Nr. 213 Erstes Blatt 189. Jahrgang Dienstag, 12. September 1939 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild ■ Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mil 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr . . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Gieheu Postscheckkonto: zranlfurt am Main 11686 Gietzemr Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitäls-ruckerer R. Lange in Stehen. Schriflleilung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 Annahme von Anzeige« für die Miltagsnummer vis 8l/,UI)r des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für anzeigen non70mm Brette 50 Rps..Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/<» mehr. Grmähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemein« nützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Bahnlinie Warschau - Giedlce erreicht Gewaltmarsche der Südtruppe über den San. — Großendorf aus Hela beseht. — Örtliche Vorpostenkämpfe zwischen Saargemünd und Hornbach. - Am Montag keine Lustangriffe auf das Reichsgebiet. V Berlin, 12. Sept Funkspruch). Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Die große Schlacht in Polen geht westlich der Weichsel ihrem Ende entgegen. Die Südtruppe dringt in Gewaltmärschen gegen und über den San vor. Gebirgstruppen haben am äußersten Südflügel Lhyrow südlich Przemysl erreicht. 3m Raum zwischen Zwolen, Radom und der Lysa-Gora streckt der Feind die Waffen; Geschütze und Kriegsgerät von wenigstens vier Divisionen stehen als Beute in Aussicht. Die Gefangenenzahl ist noch nicht zu übersehen. Auf dem Ostufer der Weichsel südlich Warschau nahmen Panzertruppen eine Anzahl schwere Geschütze, darunter vier 21- Zentimeter-Wörser. Verzweifelte Versuche der um Kutno einge- schlossenen starken feindlichen Kräfte, nach Süden durchzubrechen, wurden vereitelt. Der Ring auch um diese feindliche Gruppe ist geschlossen. Nördlich der Weichsel nähern sich unsere Truppen der Festung W o d l i n. Rach hartem Kampf ist der Feind auch nordostwärts Warschau geworfen. 3n der Verfolgung haben unsere Truppen mit der Masse die Bahnlinie W arschau—B ialysto k überschritten, mit vorgeworfenen Abteilungen die Bahnlinie Warschau—Siedlce erreicht. Verbände der Luftwaffe wurden, wie am Vortage, zur Unterstützung des Heeres bei K u t n o und zur Störung der rückwärtigen Verbindungen des Gegners ostwärts der Weichsel mit gutem Erfolg eingesetzt. Line Sturz-Kampfgruppe hat die Ostausgänge von Warschau abgeriegelt. Der Bahnhof Bialystok wurde zerstört. Großendorf im westlichen Teil der Halbinsel h e l a und seine Hafenanlagen sind von leichten Seestreitkräften in Besitz genommen. 3m Westen örtliche Vorpostenkämpfe zwischen Saargemünd und Hornbach. Luftangriffe auf das Reichsgebiet ereigneten sich gestern nicht. Lomza am Harem genommen. pen umzingelten Stadt hinausschieben. Diese Barrikaden werden aufforderungsgemäß von der bewaffneten Zivilbevölkerung nicht nur errichtet, sondern auch besetzt gehalten. Das grausame mörderische System der mchtmWärischen Dach- und Kellerschützen soll hier in der polnischen Hauptstadt aufs tiefste ausgebaut werden. Die von London ausgehaltene Regierung geht dabei auch rücksichtslos über Leben und Eigentum der eigenen Bürger hinweg, die sich nicht in dieses Mordsystem drängen lassen. Während die deutschen Flugzeuge bei ihren Bombenwürfen ausschließlich Militärisch wichtige und befestigte Punkte der Stadt belegten, fchießt die polnische Artillerie Aus Tschernowitz wird gemeldet, daß an der polnisch-rumänischen Grenze bereits hunderttausende von Flüchtlingen angekommen seien. Mehrere tausend Polen, unter ihnen besonders zahlreiche Deserteure, hätten die Grenze überschritten. Die rumänische Regierung bereite Konzentrationslager vor, da sie mit einem Mas- senübertritt der geschlagenen polnischen Armeen rechne. Besondere Abneigung habe man in Rumänien gegen den Grenzübertritt polnischer Juden, von denen man fürchte, daß sie mit ihrer Millionenzahl das ganze Land überschwemmten. Auch aus Moskau wird gemeldet, daß sich Kolonnen von polnischen Regierungslastautos und anderen Fuhrwerken, mit schweren Kisten beladen, in Richtung auf die polnisch-rumänische Grenze bewegen. Es handele sich dabei um Gold, Wertpapiere' und Dokumente, die die polnische Regierung in Sicherheit zu bringen versuche. Hungersnot in Lublin. Sofia, 11. Sept. (DNB.) Wie ein bulgarischer Reisender, der aus Polen zurückgekehrt ist und in den letzten Tagen auch in Lublin war, zu berichten weiß, herrscht besonders nach dem Eintreffen der aus Warschau geflüchteten polnischen Regierung ein chaotischer Zustand, der namentlich auf die Er- nährungs- und Verkehrsverhältnisse eine verheerende Wirkung hatte. So gab es z. B. für die mit der polnischen Regierung nach Lublin gekommenen ausländischen Diplomaten keinerlei Lebensmittel, nicht einmal Brot und Kartoffeln konnten aufgetrieben werden, da sich die Lebensmittelversorgung der Bevölkerung in- rücksichtslos in d i e Wohnviertel hinein. An vielen Stellen steht so Warschau durch diese Beschießung aus polnischen Geschützen in Brand. Der wahnwitzige Barrikadenbau hat jede Hilfstätigkeit der Feuerwehr unmöglich gemacht. Verzweifelt versuchen die Einwohner dieser Bezirke, mit Wassereimern und Sandsäcken den Kampf gegen die immer stärker um sich greifenden Feuersbrünste aufzunehmen. Das Feuer frißt ständig weiter. Die Brandgeschosse der polnischen Artillerie krachen weiterhin in die polnische Hauptstadt und in die eigene Zivilbevölkerung hinein. .Auch am Ostufer der' Weichsel, in der Vorstadt P r a g a, werden von den Polen Schützengräben ausgehoben. folge des Mangels jeder Zufuhr vom Lande und von außen in voller Desorganisation befand. Fast alle Lebensmittelgeschäfte waren geschlossen und Gaststätten in ihrem Betrieb lahm- gelegt. Die Weiterbeförderung der Regierung nach dem Südosten des Landes stieß auf die größten Verkehrsschwierigkeiten, da f a ft alle Bahnverbindungen ' durch die deutsche Luftwaffe z e r st ö r t waren. Amtlicher Aufruf zum Meuchelmord. Furchtbare Verantwortung der polnischen Regierung. Berlin, 11. Sept. (DNB.) Der W il noer Sender gab am Montagmittag um 12 Uhr einen weiteren Aufruf des polnischen Zivilkommissars Kostet Birnacki bekannt. In ihm wird u. a. die Bevölkerung ausgef-ordert, die von den deutschen Fliegern abgeworfenen Flugblätter auf der Straße zu verbrennen. .Kämpft auch gegen die deutschen Truppen hinter der Front. Jeder schlage mit dem zu, was er gerade in der Hand hat, und niemand fürchte die Folgen für eine solche vaterländische Tat." Dieser Aufruf ist ein neuer furchtbarer Beweis für die amtliche Aufhetzung der Bevölkerung zum Meuchelmord. Die ganze Schuld für die gräßlichen Untaten wie der Bromberger Blutsonntag, die solche Aufrufe zur Folge haben, fällt auf die polnische Regierung und das dahinterstehende England. Rumänien erwartet polnische Flüchtlinge. Komplizen des Pöbels. „Pestherd", „Feind des Menschengeschlechts", ,Köllenreich des Antichrists", „Hunnen" und „vertierte Barbaren" das war Deutschland in der britischen Presse während des Weltkrieges. In der Wochenschraft „John Bull", die der Abenteurer und Schwindler Sir horace B o t t o m l e y herausgab, wurde nach dem Einmarsch der Deutschen in Belgien kurzerhand gefordert, alle Deutschen an die Laternenpfähle zu knüpfen. Dagegen kämpfte England angeblich „für die Unabhängigkeit der kleinen Nationen" (Ministerpräsident Asquith in seiner ersten Kriegsrede!). Es wolle deshalb, wie der Handelsminister Runciman in seiner Rede in Birmingham im November 1915 bekannt gab, Deutschland „aller seiner Kolonien, seiner Kriegsund Handelsflotte" berauben und ihm nicht einmal Waffen zur Verteidigung belassen. ,Zrn Kriege muß", schrieb Toulmin im vornehmen .^Journal of the Royal Economie Society" vom April 1915, „die Regierung diePöbelinstinktedesAbscheues vor dem Feinde wachhalten", sie muß daher, wie Oberst Roß ausführte, „auch f a l s ch e N a ch- richten verbreiten und den Gegner bei de? ganzen gesitteten Welt in Mißkredit bringen". Das haben die Briten redlich besorgt, und als int Oktober 1914 der britische Mob die in England ansässigen Deutschen plünderte und beraubte, schrieb am 13. Mai 1915 die Londoner „Morning Post", die als Organ der britischen Gesellschaft in noch größerem Rufe stand als die „Times": „Der Mob hat im Grunde genommen recht; er übt eine rauhe Justiz". Wer erinnert sich dabei nicht des Bromberger Blutsonntags, der von englischen Agenten inszeniert wurde? Die Lügenprefse wurde genau wie heute von der britischen Regierung unterstützt, sie wurde mit großen Mitteln schon im Frieden subventioniert, und es ist Tatsache, daß die britische Regierung eine Reihe neutraler Blätter, so den „Nieuwen Rotter- damschen Courant", das „Svenska Dagbladet" in Stockholm, den „Correo Espanol" in Madrid und andere ausforderte, gegen gute Bezahlung Nach- richten über deutsche Greuel abzudrucken, was diese Blätter a b l e h n t e n. Dagegen fanden sich andere Blätter, die britische Pfunde nahmen. Wie sehr England an der Verpestung der Weltmeinung lag, erhellt aus der Mit- terlung, daß der französische Gesandte Blonde! 14 Millionen RM. erhielt, um die rumänische Presse in ihrem Weltgewissen zu beschwichtigen. Die Summen, die England für die Geneigtheit der neutralen und feindlichen Presse aufwandte, gehen in die Hunderte von Millionen Pfund. Lord N o r t h - cliffe brachte diese niederträchtige Propaganda auf den Gipfel. Der „New York American" vom 15. Oktober 1916 schrieb, Zeitungen, Politiker und Redner in Holland, Schweden, der Schweiz, Spanien, Rumänien, überall in der Welt und „besonders zu unserer bitteren Scham in den USA." hätten viele Millionen Pfund bezogen« um Englands Greuelhetze gegen Deutschland mitzu. machen. In einem Leitaufsatz vom 18. Februar 1917 berichtete das gleiche Blatt, es feien für die Arbeit in den amerikanischen Zeitungen bisher von London Berlin. 11. September. (DNB.) Lomza am Narew wurde nach hartnäckigem feindlichem Widerstand genommen. Ostpreu- ßifche Landwehr war entscheidend an der Erzwingung des Narew-Ueberganges bei Wlzna beteiligt und bewies hier ihren hervorragenden Angriffsgeist. Generalfeldmarschall Göring begibt sich an die Front. Berlin. 11. Sept. (DNB.) Generalfeldmarfchall Göring hat nach Erledigung der vordringlichsten Arbeiten» die ihm als Vorsitzenden des Winisierrates für die Reichsverteidigung obliegen, gestern abend fein Hauptquartier verlassen und sich an die Front zu den Verbänden seiner Luftwaffe begeben. Keine Blumen für den Führer während des Krieges. Berlin, 11. 6ept. (DNB.) Die Adjutantur des Führers gibt bekannt: Der Führer wird für Die Dauer des Krieges auf seinen Fahrten keinerlei Blumen e n t g e g e n n e h m e n. Die ihm von der Bevölkerung zugedachten Blumen sollen den So l d a t en der deutschen Wehrmacht gegeben werden. polnische Artillerie schießt Warschau in Brand. Bon der Regierung bewaffnete Zivilisten schießen aus Kellern und Luken. Wilna, 11. September. (DNB.) Alle hier ein- treffenben Meldungen besagen, daß Warschau im= mer mehr zum Schauplatz eines Hjjn* : ofen Kampfes wird. Die wahnwitzige Hetze der polnischen Regierung, die durch Rundfunk, Presse und Flugblätter unter der Zivilbevölkerung betrieben wird, trägt ihre ersten blutigen Fruchte. Das ganze Leben der Stadt ist e r st o r o e n. Ueberall türmen sich auch in der Innenstadt oic Barrikaden. Wagen der Straßenbahnen, Fuhrwerke und das aufgerissene Straßenpflaster sollen den Fall der schon weitgehend von den deutschen Tmp- Die große Schlacht in Polen. Oer Führer im Operationsgebiet zwischen hodz und Warschau, t Dom W. B.