m. 132 Erstes Blatt 189. Jahrgang Zreitag,9.)lmil9Z9 Erscheint tSglich. außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle monat$=Be3ug$prel$: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschlüffe unterSammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11688 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Srühlsche Univerfitäts-ruSerei L. Lange in Gießen. Schristlettung und Geschäftsstelle: Schulftraße 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer vis8*/,Uhrdes Vormittags Grundpreise für 1 mm hohe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Textanzeigen von70mm Brette 50 Rpf.,Platzvorschrist nach vorh.Dereinbg.25O/, mehr. 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Die drei Staaten im baltischen Raum, Finnland, Estland und Lettland, wollen sich weder garantieren lassen, noch auch sonst Objekte eines politischen Manövers sein, die sich willen- und wehrlos in den Jnteressen- konflikt anderer Mächte hineinstoßen lassen. Moskau hat als Preis für die Triple-Allianz die gemeinsame Garantie für die baltischen Staaten verlangt, was, wie in London und Paris genau bekannt ist, unter Umständen dazu führen kann, daß die b a l - tischen Staaten von sowjetrussischen Truppen besetzt werden', wenn es hochkommt, läßt sich jede Garantie so auslegen. Das ist nicht nur in London und Paris bekannt, dos wissen vor allem die baltischen Staaten selbst, die deshalb die unbedingte Neutralität zum Grundsatz ihrer Außenpolitik gemacht haben. Mit diesem Grundsatz decken sich die Nichtangriffsoerträge, die zwischen Estland und Lettland auf der einen Seite und Deutschland auf der anderen Seite abgeschlossen wurden. Ein G a - rantievertrag ist seiner Natur nach etwas ganz anderes, er ist aber, wenn diese Garantie aufgezwungen wird, sogar die ä r g st e Verletzung der Neutralität, die es überhaupt geben kann. Die Neutralität muß von allen Seiten respektiert und anerkannt werden, weil sonst der völkerrechtliche Begriff der Neutralität ebenso zusammenbricht, wie der politische Begriff. Mer nun kommt ein geradezu tolldreistes Stück der englischen Einkreiser. Weil es weder Chamberlain noch Halifax selbst sagen können, ohne sich als Staatsmänner und Diplomaten unmöglich zu machen, wird wieder einmal nach bewährtem Muster die „Times" vorgeschickt, um nicht nur den baltischen Staaten, sondern allen Staaten, die neutral, frei und unab- Mägig bleiben wollen, rundheraus zu sagen: Ihr werdet garantiert, um Moskau den Preis zahlen zu können, den es für die Triple-Allianz fordert. Dabei war in London schon bekannt, amtlich sogar, daß ine baltischen Staaten für ihre politische Unabhängigkeit elbständig Sorge tragen wollen, um so an der strikten Neutralität feschalten zu können. Das geht auch aus dem gemeinsamen Kommunique hervor, das am 7. Juni nach Unterzeichnung der Nichtcm- ariffsverträge zwischen Deutschland, Estland und Lettland veröffentlicht worden ist. Auch hier heißt es daß die estnische und die lettische Regierung entschlossen sind, für die Währung der politischen Unabhängigkeit chrer Länder selbst, zu sorgen. Damit wird jede Garantie unmißverstand- lich abqelehnt, erst recht eine Garantie, die weder erbeten, noch im Verhandlungswege ausgemacht wurde. Englands Politik ist eine Schiebung, für die es kaum ein Gleichnis in der neueren Geschichte gibt. Was ist nicht alles aus einer aufgezwungenen Garantie zu machen, wenn Skrupellosigkeit und kalter Egoismus dahinter stehen? Im Kriege von 1914/18 hat es dafür das eine und andere Beispiel gegeben, weil Z.B. der Zwang, der von England und Frankreich auf Griechenland ausgeübt wurde, um es gegen den Willen ferner verantwortlichen Staatsmänner, aber unter schamloser Ausnutzung innerpolitischer Gegensätze in den Krieg hineinzustoßen. Dabei kümmert sich England gar nicht darum, daß es tatsächlich überhaupt nicht in der Lage ist, ebensowenig wie Frankreich, irgend einen Mißbrauch der Garantie durch eine dritte M a ch t zu verhindern. Es steht eindeutig fest, daß England auf seine diplomatischen Tastversuche, die Polen und Rumänien angebotene Garantie auf die Staaten im skandinavischen Raum auszudehnen, ebenso eine A b l e h n u n g erfahren hat, wie von den Staaten im baltischen Raum. Wer eine Garantie gibt, die er gar nicht ausüben kann und will, gibt damit den Staat, der garantiert werden soll, einfach preis. Die englische Regierung hat sich selbst in dieses Abenteuer hineinmanövriert, weil Moskau auf die diplomatischen Rohtäuscherkünste Englands nicht sofort hineinfiel. Wiederholt hat Chamberlain vor dem Unterhaus erklärt, es ginge alles nach Wunsch, es fei der Abschluß des Paktes mit Moskau in den nächsten Tagen, oder gar Stunden zu erwarten. Weil das eine arge Selbsttäuschung war, trug die englische Regierung kein Bedenken, mit einer Verbeugung nach der anderen hinter Moskau herzulaufen, um den Ring um die totalitären Staaten schließen zu können. ss. Oer Führer auf dem Kyffhäuser. Stolberg, 8. Juni. Der Führer besichtigte am Donnerstag den Kyffhäuser und legte an dem neuerrichteten Hindenburg-Ehrenmal einen Kranz nieder. Anschließend besichtigte der Führer die Burg K y f f h a u f e n , wobei ^-Gruppenführer, General der Infanterie Reinhard, die Ausgrabungs- ärbeiten erläuterte. - * Die Aichtangriffspatte sind positive Medensfaktoren. Wir haben heiße Tage hinter uns. Aber es war nicht nur der allgemeine europäische Witterungscharakter der Natur, sondern auch das Klima der internationalen Politik, das bei manchen, vor allem insularen Menschen, teils hitzige Fieberphantasien, teils Ermüdungserscheinungen hervorrief. Insbesondere leidet das britische Jnselvolk zunehmend unter allerlei Halluzinationen, was ja auch nicht weiter verwunderlich ist. Denn der Engländer ist an die ausgleichende Wirkung der kühlen Meeresluft gewöhnt und wird daher stets in Gefahr geraten, sobald ihn unvernünftige Aspirationen in die kontinentalen Weiten des europäischen Ostens führen. So war es vielleicht ganz gut, daß die britischen M 0 s k a u f a h r e r, die sich durch Luftspiegelungen bereits das ferne Wunschbild einer siegreichen Weltkriegsallianz vorgaukeln ließen,, un- versehens ein paar kalte Duschen aus Ostsee- wasser und Adriawasser erhielten. Denn wenn man es in London auch nicht zugeben möchte, so hat doch vor allem der Abschluß der Nichtangriffs- vertrage zwischen Deutschland einerseits und den baltischen Staaten anderseits zunächst wenigstens eine ziemlich ernüchternde Wirkung auf die Einkreiser gehabt. Aber da Kaltwasserstrahlen meist nur vorübergehend Erleichterung bringen, so müssen wir leider erwarten, daß die Briten auch weiterhin dem Phantom ihrer neuen Außenpolitik nachjagen werden. Freilich wird es immer wahrscheinlicher, daß diese Treibjagd, bei der das edle deutsche Wild erst eingelappt und dann erlegt werden soll, eher den Jäger als den Gejagten erlahmen läßt. Die Jagdgründe an der Ostsee sind jedenfalls heute schon für den britischen Nimrod gesperrt. Die Völker, die an den Küsten dieses Meeres wohnen, haben durch ihre Regierungen entweder Nichtangriffsverträge mit Deutschland geschlossen, wie Dänemark, Litauen, Lettland und Estland, ober in nachdrücklichster Farm erklärt, daß sie eine strikt neutrale Haltung zu bewahren wünschten, daß sie in keine Großmacht-Koalitionen hineingezogen werde n wollen und daß sie jede unerwünschte Garantie seitens der demokratischen Einkreisungspartei als einen Angriff bzw. einen unfreundlichen Akt werten müßten. So ist infolge der klaren, nur auf die Sicherung des eigenen Lebensrechtes bedachten Reichspolitik der Ostfeefrieden so weitgehend stabilisiert worden, daß er durch die Londoner und Moskauer Machenschaften kaum noch gestört werden kann. Ev. Unlöslich mit her Neutralität verbunden. Weitere estnische Stimmen. Reval, 8. Juni. (DNB.) Zu der Unterzeichnung der Nichtangriffsverträge Deutschlands mit Estland und Lettland nimmt auch die offiziöse Halbmonatsschrift „Baltic Times" Stellung. Es schreibt, daß für Estland der N i ch t a n g r i f f s- pakt von der Neutralität unzertrennlich sei und seine politische Bedeutung auch nur von diesem Standpunkt aus beurteilt werden müsse. Die von Estland übernommene Verpflichtung, keinen Krieg oder irgend einen anderen Gewaltakt gegen Deutschland zu unternehmen, bedeute vor allem, daß E st land unter keinen Umstän- ben von seiner Neutralität ab gehen und sich einem Block anschließen wolle. Deutschland erkenne die Neutralität Estlands an und verspreche, sie zu beachten, indem es bereitwillig auf alle Gewaltanwendungen gegenüber Estland verzichte. Zur Begründung der Tatsache, daß der Nichtangriffsvertrag mit Deutschland keine Vorbehalte hinsichtlich der sich aus der Anwendung des Artikels 16 des Genfer Paktes ergebenden Verpflichtungen vor- fehe, führt das Blatt an, daß Estland ebenso wie andere Länder mit, aller Klarheit in der letzten Vollversammlung der Genfer Liga erklärt habe, daß es hn Wunsche, neutral zu bleiben, die Anwendung von Sanktionen nicht für möglich halte. Der in Dorpat erscheinende „Postimees" sagt u. a., der Nichtangriffsvertrag mit Deutschland erweise sich als ein positiver Friedensfaktor für jeden, der objektiv sehen wolle. Anderseits stehe er in völliger Uebereinstimrnung mit der von Estland und Lettland verkündeten Politik der unbedingten Neutralität. Große Befriedigung in Lettland. Riga, 8. Juni. (Europapreß.) Nachdem ein Teil der lettischen Presse bereits am Mittwoch zum Abschluß des Nichtangriffsoertrages mit Deutschland überaus positiv Stellung genommen hatte, bringt am Donnerstag die gesamte lett- ländische Presse die vollzogene Unterzeichnung in großer Aufmachung. Uebereinstimmend kommt eine tiefe Befriedigung über die eindeutige Festlegung der lettischen Neutralität im zwischenstaatlichen Verhältnis Deutschland gegen« über zum Ausdruck. Große Befriedigung hat auch die Erklärung des finnischen Außenministers ausgelöst, die den Standpunkt Finnlaichs unerbetenen einseitigen Garantien gegenüber eindeutig festiegt. Besonderen Eindruck hat die Tatsache gemacht, baf3 die Außenminister Lettlands und Estlands vom Führer empfangen wurden. Die Unterzeichnung des Nichtangriffsverttages wird weiter als ein Erfolg der selbständigen Politik Lettlands gewertet. Wenig Verständnis wird der