinder. Ein schweres Unglück, bei dem vier Kinder g e - tötet und sieben verletzt wurden, ereignete sich in Hannover-Linden. Dort stürzte eine 2Vt Meter hohe Mauer auf einer Länge von 22 Meter ein, fiel auf einen Bürgersteig, der wegen seiner ruhigen Derkehrslage als Kinderspielplatz beliebt war und begrub die spielenden Kinder. Die eingestürzte Mauer bildete einen Teil der Umfriedung einer früheren Fabrik. Man nimmt an, daß der Druck des an der Mauer ausgestellten Stab eisens so stark war, daß er den Zusammenbruch herbeiführte. Die verunglückten Kinder sind vier bis 13 Jahre alt. Vier Jungen wurden getötet, fünf weitere Jungen und zwei Mädchen zum Teil schwer verletzt. Egmont Eoterns t- Der österreichische Dichter, Philosoph und Mathematiker Dr. Egmont C 0 l e r u s , der zuletzt als Leiter des Statistischen Amtes in Wien tätig war, ist dort im 51. Lebensjahre an einem Herzleiden g e ft 0 r b e n. Colerus war einer der vielseitigsten und originellsten Gestalten des modernen österreichischen Schrifttums. Er schrieb einen Marco-Polo- Roman und eine Geschichte des Philosophen Leibniz, ferner die Romane „Pythagoras", „Sodom", „Antarktis" und „Weiße Magier . Daneben gibt es aus feiner Feder als volkstümliche Beiträge zur Geschichte der Mathematik die Bücher „Dom Einmaleins zum Integral", „Vom Punkt zur vierten Dimension" und „Don Pythagoras bis Hilbert". Zwei Todesurteile vollstreckt. fames Durcheinander der Gefühle und der Einstei« hingen zu den Monaten des Jahres. Ist es nicht wirklich rätselhaft, warum ber Oktober Favorit ist? | können? Und warum man tot Berkin im Januar so ungern heiratet? Wer hat an dieser Seltsamkeit schuld? Der Mann ober die Frau? Wir haben uns, um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, an ein Ehepaar gewandt, das im Oktober geheiratet hatte, und haben ihm die Frage vorgelegt: „Warum halben Sie im Oktober geheiratet?" Die Antwort lautete: „Weil wir uns lieb hatten!" Da stelle ein anderer statistische Erhebungen bei 'Ehepaaren an! ♦ Vor langer Zeit meldeten bie Zeitungen ein tra- aisches Geschehnis. In einem von der Tropensonne Afrikas ausgebörrten Landstrich hatte man eine Leiche gefunden. Hunger und Dürft hatten den Tob herbeigeführt. In ber Brieftasche bes auf diese Weise so tragisch Dahingegangenen fand man ein bi cf es Bündel hochwertiger Banknoten. Was hatte ihm fein Gelb genützt? Nichts hatte er sich dafür kaufen und erstehen können. Elendig hatte er zugrunbegehen müssen. Aehnliches wäre vor kurzem beinahe einem Berliner Kanzleibeamten geschehen. Und zwar mitten im Innern der Stabt. Wie konnte bas möglich sein? Er hatte mit dem Schlüssel in ber Hand einen Tresorraum betreten. Plötzlich schloß sich aus ungeklärter Ursache die Tür des Tresorraumes. Der Beamte war gefangen. Zum Glück konnte er sich mit der Außenwelt in Verbindung setzen, die sofort die Feuerwehr, bas „Mädchen für alles", alarmierte. Es gelang der Feuerwehr durch den Luftschacht einen langen Draht in das Tresorinnere zu „bugsieren", an dem der Beamte den Tresorschlüssel befestigte. Die weitere Befreiung machte keine munter ung galten zum andern ber für den 20. April geschaffenen festlichen Gestattung dieser Berliner Zrachtstraße. Professor Benno von Arent,der bekannte Berliner Bühnenbildner, ist der Schöpfer tiefer festlich-feierlichen Gestaltung. Unendlich viel jrab es bereits, an den beiden Ostertagen zu sehen, ui denen sich 'die Strahlen der Hellen Frühlings- mnne in dem gleissenden Golde der beschwingten Liktoria auf der Siegessäule verfingen! Werden Unter den Linden die bekannten Adlersäulen erstrahlen, so werden vom Brandenburger Tor bis Tir Charlottenburger Brücke 90 Postamente, in einer Höhe von 4,5 Meter und ebenfalls mit Adlern ^schmückt, als gewaltige Fahnenträger dienen. Zwi- chen ihnen ragen in gleichmäßigen Abständen zwan- ig Pylone auf, bie auf ihrer zwanzig Meter hohen Plattform breite Schalen tragen, aus benen Feuer - flammen zum Himmel emporlabern werben. Wiener ein anderes Gepräge trägt der Straßenzug ber Zismarckstraße und bes Kaiserbamms. Hier werden tn 12 Meter hohen Masten die Fahnen aller deut- chen (Baue flattern. Die Fahnen, aus schwerer Seide efertigt und mit Verschnürungen geschmückt, symbolisieren die Glückwünsche ber Deutschen im Reich. Inter diesen leuchtenden Fahnen erregen besondere Freude und heißes Dankgefühl die Fahnen der Ost- narf, des Sudetengaues und des Memelkreises, ieber alles dies werden sich die Strahlen der gigan- ischen Scheinwerfer ergießen und die Ost ^West-Achse in ein Meer zauberhaften Glanzes tauchen. Was über an den beiden Ostertagen noch nicht zu sehen nar, das sind die Millionen Fahnen und leuchten- ttn Hakenkreuzbanner, die am Ehrentage des Fühlers über der Riesenstadt aus den Fenstern und ton den Dächern ber unzählbaren Häuser bis an len Rand bes Weichbildes wehen und flattern und h zum Ausbruck bringen werben, was uns Deut- ichen Adolf Hitler ist: ber Führer unb Gestalter (großbeutschlands, an ben mir glauben und dem wir in unwandelbarer Gefolgschaft verschworen sind! * LZ. „Gras Zeppelin" glatt gelandet. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Freitagnachmittag von seiner Deutschlanbfahrt zurückgekehrt unb um 18.09 Uhr auf bem Flug- und Lustschiffhafen Rhein-Main glatt gelandet. „Graf Zeppelin" war um die Mittagszeit über Berlin erschienen; zuvor hatte es Pommern und Mecklenburg passiert. Beileid des Führers 3um Explosionsunglück bei der Deutschen Lrdöl-AG. Der Führer hat an den Betriebsführer ber Deutschen Erdöl-AG., Werk Regis-Breitingen, folgendes Beileidstelegramm gerichtet: „In tiefem Schmerz über die Nachricht von dem Explosionsunglück im Werk Regis-Breitingen der Deutschen Erdöl-AG. bitte ich Sie, ben Hinterbliebenen der Tobesopfer meine herzlichste Anteilnahme und den Verletzten meine aufrichtigen Wünsche für ihre Genesung zu übermitteln. Als erste Hilfe für die betroffenen Familien stelle ich den Betrag von 20 000 Mark zur Verfügung. gez. Adolf H i t l e r." „Durch Rundfunk immer im Bilde." Dorn 15. April bis 15. Juni führt die Reichsrund- funffammer unter bem Motto „Durch Rund- f u n k i m rn e r i rn B i l d e" einen großen Photowettbewerb durch. Teilnahmeberechtigt sind alle arischen Rundfunkteilnehmer deutscher Staatsangehörigkeit, soweit sie sich als Amateure betätigen. Das Ziel dieses Wettbewerbes ist, aus Anlaß ber 16. Großen deutschen Rundfunkausstellung Berlin 1939 in Aufnahmen zu zeigen, bei welchen Gelegenheiten bas deutsche Volk um ben Lautsprecher versammelt ist. Sieben bestimmte Motive können bildlich dar- gestellt werden, von benen sich feder Teilnehmer höchstens drei auswählen kann. Für die besten Lösungen dieser Aufgaben sind Preise im Werte von 20 000 Mark ausgesetzt. Die Teilnahmebebingungen sind aus den Rundfunkzeitschrrften ersichtlich. Der Hahn als Zeuge. (AS. Batavia. Der Amtsrichter in Tjibinang (Westfava) hatte unlängst einen schwierigen Fall zu entscheiden. Um- j-ritten war ein Hahn, von dem bette Eingeborenen behaupteten, daß er ihnen gehöre. Die Zeugenaus- ssigen erbrachten keine Klarheit. Schließlich hatte ter Amtrichter den Einfall, den Hahn selbst als beugen aufzurufen. Er ließ das Tier durch einen Polizisten nacheinander auf das Grundstück des Ve- s ohlenen unb bes Angeklagten bringen, um fe-ft« s ellen zu lassen, wo es sich am bestenUJ^aus ff^ te. tor Bericht bes Polizisten lautete dahin, daß sich les Tier auf dem Grundstück und Zwischen dem iretervieh des angeblich Bestohlenen recht fremd betragen frabe und auch von ben anwesenden Huh- nern mißtrauisch behandelt worden sei, wahrend es ch in tem Hühnerstall des Angeklaaten 0 ort wie u Hause gefühlt hatte, aus dem Huhnerstal! in die :-üd)e des Hauses gegangen war und dort ferne ibliche Runde zu machen schien. Auf Grui^^ dieses Berichtes wurde der Angeklagte ftelgesprochen. mann hat am 5. März 1939 in Königsberg eine entfernte Verwandte, die 63jährige Witwe Marie Lindemann, in ihrer Wohnung durch Hammerschläge getötet und sie ihrer Barschaft beraubt. Am 14. April 1939 wurde der am 19. Mai 1891 geborene Wilhelm Schloßharb t hingerich - te t, der vom Schwurgericht in Oppeln wegen Mordes an seiner Ehefrau zum Tode verurteilt worben ist. Schloßhardt hat in einem Abteil bes Personenzuges Oppeln—Gleiwitz mit einem schweren Schraubenschlüssel auf seine Frau eingeschlagen unb sie alsbann aus bem fahrenben Zug gestürzt. Kleine politische Nachrichten. Die Technische Hochschule in Karlruhe hat bem Führer der Deutschen Arbeitsfront, Reichs- oraanifationsleiter Dr. Le y, in Anerkennung feiner hohen sozial- unb wirtschaftspolitischen Verbienste bie Würbe eines Ehrensenators verliehen. Wetterbericht Im Bereich ber vom Atlantik unb über N010- europa hinwegführenden Wirbeltätigkeit hat auch bei uns die Unbeständigkeit weiter zugenommen, während gleichzeitig bei lebhaften westlichen Winden die Tagestemperatüren wenig höher ansteigen. Die Westwindwetterlage bleibt auch weiter anhaltend, wird aber kein durchweg unfreundliches Wetter im (Befolge haben. Vorhersage für Sonntag: Wolkig bis zeitweilig aufheiternd, aber auch einzelne Niederschläge, bei lebhaften westlichen Winden tagsüber zwischen etwa 10 bis 15 Grad. Spätere Unbeständigkeit voraussichtlich zunehmend. Vorhersage für Montag: Wechselhaft und zu einzelnen Niederschlägen neigendes Wetter. Lufttemperaturen am 14. April: mittags 17,2 Grad Celsius, abends 13,2 Grad; am 15. April: morgens 10,2 Grad. Maximum 18,2 Grad, Minimum heute nacht 9,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. April: abends 14,5 Grad; am 15. April: morgens 12,6 Grad. — Niederschläge 5,1 mm. — Sonnenscheinbauer 1,5 Stunten. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum» schein. Verantworllich für Politik unb bie Bilber: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich ßubroig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D.A. HL 39: 10 200. Druck und Verlag: Brühlsche Unioersitäts« bruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preis- liste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Der Führer übermittelte bem Generalleutnant a. D. Freiherrn von Matter, Träger bes Ordens Pour le merite mit Eichenlaub, zum 60jäh- rigen Gebenktag seines Diensteintrittes seine herzlichen Glückwünsche. Um die Arbeiten zur Festlegung ber im beutsch- litauischen Abkommen vorgesehenen litauischen Freihafenzone in Memel zu einem vorläufigen Abschluß zu bringen, wirb sich ber Vorsitzende der Wirtschaftsadteilung im litauischen Außenministerium N 0 rkaitis am 17. April nach Berlin begeben. sofort ges. [oi895 Verkäufe [ Herzkrafil Chemnitz. 2734V Zigarrenfabrik »sucht. Zu er- in Mättii Modi [ 2 74 8 D bad). 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Ich bin erschlagen: „So 'ne Frage", erwiderte ich. „Ich hole Luft, mache den Mund auf und bewege die Zunge." „Das weiß ich", meint der Kamerad, „ich meine, wie du es fertig bringst, so flüssig zu erzählen?" k-Zack* schinen kauft am c Senner, nsterklasse mgHahm undlos aensttaheA „Das ist Geheimnis!" betone ich. Nach einigen vergeblichen Versuchen, es zu erfahren, zog er wieder ab. Aber immer neue Fragesteller tauchten auf, und immer mehr höre ich die Frage: „Wie machst du das bloß?" Weil ich diese Frage nun aber bald fingen kann und befürchten muß, daß mir eine Zei- tung deswegen ihre Reporter auf den Hals schickt, will ich diese Frage heute mal beantworten. dürfen nicht versagen. Das insbesondere will ich herausarbeiten. Ich bleibe dabei dem dramaturgischen Stil treu, auf dem ich die Filme „Urlaub auf Ehrenwort" und Pour le m6 rite" aufgebaut hatte. Es gibt keine Hauptrollen — oder viele, wenn man so will. Die Mannschaft spielt die Hauptrolle. Auf der ersten Seite von Felix Lützkendorfs Drehbuch stehen — Wilhelm, Fritz, Heinz und so — die Namen und die Charakteristiken der Jungen. Es ist ein schlauer Dicker dabei, der gern ißt und sich des öfteren fürchtet, ein kleiner Ironiker, der einzige Reiter der Schar, der das Leben kühl und ein wenig verächtlich anfieht, ein Lyriker, der auch in widerborstigen Situationen ein Stück Romantik finbet, und eine an der Härte der Tatsachen sich entwickelnde Führernatur. Aber es ist keiner dabei, der unanständig und feige wäre oder der ausfiele. Als Gegenspieler zu dieser Gruppe agiert hauptsächlich der Hauptmann Zülow. Er fühlte sich nach der Schlacht bei Kunersdorf von seinem König ungerecht behandelt und ging — der ehemals preußische Offizier — in russische Dienste. Doll Haß, Verbitterung und ungezügelter Wut ging er gegen alles Preußische an, bis die zweihundert Kadetten ihm in die Hände fielen. Die Klarheit und Tapferkeit der Jungen berührt ihn zutiefst, er findet zu sich selbst zurück, er wird zum Anführer der Jungen gegen die Russen und stirbt einen Opfertod. Diese Rolle wird Mathias Wieman spielen. Während meiner Abwesenheit hot Wieman schon einen Trupp von Jungen ausgesucht — mit hochstehenden blonden Wirbelhaaren, verträumten Augen, ironischem Mund, gepolsteter Zufriedenheit (und so fort, der psychologischen Skizzierung im Drehbuch entsprechend), die ich sicher endgültig ins Atelier holen werde, wenn sie sich vor der Kamera bewähren. Sie sind alle aus der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt in Potsdam, die die Tradition des alten Kadettenkorps übernommen hat. Dieser Tage wird, um es filmgerecht zu sagen, die erste Klappe geschlagen. Die Dreharbeit beginnt. Im Gelände hinter der Nordhalle der Ufa-Stadt bei Berlin haben die Architekten bereits das alte Berlin auf neue Grundsteine gestellt. Der Film „Kadetten" wird zur guten Hälfte aus Außenaufnahmen bestehen. Ich freue mich auf die Arbeit mit den Pimpfen, die bis auf den kleinen Sierck allesamt' noch nie etwas mit dem Film zu tun hatten. Es wird manchmal schwierig sein, und viele Einstellungen werden doppelt und dreifach soviel Zeit beanspruchen wie sonst. Aber die Natürlichkeit der Kinder wird dem Film einen Stil geben, der sich mit Schauspielern so klar und einfach und echt kaum erreichen läßt. Neulich war innerhalb der Jungstammwettkämpfe auch Erzählerwett st reit. Ich war von unse- Wentt man im Erzählen Erfolg haben will, muh man vorsichtig mit dem Thema umgehen. Am besten eignen sich Geschichten mit wenig Inhalt, die aber in luftiger Form geschrieben sind. Ein wichtiges Kapitel ist die Beherrschung der Sprache. Die deutsche Sprache ist so reichhaltig, daß man für ein häufig vorkommendes Wort mindestens zehn andere Wörter mit gleichem Sinn setzen kann. „Sagen" ist so ein Wort. Beobachte sich jeder mal selbst, wenn er das Wort „sagen" bringt. Könnte er dafür nicht ebensogut „sprechen", „meinen", „bemerken", „betonen" und bei Fragen sogar „fragen" einfetzen? Aber vor allzu häufigem Gebrauch von „bann" muß gewarnt werden. Auch das „und" ist ein Kapitel für sich. Wenn man einmal nicht mehr weiß, wie es weitergeht, fetzt man gewöhnlich ein „Verlegenheitsund". Kommt dies allzuoft vor, bekommen die Zuhörer Lachkrämpfe. Man fetze auch das „und" nicht zu oft als Bindewort, sondern bemühe sich, einfache Sätze herauszubringen. Es klingt auch scheußlich, wenn man beim Erzählen „Pakete" macht oder sich allzuoft verspricht. Bevor einer einen Satz ausspricht, muß er im Kopse vollkommen fertig sein. Wo ein Komma steht, macht ihr eine Pause, während der man bequem eins zählen kann, beim Strichpunkt wird eine Pause eingelegt, daß der Zuhörer eins, zwei zählen kann, beim Punkt muß man bis drei zählen können. Während der Pause zwischen den Sätzen kann man sich schon den nächsten Satz überlegen. Dann zur Betonung. Was für die Handlung wichtig ist, wird auf jeden Fall betont. Als Sprechweise gewöhne sich jeder ein klares Hochdeutsch an. Der Erzähler bleibe auf feinem Platz stehen und schwanke nicht hin und her wie ein Schiff im Orkan. Auch richte er feine Augen nicht unentwegt blöde an die Decke ober Erbe ober in bie Ecken, fonbern sehe feine Zuhörer an. Wenn einer biefe Regeln befolgt unb sich ein bißchen übt, wirb er halb ein guter Erzähler sein. S. Albrecht. und erlaubte sich zu faulenzen. Aber er war lange nicht mehr querfeldein durch einen Wald gegangen. Marschkompaß, dachte der Vater verächtlich. Was diese Jungen von einem Marschkompaß verstehen! „Wir besuchen einmal das Schlachtfeld!" sagte der Vater zu Hans. Sie gingen hinaus in den Wald, schlichen sich durch Gebüschdickichte. „Dort drüben, Vater, vorsichtig, da geht ein Spähtrupp vor!" „Wo?" fragte der Vater unb wunderte sich über bie scharfen Augen feines Sohnes. Ja, bas war ja plötzlich ein ganz anberer geworben. Er schlich lautlos durch das Laub, er war offensichtlich in seinem Element, er schien Augen zu haben wie ein Luchs und gut zu hören. „Wir schleichen uns ran!" übernahm der Pimpf nun die Führung. Der Vater war einverstanden. Es war ihm peinlich, daß er so viel Geräusche machte: er spürte die mißbilligenden Blicke seines Jungen. Aber er war voll Jagdeifer. Nun kauerten sie hinter einem dichten Gebüsch. Auf dem Wege davor waren die Pimpfentruppen ins Gefecht geraten, und nun schoß Hans aus dem Gebüsch und war mittendrin. Der Vater lehnte atemlos und erschöpft an einem Baum. Sie gingen 'nach Hause und waren tief befriedigt. Wie Kampfgenossen waren sie nun. 2)ie_ Mutter musterte entsetzt ihren Mann, der voller Erde war und dem kleine Käfer über den Kragen liefen. „Ach", sagte der Vater, „wir haben uns etwas ins Gras gelegt, das Wetter war zu schön." jetzt endlich still. Rrrrrrhh!---pitschebüüh ...! kommt es aus den Zelten. „Sie pennen", sagt Willi. Kr. machte Bilanzen, kaufte und verkaufte. Er diktierte!I Ein Erzählpimpf plaudert aus ? utänbt? » ü lrfen!