Nr. 108 Erstes Stau 189. Jahrgang Mittwoch. 10. Mai 1939 zu on ge Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte e . 1.80 Zustellgebühr . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüsse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Giehev poftschettionto: fironlfurt am Main 11688 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche UniverfttStrdruckerei N. Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschüftrftelle: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis 8'/.UHr des Dormittags Grundpreise für | mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps.. für Test- anzeigen von70mm Breite 50 Npf..Platzvorschrist nach vorh.Dereinbg.25°/„ mehr. Lrmähigte Grundpreise: Stellen-. 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Was die angebliche Schwäche Italiens zur See betrifft, so vergesse man in Paris offenbar, daß Italien über eine große Anzahl von Unterseebooten verfüge, die im Falle eines Krieges nicht einfach in den Häfen liegen bleiben würden, sowie über eine gewaltige'Luftwaffe, die imstande sei, an jedem Punkt des Mittelmeeres einzugreifen, und die nicht nur bis nach Tunis, Marseille, Paris oder Bordeaux, sondern auch nach London gelangen könne, um dort ihre Bomben abzuwerfen. Das Märchen von einem armen, mittellosen Italien, das über keine Hilfsquellen verfüge, gehöre ebenso zu dem alten Gerümpel wie das eines allmächtigen Frankreich. Deutschland habe, indem es in Mailand ein Militärbündnis mit Italien geschlossen habe, bewiesen, daß es vom heutigen Italien mehr weiß als Frankreich. verwurzelten nationalen Selbstbewußtseins spielt der Hintergedanke einer Lösung von der seit Jahrhunderten bestehenden Abhängigkeit von England unbedingt eine Rolle. Mit Vorliebe wird daher betont, daß die, im letzten Jahrzehnt durchgeführte wirtschaftliche und politische Reform ohne die geringste Unter st ützung Englands erfolgt ist. Auch dem Freundschaftsvertrag mit Spanien liegt ohne Zweifel der Wunsch zu Grunde, sich auf der Iberischen Halbinsel ein Gegengewicht gegen die britische Bevormundung zu schäft fen. Man betrachtet es in Lissabon als einen moralischen Erfolg, im spanischen Bürgerkrieg vom ersten Augenblick an richttg beurteilt zu haben. Nachdem nun auch noch England durch den in Portugal am Ende eines zweieinhalbjährigen Kampfes gegen den Bolschewismus doppelt unverständlichen Vorschlag einer militärischen Annäherung an Rußland das Vertrauen in die Ehrlichkeit seiner Politik aufs neue schwer geschädigt hat, kann man sich über einen ziemlich ausgeprägten Stimmungswechsel in Lissabon kaum noch täuschen. — So schrieb kürzlich beispielsweise „Diorio de Noticias": „Portugal sucht in sich selbst die Richtlinien für seine ehrenvolle Unabhängigkeit. Es hat sich von dem ausländischen Gläubiger (gemeint ist England) frei gemacht, der ein Jahrhundert lang über sein inneres und äußeres politisches Leben verfügt hat. Es gestattet sich daher in Europa die Freundschaften zu unterhalten, die es sich nach bestem Gewissen und freiem Gutdünken ausgewählt hat". bestimmte, heute noch vom Staat selbst ausgeübte Obliegenheiten übernehmen können. Der jetzt noch zu Recht bestehende Ausnahmezustand wird daher nur als Uebergangsstadium betrachtet. Die im März 1933 gegebene Verfassung enthält den Artikel: „Der Staat hat die Aufgabe, den Zusammenschluß aller Korporationen moralischer, kultureller und wirtschaftlicher Natur zu ermächtigen und ihre Bildung zu fördern und zu unterstützen." — Durch die korporative Organisation des Staates soll der Klassenkampf gegenstandslos werden und an feine Stelle ein neues System des Gleichgewichts treten, das die für eine intensive Steigerung der Produktion erforderliche Gewähr des sozialen Friedens bietet. Hierbei ist es unverkennbar, daß bei dieser Neuerung an Einrichtungen wieder angeknüpft wird, die in der Vergangenheit schon vorhanden waren, und zwar an die mittelalterlichen Zünfte, Gilden und Bruderschaften. Doch wird ausdrücklich betont, daß es sich nicht etwa um eine Rückkehr handelt, andern vielmehr auf Grund in früheren Zeiten gemachter Erfahrungen ein solider Ausgangspunkt ür eine fortschrittliche Neuorientierung geschaffen werden soll. Bei dieser in jeder Hinsicht zu beobachtenden Belebung eines in einer ruhmreichen Vergangenheit send und jeweils einen Monat zu Hebungen heran- geZogen werden. Das Unterhaus nahm ohne Abstimmung die Gesetzesvorlage an. Der liberale Abgeordnete Mander versuchte die Abgeordneten für eine Gesetzesvorlage zu gewinnen, die vorsieht, daß im Kriegsfälle diejenigen, die wegen ihres hohen Vermögens Sonder st euer zahlen, einen Teil ihres Vermögens dem Staat für Rüstungszwecke zur Verfügung stellen sollen. In Anbetracht der Einführung der Wehrpflicht für die Jugendlichen sei dies eine moralische Notwendigkeit. Insgesamt würden rund 95 000 Engländer davon erfaßt, wenn man eine Altersgrenze von 60 Jahren annehme. Es gelang Mander jedoch nicht, die notwendige Mehrheit zusammenzubringen. Der Tag des italienischen Heeres. Generaloberst von Brauchitsch als Gast bei der großen Parade in Hom Italien in Waffen. Das politische und militärische Bündnis Deutschlands mit Italien ist die Folgerung aus der gleichgerichteten, von nationalen und sozialen Prinzipien ausgehenden Umformung der beiden Völker durch ihre Führer. Beide Nationen sind insofern in der gleichen Lage, als bei ihnen rund 140 Einwohner (in Italien 140,5) auf den Quadratkilometer kommen, wozu bei Italien noch die größere landwirtschaftliche Betätigung der Bevölkerung tritt, denn nach der letzten Volkszählung waren nicht weniger als 43,5 Prozent der italienischen Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Dieses italienifctye Bauern- tukn ist der Kraftquell der Nation, die sich außerordentlich schnell vermehrt. Das europäische Italien hat deshalb auch in der Bevölkerungszahl Frankreich, wo nur 76,1 Einwohner auf den Quadratkilometer kommen, überflügelt. Es hatte nach der letzten Volkszählung 43,58 Millionen Einwohner gegen nur 41,9 in Frankreich. Der von Mussolini der ganzen italienischen Na- tion eingeflößte soldatische Geist ist in jedem italienischen Staatsbürger geweckt worden, der sich als Träger einer aufwärtsstrebenden Nation mit historischer Sendung betrachtet. Der neue italienische Soldat, wie ihn Mussolini schuf, hat Gelegenheit gehabt, die Lehre des Duce prak- ttsch zu erproben, und zwar in Abessinien, als Freiwilliger in Spanien und bei der Besetzung Albaniens. Die Unterwerfung des gebirgigen und in den Tälern tropischen Abessinien wurde mit einer Machtentfaltung vorgenommen, die den Engländern und Franzosen überraschend kam, die cs aber gestattete, daß in nur acht Monaten vor dem Eintritt der großen Regenzeit das ganze Gebiet erobert werden konnte. Dieser Kolonialkrieg zeigte bereits die Anwendung neuer Methoden. Zunächst hatten die Italiener ihre Kolonnen massiert, aber nach einigen Monaten erwies es sich, daß durch motorisierte, schnell bewegliche Abteilungen in Verbindung mit der Luftwaffe der Feind schneller zu Boden geworfep werden konnte. Die Einnahme von Addis Abeba durch diese Abteilungen war ein Glanzstllck der strategischen Anlage, der Durchschlagskraft der modernsten Waffen und des Heroismus, mit dem der italienische Soldat alle Strapazen auf sich nahm. An dem Feldzug in Spanien nahm Italien durch Freiwilligenformationen und Flugzeuge gegen einen mit den 'modernsten französischen und sowjet- R. G. Rom, 9. Mai. Ganz Italien begeht heute den „Tag des Heeres", der zum Nationälfeiertag erklärt worden ist. Der „Tag des Heeres" fällt zusammen mit dem dritten Jahrestag der Gründung des Imperiums. In Rom fand eine große Truppenschau statt, der ein zahlreiche Bevölkerung beiwohnte. Zwischen dem Kolosseum und dem Nationaldenkmal war eine riesige Tribüne errichtet, auf der das Königspaar, der Duce, die Vertreter der Regierung, der Faschistischen Partei sowie zahlreiche ausländische Ehrengäste Platz genommen hatten. Unter den Ehrengästen bemerkte man auch den Oberbefehlshaber des deutschen Heeres, Generaloberst von Brauchitfch, sowie eine spanische und eine albanische Militärabordnung. Die Tribüne war mit den Fahnen Italiens, Deutschlands, Spaniens und Albaniens geschmückt. Auf den Seitentribünen sah man das diplomatische Korps, Vertreter der Militär- und Zivilbehörden sowie eine Abordnung der Landesgruppe Italien der NSDAP. Der Parade ging die Auszeichnung einer Reihe von verdienten Kämpfern durch den König und den Duce voraus. Etwa eineinhalb Stunden dauerte dann der Vorbeimarsch der Truppen, die einen Ausschnitt gaben von dem hohen Stand des italienischen Landheeres. Zwanzigtausend Mann, dreihundert TankZ und dreihundert Geschütze nahmen an der Parade teil. Auf den Stufen des Nationald.enkmals folgten dreißigtausend verabschiedete Offiziere dem militärischen Schauspiel, um durch ihre Anwesenheit ihrer» Verbundenheit mit dem Heer Ausdruck zu geben. Stürmisch begrüßt wurden bei ihrem Vorbeimarsch die italienischen Legionäre, die in Spanien kämpften und die etwa sechshundert Mann starke Abordnung des albanischen Heeres in Nationaltracht. Nach der Parade strömte die Zuschauermenge auf die Paradestraße und erschien später vor dem Palazzo Venezia, um dem Duce immer wieder zuzujubeln. Schließlich zeigte sich Mussolini auf dem Balkon des Palazzo, um an die Menge eine kurze Ansprache zu halten. Er sagte: „Die Kraft unserer Waffen ist unzweifelhaft groß. Aber noch größer ist die Entschlossenheit unserer herzen und, falls die Stunde kommen sollte, werden wir es beweisen!" Nach dem Abschluß des deutsch-italienischen Bündnisses hatte der „Tag des italienischen Heeres" ein besonderes äußeres Gepräge erhalten. Schon bei der Fahrt zur Truppenschau war Generaloberst von Brauchitfch Gegenstand herzlicher Sympathiekundgebungen der Bevölkerung für Deutschland. Generaloberst von Brauchitsch beendete am Dienstagabend seinen Aufenthalt in Rom und begibt sich Mittwochfrüh in Begleitung des Stellvertretern Altes, ewig junges Portugal Von unserem p. »Korrespondenten. London, 9. Mai. (DNB.) Kriegsminister Hore-Velisha brachte im Unterhaus die neue Gesetzesvorlage in zweiter Lesung ein, durch die die zuständigen Wehrminister ermächtigt werden, ohne die bisherigen Formalitäten sämtliche Reserven der britischen Flotte, des Landheeres einschl. der Luftwaffe und der Flakeinheiten unter die Fahne zu rufen Das Gesetz sei um so dringlicher, als die meisten Heere Europas heutzutage praktisch „ständig mobilisiert seien". Um die Reserven des britischen Heeres mit dem Umgang der modernen Waffen vertrqut zu machen, beabsichtige die Regierung, in diesem Iahrc in regelmäßigen Abständen die Reservisten zu Hebungen auf ihren Kriegsposten heranzuziehen. Die Reservisten der Flakeinheiten würden ebenfalls lau» wo er die großindustriellen Anlagen besichtigen und eine Rundfahrt auf dem Golf unternehmen wird. Am Abend reift Generaloberst von Brauchitsch dann nach Deutschland zurück. In einer Würdigung des „Tages des italienischen Heeres" schreibt der „Popolo di Roma" u. a.: „Das italienische Heer hat es eigentlich nicht nötig, seine Leistungsfähigkeit in einer Parade besonders hervorzuheben, denn diese Leistungsfähigkeit ist durch die Kämpfe in Abessinien und in Spanien unter Beweis gestellt worden. Diese Siege sind e i n Sinnbild des Stolzes und des Gefühls der eisernen Sicherheit, die das Volk beim Anblick dieser Truppe erfüllt. Darin liegt der Sinn dieser Parade." Mit aller Entschiedenheit wendet sich „Giornale d'Jtalia" gegen böswillige Verunglimpfungen der italienischen Wehrmacht in der französischen Presse. Italien sei zwar arm und verfüge über ein ungenügendes Gebiet für seine in stetem Anwachsen begriffene Bevölkerung, und eben deshalb stelle es seine wohlbegründeten Forderungen. In Frankreich vergesse man aber auch, daß feit 1935, d. h. seit dem großen Verrat Frankreichs, in Italien eine durchgreifende Autarkiepoli- ti k durchgeführt werde. In weniger als fünf Jahren werde Italien auf dem Gebiet der Er- Lissabon, Mai 1939. Portugal steht mitten in den Vorbereitungen für die doppelte Zentenarfeier seiner Hnabhängigkeit, die im nächsten Jahre begangen werden soll. 1139 hatte sich Alfonso Henriques zum König der bisherigen Grafschaft „Portucalia" erklärt, die ein halbes Jahrhundert zuvor einem burgundischen Geschlecht zur Belohnung für von ihm in der „recon- quista" geleistete Hnterstützung von Kastilien zum Lehen verliehen worden war; 1640 dagegen wurde die unter Philipp II. vorübergehend durch Erbschaft eingetretene Vereinigung der Kronen von Spanien und Portugal wieder aufgehoben und der aus einer illegitimen Nebenlinie des 1580 erloschenen Herrscherhauses stammende Herzog von Braganza in Lissabon zum König proklamiert. Wenn daher auch der Anlaß für diese Zentenarfeiern die Erinnerung an einen seit acht Jahrhunderten gegen Spanien geführten Hnabhängigkeits- kampf ist, so ist die portugiesische Regierung offensichtlich bemüht gewesen, hierbei sorgfältig jede Spitze für das Nachbarland zu vermeiden und hat ausdrücklich betont, daß es sich nur um eine nationale Kundgebung handelt, die mit berechtigtem Stolz auf eine der Vergangenheit angehörende glorreiche Entwicklung zurückblickt. Hätte es hierfür noch einer besonderen Bestätigung bedurft, so würde schließlich der erst kürzlich unterzeichnete Freundschaftsvertrag zwischen Portugal und Spanien genügen. Wohl aber stellt man in Lissabon bei der sich jetzt bietenden Gelegenheit mit Genugtuung fest, daß Portugal der älteste Staat auf der iberischen Halbinsel ist; denn Portugal ist wohl das einzige Land in Europa, dessen Grenzen seit dem 12. Jahrhundert kaum eine nennenswerte Veränderung erfahren haben. Das Jubiläum des Jahres 1940 gilt aber nicht nur der Selbständigkeit Portugals als eines vor 800 Jahren entstandenen Staates, sondern es soll zugleich der Welt ein imposanter Beweis der n a - ti'onalen Einheit des Mutterlandes mit seinen Kolonien erbracht werden. Man stellt sich hierbei auf den Standpunkt, daß Portugal die einzige Kolonialmacht ist, zu der ihre überseeischen Besitzungen seit einem halben Jahrtausend gehören, und daß es sie vor allen Dingen nicht anderen europäischen Rivalen weggenommen, sondern im Gegenteil in bis dahin beispiellos kühnen Seefahrten selbst entdeckt hat und seitdem mit ihnen verbunden geblieben ist. Es wird daher mit Vorliebe betont, daß jede Kolonie den integrierenden Bestandteil eines Reiches bildet, das aus einer folgerichtigen geschichtlichen Entwicklung hervorgegangen ist. Dieser Wunsch einer Betonung der unlöslichen Zusammengehörigkeit in verschiedenen Erdteilen liegender