Kr.291 Erstes Blaff 189. Jahrgang Dienstag, 12. Dezember 1939 Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Unioerfitätrdruckerei «.Lange In Sietzen. Schristlettung und SeschSfttftelle: Schulstratze 7 Ermäßigte Grundpreise Bäderanzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Rpf. Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 2luch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten. Anzeiger Gießen Postscheckkonto: 5rankfurl am Blain 11686 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8*/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf. für Textanzeigen von 70 mm Breite 50 Rpf. Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenstaffel B Platzvorschrift nach vorheriger Vereinbarung 25 % mehr. ihnen bestimmen. H. Ev. ersten beläuft. sich der G e s a m t v e c t u st in der Dezemberwoche aus 121742 Tonnen Die Engländer haben also mit ihrem „Geständnis" mindestens die Hälfte der versunkenen Schiffe glatt unterschlagen. Wie viel sie aber sonst noch verschwiegen haben, weil die betreffenden Nachrichten auch nicht in die neutrale Presse durchgesickert sind, wissen nur sie allein. Sie werden sich jedoch hüten, darüber zu sprechen, denn ihre Staatsmänner haben im Unterhaus nicht nur zugegeben, sondern sogar mit Nachdruck betont, daß lediglich jene Verluste einge- standen würden, die sich vor so viel Zeugen abgespielt hätten, daß sie nicht mehr bestritten werden könnten. Es muß in diesem Zusammenhang auch darau ; hingewiesen werden, daß die Engländer zur Verschleierung ihrer Verluste mit unlauteren Methoden arbeiten. Bei einem erwiesenen Untergang, den sie nicht leugnen können, bestreiten sie die gegnerische Einwirkung und setzen diese Schiffe auch nicht auf die Verlustliste des Handelskrieges. Was sich in den letzten beiden Wochen an „Schiffs- zusammenstößen" ereignet hat, ist einfach unübersehbar. Dabei gingen natürlich regelmäßig das eine oder andere oder beide Schiffe unter. Auch berichtet man in den Gewässern um die englische Küste von „Sandbänken", von deren Vorhandensein die Schiffahrt bisher keine Ahnung hatte, so daß selbst Lotsendampfer auf ihnen „stranden". Ferner tauchen überseeische Riffe auf, an denen die ahnungslosen britischen Schiffe i n den eigenen Gewässern scheitern. Schließlich hat die englische Handelsflotte einen gefährlichen Hang zu „Feuersbrünsten" aller Art bekommen, die Schiffe auf hoher See befallen und zerstören. Alle diese Schiffe, die auf so eigenartige Weise umkommen, tauchen natürlich nicht in den englischen Verlustlisten auf. Dadurch wird das Gesamtbild sehr „verschönert", und der Welt erscheint die britische Lage nur halb so trostlos, wie sie in Wirklichkeit ist. Berlin, 12. Dez. (DNB.) Nachdem die Verluste der englischen Handelsschiffahrt ein Ausmaß erreicht haben, das in der Welt das größte Aufsehen hervorruft, so daß das Ansehen Großbritanniens als Seemacht auf das schwerste erschüttert ist, fühlen sich die Londoner Amtsstellen bemüßigt, mit der Dementier - spritze zu kommen. Sie schlagen dabei aber nicht den direkten Weg ein, weil sie wohl wissen, daß ein bloßes Abstreiten wenig Zweck hätte, sondern „melden" von selbst einen Teil ihrer Verluste und klammern sich dabei an die Hoffnung, daß ihre „schöne Offenheit" Glauben finden werde. Der Zweck ihrer Meldung besteht jedoch nur darin, dieHälftederVerlu st ezube st reiten, indem man die andere Hälfte zugibt. So erklärt London, daß in den ersten sieben Tagen des Dezember sieben englische Schiffe mit einer Gesamttonnage von 33518 Tonnen und acht neutrale Schiffe von insgesamt 26 612 Tonnen, zusammen also 60 130 Tonnen, verloren gingen. In diese Liste hat London aber noch drei Schiffe eingerechnet, deren Untergang in Deutschland nicht bekannt war. Es handelt sich um folgende brittsche Dampfer: „A s h l e a" (4422 Tonnen), „Newton Beech" (4651 Tonnen) und „Treevani 0 n" (5299 Tonnen), zusammen also um 14 172 Tonnen. Demgegenüber ist festzustellen, daß auf Grund übereinstimmender Berichte aus englischen Teilgesiandnissen und Meldungen der uninteressierten neutralen Presse die Schifss- verluste rund um die englischen Küsten in den ersten sieben Tagen des Dezember 2 7 Dampfer betragen haben. Darunter gab es 14 Schiffe, ein französisches und 13 andere Schiffe, mit insgesamt 107 557 Tonnen. Die Verluste britischer Schiffe in diesen sieben Tagen machten 60 916, der Neutralen 39 629 und der französischen 7 030 Tonnen aus. Dazu kommen jetzt noch die von den Engländern neuerdings gemeldeten 14 172 Tonnen, so daß $ j n ie bez 0 ge n." Wie der Londoner Rundfunk rühmt, sollen sie bei einem Vorstoß im Niemandsland schon auf eine deutsche Patrouille g e st 0 ß e n sein. Ehe sie diese Aufgabe übernahmen, wurde ein Armeebefehl erlassen, in dem es u.a. heißt: „Man hat euch ausgesucht, um euch der Ehre des Kampfes teilhaftig zu machen Der Feind wartet auf eure Ankunft. Bewahrt Ruhe und Wurde und seid auf der Hut. Das Empire sieht auf euch. Der König hatte zuvor diesen Regimentern einen Besuch abgestattet. „Es kann jetzt außerdem gesagt werden", so teilte der Londoner Rundfunk mit, „daß der König auch die vorderste Front be- Keine Verkürzung oder Verschiebung der Weihnachtsfeiertage. Berlin, 11. Dez. (DNB.) Entgegen anders lautenden Gerüchten wird mitgeteilt. daß die Deih- nachtstage und der Neujahrstag gesetzliche Feiertage sind, die weder verkürzt noch verschoben werden. Auch tritt an der bekannten Regelung der Bezahlung der Feiertage für Lohnempfänger keine Aenderung ein. 122000 Tonnen in der ersten Dezemberwoche Verlustziffern, die England zu verschleiern versucht. ein unfreiwilliges Eingeständnis in diesen Erwägungen? Nämlich das Eingeständnis, daß Frankreich die Zeichen der Zeit, vor allem die Probleme, tie sich im Zusammenhang mit der Entwicklung des modernen Deutschland stellen, überhaupt nicht begriffen hatte, als es im September seinen Krieg an Deutschland erklärte? Man lebte da- lnals in Vorstellungen, die durch die Wirklichkeit nicht die geringste Rechtfertigung erfuhren. Dor ollem lebte man in der Idee eines sogenannten „Blitzkrieges", den nun Deutschland gegen Frankreich veranstalten werde: zu sehr hatte eine mit schiefen Darstellungen operierende Propaganda die inerkwürdigsten Irrtümer über Deutschland und seine engebliche Angriffslust verbreitet. Heute möchte man widerstrebend die Irrtümer berichtigen, die aus Liesen falschen Vorstellungen entsprungen sind. Die Zensur läßt bereits militärische Betrachtungen passieren, daß Frankreich gegenwärtig ein viel zu starkes Heer unterhalte, das in finan- Heller und wirtschaftlicher Beziehung Anfotderun- grn an die Kraft des Landes stelle, die diese bei weitem übersteigen. Die ersten Engländer in der Magmoi-Linie. Brüssel, 11. Dez. (Europapreß.) Zum ersten- wal in diesem Kriege sind die Engländer aus ihren Quartieren im Innern Frankreichs der Front nähergebracht worden. Im französischen Heeresbericht vom Montagvormittag wird nämlich risdrücklich mitgeteilt: „Zum er st en mal haben kritische Truppenteile, die sich seit einigen Wochen tuf französischem Boden befinden, Stellungen in der v 0 rdersten Linie der Maginot- Stockholm, 11. Dez. (Europapreß.) Nach hier eingetroffenen Meldungen werden die Kämpfe in Finnland mit unverminderter Kraft an allen Fronten fortgesetzt. Der heftigste Kampf scheint sich a n der nördlichsten Front j n Lappland abzuspielen. Hier haben die Russen in den letzten Tagen große Truppenverstärkungen erhalten, die mit aller Macht daran arbeiten, d i e Verbindungen zwischen Schweden und Finnland abzuschneiden. Diese Truppen sind zahlenmäßig den Finnen überlegen. Die Haupt- tämpfe an diesem Abschnitt spielen sich bei 