Auffasiung eines Teils der Presse der westlichen Demokratien entgegengebracht, es handele sich bei dem Vertragsabschluß um ein deutsches Manöver im Hinblick auf die englisch-sow- jetrussifchen Einkreisungsverhandlungen. Nach der allgemeinen Stimmung zu urteilen, herrscht in Lettland große Erleichterung über die weitere politische Entwicklung im Narbosten Europas, da man den Abschluß des Vertrages mit Deutschland allgemein als einen bedeutsamen Beitrag zum Frieden betrachtet. „... Wie man die pest fürchtest Matin sagt: Ist diese Ablehnung nicht aufschlußreich? Paris, 8. Juni. (DNB.) Der „M a t i n" nimmt in einem Kasten auf der ersten Seite auf die Tatfache Bezug, daß Sowjetruß land in Europa fünf geographische Nachbarn besitze, nämlich Rumänien, Polen, Lettland, Estland und Finnland. Alle lebten, so stellt bas französische Blatt fest, in Fühlung mit Sowjetrußlanb unb kennten es anbers al s nur vom Hörensagen, unb alle biese Staaten wollten in rührenber Einmütigkeit nichts bavon hören, burch Sowjetrußlanb geschützt ober garantiert zu werben. Sei biese außerorbentliche Ablehnung eines Nachbarn nicht aufschlußreich? Die genannten fünf ßänber suchten genau so wie anbere ihre Sicherheit, aber für sie stelle Sowjetrußlanb genau bas Gegenteil ber Sicherheit bar. Sie fürchteten bas sowjetrussifche Bünbnis wie man bie Pest fürchte. Wenn man nicht blinb unb taub sei, verbiene bies boch wohl Aufmerksamkeit. Sowjelpoltttt gefährlich für die Nachbarn. „Die kleinen Staaten von oben herab behandelt." Oslo, 8. Juni. (DNB.) Die Blätter beschäftigen sich mit ben Verhandlungen zwischen Englanb unb ber Sowjetunion, im befonberen mit ben Forderungen Moskaus nach einer gegebenen« falls erzwungenen Garantie für die Oft» feeftaaten unb auch Finnlands. In biefem Zusammenhang veröffentlichten sie ausführlich bie Erklärungen des finnischen Außenministers E r k k 0 vor bem Reichstag. „Aftenposten" schreibt bazu: Finn- lanb ist sich offenbar vollkommen klar über bas Ziel ber sowjetischen Forderungen, nämlich, baß es sich für Finnlanb schließlich, um Sein ober Nichtsein hanbelt unb es eine solche auf- gezwungene Garantie einfach als Angriff betrachten muß. Bebenkt man zubem, baß ber „Prawba" zufolge ber letzte Moskauer Vorschlag an Lonbon unb Paris nur bas Minimum ber Forberungen dar- stellt, so läßt sich nicht beftreiten, baß mit ber Frage der Alanbsinseln eine ganz ernste Situation im Entstehen ist. Sogar bas sozialbemo- kratische Hauptorgan finbet, baß bie Sowjetpolitik ein gefährliche Tenbenz verfolge. Sie behanbele bie Meinen Staaten von oben herab unb mißachte ihren Wunsch unb Willen, neutral zu bleiben. Moskau sucht den preis zu steigern. Besorgnisse und Zweifel in Paris. Maiski bei Halifax. Noch kerne Einigung. London, 9. Juni. (Europapreß.) Zu der Unterredung, biie der Sowjetbotschafter Maiski am Donnerstag mit Außenminister Lord Halifax hatte, verlautet von unterrichteter Seite, baß der Außenminister zunächst den Sowjetbotschafter amtlich von der Entsendung Sir William Strangs nach Moskau in Kenntnis gefetzt hat. Weiterhin unterbreitete er Maiski einen neuenenglischen Vorschlag zur Formulierung der mittelbaren Garantie der baltischen Staaten. Eine Einigung wurde jedoch nicht erzielt. Maiski beharrte auf dem bisherigen Standpunkt der Sowjetregierung, daß die Namen der d r e i Staaten ausdrücklich genannt werden sollten. Dor den Russenverhanblungen warnt am Freitag erneut der „Daily E x p r e ß". Er fordert seine Leser auf, die Auffassungsunterschiebe auf beiden Seiten nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Das Militärbündnis, bas bie Sowjets wollten, fei grundverschieden von demjenigen, das ihnen gewährt werden solle. Es handele sich um eine entscheidende Abweichung. Zu bem sowjetrussischen Beharren auf Garantie des baltischen Gürtels äußert sich bie Zeitung in folgenden bemerkenswerten Ausführungen: „Mit anderen Worten, falls Estland, Lettland und Finnland Bündnisse mit Deutschland eingehen wollen, bann soll diesen politischen Abmachungen aus Gründen ber Gefahr für den Frieden in Europa und der Sicherheit Sowjetrußlands ein besonderer Widerstand entgegengesetzt werden." Das Blatt fordert zum Schluß die englischen Bürger auf, einen Druck auf Chamberlain unb seine Regierung im entgegen- gefegten Sinne auszuüben. Der ehemalige englische Botschafter in Tokio, Sir Ronald Lindsay, sprach am Donnerstagabend vor dem Außenpolitischen Ausschuß der Regierungsanhänger im Unterhaus über bie Verhanb- jungen mit Moskau. Er betonte besonders bie Abneigung der baltischen Staaten gegen eine Garantie und meinte, bas englische Ansehen würde durch einen Abbruch der Verhandlungen weniger Schaden erleiden, als wenn die Anschauung bestünde, England sei zur Annahme ber sowjetrussischen Bedingungen gezwungen worben. Die Kommentare ber Pariser Frühblätter am Freitag brehen sich im wesentlichen um bie Erfolgsaussichten ber Mission Strangs, ber am Sonntag ober Montag bie Reise nach Moskau antreten unb ben Sowjets eine neue Auflage ber französisch - britischen Einkreisungsvorschläge überbringen soll. Allerdings lassen bie Blätter beträchtliche Zweifel barüber burchblicken, baß die neue Formel bie Schwierigkeiten ber sowjetrussischen ©arantieforbe« rung für bie baltischen Staaten umgehen soll, bie tatsächlich bie Fortsetzung ber Verhanblungen mit Sowjetrußlanb erlauben werbe. Die Blätter betonen überbies, daß diese Formel noch nicht einmal enbgültig ausgearbeitet, fonbern zur Zeit noch Gegenstanb eifriger Prüfungen im eng» lichen Außenamt und im Quai d'Orsay ist. In ben Blättern herrscht durchaus keine einheitliche Auffassung über bie Zweckmäßigkeit ber von ber englischen Regierung ins Auge gefaßten Kompromißformel, wonach Englanb jetzt in ber baltischen Frage badurch entgegenkommen will, baß bie schon in bem englisch - polnischen Pakt enthaltene Klausel der „Verteidigung der vitalen Interessen" auch auf die sawjetrussischen Forderungen Anwendung finden sollen. Das „Journal" findet diese Kombination höchst gefährlich. Die französische Regierung werde genau prüfen müssen, inwiefern sie bie britischen Vorschläge annehmen könnte bzw. ihrerseits ben Wortlaut abänbern müßte. Auch ber „Matin" glaubt zu wissen, baß bie französische Regierung über die neue englische Formel nicht besonders erbaut sei. Der Außenpolitiker des bem Quai b'Orsay nahe- stehenben „Petit Parisien" besaßt sich mit un verhüllter Besorgnis mit ben Informationen aus Sowjetrußlanb, wonach bie Sowjet- regierung f i ch zur Stunbe jebem Pakt unb jeber Verpflichtung gegenüber irgenbeinem ßanb wiberfetze. Moskau werbe, wie es heiße, verschiebene Variationen vorschlagen, ba es überzeugt sei, baß bie Zeit für Sowjetrußlanb arbeite unb baß eine abroartenbe Haltung ihm ben Vorteil belassen würbe, bie Rolle eines Schiebsrichters über bie europäischen Dinge zu spielen. Der Außenpolitiker bes „I 0 u r" erklärt, es sei kein Geheimnis, baß die Sowjetrussen der Ansicht seien, baß Lorb Halifax persönlich nach Moskau kommen würbe. Das Blatt will sogar voraussehen, daß die „A n m a ß u n g" Moskaus in ber nächsten Zeit weiter steigen werde. Das „Oeuvre" will wissen, daß Strang zwei hauptsächliche Vertragsentwürfe unb noch drei andere nach Moskau mitbringen werbe, so daß die Sowjetregierung wirklich eine große Auswahl habe würbe. Auch der sozialdemokratische „P 0 p u l a i r e" betont, baß man in sowjetrussischen Kreisen die Entsendung Strangs nach Moskau nur mit ge« mifdjter Freude ausgenommen habe, denn die Sowjetrussen hätten mehr erwartet, nämlich einen Besuch Lord Halifaxs, wenn nicht gar Chamberlains. Weiter glaubt der osteuropäische Mitarbeiter bes „Paris-Midi" mitteilen zu können, im Schoße der Moskauer Regieruna herrsche st a r f e r Wider st and gegen ben Abschluß bes geplanten Dreierpaktes. Gewisse SOHtarbeiter Stalins, so ber Dorsitzenbe ber außenpolitischen Kommission des Obersten Rates, S chb a n 0 w , sowie ber Präsident ber Kontrollkommission Andrejew, seien Anhänger einer vollständigen Neutralität im Falle eines Konfliktes zwischen ben Achsenmächten unb ben westlichen Demokratien. Sie hätten Stalin gedrängt, bie Verhanblungen mit England in bie Länge zu ziehen, um bann die Verantwortung für ben Mißerfolg auf Englanb und Frankreich abzuschieben. Weiter hätten sie Stalin geraten, berartige Bebingungen für einen Vertragsabschluß zu stellen, baß ihre Erfüllung unüberbrückbare Schwierigkeiten Hervorruse. In biefem Zusammenhang erwähnt ber Berichterstatter bes Pariser Blattes bie Frage ber Befestigung der Aalanbs-Jnseln unb meint, die Sowjets würben diese Frage zur ent- scheibenden Vorbedingung für ihren Beitritt zu einem Dreierpakt machen. KabmettsumbilhungmSnglanh? „THetis"-LPser. — „Auch andere Wechsels London, 9.Juni (DNB. Funkspruch). Die „T h e t i s"-K atastrophe wird, so meldet „Daily Telegraph", ihren Abschluß mit dem Rücktritt bes E r st e n Lords ber Admiralität, Lord Stanhope, finden. Sein Ausscheiden aus der Regierung werde sofort nach dem Abschluß der Untersuchung über das Unglück stattfinden. Man könne dessen sicher sein, daß mit dem Wechsel auf dem Posten des Ersten Lords der Admiralität auch andere Wechsel im Kabinett erfolgen würden, denn einflußreiche Kreise drängten auf Chamberlain, daß er „jüngere Männer" auf bestimmte wichtige Posten setzen solle. Möglicherweise Verzicht auf die Bergung der »Thetis". London, 8. Juni. (Europapreß). Marineminister Lord Stanhope gab am Donnerstag im Oberhaus zu, daß möglicherweise auf die Bergung des Unterseebootes „Thetis" .verzichtet werden müßte, wenngleich vorläufig mit einer solchen Entscheidung nicht zu rechnen sei. Ein Abbruch der Arbeiten werde höchstens im Ialle von Stürmen oder anderen unerwarteten Störungen beschlossen werden. Oas englische KönigSpaar in Washington. London, 8. Juni. (Europapreß.) Das englische Königspaar ist am Donnerstag um 17 Uhr MEZ. in Washington eingetroffen. Auf dem Bahnhof wurde das Herrscherpaar von einer Regierungsabordnung unter Führung des Präsidenten Rooeseoelt empfangen. Die königlichen Gäste fuhren über die Feststraße zum Weißen Haus. Kurz nach seiner Ankunft, empfing König Georg im Weißen Haus die in Washington beglaubigten Diplomaten. Teilhaber der bolschewistischen Vluischuid England und Frankreich mögen stille sein. Wer