Besitzungen, deren gemeinsame Hauptstadt Lissabon ist, kommt auch darin zum Ausdruck, daß der bereits 70jährige Staatschef, General Carmona, nachdem er im vorigen Jahre die afrikanische Westküste, insbesondere Angola, besucht hat, im Verlaufe des heurigen Frühjahrs, vermutlich im Juni, eine Reise um das Kap der Guten Hoffnung bis nach Mozambique unternehmen und durch den Suezkanal zurückkehren wird. Der Rahmen der beabsichtigten Kundgebung wird jedoch dadurch noch wesentlich erweitert, daß auch Brasilien als einstige größte Kolonie an ihr teilnehmen will. Hiermit gewinnt die Zentenarfeier zugleich die Bedeutung des sichtbaren Beweises der Verbundenheit einer auch heute noch von einer gemeinsamen Kultur beherrschten Welt. Eine Ausstellung, die aus diesem Anlaß in Lissabon eröffnet werden soll, wird daher als „Exposicäo Hi- storica do Mundo Portugues“ (Geschichtliche Ausstellung der portugiesischen Welt) bezeichnet werden. Dieser Standpunkt ist aber um so mehr gerechtfertigt, als sich die vor einem Jahrhundert (1822/25) erfolgte Trennung der seit dem Jahre 1500 zusammengehörenden Länder durch keinen Gewaltakt vollzogen hat. Es handelte sich nicht um einen revolutionären Abfall, sondern aus vorwiegend dynastischen Gründen wurde ein selbständiges Kaiserreich Brasilien geschaffen, das noch bis 1889 von einer Linie des Hauses Braganza regiert worden ist. Dieses 800jährige Portugal ist begreiflicherweise doppelt stolz darauf, zugleich zeigen zu können, daß es dank der Führung des Staatsmannes Oliveira S a l a z a r immer noch die Kraft zu einer politischen Erneuerung und Verjüngung besessen hat. Deshalb soll im Jahre der historischen Erinnerungsfeiern der erste korporative Kongreß abgehalten werden zum Zeichen, daß die nach völlig veränderten Grundsätzen erfolgte politische Struktur als durchgeführt gelten kann; in einer entsprechend organisierten Ausstellung werden die in dem feit dem Staatsstreich von 1926 geschaffenen „Neuen Staat" errungenen wirtschaftlichen und sozialen Fortschritte anschaulich vorgeführt werden. Die Grundlage des mit erstaunlichem Erfolg in Angriff genommenen politischen Neuaufbaues bildet eine durchgreifende Reform der Finanzen, die nach dem Weltkrieg unmittelbar vor dem Zusammenbruch standen. Wenn auch bis zur völligen StabMsierung des aus einer nationalen Revolution hervorgegangenen Zustandes die Regierung ihre durch den Staatsstreich gewonnenen außerordentlichen Vollmachten beibehalten hat, so ist immerhin die Staatsform prinzipiell parlamentarisch geblieben. Doch steht neben der „Nationalversammlung", die als die eigentliche Volksverttetung gedacht ist, 'die „Korporative Kammer", durch die ein vollkommen neues Element in die portugiesische Staatsleitung hineingekommen ist. Es soll innerhalb der verschiedenen Derufsklassen ein Stamm geeigneter Persönlichkeiten herangebildet werden, die russischen Waffen ausgerüsteten Feind teil. Es war die praktische Erprobung dessen, was Mussolini geschossen. Eine große Anzahl italienischer Offiziere und Soldaten hatte hier Gelegenheit, den modernen Krieg und die Methoden kennen zu lernen, mit denen er durchgeführt und beendet wird. Im Laufe der spanischen Jahre hat sich Italien somit einen Stamm von Soldaten erzogen, der an praktischer Erfahrung seinesgleichen sucht. Die Besetzung Albaniens aber ' brachte ein Zusammenwirken aller drei Faktoren, des Landheeres, der Flotte, die dieses Heer über die Meerenge von Otranto transportierte, und der Luftwaffe. Die gemeinsame Operation war derartig präzise, daß in elf Tagen das wegelose Bergland besetzt wurde. Diese Schulung hat natürlich eine Unmenge von militärischen Einzelerfahrungen ergeben, die zusammen mit der modernen Waffenwirkung und Woffenanwendung schon frühzeitig zu einer den Erfordernissen der Praxis immer näher kommenden Umorganisation führte. Die Neuorganisation des Landheeres trägt diesen Erfahrungen ebenso Rechnung wie die Anregungen der großen italienische Militärschriftsteller wie Douhet, der für die Anwendung der Luftwaffe neue Gedanken entwickelte, wie General Visconto-Prasca, der über die Entscheidungsschlacht schrieb, oder wie General P a r i a n i, der die Schnelligkeit des Vormarsches mit der größtmöglichen Waffenwirkung vereinen will. Die Neugliederung der italienischen Landarmee ist im Gange. Sie erstreckt sich auf die Aufstellung der Obersten Kommandobehörden, auf ein GebirAruppenkommando, auf ein „schnelles Armee-Oberkommando" und auf eine Neuordnung des Oberkommandos in Nordafrika, ferner auf die Umwandlung der Infanterie-Divisiogen durch Fort- nähme je eines Infanterie-Regimentes und die dadurch mögliche Schaffung von 15 neuen Divisionen. Die zweigliedrige Division stattet ihre zwei Infanterieregimenter mit schweren Waffen aus. Um eine besondere Schnelligkeit zu erzielen, werden diese Regimenter motorisiert. Die Masse des Landheeres besteht aus 51 solcher Verbänden, die auf 17 Armeekorps verteilt werden und in fünf Armeegruppen vereinigt find. Für den Krieg im Gebirge bestehen fünf AlpeNdivisionen. An rasch beweglichen Verbänden 'gibt es zwei Panzer-, drei schnelle und zwei motorisierte Divisionen, die gewissermaßen den Vortrupp des Heeres bilden. Außerdem sind jedem Armeekorps noch Schwarzhemdenbataillone ange- aliedert. Ferner wird der Küsten-, Luft- und Grenzschutz durch eine sorgfältig ausgebildete Miliz aus- geübt, wobei erwähnenswert ist, daß für den Grenzschutz außerdem noch besondere Artillerie- regimenter des Heeres bereitstehen. Jedes Armeekorps hat ihre .Korpsartillerie, außerdem, gibt es eine Heeresartillerie. Für Nordafrita besteht einx eigene Organisation aus zwei Armeekorps, denen die Eingeborenentruppen angegliedert find. Die Luftwaffe, die mehrere tausend Flugzeuge erster Linie umfaßt, ist neuerdings in Geschwader eingeteilt worden, die aus den Fliegerdivisionen aebildet wurden und eine wirksamere Zu- sammenfafsung der verschiedensten Flugzeug arten (Jagdflieger, Aufklärungsflugzeuge, Kampfflieger, Bomber) vorsehen. Für das Flugzeugwesen sind große Summen zum Ausbau bewilligt worden. Es ist weiter bemerkenswert, daß Italien sein Kriegsgerät selbst herstellt und die Versorgung mit Rohstoffen auch im Kriegsfälle gesichert hat, während Frankreich und England einen Teil ihrer Flugzeuge und Motoren aus den USA. beziehen müssen. Die langgestreckten Küsten der italienischen Halbinsel werden nicht nur zu Lande durch das Heer und durch die Luftflotte, sondern auch durch eine starke Kriegsmarine geschützt, wobei Italien besonderes Gewicht auch auf die U-Bootwaffe legt, die der französischen überlegen ist. An leichten und schweren modernen Kreuzern besitzt es die gleiche Zahl wie Frankreich. Dieses italienische Volk in Waffen, rund 8 Millionen Soldaten, hat sich, wie der Oberbefehlshaber des deutschen Heeres, Generaloberst von Brau- ch i t s ch, auf seiner Reise nach Italien und Libyen feststellen konnte, gleich der deutschen Armee zu einem Faktor von unbezwingbarer Kraft entwickelt. So verfügen die beiden befreundeten Völker über die modernsten und diszipliniertesten Heere der Gegenwart, während im englischen Unterhaus der Deutschenfresser Lloyd George dem englischen Generalstab sagen mußte, daß die demokratischen Regierungen in allen diesen Dingen den Völkern eine französisch-englische Phantasmagorie vorzauberten, die beim ersten Anprall der Wirklichkeit zerstieben würde. E. v. llebernahme der Kurie auf dem Forum Nomanum. Rom, 9. Mai (Europapreß). Der dritte Jahrestag der Begründung des Imperiums erhielt seinen Charakter durch die Uebernahme der auf dem Forum Romanum befindlichen Kurie. Dem Festakt wohnten der Duce, die Mitglieder des Faschistischen Rates, des Senates und der Kammer bei. Die Kurie, der Sitzungssaal des Senates aus der antiken Kaiserzeit, ist noch gut erhalten. Der Saal, dessen Fußboden, Stufen und Wände bis zu einer Höhe von acht Meter noch vorhanden sind, und dessen Umfassungsmauern noch stehen, so daß die Rekonstruktion des Daches möglich war, erscheint wieder wie zu Zeiten des Kaiser Diokletian im zweiten Jahrhundert nach Christi. Es wird versichert, das Bild sei kaum ein anderes gewesen als zu den Zeiten der römischen Republik. Man könnte wohl sagen, daß die Besucher der Kurie in ihr das Urbild des Parlaments zu sehen haben. Der Präsident des Faschistischen Senates feierte in feiner Ansprache den Duce als den Begründer des neuen Imperiums. Das Gebäude des römischen Senats, das der italienische Senat in Zukunft hüten wolle, werde die antike Tradition! wieder aufnehmen und — wie man im Altertum die Trophäen der Siege aufbewährte — in Zukunft die Stätte der Wahrzeichen der neuen faschistischen Siegestaten sein, des Marsches auf Rom, der Gründung des Imperiums und der Vereinigung der albanischen mit der italienischen Krone. Englische Generale besichtigen die Moginot-Linie. London, 9. Mai. (DNB.) Wie „Daily Telegraph" berichtet, wird der britische Generalleutnant Sir John Dill, der als Kommandeur des britischen Expeditionskorps im Kriegsfall gilt, zusammen mit General Gamelin zwei Tage lang die Maginot-Linie bei Charleville besichtigen. — „Daily Telegraph" bezeichnet den Zweck des Besuches als Fortsetzung der Besprechungen, die der britische Generalstabschef Viscount Gort feinerzeit in Pa- ris begonnen habe. Weiter befinden sich in Beglei- tung des Generalleutnants Dill die Kommandieren- Oer Beamte im Dritten Reich. Reichsminister Or. Frick auf der Frankfurter Tagung des Reichsbundes Deutscher Beamten. Der 2. Tag der Reichstagung des Reichsbundes der Deutschen Beamten wurde mit einem Vorspruch und gemeinsamem Lied eingeleitet. Reichshauptstellenleiter Eggerdinger umriß die historische Entwicklung der Stellung des Beamten und gab eine lebendige Schilderung des jetzigen Verhältnisses zwischen Staat und Beamtenschaft, das ein völlig anderes sei, als zu allen früheren Zeiten. Beamtenpolitik fei ein Teil der allgemeinen Politik und werde bestimmt durch die Auffassung von den Aufgaben des Staates. Daraus ergebe sich, daß der" Beamte seine Aufgabe — fachliche Tüchtigkeit vorausgesetzt — nur bei weltanschaulicher Festigung erfüllen könne. Die Beamtenpolitik des Dritten Reiches müsse deshalb ihr besonderes Augenmerk auf die weltanschauliche Erziehung des Beamten richten. In engster Fühlung mit dem Stellvertreter des Führers habe das Hauptamt für Beamte als Bindeglied der Beamtenschaft zur höchsten Dienststelle der Bewegung darüber zu wachen, daß Gesinnung, Haltung und Einstellung des Berufsbeamtentums im Dritten Reich sich nach nationalsozialistischen Grundsätzen richten. Bei der Erörterung der Laufbahn- und Aufstiegsfragen der Beamtenschaft erklärte er: „Nicht Verstandesakrobaten, nicht Intellektuelle, nicht Bürokraten mit den vollkommensten Paragraphenkenntnissen haben Deutschland groß gemacht, sondern jene im Volk verwurzelten festen Charaktere mit klarem Verstand und reinem Wollen". Diese Auffassung sei im vollen Umfang bisher nicht überall erkannt worden. Darum wird es immer Aufgabe der Partei fein, diesen Auffassunyen zum Durchbruch zu verhelfen. Reichsmimster Dr. Frick sprach sodann über das Thema: „Das deutsche Berufsbeamtentum, ein Grundpfeiler des Dritten Reiches". Als besonders hervorstechende Ergebnisse der jüngsten Zeit behandelte er das Gesetz über den Aufbau der Verwaltung in der Ostmark, sowie das Gesetz über die Gliederung der sudetendeutschen Gebiete und das Gesetz über den Aufbau der Verwaltung im Reichsgau Sudetenland (Sudetengau-Ge- sctz). Durch diese Gesetze konnte die erstrebte Reichsreform als entscheidendes Stück vorwärts getrieben werden. Sie wurden damit die Marksteine der staats- und rechtspolitischen Aufbauarbeit des Dritten Reiches. Sie dienten vor allem auch dem Zweck, dem Reich vorerst in der Ostmark und im Sudetengau die verwaltungsmäßige Gestalt zu geben, die es nach dem Willen des Führers, falls die Erfahrungen mit den erlassenen Gesetzen es rechtfertigen sollten, auch in den übrigen Reichsteilen endgültig erhalten soll. Dabei stehe ein Gedanke in Geltung: der großdeutsche Einheitsstaat. Grundlage des Neuaufbaues in der Ostmark sei der R e i ch s g a u. Dieser sei dadurch gekennzeichnet, daß er in unmittelbaren Beziehungen zum Reich und zu den Reichszentralstellen stehe, sein Bezirk decke sich mit dem des P a r t e i g a u e s: es ist also in gebietlicher Hinsicht die Einheit zwischen Partei und Staat hergestellt. Die Verwaltung der Reichsgaue habe eine straffe Zusammenfassung hn Reichs st atthalter erfahren, der insbesondere die Einheit der politischen Führung im Reichsgau gewährleistet, was auch daraus hervorgehe, daß er gleichzeitig Gauleiter der Partei sei. Als Vertreter des Reichsstatthalters sei im Ostmark-Gesetz in der staatlichen Verwaltung der Regierungspräsident und in der Gau-Selbstverwaltung der Gauhauptmann vorgesehen. Als Besonderheit in der Gliederung des Sudetengaues bezeichnete der Redner die Bildung von drei Regierungsbezirken. Die ausreichende und wirksame Betreuung der Bevölkerung sei hier nur möglich, falls zwischen den Reichsstatthaltern und die Land- und Stadtkreise Regierungspräsidenten eingeschaltet und räumlich in geeigneter Weise auf den Gau verteilt sind. Die sonstige Verwaltungs- organifation sei aufs engste an die der Ostmark an» gelehnt. Der Redner bekannte sich dann oorbel)altlos zu dem Gedanken der weltanschaulichen Ausbildung der Beamten, der Durchsetzung hes Leistungsprinzips und damit zum Berufsbeamtentum schlechthin. Auf der gediegenen und stetigen Arbeit der vielen Taufende von Beamten beruhe der ungestörte gleichmäßige Gang der Staatsmafchine, der Sicherheit, Ruhe und Ordnung der Wirtschaft auch in Zeiten gewährleistet, wo andere Völker und Nationen von einer Kriegspsychose sondergleichen erfaßt sind. Dieser Erkenntnis werde in absetzbarer Zeit eine Besserung der finanziellen Stellung der Beamten gerecht, die heute leider noch nicht so sei, wie auch er sie für notwendig erachte. Das sei auch deshalb notwendig, da die Jugend, wenn das Mißverhältnis zwischen dem, was die private Wirtschaft und der Staat ihr zu bieten vermag, allzu sinnfällig wird, für den Beamtenberuf nicht mehr zu haben sein werde. Abschließend würdigte Reichsminister Dr. Frick die Opferbereitschaft der deutschen Beam» tenschaft, die nur möglich ist, weil in ihr der Geist der Kameradschaft lebendig ist, der der gleiche ist, wie er in der Wehrmacht herrscht und wie er das politische Führerkorps der Partei beseelt. So ergänzen sich die drei Säulen Beamtenschaft, Wehrmacht und Pratei gegenseitig. Vereint durch die Treue und die Liebe zu unser aller Führer bilden sie die Grundpfeiler des Dritten Reiches. Den Geist der Kameradschaft verdanke die Beamtenschaft nicht zuletzt der unermüdlichen Schulungsarbeit des Reichsbundes, der seit der nationalsoziakistischen Revolution dem deutschen Beamtentum nicht nur äußerlich ein nationalsozialistisches Gepräge gegeben, son. dem es mit wahrhaft nationalsozialistischer Gesinnung erfüllt hat. den Generale der 1. und 2. Division der britischen Armee, Generalmajor Alexander und Generalmajor Wilson, sowie der Leiter der Operationsabteilung im britischen Generalstab, Generalmajor P o w n a l l. Englands Gegenvorschläge. Eine Richtigstellung Moskaus. Moskau, 9. Mai. (DNB.) Die sowjetrussische Telegraphenagentur erklärt: „Nach Mitteilungen aus London hat die Agentur Reuter verbreitet, daß die englische Antwort auf die Vorschläge der Sowjetunion folgende hauptsächlichen Gegenvorschläge enthält: 1. Die Sowjetunion solljedem ihrerNachbarstaaten einzeln eine Garantie geben; 2. England verpflichtet sich, die Sowjetunion zu unterstützen, die diese im Ergebnis der Durchführung der übernommenen Ga- rantiesi in einen Krieg eintritt. Auf Grund von Angaben aus autoritativen sowjetischen Kreisen kann die TASS, erklären, daß diese Mitteilung der Agentur Reuter nicht ganz den Tatsachen entsprich t. In d^n „Gegenvorschlägen" der englischen Regierung heißt es vielmehr, die Sowjetregierung solle England und Frankreich sofort Hilfe l e i ft e n, wenn diese letzteren in militärische Aktionen eintreten in Ausübung der von ihnen übernommenen Verpflichtungen für Polen und Rumänien. Es wird jedoch nichts erwähnt von einer Unterstützung, welche die Sowjetunion von England und Frankreich auf der Basis der Gegenseitigkeit erhalten würde, wenn sie gleichermaßen in militärische Aktionen hineingezogen würde in Wahrnehmung der von ihr übernommenen Verpflichtungen gegenüber dem einen oder anderen der Staaten Osteuropas. Oer Freibrief für polen. Gegen die Garantiepolitik Frankreichs und Englands. Paris, 10. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der frühere französische Luftfahrtminister Marcel Deal hatte im „Oeuvre" einen Artikel veröffentlicht, dessen Schlußfolgerung war: „Für Danzig sterben, nein!". Deat erklärt nun, daß er, abgesehen von allgemein anonym gehaltenen und von Beleidigungen strotzenden Briefen, zahlreiche zustimmende und ermutigende Antworten erhalten habe. Dies berechtige ihn zu der Annahme, daß er letzthin nur das zum Ausdruck gebracht habe, was d i e Mehrzahl der braven Leute in Frankreich dächte und nur nicht sagen fön ne. Er wiederhole daher seine Ansicht, daß bas< Danziger Problem, das schon seit 20 Jahren auf der Tagesordnung stehe, praktische Lösungen finden könne. Er gehe in seiner „Böswilligkeit" sogar so weit, zu denken und zu sagen, daß man, wenn man wirklich „zum großen Handgemeinwerden" entschlossen sei, die Ausgangspunkte besser wählen könnte. Er habe gesagt, daß die einseitige Garantie Englands und Frankreichs den Polen plötzlich die Macht übertragen habe, über den Krieg und den Frieden in Europa zu entscheiden. Er wiederhole, daß dies gefährlich fei. Gewiß würden in Danzig die Empfindlichkeiten Polens und seine Interessen berührt, aber daß die Polen nach ganz eigenmächtigem Urteil und nach ihrem Belieben zu den Waffen greifen könnten mit der Gewißheit, daß England und Frankreich automatisch in den Krieg treten würden, komme ihm, Deat, wie ein Wahnsinn und wie eine große Unvorsichtigkeit vor. Der neue englische palästina-plan Ein Königreich Syrien-Palästina unter englisch-französischem Schutz? Kairo, 8. Mai. (Europapreß. Funkspruch.) Das englische Weißbuch über die Palästinafrage, von beffen Inhalt der ägyptischen Regierung Kenntnis gegeben worden ist, soll eine endgültige Abkehr vom Teilungsplan bedeuten und erkennen lassen, daß anscheinend zwischen der britischen, der französischen und der türkischen Regierung eine weitgehende Einigung erzielt worden ist. Das Weißbuch soll folgende Vorschläge der britischen Regierung enthalten: Palästina, Syrien und Transjordanien sollen zu einem Staat zusammengeschlossen werden, an dessen Spitze ein arabischer König stehen soll. England, Frankreich und die Türkei sollen den neuen Staat garantieren, England und Frankreich außerdem mit ihm Schutzver« träge nach der Art des britisch-irakischen Vertrages abschließen. Weichzeitig soll der Anschluß der Republik Hatay (des ehemaligen syrischen Sandschaks Alexandrette) an die Türkei vollzogen werden. Die Türkei soll außerdem einen Teil des nordsyrifchen Bezirks Aleppo erhalten. In arabischen Kreisen in Kairo will man wissen, daß über dieses Projekt bereits- zwischen der englischen und der französischen, sowie zwischen der englischen und der türkischen Regierung Verhandlungen geführt worden sind, und die Zustimmung von Paris und Ankara grundsätzlich gesichert sein soll. Deutschfeindlicher Patagonien- Schwindel zusammengebrochen. Buenos Aires, 8. Mai. (DNB.) Wie erinnerlich, tauchte vor einigen Wochen ein „Dokument" auf, das die angeblichen Unterschriften eines Beamten der deutschen Botschaft sowie des Landesgruppenleiters Argentinien der A. O. trug und sich mit vermeintlichen deutschen Absichten auf das öde und unwirtliche Patagonien im Süden Argentiniens beschäftigte. Das „Dokument", das schon durch einige technische Unmöglichkeiten und Fehler — falscher Titel des Botschaftsbeamten, gemeinsame Unterschrift eines Behörden- und eines Parteivertreters — den Stern- p e! der Lüge allzu deutlich zur Schau trug, wurde von deutscher Seite sofort als das Machwerk eines üblen, bereits einschlägig vorbestraften Emigranten erkannt, während die antifaschistische Hetzpresse Argentiniens und auch die deutschfeindlichen Blätter des übrigen Auslandes versuchten, diese „sensationellen Enthüllungen" weidlich zu einem groß aufgemachten Verleumdungsfeldzug gegen Deutschland und vor allem gegen die Ausländsdeutschen auszuschlachten. Dieser niederträchtige Hetz- feldzug ist nun endgültig zusammengebro- ch e n. Landesgruppenleiter Müller, der seinerzeit zur Klärung der Angelegenheit festgenom - men worden mar, wurde am Samstag nach 36tägiger Hast auf Veranlassung des Untersuchungs- richters aus dem Polizeigefängnis entlassen, nachdem selbst der Statasanwalt für die Nieder- schlaaung des Verfahrens gegen Müller im Zusammenhang mit der Dokumentenangelegenheit plädiert hatte. Gleichzeitig hat der Staatsan. walt eine Untersuchuna gegen den Ur« Heber der Dokumentenfälschung angeregt. Damit ist die völlige Haltlosigkeit der Beschuldigungen gegen den Landesgruppenleiter von argentinischer Seite rechtsgültig bestätigt worden. Eine notwendige Feststellung. Berlin, 9. Mai. (DNL.) In der englischen Presse find Veröffentlichungen erschienen, nach denen kürzlich vorgenommene Ausweisungen führender Reichsdeutscher aus Englan- wegen eines Mißbrauchs der Gaftfreund- schäft erfolgt fein sollen. Hierzu ist festzustellen: Die ausgeroiefenen Deutschen haben lediglich die in England lebenden Reichsdeutschen betreut, ohne sich dabei in die inneren Angelegenheiten des Gastlandes einzumifchen. Da die Betreuung der Reichsdeutschen nicht als Mißbrauch der Gastfreundschaft ausgelegt werden kann, entspricht dieser Vorwurf nicht den Tatsachen. Oer jugoslawische Staatsbesuch in Rom Italien bietet dem vrinzregentenpaare einen herzlichen Willkomm. R. G. Rom, 10. Mai. Prinzregent Paul von Jugoslawien ist in Begleitung des Außenministers Cincar-Markowitsch mit seinem Gefolge am Dienstagabend um 6.30 Uhr im italienischen Grenzbahnhof Poftumia eingetroffen. Hier wurde er voin Herzog von Genua im Namen des italienischen Königshauses willkommen geheißen. In Rom wird Prinzregent Paul am Mittwoch um 9.45 Uhr vom italienischen Königspaar, dem Duce, der Regierung, den führenden Männern der Faschistischen Partei und dem Diplomatischen Korps empfangen werden. Das Prinzenpaar wird im Quirinal Wohnung nehmen. Auf dem Wege zum Schloß, wohin das italienische Herrscherpaar seine Gaste mit Ehreneskorte geleiten werden, werden die Truppen der Garnison Rom Spalier bilden. Nach der Ankunft im Quirinal wird Prinzregent Paul den Duce und den italienischen Außenminister Gras Ciano in Audienz empfangen. Prinz Paul wird den Besuch am Nachmittag im Palazzo Venezia erwidern. Am Abend findet im königlichen Schloß ein F e st e s s e n statt. Die Straßen Roms werden festlich beleuchtet sein. Am Donnerstag begeben sich die Gäste nach Neapel zur großen Flottenschau. Für Freitag ist eine Audienz beim Papst und ein Besuch beim Karbinalstaatssekretär vorgesehen. Am Abend findet in der jugoslawischen Gesandtschaft eine © a I a t a f e I zu Ehren des italienischen Herrscherpaares statt. Am Samstag früh wird sich das Prinzenpaar für einen Tag noch nach Florenz begeben, wo am Abend ein Festessen im Palazzo Pitti und eine Gala-Vorstellung stattfindet. In der Nacht erfolgt bann die Rückreise nach Jugoslawien. Die römischen Blätter entbieten bem Prinzregen- ten herzliche Worte ber Begrüßung. „Lavoro Fascista" 'bezeichnet ihn als ben „getreuen Vollstrecker ber politischen Ideale des Königs Alexander" und rühmt feine Fähigkeit, im inneren Leben ber jugoslawischen Nation stets die ausgleichenden Tendenzen gefunden zu haben. Dieser selbe Sinn für politisches Gleichgewicht habe ihn auch befähigt, die auswärtige Politik feines Landes fo zu beeinfluffen, daß die Beziehungen Jugoslawiens zum Ausland heute klar erschienen. „Giornole d'Jtalia" erinnert daran, daß Prinz Paul viele Jahre seiner Jugend in Florenz verbracht hat. ,Hhm", so sagt das Blatt, „ist ber Ostervertrag zu verdanken, ber die italienisch-jugoslawische Freundschaft begründet. Er war es, der, taub gegenüber allen fremden Einflüsterungen, die neue Mission Italiens, die niemandem feindlich gesinnt ist und nirgends auf Vorherrschaft sinnt, klar erkannt hat. Die Frucht dieser Politik ist das friedliche Zusammenleben von Italien und Jugoflawien im Abriatischen Meer." „Als erleuchteten unb weise Fürsten" feiert ihn die „Tribuna", die besonders auch auf die Verdienste hin- weist, die ber Prinz bei der wirtschaftlichen Entwicklung Jugoslawiens sich erworben hat. Heute könne gejagt werden, das Land fei auch wirtschaftlich auf bem Wege der Erneuerung. „Es ist ein Grund zur Genugtuung für das jugoslawische Volk", so schließt das Blatt, „daß in den letzten Jahren die Beziehungen Jugoslawiens mit Italien und Deutschland auf freundschaftliche Basis gestellt worden sind. In dieser Zeit allgemeinen Mißtrauens sind solche Erklärungen der Freundschaft und Bekundungen des guten Willens wertvoll, die mannigfachen Aeußerungen ber Sympathie gegenüber Deutschland unb Italien stellen eisten Faktor dar, dessen Wichtigkeit man am klarsten im Lichte ber Gegensätze zwischen ben anderen Völkern erkennen kann." Kunst und Wissenschaft. Dieder Nibelungen-Jeftfpiele in Worms. Das Hessische Landestheater Darmstadt wird auf Wunsch der Stadt Worms auch in diesem Jahr wieder die Wormser Nibelungen-Festspiele durchführen. Unter der künstlerischen Gesamtleitung von Generalintendant Franz Eoerth kommt in der letzten Juniwoche Hebbels „Nibelun- gen"-Trilogie viermal zur Aufführung. Leonardoda-Vinci-Ausstellung in Mailand. In Mailand wurde durch ben Herzog von Bergamo die große Leonardo-da-Vinci-Aus- st e l l u n g und die Ausstellung der italienischen Erfindungen eröffnet. An den Feierlichkeiten nahmen ber beutsche Generalkonsul in Mailand unb eine AborbrAing von zwölf beutschen Wissenschaftlern teil. Die deutsche Delegation steht unter Führung des Rektors der Wiener Universität, Professor Knoll. Der Präsident der Ausstellung, Marschall Bado gl io, hob die große Bedeutung des überragenden Universalgenies Leonardo da Vinci für die gesamte Entwicklung unserer Zeit hervor. Dn angeschlossene Schau der italienischen Erfindungen zeigt die Nutzanwendung unb Weitergestaltung ber Ideen Leonardos bis zu ben neuesten technischen Errungenschaften im Zeichen des italienischen Autarkie-Programms. Marktordnung und volkswirtschaftliche Preisbildung. Äon Felix Havenstein. Der Preis, den wir für eine Ware bezahlen, ist der Wertausdruck der Gegenleistung für erstellte Güter und Leistungen. Er ist zugleich eine Wirkungskraft, da alle Preise ja zugleich Einkommen darstellen, das jm wirtschaftlichen Kreislauf dreifach wiederkehrt, und zwar als Gesamtwert der erzeugten Güter und Dienstleistungen, als Summe der aus der Erzeugung fließendem Einkommen und schließlich als Gesamtwert des Verbrauchs und der Sparbilüung. Da alle Preise miteinander im Zusammenhang stehen, weil ja der Preis nicht nur Wertausdruck ist und nicht nur Einkommen darstellt, sondern auch Kaufkraft, bringt die Schwankung eines Preises Verschiebungen des volkswirtschaftlichen Preis- aefüaes mit sich und dadurch naturgemäß auch Kauskraftschwankungen. Muß also der Bauer beispielsweise m einem Jahr für eine landwirtschaftliche Maschine eine Tonne Weizen hingeben und im nächsten Jahre 1,25 Tonnen, dann sagen wir, die Kaufkraft des Weizens ist gesunken, während wir bei umgekehrter Entwicklung eine Steigerung der Kaufkraft des Weizens feststellen würden. Allein dieses Beispiel zeigt, welche Bedeutung der Preis in der Volkswirtschaft hat. In einer schwach entwickelten Wirtschaft mit kleinen Märkten, in der der Naturaltausch mach vorherrscht, spielt der Preis natürlich eine wesentlich geringere Rolle als in einer hochentwickelten Marktwirtschaft, woraus erleuchtet, daß die Preisbildung in der modernen Wirtschaft nicht dem sogenannten freien Spiel der Kräfte überlassen werden kann. So mußten denn auch die um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert von der Wirtschaftslehre des Frühliberalismus festgelegten Preisgesetze, die auf Angebot und Nachfrage beruhten, immer wirklichkeitsfremder werden. Aber wie der Freipreis des Frühliberalismüs, so blieb auch der gebundene Preis des Spätliberalismus in der Form des Kartell- und Monopolpreises wirklichkeitsfremd. Seine verheerenden Auswirkungen hat jeder einzelne am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Der Freipreis wie der gebundene' Preis des Spätliberalismus waren Machtpreise. In der modernen Wirtschaft hat der Preis jedoch ein Leistungspreis zu sein. Wenn nun die Herstellung eines Gefüges von Leistungspreisen in der modernen Wirtschaft auch nicht leicht ist, so ist sie doch dringend erforderlich — und ist Aufgabe der staatlichen Wirtschaftsführung. Wer das Gefüge des Weltmarktes einmal von diesem Gesichtspunkt aus be- tracbtet, wird feststellen können, daß die meisten Volkswirtschaften heute an dem Mangel einer wirtschaftlich, völkisch und staatlich sinnvollen Preisordnung leiden. Eine solche Preisordnung setzt, da