6a« mijärvi und Petsam 0 ab, das bis Montagmorgen noch in den Händen der Finnen war. Weitere Kämpfe größeren Ausmaßes werden aus Salla gemeldet. Der Vormarsch der russischen Truppen wird von der Luftwaffe unterstützt. Auf beiden Seiten wird an den Frontabschnitten in Lappland sehr tapfer gekämpft, so daß die Zahl der Toten beträchtlich ist. Es handelt sich hier um den nördlichsten Krieg der Welt, der in diesen Tagen nördlich vom Polarkreis ausgekämpft wird. Wenn man von den Kämpfen im Freiheitskrieg absieht, hat sich kein Kriegsheer feit den Zeiten Karls IX. so weit nach Norden gewagt. Damals zog der finnische Bauer Nuho Vesainen an der Spitze eines kleinen Heeres aus und zerstörte das russische Kloster in Petsamo. Das Kloster, das wieder aufgebaut wurde und bis zum heutigen Tage steht, ist vor Beginn der Feindseligkeiten von den finnischen Behörden evakuiert worden, wobei die russischen Mönche in Sicherheit gebracht wurden. Neben ihnen wurden aus dem östlichen Teil Lapplands nicht weniger als 15 000 Personen unter den größten Schwierigkeiten evakuiert. Ein Teil davon wurde'an die finnisch-! schwedische Grenze geleitet. Der Abtransport der Zivilbevölkerung aus Petsamo selbst — etwa 3000 Personen — gestaltet sich insofern schwierig und umständlich, als manchmal 600 Kilometer im Kraftwagen zu- Der nördlichste Kampfabschnitt des finnisch-russischen Krieges. Krieg nördlich des Polarkreises. rückgelegt werden müssen, bevor man die Eisenbahn erreicht. Die Evakuierung war bei Beginn der Feindseligkeiten noch nicht abgeschlossen, so daß die Flüchtlingszüge ost an der Weiterfahrt behindert wurden, da die Straßen und Wege von Militärkolonnen blockiert waren. Die Berichte von einer angeblichen Beschießung der Flüchtlingszüge durch die russische Luftwaffe werden von dem'Regierungspräsidenten von Lappland, Hilliä, dementiert. Von den 3000 aus Petsamo Abtransportierten, so stellt der finnische Regierungsvertreter fest, sei nur eine Person durch einen Granatsplitter leicht verletzt worden. Weiter liegen jetzt Berichte über die Eintreibung von hunderttausend Renntieren vor, die sich sehr schwierig gestaltet hat. Man wollte diese Tiere den Russen nicht in die Hände fallen lassen und organisierte daher Hunderte von Lappen, die das Vieh zusammentrieben. Es ist gelungen, die Renn- tiere weite Strecken vor den Schlitten und Kraft- roaaen herzutreiben und schließlich in sicheres Gelände zu führen. Nicht weniger als vier Millionen Kilogramm Renntierfleisch wurden dadurch für die finnische Bevölkerung sichergestellt. — Bei Salla haben die Russen auch Tanks und Streitwagen eingesetzt, die in dem schwierigen Gelände aber nur sehr schwer oorankommen. Obwohl die Schneedecke noch nicht einen halben Meter hoch ist, sind die russischen Tanks auf den sechs Meter breiten Landweg angewiesen. Der finnische Heeresbericht. Stockholm, 12. Dez. (DNB.-Funkspruch.) Der finnische Heeresbericht vom 11. Dezember lautet: Armee: Am 10. Dezember griff der Feind zweimal T a i p a l e e n j 0 k i an. Er wurde jedoch z u - rückgeworfen. Dabei wurden sieben feindliche Tanks zerstört. Mehrfache Versuche der Russen, d 1 e Hauptverteidigungslinie des Vuoksi bei Kiviniemi zu durchbrechen, wurden im Beginn er- Voreilig geräumtes Paris Don unserem pariser EZ.-Korrespondenten sucht und das Niemandsland beobachtet hat. Der König hat den Generalen Gamelin und Gort hohe Orden verliehen." Zwangsgelder fallen unter Gnadenerlaß. Berlin, 11. Dez. (DNB.) Der Reichsminister des Innern bestimmte, daß alle Polizeistra- f e n, die unter der Bezeichnung „Zwangsgeld" oder einer anderen Bezeichnung wegen einer Zuwiderhandlung gegen eine Polizeiverordnung vor Verkündung der Gnadenerlasse vom 1. und 9. September festgesetzt worden und noch nicht vollstreckt sind, unter die Gnadenerlasse fallen, ausgenommen Polizeistrafen, die zur Durchsetzung einer im Einzelfall erlassenen polizeilichen Verfügung festgesetzt worden sind. Guper-Bersailles Nach hundert Taaen Krieg wissen die Mächte, die uns den Fehdehandschuh hingeworfen haben, weniger als je zuvor, wie sie diesen Krieg gewinnen sollen. Desto aufgeregter debattieren sie über das, was nach dem Kriege mit dem bösen Feind geschehen soll. Die zunehmende Lautstärke dieser Kriegsziel-Debatte in den plutokratischen Ländern macht uns nachdenklich. Denn wer seiner Sache sicher ist, pflegt im allgemeinen auch äußerlich feine Ruhe zu bewahren und zumindest seine intimften Gedanken und Wünsche nicht vorzeittg preiszu- geben. Macht man diese Lebenserfahrung für den. vorliegenden Fall geltend, so ergibt sich, daß die überlauten und weitschweifigen Erörterungen über das plutokratische Kriegsziel nicht gerade ein Zeichen der Stärke sind. In ihrer Wut über die erfolgreiche deutsche Gegenwehr verlieren die kapitalistischen Kriegshetzer zusehends ihre Selbstbeherrschung und schreien nun in die Welt hinaus, was sie solange unter der Tünche eines heuchlerischen Pazifismus verborgen hielten. Ileberblickt man die demokratischen Zeitungsstimmen der letzten Tage, so wird diese schnelle Demaskierung ganz augenfällig. Neben der Sprache eines brutalen Vernichtungswillens/ die eine moralische Hülle nach der anderen abwirft, sind auch halbwegs vernünftige Erwägungen kaum /noch zu finden. „Dem Versailler Vertrag ist es nicht gelungen, mit der Arroganz und der Bestialität der deutschen Nation Schluß zu machen", schreibt beispielsweise der „Sunday Dispatch" und schlußfolgert: „Daher muß Deutschland auch als Nation und nicht nur als Partei geschlagen und in unbe- m x Brüssel, Dezember 1939. Nach srel Monaten Krieg findet man in Paris Öafc man sich eigentlich gar nicht richtig 1 m Ä r 1 e g befinde. Das Schlagwort „quelle droie •U gU?-rr^ faün man immer häufiger hören. Das Ä-^Uk'llch alles sehr mit Vorsicht aufzunehmen. Die Soldaten und die zahlreichen Familienväter bis zu 50 Jahren (erst jetzt hat man die ältesten Jahres- klassen bis zu den 48jahrigen aus dem Heeresdienst entlassen) finben die Sache durchaus nicht 65 gibt andere Punkte, in denen öie Dorstellungswelt mit der Welt der Tatsachen in Ueberelnstlmmung gebracht werden muß. Und das betrirft vor allem das Schicksal der Stadt Paris. Man hatte sich für einen „Blitz- frteg eingerichtet und alle möglichen Vorkehrungen für deutsche Lutfangriffe getroffen. Denn es mar nun einmal die landläufige Vorstellung, daß einige tausend deutsche Flugzeuge über der französischen Hauptstadt erscheinen würden, um sie dem Erdboden gleichzumachen. Jetzt, da die Deutschen dieser Erwartung nicht entsprochen haben, wie sie die Chauvinisten genährt hatten, beginnt man mit Schrecken zu bemerken, daß man sich selbst die größten wirtschaftlichen Verwüstungen beigebradjt hat, ohne das der böse deutsche Feind irgend etwas dazu hätte zu tun brauchen. So kommt es, daß jetzt in Paris Vorträge gehalten werden, wie man Paris ,Has Leben wiedergeben" könne. In Zeitungsartikeln werden zahlreiche ähnliche Vorschläge gemacht. Am meisten 23e=' ach tu na gefunden hat ein Vortrag, den der Pariser Abgeordnete Louis Roll in in einem bekannten Debattierklub, dem Club du Faubourg, über dieses Thema gehalten hat. Abgesehen von der vielbeklagten Verdunkelung von Paris — ein Schicksal, das die französische Hauptstadt ja schließlich auch mit vielen anderen Städten in den kriegführenden Ländern teilt — ist es besonders ein Punkt, an dem die allgemeine Kritik, auch die Kritik Rollins, vorzugsweise einsetzt: die überstürzte Entfernung wichtiger Amtssitze von Verwaltungen usw. aus Paris. Man hat das schamhaft die .Dezentralisation" genannt; die Zensur hat nicht gestattet, von diesen Maßnahmen im einzelnen zu sprechen. Aber jeder, der in