^ *5 lang. Wir hätten ,c Sah»? n vo» bh 'und;x Wrnngitf. lu«n wnbr Intet AW INA Umgen m 'Kunden am BCfte. - 5* 5chuhmach» M104 Seift Sttbent ncl »ollen giatß, nen.3n£eine in 31JJL 3.H Mn ntmr vuchhandlNj n- Verlang» tte da» oh, t Serbebl®, Berinühlv krlag 'LichtttW Da steckten nun Pimpf unb Vater die Köpfe zusammen, es wäre doch gelacht, wenn sie den Wecker nicht wiederherstellen könnten. Dann kam die Mutter herein. Sie war eine gute, geistvolle Frau. Sie sagte erstaunt: „Aber Mann, was machst du denn da!" Da stand der Vater auf. Er zog sich etwas verlegen die Jacke an. Nachts fuhr die ganze Familie aus dem Schlaf. Ein Wecker schrillte durchdringend. Hans fuhr auf und lächelte, der Vater faß aufrecht unb murmelte befriedigt: „Er geht!" Hans, der Pimpf, durfte nicht mit zum Geländespiel. Der Vater sagte: „Ich will nicht, daß du in jeder freien Minute in den Wäldern liegst. Nein, ich will vielmehr mit dir einen Spaziergang machen." So gingen sie spazieren. Sie gingen in den Stadtpark. Der Vater war lange nicht so gegangen. Er atmete tief und fand es schön, mit seinem Sohn bie Wege entlang zu schlenbern. Eine Welle von herzlicher Nachgiebigkeit erfüllte plötzlich ben Vater. Er sagte: „Was macht ihr benn eigentlich bei solch einem Geländespiel?" „Ach", erwiderte Hans, „das ist verschieden, es kommt darauf an, was uns für eine gelänbekund- liche Aufgabe gestellt wird." „Geländekundliche Aufgabe?" Der Vater war etwas überrascht. „Ja, wir arbeiten mit dem Marschkompaß, wir schreiben Meldungen aus, wir fertigen Geländeskizzen an, wir machen Erkundungen." „Kannst du denn mit dem Marschkompaß umgehen?" fragte der Vater. Der Vater fühlte sich in einer anderen Welt. Er war zwar im Krieg gewesen, ja, er wußte was ein Marschkompaß war und traute sich auch zu, damit lang so ein Stacheldrahtzaun fein kann. Erst erwogen wir, ob wir bie Räder nicht darüber heben sollten. Unser Jungenschaftsführer verbot es. Der Zaun fei doch nicht umsonst da. Aber die Lücke da? Was?! Natürlich durften wir da durchfahren. Jenseits der Weide mußte der Landweg fein. Wir fausten freudig mit vollem Tempo hindurch und den Hügel hinauf. Plötzlich zischte es rings um uns. Wir horchten und merkten, daß unsere Räder niedriger wurden und zu rattern begannen. H Plattfuß! Bei zwölf Mann hatten die Reifen dis Puste verloren. Wütend stellten mir die Fahrräder köpf und kramten die Reparaturkästchen aus den Satteltaschen. Unser Flickzeug reichte knapp aus, um den Schaden zu beheben. Wie mochte das wohl so plötzlich gekommen sein? Einer von uns ging den Weg zurück unb meinte, baß jemand Reißnägel gestreut haben müsse. Doch fand er unversehens in der Zaunlücke im Gras verborgen den Stacheldraht, der gerissen war. Da waren wir ja nett hereingeschliddert! Als wir unsere Räder endlich wieder fertig hatten, machten wir uns daran, die Lücke zu versperren. Bald war sie wieder dicht. „Nun kann bas nicht wieder vor kommen!" sagte unser Jungenschaftsführer, bevor wir wieder starteten. Ob er nun ben Zaun meinte, ober baß mir nicht wieder ein Stück Weg abschneiden würden, war nicht genau zu sagen. Jedenfalls mieden wir seitdem alle Lücken und Zäune, zumal wenn sie mit Stacheldraht bespannt waren. Kb. Sei Aacht unterwegs. Rrrrrrrrr---Wwumm! — fegt ein Auto in mörderischem Tempo an uns vorbei. Der Lichtstrahl blendet uns, nachdem wir schon stundenlang in der Dunkelheit marschiert sind. Unwillkürlich fahren wir zur Seite. „Dreckschwein!" schreit Hans unb mischt sich einen Dreckspritzer ab. „80 Sachen", meint Georg sachverständig. Wir marschieren meiter. Die Straße führt durch einen Wald. Zu beiden Seiten stehen dunkle hohe Tannen. Manchmal rauschen sie im Winde, dann blickt Heinz, der Hase, so komisch in das Dunkel und hält sich enger an seinen Nebenmann. Der lächelt. Heinz ist zum erstenmal mit bei einem Nachtmarsch. Vom erzählt Willi seine faulen Witze. Man lacht darüber, mir lachen mit. Hans zieht seinen Schnauzenhobel aus der Tasche und spielt ein zackiges Lied. Wir fingen oder pfeifen mit... „Vorsicht!" ruft der Scharführer. Wir gehen quer durch den Wald. Verdammt! Beinahe hätte ich einen Tannenzmeig ins Gesicht gekriegt. Wie schön gespenstisch es so durch die Bäume blinkt. Es knackt und knistert von Zmeigen. „Fehlt nur noch Mondenschein und ein rauschender Bach", sagt Willi, das Lästermaul, „dann mär' das Idyll fertig." Hinten blitzt eine Taschenlampe auf. „Laß bie Funzel weg", sagt einer, „bu ver- birbft uns bie Stimmung!" Mein Nebenmann stolpert über einen Ast. Bruch! — liegt er. Doch gleich steht er mieber. „Au, mas ist benn bas", schreit Heinz. — \,Das ist ein Tannenzmeig, du Säugling", sagt Willi trocken, „der ist dazu da, dein doofes Gesicht zu kitzeln, roenn bu es nicht meghältst." Jetzt roirb ber Weg steil, aber mir kommen aus dem dichten Gestrüpp heraus. Wir klettern eine kleine Waldschneise hinauf. Der Affe drückt mordsmäßig. Immer schmieriger roirb der Berg. „Meine Mütze", schreit jemand von oben. Allgemeines Suchen. „Hier ist sie", kommt es von unten. „Du mußt deine Mütze mit einem Gummiband am Anzug festmachen, rote bei einem Sommerstrohhut", meint Willi. Nun sind mir aber oben. „Und hier pennen wir", sagt der Scharführer. „Da hast du recht", sagt Willi herablassend. Wir bauen die Zelte auf, das geht rasch, denn müde sind wir schon. Dann raus aus der Uniform und rein in den Trainingsanzug und in eine warme Decke gewickelt. Willi und ich haben Wache. Sein Lästermaul ist Der verflixte Zaun. Es kommt einem oft fo vor, als ob die Welt mit Brettern vernagelt wäre. Meistens handelt es sich jedoch nur um Zäune. Plötzlich tauchen sie auf und sperren einen Feldweg ab, der nur ein Zufahrts- weg zu einem Acker gewesen ist. So erging es unserer Jugenschaft. Wir machten eine Radstreife ins Gelände und sollten dabei lernen, wie man sich ohne Karte und Kompaß zurechtfindet. Kreuz und quer ging die Fahrt, unb bald hatten wir die Richtung, in ber die Stabt liegen mußte, verloren. Nach der Taschenuhr stellten mir die Himmelsrichtung fest und trugen die Fahrräder über einen Graben, da wir auf der anderen Seite einen schmalen Rain entdeckt hatten. Der führte ge» nau auf einen Zaun zu und bann an diesem entSo sind Pimpfenväter. Eine Jungengeschichte von Herbert Reineckcr. Hans war ein Pimpf. Er war wie alle Pimpfe neugierig unb unternehmungslustig unb ruhte nicht eher, als bis er hinter alle Geheimnisse kam. Der alte, rostige Wecker, an dem Hans herumbastelte, machte es ihm jeboch nicht schwer. Fiel er doch fast von selbst auseinander, so mitgenommen und ausgedient war er. Hans hatte ihn gefunden, hatte ihn ausgenommen mit der pimpfenhaften Vorliebe für alles Unansehnliche und Technische. Er hatte gemurmelt: Was die Leute alles roegroerfen! Nun faß Hans vor seinen Schulheften. Aber er mochte machen, was er wollte, dieser alte, verrostete und Ündurchsichtige Mechanismus reizte Hans mehr als feine französische Übersetzung. Ach, ihr Großen müßt das verstehen. Seht, wie er seine geschickten Finger ansetzt, wie .er ein wenig atemlos vor Begierde die Rädchen anstößt, daß sie sich drehen mögen, wie er sich bemüht, die Arbeit der Feder zu verstehen. Uhren hatte es im Leben unseres Pimpfen schon oft gegeben, laute und leise, protzige und bescheidene, ärgerliche und fröhliche, nun aber tastete er sich in das Geheimnis der Uhr hinein. Nie ist ihm eine Stunde etwas Technisches gewesen, nein, immer war es ein lebendiger Zeitraum, von dem Hans nie gedacht hatte, daß man ihn mit Rädchen und Federn zustande bringen könnte. Eine Tür klappte. Der Vater trat ins Zimmer. Er sah aus wie viele Väter, die ei«7 Geschäft unb wenig Zeit haben. Er sagte kühl und sachlich: „Was hast du denn da?" „Einen Wecker", sagte Hans etwas träumerisch, „er ist nicht schlecht, nein, ich will sehen, daß ich ihn wieder in Ordnung bringen kann." Der Vater spürte gar nicht, was für einen atemberaubenden Entschluß Hans damit gefaßt hatte. Ein kleiner Junge greift mit seinen Fingern in den Mechanismus ber Zeit. Der Vater brummte: „Was ihr alles so macht. Wenn bu eine Uhr brauchst, so will ich bir gern Geld geben, baß bu dir eine kaufst." „Ach nein", sagte Hans und nahm vorsichtig ein Schräubchen heraus, .,ich brauche gar keine Uhr." „Ja", sagte der Vater, der Geschäftsmann war und sich unbehaglich fühlte, wenn er etwas nicht verstand. Er hatte ein günstiges Angebot gemacht, unb man war nicht bar auf eingegangen. „Ja, warum bastelst du dann an deinem Wecker herum?" Ganz plötzlich wurde ber Vater ärgerlich. Er sah bie aufgeschlagenen Schulhefte unb sagte: „Solltest bu nicht lieber Schularbeiten machen! Ich finde es überhaupt merkwürdig, wie wenig bu bich um deine Zukunft kümmerst. Ja", fuhr der Vater nunmehr wuchtig fort, „fo jung bu noch bist, fo ist es boch gut, schon jetzt an bein zukünftiges Leben zu benken. Nimm bir etwas vor unb arbeite darauf hin. Statt dessen sitzt du hier und bastelst an einer alten Uhr." Vorwurfsvoll sah der Vater auf ben Wecker. „Was ist bas überhaupt für ein Ding", fragte er mit einem leisen Anflug von Interesse. „Es ist eine ganz gewöhnliche Küchenuhr", sagte Hans bebächtig, „es fehlt mir nur eine neue Feber, dann läuft sie roieber." „Eine Feder?" sagte der Vater und beugte sich über bas Werk, „nein, bie Feber ist gut, sie klemmt nur etwas. Richtig, sie klemmt etwas. Aber hier muß noch ein Rädchen hin." „Das habe ich ja gerade herausgenommen. „Ach, aber bie Feber ist es nicht", meinte ber Vater. Er setzte sich unb klemmte seine Brille auf. Ja, schließlich zog er sich ben Rock aus, saß in ber Weste ba unb bastelte an einer Uhr. Pimpfe drehen einen Film. Spielleiter Karl Ritter erzählt von seinen „Kadetten". Es ist die Geschichte ber zweihunbert Jungen, die man 1760 bei der Besetzung Berlins durch bie Russen zurückließ, um ihnen den weiten Weg nach Spandau zu ersparen. Sie setzten sich zur Wehr. Sie wurden gefangengenommen unb von Kosaken- horben nach Schlesien verschleppt. Dreizehn von ihnen — im Alter zwischen neun unb vierzehn Jahren, dreizehn, die wie Ablenunge in b.e Freiheit zurückdrängten, versuchten auszubrechen Das Schicksal dieser Gruppe tragt ben Film. Er roirb „Kadetten heißen. . Dies wird mein Pimpfenfilm, so sagt Karl R 11 - ter, mm dem ich fo oft gefprodjen habe.J3« bin nun von Außenstehenden au bie geschilderte Episode' in Archenholz „Geschichte die Siebenjährigen Krieges" aufmerksam gemacht, °"f dem Umweg über Friedrich den Großen zu diesem Film gekommen. Im Grunde ist die zeitliche Umordnung wohl gleichgültig. Jungen sind damals nicht-anders gewesen als heute. Haltung und Erlebnis der zweihundert Kadetten bilden eines der großartigsten Beispiele. Ich will es — mit jungen von heute den. Jungen von heute zeigen- Sie sollen vor der Leinwand fitzen und das Gefühl haben, die fin genauso wie wir! Der Film soll trotz seiner historischen Umkleidung zeigen, wie em Pimps ZU fein hat. Das Heldentum dieser Dreizehn besteht nickst aus Brust raus unb Bauch rein, aus dramatisch gefundenen Hymnen und narkotisierenden Phrasen. Ich^war, bevor ich mit dieser neuen Arbeit begann, mehrere Wochen zur Luftwaffe eingezogen. Ich habe vom frühen, noch dunklen Morgen bis zum 'Raofenftreidi unter Jagd- und Bombenfliegern gelebt und habe dort wieder die alte Erkenntnis bestätigt bekommen, daß Heldentum frstch. und froh- ick au sein hat. Man muß kameradschaftlichen Humor haben- denn es gibt feinen Menschen, der die dickste Luft mit ungetrübter Heiterkeit ertrüge. Wich- x’ÄärtsÄJ&at“ Ich will nun Jungen Mgen denen diese Haltung instinktiv als Richtmaß ihres Handelns wurde als sie vor Entschlüssen standen, die sic nicht übersehen konnten, und als ihnen nur eines klar war. wir Briese, er lehnte ab, er druckte Preise .er war Eine komische Ueberschrist, nicht wahr? Aber war ä°Tfl und heiter bei mißglückten und bei -yalg- b ( hot. oll sofort klar werden. reichen Ge cha ten. Ab und zu ging er (posieren | Neulicki mar innerhalb del Junaltammivettkanwie III erststelltz aotbek 9t ,r. Ang-1 44 ijjflCT Molk Tw- 9J gebend u.-^ gendkwms lanntfck. £ tft v. 23 r ßahreN'E ckvomLa^ ecks Heirat n'chr.u-?^ r>G. M Sfts OPBL . n-Gart..^ n. Gartech? ZwergM Job.- il f.-Str. im abl.vorgeb. tt.-Letz. ß rilsA.Äoll s. o.yet.' »e ö.SAW rstüT” saö HühnerN serv. 101111 tzugelberB SonntaSl »-LS .-eranst31 ammenof Schube^ 53# j. 0.2 _kl,pr^ 1 10. , 0.40^ | er*,e *01*1 Sw I 2" b',D' Was ist Kultur? Von Dr. Erich Schmidt. Es ist eigentlich merkwürdig: Wir alle sprechen so oft von Kultur und sind stolz auf den kulturellen Stand unserer Zeit: wenn aber die Frage gestellt wird, was Kultur sei, dann wird meist ein unbefriedigender Hinweis auf diese oder jcnt Einzelheit gegeben. Ja noch mehr: Die Frage nach der Kultur wird eigentlich überhaupt kaum gestellt. Man ist wohl der Meinung, sie sei überflüssig, da es müßig sei, von etwas zu reden, was man besitze. Wer aber so denkt der hat meist nur eine völlig einseitige Vorstellung von dem Begriff der Kultur. Er verbindet mit ihm nur den Gedanken an den materiellen Fortschritt — der vielfach als Zivilisation bezeichnet wird — und übersieht, daß in ma^riellen Dingen allein der Begriff der Kultur sich niemals erschöpfen kann. Er muß tiefer greifen, denn er erfaßt unserganzes menschliches Leben. Wie aber Reichtum allein bekanntlich noch nicht glücklich macht, so kann eine hohe Kultur nur durch materiellen Fortschritt nicht erzielt werden. Kultur setzt Fortschritt, das heißt eine Aufwärtsentwicklung in zweifacher Beziehung voraus: materiell sowohl wie geistig. Nun haben &ie modernen Völker Europas das Geistige in einer Richtung ganz ohne Zweifel ungemein viel weiter entwickelt als jemals Generationen und Völker der uns bekannten Geschichte zuvor. Wir meinen hier die Funktionen des Geistigen, die darauf hinauslaufen, die Kräfte der Natur, also das Materielle, zu beherrschen und in unseren Dienst zu stellen. Erstaunliches hat der Menschengeist, haben die Naturwissenschaften und die Technik in dieser Hinsicht geleistet. Diese Leistungen ermöglichten überhaupt erst den materiellen Fortschritt und damit das physische Leben von Millionen auf einem Raum, der in früheren Jahrhunderten nur einem Teil der heutigen Volkszahl die- Lebensmöglichkeit gab. Trotzdem: Auch diese Fortentwicklung des Menschengeistes umschließt das Geistige, das wir mit dem Begriff der Kultur verbinden, nicht in vollem Umfang. Vielmehr fordert Kultur auch ein reges geistiges Leben auf jenem Gebiet, das wir als die Philosophie der Ethik bezeichnen können. Es liegt in unserem menschlichen Empfinden, in unserem Seelenleben begründet und macht das Menschentum überhaupt erst aus, daß weder der materielle noch der geistig-naturwissenschaftliche Fortschritt uns tief innerlich befriedigen können, wenn nicht das Fortschreiten in den ethischen Fragen des geistigen Lebens Schritt hält mit dem Tempo der materiellen Weiterentwicklung. In der Kulturbewegung, die mit der Renaissance ihren Anfang nahm, waren bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts materielle und geistig-ethische Fort- schrittskräste miteinander im Wettstreit. Wir können das mit Namen aus unserer deutschen Geschichte belegen, die uns allen geläufig sind, mit der Tatsache, daß in jener Zeit neben die Großen der naturwissenschaftlichen Forschung die gewaltigsn Denker der Ethik traten, daß neben dem Aufstieg Preußens zur Großmacht der weite Höhenflug der deutschen Philosophie stand. Es sei nur an jene Gedenktafel erinnert, die der berühmte Heidelberger Philosoph Kuno Fischer zum 100. Todestag Kants am 12. Februar 1904 anbringen ließ und die Kant neben Friedrich dem Großen zeigt mit der Unterschrift: „Seine Laufbahn als philosophischer Schriftsteller und Lehrer von den ersten Anfängen bis zur Höhe seiner welterleuchtenden Werke gehört in die Zeit des Großen Königs und bildet in dem Charakter derselben einen der erhabensten und glorreichsten Züge." Der Begriff der Kultur umschließt also die Frage nach der Ethik, das Ringen um ein Fortschreiten in der ethischen Erkenntnis und im ethischen Handeln. Diese Frage nach der Ethik ist von der Menschheit immer gestellt worden. In der Antike suchte Plato den Allaemeinbegriff des Guten zu finden als etwas Unbedingtes, etwas Zwingendes, das zeitlos und nicht gebunden ist an die wechsel- vollen Schicksale der Menschheit. So kam mit Plato die griechische Antike zu einem Begriff des Guten als etwas Ueberweltlichem, das außerhalb der irdischen Welt — der Welt des Scheins, wie Plato sie nennt — stehe. Dadurch aber wurde für die Antike die immaterielle Welt die einzig wirkliche, die irdische Welt dagegen zum Schattenspiel, demgegenüber gerade der nach Ethik strebende Mensch sich nur als resignierender Zuschauer verhalten könne. So mündete die ethische Philosophie der Antike aus in Weltverneinung. Denn in dem Augenblick, da die Anschauung das Gute, die Ethik nur in der übersinnlichen Welt beheimatet sieht, muß alles Wirken für die irdische Welt der Gegenwart seinen tiefen Sinn verlieren. Don da bietet es der Gedanken asketischer Tatenlosigkeit, wie wir sie in indischen Religionen oder auch bei den ersten christlichen Gemeinden zur Zeit der römischen Kaiser finden, ist nur noch ein Schritt. So verstrickte sich der Tatwille des alten Hellas in einer Philosophie der Verneinung der sinnlichen Welt und führt damit zu jener Resignation, die, wie der Schatten die Nacht, das Einbrechen des Abends und das Ende des Tages anzeigt. Wenn wir heute von Kultur sprechen und die Höherentwicklung unserer Kultur aus vollem Herzen bejahen, so ist damit schon zum Ausdruck gebracht, daß wir nicht eine Ethik des Uebersinnlichen, der Verneinung des irdischen Daseins, sondern eine Ethik der Lebensbejahung wollen. Aus stummer Resignation kann fein neuer Kulturwille erwachsen, denn Kultur setzt den Willen zur Tat voraus, zum Handeln in unserer irdischen Welt. Die geistige Seite kulturellen Fortschritts bedingt also eine optimistische Weltanschauung. Wie Pessimismus weiter nichts ist als herabgesetzter Wille zum Leben, so strömt die optimistische Weltanschauung jene Tatfreudigkeit aus, die uns den Kampf des Lebens wagen läßt voll gläubiger Zuversichtlichkeit. Soll aber aus diesem Totwillen lebendiger kultureller Fortschritt entstehen, so muß das Wollen daraus gerichtet sein, gemäß den Erkenntnissen der Ethik zu handeln und ihnen Bahn zu brechen. Wenn hier von Optimismus gesprochen wird so muß allerdings eine Einschaltung gemacht werden. Denn in unserem Zusammenhänge ist damit nicht jene Eigenschaft gemeint, die im allgemeinen als Optimismus bezeichnet wird und die in der Fähigkeit besteht, alle Dinge unseres Seins in einem möglichst günstigen Licht zu sehen. Der wahre Optimismus schreckt nicht zurück vor einem Erkennen der Mängel, aber er besitzt den Glauben, die Mängel überwinden, das Ziel des Wollens also hochspannen zu können. Man wird vielleicht einwenden, daß diese Erörterungen über Lebensbejahung und Ethik doch mehr einen theoretischen Wert hätten, für die praktische Kulturentwicklung aber weniger bedeutungsvoll seien. Es ist ein Irrtum, dies anzunehmen. Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts hat sich das Geistige — fast möchte man es so ausdrücken — auf das Naturwissenschaftliche allein konzentriert, während die Energien ethischer Philosophie und ethischen Denkens demgegenüber in den Hintergrund traten. Weil aber diese ethischen Energien nachließen, gingen dem menschlichen Empfinden die großen Wahrheiten und damit auch die großen Maßstäbe der Ethik verloren. So wurden die materiellen Fortschritte frisch-fröhlich hingenommen, ohne sie in ihren Wirkungen nach den Grunderkenntnissen überzeitlicher ethischer Maßstäbe zu messen. Weil dies unterlassen wurde, standen wir dann plötzlich an den Schattenseiten des einseitigen materiellen Fortschritts und zwar vor Schatten, die immer drohender wurden. Hätten — wir wollen nur diesen einen Punkt als Beispiel herausgreifen — die geistig-ethischen Kräfte mit dem materiellen Fortschreiten Schnitt gehalten, die soziale Frage des Industrialismus hätte niemals in ihrer die gesamte Kultur bedrohende Schärfe entstehen können. Denn ein Zeitalter, in dem neben der industriellen Entwicklung die lebendigen echischen Kräfte geistigen Strebens und Suchens in voller Wirksamkeit und Wachsamkeit gewesen wären, hätte niemals in geradezu verblendeter Gedankenlosigkeit jene lichtlosen Hinterhöfe in modernen Großstädten bauen und jene Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal anderer Volksgenossen sich entwickeln lassen können, wodurch die Brutstätten marxistischer Zersetzung und damit die Bedrohung unserer gesamten Kultur entstanden war. Was also heißt Kultur? Wir können darunter nur den harmonischen Gleichklang materiellen Fortschritts und ethischer Lebensbejahung verstehen, einen Gleichklang, der die Kräfte des Materiellen und des Geistig- Seelischen ausgewogen sein läßt. Aus der Verneinung des Geistigen ist der Bolschewismus entstanden, den wir alle als höchste Gefahr der Kultur empfinden. Aus Resignation, aus der Verneinung gegenüber den materiellen Gütern unserer Welt ist zu allen Zeiten jener Pessimismus entstanden, der das Altern und Absterben der Völker ankündigt. Aus freudiger Lebensbejahung und ehrlichem ethischem Streben dagegen erwächst jene lebendige Kultur, die uns das Dasein lebenswert macht und uns weiterführt auf allen Gebieten. Durch Italien nach Tripolis. (Sinbrücfe einer Reise von Or. Paul Rohrbach. Drei koloniale Zeitalter. Benghasi in Libyen, Ende März 1939. Das Stück von Jtalienisch-Nordaftika, das ich jetzt besuche, erlebt durch die 'Italiener seine zweite Kolonisation. Die erste, griechische, liegt über zweieinhalb Jahrtausend zurück. Im 7. Jahrhundert o. Christi landeten an dieser Küste Griechen von der Insel Thera, erstiegen den Plateaurand, der sich dicht landeinwärts erhebt, und gründeten die Stadt K y r e n e. Jetzt lebt auch der antike Name der Kyrenaika für das italienische Ostlibyen wieder auf. Die alte griechische und auch die römische Kolonisation beruhten auf Städte- gründung im Gebiet barbarischer oder unterworfener Völker. Augustus gab seinen ausgedienten Legionären wohl auch Ackerland in Form einer .Kolonie", aber das Land dazu wurde von irgendeinem bestehenden Gemeinwesen genommen, und die Stadt blieb immer der Mittelpunkt aller kolonialen Gründungen. Die antike Kultur hat ihren Charakter als Städtekultur bis zuletzt behalten. Polis heißt im Griechischen die Stadt — das ist für den Ursprung des Wortes Politik nicht zu vergessen! Gestern waren wir in Kyrene, wo durch die fortgesetzte Ausgrabung der wohlerhaltene Unterbau des Apollotempels und der große Altar Apollos auf- gedeckt find. Davor fließt wieder aus der aufgefundenen alten Fassung der Strahl der heiligen Quelle Kyra, die den Anlaß gab, Heiligtum und Stadt hier zu gründen. War die Schutzgottheit gefunden, so mochten Mauern und Markt der Kolonialstadt erstehen! Was die Griechen seit dem Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. zu ihren vielen Kolonialgründun- gen vom Schwarzen Meer bis nach Unteritalien und Südgallien trieb, war ihr Handelsgeist, ihr überquellender Menschenreichtum, ihre überlegene Bewaffnung und nicht zuletzt ihre innere Zwietracht, die der unterlegenen Partei oft nur den Weg der Auswanderung freiließ. Ganz besonders begann nach den großen Entdeckungen auf der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit das zweite überseeische Kolonialzeitalter. Man sand große Räume, die entweder so gut wie menschenleer waren oder von eingeborenen Völkern, bewohnt waren, die sich mühelos unterwerfen ließen. Damit war freie Bahn zur Bildung der großen Tochtervölker der Angelsachsen und Romanen in fremden Erdteilen gegeben. Die antike Kolonialstadt Kyrene konnte untergehen wie viele ihresgleichen; die Kolonialvölker Nordamerikas, Brasiliens, Argentiniens, Australiens werden dauern. Es war die' Gunst des Schicksals, die im Zeitalter der Entdeckungen ein paar bevorzugten europäischen Völkern es erlaubte, sich an die Pforten der großen menschenarmen Räume in Amerika und Australien zu setzen und dort ihre Tochternationen — mochten diese früher oder später auch den kindlichen Gehorsam aufkündigen — heranwachsen zu sehen. Der sprachliche und futtureUe Zusammenhang und das Bewußtsein der Abstammung sind auf die Dauer nicht auszulöschen. Auch die Russen haben im gewissen Sinne Teil an dieser fäfularen Besiedlung der leeren Räume außerhalb Europas gehabt, als sie sich Nordasien bis an den Stillen Ozean aneigneten. Die Sibirier, das zeigten die sibirischen Regimenter im Weltkrieg, sind sogar ein kräftigerer Schlag, als die europäifchen Moskowiter. Heute, im dritten kolonialen Zeitalter, hat die Bildung ganzer neuer Völker aus europäischem Stamm in überseeischen Fernen aufgehört. Die Kolonialpolitik ist nie, weder im Altertum, noch in der Epoche der überseeischen Volkssiedlung großen Maßstabes, von wirt- fchaftlichen Ideen unabhängig gewesen. Der Zucker von Haiti und die Reichtümer Indiens waren durchaus planwirtschaftliche Faktoren der englischen und französischen Kolonialpolitik. Niemals ist jedoch früher in ebenso großem Maßstab und mit eben- folcher Ausschließlichkeit wie heute der Erwerb von Kolonialbesitz zu einem Lebensinteresse d e r heimischen Wirtschaft geworden. Die Wirt- fchaft Europas kann ohne den Bezug überseeischer — und das heißt immer noch aum großen Teil kolonialer — Rohstoffe, Nahrungs - u n d Genu ß m i t t e l nicht mehr bestehen. Das gibt dem Kolonialproblem der Gegenwart seinen besonderen Charakter. Ein Volk, das Kolonien besitzt, nähert sich im Maße dieses Besitztums einer allgemeinen wirtschaftlichen Autarkie. Was bedeutet unter diesen modernen Verhältnissen ein Stück solcher nationaler, kolonialer Siedlungspolitik, wie Italien es hier in Libyen betreibt? Die italienischen Landarbeiter, die jetzt hier angesiedelt werden, kommen nicht, wie einst die Pioniere der Siedlung in den Wäldern und Prärien Nordamerikas mit Beil und Büchse, Pulver und Blei und einem Sack Maismehl, um sich auf eigne Faust ihr Blockhaus zu zimmern, ihr Fleisch zu erjagen, ihren Skalp gegen die Indianer zu verteidi« gen; sie reiten auch nicht zu Tausenden wie die Windsbraut los, um auf noch unbesetztem, amtlich geöffnetem Neuland in wildem Jagen zuerst sich ein Stück Land abzupflöcken, wo es ihnen besagt; vielmehr werden sie in fertig gebaute Häuser gesetzt, an Brunnen, aus denen ihnen der Windmotor schon das Trink- und Berieselungswasser pumpt, und man gibt ihnen monatlich soundso viele Lire, damit sie sich in wohlversoraten Läden bis zur ersten eigenen Ernte ihren Bedarf einkaufen können. Auch in unserem alten Südwest und in O st - a f r i f a durfte der Siedler, wenn auch sein erstes Bett zumeist rauher war, als das der italienischen Ankömmlinge in Libyen, auf den Rat und die Hilfe berufener Stellen rechnen. Koloniale Siedlung kann in der Gegenwart immer nur ein Ausschnitt aus einer Kolonialpolitik von umfassender Planung sein. Die italienischen Siedler in Libyen werden nie ein zweites Volk aus italienischem Blut werden, auch wenn ihre Nachkommenschaft sich einmal auf 80 000 oder 100 000 Seelen vermehrt haben wird. Diejenigen Räume auf der Welt, auf denen große, nere Völker wachsen formten, sind lange vergeben. Trotzdem Mussolini wohl zu welchem Zweck er in die kleinen, weithin zerstreuten, bewässerungs, und anbaufähigen Fleckchen dieser Kolonie italienische Familien setzte und dazu die Bedingung stellt: Sechs Kinder und womöglich mehr! Westlich liegt Tunis und östlich liegt Aegypten, und wenn zehn Jahre vergangen sind, wird man dort mit der jungen Mannschaft des italienischen Libyen zu rechnen haben. Deutsche Heeres-Aücherei. Im Jahre 1938 wurden bei der Deutschen Heeres- bücherei neu aufgestellt: Wehrkreisbücherei XIII — Nürnberg; Wehrkreisbücherei XVII — Wien; Wehrkreisbücherei XVIII — Salzburg; Bücherei der Pionierschule II — Dessau-Roßlau. Die Bücherei des ehemaligen österreichischen Bundesministeriums für Landesverteidigung wurde als Wehr- kreisbücherei XVII — Wien, die Bücherei der The- r.sia-Militärakademie Wiener-Neustadt wurde als Bücherei der Kriegsschule Wiener-Neustadt übernommen. Die Deutsche Heeresbücherei verfügt Ende 1938 über einen Bestand von rund 500 000 Büchern und 250 000 Karten. Oer Bauer Michael. Von Karl Heinrich Waaqerl. Der Bauer ist unterwegs auf der Wiese, er geht den Zäunen nach. Da und dort drängt er sich in das Strauchwerk, ich höre ihn von weither rumoren und fluchen. Die Axt flingt hell im dürren Holz, eine Meise flattert auf und schimpft erbittert aus dem Wipfel der Esche. Eine Weile später kriecht der Mann wieder aus dem Busch, gelb und grün bestäubt, und steht da, und schaut sich um, ein alter Kerl, ein langsames braunes Tier auf meinem Feld. Ich rufe ihn an. Michael, sage ich, laß es heute! Mach Feierabend! Und Michael überdenkt auch das eine gute Weile, dann nickt er mir zu und schiebt die Axt unter den Rock. Ich mache ihm Platz an meiner Seite, lange fitzen wir schweigend nebeneinander auf den warmen Steinen. Michael duftet nach Seidelbast, er bringt den ganzen Frühling mit sich, Erlenkätzchen auf dem Rock, kleine Blütensterne im Bart, aber daran liegt ihm gar nichts. Frühjahr, das bedeutet dreifache Arbeit für Michael, Arbeit im Holz und auf den Wiesen und hinter dem Pflug, er lieft eine andere Schrift vom wechselnden Himmel des Jahres. Michael denkt geradeaus. Es gefällt ihm, wenn das Gras aufwächst, Blüten und Kräuter, das ist Futter für seine Tiere. Regen muß dazukommen, die Sonne muß steigen, damit sein Korn reif wird, für nichts anderes. Vielleicht liebt auch er diesen Fleck Land auf seine Weise. Er nährt ihn ja, in jeden Fußbreit Erde hat er hundertmal die Schar gedrückt. Die Bäume am Hag find mit ihm aufgewachsen, viele hat er selbst gepllanzt, andere kennt er noch aus seiner Jugend, die fallen jetzt unter seiner Axt. Es sind prächtige Bäume darunter, wunderbar im Frühling, wenn das Laub aus den Knospen bricht, das mag schon sein, und in Sommernächten, unter dem ziehenden Wind. Allein davon weiß Michael nichts, er ist kein Schwärmer. Laub mag rot ober grün sein, es gibt dieselbe gute Streu für feinen Stall, aber es wirft auch Schatten auf seinen Acker. Man muß darauf sehen, daß die Kronen nicht zu üppig werden und daß man das Holz herausschlägt, solange es noch gesund und fest im Kern ist. So hat alles seinen Sinn und seine gute Ordnung in dieser kleinen Welt, Michael wacht darüber mit dem einfachen Verstand des Bauern. Auch Gott macht keine Verse. Es dämmert schon über der Wiese. Im Westen schwimmt die junge Sichel des Mondes auf dem Rücken, eine weiße Wiege, ein glückliches Schiff mit hohem Kiel. Die Sterne tun sich wie Augen auf, sie blinzeln eine Weile, und dann schauen sie ruhig und ernst auf das friedliche Land. Der trübe Dunst über dem Boden gerinnt in der Kühle, die Luft spinnt Fäden, weiße Bänder aus dem Nebel und knüpft sie da und dort an Halmen und Sträuchern fest. Von weither kommt noch ein Vogelruf, wehmütig und wie aus dem Traum gesungen. Mir ist so wohl im feierlichen Frieden, ich habe einen Menschen neben mir, einen müden Mann. Sein Rücken ist ein Berg, sein Gesicht ist ein Feld, er atmet ruhig und schaut vor sich hin, und in die Hände hat er seinen Bark gelegt. Auch diese Hände betrachte ich, sie sind selbst einem Gewächs ähnlich, einer nahrhaften Wurzelfrucht aus der Erde. Das geht mir so durch den Kopf. Zuletzt, denke ich, im ganzen genommen, bedeutet dieser Mensch in feiner Einfalt vielleicht nicht mehr als irgendein Halm auf dem Feld, der unter anderen Halmen steht, der zu seiner Zeit blüht und Früchte hat und seinen Samen um sich streut, damit neue Gräser nach ihm aufstehen, wenn er selbst unter der Sense gefallen ist. Dies geschieht mit dem Halm in der Stille, aber liegt der Sinn des Lebens etwa im Geräusch? Zuweilen streite ich mit dem alten Dachs, und dann wird nichts geschont zwischen Himmel und Hölle, ich lege mich mächtig ins Zeug mit meinem doppeltgenähten Scharfsinn. Aber sitzt Gott nun deswegen da und kratzt sich hilflos den Bart? Michael weiß wenig von den letzten Dingen, allein er hat doch dies und jenes in feinem Leden auf feine Art betrachtet. Er hat die Kirchenuhr im Turm gesehen, — Teufel, noch einmal, sagt er, so etwas von Rädern und Walzen und Stiften, und alles blitzsauber und haargenau! Das kannst du dir nicht einmal vorstellen, behauptet er. Gut, da läuft jetzt so ein Zahnrad mitten in dem großen Werk, ein anderes Rad dreht sich mit ihm und greift in feine Zähne ein, und wenn es sich Gedanken machen könnte, so hätte es gewiß sein Leben lang genug daran zu raten. Es könnte Bücher darüber schreiben, sofern es ein besonders pfiffiges Zahnrad wäre. Indessen aber stehst du irgendwo auf dem Feld und schaust nach der Uhr, in der dieses Zahnrad läuft; du sagst Feierabend und legst dein Werkzeug aus der Hand ... Später, am Abend, gehe ich mit Michael über das Feld nach seinem Hof. Wir schwatzen friedlich über allerlei, vom Futter und von einer neuen Mode beim Düngen, und auch vor den Obstbäumen bleiben wir eine Weile stehen. Es stt nicht abzusehen, wie das alles blühen soll, dicke Schnüre von Knospen an jedem Zweig. Der kleine Michael läuft uns in den Weg, er hängt sich schweigend an das Hosenbein des Vaters und fängt mit Macht zu ziehen an. Worte findet er nicht für diese Leichtfertigkeit erwachsener Leute, was das Essen betrifft, die Lichtseite des Daseins. Und hinter ihm kommt noch etwas durch den Kartoffelacker, das ist Therese, rund und behäbig und hoffnungslos um ihr Gleichgewicht kämpfend wie immer. Sie rollt in die Furchen, steht wieder auf und wühlt sich unverdrossen durch, es ist fein Augenblick zu verlieren': Milchsuppe! Die Schüssel steht auf dem Tisch! Ja, warmes Essen in der Stube. Der Vater hängt feinen Rock an die Tür, dann schlägt er das Kreuz, und auch der kleine Michael gibt Gott die Ehre, wie es Brauch ist, aber sein Amen verhallt schon tief in der Schüssel. Wie hungrig ist der kleine Michael, du lieber fümmel, das begreift fein Mensch! Er seufzt und faut und gönnt sich nur das Notigste an Luft, und außerdem läßt er fein Auge von den heißen Brocken auf den Löffeln der anderen, mit stiller Wehmut sieht er sie verschwinden. Zuletzt schiebt ihm der Vater die ganze Schüssel hin. In Gottes Namen! sagt er, aber friß den Boden nicht heraus! Es ist gut und behaglich in der Dämmerung. Therese kauert auf dem Boden und summt leise vor sich hin aus Sattheit und Schlaf. In der Ecke glänzen die heiligen Bilder. Joseph und Maria mit dem himmlischen Kind, alle lächeln so unergründlich mild, und unter der Decke schwebt der Heilige Geist. Vielleicht hängt er da bloß an einem Pferdehaar, er ist überhaupt nur aus Glas und Wolle gemacht, aber die Flügel find reines Gold, sie glänzen und flimmern überirdisch im Widerschein des Herdfeuers. Therese klettert in den Schoß der Mutter, dort rollt sie sich zusammen und schläft wie ein Hündchen, wie ein kleines zufriedenes Tier. Ja. die Mutter, immer ist es gut und warm in der breiten Mulde zwischen ihren Knien, sie wiegt sich leise und traut bas Kind mit dem Finger. Einmal schaut auch der Mann nach ihr hin, er nickt und schiebt seine Hand hinüber. Aber dann läßt er es wieder und streift nur ein paar Brotkörnchen vom Tisch. Zeitschriften. — Das April - Heft der Zeitschrift „Neues Volk", Blätter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP. (Verlag Berlin SW 68), gedenkt zu Beginn des Führers zum 50. Geburtstage mit einem Bilde „Am Berghof" und einem Gedicht von Reinhold Vesper. Ebenfalls zum 20. April erscheint ein mit schonen Aufnahmen geschmückter Beitrag „Die Jugend gehört dem Führer — sie ist die Zukunft des Volkes". Aktuelle und wertvolle Betrachtungen enthält ein Aufsatz von Professor M. Staemmler über Wesen und Bedeutung der Auslese. Einen erschreckenden Einblick in das die Volksgemeinschaft aufs schwerste bedrohende Element der Asozialen gibt der ebenfalls bebilderte Aufsatz „Sittenstrolche und Verbrecher", lieber die alte Volkskultur des Grenzlanddeutschtums im Sudetenraume berichtet ein anziehend bebilderter Artikel. Weitere Beiträge heißen „Judenpleite selbst im Sowjetstaat", „Ein Dors kämpft um sein Leben", „Deutsche Bevälke- rungspolitif und Kolonialfrage" — „A u s der Natur" („Der Naturforscher"), Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. Der neue (16.) Jahrgang (April-Heft) beginnt mit einer Reihe von — meist bebilderten — Aufsätzen erster Sachkenner und Forscher. Mehrere Abhandlungen rücken naturwissenschaftliche und technische Fragen aus der deutschen Wirtschaft, aus der deutschen Landschaft, aus dem deutschen Leben der Gegenwart in den Vordergrund. Professor Dr. F. Reinähl zeiat in Wort und Bild die Züchtungserfolge bei unseren Haustieren. Kurt Lipfert gibt an den neuesten Apparaten einen Ueberblick über die Einrichtung und Arbeitsweise der deutschen Fernsehheimempfänger. Um die Erhaltung der deutschen Natur geht es in zwei Aufsätzen: Volkmar Graumüller tritt in einem Bildbericht von seinen Beobachtungen über den Uhu für den Schutz dieses deutschen