lr.1Z3 Erster Blatt 189. Jahrgang Samstag, 10./Sonntag,u.)uni 1939 Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Manatr-Bezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 IusteLgebühr . . , -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sieben Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11688 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen DruL und Verlag: SrSHIsche Univerfitätrdruckerei «.Lange in Sietzen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8*/,Uhr des Dormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach oorh. Dereinbg. 25"/, mehr. Ermähigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf.,Famllienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B honten Olympische Winterspiele 1940 in Deutschland Spur: es - r n des Führer Traditiona- grüßt an Franco, Telegramm Berlin, 9. Juni. (DNB.) Der nationalen Spaniens, Generalissimus hat an den Führer das nachstehende gerichtet: Brüderlich verbunden. Dank Spaniens an den Führer. Der Führer hat telegraphisch hieraus wie folgt geantwortet: „Ich danke Ihnen herzlich für die mir von der Tagung des Nationalrats als Zeichen der brüderlichen Verbundenheit unserer Völker übermittelten Grüße. In der sicheren Ueberzeugung, daß der gemeinsam durchgeführte Kampf gegen den kultur- und oölkerzerstörenden Bolschewismus zwischen dem deutschen und spanischen Volk ein Band unlösbarer Gemeinschaft geschaffen hat, erwidere ich Ihr Gedenken aufs herzlichste mit meinen und des deutschen Volkes auftichtigen Wünschen für eine glückliche Zukunft Spaniens. Adolf H itl e r." Es lebe Deutschland, hoch Spanien! Francisco Franc o." „Mr Garmisch-Partenkirchen. Stuttgart, 9.Juni (DNB.) Die Krönung der diesjährigen Hauptversammlung des Deutschen Auslandsinstitutes bildete die große Fest- itzung, die am Freitag im großen Hause des württembergischen Staatstheaters stattfand und in deren Mittelpunkt die großangelegte Festrede des Oberbefehlshabers der jungen deutschen Kriegsmarine, des ersten Großadmirals des neuen Deutschen Reiches, Dr. h. c. Raeder, stand. Der Präsident des Deutschen Auslandsinstitutes, Oberbürgermeister Dr. S t r ö I i n (Stuttgart), hieß in seiner Eröffnungsansprache die Ehrengäste aus dem Reich und den Präsidenten des Verbandes der deutschen Volksgruppen in Europa, F a b r i t i u s, herzlich willkommen. Sein Gruß^ galt ferner den auslandsdeutschen Brüdern und Schwestern jenseits der Grenzen, insbesondere den Deutschen Danzigs Rückkehr nach Jugoslawien. Berlin, 9. Juni (DNB.) Prinzregent Paul und Prinzessin Olga haben am Donnerstagabend ihre Rückreise nach Jugoslawien ange- treten. Generalfeldmaschall Göring geleitete mit seiner Gattin die hohen Gäste von Karinhall nach dem Bahnhof Friederichswalde. In dem kleinen idyllischen Ort an dem Rande der Schorsheide hatte sich die Bevölkerung auch aus allen umliegenden Dörfern zum Abschied eingefunden. Die Formationen der Partei brachten ihre Verehrung durch ein grandioses Fackelspalier zum Ausdruck. Nach herzlichem Abschied zwischen dem Prinzregentenpaar und dem Generalfeldmarschall und Frau Göring setzte sich der Zug um 22.15 Uhr zur Fahrt nach dem deutsch-jugoslawischen Grenzort Rosenbach in Bewegung. „Alle Erwartungen übertroffen." Belgrad, 9. Juni. (Europapreß.) Aus Anlaß derNück'kehr des Prinzregenten Paul veröffentlichen die Belgrader Blätter am Freitagvormittag noch einmal einen Rückblick auf den Berliner Besuch. „Politika" stellt in einem offenbar von höherer Stelle angeregten Leitartikel fest, sowohl die Herzlichkeit des Empfanges, als auch die r e a- lei Ergebnisse des Besuches hätten alle Erwartungen übertroffen. Man dürfe als Erfolg des Berliner Besuchs eine Stabilisierung der Verhältnisse auf all den Gebieten erwarten, auf denen die beiden Staaten gemeinsame Interessen hätten insbesondere also im Donauraum und auf dem Balkan. Das Blatt schließt mit der Betonung der Vertiefung der deutsch-jugoslawischen Beziehungen auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet. „Der Nationalrat der Spanischen listisck-en Falange und der I. O. N. S. v diesem Feiertag des militärischen und national- syndikalistischen Sieges den F ü h r e r D e u t s ch - l a n d s und bezeugt feine b rüd erliche Verbundenheit mit dem deutschen Volk, das durch das Blut unserer Toten und den gleichen Kampf gegen die zerstörerischen Kräfte der Welt mit dem spanischen Volk vereint ist. England selbst zu steigern. Sogar der kostbare englische Rasen und die Parks der Adelsschlösser werden angegriffen. Mit Pächtern allein wird es aber nicht möglich sein, den Menschen und den Boden wieder in das gesunde, naturnahe Verhältnis zu bringen, wie es der Bauer zur Erde hat. Hinter dem Rückgang des Bauernstandes, sagte Professor Laur, steht das Sinken der Geburtenhäufigkeit, das Veraltern des Volkes,^und eben das sind die Dinge, die auch die englische Statistik jetzt anfängt, ihrem Volk zu predigen. SeiderWestfalensahrtderAltenSarde NSG. An der diesjährigen Fahrt der Alten Garde, die durch Westfalen führt, nehmen aus dem Gau Hessen-Nassau außer dem Stellvertretenden Gauleiter Linder die Parteigenossen Aller (Herborn), Brückmann (Bensheim), Dorsheimer (Frankfurt a.M.), Fuchs (Mainz), Gimbel (Frank urt am Main), Heim (Darmstadt), Hirt (Frankfurt am Main), Klöppel (Frankfurt a. M.), Kumpf (Beerfelden), Kunkel (Frankftirt a.M.), Martin (Wiesbaden-Dotzheim), Nickel (Frankfurt a.M.), Huppert (Bechtheim), Ringshausen (Darmstadt), Roser (Frankfurt a. M.), Thiele (Biedenkopf), Grebe (Herborn) teil. Zum Transportführer wurde vom Gauleiter der Referent für die Alte Garde im Gau Walter Schilling (Frankfurt a.M.) bestimmt. Die Teilnehmer aus unserem Gau fahren in der Frühe des 14. Juni geschlossen nach Bielefeld, wo die Westfalenfahrt beginnt, die am 17. Juni abends mit einer großen Kundgebung in Münster endet. Die Fahrt dient der Vertiefung der Kameradschaft der Männer der Reichsleitung mit den ältesten aktiven Nationalsozialisten der Gaue Großdeutschlands. Den Ehrenzeichenträgern ist damit eine Gelegenheit zum regen Gedankenaustausch mit den ,uhrenben Parteigenossen gegeben. Votkspoliiische Arbeit unserer Kriegsmarine Großadmiral von Raeder spricht im Deutschen Auslandsinstitut. suche deutscher Kriegsschiffe im Auslande, häufig außerordentlich werbend und fördernd gewirkt hätten. Anderseits habe heute die Ostmark die Möglichkeit, ihre junge Mannschaft in der Kriegsmarine Dienst tun zu lassen. Zum Schluß ging der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine auf die deutschen Kolonial» ford erringen ein. Den Versuch, die Rückgabe des deutschen Kolonialraumes mit allen Mitteln zu hintertreiben, wie dies derzeit geschehe, bezeichnete Großadmiral Roeder als einen Mangel an Fairneß. Auf der anderen Seite werde häufig mit dem Argument operiert, Deutschland wollte nach Rückgabe seiner Kolonien sofort Stützpunkte und Befestigungen errichten. Demgegenüber fordere Deutschland die selbstverständliche Anerkennung gleichen Rechtes. Gruß vom Führer. Stuttgarts. Juni. (DNB.) Der Führer hat an den Präsidenten des Deutschen Auslandsinstitutes, Oberbürgermeister Dr. S t r ö l i n , folgendes Telegramm gerichtet: „Den zur Jahreshauptversammlung des Deutschen Auslandsinstitutes in Stuttgart versammelten Volksgenossen aus dem Reich und aus dem Auslande danke ich bestens für die mir telegraphisch übermittelten Grüße, die ich mit den besten Wünschen für die weitere Arbeit des Deutschen Auslandsinstitutes herzlich erwidere." die Olympischen Winterspiele im Februar 1940 durchzuführen. Olympischer Fackellauf. Der Vertreter des Finnischen Organisationskomitees der Spiele von Helsinki 1940 teilte auf der Abschluß-Sitzung des IOK. mit, daß die Finnen, gemäß den Anregungen des IOK. und nach dem deutschen Beispiel von 1936, einen Fackel-Staffellauf von Olympia nach Berlin und von dort nach Helsinki durchführen werden. Olympia-Diplom für Cent Riefenslahl. Auf der Vormittagssitzung des Internationalen Olympischen Komitees in London wurde auf Antrag des JOK.-Mitaliedes Avery Brundage (UbA.) mit Unterstützung der Franzosen Marquis Polignac und Pietti der deutschen Filmgestatterin Leni R i e f e n st a h l das Olympia-Diplom zuer- kannt, das ihr 1940 in Helsinki überreicht werden wird. Griechenlands Vertreter teilte mit, daß in Olympia nach Beendigung der deutschen Ausgrabungen im Frühjahr 1940 eine Olympische Akademie errichtet werden soll, über die das IOK. das Protektorat übernimmt. Der Olympische Pokal, den im Vorjahr die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" erhielt, wurde dem Allgemeinen schwedischen Sportverbqnd zugesprochen. — Zum Schluß dankte das IOK. für die wertvolle Förderung des olympischen Gedankens durch die Arbeit des Internationalen Institutes Berlin, dessen Leiter Dr. Diem ist. Die gleiche Würdigung erfuhr die gleichfalls von Dr. Diem geleitete Zeitschrift „Olympia- Rundschau". ! henswillens unter den Völkern seien, und so möge laud) aus dem Kongreßsaal die Mahnung an sie iinb an alle Völker ergehen für den Frieden, für chaft und insbesondere ein Vater der französischen Landwirtschaft ist, prägte darüber hinaus, in deut- cher Sprache, das Wort, im Bauerntum liege der vahre Adel der Menschheit, und es sei ein Verdienst des deutschen Landwirtschaftsministers Darre, Ziesen Begriff des Adels zugleich mit dem Gedanken von Blut und Boden geweckt zu haben. Man lonnte das nicht vornehmer und einfacher sagen, als hie {er alte französische Aristokrat es tat, der selber Hs eine Verkörperung der Vornehmheit hinter h em Rednerpult stand. Wer zugleich Sinn für das Dekorative besaß, konnte auch eine nachdenkliche Freude an der Ausschmückung der Bühne haben, i>on der herab die Redner des Tages sprachen. Die Rückwand bildete eine aus den Fahnentüchern aller leilnehmenden Staaten gebildete Riesensonne, und ?or ihr schwebte ein Abbild der Weltkugel mit einer ich über sie neigenden goldenen Aehre! Die Atmo- Pyäre von Frieden und internationaler Zusammenarbeit auf dem Felde der Landwirtschaft, deren Symbol diese Ausschmückung war, vor besonders spürbar in der Rede des Dizepräsi- i> enten des Verbandes, des Schweizer Professor. Dr. : es gäbe kein Land, in dem nicht die Bau - besonders'dankbar für die Stärkung des Frie- und in lieberfee. Hieraus erstattete der Leiter des DAI. Dr. C s a - k i, den Jahresbericht des Auslandsinstitutes. Der württembergische Ministerpräsident, SA.-Obergruppenführer Mergenthaler, wies bann darauf hin, daß angesichts ber überragenben innen- unb außenpolitischen Bebeutung bcs Volkstumsgedan- kens ber Arbeit des DAI. eine hohe Bedeutung zukomme. Nach den Begrüßungsansprachen sprach Großadmiral Dr. h c. Äaeder. Er freue sich, erneut darlegen zu können, wie ehr ihm die Vertiefung und Erweiterung ber bisher schon immer in kameradschaftlichstem Sinne gepflogenen Zusammenarbeit zwischen der Kriegsmarine und allen an Auslanosfragen interessierten Stellen des Reiches unb .ber Partei am Herzen liege. Der Großadmiral behandelte bann einige auch das Aufgabengebiet ber Kriegsmarine bezügliche Fragen. Darunter falle als eine naturgegebene Zflicht bieBetreuungbesDeutschtumsim Auslände, der sich die Kriegsmarine feit Jahrzehnten unterzogen habe. Daneben fei in der Auslandstätigkeit der Kriegsmarine eine politische Ausgabe gestellt, die weit über den militärischen Rahmen hinausgehe. Jm folgenden stell le Großadmiral Raeder zwei Gesichtspunkte heraus, die bei der Betrachtung deutscher Seeiuteresfen richtunggebend sein müßten. Das eine fei der Schuh unseres überseeischen Lebens raumes, näm- lich der Zutritt zu den Gütern dieser Erde, die allen Völkern zugänglich sein müßten. Der Führer habe deshalb den Aufbau der Kriegsmarine im großen Umfange angeordnel. Als zweites berührte er die v o l k s- politifche Aufgabe der Kriegsmarine, wobei er eingehend schilderte, welch starker Faktor der Besuch des deutschen Kriegsschiffes in fremdenLändern ist. Das Kriegsschiff vermittle ganz besonders stark die heimatliche Atmosphäre, die den deut- scheu Volksgenossen draußen tief berühre, indem es das Heimatgefühl wecke und gleichzeitig das wahre Gesicht der Heimat zeige, so daß die internationale Presse- hehe in eindeutigster Weise Lügen gestraft würde. Vielen Deutschen sei so der Weg zunz, nationalsozialistischen Großdeutschland geebnet worden, umsomehr, als durch den persönlichen Augenschein und die nahe Fühlung von Mensch zu Mensch die richtige Einstellung zu dem weltanschaulich tief begründeten Umschwung des Denkens und handelns im Reich viel leichter zu finden fei. Die volkspolitische Aufgabe der Kriegsmarine fei heute nach ber Eingliederung ber Ostmark und des Subetenlanbes noch erweitert. Schon immer habe die Kriegsmarine allen deutschen Stämmen offen gestanden, die durch die Eigenart des Borddienstes sich stets zu einer Einheit verschmolzen hätten und somit gedanklich zur Dienstleistung für dos Reich und damit für bas Deutsche schlechthin erzogen worden seien. In der Kriegsmarine Hobe man nie danach gefragt, woher einer kommt, sondern nur, was er l e i st e t e. Großadmiral Raeder bewies dies durch die Nennung der Namen berühmter Admirale, die aus den verschiedensten deutschen Gauen stammten. Eingehend auf die Produktionskraft ber Ostmark wies Großadmiral Raeder auf die Notwendigkeit hin, die bisher schon von den ostmärkischen Landen aus nach Uebersee geknüpften Beziehungen weiter zu vertiefen, wobei zahlreiche Angehörige des heute reichsdeutschen Südostens an diesem Ziele mitarbeiten müßten. Auch auf diesem Gebiet könne die Kriegsmarine helfend und fördernd eingeschaltet werden. Der persönliche Augenschein fei oft ausschlaggebend für die Vergebung von Auslandsaufträgen, so daß die Be- Bauer und Staat. Von Dr. Paul Rohrbach. Man kann jedes Zeitalter auf allerlei Art charak- erifieren. Don dem, bas wir durchleben, könnte ein lefjimift sagen, es stehe im Zeichen wachsenden Mißtrauens der Volker gegeneinander. Vielleicht iber — hoffen wir es! — ist dies nicht die Signatur «er Epoche, sondern nur eines kritischen Augenblicks, versuchen wir eine mehr wurzelhaste Art ber Verachtung anzuwenden, so können wir sagen, daß Dir auf wichtigen Lebensgebieten in einer Zeit fr e s Umbenfens stehen. Dies Empfinden konnte ,uch jemand haben, ber am 7. Juni bie Eröffnungsitzung bes 18. Internationalen Landwirtfchaftskon- tref'fÄS in Dresben mitmachte. Ein solches Umbenfen ist jetzt über bas innere Zerhältnis von Bauertum, Volkstum unb Staat im Gange. Man kann sagen, daß es ein internationales Umbenfen ist. Der Präsident bes iongreffes, Marquis be Vogüö, ber zugleich Präsident bes Internationalen Derbanbes ber Landwirt- Conbon, 9.3um (DRV.) Auf der Sitzung des Internationalen Olympischen Komitees wurde anstelle von St. Moritz einffimmng Garmifch - Partenkirchen zum Austragungsort der Dinterfpiele 1 9 4 0 bestimmt. Zum Austragungsort t^r Olympischen Sommerspiele 1944 wurde London gewählt. Zum Austragungsort der Winterspiele 1944 wurde Cortina d'Ampezzo (Italien) bestimmt. In seinem Schlußwort dankte der Präsident des IOK.. Graf Baillet-Latour. den Mitgliedern für ihre Mitarbeit und brachte zum Ausdruck, in welch erfreulichem Maße die heute getroffenen Entscheidungen die Freiheit des IOK. von politischen Einflüssen bewiesen. Die amtliche Mitteilung. Das IOK. gab nach ber Beschlußfassung über bie Vergebung ber Olympischen Spiele ein Kommunique heraus, in dem es heißt: „Nachdem bas Schweizerische Olympische Komitee das IOK. unterrichtet hat, daß es ihm unmöglich sei, die V. Olympischen Winterspiele 1940 gemäß dem Programm zu organisieren, dem es früher zugestimmt hatte, sah sich bas IOK. zu seinem tiefen Bedauern gezwungen, die Winterspiele 1940 einer anderen Stabt anzuvertrauen. Nach Sorgfältigem Studium ber Möglichkeiten, bie Winterspiele binnen einer Vorbereitungszeit von nur acht Monaten zu organisieren, zog es alle gemachten Angebote in Erwägung und kam zu bem Entschluß, baß nur Garmisch-Partenkirchen bereit sein wurde, Gerechtigkeit, für Verstänbigung zu wirken. Das Umdenken über den Bauern hängt zufam- uen mit ber hier ausgesprochenen, bort mehr oder oeniger stillschweigenden Abkehr von ber liberalen tbee bes freien Spiels ber Kräfte, durch bas, wie ■nan früher glaubte, alles zurechtkommen werde. Das „freie Spiel der Kräfte" war drauf unb dran, in ber ganzen Welt ben Bauern zu zerreiben, weil ben Grund unb «oben, das unbewegliche, luljenbe Fundament unserer Volkswirtschaft durch (feine Einordnung in den Kapitalismus beweglich machte und ihn fo dem Bauern aus der Hand zu nehmen drohte. Das wurde überzeugend im ersten Beftwnsoortrag vom Staatssekretär im deutschen Tandwirtschaftsministerium, Backe, ausgeführt. In ter Eröffnungssitzung formulierte Minister Darre dasselbe Problem von einer anderen Seite her, in- lem er sagte, daß der Wandel in ber Auffassung ton ber Wirtschaft, der sich bereits in den verschiedensten Ländern erkennen lasse, den Menschen oegenüber dem „Nur-Wirtschaftlichen" wieder stär- ! ter in ben Vordergrund stelle. „Es ist vielleicht das bedeutendste Verdienst des Internationalen Derban- hes ber Landwirtschaft, baß er seit feiner Grün- imng ben Wert ber Landwirtschaft unb des Land- i nolfes nicht allein im Wirtschaftlichen erblickte, sondern Stellung gegen bie Auffassung genommen hat, daß die Zielsetzung der Agrarpolitik sii ch jn wirtschaftlichen Erwägungen ir schöpfen dürfe." Die Tragweite dieses Satzes wird immer größer, jemehr man über ihn i achbenkt, unb er leitet unmittelbar zu ber zweiten Anerkennung hinüber, die der deutsche Minister dem internationalen Verband der Landwirtschaft aus- sorach: Vor diesem Forum sei immer wieder betont norden, daß eine gesunde Landwirtschaft inbebingte Voraussetzung eines gesunden Staates fei. Profeffor Laur formulierte eine bedeutsame Parallele, indem er erstens bem Bolschewismus bescheinigte, er mürbe es erfahren, daß em Staat i=er seinen selbständigen Bauernstand verdrängt, au tönernen Füßen stehe, indem er zweitens auf Mus- jwlinis Parole für die italienische Wirtschaftspoli- tik hinwies: „Ruralizziamo Vitalia“ — verbäuer- lichen wir Italien!", und indem er drittens an Adolf Hitlers Wort erinnerte, das Deutsche Reich werde ("itroeber ein Bauernreich fein, oder es werde um t rgehen wie die Reiche der Hohenstaufen unb Hoyenzollern! Ein merkwürdiges, unfern Satz vom Bauern uno tom Staat scheinbar widerlegendes Beispiel für eine rnbers geartete Grundlage eines Staatswesens, ia, c.nes Weltreichs, ist England. Wirkliche englische 'Lauern gibt es schon seit dem Mittelalter nicht mehr. Englands Grund und Boden ist m der Hauptsache Großgrundbesitz, zum Teil wahrer Latlfund.en- lesitz, der in lauter Pachtland auf geteilt ist. Das '.Kritische Imperium ist ein ursprünglich auf Was- bngemalt, jetzt auf ein freies Bundesverhaltnis mit r?n Dominien und auf hanbekwirtschaftlicher Aus- Hutung eines großen Kolonialreichs begründetes bleblldL» das von einer halb grundbesttzttchen, galt) Inufmännifd) - kapitalistischen Aristokratie regiert t»irb und in dem niemand weniger zu Jagen hot, cis der Mann, der mit feiner Hände Arbeit Den Stoben bestellt. Wer aber genauer hinsieht, der weiß, t'elch eine Mühe sich heute die englische Regierung gibt, um die landwirtschaftliche Produktion 'N Deutschland fordert seine Kolonien zurück. Hier kann England seinen Verständigungswillen bekunden. Forderung nach Rückgabe unseres kolonialen Eigen, tums nicht ernst gemeint sei, oder nur dßn politisches Manöver sei. Ich glaube sre werden diese Meinung auf die Dauer nicht aufrechterhalten können. Denn diese Sache ist eine Angel egen- heit von Führer und Dol k." wor- Kriedenstheorie und Einkreisungspraxis Wir wollen Taten sehen Chamberlain und Halifax blasen die Friedensschalmei Stabschef Lutze vor der Ostland-SA JXUlUni[LUUieil UlC oiuyu i ll UH Rituell -------- — "i •••• HIUll IJl und Gesundheit ü» den tropischen Gebieten ZU ge«* darüber zur Tagesordnung übergegangen, als der eingeborenen Bevölkerung zu erhalten und den Kolonisatoren die erforderliche Sicherheit an Leben weis widmet, daß der Weg für neue Gelegenheiten, vor allem zwischen Deutschland und Eng» land, offen sei, so mögen gewisse enttäuschende und ärgerliche Erfahrungen der letzten Zeit zu dieser Mäßigung beigetragen haben. Denn selbst wenn man der englischen Politik unterstellen könnte, daß ihre Handlungen Ende März und Anfang April echte Reaktionen einer echten Schrecksekunde gewesen wären, so gibt es für die Politik, wie sie Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen! Deutschland hat wiederholt die Friedenshand ausge st reckt, für seine konkreten und brauchbaren Vorschläge aber bisher keinen Dank geerntet, im Gegenteil, man ist sich heute darstellt, keinerlei solche Entschuldigungen mehr. Für den Deutschen ist sie, und wenn Halifax sich auf den Kopf stellt, jene Einkreisungs- p o l i t i k, die er schon einmal erlebt, erlitten und mit der zeitweiligen Auslöschung seiner nationalen Freiheit bezahlt hat. Keine englische Rede, keine englische Rundfunksendung kann dem deutschen Volk die Ueberzeugung ausreden, daß die englische Politik auf die Abschnürung und Fesselung seiner Großmachtexistenz ausgeht. Wenn man in London dies als eine Ausgeburt der Phantasie oder als Propaganda bezeichnet, so empfinden wir das Gerede von deutschen Weltherrschaftsplänen und Unterjochung Europas als nicht weniger Phantasterei und Propaganda, mit dem Unterschied, daß Deutschland durch Taten und Leistungen, wie z. B. durch Nichtangriffsverträge oder die Heimberufung der spanischen Legion, solchen Behauptungen den Boden entzieht. Der den Destausgang des INltlel- meeres räumt, ist über den Verdacht, das sich durch seine Leistungen eine unabweisbare Weltgeltung erworben hat, können für die praktische Nutzung, für die Anteilnahme an Raum und Rohstoffen der Welt gewissermaßen nur Mieter fein — nirgends außerhalb von Deutschland sind wir freie Besitzer — dabei müssen wir auf der gleichen Fläche leben, auf der unser Volk schon sein Auskommen finden mußte, als die Zahl seiner Menschen ein Drittel der heutigen betrug. Van solchem Gesichtspunkt aus gehen wir heute gegen die koloniale Entrechtung unseres Volkes an. So betrachtend empfinden wir den Mangel im überseeischen Lebensraum für unser Volk als unerträglich. Von anderen gezwungen zu werden, in solcher drangvollen Enge zu leben, von anderen, die das nutzen, was uns gehörte, obwohl sie selbst gar nicht im Stande sind, den ihnen schon gehörenden Lebensraum auszunuhen oder gar in allen Teilen zu entwickeln. Das deutsche Volk bleibt bei dem Anspruch auf die ihm völkerrechtlich zusiehende Genugtuung für die erlittene Lhrenkränkung; es verlangt die Dledergutmachung des in Ver - feitles in der Kolonialfrage begangenen Betruges und durch Erpressung zugeführten Anrechts. Diese Genugtuung kann nur in einer entsprechenden Erklärung und in einer Rückgabe der deutschen Kolonien bestehen. Allein auf solche Weife wird die Kolonialschuldlüge wirklich zurückgenommen und getilgt. Von den Gegnern, die unser Eigentum m Händen halten,' kann man oft die Meinung hören, daß die Erntehilfe für Freiheit und Brot Aufrufe on die Studentenschaft. Memel, 9. Ium (DNB.) Am Freitag landete Stabschef Lutze, der im Zuae seiner Besichtigungsreise die Ostland.-SA. besucht, in Memel. Auf dem Flughafen hatten sich zu seiner Begrüßung u. a. ^-Obergruppenführer Dr. Neumann sowie SA.-Sturmbannführer B e r t u l e i t, der frühere Präsident des MemeMrektoriums, eingesunden. Auf dem Neumarkt sand dann die Vereidigung der 5000 SA.-Männer statt, die ihr Bekenntnis zum Großdeutschen Reich schon vor der Eingliederung des Memellandes durch ihren Einsatz in der damaligen „Sicherheitsabteilung" unter Beweis stellten. Der Stabschef erinnerte daran, wie in Berlin die Legion Condor zum ersten Male seit dem Weltkriege wieder ein deutsches Feldzeichen siegreich durch das Brandenburger Tor trug. Er richtete die Mahnung an seine Männer, jeder von ihnen müsse sich bewußt sein, daß er mit diesem Cid eine Verpflichtung auf sich nehme, der er sein ganzes Leben lang treu bleiben müsse. Dann folgte die feierliche Eidesleistung. — In Danzig sand vor dem Stabschef ein Appell von 6000 Mann ostpreußischer und 2000 Mann Danziger SA. statt. Gauleiter F o r st e r richtete noch einen gewaltigen moralischen, den Deutschland aus sein koloniales Eigentum hat, aus seiner tatsächlichen Kultur- und Zivilisationsleistung in seinen Kolonien als Ausfluß seiner Rolle als Kultumation. Die ganze Schwere der Entrechtung und Vergewaltigung Deutschlands durch Versailles, die ganze Schmach und Schande, die man ihm mit der Wegnahme der Kolonien angetan hat, wird erft klar, wenn man die deutschen Leistungen auf allen Gebieten der Kultur und Zivilisation als Maßstab anlegt. Seit Beginn der abendländischen Völkergemeinschaft, seit den Anfängen der Konsolidierung der heutigen europäischen Nationalitäten gehört das deutsche Volk zu den Nationen, die kulturschöpferisch tätig waren und auf dem Gebiete der Zivilisation und der Technik Bahnbrechendes geleistet haben. Cs ist nicht wahr, wenn man behauptet, das deutsche Volk begründe seinen Daseins- und Geltungsanspruch vorn Wert rassisch-biologischer, körperlicher Eigenschaften aus. Es begründet rhn viel stärker als aus dem rassischen Geist heraus aus geistiger Leistung und geistigem Erfolg. Wenn wenn uns heute des Wertes unserer rassischen Struktur bewußt sind und die rassische Reinhaltung als bestimmendes deutsches politisches Prinzip aufgestellt haben, so entspringt dies zu einem ganz wesentlichen Teil aus dem geistigen Gebiet. Wir wissen, daß wir gerade hier überragende Werte unseres Volkstums wahren, im Gegensatz eben zu den Völkern, die wir als Parasiten erkannt haben, weil sie von unserer geistigen Leistung leben, weil sie unsere Kultur kopieren und weil sie hier glauben, auf dieser Welt Herrschaftsansprüche anmelden oder Völker bevormunden oder ausnützen zu können. Dir waren und sind die Gebenden, und wir wollen als solche anerkannt werden. Dir haben als Gebende den unabweisbaren Anspruch auf Gegenleistung." Als ein praktisches Beispiel verwies General Ritter von Epp auf die deutschen Leistungen auf dem Gebiet der Tropenmedizin und die Produkte, die die deutsche Wissenschaft und Industrie hier geschaffen habe, die es überhaupt erst ermöglichten, die für jede Kolonisation unerläßliche und wertvolle Kraft Wie unsere Gegner diese Leistungen einschätzen, zeigt eine führende wissenschaftliä)-medizinische Fachzeitschrift, „Nature" (23.4.1938), in der es heißt, daß nach dem Bericht der tropenmedizinischen Forschungskommission Großbritanniens und des Empire Die Tatsache unumstößlich feststehe, daß die Erfindung und Herstellung von Arzneien früher und heute fast vollkommen von deutscher Wissenschaft und Industrie abhänge. Dadurch, daß das Empire auf diesem Gebiete auf Deutschland angewiesen sei, hingen etwa allein in Indien 100 Millionen, die alljährlich malaria- krank werden, von deutscher Medizin und Wissenschaft ab. Das koste dem britischen Reich allein für Indien pro Jahr bis zu 50 Millionen Pfund. Dabei feien die indirekten Ausgaben eingerechnet. „Der Bericht der englischen Wissenschaftler", so erklärte Ritter von Epp, „bedarf keines Kommentars. Er fordert nur die Frage heraus: ,Schämt ihr euch nicht, diesem Volk den ihm gehörigen Reserve- raum zum Leben vorzuenthalten mit der noch in Auswirkung stehenden Begründung, es sei unfähig zu kolonisieren?!