Paris gelebt hat, weiß, daß schon anläßlich der Septemberkrise des Jahres 1938 von jeder Zentraloerwaltung, die etwas auf sich hielt, von den Direktionen der großen Banken, der Versicherungsgesellschaften, der Eisenbahngesellschaften usw. fern von Paris, irgendwo im schönen Südfrankreich oder am Meeresstrand, ein Schloß oder eine sonstige Besitzung gekauft oder gemietet worden mar, um im Ernstfall schleunigst dorthin übersiedeln zu können. Diele dieser Generaldirektionen usrn. haben, rnie man aus den jetzt geäußerten Kritiken ersehen kann, offenbar von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Es ist zmeierlei, was man beanstandet: erstens wird die gesamte Verwaltung höchst unübersichtlich, zweitens aber fehlt Pa r i s die Kaufkraft all dieser Beamtenstäbe, die man in so voreiliger Weise „evakuiert" hat. Es sind zwar viele Menschen seit dem September wieder nach Paris zurückgekehrt, aber man kann immer noch schätzen, daß etwa die Hälfte der in Friedenszeiten rund drei Millionen zählenden Bevölkerung von Groß-Paris abwesend ist. Die Rückführung all dieser Menschen nach Paris glaubt man mit dem bisherigen Unterbleiben deutscher Luftangriffe rechtfertigen zu können; nach außen hin muß man sich natürlich den Anschein geben, daß es die Vervollkommnung der Luftabwehr sei, aus der man die Berechtigung zu dieser Forderung schöpfe. Besonders der Pariser nationali- sttsche Abgeordnete Fernand- Laurent, der sich in der Zeitung ,/Zour" vorzugsweise mit diesen Fragen beschäftigt, vertritt diesen Standpunkt. Liegt aber nicht noch etwas ganz anderes, : treitbarer Form auf die Knie gezwungen werden." Etwas fanftmütiger ist der „Master Balliol" im „Spectator", aber auch er will den Deutschen die Wahl einer eigenen Regierungsform nur so lange gestatten, wie diese Regierung keine Bedrohung für ihre Nachbarn bedeutet. Im übrigen läßt er die alte Platte von der Niederlegung der Handelsschranken und von der Senkung des deuftchen Rüstungsstandes und von der friedlichen Regelung möglicher Streitfälle auf der Basis der Gleichberechtigung kreisen. Wie gnädig von dem Herrn! Da loben wir uns doch die offenere Sprache des „Nineteenth Century", dessen Herausgeber schlicht und bescheiden erklärt: „Wir kämpfen, damit wir gewisse wesentliche Friedensbedingungen „diktieren" können." Die- es Diktat soll, so meint der hochherzige Mann, der tändigen Sicherheit gegen einen deutschen Angriff dienen. Auch die Frage, an welche Bedingungen eine solche Sicherheit gebunden sei, wird reundlicherweise gleich beantwortet: „Erstens sollen >ie Westmächte ein ständiges bewaffnetes Uebergewicht in Europa haben, zweitens soll der Rhein ihre ständige strategische Grenze fein, und drittens müssen die Alliierten das ständige und dauernde Uebergewicht im Mittelmeer haben." Mussolini braucht aber noch keine Angst zu haben, denn die dritte Bedingung will der Mann vom „Nineteenth Century" erst bei späterer Gelegenheit verwirklichen — gemäß der alten englischen Devise, daß man feine Feinde hübsch nacheinander umbringen soll. Es ist also eine Art Super-Versailles, was dieser Brite nicht nur über Deutschland und Italien, sondern gleich auch über Rußland errichten möchte. Denn außer Oesterreich und der Tschecho- S l 0 w a k ei soll auch das alte Polen wieder erstehen, das, wie unser Zünftiger Diktator ganz richtia sagt, „immer unvereinbar mit einem starken Deutschland und einem starken Rußland gewesen ist und bleiben wird". Ader die Sicherheit seiner Erkenntnisse — „Rußland ist nur stark, weil Deutschland stark ist" — bewahrt den Engländer doch nicht vor einem fundamentalen Irrtum. Er glaubt nämlich, daß der gegenwärtige Krieg „Englands letzte Chance" sei. Welch eine Verhöhnung der Wahrheit! Seine letzte Chance hat England bereits verspielt, als es das Angebot der deuftchen Freundschaft mit gehässigen Worten abwies. Heute handelt es sich nur noch darum, daß die Engländer überlegen, wie U mit dem Schicksal fertig werden sollen, das w i r tickt. Weitere feindliche Angriffe sanden auf der Karelischen Landenge statt. Sie hatten den Charakter von Spähtruppuntemehmen und rou*en zurückgeschlagen. An der übrigen Ostfront weiterhin heftige Kämpfe. Die finnischen Truppen räumten Pitkäranta an der Nordküste des Ladoga-Sees^ Feindliche Artilleriekräfte beschossen L 0 i m 0 l a. Feindlicher Angriff bei T 0 lvajärvi wurde mit tarfen Verlusten für den Feind zurückgeschlagen. Im Gebiet von I l 0 m a n wurden durch überraschende Angriffe an verschiedenen Stellen drei eindliche Kompanien aufgerieben. Ebenso wurde bei Sumossanmi eine feindliche Kompanie aufgerieben« Nach heftigen Rümpfen räumten die finnischen Truppen weiter nördlich Falls. Die Lage bei P e t j a m o ist unverändert. Seestteitkrast: Bei Nebel auf See griffen die finnischen Küstenartilleriestellungen bei K o w i st o feindliche Flottenteile an. Der Feind erwiderte das Feuer mit schwerem Kaliber für einige Stunden. Auf Grund hörbarer Explosionen kann angenommen werden, daß dem Feind erheblicher Schaden zugefiigt wurde. An der Bucht nördlich des Ladoga- Sees unterstützen finnische Küstenbatterien wiederum die Landstreitkräfte. Luft: Die feindliche Lufttätigkeit beschränkte sich im wesentlichen auf die Ostfront. Im Finnischen Golf wurden Bombenan- griffe auf einen Leuchtturm durchgeführt. Die finnische Frage in Genf. Ein Komitee der Liga fordert Moskau zur Einstellung der Feindseligkeiten auf. Genf, 11. Dez. (DNB.) Hu Beginn der Man- tagnachmlttagsitzuna der Genfer Liga teilte Präsident S) e mb r o (Norwegen) mit, Belgien, Luxemburg, Schweden, Dänemark und Holland hätten von der Versammlung der Liga verlangt, daß als einzige politische Frage der Appell Finnlands an die Liga zur Behandlung kommen dürfe. Irgendeine andere politische Frage dürfe nicht aui Aussprache kommen, da die genannten Staaten die Behandlung einer solchen Frage ablehnten. Der finnische Delegierte Holsti verwies auf die von seiner Regierung in einer Dokumentensammlung dem Sekretariat übermittelten Unterlagen, legte mit den bekannten Argumenten die Lage Finnlands dar und verlas einen Appell des finnischen Parlaments an die Völker der Wett. Die finnische Frage tourte sodann einem b e - sonderen Komitee zur Prüfung überwiesen. Dem Ausschuß gehören neben Frankreich und Eng- laich, Uruguay, BoAvien, Venezuela, Indien, Portugal, Kanada, Aegypten, Irlarch, Schweden, Norwegen und Thailand (Siam) an. Das Komitee hat bann auf Antrag Schwedens die Sowjetregierung telegraphisch aufgefordert, innerhalb von 24 Stunden d i e Feindseligkeiten gegen Finnland einzu st eilen und sich für Aufnahme von Friedensverhandlunggen unter den Auspizien der Genfer Liga bereit zu erklären. Außerdem wurde nochmals der Wunsch ausgesprochen, die Sowjetregierung möge sich in Genf vertreten lassen. Schwedens Holle in Genf ausgefpieli. Stockholm, 12. Dez. (DNB. Funtspruch.) ,.Nya Dagligt Allehanba" schreibt, die Ohnmacht der Genfer Liga sei so offenbar illustriert worden, daß man die Anrufung der Liga in der finnischen Angelegenheit mit ironischer Verwunde- rung zur Kenntnis genommen habe. Die Liga In ihrer jetzigen Form habe in den letzten Jahren keinerlei Aufgaben erfüllt. Nachdem Schweden aus dem Rat ausgetreten fei, um durch einen anderen Staat ersetzt werden, könne man die Rolle Schwedens in Genf a l s ausgespielt betrachten. Schweden hätte Überhaupt schon längst seinen Ratsfitz und seine Mitgliedschaft a u f g e b e n können; eine starke Gruppe in Schweden habe dies auch gefordert. Sicher wäre es auch am besten gewesen, wenn dies geschehen wäre. Wenn jedoch Schweden jetzt auf normalem Wege aussteige, so könne man dies nur mit Befriedigung feststellen. Wenn