volkstümlichen, kraftvollen und eigenartigen Vogels ein, dessen Brutzeit in den April fällt; Dr. Richard Rein kann davon berichten, daß erstmalig am Rhein Begrünungszwang angewandt worden ist. Daß die botanische und zoologische Forschung ständig vorwärtsschreitet, zeigen Professor Dr. Karl Sueßenguth mit seinen grundsätzlichen Ausführungen über neue Ziele in her Botanik und Dr. habil. Werner Fischei mit seinem Forschungsbericht „Instinkt und Intelligenz bei höheren Tieren". Anregungen zu eigenen Beobachtungen im April gibt Dr. Borriß auf phänolo- qischein Gebiet. Kleine Beiträge und kurz gefaßte Forschungsergebnisse, die Bücherschau und die Preisfrage beschließen bas erste Heft des neuen Jahrgangs. Ser Arbeitereinsatz in der Vauernwirtschast. Don Or. Auaust Gkalweit, profeflnr der Nationalökonomie an der Universität Frankfurt a.M. Zum Problem der Landflucht ergreift hier nach Geheimrat Adolf Weber-München (Gieß. Anz. vom 19. Febr.) mit Professor August Sk a l w e i t-Frankfurt ein weiterer führender Nationalökonom das Wort, der während seiner Tätigkeit als Professor an unserer Landesunioersität Gießen in den Jahren 1913 bis 1921 dem oberhessischen Bauer besonders nahegekommen ist. Da die Landwirtschaft die Güterdes unentbehrlichen Lebensbedarf erzeugt, hat es in der arbeitsteilig gegliederten Volkswirtschaft eine Agrarfrage von jeher gegeben. Sie spielte in den antiken griechischen Stadtstaaten und im Römerreich eine nicht weniger wichtige Rolle wie zur Zeit der westeuropäischen Bauernkriege und der Revolutionen um die Wende zum 19. Jahrhundert oder auch in der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart. Was jeweils wechselt, sind die Ursachen und die Begleiterscheinungen, so daß bald dieses, bald jenes agrare Teilproblem im Vordergründe steht. Aber worauf auch die jeweilige Not des Landsmanns in erster Reihe zurückgehen mag, sie wirkt sich, wenn sie einen hohen Grad erreicht, stets in gleicher Weise aus: in Landflucht oder zumindest in einer Flucht aus der Landarbeit, deren Wirkung, von der Produktionsseite aus gesehen, die gleiche bleibt. Aus der Landarbeit läßt sich fliehen. Während die Erfahrung lehrt, daß der städtische gewerbliche Arbeiter wie festgebannt Tn seinem Wirkungskreis verharrt, und selbst bann, wenn er vom Lande stammt, selten dorthin zurückkehrt, pflegt sich der Landarbeiter jedem Drucke durch die Landflucht zu entziehen. So kann sich die paradoxe Erscheinung ergeben, dqß die Landbevölkerung ständig eine industrielle Reservearmee auffüllt, während es auf dem Lande an Händen fehlt, um die Arbeit zu bewältigen. Dank der beiden großen GeseKgebungswerke, des Erbhofrechts und der Marktordnung, ist es der nationalsozialistischen Agrarpolitik gelungen, schlimme Krankheitsherde zu beseitigen. Doch scheinen wir — die letzten Darstellungen auf dem Reichsbauerntag und der Grünen Wochen haben es bezeugt — in eine unmittelbar auf dem Gebiete der Arbeiter- b e f ch a f f u n g liegende Agrarnot geraten zu sein. Daß diese gerade jetzt in Erscheinung tritt, hat ihre leicht erkennbaren Ursachen: auf der einen Seite haben Erzeugungsschlacht und Vierjahresplan die Arbeitsintensität beträchtlich gesteigert, auf der anderen Seite haben Militär- und Arbeitsdienst so- ti)ie der gewaltige Arbeitsbedarf der Wehr- und gewerblichen Wirtschaft das Arbeiterangebot zusarn.- menschrumpfen lassen. Doch hat sich der Landarbeitermangel bereits seit langem angebahnt. Was war es anderes als ein Zeichen scharfen Landarbeitermangels, wenn man vor dem Kriege alljährlich über eine halbe Million ausländischer Wanderarbeiter zur Bestellung und- Aberntung der deutschen Felder zur Hilfe rufen mußte? Doch hielt man damals die Landarbeiterfrage für ein Problem, das eigentlich nur den Großbetrieb anginge, und dem man durch die Aktion der sog. „Seßhaftmachung der Landarbeiter" oder auch wohl durch die Aufteilung großer Güter Herr werden könne. Es soll nicht bestritten werden, daß der Großbetrieb, ganz auf fremde Arbeitskräfte angewiesen, durch Arbeitermangel unmittelbar an seinem Lebensnerv getroffen wird. Doch ist es vollkommen falsch, die Bedeutung des Arbeitseinsatzes für die Bauernwirtschaft so zu unterschätzen, wie es damals geschah, und wie es auch wohl gegenwärtig nod) — selbst in ganz neuen Lehrbüchern — hin und wieder geschieht. Verleitet wird man zu solcher Vorstellung durch Ergebnisse der Betriebsstatistik, aus denen zu entnehmen ist, daß die Arbeit in den Kleinbetrieben in der Hauptsache durch Familienangehörige besorgt wird, z. B. in der Betriebsgrößenklasse von 2 bis 5 Hektar zu 94 v. H. Zwar verdoppelt sich bereits in der nächsten Be- triebsgrößenklasse von 5 bis 20 Hektar der A n - teil der fremden Arbeitskräfte und bei den Großbauern steigt er bis auf 58 v. H., — aber die erstgenannte Zahl hat für manchen Beschauer eine so große Eindruckskraft, daß er über die folgenden Zahlen hinwegliest. Indes liegt dieser ganzen Auffassung ein Grundfehler zugrunde. Für einen Betrieb, der nicht überhaupt ^.fremder Arbeitshilfe entraten kann, ist der Tatbestand des Arbeitermangels gegeben, yleichbiil- tig, ob es nun mehr oder weniger Arbeitskräfte sind, die ihm fehlen. Entscheidend bleibt, daß die Arbeitsspitze — auch hier gibt es ein Gesetz des letzten Aufwands — ihre Deckung findet. Gewiß, der kleine Betrieb ist in der für ihn so überaus glücklichen Lage, auf die eigenen Arbeitskräfte zurückgreifen zu können. Das hat ihm über manche Nöte hinweggeholfen. Aber sollte nicht die von Betriebszählung zu Betriebszählung zunehmende Beschäftigung von Familienangehörigen ein Symptom des auch in der Bauernwirtschaft verspürten Arbeitermanges sein? Der Kausalzusammenhang ist doch wohl der, daß die Zunahme der Arbeit der Familienangehörigen nicht deshalb erfolgt ist, weil sie der der Bauernwirtschaft in jedem Falle adäquate Arbeitseinsatz wäre, sondern weil es ihr an fremden Arbeitskräften fehlt. Gerade jene zwei Gruppen der Landarbeiterschaft, die sich von jeher als die vorzüglichsten Helfer in der Bauernwirtschaft erwiesen, die des Gesindes und der freien Land arbeiter, haben von Zählung zu Zählung am stärksten abgenommen. Man glaube aber nicht, daß die Arbeitsreserve, die die Bauern in ihren Familienangehörigen haben, unerschöpflich sei. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß dieses Reservoir zu versiegen beginnt. Auch die Familienangehörigen hat die Flucht aus der Landarbeit in wachsendem Ausmaße erfaßt. Wenn, bei der Rekrutenaushebung die früher beobachtete physische Ueberlegenheit der Landbevölkerung nicht mehr festgestellt werden kann, so mag sich das auch daraus erklären, daß viele kräftige Bauernsöhne a b - gewandert sind. Und wie soll man sich darüber wundern, daß Bauerntöchter die Landarbeit fliehen, wenn sie erfahren, daß der durchschnittliche Arbeitstag der besonders schwer belasteten Bauersfrau neuerdings auf 13 bis 14 Stunden geschätzt worden ist? Kann man ihr verargen, daß ihre Geburtenfreudigkeit abgenommen hat? Gerade hieraus, daß jetzt auch für die Bauernwirtschaften die Lage kritisch geworden ist, kann man d i e ganze Größe der Gefahr ermessen, die gegenwärtig die deutsche Landwirtschaft und mit ihr das ganze deutsche Volk bedroht. Der Bauernwirtschaft ist immer wieder nachgerühmt worden, daß sie krisenfest sei. Wirtschaftliche Erschütterungen könnten ihr nicht viel anhaben. Der Bauer sei nicht umzubringen. Könnte er nicht gerade stehen, dann lege er sich krumm. Sicherlich ist es richtig, daß sich der Bauer nicht von jeder Wechsellage umwerfen läßt. Aber mit dem „Sichkrumm- legen", das sich in einer Zeit geringen Wirtschaftsaufwandes vielleicht üben ließ, hat es eine vollkommen andere Bewandtnis bekommen, feit auch der Bauer kapitalintensiv zu wirtschafte n b e g o n n e n hat uind mit Sozialauf- wendungen, St euern, Beiträgen, Zinsleistungen belastet ist. denen er sich auch durch die krümmste Lage nicht entziehen kann. Im übrigen ist der Glaube an die unerschütterliche Widerstandskraft des Bauern keineswegs verbürgt. Die Geschichte lehrt das Gegenteil. Die deutsche „Wüstungsforschung" hat in fast allen deutschen Landen die Stätten ehemaliger Bauerndörfer festgestellt und nachgewiesen, daß es zu solchen Verödungen nicht erst des 30jährigen Krieges bedurfte, sondern daß dazu der im 15. Jahrhundert auf den Bauern ausgeübte schwere wirtschaftliche Druck genügte. Mögen wir auch gegenwärtig vor einer solchen Gefahr bewahrt sein, so hat der Bauer doch noch eine andere Möglichkeit, auf eine Erschwerung seiner Arbeit zu reagieren, — eine Möglichkeit, deren Auswirkung gerade gegenwärtig verhängnisvoll werden würde: d. i. die Verminderung seinerPro- duktionsleistung. Um das zu erweisen, bedarf es nicht erst historischer Belege. Auf dem Reichs- bauerntag und jüngst auf der Grünen Woche ist auf die unmittelbar drohende, ja, vielleicht schon Wirklichkeit gewordene Gefahr des Rückgangs arbeitsintensiver Produktionszweige hingewiesen worden. Auf diesen Veranstaltungen ist auch darüber gesprochen worden, wie. der Landflucht zu begegnen sei. Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man diesen aus berufenem Munde getanen Ausführungen noch ein Wort hinzufllgen. Ein sofort wirkendes Allheilmittel gibt es nicht, wohl aber eine Reihe von Mitteln, dick nebeneinander angewandt werden müssen. Mit im Vordergrund steht gerade auch für die Bauernwirtschaften die weiter Berlin, 14. April. (DNB.) Der Führer hat eine Dienstauszeichnung der NSDAP, gestiftet, um allen Parteigenossen, ganz gleich ob sie als Politische Leiter oder als Angehörige einer Gliederung, oder aktiv in den angeschlossenen Verbänden tätig sind, ob sie hauptamtlich oder ehrenamt- l i ch arbeiten, eine Anerkennung für treue Pflichterfüllung zuteil werden zu lassen. Die Dienstauszeichnung der NSDAP, wird in drei Ausführungen für zehn, fünfzehn bzw. fünfundzwanzig Jahre aktiver Dienstzeit in der NSDAP, verliehen. Sie stellt ein Ordenskreuz dar und wird nach zehn Jahren in Bronze an einem braunen Bande, nach 15 Jahren in Silber an einem blauen Bande, nach fünfundzwanzig Jahren in Gold an einem roten Bande verliehen. Unter besonderen Umständen wird die Dienstzeit in einer Gliederung oder in einem angeschlossenen Verbände auch bann angerechnet werben, wenn bie Mitgliedschaft zur NSDAP, später als die zur Gliederung bzw. zu dem angeschlossenen Verbände erworben worden ist. Diese Dienstauszeichnung wird nicht nur denen, die bisher schon in treuer Pflichterfüllung ihre Freizeit und Kraft in den Dienst der Partei gestellt haben, eine große Anerkennung bedeuten, sondern auch einen Ansporn für die barstellen, bie dem Dolksganzen in aktiver Tätigkeit im Rahmen ber Partei dienen. Eine zweiteDerordnungbes Führers geht von ber Tatsache aus, büß bisher aus den Ab- z e i ch e n d e s Politischen Leiters nur feine Rangstellung erkennbar war. Es war nicht zu erkennen, ob ber einzelne Politische Leiter z. B. ein Ortsgruppenleiter, eine Ortsgruppe mit verhältnismäßig leichten oder besonbers schwierigen Verhältnissen führte, ob seine Arbeitsleistung habet burch- schnittlich ist ober ob er befonbere Leistungen vollbringt, ob er erst ein halbes Jahr sein Amt inne hat ober bereits zehn Jahre. Um nun künftig bem Pofortschreitenbe Mechanisierung und bie Rationalisierung ber Arbeitsvorgänge. Deren Bebeutung beruht ja nicht allein auf ber absoluten Arbeitsersparnis, sonbern mehr noch auf ber günstigen Auswirkung auf bie Arbeit selbst. Auch ber Bauer muß sich eiserne Sklaven bienstbar machen. Auch ber Bauer muß sich mit ber Freube an ber Maschine bie Freube an ber Arbeit erhöhen. Die Maschine schafft aufrechte unb intelligente Menschen unb bringt auf feste Arbeitszeiten. Richtig an- gewanbt, kann sie auch ben Reinertrag steigern und zugleich mit der höheren Leistung für die Landwirtschaft als ganzes einen erhöhtes Anteil am Sozialeinkommen unb für ben einzelnen einen erhöhten I Reallohn ermöglichen. Aber natürlich ist es allein bamit nicht getan. Kein Mittel, bas bazu geeignet ist, ben materiellen unb kulturellen Lebens st anbar b auf bem Lanbe zu heben, barf unangemanbt bleiben. Zum allgemeinen Erkenntnis^ aber muß es werben, baß mit solchen Forberungen nicht bas Interesse eines einzelnen Erwerbszweiges vertreten, sonbern bas Wohl bes Volksganzen wahrgenommen wirb. Der Einsatz muß bem entsprechen. Der Reichsbauernführer traf ins Schwarze, wenn er jüngst sagte: „Man kann bie Lanbflucht nur bann überroinben, wenn bei allem, was in Deutschland geschieht, sei es auf politischem, kulturellem, wirtschaftlichem ober sonstigem Gebiete, bie Rückwirkung a u f b a 5 Lanbvolk beachtet unb ber Wille zur Ueberroinbung ber Lanbflucht zur maß- gebenben Richtlinie gemacht wirb." litischen Leiter, ber seit vielen Jahren mit zähem Fleiß ober wachsenber Leistung ein politisches Amt in ber Partei inne hat, auch in seiner Dienststellung als langjährig unb mit guten Leistun - g en in berselben Dienststellung tätig erkennbar zu machen, hat ber Führer bie Trennung von Dien st rang unb Dienststellung für bie Politischen Leiter verfügt. Künftig wird z. B ein Ortsgruppeyleiter bei entsprechender Leistung vier ober fünf verschiebens Dienstgrabe nacheinanber erreichen können. Dasselbe trifft auf alle anberen hauptamtlichen und ehrenamtlichen Politischen Leiter zu. Während bie Dienstgrababzeichen wie bisher sich auf bem Spiegel befinden, werden die Dienststellungsabzeichen künftig auf ber Armbinbe angebracht. Die neuen Abzeichen sind einfach, schön und übersichtlich. Der Termin ihrer Einführung steht noch nicht fest. Auf die Einführung neuer Uniformen für di e Politischen Leiter ist bereits in ber Presse hingewiesen worben. Der Führer hat in feiner Anordnung festgelegt, welche Uniformarten es für die Politischen Leiter künftig geben wirb. Den Ausführungsbestimmungen wird es Vorbehalten bleiben zu bestimmen, zu welchen Gelegenheiten die verschiedenen Uniformen getragen werben. Außerdem wird noch geregelt werben, von welchem Dienstgrad ab bie Anschaffung der verschiedenen Uniformarten erlaubt ober zur Pflicht gemacht wirb. Die braune Farbe wirb für die Uniform beibehalten. Der Schnitt ändert sich nur in Kleinigkeiten, die den Eindruck ber Uniform verbessern. Die heute in Gebrauch befinblichen Uniformstücke können aufgetragen werden. Im übrigen wird Rücksicht darauf genommen werden, daß insbesondere die ehrenamtlichen Politischen Leiter finanziell durch Neuanschaffungen nicht belastet werben. Oienflauszeichnung der NSDAP. Neue Rangabzeichen und Uniformen für die politischen Leiter. M- • *<.• UM Mi AM M MA M WUU Overstolz M Zwölf' Stück $O Pfennig Das Aroma einer Vollreifen Frucht, Öle wir uns In heißer MittagsftunÖe lelbft vom Baume pflückten, hat uns alle schon einmal öle oereöetnöe unö auf» bauenöe Kraft öer Sonne „schmecken" lallen. Jeöer Sonnentag mehr Ift ein Geroinn für alles, was im Garten öer Natur zur Reife örängt. So oeröankt auch öer Tabak, öer auf Öen Felöern Mazedoniens wächst, feine Feinheit öem Gluthauch einer Sonne,uon Öeren Kraft wir uns hier kaum eine Verkeilung machen können. Ihren Abglanz aber fpüren wir beim Genuß feöer OVER STOLZ? öenn öle Mlfchungsgrunö» läge besteht bei ölefer Zigarette aus Mazeöonen-Ta» bähen,öle mit Sonnenfchein geraöezu gefättigt lind. Photo Krenzpktz 9 WEIN [SPIRITUOSEN Blockstraße 12 Fernruf 2196. Mein lieber Mann, unser treuer guter Vater, Großvater und Schwiegervater Professor Dr. med. Hans Koeppe Direktor der Universitäts-Kinderklinik Gießen i.R. 99-A Leibbinden Bruchbänder Einlagen Anfertigung in eig. VVerkstätte Kurt Kling vorm, Heger Nacht Sandagistenmeist. JUarktstr. 16 Lieferant der Krankenkassen Damen.Bedienung Am Freitagmorgen 5% Uhr verschied plötzlich und unerwartet nach einer Operation unsere liebe, kleine Empfindliche Füße! Dann Dr. Diehl-Schuhe Sdiuhhaus Bernhardt InhuWilh« Germann Gießen, Schulstraße 10. im Alter von 3 Jahren. Wilhelm Magold und Frau Erna Magold Gesund-Fasten nach bewährter Kur unter ärztlicher Leitung; Rhönkurheim Bronnzell b. Fulda Prospekt u. Abhdl. „Ueber des Fasten* yrati» 27130 ist nach einem arbeitsreichen, gesegneten Leben im 73. Lebensjahre uurch einen sanften Tod von seinem schweren Leiden erlöst worden. In tiefer Trauer: Auguste Koeppe Dr. med. Margerit Haasd-Koe; pe Dr. phil. Hanskurt Koeppe Annemarie Schliephake, geb. Koeppe Ing. Walter Koeppe Elisabeth Koeppe, geb. Cormann Prof. Dr. med. Erwin Schliephake Ilse Koeppe, geb. Klatt und 8 Enkelkinder. Oberschreiberhau i. Rsgb., Gießen, Berlin, den 12. April 1939. Die Einäscherung findet in der Stille statt. Herr Heinz Will 27780 Wir betrauern in dem Heimgegangenen einen treuen Mitarbeiter und lieben Kameraden. Sein Angedenken werden wir immer in Ehren halten. Gießen, den 15. April 1939. Dammstraße 40 Am 12. April 1939 entschlief an den Folgen eines Unfalles der Sohn unseres Chefs Die Gefolgschaft der Firma Gustav Will L Co. Gießen, Bahnhofstr. 49. Rnf 3941 im Her, der Stadt 27690 Bon Deut auf morgen läßt sich derLaden nicht neugestatten. LS braucht Seif, soll'S größer und schöner } werden. Dann finden Sie ] eine Zillle im Fachgeschäft z für Tee u. neueLrnährung ’ SIMM« Wg A SIRA addiert,saldiert und schreibt Vorführung kostenlos u.unverbindlich __ 6528A .Meine Nervoiitit hat erheblich nechgelesien und Ich fühle mld» audi somf neu gekräftigt. Quick hat «Ich auigeieichne» bewährt, k Müller, SchkeudiH, Petfalozililr. 4 am 3. 3. 34 über* QUICK mit Lezithin für Herz und Nerven Gießen (Kaiserallee 43), den 15. April 1939. 01930 Gießen, den 15. April 1939. 27620 Herzlichen Dank für die beim Heimgange meiner lieben, unvergeßlichen Frau, unserer lieben Mutter, Schwiegermutter und Großmutter erwiesene Teilnahme, der Schwester Elisabeth für die liebevolle Pflege und für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Spehr, sowie für die vielen Kranz- und Blumenspenden und das ehrenvolle Geleit zur letzten Ruhestätte. Die Beerdigung findet statt am Montag. 17. April, nachm. 3% Uhr, auf dem Neuen Friedhof. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Hermann Schäfer Polizei-Wachtmeister i. R. 