-Sonderberichierstatter des ONÄ. Führer-Hauptquartier, 11. September, (DNB.) Der Führer hat sich auch heute wieder i m Flugzeug an d i e vorderste Front begeben, mitten hinein in das Operationsgebiet zwischen Lodz und Warschau, wo die eingeschlossenen polnischen Truppen sich verzweifelt bemühen, nach Osten durchzubrechen. Wieder wie gestern landet der Führer auf einem der Feldflugplätze wenige Kilometer hinter der Front. Die flache polnische Ebene, die aus- gedchnten Stoppelfelder geben hervorragende Flugplätze ab. heute ist es der Platz einer Zerstörerformation. Der Kommandant kann zur Begrüßung dem Führer voll Stolz die Ergebnisse des geftrigen Feindfluges melden. Diese eine Formation hat an einem Tage 44 polnische Flugzeuge vernichtet und dabei zahlreiche weit östlich gelegene polnische Flugplätze zerstört. Voll Freude hört der Führer diese Meldung tapferen deutschen Fliegertums. Ganze Arbeit der Lustwaffe. Auf der Fahrt in die vorderste Front begegnen wir den Spuren der deutschen Luftangriffe. Besonders in Rawa, dem Punkt, der für die deut- chen Truppen der Schlüssel für den entscheidenden Vorstoß auf Warschau war, sind die militärisch wichtigen Objekte nur noch Trümmerhaufen aus Stein und Stahl, hier haben die deutschen Bomben ganze Arbeit gemacht. Wir finden aber auch ebenso wie am gestrigen T a g z a h lr e i ch e Z e ugn i s s e d e s B and en kr i ege s. Die deutschen Truppen hatten ja in den ersten Tagen ihres mit ungeheuerer Energie geführten Vorstoßes nicht die Möglichkeit sämtliche Widerstandsnester systematisch zu erledigen. Sie kämmten das Land gleichsam wie eine dünne ununterbrochen vorgehende Treiberkette durch.'Jetzt kommt das große Aufräumen. Wir begegnen ununterbrochen langen Gefangenen zu gen, die von deutscher Feldpolizei nach hinten geleitet werden. Die wahre Zahl der bereits gefangenen und der noch in den Wäldern umherirrenden Polen wird erst in einigen Tagen einigermaßen feststellbar sein. Eins ist allerdings heute schon sicher: auf den Straßen nach rückwärts marschieren die Trümmer einer geschlagenen Armee. Sin eiserner Bing. Noch größer allerdings wird die Zahl der Gefangenen werden, wenn auch die Divisionen versprengt und entwaffnet sind, die heute noch im Raume zwischen Lodz und Warschau mit letzten Verzweiflungsangriffen gegen die eiserne Umklammerung des deutschen Heeres anrennen. Je weiter wir an die Front kommen, desto deutlicher erkennen wir, wie dieser unzerreißbare eiserne Gürtel immer stärker und fester wird. Unaufhörlich ziehen hier frische Truppenmassen nach Norden. Infanterie, Feldartillerie, Flak, schnelle Truppen und schwere Artillerie bewegen sich rasch und unaufhaltsam nach vorn, um das Ende der Polen zu beschleunigen. Wir überholen in rascher Fahrt die vorrückenden Kolonnen. Mit Jubel begrüßen die Truppen den Führer. Das Heil-Rufen reißt nicht ab. Mit Blitzesschnelle eilt die Kunde unserer Wagenkolonne voraus: „Der Führer kommt!" Es leuchten die Augen unserer tapferen Soldaten, die nun seit zehn Tagen tm ununterbrochenen Vorgehen sind. Es ist kein müdes Gesicht zu sehen, braungebrannt und in straffer hal- mng grüßen sie den Führer, als er an ihnen vorüberfährt. Doppelt freudig marschieren die Truppen nun weiter. Sie wissen, der Führer, der erste Frontsoldat des Reiches, ist mitten unter ihnen. Unter seinen Augen werden sie ihre Siege erkämpfen. In der vordersten Artilleriestellung. In den Straßengräben liegen vereinzelt polnische Geschütze, polnische Munitionswagen, Ausrüstungsgegenstande und auch einige polnische Tanks, zerschossen und bewegungsunfähig, z. T. ausgebrannt Die deutschen Panzer haben sie zusammen- geschossen. Auf den Häusern längs der Straße wehen noch überall die weißen Fahnen der lieb ergäbe. Dann mehren sich die Zeichen des Kampfes. Auf den Feldern stehen feuerbereit deutsche schwere Batterien, geschützt von Flakformationen. Der Führer fährt mitten durch diese vorderste Stellung der Divisions-Artillerie. Noch weiter vorne treffen wir auf einen D i v i s i o n s st a b. Er ist in einem halbverfallenen Bauernhaus untergebracht, durch dessen schütteres Strohdach die Sonne ins Innere scheint. Voll Stolz kann der Divisions- general dem Führer melden, daß alle Versuche der Polen, die hier mit dem Mute der Verzweiflung anrannten, im deutschen Feuer unter schweren Verlusten zusammengebrochen sind. Unter den schauerlichsten Lügen, was ihnen bei der Gefangennahme beoorftünbe, hatte man die polnischen Truppen noch einmal ins Feuer gejagt. Gerade als wir diesen vorgeschobenen Divisions« stad verlassen, gehen links von uns quer über die Felder deutsche Panzer vor. Dicht geschlossen folgt Infanterie und leichte Feldartillerie. Wir sind jetzt unmittelbar hinter der vor« bersten Linie, noch nicht eineinhalb Kilometer von ben vordersten Stellungen entfernt. Wir hören bas Tacken ber Maschinengewehre. Am Nachmittag erst verläßt ber Führer wieder bie vorberen Linien. Noch einmal schließt sich ein Frontflug an, ber einen umfaffenben Ueberdlick gibt. Wir sehen deutlich die nachrückenben Einheiten deutscher Truppen, aber auch die langen Züge von Gefangenen, die es verstanden haben, sich Zivil zu verschaffen, ohne aber dadurch der Aufmerksamkeit der deutschen Truppen zu entnehm. „Die Armee in Zivil", so nennen wir diese Haufen, die z. T. noch militärische Ausrüstungsgegenstände unter der Zivilkleidung verbergen. Als wir von der Front abdrehen, um zum Führer-Hauptquartier zurückzukehren, leuchten in den sinkenden Abend wie riesige Fackeln die Feuersbrünste der Dörfer, die die Polen auf ihrem Rückzug in Brand gesteckt haben, nicht wenmger als 76 Millionen Dollar verteilt worden! Auch die damalige britische Regierung war eine Gesellschaft zur Verbreitung von Greuellügen. Roch am 4. Mai 1917 erklärte Lord Cecil, der spätere sanfte Völkerbundsapostel, die Nachricht, daß die deutsche Regierung Fett aus Soldatenleichen ziehe, sei nicht unglaubwürdig, er habe als Minister die Verbreitung dieser Nachricht durch die üblichen Kanäle zugelassen. So vergiftete das amtliche England die öffentliche Meinung der von ihm abhängigen Völker! Militärische Kritiker wie chilaire Belloc verkündeten (The Jssue, S. 37—39), die Vernichtung der deutschen Macht sei die Vorbedingung für die Rettung der Zivilisation (wie England sie versteht), weitere Vorbedingungen seien die Absetzung der chohenzollern, die Ueberwindung des — natürlich preußischen — Militarismus, und dann der Gewaltfriede. Denn ein Sieg Englands „wird uns zu Herren der Loge machen mit der Macht, zu diktieren, wie die neuen Grenzen kaufen sollen, wie die Zugänge zu den Märkten des Ostens offen gehalten, besetzt und garantiert werden sollen. Wenn diese Ausgabe unsere Kräfte übersteigt, dann hat die Zivilisation eine Niederlage erlitten und es ist aus damit." Britische „Gelehrte" bewiesen der Welt, daß „Deutschland die Schlinge gelegt hat, um England zu fangen!" Deshalb müsse, wie Bottomley jeden Tag im „John Bull", der 1200 000 Auslage hatte, schrieb, jeder Deutsche „wie Ungeziefer ausgerottet werden". Sir Arthur Conan Doyle, der Verfasser der Sherlok-Holmes-Geschichten, aber schrieb am 26. Dezember 1917 in der „Times" von ,ch e r Bestialität der deutschen Nation". Heute wie in den Jahren des Weltkrieges werden dieselben Lügen, dieselben Methoden dieser „Retter der Zivilisation" gegen uns angewendet, heute wird abermals das Vorhandensein einer Kluft zwischen dem deutschen Volke und seiner Führung behauptet. Aber in Wahrheit ist das deutsche Volk schon 1918 ein Opfer der Lüge von „der Vorherrschaft in Europa" gewesen, die die Mantelnote der Alliierten vom 16. Juni 1919 als „das größte Verbrechen gegen die Menschheit und gegen die Freiheit der Völker" bezeichnete, das „eine sich für zivilisiert ausgebende Nation jemals mit Bewußtsein begangen hat". Die ganze deutsche Nation wurde so verfemt, und als der Kaiser längst nach Holland gegangen, als uns der Diktatfriede auferlegt war und deutsche Frauen, Kinder und Greise unter der Hungerblockade massenhaft starben, schrieb Churchill, jetzt wieder Erster Lord der Admiralität, im Juli 1920 in den „Eoening News", die britische A u s h u n g e r u n g s w a f f e schlüge mitten im Frieden Deutschlands Frauen, Kinder und Greise, aber nur, damit Deutschland endgültig kapituliere. Heute hat England wieder die Lügenschleusen geöffnet wie 1914. Wir aber haben sie nicht vergessen, und wir werden dieses perfide Kampfmittel zuschanden schlagen. Darauf können sich die Lügner an der Themse verlassen. E.S. Honen junger Leute. In einem neuen großen Kriege würde Frankreich mit dem Verlust weiterer Millionen junger Menschen die äußersten Kräfte seiner Lebensfähigkeit erschöpfen. Auch wenn es mit den Waffen siegen würde, würde es sich selbst erledigen. Die farbigen Trup- pen können wohl als Kanonenfutter dienen, aber weder den Sieg entscheiden noch eine Niederlage verhindern. Der Krie-gsstil Italiens liegt in schnellen Operationen, im Offensivkrieg, was der Lebenskraft eines Volkes mit einer Reserve von zwölf Millionen junger Leute entspricht. Frankreich geht in den Konflikt wie einer, der seiner eigenen Verurteilung entgegenschreitet. Es spielt diesmal keine entscheidende Rolle, sondern es ist ein durch ferne Entscheidungen verpflichteter Mitspieler. Die freiwillige und entscheidende Rolle spielt dagegen England, das sich zum Kriege entschlossen hat, um Deutschland Halt zu gebieten. Großbritannien hat es auf die Niederlage des Dritten Reiches und auf ein neues, härteres Versailles abgesehen, alles Ziele, die weit und äußerst mühsam erscheinen, da man ein großes geschlossenes Reich von 90 Millionen gewaltig gerüsteten Weißen nicht niederwerfen kann. Groß- deutschland, so sagt die Veröffentlichung weiter, habe mehr Divisionen unter den Waffen als Frankreich und England. Die deutsche Luftwaffe sei so stark wie die Englands und Frankreichs zusammengenommen. Die britische Flotte könne gegen Deutschland die Blockade verhängen, aber im Gegensatz zu 1914 habe das Reich jetzt seine Tore zur Versorgung durch Rußland offen. Außerdem müsse sich die englische Flotte gegen die deutsche Luftblockade wehren. Die Vereinigten Staaten könnten Flugzeuge für die Westmächte bauen' die Flieger öfter ließen sich nicht mit der Maschine fabrizieren. Es sei offenkundig, daß Deutschland im B esitz überwiegender kontinentaler Kräfte sei. Auf den Schlachtfeldern Polens werde es die Waffen weiterer Divisionen gewinnen, die zum größten Teil von England und Frankreich stammen. Jenseits von Deutschland liegt im Hintergrunds Rußland. Auch dieses ist ein Hauptakteur beim Reifen der Ereignisse. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es auch bei den Entscheidungen eine Hauptrolle spielen wird. Es genügt, daran zu erinnern, daß Rußland weite Gebiete an Polen und Rumänien verloren hat, außerdem muß man sich vor Augen halten, daß England und Frankreich im Icchre 1914 Rußland die Erwerbung von Konstantinopel garantiert hatten. Auch das italienische Volk hat seine Lebensproblerne und wird ein Wort mitzureden haben. Inzwischen wartet Italien in geschlossener bewun» derungswerter Disziplin die Befehle des Duce ab. England bricht die Handelsverträge mit Moskau. Moskau, 10. Sept. (DNB.) Die amtliche Sowjetagentur veröffentlicht eine Erklärung, die einleitend bemerkt, daß in letzter Zeit eine u n • freundliche Haltung Englands auf dem Gebiet der Handelsbeziehungen festzuftellen fei. Seit Ende August habe eine ganze Reihe von englischen Firmen sich Akte der Unfreund, lichteit gegenüber Sowjetrußland zuschulden kommen lassen. Es werden dann englische Firmen auf- gezählt, die ihren Lieferungsverpflichtungen gegen- über Sowjetrußland nicht nachgekommen sind, bzw. die mit ihnen abgeMossenen Verträge einseitig g e • b ro che n haben. Diese Firmen lehnen es ab, die Waren zu liefern, über die bereits die Londoner Handelsvertretung der Sowjetunion Abschlüsse getätigt hatte, so in Kautschuk und Drehbänken. In allen Fällen erkläre jetzt England, daß es die Waren s e l b st d r i n g e n d benötige. Der Sowjetbotschafter in London hat scharfen Protest gegen diese grobe Verletzung der Derträge eingelegt. Leider ist dieser aber, so heißt es in der Erklärung, erfolglos geblieben. Die Taß schließt die Erklärung mit der Feststellung, daß diese Tatsache die sowjetrussisch-englischen Handelsbeziehungen i n d e r Wurzel zerstörte. Rußlands Reservisten an die Westgrenze. Moskau, 11. September. (DNB.) Die Einberufung der Reservisten verschiedener Jahresklassen zur Roten Armee nahm in den Militärbezirken von Moskau, Kalinin, Leningrad, Drei, sowie in Weißrußland und in der ganzen Ukraine ihren Fortgang. Eingezogene Reservisten werden eiligst nach der West grenze befördert. Vom frühen Morgen an sah man die einberufenen Männer mit chren charakteristischen Wäsche- flrtb Proviantbündeln zu den Sammelpunkten ziehen. Die Zahl ist so groß und das Tempo der Einberufenen so rasch, daß die Kasernen zur Unterbringung nicht mehr ausreichen, so daß zahlreiche Schulen als Sammelpunkte ein- gerichtet wurden. Die Reservisten haben außer ihren Mikitärpässen, Proviant auf zwei bis drei Tage, Leibwäsche und dergl. mitzuibringen. Die Behörden und Betriebe sind angewiesen, allen Gestellungspflichtigen die Löhnung für 14 Tage im voraus auszubezahlen. In Moskau sind außerdem zahl- reiche Kraftfahrzeuge von den Militärbehörden requiriert worden. Auf den Moskauer Bahnhöfen herrscht ein ungewöhnlich lebhaftes Treiben. Von allen Seiten strömen die Gruppen der Reservisten herbei, deren Abtransport an die West grenze bereits in vollem Gange ist. Der zivile Paffa- gieroerkehr in Richtung auf Minsk, Kiew und Odessa ist gesperrt; Fahrkarten werden überhaupt nur bei Vorweisung des Militärpasses ausgestellt. Die einberufenen Reservisten stehen meist im Alter von 25 bis 32 Jahren. Von den älteren Jcchr- gängen haben in erster Linie Reserveoffiziere, Techniker und sonstige Spezialisten Gestellungsbefehle erhalten. Man beobachtet ferner, daß ein großer Teil der zu den zahlreichen Moskauer Kriegsschulen und Akademien kommandierten jüngeren Offiziere gleichfalls an die West grenze aft- transportiert wird. Kleine politische Nachrichten. Der italienische Außenminister G r a f C i a n o hat am Montagabend den englischen Botschafter Percy Lorraine im Palazzo Chigi empfangen, wo er eine dreiviertelstündige Unterredung mit ihm hatte. Die in zahlreichen amerikanischen Zeitungen veröffentlichte Tendenzmeldung, daß der in Amerika sehr bekannte Philharmonie-Dirigent S t o k o w s k i in der Nähe von Paris in einem Flüchttingszug (?) von deutschen Flugzeugen bombardiert worden sei, mußte heute von Stokowsti selbst dementiert werden. Skokowski befindet sich in Wirklichkeit in Hollywood. Auch Churchills neuester Lügentrick verfängt nicht. Das Oberkommando der Kriegsmarine stellt Märchen der Havas-Agentur über die „Athenia" richtig malhäfen zurückgekehrt. Sie befanden