so viel Einmisr^ungsdreck anzustecken hat, wie England und Frankreich, die über zweieinhalb Jahre lang den bolschewistischen Krieg in Spanien auf jede Weise direkt und indirekt unterstützten, der kann sich nur noch lächerlich machen, wenn er ausgerechnet im Zusammenhang mit dem Triumphmarsch der siegreichen deutschen Legion Condor von einer Einmischung Deutschlands in Spanien zu schwatzen anfängt. Es ist ja schließlich weltbekannt, daß lange v o r Beginn der nationalen Erhebung Spanien mit sowjetrussischen Emissären, Straßenkampfspezialisten usw. überschwemmt war, darunter von 120 Spezialagen- tcn der GPU. unter Führung der berüchtigten jüdischen Tschekisten Bela Khun, der jetzt seine Arbeit in Amerika fortsetzt. Unmittelbar gleichzeitig mit den ersten Anzeichen der nationalen Er- Hebung aber begannen die bolschewistischen Massentransporte an Generalstäblern, Truppenoffizieren, Fliegern, Ingenieuren, Spezial- ar beitem und aktiven russischen Soldaten, dazu ein geradezu fahrplanmäßig geregelter Nachschubdienst für Kriegsmaterial aller Art. Zur gleichen Zeit erhielten sie umfangreiche Unterstützung an Menschen und Material aus Frankreich, England, der Tsche- cho-Slowakei, Belgien, Mexiko, den Bereinigten Staaten usw. Als der Führer sich zur Hilfeleistung für das nationale Spanien gegen die internationale Gefahr des Bolschewismus entschloß, standen auf seilen der Roten nicht etwa ein paar tausend Freiwillige, sondern insgesamt eine so starke Heeresmasse, daß diese bolschewistischen Ausländer geradezu den Kern n irt> di e Kampfkraft der Roten in Spanien ausmachten. Selbst der bolschewistische Sender in Madrid gab die Zahl der ausländischen Söldner auf roter Seite am 13. April 1938 mit insgesamt 100 000 an, was angesichts der nach Frankreich übergetretenen Menge von fast 400 000 selbst unter Einschätzung der spanischen Milizen noch eher zu niedrig als zu hoch begriffen ist. Aber selbst der Entschluß des Führers vom Sommer 1936 gründet sich nicht etwa allein auf die schon damals in geschlossenen Verbänden kämpfenden ausländischen Bolschewisten in Spanien, son- dem vor allem auch auf die Tatsache, daß ja General Franco einen direkten Hilferuf auch an Deutschland richtete. Beispielsweise stammte die gesamte Flugwaffe der Roten aus dem Ausland. Ein anderes Beispiel: in den letzten anderthalb Jahren allein sanden die Sowjetunion, Frankreich, England und die USA. 12 5 Tanks, 557 Geschütze, 948 Flugzeuge und rund 3000 Maschinengewehre an die Roten; dabei sind nur die wesentlichsten und völlig einwandfrei geklärten Fälle aus der Ueberfülle des Materials herausgegriffen. Monatlich trafen rund 4000 Ausländer für die Roten in spanischen Rotgebieten ein. Alle französischen Häfen waren U m - schlagplätze für die Roten. Riesige Geld- sammlunaen aus den genannten Ländern gingen nach Rotspanien. Dies alles unter dem Deckmantel jenes „Nichteinmischungsausschusses", der von Frankreich und England eigens zur Tarnung und Organisierung der aktiven Einmischung zugunsten des Bolschewismus gegründet worden war! Belgien bleibl neutral. 180 Zahre nach einer Schicksalsvierlelsinnde. Von Or. Bruno Siemers, Monireal. Die Ueberfohrt des kanadischen Königs über den Nordatlantik, die trotz reichlicher Zeitberechnung nicht in der vorgesehenen Zeit durchgefuhrt werden konnte, hat nicht nur erneut gezeigt, wie eng die Grenzen auch im 20. Jahrhundert manchmal noch unserer Borausberechnung gesteckt sind, sondern die Verspätung um zwei Tage lenkt vor allem erneut den Blick auf die kleinen Zufälligkeiten, die unabsehbare Folgen haben. Gerade in Quebec kann man das studieren. Am 17. Mai 1939 landete zum ersten Mal in der Geschichte der christlichen Zeitrechnung ein englischer König in Kanada. Kommt er auch als Souverän eines mittlerweile selbständig gewordenen Staates, so kommt er doch gleichzeitig als Thronnachfolger eines Königs von England, dem dieses gleiche Land vor 180 Jahre von einem seiner Generale erobert wurde. Er kommt in ein Land, das nie englisch gewesen, aber jetzt schon seit Generationen von Engländern regiert worden ist, in ein Land, das von Franzosen erschlossen und von den Engländern erobert worden ist, aber er kommt auch in ein Land, dessen Bewohner wissen, daß sie Franzosen nicht sind, Engländer nicht einmal waren, und sie deshalb nur den einen Wunsch haben, für ihr Land zu leben, für das Land, auf dem ihre bretonischen und normannischen Vorfahren einst gelandet sind, für ihr Kanada, die nichts weiter sein wollen als schlichte Kanadier. Als General Wolfe vor 180 Jahren die Schlacht bei Quöbec gewann, wurde das Schicksal eines Kontinents entschieden. Seit dieser Zeit gab es nichts mehr als ein konkurrierendes Neuengland und Neufrankreich auf dem nordamerikanischen Festland. Vor 180 Jahren wurde entschieden, daß die britischen Kolonisatoren nicht durch ein mächtiges fron- zöstsches Kolonialgebiet vom zukunftsreichen Westen abgeschnitten und zumindest auf die Neuenglandstaaten beschränkt roeröen würden. Damals wurde entschieden, daß die Zukunft Nordamerikas eine angelsächsische Zukunft sein würde ... Niemals ist' seit jener Zeit ein regierender englischer König in seine Kolonie gekommen, und der erste englische König, der seinen tfufj auf amerifani« schen Boden setzt, kommt als König von Kanada, da die Kolonie von einst ein selbständiger Staat innerhalb der durch eine gemeinsame Krone zusammengehaltenen Commonwealth britischer Nattonen geroorben ist. Die Frage drängt sich auf, ob es Zufall ist, daß der König fast an der gleichen Stelle landete, auf der vor 180 Jahren Nordamerikas Schicksal entschieden wurde, ob wieder einmal ein hervorstechendes Ereignis den Beginn einer neuen Entwicklung ankündigt. Der Pomp und die Aeußerlichkeiten, wenn sie das Kennzeichen Geschichte machender Ereignisse sein sollten, würden darauf schließen lassen, daß im Jahre 1939 wirklich folgenschwere Ereignisse sich zugetragen Haden. Dor 180 Jahren ging das alles sehr schnell, so schnell, daß man mit Recht zweifeln farm, ob alle Zeitgenossen die Bedeutung der einen Gewehrsalve auf den Plaines d'Abraharn auch nur annähernd erkannt haben können. Halb sechs Uhr morgens, am 13. September 1759, hatte der Befehlshaber der französischen Truppen, General Montcalm, davon erfahren, daß es den Engländern (mit Hilfe eines französischen Verräters) gelungen war, die als un- befteigbar geltenden Höhen auf einem geheimen, den Engländern verborgenen Pfad zu erklimmen, halb zehn Uhr morgens chatte er kaum 4000 Mann, davon 20000 Mann reguläre Truppen, zusammen- gerafft gegen die 4800-Mann-Armee General Wolfes. Die Engländer ließen die Franzosen auf rund 40 Meter herankommen, dann erst kommandierte Wolfe Feuer, und — das Schicksal eines Konttnents war entschieden. In die wankenden Reihen der Franzosen brach der Bajonettangriff der Briten, in fünfzehn Minuten verloren die Franzosen ihr Anrecht auf Neufrankreich, verloren die Soldaten der Siege von Chouagen, Fort George, Carillon und Montmorency eine Schlacht, eroberte England einen zukunftsreichen Kontinent. Seit jenem Tage, den weder Wolfe noch Mont- calm überlebt haben, begann die neue Entwicklung Kanadas. Frankreich hat sich um die Bewohner von Quebec kaum gekümmert. Aber die Quebecois, so konservativ wie alle Franzosen, sind ihrer Sprache und ihrem Glauben treu geblieben. Die Kirche war ihre einzige Verbindung mit Europa, eine Verbindung, die wahrhaftig nicht nach England führte. Die Kirche hat auch von allem bewirkt, daß sie sich ihrer Besonderheit in Nordamerika immer bewußt geblieben sind. Die 2V» Millionen französisch-sprachigen Kanadier, Nachkommen von nur 60 000 Franzosen aus der Zeit Wolfes und Montcalms, sind der selbstsicher schweigende Beweis der Lebenskraft dieses Volkes. Sie sind, abgeschnitten von Frankreich und regiert von Engländern, früh zu Kanadiern geworden. Sie sind der lebende Beweis, daß Frankreichs Zweikindersystem nicht Schicksal seiner Rasse, sondern Folge einer politischen Entwicklung ist, da ein anderes politisches Schicksal den gleichen Menschen eines anderen Erdteils eine andere Fortpflanzung ermöglichte. Die Hauptstadt des cinftigen Neufrankreich wid des heutigen Provinzstaates Quebec, die zum englischen König nie ein Gefühltsverhältnis haben konnte, hat den König von Kanada gern und freudig empfangen. Sie brauchte feinen Schmuck, sie liegt so einzig schön am Sankt-Lorenzstrorn, und ihre Giebeln strahlen so lieblich aus der Ferne, daß sie selber ihr Schmuckstück ist. Und doch wehen auch hier die Fahnen; die Menschen hier sind sich aber sehr klar darüber, wem sie wehen: Allein dem König und der Königin von Kanada. englischen palWnapoliiik. 71. T.-Korrespondenien. Der belgische Ministerpräsident über Brüssel, 8. Juni. (Europapreß.) In einer ausführlichen Rede vor der belgischen Kammer äußerte sich Ministerpräsident und Außenminister P i e r l o t am Donnerstag über die Grundzüge d e r belgischen Außenpolitik. Das Hauptziel der belgischen Unabhängigkeits- polittk bleibe es, so erklärte Pierlot u. a„ den Krieg vom belgischen Territorium fernzuhalten. „Wir sind entschlossen, alle unsere Grenzen zu verteidigen", so sagte der Ministerpräsident, „ohne irgendeine Ausnahme, weder in Europa, noch in Afrika." In der freiwilligen Beschränkung auf die Wahrnehmung seiner lebenswichtigen Interessen müsse sich Belgien von allen Bindungen fernhalten, die es zwingen würden, für eine das Land nicht unmittelbar angehende Sache zu den Waffen zu greifen. Der Ministerpräsident erklärte dann: „Es liegt bei uns, gegebene Umstände zu prüfen und nach ihnen die Entscheidungen zu treffen, welche uns unsere Pflichten gegenüber dem Lande und seinen wesentlichen Interessen gebieten. Fragt man aber nun, ob wir gegenüber den Mächten nicht moralische Verpflichtungen auf uns genommen haben, so ist das zu bejahren. Ls ist dies in dem Sinne zu bejahren, daß wir eine korrekte Haltung und in jedem Konflikt, in dem die lebenswichtigen Interessen des Landes nicht auf dem Spiel stehen, eine praktische Neutralität bewahren müssen. Wir können also nicht unter dem Deckmantel einer sogenannten Unabhängigkeitspolitik geheime Verträge abschliehen." Pierlot setzte sich dann mit den Einwendungen auseinander, die behaupten, Belgien müsse im Falle eines europäischen Konslickts mit Notwendigkeit in diesen Konflikt hineingezogen werden. Es sei deswegen unerläßlich, schon heute Vorbereitungen zu treffen und rechtzeitig mit den Mächten in Verbindung zu treten, die im Kriegsfälle Belgien zu Hilfe kommen würden. Hiergegen sei zu erklären, jo sagte der Ministerpräsident, daß man heute keineswegs einen Krieg mit Bestimmtheit voraussagen könne. „Es wäre Wahnsinn, sich heute auf die Seite der Kriegführenden zu stellen, ohne daß irgend etwas hierzu verpflichtet und ohne daß uns dadurch ein wesentlicher Vorteil ein geb rächt würde." Im weiteren Verlauf seiner außenpolitischen Erklärung vor der Kammer wiederholte Ministerpräsident und Außenminister Pierlot den belgischen Standpunkt, daß die Sanktionsmaßncrhmen des Artikels 16 des Genfer Statuts nicht als bindend zu betrachten seien. Derselbe Standpunkt sei in Genf von 33 anderen Staaten zum Ausdruck gebracht worden. Anschließend wies Pierlot den in letzter Zeil von einigen Kreisen Belgiens und des Auslandes entfesselten Feldzug für eine Rückkehr Belgiens zum englisch-französischen Bündnissystem zurück. Er betonte, daß die Möglichkeit, ja sogar die Wahrscheinlichkeit bestehe, daß Belgien in einem zukünftigen Konfi kl verschont bleiben würde, vorausgesetzt, daß es nicht von vornherein die Hände nach der einen oder anderen Seite binden würde. Ein Militärbündnis würde für Belgien mehr Gefahren als Vorteile mit sich bringen. 