die Preise auf den Märkten bezahlt werden, eine Marktordnung voraus, die in Deutschland bereits durch die Marktordnung des Reichsnährstandes zunächst im landwirtschaftlichen Sektor der deutschen Volkswirtschaft umfassend verwirklicht und im Laufe der letzten Jahre immer mehr verfeinert worden ist. Daß die Schaffung einer solchen Preis- und Marktordnung für die Gesamtwirtschaft einen allmählichen Wachstumsvorgang voroussetzt, ist selbstverständlich. Von welchem entscheidenden Gewicht in Deutschland die Durchbildung der Preisordnung im Rahmen der landwirtschaftlichen Marktordnung ist, erleuchtet die Tatsache, daß in Deutschland allein 40 v.H. des Einkommens für Lebensmittel ausgegeben werden. Und wie gesund sich dieser Eingriff in die zerrütteten Preis- und Einkommensverhältnisse der deutschen Landwirtschaft vom Jahre 1932/33 auswirkte, zeigt die Tatsache, daß die Verkaufserlöse der deutschen Landwirtschaft von 6,4 Milliarden Reichsmark im Jahre 1932/33 auf über 9,6 Milliarden Reichsmark im Jahre 1937/38 gestiegen sind. Jm Gesamtbild zeigt auch die volkswirtschaftliche Preisentwicklung in Deutschland seit 1933 unter dem Einfluß der Preis- und Marktordnung keine Ausschläge mehr, wie sie die Schwankungen zwischen „Konjunktur und Krise" im Spätliberalismus fast ständig mit sich brachten. Stephan Noch — ein Siebenbürger Volksheld. Am 11. Mai 1849 fiel der evangelische Pfarrer Stephan Ludwig Roth von Meschen in Siebenbürgen unter den Kugeln eines ungarischen Exekutiv- kommandos. Neunzig Jahre sind seit diesem ll.age verstrichen, Jahrzehnte, die ein ewiges Ringen !oer Siebenbürger Sachsen um die Erhaltung und Festigung ihres Deutschtums sahen. Roth war einer -euer Männer, wie ihn die seit siebenhundert Jahren'in Siebenbürgen sitzenden Deutschen brauchten: aufrecht und beharrlich, sittenstreng und fortschrittlich, treu deutsch und vom Scheitel bis zur Sohle üin Führer seinesVolkes. Schon frühzeitig neigten sich bei ihm die Ansätze einer Führernatur, ön Tübingen studierte er Theologie, kam dann mit Pestalozzi zusammen und kehrte mit dem reichen Ideengut dieses Volkserziehers in seine Heimat zurück. Er sorgte dafür, daß ihm deutsche Bauern folgten, die er in seiner Siebenbürger Heimat ansiedelte. Aber bald nach dieser Siedlung wehten auch durch die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie die Stürme des Jahres 1848, die in Ungarn eine betank österreich-feindliche, damit also auch deutschfeindliche Bewegung auslösten. Roth erkannte, was auf dem Spiele stand, er trat an die Spitze seiner deutschen Volksgenossen, zu denen sich die von den Ungarn unterdrückten Rumänien Siebenbürgens hinzugesellten. Von Wien aus wurde er zum Befriedungskommissar im Kokelsburger Komitat ernannt, wo er seine Aufgabe mit Geschick erfüllte, von Wien wurde er auch verlassen. Denn im Januar 1849 wurde er von den Ungarn verhaftet, was sicherlich nicht geschehen wäre, wenn man in Wien Treue mit Treue vergolten hätte. Wenige Stunden nach der Festnahme erfolgte bereits die standrechtliche Erschießung. Tapfer und aufrecht nahm Roth die Vollstreckung des „Urteils" an. Er starb für sein Volk und für seine Ideen, er löste aber auch die Achtung derjenigen aus, die das Kommando für die tödlichen Schüsse erteilten. Festsitzung -es Gaukulturrates. Präsident Müller-Scheld über das Thema „llnterhaliungsstück oder Drama". NSG. Als einer der Höhepunkte der Gaukulturwoche fand im Frankfurter Stadel eine Festsitzung des Gaukulturrates statt. Nach dem Adagio in E-dur von Haydn eröffnete Gauleiter Sprenger die Sitzung, indem er auf die Bedeutung des vor zwei Jahren gegründeten Gaukulturrates hinwies, dessen Mitglieder den Gau- kulturwart auf ihrem speziellen Fachgebiet bei der Arbeit unterstützen sollen. Der Gauleiter dankte den Mitgliedern für ihre Pflichterfüllung bei der Lösung dieser Ausgabe und gab die Anregung, daß der Gaukulturrat im kommenden Jahr in größeren Zeitabständen zu mehreren Sitzungen zusammentreten möge, wobei im Herbst das Thema der nächsten Gaukulturwoche Gegenstand eines Gedankenaustausches sein werde. Er übergab dann das Wort dem Präsidenten der Deutschen Filmakademie, Wilhelm Müller - Scheld, der sich zunächst mit einigen Grundbegriffen der künstlerischen Gestaltung beschäftigte: wesentlich sei, daß der Künstler nicht nur talentiert fei, sondern auch eine klare Ausgabe vor sich sehe. Der Dichter müsse ein in einer Zeit allgemein gültiges Gefühl auf eine Formel bringen. Der sei zum Beispiel ein großer Dichter, der ein wirkliches Volkslied zu schaffen vermöge. Der Dichter habe die Aufgabe, die Kräfte unserer Zeit zu personifizieren und darzustellen. Der Begriff der Unterhaltung sei zu bejahen, aber nicht der schaffe ein nationalsozialistisches Unterhaltungsstück, der Uniformen und zeitnahe Stoffe auf die Bühne bringe, sondern nur der, der die Gedankengänge und Forderungen des Führers ausgenommen und in sich verarbeitet habe. Nur, wenn er aus nationalsozialistischer Weltanschauung heraus schaffe, könne er wirklich nationalsozialistische Stücke schreiben. Der Künstler müsse sich ernsthafter mit den Erkenntnissen unserer Zeit beschäftigen und nicht zum Beispiel beim Unterhaltungsstück Heiterkeitserfolge mit Dingen erringen, deren schädlichen Einfluß wir heute kennen und die wir deshalb bekämpfen. Bei allem künstlerischen Schaffen müsse der Künstler an die Jugend denken, die in der HI. zu gesunden Anschauungen erzogen werde. Das Theater müsse bereit gehalten werden für diese nationalsozialistischen Stücke und für das Dichtergenie, das sich nicht herauforganisieren lasse, das sich aber wohl über das heutige Theater und auch vielleicht über das Unterhaltungsstück entwickeln könne. Da das Theater seinen Spielplan nach dem Fassungsvermögen seiner verschiedenen Besucher richten müsse, müsse ein Spielplan selbstverständlich nuanciert sein, und es könne mcht heißen „Drama oder Unterhaltungsstück", sondern nur „Drama und Unterhaltungsstü ck". Müller-Scheld führte dann weiter aus, daß vielleicht für viele heute noch als bedeutend angesehene Stücke der Zeitpunkt kommen werde, wo sie in vielen Dingen und Motivierungen von der in der HI. in einer bestimmten Weltanschauung erlogenen Jugend nicht verstanden würden. Auch daraus ergebe sich, daß man die Weltanschauung des Führers in sich ausgenommen haben müsse, um heute schöpferisch tätig sein zu können. Es gäbe kein großes Drama ohne eine Weltanschauung. Auch auf dem Gebiete der Unterhaltung müsse das Theater nationalsozialistisch geleitet werden. Damit es seine Berechtigung behalte, müsse es darauf achten, daß auch die Unterhaltungskunst nationalsozialistische Haltung habe. — Gauleiter Sprenger dankte dem Präsidenten der Deutschen Filmakademie für die Fülle der Anregungen, die er für eine spätere weitere Unterhaltung über dieses Thema im Gaukulturrat gegeben habe und schloß die festliche Sitzung. Zeitgenössische Musik in Darmstadt. NSG. Zu einem großen Erfolge wurde das Konzert zeitgenössischer Musik im Hessischen Landestheater in Darmstadt, das im Rahmen der Gaukulturwoche vom Rhein-Mainischen Landesorchester aufgesührt wurde. Es war ausschließlich Werken von lebenden hessen-nassauischen Tonkünstlern gewidmet. Damit erfüllte auch das Landesorchester seine ihm von Gauleiter Sprenger bei der Gründung übertragene Aufgabe, zeitgenössische Musik zu pflegen und in die Bevölkerung hineinzutragen. Zu Gehör kamen „Kleine Suite für Orchester" von Kurt Hessenberg, sechs Lieder für Altstimme mit Orchester von Johanna S e n f t e r, „Sinsonietta" von Gustav Adolf Schlemm, Or- chestervorspiel und drei Gesänge für Tenor aus „Hohelied der Arbeit" von Rudolf R a ck y und „Festliches Vorspiel" von Willi Renner. Unter der Leitung von Gaumusikinspizient Fritz C u j e gestaltete das Rhein-Mainische Landesorchester, das immer mehr zu einem Klangkörper mit ausgefeiltem Spiel wird, den Abend zu einem erbauenden Erlebnis. Als Solisten wirkten mit: Luise Richartz, Alt, und Anton Knoll, Tenor, beide aus Frankfurt. ÄollerErfolgderGA.-Kleinkunstbühne NSG. Jm Rahmen der Gaukulturwoche Hessen- Nassau trat die SA. -Gruppe Hessen in Frankfurt a. M. zum erstenmal mit ihrer Klein- kun st bühne an die Oeffentlichkeit. Mit kabarettistischen Darbietungen aller Art, mit musikalischen Einlagen, turnerischer Artistik und Einaktern in Glossenform aus dem alltäglichen Leben, rollte ein nur von SA.-Männern gestaltetes Programm ab, das der Kleinkunstbühne der SA.-Gruppe Hessen schon bei ihrer ersten Veranstaltung einen schönen Erfolg brachte. Veranstaltungen am Mittwoch. Frankfurt: Festliche Kulturfilmveranstaltung. Es spricht Landeskulturwalter Stöhr. Durchgeführt von der Reichssilmkammer. — Große Kulturkundgebung. Es sprechen Gaupropagandaleiter und Landeskulturwalter Stöhr, der Präsident der Deutschen Filmakademie, Wilhelm Müller-Scheld, über das Thema: „Die Aufgaben der Deutschen Filmakademie." Mitwirkende: Das Rhein-Mainische Landesorchester unter Leitung von Gaumusikinspizient Fritz Cujs. LlmsassendeFürsorge sürMutter undKind Frühjahrstagung der Wissenschaftlichen Gesellschaft der Deutschen Aerzte des Oeffentlichen Gesundheitsdienstes in Hessen. Bad-Nauheim, im Mai. Vom 5. bis 7. Mai hielt die Wissenschaftliche Gesellschaft der DeutschenAerzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes in Hessen ihre Frühjahrstagung in Bad-Nauheim ab. Jm Mittelpunkt der Beratungen stand die Sorge für M utter und Kind. Alle Bemühungen der Amtsärzte sind darauf gerichtet, mit aller Mitteln der Säuglings st erblich- k e i t entgegenzutreten. Medizinalrat Dr. Vollbrandt (Fritzlar) behandelte die Organisation der Schwangeren-, Mütter-, Säuglings- und Kleinkinderfürsorge unter besonderer Berücksichtigung der Landkreise. Er verneinte die Frage, ob bas Gesundheitsamt auf dem Lande ärztlich geleitete Sondersprechstunden für Schwangere abhalten soll, weil eine ausreichende Erfassung der Schwangeren auf dem Lande bei den weiten Entfernungen und schlechten Verkehrsverhältnissen kaum möglich ist. Dagegen empfahl er, in den regelmäßigen Mutter- und Säuglingsberat'ungen auch die Schwangeren vom Amtsarzt ober einem Arzt des Gesundheitsamtes beraten zu lassen. Die Mütter-Beratungsstellen sollen zeitlich und örtlich mit der Hilfsstelle Mutter und Kind zusammengelegt werden. In diesen Mütterberatungen werden sowohl die Säuglinge wie auch die Kleinkinder bis zum Schulalter betreut. Der Vortragende verlangte, daß in den Mütter-Beratungsstellen ein Arzt des Gesundheitsamtes ober ein praktischer Arzt, bie zuständige Vertrauensfrau der NSV., die zustänbige Gesund- heitspflegerin des Gesundheitsamtes, die zuständige Hebamme, Gemeindeschwester und evtl. Helferinnen vom Roten Kreuz mitarbeiten müßten. Es sei notwendig, auch in dem kleinsten Dorf, in Schulen oder Wirtschaften fliegende Mütter-Beratungsstellen in straffer Organisation in mindestens vierwöchentlichen Abständen einzurichten, damit den Müttern längere Wege erspart bleiben und ein regelmäßiger Besuch ermöglicht wird. Um insbesondere die gefährdeten Kinder und Säuglinge zu erfassen, sei es wünschenswert, Listen anzulegen, mit deren Hilfe der Zustand aller geborenen Säuglinge beobachtet werden könne. Anhand dieser Listen kann bann ber Arzt die Gefährdung des Säuglings am besten beurteilen und bestimmen, ob und wie oft die Mütterberatung besucht werden muß. Nach jedem Besuch werden von dem Arzt entsprechende Eintragungen in diese Liste gemacht, so daß ein laufender Ueder- blick über den Gefunoheitszustand der Säuglinge gegeben ist. Aufgabe der Gesundheitspflegerin ober der örtlichen Vertrauensfrau der NSV. ist es, dafür zu sorgen, daß die Mütterberatungen auch besucht werden. Grundsätzlich sei von dem Arzt zu verlangen, daß er in der Mütterberatung keine ärztliche Behandlung vornehme, sondern gegebenenfalls bie Beh andlung an ben Hausarzt überweist. Dr. B e n z i n g behandelte dann die vorbeugenden Maßnahmen der Rachitisde- f ämpfung und verlangte, daß in den Winter- monaten durch die Beratungsstellen ein antirachitisches Vitamin zur Verfügung gestellt werden fall. Durch die Zusammenarbeit der staatlichen Gesundheitsämter mit den Aerzten der Sozialversicherungen und den Hilfsstellen ber NSV. könnten in Zukunft einzigartige Erfolge erwartet werden. In diesem Zusammenhang gedachte er auch des Hilfs- werks Mutter und Kind ber NSV., dessen soziale Betreuungsaktionen sich an die gesundheitlichen Feststellungen der Gesundheitsämter anschließen und außerordentlich gute Ersolge haben. Hier ist die segensreiche Wirkung der Müttererholung, der gemeinsamen Verschickung von Müttern und Säuglingen und der Kindergärten zu gedenken, die zu neuen gesundheitlichen Pflegeftätten ausgebaut werden, die dem Kind bie Heilkräfte der Natur zugänglich machen. Diesen Einrichtungen kommt in einer Zeit des erhöhten Einsatzes der Frau, sowohl der Landfrau als auch der in ber Industrie tätigen Frau, ganz besondere Bedeutung zu. — Jm letzten Referat behandelte Professor Dr. W i s f o 11 (Marburg) bie Heilbehandlung ber Ernährungsstörungen beim Säugling unb bie groß angelegte Bekämpfung ber Infektionskrankheiten des Säuglings (Pocken, Diphtherie, Scharlach) mit aktiven Jmmunisierungs- verfahren. — In Derbinbung mit der Frühjahrstagung fand ein Fortbildungslehrgang für Amtsärzte, an dem auch die Vorsitzenden ber Erbgesund- heitsgerichte ,unb Erbgesundheitsobergerichte teilnahmen. in Bad-Nauheim statt. Der bekannte Herzspezialist Professor Dr. Weber (Bad-Nauheim) sprach über „BerufundKreis- lauf" und betonte dabei die Notwendigkeit des Elektrokardiogramms, das es ermögliche, auch die kleinsten Herzschäden schon frühzeitig zu erkennen und ber Behanblung zuzuführen. Oberarzt Dr. Linke (Bad-Nauheim) legte seinem Referat über bie „Beurteilung von Herzkrankheiten in ber Sozialversicherung" ein umfangreiches Material zu- grunbe. Die Säuglingsernährung spielt in ber Säuglingspflege eine außerorbentlich wichtige Rolle. Damit beschäftigte sich ber Chefarzt bes Kin- berkrankenhauses Kassel, Dr. B e n z i n g. Er ging auf bie Aufgaben ein, bie bem staatlichen Amtsarzt in ber Säuglingsfürsorge gestellt finb. Es kommt barauf an, Ernährungsgrunbsätze aufzustellen, bie für bie große Mehrzahl ber Säuglinge Geltung haben. Hierzu gehört bie Minimalernährung, b. h. bas Angebot von so viel Nährstoffen, als bas Kinb Derkehrsdisziplin gegen Giraßentod. Auf Befehl des Führers ist eine Verordnung erlassen worden, die Höchstgeschwindigkeiten für Kraftfahrzeuge festsetzt, und zwar 100 bzw. 70 Kilometer auf Autobahnen und Landstraßen und 60 bzw. 40 Kilometer in ber Stabt. Die Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit ist im wesentlichen eine notwendige Ergänzung der Maßnahmen, bie burch bie Motorisierung Deutschlands in ben letzten Jahren getroffen würben, denn bie Folgen ber Autoraserei nahmen mit ber Verkehrsstärke unverhältnismäßig stark zu. Schon in seiner Rebe zur Eröffnung der Internationalen Automobil- unb Matorradausstel- lung in Berlin hatte sich ber Führer am 17. Februar 1939 in scharfen Worten gegen bie Autoraserei gewandt. Er hatte gesagt, das deutsche Volk bringe in sechs Jahren genau so viel Tote bem Verkehr Zum Opfer, wie ber Deutsch-Französische Krieg 1870/71 im Gesamten an Gefallenen geforbert habe. Das sei ein unerträglicher Zustand. Wenn ein . Eisenbahnbeamter ein Unglück verschulde, dann würde er als gewissenloser, das Leben seiner Mitmenschen mißachtender Verbrecher angesehen unb bestraft. Das gleiche müsse für ben verantwortungsscheuen Kraftfahrer gelten. Die Menschen, burch bie bie Nation jährlich runb 7000 Tote unb 18 000 Verletzte verliert, seien verantwortungslos unb ihre Bestrafung sei baher selbstverständlich. Wer auf feine Mitmenschen keine Rücksicht nehme, ber könne auch keine Rücksicht vom Staat und von der Volksgemeinschaft erwarten, unb biefe müßten verbrecherische Elemente ebenso vernichteten unb ausrotten wie Autofallensteller, Droschkenräuber unb Mörber. Jeder vernünftige Bürger, ob er Kraftwagen fährt ober nicht, hat diesen Worten zugesttmmt. Die nunmehr festgesetzten Höchstgeschwindigkeiten sind ein Ergebnis praktischer Erfahrung. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern in der Stabt hat der Fahrer seinen Wagen noch in ber Hand unb Unfälle können also oermieben werben. Auf ben Autobahnen unb Lanbstraßen ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von runb 80 Kilometern immer noch ben schnellen Eisenbahnzügen überlegen, zubem besitzen wir in ben Autobahnen die besten Straßen ber Welt, so baß wir es uns leisten können, gewissermaßen mit Verstanb zu fahren, ganz abgesehen bavon, baß diese Durchschnittsge- schwindigkeit allen Ansprüchen genügt. Selbst ber eiligste Geschäftsmann wirb die Minuten, bie er durch schnelleres Fahren herausholen kann, gern vermissen, wenn er bie Gewähr hat, baß er burch langsameres Fahren sich selbst unb die Allgemeinheit vor Schaden bewahrt. Zudem ist folgendes wirtschaftliches Moment noch wichtig: bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 bis .70 km/st wird die Beanspruchung ber Reifen und der Benzinverbrauch am vorteilhaftesten sein. Die Abnutzung der Reifen unb ber Benzinverbrauch nimmt bei größerer Schnelligkeit rapibe zu, ganz abgesehen davon, daß bas überschnelle Fahren auch bie Lebensbauer bes Wagens beeinflußt. Wir müssen aber darauf bedacht sein, unsere Krafttvagensubstanz nicht zu verschleudern, sondern pfleglich zu behandeln. Und ferner ist bei Geschwindigkeiten von über 100 Kilometer eine Panne, sei es am Reifen oder sonstwo, für d?n Fahrer geradezu katastrophal. Die Vorschriften werden natürlich streng durchge- führt werden unb jeber Deutsche wirb sie begrüßen, da sie eine Erhöhung der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer erstreben. braucht, um gut zuzunehmen. Dabei werben lieber« fütterungen vermieden. Als die gebräuchlichsten Mischungen bezeichnete er Vi bis % Liter Milch mit entsprechenden Kohlehydrat-Zusätzen. Die höchst- zulässige Trinkmenge für den Säugling beträgt ein Liter Milch täglich. Das Angebot von Vollmilch, auch von gesäuerter Vollmilch in der Fürsorge wurde vom Vortragenden abgelehnt, weil dadurch die Mütter leicht zu Nahrungsüberschreitungen neigen. Jm Vordergrund ber Arbeit ber Mütterberatungsstellen muß bie Förderung ber natürlichen Ernährung stehen. Es gilt, ben Stillwillen zu färbern unb burch Beratung über eine geeignete Stilltechnik auch eine längere Stillbauer zu erzielen. Wünschenswert ist, baß bie Mütter ihr Kinb minbestens sechs Monate lang stillen: vom vierten Monat ab kann eine Gemüsemahlzeit eingeführt werben. Der Vitamingehalt ber Muttermilch soll burch eine geeignete Ernährung unb Lebensweise ber Mutter geforbert werben. Brustkinder finb Flaschenkindern in jeber Hinsicht überlegen. Bei künstlicher Ernährung muß ganz besonbers auf bie erforberliche Vitaminzufuhr geachtet werben. Jm Winter tritt bie Apfelsine unb Zitrone neben ben einheimischen Apfel, aber auch bie Mohrrübe leistet als Saft vorzügliche Dienste. Der Wille zur Familie. Der glanzvolle Aufstieg bes neuen Reiches muß feine Ergänzung und Sicherung in ber Sub - sianzerhaltung unseres Volkstums finden. Es hätte keinen Zweck, für eine Zukunft zu arbeiten und Opfer zu bringen, bie ein zahlenmäßig abfinfenbes deutsches Volk ihr eigen nennen müßte. Insofern sind bie Ergebnisse unserer Bevölkerungspolitik, die uns von Zeit zu Zeit vorge- (egt werden, nicht nur eine Angelegenheit ber Statistiker, sondern' ein politisches Faktum ersten Ranges. Unser Volk befand sich jahrelang im Zustande der Ueberalterung, weil ihm ber ausreichende Nachwuchs fehlte. Es mußte der Zeitpunkt kommen, in dem ber Vorteil der durchschnittlich längeren Lebensdauer unserer Generation in Wegfall kam, so baß die Stagnation ober gar ber Rückgang ber Bevölkerungszahl sichtbar mürbe. Aber schon ber Stillstand ist Rückgang. Die Zeit seit 1933 hat hier Wandel gebracht, ber uns aber keineswegs aller Sorgen entheben kann. Der neue politische Wille mußte sich in ben verstärkten Lebenswillen ber Nation Umsetzer!, bie Ueberroinbung ber Arbeitslosigkeit ermöglichte bie Schließung neuer Ehen, bie Eheftandsdar- lehen erleichterten in zahlreichen Fällen bie Finanzierung. Es finb feitbem 1,2 Millionen Ehen burch dieses Darlehen unterstützt worden, insgesamt wurden dafür 750 Millionen Mark bewilligt, also durchschnittlich 600 Mark für ben einzelnen Hausstand. Die Folge war das Anwachsen der Geburtenzahl. Zunächst herrschte die Besorgnis, daß auch diese jungen Ehen sich mit dem Ein- ober Zweikinder- system abfinben würden. Die Bedeutung ber Statistik liegt darin, daß diese Meinung keine Stütze findet. Jm Altreiche hatten wir 1933 rd. eine Million Lebendgeborene, 1937 waren es 1 276 000. 1938 aber, stieg die Ziffer noch einmal, unb zwar auf 1 347 000. Wenn wir unser Volk auf ber bisherigen zahlenmäßigen Höhe auf die Dauer erhalten wollen, so finb allerdings 1 496 000 jährlicher Geburten erforderlich ober 19 je Tausend. E s fehlen Zu dieser Zahl noch 148 000, rund ein Zehntel der letztjährigen Geburten. Der gleiche Vorgang wie im Altreich seit 1933 hat in der Ostmark ebenfalls eingesetzt, sogar noch schneller, als es hier geschehen war. Die Zahl der Eheschließungen hat sich in der Ostmark im Jahre 1938 gegen 1937 fast verdoppelt. Im Altreich schien es so, als ob nach der Nach- holun-g der vertagten Ehen, die sich seit 1933 vollzog, ein gewisser Stillstand in den Heiraten eintreten würde. Das Ergebnis von 1937 schien diese Annahme zu bestätigen. Die neuen Zahlen aber beweisen, daß die Familiengründungen 1938 wieder um 24 000 gegen 1936 gestiegen sind. Der bevölkerungspolitische Aufstieg dauert also fort. Wichtig ist ferner, daß die Säuglings- st e r b l i ch k e it weiter zurückging, sie betrug 1938 noch 6 v. H. bei Kindern unter einem Jahr gegen 6,4 v. H. i. I. 1937. Bekanntlich widmet das Hilfswerk der NSV. gerade diesem Zweige der Gesundheitspolitik seine besondere Aufmerksamkeit. Die Kinderbeihilfen des Reiches geben minderbemittelten Familien einen Ausgleich für ihre Mehraufwendungen. Diese Einrichtung ist im Aufbau und soll später zu einem gesetzlichen Familienausgleichsfonds führen. Wie Staatssekretär Reinhardt kürzlich in einem Vortrage ausgeführt hat, wurden einmalige Beihilfen für 3,75 Millionen Kinder im Betrage von 255 Millionen laufende Kinderbeihilfen für 2,6 Millionen Köpfe im Jahresbetrage von 370 Millionen Mark ausgezahlt. Dazu treten noch in vielen Fällen Ausbildungsbeihilfen für den Nachwuchs kinderreicher Familien. Diese Zahlen beweisen, in welch großzügiger Weise der nationalsozialistische Staat den Wiederaufbau der Familie, als der Keimzelle der Nation, fördert. wird voraussichtlich noch in diesem Jahr in Dienst gestellt werden. Ich habe die deutsche Fischerei- orschung, soweit sie sich nicht im Bereich der Hoch- chulen befindet, in der Reichsanstalt für Fischerei zu einer Einheit zusammengefaßt und der Leitung des Universitätsprofessors Dr. W i l l e r unterstellt. Eine Anzahl von Instituten dieser Reichsanstalt befaßt sich auch mit Fragen der Meeresforschung und ergänzt so die Tätigkeit der Deutschen Wissenschaftlichen Kommission. Zu den Instituten der Reichsanstalt gehören auch das neue I n st i t u t f ü r d i e WalforschUng in Hamburg und das Institut für Binnenfischerei in Berlin- Friedrichshagen. Wenn in Deutschland von Meeresforschung die Rede ist, so müssen noch zwei Tatsachen Erwähnung finden, die Fahrt des Forschungsschiffes „M e t e o r", die in der ganzen wissenschaftlichen Welt Aufsehen erregt hat und die Forschungsreise des Dampfers .Schwaben- land" in das südliche Eismeer, die sehr beachtliche Ergebnisse zutage gefördert hat. Gerade in unseren Tagen, da unselige Mißverständnisse die Völker zu entzweien drohen, ist die stille, gemeinsame Arbeit internationaler wissenschaftlicher Konferenzen doppelt zu begrüßen, um das gegenseitige Verständnis der Völker untereinander zu vertiefen. In diesem Gedanken und zum Wohle aller seefahrenden Nationen wünsche ich Ihrer Tagung aufrichtig einen erfolgreichen Verlauf. Die erste Anzeige wegen Anloraserei. Auf der Strecke Güstrow—Rostock wurde von der motorisierten Gendarmeriebereitschaft Güstrow nach einer Verfolgung, die über 15 Kilometer führte, ein Lastkraftwagen gestellt, dessen Fahrer mit 8 0 bis 90 Kilometer Stundengeschwindigkeit gefahren war, also die nach Anordnung des Führers festgesetzte Höchstgeschwindigkeit für Lastkraftwagen auf Fernverkehrsstraßen von 70 Kilometer überschritten hatte. Gegen den Fahrer, der unter dem Einfluß von Alkohol stand, wurde Anzeige wegen zu schnellen Fahrens erstattet. Wetterbericht Trotz verbreitetem und kräftigem Luftdruckanstieg der letzten Tage hot sich noch immer keine eindeutige Wetterlage herausgebildet, so daß schon seit geraumer Zeit die für die Jahreszeit gänzlich anormale Witterung fortbesteht. Das durch aufgleitende Warmluft am Dienstag über Mitteldeutschland liegende Regengebiet hat sich inzwischen westwärts verlagert und auch unser Gebiet erfaßt. Die Wetterlage bleibt auch weiterhin sehr unsicher, und es wird eine durchgreifende Wetterbesserung noch nicht erwartet. Vorhersage für Donnerstag: Wolkig bis bedeckt und zu Regenfällen geneigt, Tagestem- peraturen zwischen 10 und 15 Grad, zunächst noch östliche Winde. Erdbodentemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Mai: abends 11,3 Grad; am 10. Mai: morgens 10,7 Grad. — Niederschläge 3,4 mm. — Sonnen- scheindauer 0,3 Stunden.______ Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr.W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IV. 39: 9530. Druck und Verlag: Brühlfche Universitäts« druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preis« liste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Fischerei im Dienst der Bolksernährung. Reichsminister Darre eröffnet die Berliner Tagung für internationale Meeresforschung. Berlin, 10. Mai. m Dunkeln, wie ein Kinb sich vor Gespenstern furchtet- Es war erstickenb heiß im Zimmer, sie sprang aus dem Bett und lief auf nackten Füßen zur Balkontür, riß sie weif auf. Sie atmete tief die kalte Lust ein, ihr Körper glühte wie im Fieber. Es war Föhn draußen; der Wind brach sich dem kleinen Vorbau, heulte in langgezogenen Tönen wie ein verirrter Hund, dann wimmerte er wie ein Mensch in Not. Schauerlich klang es. Dina warf hastig die Türe zu, lies ins Bett zurück und zog die Decke über den Kops, ihre Zähne schlugen aufeinander. Ich werde krank, dachte sie und war ganz zufrieden bei diesem Gedanken. Wenn sie krank war, dann mußte man sie in Ruhe lassen, alle nflW ten sie dann in Ruhe lassen, auch Joe. 1 (Fortsetzung folgt.) des Bezirksvermaltungsgerichts Gießen statt mit folgender Tagesordnung: Klage des Karl Holler in Echzell gegen den Bescheid des Landrats in Büdingen vom 13.3.1939 wegen Versagung der Legitimationskarte für das Kj. 1939; Klage des Bezirksfürsorgeverbandes Stadt Frankfurt a. M. gegen den Bezirksfürsorgeverband Landkreis Friedberg wegen Fürsorge für Eugen Schweinitz; Klage des Philipp Karl Vömel in Vilbel gegen den Bescheid des Landrats in Friedberg vom 17.3.1939 wegen Versagung des Wandergewerbescheins für das Kj. 1939; Klage der Maria Klein in Ilbenstadt gegen den Bescheid des Landrats in Friedberg vom 13.2.1939 wegen Versagung des Wandergewerbescheins für das Kj. 1939. Prüfung der Haushaltslehrlinge. Gfs. In der Mädchenberufsschule in der Kirchstraße fand die Prüfung der Haushaltslehrlinge durch die Abt. Volkswirtschaft-Hauswirtschaft des Deutschen Frauenwerkes statt. Am ersten Tag war die Abschlußprüfung für die zweijährig tätigen Mädchen. Sie begann mit schriftlichen Fragen. Es wurde ein Voranschlag für den Haushaltsplan gemacht, ferner in der Buchführung im Haushalt und der Nahrungsmittellehre geprüft. Dann kam der praktische Teil, keine Arbeit im Haushalt blieb ungeprüft. Die Mädchen mußten kochen, waschen, bügeln, abwaschen, flicken usw., nichts der wichtigen Haushaltsarbeiten wurde ihnen geschenkt, und sie bekamen Noten. Die Abteilungsleiterin des Mutterdienstes überprüfte auch die Kenntnisse in der Krankenpflege, die die Mädchen sich im Laufe der Jahre aneignen konnten. Es kamen auch die weltanschaulichen Fragen zu Wort und wurden einer eingehenden Prüfung unterzogen. So konnten sich diese Mädchen reiches Wissen aneignen, und wer mit „Gut" bestand, dem stehen die Wege zu großen Betrieben jederzeit offen. Am zweiten Tag fanden die Zwischenprüfungen der Mädchen, die 1 Jahr und 1 y Jahre in der Ausbildung stehen, im gleichen Rahmen wie die vorhergehenden statt. Man freute sich über die Gründlichkeit der Ausbildung. Möchten sich alle Haushaltslehrlinge dieser Prüfung, die bis jetzt noch eine freiwillige ist, unterziehen. * ** Auszeichnung. Dem Leiter des Bezirks Oderhessen der Deutschen Ledens-Rettungs-Gemein- fchaft, Regierungs-Baurat Mangold, Gießen, wurde für langjährige ehrenamtliche Tätigkeit in der Deutschen Lebensrettungs-Gemeinschast das DLRG.