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VU a klilve Auhof Es Ist so leicht, die Küche blitzsauber zu halten, wenn elektrisch gekocht wifdl Da gibt es keine Verbrennungsrückstände. Töpfe und Pfannen bleiben von unten ganz sauber, und nach dem Kochen sind Elektroherd und Koch« geschirr im Nu wieder gesäubert ELEKTRISCH KOCHEN SPART ARBEIT UND ZEIT Karl Egner - Frankf. Str. 9 Sanitätsgeschäft 1909A +Leibbinden,Bruchbänder,BammislriimDlej Nachlslühle, Beil-Tische, Verbandkästen sowie sämtl. Artikel für die Krankenpflege Zu allen Krankenkassen zugelassen 2369A Das gute Verlobungs-Anzeigen bei Brühl, Schulstr. 7 Für alle diejenigen die sich neu einrichten wollen, ist die große Möbelschau Südwestdeutschlands Brennholz-Berkauf im Licher Gtadtwalde. Freitag, den 21. April 1939, werden im Forstort Oberspeierlingskopf, Gänsweide, Kronau, Mönch- köpfe u. a. verkauft: 2736D rm Scheiter: Eiche 10, Knorrholz 20. Knüppel. Buche 30, Hainbuche 130, Eiche 45, Birke 70, Erle 15, Fichten-Anbruch 50. Reisig Wellen: Buche 5000. rm Reisig: Birke 10, Eiche 59. Bohnenstangen: Fichte lb-Kl. 1900 Stück, 2. Kl. 1200 St., 3. Kl. 1300 St. Zusammenkunft: 10 Uhr am Kreuzungspunkt der Gänsweid und Meder-Bessinger Schneise. . -Das Holz in Kronau, Mönchköpfe u. a. wird nicht vorgezeigt und ist vorher zu besichtigen. Nähere Auskunft erteilt Revierförster Textor, Lich. Lich, den 13. April 1939. Der Bürgermeister. Geil. im Hause Helberger,x Frankfurt a. M« unerhört interessant. Formvollendetste Modelle bester deutscher Möbelherstellung sind wohnfertig hier auf gestellt, — und zwar sowohl Möbel klassischer Stilarten, als auch solche neuzeitlichster Geschmacksrichtung. Und was dabei am meisten interessiert: Möbel in allen Preislagen Ein Besuch dieser groß angelegten Schau ist für jedermann lohnend. Wanderer-Fahrrad von Fr. Linker 8t Sohn Gießen Ludwigstraße 16 MBEJtGER Frankfurt a. M. Das große Einrichtungshaus Südwestdeutschlands / Gegr. 1829 Ehestandsdarlehen Laß dir raten : Bettfedern und Daunen sollen füll kräftig und keimfrei sein, stets kaufte ich gut bei C. Röhr & Co. Bahnhofstraße 44 2765A H .. Mttf Wfy iß Kostenl. Beratung durch Mitglieder der Elektro-Gemelnschaft und Städt. Betriebe, Abteilung Elektrizitätswerk Gießen von uns gegangen. In tiefer Trauer: 27261) Paula Petri Marie Petri und alle Angehörigen. Gießen (Neuen Bäue 29), den 14. April 1939. Die Trauerfeier findet in der Stille statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen Unsere allerliebste, gute Schwester Juli Petri ist heute früh nach kurzer, schwerer Krankheit für immer Hartdrcnnholz, ä Wagen 5 Mk., Anmachholz. ä Wagen 6 Mk., 1 Sack Anmachholz 1 Mt frei Keller k62d J. Wellhöfer, Telephon 2313, Marb Str. 24. Haben Sie schon Nachtaufnahmen gemacht? Das müssen Sie einmal versuchen! Es ist gar- nicht schwer, wenn Sie sich vorher bei mir beraten und sich den richtigen Film geben lassen! Ich kann Ihnen einige dankbare Motive angeben! Auch die Aufnahme im Heim ist immer dankbar 2745A >n Apotheken und D»pgenen Nr. 88 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) (5./lb.April 1959 Neue Aufbaumaßnahmen unserer Stadtverwaltung a n f> > V f S tad t i 1 i. M. 6 d * 3ooö ~ Hl I H. feier bekundeten. Markwardt und Joachim Popelka. 9 Dem Rufe seiner Vaterstadt folgend, schied August 28. Vorstellung. _ . 1Q 1Ihr Gnbc nach Vramm in seinem 45. Lebensjahre als Landrichter Sonntag, 23. April, Anfang 19 Uhr J b juristischen Berufe aus und übernahm am 21.30 Uhr: „Der Vetter aus Dingsda , Operette von aus ^' 18'75' Jal5 Bürgermeister die Leitung und l Am,sg°,chäft° der Stadt Sieben. Mit feinem Dienst. Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen! 4 H Oberbürgermeister Vramm f. — (Aufn.: Privat.) Am 17. April 1939 sind fünfzig Jahre verflossen seit dem Tage, an welchem der erste Berufs-Bürger- und Oberbürgermeister der Stadt Gießen, August B r a m m, durch ein heimtückisches Leiden mitten ans seinem arbeitsreichen und schaffensfreudigen Leben gerissen und die Stadt Gießen in allgemeine Trauer versetzt wurde, an der damals alle Kreise der Bürgerschaft und die Garnison aufrichtigen Anteil nahmen und dies durch eine erhebende Trauerantritt erfolgte auch die Einführung der neuen Städteordnung, derzufolge aus dem bisherigen Gemeinderat die Stadtverordneten - Versammlung und aus den Gemeinderatsmitgliedern Stadtverordnete wurden. Letztere — achtzehn an der Zahl, aus welchen einer als Kontrolleur gewählt wurde — und zwei unbesoldete Beigeordnete verteilten sich auf zehn ständige Deputationen oder Kommissionen,»welchen mindestens drei von ihnen zwecks Sonderbearbeitung angehörten. Die bisher von einem Gemeinderatsmitglied erfolgte Führung des Sitzungsprotokolls wurde von Anfang Januar 1875 ab einem besoldeten Schriftführer übertragen. Die Sitzungsprotokolle der Stadtverordneten-Der- sammlung wurden nunmehr auch von dem Bürgermeister, als mitverantwortlichem Leiter der Sitzung, in erster Linie mitunterzeichnet, was in den Vorjahren von dem Vorgänger nie geschehen war. Auch von dem Bürgermeister nunmehr alljährlich aufae- stellte Voranschläge, aus welchen sich die Richtlinien und der Umfang für die von der Stadtverwaltung zu lösenden Aufgaben ergaben, und von ihm selbst bis ins Einzelste mit großem Fleiße und höchster Gewissenhaftigkeit ausgearbeitete Verwaltungsberichte nach Ablauf jeden Jahres, aus welchen man ein übersichtliches Bild von der Gesamtlage der Stadt gewann, gab es vor 1875 nicht. Mit dieser Neueinführung bzw. Reform in der inneren Verwaltung ging Hand in Hand das Streben des Bürgermeisters, seiner Vaterstadt ein anderes, besseres Aeußere zu geben, sie nach und nach von dem ihr noch in vielfacher Hinsicht anhaftenden „dörflichen Charakter" zu befreien und aus ihr, dem fortschreitenden Zeitgeschehen und den steigenden Anforderungen entsprechend, eine Stadt zu machen. So trat er sofort an die schon in den Vorjahren vereinzelt gegebenen Anregungen und aufgestellten, auch teils ausgearbeiteten Projekte heran, welche, um die Bürgerschaft nicht mehr als herkömmlich mit steuerlichen Erhebungen zu belasten, von dem Gemeinderat immer Mieder zurück- • Halte - v. Umstehe stellen. © Hafte stellen. Die Linienführung für die Omnibusse zur Verkehrserschließung des Südviertels. (Reproduktion nach einem Plan des Städtischen Elektrizitätswerkes.) Vorbildlicher Dienst zum Wohle der Siadi Gießen Zum Gedächtnis an Gießens ersten Berufs-Bürger- und Oberbürgermeister. Spielplan des Sladllhealers vom 16. bis 23. April. 9rm Sonntag 16. April, findet im Stadttheater die 13. Morgenveranstaltung statt. Sie bringt Kammermusik, und zwar Dvorak, Streichquartett Ls-ckur ^^end^^das^Gi^ene?S"treichquari^ SÄ SÄ« S2 MM» Die Hrstellunasindet außer Miete statt. Anfang 19 Uhr, Ende 22 Uhr^ Dienstag 18. April, Anfang 20 Uhr, Ende nach 22^Ubr- 'Einen Sommer lang", Lustspiel von Katharina Stoll. Spielleitung Gunter Winkel. Dienstag-Miete 28. Vorstellung. Freitag 21. April, Anfang 20 Uhr, Ende nach e>e)nc\ nhr- tkrstauftührunq „Meine Schwester und kck" mufUaMchls Lustspiel aon Ralph Benatzky. Spielleitung Gert Buchhelm An zwe, MuAn Amz Markwardt und Joachim Popelka. Freitag -utiere und um so rascher erledigen. Es fällt uns auch keine Perle aus der Krone, wenn wir einmal mit unseren Kindern ein Frühlingsspiel im Hof oder auf der Straße spielen. Das ist eine Freude für die Kleinen, und wir selber erleben den Frühlung viel tiefer und reiner, als wenn wir nur vom Fenster aus zuschauen. H. gestellt worden waren, und schritt zur Ausführung, welche sich aber über seine Amtsdauer hinaus ausdehnte. In erster Linie erfolgte der Durchbruch der Bahnhofstraße, die als Parallelstraße zu dem für den gesteigerten Verkehr schon längst nicht mehr genügenden Seltersweg dringend notwendig war. Hierbei hatte der Bürgermeister, dem die undankbare Aufgabe auferlegt war, mit den Grundbesitzern der für den Ab- und Durchbruch in Frage kommenden Gebäude persönlich zu verhandeln, mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nur in seltenen Fällen kam es zu einer friedlichen Einigung über die Hergabe und den Kaufpreis, meist mußte im Wege des Enteignungsverfahrens in langwierigen Prozessen die Entscheidung herbeigeführt werden. Gleichzeitig erfolgte die Umwandlung der das Stadtinnere in großen Windungen, die nur noch im Hitlerwall ('Ostanlage) zu erkennen sind, umziehenden vier Schooren in gerade, fahrbare Straßen mit schönen, für die Spaziergänger bestimmten, von Lindenbäumen eingefaßten und teils von gärtnerischen Anlagen begleiteten Nebenstraßen, und deren Benennung als Anlagen nach den vier Himmelsrichtungen. Der neben den vier Schooren herlaufende Stadtringgraben, meist Flutgraben, wurde teils mit einer Steinsohle belegt und eingefaßt, teils durch Kanalisierung beseitigt. Sein Hauptaugenmerk richtete der Bürgermeister auf den Ausbau und die Verbesserung der städtischen Straßen bzw. Gassen, deren unwürdiger Zustand nicht länger duldbar erschien, und, im Zusammenhang damit, auf die sanitären Verhältnisse der Stadt. So wurden zunächst die verkehrsreichen und weiterhin alle neuen Straßen, soweit dies durchführbar war, mit erhöhten gepflasterten Bürgersteigen versehen, die bisher überhaupt gefehlt hatten ober doch wenig zweckmäßig, wie auf dem Seltersweg, mit der Fahrstraße gleich hoch und von ihr durch eine Wasserrinne getrennt waren. Zugleich wurden dis bisherigen, den Abwässern dienenden Straßenrinnen das Schulgebäude nunmehr zum ersten Male nach zehn Jahren in vollem Ausmaß für den ihm ursprünglich zugedachten Zweck zur Verfügung. HJ.-Heim wird Anfang 2Hai begonnen. Nachdem am gestrigen Freitag die Submission für die ganzen Rohbau-Arbeiten zur Errichtung des H I. - H e i m e s am Wartweg, auf der Schönen Aussicht, stattgefunden hat, werden- nun die einge- reichten Angebote geprüft. Voraussichtlich werden die Bauarbeiten für das HJ.-Heim Anfang Mai begonnen werden. Etwa bis zur Jahresmitte hofft man, soweit gekommen zu sein, daß das Richtfest gefeiert werden kann. Den Innenausbau hofft man bis zum Jahresschluß zu vollenden, so daß das HJ.- Heim etwa um die Jahreswende seiner Bestimmung übergeben werden kann. Zweiter Stall für das EHW. Anfang dieser Woche ist mit dem Bau zur Errichtung eines zweiten Stalles für die Schweinemästerei des Ernährungs- Hilfswerkes begonnen worden. Das Stallgebäude, das zur Unterbringung von weiteren 180 Schweinen des EHW. dienen soll, wird voraussichtlich bis Ende Juli fertig fein. Unmittelbar anschließend sollen dann alle Nebenarbeiten zur Vollendung der gesamten Schweinemastanlage des EHW. durchgeführt werden, damit diese Einrichtung ihr endgültiges Bild erhält. Nach Fertigstellung des zwei- ten Stalles wird das EHW. in Gießen ständig rund 400Schweine zur Ma st aufstellen können. B. Aus der Stadt Gießen. Kinderspiel. Welche Kraft liegt doch in der Frühlingssonne! Vergessen sind die kalten Tage der letzten Wochen. Der Frühling ist Sieger geblieben. Niemand weiß das sicherer als die Kinder, die nun den ganzen Tag auf der Straße spielen wollen. Niemand soll ihnen ihre Freude nehmen. Betrachten wir nur einmal die kleinen Kinder am Sandhaufen! Mit welcher Hingabe und Andacht sind sie beim Spiel! Ganz ernste Gesichter machen sie und sind wie versunken in eine andere Welt. Auch die meisten andern Spiele sind ganz unabhängig von der Umwelt, sie sind ohne Ziel und Zweck, nur eben ein Spiel. Es sind Betätigungen unserer Kinder, die nicht gerne stillesitzen mögen. Da drüben laufen zwei Buben auf hohen Stelzen. Von ihrem erhöhten Gesichtspunkt schauen sie stolz selbst auf die Erwachsenen herab. Am Dorfbach aber, da beginnt erst der Hauptreiz des Stelzengehens. Wie schon und abenteuerlich ist es, durch ganz tiefe Stellen zu waten! Und dann kann man so fein durch die Fenster den Leuten in die Stube schauen und die kleinen Mädchen erschrecken! Und welcher Bub hat eben keine „Klicker" in der Tasche? Ueberall auf den stillen Seitenstraßen, vor den Häusern, in Vorgärten und auf den Spielplätzen werden kleine Löcher mit einem Hölzchen ober einfach mit dem Stiefelabsatz gemacht, unb nun rollen die kleinen Kugeln. Mit welchem Ernst wirb ihr Lauf verfolgt! Und welchen Anteil nehmen bie Zuschauer! Fast bei jedem Spieler paar stehen mehrere Stinber und geben ihren fachmännischen Rat. Selten ist es, baß ein Erwachsener mitreden kann. Er wirb einfach nicht als voll genommen. Jedes Spiel wirkt belehrend und erziehend. Wir sollen deshalb nicht eingreifen und womöglich Ratschläge geben. Die Kinder wissen das viel besser. Ge- raöe bei den Gemeinschastsspielen entwickelt sich der Sinn für Geschicklichkeit, aber auch für Kamerab- schaft und Unterordnung. Alle Kinder haben ein großes Gefühl für Gerechtigkeit und Wahrheit. Sie schließen jeden aus, der unehrlich spielt. Was die Kinder aber kaum wissen und auch nicht zu wissen brauchen, das ist die große Bedeutung des Spieles für den kindlichen Körper, der — jetzt nach dem langen Stubensitzen — eine starke Umstellung durchwacht. Durch die vielen Bewegungen bei Lauf unb Spiel wirb der Körper zu erhöhtem Stoffumsatz angeregt. Das Blut kreist schneller, und die Atmung wirb tiefer. Schon aus diesem Grunde sollten wir unsere Kinder in diesen ersten Frühlingstagen recht oft und recht lange auf der Straße lassen, oa- mit sie ihren Spielen nachgehen können. Schwächliche Kinder aber dürfen diese ersten Früh- Ungsspiele nicht im lieber maß genießen. Sie werben sonst gar zu leicht mübe und auch empfänglich für Erkältungskrankheiten. So weit es also geht, müssen wir hier die Zügel in die Hand nehmen und — ohne daß es die Kinder merken — bei Zeiten etwas bremsen. Gesunde Kinder aber sollen wir beim Spiel nur abrufen, wenn es unbedingt nötig ist, und auch dann noch müssen mir Rücksicht darauf nehmen, ob bas Spiel beendet ist oder nicht. Einer oft gehörten Bitte der Kinder, nur noch einige Minuten zu warten, bis das Spiel fertig ist, sollen wir — wenn es möglich ist — recht weitherzig entgegen kommen. Das frohe Leuchten der Kinderaugen wirb dann nicht verschwinden, und sie werben die kleinen Dienstleistungen, für die wir sie brauchen, um so lieber Lin neuer Abschnitt im Wohnungsbau. Trotz der regen Wohnungsbautätigkeit in den letzten Jahren, die namentlich unter der starken Initiative der Stadtverwaltung entfaltet wurde, besteht in unserer Stadt.immer noch ein Mangel von rund 1000 Drei- unb Vier-Zimmer-Wohnungen. Um dieser Knappheit an Wohnraum mittlerer Größe weiter entgegenzuwirken, hat Oberbürgermeister Ritter die Inangriffnahme eines neuen Woh- nungsbauabschnitts vorbereitet. Die neuen Wohnungsbauten sollen von der Gemeinnützigen Wohnungsbau G. m. b. H. durchgeführt werden. Einzelheiten übr das neue Bauprogramm sind heute noch nicht festgelegt, aber in Kürze zu erwarten. Fröbelseminar unb Aliceschule von der Stabt übernommen. Mit Wirkung vom 1. April 1939 ab sind die Aliceschule und das F r ö b e l s e m i n a r aus der Verwaltung des Aliceschulvereins in die ausschließliche Verwaltung durch die Stadt übergegangen. Beide Schulen werden nunmehr als städtische Einrichtung fortgeführt und den Er- forberniffen entsprechenb gestaltet werden. Als künftige Wirkungsstätte beider Einrichtungen ist die Alte Pestalozzischule am Werner-Wall bestimmt worben, wohin der Unterrichtsbetrieb nach Vornahme einiger Jnnen-Umbauten in der Alten Pestalozzischule verlegt werden wird. Die Haus- haltsschule des bisherigen Aliceschulvereins wird fernerhin in dem jetzigen Haufe in der Stein- straße bleiben, da sie ja auch bei dieser Unterbringung in engem räumlichen Zusammenhang, nur durch einen kurzen Weg quer über den Werner- wall hinweg, mit den übrigen Schuleinrichtungen bleibt. Ferner wird die jetzt im ßiebigbau (Alte Klinik) untergebrachte Berufsschule in das Gebäude der Alten Pestalozzischule verlegt werben, dagegen wirb die Maschinenbauschule vorerst noch weiter im Liebigbau verbleiben. Umbauten in bet Heuen pestalozzischule. Nachdem bas Gebäube der Alten Pestalozzischule eine anbere Bestimmung erhalten hat, mußte ber Schulbetrieb von bort teilweise mit nach ber Neuen Pestalozzischule verlegt werden. Um in diesem Schulhaus im Eichgärtengelänbe alle erforberlidjen Raummöglichkeiten zu schaffen, sinb im Verlaufe der letzten Wochen durch Jnnenumbau bie vor einigen Jahren wegen anbermeitiger Benutzung bes Gebäubes geschaffenen Einbauten wieher beseitigt worben. Damit wurde ber ursprüngliche bauliche Zustand wieder hergestellt, b. h. durch Versetzen von Zwischenwänden mürben neue unb größere Schulräume geschaffen, ba sich bie Ansprüche hinsichtlich der Raumgröße gegenüber der Zeit der Erbauung der Schule (1929/30) wesentlich geändert haben. Nach Abschluß dieser Jnnen-Umbauten steht Dornotizen. Tageskalenber für Samstag. Stadttheater: 20 bis nach 22 Uhr „Flitterwochen". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Hotel Sacher" — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Heidi ;. ©Jwj’öor- stellung 23 Uhr „Rasputin". — Oberhesstscher Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung hiesiger Künstler im Turmhaus am Brand. — Kameradschaft ehern. 116er: 20.15 Uhr, „Zum Auerhahn , Kamerad- schafts-Appell. Tageskalenber für Sonntag. Stabttheater: 11.30 bis 12.30 Uhr Mvrgen-Deran- ftaltung .Kammermusik"; 19 bis 22 Uhr „Fanny Elßler^ — Gloria - Palast (Seltersweg): „Hotel Sacker". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „$eibt ; Spat-Vorstellung 23 Uhr „Rasputin — Oberhessischer Kunstverein: 11 bis 13 Uhr ^^Uun9 hiesiger Künstler im Turmhaus am Brand — Schutzenverein Gießen: 9 Uhr Fernwettkarnpf im Kleinkaliberschießen. — Burg Gleiberg: nachmittags unb abends Luftwaffen-Konzert. Zum lehleu Male„Alittermochen" im Sladllhealer. freute abend zum letzten Male tms. Lustspiel Mttermochen" von Paul Öelmig. Spielleitung: ®lnt« Winkel, Bühnenbild: S arf fe stellung findet gleichzeitig als den KdF.