sich auch bei Ausbruch des Konfliktes in heimatlichen Gewässern. Der Versuch, die Ver- Berlin, 11. Sept. (DNB.) Die französische Nachrichtenagentur H a v a s hat die Versenkung der „Athenia" in dem Bestreben aufgegriffen, den Untergang dieses Schiffes als eine Tat deutscher U-Boote hinzustellen. Die Agentur behauptet, daß der deutsche Admiralstab die U-Boote angewiesen habe, bereits zu Beginn der Krise in See zu stechen. Dies beweise die Versenkung der „Athenia" bei den Hebriden am zweiten Tag der Feindseligkeiten in einer Gegend, wo kein deutsches U-Boot, das am Tage der Eröffnung des Krieges von feinem Stützpunkt ausgelaufen wäre, sich infolge der Entfernung hätte befinden können. Die Agentur will ihre These mit der Behauptung begründen, daß schon seit dem 15. August die Anwesenheit der beiden deutschen U-Boote „U 26" und „U 27" unter dem Befehl von Kapitän v. Frieduberg in Island gemeldet worden sei, und daß es sehr warscheinlich sei, daß eines dieser U-Boote die „Athenia" ohne Warnung versenkt habe. Hierzu teilt das Oberkommando der Kriegsmarine mit: Die deutschen ll-Boote „U 26“ und „U 27“ haben in der Zeit vom 21. bis 24. Juli dem isländischen Hafen Reykjavik einen inoffiziellen Besuch a b g e st a t t e t. Die beiden deutschen U-Boote sind danach in ihre Heimathafen zurückge- kehrt. „U 27“ lief am 2 9. Iuli wieder in Wilhelmshaven ein, „U26“ am 30. Juli in Kiel. Beide U-Boote sind demnach langst vor Ausbruch des Konflikts in ihre hei- senkung der „Athenia“ mit der Fahrt der beiden deutschen U-Boote nach Reykjavik in ursächlichen Zusammenhang zu bringen, kann daher nur als eine neue bösartige Unterstellung angesichts des Zusammenbruchs aller Bemühungen gewertet werden, die Versenkung der „Athenia“ deutschen Kriegsschiffen zur Last zu legen. Hierzu schreibt der „D e u t s ch e D i e n st": Bisher hat nur ein Torpedo des Herrn Churchills sein Ziel nicht verfehlt: der Torpedo, der die Versenkung der „Athenia" zur Folge hatte. Der Torpedo aber, den Herr Churchill in dem skrupellosen Bestreben, das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika in den Krieg gegen Deutschland zu hetzen, gegen das Reich abschoß, indem er versuchte, unter den niederträchtigsten Argumentierungen Deutschland die ruchlose Versenkung der „Athenia" zu unterschieben und sich selbst ein Alibi zu verschaffen, hat wie ein Bumerang auf den Ersten Lord der britischen Admiralität zurück- geschlagen. Alle Methoden, die der Kriegstreiber Churchill in Szene setzte, um sein frevelhaftes Spiel Mm Ziele zu führen, haben rechtzeitig von Deutschland eine Richtigstellung und Zurechtweisung erfahren, an deren Stichhaltigkeit die Welt nicht zu zweifeln vermag. Angesichts des Zusammenbruchs seines verbrecherischen Unterfangens hat Herr Churchill nun geglaubt, eine wahrhaft verzweifelle (Situation durch ein glänzendes Manöver retten zu können. Er hat sich die Koordinierung des französischen und englischen Nachrichtendienstes zunutze gemacht und die französische Havasagentur beauftragt, eine Meldung in die Welt zu setzen, die an Hand klar beweisbarer Tatsachen unverzüglich vom Oberkommando der Kriegsmarine mit aller Deutlichkeit widerlegt werden konnte. Wer lügt, muß zu der Lüge stehen. Diesmal aber hat es nicht geklappt. Der Meister der Lüge hat kläglich versagt — wenn man nicht glauben soll, daß der britische Geheimdienst ungleich schlechter ist als sein Ruf. Denn wer mit falschen Daten operiert, nimmt sich selbst den Wind aus den Segeln. Arn 15. August, d. h. an dem Tage, an dem Havas zufolge die Anwesenheit der beiden deutschen U-Boote in Island gemellter worden sei, hatten,,!) 26" und „LI 27" bereits drei Wochen Reykjavik verlassen. Durch das Dementi des Oberkommandos der Kriegsmarine bricht diese jüngste Lüge des amtlichen Englands in sich zusammen. Wir wollen nicht verfehlen festzuftellen, daß es schlecht um die Sache stehen muß, die Herr Churchill mit so viel Eifer und Nachdruck startete, wenn London überstürzt angefertigte, geradezu hilflos wirkende Greuelmel- bungen herausgibt, die in allen Einzelheiten ebenso schnell wie klar zu widerlegen sind. Es bleibt schon 'Dabei, was die nicht zu überhörende Stimme des „Popolo d'Jtalia" sagte: „Die ,Athenia' würde noch heute auf dem Wasser schwimmen, wenn nicht amerikanische Passagiere an Bord gewesen wären." Oer Bromberger Blutsonniag fällt auf Englands Gchuldkonto. „Hätte England uns nicht aufgeputscht"- so sagen heute auch einsichtige polen. 12. September. (DNB.-Funkspruch.) Diese Zeilen schreibe ich nachts 1 Uhr. Vor einer Woche wurde Brom berg eingenommen. Noch immer fallen einzelne Schüsse der blutdürstigen verhetzten Und fanatifierten polnischen Insurgenten. Sie versuchen noch einige deutsche Wachtposten aus dem Dunkel niederzuknallen. Es mag in den letzten Taaen viel über die bestialischen Bluttaten der Polen in Bromdera berichtet worden sein. Aber immer mehr stellt sich heraus, daß diese Berichte nur Teilcrusschnitte waren. Nur allmählich gewinnt man einen grauenerregenden Uefterblick. Erst recht dann, wenn man mit einftezieht, was sich am Rande der leidbetroffenen Städte und in den nahen Dörfern abgespielt hat. Weil man sich so viel Grausamkeit nicht vorstellen konnte, war man versucht, insbesondere Uebertreibung anzunehmen, so daß ich mich entschloß, selbst eingie der unzähligen Blutstätten aufzusuchen und Augenzeugen zu hören. Was ich nun in diesen Tagen gesehen habe, läßt sich unmöglich mit der Feder wiedergeben. Ich habe das grauenvollste Bildmaterial meiner gesamten bisherigen Berufstätigkeit vor mir liegen. Es ist aber so schrecklich und erscheint so unwahrscheinlich, daß es sich kaum veröffentlichen läßt. Als vor einigen Tagen ausländische Pressevertreter Bromberg aufsuchten, um die furchtbar verstümmelten Leichen der haufenweise .ermordeten Deutschen mit eigenen Augen zu sehen, waren viele Hinrichtungsplätze und Massengräber um und bei Bromberg noch gar nicht b e - ka.nnt. Noch heute werden täglich neue Haufen ermordeter Deutscher gefunden, teils vergraben an den Rändern der Stadt oder noch auf einem Haufen liegend in den Wäldern. Nie werde ich es vergessen, als ich mehrere deutsche Frauen antraf, die unter einem Müllhau -- fen verscharrt vor der Stadt ihre Männer gefunden hatten und diese in ihrem Schmerz mit den Händen ausgruben. Es waren neun Handwerksmeister, denen man die Augen ausgestochen, die man teils entmannt und dann erschlagen hatte. In den nahen Dörfern Langenau und O 11 e r a u e wurden beim Abzug der polnischen Truppen alle deutschen Gehöfte und Fabriken ausgeplündert und nieder geb rannt. Alles, was nicht geflüchtet war, wurde gemartert, erstochen, totgeschlagen oder niedergeschossen. Aufmerksam geworden durch das schmerzerfüllte Schluchzen einer Frau auf einem deutschen Hof, sah ich einen jungen Bauern und zwei 18jährige Mädchen liegen, denen man die Finger abgeschnitten hatte, um die Ringe zu bekommen. Als sie vor Schmerz schrien, wurde ihnen mit einer Axt der Kopf gespalten. Im gleichen Dorf ist eine neunköpfige Familie von der Großmutter bis zum 6jährigen Kind bestialisch hingemordet worden. Die Nachbarn, zwei 75 Jahre alte Bauern wurden eifchossen und einem von ihnen der Bauch aufgeschlitzt. Die grausamsten Mordtaten sind vermutlich von Zuchthäuslern und Strafgefangenen verübt, die man kurz vor Ankunft der deutschen Truppen bewaffnet und auf die Deutschen losgelassen hatte. Sie haben die Deutschen geschunden und geschlachtet wie wilde Tiere. Es wird keinem Journalisten möglich sein, ein einigermaßen klares Bild zu geben, was er in diesen Tagen Schreckliches gesehen hat. Eine meiner schrecklichsten Erinnerungen ist ein Deutscher, der in seiner Küche auf dem Tische lag, den Schädel gespalten, die Brust aufgeschlitzt, in einer Waschschüssel daneben die herausgerissene Lunge und das Herz. Das können nur Wahnsinnige, Sadisten und Untermenschen vollbringen. Ich könnte die Reihe dieser furchtbaren Schilderungen beliebig fortsetzen, aber der Schauder übermannt einen. Von den vielen vermißten deutschen Männern, Frauen und Kindern, die in die Tausende gehen, kommen leider bisher nur wenige zurück. Täglich werden neue Stätten des Grauens entdeckt. Kurz bevor ich diese Zeilen schrieb, wurden in einem naheliegenden Wald 28 deutsche Männer verstümmelt und erschossen aufgefunden. Noch immer irren Angehörige der Vermißten suchend umher in der Hoffnung, einen ihrer Lieben doch noch zu finden. Ein jammervolles herzzerreißendes Bild. Und noch immer ist keine endgültige Ruhe in dieses schwergeprüfte Land eingekehrt, weil die von der polnischen Obrigkeit bis aufs äußerste verhetzten Menschen alles was deutsch ist als Freiwild erklärt und auf dieses Jagd gemacht hatten. Uebereinstim- mend siird die Deutschen der Ansicht, daß von ihnen keiner am Leben geblieben märe, wenn die deutschen Truppen auch nur zwei Tage später gekommen wären. Das Schlimmste spielte sich beim Abzug der polnischen Truppen ab in Gegenwart von Offizieren. Aber auch nach unserem Einzug noch mordeten polnische Soldaten, die sich Zivilkleidung besorgt hatten. Damit haben sie Die soldatische Ehre jenes polnischen Armeeteiles befleckt, der im Bromberger Gebiet eingesetzt war, wie auch der anständige Teil der Polen selbst noch betonte. Tausende würden heute noch leben, wenn nicht eine planmäßige Hetze den Haß der Polen Die Franzosen erschöpfen die Lebensfähigfeil ihres Volkes. „Relazioni Jnternationali" zur Lage. Mailand, 9. September. (DNB.) Das Institut für das Studium der internationalen Politik betont in dem Leitauffatz des neuesten Heftes der „Relazioni Jnternationali" noch einmal, daß der letzte Versuch M u f f o I i n \ s zur Rettung des europäischen Friedens die Zustimmung Deutschlands und auch Frankreichs echalten hatte. Freitag, 1. September, hatte der französische Ministerrat in später Stunde tatsächlich den Plan des Duce für eine internationale Konferenz angenommen. Unmittelbar darauf verbreitete die offiziöse französische Agentur Havas eine Verlautbarung, in der darauf hingewiesen wurde, daß Paris den Vorschlag Mussolinis angenommen hatte. Aber am folgenden Tage verbot die französische Zensur, wie es scheint infolge eines bri- auf den Siedepunkt gebracht hätte. Ich habe mich selbst mit den angesehensten Polen der Stadt unterhalten, die wörtlich zugaben, daß ihre Landsleute die Deutschen bestialisch geschändet und rücksichtslos gemordet haben. Sie selbst sind erschrocken über die Auswirkungen der Hetze. Wie konnte es nur zu einer so schrecklich sich auswirkenden Verhetzung kommen? Das habe ich Polen aller Berufe gefragt, bei denen die vielen viehischen Mordtaten ebenfalls Entsetzen und tiefste Empörung hervorgerufen haben. Ich erhielt in Gefangenenlagern von Offizieren und Soldaten, aber auch von vielen Zivilpersonen stets die gleiche Antwort. Hätte England uns nicht so aufgeputscht. uns so sichergemacht, uns zum Kriege angestachelt. wäre bestimmt ein friedlicher Weg gesunden worden, hier spricht man übereinstimmend von der Blutschuld Englands. Es ist erwiesen, daß in Bromberg Agenten des englischen Geheimdienstes die Be- waffnung der polnischen Banden organisierten und die Grausamkeiten planmäßig vorbereiteten nach dem bekannten Wüster in den orientalischen Ländern. Die Engländer haben diesmal die Polen benutzt, um für sich die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen. Jetzt sind sie gewissenlos genug, die polnische Zivilbevölkerung über ihre Sender zu völkerrechtswidrigen Handlungen aufzufordern. Die neue Blutschuld Englands schreit zum Himmel. Run beginnt es auch in den Köpfen der Polen zu dämmern, denn sie haben einsehen müssen, daß an der Lügenhehe kein Wort wahr ist. tischen Schrittes, die weitere Veröftent- ttchung der Verlautbarung. Daladier hatte für die italienische Initiative Worte der Sympathie geäußert. Was war also geschehen? Dffenftmbig hat d i e 3um Kriege treibende britische Minderheit, die schon seit einiger Zeit den Entschluß zum Kriege gegen Deutschland gefaßt hatte, die Partie gewonnen. Frankreich fühlte instinktiv, daß das wahre historische Interesse des Staates und des Volkes darin lag, sich nicht in Abenteuer zu st ü r z e n. Die Zustimmung zum Plan Mussolinis wäre auch in Anbetracht der gegenüber Polen ein» gegangenen gefahrvollen Verpflichtungen durchaus berechtigt gewesen, da Frankreich an den Entscheidungen der Konferenz seinen Anteil gehabt hätte. Frankreichs Haltung hätte mit seiner bevölkerungspolitischen Lage in Einklang gestanden, denn bas französische Volk ist in feinen Kräften sehr geschwächt worden. In den Kriegen der Revolution und des Ersten Kaiserreiches büßte es insgesamt drei Millionen Menschenleben ein. 3m Weltkrieg verlor es an zwei Mil- England fabolierte den Medensplan Mussolinis. Das französischeKabmett hatte dem italienischen Konferenzvorschlag zugestimmt. o kämpften unsere Truppen? / v Das Operationsgebiet i Oster 5 satt0euM{p auensteim 'KU1M THORM oE ZUBOMlN *4R£W 3 urnbaun^s eutralität ausgestellt, das es ünesen /AK5CHAU SIEDLCE °OSTRONO.. O SlEi HHH 'RADOM WJOAWA BttSLAl (KTßOtVlECL MPüSiWo « Weichsel angelegte Festung hatten die Russen südlichsten Kampsab-1 Schulterstück ihres BesestigungSsystems, das Ra: Der gestrige Heeresbericht baretth DlRSCHAU PRSTARG. NEUENU SCHUETZ aQuijT* ( f ilawy