-Mitgliedsabzei.chen mit Eichenkranz in Silber verliehen. — Studienassessor Otto Kirsch- bäum, Gießen, Bahnhofstraße, konnte nach erfolgreich abgelegter Prüfung der Lehrschein mit goldener Nadel überreicht werden. ** 88 Jahre a l t. Am morgigen Donnerstag, 11. Mai, kann Frau Luise Noll Wwe., In Löbers- hof 8 wohnhaft, ihren 88. Geburtstag begehen. Der Jubilarin, einer langjährigen treuen Bezieherin des Gießener Anzeigers, auch unseren herzlichen Glückwunsch. ** Maienblasen. Beim heutigen Maienblasen «von 19 Uhr ab auf dem Turm der Stadtkirche «werden gespielt: 1. „Allein Gott in der Höh sei Ehr"; !2. „Die Ehre Gottes in der Natur"; 3. „Im schönsten !Wiesengrunde". *♦ In der Bahnhofshalle vor der ;H e i m f a h r t g e st o r b e n. Don einem raschen Lod wurde am gestrigen Dienstag gegen 23 Uhr Der 58 Jahre alte Studienrat Dr. Weide aus Wutzbach ereilt. Dr. Weide wollte mit dem um 23.04 lUhr von Gießen abfahrenden Zug nach seinem Wohnort Butzbach zurückkehren. Als er in Beglei- ktung zweier Bekannten die Bahnhofshalle betreten chatte, brach er plötzlich zusammen. Der schnell her- cheigerufene Bahnarzt konnte nur noch den Tod Des bedauernswerten Mannes feststellen. Ein Herzschlag hatte seinen! Leben ein jähes Ende bereitet. ** Folgenschwerer Sturz. Am gesttigen Mittwochabend kam an der Ecke Schulstraße-Markt- chraße ein Mann so unglücklich zu Fall, daß er mit [inneren Verletzungen der Chirurgischen Klinik zuge- iführt werden mußte. Die Ursache des Unfalles soll iin epileptischen Anfällen des bedauernswerten Mannes zu erblicken fein. ** Verkehrsunfall. An der Ecke Hinden- burgwall-Bleichstraße fuhren gestern ein Kleinkraft- rradfahrer und ein Radler beim Einbiegen in die Bleichstraße gegeneinander. Der Radfahrer erlitt vabei einige leichte Verletzungen, im übrigen verlief toer Unfall ohne weitere Folgen. Tagung der hessischen Landgerichtspräsidenten und Aufsichtsrichter. LPD. Darmstadt, 9.Mai. Unter dem Vorsitz !,es Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. S c r i b a fand m Darmstadt eine Tagung der Landesgerichts- uräsidenten und der Aufsichtsrichter der Amtsgerichte aus dem ganzen Oberlandesgerichtsbezirk Darmstadt statt, die der Besprechung der Aus- Bildung der Referendare auf Grund der im 1. April d. I. in Kraft getretenen Justizaus- i'ildungsordnung diente. Den Mittelpunkt der Ta- iung bildeten grundlegende Ausführungen des ^berlandesgerichtspräsidenten Dr. Scribd über ssie Bedeutung einer sorgfältigen Heranbildung eines üichttgen, fachlich geschulten und politisch einsatz- i ereilen Rechtswahrernachwuchses. Rundfunkprogramm Donnerstag, 11.2Nai. 5 Uhr: Don Königsberg: Frühmusik. 5.50: Bauer, i.ierk' auf! 6: Adagio in d-moll und Fuga in F-dur, kdh Georg Friedrich Händel. Gymnastik. 6.30: Don Leipzig: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gym- rnftit 8.25: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. MO: Don Königsberg: Froher Klang zur Werk- jnuse. 10: Schulfunk. Volkslied singen Liederblatt 3. 14.40: Ruf ins Land. 12: Von Wien: Mittagskon- z.rt I. 13: Nachrichten. 13.15: Don Wien: Mittags- kmzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Auf gut' Glück! Improvisiertes auf Schallplatten. 14.45: Für unsere Kinder: Bastelstunde. Ein Geschenk für die Mutter gim Muttertag. 16: Alles, was wir uns wünschen! Anlage 17 bis 17.10: Bücher, von denen man spricht. 18: Aus Arbeit und Beruf: 18.30: Hermann r:m Wißmann. Hörfolge zum Gedenken des be- r chmten Afrikaforschers. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: 1«r fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 20.15: §vchzeit machen, das ist wunderschön... — Nach- rtfjten. 22.10: Unsere Kolonien: „Die Schutztruppe hr Südwest". 22.30: Don Stuttgart: Volks- und Umterhaltungsmusik. 24 bis 3: Nachtkonzert. Aus -en Gießener Gerichtssälen. Große Strafkammer Gießen. Wegen Sittlichkeitsverbrechen hatte sich der K. K. in Gießen in nichtöffentlicher Sitzung zu verantworten. Der Angeklagte wurde wegen eines Verbrechens nach § 174 Abs. 1 StGB, in Tateinheit mit einem Vergehen nach § 175 StGB, und einem Versuch des Verbrechens nach § 175a StGB, zu einer Gefängnis strafe von 3 Mo naten verurteilt. dezirksschöffengencht Gießen. Der G. M. in Dornassenheim kam mit 19 Jahren schon mit dem Strafgesetz in Konflikt, nachdem er in einer Erziehungsanstalt untergebracht war und dort einen Beruf erlernt hatte. Die Erziehungsmaßnahmen führten zu keinem Erfolg. So kam er, der jetzt 22jährige, im Herbst 1938 wieder ganz auf die schiefe Bahn. Nach Verbüßung einer längeren Freiheitsstrafe durfte er — nach seinen Angaben — nicht ins Elternhaus zurück, und wenn er eine gute Arbeitsstelle hatte, dann verließ er diese wieder und trieb sich umher, so daß er auch wegen Bettelns und Landstreicherei bestraft wurde. Er stahl dann mittels Einsteigens und Erbrechens von Behältnissen Gänse, Hühner, Enten, ein Fahrrad, Kleidungsstücke und fremde Arbeitspapiere. Mit dem Erlös für das Diebesgut schlug er sich durch. Unter einem falschen Namen wurde er wegen Diebstahls verfolgt. Er unterschrieb mit dem fremden Namen amtliche Protokolle und machte sich so der schweren Urkundenfälschung schuldig. Der Angeklagte war geständig. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte eine Gesamtgefängnisstrafe von zwei Jahren. Strafmildernd komme das Geständnis, straferschwerend dagegen die einschlägigen Vorstrafen und die Zahl der strafbaren Handlungen in Betracht. Eine Anrechnung der Untersuchungshaft wurde in das Ermessen des Gerichts gestellt. Der Angeklagte wurde unter Zubilligung mildernder Umstände zu einer Gesamtgesäng- nisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, abzüglich drei Monate und neun Tage Untersuchungshaft, verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß das Gericht von der an sich verwirkten Zuchthausstrafe abgesehen habe, um den noch jungen Angeklagten nicht von vornherein unmöglidj zu machen. Trotz schwerer Bedenken seien dem Angeklagten noch einmal mildernde Umstände zugebilttgt worden, aber im Wiederholungsfälle Haber er mit Zuchthaus und Sicherungsverwahrung zu rechnen. * Der P. I. B. in Ober-Rosdach hat sich im November 1938 der üblen Nachrede gegenüber einem Dollziehungsbeamten schuldig gemacht, indem er diesen beleidigender Aeußerungen über den Führer bezichtigte. Der Angeklagte erklärte sich auf Dorschlag des Gerichts bereit, eine Ehrenerklärung gegenüber dem Beleidigten abzugeben, 20 RM. an die NSD. zu zahlen und die Kosten zu tragen. Falls die vorgesetzte Dienststelle des Beamten damit einverstanden ist, nimmt der Beleidigte den Strafantrag zurück. Die Verhandlung wurde ab- gesetzt. — 50169 Mark. Der im Interesse der deutsche Wirtschaft angebaute Flachs ergab 52 Zentner. Die vorzügliche ©etreibeernte des Berichtsjahres wirkte sich dahin aus, daß der Absatz um 22184 Mark höher war als im Vorjahr. Auch konnten die kleinen Landwirte namhafte Schuldbeträge aus früheren Jahren abstoßen. Der Umsatz im Kleinverkauf der von der Genossenschaft geführten Gemischtwarenhandlung belief sich auf rund 24 000 Mark. Auch er lag wesentlich höher als im Vorjahr. An Steuern mußten insgesamt 1012 Mark abgeführt werden. Die Gesamtlage der Genossenschaft muß als gut bezeichnet werden. Dem trug der Vorstand Rechnung, indem er seine Mitglieder zu einer Fahrt ins mal« deckische und kurhessische Land einlud, um auch seinerseits den schwer arbeitenden Landleuten einen Tag der Erholung und der gemeinsamen Freude zu bereiten. * Dillingen, 10. Mai. Am heutigen Mittwoch, 10. Mai, können die Eheleute Ludwig L e s ch - Horn und Frau Marie das Fest der silbernen H o chz e i t begehen. Wir beglückwünschen. Kreis Bübingen. k Schotten, 8. Mai. In der Turnhalle fand dieser Tage unter Leitung von Landwirtschaftsgestern abend unter Leitung von Landwirtschaftsrat Dr. Günther ein aufklärender Vortrag über die Kartoffelkäfer-Bekämpfung statt. Landwirt S ch ö ß l e r vom Abwehrdienst hielt einen Vortrag über die große Gefahr dieses Käfers und feine Bekämpfung. Ein lehrreicher Film ergänzte in anschaulichster Weise den Vortrag. Mit den Bekämpfungsmaßnahmen wird bald begonnen. An einer Stelle wurde hier im vergangenen Herbst der Käfer gefunden. — Am Himmelfahrtstag wird hier, wie bereits gemeldet, der Gauwandertag der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" abgehalten. Mehrere Sonderzüae werden hierher geleitet. Auf dem Festplatz, dem Bockzahl, wird eine große Kundgebung stattfinden. Die Vorbereitungen werden mit Eifer getroffen. Ebenso sind schon alle Vorbereitun- Aus der engeren Heimat. Hauptversammlung der Niddaer Bank. S Nidda, 8. Mai. Jrn Gaschaus „Zur Krone" fand die Generalversammlung der Niddaer Bank AG., Nidda, statt. Das Geschäftsjahr 1938 war für die geschäftliche Entwicklung in gleicher Weise günstig, wie das Vorjahr. Der Gesamtumsatz erhöhte sich von 19 783 669,68 Mark des Vorjahres auf 22 413 068,58 Mark. Die Bilanzsumme schließt mit 1 628 038,89 Mark in Aktiva und Passiva ab. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist den Betrag von 45 920,69 Mark auf. Der Kassenbestand betrug am Jahresende 21 538,12 Mark, die Guthaben auf Reichsbankgiro- und Postscheckkonto 49 037,43 Mark. Es ergibt sich somit eine Gesamtreseroe von 70 620,55 Mark. Die Anlage von Wechseln hat sich dem Vorjahre gegenüber auf 6401,75 Mark verringert. Der Bestand von Wertpapieren hat sich insbesondere durch gezeichnete Reichsschatzanweisungen von 22 065,14 Mark auf 91 208,79 Mark erhöht. Das Bankguthaben beträgt 121 752,27 Mark. Die Gesamtforderungen betrugen Ende 1938 zusammen 1 319 776,13 Mark. Im Kreditgeschäft machte sich die allgemein gebesserte wirtschaftliche Lage durch erhebliche Rücklagen bemerkbar, wodurch die Bank jn der Lage war, nicht nur den vertretbaren Kredit- forderungen gerecht werden zu können, sondern darüber hinaus ihre Liquidität wesentlich zu verbessern. Die dem Jahr 1937 gegenüber unverändert gebliebenen gesetzlichen Reserven betragen 59 000 Mark. Dem Wertberichtigungskonto wurden in 1938 zusammen 12 847,06 Mark abgebucht. Mit der verbleibenden Summe von 5715,54 Mark ist hinreichende Deckung vorhanden für etwa in den beiden noch lausenden Entschuldungsverfahren eintretende Abstriche. Die in der Bilanz aufgeführten Verpflichtungen im Betrage von 49 292 Mark, die aus Schulden übernommener Liquidttations-Ge- nossenschaften herrühren, wurden im neuen Geschäftsjahr abgelöst. Der Gesamtbestand der Spareinlagen und Einlagen in laufender Rechnung betrug am Jahresende 1 444 813,43 Mark. Die Haftverbindlichkeiten und Beteiligungen betragen zusammen 22 815 Mark. Der Reingewinn beläuft sich auf 3092,73 Mark. Davon werden 5 v. H. Dividende = '2533,30 Mark auf das eingezahlte Grundkapital gezahlt und 559,43 Mark auf neue Rechnung vor- getra'gen. Bilanz und Jahresrechnung wurden genehmigt, dem Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrates, Kaufmann Schmoll, Notar Ramge und Bauunternehmer Drott, wurden durch Zuruf wiedergewählt. Nach der Generalversammlung fand eine Feier des 70jährigen Bestehens der Niddaer Bank statt. Die Bank hat sich infolge vorzüglicher Verwaltung aus kleinen Anfängen als „Vorschuß- und Kreditverein zu Nidda, e. G." zum Wohle Niddas und der Umgebung in außerordentlich günstiger Weise entwickelt. Dies fand seine Bestätigung in den Worten von zwei Vertretern des Ländlichen Genossenschaftsverbandes Rhein-Main-Neckar e. 23., Franfurt a. M. Landkreis Gießen. A Heuchelheim, 10. Mai. Am heutigen Mittwoch kann das Ehepaar Albert Neidel, Bpbnfchaffner a. D., und Katharina, geb. Schneider, wohnhaft Horst-Wessel-Straße 5, das Fest der silbernen Hochzeit begehen. Gleichzeitig sind es 25 Jahre, daß Familie Neidel ihr Heimatblatt, den Gießener Anzeiger, bezieht. Dem Jubelpaar zur Silberhochzeit unseren herzlichen Glückwunsch! cxd Langsdorf, 8. Mai. Unser Vorschuß- und Kreditverein hielt seine 67. Ordentliche Generalversammlung für das Geschäftsjahr 1938 ab. Bei zahlreicher Beteiligung erstattete der Rechner Heinrich Roth V. zunächst den Jahresbericht und stellte Rechnung und Bilanz von 1938 zur Genehmigung. Nachdem der Präsident des Aufsichtsrates, Bürgermeister Kneipp, den Revisionsbericht Dorgetragen hatte, wurden Vorstand und Aufsichtsrat mit Dank für ihre hingebende Leistung entlastet. Die Ergänzungswahlen ergaben feine Aenderung, indem die ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt wurden. Aus der Vermögensbilanz werden einige Zahlen zur Verfügung gestellt, die öffentliches Interesse beanspruchen dürfen. Die Summe der Aktiva betrug 481 169,09 RM. Die wichtigsten Posten in dieser Summe sind: ein Bankguthaben von 126 512,45 RM., Forderungen in laufender Rechnung 262 420,52 RM., aufgewertete Hypotheken 32 797,10 RM. Die Passiva beliefen sich auf 479 370,02 RM. Darin sind enthalten die Geschäftsguthaben der Mitglieder mit 11 662,73 RM., die Spareinlagen in Höhe von 404 269,39 RM., lausende Rechnung 33 376,20 RM. Die gün- stige Geschäftslage unseres Geldinstitutes läßt einen Schluß zu auf die wirtschaftliche, insbesondere finanzielle Situation im Bereich der Kasse. Man kann sie als durchaus gesund bezeichnen. Von großen Reichtümern, kann bei uns keine Rede sein, aber dafür haben wir auch keine drückende Armut. Die Spareinlagen verteilen sich prozentual ziemlich gleichmäßig auf alle sozialen Schichten unserer Gemeinde, Arbeiter, Bauern, Handwerker und beamtete Personen. Dieses erfreuliche Ergebnis entspricht der wirtschaftlichen Gesamtlage, die seit Jahrhunderten unerem Dorfe das Gepräge gibt. Es geht auch daraus hervor, daß in den beharrenden Kräften eines Dorfes die Gewähr seiner Dauer gegeben ist. oo Langsdorf, 8. Mai. Gestern fand die ordentliche Generalversammlung der Landwirtschaftlichen Bezugs - und Absatzgenossenschaft Langsdorf unter der Leitung des Präsidenten des Aufsichtsrates statt. Durch den Rechner wurde zunächst die Bilanz für das Geschäftsjahr 1938 erstattet. Daraus folgten Geschäftsbericht und Revisionsbericht. Alle Berichte wurden gutgeheißen und dem Auftichtsrat und dem Vorstand Entlastung erteilt. Die. satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes und des Aufsichtsrates wurden wiedergewählt. Die Zahl der Mitglieder betrug 120. Aus dem Bezugsgeschäft geben wir folgende Zahlen: Es wurden an Düngemitteln, Futtermitteln, Brennstoffen unb Sämereien 10 474 Zentner bezogen, die einem Geldwert von 45 779 Mark entsprechen. Der Gesamtabsatz belief sich auf 6064 Zentner an Getreide, Kartoffeln, Dickwurz und Flachs. Dafür wurden ausbezahlt 52 604 Mark. Die abgelieferte Getreidemenge in dem guten Ernte fahr 1938 betrug 4860 Zentner gen im Gang für das am 9. Juli ftattfinbenbe große Kraft-Sportwagen- und Motorrad-Rennen „Rund um Schotte n". Jude wegen Steuerhinterziehung bestraft. Lpd. Frankfurt a. M., 9. Mai. Das Finanzamt Frankfurt-Ost hat gegen den Juden Moses Israel Seligmann, Frankfurt a. M., Mittelweg 60, wegen Umsatz-, Einkommen- und Gewerbeertragssteuerhinterziehung