3m übrigen hätten sich die Umstände seil den Zeiten des belgisch-fran- zösischen Bündnisses gewandelt. Man müsse an die Aenderungen denken, die in Oer Konstellation der Bündnisse, im Gleichgewicht der Kräfte und in der Zahl und Ausdehnung der zu verteidigenden Fronten eingetreten seien. Aus denselben Gründen sei auch die Periode der die Grundzüge seiner Außenpolitik. Besprechungen zwischen den General- täben endgültig abgeschlossen. In die- em Zusammenhang ging Pierlot auf die Forderungen gewisser Kreise ein, für den Fall einer Invasion in Holland ein Militärbündnis mit Holland abzuschließen und ausländischen Truppen, die Holland zu Hilfe eilen wollten, das Durchmarschrecht durch belgisches Gebiet zu gewähren. Pierlot erklärte, daß ein solches Bündnis von der holländischen Regierung bereits abgelehnt worden sei und daß Belgien denselben Standpunkt vertrete. Pierlot erklärte weiter, daß eine internationale Politik nicht ausschließlich auf dem Gefühl auf- gebaut werden könne. Belgien wolle gegenüber allen seinen Nachbarstaaten korrekte und friedliche Beziehungen einhatten. Er warnte das belgische Volk vor der Gefahr, sich übertrieben in den Konflikt der Weltanschauungen hineinziehen zu lassen. Belgien dürfe sich nicht zum Zensor der Länder aufspielen, wo man anders denke. Die freie Kritik müsse mit Würde und Maß ausgeübt werden. Schließlich erklärte Pierlot, daß Belgien in den letzten Jahren eine weitgehende Aufrüstung betrieben habe. Eine weitere Verstärkung der militärischen Organisation sei geplant, obwohl durch die wirtschaftliche und finanzielle Lage gewisse Grenzen gesetzt seien. Eine der Hauptaufgaben Müsse sein. Sie Grenzverteidigung zur höchsten Wirksamkeit zu entwickeln und die Mobilmachung vor jeder plötzlichen Unternehmung zu sichern. Pierlot wies auch die Behauptungen zurück, daß der Bau des Forts von Sougne-Remou- champs bei Lüttich auf Verlangen Deutschlands unterblieben fei, und betonte, daß in dieser Frage nur militärische und technische Gründe maßgeblich seien. Ausländer als Soldaten Frankreichs. Paris, 8. Juni. (DNB.) In der Donnerstag- Ausgabe des amtlichen Gesetzblattes erscheint der Wortlaut einer Verordnung über den Militär- dienst ausländischer Staatsangehö- riaerin Frankreich. Danach können alle Ausländer im Alter von 18 bis zu 40 Jahren zu Kriegszeiten eine Verpflichtung für 'Militärdienstleistungen für die Dauer eines Krieges in einem besonderen, der französischen Armee, Luftwaffe ober Marine angegliederten ausländischen Truppenkörper unterschreiben. Eine solche Verpflichtung kann auch zu Friedenszeiten unterschrieben werden. Sie würde sich dann aber auf Personen im Alter von 17 Jahren bis zu der in Frankreich vorgeschriebenen Dienstgrenze für Ausländer erstrecken. Ausbau der Schweizer Landesverieidiqunc,. Bern, 8. Juni. (Europapreß.) Der Ständerat hat am Donnerstag die Bundesvorlage über den weiteren Ausbau der Landesverteidigung einstimmig angenommen. Bundesrat Minger ergriff bei der Behandlung der Vorlage das Wort und führte dabei u. a. aus. „Die Lage des Landes erfordert das H ö ch ft m a ß der Verteidigungsmöglichkeiten. Es ist begrüßenswert, daß heute die Frage des Volkskrieges besprochen wird. Die Meinungen gehen auseinander. Eine Klärung ist nötig. Die Landesverteidigungs- kommifsion hat zu den erwähnten Gutachten des Generalstabs noch nicht abschließend Stellung genommen. Ist dies geschehen, so wird auch der Bundesrat der Oeffentlichkeit sagen, was er denkt. Europa ist heute beherrscht von Mißtrauen. Das läßt nicht viel Gutes erhoffen. Ein Volk, das den Willen zur Verteidigung nicht mehr auf bringt, geht unter. Maükurs der Von unserem London, Juni 1939. Der Kreuzzug des Arabertums in Palästina ist dieser Tage um eine weitere Station verlängert worden. In dem neuen englischen Weißbuch über Palästina soll dem Arabertum eine Politik aufgezwungen werden, die der verbannte Groß-Mufti von Jerusalem erft vor knapp zwei Wochen als „vollständig unannehmbar" bezeichnete. Bei einer rückblickenden Betrachtung begegnet man „Lösungsvorschlägen", die in ihrer Art und in ihrer Zielsetzung außerordentlich widerspruchsvoll sind. Es verwundert deshalb nicht, heute selbst in englischen Kreisen zu hören, es habe Wochen und Monate in der englischen Palästinapolitik gegeben, in denen Lösungsvorschläge, wie sie jetzt in dem Weißbuch vom Mai 1939 gemacht werden, für nicht c r n ft genommen wurden. Am 24. Oktober 1915 schrieb der damalige englische Oberkommissar in Kairo, Sir Henry M cM a h o n , an den Scherst Hussein von Mekka: „England ist bereit, die Unabhängigkeit der Araber anzuerkennen und zu unterstützen." Bei der am 7. Februar 1939 in London begonnenen und mehrere Wochen später ergebnislos abgebrochenen Palästina- Konferenz konnte sich die englische Regierung mit den Araberabordnungen nicht über die Bedeutung dieses Satzes einigen, und im Mai stellte der Kolonialminister in seinem Weißbuch fest: „Die englische Regierung kann sich nicht der Ansicht anschlreßen, daß dieser Satz die Grundlage der arabischen Forderungen, hinauslaufend auf die Gründung eines arabischen Staates, fein kann." — 1915 legte das englische Kabinett diesen Satz anders aus, weil es galt, das Arabertum zum Krieg gegen die Türken zu gewinnen. Seitdem in den Jahren des Weltkrieges der später „berühmt" gewordene Briefwechsel stattgefunden hat, ist Palästina nicht mehr zur Ruhe gekommen. Am 2. November 1917 gab Balfour dem Juden Rothschild die schriftliche Erklärung, „daß die Regierung Seiner Majestät die Errichtung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina mit Gunst betrachtet". In den Mandatsbedingungen vom 25. April des Jahres 1920 wurde dieser Passus auf englischen Vorschlag hin noch einmal in Genf bestätigt. Diese Versprechungen, die man heute gern als „politische Sünden" vergangener Kabinette hin- zustellen versucht, Haden seit den 20er Jahren der englischen Palästinapolitik wie ein Bleiklotz cn- geheftet. Die gegebenen Versprechungen werden deshalb als Belastung empfunden, weil England aus strategischen und außenpolitischen Gründen niemals den ernsten Versuch gemacht hat, Juden ober Arader in Palästina zu Trägern der Regierungsgewalt zu machen. In dem Weißbuch vom Mai 1939 wird ganz offen ausgesprochen, daß jede Verfassung des Heiligen Landes den „Bedürfnissen der strategischen Position Englands" entsprechen müsse. Der Zickzack-Kurs der englischen Politik wird somit erklärlich, für die Araber Palästinas aber um so untragbarer. Im Juli 1936 schlug die Lord-Peel-Kommission vor: „Die einzige Hoffnung liegt in einer Dreiteilung des Landes". Die Regierung äußerte sich zu diesen Plänen: „Die Teilung stellt die beste und hoffnungsvollste Lösung dar". Im November 1938 warf die Woodhead-Kammission die Ansichten Lord Peels völlig um und schrieb: „...aus diesen Gründen erscheint die Teilung untragbar. Wir schlagen eine wirtschaftliche Föderation vor." Die Regierung antwortete: „Die Schwierig- feiten sind so groß, daß der Vorschlag, einen unabhängigen jüdischen und arabischen Staat zu schaffen, undurchführbar ist". Diese Beschlüsse wurden jedesmal von dem Parlament gutgeheißen. was ein nicht uninteressantes Licht auf die Urteilsfähigkeit dieses Gremiums wirft. Allerdings: bei der jüngsten Paläfttnaaussprache waren selbst die Regierungsanhänger mißtrauisch geworden, so daß die Abstimmung eine Regierungsmehrheit von nur 89 Stimmen ergab, während gewöhnlich das Kabinett über eine Mehrheit von 220 Stimmen verfügt, vorausgesetzt allerdings, daß dje Konservativen, Natio- nalliber'alen und sonstigen Regierungsparteiler für das Kabinett stimmen, was beim letzten Male nicht der Fall war. Sogar drei Mitglieder des Kabinetts sahen sich nicht in der Lage, Macdonald zu unterstützen. Lediglich bei dem jüdischen Kriegsminister Hore-Belisha ist das verständlich. Die angekündigte englische Palästina-Politik ändert vorerst nichts an dem augenblicklichen Status des Arabertums, ein Grund, warum dieses den neuen Plan ebenso abgelehnt hat wie alle vorherigen. Wohl soll nach fünf Jahren die jüdische Einwanderung verboten werden, wohl hat man den „Palästinensern" Selbstverwaltung und eigene Regierung versprochen und diese für etwa 1949 angekündigt, aber es fehlt jede Garantie, daß diese Versprechen eingelöst werden. Stattdessen hat sich Macdonald noch einige Hintertüren offen gehalten, um einen etwaigen Rückzug von den soeben gemachten Versprechen zu ermöglichen. Die ersten verfassungsmäßigen Aenderungen sollen nach fünf Jahren begonnen werden, und zwar „fünf Jahre gerechnet nach der Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung". Wer bestimmt, wann „Ruhe und Ordnung" herrschen? „Das Ziel der englischen Regierung ist", so heißt es in dem Weißbuch vom Mai 1939 weiter, „innerhalb von zehn Jahren ein unabhängiges Palästina zu schaffen, welches in Zukunft für beide Teile