‘ Die Menschen leben und denken heute nicht mehr nach Maßstäben der Postkutsche, des Segelschiffes und des Lastträgers, sondern nach den Maßstäben der heutigen Technik. Selbst der kleinste Mann im entlegensten Dorf ist durch die- geistigen Verkehrsmittel dem Weltgeschehen irgendwie als Zuschauer oder Zuhörer nachgerückt. Ueberall in der Welt, wo deutsche Flugzeuge landen, sind sie auf die Duldung von anderen Nationen angewiesen. Wir, das Volk, das in der ersten Reihe der Gebenden steht, Berlin, 9. Juni. (DNB.) Der Reichsstu - dentensührer erläßt für den Landdienst der Deutschen Studentenschaft folgenden Ausruf: „Deutsche Studenten, deutsche Studentinnen? Der Wille der Feindesmächte will Deutsch- land zerstören, die Einkreisung soll unseren Freiheitswillen beugen. Das deutsche Volk steht e i n- mütig zum Führer und ist für seine Lebensrechte zum Aeußersten entschlossen. Auf den Feldern Ostdeutschlands reift die Ernte. Es fehlen Hände, sie zu bergen. Wehrmacht und Arbeitsdienst stehen bereit. In dieser Stunde rufe i ch euch zur Ernte nach dem Osten. Deut» sche Bauern warten auf euere Hilfe. E s geht um Freiheit und Brot. Heraus zur Erntehilfe!" Stuttgart, 9. Juni. (DNB.) Anläßlich der Tagung des Deutschen Auslandsinstttuts in Stuttgart hielt Reichsstatthalter General Ritter von Epp auf der Kolonialkundgebung eine Rede, in der er einleitend auf die Bedeutung Stuttgarts als Stadt der Ausländsdeutschen für den kolonialen Gedanken hinwies. General Ritter von Epp führte u. a. aus: „Der Führer meisterte mit schlagender Folgerichtigkeit ein Hindernis nach dem anderen auf dem Wege 3ur Wiedererstarkung Deutschlands. Seine politische Arbeit begann als erstes mit dem Schritt heraus aus Ohnmacht und Elend und ging konsequent bis dahin, wo mir heute stehen, als mäch- hges, starkes und einiges Volk im Herzen Europas. Seit der Schaffung dieser Macht hat der Führer keine Gelegenheit vorübergehen lassen, bei der er nicht der Welt und insbesondere den Mächten, die unser Eigentum widerrechtlich besitz e n , die deutsche Forderung zur Kenntnis gebracht hat. Mit jedem Male sett jener erstmaligen Forderung vom 30. Januar 1937 stand hinter dieser Forderung ein stärkeres Volk, ein stärker zusammengeschweißtes Deutschland und eine noch stärkere und größere Macht. Die Rückforderung der deutschen Kolonien durch den Führer ist eine Wiederholung der geschichtlicken Situation, die bestand, als Bismarck die deutschen Kolonien erwarb. Der Redner wies dann auf die bekannten vierzehn Punkte Wilsons hin, in deren Punkt 5 „eine freie, weitherzige und unbedingt unparteische Befriedigung der kolonialen Ansprüche" vorgesehen war. Vor dem Bundeskongreß habe Wilson am 11. Februar 1918 hinzugefügt, es müßten alle Fragen so geregelt werden, daß die Herbeiführung eines Friedens von Dauer am wahrscheinlichsten sei. Völker und Provinzen dürften nicht verschachert werden. In Mount Vernon proklamierte Wilson, keine territoriale Regelung dürfe auf Grund des materiellen Interesses oder Vorteils irgend einer Nation erfolgen. Alles, so sagte er in seinen Ausführungen im September in Neuyork, müsse von einer unparteiischen Gerechtigkeit geleitet sein. Nach einem Notenwechsel der deutschen Regierung mit dem Präsidenten Wilson im Oktober 1918 über die 14 Punkte als Friedensgrundläge gaben die verb ündeten Regierungen offiziell durch die Note des amerikanischen Staatssekretärs Lansing vom 5. November 1918 der deutschen Regierung die Antwort, sie seien bereit, „auf Grund der in der Kongreßbotschaft des Präsidenten vom 8. Januar 1918 aufgestellten Friedensbedingungen und der in seinen späteren Aussprechungen ver- kündeten Grundsätze mit der Regierung Deutschlands Frieden zu schließen." — Mit der Annahme dieser Note durch Deutschland, so führte der Redner weiter aus, war ein rechtsgültiger Vertrag abgeschlossen, auf Grund dessen Deutschland die Waffen niedergelegt habe im Glauben an die Geltung der Verträge. „Deutschland tat damals etwas, was 20 Jahre später ein anderer Präsident glaubte ihm wieder anraten zu müssen: In den Verhandlungssaal zu kommen und keine Waffen mitzubringen. Aus der zugesicherten freien, weitherzigen und unbedingt unparteiischen Schlichtung der völkerrechtlich verbrieften kolonialanfprüche wurde unter Bedrohung eine koloniale Entrechtung, eine Entmündigung und eine Beleidigung des deutschen Volkes. Deutschland wurde mit vorgehaltener Pistole gezwungen, den Verzicht auf feine Kolonien zu unterschreiben. Sie wurden unter ..Vormundschaft fortgeschrittener Rationen" gestellt, die — wie man sagte — „auf Grund ihrer Hilfsmittel und Erfahrungen imstande und bereit sind, eine solche Verantwortung auf sich zu nehmen"! Diese Beschimpfung und Entmündigung aber brachte für die Sieger obendrein einen enormen Gewinn, lieber die Wanbatsverwal- tung war der Ausweg gefunden, den gewaltsamen Raub des deutschen Besitzes an Reserveraum nicht auf das Reparationskonto zu fetzen. Neben dem juristischen Anspruch gibt es aber Meuchelmord an deutschem Polizisten im Protektorat. P r a g , 9. Juni. (DNB.) In der Nacht zum Donnerstag ereignete sich in Kladno bei Prag ein schwerer Zwischenfall. Ein deutscher Polizei- w a ch t m e i st e r'wurde von unbekannten Tätern erschossen, lieber den Uebersall, der aus dem Hinterhalt erfolgte, ist eine Untersuchung eingeleitet worden. Die Protektoratsbehörden haben sofort Maßnahmen verfügt, die eine Wiederholung derartiger Vorfälle ausschließen. In Kladno fand eine erhebende Trauerfeier für den ermordeten Polizeiwachtmeister statt. Ober« lanbrat Dr. Meusel würdigte die hervorragenden beruflichen und menschlichen Eigenschaften des Ermordeten. Der Oberst der Polizei L i s s e n legte im Auftrage des Führers an der Stelle, wo der Wachtmeister meuchlings niedergeschossen wurde, einen Lorbeerkranz nieder. Der Täter ist bisher noch nicht ermittelt. Die Untersuchung wird mit der notwendigen Schärfe durchgeführt. Der Ausschuß der Nationalen Gemein- schäft hat eine Sonderkommission nach Kladno entsandt, die die Untersuchung unterstützen wird. Der Pressedienst der Nationalen Gemeinschaft er- klärt, es sei vaterländische Pflicht eines jeden Tschechen, zur Auffindung und Bestrafung des Täters beizutragen. Der Prager Zeitungsdienst schreibt, der Schuß sei gleichzeitig gegen die Politik des friedlichen und harmonischen Zusammenlebens der Deutschen und der Tschechen gerichtet gewesen. Auch vom tsche- chischen Standpunkt aus sei es ein Verbrechen gegen bas tschechische Volk und seine Zukunft. Hauptdienstleiter Dr. Todt unterstützt diesen Aufruf des Reichsstudentenführers durch einen besonderen Appell an die Studenten der Technischen Hochschulen: Zur Sicherstellung der deutschen Ernte im Osten hat der Reichsstudentenführer den Einsatz der deutschen Studenten zur Erntearbeit angeordnet. Die Wochen dieses Einsatzes im Osten werden für den deutschen Studenten bald mehr bedeuten, als eine Ferientätigkeit. Er lernt den deutschen Ostraum, er lernt durch die Arbeit in der Landwirtschaft brennende Schicksalsfragen unseres Volkstums kennen, und er arbeitet Dorf, wo Arbeitskraft am notwendigsten gebraucht wirb. Für jeden werben diese Wochen ein Erleben sein. Gerade von den Tatmenschen darf keiner fehlen. Berlin, 9. Juni. (DNB.) Lord Halifax hafte in seiner Rede vor dem Oberhaus auch Ausführungen über das Verhältnis $um Reich gemacht, die von der Londoner Presse als ein „Appell an Deutschland" und sogar als „Friedensangebot" ausgedeutet werden. Zu diesen Ausführungen schreibt der „Deutsche Dienst": Der englische Premierminister Chamberlain und sein Außenminister Lord Halifax haben am Donnerstag vor den parlamentarischen Körperschaften Großbritanniens sich zu dem gegenwärtigen deutsch-englischen Verhältnis geäußert und dabei Worte gefunden, die im Ohre eines Deutschen wesentlich angenehmer klingen als die kriegslüsternen Einkreisungsreden, die man in der letzten Zeit von jenseits des Aermelkanals vernommen hatte. Blickt man jedoch genauer hin, so muß man freilich feststellen, daß die Sirenenklänge vom britischen Inselreich nichts Greifbares oder Positives enthalten, sondern sich im Grunde in den seit Jahren bekannten Redensarten erschöpfen, mit denen man nichts Rechtes anfangen kann. Immerhin wollen wir festhalten, daß beide Staatsmänner von der Möglichkeit eines friedlichen Ausgleiches gesprochen haben, während man erft dieser Tage ganz andere Töne aus England hörte. Es sei nur an die Erklärung Chamberlains erinnert, man beabsichtige nicht, die militärische Unterstützung, über die die Drei Mächte (England, Frankreich, Sowjetunion) sich einigen könnten, auf alle Fälle eines tatsächlichen Angriffes auf ihre eigenen Gebiete zu beschränken; man könne sich vielmehr Fälle vorstellen, in denen eine der drei Regierungen sich in ihrer Sicherheit indirekt durch die Aktion einer anderen europäischen Macht bedroht fühlen könnte. In dieser Erklärung war der wahre provokatorische Charakter der Ein- kreisungsbesfrebungen zum Ausdruck gekommen. Ging doch die Kriegspsychose in diesen Ländern soweit, daß die Wirtschaft durch die allgemein herrschende Nervosität empfindliche Schäden erlebt hat und beschwörende Aufrufe zur Verhinderung eines allgemeinen Streiks erlassen mußte. Wenn jetzt an der Temse plötzlich wieder einmal die Friedensplatte aufgelegt wird, so wollen wir dies gern zur Kenntnis nehmen, müssen aber darauf bestehen, konkrete Beweise des guten willens zu sehen, ehe wir diesen schonen Worten trauen. Zwischen den jetzigen Beteuerungen von Chamberlain und Lord Halifax und ihren noch kürzlich gehaltenen Reden befindet sich eine so tiefe Kluft, daß man die Friedensklange nicht so ohne weiteres gutgläubig hinnehmen kann. Lord Halifax spricht jetzt von englischem Verständnis für die deutschen Bedürfnisse auf Lebensraum. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Als mir uns auf dem Weltmarkt um Walöl bemühten, bas bei unserer knappen Fettoersorgung für uns desonbers wichtig ist, kauften die devisenkräftigeren Engländer es uns vor der Nase weg. Als mir einen Wirtschaftsvertrag mit Rumänien abschlossen, der beiden Partnern nur zum Vorteil gereichen wird, sahen wir uns plötzlich einem völlig unverständlichen, gehässigen englischen Widerstand gegenüber, der selbst nicht vor dem Mittel der Verleumdung zurückschreckte, als ob wir mit diesem rein wirtschaftlichen Vertrage eine Vergewaltigung eines selbständigen Staates beabsichtigten. Und der Bundesgenosse Englands, der französische Ministerpräsident D a l a d i e r , hat unseren Lebensraumforderungen noch vor wenigen Tagen ein kategorisches „Nein!" entgegen» gestellt. Aber mir werden ja in der nächsten Zeit Gelegenheit haben, festzustellen, was hinter den ganzen Worten aus London steckt. Wenn man den Verständigungsmillen betont und für die deutschen Bedürfnisse nach Lebensraum Verständnis zu besitzen vorgibt— bitte sehr, bann könnte man in ber Frage ber Rückgabe unserer Kolonien ben Versicherungen die Tat folgen lassen, eine Tat übri- gens, mit ber England und Frankreich, ohne selbst Einbußen zu erleiden, ein großes Unrecht wieder gutmachen und die Gerechtigkeit wieder Herstellen könnten. ob nichts geschehen wäre. Daß das Reich dann den Einkreisungsbestrebungen der Westmächte nicht untätig gegenüberstand, sondern zu „erfolgreicher Abwehr" überging, war ein felbstverständliches Erfordernis deutscher Lebensinteressen. Lord Halifax hat nun. ben Versuch gemacht, in Zusammenhang mit verschiedenen politischen Ereignissen Deutschland „Wortbrüchigkeit" nachzuweisen. Er meinte, wir hätten bestimmte Erklärungen abgegeben, bann aber eine andere Politik gemacht. Als ob man hier von Wortbrüchigkeit sprechen könnte. Was sagte Chamberlain, als er die Einführung ber Wehrpflicht in England verkündete, nachdem er kurz vorher erklärt hatte, diese Einführung komme nicht in Frage? Er rechter tigte diesen Widerspruch mit dem Satze: „Der- änderte Umstände verlangen veränderte Maßnahmen". Was Chamberlain recht ist, darf uns wohl billig fein, und es steht Lord Halifax schlecht an, uns etwas verwehren zu wollen, was sein Regierungschef für England als S e l b ft v e r st a n d l i ch k e i t in Anspruch nimmt. Ein Hindernis für eine deutsch-englische Verständigung könnte also hierin nicht gesehen werden, vorausgesetzt, daß auf beiden Seiten der englischen Regierung auch wirklich der aufrichtige Wunsch nach dieser Verständigung bestünde. Aber, wie gesagt, noch sind die Widersprüche zwischen der englischen Politik der Tat einerseits und der schönen Worte anderseits zu groß, als daß wir die neuesten Friedenstöne als bare Münze buchen könnten. Wenn sich ber britische Außenminister im Oberhaus eines Tones ber Mäßigung befleißige, ohne allerdings auf unnötige Ausfälle gegenüber ber Politik des Reiches zu verzichten, und wenn er den größeren Teil feiner Ausführungen dem Nachherzliche Willkommensgrüße an den Stabschef. Für Danzig habe es nie einen Zweifel darüber gegeben, daß 400 000 Deutsche in Danzig zum Reich wollten und daß dieser Herzenswunsch eines Tages erfüllt werde. Dann sprach Stabschef Lutze. Er ging auf den Auftrag des Führers ein, den er der SÄ. mit der Verfügung vom 19. Januar gegeben hat. Wenn sich die SA. bei den Wehrwettkämpfen im gegenseitigen Kräftespiel messe, dann gelte es nicht, billige Lorbeeren zu erringen, ihre Arbeit diene ber Erhaltung der Wehrkraft bes deutschen Volkes. „Die besten von euch werben zu den Reichswett- kämpfen der SA. in Berlin mit ben siegreichen Kämpfern aus ben anderen SA.-Gruppen zum Wettstreit antreten, um nach Bewährung vor J>em Führer bann in Nürnberg zu zeigen, was bie SA^ Männer ber Gruppe Ostland zu leisten imstande sind. Ich weiß, daß hier im Osten die national« sozialistische Mannschaft steht, auf bie sich der Führer immer verlassen kann." — Der Stabschef überdruckte den Männern den Gruß der gesamten groß- deutschen SA. und schloß mit einem Siegheil auf das deutsche Danzig. währleisten. Erst mit der Schaffung dieser Mittel durch Deutschland sei es praktisch möglich gei---- ben, ben natürlichen Ergänzungskontinent Afrika rt'iifltn Aus aller Welt en tfnfere Forderung nach Taten ist sehr unbequem ^Times^ sagt: Nur eine Gegenaktion. Zeug rl der KÜ' SnproDifation seien, sondern einem wohlberechne- ??ackes übel' lei entsprangen. Es sei nur natürlich, daß Sen A auch Italien seine Berechnungen anstelle. Halifax hcbc erst in dieser Weise gesprochen, nachdem das '5*e” (Fü n P r p i f 11 n a 5 f n ft e m von der U n f t n » 3SadTUifcUuigm WrUüre uDka^e gen gen! d und Eng- schende uni t zu diese, selbst wenn könnte, das isang April sekunde ge> tik, wie sie des Gespräch des Tages, so schreibt die Tunner „Stampa", Italien bewahre chr gegenüber kühle Ruhe, um so mehr, als die Erklärungen bis britischen Außenmnisters nicht die Frucht einer das Uebergewicht bekam. Kunst und Wissenschaft. Das Internationale Musikfest in Frankfurt. Riga, 9. Juni. (DNB.) Der lettische Außen» Minister M u n L e r s kehrte Freitagnachmittag nach Entspannung zu dienen. Lord Halifax vertröstet die Welt auf konstruk- oe englische Vorschläge, wenn die So- Hilfsmaschinist. Man nimmt an, daß ihre Leichen sich noch unter den Trümmern befinden. Sechs rumänische Bauern bei einem Fährunglück ertrunken. Auf der Borcea, einem Nebenfluß der Donau, südöstlich von Bukarest, ereignete sich ein Unglück. Eine Fähre, die 30 Bauern beförderte und außer» dem mit zahlreichen Kühen besetzt war, kippte bei der Gemeinde Rosetti-Ialomitza .mitten auf dem Fluß um. 24 Bauern konnten sich aus den Fluten retten, während sechs Personen und das Vieh ertranken. Das Unglück ist darauf zurückzuführen, daß die meisten Insassen der Fähre sich in einer Ecke zusammendrängten, wodurch das Fahr- Oer polnische Gernegroß. Danzig, 9.Juni. (DNB.) Bei der Einweihung einer Pilsudski-Gedenktafel in Ciechocinek in der Nähe von Thorn hielt der polnische Minister Koscialkowski, wie der „Danziger Vorposten" meldet, eine Rede, in der er erklärte, daß Polen nicht nur für die Verteidigung seiner heutigen Grenzen kämpfen werde, sondern „um den vollen Sieg", der „in seinem endgültigen Ergebnis die Rückkehr der urpolnischen Gebiete in die Republik Polen" bedeute. Leider verschwieg der kriegerische Minister, um welche „urpolnischen Gebiete" es sich eigentlich handelt. polnische Ritterlichkeit". chuldiguim ienn halU eisunss' erlitte? unb ■ nafadtf W. Men N entzlifcht ung und »texiM ls eine Suf * beH >on deutsch!? ng Europa! paganbJ, in' h laten uni jriffsoerträgi Legion, Niilel- Verdacht fallen gelassen worben. Deutschland wünscht den Frieden Der lettische Außenminister über seine Eindrücke. f 8 eih n Katern ?U5 den, Cln0flcitet 7 Wort 'lung her. 'London, 10. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Blätter verfolgen mit großem Interesse deutsche Reaktion auf die letzten Reden von jhamberlain und Lord Halifax. Sämtliche Zeitungen bringen am Samstag Berliner Beichte, in denen zum Teil ausführlich die Haltung bir deutschen Presse geschildert wird. Die Tatsache, hiß deutscherseits von England erst Taten ver- lmgt werden, ehe man an den britischen Friedens- L llen glaubt, wird dabei von der Londoner Presse i^zeichnenderweise als Ablehnung des angeb- I e Aufnahme gefunden. Deutscherseits erkläre man, |r& die britischen Handlungen seit München i a5 deutsche Vertrauen in Englands 'erständigungswillen zerstört hätten, i rib daß, solange Englands Taten nicht eine Sm- ki Säuberung bewiesen, Deutschland nichts anderes irrig bleibe, als der Einkreisungspolitik gegenüber then entschlossenen Widerstand aufzubauen. Auch die Rede Chamberlains in Birmingham, die eine ähnliche Tendenz hatte, wie die darlamentserklärungen am Donnerstag, wird von dm Londoner Blättern in ihren Überschriften als enc „versöhnliche Rede" des Ministerpräsidenten ^gestellt. So schreibt „Daily Expreß, Minister- Kursänderung oder taktisches Manöver? Rettungsversuch vor den Moskauer Forderungen? ütelt. Die !n Tchärsr n Gemein« iabno ent. oirb. inschaft er< rden Ifdje, Jäters bei. hreibt, be- 1 srieblicher Deutschem vom tschk. !chen gegen ;.*6 Li! Posen, 10. Juni. (DNB.) An der Posener Universität herrschen seit Monaten Zustände, die auf die Disziplin an polnischen Bildungsinstituten ein bezeichnendes Licht werden. Nachdem die polnischen Studenten bereits am 24. Februar zu einem „Boykott" der deutschen Studenten aufgefor- enagnacymlnag nacy dert haben, ist bis setzt den deutschen Stüde n- der Unterzeichnung des de'utsch - lettischen ten jeder normale Besuch der Vor- Nichtangriffspaktes aus Berlin nach Riga'le fun ge n unmöglich gemacht worden. £ über g«8* Tages erM $r gi"«2 der vA. enU ®* ä m PIe L. gelte es Wj arbeit Men Sol,‘ n IKeich^ fielet °tt. Ober- rraQenben 1 des Er. 1 ^gte im er Wacht- einen zurück. Auf dem Rigaer Bahnhof hatten sich zahlreiche Personen eingefunden, um den Außenminister nach dem Abschluß dieses so bedeutungsvollen Vertrages zu begrüßen. In zwangloser Unterhaltung äußerte sich der Außenminister über die Eindrücke auf seiner Berliner Reise. Der Minister ging dabei auf die außerordentlich große Gastfreundschaft, die herzliche Aufnahme hin, die er in Berlin gefunden habe. Die nunmehr erfolgte Unterzeichnung des deutsch-lettischen Nichtangriffspaktes erfülle ihn mit allergrößter Genugtuung. Aus feinem Gespräch mit dem Führer habe er den starken Eindruck gewonnen, daß Deutschland den Frieden nicht nur mit den baltischen Staaten, sondern überhaupt in der Welt wünsche. ist niemals honoriert worden. Der gleiche Widerspruch auf wirtschaftlichem Gebiet: Halifax versichert uns des englischen Verständnisses für deutschen Handel und wirtschaftliche Bedürfnisse. Sein Kollege vom Handelsministerium hingegen erklärte es vor zwei Tagen als eine für England erfreuliche Nachricht, daß der deutsche Export ins Ausland wegen . angeblicher schlechter Lieferung und schlechter Qualität der deutschen Waren rückgängig sei. In Polen hat als unmittelbares Ergebnis des englischen Beistandsoertrages ein geradezu widernatürlicher Boykott der deutsch-polnischen Handelsbeziehungen eingesetzt. Im übrigen läßt England an der Handelssront überall die silbernen Kugeln rollen, nur um den deutschen Sektor zu stören. Wir können daher beim besten Willen wenig von dem ständigen Bemühen Englands entdecken, sich mit Deutschland zu verständigen. Wenn dieser Wunsch auch heute noch vorhanden ist, wird ihn jedermann begrüßen. Er muß sich aber »auf andere Weise äußern als bisher. Denn im Grunde geht es auch heute noch um eine einzige entscheidende Sache: Ist England bereit, auf den überheblichen Anspruch einer weltpolitischen Allgegenwart und darauf zu verzichten, die Entwicklungswege und Entwicklungs- Notwendigkeiten der deutschen Weltmacht zu kontrollieren und abzuriegeln, so wie D e u t s ch- land entschlossen ist, die riesigen Lebensinteressen Englands in seinen Raumen zu respektieren und ihnen aus dem Wege zu gehen. Ist es bereit, den Anspruch fallen zu lassen, daß die Welt nach den von England ausgestellten und dann als Recht und Gesetz für alle deklarierten Spielregeln leben muh, sondern sich noch anderer bedienen kann? Zu diesen gingen hat Lord Halifax nichts gesagt. Die englische Außenpolitik spricht dafür um so eindeutiger. Die Reihe der deutschen Verträge mit fernen Nachbarn, die Besuche, die das Reich empfängt, die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen, die es vertiefen konnte, umschließen heute nahezu lückenlos den ganzen Kreis ferner unmittelbaren und mittelbaren Nachbarn mit einer stuÄ * W SW Mailand, 10. Juni. (DNB. Funkspruch.) Die ittlienifche Presse begegnet den Reden des britischen Premierministers und des brittschen Außenministers m-t berechtigter Skepsis. Allgemein wird betont, e< sei noch nicht zu übersehen, ab diesen Ausführun- }e aus taktischen Motiven handle. Lvr allem müsse man ab warten, ob den Worten Präsident Chamberlain habe die ersten Schritte zurück zur Befriedung gemacht. Die öffentliche Meinung habe ihn von diesem Wege vertrieben. Chamberlain wünsche aber, auf ihn zurückzukommen, und er versuche jetzt, die Möglichkeit zu prüfen. Dem könne man nur zustimmen. England verliere nichts, wenn es sich mit Deutschland ausspreche, vorausgesetzt, daß man auf Enttäuschungen vorbereitet sei. England beabsichtige nicht, der deutschen Nation ihre wirtschaftlichen Notwendigkeiten streitig zu machen. Ein wohlhabendes Deutschland würde der ganzen Welt Wohlstartt) bringen. In Oppofitionskreifen finden die letzten Erklärungen Chamberlains und die Rede von Lord Halifax wenig Anklang. Berichten der Londoner Blätter zufolge kritisiert man weniger die Tatsache, daß die britischen Minister „versöhnliche Worte gefunden haben", sondern man befürchtet vielmehr eine Rückkehr zur „verhaßten Friedenspolitik von München" und hält vor allem in Anbetracht der Verhandlungen mit Sowjetrußland den Zeitpunkt für derartige Reden für ungeeignet. Wie ehrlich im übrigen diese friedlichen Töne gemeint sind, geht aus einer Bemerkung des politischen Korrespondenten der „Times" hervor, der u. a. erklärt, viele Um terhausnritglieder schienen der vernünftigen Ansicht zu fein, daß die Halifax-Rede nur als eine Gegenaktion der Auswirkungen der „Nazipropaganda bezüglich der Einkreisung" angesehen würde. (!) Einkreisungssystem von der Unsin- n gfeit der Moskauer Forderungen bldräht sei. Man müsse die Frage stellen, warum ftQ der Lord der Turiner Rede des Duce nicht iriher erinnert habe. Weiter fragt das Blatt, wie man Verhandlungen m-t Aussicht auf gerechte Lösungen führen könne, v-nn Frankreich sich in die Psychose - nes Präventivkrieges verrannt habe wenn sich Polen z u abenteuerlichem ll ahnfinn angetrieben fühle. Chamberlain We es wohl für die beste Politik, sich des Regen- ö irms und des Rolandfchwertes gleichzeitig zu ?'dienen. Dies fei aber eine Illusion, denn das Ro- ondsfchwert schüchtere die Achsenmächte keineswegs in und der Regenschirm schütze Großbritannien Gesteigerte WHD.Leistung der Jägerschaft. Das soeben bekanntgegebene Ergebnis des Winter, hilfwerks der Deutschen Jägerschaft 1938/39 umfaßt 180 292 Stück Wild im Gesamtwert von über 886 000 RM. Darunter befinden sich rund 20 000 Stuck Rehwild, 77 000 Stück Hasen, 69 000 Stück Kaninchen und 7800 Fasanen. Einschließlich der darüber hinaus aufgebrachten Barspenden und Sachwerte beträgt die Leistung der Jägerschaft im letzten Winterhilfswerk über 1,3 Millionen RM. Das gespendete Wild hatte ein Gesamtgewicht von etwa 857 000 Kilo. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Gesamtergebnis um 308 000 RM. höher. Dieses Mehrergebnis ist nicht nur dadurch erzielt, daß sich die Jägerschaft der Ostmark am Winterhilfwerk beteiligt hat, sondern es sind auch Mehrspenden aus dem Altreich in Höhe von 132 000 RM. aufgebracht worden. Der Reichsjägermeister hat den deutschen Jägern für das hervorragende Ergebnis seinen Dank ausgesprochen. Ein deutscher ttolonialsilw. Unter dem Protektorat des Reichsleiters des Kolonialpolitischen Amtes der NSDAP, und des Bundesführers des Reichskolonialbundes, Generals Ritter v o n Epp, ist ein Kifo-Film der DFG. heraus- Sebracht worden, der den Titel „Deutsches and in Afrika" trägt. Anhand eindringlicher Bilder werden in diesem Afrika-Expedittonsfilm der Aufbau und die Kolonisation gezeigt, die deut- che Menschen in den Gebieten von Deutsch-Ost- und Deutsch-Sudwestafrika vorgenommen haben. Die Be- arbeitung und Gestaltung Des Films lag in den Händen von Dr. Scheunemann und Karl M o h r i, der auch die Aufnahmen machte. Das Manuskript stammt von Dr. Friedr. Stock und Herbert Kuhlmann, die Musik von Bernd Scholz. Der Film wird in den nächsten Wochen überall im Gau Hessen- Nassau gezeigt. huttenfestspiele auf der Stecfclburg. Die in den vergangenen Jahren mit gutem Erfolg durchgeführten Huttenfe st spiele auf der Steckeldurg bei Schlüchtern beginnen in diesem Jahr am 25. Juni. Zur Aufführung gelangt in etwas veränderter Form Erich Bauers Schauspiel „Laßt Hutten nicht verderben". 