LUQEIN O oPRlPfir NVSZ ' habe lkreich I« 1° |Qm. kann« ’ig gr ! £Fq ELBING jQPiARlEJJß URG \MARiENWERDER onm.EviAu )LDAU DAWOWO, o MLAWA OLMÜTZ O Mit diesen Abmachungen haben Deutschland und Dänemark zum erstenmal ein Gesetz der wirt- scha ftli che n R ...... bisher im internationalen Rechtsleben während eines Krieges nicht gab. Die wirtschastliche Reu- merksamkeit zuerst aus den \ . ,, schnitt des polnischen Kriegsschauplatzes. Unsere mit gewaltigem Elan unaufhaltsam vorwärts stürmenden Truppen haben in einem kaum vorstellbaren Tempo den Feind über den D u n a j e c und die Wislowkabis überdenSan zurückgeworfen, Russen wurde am 24. Mai Radymno gestürmt und in erbitterten Kämpfen am 2.J-uni Prz e m y s l zurückerobert. Diesmal wurde der Uebergang über den Fluß bei Jaroslau und Radymno unterhalb von Przemysl und bei Sanok oberhalb der Feste erzwungen, so daß diese vermutlich umgangen werden konnte und kaum sich lange wird halten können. Sehr ähnlich sind anscheinend die Operationen am Na rew , wo die aus Ostpreußen nach Süden vorgestoßene deutsche Armee bei W i z n a , oberhalb der alten Rarewfeste Lomza, und bei Rowo- grod, unterhalb derselben, den Uebergang über den Fluß bewerkstelligen konnte und dann die Festung selbst im Sturm nahm. Um die Narew- festungen, die der Russe noch durch starke Feldbe- sestigungen besonders geschützt hatte, hat General von Gallwitz im Juli und August 1915 gerungen, die auch jetzt wieder genannten Brücken- Festungen Rozan und Pultust konnten gewonnen werden. M o d l i n, das unsere Truppen gestern erreicht haben, ist unter seinem russischen Namen Nowo- G e o r g i e w s k den Frontkämpsern bes Weltkrieges besser bekannt. Die von Napoleon I. in den Jahren 1807 bis 1812 an der Mündung des Bug in die MAHR. J OSTRAU®, Wendung gegeneinander schreiten. Falls es von feiten einer dritten Macht zu einer Aktion der .... Bütow q ^ßtnENrt9 Q* arbeiten über die von Feuer bestrichene Wiese in den Wald hinein. Nicht einen einzigen Mann verliert die Kompanie dabei, und zehn Minuten später ist die Stellung des Feindes umgangen. Der Feind zieht sich in wilder Flucht zurück und hat hierbei schwere Verluste. Beim Weichselübergang war ein großer F l o ß s a ck von der Strömung unter die Pontonbrücke getrieben worden, wodurch die Brücke gefährdet wurde. Von einem Motorboot aus sollte ein Mann den Floßsack unter der Pontonbrücke hervorziehen; der Mann ließ immer wieder los, wenn das Motorboot angog, weil seine Kräfte nicht ausreichten. Sein Leutnant, ein blutjunger Offizier, tadelte ihn deswegen, und als der Mann behauptete, daß es unmöglich sei, mit menschlicher Kraft den Floßsack hervorzuholen, erwiderte chm der Leutnant, daß für einen deutschen SoDaten das Wort unmöglich überhaupt nicht existieren dürfe. Der Leutnant nahm den Platz feines Mannes ein, ergriff die Leine des Floßsackes, das Motorboot fuhr an, und obwohl die Handgelenke des Leutn'ants sich zu dehnen schienen, obwohl die Hand von der Anstrengung blau wurde, zog er doch den Floßsack langsam unter der Pontonbrücke hervor. Eine der schwersten Stellen des Feldzuges in Polen war der Durchmarsch durch die Wälder an der Brahe. Die Kampfhandkun- gen dort werden ewig verbunden sein mit dem Namen des Kommandanten eines der großen Panzerwagen. Bekannt geworden ist bereits die entschlossene Tat dieses Leutnants, der mit seinem Panzerwagen einen steilen Eisenbahndamm erkletterte und dort den letzen noch Rumäniens wirtschastliche Neutralität. Der junge Leutnant. Von dem p. K -Sonderberichterstatter des DNÄ. gefallene Festung wieder 14. Mai erzwang preußische _ „ bei Jaroslau, und nach einem Gegenstoß der 'E%o?teh 77ls} K0LBUS2W\ O 4?ZESZ0vX JA ROS LAW 9Tfc 1 dir >PH oürbe Mnd« , ' beim hssen, I ngen Mgt, ete an ! n muß b und etbimg h das röfeme iben. ttwun- icc ab. »els- ,.o KÖSLIN PlMJUSKÖl «OPUHK ) aHQHEN-\. T1 l00 in« Oer Wirstchastskrieg. Der Artikel 1 des deutsch-dänischen Nichtangriffspaktes vom 31. Mai 1939 hat folgenden Wortlaut: „Das Deuffche Reich und das Königreich Dänemark werden in keinem Falle zum Kriege oder zu einer anderen Art von Gewaltan- aber ülage *Pera. bens, MH geht 'nen .dies, !t ein tiefer t da! 1'chloß Troß, 'ritten Der. i und IWßez eine land Flotte veh. SZeuge ließen offen« wie- . A uf Lassen roßten tralität, die der politischen und militärischen Neu- *r int tralität parallel geht, besteht nach unserer Auffas- vor, wenn das Verhalten dieses Teiles mit den allgemeinen Regeln der Neutralität im Einklang steht. Es ist daher nicht als unzulässige Unterstützung anzusehen, wenn zwischen dem nicht am Konflikt beteiligten vertragsschließenden Teil und der dritten Macht der normale Warenaus- ka-pa4$ Qr » V>tV< oßfELHZ^00^ J SUCH*O 30ROANOw2ä WUN-» ZAUIEOCIE ’o IVZfZ. -PABÄOWA StteSOSNOWiEC. 6* esklassen ken von n Miß' n Fort« ft nach m M' mt ihren cheln zu so M daß die isreichen, ifte ein* 5er ihren ei Lage, Sehörden teW - voraus tzehörden herrscht [len Sei' i herd^' qrenre le * igsb^ :en 0l nze und Weichsellinie miteinander verband, zu einer gewaltigen Gürtelfestung ausgebaut, die zwar bei Ausbruch des Weltkrieges noch nicht fertiggestellt war, aber mit ihren acht Außenforts und dem versumpften Vorgelände, auf ein Jahr mit Vorräten versehen und eine Besatzung von 100 000 Mann in ihren Wällen bergend, sich noch weit hinter der gen Osten vorrückenden Schtachffront hielt, bis General von Beseler, der Eroberer Antwerpens, auch diese starke Feste am 20. August 1915 bezwang. 90 000 Gesungene und 1600 Geschütze sielen dem Sieger in die Hand. Diesmal scheint es auch hier zu einem stärkeren Widerstand nicht zu kommen. Lodz, das am Samstag von deutschen Truppen besetzt werden konnte, ist die bedeutendste Industriestadt Polens, die auf eine geradezu amerikanische Entwicklung zurückschauen kann, denn vor kaum mehr als hundert Jahren zählte der Ort nur rund 800 Einwohner, als der Deuffche Karl Gottlieb Sänger hier eine Tuchfärberei gründete, die. Keimzelle der großartigen Textilindustrie, die allein von der russischen Regierung damals ins Land gerufenen deutschen Fabrikanten ihren Auffchwung verdankte. So hat vor allem Karl Scheibler, der aus der Eifel hier eingewandert war, um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hier große Spinnereien errichtet und sich auch sonst als weitblickender Unternehmer betätigt, der auch bedeutende soziale Leistungen vollbracht hat. Heute zählt Lodz 600 000 Einwohner. Auf die Rolle, die die Stadt in den schweren Kämpfen des Winters 1914 gespielt hat, wiesen wir bei früherer Gelegenheit schon hin. Die in dem Heeresbericht von gestern genannten Städtchen Neustadt und Putzig liegen im nördlichsten Teil des ehemaligen Korridors, wo sich in Anlehnung an den von unseren Truppen eingeschlossenen polnffchen Kriegshasen Gdingen, den man geradezu ein Symbol polnischer Großmannssucht nennen kann, noch Reste der polnischen Korridor-Truppen gehallen haben. Die Putziger Wiek ist der Teil der Danziger Bucht, den die Halbinsel Hela vom offenen Meer abschließt. L. ..., 10. Sept. Unsere hervorragend ausgebildeten Soldaten haben bei den Kampfhandlungen in Polen bewiesen, daß die Erwartungen, die sie in ihr eigenes Können gesetzt haben, in jeder Beziehung gerechtfertigt find. Aufbauend auf der Tradition des deutschen Weltkriegssoldaten sind A n - griffsgeist, Mut und Entschlossenheit die Kennzeichen für die glänzende Haltung der deutschen Wehrmacht. Hierbei gibt es wieder jene Feuerkameradschaft zwischen Offizieren und Mannschaften, die im entscheidenden Augenblick wie eine Flamme die Gemüter erfaßt und alles mitreißt zum letzten Einsatz. Eine Truppe, die solchen Füh- lens fähig fft, ist schon vor dem Kampfe des Sieges gewiß, und auch der tapfere Gegner ist unterlegen, weil ihm die Kraft fehlt, die zum Dorwärtssturmen zwingt. Wie im Weltkrieg hat sich auch bei den Kampfhandlungen in Polen der junge deuffche Leutnant als ein Träger dieser Soldatentugsnd der Freude am entschlossenen Einsatz erwiesen. Die erste Kompanie eines Infanterie-Regiments wird zum ersten Male eingesetzt. Der Gegner hat sich verschanzt und gibt auf die in einem Straßengraben liegende Kompanie aus Maschinengewehren, Infanteriegeschützen und Granatwerfern Feuer. Etwa 150 Meter vom Straßengraben entfernt beginnt ein Deckung gewährendes Wäldchen. Aber der Weg dorthin führt über freies Feld, wie überhaupt die Lage für die Kompanie höchst ungemütlich fft. Ein Unteroffizier meint, man solle Artilleriebeschuß anfordern, einem jungen Leutnant aber dauert die ganze Angelegenheit viel zu lange^ Er sammelt ein paar entschlossene Männer um sich und stürzt sich mit ihnen rm sprungweifen Por- >/W/veNWfWW und zwar in den Verhältnissen, wie sie im Frieden durchschnittlich üblich waren. Diese unsere Aufsaf- ung fft nicht nur den Dänen, sondern allen in Frage kommenden Staaten gegenüber zum Ausdruck gebracht und bekräftigt worden, und die Neutralen haben ihrerseits diesen Grundsatz einer wirtschaftlichen Neutralität als fair und loyal 'anerkannt. Von London aus gesehen frellich erscheint das Problem der wirtschaftlichen Neutralllät in ganz anderem Lichte. Der Krieg, den England gegen Deutschland führen möchte, soll haupffächlich em Wirtschaftskrieg fein, der vor allem mit der Waffe der Blockade bestritten wird. Das Ziel Englands ist es, Deutschland von sämtlichen Zufuhren an Fertigwaren, Rohstoffen und Lebensmitteln abzuschneiden. Da aber die unmittelbar unter englischer Regie stehende Blockadefront, wie Hermann Göring sagte, nur von Dänemark bis Basel reicht, versucht die englische Regierung, auch die neutralen Staaten in ein Kontrollsystem hineinzuzwängen, das ihnen jeden normalen Güteraustausch mit Deutschland verbietet und somit im schärfsten Widerspruch zu jenen wirtschaftlichen Neutralitätsgrundsätzen steht, die zwischen dem Deutschen Reich und den neutralen Staaten in freier Aussprache vereinbart worden sind. Die britischen Minister dürfen sich daher nicht wundern, daß sich auf ihren Schreibtischen bereits die Protestnoten der neutralen Staaten zu kleinen Bergen häufen. Es sind dies nicht nur Proteste gegen die serienweise militärischen Neutra- litätsverletzungen durch britische Flieger und Kriegsschiffe, sondern auch Proteste gegen die wirtschaftliche Vergewaltigung, die das edle Albion den neutralen Mächten in Europa und Lieberfee angedroht hat. Gerade in diesen Tagen beraten die Staaten des Oslo-Blockes — also Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Holland, Belgien und Luxemburg — darüber, wie sie sich gemeinsam gegen die britischen Zudringlichkeiten zur Wehr setzen könnten. Die Schweiz scheint sich diesen Bestrebungen zur Neutralitätswahrung onschließen zu wollen, und auch aus Argentinien ist eine Note in London eingetroffen, welche gegen die Einbeziehung der Lebensmittel in die britische Konterbande-Liste protestiert. Frellich dürste dies erst der Beginn einer allgemeinen Bewegung fein, die sich gegen die flagrante Verletzung der neutralen Lebensinteresien durch das herrschsüchtige England wendet. Denn im Gegensatz zu 1914 ist die Äbwehrkraft der kleineren Staaten unvergleichlich viel stärker, da sie einerseits einen Rückhalt an mehreren neutralen Großmächten haben und anderseits die Pranke des britischen Löwen nicht mehr zu fürchten brauchen. Denn m finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht hat England feine weltbeherrschende Stellung schon ein* gebüßt, bevor es den Krieg richtig begonnen hat. Dagegen kann das auf eigene Füße gestellte, durch- organifierte und durchindustrialisierte Deutschland den neutralen Staaten auch heute noch alle Waren liefern, die für sie lebenswichtig sind. Die Kohle beispielsweise, welche die skandinavischen Länder notwendig gebrauchen und von England nicht mehr bekommen, werden sie ohne Schwierigkeit aus der Produktion der zurückgewonnenen deutschoberschle- sischen Gruben erhalten. Die Befürchtungen der neu- I traten Länder, in die englische Hungerblockade ein- geschlosfen oder sonstwie von Britannien drangsaliert zu werden, sind also grundlos, wenn sie gemeinsam ihre moralische und wirtschaftliche Macht Linsetzen, um den Londoner Seeräubermethoden ihre Wirkung zu nehmen. Das Deuffche Reich jedenfalls bat sich nicht nur die Mittel, sondern auch die Möglichkeiten geschaffen, den Engländern mit der gleichen Münze alles heimzuzahlen, was sie auf dem Gebiet des Wirtschaftskrieges gegen uns ins Werk setzen sollten. H. Ev. y* ^JP^VANDsX X SCHNEIDE - «BUM. MÜHL (vj* j fZARNIXAü -X X kro- , GLOGAUX . - tfib\XoMVSLOWiTZ. RAT I BORD dP7,o^ qAqNIKOLM TROPPAU &RASBG SOI O —=HAUiu, DÄN2TGER sS o KRIEGS. ZEICHEN - > BACH OPPELN _ GRABOW •• ft 05 CHILDBO. Oie Neutralen wehren sich. Front gegen Englands Blockadepläne. Brüssel, 11. Sept. (DNB) Am Montagmor» gen begann im belgischen Außenministerium unter dem Vorsitz des belgischen Außenministers Spaak die Konferenz des Sachverständigen-- ausjchusfes der Oslo-Gruppe, zu der neben den nordischen Staaten Holland, Belgien und Luxemburg ge>hören, während die Schweiz durch Beobachter auf der Konferenz vertreten ift Die Beratungen beziehen sich auf die 23 er for« gung der neutralen Staaten mit Lebensmitteln und Rohstoffen und die Auftechterhaltung der internationalen Handelsbeziehungen dieser Länder trotz der rechtswidrigen englischen