zufriedenstellende wirtschaftliche und strategische Bedingungen mit sich bringt." Wer bestimmt, wann die „Bedingungen für beide Seiten zufriedenstellend" sind? Es ist kaum anzunehmen, daß das palästinensische Arabertum Wert darauf legt, den englischen Flankenstützpunkt für den Suezkanal zu bewachen. Die weitaus bedeutendste Hintertür aber liegt in der englischen Forderung, daß es nach Ablauf der vorgeschriebenen zehn Jahre dem englischen Oberkommissar überlassen bleiben soll, „in Zusammenarbeit mit den beteiligten Seiten festzustellen, ob diese Zeit reif ist für die endgültige Selbftänöig» machung des Landes". Das Arabertum befürchtet, daß England fein Urteil nicht nach der Lage in Palästina, sondern nach den außenpolitischen Bedürfnissen des Weltreiches fällen wird. Der Kolonialminister Malcolm Macdonald hat zu häufig offen ausgesprochen, wie sehr England den strategischen Faktor bei all seinen Berechnungen im Auge behalte. Auch in dieser Hinsicht unterscheidet sich der letzte Palästinaplan nicht im geringsten von allen übrigen: er geht aus von den englischen Interessen und nicht von denjenigen derer, die in Palästina zu leben ein Recht haben. Schließlich ist aber Macdonald ein Irrtum unterlaufen, der von dem Arabertum als Beweis für die Unzuständigkeit des Kolonialministers aufgenommen wurde: Macdonald geht bei all feinen Ueberlegungen von dem Gedanken aus, daß eines Tages im Heiligen Lande nicht mehr Juden und Araber, sondern nur noch „ P a l ä st i n e n s e r " leben werden. Die Verkennung des auch in Palästina herrschenden Rassenproblems hat schon 1915 begonnen und heute noch nicht aufgehört. 3it ihr lag der Grund zu den englischen Fehlschlüssen, und es ist nicht anders zu erwarten, daß auch in Zukunft hierin die Ursache weiterer Unruhen und Fehlschläge liegen wird Der Zickzack-Kurs der eng« lichen Palästinapolitik ist noch nicht am Ende... 4178 A Die D AKS-Hose erhalten Sie nur bei: ■4 Gleichzeitig empfehle ich mein großes Lager in Sportsakkos zum Kombinieren, Sakko- und Sportanzugen « Tfc w C AllWn GIESSEN Bahnhofstraße 14 8 K ÄV PI PI Mv IC Das «aus das jeden anzieht DAKS - Die Hose des Fortschritts Die vollendete Sommerhose mit den vielen Vorzügen Ich bitte nm Besichtigung meines Spezial-Schaufensters! Feierlicher Empfang der italienischen Freiwilligen durch den König und Kaiser in Neapel. Auch die italienischen Spanien-Freiwilligen kehrten nunmehr in die Heimat zurück, wo sie mit großer Begeisterung und dankbarem Jubel begrüßt wurden. Der König und Kaiser selbst empfing die Helden von Spanien am Hafen. Hier schreitet Victor Emanuel die Front der Italiener ab. Rechts von ihm General Cambara und Gras Ciano. — (Associated-Preß-M.) Washington, 8. Juni. (Enropapreß. Funkspruch.) Angesichts der Haltung zahlreicher Mit- olieder des Kongresses und weiter Kreise der Bevölkerung, die die Verhaftung des Jrenführ- Meister Battista dlUrbe gegossen und trägt das Wappen von Ragusa; es ist seinerzeit aus einer privaten Waffensammlung in den Besitz des Germanischen Museums in Nürnberg gelangt, von welchem der Führer es vor einiger Zeit erwarb. Der Prinzregent hat die Kanone mit dem Ausdruck seiner Freude und seines Dankes entgegengenommen und dem Führer als Gegengabe ein altes Gemälde des deutschen Meisters Konrad von Kreuznach aus Frankfurt a. M. überreicht, das 1525 gemalt worden ist und ein Brustbild des Vertreters des Handelshauses Fugger in Florenz in pelzverbrämter altdeutscher Tracht darstellt. Reichsminister Frick bei der deutschen Kolonie in Budapest Was bietet Litauen? Bessere Aussichten für den Warentausch mit Deutschland. den ist und im Ehrenmal Unter den Linden aufge- gestellt worden war, ist Mittwochnachmittag von einer Ehrenkompanie der Luftwaffe in den Fahne nr a um des Reichsluftfahrtministerium überführt worden. Sie wurde im Ehren- hos des Reichslustfahrtministeriums vom Chef der Zentralabteilung, General der Flieger von Witze n d o r f f, in Empfang genommen und in den Ehrenraum geleitet. Die „Kanonen von Dubrovnik". Berlin, 8. Juni. (DNB.) Außer den beiden altserbischen Geschützen aus dem Wiener Heeres- museum, die der Führer anläßlich des Besuchs des jugoslawischen Prinzregenten dem Königreich Jugoslawien und seiner Wehrmacht zurückgeben läßt, hat der Führer dem Prinzregenten Paul als persönliches Geschenk die sogenannte „Kanone von Dubrovnik (Ragus a)" überreichen und auf der Gartenterrasse des Schlosses Bellevue aufstellen lassen. Das als Kunstwerk mittelalterlicher Geschützgießerei geltende reliefverzierte Geschützrohr wurde in der Zeit türkischer Angriffe auf die damals venezianische Festung im Jahre 1524 vom Nach der Unterzeichnung der deutsch-litauischen Wirtschaftsverträge am 20. Mai gewinnt die Struktur der litauischen Wirtschaft und des Außenhandels noch mehr als bisher an Interesse. Litauen ist ein ausgesprochenes Agrarland, in dem rund 4/s der Bevölkerung von der Land- und Forstwirtschaft leben. Weil in diesem baltischen Grenzstaat an der Nordostecke des Reiches nur 45 Menschen auf den Quadratkilometer kommen, ist dort der Nahrungsraum auch größer, als es zur Selbstversorgung der Bevölkerung notwendig wäre. Auf der anderen Seite ist die Ausnutzung der landwirtschaftlichen Flächen noch nicht sehr entwickelt, so daß die Erträge, wie aus einer Untersuchung des Instituts für Konjunkturforschung Herfracht, um etwa 50 v. H. hinter den deutschen Zurückbleiben und auch wesentlich niedriger sind, als die Durchschnittserträge in Ostpreußen, wo die klimatischen Verhältnisse ungefähr die gleichen sind. Litauen hat nur einen Ueberschuß von 10 v. H. seiner agrarischen Gesamterzeugnisse für Ausführzwecke zur Verfügung. Weil Ueberftuß an Getreide und Kartoffeln vorhanden ist, wird in den bäuerlichen Betrieben starke Viehhaltung ermöglicht. Der Zug zur Veredelungswirtschaft, den man eit 1930 beobachten kann, hat sich immer mehr verstärkt, so daß dem Werte nach über die Hälfte der litauischen Ausfuhr auf Butter, Eier, Fleisch usw. fallen, dagegen auf Getreide und die sonstigen Erzeugnisse des Ackerbaues nur knapp 25 v. H. Aus diesen Angaben ist zu erkennen, daß durch eine engere wirtschaftlicheDerbindung der litauischen Wirtschaft mit der deutschen Volkswirtschaft sich eine Reihe von Möglichkeiten ergeben, die für beide Teile gleich günstige Auswirkungen haben können. Litauen wird aus Deutschland Werkzeuge und Geräte beziehen können, die zu einer Verbesserung der landwirtschaftlichen Arbeitsbedingungen und damit zur Ertragssteigerung beitragen, während Deutschland ohne weiteres in der Lage ist, größere Kontingente landwirtschaftlicher Produkte aufzunehmen. Schon in früheren Jahren war der Anteil Deutschlands am litauischen Außenhandel recht beträchtlich. Im Jahre 1929 hat Deutschland rund 60 v. H. der litauischen Ausfuhr ausgenommen, und war mit knapp 50 v. H. an der Einfuhr nach Litauen beteiligt. Später ging der deutsche Anteil in den Krisenjahren und dann auch wegen der politischen Spannungen außerordentlich zurück, so daß 1936 ein Tiefstand von 11 v. H. bzw. 9 v. H. erreicht wurde. England trat in weitem Umfange an die deutsche Stelle. Dagegen haben sich die Verhältnisse jetzt wieder gebessert, so daß Deutschland 1938 an der Ausfuhr mit 27 v. H. (England Budapest, 8. Juni. (DNB.) Reichsminister Dr. Frick empfing am Donnerstag im großen Festsaal der Pester Redoute die deutsche Kolonie, die unter Führung des Gesandten von Erdmanns- hierauf durch ein Spalier der HI. und des BDM. zum Festsaal, wo er von den Volksgenossen stürmisch gefeiert wurde. Dr. Frick richtete herzliche Grußworte an die Angehörigen der deutschen Kolonie. 9. Jahrestag derRückkehrKönig Carols Bukarest, 8. Juni. (DNB.) Der 9. Jahrestag der Rückkehr König Carols in sein Land wurde am Donnerstag unter großen Feierlichkeiten begangen. Im Mittelpunkt stand eine Huldigung der Jugend im Stadion, bei der der König vor etwa 30 000 Zuschauern eine Ansprache hielt. Gymnastische Vorführungen und ein Vorbeimarsch vor dem König, der als der oberste Chef der „Landeswacht" die Uniform der Jugendorganisation trug, folgten. Der Kronprinz marschierte an der Spitze einer von ihm befehligten Einheit der „Landeswacht". In der Loge des Königs sah man denKronprinzenPaul vonGriech e n l a n d und den Reichsjugendführer B a ldur von Schirach, ferner die Chefs ausländischer Abordnungen aus Italien, Spanien, Jugoslawien und Portugal. Für Frankreich war General Lassont dorff fast vollzählig erschienen war. Am Eingang rer ^ean Russell als bedrohliches ^4^/^ur zur Redoute wurde Dr. Frick vom Landesleiter der den wachsenden Einfluß Englands auf die Ver NSDAP., Konsul Gräb, empfangen. Er begab sich einigten Staaten bezeichneten, hat der^Arbells- Prinzregenl Paul bei der Besichtigung der Schorfheide. Während ihres privaten Besuchs in Carinhall nahmen der jugoslawische Prinzregent und seine Gemahlin unter Führung des Generalfeldmarschalls Göring und Frau Göring auch eine Besichtigung der Wisent- und Elchgehege in der Schorfheide vor. Hier beobachtet Prinzregent Paul Wisente in freier Wildbahn. — (Scherl-M.) Hohe Auszeichnung der Befehlshaber der Legion Condor. Berlin, 8.Juni. (DNB.) Im Rahmen der Empfangsfeierlichkeiten für die Spanienfreiwilligen der Legion Condor hatte Generalfeldmarschall Göring die Offiziere der Legion ins Haus der Flieger zu einem kameradschaftlichen Abend eingeladen. Bei dieser Gelegenheit überreichte der Generalfeldmarschall dem früheren Befehlshaber der Legion Condor, General der Flieger Volkmann, das vom Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht gestiftete Spanienkreuz in Gold mit Brillanten. Der erste Befehlshaber der Legion, General der Flieger Sperrte, und der letzte Befehlshaber der Legion, Generalmajor Dr. Freiherr von Ri chthofen, sind ebenfalls durch Verleihung des Spanienkreuzes in Gold mit Vril- lanten ausgezeichnet worden. Die große Bedeutung dieser hohen Auszeichnung wird dadurch gekennzeichnet, daß sie im ganzen nur 21mal verliehen, worden ist. Standarte der Legion Condor im Lustfahrtministerium. Berlin, 8. Juni. Die Standarte d e r Legion Condor, die ihr vom spanischen Staatschef Generalissimus Franco verliehen wor- 39 v. H.) und an der Einfuhr mit 25 v. H. (England 31 v. H.) beteiligt war. Dazu kommt bei der Aus- unö Einfuhr noch eine