-Feierabendrmg statt. Anfang zu ugr, Ende nach 22 Uhr. In dem Bestreben, bem südlichen Stadtteil eine weitere Förderung zuteil werden zu lassen, hat der Leiter unserer Stadtverwaltung, Oberbürgermeister Ritter, die Schäftung einer Verkehrsverbinbung burch bas Sübviertel mit Anschluß an bie Straßenbahn unb barnit an alle übrigen Stabtteile ungeordnet. Die neue Verkehrslinie wird voraussichtlich von Ende April ab in Betrieb genommen werden. Zunächst wird der neue Verkehrsdienst von zwei städtischen Omnibussen in einem 10-Minuten-Verkehr im laufenden Gegendienst in beiden Richtungen werktags und Sonntags von 7 bis 20 Uhr durchgeführt werden. Der neue Omnibusverkehr wird den Benutzern die Möglichkeit bieten, am Bahnhof (Nähe Hotel Hopfeld) und am Ludwigsplatz auf die Straßenbahn umzusteigen, ferner an ber Ecke Friedlich st raße/Wartw eg (beim Physiologischen Institut) von einem Omnibus auf den anderen überzusteigen. Die Omnibuslinie wirb in Form eines Kreises burch bas Sübviertel und durch den eigentlichen Wvbtkern betrieben werden. Der Preis siir die Omnibusfahrt ist auf 10 Pf. festgesetzt, beim Umsteigen auf bie Straßenbahn ist ber entsprechende Mehrbetrag für die Benutzung ber Elektrischen nachzuzahlen. Von Ende April ab wird die Omnibuslinie zunächst versuchsweise in Betrieb gesetzt werben, um vorerst die Frequenz unb damit bas Interesse der Bevölkerung an dieser Linie festzustellen. Falls sich eine ausreichende Benutzung ergibt, soll späterhin, etwa vom Herbst ober vom Winter ab, diese Verkehrslinie durch den Einsatz von weiteren Omnibussen ausgebaut werben unb bamit zugleich für den Stadtteil Klein-Linden eine gute Der- kehrsmöglichkeit bieten. Es liegt also im Interesse aller Volksgenossen im südlichen Stadtteil und in Klein-Linden, von der neuen Derkehrsinöglichkeit fegen Gebrauch zu machen, um deren Fortbestand unb weiteren Ausbau zu erreichen. Die Wünsche nach Schaffung einer guten Fahrverbindung für den südlichen Stadtteil sind schon seit Jahren immer wieder vorgebracht worben, so daß man nunmehr, ba diesen Wünschen in dankenswerter Weise entsprochen wird, von der Bevölkerung aus die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung beweisen sollte. n e <- Die Veranstaltungen der Partei am 20. April und 1. Mai. Am 2 0. April, dem 50. Geburtstag des Führers, findet um 20 Uhr im Saale des Cafe Leib die Vereidigung der Politischen Leiter statt, die im Laufe des letzten Jahres in ihre Aemter berufen wurden. Die Partei und alle ihre Gliederungen sowie eine Abordnung der Wehrmacht stellen sich am Abend in der Ludwigstraße und in den angrenzenden Straßen zum Fackelzug auf. Um 20.30 Uhr beginnt der Marsch. An der Spitze marschieren das Musikkorps und eine Ehrenkompanie der Wehrmacht, dann kommen hinter dem Musik^ug der Standarte 116 die SA. und alle übrigen Gliederungen der Partei, am Schluß marschiert die ff. Der Musikzug der Kreisleitung, der HI. und der Fanfarenzug des Jungvolks werden ebenfalls Marschmusik stellen. Der'Fackelzug durchschreitet folgende Straßen: Ludwigstraße, Bleichstraße, Hindenburg- wall, Neuen Baue, Sonnenftraße, Kreuzplatz, Seltersweg, Horst-Wessel-Wall, Bahnhofstraße, Marktstraße, Marktplatz, Kirchenplatz, Lindenplatz, Walltorstraße, Hitlerwall, Landgrafenstraße zum Landgraf-Philipp-Platz. Hier schließt sich um 20.-30 Uhr eine große Kundgebung an, bei der Pg. Jung (Frankfurt a. M.) die Ansprache halten wird. Der Gruß an den Führer und die Nationalhymnen bilden den Abschluß der Kundgebung. Der 1. Mai als der Nationale Feiertag des deutschen Volkes wird unter die Parole „Freut euch des Lebens" gestellt. Am 29. April wird der Maibaum feierlich eingeholt werden. Die Jugend wird dabei mit mancherlei Darbietungen erfreuen. Der Maibaum soll auch Schmuck aus der Arbeit des Gießener Handwerks erhalten. Nachdem der Maibaum auf dem Trieb aufgestellt ist, schließt sich dort großes Volks- fest mit reichhaltigen Unterhaltungsdarbietungen an. Für den 3 0. April ist ein Kinderfest vorgesehen. Der 1. Mai, der ebenfalls auf dem Trieb gefeiert wird, soll mit einem Großen Wecken der Wehrmacht eingeleitet werden. Dann werden Darbietungen der Gesangvereine folgen. Vormittags findet die Jugendfeier st unde statt, der am Mittag die allgemeine große Feier folgen wird. Bei beiden Veranstaltungen werden die Feiern in Berlin übertragen. Nachmittags ist dann wieder V o l k s f e st auf dem Trieb. Große Beteiligung am Schaufenster-Weilbewerb Bisher über 100 Anmeldungen. Zum Schaufen st er-Wettbewerb, der im Rahmen des Reichsberufswettkampfes aller Schaffenden in der Zeit vom 2 0. bis3 0. April 1939 zum erstenmal im Großdeutschen Reich zur Durchführung gelangt, sind im Stadtkreis Gießen über 100 Anmeldungen eingegangen, das sind rund 20 v. H. mehr als im vergangenen Jahre. Sämtliche Firmen, die bis setzt noch nicht ihre Anmeldungen zum Schaufenster-Wettbewerb abgegeben haben, können dies zum letzten Termin bis 17. April 1939 noch nachholen. Wir erwarten die Teilnahme aller Einzelhändler. Wer kann sich zum Wettbewerb anmelden? Sämtliche Arbeitskameraden, vom Lehrling bis einschließlich Betriebsführer. Anmeldungen nimmt die Kreiswaltung der DAF., Schanzenstraße 18, Abt. Reichsberufswettkampf, noch bis zum angegebenen Termin entgegen. Die Wellbewerbsleitung für den Schaufenster-Wettbewerb. — Gossen, auch Pullen, genannt — beseitigt und an den Bürgersteigen entlang geführt. Ebenso verschwanden allmählich die die Stadt durchziehenden Kanäle — Flutgräben —, z. B. der von der Schul- ftraße durch die Dreihäusergasse nach dem Kreuz- Vlatz führende — auch Bach genannt —, in welche vielfach die Aborte — wie z. B. im Teufelslust- Kärtchen — und die Spülwasser aus den Häusern und Geschäften, wie Gerbereien und besonders Metzgereien, welche damals noch in Räumen ihres Betriebes schlachteten, abgeleitet waren und die, wie nicht näher ausgeführt zu werden braucht, jeder Hygiene spotteten. Die in der Stadt um jene Zeit öfter aufgetretenen Epidemien, wie Blattern, Typhus, Cholera usw., mögen in diesen Zuständen ihren Entstehungsherd gehabt und zur Verbreitung solcher Krankheiten beigetragen haben. Da die öffentlichen und privaten Pumpbrunnen nicht immer einwandfreies Wasser lieferten, teilweise sogar verseucht waren, wurde die schon im Jahre 1877 als dringend notwendig anerkannte Quellwasserleitung aus dem Gießener Stadtwalde (Hohe Warte) vom Jahre 1883 ab durch die Stadt gelegt, die zur Ausstellung von mehr als 20 öffentlichen Dentilbrunnen und dann zu Hauswasseranschlüssen führte und zur Hebung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung wesentlich bei trug. Seitdem ist der Typhus usw. als Epidemie nicht mehr aufgetreten. Die zunehmende Einwohnerschaft und der sich entwickelnde Verkehr bedingten eine Erweiterung der Stadt durch Neuerrichtung von Straßen. So wurden, außer der Bahnhofstraße und den vier Anlagen, teils verlängert und ausgebaut, teils neu angelegt und angebaut die folgenden Straßen: der Asterweg, durch Ueberbrückung des Stadtgrabens und Verlängerung über die Schoor nach dem Gartfeld; die Bismarckstraße, von der Südanlage bis zur Stephansmark; die Gartenftraße, von der Wieseckbrücke her links an dem Wenzels- später Steins Garten (der jetzigen Bergstraße) entlang bis zum Nahrungsberg; die Goethe-, anfangs Stephanstraße, von der Südanlage bis zur Stephansmark; die Ludwigstraße bis zur Univerfitäts-, der nachmaligen Liebigstraße; der Ludwigsplatz, auf dem am 10. November 1883, anläßlich des 400. Geburtstages Dr. Martin Luthers, die Lutherlinde gepflanzt wurde; die Plockstraße, die Schillerstraße, die Schützen-, die Wiesen- und die Wolsstraße; ferner nach längeren Verhandlungen die Dleich- ftraße von der Südanlage bis zur Wieseck, die Löberstraße und im Gartfeld die Stein-, Damm-, Weser-, Eder- und Schottstraße. Ihre jetzigen Namen erhielten: die Frankfurter-, Marburger-, Licher- und Rodheimer Straße sowie die Rittergasse, vorher Judengasse. An Neubauten, bei welchen die Stadt Gießen mehr oder weniger stark finanziell in Anspruch genommen war, wurden errichtet: das Realgymnasium und die Universität in der Ludwigstraße, das Gymnasium in der Süd- anlage, die Höhere Mädchenschule in der Schillerstraße und das Justizgebäude (Landgericht) in der Ostanlage. Als Ereignisse von besonderer Tragweite sind zu bezeichnen: 1. die käufliche Erwerbung des im Privatbesitze befundenen Gaswerks, das am 1. Oktober 1886 in das Eigentum der Stadt Gießen und in die städtische'Verwaltung überging und für die Stadtkasse eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle bildete — mit demselben wurde ein Jahr später die Verwaltung des städtischen Wasserwerks verbunden; 2. die nach mehr als zehnjährigen Verhandlungen erfolgte Erbauung des städtischen Schlachthauses, dessen Betrieb am 15. Oktober 1887 eröffnet wurde und die Stadt von weitgehenden Uebelständen befreite. Diese Darstellung der Stiftungen während der Amtsperiode des Oberbürgermeisters Bramm zeugt von einer außerordentlich umfangreichen Betätigung auf allen Gebieten der städttfchen Verwaltung. Wenn es dennoch, wie zu allen Zeiten, unzufriedene Spießbürger gab, die mit dieser auf- sttebenden Entwicklung und ihrem gessttgen Urheber nicht einverstanden waren, so sicher nur deshalb, weil sie eine, durch die nicht zu vermeidenden großen Ausgaben bedingte, steuerliche Mehrbelastung befürchteten. Nicht viele der heutigen Gießener Einwohner werden sich des schlichten, aufrechten Mannes erinnern können, der über 14 Jahre lang täglich zweimal zwischen seiner Wohnung (anfangs Neustadt 45, dann Ludwigsplatz 10) und dem Bürgermeisteramte, das sich in dem alten Rathause und vom Oktober 1876 ab in der alten Realschule — jetzt Sozialamt und Stadtkasse — befand, hin und her wanderte, der mit ganzer Hingabe sich den ihm obliegenden Aufgaben zum Wohle der Stadt und der Ein- wvhnerschaft Gießens widmete, der kaum eine Sitzung der Stadtverordneten versäumte und sich selten einen längeren Erholungsurlaub als die zwischen zwei Sitzungstagen gelegene Zeit, in der Regel zwei Wochen, gönnte, bis ihn ein anfangs zu wenig beachtetes schweres Leiden auf das Krankenbett warf, dem er dann, drei Monate nach der am 17. Januar 1889 stattgehabten letzten von ihm geleiteten Stadtoerordnetensitzung, erlag. In seiner großen Sorge um das Wohl seiner Vaterstadt empfahl er noch auf feinem Sterbebette den von ihm oorgeschlagenen, im November 1886 zum Beigeordneten berufenen Kreisingenieur Feodor G n a u t h zu seinem Nachfolger. Wenn seine Tätigkeit sich auch stets den Zeit- verhältnissen, namentlich in finanzieller Hinsicht, anpassen und hauptsächlich auf den Ausbau des Stadtinnern beschränken mußte, so war er doch der Wegbereiter für die nach ihm erfolgte Erweiterung des Weichbildes der Stadt und ihre spätere Äusdehnung nach allen Richtungen. Auf kulturellem Gebiete war er ein eifriger Förderer aller Einrichtungen und Bestrebungen, welche eine Hebung der Geistesbildung und eine Pflege der Volkswohlfahrt zum Ziele hatten. Sein Streben, zur Volkserziehung durch eine gute Schulbildung beizutragen, bekundete er nicht nur in seiner Fürsorge für die Höheren Schulen durch Erbauung von Schulgebäuden, sondern auch dadurch, daß er durch fast regelmäßige Teilnahme an den öffentlichen Schulprüfungen, besonders in der Volksschule, sich persönlich von den Ergebnissen des Schulunterrichstzss und den Fortschritten der Schüler überzeugte. ^§r brach nach und nach mit dem Remunerationswesen, auf das die städtischen Beamten und Angestellten bei ihrer geringen Besoldung geradezu angewiesen waren, unb führte ein festes, gestaffeltes, wenn auch nach oben noch ziemlich begrenztes Gehaltsystem ein, so für die ftädttsche Lehrerschaft, für die Schutzmannschaft, deren Institut am 1. Oktober 1878' ins Leben trat, und die sonstigen städtischen Beamten. Im Kirchen- und Schulvorstande sowie in der Armen- deputatton führte er den Vorsitz, unterstützte den Volksbildungsverein, die Fortbildungsschule und die Handwerkerschule und war Mitglied des .Kreis- und Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen und der Landessynode in Darmstadt. Der schon im Januar 1877 erfolgten Anregung zur Erbauung eines neuen Rathauses konnte aus finanziellen Gründen nicht nähergetreten werden. Das gleiche Schicksal widerfuhr dem im Dezember 1880 von mehreren Einwohnern gestellten Anträge auf Erbauung eines Saalbaues. Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, an der erst im Juli 1890 erfolgten Enthüllungsfeier des Liebig - Denkmals, dessen Errichtung er seit der schon im Juli 1876 erfolgten Projektierung das größte Interesse entgegengebracht hatte, leitend teilnehmen zu können. Wenn sein Name in der Folgezeit selten genannt, in lokalgeschichtlicl)en Berichten sogar nicht erwähnt worden ist und seine geistig hochstehende und sehr geschätzte Persönlichkeit durch die seines Nachfolgers, der nach elfjähriger Amtszeit zum hessischen Finanz- Wehr als ein Schönheitsmittel, ein Pflegemittel für Schuhe ist Erdal. Erdal gibt den Schuhen nämlich nicht nur rasch Hochglanz, es pflegt auch das Leder, schützt es vor dem Hart- und Brüchigwerden. Die Schuhe halten länger und bleiben länger schön, lessv Minister berufen wurde, gewissermaßen in den Schatten gestellt worden ist, so kann dafür eine Begründung schwerlich gefunden werden, wenn sie nicht etwa'in der seiner großen Bescheidenheit zu suchen ist, die ihn auch während eines Zeitraumes von vierzehn Jahren mit einer nicht pensionsberechtigten jährlichen Besoldung von sechstausend Mark, etwa der Hälfte des Anfangsgehaltes feines Nachfolgers, sich zufrieden geben ließ. Nach dem Ablaufe seiner Amtszeit am 31. Dezember 1886 erfolgte zu Anfang Januar 1887 durch die Stadt- verordneten-Versammlung seine einstimmige Wiederwahl als Bürgermeister auf weitere zwölf Jahre, aber erst in dem folgenden Jahre, in seinem letzten Amts- und Lebensjahre, wurde ihm ein höheres Jahresgehalt von siebentausend Mark zugebilligt und ihm am 12. September 1888 vom Großherzog der Amtstitel „Oberbürgermeister" verliehen, nachdem die Bevölkerung der Stadt Gießen während seiner Amtsdauer von 13 980 auf über 19 000 Einwohner angewachsen war, also das zwanzigste Tausend erreicht hatte. Man kann nicht behaupten, daß die Stadtverordneten-Dersammlung in dem nach seinem Tode gefaßten Beschluß, seiner Witwe von seinem Todestage ab eine Witwenpension von jährlich fünfhundert Mark zu bewilligen, eine besondere Anerkennung der hohen Verdienste des Verstorbenen und einen schuldigen Dank für feine unermüdliche, aufopfernde Arbeitsleistung zum Ausdruck gebracht hätte, denn selbst in jener billigeren Zeit mar bei bescheidensten Ansprüchen ein Jahreseinkommen von fünfhundert Mark für den Lebensunterhalt nicht ausreichend. Wenn «in Mann verdient hat, daß fein Name nicht nach Menschenlos der Vergangen- und Der- gessenheit anheimfällt, sondern in dankbarem Gedenken weiterlebt, so gewiß Gießens erster Oberbürgermeister August Bramm, der als geborener 'Gießener kein höheres und schöneres Ziel kannte als den Aufstieg und das Wohl feiner Vaterstadt und feiner Mitbürger und sich somit schon damals in echt nationalsozialistischem Sinne für die Volksgemeinschaft eingesetzt hat. F. Br. Hitler-Jugend Bann 116. Fliegergefolgschaft 1/116, Gießen. Morgen, Sonntag, 16. April, treten die Jg., die über die Pfterfeiertage an einer Schulung auf der Amöneburg oder in Maar teilgenommen haben, zur Schulung in Maar um 7 Uhr cm der Groß-Garage in Svmmer--Uniform an. Der am Montag, 17. April, ftattfinbenbe Dienst wird auf den 18. April, um 20.15 Uhr, verlegt. Gießener Stadttheater. Katharina Stoll: „Einen Sommer lang." „Einen Sommer lang" — das ist eine hübsche Lustspielüberschrift, welche die Phantasie anregt und einen auf allerhand erfreuliche Gedanken bringen kann. Katharina Stoll, die sich im Programmheft als Schauspielerin und Autorin oorstellt, hat sich eine Liebesgeschichte zu vieren ausgedacht, die ganz lustspielmäßig anfängt und auch ganz vorschrifts- mäßig mit zwei glücklichen Paaren endet; schade ist nur, daß die Fabel, bei Licht besehen, allenfalls für einen wohlproporttonierten Einakter ausreicht. Drei Akte lang — „einen Sommer lang", das gibt der Einfall nicht her. * Dem Privatdozenten Peter ist feine junge Frau Maria davongelaufen, weil er bloß an feine Arbeit und nicht an die Liebe denkt. Da er- sich auch davonmacht, sie zu suchen, bleibt das hübsche Sommerhäuschen, wo sie gewohnt haben, leer und verlassen. Das paßt gerade zwei jungen Zirkusleuten auf der Walze und ohne Geld, dem Kunstschützen Hubertus und der Tänzerin Theresina, die sich unterwegs den Fuß verstaucht hat. Den beiden ist das leere Nest eben recht, sie kommen sich wie im Märchen vor, und als dann etwas später erst Peter und bann Maria auf der Bildfläche erscheinen (die die Erinnerung an ihren Hochzeitstag zurückgetrieben hat), werden sie in ihrem eigenen Hause von dem Artistenpärchen für Einbrecher oder jedenfalls auch für ungeladene Gäste gehalten. Da Maria und Peter ihren unausgetragenen Ehe- zwist nicht vor den beiden Fremdlingen beilegen wollen, improvisieren sie einen Scherz: Maria sei das Hausmädchen und Peter ihr Freund, und sie beschließen, da die „Herrschaften" ja doch verreist seien, einen Sommer lang zu viert hier zu hausen. Das geht mit Kameradschaft, mit Liebe und Eifersucht übers Kreuz so lange gut, bis die Polizei kommt und das Nest aushebt; zwar stellt sich der Irrtum der Obrigkeit schnell heraus, aber nun sind Hubertus und Rest böse ob des Spiels, das jene mit ihnen getrieben haben, und es dauert noch einen ganzen Akt, bis der Frieden hüben und drüben und nochmal übers Kreuz wiederhergestellt ist. Der von Herrn Winkel geleiteten Aufführung gelangen die besten Szenen, sommerliche Stimmung, improvisatorische Leichtigkeit und allerlei hübsche Situationskomik, zu Anfang. Später märe, besonders gegen Ende, in Anbetracht der merklich nachlassenden Spannung, eine energische Raffung sehr zu empfehlen. (Daß die Erstaufführung überdies durch die Unpäßlichkeit eines Darstellers in die Länge gezogen wurde, war natürlich höhere Gewalt.) Ansonsten war das kleine Quartett munter und bei Laune. Herr Erler spielte den Hubertus als bayerischen Naturburschen von fröhlicher Unbefangenheit, Fräulein Garbe die kleine verschüchterte und mädchenhaft beglückte Theresia. Herr Weiland und Fräulein Schloeder machten das halb trotzige, halb zärtliche Ehepärchen; Herr V o l ck vertrat mit unbestechlichem Diensteifer die Polizeigewalt. — Sehr hübsch war das Bühnenbild des Herrn Löffler. * Die kleine Neuigkeit fand eine' sehr freundliche Aufnahme. Hans Thyriot. Hochzeit im Gebirg. Von Josef Friedrich perkonig. Die ehrsame Braut und der ehrsame Bräutigam tun euch schon bitten! Der Hochzeitlader klopft mit seinem Stock einigemal auf