Blockademaßnahmen. Die Flugverbindungen zwischen Skandina-« Dien und Holland sind in llebereirrftimmung mit dem Wunsch der Oslomächte, eine enge Verbindung herzustellen, wieder ausgenommen worden. Dagegen ist der Luftverkehr zwischen Holland und England eingestellt worden, da die englischen Behörden ihn verboten haben. Auch der Flugverkehr zwischen Holland und Niederländisch- Jndren ist stillgelegt, da Frankreich den Verkehr über sein Territorium verboten hat. Die Androhung der Engländer, alle für Deutschland bestimmten Waren, somit auch Lebensrnittel, als Konterbande zu betrachten und die neutralen Schiffe rücksichtslos daraufhin zu untersuchen, hat in Belgien starke Bestürzung und Empörung hervorgerufen. Man erklärt, wenn infolge des englischen Vorgehens der Transitverkehr über Belgien unmöglich gemacht werde, dann müsse Belgien unter allen Umständen im Interesse seiner Neutralität dieselben Ausfuhreinschrän- kungen gegenüber sämtlichen kriegführenden Staaten verfolgen. Bisher hätten sich die englisch-belgischen Besprechungen nur aus die weitere Durchführung des direkten Handels zwischen Belgien und England bezogen. Was den belgischen Handel mit Deutschland betrifft, so betont man, daß der direkte Handel und die Ausfuhr von eigenen belgischen Erzeugnissen nach Deutschland auf jeden Fall unberührt bleibe. Die Besprechungen der Oslo-Gruppen bezogen sich, wie man annimmt, insbesondere auch auf den Handelsverkehr der Oslo-Staaten untereinander. Man werde versuchen, den Warenaustausch der neutralen Länder der Oslo-Gruppe so weit als möglich auszubauen. Auch soll geplant sein, daß diejenigen Lander der Oslo-Gruppe, wie z. B. Schweden und Norwegen, die große Handelsflotten besitzen, ihre Schiffe den anderen Ländern wie beispielsweise Belaien, das nur wenig Handelsdampfer hat, zur Verfügung zu stellen. Oie Türkei will neutral bleiben. Istanbul, 11. Sept. (DNB.) Der türkische Ministerpräsident hat heute die Außenpolitik der Türkei dahingehend umrissen, daß die Türkei den gegenwärtigen Konflikt bedauert, daß sie sich aber aus ihm herauszuhalten wünsche. Zwischen Deutschland und der Türkei bestehe kein Anlaß zu einem Konflikt. Mit Polen unterhalte die Türkei freundschaftliche Beziehungen. Die Beziehungen der Türkei zu England und Frankreich seien genau festgelegt im Sinne der gemeinschaftlichen Interessen der drei Länder. Somit unterhalte die Türkei mit allen Kriegsführenden gute Beziehungen. Die Verhandlungen der Türkei mit Frankreich und England wegen eines Abkommens würden im freundschaftlichen Geist fortgeführt werden. Die Türkei wünsche und hoffe aber, außerhalb des Konfliktes zu bleiben und hoffe auch, daß dieser Konflikt keine Rückwirkungen auf sie haben werde. Die bisher getroffenen türkischen Maßnahmen seien nur von natürlicher Vorsicht diktiert. Die Beziehungen der Türkei zur Sowjetunion seien nach wie vor „herzlichst und ungetrübt". teilten sich die bei Gorlice-Tarnow von Macken- en geschlagenen Russen im Mai 1915 erneut zum Kampf. Si-e hatten die auch diesmal wieder im Brennpunkt der Kämpfe stehenden Orte Jaros- l a u und Radymno, oeioe am San unterhalb Przemysls, zu starken Brückenköpfen ausge- baut, und die ihnen im März 1915 in die Hände bergefteflt. Aber am Garde berr Uebergang verkehrenden Eisenbahnzug der Polen an* hielt, der 400 Reservisten nach Grcmdenz befördern sollte. Statt nach Graudenz marschierten die Reservisten als Gefangene vor dem Panzerwagen des Leutnants her, bis sie von der Infanterie in Empfang genommen wurden. Gleich danach erledigte der ßeutnant durch die geschickte Art seines Vorgehens zwei Panzerabwehrgeschütze, indem er den Paks Nebelgranaten vor die Nase setzte und unter dem Schutz der Nebelwand erst bie Bedienung der Paks durch einen wohlgezielten Gra- naffchuß außer Gefecht setzte und die Paks selbst mit seinen Raupenketten zertrat. Mit vier anderen kleinen Panzerwag^en fuhr der Leutnant dann in ein auf dem Rückzug befindliches Jnfanterie- bataillon hinein, das völlig vernichtet wurde und von dem sich nur noch die Reste in dte Brahe- wälder flüchten konnten. Ständig feuerten die Maschinengewehre und die Kanone des Panzerwagens. So durchfuhr der Leutnant den Wald, als er plötzlich vom jenseitigen Rande einer großen Lichtung Feuer bekam. Oberhalb eines soeben erst fertiggestellten Bunkers hatte eine polnische Batterie Stellung bezogen. Der Leutnant dachte gar nicht daran, etwa vor dieser Batterie das Feld zu räumen. Seine wohlaeziel- ten Schüsse lagen mitten in der feindlichen Batterie, und ohne Zweffel hätte der Leutnant bei diesem Artillerleduell den Sieg davongetragen, denn die polnische Artillerie schoß immer über den deutschen Panzer hinweg. Aber plötzlich schwieg das Geschütz des deuffchen Panzerwagens. Der Panzer stand mitten auf der Wiese der Lichtung still — auch der Motor ging nicht mehr. Vielleicht war es ein unglücklicher Zufall, ober vielleicht hatte man in der Hitze des Kampfes nicht beachtet, daß das Rohr des Geschützes glühend heiß geworden war. Jedenfalls tötete ein Rohrkrepierer den Leutnant und verletzte drei Mann der Besatzung schwer. Nur der Fahrer blieb unverletzt. Die feindliche Batterie ergriff die Flucht. Die deutschen Truppen rückten in das von dem jungen Leutnant mutig eroberte Gelände ein und gruben dem Offizier dort an der Stätte seines heldenhaften Kampfes das Grab. Auf der Lichtung inmitten der Brahewälder ergebt sich der Hügel, der mit Sonnenblumen geschmückt ist und auf dem die Mütze des deuffchen Panzeroffiziers liegt. Zwei Bretter wurden zu einem Kreuz zusammengenagelt und mit Mullbinden umwickelt, so daß das Kreu^; weiß weithin leuchtet und Kenntnis gibt von den Taten und dem Sterben des tapferen deuffchen Leutnants. Auf dem Vormarsch defilierte die deuffche Armee zu Fuß, zu Pferde und auf Wagen tagelang an diesem einsamen Grab vorbei, grüßend und ehrend den Leutnant, der sich und seine Waffe mit eiserner Entschlossenheit bis zum letzten eingesetzt chatte, wie es der Fahneneid befahl. sämtlich rechte Nebenflüsse der oberen Weichsel, die in den schweren Kämpfen des Weltkriegsjabres 1915 ich alle einen Namen gemacht haben. Am San Zlohir^ 7 KUTNO N#£l(H$EL. tuROcVl BlELAWy 7AROTSCHIN )» bezeichneten Art gegen einen der vertragsschließenden Teile kommen sollte, wird der andere vertragsschließende Teil eine solche Aktton in keiner Weise unterstützen." In dem Zeichnungsprotokoll zu diesem Nichtangriffsvertrag heißt es dann weiter: „Eine Unterstützuna durch den nicht am Konflikt beteiligten vertragsschließenden Teil .... liegt nicht Bukarest, 9. Sept. (Europapreß.) „Curentul" i'chreibt, daß Rumänien nicht nur feine politische, sondern auch seine wirtschaftliche Neutralität wahren müsse. Das bedeute, daß es Allen seinen Abnehmern unverändert liefern und sich von ihnen beliefern lassen müsse. Allerdings müßten bei der Durchführung dieses Prinzips in die Praxis die rumäni« chen Lebensinteressen berücksichtigt werden. Rumänien benötige unbedingt landwirt- ichastliche Maschinen in großen Mengen. Ein Blick auf die Landkarte genüge, um festzu- tellen, daß diese heute nur Deutschland zu liefern in der Lage und gewillt sei. Das Gebot der wirtschaftlichen Neutralttät fei es nun, die land- । wirtschaftlichen Maschinen in Deutschland ^-in zukaufen. Dafür habe Rumänien genügend I l-leberschüsse an Getreide und Erdöl, um damit an Deutschland zahlen zu können. Die Berücksichtigung dieser Umstände sei nicht nur mit »er wirtschaftlichen Neutralität zu vereinbaren, fon- »ern berge sogar noch große Vorteile für ein neutrales Rumänien. --------. X ^AS*r Oie Lage der Polen eigentlich hoffnungslos. Die Sowjetpresse würdigt die deutschen Erfolge in Polen, Moskau, 11. Sept. (DNB.) Zum ersten Male geben die größeren Moskauer Heilungen „Prawoa" und Jsrnestija" ihren Lesern eine zusammen- fassende Darstellung der Kampfhandlungen in Polen aus der Feder ihrer militärischen Mitarbeiter. In der „Prawda" wird auf die Heftigkeit der Kämpfe hingewiesen, insbesondere bei den Operationen um Tschenstochau, Kattowitz, Mlawa und vor Warschau. Die gegenwärtige Lage der Polen bezeichnet der Verfasser als überaus schwer, ja eigentlich hoffnungslos. Ihre bisherigen Verluste seien schon enorm und mit der bevorstehenden Vereinigung der beiden deutschen Heeresgruppen östlich von Warschau seien alle polnischen Truppen im Raume zwischen Warschau und Weichsel abgeschnitten. Don größter Bedeutung sei jedoch für die Polen der Verlust der ganzen kriegswirt- fchaftlicben Basis in Oberschlesien und im Raume Radom—Kielce, Sandomierz und Lodz. Auf die Frage nach den Ursachen für das außerordentlich rasche Vorgehen der deutschen Truppen gibt der Bericht der Prawda folgende Antworten: 1. Das Fehlen hinreichend starker Befestigungen an der Westgrenze Polens, 2. das Uebergewicht der der deutschen Luftwaffe, 3. das Uebergewicht der deutschen Kriegstechnik, vor allem in bezug auf Tanks und Artillerie. Die Polen würden, obwohl es ihnen gelungen fei, noch erhebliche Truppenteile über die Weichsel hinüber zu retten, kaum mehr in der Lage sein, ernsthaften Widerstand zu leisten, und zwar infolge des Verlustes der ganzen kriegswirtschaftlichen Basis. Der militärische Mitarbeiter der „Iswestij o" sicht die Lage der Polen ebenfalls als hoffnungslos an. Sobald die Vereinigung der in den Gebieten um Warschau stehenden deutschen Armeen gelungen fei, würden ungefähr 250 000 Polen, die jetzt noch in den Woiwodschaften Posen, Lodz und Warschau operieren, „in einem Sack gefangen" sein. Die Erfolge der deutschen Truppen beruhen nach Ansicht des Blattes insbesondere aus dem Vorsprung der deutschen Kriegstechnik, in erster Linie der Fliegerei und der Panzer- truppen. Die erste Dekade des Krieges habe zum Verlust eines großen Teiles des polnischen Gebietes, der hauptsächlichsten Industriegebiete und der hin sichtlich Gewerbe und Kultur bedeutendsten Städte geführt. Obwohl Polen nach recht zahlreiche Trup- pen besitze, müßten die Aussichten seiner weiteren Verteidigung als „außerordentlich schwierig" bezeichnet werden. Der Berichterstatter des „Krasnaja Swjesda", des Blattes der Roten Armee, sagt, die „außerordentlich rasche" Entwicklung der Operationen der deutschen Armee auf dem polnischen Territorium sei damit zu erklären, daß Polen zu einer wirklichen Abwehr eines solchen Gegners wie Deutschland praktisch ni ch t vorbereitet war. Beträchtliche Versorgungsschwierigkeiten in England. London, 9. Sept. (DNB.) In England sind im Laufe der letzten Tage eine ganze Reihe von Anordnungen zur Sicherstellung der Lebens- Mittelversorgung erlassen worden. Unter. Organisationen des Ernährungsministeriums in allen Teilen des Landes ist zur Aufgabe aemacht, die Verteilung zu überwachen und Lebensrnittel- Vorräte aus gefährdeten Gebieten sofort herauszuschaffen. Weiter soll Vorsorge getroffen werden, daß die Preise für Nahrungsmittel keine Steigerungen erfahren. Das gilt besonders für Speck, Butter, Margarine, Kochfette, Eier, Käse und Konserven. Weiter hat man das Hamstern verboten, weil durch die Hamsterei bereits beträchtliche Versorgungsschwierigkeiten aufgetreten waren. Die Fleisch- und Fischmärkte sind geschlos - s e n worden. Zum Zweck der Preiskontrolle sind Höchst- und Fe st preise bestimmt worden. Größere Lager an Getreide und Getreideproduktion werden vom Staate beschlagnahmt. Die Einfuhr von Tee und der Teehandel en gros sind unter Staatsaufsicht gestellt. Alle Teevorräte sind vom Staat übernommen worden. Der Handel in Oel- saaten, Deien und Fetten ist nur noch mit staatlicher Genehmigung möglich. Vorräte an Fleisch in Dosen sind ebenfalls beschlagnahmt worden. Das Lieferungsministerium hat die Kontrolle über die gesamte Papierwirtscl-aft übernommen. Die englischen Zeitungen erscheinen in stark verkleinertem Umfange und auf erheblich verschlechtertem Papier. Das Ministerium hat weiter die Kunstseide-, Jute-, Wolle-, Hanf- und Lederindustrie sowie die Metallindustrie unter Kontrolle gestellt. Keine (Südafrikaner werden in ilebersee kämpfen. Pretoria, 12. Sept. (DNB.) In einer Sonderbotschaft an das südafrikanische Volk jagte Premierminister Smuts: „Ich habe die feste Ueberzeu- gung, daß dies nicht der richtige Augenblick ist, wo wir eine Trennung vom Gemeinwesen der britischen Nation zur Schau stellen sollten. Ein Gemeinschaftsgefühl ist entstanden, das unwiderruflich verloren gehen würde, wenn wir in dieser Stunde der Gefahr unsere Trennung erklären würden. Eine Entfernung vom britischen Gemeinwesen gerade jetzt würde unseren guten Ruf beflecken. Die südafrikanische Negierung hat nicht die Absicht, Truppen auszubilden und sie nach Uebersee zu schicken, um in Europa zu kämpfen. Die Rolle Südafrikas beschränkt sich auf den Schutz der Südafrikanischen Union und ihrer Interessen einschließlich Südwestafrika." Es ist wohl kaum anzunehmen, daß der General die Hilfeleistung für Großbritannien derart einschränken würde, wenn er nicht genau wüßte, wie abgeneigt seine Landsleute den Kriegsabenteuern Londons gegenüberstehen. England redet Indien gut zu. Berlin, 11. Sept. (DNB.) Der englische Dize- könig in Indien redete dem indischen Volke, das sicherlich nicht bas geringste Interesse an dem europäischen Konflikt hat, flut zu, es möge sich „angesichts der gemeinsamen Gefahr" für sympathische