10 Jahre Zuchthaus wegen Totschlags. Das Saarbrücker Schwurgericht verurteilte den 34- jährigen Alois Stutz, der nicht weniger als zwölf- mal vorbestraft ist, wegen Totschlags zu zehn Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die gleiche Zeit. Stutz hatte am 25. April d. I. den Hausierer Adolf Braun in dessen Wohnung durch Messerstiche getötet, weil ihm dieser die 22jährige A. M., mit der Stutz seit Jahren ein Verhältnis hatte, abspenstig gemacht und bei sich ausgenommen hatte. Schweizer Flugzeug in den Bodensee gestürzt. Ein von Oberleutnant Suter gelenktes Schweizer Militärflugzeug, das vom Flugplatz Altrhein nach Dübendorf fliegen wollte, stürzte bei dem Versuch, im Gleitflug niederzugehen, etwa 50 Meter vom Ufer entfernt in den Bodensee. Der Pilot kam ums Leben. Folgenschweres Brandunglück in einer bretonischen Druckerei. In dem bretonischen Ort St. Brieuc brach in einer Druckerei eine Feuersbrunst aus. Die Feuerwehr war gerade dabei, das an und für sich nicht sehr heftige Feuer zu bekämpfen, als mehrere mit Stickstoff gefüllte Flaschen von den Flammen erfaßt mürben und explodierten. Die sich sofort verbrei- tenben Giftgase hatten eine verheerende Wirkung. Sechs Personen, ber Feuerwehrkommanbant, vier Feuerwehrleute und der Druckereibesitzer fanden durch das Einatmen der Giftgase den T o d. Vier weitere Personen liegen so schwer darnieder, daß an ihrem Auskommen gezweifelt wird. Zehn weitere Personen leiden an Dergiftungserscheinungen. Jteun Todesopfer des Eisenbahnunglücks bei Warschau. Don den bei dem Eisenbahnunglück von Pruschkow bei Warschau schwer verletzten Personen sind noch zwei im Krankenhaus gestorben. Die Zahl der Todesopfer beträgt somit setzt neun. Ueber dreißig Personen sind nach den neuen Feststellungen mehr oder weniger schwer verletzt roorben. Vermißt werden noch der Zugführer und der Das Programm1 des „Internationalen Mufikfeftes" des „Ständigen Rates für die internationale Zusammenarbeit der Komponisten", das vom 15. bis 24. Juni in Frankfurt ftattfinbet, steht nunmehr fest. In drei Orchesterkonzerten, drei Kammermusikkonzerten,einemChorkonzert und einem Opernabend werden 38 Kompositiopen von Ion» schöpsern aus 18 Ländern ausgeführt. In die Aus- führuna der Orchesterkonzerte teilen sich bas Städtische Orchester Frankfurt und das Orchester des Reichsfenders Frankfurt unter Leitung von Franz Konwitfchny, dem Musikdirektor der Stadt Frankfurt, sowie der Kapellmeister Otto Frick- h o e f f e r und Bertil Wetzelsberger. Von deutschen und ausländischen Solisten wurden verpflichtet: Martha Schillings (Sopran), Edith Laugs (Sopran), Gunthild Weber (Sopran), Elisabeth Höngen (Alt), Heinz Marten (Tenor), Günther Baum (Bariton), Felix Löffel (Schweiz, Bariton). Als Instrumentalisten sind verpflichtet die französische Pianistin Poonne Lev 6 - bure, der bekannte ungarische Pianist Ernst von D o h n a n y i, der polnische Pianist Czeslaw Ma- r e f und die deutschen Pianisten Dr. Georg Kuhlmann, Heinz Schroter, Casimir von P a s z - thory, Grete von Zieritz, der Geiger Helmulh Zer nick und der Cellist Ludwig Hoelscher. Außer den genannten Dirigenten werden Georg Schumann (Berlin), Petto P e 1 r i d i s (Griechenland), Adriano Lualdi (Italien), Antiochus Evangelatos (Griechenland) und Jon Leifs (Island) ihre Werke selbst dirigieren. Europa zu beherrschen, erhaben. Wer aber Himmel und Hölle in Bewegung fehl, wer bis zur Selbsterniedrigung die Bedin- Igungen der Sowjetunion hinunter- schluckt, nur um den Ring um die Achse zu schließen, der kann nur noch durch Talen den erschöpften Refervefond von Vertrauen wieder auffüllen. Der weg zu neuen Gelegenheiten wäre, was die Achsenmächte betrifft, in der Tat offen. Er ist und wird aber blockiert durch die englische Einkrel'sungspotitik, in der es übrigens heute schon die Frage zu stellen gilt, ob England überhaupt noch Herr feiner Entschlüsse ift und die Führung der sogenannten „Friedenspolitik" nicht bereits an Moskau hat abgeben müssen. vielleicht hat die daraus sich ergebende Besorgnis gleichfalls zu der Rede des Lord Halifax beigetragen. San braucht nur die friedensgefährliche Entwicklung dcr Begriffe provozierter und nichtprooozierter, direkter und indirekter Angriffe, des Zustandes an= Üblicher Bedrohung angeblicher Lebensintereffen bis jii der Leichtfertigkeit zu verfolgen, mit der sie in dm letzten englisch-russischen Verhandlungen dehan- Mt werden, man braucht nur die wachsende Aengst- lichkeit der bündnisfreien Staaten zu beobachten, mit der sie sich gegen direkte und indirekte Folgen dieser Politik zur Wehr setzen, um die Forderung zu unterstreichen, daß wir uns lieber durch englische Taten als Worte überzeugen ließen. Bisher aber hat die englische Politik nur zu einer Versteifung der Lage, einer Ermunterung gewisser Abenteurer, zu einer Lähmung der Geschäfte geführt, ohne irgendeine europäische Frage zu lösen oder einer Wetterberlcht Jrn Bereich des durch die eingedrungene Kaltlust aufgebauten Hochdruckgebietes hat sich in Deutschland fast allgemein wieder Aufheiterung eingestellt. Ueber Nordeuropa setzt sich jedoch die lebhafte Wir- beltätigteit fort, die immer weiter südwärts greift und mehr und mehr Einfluß auf die Witterung Deutschlands nehmen wird. Eine nachhaltige Verschlechterung ist jedoch damit vorerst noch keineswegs verbunden. Vorhersage für Sonntag: Heiter bis wolkia, Neigung zu vereinzelten teilweise gewittrigen Niederschlägen, Mittagstemperaturen etwa über 20 Grad, Winde meist um Nord. Vorhersage für Montag: Leicht unbeständig, aber doch im wesentlichen noch freundliches Wetter. Hauptfchriftteiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr. W. Lanae (verreist), i. 23.: Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 1939: 9133. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preis- liste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. nicht vor den 23erantwortlichkeiten der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Der „Popolo d'Jtalia" betont, daß Drohungen und Schmeicheleien von englischer Seite das Reich vollkommen gleichgültig ließen. Im gegenwärtigen Augenblick ginge bei den großen Demokratien nichts nach Wunsch. Die 23er- handlungen mit Moskau machten keine Fortschritte, und die balttschen Staaten hätten mit Deutschland Abkommen getroffen. Nun nähmen die europäischen Einkreisunaspolitiker zu einem Versuch der Rechtfertigung Zuflucht. Nachdem man gestern noch gedroht habe, versuche man es jetzt mit honigsüßen Redensarten., Beklemmung in Paris. Paris, 9. Juni. (DNB.) Jrn Zusammenhang mit denenglisch-sowjetrussifchenDerhand- lungen tauchen in Paris jetzt plötzlich Beden- k e n auf, die auch in den Abendblättern ihren Niederschlag finden. So schreibt „Paris Soir", London scheine, um die endlosen Verhandlungen mit Moskau endlich zum Abschluß zu bringen, bereit zu fein, hinsichtlich der Zugeständnisse sehr weit zu gehen. Paris frage sich jedoch, ob darin nicht eine Gefahr liege, denn eine Erklärung, daß man einer direkt oder indirekt bedrohten Sowjetunion zu Hilfe kommen werde, könne neuen sowjetrussischen Forderungen Tür und Tor öffnen. Das Blatt nennt als Beispiel die Möglichkeit einer Einbeziehung des Fernen Ostens in die französisch-englische Garantie. Dies würde jedoch, so sagt „Paris Soir", die Gefahr mit sich bringen, Frankreich und England etwas zu weit mitzureißen. Gamelin aus London zürück. Paris, 10. Juni. (DNB. Funkspruch.) Generalissimus Gamelin ist Freitagabend von London kommend wieder in Paris eingetroffen. Gamelin hat bei feiner Ankunft keinerlei Erklärungen abgegeben. Erst am Montag nach Moskau. -lbändcrungsvorschläge aus Paris. London, 10. Juni. (Europapreß.) Der Leiter der Mitteleuropa-Abteilung im Foreign Office, Sir William Strang, der sich im Auftrag der englischen Regierung am Samstag nach Moskau begeben sollte, roiro seine Reise erst am Montag antrete n können. Dem 23ernehmen nach erfordern die aus Paris in London eingetroffenen Abänderungsvorschläge zu dem geplanten englisch- franzosifch-sowjetrusstschen Dreierabkommen neue Beratungen zwischen den englischen Ministern einerseits ulÄ zwischen Paris und London andererseits. „News Chronicle" weist auf den Wunsch gewisser englischer Regierunasmitglieder hin, ein Mitglied des Kabinetts nach Moskau zu entsenden. In diesem Zusammenhang spricht das Blatt auch von der Erwägung, den früheren Außenminister Eden mit der Mission zu betrauen. Dieser Plan sei aber Atmosphäre der Freundschaft und friedlicher Entwicklung. Für die noch vorhandene Lücke ist nicht Deutschland, sondern jene englische Politik verantwortlich ist, die von Fried en spricht und einen Kriegsmechanismus von ge- ., ..ui- « ......... w -v______radezu totaler Gefährlichkeit zu terfelbe Junges Mädel 23 Jahre, sucht Stellung im Haushalt. Angebote sinb zu richten an[ 425iD Frau Frieda Brandes Werthlingen320 über Celle. 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MUÄDLOS Sonnenstraße31 lü./ll. 3unt 1939 M. 135 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Junge deutsche Nation ihm: SU Jawohl, H. die weitgeöffnete Tür „Frühsport im Regen immer zu helfen wissen!" wie er eben draußen auf den unzähligen Wiesen, auf denen er kampiert hatte, gelaufen war, leicht- Jungvolks das HJ- Ehe die anderen verdattert da. Der fiel ihm jetzt ein, seine Jungenschaft „Man muß sich nur lachte die Sportwartin. berichten und fünf Fahnensprüche des nennen können. Hanne fiel aus. Eine Jungengeschichte. üßig, behend und windschnell, ich versahen, war er am Ziel. Der Jungzug stand ein wenig Jungzugführer staunte, und es wie sehr durch diesen Jungen leichtes Spiel. Hanne torkelte hin und her und focht nicht so, daß man annehmen mußte, er habe jemals Unterricht genossen. Der Jungzugführer, ehrgeizig und fest entschlossen, jetzt diesen Schandfleck in seiner Jungenschaft zu unterwerfen und zu bekehren, schlug heftig zu. Aber während Hanne die Schläge spürte und der erste Schmerz ihn durchzuckte, wurde er wütend und begann ganz plötzlich anzugreifen, und dies so ungestüm und so wild, daß die kunstvollen, aber mühsamen Regeln des Jungzugführers nichts fruchteten. Ziemlich benommen fiel er schließlich ins Gras und mußte den Sieg an Hanne abtreten, der jedoch nicht wie ein Sieger aussah, sondern etwas atemlos und mitgenommen in der Mitte tun? Da meldet sich jemand schüchtern: „Ra, hoffentlich alles wieder zurück in den Schlafsaal..." Doch daraus wurde nichts. Schon ließ Lotte, die BDM.-Sportwartin bei? Schule, uns antreten. Erst ein paar Kniebeugen in der Halle. Unser Muskelkater vom vorigen Tag machte sich schon erheblich bemerkbar. Trotzdem waren wir neugierig, was nun kommen würde. Diel konnte man doch in der Diele wirklich nicht anfangen. Doch lange Zeit zum Nachdenken hatten wir nicht. Lotte erfand immer neue Hebungen, bie uns gelenkig machen sollten. Erst ein buntes Lämmerhüpfen den ganzen Flur entlang, dann stolzierte mit gravitätischen Schritten ein Freund Langbein über den Gang, ein Frosch mußte trotz des Regens lustig über den Boden hüpfen, und zum Schluß kroch langsam und schleppend ein Regenwurm über bie Dielenbretter. Stöhnend rieben wir unsere Muskeln. Am liebsten hätten wir sie natürlich überhaupt nicht bewegt, denn jede Bewegung schmerzte. Aber Lotte' lachte dazu: „Gegen den Muskelkater helfen nur erneute Turnübungen!" Und schon ging es weiter. Wir marschierten über den Flur zur Treppe. Sollte vielleicht unser Frühsport doch schon beendet sein? Aber da kam ein neuer Befehl von Lotte: „Nun steigt mal alle ganz gemächlich die Treppe hinauf, aber bitte die Beine so hoch heben, daß euer Knie bei jedem Schritt an das- Kinn stößt!" Beim erstenmal verunglückten wir alle — wir lachten zu viel? Beim zweitenmal sahen wir bereits ein, daß bie Sache gar nicht so lächerlich war, sondern im Gegenteil eine feine Hebung abgab, die Konzentration erforderte. Darauf muhten wir locker und leicht und zierlich die Treppe hinaufsteigen, das war beinahe noch schwieriger, wir sahen jedenfalls bet unseren abgezirkelten, „zierlichen" Schritten noch recht ungeschickt aus. Das ging ein paarmal hinauf und hinunter, bis unsere Beine locker waren. Aber noch waren alle Hebungsmöglichkeiten auf unserer Treppe nicht ausgeschöpft. „Hopp, Mädel, spielt mal Osterhase, aber leicht und leise und nicht so schwerfällig hüpfen!" Zuerst wackelte das ganze Treppenhaus, aber zum Schluß konnten einige von uns schon fast lautlos hinaufhoppeln. Schleusst!er Film mit Garantieschein gegen Fehlbelichtung Verregneter Frühsport. Merkwürdig dunkel war es noch draußen, als heute das grelle Pfeifen als allmorgendlicher Weckruf durch unsere BDM.-Führerrinnenschule gellte. Der Himmel war grau und goß förmliche Wolkenbrüche über unsere Sportwiese. Was nun? Der- schlafen fanden wir uns in der Treppenhalle ein, stellten uns auf und sahen immer wieder zum Fenster hinaus, gegen das unaufhörlich der Regen trommelte. Heute war es nichts mit dem Dauerlauf rund um die Wiese, und zur Turnhalle konnten wir doch auch nicht laufen. Es wäre bestimmt kein trockener Faden mehr an uns gewesen. Also, was Rußland)?" Die Prüfung wird im allgemeinen durch den Formationsführer abgenommen. Das gibt die Gewähr, daß die Beurteilung der Antworten nicht zu scharf ausfällt und daß vor allem nicht das bloße Tatsachenwissen bewertet, sondern auch die Haltung des Jungen im Dienst seiner Formation berücksichtigt wird. Beim Nichtbestehen der Prüfung ist eine Wiederholung möglich. Wenn Pimpf und Hitlerjunge bewiesen haben, daß sie neben den verlangten Leistungen in Sport und Geländesport auch in der Lage sind, über die Lebensfragen ihres Volkes Auskunft zu geben, dann erst tragen sie das Leistungsabzeichen mit vollem Recht „für Leistungen in der HI ". Als Christoph Columbus Amerila betrat. Eine fast wahre Iungengeschichie von F. Wildberger. „Unti denkt euch nur: wie ich vor der Sphinx stehe, treffe ich dort meinen Freund, den Forscher Sven Hedin", meinte der alte Lehrer Gerling gemütlich und lauerte, ob einer etwas sagen würde. Seine Schüler feixten offen. Gerling war berühmt für seine Weltreisen, seine berühmten Bekanntschaften und für seinen schlagfertigen Humor, den er schon an zahllosen Schülergenerationen erprobt hatte. Er liebte es, den Hnterricht durch kleine persönliche Bemerkungen zu würzen. „Dor den Toren Jerusalems stieß ich auf die Colin Roß", das waren die Hnterstreichungen, die so sehr fesselten und auch den Zweifel herausforderten. Es fand sich immer ein Frechling unter den Jungen, der Beweise sehen wollte, und Gerling konnte stets mit ihnen dienen. Bilder und Bücher mit persönlichen Widmungen seiner berühmten Freunde standen ihm in großer Auswahl zur Verfügung, und er hielt die Beweise für jede kühne Behauptung bereit. Darum hotten es sich seine Schüler abgewöhnt, allzu übermütig einen Zweifel zu äußern; denn er strafte das Mißtrauen einer Klasse dadurch, daß er nach der Abfuhr, die er immer erteilen konnte, im Chor den Satz sprechen ließ: „Wir haben wieder verloren." So sah es mit dem alten Gerling aus. Die Anekdoten über ihn ließen sich nicht erzählen. Er stand im Begriff, als Triumphator von der Schule zu scheiden; denn er prahlte, um die Regsamkeit der Jungen anuifeuern, gern damit, daß jugendlicher Aberwitz noch nie die Weisheit seines Alters hätte überwinden können. , ., Sein letzter Jahrgang erprobte sich an ihm wie alle anderen, ja, dieser letzte Jahrgang meinte, die Ehre aller Schüler retten zu müssen. Der alte Lehrer unterrichtete in Chemie und Erdkunde. Alle seine Versuche in dem einen Fach, seine Behauptungen aus dem anderen waren bekannt. In Chemie pflegte er ein Knallgas zu dräuen; das mit fürchterlichem Getöse die Schüler erschreckte, obwohl sie immer daraus vorbereitet waren, «einen letzten Knall produzierte er vier Wochen vor seiner Hen« sionierung. Als es bumste, fielen sechsundzwanzig Mann aufs Kreuz, fielen einfach steif hist^^uber und markierten „tot", sie freuten sich über diese Missetat und lauerten nun, was Gerling tun würde. Sie hörten seinen knappen Monolog. „Da liegen sic, die Lümmel und schlappen Hunde. Hannes alte weißhaarige Tante sagte „Junge, man muß im Leben auffallen, man muß auffallen, und wenn nicht im guten, dann „Mr Leistungen in der HI." Nie weltanschauliche Prüfung des Leistungsabzeichens. So wird's gemacht. Rund um ein Pimpfengefecht. Immer diese kindlichen Aufträge erteilten sie ihm! Er wallte auch mal ganz nahe am Feind vorbei und eine ganz wichtige Meldung befördern. Hannes schlendert wütend zum Wald rüber, während Erich mit der Meldung der Landstraße zustrebte. Als Hannes, wie es sein Auftrag vorschreibt, auf den Baum geklettert ist und das Gelände besichtigt, sieht er Erich unten am Wäldchen laufen. Plötzlich staunt Hannes: drei Mann stürzen sich auf Erich und ziehen ihn in den Forst rein. Als Hannes Spucke und Sprache wiedergefunden hat, zittern ihm vor lauter Aufregung die Hände. Hannes rennt, stolpert, hastet zur Brücke hinunter, kommt atemlos beim „Chef" an und stammelt: „Sie haben ihn!" Der „Chef^ sieht ihn ziemlich erstaunt an und tippt sich an die Stirn. Der Pimpf muhte zu lange in der Sonne gelegen haben. Endlich hatte sich Hannes gefaßt und machte eine vorschriftsmäßige Meldung. „So —", sagte der „Chef" nur und lachte. „Na — bann hol' ihn'mal wieder raus!" „Für Leistungen in der HI." ist die Inschrift des Leistungsabzeichens der Hitler« Jugend, das bisher an 115500 Hitlerjungen und 42 900 Pimpfe verliehen wurde. Jede Leistung aber setzt Charakter und nationalsozialistische Haltung voraus; die Erziehungsarbeit in der HI. ist deshalb auf eine gleichmäßige Durchbildung von Körper, Geist und Seele ausgerichtet, mit dem Ziel, kämpferische Nationalsozialisten heranzubilden. Leistungen können nicht einseitig unter Gesichtspunkten wie Kraft, Ausdauer und Höchstleistung gefordert werden, sondern es müssen auch die Erfolge der geistigen Erziehung bewertet werden. Dadurch schon unterscheidet sich das HI.- und DJ.^Leistungs- abzeichen von anderen Sportabzeichen. Natürlich ■ läßt sich durch eine weltanschauliche Prüfung, wie sie zum Leistungsabzeichen gehört, niemals die Gesinnung selbst erfassen. Gesinnung, innere Haltung sind in der Hitler-Jugend im Kreise der Kameraden auf Fahrt, im Lager und Heim und im privaten Leben ständigen Bewährungsproben unterworfen. Zu der Gesinnung aber, bie politisch eingesetzt und dadurch erst wirksam werden soll, gehört das Wissen um die Grundfragen des völkischen Lebens;' wer sie nicht kennt, ist zu keiner politischen Entscheidung fähig und hilflos gegen jeden Angriff. Die weltanschauliche Prüfung fordert daher ein Mindestmaß an politischem Tatsachenwissen, das durch die schriftliche Beantwortung einer Reihe von Fragen bewiesen werden muß. Die Fragen sind auf das Alter der Jungen und ihr Auffassungsvermögen zugeschnitten. Dem Pimpfen werden z.B. fast nur reine Wissensfragen vorgelegt, die er nach der gründlichen und planmäßigen Heimabendschulung ohne Schwierigkeiten beantworten kann. Er wird kurz den Lebensweg des Führers schildern können, er kennt die wichtigsten nationalen Feiertage des deutschen Volkes und der Bewegung sowie ihre Bedeutung, er muß über das Deutschtum im Ausland und die Gebietsverluste durch Versailles Ich sollte den Luftschutz alarmieren und die Sirenen heulen lassen, wie diese törichten Knaben meinen. Aeh finden wir uns ab mit ihrem Ende. Immer hielt ich die Geldschnäbel in Zucht, ließ sie futtern aus meiner Hand, einige Brosamen picken an Witz und Bereitschaft, aber kläglich ist dieser letzte Jahrgang. Der ganze Jahrgang ist maul-tot, fürwahr, ein bedeutendes Werk an diesen Toren. Nimm sie hin in Frieden, Herr, und verzeihe ihnen die maßlose Dummheit, aber glaube deinem geringen Diener: ich bin schuldlos daran!" Damit verschwand er, und die Jungen rappelten sich verdutzt hoch. Am nächsten Tage genoß er seinen Sieg ganz schandbar vor der Klasse; er zwang sie zum Chor der Schmach: „Wir haben wieder ver- loren." _ Erbittert mußten sie sich ducken, aber Gerling wußte, daß sein letzter Kampf, der Endkampf, eingesetzt hatte. Er behandelte geruhsam, als bemerke er die Wut ber Klasse nicht, die Entbeckung des neuen Erdteils. Zuerst erwähnte er die Wikingerfahrten, dann fuhr er fort: „ „Tja, als nun Columbus Amerika betrat ... „ ... traf er dort feinen Neffen Gerling beim Tennisspiel mit einer Indianerin um die Meisterschaft von Nordamerika", vollendete ber Kühnste frech und gelassen; denn Strafe drohte nie dafür bei dem alten Lehrer, nur schwerste Abfuhr war immer jedem sicher. „Ich erinnere mich", meinte Gerling ohne Wim- perzucken, „ich erinnere mich wieder an dich, Schelm. Du triebst dich dort herum und sammeltest für bie indianische Prinzessin und mich die Bälle auf. Dein Gesicht, du Galgenstrick, kam mir schon seit langem bekannt vor. Du wirst es auch gewesen sein, der meiner Tante das berüchtigte Ei des Columbus aus ber Handtasche stahl. Dafür, mein Sohn, wirst du mir heute büßen. Du machst einen kleinen Bericht über ..., nun sagen wir, über bie afrikanische Wüste. Laß dir helfen von denen, die um dich herum sitzen und dich ermutigten zur vorlauten Rede." Die Klasse knirschte und arbeitete gemeinsam am Bericht über die afrikanische Wüste. Am nächsten Tage kam die große Stunde, in der es sich zeigen mußte, was noch an dem alten Gerling wäre. Er schien um seinen Ruhm nicht zu fürchten; denn er nahm ungerührt das Heft entgegen. Dann las er laut vor: „Als ich etliche Jährchen vor unserer Zeitrechnung durch die afrikanische Wüste wanderte und mir bie Füße in den Nilquellen ab gewaschen hatte, kam ich an den Wüstenrand und formte mein Ebenbild, wie es wir bie Quellen des mächtigen Stromes entgegen* im ungewöhnlichen Sinn." Hanne hörte diese Worte : der Tante und dachte, sie spielt sich wieder einmal ! weise auf. Unb bamit hatte Hanne nicht ganz unrecht; beim ber Ort biefer Unterhaltung war der 1 Wohnwagen des kleinen Zirkus, und die alte Tante 1 sah dazu so alt, dürr und mumienhaft aus, daß man schon in ihren einfachsten tagtäglichen Worten verborgenen, tiefen Sinn zu sehen glaubte. Hanne glaubte zwar der Tante nicht, aber doch fiel er auf. Er fiel auf, da er nicht wie die üblichen Jungen seines Alters anständig gekleidet ging und nur verschmutzte und zerriß, was eben nach Art und Alter gerechtfertigt war, sondern darüber hinaus fast in ■ Lumpen ging, diese Lumpen aber mit einer göttlichen Selbstverständlichkeit trug. Der Ernst^des Lebens begann für Hanne mit dem Augenblick, da der Vater sich entschloß, dem Treiben seines selbstherrlichen Sohnes nicht länger zuzusehen und ihn kurzerhand in eine ber nächsten kleinen Städte in die Obhut eines fernen, aber guten Bekannten gab, der aus Hanne einen soliden, anständigen Menschen machen sollte. Jener ferne, aber gute Bekannte hätte es sicher abgelehnt, wenn er sich ber Schwierigkeit dieser Aufgabe bewußt gewesen wäre. Jetzt jedoch stand er nur ein wenig hilflos vor diesem schwarzhaarigen, gesunden und abgerissenen Jungen, ber langsam zu begreifen schien, welch eine umfassende Wanblung sein Schicksal erlebte. . Nun mar ber ferne Bekannte aber ein Mann, den auftretenbe Schwierigkeiten nicht zu vergrößerter Anstrengung zwingen. Er machte sich die Sache leicht und sagte zu Hanne: „Am besten ist es, du gehst hier ins Jungvolk. Du bist dann unter Gleichaltrigen und hast genug Gelegenheit zu vergnüglichem Spiel." Bei sich dachte der ferne Bekannte: Die Jungen werden es ihm schon zeigen. Er wird sich ihnen angleichen müssen, das ist ganz klar. So kam Hanne ins Jungvolk. Sein Erscheinen erregte in den Reihen ber sauber uniformierten Pimpfe nicht geringes Aufsehen. Hanne trat mit an. Aber in Reih und Glied gestellt wirkte seine Erscheinung nur um so auffälliger. Ja, dem Jung- zugführer, der mit seiner rührenden Jugend einen außerordentlichen Sinn für Autorität und Ordnung verband, versuchte stirnrunzelnd, diesem Jungen beizubringen, daß er sich gerade hinstellen und dies und das machen müsse, was ber Dienst nun einmal verlangt. Man nahm sich vor, Hanne zu bessern. Aber es war, als wolle man Wasser den Berg hinauffließen lassen. Hinzu kam ferner, daß Hanne in seiner instinktsicheren, angeborenen Schläue wußte, wie er ihren Nachstellungen entgehen könnt?, er tat, was man von ihm verlangte, unb btes nicht nur gut, sondern besser als alle anderen. So war Hanne der Pünktlichste im Dienst, ber Eifrigste in ber Ausführung von Befehlen, wenngleich in seinem ganzen Eifer etwas aufreizend Nachlässiges lag. So kam die Zeit, da ber Jungzug auf den Sportplatz marschierte, um Bedingungen zu erfüllen. Hanne lümmelte sich im Grase herum. Wenn man ihm doch nur abgewöhnen könnte, Gras zu kauen und in den Himmel zu starren, dachte ber Jung- masichrer, ber willens war, heute eine Bresche zu schlagen in diese hinterhältige Widersätzlichkeit. Der Jungzugführer sagte: „So, Hanne, komm her und lauf mit ein paar anderen hundert Meter. Ach, der Jungzugführer hatte seinen Plan, er stellte m die Startlöcher seine schnellsten Leute. Sie wurden Hanne sicher schlagen. Dann wollte man sehen, ob dieser schwarzhaarige Zirkusjunge auch den Spott so gut ertragen konnte. Aber Hanne lies, er lief, verändert worden war. Er konnte sich nicht bekla- । gen über ein Einreißen von Nachlässigkeit im Dienst, i nein, im Gegenteil, sie sahen alle ein wenig ver- i bitfert auf diesen diensteifrigen und trotzdem unglaublich schlampigen Jungen unb strengten sich um o mehr an, weil sie glaubten, dann erst die Berechtigung zu haben, über ihn schimpfen zu können, i Die Jungen saßen im Grase. Es sollte geboxt werden. Der Jungzugführer, der'beste Boxer des Jungzuges, wappnete sich die Hände mit dem harten Leder unb war entschlossen, jetzt alles zu tun, um ben Wiberskanb biefes Jungen zu brechen. Hanne aß im Grase. Er war nicht etwa siegestrunken. Nein, er empfanb es jetzt selbst, wie einsam er eigentlich war. Ach, es war eine schlechte Rolle, die er sich ausgesucht hatte, alles zu tun, was man von ihm verlangte und insgeheim alle zu verhöhnen. Nun trat ber Jungzugführer in ben Kreis feinet Jungen unb forderte Hanne düster auf, mit ihm zu boxen. Hanne starrte etwas langweilig in den Himmel und dachte: Was haben sie nur immer mit mir, sollen sie mich doch in Ruhe lassen. Aber er konnte nicht anders, er mußte sich erheben, er zog sich die Boxhandschuhe über und begann zu kämp-1 fen. Es sah so aus, als habe der Jungzugführer ein | geworfen hatten. Kaum stand bas Monument, sagte hinter mir eine Stimme: ,Nanu, da komme ich zur rechten Zeit; die Sphinx ist gerade fertig geworden.' — Ich drehte mich um, unb wer ftanb vor mir: Gerling. Er erzählte mir vier alte Anekdoten, die schon ben Mumien bekannt gewesen waren und machte dann eine Ausnahme von uns beiden vor der Sphinx. Das Bild müßte noch in seiner Sammlung sein. Er hat aber einmal behauptet, er habe dem Marathonläufer seine Botschaft auf die Rückseite geschrieben: Wir haben gesiegt!" Gerling tippte sich an die Stirn unb faßte seinen Feberhalter. Dann schrieb er mit roter Tinte, während er jedes Wort laut buchstabierte, unter den letzten Versuch, der seiner Schlagfertigkeit drohte: „Das Bild hat mir die Mutter des Marathonläufers vor einigen Wochen zurückgegeben. Ihr Sohn war seinerzeit so schnell gerannt, daß ber Lümmel auf dem Bilde nicht mehr mitkam unb auf ber Strecke liegenblieb. Nun steht Dr. Gerling nur noch allein vor der