aber eine neue Organisation zustandekornrnen sollte, die ein wirklicher Völkerbund im Geiste und in der Wahrheit wäre, so könne man die Frage einer neuen Prüfung unterziehen. Der augenblicklich existierende politische Teil der Genfer Liga sei keine empfehlenswerte Bekanntschaft. Neue britische Schiffsverluste. London, 11. Dez. (DNB.) Di« Admiralität bebau ert mitteilen zu müssen, daß Seiner Majestät Schiff „Ray o f Hop e" gestern auf eine Mine gelaufen und gesunken ist. Drei verletzt« lieber» lebende des früheren Fischdampfers sind an Land gebracht worden. Der Kapitän befand sich im Augenblick der Explosion auf der Brücke und wurde hoch durch di« Luft ins Meer geschleudert. Er tonnte sich solang« über Wasser hatten, bis er ausgenommen wurde. Der 4815 Tonnen große englische Dampfer „W illowvool" ist am Montagmorgen auf eine Mine gelaufen. Die Besatzung, insgesamt 30 Mann, wurde von einem Feuerschiff gerettet Der englische Passagierdampfer „Duke of Lancaster^ ist am Sonntag früh in der Irischen See mit dem Frachtdampfer „F i r « f l n g" zusammengestoßen. Di« Besatzung der „Fireking" wurde an Bord der ,/Dute of Lancaster" genommen. Die „Duke of Lancaster" (3814 Tonnen) ist am Bug schwer beschädigt. Weiter berichten die holländischen Blätter über den Untergang mehrerer anderer Han- delsschiffe an Englands Küste. Außer den bereits gemeldeten Verlusten wird dadurch noch der Untergang des britischen Dampfers „Middlesbro" 989 Tonnen) bekannt. Außerdem soll der englische Dampfer „San Alberto" (7400 Bruttotonnen) auf der Höhe von Landsend torpediert worden sein. Oie deutschen Hochschulen nehmen den Lehrbetrieb wieder auf. Berlin, 11.De). (DJIB.) Außer den bereits offenen Universitäten und Hochschulen nehmen zu Beginn des kommenden Trimesters die übrigen Universitäten und Hochschulen ihren Lehrbetrieb wieder auf. Verschärfter Kamps gegen Gewaltverbrecher. Berlin, 11. Dez. (DNB.) Der Ministerrat für die Reichsverteidigung hat eine Verordnung erlassen, die dem Verbrecher, der mit Gangstermethoden arbeitet, schärfsten Kampf ansagt. Fortan soll, wer bei einer Notzucht, einem Straßenraub, Bankraub oder einer anderen schweren Gewalttat Sckuß-, Hieb- oder Stoßwaffen oder andere gleich gefährliche Mittel anwendet, z. B. seinem Opfer Salzsäure oder Vitriol ins Gesicht gießt, ober wer mit einer Waffe einen anderen an Leib oder Leben bedroht, mit dem Tode bestraft werden. Ebenso soll der Verbrecher bestraft werden, der Verfolger mit Wasfengewaltangreift oder obmehrt. Die Verordnung sichert ferner den Volksgenossen, der sich bet der Verfolgung eines Verbrechers für dessen Ergreifung persönlich «Infekt, denselben strafrechtlichen Schutz zu wie Polizei- und Justizbeamten. Im Interesse größtmöglicher Beschleunigung der Aburteilung von Straftaten, für welche diese Vorschriften in Dettacht kommen, ist das Sondergericht für juftärtbig erklärt. Die Verordnung ermöglicht für den Fall des Versuches und der Beihilfe dieselbe Strafe, die für d i e vollendete Tat vorgesehen ilt. Wer mit Tötungsvorsatz auf einen anderen schießt, kann ebenso strafwürdig sein, wenn er fein Opfer trifft wie wenn er sein Ziel verfehlt; der Einbrecher, oer gestört wird, bevor er begehrte Beute findet, ist ebenso strafwürdig wie der Einbrecher, der seine Tat ungehindert durchführen kann. Die Verordnung ermöglicht es den Gerichten, die Strafe des Versuches und der Beihilfe j e n a ch dem Maß der Willensschuld des Verbrechers zu bestimmen. Damit befreit die Verordnung den Richter von einem Zwang zur Milderung von Strafe, der ihn in solchen Fällen hinderte, gegen den Rechtsbrecher die Strafe zu verhängen, die ihm nach feiner Schuld und Gefährlichkeit gebührt. Aus der Giadi Gießen, prof. Edward-Gießen 70 Jahre alt. Am morgigen Mittwoch, 13. Dezember, feiert ein Sohn unserer Stadt, Professor Geora Edward, seinen 70. Geburtstag. Edward besuchte in Gießen das Gymnasium, studierte an deutschen Universitäten und trat schon erstaunlich frühzeitig schriftstellerisch hervor. Nach seinen eigenen Aufzeichnungen erschienen seine ersten Aufsätze kulturpolitischer, literarischer und kunstkritischer Art bereits im Jahr 1889. Er war in der Folge geraume Zeit Mitarbeiter beim „Gießener Anzeiger", bald sand man aber auch feine Aussätze auch in größten deutschen Zeitungen. Im Jahr« 1893 erhielt sein Leben eine entscheidende Wendung dadurch, daß er für den „Weser-Boten" in Bremen nach Chikago gesandt muri),« um von dort über die damalige Weltausstellung zu berichten. Zahlreiche Aufsätze erschienen in der Folgezeit in vielen deutschen Zeitungen über sein« Eindrücke in Amerika, das er zu seiner zweiten Heimat erwählte, allerdings ohne je die amerikanische Staatsbürgerschaff zu erwerben. Stets war er sich bewußt, daß er ein Deutscher war. Sein Wirken in Chikago bestand fast ausschließlich in der Vertretung der deutschen Sache. Er wurde im Jahre 1899 Privatdozent an der North-Western-Univer- sity zu Chikago, 1903 assistierender Professor unb im Jahre 1908 ordentlicher Professor für deutsche Literatur und Geschichte. Geraum« Zeit wirkte er auch an der Universität des Staates Virginia. Ins- gefamt lebte er 40 Jahr lang in den Vereinigten (Staaten. Lebhaft wirkt« er in den Kriegsfahren gegen di« Beteiligung Amerikas am Weltkrieg 1914/18. Dadurch machte er sich drüben unbeliebt und mußte den Dienst an der Universität quittieren. Nachdem er einige Zeit in Südamerika zugebracht hatte, kehrte er wieder in die Staaten zurück, arbeitete mit am Aufbau des Franlin-Archivs, das aus ursprünglich privater Hand später in den Besitz der Vale-Unlversity überging. In die Zeit seiner wissenschaftlichen Tätigkeit fielen auch weite Reisen, die ihn nach Westindien, Kanada, Britisch-Guyana usw. führten und ihm gleichzeitig viel Anregung zu stetiger publizistischer Arbett gaben. Nach dem Tode seiner Frau kehrte er nach Deutschland in seine Heimatstadt Gießen zurück, um sich nun hier weiterhin feiner schriftstellerischen Tätigkeit zu widmen. Aus feiner Feder stammt ein Band „Balladen und Lieder", er verfaßte Roman« unter den Titeln „Passatwind" und ,Lns«l Antillia", di« veröffentlicht wurden; gegenwärtig beschäftigt er sich mit einigen weiteren Erzählungen, für bi« feine reichen Erlebnisse in weiter Welt den Hintergrund bilden. In ungewöhnlicher geistiger Regsamkett nimmt er auch an den Ereignissen unserer Tage lebhaften Anteil. Wir beglückwünschen den Jubilar und Mitarbeiter von einst zu seinem Geburtstag aus das Herzlichste. Sauleiter Sprenger spricht in Gießen. Die von den Ortsgruppen Glehen Süd und OHe- ßen-Ost ursprünglich für den 6. Dezember geplante große öffentliche Kundgebung Ist auf Wunsch des Gauleiters auf den 13. Dezember verlegt morgen, da Gauleiter Sprenger Wert darauf legt, in unserer Stadt zu den Volksgenossen zu sprechen. Die große Kundgebung mit dem Gauleiter findet also am morgigen Mittwoch, 13. Dezember, in der Neuen Aula der Universität statt. Es wird erwartet, daß aus allen Familien unserer Stadt zum mindesten der Mann oder die Frau erscheint; alle Volksgenossen sind zu dieser Kundgebung herzlich eingeladen. Dornotizen. Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 20 bis 22.45 Uhr „Der Zigeuner- baron". — Gloria-Palast, Settersweg: Irrtum des Herzens". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Drei blaue Jungs — ein blondes Mädel". — Oberhessischer Kunstverein: 15 bis 16 Uhr Ausstellung rm Turmhaus am Brand. Meisterprüfungen in Gießen. Seit dem gestrigen Montag vormittag finden vor einer aus vier Mitgliedern bestehenden Meisterprüfung-Kommission in Gießen unter dem Vorsitz des Setters des Hessischen Hochbauamts in Gießen, Regierungsbaurat Kuhlmann, die Meisterprü- jungen für das Baugewerbe in Oberhessen statt. Di« Prüfung, die im Gewerbehaus in Gießen durchgeführt wird, wurde Montag vormittag in Gegenwart des Hoheitsttagers im Kreise Wetterau, Kreisleiter Backhaus, und des stellvertretenden Kreis- Handwerksmeisters Hartmann mit einer kleinen Feier eröffnet. Kreisleiter Backhaus betonte dabei In einer Ansprache an die Prüfling« di« große Wichtigkeit des ununterbrochenen Fortganges der Arbeit in der Heimat, um auch dadurch unserer Front vor dem Feinde immer wieder neu« Kraft zuzuführen. Mit Genugtuung vermerkte der Kreisleiter, daß das Handwerk auch in dieser Zeit auf di« weitere Fortbildung des Nachwuchses alle Auf- merksamkett richtet, und daß die angehenden jungen Meister von dieser Möglichkeit bereitwillig Gebrauch machen. Nach dieser kurzen feierlichen Einleitung begann die Prüfungsarbeit, der sich insgesamt 40 Prüflinge, und zwar 35 Maurer und 5 Zimmerer, aus allen Teilen Ob er-he ff en s unterziehen. Die Prüfung wähtt auch am heutigen Dienstag und am morgigen Mittwoch an und findet morgen ihren Abschluß. Probebetrieb der Luslschutz-Großalarmanlagen. Dis zum Kriegsbeginn war es üblich, daß mit den in allen größeren Städten eingerichteten Grah- alarmanlagen von Zeit zu Zelt Uebungen in der Farm von Probealarmen abgehatten wurden. In einzelnen Orten wurden die Sirenen der Groß- alarmanlagen auf ihre Betriebsbereitifchaft durch regelmäßige Betätigung in Form eines Zettsignals — z. B. jeden Samstag von 12.58 bis 13 Uhr — betätigt. Mit Kriegsb-eginn wurde dies« Übun-ysmäßige Benutzung der Sirenen eingestellt, um eine Verwechslung von „Probebettlöb^ und wirklichem Fliegeralarm" auszuschließen. Inzwischen hat sich der einzelne Dvlksgenosie ein- gehend mit allen Fratzen des Luftschutzes biffaßt. Wenn er heute «in Sirenensignal hört, so unterscheidet er sofort: „Aus- und abschwellender Ton" ... „Fliegeralarm" ... also schnell in den Luftschutzraum! „Gleichmäßiger langer Dauerton" ... „Entwarnung", also Gefahr vorbei! Damit sind die Voraussetzungen gegeben, Me es tragbar erscheinen lassen, nunmehr wieder von Zeit zu Zeit die Sirenen der Großalarmanlagen auf ihre Betriebsbereitschaff zu überprüfen. Dies« Ueberprü« fung ist dringend notwendig, weil Staub- und Rost- ansatz zur Stillegung der Sirenen führen können, so daß sie bann, wenn sie gebraucht werden, ausfallen. Der Betrieb schleift und lädt die Verunreinigungen fort oder zeigt wenigstens, wo etwa bereits an einzelnen Sirenen Fehler aufgetreten sind, so daß schnell Instandsetzung möglich ist. Für den von Zeit zu Zeit stattfindenden Probebetrieb gelten folgend« Regeln: 1. Zum Probebe,trieb wird stets das Signal „Entwarnung" — gleichmäßiger Dauerten von zwei Minuten benutzt. 2. Die Bekanntmachung des Zeitpunktes des Probebetriebes kann stets nur kurzfristig und ohne Anaabe der genauen Uhrzeit geschehen. Wenn ein Volksgenosse diese Ankündigung übersehen kann, so weiß er trotzdem ... „Entwarnung" ohne vorherigen „Fliegeralarm" kann nur Probebetrieb bedeuten. 3. He ulton auf» und ab schwellender Ton der Sirenen bedeutet stets — auch wenn Probebetrieb angesagt war — „Fliegeralarm" und zwingt zum Aufsuchen des Luftschutzraumes. Asche. Don Martin Gaschke. Schon den Kindern erzählt man das Märchen, daß ein schönes Mädchen nachts auf der Herdasche schlafen mußte, wenn es nicht in der kalten Bodenkammer, dl« ihm von der Stiefmutter zugewiesen worden war, jämmerlich frieren wollte, weshalb man es allgemein bas Aschenbrödel hieß. In dieselbe Asche warf die Stiefmutter Linsen, damit sich die Schöne über dem Auslesen versäume und nicht zu dem allen Landestöchtern verhiehenen Fest im Königsschloß gelangen könne. Aber wie sehr auch das Böse widerstritt, sand der Prinz die im Herzen Erwählte auch im aschenbestäubten Kleide, erkannte sie an der Zierlichkeit ihres Fußes, der sich unterm Rocke hervorschob, well sich das Edle in jeder Verkleidung erkennt, und führte sie aus der Armut in die Pracht seines Hofes — als die Stunde gekommen war. Die Asche, di« mir in diesem Märchen zum ersten Male begegnete, wie oft fand ich fie wieder, durch viele Geschichten und Bücher verstreut! Da saß Hiob vor der Tür, das Haupt mit Asche bestreut, unb Troja sank in Schutt, und die Magd so manchen Liedes, bas wir fangen, blickte am Morgen beim Hahnenschrei erinnerungsschwer in die Reste des Feuers vom vergangenen Tage unb weint«, ohne daß ich ihren Schmerz begriff. Denn wie viele Beispiel« sich auch anboten, in denen die Asche nur Tränen gelockt hatte, wollte sie dem Knaben eher als Helfer vieler Freuden erscheinen. Konnte man nicht Kartoffeln in bas heiße Grau schieben, wenn die Feuer auf den Feldern niederbrannten, um sie bann, schwarzumkrustet, herauszustochern und auf- zubrecken wie Muscheln mit mehligen, nach Rauch schmeckendem Fleisch? Unb wie herrliche Empfindungen durchströmten mich, bettete ich meinen betuppten Kopf in das niedergebrannte Feuer und lag, bi« Wärme im Nacken, auf einem Hang, über den schon das morgengebleichte Stemenheer wanderte! Wie fern waren mir bann die lockeren Tränen der Mägde und die Märchentrauer Aschenbrödels! Auf den Bergen der Erd« lag ich, der Weite des Himmels, der bald feinen Adler schicken würbe, gefährlich bargeboten und doch die Wärme der mütterlichen Erbe tröstlich unter unb In mir. Und warum sollte man das aufgeschüttete Gelände auf den Hügeln an der Stabtgrenze, dieses von vielen Schluchten unb Löchern burchsetzte Beralanb schmähen, auf das nach unablässig von Pferd«- gejpannen Schutt aebrächt wurde? Gewiß war die Asche von schmutzigem, leblosem Grau und roch übel, sobald em Regen sie feuchtete. Aber bot dieses Gebiet nicht einen wunderreichen Spielplatz, auf dem man sich, hart am Rande eines Unratberges, merkwürdige Burgen aus Fässern, Steinen, Mattatzen und Blecheimern errichten konnte, die bann der jeweils ««wählte Gegner mit alten Büchsen einzuwerfen suci-en mußt«? Inmitten der Mauer schwelt« ein rauchiges Feuer aus zusammengelesenen Kohlenstücken. Auch entbechen wir oft halbzerstörte Kinderwagen, die sich leicht zu flotten Gefährten umwandeln ließen, so baß man als geschickter Mann nicht zu Fuß zu gehen brauchte, sondern fahren konnte, von versklavten Kameraden geschoben, di« sich nur auf abschüssigen Wegen hinten auftchwingen dursten. Doch nicht nur bie merkwürdig gebildete Oberfläche dieses graubraunen Kindergebirges schenkte dem Knaben Freuden, sondern auch bie Tiefe barg Reichtümer und bereitete uns nicht mindere Entzückungen als der Schutthügel von Troja feinen Ausgräbern. Ich hatte in dieser Zeit von Schliemann gelesen, und wenn ich auch bald auf den Plan verzichten mußte, eine versunkene Stabt aus der Asche zu graben, so fanden sich dort altes Eisen, Kupier und Zinn bie Menge, was wir leicht bei Händlern veräußern konnten. Wir beuteten die Ab- fallbergwerke wacker aus und erlösten manchen Groschen für die Erze, der heimlich dem Bäcker zufloß. Immer war es uns ein selffamer Gedanke, wenn unsere schmutzigen Hande bie Kuchenränber umklammerten, daß diese schmeckenden Gebilde gleichsam aus der Asche gegraben worden waren. Wann geschah es, daß bie Schuttebene, auf der Melde grünte, Nachtschatten unb spärlicher Beifuß, mehr und mehr an Reizen verlor unb immer ober wurde? Schaute ich nun in bie niebergebrannten Feuer, fühlte ich wohl noch die frühere Freude an den grauen Silbertönen des wie schmerzgekrümm- ten Holzes, doch graute es mir zugleich, wenn ein verkohltes Papier, das nur der Geist eines Papiers schien, emporsegelte, von der ausstrahlenden Aschenwärme aufgetrieben, und lange über dem gewesenen Feuer umherschwebte, bis es endlich der Wind entführte unb zerstäubte. Durch