den Boden; ob er seine Ladung gereimt oder ungereimt vorbringen mag, ob er die künftige Lust beim Hochzeitsmahl verrät ober verschweigt, ob man ihn für seine Ansage belohnt ober nicht, wie vor Zeiten in Oberösterreich, wo er einen Hahn, eine Henne empfing, er fühlt sich bei ber Hochzeit als ber erste im Kalenber unb schreitet bie weite Gemeinbe aus, wie es ihm angeheißen ist worben. Nicht nur bie Leute ber Sippe hat er zu laben, er muß auch in bie Häuser aller Freunde treten, so entfernt sie auch wohnen mögen, sie gelten jetzt als Nachbarn. Eine Hochzeit — wir finb noch in älterer Zeit, nicht in ber trübseligeren Gegenwart, wo man Schönes achtlos bahingab — ist ein Fest von ein paar hunbert Leuten, ja, einem halben taufenb, von ben letzten Höfen stiegen sie hernieber, unb sie tarnen aus entlegenen Dörfern. Gäste, bie ihre Teilnahme an bem Mahl mit ein paar Gulden erkaufen. Ehre genug ist ihnen allein schon die Ladung. So eine Hochzeit kann ein gutes Geschäft für das Brautpaar sein, wenn die Gäste nicht einer wüsten Völlerei ergeben sind, aber es ist dafür gesorgt, daß sie immer wieder von ber Tafel aufstehen müssen, den Ehrentanz kann ber Braut niemanb verweigern, den Hut des Brautführers soll man sich dabei aufsetzen, und auf einmal ist die Braut geraubt, es muß sich der Bräutigam mühen, sie wieder zu erlangen, muß die falsche Braut abweisen, die da erschienen ist. Dann poltern um Mitternacht die Maschkerer herein, und zuletzt tanzen die Leute der Braut das Kranzei ab. Man muß einen langen Atem haben, will man alle Gebräuche um die Hochzeit hersagen, beinahe so lang, wie ihn der Hochzcitlader braucht, wenn er bas Mahl anEünbigt. Da spricht er Im hintersten Gebirg von ben künftigen Genüssen, auf bie sich bie geladenen Gäste frühzeitig freuen sollen. Ehe sich aber bie Tafel unter Schüsseln unb Tellern, unter Gläsern unb Krügen zu biegen anhub, haben bie Brautleute vielleicht schon in ber Kirche Wein getrunken, haben ben Brotlaib angeschnitten unb nachher Brot gegessen, es geschehen wohl auch änbere natürliche unb seltsame Dinge; bas Brautgut brachte man am Vortag zum Hause bes Paares, bemalte Truhen unb Schränke unb stellte obenauf bie Wiege, bie Hochzeitknechte tanzten vor bem Kirchentor, unb bie Kranzeijungfern hatten unterein- anber ein heimliches Getufchel. Es begibt sich heute noch manches um fo eine Hochzeit, was morgen wahrscheinlich vergessen unb vertan fein wirb, unb vor jeder alten Zeit steht immer noch eine ältere, in ber ein später abgestorbener Brauch noch lebenbig war. So kamen ber- einstens im vorarlbergischen Walb Brautpaar unb Hochzeitschar auf Pferben zur Kirche geritten, so hob im Allgäu ber Bursch bas auserwählte Mäbchen am Sonntag nach Heiligenbreikönig zu sich a>ss bas Roß unb brachte es zum Wirtshaus, unb ein wunber- bares Sinnbilb schufen Bräutigam unb Braut im Pbbstal; bort trugen sie Sichel unb Spinnrocken vor ben Altar. Muß einem ba nicht bas Herz wehtun, wenn man von einer unwieberbringlichen Sitte vernimmt, bie so schon war, als habe sie ein Dichter erfunben, unb war boch ersonnen unb geübt von einfachem Volk. Noch ruht unser Auge manchmal auf einem Hausober Ehefegen, einem Hochzeitsbrief hinter Glas. In einem Gewinbe von Rosen, Nelken unb Vergißmeinnicht brennen zwei Herzen, große altväterische Buchstaben verschnörkeln eine selige Erinnerung, unb es verwunbert uns etwas, wie bie länblichen Menschen auch einen Heiratsbrief heißen können bas graue Spinnweb. Es ist eine gemessene Orbnung, in ber sich eine Hochzeit vollzieht, überall in ben Bergen beinahe auf biefelbe Weife. Nur bas Gerank wechselt nach ber Gegenb, nach dem weiten ober engen Himmel über bem Dorf, nach ber Brauchtreue ber Menschen. Von all ben sonberbaren Beigaben bünkt mich bas Hochzeitslaufen im Salzburger Vorlanb am seltsamsten. Da ziehen die Hochzeitsgäste aus der Kirche hin zur Laufstätte, bie, im Sommer eine abgemähte Wiese, im Winter aber die Landstraße ist. Die barfüßigen Laufbuben haben in der Sonnenglut und im bittersten Frost nichts anderes am Leib als Hemd und Unterhose. Und von ihren schwarzen Zipfelmützen hängen die rotweißen Bänder . Nach einem Umtrunk wirft ein Laufbub das Glas in bie Luft, bas ist bas Zeichen zum Ablauf; er geht hin zu einem Strowisch. Der Sieger empfing bereinft vom Bräutigam einen Kronentaler, von ber Braut einen (Bulben. Bei. einer grünen Hochzeit finb die Laufbuben jung, bei einer golbenen Hochzeit laufen alte Männer. Es wird erzählt, baß bei einer golbenen Hochzeit im Talgau im Herbst bes Jahres 1906 fünfzehn Greise gelaufen finb, sie trugen zusammen über taufenb Jahre auf den Schultern; so war ein Läufer durchschnittlich siebzig Jahre alt. Und doch liefen die besten die dreihundert Meter in hundert-, sechzig Sekunden. Ich bestaune aber, obwohl man auch vor ihr den Hut ziehen muß, nicht so sehr diü späte Kraft des Leibes wie die Gewalt des Brauches, dem auch die alten Männer noch verfallen find, daß sie der Beschwernis nicht achten und auch nicht der Gefahr. Es duftet leise nach Rosmarin, Bräutigam unb Braut trugen ein Sträußlein davon an ihrer Brüsk Und jetzt lasset zu guter Letzt noch die Hoch» zeitsgäste heimblasen, wie es geschehen muß nach Gebühr. Sochschulnachrichten. Die Entpflichtung des o. Professors Dr. Eugen Fischer an der Universität Berlin wurde um ein Jahr bis Ende September 1940 hinausgeschoben. Professor Fischer, der im Juni d. I. sein 65. Lebensjahr vollendet, wurde 1918 Ordinarius der Anatomie. 1927 übernahm er die Leitung des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für Erblichkeitslehre und Eugenik in Berlin-Dahlem und zugleich den Lehrstuhl der Anthropologie an der Universität Berlin. Die Entpflichtung des o. Professors für Vergleichende Sprachwissenschaften an der Universität Berlin Dr. Eduard Schwyzer wegen Erreichens der Altersgrenze ist durch Beschluß der Reichsregierung um ein Jahr hinausgeschoben worden. Prof. Schwyzer, ein gebürtiger Züricher, ist seit 1932 an der Berliner Universität als Ordinarius tätig. Professor Dr. Heinrich Sommerfeld, Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre an ber Universität Heidelberg, ist als Nachfolger von Professor Obst an bie Universität Breslau berufen I worden. vScl fc. die Seife, deten Schaum die ’Xaul Wjünqt >4 Watzenborn-Steinberg, 1-1. April. Die am Hilfe bei Kopfschmerzen Mitglied der Elektro-Gemeinschaft INI Beachten Sie unsere Schaufenster! ZumfruMhr Ludwigstraße 16 2780 A GROSSE FRIEDBERGER STRASSE 2790 A Brühl'sche Druckerei, SchuletraBe 7, Anruf 2251 '< -"//////////' FRANK FÜR T A . IVi M Ö BELFABRIK-EINRICHTUNGSHAUS Xau Geschmackvoll Vornehm Persönlich Nachlässe von 3 bis 20 v. H. erhalten Sie bei wiederholten Veröffentlichungen einer Anzeige i ein. des «Sonderzug zum Appell der politischen Leiter in Butzbach. Die Kreisleitung Wetterau gibt be- IM.-Llntergau 116 Gießen. Nun will der Lenz uns grüßen! Jungmädel fingen, musizieren und spielen 16. April im neuen Studentenheim. Wir laden hierzu alle Eltern recht herzlich Unser Elternabend soll ganz unter dem Zeichen 1/10 12 bis 15, Tomaten, kg 45 bis 50, Zwiebeln 15 bis 16, Schwarzwurzeln 40 bis 50, Rhabarber 32 bis 35, Kartoffeln, kg 5 bis 8 Pf-, 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Nüsse, Yi kg 40 Pf., Blumenkohl, das Stück 35 bis 50 Pf., Salat 25 bis 40, Salatgurken 50 bis 70 Pf., Lauch 5 bis 15, Rettich, alte 10 bis 15, neue, das Bündel 40, Sellerie, das Stück 25 bis 60, 7i kg 50 bis 55, Radieschen, das Bündel 15 bis 20 Pf. ergeben sich mancherlei Schwierigkeiten und Verwicklungen, von denen selbst ein Liebespaar nicht unberührt bleibt. Diese Disharmonien, die sich aus den verschiedenen Lebensauffassungen ergeben, sind aber nicht so breit ausgesponnen, daß die muntere Fröhlichkeit, die den Ton bestimmt, dadurch gestört, wäre. Die Wiedergabe der Komödie geschah mit viel Geschick und Liebe. Die Regie führte Willi H a i ° b e l. Tüchtige Darsteller verhalfen dem Stücke aum Erfolg. Will Haibel selbst gab den Manöversepp mit unnachahmlichem bäuerlichem Stil, der durch die Mundart besonders wirklichkeitsnahe wurde. Franz Vogel gab den Kreithofbauern mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Emil Bauer- Dorn hatte als Sohn des Kreithösers eine dankbare ernstere Rolle. Viktor v. Ianko war sich als Alois Utz auf eine überzeugende Art selbst zuwider. Auch der Berliner Franz Grundl gefiel sehr gut. In den weiblichen Rollen zeichneten sich Jenny D r e- h e r als Bäuerin Rest und Emmy Winkler- Schoch als Frau Utz aus. — Das ganze Stück, lebensnah und kraftvoll in feinem Inhalt, wie auch in feiner Wiedergabe, wurde sehr dankbar ausgenommen. leuchten Rad'O/ NSU.-Motorrad Modell 500 OSL. Sport mit Beiwagen in tadeUosem Zustand zu verkaufen Linker 8t Sohn ger", Jungen und Mädels, nahmen die vorderen Stuhlreihen ein, während die Eltern hinter diesen Platz nahmen. Mit dem Liede „Auf, hebt unsere Fahnen in den frischen Morgenwind" wurde die Feierstunde eingeleitet, dem ein Vorpsruch einer kleinen Schülerin folgte. Sodann wandte sich der Leiter der Schule, Rektor Müller, mit einer Ansprache an die Eltern und die Kinder und wies auf die Bedeutung eines solchen Tages hin. Mit diesem Tage beginne für jedes Kind ein neues Leben. Mit dem Eintritt in die Schule werde das Kind in eine größere Gemeinschaft eingereiht, es müsse sich an eine andere Umgebung und Ordnung gewöhnen. Gleichzeitig werde das Erziehungswerk von den Lehrern und Lehrerinnen mit übernommen und dem Kinde geistig das mit auf den Weg gegeben, was es für sein späteres Leben brauche. Er ermahnte die Eltern, während der gesamten Schulzeit des Kindes stets in engster Fühlung mit der Schule zu bleiben, denn nur durch engste Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus und vollstes Vertrauen der Eltern zur Schule und den Erziehern könne die beiderseitige Arbeit von Erfolg gekrönt sein. Durch herzliche Worte an die Kinder nahm der Rektor ihnen vollends die etwa noch vorhandene Angst vor der Schule, und er betonte, daß neben der Arbeit auch Lust und Freude zu ihrem Recht kämen. Diese Freude hielt nun ihren Einzug bei groß und klein durch das Spiel vom „Kasperl und seine Grethe". Das Spiel, ausgeführt von Mädels des Fröstel-Seminars, zeigte den Kleinen, was die arme Grethe durch Unreinlichkeit der Zähne für Schmerzen aushalten mußte, und löste die größte Heiterkeit aus, als Doktor Eifenbarch all die Schmerzens- teufelchen aus ihrem wehen Zahn holte und sie von ihren' Schmerzen'befreite. In seinen Schlußworten dankte Rektor Müller allen denen, die sich für diese Aufnahmefeierstunde zur Verfügung stellten, und betonte, daß das Fröbel- Seminar mit dem lustigen Kasperlspiel die letzte Arbeit für seine seitherigen Schützlinge, zugleich aber auch die erste für deren Schulanfang geleistet habe. Die Feierstunde wurde sodann in der üblichen Weise geschlossen. Gießener Wochenmarktpreife. * G i e ß e n , 15. April. Auf dem heutigen Wochen, markt kosteten: Markenbutter, kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Eier, Klasse S 11, A 107, B 10, C 9%, D 87i, Weißkraut, % kg 14 bis 15, Rotkraut 18 bis 20, gelbe Rüben 15 bis 16, Spinat 20 bis 25, 1 kg 35, Ünterkohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 25, Feldsalat, Küken a. Leistungszucht weiße amerikan. Leghorn f. März, April u. Mai 50 Pfennig das Stück. IbwD Lieferung frei Haus bzw. Hof. Geflügelüof staunlichaus. Viel netter, einschließlich des von ihm hinterlassenen Anteils nach freiem Ermessen verfügen kann, so i|t es jur mich selbstverständlich, daß der Teil, der von den Furrers stammt, auch wieder an die Furrers zurückgeht." — „Eine genaue Ausstellung darüber steht zu Ihrer Verfügung, Herr Furrer", unterbrach Stoecklin sich selbst. - „Ebenso- selbstverständlich soll das Vermögen der Gundolss auch wieder dieser Familie zugute kommen. Meine Nachforschungen haben ergeben, daß es so zahlreiche Nachkommen meiner Geschwister in allen Gegenden der Welt gibt, daß nur ein winziger Betrag aus leben fallen würde, wollte ich das Geld gleichmäßig unter C-Pychght by Carl Dunck-r Verlag, Bxrlln 3 Fortsetzung. «Nachdruck verboten.» Wenn er ahnt-, wie dünn der berühmte seidene Faden was, an den. mein pünklich-s Hi-rs-iN hing — Sina schüttelte sich unwillkürlich. Aber die Aus. Ivgungcn schienen noch nicht vorüber zu s-m.Was mochte in dem Testament stehen? — C- wäre s-> mhrend, wenn diese aus der Mie <-tauchte Großtante ihr etwas rötig konnte sie ein paar tausend Frank n gebrau yem Sicher bekam sie etwas, wozu hatte ma 1 1 pnft Herkommen lassen. Und -venu -s auch mch ii-l war, schon die R-ü- hierher war -mc wunder .olle Unterbrechung ihres gle-ichs°rmig°n Arbeit - ,-bens in Berlin. Schon dasur allein wollte P 'lankbar sein, trotz der gestrigen Gmg-nil e. Nachher mären di- Leute ,a doch alle sehr nett -hwes-n, lie Kommissare und der Mann vom Flugplatz T£r. tm meisten! Wenn er die Sache mit den tjingi rwrsenen Blumen nicht beobachtet hatte, wäre s> p . fuhr aus ihren Gedanken aus, denn die Tur tlffncfe fich um einen gediegen aussehenden Herrn n rntttle?e'n Jahren durchzulassen. Er wurde von k/-n sich Ptüsend, als werden soll. Ein genauer, ourde und setzten sich dann. Auch Stoecklin nahm 3 S & (id) um ausschließlich Gundols-. "jeder Platz und entfaltete mit ?«r sete ch-n, Wrv^, vorhanden'! schaltete e-to-ck^ Kgunq ein nicht zu umfangreiches Schnststiick. « weiter: ..Es ist kein Reichtum an —s» SS. 18ÄSS mufperte sich nachdrücklich und begann «^'egn. als sis tarnen zuerst Beftimmungen über «dn»e W ( Wunsch Mit. .. i-äge, Legate an Dienstboten, Wohltatigkeits ) ^„^lie Furrer, geborene Gundolf. iungen, eine größere Summe an ein Tierh mund Stoerfiin hatte geendet und sah ,eme beiden ihnliche Anordnungen, die Zeigten, daß ^eit Klienten an. In Furrers Gesicht 'nalte sich zuerst s nrrer-Gundols trotz äußerlicher 3“rucfge30genl)m( Enttäuschung, baß der ansehnliche Be- ! durchaus nicht lebensfremd 9croe|.^|lna>“^meaae= 1 trag seiner Familie entging. Doch dann siegte bei Beiträge sollten vom Gesamtvermogen vorwegge n:ag » Geschäftsmann die ruhige Ueber- wmmen und ausgezahlt werden. Dann erst kam dem n w bätte bie Erblassenn ihr ganzes »*» -* men nicht in die Verlegenheit, mal im Winde segeln zu müssen. Oft aber ist der Bauprüfer recht zufrieden. Ist er es. dann wird das schön und amtlich bescheinigt und nun kann der Vogel sein Kleid bekommen. Er wird sauber mit weißer Leinwand mittels Klebelack bespannt, eine Kunst, die auch gelernt sein will. Denn der Stoff muß stramm sitzen. Falten und Verziehungen sind unerwünscht. Selbst der glätteste Stoff aber ist immer noch zu rauh und vor allem noch nicht wasserfest. Dem wird abgeholfen durch Eellonlack, ein Lack, der die wunderbare Eigenschaft Hot, wenn man ihn auf einen vorgespannten Stoff streicht, denselben noch fester und strammer zu spannen, ihn dazu lüft- und wasserundurchlässig zu machen. Ist das geschehen, dann geht's immer noch nicht zum Flua: dann kommt der Bauprüfer noch einmal. Vielleicht lacht er und sagt weiter nichts mehr, vielleicht aber macht er noch einmal ein ernstes Gesicht, notiert verschiedenes auf einen gelben Bogen, den der Werkstattleiter dann eingehend studieren kann, was wieder Weiterungen für das „Bauperfo- nal" nach sich zieht. Zuletzt noch wird dann auf die Maschine geschrieben, wie sie heißt, wer sie gebaut hat, was sie wiegt und trägt, welche Windgeschwindigkeit sie verträgt, ob sie mit Gummiseil hochgezogen wird, oder sich gar von einem motorisierten Bruder schleppen lassen kann. In Deutschland herrscht Ordnung. Auch hier Ist alles dann in Ordnung, dann kommt von der Gruppe endlich das langersehnte Papier, der Prüfschein, der die Maschine frei gibt zum Flug. Vor dem ersten Flug aber wird die Maschine noch, wie sich das gehört, getauft. Nicht mit Sekt. Der ist zu teuer. Aber mit Kohlensäure, mit flüssiger Luft. Bei der Namengebung gedenken wir der Männer des Flugsportes und der Bewegung. Es liegt in der Namengebung, wie anderswo, ein tiefer Sinn und eine heilige Verpflichtung. Dann, wenn dies geschehen ist, übergibt der Werkstattleiter den deuen Vogel dem Fluglehrer zu treuen fänden, der den ersten Flug mit ihr macht. Viele Flüge werden folgen, wie lange — bis zu dem Tage^ wo der Werkstattleiter seinen Vogel wiedersieht, nicht immer zu seiner reinen Freude, aber sicherlich dient dieses Wiedersehen der Belebung seiner sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und noch mehr der Werkstattätigkeit. Metze vor Stach und Lohmann. Die erfolgreichsten Dauerfahrer der Winterbahnen. Die Radrennzeit auf den Winterbahnen ist wieder beendet. Von fünfzig internationalen Veranstaltungen der Steher entfallen allein 16 auf Paris, 12 auf Antwerpen, 9 auf Berlin, 6 auf Stuttgart, 5 auf Dortmund und je eine auf Marseille und St. Etienne. Weltmeister Erich Metze konnte mit acht Siegen wieder seine große Ueberlegenheit bestätigen. Hinter ihm behauptete sich der Berliner Georg Stach dank seiner wieder guten Form auf dem zweiten Platz vor dem Bochumer Walter Lohmann. Erst nach diesen drei Deutschen folgt der Franzose P a ill a r d an vierter Stelle als erster Ausländer vor seinen Landsleuten A. Wambst und Minardi, denen sich der Belgier Meulemann, der in diesem Winter einige sehr gute Rennen fuhr, anreiht. Aufs angenehmste überraschte der Berliner Hoffmann, dessen Können zu den besten Hoffnungen berechtigt. Auch die beiden Franzosen Lesueur und Lemoine zeigten eine gute Fahrweise. Degegen waren Severgnini (Italien) und Terreau (Frankreich) nicht ganz so erfolgreich wie im Vorjahr. Neue Rekordversuche bei Dessau. Die neue Rekordstrecke auf der Reichsautobahn von Dessau nach Bitterfeld wird in der kommenden Woche wieder im Zeichen von Rekordversuchen stehen. Der englische Major Gardner, der am 9. November 1938 auf der Autobahn Frankfurt a. M.—Darmstadt mit einem 1100-ccm-Wagen Geschwindigkeiten von rund 300 km/st erzielte, will in Dessau erheblich höhere Geschwindigkeiten erreichen. Seine Angriffe richten sich auf den Kilometer und die Meile mit fliegendem Start in einem Wagen b**5 zu 1100 ccm. Kurze Sportnotizen. Der erste motorlose Zielflug zwischen Augsburg und München wurde von NSFK.