Unterstützung bereitmachen. Daß ausgerechnet der Repräsentant der englischen Unterdrückernation, die unendliche Reichtümer aus Indien herausgezogen hat, in einem Ausruf an die Inder betont, „Großbritannien kämpfe nicht für selbstsüchtige Zwecke, sondern für Glück und Wohlfahrt aller Völker der Erde", wird in Indien sicherlich nur Heiterkeit Hervorrufen. Daß immerhin 101 indische Nabobs, denen es unter der englischen plutokratischen Herrschaft gut geht, ihre Loyalität versichert haben, wird in London wohlgefällig registriert, ebenso wie die Freundschaftsbeteuerungen arabischer Stammes- fürsten, die in militärischer Abhängigkeit von den Engländern stehen. Zu be* englischen Schutzbefohlenen gehört nunmehr auch der ehemalige albanische König Achmed Zogu, der soeben in London ein- getroffen ist. Kanadischer Kriegskredit. Neuyork, 12. Sept. (DNB. Funkspruch.) Das kanadische Unterhaus nahm die Vorlage über die Bewilligung von 100 Millionen Dollars für Kriegs- ausgaben im Sinne der Londoner Kriegshetzer- flique in zweiter Lesung an. Ein Zusatzantrag von sechs Mitgliedern ter Cooperakive Commonwealth Federation und einer Gruppe von 10 liberalen Mitgliedern aus Quebec zur Verhinderung einer Entsendung von Truppen nach Europa wurde a b g e l e h n t, nachdem Premierminister King erklärt hatte, bas Unterhaus könne annehmen, daß eine solche Maßnahme nicht erwogen werde, die Annahme des Zusatzantrages würde jedoch die Durchführung von Maßnahmen zur Marine- und Luftzusammenarbeit mit England aufholten. Zwei deutsche Flieger der Gefangennahme entgangen. Amsterdam, 12. Sept. (Europapreß). Nach einer Mitteilung aus Ambonia in Nieder- ländisch-Jndien ist es zwei Deutschen an Bord eines ' Junkersflugzeuges gelungen, sich der Gefangennahme in Au st ralisch-Neuguinea zu entstehen und nach Merauke in Niederländisch-Neuguinea zu fliegen. Es hantelt sich um den deutschen Flugzeugführer Werner Garms und feinen Mechaniker Paul Rabe, die dem Vernehmen nach in den Diensten der lutherischen Mis- ion in Finsch-Hasen standen. Das Junkersflugzeug liente zum Abtransport von Mitgliedern der Mif- ion sowie der Versorgung ihrer Außenposten und lergleichen. Zentralauskunstsstelle für Volksgenossen aus der westlichen Grenzzone. Berlin, 11. Sept. (DNB.) Für Personen, die ihren Aufenthalt aus der westlichen Grenz- z o n e infolge der gegenwärtigen Lage verlegt haben, ist beim Polizeipräsidium in Berlin C 2, Alexanderstraße 10 (Einwohnermeldeamt), eine Zentral auskunfts stelle eingerichtet worden. Die polizeilichen Melde- behörden lind angewiesen, den neuen Aufenthaltsort und Die neue Wohnung der bezeichneten Personen anläßlich der polizeilichen Anmeldung der Zentralauskunftsstelle auf besonderen Meloepostkarten mitju teilen. Die Meldung kann aber auch von den in Frage kommenden Personen selbst erstattet werden. Die Zentralauskunftsstelle erteilt über den Verbleib der in Frage kommenden Personen auf mündliche ober schriftliche Anfrage kostenlos Auskunft. Sender Warschau I und Kattowitz in deutscher Hand. Berlin, 11. Sept. (DNB.) Nachdem die bisher polnische Sendeanlage Kattowitz (Welle 395,8 m, 758 kHz) am 5. September und die südwestlich von Warschau in R a s z y n stehende Sendeanlage Warschau I (Welle 1339 m, 234 kHz) am 8. September von deutschen Truppen besetzt worden sind, ist von deutscher Seite für die beiden von den Polen sehr erheblich beschädigten Sendeanlagen ein provis o risch e r Betrieb eingerichtet worden. Der Sender Kattowitz wird lit deutscher und polnischer Sprache be« trieben, der Sender Warschau I in polnische» Sprache. Beide Sender gelten als deutsche Sen« der. Ein französischer Rundfunksender hat die Behauptung aufgestellt, ein deutscher Sender habe a u f ber Welle des Senders Luxemburg Nachrichten über die deutsche Armee gesendet. Hierzu muß festgestellt werden, daß Deutschland sich im Gegensatz zu gewissen anderen Ländern streng an den Luzerner europäischen Rundsunkvertrag gehal« ten und keine Wellen benutzt hat, die sich nicht in seinem Besib befinden ober durch Besetzung von feindlichen Gebieten ihm zugefallen sind. Arbeiismaiden in der Heimatfront. Erweiterung der Arbeitsdienstpflicht für die weibliche Jugend. Berlin, 9. Sept. (DNB.) Der Ministerrat für bie Reichsoerteibiaung verordnet mit Gesetzeskraft: Die Stärke des Reichsarbeitsbienstes für bie weibliche Jugend ist auf 1 0 0 0 0 0 Arbeisrnaiden (einschließlich Stammpersonal) zu erhöhen. Der Reichsarbeitsführer ist ermächtigt, ledige Mädchen im Alter von 17 bis 25 Jahren, die nicht voll berufstätig find, nicht in beruflicher oder schulischer Ausbildung stehen und nicht als mithelfende Familienangehörige in berLandwirtschaft bringend benötigt werden, zur Erfüllung der Reichsarbeits«. bienftpfkicht heranzuziehen. ♦ Der Reichsarbeitsführer erläßt folgen« ben Aufruf: Arbeitsmaiben! Eure männlichen Kameraden vom Reichsarbeitsbienst arbeiten im Verband der Wehrmacht mit auf dem Wege zum Siege. Euch fällt die große und schöne Ausgabe zu, ben deutschen Müttern, besonders den in dieser Zeit durch den Wegzug der Männer doppelt schwer belasteten Landfrauen nicht nur t ü ch « tige Helferinnen, sondern auch treue, liebevolle Stützen in aller seelischen Not und Sorge zu sein. Eure Lager sollen unerschütter« ließe Stützpunkte in der festen deutschen Heimatfront fein. Glaube und Zuversicht, felsenfestes Vertrauen auf den Führer, bedingungslose Unterordnung unter bie Gesetze, bie bas Wohl des Volkes vorschreibt, soll von Euren Burgen ausstrahlen in jede Familie, bei der Ihr zur Hilfe eingesetzt seid. Arbeitsmaiben! Ich vertraue auf Euch, weil ich weiß, daß bie deutsche weibliche Jugend in ihrer Liebe zu Führer, Volk und Vaterland, in ihrer Einsatzbereitschaft für bie ihr zufallenden Aufgaben hinter ber an ber Front stehenben männlichen Jugenb nicht zurück st ehen will. Hauptschriftleiter Dr. Friebrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bes Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton unb bie Bilber: Dr. Fr. W. Lange: für Stabt Gießen, Provinz, Sport unb Wirtschaft: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. Druck unb Verlag: Brühlsche Unwerfitätsbrucferei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig grof3e Auswahl Stickereien Spitzen Borden Armblätter Knöpfe Schließen Frdr.Teipel Ausstellung MARKT 16 5906A Registrierkassen Natioual-Krnpp, neu unb gebraucht, verschiedene Größen, sofort ab Laaer Gießen lieferbar. Zahlung nach Vereinbar. Unverbindliche Anfragen an Musterlager Gießen H.Scknilz, Hindenburgwall 15, Tel. 4017. Ruhebett zusammenlegbar für Luftschutzkeller geeignet rttavl Gsnev Medizinisches Fachgeschäft Frankfurter Straße v. _________ML Schöne, sonnige 6-7-5immer- MlllW 1. Stock, neu hergerichtet, mit eingerichtet.Bad und Heizung per 1. Oktober zu vermieten. 01243 Näheres Tel. 2524. Schölle tiiinmÄ oü-ZMohn. mit Bad und Gartenanteil zumI.Dezember evtl.l.November zu vermieten. Näheres LohD Hausbesitzer-Verein Sllicenstr. 84 N. 2Zimmer undKüche zu verlnieten. Schr. 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Die Ausgabe von Lebensrnittelausweiskarten unb Spinnstoff- und Schuhwarenbezugsscheinen durch die Bezirksgeschäftsstellen des Ernährungsamtes findet ab Mittwoch, den 13. d. M., vorläufig nur von 14 bis 18 Uhr statt. 5916C Die Bezirksgefchäftsstellen befinden sich: für den Bezirk der NSV.-Ortsgruvpe Mitte: Lud- roigftraße 23 (Landesuniversitat), für ben Bezirk ber NSV.-Ortsgruppe Norb: Walltorstraße 38, für ben Bezirk ber NSV.-Ortsgruppe Ost: Gartenstraße 30, für ben Bezirk ber NSV.-Ortsgruppe Süd: Friedrichstraße 24 (Physiologisches Institut). Gießen, ben 12. September 1939. Der Oberbürgermeister ber Stabt Gießen. I. V.: Nicolaus. [Stellenangebote] MlII für 2-3 Stunden vormittags gesucht. UliiiiMbiii'K 17 Laden. [O42ao Junges 0423s Mdei für einige Stunden zur Häusl. -Hilfe gesucht. Aröbelstr. 10 I. Zur Aushilfe zuverlässige Frau oder Mädchen für vorm. gesucht Werner- wnll 51 II. Hausgehilfin zum 1. Oktober gesucht. Ibbisd WWlMZt. H Damenbart 4» Gesichtshaare, alle lästig. Haare werd, nur durch d.von mir angow. einzig sichere Meth. unt. Garant, für Immer mit d.Wurzel entfernt Fr an lt.tiul lehrten und Forschers gestaltet hat. „In der Reichshauptstadt kennt man mich vom Theater her als einen Menschen von Fleisch und Blut, aber draußen im Reich haben mich die meisten Menschen nur im Film gesehen; und wenn ich nun einmal hinausfahre, bann kommt es nicht nur immer wieder vor, daß die Leute mich unverwandt ansehen, sondern dann tritt vielleicht auch einer auf mich zu, ein wildfremder Mensch, legt mir behutsam — scheu die Hand auf die Schulter, faßt mich am Arm, befühlt gar meine Muskeln. „Jannings, ja, ja..." Immer bin ich für ihn nur ein Schatten auf der Leinwand gewesen, und nun ist es so, als wollte er sich vergewissern, ob hinter diesem Schatten wirklich ein leibhaftiger Mensch stehe. Ein eigenartiges Gefühl beschleicht mich bei dem Gedanken, daß diese Menschen alles von einem wissen; sie wissen, wie ich liebe und wie ich hasse, wie ich mich betrage, wenn ich glücklich bin, wie ich meine, wie ich schlafe. Ja, sie kennen mich ganz, und ich weiß nichts von ihnen. Ein Vertrauter bin ich ihnen, und ich kenne sie nicht. Aber bin ich ihnen noch Jannings? Bin ich ihnen nicht der Dorfrichter Adam, der Herrscher oder irgendeiner sonst? Ihr schlichtes Gefühl setzt mich den Rollen gleich, in denen sie mich gesehen haben. Bin ich ihnen also doch nur ein Schatten?" Das hatte Jannings ganz unvermittelt gesagt, und der Ausdruck seiner Augen schien dabei entrückt. Es war wie ein Verwundern in ihnen und wie eine uneingeftanbene Bangigkeit. Und so unvermittelt, wie Jannings diese Bemerkung begon- I nen hatte, brach er sie wieder ab, als ob er dem Gefühl der Gespaltenheit des Schauspielers in Wirklichkeit und schattenhaften Schein entfliehen wollte. Robert Biedeköpper. Reich hinausfahre", erzählte Emil Jannings, der soeben in dem Tobis-Film „Robert Koch, der Be- kämpfer des Todes" den Mythos des deutschen Ge- panq. Was er denn hier will, fragt der Bauer. Ob er nicht arbeiten will für Lohn und gutes Esten c Ja, das will er dann wohl tun. Und Klaus arbeitet auf fremdem Acker und kommt mit der Sense, die nicht seine eigene sit, gut voran. Das macht, er hat feinen Zorn noch; Der muß heraus und fließt nun mit dem Schweiß Der Arbeit von feiner Stirn. Wo er denn her ist, fragt ihn der Dauer beim Frühstück. Aus Bredin. . , r , Ob sie denn da ihr Korn schon drinnen haben. Nein, das haben sie nicht. Der Bauer schweigt und denkt sich was. Klaus geht wieder an die Arbeit. Es ist ein heißer Tag, Ein rechtes Erntewetter. Klaus sinkt am Abend müde ms vorjährige Stroh. Aber er kann keine Auge zutun. Das ftorn — denkt er — das Korn. Und wenn nun bas Wetter umschlägt unb ein langer Regen kommt. —Nein, er kann gar nicht schlafen. Er hat keinen Zorn mehr zu verschlafen. Heulen könnte er, und weiß nicht warum, will es auch nicht wissen. Es ist doch besser, er geht in die Stadt. Da braucht er das gelbe Korn nicht mehr zu sehen, tanu es vergessen, es geht ihn ja nichts, mehr. an. Mitten in der Nacht steht er auf, schnürt sein Bündel wieder zurecht und tritt in den Mondschein hinaus. Will er denn feinen Lohn fahren lassen? __ WM er wohl. Der bessere Lohn kommt nach. Der junge Mensch holt gewaltig aus. Aber jetzt muß er es doch wohl merken, daß er nicht der Stadt zuschreitet, sondern in Richtung auf Bredin. Was hat er denn dort noch zu suchen? Er fragt ich selbst, und zur Antwort lacht in ihm ein schöner Aedanke und ruft ihn auf, sich zu sputen. Aber der Weg nach Hause ist so weit, mie fein Zorn wild war. Und so wach sein Herz auch ist, seine Knochen sind müde. Er ist wohl schon eine Stunde unterwegs, da kommt er an die Molkerei von Groß-Breese und hört schon von weitem das Geklapper der Kannen und laute Rebe. Er tritt in 'den Lichtkreis der Männer, die ihn erstaunt mustern. Der ist doch aus Bredin, meine ich", sagt einer. Und Klaus Martin spricht: „Ein wenig kennst du mich doch, das ist gut; denn ich möchte, daß du mich mitnimmst. Zwischen deinen Kannen wird wohl ein Maß für mich sein, dann bin ich in der Frühe des Dages zu Hause. Ich bin Klaus Martin vom Osterhof." Die Männer stimmen zu. „Und läufst hier m Nacht herum. Was treibt dich denn her?" Klaus Martin überlegt nicht lange. „Ich bin in der Stadt gewesen; aber da finde ich keinen, Der uns das Korn mähen hilft." Sie mögen ihn für einfältig halten, es ist ihm .einerlei. Er setzt sich dann wirklich zwischen Die Kannen, legt bald seinen Kopf auf bas Sünbcl, unb ob es auch schüttert und schaukelt und stoßt, Klaus Martin kann schlafen. Sie Sonne kriecht eben über den Busch, da hält der Wagen. He du! fiat er es denn wirklich geschasst? Was träumte ihm denn, daß er jetzt ja fröhlich ist? Mit, dem Fährlohn spart er nicht, ist er dach wieder der junge Bauer oom Osterhof. Da soll man nicht hmter ihm Herreben. Das Dorf liegt noch im Schlaf. Der Osterhof schläft gewiß auch. Aber Klaus überzeugt sich mchr davon; er geht gleich den Feldweg hinaus bis an die Koppel, von wo bas angeschnittene reife Korn nach ihm gerufen hat. Seine Sense finbet er im Busch, wo er sie nach bem Anschnitt neulich verwahrt hat. Er zieht sie heraus, löst ben Streich - unb nie klang ihm ein Glockenläuten freubiger