Geldstrafen von insgesamt 18 6 0 0 Mark festgesetzt. Tödlicher Berkehrsuufall in Frankfurt Lpd. Frankfurt g. M., 8. Mai. Auf der Forsthausstraße, in der Höhe der Niederräder Landstraße ereignete sich ein schwerer Verkehrs- Unfall. Ein von einer Frau gesteuerter Personenkraftwagen streifte beim Ueberholen einen Radfahrer und schleuderte ihn in weitem Bogen auf die Landstraße. Der Radfahrer, ein in den 50er Jahren stehender Mann, der keinerlei Ausweis- papiere bei sich trug, erlitt einen schweren Schädelbruch und sonstige Verletzungen, denen er etwa 2 Stunden später im Städtischen Krankenhaus in Frankfurt a. M., ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, erlag. Holzhausen ist zu seinem Ehrentag gerüstet. Bor der Ernennung zum Gaumusterdorf. NSG. Es ist nicht alltäglich, daß ein Dorf so sehr im Mittelpunkt steht wie Holzhausen bei Gladenbach im Dillkreis am kommenden Sonntag, an dem es von Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger im Rahmen einer Veranstaltung anläßlich der Gaukulturwoche zum Gaumusterdorf ernannt werden wird. Schon seit Wochen bereitet sich Holzhausen für diesen festlichen Tag vor. Alle Einwohner haben ich in den Dienst der Vorbereitungsarbeiten ge- tellt. Die Kraft der Geminschaft, die dem Dorf zu einem großen Erfolg verhalfen hat, gestaltet jetzt auch das sichtbare Zeichen des Erfolgs. Man wird immer wieder gefangen, wenn man durch die Straßen von Holzhausen geht. Nicht allein, daß das Straßenbild Sauberkeit, Lebendigkeit und Frische atmet, es trägt auch seine besondere, man darf wohl sagen künstlerische Note. Fast alle Häuser sind geschmückt mit dem Kratzputz einer ortsgebundenen Ornamentik auf den Flächen zwischen dem Fachwerk, die seit Jahrhunderten von Malermeistern Holzhausens gepflegt wird. Im Jahre 1936 entschloß sich Holzhausen, im Rahmen der Dorfverschönerungsaktion der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" eine Verschönerung des Straßenbildes und eine teilweise Erneuerung des zur Tradition gewordenen Kratzputzes vorzunehmen. Von diesem Ausgangspunkt hat es sich bemüht, unter besonderer Berücksichtigung der kulturellen Art all das durchzuführen, was ein Dorf schön und für den Landbewohner wertvoll macht. Aber schon früher, in den ersten Jahren nach der Machtübernahme hat sich Holzhausens Dorfgemeinschaft durch freiwillige Arbeitsleistung Werte geschaffen, die für die Beurteilung des Dorfes von großer Bedeutung waren: Das Schwimmbad und die Anlage um das Kriegerdenkmal. Für den kommenden Sonntag, an dem Holz- hausen die Anerkennung für seine Arbeit durch Gauleiter Sprenger erhalten wird, ist ein großes Festprogramm geplant. Frühmorgens findet ein Wecken durch die Formationen der Bewegung statt. Um 10.30 Uhr fährt die Dorfgemeinschaft dem Gauleiter nach alter Sitte auf geschmückten Leiterwagen mit Musik entgegen, um ihn einzuholen. An der Dorflinde wird er nach einer Begrüßung durch Kreisleiter Thiele die Ernennung Holzhausens zum Gaumusterdorf vornehmen und dem Dors Urkunde und Truhe übergeben. Nach der Feierstunde nimmt der Gauleiter eine eingehende Besichtigung des Dorfes vor und besucht die ausgezeichnet gestaltete Ausstellung „A h n e n e r b e". Nachmittags findet auf dem Fest- platz, auf den die Bevölkerung in einem Festzug marschiert, ein großes dörfliches Volksfest statt. Eine Kapelle der Wehrmacht und eine Bauernkapelle werden aufspielen. Ein Festzelt wird die leiblichen Wünsche erfüllen und außerdem Schauplatz fröhlicher Darbietungen sein. Aus der Fülle der geplauzten Ueberraschungen seien nur einige verraten: Darbietungen der hessen-nassauischen Trachtengruppen und der KdF.-Sportgruppen, offenes Singen, Puppenbühne, Preisschießen u. a. m. Ein „Froher Dorf- sonntag", gestaltet von der Rundfunkspielschar 8 von der Reichsjugendführung und den Trachtengruppen der Dorfgemeinschaft, stellt den Höhepunkt der Veranstaltungen des Nachmittags dar. Der Abend bringt ein Wehrmachtskonzert und endet mit einem Laternenumzug der Dorfgemeinschaft mit ihren Gästen. Guter Fang der Zoltfahndungsstette. 300000 Mark beschlagnahmt. LPD. Frankfurt a. M., 9. Mai. Die Behörden im Grenzgebiet des Bodensees waren bald auf ein sonder b'a res Brautpaar aufmerksam geworden, das ein auffallendes Benehmen an den Tag legte. Ohne lange zu zögern, nahmen sie eine Kontrolle des Hotels vor, in dem das Paar, ein 59jähriger holländischer Jude aus Budapest mit seiner 26jährigen Geliebten, einer Schweizerin, ab« gestiegen war. Der Erfolg war sehr überraschend. Man fand bei dem Paar drei Koffer, bis oben gefüllt mit Gold- und Silbersachen. Es sollte sich dabei um die Aussteuer der „Braut" handeln. Man ging der Sache auf den Grund, und, da das Schwindlerpaar zuletzt in Frankfurt a. M. in einem Hotel gewohnt hatte, wurde auch die Zoll- fahndungsstelle in Frankfurt a. M. benachrichtigt. Und siehe da, bei der Gepäckaufbewahrung im Frankfurter Hauptbahnhof konnten von dieser weitere vier Koffer mit Goldwaren, Brillantschmuck und Tafelsilber beschlagnahmt werden. Der Inhalt der Koffer hat einen Wert von 60 000 Mark. Außerdem befanden sich in den Koffern für 30 000 Mark Bargeld. Nach den in Zusammenarbeit mit der Zollfahn- dungsstelle Radolfzell von der Zollfahndunasstelle Frankfurt a. M. getroffenen Feststellungen betrieb der Jude von Frankfurt a. M. aus planmäßig Devisenschiebungen. Mit Hilfe seiner Geliebten hat er schon umfangreiche Verschiebungen von Vermögenswerten nach dem Auslande durchgeführt. Jn Frankfurt a. M. und Umgebung konnten über 25 Juden verhaftet werden, die Geld und Wertsachen zur Verschiebung ausgehän- digt hatten. Durch die umfangreiche Fahndungs-- aktion konnten alle Beteiliaten der Straftat überführt werden. Der Hauptbefchuldigte leett nunmehr unter dem Druck der Beweismittel Wenfalls ein volles Geständnis ab, nachdem er sich dagegen erst mit Händen und Füßen geftreubt hatte. Zur Sicherung der Geldstrafen wurden insgesamt 300 000 Mark beschlagnahmt. Der Fall hat gezeigt, daß die Juden nicht daran denken, der aesetzlichen Ablieferungspflicht ihrer Schmuck-, Golo- und Silbersachen nachzukommen. Bedauerlicherweise wurde in vielen Fällen die Feststellung gemacht, daß sie abliefrungspflichtige Werk fachen arischen Volksgenossen zur Aufbewahrung übergeben halten. Auch diese haben eine empfindliche Bestrafung zu erwarten. Durch die unermüdliche Aufklärungsarbeit der Dresse muß es jedem Volksgenossen bekannt sein, bc'3 derartige „Gefälligkeiten" für einen Juden zumindest eine strafbare Beihilfe bedeuten. Es kann daher nur jedem, der irgendwelche Gegenstände für Juden in Verwahrung genommen hat, angeraten werden, dies umgehend der Zollfahndungsstelle mitzuteilen. Gegen Preissteigerungen bei Konsumweinen. FWD. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung —, Stelle für die Preisbildung, gibt bekannt, daß man erwarte, daß die Weinverteiler, Kommissionäre und Winzer sich beim Absatz von Wein sowohl der Ernte 1938, als auch in den früheren Ernten slrng an die preisrechtlichen Vorschriften halten. Es werden allenthalben entsprechende Stichproben gemacht. Unmittelbore oder mittelbare Verstöße gegen die Preisvorschriften werden durch schärfste Strafen (Geld- und Freiheitsstrafen, Geschäftsschließungen, Entzug der Gewerbepapiere) geahndet, die Uebeltäter durch namentliche Veröffentlichung der Verachtung der Volksgenossen preisgegeben werden. _ Zu dieser Mahnung sieht sich die Preisbildungsstelle veranlaßt, nacvdem in der letzten Zeit sich wieder die Klagen über das Einsetzen von Preissteigerungen bei Konsumweinen, insbesondere von Konsumweinen der Ernte 1938, häufen. 9 Jl.-Sport Stadte-Fernwettkamps mit dem Scheibengewehr. Am Sonntag bestritten die Gießener Schützen ein Städte-Fernwettkampf mit dem Scheibengewehr; Entfernung 175 Meter stehend freihändig auf die 20erRingscheibe (Standmeisterscheibe). Die Mannschaft bestand aus 10 Schützen und wurde gemeinschaftlich vom Schützenverein und der Schützengesell- schaft 1926 gestellt. Jeder Schütze hatte 30 Schuß abzugeben. Die Leistungen entsprachen nicht ganz den Erwartungen. Der Grund hierfür ist wohl darin zu suchen, daß heute durch das mehrgepflegte wehrsportliche Schießen die nötige Uebung mit dieser schönen Waffe fehlt und das Schießen im Freien erst vor kurzem ausgenommen wurde. Es wurden von den einzelnen Schützen folgende Ringzahlen erreicht: 1. Hermann Sauer, Schützenoerein, 384; 2. Willy Georg, Schützenoerein, 374; 3. Karl Heitz, Schützengesellschaft, 374; 4. Georg Schilling, Schützenoerein, 373; 5. Wilhelm Scheid, Schützenverein, 367; 6. Adolf Möhl, Schützenoerein. 366; 7. Heinrich Appel, Schützenverein, 349; 8. Conrad Dreyer, Schützenverein, 340; 9. Willy Becker, Schützengesellschaft, 294; 10. Willy Horn, Schützenverein, 284. Erreichte Gesamtringzahl: 3505 Ringe. Der erreichte Platz innerhalb der deutschen Städte ist erst in einigen Tagen zu erfahren. Vier Endrundenspiele um die Fußball -Meisterschast. Mit vier Endrundenspielen werden am kommenden Sonntag die Kämpfe um die deutsche Fußballmeisterschaft fortgesetzt. Das Programm ist deswegen etwas klein ausgefallen, weil der 14. Mai das erste der vier „Lehrspiele" zwischen deutschen Auswahlmannschaften und der Elf des Protektorats Böhmen-Mähren bringt. Wenn aber olles gut geht, wird am Sonntag wenigstens einer der vier Teilnehmer an der Vorschlußrunde ermittelt, nämlich der Hamburger SV., der Spitzenreiter der Gaugruppe 1. Die Hamburger haben Brandenburgs Meister Blau-Weiß Beryn zu Gast, gegen den sie seinerzeit im Olympiastadion unter für sie ungünstigen Umständen nur ein 3:3 schafften. Diesmal ist mit einem Sieg des HSV. zu rechnen, und in diesem Falle wäre auch die Entscheidung in dieser Gruppe gefallen. In der unterteilten Gruppe 2 haben Dresdner SC. und Fortuna Düsseldorf zum ersten Entscheidungskampf in Dresden anzutreten. Der DSC. gilt, da er die Annehmlichkeit hat, in heimischer Umgebung kämpfen zu können, als Favorit, aber man weiß ja, daß gerade die „Rotjacken" in entscheidenden Kämpfen nicht die nötige Kampfmoral aufbrachten, während die Düsseldorfer nur selten enttäuschten, wenn es galt, eine besondere Leistung zu vollbringen. In der Gruppe 3 spielen nur Admiro Wien und DfR. Mannheim. Die Wiener haben eine 0:3-Nie- derlage aus dem Vorspiel gutzumachen, außerdem werden sie schon deswegen um einen Sieg bemüht sein, weil sie ja unter Umständen noch zu einem Gruppensieg kommen können, nämlich dann, wenn die Stuttgarter Kickers am 21. Mai gegen Dessau verlieren. Gibt es aber in Wien am Sonntag ein Unentschieden, dann sind die Kickers bereits am Ziel. In der Gruppe 4 wird diesmal nicht gespielt. Hier fällt die Entscheidung am 21. Mai im Treffen zwischen Schalke und Gleiwitz. Die Fußballelf des Protektorats. Nun ist auch die Fußballelf des Protektorats Böhmen-Mähren für den am kommenden Sonntag im Berliner Olympia-Stadion stattfindenden Kampf gegen eine deutsche Auswahl aufgestellt worden. In ihr finden sich ausschließlich Spieler der Prager Meistervereine Slavia und Sparta, wobei Sparta mit acht Spielern die Hauptstreitmacht stellt. Sechs Spieler, und zwar Burger, Ctyroky, Kostalek, Bou- cek, Kopecky und Nejedly, sind uns rühmlichst bekannt aus zahlreichen Länderkämpfen der alten Tscheche!. Sie kämpften auch zuletzt in den Treffen mit Deutschland. Die deutsche Auswahl wird hier jedenfalls auf einen Gegner treffen, der sie zur Hergabe des ganzen Könnens zwingen kann. Und das kann ja für unsere junge Auswahl, die nun für die große Aufgabe der Olympischen Spiele herangebildet werden soll, nur nützlich sein. — Hier die Elf des Protektorats: Boksay (Slavia) Burger Ctyroky (beide Sparta) Kochalek Boucek Kolsky (alle Sparta) Riha Senecky Bican Kopecky Nejedly (beide Sparta) (beide Slavia) (Sparta) Deutsche Handball-Meisterschaft. Außerordentlich zäh sind die Kämpfe in den einzelnen Gruppen um den Sieg und damit die Teilnahme an den Endspielen um die deutsche Handball-Meisterschaft. Der vorletzte Spieltag steht in den vier Gruppen am kommenden Sonntag auf dem Programm. Die Entscheidung kann u. 11. bereits am 14. Mai in allen Gruppen fallen. Wahrscheinlich ist allerdings, daß nur in Gruppe 1 und 3 die Sieger ermittelt werden. Der deutsche Meister MTSA. Leipzig' und der Lintforter SV. sollten sich die zum Gruppensieg fehlenden Punkte holen. Gruppe 1: SV. Elektra Berlin — MTSA. Leipzig (2:7), Polizei Stettin — MSV. JR. 49 Carlowitz (4:15). Gruppe 2: Oberalster Hamburg — Hindenburg Minden (4:5), MSV. Weißenfels — MSV. Lüneburg (5:5). 1 Gruppe 3: Lintforter SV. — ff Arolsen (10:4), TSG. 61 Ludwigshafen — VfB. Aachen (3:8). Gruppe 4: Post München — Wiener AC. (6:5), TD. Altenstadt — SD. Waldhof (—). Pokalspiele im Handball. Nachdem inzwischen, mit zwei Ausnahmen, alle Spiele der Vorrunde ausgetragen sind, hat sich die Kreisspielleitung entschlossen, die erste Zwischenrunde zu starten. Vorrunde: 18.5. Tv. Katzenfurt-— Barbara Gießen; Tv. Dutenhofen — Tv. Garbenheim. 1. Zwischenrunde: 14.5. Nauborn — Hausen. — 18.5.: Tv. Lützellinden — To. Holzheim; Tv. Hörnsheim — Tv. Lich; Tuspo. W.-Niedergirmes — Mtv. Gießen. Am 29.5. spielen die Sieger der beiden letzten Vorrundenspiele auf einem noch zu bestimmenden Platz zusammen. Die zweite Zwischenrunde wird am 4. Juni ausgetragen. Die Paarungen werden ebenfalls durch das Los bestimmt. Weitere Handball-Ergebnisse. Die Vorspiele der Pokalrunde konnten am vorigen Sonntag weiter gefördert werden, so daß an Himmelfahrt nur noch zwei nachgeholt zu werden brauchen. Es handelt sich dabei um To. Katzenfurt — MSV. Barbara Gießen To. Dutenhofen — Tv. Garbenheim. Ausgetragen wurden To. Krofdorf — Tuspo. W.-Niedergirmes 4:11 Tv. Dornholzhausen — To. Hörnsheim 4:14 Die Krofdorfer Mannschaft hat diesmal bei weitem nicht die Leistung des Vorspieles erreicht. Wenn man auch berücksichtigen muß, daß der Gegner in stärkster Besetzung zur Stelle war und naturgemäß alles auf eine Karte setzte, um in die Zwischenrunde zu kommen, so hätte man die Sache doch nicht schon vorzeitig aufgeben sollen. Das Spiel war manchmal reichlich hart. Hörnsheim war auf der Hut und richtete sich von vornherein danach, einer Ueberraschung aus dem Wege zu gehen. Wie richtig diese Einstellung war, ergab sich aus dem Spielverlauf. Wenn auch die Leistungen der Platzmannschaft nicht immer gefallen konnten, so zeigte sie trotzdem ein eifriges Spiel, das zu den besten Hoffnungen berechtigt. Hörnsheim war naturgemäß in Fahrt und in technischer Hinsicht eine flanke Klasse besser. Zu einem Freundschaftsspiel trafen sich in Nauborn To. Nauborn — Tv. Dutenhofen komb. 14:5 (10:2). Dutenhofen mußte dieses Spiel, das keinerlei Bedeutung hatte, mit zahlreichem Ersatz bestreiten und kam so zu keinem Zeitpunkt an feine sonstigen Leistungen heran. Auf der anderen Seite waren die Platzbesitzer nicht wiederznerkennen. Äm MhMLN frei pon te W. durchgcMM Le.