weitere Steigerung um 4 v. H. aus Böhmen-Mähren. Aus dieser Kurve ist zu erkennen, daß die hauptsächlichsten Schwierigkeiten nunmehr überwunden sein dürften und die Aussicht vorhanden ist, daß Deutschland seine alte Stellung im Außenhandel mit Litauen baß) wieder erreichen und wahrscheinlich noch Überholen wird. Eine solche Entwicklung wäre nur natürlich, weil Deutschland und Litauen benachbart sind und deshalb die teuren Frachten, die den englisch-litauischen Handel belasten, hier nicht zu sehr in Erscheinung treten. Das deutsche Interesse hat sich bisher vorwiegend auf Nahrungsmittel erstreckt, wobei Schweine und Butter im Vordergrund stehen. Die Einfuhr ist aber gerade auf diesen Gebieten noch durchaus teigerungsfähig, was schon daraus hervorgeht, daß z. B. Dänemark an beiden Erzeugnissen das Dreifache bzw. das Zehnfache nach Deutschland liefert. Für die gewerbliche Wirtschaft kann das Holz, das in Litauen in erheblichem Umfange zur Verfügung steht, noch weit stärker als bisher bereitgestellt werden., Der Holzeinschlag hat in Litauen bisher rund 4 Mill. Festmeter ausgemacht, wovon 2,4 Mill, als Brennstoff im Lande Verwendung fanden. Ungefähr 1 Mill. Festmeter ist im Lande selbst verarbeitet worden, während der Rest aus« geführt wurde. Deutschland hat schon im letzten Jahr Schnittholz und Rundholz in bedeutend größeren Posten abgenommen als 1937. Wenn man bedenkt, daß die Waldfläche Litauens ein Zwölftel der Waldfläche des Altreiches ausmacht, so kann man ermessen, daß hier noch Exportreserven vorhanden sind, die genutzt werden sollten. Neben dem Holz sind es die Flachserzeugnisse, die bei einer weiteren Verbesserung der Qualität von Deutschland begehrt sind. Litauen hat 1938 = 18 500 Tonnen an Flachs und Flachswerg ausgeführt und stand mit dieser Menge an der Spitze der Ausfuhrländer. Deutschland hat nach Litauen hauptsächlich Steinkohle, Kalisalze, Fahrzeuge, Textilmaschinen, Eisenwaren und elektrotechnische Erzeugnisse ausgeführt. Die gesamte Ausfuhr hatte 1938 einen Wert von 19,2 Mill. RM. Durch die Schaffung der litauischen Freihafenzone in Memel wird sich auch der durchgehende Warenverkehr voraussichtlich beträchtlich steigern; ein Vorgang, der für. die litauische Wirtschaft nützliche Ergebnisse zeitigen dürfte. Die allgemeine Besserung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen kommt sicherlich auch der deutschen Volksgruppe in Litauen (etwa 70000 bei 2,4 Mill. Einwohnern des Landes) zugute. Sie reden sich Ml zu? Deutschland und Deutschlands Wehr- macht scheinen heute im Mittelpunkt aller Gespräche zu stehen, die Polen unter sich führen. Das muß man jedenfalls aus den Betrachtungen der Presse und aus den Reden auf nationalen und sonstigen Veranstaltungen schließen, die alle auf das gleiche Ziel lossteuern: Deutschlands Kraft in den Augen der Polen als minderwertig hinzustellen, damit also s i ch selbst Mut einzu- reoen. Je mehr man sich in diesem Spiel übt, desto mehr wird man an zweibeinige Angst« Hasen erinnert, wie, wenn sie nächtlicherweile durch einen Wald gehen müssen, mit bebender Stimme zu singen anfangen, weil sie meinen, durch die eigene Stimme könnten sie sich beruhigen. Aber warum eigentlich dieser systematische Selbstzuspruch von Mut? Hat man uns gegenüber wirklich ein so schlechtes Gewissen, daß man keinen Tag mehr vorübergehen lassen kann, ohne sich gegenseitig zu versichern, der deutsche Soldat sei durch ein leichtes Leben verdorben, er besitze auf dem Schlachtfelds keine Selbständigkeit, er sei ungelenk und schwerfällig, er unterliege auch leicht der Panik? Außerdem verfüge die deutsche Armee nicht einmal über ausgebildete Heerführer. Ein bißchen viel an Selbsttrost, das muß man schon sagen, dazu noch mit Argumenten, die schlecht zu den Leistungen der deutschen Freiwilliaen in Spanien, den Repräsentanten der deutschen Wehrmacht passen. Wir können anaesichts dieser worteichen Minderbewertung der deutschen Landesverteidigung nur leicht lächeln, fällt uns doch dabei ein, daß die Polen heute noch mit Kosaken- kn Uten durch die Straßen gepeitscht würden, wäre nicht der so leicht der Panik verfallende, absolut unfähige deutsche Soldat gekommen und hätte die nationale und staatliche Freiheit Polens hergestellt. Die Polen haben sie s i ch jedenfalls nicht erkämpft; das wurmt sie auch, zumal sie ihre Frei« heit noch aus deutschen Händen entgegennehmen mußten. Dafür unterlassen sie jetzt auch nichts, um Deutschland, dem sie auf Knien dankbar sein sollten, daß fie aps der russischen Gefangenschaft befreit worden sind, zu beschimpfen und zu schmähen. Aber das ist eben die Art unerzogenerGernegroße, dis wir den Polen nicht weiter übel nehmen wollen, well mir genau wissen, mit wem mir es hier zu tun haben. Sbt. Unser Bild zeigt den König, als er wahrend der Feier an der Stelle, wo er vor 9 Jahren mit dem Flugzeug aus Paris gelandet war, das Kreuz des Bischofs küßt. Neben ihm der Kronprinz Michael. — (Scherl-Bilderdienst-M.) erschienen. Großbritannien vertrat ein Oderhaus- mitglied. Mittags war der Reichsjugendführer zur Tafel des Königs geladen. König Carol überreichte dem Reichsjugendführer Baldur von Schirach das Groß kreuz des Ordens „Stern Rumäniens", und den Herren seiner Begleitung andere Ordensauszeichnungen. Am Abend war der Reichsjugendführer zusammen mit dem griechischen Kronprinzen Paul und den übrigen Chefs der ausländischen Delegation Gast des Außenministers Gafencu. Jude oder nicht? Australien verlangt bei Einwanderern Angabe der Rassezugehörigkeit. London, 8. Juni. (Europapreß.) Die aullra- li sehe Bundesregierung hat sich entschlossen, bei der Einwanderung nichtbriti - scher Staatsangehöriger Angaben über die Rassezugehörigkeit zu verlangen. Jeder Einwanderer muß aus diesem Grund in Zukunft erklären, ob er Jude i st oder nicht. Es wird zwar behauptet, diese Neuregelung habe weder vom rassischen, noch vom religiösen Gesichtspunkt aus eine besondere Bedeutung. Es ist jedoch offenes Ge- heimnis. daß die starke Zuwanderung ausländischerJuden nach Australien bei der einheimischen Bevölkerung schon seit längerer Zeit Mißbehagen ausgelöst hat Schon als sich die Bundesregierung entschlossen hatte, in den nächsten drei Jahren 15 000 Juden aufzunehmen, machte sich eine Ablehnung bemerkbar, die in den letzten Monaten noch zugenommen hat. U. a. konnte fest- gestellt werden, daß die eingewanderten Juden die Löhne drücken. Südafrika wehrt sich gegen den Zudenzustroni. Kapstadt, 8. Juni. (DNB.) Zwischen der Re- gierungspartei und der nationalen Opposition entspannen sich im Parlament erneut Auseinandersetzungen über die jüdische Einwanderung nach Südafrika. Der nationale Abgeordnete Eric Courn, der früher südafrikanischer Gesandter in Paris war, wies nach, wie stark die jüd'.sche Einwanderung in den letzten Jahren gestiegen sei. 1933 seien 839 Juden ins Land gekommen, 1936 schon 1624. Abgeordneter Dr. von Nierop machte auf die ' stetig wachsende Volksstimmung gegen die jüdische Einwanderung aufmerksam. Wenn ein weiterer Zustrom von Juden nicht verhindert werden könne, werde es im Volke Schwierigkeiten geben. Dr. von Nierop protestierte auch gegen die in Südafrika betriebene antideutsche Filmagitation. Die Kinos seien meist in Öen Händen von Ausländern, die zwischen Südafrika und Deutschland Feinschaft stiften wollten. Russell freigelaffen. M > W Minister die sofortige Freilassung gegen eine Kaution von 5000 Dollar angeordnet. Von unterrichteter Seite wird angedeutet, die Freilassung Sean Russells sei auf eine direkte An« Weisung des Präsidenten Roosevelt erfolgt, der Kenntnis von der bedrohlichen Stimmung unter den Million en Iren in USA. erhalten ' habe. Außerdem dürfte auf die rasche Entscheidung Roosevelts nicht ohne Einfluß die Tatsache geblieben sein, daß 30 Abgeordnete unter Führung von James MacGranery (Pennsylvanien) eine Erklärung abgegeben hatten, wonach sie als Vergeltungsmaßnahme für die Verhaftung Sean Russells den Besuch des englischen Königspaares boykottieren würden. Kleine politische Rachrichten. Großadmiral Dr. h. c. Raeder traf zur Teilnahme an der Jahrestagung des Deutschen Auslandsinstitutes in Stuttgart ein. Am Freitagmittag wird er auf der Hauptversammlung das Wort nehmen. * Der javanische Kaiser verlieh am Donnerstag Admiral Förster, dem Präsidenten der Deutschjapanischen Gesellschaft, das Großkreuz des Ordens vom Heiligen Schatz für seine Bemühungen zur Förderung der Freundschaft zwischen beiden Ländern. * Dom 14. bis 17. Juni wird unter der Leitung des Reichsorganisationsleiters der NSDAP., Dr. Ley, die Fahrt der Alten Garde der NSDAP, stattfinden. Sie besucht Bielefeld und führt die Alte Garde in diesem Jahr durch den Gau Westfalen-Nord. Kunst und Wissenschaft. ZahreStagung der Akademien des NSO.-Dozentenbundes. Vom 8. bis 10. Juni findet in München die erste Jahrestagung der wissenschaftlichen Akademien des NS D.-Dozenten b unoes statt. Mtt dieser Tagung find die Akademien der Universitäten Göttingen, Kiel und Tübingen zum ersten Mal als wissenschaftliche Kampftruppen der Bewegung vor die Oeffentlichkeit getreten. Den Auftakt bildete ein Festakt in der Universität. Reichsdozentenführer Dr. Schultze stellte fest, die Wissenschaft müsse vom ganzen Volke getragen sein, und die Reorganisation des Hochschulwesens habe beim Menschen anzufangen. Die deutschen Hochschulen wirklich nationalsozialistisch zu machen, nicht etwa sie da und dort gleichzuschalten, sei die Hauptaufgabe des NSD.-Dozentenbundes. Er sammle alle Kräfte an den Hochschulen, die menschlich, charakterlich und weltanschaulich die Gewähr für einen bedingungslosen Einsatz bieten, darüber hinaus aber in ihrem fachlichen Können Anerkanntes leisten. Für die Wissenschaft sei die Hochschule die Verkörperung dieser geistigen Gemeinschaftsarbeit, die nur dann Sinn und Zweck habe, wenn sie mit all ihren Arbeitsgebieten in der allen gemeinsamen Weltanschauung wurzele. Freihett der Forschung und Lehre sei nichts anderes als verantwortungsbewußter Dienst an den Urwerten unseres völkischen Seins. Daß diese geschichtlich gewordene Freiheit der Wissenschaft erhallen bleibt, dafür sei der NSD.-Dozen- tenbund der an der Hochschule eingesetzte Treuhänder der Partei. Mit seinen weiteren Ausführungen eröffnete der Reichsdozentenführer einen neuen Abschnitt der wissenschaftlichen Arbeit im NSD.