als nun, ba er seine Sense abstreicht: Schäng— päng, schang — pang. Drei Stunben später quietscht eine Karre durch ben Weg. Der Alte, ber sie schiebt, hebt den Kopf, als er an die Koppel kommt. Aber gesagt haben sie beide nicht viel. Was sollen sie auch jagen?. Sie Das Korn ist reif. Von Wilhelm Gerd Kunde. Da geht einer durch die sonnige Morgenfrühe und ist so zornig und freudverlassen, daß er die Lerchen nicht fingen hört, die über dem gelben Kornfeld tanzen. Sein Schnürbündel trägt er am Meinen über der Schulter und haut seinen Knoten- stock durch die Luft. Klaus Martin hat im Streit seinen Vater verlassen und den Hof dazu. Der Hof ist ihm vergällt, sagt er. Und in der Stadt mag es wohl Arbeit für ihn geben, sonst geht er eben zur See. Aber Klaus kommt nicht bis in die Stadt und zur See fährt er auch Nicht. Er wandert und laßt die Dörfer hinter sich. Sein Zorn flattert rote eine düstere Fahne feinen Schritten voran. Zwei Tage lang sieht er an seinen Wegen das reife Korn. Hier und dort klappern Maschinen mit Hott und Hua. Daheim wird noch mit der Senfe gemäht, denn er. Und weiß, wo er seine eigene Senfe im Busch versteckt hat. Ja, wird denn überhaupt gemäht daheim? — Soll der Alte zufchen, wo er einen Knecht bekommt! Ihn gcht das nichts mehr an Und die Senfe mag im Busch rosten wie sie will. Aber Das Korn, Klaus? — Das Korn? Mag es denn verfaulen, wenn keiner da ist, es zu schneiden. In einer Scheune fand Klaus ein Obdach für Die Nacht. Und am Morgen weckt ihn das Sensenstreichen wie Glockenläuten: Schäng — pang schang Deutschlands Kampf. Im Gloria-Palast läuft der erste Film« streifen von der Front. Mit erschütternder dokumentarischer Treue zeigt er ben unmittelbaren Anlaß dieses Kampfes, den man Deutschland auf- gezwungen hat, den furchtbaren Terror, den sich überall in den Grenzgebieten die Polen gegenüber ben Volksbeutschen haben zu Schulben kommen lassen, unb die frivolen Grenzverletzungen, die sich die Polen in blindem Vertrauen auf ihren britischen Verbündeten erlaubt haben, bis bas Maß voll war unb deutsche Truppen zur Rettung deutscher Volksgenossen und zur Wahrung deutschen Rechts und deutscher Ehre zum Gegenschlag antraten. In ergreifenden Szenen erleben wir ben jubelnden Aufschrei einer von ihren Peinigern befreiten Bevölkerung, ben Vormarsch aller Waffengattungen, ben keine feinblichen Wegsperren unb Brückensprengungen aufhalten können und schließlich besonders eindrucksvoll die Beschießung der von den Polen als Stützpunkt ihrer Macht im Danziger Hafen stark ausgebauten unb zäh verteibigten Westerplatte. * Als Spielfilm läuft „Schuß im Rampen« licht" nach einem Theaterstück von Paul van der Hurck. Der Spielleiter Georg Jacoby hat alle Auswirkungsmöglichkeiten ber eigenartig prickelnben Mischung von Bühne und Verbrechen für ben Film erkannt und ausgeschäpft. Schauspielerrivalitäten, Liebe und Eifersucht wirbeln ein ganzes Ensemble toll burcheinanber. Mit brutalem Zynismus wechselt ber Theaterdirektor, bem Rudolf Fernau eine eisige, herzlose und gefühlsrohe Maske gibt, mit feinem erotischem Interesse auch die Protektion seiner Künstlerinnen. In einer oberflächlichen unb verschlagenen Diva, beren Rolle Hübe Sessak mit bohler Koketterie angelegt hat, finbet er seinen Gegenpart, besten Doppelspiel ihn zu wahnsinniger Eifersucht aufpeitscht. Die Diva wird mitten in einer großen Szene erschossen. Die Suche nach bem, Täter begegnet ben größten Schwierigkeiten, es sind zu viele, die sie haßten. Die aus der Liebe des Direktors und aus ihrer Rolle oerbrängte Rivalin, dis Anneliese Uhlig in vornehmer Verhaltenheit spielt, gerät in nicht unbegründeten Verdacht, aber auch ber von ber Diva mißhandelte Regisseur (Karl Kuhlmann), der frühere Liebhaber der Diva, ein verkommener Musiker (Alexander Engel) und ihr jetziger Liebhaber, ein Tenor (Rolf M o e b i u s) und eine rührende Kleine, die ihn anbetet (Elfte Mayernhofer) kommen als Täter in Frage. Der Kriminalkommissar (Gustav Knuth) hat Mühe, die Fäden zu entwirren. Mit wachsender Spannung folgt man ben Verhören, die immer wieder wechselnde Aspekte zulassen. Schließlich tut sich die Tragödie einer sich selbst opfernden Siebe auf, die über Schuld und Sühne ben Schleie? ewigen Geheimnisses zieht» fr, W. Lang^ > Beiriebssicherung der Landwirtschaft Pflicht der Volksgemeinschaft. NSG. Diele Bauern, Landwirte und Landarbeiter sind zu den Fahnen gerufen worden und er- ftillen in vorderster Front ihre Pflicht. Die Pflicht der Zurückgebliebenen ist es, dafür zu sorgen, daß die Leistung der Betriebe nicht zurückgeht, weil weniger LÄeitskräfte oder Gespanne zur Verfügung stehen. Wenn der Bauer oder die Söhne eingezogen sind, hat die Nachbarschaft und darüber hinaus das ganze Dorf die Pflicht, in diesem Betrieb zu helfen. Wie das Landesernährungsamt dazu mitteilt, wird dieser Einsatz von den Organen der bäuerlichen Selbstverwaltung, also den Ortsbau ernftihrern, in engster Zusammenarbeit mit den Hoheitsträgern der Partei und den Bürgermeistern bis ins einzelne geregelt. Es kann wohl vorkommen, daß es in der Gespannstellung einmal nicht klappt, was dann hauptsächlich der Fall ist, wenn einfach zu wenig Pferde da find. Hier müssen die Ernährungsämter helfend eingreifen und versuchen. vielleicht aus nahegelegenen Städten Gespanne heranzubekommen. Als nächste große Arbeit steht in der Landwirtschaft die Hackfruchternte bevor. Dabei kann die Jugend aus Stadt und Land wertvolle Hilfe leisten. Sie wird es, wie bisher, auch hier nicht an gutem Willen und Einsatzbereitschaft fehlen lassen. Auch dieser Einsatz muß von den genannten Stellen zusammen mit Hitler-Jugend und BDM. genau geregelt werden, damit nicht nur auf der einen Seite Jungen und Mädel zur HUfe bereitstehen und auf ihre Einberufung warten und anderseits in den Dörfern Arbeitskräfte fehlen. Jeder Bedarf ist bei dem zuständigen Arbeitsamt zu melden. Ein etwaiger Ueberschuß ist ebenfalls dieser Stelle anzuzeigen, damit diese Kräfte anderswo eingesetzt werden können. Ziel all dieser Bemühungen ist es, der Landwirtschaft die notwendigen Arbeitskräfte zu sichern, damit die Erzeugung auf der bisherigen Höhe gehalten wird. 1900 gewinnt den Lokalkampf 3:0 (1:0). Am Sonntag trafen sich die beiden Juaendmann- schaften zu einem Lokalderby auf dem Waldsport- platz. Gleich zu Beginn der ersten Halbzeit drängten die 1900er nach vorn, ohne aber zu einem Torerfolg zu kommen. Dann kam der DsB.-R. einmal gut durch. Dieser Angriff scheiterte aber an der guten Hintermannschaft von 1900. Erst in der 25. Minute gelang es den Blauweißen zu einem Torerfolg zu kommen. Eine schöne Vorlage vom Rechtsaußen kam gut herein, und in einem Gedränge konnte der Halbrechte einschieben. Bis zur Halbzeit konnte 1900, trotz technischer Ueberlegenheit, zu keinem weiteren Erfolg kommen. Der Anstoß zur zweiten Halbzeit wurde von der 1900er Läuferreihe abgefangen, und sofort kam der Ball zum Linksaußen. Der Ball kam gut an die Strafraumlinie, und ein Schuß vom Mittelstürmer ging an die Latte. 1900 vergab nun noch einige sichere Torgelegenheiten. Dann rollte Angriff auf Angriff auf das VfB.-Tor. Erst in der 65. Minute fiel durch den Rechtsaußen das zweite Tor. Die VfB.-R. waren durch diesen Treffer sehr geschwächt. In der 80. Minute fiel durch den Mittelstürmer das dritte Tor. An diesem Ergebnis änderte sich nichts mehr. 1900 konnte mit Stolz seinen Bannmeistertitel verteidigen. Erfolgreicher Start von 1900 s Handballjugend. Spogg. 1900 1. 3gb. — Io. Krofdorf 1. 3gb. 14:5 (6:2). Mit Ersatz für den erkrankten Deibel treten die Blauweißen zu diesem Spiel an. Es dauert einige Zeit, bis sich beide Mannschaften gesunden haben. Doch als nach 10 Minuten Spieldauer 1900 durch Engel den Führungstreffer erzielt, findet sich die Mannschaft zu schönen, zugigen Angriffen. Gleich nach dem ersten Treffer wirft Wolkewitz das zweite Tor. Nun findet sich auch Krofdorf. Doch ihre vorerst einzelnen Angriffe scheitern an der Hintermannschaft der Blauweißen. Das dritte Tor fällt durch einen weiteren schönen Angriff, Engel wirft den Ball aus 25 Meter Entfernung unhaltbar ins Netz. Kurz darauf erhöht Korell auf 4:0. Nun gelingt auch Krofdorf ein schöner Durchbruch, und ein unhaltbares Tor ist der Erfolg. 1900 wirft durch Freitag und durch Wolkewitz bis zur Pause noch zwei Treffer, während Krofdorf nur noch einmal erfolgreich ist. Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit übernehmen die Blauweißen das Spiel. Ihre technische Ueberlegenheit und ihre Fangsicherheit machen sich jetzt noch mehr bemerkbar. Krofdorf versucht diese Ueberlegenheit durch größeren Kampfgeist auszugleichen. Doch als durch Korell zwei Strafstöße verwandelt werden, sind ihre Siegesaussichten hin. 8:2 heißt es für 1900. Doch da drehen die Krof- dorfer noch einmal auf und erzielen zwei weitere Tore. Das neunte und das schönste Tor des Tages wirft Engel wiederum aus 25 Meter Entfernung. Die Hintermannschaft der Blauweißen ist stets auf der Wacht, und Krofdorf gelingt bis zum Schluß noch ein Treffer, während die Blauweißen noch zu fünf Toren gelangen, und zwar durch Engel (2), Freitag, Korell und Schneuker. Beide Mannschaften lieferten sich ein anständiges Spiel, so daß der Schiedsrichter (Jughard, Mtv. Gießen) leichte Arbeit hatte. Nach den am Sonntag gezeigten Leistungen kann man der Mannschaft 1900s ein großes Plus einräumen, denn bei ihr klappte es vom Torwart bis zum Außenstürmer. Bei Krofdorf fehlte das nötige Zusammenspiel, doch sind bei dieser Mannschaft hervorragende Einzelkönner, vor allem Klee. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf. Die Krankenversicherung der Einberufenen. In einem gemeinsamen Erlaß haben der Reichsarbeitsminister, der Reichsfinanzminister und das Oberkommando der Wehrmacht bestimmt, daß Krankenkassenmitglieder, die zum Waffendienst einberufen werden, weiterhin Mitglieder ihrer Krankenkasse bleiben. Die Beitragspflicht ruht gänzlich. Da die Versicherten selbst in diesem Falle von der Wehrmacht freie Heilfürsorge erhalten, entfallen die Leistungen der Krankenhilfe an diese Versicherten. Die Familienangehörigen der Versicherten werden dagegen von den Krankenkassen in vollem Umfange weiter betreut. Sie erhalten die gleichen Leistungen wie bisher, insbesondere also Familienkrankenpflege und Wochenhilfe. Hausfrauenberatungsstellen der NS.-Frauenschast. NSG. In den Kreisgeschäftsstellen der NS- Frauenschaft = Deutsches Frauenwerk, in den Müt- terschulen und in den Geschäftsstellen der Orts- frauenfchaften im Gau Hessen-Nassau werden von jetzt ab Beratungsstunden durchgeführt, in denen Hausfrauen sich über alle Fragen der Haushaltsführung, die sich aus der gegenwärtigen Lage ergeben, Auskunft holen können. Auch über die Be- zugsscheinpflicht. Einmachen von Obst und Gemüse usw. wird Auskunft erteilt Tägliche Küchenzettel geben Anleitung, wie die Lebensmittel, die der Markt bietet, zu verwenden sind. Ein wichtiges Kapitel, über das die Hausfrau Bescheid wissen muß, ist die richtige Wäschebehandlung. Sparsame Verwendung von Waschmitteln, vor allem durch richtiges Einweichen, wird in den Beratungsstellen gezeigt. Alle fettfteien Einweichmittel sind ja bekanntlich bezugsscheinfrei. Jede Kreisgeschäftsstelle der NS.-Frauenschaft - Deutsches Frauenwerk, erteilt Auskunft, wo weitere Beratungsstunden stattfinden. Jungmädel helfen älteren Frauen und kinderreichen Müttern. NSG. Der Einsatz der Partei für das Wohl des Volkes ist in diesen Wochen, die von allen Volksgenossen Opfer verlangen, Überall sichtbar. Wo es gilt, Volksgenossen zu helfen, sind die Angehörigen der Bewegung zur Stelle. Unter chnen wollen auch nicht die JünMen, die Jungmädel des BDM., fehlen. Obwohl sie schon auf den verschiedensten Gebieten tätig sind, haben sie sich eine neue Aufgabe gestellt. In allen Orten des Gaues Hessen-Nassau, in der Großstadt wie im kleinsten Dorf auf dem Land, übernehmen die Jungmädel ab sofort Ve- forgungsgänge, Einkäufe usw. für körperbehinderte und ältere Volksgenossen, sowie für kinderreiche Mütter. Dieser Einsatz des BDM. erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Amt für Dottswohlfahrt der NSDAP. Anforderungen von Mädel sind an die NSV. und an die örtlichen Jungmädelfuhrerinnen zu richten. Errichtung von zusätzlichen Kindergärten im Gau Hessen-Nassau. NSG. Durch die Einberufung von Schaffenden zum Militärdienst sind viele offene Arbeitsplätze vorhanden, die mit Frauen besetzt werden können. Zahlreiche Dolksgenossinnen haben sich bereits für diesen Dienst am Volk zur Verfügung gestellt. Schwierigkeiten sind insofern nur entstanden, als die für den Arbeitseinsatz bereiten Frauen oft keine Versor- gungsmöglichkeiten für ihre Kinder haben. Um Liefern Zustand abzuhelfen, beabsichtigt die NSDAP., durch chr Amt für Vol'kswohlfahrt in allen Stadt- und Landteilen zusätzliche Kindergarten einzurichten. Ein ausgedehntes Netz von solchen Kindergärten soll ermöglichen, daß jede zum Arbeitseinsatz bereite Frau und Mutter ihren Pflichten Nachkommen kann. Die zusätzlichen Kindergärten werden sie ihrer Sorgen um ihre Kinder entheben. Das Vaterland braucht viele einsatzbereite Kräfte, auch unter den Frauen, weshalb es die Partei als eine ihrer wichtigsten Aufgaben ansicht, gerade auf diesem Gebiet helfend einzugreifen. Dos Etadttheater