-Ober- truppführer K e i d e l (Augsburg) mit einem Segelflugzeug vom Typ „Rhön-Bussard" durchgeführt. * MajorGardner, der bekannte englische Automobil-Rennfahrer, ist auf der Dessauer Rekordstrecke eingetroffen und wird in der kommenden Woche mit seinem kleinen M.-G.-Wagen Rekordversuche über den Kilometer und die Meile unternehmen. * Zu den Olympischen Spielen 1940 in Helsinki haben jetzt auch Bulgarien, Frankreich und Südafrika gemeldet. Damit ist die Zahl der teilnehmenden Nationen auf 40 gestiegen. * Mehrals20k)Städtemannschaften beteiligen sich an einem Kleinkaliber-Wettbewerb um den Herausforderungspreis des Deutschen Schützenverbandes, den Karlsruhe verteidigt. Geschossen wird von Zehnermannschaften mit militärischem Anschlag. Die ersten Kämpfe zur deutschen Motorrad-Meisterschast. Wieder Eilenriede-Nennen. lieber dem deutschen Motorsport liegt jetzt, beim Eintritt in die neue Kampfzeit, jene Atmosphäre, die nicht nur die unmittelbar Beteiligten in Atem hält, sondern auch die ganze Motorsportgemeinde in eine eigentümliche Aufregung versetzt: Premierenstimmung! Neukonstruktionen und technische Verbesserungen, bisher sorgsam geheimgehalten und gehütet, treten zum ersten Male heraus aus den stillen Bezirken der Dersuchsstätten, um sich der Kritik der Oeffentlichkeit zu unterziehen. • Das Tor zur neuen Kampfzeit wird auch in diesem Jahre in der Eilenriede bei Hannover ar.f= gestoßen. Es ist jetzt keine Zeit mchr zum Expen- mentieren und Versuchen. Es gilt, die ersten Punkte zur deutschen Meisterschaft zu erkämpfen. Sieg und Niederlage haben daher entscheidende Bedeutung für die Zukunft. Unter diesem Blickwinkel muß man auch die Neukonstruktionen betrachten, die NSU. und die Auto Union in der Cilenriede am kommenden Sonntag Herausstellen. Die Union startet gleich mit ihren beiden Neuschöpfungen in der 250er und 350er-Klasse, während die Neckarsulmer ihre „kleine" Maschine-vorläufig wieder zurückgezogen haben, da die Versuchsfahrten auf dem Hockenheimring wegen des ungünstigen Wetters nicht genügend Aufschluß verschaffen konnten. So bleibt die 350er-NSU., die der DKW. ein ebenbürtiger Gegner sein wird. 192 Fahrer sind für Hannover bereit. Mit 100 Startern stellt der Nachwuchs in den Klassen der. Ausweisfahrer die Hauptstreitmacht. Ihnen gegenüber stehen 92 Lizenzfahrer aus Deutschland, Holland, England, Dänemark, Belgien, Finnland und der Schweiz. Das Ausland rückt zwar noch nicht mit seinen Stärksten an, aber gute Vergleichsmöglichkeiten werden sich in der Eilenriede doch ergeben. Harte Kämpfe (die Strecke wurde wieder auf 30 Runden = 144 Kilometer für alle Klassen verkürzt) darf man in allen Klassen der Lizenzfahrer erwarten. In der 2 5 0 e r - K l a s s e wird die neue DKW. von Europameister Kluge und Walfried Winkler gesteuert, nach der Absage von NSU. ohne ernsthaften Gegner sein. Unter den rund 25 Fahrern befindet sich als einziger Ausländer der Belgier Dickwell auf einer italienischen Binelli. Die 350er°Klasse führt erstmals die neuen Modelle der Auto-Union und von NSU. zusammen. Interessant ist dabei, daß der alte NSU.-Kämpe Heiner Fleischmann diesmal zusammen mit Petruschke und Hamelehle für die Auto- Union startet. Die Neckarsulmer setzen Bodmer und den Engländer White ein. Das Ausland vertreten hier noch Binder (Holland), Thomas (England), Jensen (Dänemark), alle auf Velocette, und Lönnfors (Finnland) auf DKW. Insgesamt treten 40 Fahrer an. Für die Halbliterklasse liegen 30 Meldungen vor. Die Bayerischen Motorenwerke, die ja mit Meier einen Fahrer von Ruf an den Automobilsport abgegeben haben, schicken Altmeister Gall und K r a u ß in den Kampf mit der schnellen englischen Norton des Briten Anderson, der als forscher und gewandter Fahrer bekannt ist. Alle Meisterschaftsläufe und das Ausweisfahrer-Rennen der Halbliterklasse steigen am Sonntag, während am Tage vorher die Ausweisfahrer ganz unter sich sind. Die NSKK.-Motorgruppe Niedersachsen wird der großen Prüfung den längst gewohnten volkstümlichen Rahmen zu schaffen wissen. Erstes Training. Beim ersten Training zum internationalen Eilen- riederennen bei Hannover waren die HalbliterBMW. mit Stundenmitteln um 130 Kilometer am schnellsten. In der 250er-Klasse drehte Europameister Ewald Kluge auf DKW. mit 2:20,4 (122,6 km/st) eine neue Rekordrunde, während der neue DKW.-Fahrer Fleischmann (früher NSU.) mit 2:16,4 (127,5 km/st) in der Klasse bis 350 ccm am besten abschnitt. Die neuen NSU. waren erheblich langsamer. * Beim Abschluß-Training zum Eilenriede-Rennen wurden am Freitag wieder ausgezeichnete Zeiten erzielt. Schnellster Fahrer.in der 250-ccm-Klasse der Motorradrennfahrer war Walfried Winkler (DKW.) mit 120 km/st. Gut waren auch die Zeiten der 350er. Hier erreichte Bernhard Petruschke (DKW.) mit 125,6 km st die beste Zeit, und in der Halbliterklasse schnitt Karl Gall (BMW.) mit 130 km/st am besten ab. Georg Meier kam „außer Konkurrenz" auf der Halbliter-BMW. auf 137,6 km/st. Zwei Kämpfe aus dem Waldsportplatz. VfB.-Reichsbahn I — Naunheim l. erstmalig findet morgen auf dem Waldsportplatz des PfB.-Reichsbahn eine Doppelveranstaltung statt. Die Sportbegeisterten werden bestimmt auf ihre Rechnung kommen, denn nicht nur die Begegnung zwischen dem VfB.-Reichsbahn und Naunheim steht auf dem Programm, sondern zugleich das Spiel 1900 gegen Aßlar. Der zur Zeit in Gießen weilende Gausportlehrer S o 11 o n g wird diese Gelegenheit benützen und sich die besten Spieler aus diesen Vereinen merken, vielleicht ist außer Lippert noch eine weitere Entdeckung fällig. Im Rückspiel wird Naunheim erwartet. Diese Mannschaft war es, die die Meisterschaftshoffnungen der Grün-Weißen zunichte machte, denn gerade dies verlorene Spiel entschied über die Meisterschaft. Nun haben die Grün-Weißen vor, sich für die Vorspielniederlage zu revanchieren. Der Gegner ist hier bekannt, hat allerdings die Mannschaft stark verjüngt. Trotzdem ist der Gegner sehr ernst zu nehmen. Die Grün-Weißen, die den zweiten Tabellenplatz unbedingt halten wollen, werden morgen ein gutes Spiel liefern müssen, wenn es zu einem Siege reichen soll Die Mannschaft tritt in folgender Aufstellung an: Gottschalk, Leutheuser I., Kramer, Krämer, Lutz Godglück, Schlitz, Fischer, Gorrissen, Heß, Frey. Es ist mit einem spannenden Spiel zy rechnen, das erst in den Schlußminuten entschieden werden sollte. 1900 — VfB. Aßlar. 3m Rahmen einer Doppelveranstaltung tragen die Blauweißen das Gesellschafts-Pflichtspiel aeaen den VfB Aßlar auf dem-Waldsportplatz aus Ob- wohl der Ausgang ohne Bedeutung ist, werden von beiden Seiten die besten Besetzungen aufgeboten. Denn, für die Blauweißen gilt es, die Mannschaft für die noch ausstehenden Verbandsspiele in Gang zu halten, während die Aßlarer für die demnächst beginnenden Qualifikationskämpfe um den Verbleib in der Bezirksklasse mit den beiden Tabellenletzten, Burg und Ehringshausen, gewappnet sein müssen. Bei dieser Voraussetzung kann man also schon mehr mit der Form eines Pflichtspieles rechnen Heber den Ausgang braucht man wohl keine zu große Forschungen anzustellen, denn es ist wohl nicht anzunehmen, daß sich die Blau- weißen in der Aufstellung Herbst, Pankok, Lippert, Krämer, Rensing, Schäfer, Schellhaas, Lödsack, Quick, Hormel, Heuser den Sieg streitig machen lassen. VfB.-Reichsbahn II — Naunheim II. Die Reserve der Grün-Weißen empfängt Naunheim II und sollte durchaus in der Lage sein, auch im Rückspiel sicherer Sieger zu werden. Teutonia Steinberg I — kurhessen Marburg. Noch in letzter Stunde ist es der Steinberger Dereinsführung gelungen, für morgen einen beachtlichen Gegner für die 1. Mannschaft zu verpflichten. Kurhessen Marburg ist ein Verein, der auch in unserem Sportkreis den besten Ruf besitzt. Die Mannschaft ist wohl nicht mehr so stark wie vor einigen Jahren, als sie noch zur Gauklasse gehörte, aber trotzdem verfügt die Elf über solides Können. In der Bezirksklasse steht die Mannschaft an zweiter Stelle. Schon vor vier Jahren waren die Marburger Kurhessen einmal in Steinberg zu Gast und mutzten sich mit 4:2 beugen. In der Zwischenzeit nun hat die Spielstärke der Gäste nachgelassen und Steinberg besitzt eine aufwärts strebende Elf. Es dürfte zu einem hartnäckigen Kampfe kommen, über dessen Ausgang eine Vorhersage nicht leicht möglich ist. Bedenkt man, daß die Teutonen wieder mit Ersatz spielen müssen, so ist eine Ueberraschung nicht ausgeschlossen. Neben Karl Jung fehlen wieder Lang, Schmidt und Naumann. Außerdem fehlt auch noch der Tormann Happel. Aber die eingestellten Nachwuchsspieler werden genau so wie am letzten Sonntag ihre Pflicht tun. Ä. f. N. Lich. Am morgigen Sonntag werden wieder einmal zwei Spiele auf dem Licher Platze ausgetragen. Die erste Elf empfängt eine kombinierte Elf von Tuspo. Butzbach. Die Gäste, die mit ihrer 1. Mannschaft in der Bezirksklasse spielen, konnten sich in der vergangenen Spielserie in der Mittelgruppe halten und dürften auch trotz einiger Spieler aus der zweiten Elf mit einer starken Mannschaft nach Lich kommen. Wenn auch die Licher an den Feiertagen eine gute und zweckmäßige Spielweise zeigten, so sollten sie doch keineswegs das sonntägliche Spiel leicht nehmen. Vor diesem Spiel tritt die Jugendelf gegen Steinbachs Jugend oft. Die Jüngsten der Grünweißen konnten in ihren letzten Spielen keineswegs g». fallen, scheinen aber diese Krise allmählich zu überwinden, denn am vergangenen Sonntag konnte man mit den im Spiel gegen eine kombinierte Jugend von VfB.-R Gießen gezeigten Leistungen zufrieden sein. Allendorf (Lahn) — Ehringshausen 2:2 (2:1). Die Jugendmannschaft Allendorf (Lahn) hatte die gleiche verstärkte Mannschaft des Sportvereins Ehringshausen zu Gast. Beide Mannschaften gaben ihr Bestes her, und so kam es zu einem interessanten < Immer elegant Damen-Maß-Kostüm im Schneiderstü \ Krevert & Sohn Kampf, der in seinem Endresultat mit 2:2 (2:1) seine richtige Bewertung erfahren hatte. Was die Gäste den Einheimischen an technischem Können voraus hatten, wußten die Allendörfer durch Eifer auszu- gleichen. Handballkämpfe um den Aufstieg. Der Gaufachwart hat für kommenden Sonntag bereits die ersten Spiele zur Ermittlung des Gau- klafsen-Neulings im Bezirk II angesetzt. Es treten an: To. Kirch-Göns — Tv. Hörnsheim MSV. ^Barbara Gießen — Tgde. Hanau. Unter diesen Umständen ist eine Aenderung in der Austragung der Pokalspiele notwendig geworden. An Stelle der Paarung Katzensurt — MSV. Barbara spielt Katzenfurt — Luftwaffe, und in Dornholzhausen tritt für Hörnsheim eine Kombinatton des Tv. Dutenhofen an. Auf diese Weise konnten die Schwierigkeiten wenigstens einigermaßen behoben werden. Die Ausstiegspiele versprechen bei der Ausgeglichenheit der Gegner ausgezeichneten Sport. Es märe zwar müßig, schon irgendwelche Voraussagen zu treffen; dazu sind vor allen Dingen die Sieger der beiden anderen Staffeln zu unbekannt. Fest steht allerdings, daß unsere beiden Vertreter, d. h. sowohl der Tv. Hörnsheim als auch die Artilleristen aus Gießen über ein ausgezeichnetes Können verfügen und sicherlich in der Lage sind, den heimischen Kreis würdig zu oertreten. Einen schweren Gang geht ohne Zweifel Hörnsheim, weil Kirch-Göns zu Hause schwer zu schlagen ist. Immerhin ist die Mannschaft keineswegs gegen eine Niederlage gefeit, so daß ein Sieg der Gäste im Bereich der Möglichkeit liegt. Wesentlich leichter hat es die Barbara, die den Vorteil des eigenen Platzes in die Waagschale werfen kann. Bedeutungsvolle Schritte in der oberhessischen Schweinezucht. Tagung der Schweinezüchtervereinigung Oberheffen. Die Schweinezüchter - Vereinigung Oberhessen, die sich auf kleinbäuerlicher Grundlage aufbaut und die größte derartige Vereinigung innerhalb der Landesbauernschaft ist, hielt unter dem Vorsitz des Bauern Karl L o r b e r g (Hof Wick- stadt) am gestrigen Freitag im „Saalbau Liebig- sttaße" zu Gießen ihre sehr gut besuchte Jahresmitgliederoersammlung ab. Zunächst wurde dem Manne, der jahrelang die Geschicke der oberhessischen Schweinezucht geleitet hatte und dem sie ihre großen Erfolge verdankt, dem verstorbenen Oberlandwirtschaftsrat Dr. Otto Wagner, ein stilles Gedenken gewidmet. Aus dem Geschäftsbericht. Der Geschäftsführer, Landwirtschaftsrat Dr. Wagner, leitete dann feinen Geschäftsbericht mit der Feststellung ein, daß sich für die oberhessische Schweinezucht ein bedeutungsvoller Schritt vollzogen habe, indem die in Lang-Göns bestehende Zucht des Deutschen Edelschweines aufgegeben wurde. Dr. Wagner sprach anerkennend von den ausgezeichneten Leistungen, die die Lang-Gönser Züchter im Lause der Jahre erzielten, für die sie auf den DLG - und den Reichsnährstandsschauen ausgezeichnet worden waren. Nachdem aber einige Züchter ihre Zucht aufgegeben haben, wodurch der Blutaustausch erschwert wurde, und der Absatz nachgelassen hatte, seien die Lang- Gönser zu der Ueberzeugunq gekommen, daß es richtiger sei, das in Hessen-Nassau vorherrschende Veredelte Landschwein zu halten. Der letzte Stations-Eber des» Deutschen Edelschweines sei in der Zwischenzeit abgeschafft worden, so daß ab 1.1.1940 nicht mehr gekört werden könne. Damit habe die Edelschweinzucht, die ihre Erfolge unter Beweis gestellt hatte, aufgehört zu bestehen. Landwirtschaftsrat Dr. Wagner sprach den Lang- Gönser Züchtern Dank dafür aus und wünschte ihnen auch nach der Umstellung auf das Veredelte Landschwein gute Erfolge. Die Umstellung der Zucht hat auch ihren Niederschlag in der Mitgliederbewegung gefunden. Die Zahl der Züchter des Edelschweines ist von 23 im Jahre 1937 auf 6 zurückgegangen. Die ins Herdbuch eingetragenen Eber, von denen 1937 nur noch 6 bestanden, sind abgefchafft, von den eingetragenen Sauen sind nur noch 12 von 60 und von den sonstigen Ebern 79 (1937 = 132) vorhanden. Demgegenüber ist die Mitgliederzahl der Züchter des Veredelten Landschweines von 88 auf 111 angestiegen. Die Stammbuch-Eber sind um 6 Stück, von 36 auf 42, die der Sauen um 58 von 251 auf 309 und die der sonstimn Eber um 76 von 279 auf 355 vermehrt worden. * Die Kassenverhältnisse der Vereinigung sind gesund, u. a. wurde für die Vatertierstationen ein Betrag von 1150 Mk. aufgewandt. Die Arbeiten im Jahre 1938 waren erschwert durch die Maul- und Klauenseuchen, so daß Versteigerungen und Schauen ausfallen und auch die Schweinemastleistungsprüfungen eingeschränkt werden mußten. Dank dem Entgegenkommen des Professors Dr. V o g e l konnten diese Leistungsprüfungen im Herbst 1938 wieder ausgenommen werden. Die letzte Einfuhr von Zuchtmaterial aus dem Originalzuchtgebiet Oldenburg im Jahre 1938 kann nicht als befriedigend angesehen werden. Die Zuchtleitung wird daher die Bestrebungen zur Heranzüchtung eines bodenständigen Tieres unterstützen und nur zur Blutauffrischung hervorragende Vatertiere aus Oldenburg einführe'n In den Bezirken Gießen und Büdingen wurden Stallschauen durchgeführt, bei denen die besten Tiere ausgezeichnet wurden. Weitere Besichtigungen der bedeutendsten Zuchten von Lang-Göns, Lorberg-Hof- Wickstadt, Lehrhof bei Lauterbach Freiherr von Rie- deselsche Gutsverwaltung Sickendorf und Eurich- Hutzdorf werden durch den Leiter der Versuchswirtschaft für Schweinehaltung, Ruhlsdors, und durch Dr. E. Wagner stattfinden. Schweineleistungsprüfungen. Der Direktor des Tierzuchtinstitutes Oberer Hardthof, Professor Dr. Vogel, hielt dann einen interessanten Vortrag über „Schweineleistungsprüfungen". Er zeigte, wie die Schweineleistung erst bann zweckmäßig sei, wenn sie vom züchterischen Standpunkt aus durchgeführt werde, da die Zucht- und auch die Nutzleistungen auf Grund der (Erbbebingungen zustanbekommen unb von Einflüssen der Umwelt abhängig seien. Professor Vogel hob hervor, baß es unsinnig sei, an Tiere mit schlechten Erbanlagen Futterkasten zu verschwenden, anderseits führe die Vernachlässigung von Haltung und Fütterung erb- Bec0pHkeram Salyihcif Lieferant- au~7 Ihrer Krankenkasse tüchtiger Tiere nicht zur Entwicklung der vorhandenen Anlagen. Weiter wies er auf die Schwierigkeiten bei der Prüfung der Leistungen der Schweine hin, weil die Erfolge sich nicht, wie bei anderen Tieren, gleich feststellen ließen, sondern erst an den Nachkommen und bei der Ausschlachtung. Der Redner berichtete an Hand von Zahlen über die Erfolge ber für Hessen-Nassau auf dem Oberen Hardthof durchgeführten Prüfungen und stellte fest, daß die Ergebnisse befriedigend ausgefallen seien, so daß die hinsichtlich der Futteroerwertung gewonnenen Kenntnisse nun in die allgemeine Landestierzucht hinausgetragen werden könnten. In diesem Zusammenhang besprach er auch die wichtigsten Bedingungen des Deutschen Schweine-Leistungsbuches. Tvirtfchaftseigene Schweinefütlerung. Mit einem Dorttag über „Wirtschaftseigene Schweinefütterung" gab der Leiter der Versuchswirtschaft für Schweinehaltung, -fütterung uni) -zücht, Professor Dr. Stahl, Ruhlsdorf, einen Querschnitt durch das für den Bauern wichtigste Gebiet. Der Redner forderte die Züchter auf, Stoßtrupp in den neuen Fütterungsfragen zu sein. Er machte ihnen eindringlich die Bedeutung der Wirtschaftlichkeit der Schweinezucht verständlich und erinnerte sie daran, daß die Schweinezucht neben ber Milchwirtschaft ber Betriebszweig ist, ber bie ständigsten Einnahmen bringt. 60 v. H. der bäuerlichen Einnahmen stammen aus dem Viehstall und der Veredelung. Darum muß, wie in Oberhessen, das mit 45 v. H. an der Schweinehaltung der Landes- bauernschaft beteiligt ist, der Schweinezucht bas Recht eingeräumt werden, das sie zu beanspruchen hat. Zur Frage des Futters übergehend hob Prof. Dr. Stahl hervor, daß je kleiner der Betrieb ist, er auf den Hackfrüchteanbau größten Wert zu legen habe. In eingehender Weise besprach er dann die Verwendung von Hackfrüchten und Kartoffeln sowie anderen Futtermitteln. Großfeuer vernichtet 42 Dreschmaschinen. LPD. Worms, 14. April. Im Dreschmaschi' nenschuppen des Betriebes von Albert Klein in Pfeddersheim brach durch fahrlässige Handlung eines Lehrlings Feuer aus, das sich schnell verbreitete. In den Dreschmaschinen und Oelvorräten zum Betrieb der Dieselmotoren fand das Feuer reiche Nahrung, auch griff es auf den Dachstuhl eines benachbarten Hauses über. 12 Dreschmaschinen, fünf Strohpressen, fünf elektrische Dreschwagen und zwei Fuhrwerke wurden ein Opfer der Flammen- Der Schaden beläuft sich auf weit über 200 000 RM-