manches Gesicht, bas mir bisher lebenbig war, glaubte ich plötzlich auf Aschengrund zu blicken, unb bas wenige Dasein darin schien mir nicht grüner als die bestaubte Melde auf den Abfallbergen der Stabt. Mehr unb mehr wollte mir das Leben zu einem Spute werden, aus unsichtbaren Ascheselbern der Seele empor- gedünstet, und oft vermeinte ich grauen Regen vor den Fenstern fallen zu sehen. Wie schmerzten mich die kommenden Ausgräber, bie ein Troja in ber Asche dieses Jahrhunderts erwarteten, einem Schmuck des Driamos, und nichts als einige zerbeulte Blechküoel mit ihrem Spaten ans Licht fördern würdenl Trotz ber Mengfte, die aus diesen Erlebnissen em- porgestiegen waren, wagt« ich nach vielen Jahren in Die Vvrstadtlandschaft zurückzukehren, um von den Schutthügeln auf die Stadt herabzu sehen, wovon ich mir eine traurige Freude versprach. Zu meinem glücklichen Verwundern fand ich einige Leute damit beschäftigt, das Aschenfeld umzugra- ben. Sorgsam lasen sie alle Fremdkörper aus, bie sich neben den wenigen schon fertigen Beeten häuften, und grenzten ihr Eigentum daraus mit Draht gegen bie unkrautüberwuchsrte Wüste ab. Seitdem lockte es mich immer wieber hinaus auf die Höhe, um den Kampf der Gärtner mit der toten Asche zu verfolgen. Schon hatte man einige Grundstücke mit hölzernen Zäunen umfriedet, hinter denen die Frau säte und pflanzte, während ber Mann an einer hölzernen Zuflucht mit Säge und Hammer baute. Als ich im Sommer die Siedler abermals aufsuchte, ragte inmitten ber Salate unb Möhrenwedel eine Lilie empor, weiß und klar wie nicht von dieser Welt. Zunächst wollte ick annehmen, daß sie in einem eingesetzten Topfe blühe, bis ich auch auf dem umliegenden Gelände Blumen gewahrte, die üppig aus ber einstigen Asche rankten, und der Fruchtbarkeit dieses Bodens ttauen lernte. Welche Hoffnung schwoll mir ins Herz! Würde es mir auch einmal gelingen, so fragte ich, die Aschenlandschaft, die ein wichtiges Teil meiner Erinnerung einnahm, fruchtbar zu machen und von ihr ohne Erschrecken $u reden grab wie von Acker unb gutberieselten Wresen? »Jrrfum de« Herzen«.- Es könnte alles in Wirklichkeit so fein, wie es der Film schildert. Wenn dabei auch dem Zufall viel Raum gegeben ist, so weiß doch wohl jeder- mann, daß die Wirklichkeit mit Menschen und ihren Schicksalen oft noch willkürlicher umspringt, als es je bie Phantasie eines Filmschriftftellers auszumalen vermöchte. Die Handlung, die dem neuen Film im Gloria- Palast zu gründe fie-at, ist schwerlich auf einen ein- fad)cn Nenner zu vfiinäen, so klar sie auch hn Aufbau und Ablauf erscheint. In vielen Szenen walten subtilste Empfindungen unb geheimste Spannungen zwischen Menschen untereinander. Im einzelnen geht es um den Chefarzt in einem aro- ßen Krankenhaus und um feine Operationsschwester, Me fett Jahren neben ihm arbeitet, ihn liebt und verelmt, ohne daß er heften bei feiner Versunkenheit in seine ärztliche Mission gewahr und er ft auf» merksam wird, als sie chn verlaffen will. Am Weihnachtsabend follte sich nun eine glückliche Gelegenheit zu einer Aussprache, vielleicht sogar zu einer gegeNftlttgen Erklärung bitten^ aber der Zufall verhindert fie. Und statt des verehrten Amtes tritt bann plötzlich ein anderer Mann, der fchneldi« Flugkapitän, in Schwester Angelikas Leben und sie gerät in Zwiespalt. Ihre Liebe aber fällt bem jüngeren Manne zu, ber Arzt muß verzichten unb wird auf feine ärztliche Mission zurückverwiesen. Der Film, dessen Handlung hier nur tn gröbsten Umrissen angebeutet fein kann, vermittelte den darstellenden Künsttern eine Füll« ber schönsten Ausgaben. Paul Hartmann gab ber Gestalt bei Chefarztes Züge einer Ausgeglick-enheit und menschlichen Reif«, die zu rückhaltloser Bewund«rmrg berausforberhm. Außerordentlich eindrucksvoll zeiat ihn das SchluhbiD. Von feiner Spannung sind die Auseinandersetzungen mfrt seinem Sohne (Karl Ludwia Schreiber) getragen. Leny Maren- bad) steht als Schwester Angelika mit aller fraulichen Zurückhaltung bem Arzte gegenüber und veranschaulicht mit sparsamster Mimik die Verehrung, die sie dem Chef entgegenhringt. Nicht ohne Erschütterung folgt man den Szenen, die sich zwischen beiden auf immer ander« Weise ergeben. Die Oberschwester wird von Käthe Dorsch verkörpert, die ihre Rolle mit einer erstaunlichen darstellerischen Intensität erfüllt. Ratend unb helfenb, ausgleichend und unheilverhütend bewegt sie sich zwischen den Hauptpersonen und verfolgt klaren Auges das Geschehen im Bannkreis ihrer dienstlichen unb menschlichen Verpflichtungen. Mit schönem inneren Freimut stellt Hans S ö h n k e r den unternehmungslustigen, draufgängerischen Fluakapttän dar. Grethe Werfer bringt als lebhafte, romantisierende Schwester Therese einige Heiterkeit in den Filni. Die Regie für diesen Bavaria-Film führte Bernd Hofmann. — Im Beiprogramm gibt es neben der Usa-Tonwoche einen Landschaffsfilm von der Zugspitze zu sehen. Heinrich Ludwig Neuner. Robert Koch« Geheimnis. Robert Koch, ber große Bakteriologe, fragte eineff jungen Arzt, der ihn ehrfurchtsvoll in feinem Laboratorium besuchte: „Raten Sie, was hier in diesem gugeberften Tops auf bem Spirituskocher kocht?" „Kugelbakterien!" „Nein!" „Streptokokken^ „Nein!" „Spirochäten!^ „Nein!" „Dann bin ich am Ende meiner Weisheit und kann es nicht raten, Herr Professor!" Darauf Koch, inbem er den Deckel hockhob: ^Würstchen, mein Lieber« Frankfurter Würtzch« Universitäts-Hautklinik einige einführende Worte, Fliegerei von der obersten Führung irnmer m denen er auf die ungeheure Ausbreitung dieser mchr erkannt wurde, erfolgte auch ‘ der Ausbau für Weihnachtssendungen vor dem 15. Dezember aufgeben! Das Weihnachtspaket bringt Weihnachtsfreude ins Haus und ins Feld. Deutsche Reichspost Wer sein Weihnachtspaket nicht bis zum 15. Dezember aufliefert, kann auf keinen Fall damit rechnen, daß es rechtzeitig ankommt. Pakete und Päckchen, besonders Feldpostpäckchen, die rechtzeitig zum Fest vorliegen sollen, müssen aber spätestens bis zum 15. Dezember eingeliefert sein. Denkt daran! dN peÜb mdch )em«» tann, )ch«i-r beuten. ter 6" behebt Mai«-' ißtr !n wt Mter. ä terprji r Äreis» Rrtiji Wwi nte da- ' W les bei unlerer ■ N Ärt» leit auf le Üuf. N™ ’ebroiuj) en. eberpri* ib Stoib toniwn, ’n, out Vem » dm faetrd« JXt. 100. Verantwortlich für die Schäden aus der Quelle ist der Eigentümer des Grundstücks, auf dem sich die Quelle befindet. Zwecks Behebung der technischen Schäden wenden Sie sich am besten an das Hessische Hochbauamt in Büdingen, das Ihren Ort zuständig ist. Rundfunkprogramm Mittwoch, 13. Dezember. 6 Uhr: Landvolk, merk auf! 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8: Gymnastik. 9.10: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 9.30: Musi-k am Vormittag. 10: Frohe Weisen. 11: Konzert. 11.50: Stadt und Land — Hand in Hand. 12: Mittagskonzert. 12.30: Nachrichten. 13: Mittagskonzert. Das große Orchester des Reichssenders Hamburo. 14: Nachrichten. 14.15: Das Stündchen nach Tisch ... 15.50: Bücher für den Gabentisch. 16: Konzert. 17: Nachrichten. 17.10: Kleines Konzert. 18: Was bringen die Theater in unserem Sendegebiet? 