spielt! Aus dem Stadtcheaterbüro wird uns geschrieben: In Anbetracht der gegenwärtigen Lage ist der Beginn der Spielzeit 1939/40 auf Freitag, 29. September, verschoben worden. Die Spielzeit beginnt mit Hebbels „Agnes Dernauer". Es folgen „Be- Der Täter mitten unter uns Roman von Kurt Riemann Copyright by Verlag Dskar Meister, Weröau L Sa. 30 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) ,Hast du meinen Paß?" „Herrje... ich habe sogar vier Stück bei mir. Komm, verbrenne die drei andern vorsichtshalber!" Er küßt nochmals die Schwester, streicht ihr übers Haar und geht. Aufatmend lehnt Lizzy an der Tür. Vier Schritte bis zum Fenster... da... jetzt steigt er in die Taxe... fort! Gott sei Dank! Der einzige Mensch, den sie noch auf Erden liebt, ist in Sicherheit. Die andern? Zwei scharfe Falten graben sich um ihren Mund Sie hat kein Interesse daran, auch nur einen zu schonen. Und ehe einer von ihnen Holgersons Andenken beschmutzte, ehe er hinging und der ahnungslosen Familie erzählte, wer Asbjörn Holgerson wirklich war... Abenteuerer, Frauenjäger, Schuldenmacher, Spieler, Spekulant... nein, lieber sollten sie alle fallen... auch sie selbst, wenn es denn sein mußte. Sie alle wiegen den Einen, Einzigen nicht auf, den bedenkenlosen Abenteurer des Lebens, den großen törichten Jungen Asbjörn Holgerson, den sie eine ganze lange Woche hindurch lieben durfte wie eine Frau ihren Mann... 26. Werden Sie schweigen, Mr.Pembroke? Die Zelle des Untersuchungsgefängnisses "rft fein Luxusappartement. Sie hat neben mancher Unter» schiedlichkeit vor allem den Nachteil, daß man sie nicht verlassen kann, wie man es will. Und besonders dieser Umstand beginnt Joachim Hellmers auf die Nerven zu fallen., Luxus? Behaglichkeit? Er hat sie selten genossen und kaum begehrt. Er vermißt sie auch jetzt nicht. zauberndes Fräulein", Operette von Ralf Benatzky, „Die Freier", Lustspiel von Eichendorfs, und „La Traviata", Oper von Verdi. Seitens des Theaters werden alle Anstrengungen gemacht, die Aufführungen auch unter den veränderten Umständen in vorbMlicher Weife herauszubringen und den Theaterbesuchern einen Spielplan zu bieten, der allen künstlerischen Anforderungen genügt. Alle Volksgenossen werden gebeten, durch zahlreichen Besuch dem Theater in seinen kulturellen und vater- landifchen Aufgaben zu helfen. Giessener Wochen Marktpreise. * Gießen, 12. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, kg 6 bis 7, Weißkraut 5, Rotkraut 7 bis 8, gelbe Rüden 7 bis 8, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 9, Bohnen, grün 13 bis 20, gelb 13 bis 18, Erbsen 20, Feldsalat, 1/io 10 bis 15, Tomaten, Vi kg 10 bis 13, Zwiebeln 8 bis Aber da ist das Werk... und das Werk lauft ohne ihn! Der Gedanke beginnt ihn zu quälen, ihn zu peinigen. Wollte er nicht erst vor wenigen Tagen freiwillig gehen? Wollte er nicht alles hinwerfen und von vorn anfangen? Ach, wie lange scheint ihm das schon zurückzuliegen. Die Zeit beginnt stille zu stehen, wenn man immer denselben Gedanken denkt: Was tun sie wohl jetzt? Wird Morell die neuen Maschinen regelmäßig überprüfen? Wird ihm der erste Assistent nicht die Versuchsreihe in Unordnung bringen? Man hat ja nur flüchtige Aufzeichnungen in Stichworten dagelassen. Vielleicht vermag er sich darin nicht zurechtzufinden? Und dann die Pläne! Wo befinden sich feine Pläne? Der Polizeimensch, der ihn da aus dem Garten der Villa weg verhaftete, behauptete allen Ernstes, er habe sie selbst beiseite geschafft. Lächerlicher Unsinn. Aber wo sind sie...? Wenn man nur Gewißheit hätte? Wenn dieser quälende Verdacht nicht im Herzen fressen würde, dieser Verdacht, der sich immer mehr zur Wahrscheinlichkeit verdichtet, zu einer gräßlichen, abscheulichen Wahrscheinlichkeit, die er nicht wahr haben will, die nicht wahr sein darf! Nicht um seinetwillen! Aber um des einzigen Mannes willen, dem er etwas auf dieser Welt zu danken hat... Und von neuem versinkt Dr. Hellmers in Grübelei. Der Wärter bringt das Mittagessen. Er setzt es wortlos auf den Tisch. Bohnensuppe. Das Fleisch schwimmt in geschnittenen Stücken darin, ein Messer vertraut man ihm nicht an. Du lieber Gott, er hat nicht die Absicht, sich mit einem Messer etwas zuleide zu tun. Lustlos beginnt er sein Mahl zu löffeln. Er hat gerade den letzten Bissen im Munde, da rasselt der Schlüsselbund schon an der Tür: der Wärter. Aber hinter ihm zeigt sich ein sehr schlanker junger Mann. Den kenne ich doch! denkt Hellmers, das ist doch — „Allan Pembroke! Haben Sie eine Stunde Zeit für mich?" 14, Kürbis 8, Pilze 40, Kartoffeln, % kg 5 Rpf., 5 kg 40 Rpf., 50 kg 3,25 bis 3,45 RM., Falläpfel, % kg 5 bis 8 Rpf., Preiselbeeren 40, Aepsel 15 bis 30, Birnen 10 bis 25, Zwetschen 10 bis 15, Mirabellen 12 bis 20, Blumenkohl 10 bis 40, Salat 5 bis 8, Salatgurken 10 bis 25, Einmachgurken 1 bis 5, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 20, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Rpf. ** Morgen Schulbeginn. Am morgigen Mittwoch wird in allen Gießener Schulen der Unterricht wieder ausgenommen. Die zuständigen Schulbehörden geben darüber heute Näheres bekannt. Hinsichtlich der Berufsschulen liegt bis jetzt noch keine Mitteilung vor. ** Die Ausgabe von Leo ensmittel- ausweiskarten und Spinnstoff- und Schuhbezugsscheinen findet von morgen ab m den Bezirksgeschäftsstellen des Ernährungsamtes statt. Lächelnd streckt ihm der Besucher die Hand zum Gruß. „Ob ich Zeit habe? Die Frage rft nicht ohne Witz. Bitte, treten Sie ein, Mister Pembroke! Ich kann Ihnen zwar kaum irgendwelche Bequemlichkeit anbieten, Liegesofa, Klubsessel sind im Augenblick nicht vorhanden. Also bitte!" Aufgeräumt deutet Hellmers auf das harte Feldbett. Er ist im tiefften Herzen froh, diesen Mann zu begrüßen, überhaupt wieder einmal mit einem Menschen zu sprechen. „Was verschafft mir das Vergnügen?" . „Zunächst, verehrter Herr Doktor, freue ich mich ganz offen, daß Sie so ruhig und vernünftig sind. Ich habe schon gefürchtet. Sie trösten zu müssen." „Warum? Mir fehlt hier nichts. Ich kann lesen, rauchen, schreiben... höchstens die persönliche Bewegungsfreiheit entbehre ich. Na, das enffpricht den Umständen. Wird auch wieder anders werden!" „Um ihnen das zu sagen, bin ich im wesentlichen hier!" beginnt Pembroke. „Ich habe keinen Augenblick daran geglaubt, daß Sie, hm, als Mörder überhaupt in Frage kämen. Aber Sie werden verstehen, daß die Polizei nach den äußeren Tatbeständen trotz mancher Unwahrscheinlichkeit zunächst nicht anders vorgehen konnte." „Durchaus zugegeben. Ich habe auch niemand einen Vorwurf gemacht. Es würde mich nur freuen, wenn man sich ein wenig beeilen würde, den rechten Verbrecher zu fassen!" „Es wird nicht mehr lange dauern!" „Herrlich! Darf ich fragen, wer es ist?" Pembroke zuckt die Achseln. „Fragen dürfen Sie schon ... aber ich werde nicht antworten. Solange ich ihn nicht gefangen habe, verrate ich auch kein Sterbenswörtchen. Ja, ich muß Sie sogar bitten, noch einige Tage hier auszuhalten. Einmal, die Polizei kann Sie noch nicht freilassen, weil noch keine sachlichen Gegenbeweise Ihre völlige Unschuld darlegen. Zum andern, ich will Sie auch noch hierbehalten, denn das Gefängnis ist zur Zeit der einzige Ort, an dem Sie sich wirklich in Sicherheit befinden." Sprachlos starrt Hellmers fein Gegenüber an. Was ist denn das? Was soll denn das heißen? Warum soll er denn gerade hier allein sicher sein? Wer will denn etwas von ihm? Landkreis Gießen. £ Oppenrod, 12. Sept. Unser Mitbürger Gastwirt Heinrich Weller wird am 14. September 82 Jahre alt. Der alte Herr ist körperlich und geistig noch sehr rüstig und hat noch immer seinen goldenen Humor. Die Gastwirtschaft, die er seit 1887 innehat, ist bereits seit 1813 in Familienbesitz. Der „Gießener Anzeiger" wird bereits über 5 Jahrzehnte von ihm bezogen. Dem Jubilar zum Geburtstag auch unsere besten Glückwünsche. Wirtschaft. Oie neue Regelung des Mehlbezuges. FWD. Von zuständiger Stelle wird zur Klarstellung etwa bestehender Zweifel darauf hingewiesen, daß die Bezugsscheinpflicht für Mehl sich vorläufig nur auf die Belieferung der versorgungsberechtigten Verbraucher erftredt. Die Belieferung der Einzelhandelsgeschäfte darf daher ebenso wie die Lieferung an Mehlgroßverteiler bis auf weiteres ohne Abgabe der vorerst nur zu Konttollzwecken beftimm- ten Kartenabschnitte und ohne Bezugsschein in der bisher üblichen Form vorgenommen werden. Rhein-Mainische Börse. Aktien nachgebend. Frankfurt a. M., 11. Sept. Zum Wochenanfang entwickelte sich an der Börse nur sehr kleines Geschäft. Am Aktienmarkt ließen die Kurse unter dem Druck der starken Gefchäftsstille überwiegend leicht nach, da den kleinen Abgaben kaum Aufnahmeneigung und nur mäßiges Kauf- intereffe gegenüberstanden. Zwar war die Entwicklung nicht ganz einheitlich, vorwiegend ergaben sich aber durchschnittliche Rückgänge von 0,50 bis 1 v. H. Etwas mehr rückläufig waren Lcchmeyer auf 108 (110), Heidelberger Zement auf 135,50 (137,50), Scheide anstatt auf 220 (221,50) und noch Pause Eonti-Gummi auf 209,50 (216) sowie Adlerwerke auf 90 (91,50). Von den führenden Papieren brät« kelten JG.-Farben auf 159,25 (159,90), Verein. Stahl auf 96,75 (97) und Klöckner auf 116,25 (117) ab, während Siemens auf 196 (195,50), ferner DDM. auf 178 (177,50) und Licht & Kraft auf 133,25 (133) befestigt waren. Der R e n t e n m a r f t lag still und nach wie vor ziemlich gut behauptet. Die üblichen leichten Schwankungen zeigten Industrie-Obligationen und Liqutdcttionspfandbriefe. Pfandbriefe, Stadtanleihen und Staatspapiere wiesen durchweg die letzten Kurse auf, einzelne LänderaNlethen bröckelten etwas ab. Im Freiverkehr erholten sich Kummunal-Um- schuldung auf 93 (92,75). Der Verlauf war fast völlig geschäftslos und überwiegend weiter schwächer. Mangels Umsätze hörte man aber nur niedrigere Kurse von etwa 0,25 bis 0,75 v. H. Schwach waren Westdeutsche Kaufhof, die von anfangs 81,40 auf 79,50 Brief, und Rheinstahl, die von 129 auf 128,50 Brief nachgaben. Bei den später notierten Papieren gingen die Abweichungen bis 1 v. H., es überwogen Rückgänge. JG.-Farben schwankten bei 159,25 bis 159 bis 159,25. Der Freiverkehr war geschäftslos. — Tagesgeld unv. 2,25 v. H. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 11. September. Infolge des fortschreitenden Drusches bleiben die Anlieferungen an Brotgetreide gut. Für Weizen bekunden die Mühlen weiterhin Aufnahmeneigung, während der Roggenabsatz infolge der reichlichen Versorgung der Betriebe schwieriger ist. Braugerste hat normales Geschäft. Futtergerste ist gefragt, hat aber nur kleines Angebot. Auch Hafer verzeichnet nur kleine Anfuhren, da der Drusch zumeist erst beginnt. Der Mehlmarkt liegt etwas ruhiger. Die Futtermittelversorgung ist weiter günstig. Oelkuchen bleiben begehrt, Muhlennachprodukte frnb noch sehr reichlich vorhanden. Stroh findet nur wenig Nachfrage, dagegen ist Heu sehr gesucht. — Alle Notierungen blieben unverändert. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 12. Sept. (Dorbericht.) Ilm 10 Uhr war folgende Marktlage: Sorauf trieb: 420 Kälber, 30 Hümmel und Schafe, 662 Schweine. Es kosteten: Kälber 30 bis 65 RM., Hümmel 40 bis 50, Schafe 25 bis 42, Schweine 52 bis 61 RM. — Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Schafe und Härnmel flott. „Ich kann Ihnen nicht sagen, wer Sie bedroht!" fährt Pembroke fort, als hätte er dem andern die Gedanken von der Stirn gelesen. „Aber ich bin fest überzeugt, daß es Ihnen eines Tages genau so gehen würde wie dem unglücklichen Holgerson. Und dafür ... sind Sie uns zu schade!" „Das begreife, wer will!" springt Joachim auf. ,Hch habe keinem Menschen was zuleide getan .. „... aber Sie sind eben da, heißen Hellmers und halten die Fäden des Betriebes in der Hand. Das genügt bei weitem!" Und geschickt lenkt Pembroke ab: „Doch kommen wir zu der Frage, die mich am meisten interessiert, zu einer Frage, die vielleicht, ja, ich glaube fast, sicherlich den Schlüssel zu all den geheimen Vorgängen bildet. Wo vermuten Sie die Pläne? Ihre Pläne, Dr. Hellmers?" „Das fragen Sie mich?" „Fa, Sie allein können nämlich beurteilen, wer sich dafür interessieren könnte. Von dem Zeitungsmärchen, das ich eigens erfunden habe, wollen wir bitte schweigen. Sie selbst stehen natürlich außer jedem Verdacht!" „Sie haben das erfunden? Ja, zum Teufel, das ist doch wirklich ein starkes Stück!" „Ein leider notwendiger Schachzug. Gedulden Sie sich noch einige Tage, dann werden Sie alles begreifen, vielleicht werden Sie uns dann auch verzeihen!" sagt Pembroke und legt ihm begütigend bie Hand auf den Arm. „Und nun kramen Sie einmal in Ihrem Gedächtnis! Wer könnte für diesen Diebstahl in Frage kommen? Bedenken Sie ... es steht mehr als nur etwa das Interesse einer Firma auf dem Spiel! .Wer Ihre Pläne anderen zugänglich macht, stiehlt uns Millionen von Lizenzgebühren." Schweigend geht Hellmers auf und ab. Der Verdacht! Der widerliche Verdacht! ... Es ist ja kaum eine andere Erklärung möglich. Nur einer kann sie haben, einer, der sie ihm damals abkaufen, abzwingen wollte, ah ... aber den kann er doch nicht verraten! ... „Nehmen Sie keine Rücksicht, Doktor!" mahnt Pembroke eindringlich. „Hier können Sie es nicht mehr verantworten, irgend jemand zu decken! Selbst ... den eigenen Vater nicht!" (Fortsetzung folgt.)