Sphinx. Die Ausnahme liegt zur Einsicht vor." Die Klasse bebte und stand erschüttert vor dem ungeschlagenen Meister auf. Er schmunzelte und ersparte ihr den Chor der Schande. Dann fuhr er in kalter Ruhe dort fort, wo er am Tage zuvor ab« brechen mußte: „Als Christoph Columbus Amerika betrat ..." Sicher hatte es der „Chef" nicht ernst gemeint. Wie könnte auch ein einzelner Mann einen (Befangenen mitten aus dem feindlichen Lager befreien. Aber Hannes versuchte es doch. Er schlich zum Wald hinüber, aber ganz vorsichtig und immer im Graben entlang. Jede Deckung nutzte er aus. Die Knie waren bald wüst von dem' Brombeergerank' zerschrammt. Jetzt hörte er jemanden pfeifen. Wohl ein feindlicher Dosten mit Humor, der sich hier vor Langeweile ein Liedchen pfiff. Den wollte Hannes dann wenigstens mal von Angesicht zu Angesicht sehen. Neben einem Eichenbaum lag er und schnitzte an einem Stock herum. Hannes sprang ihn von hinten an, preßte ihm die Hand auf den Mund. „Wo ist euer Lager?" zischte ihn Hannes an. „Beim Försterhaus — laß mich doch los!" stöhnte ber Ueberfallene. Hannes banb ihn in aller Eile mit dem Koppel an einen Baum mittlerer Stärke. Beim Forsthaus war großes Gerenne. Hannes fiel gar nicht weiter auf, als er im hohen Farn angerobbt kam und ab und zu den Kopf hochreckte, um die Richtung zu halten. Irgendwo mußte Erich hier ja zu sehen sein. Ganz dicht lag Hannes gegenüber dem Platz, und dort drüben hatten sie Erich an einen Wagen gebunden! Da konnte man gar nicht ungesehen hinüberkommen. Eine Weile überlegte Hannes, dann schob tt sich langsam hoch und ging auf den Platz hinaus« Kein Mensch kümmerte sich bei dem Betrieb um ihn. Erich hatte ihn beinahe noch verraten, als er ihn sah. Hannes ging dreimal unauffällig hinter dem Baum vorbei, unb dann war Erich frei. „Du — komm mal her!" rief da ein Fähnleinführer den Hannes an. Erst dachte der, daß nun alles aus wäre. Frechheit siegt — Hannes ging zu dem Fühn« leinführer, klappte vorschriftsmäßig die Hacken zu- jammen. „Du nimmst ein Fahrrad und fegst zuf Landstraße vor, holst sofort sämtliche Posten bis auf die Wegkreuzung zurück. Angriff steht bevor." Hannes wiederholte den Befehl und sucht sich daH beste Rad aus. Als er auf der Landstraße war und bie Posten traf, sagte er ihnen: „Befehl vom Fähnleinführer! Sofort zwei Kilometer vorrücken! Aber bei dem letzten Posten flog Hannes reim Das war ein Klassenkamerad, der wußte, daß er* zur anderen Partei gehörte. Da mußte sich Hannes dalli aus dem Staub machen. Als er wieder beim „Chef" ankam und das er* mogelte Rad vorzeigte und nach einiger Zett auch Erich ankam, war er natürlich obenauf! Er schwebte in höheren Regionen und dachte, daß das Geländespiel ganz allein durch ihn gewonnen würde. Sck stürzte er sich auch äußerst tapfer ins Getümmel« Hau, der Kameraden stand und sich die Handschuhe von den Fäusten nestelte. Er sah ein wenig ängstlich auf den Jungzugführer. Hatte er sich nicht vor wenigen Augenblicken vorgenommen, freundlich zu allen zu sein? Unb nun schlug er ihren Führer zu Boben. Aber der Jungzugführer sagte: „Ganz gut gekämpft. Zwar ein bißchen gegen bie Regel, aber sehr ordentlich." Keiner wußte in diesem Augenblick, wie sehr der Jungzugführer, dieser kleine Bursche, seine Autorität und seine Persönlichkeit bewies. Er hatte es nicht darauf angelegt, und sie hatten es nicht erwartet, es war eben alles selbstverständlich. Unb vor biefer selbstverstänblichen, sicheren unb kameradschaftlichen Art schmalzen die Eisschranken zwischen Hanne und den anderen. Ja, Hanne lächelte ein wenig und versprach, sich die Regeln zu merken. Zum Schluß ging es noch einmal auf allen Vieren die Treppe hinauf und hinunter, bann an ____unb tief würbe bie kühle Regenluft eingeatmet, ©lieber lockern — unser mQr beendet. Der weltanschaulichen Prüfung für Leistungsabzeichen liegen die Themen der jahrgangsweisen Schulung der Hitler-Jugend zugrunde. Auch hier ist das Alter und Auffassungsvermögen des Jungen berücksichtigt. In drei den Altersklassen entsprechenden Stufen sind die jeweils zu beantwortenden fünf Fragen zusammengefaßt. Die ^Fragen der Stufe A sind dem gesamten Plan der Jungvolkschulung entnommen, unterscheiden sich aber von den Fragen für die Pimpfe dadurch, daß sie ein gewisses Maß an Urteilsvermögen und einen Blick für geschichtliche und politische Zusammenhänge voraussetzen. Noch deutlicher wird dies bei den Altersstufen B und C. Hier werden, um einige Beispiele zu geben, Fragen folgender Art gestellt: „Nenne einen großen Kaiser des deutschen Mittelalters. Wie, war das Verhältnis zwischen ihm und dem Papst in Rom?" — Oder: „In welchen fremden Staaten leben Deutsche unb unter welchen Verhältnissen?" — Oder: „Was weißt du über das politische Verhältnis des Deutschen Reiches zu anderen Staaten (Italien, Japan, Polen, England, Frankreich und Sowjet- auf dem Gebiete der fr Entscheidungen der Reich- Reichsnährstands-Ausstellung in Leipzig , fälliger Beweis. Technik und Chemie, uS>‘ Sie.' ;er Schau ein sinn- üssenschaft Die Kinderlandverschickung braucht Pflegestellen für unsere Jugend! ohne damit ihre Auffassung über die unerhörte Ungerechtigkeit der Friedensbedingungsn auf- Vor 20 Zähren... 10. bis 28. Juni 1919 — Endkampf um Versailler Tribut-„Vertrag-. „Dienstpflicht" des englischen Einkommens? Wenn der „kleine Mann" bient sott bas Kapital auch opfern. Bon unserem T-s.-Sonderberichierstatier. fast ebenso wichtig sei wie das Menschenmaterial. Mit anderen Worten: „Wir verlangen", so erklärt die Opposition, „eine Dienstpflicht des Kapitals, wenn die Wehrpflicht der männlichen Äugend in Friedenszeiten wirklich so notwendig ist". Es hat den Anschein, als ob die sozialistischen Kreise Englands nicht glauben, daß die wohlhabenden Kreise des Landes den Anteil an der Landesverteidigung tragen, der ihnen zustünde. Schatztanzler Sir Äohn Simon hat in seinem letzten Haushaltsvoranschlag eine Erhöhung der Uebersteuer angekündigt, nachdem bereits im Jahre 1938 eine ähnliche Maßnahme in allerdings kleinem Rahmen durchgeführt worden war; die Regierung hat sich jedoch darüber hinaus bisher immer gewehrt, zu der Frage einer „Dienstpflicht des Einkommens" Stellung zu nehmen. Hier und da erklärt man sich diese Haltung damit, daß einige Kabinetts- Mitglieder, mit Lord Runcirnan an der Spitze, die ersten fein würden, die in Anbetracht ihrer recht z a h lrei ch en Aufsichtsrats- Die Läbour-Party hat in der letzten Zeit wiederholt eine Einspannung des englischen Kapitals und Einkommens in alle Söeftrebungen, das Land wehrhafter zu machen, gefordert. Dieser Ruf nach einer „Dienstpflicht des Einkommens" gehört schon beinahe zu einer Art Kriegs-Philosophie und ist heute so häufig, wie etwa vor Aehn Wochen die Forderung nach Einführung der allgemeinen Wehr, pflicht. Rur ein Unterschied besteht dabei: die Wehrpflicht der männlichen Äugend wurde von der Regierung verlangt und von der Regierungsseite des Unterhauses begünstigt, während die „D i e n st p f l i ch t des Einkommens" zu einem Steckenpferd der Arbeiterpartei und zu einem peinlichen Gesprächsthema für die Konservativen geworden ist. Die Opposition vertritt den Standpunkt, daß, wenn schon einmal alle der Nation zur Verfügung stehenden Kräfte eingesetzt werden sollen, „um Enaland eine kräftigere Sprache reden zu lassen", man bie Finanzkraft nicht übersehen dürfe, da sie zur Kriegführung George in einem weltgeschichtlichen Augenblick den Faden der großen Ereignisse verliert und zu einem ganz kleinen Zänker um ein paar tausend Tonnen Schiffsraum wird! Blitz- chnell erfaßte C l e m e n c e a u die Situation, während Wilson, in seinen heiligsten Gefühlen verletzt, protestierte. Mit Sekundenschnelle griff er sich Lloyd George und zwang ihn nieder: „In der Tat, man muß wählen, oder die Feilscherei wird nur zur Kapitulation führen. Ich bin nicht der Mann, der vorgibt, sich den Frieden verzeihen zu lassen. Äch kenne zu lange die Deutschen, um mich mit ihnen auf ein solches Spiel einzulassen. Ich erkläre, daß ich das nicht mitmachen werde. Noch einige Tage, und die Deutschen werden uns die .Friedensbedingungen diktieren. Nein, nein und nochmals nein!" Die pathetische Szene, die Clemenceau gemacht hatte, war Theaterdonner. Am 7.Juni hatte Clemenceau bereits feine chiffrierte D e - pefche feines Vertrauensmannes Hesnard erhalten, daß Deutschland „unter allen Umständen unterzeichnen" werde. Erst in Kenntnis dieser Depesche vom 7. Juni versteht der Leser tn vollem Ausmaße die Theatralik von Clemenceau in der hier kurz erzählten Szene vom 10. Äuni. Aber Cle- menewu hatte jetzt, was er wollte: er hatte die grobe Blöße wie ein Raubvogel erspäht, die sich Lloyd George eben gegen Wilson gegeben hatte, nutzte sie aus und antwortete' mit seinem Pathos, dessen Ingrimm ihm, dem alten Menschenverächter, maßlosen Spaß gemacht haben mag, weil er schon die chiffrierte Depesche in der Rocktasche trug, die ihm die Unterwerfung Deutschlands ankündigte. Wie war es aber mit dieser Depesche zugegangen? Auch in diesen trüben Tagen dachte zunächst kein Mensch in Deutschland an Unterwerfung. Auch die Arbeiter, die unter Führung ihrer revolutionären „Obleute" streikten, wollten damit nicht Deutschland der Entente ans Messer liefern; in ihrem Unverstand und in ihrer Verzweiflung glaubten sie vielmehr, in einem „Sowjet-Deutschland" die Rettung gegen die Entente zu finden. Aber sie waren im Bann sehr viel undurchsichtigerer, dunkler Kräfte. Das Schlimmste aber war, daß Erzberger als Vorsitzender der Deutschen W af f e n st i 11 st a n b s- Kommission einen Privatkrieg mit dem Auswärtigen Amt führte, dem die Friedens Verhandlungen oblagen. Aus dieser skandalösen Ressorteifersucht heraus nahm Erzberger ohne Kontakt und ohne Gleichschritt mit der deutschen Friedensdelegation die verhängnisvolle Fühlungnahme mit Professor Hesnard, dem Vertrauensmann Clernen- ceaus, auf und beschränkte diese Unterhaltungen nicht auf das Konferenzzimmer, sondern dehnte sie aus weinfeuchte Sitzungen in Weimarer Gaststätten aus! Was jetzt noch geschah, ist schnell erzählt. Am 16. Juni verkündete die „Mantelnote" und ihre Begleitdenkschrift das alliierte Ultimatum an Deutschland. Von Sachlichkeit keine Spur; alles war darauf angelegt, den alten Kriegsgeist neu zu entfachen. Fünf Tage Frist wurden den Deutschen gegeben. Die Vollblockade, will sagen: die Aushungerung Deutschlands, sollte wieder in Kraft treten, jede Milderung aufgehoben werden. Die alliierten Generalstäbe erhielten den Befehl, einen Vormarsch ihrer Truppen zunächst bis zur Weser auszuarbeiten. Am 23. Juni traf die Nachricht ein, daß die Deutschen angenommen hätten — „der übermächtigen Gewalt weichend und auf die Erfindungsgabe jedes einzelnen ankommt, Mittel und Wege im Ringen um die Sicherung der Nahrungsfreiheit zu finden. Daß das Landvolk dabei nicht allein steht, dafür ist die einzigartige Oie Marschrichtung für die Landwirtschaft Ein Volk kämpft um seine Nahrungsfreiheit. Von Hermann-Heinrich Freudenberger. Frage der Entwicklung der erforderlichen Arbeitskräfte ab. Die Gefahr der Verstädterung, die heute nicht ganz richtig mit dem Wort „Landflucht" bezeichnet wird, ist in letzter Zeit vielfach behandelt worden. Sie bereitet der Staatsführung mehr Sorge, als manches andere Problem. Denn von der Lösung dieser Frage hängt allein die Zukunft der Nation ab. Völker, die ihr Lebensideal in der Großstadt suchen, sind unweigerlich zum Tode ver- urteilt. Freilich wäre es gerade deshalb ein Irrtum, zu glauben, die Stadtsucht dadurch zu bekämpfen, daß man die Stadt auf das Land verpflanzt. Auf diesen Widersinn hat DarrS mit besonderer Betonung aufmerksam gemacht. Es handelt sich vielmehr darum, der vielfach veräußerlichen Fassade eine? städtischen Lebensideals ein starkes, ft o l • zes, sicheres, bäuerliches Selbstbewußt s e i n gegenüberzustellen. Sicherlich wäre es ein Irrsinn, die Stadt oder die Industrie aus unserem Volksleben fortzudenken, etwa ihre Berech- Unsere Ernährungswirtschaft, also die Produktion s m ö g l i ch k e i t der heimischen Landwirtschaft, findet zweifellos heute viel größeres Interesse bei der städtischen Bevölkerung, als das früher der Fall war. Das liegt begründet in dem harten Lebenskampf, den das deutsche Volk politisch und nicht zuletzt auf wirtschaftlichem Gebiet zu bestehen hat. Wir sind — darüber ist sich jeder Deutsche klar — in jeder Hinsicht auf uns se 1 bst g e ft e 111. Es wird eine große Tat der nationalsozialistischen Agrarpolitik bleiben, daß er ihr allen Widernissen zum Trotz gelang, das deutsche Volk, wenn auch mit gelegentlichen Beschränkungen, doch satt zu machen. Gerade diese Tat hat in der gesamten Welt außerordentliche Bewunderung her- üorgerufen. Freilich wäre diese Sicherung der Dolksernährung nicht gelungen, wenn es der nationalsozialistischen Agrarpolitik nicht möglich gewesen märe, die Produktion der Landwirtschaft von Jahr zu Jahr in geradezu erstaunlichem Umfange Die Friedensmacher wurden und wurden nicht fertig. Wohlverstanden: Eigentlich hat es nie eine Friedenskonferenz gegeben; denn was man gemein- hin die Paris-Versailler Friedenskonferenz nennt, mar nichts anderes als eine Fortsetzung der Beratungen des „Obersten Kriegsrats der Alliierten". Dieselben Personen, die im Kriege agiert hatten, fuhren einfach meiter fort, Politik zu machen, nur mit dem Unterschied, daß diesmal nicht ihre inneren Streitigkeiten an erster Stelle standen, sondern die ungeheuren Fragenkomplexe einer auf dauernden Frieden gerichteten Auseinandersetzung mit Deutschland- Oesterreich-Ungarn (someit es überhaupt noch vorhanden mar), Bulgarien und der Türkei. Nur e i n neuer Umstand mar eingetreten und roirtte sich unglücklich aus: Präsident Woodrom Wilson nahm an den Beratungen unmittelbaren Anteil, statt sich das letzte Wort als Schiedsrichter im fernen Washington vorzubehalten ... Endlich, Ende April — fünf Monate nach dem Waffenstillstand — mürben die Deutschen ein- geloben. Sie trafen am 28. April ein unb mürben wie Gefangene gehalten. Aber erst am 7. Mai mürben ihnen bie Bebingungen bes „Friebens" übergeben, lieber Deutschlanb ging ein Hauck bes Grauens. Aber runb um Weimar, mo bamals bie „Nationalversammlung" tagte, mürbe gestreikt. Auch auf den Eisenbahnen. Der Schreiber dieser Zeilen fuhr in jenen kritischen Tagen nach Weimar und dem Personenzuge dampfte ein Panzerzug voraus Unter unsagbaren Schwierigkeiten, mit leidenschaftlicher Hingabe aller Beteiligten versuchte die deutsche Abordnung durch Noten unb Gegenschriften wenigstens Sinn in ben Raubzug zu bringen, ben die anberen planten. Mehr als bas konnte sie ja nicht tun. Den Polen wurden Freihäfen in Danzig, Königsberg und Memel angeboten, den Franzosen wurden Deffnung der Archive aller kriegführenden Länder und eine neutrale Untersuchung über die Verantwortung für die Schuld am Kriege vorgeschlagen; mehr noch: Deutschland bot eine Kriegs- entschcidigung von 100 Goldmilliarden an — nur unter der Voraussetzung, daß die von den Deutschen vorgeschlagenen Grenzen innegehalten würden und Deutschland wieder wirtschaftliche Bewegungsfreiheit nach innen und außen erhielte. Die Deutschen wurden in einer Art Gefangenschaft gehalten, die nicht einmal ehrenhaft war. Die Ursache war, daß die Alliierten untereinander noch nicht einig waren. Die Furcht vor einer deutschen Ablehnung geisterte noch. Am 10. Juni kam es zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen Clemenceau, Wilson und Lloyd George. Die Engländer hatten aus jahrhundertelanger Erfahrung Angst, an Stelle eines europäischen Gleichgewichtes einen Zustand absoluter Unsicherheit zu schaffen und vom Rhein bis zu den Sowjetgrenzen einen tatsächlich „leeren Raum" zu begründen. Man kennt das physikalische Gesetz, daß jeder luftleere Raum dem Druck der umgebenden Luft ausgesetzt ist... Lloyd George stellte also die kategorische Forderung: „Es muß Frieden geschlossen werden". Gemeint war ein Frieden, ben bie Deutschen annehmen könnten. Aber der Volksrebner Lloyb George war kein überlegener, eiskalt-ruhiger Debatten Als unb Forschung, Staatsführung unb Selbstverwaltung sind in größtem Umfange eingesetzt, um der Praxis die technischen Hilfsmittel zu geben. Unb wenn man durch die Stände der Leipzigl, T wandert, erhält man einen Begriff von dem uner- Hebung" des Kapitals. Bei diesem Kapital bentt man naturgemäß an die flüssigen Werte, denn es wird der englischen Regierung zuerst kaum einfallen, Grundstücke unb dergleichen „emzuziehen", da derartige Werte für den Augenblick nicht den Betrag abwerfen können, den eine direkte Einkommenmehrbesteuerung einbringt. Auch ist man geneigt, bereits vorhandene Kapitalien und Vermögen möglichst unangetastet zu lassen unb sie erst einzu- spannen, wenn nach Kriegsende die staatliche Wie- beraufbauarbeit beginnen muß. Don ber so häufig . angeschnittenen finanziellen „Dienstpflicht" würden infolgedessen in erster Linie und zuerst die Steuerzahler erfaßt werden, da der Staat mehr als 50 v. H. des Einkommens notwendig hätte, um feine voraussichtlichen Ausgaben decken zu können. Das jahresdurchschnittliche Einkommen in England kann zur Zeit auf etwa fünf Milliarden Pfund Sterling geschätzt werden. In einem Kriege und der damit notwendigerweife eintretenben Voll- beschäftgung der ganzen Natton und Ausdehnung ber Arbeitszeiten, b. h. Erhöhung ber Produktion, würde das Einkommen nach englischen Schätzungen auf sechs Milliarden Pfund Sterling steigen. Da die jährlich einfommenben Steuerbeträge sich zur Zeit auf etwa eine Milliarde Pfund Sterling belaufen, nach ber obigen Rechnung aber im Kriegsfälle 50 v. H. bes Nationaleinkommens vom Staate gebraucht werben, stünde die Regierung vor ber Frage, wie man von sechs Milliarden Pfund drei Milliarden, anstatt von fünf Milliarden eine Milliarde Pfund Sterling Steuern bekommt. Es kann allerdings angenommen werden, daß prozentual dem Steigen des Einkommens selbst bei gleichbleibenden Steuersätzen die dem Staat zur Verfügung stehenden Gelder zunehmen würden, was aber noch immer nichts daran ändert, daß bei dem augenblickl'icken Steuerschema zwischen der erforderlichen ©teuerfumme von rund drei Milliarden Pfund und einem normalen Steueranfall (bei einem Einkommen von sechs Milliarden) eine Differenz von 1,8 bis 1,9 Milliarden Pfund zu tilgen märe. Die Sicherstellung dieser notwendigerwe'ise entstehenden Differenz müßte durch die „finanzielle Dienstpflicht" gewährleistet werden, es sei denn, daß man zu dem Mittel einer Inflation greifen und damit die Staatskasse ganz nach Bedarf auffüllen wollte. Dieses Verfahren ist in ber jüngsten Vergangenheit von englischen Mrtschasts-Sachverstänbigen wiederholt erörtert unb meist abgelehnt worden. Man glaubt vielmehr, ein im Kriegsfälle entstehendes Steuerdesizit ausgleichen zu können durch die Auflegung neuer Regierung-Emissionen und die Erhöhung der direkten Steuern. Selbstverständlich würde man bei der Aufnahme von Anleihen einen gewissen Zeichnungsdruck ausüben, um damit ein positives Ergebnis zu erzwingen. Ob man allerdings im Notfälle sofort zu dem Anlechemittel greifen würde, ist noch fraglich, da insbesondere die City die Ansicht vertritt, eine zunehmende Emissionsauflage müßte in der Bevölkerung zu stark den Eindruck einer zunehmenden Regierungsschuld erwecken, weshalb ber Weg einer Steuererhöhung zuminbestens als erstes Mittel ratsamer sein dürfte. Außerdem aber scheint man in das Verfahren einer zwangs- mäßigen Anleihezeichnung nicht allzu viel Vertrauen zu fetzen, denn man erinnert sich an die schweren Kämpfe, bie in den Monaten März unb April des Jahres 1937 von dem damaligen Schatzkanzler Neville Chamberlain im Unterhaus ausgefochten werden mußten, als dieser seine Wehranleihe vorbrachte und sich später den Forderungen der City, hinauslaufend auf wesentliche Aenberung der Anleiheform, beugen muhte. Wenn bie Schätzungen privater Stellen richtig sind, würde sich die Regierung erst dann für ben Anleiheweg entschließen, wenn sich ein Steuerabzug von sechs Schilling je Pfund als nicht ausreichend erweisen sollte. Dieses Besteuerungsoerhältms wird von englischen Finanzkreisen als bas Höchstmaß bes Möglichen bezeichnet. Diese „Begrenzung" der Steuerfähigkeit läßt im übrigen ben Verbacht aufkommen, daß die englische Finanz schon weitaus stärker in ber Frage ber „Dienstpflicht des Einkommens" ihre Verteidigungsstellunaen bezogen hat, als das auf den ersten Blick scheinen mag. hörten Fortschritt der deutschen Landwirtschaft. D i e Landarbeit ist ein Beruf modernsten Stils geworden. Die Dielfatt der zahllosen Maschinen, Traktoren, Dampf- und Motorpflüge, der Dreschmaschinen, der Bestellungsmaschinen, Transportmaschinen und »geräte, beweist, daß das Idyll der ländlichen Romantik einer fernen Vergangenheit angehört, und der Städter sich vielfach völlig falschen Vorstellungen hingibt. Dieser Großeinsatz der Technik ist aber auch dringender denn je. Reichsbauernführer DarrS hat keine Unklarheit darüber gelassen, daß in ben nächsten Jahren mit einer wesentlichen Milderung bes Problems ber Arbeitskräfte nicht zu rechnen ist, weil praktisch dazu auf Grund bes Geburtenrückganges in ben nächsten Jahrzehnten die notwendigen Altersklassen ber 16» bis 25jähriaen fehlen. Darrs hat das mit beweiskräftigen Zahlen belegt. Die erwähnten Altersklassen roerben in ben nächsten 20 Jahren in jedem Jahr um 4 bis 5 Millionen niedriger sein als in den 20 Jahren, die hinter uns liegen. Es ist das die Folge materialisttsch-liberalisttscher Einstellung jur Kinderfrage. Mehr noch als bisher muß diese Einstellung durch eine neue nationalsozialistische Haltung, durch den Willen zum Kinde, ersetzt werden. Denn davon hängt schließlich auch die und Direktorposten von einer verstärkten Einspannung jedes überdurchschnittlick hohen Einkommens schon in Friedenszeiten besonders erfaßt werden müßten. So soll es auch gekommen fein, daß in den ersten Tagen des Mai ber Unterhaus- antrag ber Opposition kein Gehör fanb, ber hinaus- Tief auf die Aufstellung von Vermögenslisten, die einer „finanziellen Stammrolle" gleichkommen müßten. Begründet wurde dieser Antrag indirekt mit angeblichen Lücken unb Fehlern im englischen Steuerwesen, die es gestatteten, daß grö- jere Vermögen unb Einkommensbeträge unverteuert blieben. Außerbem geb achte bie Arbeiterpartei auf diese Weise ein Schema schaffen zu können, welches zuminbestens die Vorbereitung einer „Dienstpflicht des Einkommens" in Friedenszeiten garantiert unb die Gewähr bafür gibt, baß diese „Dienstpflicht" im Falle eines Kriegsausbruches so- ort eingeführt werben kann! Der Weltkrieg hat gezeigt, wie stark auch bie englische Finanz herangezogen werben muß, wenn die ungeheuren Lasten, die in jeder Hinsicht auf der Regierung ruhen, nicht zu einem Zusam- menbruch der Natton führen sollen. Im Kalenderjahr 1918 beliefen sich bie Staatsausgaben auf 2 716 780 000 Pfund Sterling. Englische Fachkenner glauben, baß in einem nächsten Krieg die finanziellen Bedürfnisse des Staates weitaus höher liegen würden, als in den Jahren 1914 bis 1918. Sie leiten aus dieser Erkenntnis die Schlußfolgerung ab, daß in einem solchen Falle neue Schritte unternommen werden müssen, um den gestiegenen Geldbedarf der Natton zu decken. Die Frage nach dem „Wie kann das geschehen?" fällt dabei zusammen mit der Forderung der Sozialisten nach der „Dienstpflicht des Einkommens". Während die letztgenannten mit staatlichem Druck arbeiten wollen, denken die „gemäßigteren" Finanzkreise an Mittel und Wege, die dem Steuerzahler die Anlage von 50 v. H. und mehr seines Einkommens in Staatspapieren und dergleichen schmackhaft machen sollen. Das Ziel aber bleibt in beiden Fällen das gleiche und lauft hinaus auf eine indirekte „Aus- zu steigern. Anläßlich der Eröffnung der in diesen Tagen in Leipzig ftattfiobenben 5. Reichsnährstanbs- Ausstellung konnte Reichsbauernführer, Reichs- ernährungsminister DarrS, hierzu überraschende Zahlen nennen, bie mehr als alles andere ben unerhörten Einsatz des Lanbvolkes und fein aufopferungsvolles Ringen um bie Ernährung ber Nation beweisen. Vergegenwärtigt man sich z. B., baß bie Erzeugung des Brotgetreides im Jahre 1938 die des Jahres 1932 bzw. ben Durchschnitt des Jahrfünfts 1928/32 um 2,3 Mill. Tonnen übertraf, die Erzeugung bes Fleisches um 500 000 Tonnen, der Butter um 100000 Tonnen und des Schweinefetts um 120 000 Tonnen, so werden Einsatz unb Opfer bes Landvolkes ohne weiteres deutlich. Mehr noch versteht man ben Erfolg, wenn man hört, daß im Jahre 1938 für rund zwei Milliarden Mark mehr Lebensmittel hätten einge- führt werden müssen, wenn diese Probukttonssteige- rungen in den wichtigsten Zweigen ber Ernah- rungswirischaft nicht erreicht worben wären! Was das bedeutet, beleuchtet schließlich bie Tatsache, daß die Gesamtausfuhr bes Altreiches trotz größter An- ftrengungen 1938 insgesamt nur den Wert von 5^ Milliarden Mark erreicht. Das sind Zahlen, die jeden zur lleberlegung zwingen, ber vielleicht im Alltag seiner Arbeit der Lanbwirtschaft fern» steht. Dabei muß man sich darüber klar sein, daß der einzelne Bauer und Landwirt diese Mehrer» zeugung unter Verzicht auf jedes Rentabilitätsstreben, auf jeden Gewinn im liberalen Sinne in mühseliger Tagesarbeit erreicht hat. Die unerhörten Anstrengungen des Landvolkes, bas in ebnem bisher selten gekannten Maße bis zur Grenze der menschlichen Leistungsfähigkeit eingespannt ist, hat auch bie übrigen Bevölkerungskreise in den letzten Monaten aufhorchen lassen. Ist es dock vielfach so, daß Bauer unb Bäuerin aus dem Hose oft bie einzigen Arbeitskräfte sind. Und dennoch setzt sich dieses Landvolk mit einer Verbissenheit sondergleichen im Kampf um die Nahrungsfreiheit der Nation ein. Denn es geht ja bei der Erzeugüngsfchlacht nicht etwa um bas Schicksal der Landwirtschaft. Das Landvolk könnte, wie Reichsbauernführer DarrS in feiner Rede unterstrich, auch ohne Erzeugungsschlacht bestehen. Vielleicht hat man vielfack draußen auf dem Acker die Empfindung gehabt, daß die akuten Probleme doch nicht in ihrer ganzen Auswirkung für das Leben der einzelnen Bauernfamilien erkannt feien. Darrä hat mit besonderer Betonung in .Leipzig vor einer breiten Öffentlichkeit seinen Dank zum Ausdruck gebracht, der ihn aufs tiefste bewege. Er wisse auch, daß es heute nicht immer möglich sei, dieses stille Heldentum freiwilliger Arbeitsleistung so zu würdigen, wie es diese Arbeit eigentlich verdient hätte. In einer nicht ■fernen Zeit werde aber das ganze deutsche Volk diese stille Arbeitsleistung seines Landvolkes segnen. Zugleich ist es auch vom Landvolk mit tiefer Genugtuung ausgenommen worden, daß d i e Staatsführung seine Sorgen kennt und entschlossen ist, zu helfen, sobald es die Entwicklung irgendwie zuläht. Als erste Maßnahme kündigte Darrd an, daß in wenigen Wochen auf dem Gebiete der Fettwirtschaft sehr wichtige Entscheidungen der Reichsregierung fallen; die von der Preisjsite her soweit irgend möglich die