-Dozentenbund, indem er sämtlichen Dozenten den Auftrag erteilte, planmäßig die eigenen Leistungskräfte zu steigern und die Gesamtentwicklung der wissenschaftlichen Arbeit der Gemeinschaft bedeutend zu erhöhen. Weimarer Festspiele der deutschen Jugend 1939. Vom 10. bis 29. Juni finden im Deutschen Na- tionaltheater zu Weimar die diesjährigen „Weimarer Fe st spiele der deutschen Jugend" statt. Sie werden in vier Veranstaltungsreihen durchgeführt. Die erste Reche eröffnet Generalintendant Staatsrat Ziegler, die zweite Gauleiter Frauenfeldt, die dritte der Reichsdramaturg und Ehef des Kulturamtes der Reichsjugendführung, Dr. Rainer Schlösser, während auf der Eröffnungskundgebung der vierten Veran- stallungsreihe Reichsjugendführer Baldur von S ch i r a ch sprechen wird. Neben den tüchttgen Schülern zahlreicher Lehranstalten nehmen auch über 1000 (Neger und Siegerinnen des Reichsberufswettkampfes teil. Gleichzeitig mit der dritten Deranftaltungsreihe findet eine Kulturtagung der Reichsjugend führung statt Arbeitstagung des Deutsch-Italienischen Kulturausschusses. In Berlin traf die italienische Gruppe des Deutsch - Italienischen Kulturausschusses ein. Der Ausschuß hat die Aufgabe, die Durchführung der in dem kürzlich ratifizierten deutsch-italienischen Kullurvertrag vereinbarten Maßnahmen zu sichern und weitere Möglichkeiten des Ausbaues der Kulturbeziehungen zwischen den beiden befreundeten Nationen zu erörtern. An der Spitze der Gruppe steht der ftühere Erziehungsminister Exzellenz Balbino Giuliano, Präsident des Petrarca-Hauses in Rom. Leiter der deutschen Gruppe ist Ministerialdirektor Dr. Stieve vom Auswärtigen Amt. Die beiden Gruppen sind parttättfch mit Vertretern der Ministerien des Aeußeren, der Erziehung und der Propaganda sowie Vertretern der Wissenschaft besetzt. Dem Kulturausschuß bietet sich eine Fülle von Aufgaben, deren Lösung für die künftige planvolle Gestaltung der deutsch-italienischen Kulturüeziehungen von entscheidender Bedeutung sein wird. Aus aller Well. Oie Ursache des Danziger Eisenbahnunglücks am Himmelfahrtstage. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei über die Ursache des Eisenbahnunglücks am 18. Mai auf dem Danziger Bahnhof ergaben, daß der D-Zug, der nach Gdingen fuhr, mit einer Stundengeschwindigkeit von 78 Kilometer über die Gleisanlagen des Danziger Hauptbahnhofes fuhr. Infolge dieser hohen Geschwindigkeit ist die Lokomotive entgleist. Nur dem Umstand, daß der Zug schwach besetzt war, sei es zu verdanken, daß das Unglück nicht mehr Tote und Schwerverletzte gefordert habe. Die Polizei habe festgestellt, daß der Tachometer der Lokomotive zertrümmert war. Der Tachometerstreifen, auf dem die Zuggeschwindigkeit ausgezeichnet wird, sei von polnischen Beamten entfernt worden. Der Tachometerstreifen, der ein unwiderlegbares Dokument dafür sei, sei aber später von der Danziger Kriminalpolizei beschlagnahmt worden. Nach Ansicht des Sachverständigen Professor d e Ionge liege die Ursache ohne Zweifel in den hohen Geschwindigkeiten. Soweit der „Danziger Vorposten" erfahren konnte, liegt die Schuld bei dem Unglück bei dem Lokomotivführer Pawel L u - c z a k. der sich wegen seiner Verletzungen noch im Krankenhaus befindet. Er werde nach Lage der Dinge verantwortlich zu machen sein. Der Brand im Warschauer Hauplbahnhof. Von Freitag ab soll der normale Zugverkehr im Warschauer Hauptbahnhof wieder ausgenommen werden, wo das im Rohbau fertiggestellte neue Bahnhofsgebäude durch Brand vernichtet worden ist. Zwei von den vier unterirdischen Bahnsteigen sind dem Verkehr übergeben worden. Inzwischen sind die Untersuchungen über die Entstehungs- Ursache des Feuers abgeschlossen. Fünf am Bahn- hofsbau beschäftigte Arbeiter der Ostoberschlesischen „Friedenshütte" sind verhaftet worden, weil sie sich über die Schutzmaßnahmen leichtfertig hinwegsetzten, als sie mit Schweißapparaten an leicht brennbaren Schallisolierschichten arbeiteten und so den Brand herbeiführten. Die Neugestaltung des Hamburger Elbufers. In Hamburg fand eine Ratsherrenberatung statt, in der der Architekt G u t s ch o w einen Vortrag über die geplante Neugestaltung des Hamburger Elbufers hielt. Nach einleitenden Ausführungen des Reichsstatthalters Gauleiter Kaufmann über die Bauvorhaben der Elbufergestal- tung, deren Bauzeit auf 20 bis 25 Jahre veranschlagt wird, ging der Architekt zunächst auf die städtebauliche Gliederung des Riesenprojektes ein' Das Elbufer zwischen Michaeliskirche und der künftigen Elbhochbrücke gliedert sich städtebaulich in fünf charakteristische Raumabschnitte, deren erster als Wohngebiet gedacht ist. Der zweite Abschnitt umfaßt die Wallanlagen. Sie sind der natürliche Grüngürtel um die Innenstadt. In seinen Ausmaßen gemaltig ist der Raumabschnitt der Hochstraße, die, 1400 Meter lang und 50 Meter breit, in fünfbogiger Brücke über die neuen Wallanlagen hinwegführend, von Verwaltungsgebäuden der Industrie, des Handels und der Schiffahrt und von Bürohäusern flankiert wird. Das Verwaltungsforum umfaßt dos riesenhafte, in einer Höhe von 250 Meter auf zu führende Gauhochhaus, einen großer Aufmarschplatz, eine riesige Dolkshalle, Verwaltungsgebäude, das Haus der DAF. und das große KdF.-Hotel. Der fünfte Abschnitt ist das Elb- Parkgelände. keine Beschränkungen für deutsche Reisende in helgolarid. Der Seebäderdienst des Norddeutschen Lloyd tritt Gerüchten entgegen, wonach deutschen Reisenden bei dem Besuch der Insel und des Seebades Helgoland irgendwelche Beschränkungen auferlegt seien. Als Folge der Erklärung Helgolands zuin Sicherungsbereich sind nur Ausländer von der Beförderung nach Helgoland und über Helgoland ausgeschlossen. Für deutsche Reifende ist der Besuch der Insel völlig frei. (Eine Holzhandlung niedergebrannt. In der Holzhandlung Henrich in Niederdresselndorf (Kreis Siegen) brach ein Brand aus, der sich mit rasender Geschwindigkeit ausbreitete. Einige Häuser in unmittelbarer Nähe der Brandstelle mußten geräumt werden. Die Feuerwehr mußte sich auf den Schutz der Nachbargrundstücke beschränken. Nach einigen Stunden waren die Gebäude der Holzhandlung in Schutt und Asche gelegt. Von den Fertigfabrikaten konnte nur ein kleiner Teil gerettet werden. Wetterbericht Begünstigt durch die allgemeine Luftdruck Verteilung und die starke Erwärmung über dem Festlande ergab sich am Donnerstag ein Einbruch kalter Meeresluft aus Nord. Dabei kam es auch in unserem Gebiet zu örtlichen gewittrigen Störungen mit nachfolgender erheblicher Abkühlung. Zur Zeit hat sich im Bereich der wieder zusammensinkenden Kaltluft Aufheiterung eingestellt, doch läßt die Entwicklung das Aufkommen einer Westwetterlage und damit unbeständiges, wenn auch kein unfreundllches Wetter erwarten. Vorhersage für Samstag: Vielfach heiter, und im allgemeinen trocken, bei lebhaften Winden um Nord Mittagstemperaturen um etwa 20 Grad. Vorhersage für Sonntag: Bei westlicher Luftzufuhr leichte Unbeständigkeit, doch vielfach auf» geheitert. Lufttemperaturen am 8. Juni: mittags 30,8 Grad Celsius, abends 12,5 Grad; am 9. Juni: morgens 11,9 Grad. Maximum 31,0 Grad, Minimum 11,6 Grad. — Erdbodentemperaturen in 10 cm Tiefe am 8. Juni: abends 26,8 Grad; am 9. Juni: morgens 20,6 Grad. — Sonnenscheindauer 10,1 Stunden. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange (verreist), i. 23.: Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans.Thyriot; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantworllich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. V. 1939: 9133. Druck und Verlag: Brühlsche Unioersitäts» druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. HAUS DER GUTEN -0e < Straße 5>a* Scht eines der vielen allzuvielen, willkürlich zusammenqe- ''eil en 'Ldldbücher, sondern ein gründliches Werk langer, liebe, oller Forichcrorbeit Ein Buch, dos uns di« tiefsten Blicke in die Natur tun Täfet Ein Buch, dos zur Ehrfurcht erzieht.- Will Vesper. Waldweben Die Lebensgemeinschaft des deutschen Walde, in Bildern von k. lSerhard und (B Wolff. 32 Seiten Text und 150 Natur- auf-ahmen aus dem Tier- und Pflan ^enleben des heimatlichen Waldes auf 128 Kupiertiesdrucklafeln. Preis des Wer! es in Ganzleinenband 4,80 Reichsmark. ..Es lebt und webt in diesem Buch, und wer es versteht, mit empfänglichen Sinnen die bildgewordencn Naturschönheiten m sich aulzunehmen, dem singen und klingen die Tafeln tau- lend Erinnerungen wach an einstmals leibhaft Erschautes Reclam» Universum. Bitte verlangen Sie kostenlos unsere bebilderten Werbeblätler Die Bücher sind durch jede Buchhandlung zu beziehen Hugo Bermühler Verlag, Bln.-Lichterfelde EHJBOf Dnjla Bleichwachs i heiß# das M.ttel. das auch ihre hartnäckiger, II | IAJ»* und Houtun reinig teerten V . _ restlos beseitigt' nur Mk.2.io. ober nur in Apotheken, Universitätsapotheke z. goldenen Engel, Pelikanapotbeke. 1068v WaSeawasdieD Oelwedisel Lahnstr./ Hammstr, EL Fernsprecher 3516 1 West-Garagen Leupin-Creme u. Seife selt25Jahren bewährt bei Pickel autjucken - Ekzem Gesichtsausschlag, Wundsein usw. In den Drogerien: W. Kilbinger Nachf.. Seltersweg 79a; Winter- hoff, Kreuzplatz 10; Bornemann, Bahnhofstr. 17; C. Seibel, Frankfurter Str. 39. In Laubach: Solms- Laubacher Drog. K. Klein. M71v ‘t'tHrEKit»u«G',tAGeN ? * £ Wenn es die liebe Sonne zu gut mit uns meint, bringen Leinen- und Lüsterjoppen und leichte, poröse Sommerstoffe willkommene Kühlung. 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Das Hübscheste von ihnen, dessen unbefangenes Liebesspiel wir ohne Diskretion mit lächelndem Vergnügen beobachteten, schwamm auf dem Flusse. Ein'Wildentenpaar, das Lenz und Jugend genoß, sich trennte, vereinte, lockte, haschte, und mit seinen Schwimmkünsten ganz reizend kokettierte. Hatten sie bis dahin den blanken Wasserspiegel ganz für sich gehabt, schwamm plötzlich ein Neues auf sie zu — ein großes weißes Blatt Papier. Neugierig steuerten sie ihm entgegen, doch schon folgten Blätter auf Blätter, bis das junge Pcxrr sich sörmlich umringt fühlte. In der Liebe will aber jeder das Feld für sich haben. So stieß das Männchen einen hellen Schrei aus, der deutlich wie „Komm!" klang, und dann entfalteten beide die -Flügel, um auf- und davonzufliegen und im neuen Sport ihr lockendes Spiel fortzusetzen. Wir aber betrachteten erstaunt die gleichartigen Blätter, die nun gelassen eins nach dem andern, an uns vorüberschwammen: Blätter eines großen Abreißkalenders. Gerade trieb der 28. April an uns vorbei. „Tag der Führerrede", sagten wir laut. Doch schon waren wir beim 12. April angelangt. „Besinnst du dich noch? Da zeigte dein Thermometer 38 Grad in der Sonne? Ich habe mir das Datum extra gemerkt.: 9. April. Ostern zieht vorbei, und es naht der 22. März. „Da wurde Memel wieder unser", triumphiert meine Begleiterin, und ich erinnere mich am 19. März lächelnd, daß ich da den ersten Buchfink schlagen hörte. 