18.25: Bilder und Klänge aus Mosel- Auf dieser Grundlage zog der Redner interessante und lehrreiche Vergleiche über die gegenwärtige Kriegführung in der Luft, in deren bisherigen Verlauf bereits aller Welt klar zum Bewußtsein gekommen ist, daß das an die englische Adresse gerichtete Wort des Führers „Es gibt keine Inseln mehr" in vollem Ausmaß und in früher nie für möglich gehaltener Weife Geltung erlangt hat. Die Hörer konnten aus den Darlegungen des Vortragenden auch die felsenfeste Gewißheit verzeichnen, daß unsere deutsche Luftwaffe ein außerordentlich scharfes Schwert in der Hand unserer Führung ist und die Sicherung unseres Volks« und Lebensraumes unbedingt gewährleistet. Wir haben daher allen Grund, mit guter Zuversicht dem weiteren Verlauf der Dinge entgegenzusehen, und können daheim im Schutze unserer starken Wehr in Ruhe unserer Arbeit nachgehen. Der Vortragende betonte aber auch die Pflichten der Heimat. Dor allem wies er in diesem Zusammenhang auf die Nachwuchsfrage für unsere Fliege, rei hin, wobei man mit Freude hören konnte, daß in unserer Jugend große Begeisterung für die Luft- waffe und insbesondere für die fliegenden Verbände vorhanden ist, wie sich aus den fortgesetzt sehr starken Meldungen von Freiwilligen ergibt. Ebenso erfreulich ist die Kampfmoral unseres Volkes, weil ja alle Volksgenossen genügenden Einblick in die Der- nichtungsplane der Engländer gegen unser ganzes Volk erlangt haben. Weiter erinnerte der Vortragende an die wichtigsten Pflichten aller Volksgenossen im Rahmen des Luftschutzes, und schließlich wies er darauf hin, daß der erfreuliche deutsche Fliegergeist heute wieder überall voll zur Wirksamkeit gekommen ist. Mit herzlichen Dankesworten an den Mann, dem allein die nationale deutsche Wiedergeburt und unsere starke deutsche Wehr zu verdanken sind, unfern Führer Adolf Hitler, schloß der Redner seine mit großer Begeisterung und dankbarem Beifall aufgenommenen Darlegungen. Die Vorführung einer Anzahl Lichtbilder aus dem Weltkrieg beschloß den interessanten Abend. Der Gau Hessen-Nassau der Reichsarbeitsgemein, fchaft für Schadenverhütung hat sein Arbeitsgebiet auf die Verhütung von Schäden an der mensch- lichen Gesundheit ausgedehnt. Zu dem Ringen um die Größe und Freiheit unseres Volkes muß sich die unerbittliche Abwehr aller gegen die seelische Not und die Gesundheit des Menschen gerichteten Angriffe gesellen. Dieser Abwehr dienen die Auf- führungen der „Deutschen Bühne für Dolkshygiene" Kassel, die unter der Leitung von Müller- Manger durch Städte und Dörfer wandert, um iit alle Kreise der Bevölkerung Aufklärung m tragen. In dem dreiaktigen Schauspiel „SOS, Schiff- -rruch des Lebens" hat sich der Autor P. O. Bier- mann die nicht leichte Aufgabe gestellt, in volks- lümlicher Weise zum Kampf gegen die Geschlechts- ftan'kheiten aufzumuntern. Zu der Aufführung, die im Caf6 Leib unter her Leitung von Ortsgruppenleiter Thomas statt- sand, sprach der Oberarzt Dr. Köhler von der fronten. „Das Königsgrab an der Saar." Hörspiel um das Schicksal des Minden Königs von Böhmen und Grafen von Luxemburg. 19: Nach des Tages Arbeit. Es spielt das kleine Orchester des Reichssenders Berlin. Dazwischen: 19.10: Berichte. 20: Nachrichten. 20.15: Übertragung vom Deutschlandsender. 22: Nachrichten. 24: Nachrichten. oftmals verschwiegenen und selten rechtzeitig er- kannten Krankheit hinwies, durch die nicht nur riefe Menschen elend. zugrunde gehen, ihre Fami- lien vernichten und Sorge und Not Hervorrufen, onvern durch die auch ein ganz erheblicher Ge° urfenausfall eintritt. Darüber hinaus werden viele chwachsinnige und lebensuntüchtige Menschen ge- jeugt, deren Unterbringung in den Anstalten die Summe vieler Millionen verschlingt. Das geschickt aufgebaute Schauspiel war gang aus He rhetorische Wirkung abgestellt. Vor dem gespro- denen Wort unb der Hingabe der wenigen Schau- siieler an das Werk traten alle äußeren Umstände zurück. Der Kern der Handlung war der Ablauf eines Fcvwiliendramas eines gutsituierten leichtsinnigen jungen Menschens, dessen Frau anstatt glück- kche Mutter zu werden, die Sünden ihres Mannes nit dem Leben bezahlen mußte. Die auf dem Hin. trgrund der Handlung sich abzeichnende glückliche khe feines Jugendfreundes unterstrich die Kontraste zweier Lebenswege und ließ den Zuschauer erschüttert nachdenklich werden. Dieser Jugendfreund, tn Arzt, ist auch der Mttelpunkt des ganzen Ge- shehens und seine Antworten auf die besonders en zweiten Akt in kleinem Kreis an ihn gestellten Fragen waren offene Wahrheiten nicht nur an die jugend, sondern auch an die unter Vorurteilen lebende Clterngenerotton. Don diesem Arzt ging eine Atmosphäre des Vertrauens aus, wie sie im- Oie Bedeutung -er modernen Luftwaffe Interessanter Vortrag im Deutschen Volksbildungswerk. 5 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 32 bis 45, Feldsalat, */io 10 bis 12, Zwiebeln, % kg 10, Meerrettich 40 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kartoffeln, % kg 4% Rpf., 5 kg 42 Rpf., 50 kg 3,35 bis 3,55 RM., Aepfel, % kg 10 bis 25 Rpf., Birnen 20, Salat, das Stück 5 bs 8, Endivien 5 bis 12, Oberkohlrabi 6 bis 12, Lauch 5 bis 15, Rettich 5 bis 15, Sellerie 10 bis 40 Rpf. • ** D i e Kleiderkarten können auch noch nach dem letzten Ausgabetermin (20. Dezember) ab- geholt werden. Diese Möglichkeit kommt vor allem für solche Personen in Betracht, die im Dezember keine Einkäufe auf die Kleiderkarte mehr vornehmen wollen. In diesem Falle können die Karten noch bis Ende Dezember in Empfang genommen werden. ** CH ristb Lume in der Stadt. Seit einigen Tagen sieht man in Höfen und auf Plätzen unserer Stadt die Tannenbäume stehen, die zum Weihnachtsfest, schön geschmückt, das Zimmer mit ihrem Duft erfüllen sollen. Die Tannenbäume fanden bereits reaen Absatz, und die Vertäufer hatten nicht viel Mühe damit. Da die Preise entsprechend der Größe festgelegt sind, werden Verkäufer und Käufer schnell handelseinig. Die Verkäufer haben sich eine Stange zugelegt, an der, mit Hilfe von ein geschlagenen Nägeln, die verschiedenen Größen angedeutet sind, und der Verkäufer hält diesen einfachen Maßstab vergleichend gegen den Baum. Be- reits gestern in den Mittagsstunden konnte man viele Männer und Frauen auf dem Nachhauseweg sehen, die das Tannenbäumchen unter dem Arm hatten. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) listtschen Staat der Kleingärtnerbewegung wieder größere Rechte als bisher ein geräumt worden sind und ihr auch Reichskredite zur Verfügung stehen, muß diese Bewegung überall gefördert werden. Nach Anordnungen der Reichsregierung sollen die Kleingärtner im Stadtgebiet liegen und an Stelle größerer Parks angelegt werden. Sie müssen aller- dings intenfto bewirtschaftet und schön und zweckmäßig angelegt werden. Das Land für diese Gärten muß billig ' ' ~ ~ Das Deutsche Volksbildungswerk in der NSG. Freude" vermittelte am gestrigen Montagabend einer großen Zuhörerschaft in der Neuen Aula der Universität ein besonders bedeutsames Vortragserlebnis. Den Abend leiteten gute musikalische Darbietungen eines Musikkorps der Luftwaffe ein. Dann stand im Mittelpunkt des Vortragsabends, dem auch der Hoheitsträger im Kreise Wetterau, Kreisleiter Backhaus, und viele Offiziere und Mannschaften unserer Wehrmacht beiwohnten, die außerordentlich fesselnde, unmittelbar aus dem eigenen Leben und Erleben kommende Schilderung des Dberftieutnants Ritter über die modernen Luftstreitkräfte als aus- schlaggebende Grundlage der Wehr- Politik. Dabei entrollte der Vortragende vor fei. nen mit größter Spannung lauschenden Hörern ein sehr aufschlußreiches und mit vielen Bergt eich sm ög- lichkeiten ausgestattetes Bild von unserer Luftwaffe >rn Weltkrieg 1914/18 und dem Stand unö den Wirkungsmöglichkeiten dieser Waffe im gegenwär- ttgen Kriege. Zunächst lernte man, als guten Ausgangspunkt für die Beurteilung des Stoffes, in großen Zügen den Stand unserer Militärfliegerei bet Ausbruch des Weltkrieges 1914 und bis in die Jahre 1915 und 1916 hinein kennen. Man hörte davon, wie unsere damaligen Kriegsflieger mit ungeheuerem persönlichen Schneid in ihren ,Kisten" fliegerisch tättg waren, wie sie in diesen Maschinen während der Jahre 1914 und 1915 noch