Voraussetzungen einer Steigerung der Fetterzeuguna geben werden. Denn bie Erzeugungsschlacht muß unter allen Umständen weitergehen! Die Erzeugung muß gehalten, möglich st sogar noch gesteigert werden. Das Landvolk weiß, daß es trotz allem durchhalten muß und es tigung zu bestreiten, aber es ist nicht notwendig, so erklärte Darre unter starkem Beifall, daß das Landvolk als Lebensguell des Volkes an ber Stadt und der Industrie stirbt. ; Es ist notwendig, daß jeder Deutsche, der für sich in Anspruch nimmt, als Nationalsozialist au gelten, sich über diese Zusammenhänge und Konsequenzen klar wird, mag er in der Stadt, oder auf dem Dorf leben. Wir müssen lernen, über unser eigenes Leben, über den Kreis unseres Alltags hinauszudenken. Wer das nicht vermag, ist nicht Nationalsozialist, vielmehr mit ben Wurzeln im Liberalismus und Marxismus steckengeb lieb en. In unermüdlicher Aufklärungsarbeit hat Reichsbauemführer DarrS als Vorkämpfer der ewigen Lebensgesetze von Blut und Boden immer wieder auf diese Zusammenhänge hingewiesen. Er hat dabei nicht im Interesse eines Berufsstandes gesprochen, sondern als der Mann, der vom Führer den Auftrag erhielt, im Interesse der gesamten Na- tion das Bauerntum wieder aufzurichten. Wilson einige Ansprüche auf Beteiligung an ber beutschen Hanbelstonnage aussprach, ging mit Lorb George bie Habgier bes Enqlänbers burch; er brüllte Wilson an: „Sie haben überhaupt kein Recht auf Reparationen. Denn Sie (bie Amerikaner) haben keine Verluste gehabt, unb was bie Menschen- , leben angeht, hat Australien mehr verloren als geben". Am 28. Juni würbe ber „Vertrag" im Ver- Sie." Man sieht hier geradezu, wie Lloyb sailler Spiegelsaal unterzeichnet. Wandern und Reisen ♦ Bäder und Sommerfrischen Armsen! Mr reifen Stadt und Land- Geschichten aus aller Welt AUSKUNFT DURCH DLEKllRVBRWAttüNQ noch einmal die Schönheit von schäft zu genießen. Flensungerhof Christlich.Erholunssbeim Post und Station Mücke in Oberhessen. — Werbeschrift auf Verlang. Friedelhausen—Zalzbödelal—Reimershausen — Sauwasen—Waldhaus—Gleibachtal—Seemühle. Wir fahren nach der Station Friedelhausen, überschreiten die Lahn sowie das am Berghang angelehnte Odenhausen und gelangen bald darauf in das anmutige, von bewaldeten Höhen umsäumte Salzbödetal mit dem gleichnamigen Orte. Nach einiger Zeit erreichen wir die reizvoll gelegene Schmelz (Sommerwirtschaft). Hier treffen wir schwarze Kreuze, denen wir am Ufer der Salzböde entlang bis zur Steinfurthsmühle folgen. Wir verlassen jetzt die Zeichen, gehen auf die andere Seite des Tales, halten uns links, steigen aufwärts nach dem hochliegenden Reimershausen, wo wir in das breite Derst'al kommen. Wir benutzen jetzt die Landstraße bis kurz vor Kirchvers, wo wir -tiet der Kreuzmühle in den Wald einbiegen, um bald darauf an das im Sauwasen idyllisch gelegene Kirchverser Schwimmbad zu gelaügen. Hier stoßen wir auf gelbe Punkte, die nunmehr unser Wegzeichen bilden. Wir steigen wieder aufwärts, genießen auf der Höhe vom Waldrand einen prächtigen Blick über das Berstal bis zu den Gladenbacher Bergen, gehen durch den sogenannten Buchenbühl, kommen am Forsthaus Waldhaus vorbei, gelangen später in das liebliche Gleibachtal und an den Hängen des Wetterbergs her bis zur Seemühle, wo das Zeichen sein müßten Spielleute um den Brunnen sich scharen, um ein Minnelied zu singen; als müßten sich lautlos die Fenster an den Erkern öffnen, durch die in Sang und Abend blondgezöpfte Mädchen lauschten." Man wandert auf schönen Waldwegen dahin. Wo gibt es schönere Wälder! Wo sind Stadt und Land so innig verschwistert! Es wird Abend. Wir kehren zur Stadt zurück und stehen unversehens vor Miltenbergs berühmtesten Haus, der mittelalterlichen Fürstenherberge, dem ältesten Gasthause Deutschlands, dem „Riesen". Barbarossa war hier zu Gast und Ludwig der Bayer, Martin Luther, Gustav Adolf und Kaiser Karl VI. Uns ist, als ob in mythischer Urzeit jene Riesen hier beim Frankenwein zu Gast gewesen wären, die aus den gewaltigen Miltenberger Steinbrüchen die Heunensäulen gebrochen hätten. So ist uns dieser Gasthof nicht nur ein historisches, sondern auch ein mythisches Haus: ein Haus der Sage. Der Main lockt. Wir besteigen ein Boot und rudern hinaus in die Fluten, um vom Wasser aus Erholung und gute Verpflegung finden Sie nicht nur in der fterne, sondern auch in den Sommerfrischen u.Gaststätten der Heimat Sommersahtt nach Miltenberg. Von Emil Baader. Unvergeßlich: diese Sommerfahrt von Buchen im Odenwald nach Miltenberg am Main. Wie schön: der Blick von der Landstraße durch den hohen Laub- wald in das malerische Tal der Morre. Das erste Dorf taucht auf, das Dorf mit dem Götzenturm: Hettiaenbeuren. Ein Odenwaldbauer steht mähend in seiner Wiese. Berge stehen um mich, erhaben und groß. Kurze Rast in Amor- bach, der Residenz des Fürsten von Lemmgen, der alten Klosterstadt des Odenwaldes. In Wellbach — wo die Ahnen der Odenwälder Komponisten Josef Martin Kraus Gastwirte „Zum Goldenen Hirsch, waren — Rast auf der Mudbrücke. Nun sind wir im weiten sommerlichen Mmntai. Stehen vor den Toren Miltenbergs, lieber die Mudbrücke schreiten wir zur Stadt. Die Stadt beginnt, die eine einzige Straße ist zwischen Wald und Wasser, zwischen Berg und Strom, zwischen roten Felsen und blauen Wogen. Als Ueberreft der alten Stadtwehr steht ein wehrhafter Stadtturm, der Spitze Turm im Westen der Stadt. Er wurde, rote das Würzburger Tor, am Ostende der Stadt, um 1400 erbaut, aus leuchtend rotem Sandstein. Das Rot des Miltenberger Sandsteins gibt dem Bild von Stadt und Landschaft ein besonderes Gepräge. Rote zyklopische Felsen, darüber Buchenwälder, von Raben überflogen: das ist Miltenberg. Nirgends begegnet man so phantastischen Jj^lien- weiten. Diese Felsen stehen da wie von Gottern und Riesen aufgetürmt. Aus solchen Felsen konnten Säulen von der Art geschaffen roerben, wie sie als Heunensäulen unweit Miltenbergs im Walde lagern. Niemand weiß, wer diese Säulen aus dem Felsen gehauen hat. Die Dolkssage spricht von Riesen. Bevor wir die Stadt betreten, lasset uns atmen den Duft des Mains. Wir treten an den Strom, der gelassen vorbeiflutet an der Stadt. Schlepper stehen am jenseitigen Ufer. Die Türme der Stadtkirche spiegeln sich am Ufer. Die Mainbrucke spannt Staubfreie, sonnige Lage — Laubund Nadelwälder — Höhenluft — Zentralheizung — Liegehalle. Tagespreis RM. 3.00 bis RM. 3.50 und 10°/o Bediemmgsgeld. asosD Wanderfahrten also Mr. Dunne keinen Finger rührte, sei doch er der intellektuelle Anwender der Notbremse gewesen und müsse dafür die 20 Schilling blechen. Ein Analphabet wird entschädigt. Ndz. Oslo. In Norwegen ist jetzt ein interessanter Rechtstreit zu Ende geführt worden, bei dem es sich um Schadenersatz für unverschuldetes Analphabetentum drehte. Der Kläger, der als Sieger aus dem Prozeß heroorging, ist ein junger Mann, der trotz der in Norwegen bestehenden Schulpflicht keinen Unterricht genossen hat. Als Waisenknabe wurde er von einem Landwirt in Hurum erzogen und beschäftigt. Der Pflegevater schickte den Jungen nicht zur Schule und die Gemeindeverwaltung der Stadt versäumte es, den Schulbesuch zu erzwingen. Das Gericht hat auf die Klage des jetzt mündig gewordenen Analphabeten den Pflegevater und die Gemeinde für ersatzpflichtig erklärt. Die Gemeindeverwaltung hat als ihren Anteil bereits 5000 Kronen an den Klä- ger gezahlt mit der Auflage, daß mit diesem Geld die fehlende Schulbildung wenigstens einigermaßen nachgeholt roirb. Leider 40 Jahre zu spät. Ndz. Stockholm. Von Gerhard Schate. Die Koffer stehen da, geöffnet, gereinigt, die halb- ‘ zerfetzten Etiketten und Hotelschilder haben wir mit < einem feuchten Lappen entfernt, die Nickelbeschläge - geputzt, das Leder blank gerieben. Ihre Bäuche 1 stehen weit offen und bereit, aufzunehmen, was wir ! an Nützlichem und Unnützem.hineintun wollen. Fahrpläne, Reiseführer und Broschüren lagen : wochenlang in der Wohnung herum, auf dem ! Büfett, im Nachtkasten, zwischen den Fugen der 1 Sessel, sogar im Schwammkorb der Badewanne. Wir haben berechnet, überlegt und ausgeklügelt, haben Programme und Reisezeiten feftgelegt und i noch einmal feftgelegt, verworfen und wieder ver- ] roorfen und von Zeit zu Zeit heimlich das Geld ! gezählt. ; Die letzten Einkäufe haben wir hinter uns, tn den Papier- und Kartonhüllen häufen sich auf dem Boden und auf den Stühlen Seife, Zigaretten, Zahnpasta, der neue Badeanzug, Schnürsenkel, Krawatten und Strümpfe. Wir fieberrt. Unruhe hat uns gepackt, wir reisen, wir reisen! Der Fahrplan wird durchblättert, noch einmal werden Abfahrts- und Umsteigezeiten geprüft. Auf den Karten und Bilderprospekten halten wir eine Vorschau ab — haben mir genug Filmpacks, nehmen wir beide Photoapparate mit oder nur den kleinen? Schön, so zu sitzen, bis in die tiefe Nacht, und zu träumen und zu phantasieren, was einen nun erwartet, was man machen könnte. Alles, was in den nächsten Tagen und Wochen kommt, ist wie ein lockendes Abenteuer. Erst in zwei lagen... nein, schon in einundvierzig Stunden geht der Zug, man möchte sich jetzt gleich in den Strudel der Sommer- Sehnsüchte stürzen. Jetzt kann man das Glück haben, in Interlaken den berühmten Apfelstrudel oder in Karlsbad Palatschinken zu essen, vielleicht findet man diesmal ein kleines Kaffeehaus, wie man sich's feit Jahren träumt: Kaffee, Kaffee, nichts als Kaffee, dazu viele Zeitschriften und Berge von Zeitungen! Und diesmal muß es werden, daß man in einer Hafenstadt, dort, wo es am Finstersten und Unheimlichsten ist, herumsteigt, daß uns eine Gänsehaut angesichts der eigenen Tollkühnheit überläuft. Den herrlichen Chiemsee sehen, diesmal, diesmal muß es werden! Alles muß diesmal Erfüllung werden, jeder Traum, jede Hoffnung, jede Vorstellung. Von Landschaften und Meeresanblicken überwältigt werden, und dann Nächte voller Süße, lauen Winden, blaffen Stern- fchnuppen und weichem, gelben Mond... Wir reifen, wir reifen, und mir find fo bereit, uns betören, uns verzaubern zu lassen. In Tirol einen Terlaner trinken — tagelang einsam wandern, im Salzkammergut oder im Schwarzwald — wie wird es sein, werden wir Unangenehmes erleben, werden sie nett zu uns sein? Wird man uns nicht enttäuschen? O, es wich alles fo schon fein, zwölf Stunden auf der Bahn, sechs auf dem Dampfer — vielleicht ist es noch ein alter Dreimastschoner? Seligkeit, auf Unmögliches zu hoffen? Wie sieht es anderswo aus, was werden sie für komische Zettel auf die Koffer kleben, werden mir interessante Dinge photographieren können? Der Paß ist ganz neu, er riecht noch nach amtlicher Stempelfarbe; das Bildchen darin hat Lisa voriges Jahr geknipst — ach, Lisa — was wird sie jetzt machen? Sie schrieb zuletzt vom Balkan, auf der Karte war eine grelle Briefmarke, richtig, Karten müssen wir unterwegs schreiben, vielleicht aus Amerika (nicht drüben, jenseits des großen Teiches, sondern aus dem gleichnamigen Städtchen in Sachsen) oder aus Buxtehude, damit Großvater endlich glaubt, daß es diesen Ort gibt. _ v Man schmeckt und fühlt schon das Flmdum anderer Menschen, die Atmosphäre uns neuer Land- striche. Es gibt da etwas Unfaßbares, das Grenzenlose, das wir greifen und liebkosen möchten, es ist alles nur das Entzücktsein vom Gedanken, von der Lust des Gefühls: wir reifen, wir reifen! Es ist ein Rausch, ein leiser, süßer Kitzel, man glaubt endlich, sich leben zu fühlen. Reisen... zurückdenken, wie es früher manchmal war, vor sieben Jahren, als man in Rom, angesichts der Peters- kirche, feststellen mußte, daß man die Brieftasche verloren hatte. Aber vor drei Jahren, in Ostpreußen, in den uralten Märchenwäldern und dem Gewimmel der zahllosen kleinen Seen — — war das schön, war das herrlich! Ganz erwartungsvoll sind mir, hingebungsvoll, bereit zu allem, wirklich zu allem bereit, denn wir sind so glücklich... wir reisen... wir reisen! sich über den Strom. Durch die Stadt wandernd, schaut man durch schmale Gäßchen immer wieder den Strom, der das Tal geformt. Und das Grün der Buchenwälder liegt von der anderen Seite in der Stadt. O, diese köstliche Miltenberger Hauptstraße! Die Wirtshausschilder „Zum Schiff", „Zur Rose" hängen in die Gasse hinein; Marienbilder, mit Blumen geschmückt, stehen an den Häusern; Nelken hängen von Blumenbrettern, Fachwerkhaus steht neben Fachwerkhaus, eines schöner als das andere, erker- aeschmückt, an Schnitzereien so reich. Alte Adelshöfe stehen zwischen den Bürgerhäusern; so der alte Rüdtsche Hof, seit 1720 kurmainzisches Oberamt — vor dieser Zeit hatten die kurmainzischen Burggrafen in der alten Mildenburg hoch über der Stadt ihren Sitz —, seit 1849 bayerisches Bezirksamt. Auch der Pfarrhof am Schnatterloch, in welchem zuvor die Mainzer Amtskeller wohnten, war vor 1625 ein Adelshof. Nun stehen wir im Herzen Miltenbergs: an einem der schönsten Plätze Deutschlands, am Miltenberger Marktplatz, mit dem Schnatterloch. Es fallen mir Sätze eines fränkischen Dichters ein. ,Hst's nicht, als Ende findet. Don hier benutzen wir das Postauto zur Heimfahrt. Wanderzeit 5 Stunden. Gießen—Meseck — hangelslein—Daubringer Pah— Staufenberg—CoUar. Auf bekannten Wegen wandern wir nach unserem Vorort Wieseck, das wir durchschreiten, um vom Friedhof ab roten Keilen zu folgen. Diese führen uns ein großes Stück über freies Gelände zum bewaldeten Hangelstein. Wo das Zeichen nach links abbiegt, verlassen wir dieses, gehen geradeaus und kommen nach einiger Zeit zum Daubringer Paß, wo sich uns schöne Ausblicke, nach rechts in das Busecker Tal, nach links in das Lumdatal mit dem Totenberg, erschließen. Der Straße, die über den Paß führt, nach links folgend, kommen wir durch das sich an den Wald anschmiegende Daubringen hinauf nach dem auf hohem Basaltkegel gelegenen, von zwei Burgen bekrönten Städtchen Staufenberg. In einem Saale der unteren Burg, die bewirtschaftet ist, hängen an den Wänden noch allerlei Waffen aus früheren Zeiten. Von dem Turm der oberen Ruine, die mit schönen Gartenanlagen umgeben ist, bietet sich eine ungemein reizvolle Rundsicht. Nach genügender Erholung steigen wir auf aussichtsreicher Straße hinab nach Lollar, von wo wir heirnfahren. Marschzeit 4 Stunden. durchlöchert war; augenscheinlich hatten ihn die anderen beiden Verbrecher ermordet, um die Deute nur in zwei Teile teilen zu müssen. In diesen Tagen hat nun eine geologische Expedition, die Forschungen in den Bergen von Colorado anstellt, das Rätsel gelöst. Die Gelehrten verfolgten den Lauf eines unterirdischen Flusses, und hab ei gelangten sie an eine Höhle, in der sie in geringer Entfernung voneinander zwei Skelette sanden. Es war möglich festzustellen, daß es sich um die beiden Banditen handelte, die vor 38 Jahren den Ueberfall ausgeführt hatten; denn man fand bei ihnen noch die Uhren, in die die Namen der Besitzer eingraviert waren. Die Umstände ließen erkennen, daß der eine der beiben Räuber von dem anderen durch einen Revolverschuß getötet war, aber auch der letzte Ueberlebende hatte die Frucht seiner Verbrechen nicht genießen können, sondern war der Kälte und dem Hunger erlegen. Dis jetzt ist es noch nicht möglich gewesen, die große Menge Goldes wie- derzufinden, die von den drei Barchiten erbeutet worden war, aber man glaubt, daß das Gold in der Höhle versteckt worden fit, und die Nachforschungen werden fortgesetzt. Die Notbremse und die Schweiegrmutter. Ndz. London. Es gibt im Strafrecht den Tatbestand der „intellektuellen" Urkundenfälschung, die dadurch entsteht, daß der Schuldige falsche Angaben machte, die dann von einem Beamten gutgläubig in eine Urkunde eingetragen wurden. Der Tatbestand des „int eilet- tueUen" Notbremsezeichens ist aber eine neue Erfindung, die jetzt ein Londoner Richter gemacht hat. Er verurteilte oeswegen den Mr. L. R. Dunne aus Wales zur Zahlung von 20 Schilling. Der Verurteilte hatte auf der Heimfahrt von einem Besuch bei seiner Schwiegermutter seine schlechten Erfahrungen bei diesem Besuch den Fahrtgenossen im Eisenbahnabteil mitgeteilt und im Anschluß daran schlimme Worte über Schwiegermütter im allgemeinen gesagt. Die Fahrtgenossen protestierten erregt, denn es waren zum größten Teil selbst Schwiegermütter. Mr. Dunne aber ließ sich nicht beschwichtigen und verschärste seine Verwünschungen der Schwiegermütter so sehr, daß eine der gekränkten Damen erklärte, sie halte es nicht mehr aus und werde das Abteil verlassen. Das war während der Fahrt nicht möglich. Kurz entschlossen zog nun die Verteidigerin der Schroiegermutter-Ehre die Notbremse. Das kostet 20 Schilling, wenn es nicht zur Abwendung von Gefahr für Leib und Leben geschieht. Die Dame zahlte nicht, sondern verlangte gerichtliche Entscheidung. Diese ist nun im Sinne ihrer Rechtsauffassung ergangen. Der Richter war mit ihr der Meinung, daß man einer Schwiegermutter nicht zumuten könne, wehrlos fortgesetzte Kränkungen der Schwiegermütter anzuhören. Wenn trotz chres Protestes Mr. Dunne damit nicht aufhörte, so habe sie sich in einem durch ihn verschuldeten Notstand befunden, aus dem sie sich nur durch das Ziehen der Notbremse befreien konnte. Obgleich Die Lache mit den falschen Zähnen. Ndz. Sydney. In Sydney wird augenblicklich viel über das Abenteuer eines alten Soldaten gelacht, der bei einer Wiedersehensfeier feines Bataillons beträchtlich zu tief ins Glas geguckt hatte. Als er in später Stunde mit der Taxe an seinem Haus ankam, teilte er fest, daß er keinen Pfennig Geld mehr bei ich hatte. Unter dem Eindruck des dumpfen Emp- indens, daß es besser wäre, seine Frau nicht im Schlaf zu stören, kam er auf die Kateridee, dem Chauffeur sein falsches Gebiß, das er am nächsten Tage gegen das Fahrgeld einlösen wollte, als Sicherheit zu hinterlegen. Der Chauffeur mag sich nicht schlecht geärgert haben, daß sein Fährgast nicht zahlen konnte. Er nahm das Gebiß, fuhr davon und — ward nicht mehr gesehen. Vergeblich harrte der Zahnlose den ganzen folgenden Tag auf die Ablieferung seines Gebisses. Schließlich blieb ihm nichts übrig, als durch ein Zeitungsinserat den ungalanten Chauffeur zu bitten, ihn gegen Ersatz aller Spesen von der Qual zu erlösen, sich ausschließlich von Brei, gewürzt durch Kernsprüche seiner Gattin, ernähren zu müssen. Der Ueberfall auf den Colorado-ExPretz. C. K. Washington. Erst heute, nach 38 Jahren, ist es möglich gewesen, das Geheimnis völlig aufzuklären, das bis dahin über einem Verbrechen schwebe, das als der Ueberfall auf den Colorado-Expreß in der amerikanischen Kriminalgeschichte bekannt war. Im Jahre 1901 sollte eine Goldlädung von der Colorado-Eisenbahn von Denver nach Trinidad gebracht werden; aber der Zug, der sie mit sich nahm, kam nicht an seinem Bestimmungsort an. Als man nachforschte, fand man, daß die Schienen in berJRäfye von Pan- tano ausgerissen waren, und der einzige Mann, der bei dem Ereignis mit dem Leben davongekommen war, der Heizer, berichtete, daß drei maskierte Banditen mit Revolverschufsen die fünf Polizisten, die den Zug begleiteten, und den Lokomotivführer getötet hatten und dann mit ihrer Beute davongeritten waren. Der Heizer selbst war verwundet und von den Räubern für tot gehalten worden; er war nicht imstande, eine genauere Beschreibung der Verbrecher zu geben. Der Ueberfall erregte damals das größte Aufsehen, und die gesamte Polizei von Colorado wurde aufgeboten, die Mörder festzustellen und zu ergreifen. Bei der Verfolgung der Spuren der Banditen fand der Sheriff von Trinidad drei Pferde, von denen ermittelt wurde, daß sie einem Farmer in Denver gehörten. Dieser benachrichtigte sogleich die Polizei, daß seine drei Cowboys seit einigen Tagen verschwunden waren, und so war es möglich, die Banditen festzustellen, aber es gelang trotzdem nicht, eine Spur von ihnen zu finden. Allem Anschein nach waren sie in das Bergland von Colorado geflüchtet. Ein Hirte entdeckte später in diesem Bergland auch die Leiche eines der Räuber, die von Geschossen Das Postamt des schwedischen Städtchens Gagn, bro ist seit einigen Wochen mit Arbeit, und zwar mit nutzloser Arbeit überhäuft. Täglich laufen große Mengen Briefe und Karten mit Bestellungen an eine Wein- und Spirituosenhandlung ein. Sie müs- en als unbestellbar zurück gesandt werden, da diese Firma schon seit 1904 nicht mehr existiert. Das Rätsel dieser Hochflut von Bestellbriefen für eine nicht mehr existierende Firma ist jetzt durch einen Postschaffner gelost worden. Er fand in einer Wochenschrift eine Notiz mit der Überschrift: „So gut hatten es die trinkfrohen Schweden im Jahre 1899". Und dann folgte der Abdruck eines Inserats, das vor vierzig Jahren die fetzt verschwundene Firma in Gagnbro veröffentlicht hatte. Die in dem Inserat angegebenen Kognak-Preise sind im Vergleich zu den heutigen so niedrig, daß viele Leser in ihrer reudigen Ueberräschung die Ueberschrift übersehen und sich nur an das veraltete Inserat gehalten ha- ben. Sie sind aber mit ihren Bestellungen vierzig Jahre zu spät gekommen. Das bösartige Pferd. Ndz. Kopenhagen. Der Pächter vom Moskovgaard bei Skorping hat mit seinem Reitpferd recht üble Erfahrungen machen müssen. Der Mann hatte auf dem Felde das Pferd angebunden, hatte seine Jacke ins Gras geworfen und sich dann ins Gebüsch begeben, um eine dringende Angelegenheit zu erledigen. Bei der Rückkehr sah er mit Schrecken, daß sein Roß die Brieftasche aus der Jacke genommen und zum größten Teile verspeist hatte. Es kaute gerade an einem Scheck und hatte einen Fünfzigkronenschein bereits verdaut. Der boshafte Charakter des Tieres offenbarte sich darin, daß der Gaul zwar das Geld gefressen, zwei unbezahlte Rechnungen aber unversehrt gelassen hat. Eine Erinnerung an das Jahr 1816. AS. Paris. Auf dem Landungssteg des Seine-Quais am Pont Alexander III. spielte sich dieser Tage ein merkwürdiges Schauspiel ab. König Ludwig XVIII. hatte auf dem Landungssteg mit seinem ganze Hofe Platz genommen und wartete gespannt auf das Erscheinen der „Elise". Als sie erschien, begrüßten der König und sein Hof mit allen Zeichen größter Freude die „Elise". Die „Elise", die an einem schönen Frühlingstage 1939 am Seine-Quai anlegte, war die getreue Nachbildung jenes Schiffes, das am 29. März 1816 an der gleichen Stelle anlegte nach einer abenteuerliche Fahrt, die gleichzeitig eine historische Tat war. Jene „Elise" hatte nämlich 1816 als erstes Dampfschiff, von London kommend, den Kanal überquert und war die Seine hinauf bis nach Paris gefahren. Das Abenteuer wäre beinahe, schlecht ausgegangen. Mitten im Kanal erhob sich ein für die damaligen Verhältnisse starker Sturm, den die kleine „Elise" nur durch den Mut und die Kaltblütigkeit ihres Kapitäns, des Franzosen Andriel, Überstand. Als die Wellen am höchsten gingen und die Radschaufeln unter dem Druck der Wassermassen abgerissen zu werden drohten, da meuterte die aus Franzosen zusammengesetzte Besatzung und wollte das zwanzig Meter lange Schiff feinem Schicksal überlassen. Der Kapitän zog seine Riesenpistole, aber auch diese hätte auf die Dauer wohl nichts genützt, wenn der Sturm sich nicht gelegt hätte und so nicht nur die Wellen, sondern auch die Gemüter der Mattosen beruhigt wurden. Die Fahrt endete bann ohne weiteren Zwischenfall. Zur Erinnerung an diese erste Kanalfahrt eines Dampfers wurde den Parisern aus Anlaß der Außenhandelswoche bas oben beschriebene Schauspiel geboten. Derzahme" Tintenfisch. Ndz. Neuyork. Von einem eigenartigen Abenteuer in dem berühmten Aquarium der Bermudas-Inseln berichtet das „National Geographie Magazine“. Das Bermudas-Aquarium ist ein kleiner Meeresarm, in dessen kristallklares Wasser die Besucher gegen eine bestimmte Gebühr in Taucher-Ausrüstung hinab- gelassen werden. Als eine Dame gerade unter Wasser war, machte der sie beobachtende Mann an der Luftpumpe eine beängstigende Entdeckung. Gantz gegen die sonstige Gewohnheit dieser Tiere hatte ein mächtiger Krake das Aquarium aufgesucht und sich der Dame genähert. Diese zeigte jedoch nicht die mindeste Anast, und gab auch nicht das Signal zum Aufziehen. Als sie nach der üblichen Frist aus dem Wasser und aus der Taucherausrüstung gestiegen war, beglückwünschte sie der Beamte zu der Furchtlosigkeit, die sie dem gefährlichen Meerestter gegenüber bewiesen habe. Erstaunt erwiderte das junge Mädchen: „Ich habe natürlich geglaubt, es wäre ein zahmer Tintenfisch, der dem Aquarium gehört". Nachttäglich bekam sie doch einen kleinen Schüttel- । frost. __I 1^ _______ Das nervenberuhigende Heilbad Sal-, Lithium-, Schwefel- u. Stahlquellen DUVI WMI&I Herz- u. Gefäßleiden - Rheuma Pauschal-^Vergünstigung,kuren! Auskft. d. Hessische Badedirektion E r $ ch ö p f U n g $ Z U S t ä n d e-Katarrhe üaaMUttUUUj Moorbad $i£ bannen 5(ß(Doti£n,^»g^y| Afrikas .V V) *-. / «- - z f * << '-X |Z ; . ."( •: '^:- Schleussner ^po°'l 1 . ,;L mich so arbeifsfreudig und arbeitsfähig wie seit Jahren nicht.