- bietsmeisterschaft trat der Sieger des Bannes 88 (Wetzlar), Tv. Garbenheim, gegen Eddersheim bei Mainz (Bann 166) in Bad Homburg an. Garbenheim, das eine ausgezeichnete Vertretung zur Stelle hatte, siegte knapp, aber vollkommen verdient, mit 8:5 (2:2). Dieses Ergebnis interessiert um deswillen, weil ja Garbenheim nunmehr gegen den Sieger des Bannes 116 anzutreten hat. In den letzten Spielen hat sich gezeigt, über welch spielerisches Können die junge Mannschaft der Garbenheimer verfügt und zu welchen Leistungen sie in der Lage ist. Trotzdem der Gegner körperlich weit überlegen war, mußte er sich der ausgefeilten Technik beugen. Es wird also für den Meister des Bannes 116 schwer fein, gegen diese Mannschaft zu bestehen. Tv. Hochelheim — Tv. Holzheim 10:5 (6:1). Eine schlechte Vorstellung gab der Tv. Holzheim in Hochelheim. Nicht nur, daß es zu einer Reihe von Herausstellungen kam, auch die übrigen Begleiterscheinungen waren eines Meisters unwürdig. Das Spiel stand eindeutig im Zeichen der Platzbesitzer. Nach einer bereits klaren Halbzeitführung wurde zum Schluß ein in dieser Höhe nicht erwarteter Sieg sichergestellt. Bei Hochelheim tat jeder einzelne Mann seine Pflicht und trug so zum Gelingen des Sieges bei. Die Gäste verzettelten sich in Einzelaktionen und verlegten sich mehr und mehr auf eine Kritik des aufmerksam leitenden Schiedsrichters. Weitere Fußball-Kraebniffe. Sportgemeinde Steinbach I. — Turngemeinde Heuchelheim I. 5:1. Bei diesem Spiel hat die Elf von Steinbach bewiesen, daß sie in der Lage ist, auch Tore zu schießen. Bis zur Halbzeit konnten die Einheimischen drei schöne Tore erzielen, denen die Gäste nur ein Tor entgegensetzen konnten. Nach dem Seitenwechsel setzte die Mannschaft von Heuchelheim alles daran, das Resultat zu verbessern, aber sie mußten sehen, wie Steinbach noch zweimal erfolgreich sein konnte. Das Resultat lautete am Schlüsse des Spieles 5:1 für Steinbach. Rodheim I. — Krofdorf I. Rodheim hatte acht Mann feiner Ddannschaft durch die aus der Jugend aufgerückten Spieler ersetzt, doch zeigten diesen nicht das, was man von ihnen erwartete. Sie verloren gegen die eifriqcn Gäste 4:1. Rodheim Jugend — Heuchelheim Jugend 7:1. Die Jugend von Rodheim hatte Heuchelheims Äugend. 4u Gost. Rodhsims Jugend jtellttz ihre. gute Form unter Beweis. Sie ließ die Gäste in der zweiten Hälfte einfach stehen und schoß die Tore eines besser als das andere. Sportverein Mendorf — Turnverein Homberg. Auf dem Sportplatz in Homberg traf am Sonntag der Sportverein Allendorf (Bez. Kastel) mit der Jugendmannschaft des Turnvereins (Fußballabteilung) zusammen. Schon bei Beginn nahm Allendorf das Spiel in die Hand und zeigte, daß es technisch den Hornbergern überlegen war, was sich auch durch das Endresultat von 3:1 (2:0) für Allendorf bestätigte. Die Gäste zeigten ein flüssiges, technisches Spiel. Besonders traten Mittelstürmer, Mittelläufer und Rechtsaußen hervor. Bei der Hornberger Fußballabteilung zeigten sich Tormann und Verteidiger als geschickte Spieler und konnten auf diese Weise eine höhere Niederlage vermeiden. Läuferreihe, der linke Flügel nebst Mittelstürmer dagegen erwiesen sich als Versager; der Sturm war als ein unschlüssiges Gebilde anzusprechen. Der Schiedsrichter gefiel allgemein. Neu- und Umbesetzung einzelner Posten, sowie mehr Training und bessere Ballbehandlung können der Jugendmannschaft nur zum Vorteil gereichen. Erfolgreiche deutsche Studenten-Boxer Einen überlegenen Sieg mit 8:0 Punkten errangen Deutschlands Studentenboxer im Länderkampf gegen Dänemark in Kiel. Die nordischen Gäste konnten nicht einen Sieger stellen. Lang (Deutschland) schlug Helvig (Dänemark) im Federgewicht in der ersten Runde ko.; Krausch (Deutschland) besiegte Jörge nsen (Dänemark) klar nach Punkten; im Weltergewicht kam Freund (Deutschland) zu einem'knappen Punktsieg über Chri- stensen (Dänemark) und schließlich konnte S t an- ko w s k i (Deutschland) im Mittelgewicht den Dänen Hoi in der ersten Runde durch einen Magenhaken für die Zeit auf die Bretter legen. Der bei der gleichen Veranstaltung ausgetragene Städtekampf Berlin — Kiel, bei dem die' Reichshauptstadt durch den Luftwafsen-SD. vertreten wurde, endete mit einem 7:5-Sieg der Kieler Mannschaft. Rupprecht K r a u s ch, der bekannte Gießener Studentenboxer, der zur Zett an der Reichsakademie für Leibesübungen und der Universität Berlin ist, erhielt als bester Studentenboxer einen Mannschaftspreis als Auszeichnung. Hannover wieder Bugbymeister. Die Deutsche Rügbymeisterschaft wurde am Sonntag in der Hindenburg-Kampfbahn in Hannover vor 6000 Zuschauern entschieden. Durch einen 16:0- (3:0) Sieg gegen den badischen Meister SC. Neuenheim wurde Verein für Volkssport Hannover wieder Deutscher Meister. Er hatte im vergangenen Jahr im Endspiel gegen die RG. Heidelberg gesiegt. Damit wurde die Meisterschaft seit zehn Jahren ununterbrochen von Vereinen der Stadt Hannover erkämpft. Wirischast. Die Entlohnung im Baugewerbe. FWD. Der Reichstreuhänder'der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen hat eine Anordnung über die Gewährung von Leistungszulagen und über die Bezahlung neueingestell- ter Gefolgschaftsmitglieder im Baugewerbe im Wirtschaftsgebiet H e s s e n erlassen, die für die gewerblichen Gesolgschaftsmitglie- der aller Betriebe des Bau- und des Baunebengewerbes gilt, deren Löhne in Tarifordnungen ge= reaelt find. Hiernach darf der tarifliche Stundenlohn nur beim Vorliegen besonderer Lei - st u n g durch Gewährung von Leistungszulagen überschritten werden. Leistungszulagen, die nach dem 25. 4.1939 gewährt werden sollen, bedürfen der vorherigen schriftlichen Zustimmung des Reichstreuhänders. Neueingestellte Gefolgschaftsmitglieder erhalten, wenn sie im Zeitlohn arbeiten, mindestens für die ersten vier Lohnwochen nur den tariflichen Stundenlohn, es sei denn, daß sie innerhalb der letzten zwei Jahre bei dem einstellenden Unternehmen mindestens drei Monate nachweislich beschäftigt waren. Ausnahmen bedürfen der Genehmigung. Außer den Leistungszulagen sind Zulagen irgendwelcher Art, Wegegelder, Fahrtkostenentschädigu'ngen, Trennungszulagen, Verpflegungszuschüsse nur zulässig, soweit sie in Tarifordnungen festgelegt oder mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Treuhänders eingeführt worden sind. Sie dürfen nur in der durch Tarifordnung festgesetzten Höhe gewährt werden. Die Anordnung bringt dann Strafvorschriften gegen Z u wid e rha nd I u n g e n oder Umgehung der Anordnung, wobei Gefängnis und Geldstrafe, letztere in unbegrenzter Höhe, oder eine dieser Strafen in Betracht kommen. Die Anordnung ist mit Beginn der Lohnwoche, in die der 25. April 1939 fällt, in Kraft getreten. Mit dem gleichen Zeitpunkt ist Ziffer 5 der 5. Anordnung zur Festlegung von Höchstlöhnen für -das Baugewerbe im Regierungsbezirk Kassel mit Ausnahme der Kreise Gelnhausen, Schlüchtern, Hanau und der Herrschaft Schmalkalden vom 31.1.1939 außer Kraft getreten. Gießener Schlachtviehmarkt. Zum gestrigen Gießener Schlachtviehmarkt (Schlachtviehoerteilungmarkt) in der Viehversteigerungshalle Rhein-Main in Gießen wurden 7 Ochsen, 5 Bullen, 29 Kühe, 30 Färsen, 118 Kälber, 288 Schweine, 1 Schaf aufgetrieben. Preise: Ochsen 34 bis 45,5 Pf., Bullen 43,5, Kühe 18 bis 43,5, Färsen 36 bis 44,5, Kälber 40 bis 61, Schafe 40 Pf. je Pfund Lebendgewicht. — Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,15 Mk., bl (135 bis 149,5 kg) 1,13 Mk., b2 (120 bis 134,5 kg) 1,11 Mk., c (100 bis 119,5 kg) 1,03 Mk., d-f (unter 100 kg) 0,97 Mk., gl (fette Specksauen) 1,13 Mk., i (Altschneider) 1,11 Mk., g2 (andere Sauen) und h (Eber) 1,01 Mark. Marktverlauf: Großvieh und Schweine zugeteilt; Kälber und Schafe ausoerkaust. Rhein-Mainische Börse. Alillagsbörse rphig und widerstandsfähig. Frankfurt a. M., 9. Mai. An der Börse vermochte sich auch heute noch kein besonderes Geschäft zu entwickeln. Die Kundschaft übt weiterhin einige Zurückhaltung, wenngleich unverkennbares Anlageinteresse vorhanden ist. Anderseits erfolgt auch kaum Angebot. . An den Aktienmärkten ergaben sich im allgemeinen wiederum nur Abweichungen um Prozentbruchteile, wobei Besserungen in der Mehrzahl blieben. Stärker erhöht waren von Maschinenwerten Demag mit 143 bis 144,50 (142,75), auch Daimler 1,13 v. H. erhöht auf 140,13. IG. Farben setzten 0,40 v. H. leichter ein mit 149,65 und blieben so gefragt, ebenso am Montanmarkt Verein. Stahl mit 103,75 (103,65), Klöckner mit 117 (117,25). Hoesch blieben mit 109,50 unverändert, Mannesmann 0,25 v. H. fester mit 107,25. Sonst sind noch Scheideanstalt mit 203,50 (202,50), Westdeutsche Kaufhof mit 105,25 (105) und nach Pause Feldmühle mit 111,25 (111,75) unter den Erstnotierungen anzuführen. In Renten blieben die Umsätze begrenzt. Das Interesse liegt zur Zeit bei den zur'Auflegung kommenden fünfprozentigen Industrie-Anleihen, von denen morgen die Zeichnung der Essener Stein- kohlen-Elettrizitäts-AG. im Betrage von 25 Millionen RM. beginnt. Reichsaltbesitz' unverändert 132, Reichsbahn-DA. 0,13 v. H. fester mit 125. Im Frei- oerkehr waren NF.-Steuergutscheine II zu 98,50 (98,40) stark gefragt, aber ohne Angebot. Kommu- nal-Umschuldung gingen mit 93,65 und 93,70 in kleinen Posten um. Industrie-Obligationen tendierten uneinheitlich, u. a. 5 v. H. Gelsenbenzin 99,80 (100), 5 v. H. Mittelstahl 100,13 (100), 5 v. H. Eisenbahn-Bank 86,50 (86). Stadtanleihen lagen meist behauptet, 4,50 v. H. Darmstadt von '26 96,90 (97,13), 4,50 v. H. Darmstadt von 28 96,80 (97,13). Von Liquidationspfandbriefen zogen Frankfurter Hyp. auf 101,13 (101), Frankfurter Pfandbriefbank auf 101 (100,75) an. Reichsbahn-VA. befestigten sich im Verlaufe auf 125,13 nach 125. Wenn auch dir LeMMätigkeit im Verlaufe un=. verändert klein blieb, so zeigten die Aktienkurse überwiegend eine festere Haltung, was allerdings kursmäßig mangels Umsatzes nur vereinzelt zum Ausdruck kam. Rheinstahl 137 nach 136,75, Bemberg 138,75 nach 138,25, Daimler 140,25 nach 140,13, dagegen Demag 144 nach 144,50. Bei den später notierten Papieren überwogen Erhöhungen, fest lagen Felten mit 137 (135,50). Am Einheitsmarkt waren Gritzner auf die 5-(0-)vrozentige Dividendenerklärung hin stark gefragt uno gestrichen Geld. Von Banken Deutsche 1 v. H. schwächer mit 110,59, Commerzbank 0,13 v. H. erhöht auf 105,40. Im Frei verkehr nannte man Dingler mit 113,25 bis 115,50 und Elsöss. Bad. Wolle' mit 98 bis 99 (97 bis 98). Tagesgeld wieder 2,25 v. H. Abendbörse zurückhaltend. An der Abendbörse herrschte stärkste Zurückhaltung, die einzelnen Marktgebiete waren nahem ge« schästslos. Während Aufträge aus dem Publikum fehlten, bestand beim Berufshandel eher Neiguna zu kleinen Abgaben, so daß die teilweise merklich höher liegenden Berliner Schlußkurse nicht erreicht wurden. Gegenüber den hiesigen Schlußkursen war die Entwicklung uneinheitlich, es überwogen kleine Steigerungen. U. a. notierten: Vereinigte Stahl 103,50 (103,25), Rheinstahl 137,25 (137), Hoesch 109,65 (109,50), MAN. 143,50 (142,75), Bemberg 139,25 (138,75), IG. Farben 149,75 (149,65). Andererseits bröckelten Daimler auf 140 (140,25), Demag auf 143,50 (144), Deutsche Erdöl auf 124,25 (124,50), Gesfürel auf 135,75 (136), Metallgesellschaft auf 114 (114,75) und Laurahütte weiter auf 15,25 (15,50) ab. Siemens notierten nach Pause 2 v. H. niedriger mit 191. Bankaktien behaupteten die Mittagskurse. Von Renten wurden Reichsaltbesitz und Reichsbahn-Vorzugsaktien je 0,13 v. H. höher mit 132,13 bzw. 125,25 gesucht; 5 v. H. Mülheimer Berg gingen mit unverändert 99,75, 5 v. H. Mark Kommunal I und II mit 99,90 (100) um 6 v. H. IG..Farben unverändert 122,13. $ranffurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 9. Mai. Auftrieb: Kälber 801, Hümmel und Schafe 90, Schweine 4519. Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Kälber andere a) 61 bis 65, b) 56 bis 59, c) 43 bis 50, d) 35 bis 40. Hümmel bl) 49 bis 50, b2 43 bis 44, c) 38 bis 42. Schafe a) 42, b) 39, c) 30 bis 32. Schweine a) 58,50, bl) 57,50, b2) 56,50, c) 52,50, b) 49,50, Sauen gl) 57,50. Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Hümmel und Schafe mittel. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) W. Sp. in L. lieber das Aufweichen getrockneter Schmetterlinge zum Spannen ist in Kürze folgendes zu sagen: Gewaschener Flußsand wird mit einer 2prozentigen Formollösung (2 ccm = 4 bis 5 Tropfen käufliches Formalin auf 100 cem Wasser) gut durchseuchtet in einem geeigneten flachen Gesäß (Teller, Blumentopfuntersatz) in nicht zu dünner Schicht ausgebreitet und mit einer zwei- bis dreifachen Lage sauberen Fließpapiers (Löschblätter) bedeckt. Das Papier soll feucht, aber nicht naß sein. .Die Schmetterlinge werden einzeln, ohne sich gegenseitig zu berühren, auf das Fließpapier gebracht und schließlich das Ganze mit einer Gläsglocke (Käseglocke) bedeckt. Diese „feuchte Kammer" bleibt bei Zimmertemperatur 5 bis 10 Tage stehen, wobei die Feuchtigkeit des Sandes stets zu kontrollieren ist. Ebenso müssen die Schmetterlinge jeden Tag umgedreht werden; auch ist darauf zu achten, daß am Glase sich niederschlagende Wassertropfen nicht auf die Tiere fallen können, wie überhaupt jede unmittelbare Benetzung zu vermeiden ist. Wie lange die Insekten der Feuchtigkeit ausgesetzt werden müssen, hängt vom Grade ihrer Trockenheit ab, doch dürfte die angegebene Zeit in den meisten Füllen genügen. Die Objekte sind spannfühig, wenn sich die zusammengefalteten Flügel mit einer Pinzette leicht und ohne großen Druck in jede gewünschte Stellung bringen lassen. Trotzdem erfordert das Spannen solchen aufgeweichten Materials ziemliche Uebung, da Wühler und Beine der Tiere stets ein gewisses Maß von Sprödigkeit behalten und daher leicht abbrechen. Das Glück. Der englische Dramatiker Bernard Shaw hörte in einer Gesellschaft zu, wie die jüngeren Leute vom Glück redeten, und bemerkte, den Kopf wiegend: „Was heißt Glück? Meist ist es ja gar keins!" „Aber, verehrter Meister", rief eine Dame, „Sie wollen doch nicht sagen, daß Sie selber niemals Glück gehabt hätten?" „Das schon", räumte Shaw ein, „in meiner Jvf genb fand ich zum Beispiel, als es mir furchtbar schlecht ging, eine dicke Brieftasche." j „Na also", frohlockte die Dame, „und Sie gayken sie ab und kriegten eine dicke Belohnung!" „Keineswegs", lächelte Shaw, „die Brieftasche war nämlich meine eigene, die ich vorher "verloren hatte, und cs waren lauter unbezahlte Rechnungen darin."