ohne Waffen und Funkanlage flogen, während der Feind damals schon in seinen Flugzeugen Maschinengewehre, zum Teil sogar Kanonen und Funkeinrichtungen eingebaut hatte. Ein anschauliches Bild von einem französischen Flugzeug der damaligen Zeit machte diese Feststellung tn klarer Weise erkennbar. Trotz dieser technischen Unterlegenheit vollbrachten auch damals schon unsere Kriegsflieger Leistungen, die den Ergebnissen der feindlichen Fliegerei weit überlegen waren^ Erst später, als die große Bedeutung dieser Waffe tn stärkerem Maße. Rückschauend konnte man die Feststellung machen, daß die deutsche Fliegerei ihren Aufgaben rm Weltkriege restlos gerecht geworden ist, obwohl sie im Material und in der Bewaffnung nicht so entwickelt worden war, wie es damals schon hätte sein können, daß aber im Verlause des damaligen Krieges das Flugzeug doch immer mehr eine außerordentlich schnelle technische und waffenmäßige Entwicklung erfahren hat. Nach kurzer Erwähnung der großen Wandlung, die bereits im Verlaufe des Krieges in Spanien hinsichtlich der Verwendung des Flugzeuges als Auf- klärungs« und Kampfmittel zutage trat, wies der Vortragende in zusammenfassender Schilderung auf die jüngsten Erfahrungen des Feldzuges in Polen hin, wo unsere moderne deutsche Luftwaffe schon nach vier Tagen die gesamte polnische Luftwaffe erledigt hatte. Die Auswertung dieser Erfahrungen in Polen machte der Redner feinen Hörern in aufschlußreicher Weise deutlich, wobei er auch die in Fachkreisen vielfach erörterte Zerschmetterungs- theorie und die Zermürbungstheorie sowie die praktische deutsche Stellungnahme zu diesen Theorien in den Kreis der Bettachtungen einbezog. Aus den fesselnden Darlegungen konnten die Hörer die ge- walttge Bedeutung der modernen Luftwaffe als Aufklärungsinstrument für die Heerführung und als Kampfmittel beim Einsatz zur Niederwerfung des Feindes klar erkennen. Ebenso deutlich ttat dabei zutage, welche große Rolle die Möglichkeiten des mo. fernen Flugzeugs bet den lustpolitischen Erwägungen als Instrument aur Ueberbrückung weiter Räume spielen, durch Deren Einwirkung eine in früheren Jahren vollkommen unvorstellbare Schrumpfung des Lebensraumes der Völker unb Staaten herbeigeführt wurde. Aus der Gesamtheit dieser Betrachtungen kristallisierte sich klar heraus, daß die Luftherrschaft die Beherrschung des gesamten feindlichen Lebensraumes — also nicht nur den Bereich der kämpfenden Front, sondern auch die Lebensbezirke des Volkes und feiner Wirtschaft und damit aller Kriegsmöglichkeiten — in sich schließt. Wiedereröffnung unserer Llniversitat. Der Relch-mlnlster für wissen,chafl, (Erüehuna und D-Ik-biidnng gibt b-k-nnl, dah mil Dechnn d» kommenden Trimesters am 8. Januar 1940 auch di- llnlversiläi Gießen ihren Lehr- betrieb roieber aufnimmt. 3m »erlaufe de» kommenden Arbeü-abschnitte- ul,?rC.rAe[^69mUrttoerfl,dt wird auch ein mehr- Wissenschaft Iche Bortragsr-the außerhalb des üb. .^lefung^etriebs aber im Rahmen der Universität, für Angehörige der Wehrmacht, der Partei und ihrer Gkederungen durchgefühn werden Ferner ist von der Universität beabsichtigt eine Reihe von Abendvorlefungen für Hörer aller Fakul- täten Zu veranstalten, di- auch allen Volksgemssen zugänglich fein sollen. 11 D'- Siebener Bevölkerung wird die Nachricht daß auch unsere Universität ihren Lehrbetrieb nun-' mehr wieder aufnimmt, mit Freude und Genua- tuung begrüßen. „SOS.“ „Schiffbruch des Lebens* „ n und von Generation auf Generation übergehen. Wie der Kreisgruppenleiter aus- führte, bildet der Reichsbund der Kleingärtner die stete Verbindung zwischen Kleingärtnern und Be- Hörden. Landesbundleiter Krug erläuterte bann die besonderen Anordnungen, die die Reichsregierung zum Schutze und zur Förderung der Kleingärten erlassen hat. U. a. machte er aus einer der letzten Erlasse aufmerffam, durch den ein Verbot der Kün- M gongen jeglicher Kleingärten ausgesprochen wurde. Eine sichere Grundlage erhält der Kleingärtner allerdings erst durch den Anschluß an den Reichsbund der Kleingärtner. Der Reichsbund kann auf Grund des Waynsiedlungsg-esetzes die Anlage von Dauer gärten fördern. Der Reichsbund hat größtes Interesse daran, daß solche Daueranlagen geschaffen werden. Das ReichÄrarlehen befragt etwa 550 RM, für einen 400 Quadratmeter großen Garten und zwar etwa 300 RM. für den Erwerb und 250 RM. für die Anlage des Gartens. Die Rückzahlung erfolgt im Laufe von 20 Jahren. Der Landesbund- leiter ging dann auch noch auf die Kleintierzucht ein. Nach diesen eingehenden Darlegungen wurde der Antrag zur Gründung eines Meingärtnervereins zum Beschluß erhoben und einstimmig gebilligt. Zum DereinSführer wurde CH. Junker ebenso einstimmig bestellt. Der Verein erhält den Namen „Kleingärtner-Verein Lahntal Gießen E. $.N Lieber 33 OOO Sänger in Hessen. Im Sängergau Hessen-Darmstadt sind rund 33 000 Sänger zusammenaefaßt. Dem Sängergau gehören 1026 Vereine an, die sich auf 714 Vereinsorte verteilen. Durch die Kriegsverhältnisse bedingt, ruht die Vereinsarbeit in etwas mehr als einem halben Hundert der Vereine. In allen anderen Vereinen vollzieht sich das Vereinsleben in geregelten Bahnen. Die Durchschnittszahl der aktiven Sänger liegt zwischen 30 und 33. Gießener Dochenmarktpreise. * Gießen, 12. Dez. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, ausländische Kühlhauseier, Klasse C 105L, Wirsing, V» kg 7 bis 10, Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 7 bis 10, rote Rüben 9 bis 12, Unterkohlrabi AheimMainifche »»rfe. Tendenz: weiter fest. Frankfurt a. M., 11. Dez. Unter dem Einfluß ber Geld fülle setzten sich weitere Anlagekäufe der Kundschaft sowohl am Aktten-, als auch am Renten- markt fort. Die Börse eröffnete daher auch die neue Woche tn fester Haltung, das Geschäft war allerdings wieder nur wenig belebt, da vielfach kein entspre- chendes Angebot vorhanden mar. Viel Beachtung fand die Münchener Rede des Reichswirtschasts- minifters. Die zunächst nur in geringer Anzahl vorliegenden Erstkurse am Aktienmarkt wiesen überwiegend Erhöhungen von 0,50 bis 1 v. H. auf. Einzelne Werte stiegen stärker an, so Rhein. Braunkohlen auf 245 (242), Aschaffenburger Zellstoff auf 106,40 (104,75) und Betula, die von chrem Dividenden- abschlag von 6,8 v. H. nahezu die Hälfte aufholten auf 155,25 (159,25). Die führenden Papiere waren wenig verändert: JG.-Farben 163 (162,75), Mannes- mann unv. 108, Verein. Stahl sogar 0,75 v. H. leichter mit 100,50. Don Bankaktien befestigten sich Reichsbank auf 180,75 (180) und Bank für Brau- inbuftrie auf 117,50 (116,50). Am Rentenmarkt lagen Reichsaltbesttz sehr fest mit 138 (137,20). Im Freiverkehr zogen Korn- munal-Umschuldung auf 93,80 (93,65) an, Steuergutscheine I wenig verändert. Im übrigen blieben besonders wieder Pfandbriefe, ferner verschiedene Reichsschatzanweisungen gesucht. Liqui-Pfandbriefe wenig verändert, Stadtanleihen vielfach 0,25 bis 0,50 v. H. anziehend, ebenso einzelne Industrie- Obligationen. Der Freiverkehr lag ruhig. — TayesgeD unverändert 2 v. H. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein: für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 5 vom 1. Dezember 1939 gültig. wer und jederzeit zwischen Arzt und Mensch vorherrschen muß, wenn unser Volk rechtzeitig vor Schäden an der Gesundheit bewahrt werden soll, tie Handlung selbst war ein eindringlicher Beweis dafür, daß Vorbeugen besser ist als Heilen. Die art aufeinander eingespielte Schar der Künstler überzeugte durch ihre sprachliche und schauspielerische Leistung. Der starke Beifall war reichlich verdient. Gießener Kleingärinerverein »Lahntal". Auf Veranlassung des Obst- und Garten- biunereins fand am Sonntag im „Burghof"