^ So schreibt Adolf Kraof, Schriftleiter, Zeulhen/Mark am 12.8.35 über OUlCKmit Lezithin für Herz und Nerven Besucht die Beidisgactcnldiou Stuttgart | Herzkraft | .. lierr-Ängst? Atemnot, Schwin, delgefühl. Herzklopfen, Krampfzustände und Erschöpftsein? - Das Herz durch „Herzhaft" schonend stärken! — Flasche RM. 2.70, nur in Apotheken. KleineAnzeigev im Gießener Anzeiger werden von Tausenden beachtet und aeleie» I/*" Zhre Vermählung geben bekannt Erich Hochstatter Hildegard Hochstatter geb. Höhle Gießen io.3unii939 Vrandplatz 1 Gartenstraße 36 V 4225D Ihre Vermählung geben bekannt Franz Klar! Agnes Klarl, geb. Homann Gießen (Marktplatz 5), Ium 1939 02887 Ihre Vermählung geben bekannt Otto Winzer Hilde Ilse Winzer, geb. KondinHorn Gießen (Marktstraße 28), io.3uni 1939 02895 10. Juni 1939 02896 Mainz-Mombach Iohnstraße 42 Gießen Horst-Deffel-DaN 39 Hermann Klamp Elli Klamp, geb. Lust Vermählte OEBR. IMHEUSER am Markt 4208 A Das Fachgeschäft für Dämons und Mädchenkleidung - HÜTE Trauringe echt Goid Seltersweg 47 732D Frankfurt a. M. Foto-Wettbewerb für.alle Amateure im RheirbMdin-Bezirk und den anschließenden Gebieten. Auskunft ;beim Fofohändler oder bei Neunzehnte Ziehung der Auslosungsrechte der Anleiheablösungsschuld des Deutschen Reichs. Bei dei am 5. Juni 1939 erfolgten öffentlichen Ziehung der Auslosungsrechte wurden folgende Nummern gezogen: 4 59 110 293 308 347 396 516 604 631 634 700 773 877 947 1170 244 267 340 361 423 546 611 713 761 858 864 882 2011 075 107 175 332 426 576 596 609 617 697 707 708 710 748 750 753 767 916 3028 063 114 160 171 318 356 359 398 438 562 585 656 754 4221 353 386 429 479 482 535 551 557 563 592 598 634 641 713 763 938 5002 208 406 418 599 728 867 906 912 971 6003 067 076 275 303 410 497 538 715 801 815 833 891 904 905 954 973 7073 216 236 244 283 350 399 416 454 468 544 690 775 792 820 868 883 931 8000 066 083 147 173 204 372 424 441 504 514 566 579 674 701 808 874 912 9004 005 018 054 062 106 149 181 279 402 511 576 595 596 821 893 10016 037 048 148 286 314 401 418 430 528 566 601 631 693 743 855 896 11041 104 132 238 246 491 520 569 633 651 720 724 757 760 800 824 834 835 908 1 2031 060 089 094 133 174 198 229 298 311 393 405 432 510 522 585 655 765 818 861 907 912 1 3115 166 209 227 231 315 371 408 411 418 460 462 471 544 625 913 993 14066 067 199 246 363 481 509 595 630 671 693 740 746 821 958 961 980 15020 115 116 197 265 353 377 397 448 518 573 580 671 734 767 905 924 948 985 1 6050 103 148 213 391 515 543 552 642 692 708 850 858 924 999 1 7038 094 159 228 270 286 318 332 336 568 605 645 653 655 677 820 903 969 991 18005 041 076 113 200 219 252 311 424 425 578 611 650 681 697 791 937 1 9036 091 220 227 257 319 320 361 553 615 775 794 930 973 20144 160 269 272 289 394 438 450 594 700 745 811 887 934 978 2 1080 113 198 357 380 405 473 505 537 712 793 930 952 2 2004 045 103 105 146 193 195 246 313 388 389 443 665 717 763 805 826 888 918 2 3002 123 233 250 311 312 386 492 616 638 695 706 708 717 729 736 928 986 24013 050 145 201 236 257 277 352 520 530 531 534 537 615 627 651 716 776 779 852 910 921 923 938 954 25029 031 055 064 081 128 182 481 495 621 641 655 725 752 825 830 853 939 2 6067 095 110 131 149 266 267 322 336 441 582 592 686 741 766 785 797 811 917 939 27010 125 168 294 396 403 505 670 716 733 767 808 832 961 976 2 8046 095 162 184 234 540 588 765 796 989 2 9011 017 219 330 534 599 675 694 790 791 794 930 974 991 30032 036 041 116 210 391 641 644 665 754 775 831 871 890 897 989 31218 241 277 312 349 367 432 497 555 564 606 650 685 799 825 852 895 967 972 3 2000 103 114 153 210 212 286 293 307 351 390 409 531 615 631 695 722 811 816 849 885 990 3 3095 228 287 326 327 393 504 567 747 795 867 931 953 962 3 4036 096 103 139 165 254 310 364 452 604 644 35000 029 065 247 315 372 395 448 517 530 593 594 626 645 790 821 826 855 930 948 950 959 3 6001 050 097 103 309 310 317 489 614 723 751 786 834 925 928 929 3 7067 094 245 313 408 502 590 681 735 769 784 900 901 998 3 8212 227 344 358 604 614 693 767 8D 866 39021 041 043 146 163 206 310 375 376 440 498 718 727 770 801 830 40093 200 366 377 380 564 601 700 798 926 990 996 4 1013 017 020 065 122 329 349 351 358 382 403 423 428 611 763 870 882 974 991 42141 268 290 299 323 442 461 500 520 556 628 655 678 700 725 750 792 895 921 43064 152 176 188 245 293 346 445 467 483 524 626 630 702 733 737 827 895 4 4038 087 205 252 387 523 536 540 550 680 762 769 798 941 45025 029 085 244 466 551 575 653 740 846 4 6010 181 203 229 270 303 316 393 507 559 568 573 592 694 765 793 838 882 886 979 4 7016 073 115 125 322 327 386 388 513 649 754 773 812 892 4 8013 031 122 167 317 422 437 457 507 513 521 542 559 576 579 647 677 747 750 896 952 995 4 9020 130 163 226 351 419 729 764 776 802 815 831 863 984 992 50031 055 061 155 166 192 197 201 226 235 305 375 384 420 454 512 514 558 583 600 688 713 834 868 927 5 1006 027 078 159 167 280 346 455 471 473 506 600 679 694 726 848 5*2082 105 191 420 499 514 606 622 632 651 741 755 768 816 819 826 850 932 5 3017 034 054 196 298 369 390 411 440 461 522 535 541 556 563 564 578 681 695 771 823 892 971 986 54025 069 080 226 266 611 662 738 786 789 804 833 948 960 980 5 5006 032 068 094 103 141 256 446 489 523 620 685 825 889 894 977 5 6122 422 486 493 600 746 775 837 875 878 57024 093 235 260 302 310 547 563 570 590 600 608 609 650 707 775 830 876 975 987 5 8009 St 342 33?k 350 356 377 393 399 470 487 514 536 S 6d. Diese Vergrößerung des Wohn- raums und die Einrichtung des Bades ist die Gegenleistung für den gegenüber den anderen Wohnungen hier etwas höheren Mietpreis, der sich aber immer noch innerhalb einer Grenze bewegt, die auch für den wirtschaftlich nicht allzu starken Mieter durchaus annehmbar ist. keit des verabfolgten Nahrungsmittels entsprechend im einwandfrei sauberen Zustand zu halten. Für Personal und Bedienung der Küche und Gäste ist saubere Berufskleidung notwendig. Schaugerichte find vor Verstaubung zu schützen. Schließlich hat die äußere Aufmachung (Fenster, Schilder, Transparente usw.) einer tatsächlichen Werbung für den Fischverbrauch zu entsprechen. Zu beachten ist, daß Fischfachgeschäfte ober sonstige Labengeschäfte mit einer Fischbrateinrichtung im Die Gemeinnützige Wohnungsbau G. m. b. H. Gießen als Trägerin und Vollstreckerin ber Wohnungsbaupläne ber Stadtverwaltung wirb in diesen Ta- aern zwei Wohnungsbauprojekte in die Tat um- fetzen lassen, die für die Beschaffung von zweckentsprechendem Wohnraum besondere Bedeutung und ihm ein Stückchen Pachtland zugewiesen wurde. Es war wohl noch rohes, unbebautes Land, aber ber Spaten und mühevolle Kleinarbeit sorgten dafür, daß auch hier bald Gemüse und Blumen ganz prächtig gediehen. Welche Gefühle beseelten die Besitzer, Pächter und Kleingärtner, als sie zum ersten Mal die ungewohnte Arbeit des Grabens vornahmen! Müde kehrten sie heim in ihre Wohnung, aber beglückt von dem Gedanken, nun wieder verbunden zu fein mit ber Mutter Erbe. Die Säearbeit liegt nun hinter ihnen. Das Grün zeigt sich. Und bann kommt der Tag, an bem die ersten Radieschen geerntet werden! Auch die Erbsen reifen schnell. Wir können uns gar kein glücklicheres Gericht vorstellen als bas des Kleingärtners, wenn er bann heimkehrt und schon von weitem mit dem Bündel roter Radieschen winkt. Auf bem Markt kann man sie ja kaufen. Aber wieviel Freude macht dieses selbst- gezogene Gemüse! Das ist der Segen ber Arbeit, der Segen der Erde. Er allein bringt Glück und Zufriedenheit. Die wahre Erholung nach der Berufsarbeit im Büro ober in der Fabrik bleibt immer noch die Natur da draußen. Das zeigen uns diese kleinen Schrebergärtchen, die fast ausnahmslos auch eine Laube Haden. Meistens werden sie von den Besitzern selbst mit den einfachsten Mitteln hergestellt. Ost sehen wir aber auch ganz wunderbare Stübchen mit Tisch und Ruhebank. Und ringsum Blumen über Blumen! Besonders in den Städten können sich die Kleingärtner nicht genug tun in ihrem Gärtchen. Jede freie Stunde verbringen sie dort. In der Laube steht vielleicht ein Spirituskocher, Wasser ist da, und ein einfaches Abendbrot ist schnell hergestellt. Für die Kinder ist dieser Garten bas reinste Paradies. Wenn im Hochsommer die Beeren reifen, wenn auch die Kinder, die meistens noch ein besonderes Beet haben, beim Pstiücken helfen können, bann herrscht Jubel im ganzen Hause. Wie oft sitzen die kleinen Gärtner bann abends vor der kleinen Laube, überschauen ihr Tagewerk und freuen sich an bem Wachsen unb Gedeihen der Pflanzen, lleberalt schallt bas Lachen der Kinder. Da und dort sehen wir einen Kinderwagen. Aber auch für die Erwachsenen bedeutet der Garten einen Kraftguell. Immer unb immer wieder lockt er, hinauszukommen in die frische Luft. Arbeit gibt es immer. So wirb uralte Sehnsucht nach der Erde, nach ber alten bäuerlichen Arbeit zur Wirklichkeit. Immer wieder fühlen wir bei dem Werken im Garten den Segen ber Erde. H. NS-GeMiuWsl M Kraft Out® Stenöe Rund um Schollen. Am 19. Juli Omnibusfahrt zum nationalen Rennen in Schotten. Fahrpreis einschließlich Eintritt RM. 4,—. Anmelbungen in unseres Kartenverkaufsstelle Seltersweg 60. 4187V gönnen werden kann. Im Anschluß an die von der WohnungsbauGmbH. im Verlaufe der letzten Jahre errichteten 360 Wohnungen in’ der Schwarzlach wird in den nächsten Tagen bas neue groß e W o h n u n g s- Richard Strauß. Zum 75. Geburtstage am 11. Ium. „Am 11. Juni 1864 wurde hier Richarb Strauß geboren." So lautet die Inschrift über den Fenstern des ersten Stockwerkes des Hauses Nr. 2 am Altheimereck in München. Der Vater, Franz Sttauß, war königlich bayerischer Kammermusiker ber Hofoper unb Professor ber Münchner Musikschule. Die Mutter aber stammte aus eben diesem Altmünchner Durchhause zwischen der Neu- hauserstraße unb bem Altheimereck, in bem seit Generationen bas altbekannte Pschorr-Bier gebraut wirb. Auch bei ben Pschorrs stand die Musik hoch In Ehren, unb so warb — wie bei Mozart, bei Liszt unb anberen unserer großen deutschen Musiker — auch bei Strauß die Musik schon Lebensinhalt, bevor er noch lesen unb schreiben lernte. Zwar hat Strauß nie ein Konservatorium ober eine Musikakademie besucht, aber vom vierten Jahre an musizierte er, und seine früheste erhaltengebliebene Komposition — ein Weihnachtslieb — entstand im Jahre 1871, während der Achtjährige bereits eine Orchester- komposition, die Ouvertüre zu einem Singspiel „Hochlands Treue", schrieb. Auf ber künstlerischen Lebensfahrt von Richard Strauß waren es bann zwei alte andere deutsche Kulturzentren, die für sein Werden unb für seine äußeren Erfolge von großer Bedeutung wurden. WÄrend nämlich Richard Strauß zunächst auch bei seinen Münchnern die wohl überall gültige Regel erfahren mußte: „Weil er vom Ort gebürtig wär, meint Ihr, wärs net weit mit ihm her", wurde — eit Ernst von Schuchs Tagen — die Dresdner Oper die traditionelle Uraufführungsbuhne der Straußschen Opernwerke. Daß Wien, die alte Musik- ftabt, den Schöpfer des „R o s e n f a d a I i e r" bald auch äußerlich an sich zu fesseln suchte, geht nicht nur aus seiner Wiener Direktorialzelt an der Hos- oper hervor, sondern kommt auch in der Schenkung eines Stadtpalais an ihn zum Ausdruck. Und noch eine dritte traditionelle Region deutscher Kunst muß im besonderen Hinblick auf Schicksal und Werk von Richard Strauß genannt werden: Thüringern Schon nach ber Enttäuschung seiner erstmaligen Tätigkeit als (dritter) Kapellmeister an ber Münchner Oper hatte Strauß im Lande Thüringen Ermunterung unb freiere Betätigungsmöglichkeit, durch bie Berufung durch Hans von Bülow nach Meiningen, gefunden. Dort auch hatte er zuerst eine innere Beziehung zu der von seinem Vater — dem „Antt- magnerianer" — schroff abgelehnten Lißt-Wagner- Schule gefunden. Bald war dann mit dem „Macbeth" bie „Hinwendung zur einsätzigen Programmsymphonie manifestiert worben, womit bie stil- bilbenbe Mission des in Liszts Fußtapfen tretenden Pragmatikers ihren Anfang nahm" (Fritz Gysi). Hatte durch Meiningen Richard Strauß zuerst mit ber „neubeutschen" Musik innere Fühlung gewonnen, von ber her bie weitere Entwicklung seines ganzen Schaffens bestimmt wurde, so ergab sich in Weimar, ber Stabt Liszts (wo man Strauß 1889 die musikalische Leitung des Theaters übertragen hatte) neben einem wesentlichen persönlichen Erlebnis, der Bekanntschaft mit seiner späteren Gattin, ber damals in Weimar engagierten Sängerin Pauline d e A h n a — 1894 bie Möglichkeit der Aufführung seiner ersten Oper, des später feierlich „begrabenen", aber doch als Anfang der Schaffensreihe des Opernkomponisten Sttauß wichttgen „Guntram". 1898 im Herbst schloß Strauß einen Vertrag mit ber Berliner Hofoper ab, unb um diese Zeit begann fein künstlerischer Durchbruch in der Öffentlichkeit. Strauß wurde als Gastdirigent nach Paris, Neu- york, Südamerika unb Italien eingeladen, unb auch ber Kampf um München endete jetzt für ihn mit einem vollen Sieg. Eine enorme Tätigkeit für das deutsche Musikleben füllte bie folgenben Jahrzehnte neben ber Arbeit an seinen Orchesterwerken unb ber ebenso reichen Opernprobuktion von ber „Salome" bis zum „R o s e n k a v a l i e r" aus. Zahlreiche Aemter wurden ihm unterstellt. Erft seit bem sechzigsten Lebensjahr zog er sich allmählich von allen diesen Pflichten zurück, um in ben Bergen seiner Heimat, in Garmisch, sich ganz bem künstlerischen Schaffen zu wibmen. Doch folgt er — burch seine körperliche Rüstigkeit begünstigt — bis in unsere Tage häufig einem Ruf als Gastbirigent bei Neuaufführungen seiner Werke unb erweist sich noch immer als einer ber feinsinnigsten Interpreten der Opern unb ber Symphonien Mozarts. Vorübergehend stand Richard Strauß auch an ber Spitze ber Reichsmusikkammer. Das so weittäumige Lebensschicksal bes erfolgreichsten unter ben Komponisten hat eine merkwürdige llebereinftimmung mit bem Schicksal seiner künstlerischen Sendung. Auch hier zeigt sich — fo= wohl in ber äußeren Motivwahl seiner symphonischen unb seiner Bühnenwerke wie in der Gleichzeitigkeit unb Vielseitigkeit im Thematischen ein oft erstaunlicher Wechsel. Dem in noch völlig abhängiger Wag- nernachfolge entftanbenen minnesängerlichen „G u n- tram" folgt der Sprung zu den ekstatischen (aus orientalischem unb äntikischem Milieu geholten) Opern „Salome" (Uraufführung Dresden 1905) unb „Elektr a" (Dresben 1909). Don ba geht es zu ber altwienerischen Rokoko-Komödie für Musik, bem „R o s e n k a v a li e r" (Dresben 1911). Dann wieder ein antikes Thema, wenn auch jetzt in einer zur düster-tragischen „Elektra" geradezu gegensätzlichen Auffassung von der Antike: „Ariadne auf N a x o s". Abermals ein orientalisches Motiv, das Traum- und Märchenspiel der „Frau ohne Schatten". Danach die bajuvarisch-bürgelichbreite „Komödie mit symphonischen Zwischensätzen" „Intermezzo" (Dresden 1924). Nach einem mythologischen Thema „Die ägyptische Helena" kehrt er wieder wie im „Rosenkavalier" stofflich an das Altwiener Milieu zurück, wenn auch bis tief in die Musikalität hinein mit manchem slawischen Vorzeichen: „Arabella". Von den beiden neuesten Werken greift der „Friedenstag" zum ersten Mal ein Thema aus der deutschen Geschichte auf (westfälischer Friedensschluß), um mit der vorläufig letzten Oper „D a p h n e" wiederum in den antiken Mythos einzumünden. Ohne formalisttsches Epigonentum, sondern aus der Freiheit und Ursprünglichkeit seiner eigenen Musikalität setzt Strauß in unserer Epoche die Traditton der deutschen Musik fort. Rudolf Adrian Dietrich. Menschen auf dem Meeresgründe. „Taucher sein ist der schwerste Beruf in der Welt", sagt der ftanzösische Taucher Charles Courouble, der in seinem Leben angeblich sünfzehntausendrnal getaucht hat. «Fein Beruf ist lebensgefährlicher, keiner so von plötzlichen Zufällen abhängig. Es kommt nicht.nur auf Geistesgegenwart und Entschlossenheit an, sondern auch auf eine allen Strapazen gewachsene Gesundheit." 1912 tauchte Cou- rouble zu dem gesunkenen Schiff „Elisabechville" an der westaftikanischen Küste. Als er in der Kapitänskajüte war, kam plötzlich die Seedrift auf, unb bas Wrack schwankte hin unb her. Courouble hatte bie mit Eisen beschlagene Tür zwar sorgfältig festgemacht, boch sie schlug bei einer besonders heftigen Bewegung des Schiffes mit großer Gewalt zu unb — schnitt ihm den Luftschlauch durch. Courouble konnte später kaum noch berichten, welche Gedanken er bei dieser Katastrophe gehabt hat. Fest steht wenigstens, daß sein Kopfhaar beim Abnehmen bes Taucherhelms weiß war. — Die Juni-Folge von „W e st e r m a n n s-M o n a t s h e f t e" bringt einen interessanten Aufsatz „Taucher in Not", in dem von Schätzen auf dem Meeresgrund, der Ursache der Unterseekrankheit, den Versuchen mit Helium, Opfern eines U-Boot-Unglückes usw. berichtet wird. Hochschulnachrichten. Geh. Rat Professor Dr. Rudolf Fick, der ehemalige Ordinarius für Anatomie an der Universität Berlin, ist im 74. Lebensjahre g e st o r b e n. Er gehörte u. a. der Preuß. Akademie der Wissenschaften, der Akademie ber Wissenschaften in Bologna, der Bayr. Akademie ber Wissenschaften unb ber Kgl. Gesellschaft ber Wissenschaften in Upsala an. Sem Hauptarbeitsgebiet war Gelenk- unb Muskelmechanik, worüber er ein breibänbiges Handbuch veröffentlicht hat. Auch mit den Grundlagen der Vererbungslehre hat sich der Gelehrte befchäfttgt, wie aus feinen Werken „Eireifung unb Befruchtung" unb „Dererbungsfragen" hervorgeht. In ber Festsitzung ber Mathematisch-Naturwissen- schriftlichen Gesellschaft zu Jena aus Anlaß der 150. Wiederkehr von Schillers Antrittsvorlesung wurde dem Professor an der Technischen Hochschule zu D a r m st a d t Dr. Carl Wagner die 1939 ge- stiftete Denkmünze in Anerkennung seiner Leistungen auf dem Gebiet der physikalischen Chemie ver- liehen. Dem Dozenten Dr. Kurt Stegmann an der Universität Marburg wurde der Auftrag zur vertretungsweisen Wahrnehmung des freien Lehrstuhls für vergleichende Sprachwissenschaft an der Universität Rostock bis 30. September 1939 verlängert. Dr. Stegmann habilitierte sich 1933 in Kiel. Drei Jahre später erhielt er einen Lehrauftrag für Indogermanistik an der Universität Marburg. Im April v. I. wurde ihm die verttetungsweise Wahrnehmung der Professur für Indogermanistik an der Universität Rostock übertragen. Der Dozent Dr.-Jng. Wilhelm Bader in 8er« l i n wurde unter Ernennung zum ordentlichen Professor auf den Lehrstuhl für Theoretische Elektrotechnik an ber Technischen Hochschule Stuttgart berufen. Professor Dr. Alfons Schmitt, Ordinäres für Wirtschasts- und Sozialwissenschaften an ber Universität Jena,' wurde zum 1. Oktober d. I. in gleicher Diensteigenschaft an die Universität MÜ n- ft e r berufen. Dem Chefarzt nb. ao. Professor Dr. Otto Ulbrid) in Essen wurde unter Ernennung zum Ordinarius der Lehrstuhl für Kinderheilkunde an der Universität Rostock übertragen. Marktumschau für die Hausfrau. Nun verändert sich das Marktbild in Obst und Gemüse von Tag zu Tag, meist zur Freude der Hausfrau, die bei jedem Marktgang eine reiche Auswahl vorfindet. Schon zeigen sich Erdbeeren und Kirschen, neben den einheimischen auch italienische. Dieses Frühobst wird nun bald in allen Sorten, sauer unb süß, hell und dunkel, auf allen Märkten nach dem Käufer rufen. So kommt über Nacht die Zeit der Obstspeisen und -kuchen noch dem etwas kargen Winter. Zucker oibt es in Hülle und Fülle, da kann jede Hausfrau bei dem reichen Obft- fegen wieder an die Auffüllung des eigenen Vorrates an eingemachten Früchten denken. Die Konservenindustrie will zwar auch beliefert sein, dafür sorgen aber bereits die Sammelstellen im Erzeugergebiet. Vorerst ist hier der S p a r g e l an der Reihe, dessen Ernte zu beiden Seiten des Rheins recht gut ausfällt, aber auch von allen Seiten begehrt wird, so daß Ueberbelieferungen selbst der nächsten Gebiete nicht vorkommen. Kopfsalat und Rettiche bleiben von jung und alt bevorzugt. Statt Spinat, der bei der sommerlichen Hitze in die Blüte geht, greift man jetzt zum Frühwirsing und ersten W e i ß k o h l, die auch die Pfälzer und rheinischen Gärtner zu uns bringen. Möhren, Kohlrabi, Gewürze aller Art, auch ^Treib- gurken, bleiben die Spezialitäten der Stadtgärtner. Blumenkohl bleibt vorerst noch eine Delikatesse, zwar mit günstigeren Lieferaussichten als bei Eiern, wo die Hauptlegezeit bereits überschritten und der Markt daher auf die kleinen Inlands- und Auslandslieferungen angewiesen ist. Don den geringeren Rinderanlieferungen merkt man nicht allzu viel, weil man in der Hitze ohnedies gerne einmal vom Fleisch läßt, aber bei anderer Witterung sollte man stattdessen den billigen guten Seefisch nicht ganz vergessen. Beim täglichen Brot sollte aber auch die Hausfrau wissen, daß im Frühjahr recht viel Weizen infolge Auswinterung umgepflügt werden mußte. Nur Roggen hat ausnahmslos dem harten Frost standgehalten. Also bleibt auch Roggenbrot das tägliche Brot in unserem Vaterlande. Großkundgebung der NSDAP. Am Dienstag, 13. Juni, 20.30 Uhr, findet im Lase Leib eine Versammlung der vier Gießener Ortsgruppen der VSDAP. statt. Es spricht der Obertzebietsführer der HI. pg. Friedhelm Kemper, MdR. Jedermann ist herzlich eingeladen! Die vier Gießener Ortsgruppen der RSDAP. Ge;. Thomas, Ortsgruppenlelter. Hitler-Jugend Bann 116. Fliegergefolgschaft 1/116 Gießen. Am Sonntag tritt folgende Mannschaft der Gefolgschaft zum Mannschastsdreikampf beim Bannsportfest um 7.40 Uhr in Sommeruniform mit vorschriftsmäßigem Sportzeug auf dem Universitätssportplatz an: Scharf. Wendel: Kamf. Stratmann; Rottf. Boll; Jg. Ewald; Jg. Theiß: Jg. Reinhardt: Jg. Schuchhardt; Jg. Mueller-Leutert; Jg. Keil; Jg. Hildebrandt: Jg. Dinges. Die gemeldeten Einzelwettkämpfer treten um 8.00 Uhr an. Am Nachmittag tritt die gesamte Gefolgschaft um 16.10 Uhr am Nahrungsberg (Ecke Bergstraße) in Sommeruniform zur Siegerehrung an. Einzelbenachrichtigung durch die Kamf. findet nicht statt. Ohne BOM.-Ausweis keine Paßausstellung für Mädel unter 21 Jahren. NSG. Es besteht Veranlassung, darauf hinzu- weisen, daß Pässe für Auslandsfachrten und -reisen junger Mädel unter 21 Jahren von den Behörden nur bei Vorlage des blauweißen Auslands fahrtausweises des BDM. ausgestellt werden bzw. wenn eine schriftliche Bestätigung über die Nichtmitgliedschaft beigebracht wird. Um rechtzeitig in den Besitz dieser notwendigen Unterlagen zu gelangen, ist es ratsam, mindestens drei Wochen vor Fahribeyinn die vorgeschriebenen Formulare bei der zuständigen Dienststelle der BDM-Mädel- und Jungmädel — Untergau-Dienststellen — anzufordern. Die Grenz- und Ausländsabteilung des Obergaues veranlaßt bei der Reichsjugendführung die Ausstellung der Ausweise und stellt sie den Antragstellerinnen auf dem schnellsten Wege .zu. Diesen Bestimmungen sind auch die Nichtmitglieder des BDM. unterworfen. Weniger „Dienst am Kunden". Ein Appell der DAF. an die Hausfrauen. FWD. Das Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront wendet sich mit einem Appell an alle Hausfrauen, die verlangen, daß man ihnen ihre Einkäufe ins Haus bringt. So selbstverständlich die Lieferung schwer zu transportierender Gegenstände ins Haus ist, so heißt es in dem Appell, so unverständlich ist die Forderung, daß kleine Einkäufe, die bequem im Netz mit nach Hause genommen werden können, durch einen Lehrling oder eine Verkaufskraft gebracht werden sollen. Die Arbeitszeit aller Beschäftigten, vom Lehrling bis zum Geschäftsinhaber, ist heute sehr kostbar. Es stehen nicht mehr die Arbeitslosen herum, die durch ein paar Botengänge sich einige Pfennige verdienen wollen. Auch die Lehrlinge sollen in der Lehrzeit sich Betriebskenntnisse aneignen und nicht als Laufjungen angesehen werden: das gleiche gilt vom Verkaufspersonal, das angespannt zu arbeiten hat. Weniger „Dienst am Kunden" zu verlangen, wo dieser nicht angebracht ist, ist daher die Forderung, die das Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront an die Hausfrauen richtet. Gießener Blumenschmuck-Wettbewerb 1939. Auch in diesem Jahre veranstaltet der Fremden- nerkehrsverein Gießen e.D. wieder einen Blumenschmuckwettbewerb. Aus diesem Grunde ersucht der Verein alle Einwohner der Stadt um Ausschmückung ihrer Fenster, Balkons und Vorgärten mit Blumen. Das Ersuchen des Vereins richtet sich insbesondere auch an die Einwohner der Innenstadt. Blumengeschmückte Straßen sind für die Fremdenverkehrswerbung unerläßlich. Der Verein stellt für den Wettbewerb zahlreiche erste, zweite und dritte Preise zur Verfügung. Darüber hinaus gewährt der Verein je einen Ehrenpreis für die beste Leistung in jeder Wertungsgruppe. Die Zuteilung der Preise erfolgt durch die Bewertungskommission. Deren Urteil ist unanfechtbar: die Inanspruchnahme des Rechtsweges ist ausgeschlossen. Bei gleichen Leistungen entscheidet das Los. Segelflugzeuglandung im Hohleichgelände. Am gestrigen Freitag, gegen 13.45 Uhr, konnte man in geringer Höhe über der Lahn ein Segelflugzeug beobachten, das in ruhigem Fluge in der Richtung nach Klein-Linden flog. Nach kurzer Zeit kehrte es jedoch zurück, da der Segelflieger vergeblich versucht hatte, Aufwind zu gewinnen. Er entschloß sich deshalb zur Landung, die, unterhalb des Güterbahnhofs, glatt gelang. Das Flugzeug vom Typ der „Minimoa" war unter der Führung des Fluglehrers A l t m e y e r, Segelflugschule Schüren (Sauerland), um 9.20 Uhr in Oerlinghausen bei Bielefeld mit Hilfe des Motorschlepps gestartet und hatte nach vier Stunden etwa 160 Kilometer zurückgelegt. Gegen Abend wurde die Maschine wieder abtransportiert. Hamstern ausnahmsweise erlaubt. In einer Zeit, in der die Sommersonne am wärmsten strahlt, soll ich Kohlen einkaufen? Diese Frage wird sich manche Hausfrau verständnislos vorlegen. Den Nachdenklichen aber wird bei dieser Mahnung die Situation im letzten Winter einfallen. Die unverhoffte Kälte überraschte sie. Die Heizmittel waren nicht in genügendem Maße im Hause und konnten auch nicht immer schnell genug beschafft werden. Der Handel hat auch nur begrenzte Lagermöglichkeit und kann nicht für sämtliche Kunden genügend Brennstoffe vorrätig halten. Wenn die Hausfrau schon jetzt, also im Juni, aber auch noch im Juli, ihre Kohlen einkauft, trägt sie nicht nur dazu bei, dem Bergbau zu einer gleichmäßigen Beschäftigung zu verhelfen, sondern sie entlastet auch die Reichsbahn und schließlich ihren Kohlenhändler. Wie schwerwiegend die Produktion durch den Früheinkauf beeinflußt werden kann, wird klar, wenn man bedenkt, daß von der Braunkohle beispielsweise zwei Drittel der Gesamtproduktion für den Hausbrand verwendet werden. Wenn nun die Hausfrau bei ihrem Einkauf von Brennstoffen diese volkswirtschaftlichen Notwendigkeiten berücksichtigt, fällt auch für ihre eigene Wirtschaft, nämlich für ihre Haushaltskasse, eine beachtenswerte Entlastung ab. Die im Sommer gekaufte Kohle ist billiger, und wenn gleich für den ganzen Winter vorgesorgt wird, erhält man außerdem bei größerem Einkauf einen Mengenrabatt. Zwei Vorteile winken hier der Hausfrau, und siq wäre keine gute Rechenkünstlerin, wenn sie diese nicht ausnützen würde. Hinzu kommt noch, daß sich die Lebenshaltung im Sommer sowieso billiger gestaltet, so daß die Belastung durch den Früyeinkauf der Kohle nicht so stark empfunden wird wie in den Wintermonaten, in denen sich oft größere Anschaffungen, besonders bei der Kleidung, nicht vermeiden lassen. Die aufmerksame Hausftau wird noch aus einem anderen Grunde den Früheinkauf bejahen. Sie hat längst eine Parallele entdeckt, die sie schon als Selbstverständlichkeit durchführt: Das Einkäufen von Obst für den Winter, das Cinmachen von Obst, Gemüse und Marmelade. Auch hier nutzt sie die billigen Sommerpreise aus und schafft Vorräte für den Winter. Viele Hausfrauen meinen, sie könnten bei ihrem beschränkten Wirtschaftsgeld nicht sparen. Wenn sie aber aufmerksam ihre Ausgaben überwachen und immer dann einkaufen, wenn die Waren am billigsten sind, können sie manch heimlichen Spargroschen auf die Seite legen. Um all dieser Vorteile willen sollte die Hausftau geschwind ein Plätzchen für den Wintervorrat der Kohlen frei machen, die billigen Sommerpreise ausnützen und so wieder einmal helfen, volkswirtschaftliche Notwendigkeiten durchzusetzen. Giehener wochenmarktprelse. * G i e ß e n , 10. Juni. Auf dem heutige,i Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10%, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 8%, ausländische 10 bis 10%, junge Hähne, % kg 90 bis 100, Suppenhühner 90, Wirsing, grün 18 bis 20, Weißkraut 15, Gelberüben, neue, Bündel 15 bis 20, Spinat, % kg 18 bis 20, Römischkohl 15 bis 20, Spargel, 1. Sorte 54, 2. Sorte 48, 3. Sorte 40 bis 42, 4. Sorte 20 bis 22, Erbsen 15 bis 20, Tomaten 40 bis 60, Zwiebeln 15' bis 18, Rhabarber 10 bis 16, Kartoffeln, alte 5, 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,40 bis 4,— Mark, neue, % kg 15 bis 18 Pf., Kirschen 60 bis 80, Stachelbeeren 18 bis 40 Pf., Erdbeeren 1,50 Mark, Blumenkohl, Stück 25 bis 60 Pf., Salat 8 bis 20, Salatgurken 50, Oberkohlrabi 10 bis 20, Lauch 5 bis 10, Rettich, Bündel 10 bis 20, Stück 10 bis 20, Radieschen, Bund 10 Pf. ♦ ** Ernennung und Versetzung. Der Militäranwärter Adam Winkler in Gießen wurde zum Amtsgehilfen beim Landrat des Landkreises Gießen ernannt. — Der Verwaltungs- Anwärter Albert B r ü ck e l bei der gleichen Behörde wurde zur Abteilung III (Innere Verwaltung) der hessischen Landesregierung versetzt. ** Ein Fünfundsechzigjähriger. Am morgigen Sonntag, 11. Juni, kann der Arbeiter Wilhelm Brück, Seltersweg 55, seinen 65. Geburtstag feiern. (Herzlichen Glückwunsch!) ** Umzug des Versicherungsamtes. Die Diensträume des Versicherungsamtes befinden sich ab 13. Juni im Hause „Am Nahrungsberg" 37. Wegen des Umzugs ist das Amt am Dienstag, 13. Juni, geschloffen. Amtsgericht Giehen. Ph. L. A. in B. erhielt durch Strafbefehl eine Geldstrafe von 120 RM. wegen fahrlässiger Körperverletzung. Gegen den Strafbefehl legte er Einspruch ein. Der Angeklagte hat am 17. Dezember 1938 am Bahnhof in Großen-Linden Holz verladen und dabei eine ihm gehörende Zugmaschine zum An- und Abfuhren benutzt. Beim Rückwärtsstoßen fuhr er FOTO-Arbeiten preiswert 727D FotO-Ruhl, Seltersweg 67 einen seiner Arbeiter an. Dieser fiel zu Boden, wurde von dem einen Hinterrad überfahren und hierbei schwer verletzt. Der Angeklagte wandte ein, er habe sich genügend umgesehen und den Arbeiter nicht wahrgenommen, es sei möglich, daß dieser ganz unverhofft hinter seinen Wagen getreten sei. Die Beweisaufnahme ergab jedoch die Schuld des Angeklagten, insbesondere wurde festgestellt, daß er sein Augenmerk mehr nach rechts hatte, wo Kinder spielten, und so den Unfall verursachte. Es blieb bei der im Strafbefehl ausgesprochenen Geldstrafe von 120 RM. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Ober-Tviddersheim. Für ihre Hofteite rft Grundsteuer, gegebenenfalls Sondergebäudesteuer zu entrichten. Sind keine weiteren sonstigen Einkünfte vorhanden, so sind Sie zu keiner anderen Steuer heranzuziehen. Eine Bürgerfteuerfteiheit ist wegen des hohen Alters allein nicht gegeben. Im übrigen kann eine erschöpfende Antwort wegen der Unvollkommenheit der Angaben nicht erteilt werden., Fragen Sie bei dem zuständigen Finanzamt, also' in Nidda, an. Rundfunkprogramm Sonntag, 11. Juni. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Aus Wiesbaden: Wir fingen den Sonntag ein! 8.40: Dichter im Dritten Reich: Bruno Brehm (Nationalpreisträger 1939). 9: Deutsche Meister. 9.30: Im deutschen Märchenwald. Eigenaufnahmen des Deutschen Rundfunks. 10: Einkehr am Feiertag! „Vom Wesen und Sinn der Arbeit." 10.45: Wie schön ist so ein Feiertag! Frohsinn auf Schallplatten. (Jndustrie-Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 11.30: Das Tier und wir! Unterhaltsames und Belehrendes aus dem Frankfurter Tiergarten. 12: Mittagskonzert. Es spielt das Musikkorps des Jnf.-Rgts. 119. 13: Das Mikrofon unterwegs. 13.15: Mittagskonzert. Es spielt das kleine Orchester des Reichssenders Wien. Dazwischen: Berichte vom Wiener Höhenstraßenrennen. Erster Lauf für die Rennwagen-Bergmeisterschaft. 15: „Kaiserin Katharina". Melodien aus der gleichnamigen Operette. 15.15: Volkstum und Heimat: Das kalte Herz. Hörfolge nach einer Schwarzwaldsage. 16: Nachmittagskonzert. Musik zur Unterhaltung. Einlage 17 bis 17.10: Sportereignisse des Sonntags. 18: Juni-Käfer. Sommerliche Begebenheiten. 19.30: Sportspiegel des Sonntags: u. a.: Großdeutschlandfahrt — Pferderennen zu Frankfurt a. M. 20: Nachrichten. 20.15: Richard-Strauß- Konzert. 22: Nachrichten. 22.15: Sportbericht. 22.30 bis 24: Unterhaltung und Tanz. Ausführung: Das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt. Hlonfag, 12. Juni: 5 Uhr: Frühmusik. Es spielt das kleine Orchester des Reichssenders Breslau. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Morgenspruch — Nachrichten. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. Ausführung: Regimentsmusik des Der Mensch als Gedankenantenne. Don Wilhelm von Scholz. Wohl jedem von uns wird schon einmal der Gedanke aufgestiegen sein, daß wir eigentlich ununterbrochen von elektrischen Wellen durchzittert sind, die von den Sendetürmen der Erde das Luftmeer um uns erfüllen, durch Mauern und Wände gehen. Mr können sie, wo wir auch immer seien, auffangen, wenn wir nur einen Draht spannen und ein Rundfunkgerät daran anschließen. Aber vorhanden sind diese Ströme voll beschwingter pulsender Kraft doch auch, wenn wir nicht hören: in den Stunden der Ruhe wie der Arbeit des nachdenklichen Spaziergangs wie des versenkten Lesens oder Schreibens. Und es sind nicht nur Ströme, die elektrische Kraft, wenngleich in feinster Dosierung, auf uns einfließen läßt, sondern es sind psychisch geladene Ströme mit seelischen Inhalten, die Worte oder Musik in sich tragen. Was die ungeheure Erzeugung von Elekttizität auf der Erde, schon ehe es einen Rundfunk gab, in den verschiedensten Formen und Stärken als Licht, als Bahn- und sonstiger Arbeitsantrieb, als Telephon und nun auch als Rundfunkstrahlung dazu mit ihren eigenen und ihren Induktiv nssttömen auf den menschlichen Organismus ausübt, das vermag wohl noch niemand abzuschätzen. Wie aber ist es mit der psychischen Einwirkung all der seelischen Inhalte, der Gedanken, Vorstellungen, Wellenregungen, die ständig von den Sendern aus uns einbringen, auch wenn wir sie nicht hören? Ich will zunächst an eine Erscheinung erinnern, die mir viellach ausgefallen ist. Von den umstrittenen übersinnlichen Dingen wird die Fernwirkung, die sogenannte „Telepathie", und auch das Hellsehen in die Ferne heute von den Leuten viel rascher angenommen, geglaubt und unbekämpft gelassen, weil man, wie es fast stets hecht, sie sich jetzt nach der Erfindung und Einführung des Rundfunks „eher denken kann" Man hat am eigenen Apparat ja täglich vor Ohren, was alles auf weiteste Entfernungen und ohne iebe Verbindung durch Drähte mitgeteilt wird: Politische Nachrichten, Reden von (Staatsmännern, Sportereignisse, Börsenberichte Vorträge, Dichterlesungen, Unterrichtsstunden in Sprachen, Gymnulik und anderen Fächern — dazwischen Musik jeder Art vom einfachsten Lied bis zur Symphonie, vom Tango bis zur Sonate. Warum soll nicht ebenso ein Gehirn seinen verborgenen Nervenkräften und -organen einem ihm ähnlichen oder einem ihm durch Sympathie verbundenen anderen Gehirn einen Gedanken, einen Einfall senden können? Nicht ausgeschlossen, sagen selbst die Skeptiker. Aber nun: Was ist mit der Ideen-, Vorstellungs-, Willensmasse, die uns in den Rundfunkwellen ununterbrochen umgibt? Die uns physisch nicht merkbaren aber uns doch fortwährend durchflutenden Wellen sind erfüllt von all den seelischen Inhalten, die der Rundfunk verbreitet, und jedenfalls nicht versteckter und verbogener, sondern eher offener als im Ferngefühl, in der Telepathie, ein Mensch über tausend Meilen hinweg den anderen Menschen erreicht. Muß man nicht fast annehmen, daß. jedem rasch und fein empfindenden Organismus das ihm Verwandte aus den taufend unhörbaren (Stimmen des Aethers doch in die Seele bringt unb barin Ge- banken, Vorstellungen, vielleicht selbst Entschlüsse an- regt und zeugt? Wird uns »sicht die Fülle guter unb geringer, boch immer rhythmisch bVroegter Musik, bie uns in ben Aetherwellen ftumfpi umklingt, unmerklich aber gleichwohl wirksam einen beschwingten „inneren Schritt" geben? \ Das rft eine Frage, auf bie noch niemanb\ auf ber Erde eine sichere Antwort weiß, die aber gestellt werden muß, damit sie die Aufmerksamkeit her Forschenden auf sich lenke. Und eine damit in Zusammenhang stehende Frage wird sich dabei rasch als näherer Untersuchung wert erweisen, die nämlich: ob der Rundfunk, abgesehen- von seiner unmittelbaren Einwirkung in den Emp-' fangsapparaten, auf bie Menschen in der zweiten mittelbaren verborgenen Beeinflussung schon jetzt in der Richtung sich bemerkbar mache, das gegenseitige Sichverstehen ber Menschen unb Völker auf ber Erbe zu förbern: gewiß nicht entfernt etwa: ihre Gegensätze auszulöschen — aber einem gefühlsmäßigen Begreifen unb Würbigen dieser Gegensätze den Weg zu bereiten, inbem bie Geister irgendwie voneinander erfüllt werden? Unter den bedeutenden gelehrten Männern ber „vorelektrischen" Zeit hat ber einst berühmte, bewunderte und umstrittene Arzt Meßmer Heber» Zeugungen ausgesprochen, bie vielleicht einmal bei den hier aufgeworfenen Fragen mitsprechen werben. Ihn beschästtgte nämlich immer der feine „Flutstoff", der Aether, ber bie ganze Welt durchdringt und dem er manche Wirkung zuschreibt, bie wir heute bei ben elektrischen Senbewellen vor uns haben. Eine biefer Wirkungen, bie Meßmer im Aether sucht, ist die rasche Verbreitung von Anschauungs-Umschwüngen, geistigen Menden, „Moden" im Leben der Mensch- beit, bie schneller, so behauptet er, über unb um die Erbe laufen, als sie (bamafs!) von Munb zu Munb Gegangen sein könnten Es märe wert, sich mit bidsen Fragen einmal im Hinblick auf bie geistig befrachteten Wellen bes Runbfunks zu befassen. Der Teufel von Brake. (Sine Anekdote von Anion Barghorn. Zu den Zeiten der Segelschiffe war in der kleinen Hafenstadt an der Weser Peter Piet als Grobian und wenig umgänglicher Kapitän bei den Seeleuten der ganzen Umgegend bekannt. Niemand musterte gern bei ihm an, und seiner Bark „Amanda" fehlte es regelmäßig an Besatzung, unb nur mit Mühe waren bie Leute vom Heuerbas zu Überreben, für bieses Schiff zu mustern. Am wenigsten wollten hie Steuerleute mit ihm bie Schiffsplanken teilen, unb keiner von ihnen hatte es länger bei ihm aus- gehalten als eine Reise. Er war überall als „Dübel von Brake" bekannt. Als roieber einmal bie „Amanba" in Cardiff im Hafen lag, ohne Steuermann und mit nur einem kleinen Rest ber Besatzung an Borb, unb die neue Reise von dort aus angetreten werden sollte, suchte der Heuerbas im ganzen Städtchen nach neuen Leuten, die nach England geschickt werden sollten, um auf der „Amanda" ihren Dienst für die neue Reife anzutreten. Als er nach vieler Mühe die Mattosen zusammen hatte, fehlte ihm immer noch der Steuermann. Wohl hatten erst vor wenigen Tagen einige junge, Leute auf ber Navigationsschule in„ Bremen ihr Schifferexamen abgelegt Und so I wünschenswert es für diese war, bald eine Chance ;3U bekommen, sträubten sie sich boch. auf ben Vorschlag bes Heuerbases einzugehen. Nur einer von sihnen mar bereit, ben Dienst zu übernehmen Es tsvar Jan Wehrmann aus bem nahegelegenen Vegesack, ein lustiger unb ebenso tüchtiger wie hanbfester Seemann. „&me Reise kann man mit bem Teufel machen, bas ß^t bei ber Seefahrt bisher immer noch gegolten. bljrb fefbft, wenn es der „Teufel von Bräke" ist", antwortete er lachend seinen Freunden, die ihm von feinen* Vorhaben abzuraten versuchten. Also zog Jan Wöhrmann mit dem Trupp neuer Leute los unb begabt sich auf die Reife nach England Auf bem B^chnhof in Cardiff angekommen, traf er einen alten yrreunb, ben er lange Zeit nicht gesehen hatte. Getrost schickte er seine Leute allein an Borb. Sie foßterK bem Kapitän nur bestellen, der Steuermann kämeX bald nach. Darauf setzte Jan Wehrmann sich mit\ feinem Freund zu einem Gläschen Bier in die nächste Gaststube. Nachdem nun Kapitän Piet bie neuen Leute in Empfang genommen) unb biefe ihm bie Botschaft bes Steuermanns auksrichteten, geriet Peter Piet in grimmigen Zorn. So Vviel Unverschämtheit war ihm noch nicht oorgetommÄn. Unb dazu noch von einem neuen Steuermann. $)er würbe ihn noch kennen lernen. „Dem werbe ich den richtigen Empfang bereiten, damit er gleich weiß, was hier an Bord gespielt wird", dachte er bei sich und mußte nun wohl ober übel selbst bie Aufsicht an Deck führen. Mit großen Schritten maß er bas Achterbeck und wartete auf seinen Steuermann. Aber erst nach Stunden kam Jan Wehrmann in fröhlicher Stimmung an Bord. Er erstieg das Achterbeck, lüftete andeutungsweise seinen Hut und meldete sich mit einem „Guten Tag" feinem Kapitän. Der hatte ihn wohl kommen sehen, würdigte ihn aber keines Blik« kes. Erst als ber Steuermann sich vernehmlich räusperte unb seinen Namen genannt hatte, brehte Piet sich nach ihm um. „Sie sind wohl ber neue Steuermann, Herr!", redete er ihn, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, hochdeutsch unb in befonbers freundlichem Tone an. Jan Wehrmann sah wohl bas verräterische Wetterleuchten im Gesicht seines Gegenübers, ließ sich dadurch aber nicht im geringsten aus der Ruhe bringen. „Wissen Sie nicht, wer ich bin?", grollte die Stimme Peter Piets zu ihm herüber. — ,Zck denk doch, Se sind de Kaptein von de .Amanda'", erwiderte Jan. — „Sagen Sie, haben Sie schon mal etwas von bem .Teufel von Brake' gehört?" Der Kapitän sagte es lauernd unb beobachtete Jan. „Nee, Kapitän", erroiberte ber, „bavon heb ick noch nie wat hört!" Unb er machte ein ganz ehrliches Gesicht. Darob großes Erstaunen beim Kapitän. „Na, benn will ick Ihnen bat feggen — de Dübel von Brake — bat bin ick!" Die erwartete Wirkung blieb aus. — Jan Wehrmann ftanb ba unb grinste. Peter Piet fühlte eine leise Unsicherbeit in sich hochsteigen. So etwas war ihm noch nicht vorgekommen. Der Steuermann nutzte die entstandene Verwir- rung. „So", meinte er. „Se sind be Dübel von Brake, bat ;•* ja fein. Weten Se benn ock, wer i ck bin?" Piet war noch immer sprachlos unb verneinte. ,Jck bin nämlich Dübel von Vegesack! 11 n nu freu ick mi, bat be beiben Dübels tohop up een Schipp finb." Als Kapitän Piet sich von seinem Erstaunen erholt hatte, brach er in schallenbes Gelächter aus. Er schlug seinem Steuermann die Hand auf bie Schuller unb schüttelte bie bargebotene Rechte Und halb banarf) saßen sie in ber Kajüte hinter einer guten Flasche. — $an Wehrmann rft ber erste Steuermann gewesen, ber auch noch eine zweite Reise mit Peter Piet in bestem Einvernehmen machte. Er ist sogar so lange auf ber „Amanba" an Borb geblieben, bis । er selbst ein Schiff als Kapitän bekam. Der Teufel von Brake" hatte seinen Mann ge» 1 funben. Wirtschaft be- Aus der engeren Heimat mor- F Gießen (Asterweg 63 p). den 9. Juni 1939. 4220D Frankfurt a. Main <5 02905 dommersp Von der Reise zurück Tagespreisen 4217V Gießener Anzeiger treffen. 4201V YK1 EDOE DRUCKSACHEN WtrCDC Brühl, «laßen OOPPELHEM INDANTHREN-HAUS Trossen Außerhalb der Schlachtviehverteilungsstelle laufen sich die Preise für Gießen wie folgt: Zu haben bei: Germania-Drogerie Carl Seibel, Frankf.Str. 39, Tel. 3593 55.50 54.50 53.50 49.50 46.00 54.50 48.00 53.50 150 kg und mehr . 135 kg bis 149,5 kg 120 kg bis 134,5 kg 100 kg bis 119,5 kg unter 100 kg .... fette Specksauen . . g2) und h) andere Sauen u. Eber i) Altscl)neider mon abends Merzweiß leicht ovflrögf und über k Nacht einwirlten lässt. a) bl) b2) c) d-f) gl) Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Mllllmeterzelle veröffentlich* xntotv! des Großdeutschen Reiches auch die Beteiligung an den Deutschen Polizeimeisterschaften erheblich stärker geworden sei. Sein Gruß galt besonders den 58.00 57.00 56.00 52.00 49.00- 57.00 51.00 56.00 er sich wohl. — Am morgigen 10. Juni erreicht Johs. Ranft bei guter Gesundheit sein 72. Lebensjahr. (Wir beglückwünschen!) a) 150 kg und mehr bl) 135 kg bis 149,5 kg b2) 120 kg bis 134,5 kg c) 100 kg bis 119,5 kg d—f) unter 100 kg gl) fette Specksauen g2) und h) andere Sauen u. Eber i) Altschneider . . . Oie Deutschen polizeimeisterschaften 1939 eröffnet. Frankfurt an der Oder steht seit Freitag im Zeichen der Deutschen Polizeimeisterschaften 1939, die in Anwesenheit des Chefs der Ordnungspolizei, General Daluege, am Nachmittag ihren Anfang nahmen. General Daluege eröffnete die Polizeimeisterschaften im Stadion. Hier war die große Zahl der Wettkämpfer angetreten, als Daluege eintraf und seine Kameraden begrüßte. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß entsprechend dem Wachsen Dienstag, 13. Ium. 5 Uhr: Frühmusik. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Morgenlied, Morgenspruch, Nachrichten, Gymnastik. Mit dem Auto die Böschung herabgestürzt. -s- Allendorf (Lahn), 9. Juni. Heute beruhigend, nerventtLhlend, W? blutcmroemö, Kräfte bildend Doppelherz VerkaufsstelL:Drog.H. Elges, Seltersw.66. C.Seibel. Frankf. Str. 0. WinterhoH, Kreuzplatz 9/10. Drog. Bornemann. Bahnhofstr. 17. Engel-Apotheke, Habrlch, Marktpl. Grünberg: Kan Schott u. sämtliche Filialen. Laubach: Solms- Laubacher Drog. Karl Klein. nsV AUTOHOF OTTO 60BEL Gießen, Kaiserallee 115-117, Fernsprecher 3021 AUT06ARA6EN ■ REPARATURWERKSTATT-WAGENPFLEGE CARL BECKER, Mineralöl-Großhandel Gießen, Horst-Wessel-Wall 38, Fernsprecher 3321 4232D f Einspaltige "| werden zum ermäßigten I». . . Grundpreis von 5 Pt. für die Kleinanzeigen Millimeterzelle veröffentlicht! Mitglied der Elektro-Gemeinschaft Blitzableiter-Prüfungen Gutachten — Reparaturen Wilhelm K. Schmidt Goethestraße 23. 4O5oD persü-gepfTeg VI Nr.1ZZ vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)1v./tt.ZunNYZY >»-r 'V - * x^Vi fTT s' ; •% r-> /yMt i i-x' T h* ,/• * 1 i > tV A M Ä & S:*- gV r> ' iw H, V-, • i EM /.-•ütifc '.-4X- ,.f .- i Ä *Ä \ W** ;; M 3m Garten der zehntausend Pflanzen. Das stattliche Gewächshaus inmitten einer üppigen Vegetation. Blütenkissen im Alpinum. Ein schöner Blick bietet sich aus dem Garten auf das Alte Schloß. (Aufnahmen |6j: Neuner, Gießener Anzeiger.) Klirrend fällt die schwere eiserne Tür, die vom Brandplatz aus den Zutritt zum Botanischen Garten nuferer Universität gestattet, ins Schloß. Türe und Gitter sind dabei wie eine Scheidewand, die die Beschaulichkeit des Gartens sichtlich von der Unruhe der Stadt trennt. Ja, man möchte fast sagen, daß sich an dieser Gittertüre zwei Welten begegnen: draußen bleibt die Vielfalt städtischen Getriebes, die Unruhe des Verkehrs unserer Stadt, den Besucher aber umfängt die beruhigende Atmosphäre eines Parks mit Bäumen, deren mancher schon um 200 Jahre alt sein mag, und ein Garten mit einer Ueberfülle der verschiedenartigsten, schönsten und der seltensten Pflanzen und Sträucher. Nach wenigen Schritten auf den verschlungenen Pfaden verhallt für öen Besucher auch der Lärm, der von Straßen und Gassen in den Garten schallen könnte, denn Busch und Baum — jetzt im dichtesten Laub — halten alle Geräusche ab und wahren die natürliche Stille. Der Botanische Garten unserer Universität ist ein grünes Kleinod inmitten unserer Stadt, und wer es' keimt, wird wünschen, daß es unantastbar bleiben möge. Der Gießener Botanische Garten — er besteht seit 330 Jahren — ist einer der ältesten im Reich! Nur in Berlin, München, in Bonn und in Prag befinden sich Gärten, die um mehr ober weniger älter sind. ausgleichen. 10 000 verschiedene Pflanzen — es fiele, wenn man den Garten nur dem Namen nach kennen würde, schwer, sich diese Summe der verschiedenen Pflanzen überhaupt vorzustellen. Aber — sie ind da! Sie wären zu zählen! Außerdem weist fte der Katalog mit Namen und Angaben (selbstver- tändlich in lateinischer Sprache) aus. Jeder Botanische Garten auf der ganzen Welt verzeichnet seine geernteten Samen. Und diese Kataloge werden ausgetauscht. Die Verzeichnisse, die über die Be- tände in unserem Gießener Garten angelegt werden, werden nach Siam ebenso wie nach Nordamerika verschickt. Und von Persien gelangen ebenso Kataloge nach Gießen, wie aus Mandschukuo oder aus Brasilien, lieber und durch diesen Verzeichnisaustausch ergibt sich ein reger Austausch von Samen und Pflanzen. Dieser Austausch kann sich praktisch über den ganzen Erdball erstrecken ... So ist es denn kein Wunder, daß mir in unserem Gießener Botanischen Garten Pflanzen finden können, die im Transhimalaja oder in den peruanischen Anden zu Hause sind, sie können von der Insel Formosa oder von den Gestaden des Mittelmeeres Wenn man den Garten vorn Brandplatz her betreten hat — er ist auch von der Senckenberg- traße her zugänglich — dann empfängt er den Be- ucher gleich in seiner liebenswürdigsten Gestalt. Gleich zur rechten Hand werden die mächtigen Mauern des Alten Schlosses von Busch und Baum pielerisch umgrünt, über einen Graben, der um die Burg i führt, ' schwingt sich ein eisernes Brücklein, und zu Füßen des Heidenturms blühen im runden Beet allerlei Blumen. Es gibt noch manchen anderen idyllischen Winkel im Garten. Unter einer Trauerbuche, deren Zweige von hoch oben herabhängen, teht eine Bank und lädt zur Ruhe ein. Verfolgt nan gar den Weg gerade aus weiter, so fühlt man ich vollends in einen Park versetzt, und wenn nicht von der Sonnensttaße her wieder geringer Straßenlärm zu vernehmen wäre, fiele es nicht schwer, sich Selbst dem Kaffeestrauch begegnet man im Botanischen Garten. ____ Entwicklung um etwa drei Wochen zurück, und die bisherigen heißen Tage können den Mangel nicht In den Gewächshäusern findet man üppig entwickelte Pflanzen aus allen Zonen. mehr gelangen immer wieder einmal Wurzel, Stengel, Rinde, Holz, Blüte, Staubgefäße, Früchte ufw. der einen oder anderen Pflanze auf die Arbeitstische des Forschers, in den Hörsaal, unter das Mikroskop. Und Dafür gibt der Gießener Botanische Garten ein unerhört reiches „Material". Wenn das Wetter günstig ist, wenn alle Samen, Stecklinge usw. aufgehen bzw. gedeihen, Dann bedeutet Die Zahl von rund zehntausend verschiedenartigen Pflanzen Den Durchschnitt, Der aber schon manchmal überboten wurde. Das bisherige ungünstige Wetter war den Beständen im Garten nicht sonderlich förderlich. Alles ist in der Eine seltsame Urwaldpflanze, die in der Natur in Astgabeln großer Bäume wächst. völlig den heißen Straßen der Stadt entrückt zu fühlen. Dann liegt nach dem Hitlcrwall zu Der kleine Teich in Schilf und Algen. Frösche quaken, Enten tummeln sich im Wasser und Weiden neigen ihre Zweige über die Wasserfläche. Unmittelbar neben Dem Teich erhebt sich eih kleiner Basalthügel, nur scheinbar wild und zügellos überwuchert von Sträuchern und Farnen. Eine uralte Steinbank krönt Den Hügel. Und unterhalb dieser Bank blühen gerade jetzt Die Azaleen — zartviolett, gelbrot und rofa — in einer geradezu paradiesischen Fülle. Wer Ruhe und Schönheit — sei es auch nur für eine Viertelstunde — sucht, braucht sie nicht zi suchen, sie treten ihm au Schritt und Tritt entgegen. Der tiefste Sinn eines Botanischen Gartens kann sich aber nicht darin erschöpfen, Schönheit und Beschaulichkeit zu vermitteln. Die Stimmungsfülle im Botanischen Garten i't Begleiterscheinung, glückliche Synthese des Angenehmen mit dem Nützlichen. Der Garten dient der Wissenschaft, der Forschung, Der Lehre. Aus Stimmungen heraus würde die Naturwissenschaft ihre Erkenntnisse nicht ziehen können. Vielstammen. Die Pflanzen aller Erdteile, aller Zonen, aller Höhenlagen sind vertreten. Moose und Koniferen, Mimosen und Kakteen, Heilkräuter und Giftpflanzen, deren Berührung kaum gewagt werden Darf, findet Der Besucher vor, es sinD Da Die Pflanzen Der Alpen, Der Wüste und des salzigen Sumpfes, Wasserpflanzen und Schmarotzer, die sich von der Kraft ihrer Wirtspflanze ernähren, karge Gräser und Fettpflanzen, es gibt Pflanzen in reicher Fülle, deren Blätter, zwischen den Fingern zerrieben, berückende Düfte ausströmen (Rosmarin, Lavendel, Salbei, Thymian usw.), und ihnen lassen sich wieder eigenartige, fleischfressende Pflanzen in hartem Kontrast Der Art und Eigenschaften gegenüber* stellen. Der Zimtbaum, der Delbaum, Der Kaffeestrauch, Bananen-, Kokos- und Dattelpalmen werden gehalten, zum Teil bedürfen sie des heißfeuchten Klimas ihrer Heimat, bedürfen jener Feuchtigkeitsgehalte und Wärmegrade, die dem Menschen unserer Breiten fast Den Atem nehmen und ihm nur kurzen Aufenthalt in Den Gewächshäusern gestatten. Wer aus Den Gewächshäusern mit tropischen Temperaturen kommt, empfindet selbst die Mittagshitze dieser Tage als angenehme Kühle. | Und zwanzig Meter entfernt von Papyrus und „Hahn" um. Rätsel. (Fortsetzung folgt.) „Vor allem fahren Sie nicht so wild, Hilde!" bat sie. „Wir wollen erst nach der Mittagszeit hiukom« men. Da haben Die Wirtsleute und das Personal Zeit, sich mit uns zu unterhalten. Und Revolver habe ich keinen. Wir brauchen auch keinen! Ich will mich bloß ein bißchen umtun und heraus- kriegen, ob irgend jemand irgend etwas aufgefallen ist." „Ich bleibe im Wagen versteckt", sagte Hilde, „vielleicht will jemand auch unseren Wagen kaputt machen. Dann ist der Schuft überführt..." „Achtung, Hilde, fast hättest Du eine Gans über« fahren!" schrie Irmgard. „Ich haue jeden mit dem Schraubenschlüssel nieder!" fuhr Hilde ungestört fort, während sich Die Gans laut schnatternd über die rücksichtslose Fah* rerin beklagte. „Aber vielleicht ist es eine ganz gute Idee, wenn eine von uns im Hintergrund verborgen bleibt. Dann glauben Die braven Leutchen, daß sie cs nur mit einem Exemplar zu tun haben unD achten nicht auf das Duplikat..." „Die eine werde ich fein!" sagte Hilde bestimmt Es war meine Idee!" „Wenn es Dir gar solchen Spaß macht, im staubigen Wagen zu hocken, während wir es uns gut gehen lassen — bitte! Die Brathühner sind ausgezeichnet. Ich werde mir eine Omlette mit sehr viel Erdbeeren bestellen", sagte Irmgard träumerisch. „Freßsack!" rügte Hilde. „Ein richtiges Abenteuer ist besser als ein gutes Mittagessen!" Dieser Ansicht war ja auch Irmgard, sie hatts Die Schwester nur ein bißchen ärgern wollen. Madeleine bedauerte bereits sehr, daß sie Did Begleitung Der beiden unternehmenden jungen Dainen angenommen hatte. Nun würden sie mit strengen, bedeutungsvollen Mienen alle Leute int Umkreis so einfchüchtern, daß fein vernünftiges Wort aus ihnen herauszubringen war-- Der „Weiße Hahn" lag in tiefer Mittagsstille. Ein einziges Auto stand vor Dem Haus. Und Die Gefell- schäft, Die Dazu gehörte, schien eben im Begriff, einzusteigen und weiterzufahren. Ein leichter Regen fiel und'erleichterte Hildes Vorhaben. Wo Die sich ohne aufgestelltes Dach unD herabgeknopfte Seitenteile hätte verstecken wollen, war Madeleine em sich Der Frauenkopf ganz leise und vorsichtig hoch. Was war das aber für ein Geräusch gewesen, Das sie im besten Schlaf gestört hatte? Sie horchte. Nichts rührte sich. Mit angehaltenem Atem horchte sie. Fünf Minuten lang brachte sie es über sich, keine Bewegung zu machen. War jemanD in ihr Zimmer eingebrungen? Es lag zwar im ersten Stock, aber es gehörte nicht viel Kunst Dazu, über Die südseitigen Spaliere hm aufzuturnen. Nein, das hätte sie längst gehört, bevor der nächtliche Besucher sich über das Fenstersims schwang. Es war ein kurzer, einmaliger Laut gewesen, Der sie geweckt hatte! Vielleicht hatte Holz geknarrt? Nein, ein Knarren war es nicht gewesen! Da tastete Madeleine langsam unter ihr Kopfkissen, wo nach lieber, alter Gewohnheit ein kleiner, aber recht zuverlässiger Revolver ruhte, entsicherte ihn. Dann drehte sie den Schalter Der Bettlampe. Das Zimmer war leer. Madeleine kam sich etwas blamiert vor. „Es hat sich aber doch etwas gerührt", murmelte sie und glitt aus Dem Bett. Sie war allein im Haus, aber sie roürDe es mit Dem Revolver in Der Hand abgehen vom Keller bis zum Dachboden; Sie dachte nicht daran, stundenlang wach zu liegen und zu horchen. Vor allem wollte sie zum Fenster hinaussehen, ob Die Straße so ruhig unD menschenleer war, wie es sich für eine brave Neukirchener Gasse gehörte ... Da sah sie nahe Dem Fenster einen Stein liegen, um Den ein Blatt Papier gedreht war. Sie loste es vorsichtig. Das war Peters nicht zu verkennende Handschrift. „Aergere dich nicht und rege dich nichts auf! Sprich mit Hans und sieh dich im „Hahn um. Es ist wichtig." t . E Das hatte sie geweckt, Der Ausfall Des deines auf dem Teppich. Tüchtiger Junge, Der Peter, dachte sie. Hat im Handumdrehen sogar in Dem sturen Neukirchen einen HanDlanger aufgetrieben ... Wer aber war Der Hahn? Wo war er? Na gut Das wird mir wohl Hans Voigt erzählen, dachte Madeleine, verzichtete auf den Inpekttons- gang und legte sich seelenruhig wieder schlafen. (MannnWaiifEiiöanöere Roman von Konrad Trani Copyright by Carl Ouncker Verlag, Berlin W35 12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Eine der seltenen Frauen, Die nicht meinen unD auch nicht unbedingt Den Mann sehen und sprechen wollen!" sagte Der Beamte verwundert. Vielleicht hat sie ihm nichts mihuteilen", lächelte Der anDere, „oDer sie traut nicht unserer unbeDingten Diskretion." , . . r. . Der alte Voigt führte Madeleine heim und streichelte beruhigend die Hand, die so still die Handtasche umschloß. „Wir werden ihn bald heraushaben, Frau Madeleine", sagte er. „Das alles ist ja em haushoher Unsinn! Peter — Peter em Verbrecher und Geldschrankknacker!" Madeleine lächelte. „Sie sind sehr lieb und em guter Freund. Bewahren Sie uns Ihre Freuno- schaft! Ich hoffe sehr, daß ich ihn bald wieder daheim habe..." . . Und daheim werde ich ihm dann einiges mitzu- feilen haben ... Gretelchen! Das könnte ich so brauchen... Und roenn’s ernst wird, weiß die Gans nicht einmal, was sie zu sagen hat! dachte sie. In derselben Stunde, da diese lästige Geschichte erledigt ist fliegt Gretelchen in großem Bogen hinaus .. Hoffentlich bleibt Die Geschichte nur lästig — und wird nicht mehr. Ich bin recht gern m Neukirchen dachte Madeleine und gestand sich ehrlich, daß sie auf Peter fast so wütend war wie auf Gretelchen! IX. Madeleine hatte die Wahrheit und nichts als die Wahrheit gesagt, als sie behauptet hatte, daß |ie einen besonders leichten Schlaf Hube. Am ersten Abend nach Peters Verhaftung - ach Gott, wer spricht von Verhaftung? — am ersten Abend, an dem Peter sich zur ständigen Verfügung Der Behörde halten mußte, war sie spat schlafengegangen. Sie hatte den Abend bei Voigts verbracht sind bann, weil sie gar nicht müde geworden, bi» nach Mitternacht gelesen. ,. Es war still im'Haus und auf Der Straße. JWfl gingen ihre tiefen Atemzüge. Und plötzlich richtete Madeleine ging mit Hans den Gartenweg auf und ab und ließ sich genauestens die Fahrt und Die beDrohliche Fahrtunterbrechung fchilDcrn. „Ich verstehe sehr gut, Daß Der Zwischenfall Peter beunruhigt, sagte sie Dann. „Ihm hat Damals Die Geschichte mit Der Stahlkammer gar nickst gefallen. Und weder Ihnen noch Jhrem^ Vater ist etwas Zweckdienliches dazu eingefallen?" „Nein", sagte Hans* und hatte ein schlechtes Gewissen. „Soviel kann man doch von einem intelligenten Menschen verlangen, daß er weiß, wer ihm an den Kragen will!" „Der Weiße Hahn ist demnach etwa zwei Fahrt- stunden von hier entfernt? — Wie komme ich hm?" „Mit unserem Auto, und ich führe Sie." „Nichts zu machen! Weder Ihr schönes Antlitz noch euer viel zu nobler Wagen wird sich in dieser Gegend auffällig bemerkbar machen", sagte Madeleine und lehnte ab. „Ich will auch keinen mieten, um Gerede zu vermeiden. Sonst kommt vielleicht die hohe Behörde auf die Idee, ich wollte kneifen..." Die beiden gingen nachdenklich ein paar Schritte weiter. Plötzlich blieb Hans stehen. „Natürlich, die Turachmüdchen sollen Sie hinbringen. Ihr schäbiger Opel ist unauffällig wie eine Baumwanze. Und vielleicht können Sie Die Frösche ganz gut brauchen. Sie sind beide nicht auf Den Kopf gefallen. Hüde bestimmt nicht." Madeleine hatte längst bemerkt, daß es Hans nicht nur gelang, Die Zwillinge zu unterscheiden, daß er sogar für Hilde eine besondere Vorliebe zeigte. * Eng aneinander geklebt saßen die drei schmalen Gestalten in dem kleinen Wagen. Hilde chauffierte, was sie nicht hinderte, sich eifrig an Der Unterhaltung zu beteiligen. Die Mädchen waren ungemein heiter und aufgeregt „Das habe ich mein Leben lang ersehnt: ein Abenteuer, in Dem man sich nützlich machen kann", strahlte JrmgarD. „Wix werden Ihnen herrlich helfen, Madeleine. Wie richtige Detektive... Vielleicht schnappen wir Den Verbrecher an Ort und Stelle. — Haben Sie gar einen Revolver mit? Es wäre fo Madeleine tat ihr Bestes, die Mädchen zu beschwichtigen. Lotosblume, von grazilen tropischen Farnen, von vielfach gefiederten Palmen wächst und blüht das Edelweiß unserer Alpen, wachsen und blühen auch die alltäglichsten unserer eigenen Pflanzen, wie Schnittlauch und Boretsch, wie Korn und Weizen, wie Salat und Tomate. Im Alpinum schwellen die Blumenkissen, breitet die Latsche, eine niedrige Kiefer, ihre langbena- delten Zweige, großblütiger roter Mohn leuchtet über den ganzen Garten hinweg, und Liliazeen stehen wie königliche Kerzen vor dem dunklen Hintergründe der Koniferen. Ulme und Rüster, Esche und Blutbuche, Sommerlinde und Sumpfeiche, Gingkobaum und Magnolienbäume, Ahorn und Kastanie und noch mancher andere Baum, dessen Namen man kaum vom Hörensagen kennen kann, säumen in dichtem Kranze die Beete. Ueberall auf kleinen und unverwüstlichen Porzellan-Schildern stehen die klangvollen lateinischen Namen. Und was hier in diesen wenigen Zeilen in der Form des Gegensatzes aufgezeiA worden ift, das alles bietet sich im Botanifchen Garten in jener systematischen Ordnung dar, wie sie von dem schwedischen Forscher Linns um die Mitte des 18. Jahrhunderts im Prinzip begründet wurde und mit dem Fortschreiten der naturwissenschaftlichen Forschung ausgebaut wurde. , , , Es ist verständlich, daß zur Pflege und Unterhaltung solcher vielfältiger Pflanzen ein ungewöhnliches Ausmaß an Wissen und praktischer Erfahrung gehört. Jede Pflanze will ihre Lebensnotwendigkeiten erfüllt sehen. Wohl nirgends sonst tritt aber auch dem Menschen die erfinderische Kraft der Natur mit solcher Ueberzeugungsstärke, sichtbar und fühlbar, entgegen, wie gerade in einem botanischen Garten. Wer eine Stunde andächtiger Schau im Gießener Botanischen Garten verbringt, wer sich den Wundern der Schöpfung in diesem Garten nicht verschließt, dem wird eine eindringliche Predigt gehalten. öJ.Jpori Internationales Frauensportfest in Bad-Nauheim. Das sportliche Großereignis des Gaues Hessen in diesem Jahre wird das Internationale Frauensportfest auf der v.-Tschammer-und-Osten-Kampfbahn in Bad-Nauheim am 3 0. Juli sein. Da der 23 er an= ftalhmg im vorolympischen Jahr die Bedeutung einer wichtigen vorenscheidenden Prüfung zukommt, wird sie weit über den Gau hinaus im Reiche und im Auslande Beachtung finden. Eine Besprechung, die jetzt in Bad-Nauheim in Anwesenheit von Gau- fachwart für Leichtathletik May (Kassel), Gausportlehrer B r o x (Kassel), Vertretern der Partei, des Staatsbades und der Stadt Bad-Nauheim statt- Vorbereitung der Gommerkampfspiele der Schulen 1939. Am Donnerstag führte Kreissvortlehrer Mohr eine Arbeitsgemeinschaft für die Leibesübungen auf dem Unioersitätssportplatz durch, zu der über 50 Lehrer und Lehrerinnen, die Turnunterricht erteilen, erschienen waren. Die Tagung hatte den Zweck, die Spielregeln für die beiden vorgefchriebenen Spiele, Grenzball für die Mädchen und die Knaben der wenig gegliederten und Fußschlagball für die Knaben der 4—8klassigen Schulen zu erläutern. Außerdem wurde auch das Korbballspiel, das hauptsächlich im Mädchenturnen eingeführt werden soll, gezeigt und besprochen. Hitler-Ägend im Kamps um die beste Leistung. Aufruf des Iungbannführers. Am kommenden Sonntag sieht Gießen im Zeichen der Bannsportwettkämpfe. Aus über 20 000 Jungen und Mädel des Kreises Dellerau werden die 8000 Besten um den Preis der Bannmeisterschaft in allen Disziplinen kämpfen. Es ist das erste Mal, daß die Bann- und Untergausportwettkampfe in einem derart umfassenden Rahmen durchgeführt werden. Der Höhepunkt der verschiedenen Beran- lattungen der Bannsportwettkampfe sind die leichtathletischen Entscheidungen am Sonntagnachmittag auf dem llniversilatssportplah mit entsprechendem Rahmenprogramm. Schon oft haben unsere Eltern und Freunde mit Interesse von dem Sport der Jungen und Madel erfahren. Am Sonnfagnad)- mittag haben sie Gelegenheit, sich von dem umfangreichen Leistungssport in der Hitler-Jugend zu überzeugen. Der Führer des Bannes und Jungbannes Dellerau 116: Taesler, Jungbannführer. * Der morgige Sonntag bringt nun auch die Heer- chau über die Leistungen der Hitler-Jugend. Es geht darum, in den verschiedensten Wettbewerben die Beften des Bannes festzustellen, die sich dann beim Gebietssportfest in Frankfurt a. M. (das am 1. und 2. Juli stattfinden wird) im Kampf mit den Besten anderer Banne um die Gebietsmeisterschasten zu bemühen haben. Die Sieger aus den Kämpfen des Gebiets nehmen an den Jugendmeisterschaften in Chemnitz teil, die unmittelbar nach dem Reichsparteitag stattfinden. Für die Wettkämpfe treten insgesamt etwa 800 Wettkämpfer und Wettkämpferinnen auf den Plan« denn zu gleicher Zeit trägt auch der BDM.-Untergau seine Wettkämpfe aus. Im Gegensatz zu de'.r grundlegenden Hebungen, die am vergangenen Sonntag von der gesamten Hitler-Jugend mit einem Drerkampf gefordert wurden, steht diesmal bei* Leistungssport im Vordergrund. Allerdings bringt der morgige Sonntag auch noch Drerfämpf-? als weitere Ausscheidungen. Die Wettkämpfe findeir bereits am heutigen Samstagabend mit den ersten Hebungen zum Siebenkampf ihren Auftakt. 2)ir? Teilnehmer haben zunächst ihre Geschicklichkeit an Geräten und ihr Können in leichtathletischen Hebungen zu zeigen. Am Sonntagmorgen wird sich auf dem Hniver- sitätssportplatz wieder ein Leben und Treiben entfalten, wie man es nun schon von mehreren Bann- sportveranstaltungen her kennt. Die Jugend setzt sich mit Begeisterung ein und auf den Terrassen werden alle jene jungen Kameraden sitzen, die mit Spannung darauf warten, ob es ihre Gefolgschaft oder chr Fähnlein „macht". Der Nachmittag bringt bann die Entscheidungen in den Läufen, im Weitsprung, im Hochsprung, im Kugelstoßen, im Diskuswerfen, im Speerwerfen und auch im Hammerwerfen. Verschiedene Staffeln werden gelaufen. Für einen leichtathletischen Fünfkampf sind ebenfalls die Hebungen zu bestreiten. Im Mittelpunkt der Wettkämpfe des Nachmittags steht das Spiel um die Fußball-Bannmeisterschaft, das die Mannschaften der Spielvereinigung 1900 und des Turn- und Sportvereins Butzbach im Wettbewerb sieht. Die Auszeichnung der Sieger wird Jungbannfüh- rer Taesler vornehmen. Kreisleiter Backhaus wird eine Ansprache halten. In der unteren Kaiserallee wird ein Vorbeimarsch vor dem Führer des Bannes und Jungbannes 116 den Tag beschließen. fand, nahm die Vorarbeiten für die Großveranstaltung auf, die sich auf eine Reihe von Arbeitsausschüssen verteilt. Träger des großen Sportfestes ist der NSRL.-Kreis Friedberg mit NSRL.-Kreis- führer SA.-Sturmhauptführer Dtterbein an der Spitze. Staatsbad und Stadt Bad-Nauheim unterstützen und fördern die Vorarbeiten und die Durchführung weitgehendst. Freudig wurde die Mitteilung des Gaufachamtes ausgenommen, daß auf Vorschlag des Reichsfachamtes die folgenden ausländischen Olympiakandidatinnen für das Internationale Frauensportfest eingeladen worden sind: Koen, Doergest, der Braake, van Blocken (Holland), Testoni, Valla (Italien), Csak (Ungarn). Dazu kommen die 20 besten Frauen und Mädchen der deutschen Nationalmannschaft und einige Vertreterinnen des Gaues Hessen. Jede der Konkurrenzen (olympisches Programm, außerdem noch 200-Meter-Lauf) wird dann 6 bis 7 Bewerberinnen am Start sehen, was sehr spannende hochwertige Kämpfe für den bedeutsamen vorolympischen Dag in der Weltbadestadt verspricht. Auf drei Feldern wurde zu gleicher Zeit gespielt und dadurch innerhalb zwei Stunden Klarheit über die Regeln der Spiele geschaffen. Die Wettspiele, an denen sich alle Schulen beteiligten, werden noch vor den Sommerferien ausgetragen. Dazu ist der Kreis in sechs Unterfreife und diese wieder in vier bis sechs Bezirke eingeteilt. Jede Schule hat dabei mindestens gegen zwei benachbarte Schulen anzutreten. Die Arbeitsgemeinschaften, die gern und regelmäßig besucht werden, sollen nicht nur Hebungsstoff für den Betrieb des Schulturnens geben, sondern den Lehrern soll dabei Gelegenheit geboten werden, ihre eigne Leistung zu steigern. Aus diesem Grunde wurden in der vorigen Arbeitstagung, die auch von über 50 Lehrkräften besucht war, Sprung, Lauf, Stoß und Wurf geübt. Bezirksweise wird nun auch noch Gelegenheit zum Schwimmen gegeben, so daß als Abschluß der Sommerarbeit der Erwerb des Deutschen Sportabzeichens möglich ist. Um die Divisionsmeisterschast im Handball. Wie im vergangenen Jahre, so finden auch diesmal wieder die Endspiele zur Meisterschaft der 9. Division im Handball in Gießen auf dem Sportplatz der Spielvereinigung 1900 statt. Die Spiele werden an drei Spieltagen im Pokalsystem ous- getragen und enden am Sonntagmittag. Teilnahme- berechtigt sind die siegenden Mannschaften aus den Regimentsrunden: 5./JR. 36 Butzbach; 2./JR. 116 Gießen; 2./Beob.-Abt. Marburg; 2./NA. 9 Wetzlar; 6./Kav.-Regt. 3 Göttingen. Die Paarungen der Gegner wurden durch das Los bestimmt; die Mannschaft der 5./JR. 36 Butzbach blieb am ersten Tage spielfrei, so daß am gestrigen Freitagmittag nachstehende Kämpfe zum Austrag gelangten: 2./NA. 9 Wetzlar —2./Beob.-Abt. Marburg 2./JR. 116 Gießen — 6VKav.-Regt. 3 Göttingen. Die beiden verlierenden Mannschaften, Marburg und Göttingen, scheiden somit von den weiteren Spielen aus; die anschließend an die beiden Kämpfe stattgefundene Auslosung bringt für den heutigen Samstagmittag auf dem Sportplatz der Spvgg. 1900 folgende Begegnung: 5./IR. 36 Butzbach — 2./IR. 116 Gießen. Somit kommt die Mannschaft der 2./NA. 9 Wetzlar am Sonntagvormittag in das Endspiel gegen den Sieger aus dem heutigen Spiel. Die Spiele des gestrigen Tages. 2./NA. 9 Wetzlar —2./Beob..Abt. Warburg 13:6 (9:2). Es hatten sich eine stattliche Zahl Zuschauer eingefunden, die den beiden Kämpfen lebhaft folgten. Die Mannschaften bemühten sich eines anständigen und schönen Kampfes, der leider, besonders in der ersten Spielhälfte, durch eine merkliche Heberlegen. l)eit der Wetzlarer etwas einseitig durchgefuhrt wurde; ein wesentlich grundoerschiedes Bild brachte dann die zweite Spielhälste, die den Marburgern das Ergebnis zusehends verbessern ließ; allerdings war der Vorsprung der Nachrichten-Abteilung schon zu groß, als daß die Mannschaft noch hätte ent» sck>eidend eingreifen können. Schon nach wenigen Minuten konnte Wetzlar die Führung übernehmen und in regelmäßigen Abständen weitere Erfolge erzielen; der Gegner, der sehr oft in die eigene Spielhälfte zurückgedrängt wurde, mußte sich zu sehr auf die Ab Mehrarbeit einstellen, und es war so mit Gegenerfolgen schwach bestellt. 9 :2 stand schon der Kamps in der Halbzeit. Nach dem Wechsel fand sich Marburg besser ins Spiel und legte mächtig los! Ja, es gelang der Mannschaft, auf 9:5 heranzukommen, und noch waren etwa 20 Minuten zu spielen! Aber Wetzlar ließ sich das Heft nicht aus der Hand nehmen; gut vorgetragene Gegenangriffe brachten den Wetzlarern kurz hintereinander zwei Tore. 11:5. Noch einmal konnte die 2./Beob.-Abteilung erfolgreich fein, während die 2./NA. 9 Wetzlar bis zum Schlußpfiff auf 13:6 erhöhte. — Schiedsrichter Jung war dem Spiel ein gerechter Leiter. 2./JR. 116 Gießen — 6./kao.Regt. 3 Göttingen 13:5 (4:1). Wenn schon dieser Kampf unseren Gießener Soldaten einen sicheren Sieg brachte, so hatten dennoch beide Mannschaften gleichviel vom Spiel. Die Göttinger Mannschaft war noch aus dem Vorjahre bekannt, und es war ohne weiteres mit einem sehr spielstarken Gegner zu rechnen. Damals gelang es ihr, sich bis in das Endspiel durchzusetzen. Wenn trotzdem die 2.Kompanie IN. 116 den Kampf so klar entschied, dann gibt dies ein Bild über die Stärke unserer Gießener Handballer. Ausgezeichnet in der Gießener Mannschaft wirkte wieder Hufmann als Mittelläufer. Er brachte seine Mannschaft mit zwei Freiwürfen in Führung, und Dietzemann erhöhte auf 3:0. Erst dann fiel der erste und einzige Gegentreffer in dieser Halbzeit. Trotzdem Göttingen mit dem Wind spielte, gelang es der Mannschaft nicht, durch die gute Deckungsarbeit der Gießener, mehr Erfolge zu erzielen. Halbzeit 4 :1. Sofort nach dem Wechsel nützen nun die Gießener den Wind als Partner aus, und Dietzemann und Lippert erhöhen auf 6:1. Ein schönes Durchspiel brachte das 6 :2, und anschließend kann der Mittelstürmer der Göttinger auf 6:3 einsenden. Beide Mannschaften rangen unermüdlich. Aber da verfielen die Göttinger in einen großen Fehler; während sie die Angriffe zu eng aufbauten, stellt sich zudem noch die Hintermannschaft auf zu hartes Spiel ein. Die verhängten Freiwürfe verwandelt der wurfsichere Hufmann. 8:3! Schon scheint das Spiel entschieden. Deckungsfehler der Hintermannschaft geben dreimal hintereinander dem Halbrechten der Gießener freien Schuß, und schon stand der Kampf zweistellig; Hufmann knallte einen Freiwurf knapp an den Pfosten, und der Ball landete zum zwölften Male im Tor. Während den letzten Spielminuten flaute der Kampf etwas ab, der Mittelstürmer der Kavallerfften konnte das Resultat noch um zwei Tore verkürzen, und Lippert stellte anschließend das Ergebnis von 13:5 her. Die 2./JR. 116 Gießen spielte mit: Sieler, Manderscheid, Götzinger, Huf- mann, Pankok, Barke, Schüßler, Hoffmann, Livpert, Dietzemann, Berschke. — Kreissportwart Mohr (Gießen) leitete den Kampf. Heimische Fußballmannschaften in Freundschaftskämvsen. Lollar I — Ounlop Hanau (Gauliga). Mit Spannung sieht die Lollarer Sportgemeinde dem morgigen großen Fußballereignis auf dem schön gelegenen Waldsportplatz entgegen. Die Lollarer Mannschaft hat sich mit der Verpflichtung der Elf von Dunlop Hanau eine große Aufgabe gestellt, indem sie sich einem starken Gegner aus der Gauliga gegenüberstellt. Wie die Lollarer die Aufgabe lösen, muß man abwarten. Den Gästen geht ein guter Ruf voraus. Sie verfügen über ein gutes spielerisches Können. Gelang es doch den „Dunlopern" voriges Jahr, sich mit großem Elan in die Gauklasse aufzuschwingen und zu behaupten. Die Hauptstärke dürfte bei den Gästen wohl in der Funferreihe zu finden sein. Aber auch m der Verteidigung wird ein starkes Bollwerk vor- Händen sein und die Lollarer Stürmer werden alles aufbieten müssen, um dieses überwinden zu können. Durch die neuen Kräfte verfügt Lollar ebenfalls über eine ziemlich ausgeglichene Elf. Doch können die Platzbesitzer nicht vollständig antreten, da gute Spieler wie Gabriel, Kreiling und Klinke! erseht werden müssen. In der Aufstellung K. Ziegler, A. Ziegler, Geißler, H. Ziegler, Thielemann, Will, Anthes, Haas, Schaaf, Rudolf, Schilling wird Lollar den Kampf bestreiten. Wenn die Lollarer durch Eifer und letzten Einsatz eines jeden Spielers einen Teil von dem guten Können aufholen können, das die Hanauer voraus haben, dann dürfte man schönen Fußball zu sehen bekommen. Spielvereinigung 1900 Gießen. Lauterbach — 1900. Die Blauweißen kommen morgen einer weiteren Rückspielverpslichtuna nach, und zwar ist diesmal die Sportaemeinde Lauterbach der Gegner. Bekannt ind die Lauterbacher durch ihre vorjährige Teilnahme an den Aufstiegspielen in der Gruppe Nord, wo sie Kurhessen Kassel einen erbitterten Kampf lieferten, der erst mit dem Spiel in Kassel ent- chjeden wurde, und zwar mit dem Siege der Tasselaner. Man könnte das moraige Spiel sozu- agen einen Vergleich stampf der beiden oberhessi- chen Vorjahrsmeister nennen, wenn auf beiden Seiten die gleichen Bedingungen vorhanden wären. Dem ift aber nicht so, denn während die Lauterbacher in der angenehmen Lage sind, auf ihre beste Besetzung zurückgreifen zu können, die sich durch den Zusammenschluß sämtlicher Laubacher Turn- und Sportvereine unter Einbeziehung von Blitzenrod noch hat verstärken lassen, müssen die Blau- weißen ohne die abwesenden Soldaten antreten. In der Besetzung Fischer, Schneider, Schäfer, Günther, Quick, Bischoff, Koch, Rensing, Liebel, Jäger, Heuser ist zwar noch eine annehmbare Vertretung zur Stelle, die durch ein Hnentschieden gegen Germania Marburg ihr Können bewies. Ob dies jedoch gegen die auf eigenem Platze besonders starken Gastgeber ausreicht, muß abgewartet werden. LfB.-Neichsbahn Gießen. DfB.-R. Gießen I. — Sportverein Groß-Karben I. Der DfB.-Reichsbahn hat sich für morgen den Sportverein Groß-Karben zu einem Freundschaftsspiel verpflichtet. Die Gäste, die in der Gruppe tfriedberg an dritter Stelle stehen, sind hier nicht unbekannt, denn vor mehreren Jahren war die Mannschaft unserer Gruppe zugeteilt, wo sie sehr gefürchtet war. Auch in diesem Jahre konnte die Mannschaft sich wieder in der Spitzengruppe halten. Die Grün-Weißen, die ja schon wiederholt bewiesen haben, was in ihnen steckt, werden in stärkster Aufstellung antreten. Man erwartet einen spannenden Kampf. Der Ausgang ist nicht vorauszusagen. DfB.-Reichsbahn II. — Groh-Karben II. Wieder einmal tritt die Reserve der GrüwWeißen auf den Plan. Die Spielstärke der Gäste ist hier nicht bekannt. 1. Jugend — Germania 08 Marburg 1. Jugend. Die 1. Jugendmannschaft der Grün-Weißen empfängt Gäste aus Marburg. Im Vorschiel mußten sich die Germanen auf eigenem Platze eine hohe 6:0-Niederlage gefallen lassen. Die Gießener lieferten damals eines ihrer besten Spiele. Die Marburger werden jedenfalls alles daran setzen, um die Niederlage wett zu machen. Ob es ihnen gelingen wird, ist fraglich. Die 2. Jugend erwartet die Jugendelf von Steinbach. Hier handelt es sich ebenfalls um ein Rückspiel. Das Vorspiel konnten die Gießener mit 3:1 gewinnen. Klein-Linden I — Lich I. Zum fälligen Rückspiel weilen die Rasenspieler am Sonntag in Klein-Linden. Das Vorspiel an P singst en in Lich konnten die Grünweißen für sich entscheiden, doch muß man dabei berücksichtiaen, daß die Gäste damals großes Schußpech hatten. Am Sonntag nun werden die Platzbesitzer alles daran setzen, um die Dorspielniederlage wettzumachen. Für die Rasenspieler, die leider nicht in stärkster Aufstellung antreten können, dürfte es deshalb zweckmäßig sein, das Spiel von Anfang bis Schluß mit dem nötigen Emst durchzuführen. Teutonia Steinberg I gegen Phönix Vilbel I. Vorletztes Spiel um den Aufstieg zur Gauklasse. Zum letztenmal sehen die Teutonen-Anhänger morgen ihre Mannschaft im Kampf um den Aufstieg zur höchsten Fuhballklasse. Hoffentlich verlassen wenigstens diesmal die Zuschauer befriedigt den Sportplatz an der Neumühle. In den bisher ausgetragenen Heimspielen reichte es jedesmal nur zu einem mageren Hnentschieden. Bei etwas mehr Einsatz und Kampseseifer der Teutonen hätte jeweils ein Sieg in Aussicht gestanden. Aber es wollte nicht klappen! War die Mannschaft in den Verbands- und den nachfolgenden Gesellschaftsspielen immer Sieger geblieben, so hoffte man, dies würde auch bei den Aufstiegspielen so sein. Die große Gelegenheit ist I jedoch vorbei, und die Steinberger müssen alles daransetzen, um wenigstens die zwei letzten Kämpfe in Ehren zu bestehen. Die stille Hoffnung des gesamten Fußballkreises dürfte wohl dahin gehen, endlich einmal die Teutonia in Meisterform zu sehen. Die Voraussetzungen für diese Annahme sind denkbar günftig; denn oer Vereinsleitung ist es gelungen, die auf dem Truppenübungsplatz befindlichen Soldaten frei zu bekommen. Es wird also an der Mannschaft selbst liegen. Der Dpttkcr am Sahnhof > Lieferant- auch Ihrer Krankenkasse welch ein Spielausgang zustande kommt. Findet sich die Elf endlich zu ihrer Spielweise, dann dürfte die Frage nach dem Sieger ganz offenkundig mit Steinberg beantwortet werden. Im anderen Falle jedoch wird es keine Heberraschung bedeuten, wenn Vilbel vielleicht auch einen Punkt mit nach Hause bringt. Hoffentlich bereitet die Teutonen-Mannschaft zum Abschluß ihren zahlreichen Anhängern eine Freude. Die Elf tritt mit Happel, Fett, Buß, Naumann, Hederich, Heinzemann, Haas, Lang, Schmidt, Däublin, Wehrum an. leufonia ..Alle Herren" — Buhbach „Alle Herren". Dor dem Liga spiel stellt sich die neuaufgestellte „AH."-Mannschaft zum erstenmal vor. Spieler früherer Jahre stehen sich hier gegenüber und werden, wie vor Zeiten, versuchen, den Sieg an ihre Fahne zu heften. Handball-Pokalspiele auf dem Programm. Die Abwicklung der Pokalspiele bereitet Schwierigkeiten. Der Grund ist nicht zuletzt in ihrer etwas späten Ausschreibung zu suchen. Während so beispielsweise die Begegnung Heuchelheim — Barbara auf den heutigen Samstag festgesetzt wurde — diesmal allerdings endgültig — treten W.-Niedergirmes und Garbenheim am Mittwoch nächster Woche gegeneinander an. Der Sieger aus dem Heuchelheimer Spiel empfängt am Sonntag auf eigenem Platz den TV. Lützellinden zum Spiel um die 2. Zwischenrunde. Die Vorschlußrunde kommt am 17. dieses Monats zum Austrag. Die Verlosung wird nach Ermittlung der drei Letzten vorgenommen. Man darf gespannt fein, gegen wen Lützellinden anzutreten hat. Die Mannschaft, die in diesem Jahre etwas vom Pech verfolgt war, will nun unter allen Umftänben bei den Pokalspielen etwas erreichen. Das wird ihr auch sicherlich möglich fein, wenn es gelingt, die komplette Einheit auf die Beine zu bringen. Fortsetzung der Lehrgangsarbeit. Die Lehrgangsarbeit nimmt mit dem zwetten Tag des ausgeschriebenen Hebungsleiter-Lehraanges ihren Fortgang. Auf dem MTÄ.-Platz in Gießen treffen sich am Sonntagoormittag erneut die Hebungsleiter, Schiedsrichter und Anwärter zur praktischen Arbeit. Deutschland führt. Massenankunft in Dient Die Deutschlandfahrer trafen auf ihrer Freitag- Etappe in der Ostmark nicht gerade gutes Wetter an. Unmittelbar nach dem Start in Passau ging ein heftiger Gewitterregen nieder, und 100 Kilometer vor dem Ziel geriet das Feld in einen Landregen, der bis dicht vor Wien ein unerwünschter Begleiter war. Im Ziel, das von Zuschauern dicht umsäumt war, hatte auch eine Radfahrer-Kompanie Aufstellung genommen. Am Schloß Schönbrunn gab es eine Massenankunft, aus der überraschend der Bielefelder Langhoss (Dürkopp) in 8:59:20 Stunden als Sieger hervorging. Auf den weiteren Plätzen folgten mit der gleichen Zeit der Belgier Spiessens, der Franzose Chocque und die Deutschen Schild, Schmidt, Wengler und Bautz sowie Lachat (Frankreich) und Jacobsen (Dänemark). Der Nürnberger Umbenhauer hat auch nach dieser zweitlängsten Etappe der ganzen Deutschlandfahrt mit 57:16:23 Stunden das gelbe Trikot behauptet vor Scheller und Zimmermann. Großdeutsche Alpenfohrt gestartet. Der Schweinfurter Heller gewann die erste Etappe der 2. Großdeutschen Alpenfahrt unserer Amateure mit Start und Ziel in Garmisch-Partenkirchen im Spurt nach einer Fahrzeit von 3:10:35 Stunden (für die 121 Kilometer) vor Meurer (Tilsit) und Richter (Chemnitz). Auf den vierten Platz wurden gemeinsam 16 Fahrer gesetzt. In der Bergwertung führt der Berliner Fischer.