15. März. „War da nicht? Was war da doch? Hurra, ich hab's: Einmarsch in die Tschccho-Slowakei!" „Richtig. Und in diesen Tagen war es, daß Spanien endgültig von dem roten Terror befreit und Franco Herr des Landes wurde." Schweigend blickten wir auf die Kalenderblätter, die nun mehr in zusammengeklebten Päckchen auf dem Fluß dahintrieben. Nur der 18. Januar schwamm allein, dicht am Ufer dahin. „Gerade dein Geburtstag", neckte meine Begleiterin, „natürlich so ein wichtiger Tag." „Ja, und zugleich der Geburtstag des Deutschen Reiches", setzte ich stolz hinzu, und dann starrten wir den Tagen dieses Jahres nach, die mit dem 1. Januar ihren Abschluß fan-den. Vier Monate persönlichen Erlebens, vier Monate Weltgeschichte, dahingleitend mit dem Strom, weiter und mei/cr, in blaue Ferne und unbekannte Zukunft. Ein Goethescher Vers kam mir in den Sinn: „Wenn im Unendlichen dasselbe Sich wiederholend ewig fließt, Das tausendfältige Gewölbe Sich kräftig aneinanderschließt, Strömt Lebenslust aus allen Dingen ..." „Jetzt möchte ich nur eins wissen", unterbrach eine junge Stimme in lebhafter Fratze meine dichterische Verträumtheit, „wer hat warum bis heute seinen Kalender nicht täglich abgerissen, und was bewog ihn wohl, es heute zu tun?" „Ja, das war nun wirklich ein Problem, dem alles und nichts zugrunde liegen konnte. Ein Zu- sall, eine Belanglosigkeit, ein Erlebnis, eine Laune ober ein ganzer Roman. Stand für jemand die Zeit bis jetzt still? Oder wollte er sie festhalten? Vielleicht gibt Schiller eine Antwort hierauf: Unaufhaltsam enteilet die, Zeit. — Sie sucht das Beständ'ge. Sei getreu, und du legst ewige Fesseln ihr an. E. v. M. Aufruf und Anweisung des Kreisleiters. Verbindliche Anweisungen an alle Veranstalter des Kreises Wetterau. . Die Entwicklung im Veranstaltungswesen der Vereine usw. macht es unerläßlich, die bereits in früheren Anweisungen und Aufforderungen allen beteiligten Stellen bekanntgegebenen Grundsätze der nationalsozialistischen Kulturarbeit erneut herauszustellen. Die Kulturarbeit ist eine wesentliche politische und menschenführende Aufgabe, die als hervorragender Beitrag zur weltanschaulichen Ausrichtung des völkischen Lebens der Verantwortung und der Ent- cheidung der NSDAP, obliegt. . Da leider noch heute, trotz sichtbarer Besserung im ganzen, einzelne Veranstalter nicht die mindeste Voraussetzung für diese Forderungen aufweisen, wird ab sofort für das gesamte Kreisgebiet verbindliche Anweisung heraus- gegeben. 1. Sämtliche Veranstaltungen unterliegen der Genehmigungspflicht der Kreisleitung, Abteilung Kreispropagandaleitung, und sind spätestens 14 Tage vor der Durchführung schriftlich mit genauem Programm einzureichen. 2. Erstes Gebot für jeden Veranstalter muß fein, seine ursprüngliche, in jedem Fall auf auf ein bestimmtes Gebiet beschränkte Aufgabe zu erfüllen und grundsätzlich die Betätigung in anderen, außerhalb seiner eigentlichen Aufgabe liegende Gebiete der Kulturarbeit zu vermeiden. Alle nicht zum Aufgabengebiet der Vereine gehörenden Unterhaltungsveranstaltungen, wie etwa bei einem Turn- oder Gesangverein ein Maskenball usw. müssen grundsätzlich ohne öffentlichen Kartenvorverkauf auf die Mitglieder und deren Angehörige sowie für die Gäste der Vereine beschränkt bleiben. Diese Veranstaltungen dürfen keine Gleichberechtigung mit den öffentlichen Kultur- und Unterhaltungsveran- ftaltungen der hierfür verantwortlichen und bestimmten Einrichtungen erhalten. 3. Veranstaltungskräfte, wie besondere Gruppen einzelner Veranstalter, Sänger, Tanzgruppen, Spielgruppen usip. dürfen grundsätzlich nur innerhalb des eigenen Vereins in feinen Veranstaltungen zum Einsatz kommen. Einsatz dieser Gruppen in besonderen Fällen bei geschlossenen Veranstaltungen am derer Vereine bedürfen der Genehmigung des zuständigen Hoheitsträgers (Ortsgruppenleiters). Nur mit Einhaltung dieser Anweisung ist es möglich, den hauptamtlichen Künstlern den beruflichen Arbeitseinsatz zu gewährleisten. 4. Erst mit der Durchführung dieser Anweisung, für die der örtliche Hoheitsträger (Ortsgruppenleiter) persönlich verantwortlich ist und mit deren sachlicher Durchführung der Ortsgruppenpropagandaleiter beauftragt wird, kann die Führung des Kulturlebens durch die NSDAP, und ihre hierzu beauftragte Organisation, die NSG. „Kraft durch Freude", gleichzeitig mit der immer weiter zu entwickelnden und organisch aufzubauenden nationalsozialistischen Gestaltung unserer Kulturarbeit im Kreise Wetterau gewährleistet werden. Gießen, den 1. Juni 1939. NSDAP. Kreisleitung Wetterau. Der Kreisleiter. Blüten künstlich befruchtet. Wichtige Versuche in Geisenheim vor dem Abschluß. Lpd. Die Versuchs- und Forschungsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Geisenheim am Rhein führt seit dem Jahre 1929 systematische Untersuchungen über die Befruchtungsverhältnisse bei den Obstgewächsen durch, die jetzt zu einem gewissen .Abschluß gelangt sind. Unter der Leitung des Direktors der Änftalt, Prof. Dr. C. F. Rudloff, und des Leiters des Botanischen Instituts der Anstalt, Prof. Dr. Hugo Schaudert, wurden diese Versuche aufgenommen, die jetzt van dem Hauptafsistenten Dr. H e r b st weitergeführt werden. Weit über eine Million künstliche Bestäubungsversuche wurden in diesen zehn Jahren durch- gefübrf Mit den verschiedensten Obstsorten wurden die Versuche unternommen, um festzustellen, wie durch geeignete Befruchtungsverhältnisse ein möglichst höher Ertrag erzielt werden könne. Es wurde so vorgegangen, daß eine ungewollte Bestäubung ausgeschlvssen wird, indem die Blüten noch im Zustand der Knospen mit Pergaminbeuteln eingehüllt werden, so daß weder Wind noch Insekten Blütenstaub anderer Syrien aus die Narben bringen können. Sobald die Pollenreife eingetreten ist, werden die Narben der Blüten durch Abtupfen mit anderen Blüten -bestimmter Sorten künstlich befruchtet. Die bestäubten Blüten werden wieder in Pergamintüten eingehüllt. Jede Blüte wird genau numeriert, es wird im Protokollbuch und karteimäßig festgehalten, mit welcher Sor - t e sie bestäubt ist und wie ihre weitere Entwicklungsgeschichte und vor allem ihr Ertrag gewesen ist. Das Institut ist nun nach diesen millionenfachen Versuchen so weit, daß es von allen einigermaßen gangbaren Obstsorten sagen kann, welche Sorten sich als Pollenspender eignen und eine gute Befruchtung sichern. E i n Griff in die Kartothek genügt, um sofort die brauchbaren Pollenspendersorten festzustel- l c n. Lediglich noch für einige ausgesprochene Lokalsorten müssen diese Versuche zu Ende geführt werden. Diese Arbeit erfüllt eine große praktische Aufgabe für den Obstbau: Jeder Obstzüchter kann von dem Institut erfahren, welche Sorten er zweckmäßigerweife zusammen anbauen muß, um eine sichere Befruchtung zu erreichen. Nun fall die Arbeit noch ein Stück nieiter vorgetrieben werden: Man weiß, welche Sorten sich miteinander vertragen, es sollen aber auch die Sorten ermittelt werden, die durch Kreuzung miteinander den höchsten Ertrag ergeben. Die Arbeit in dieser Richtung - wurde jetzt neu aufgenommen. Es gehört hierher die Beobachtung des Pollenschlauches, der Samenbildung, des Prozentsatzes des Ansatzes an Früchten, wie auch die Kontrolle des Gewichts, der Farbe und des Geschmacks. Es gehört ferner dazu die Feststellung der Blütezeiten der einzelnen Sorten, denn es hat nur Sinn, zwei. Sorten gemeinsam anzubauen, wenn sie auch gemeinsam blühen. Um diese Kenntnis zu erlangen, werden die Blüten der kontrollierten Bäume täglich gezählt, mit der Zähluhr wird sowohl jede neue Blüte, wie auch jede Blüte, die abgeblüht ist, registriert. Eine weitere Aufgabe, die ebenfalls jetzt in Angriff genommen wurde, stellt das Studium der Physiologie der Fruchtbildung dar. Durch Ausdünnung, d.h. durch Entfernen von Blüten nach bestimmten Gesichtspunkten, soll die Gesetzmäßigkeit der Obstansatzbildung ermittelt werden. Man hofft, daß sich die verbleibenden Blüten rascher und stärker entwickeln und der Ertrag verbessert wird. Alle diese Bestrebungen dienen dem Ziel, die deutsche Obsternte ertragreicher zu gestalten, zugleich aber soll auch eine erhöhte Festigkeit der Sorten gegen Witterungseinflüsse erreicht werden. Landgerichtspräsident Thüre nach Mainz versetzt. Die am 1. Juni freigewordene Stelle des Land- gerichtspräsidenten in Mainz ist durch den Reichsminister der Justiz dem Landgerichtspräsidenten Adolf Thüre in Gießen übertragen worden. Landgerichtspräsident Thüre wird sein neues Amt am 1. Iuli antreten. Landgerichtspräsident Thüre wurde am 20. März 1889 in Lauterbach (Hessen) geboren. Nach, abgelegter Reifeprüfung studierte er an den Uni-' oerfitäten Gießen und Berlin und bestand im Frühjahr 1911 in Gießen die erste juristische Staatsprüfung. Sein juristischer Vorbereitungsdienst wurde durch den Weltkrieg unterbrochen, den er als Artillerieoffizier von Anfang bis zu Ende mitmachte und wofür er u. a. mit dem. E. K. L und H. Klaffe ausgezeichnet wurde. Nach Ablegung des zweiten Staatsexamens in Darmstadt im Herbst 1919 wirkte er zunächst als Amtsanwalt bei verschiedenen hessischen Gerichten, bis er im Jahre 1921 als Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Mainz angestellt wurde. Vom 1.5.1922 bis 1. 4.1923 war Präsident Thüre als Hilfsarbeiter bei der Reichsanwaltschaft am Reichsgericht in Leipzig und anschließend im damaligen Hessischen Justizministerium in Darmstadt tätig, roo er am 1.6.1929 zum Vortragenden Rat mit der Amtsbezeichnung Oberjustizrat ernannt wurde. Auch nach seiner am 1.10.1933 erfolgten Beförderung zum Landgerichtsdirektor beim Landgericht Darmstadt blieb er mit der weiteren Dienstleistung bei der Ministerialabteilung Justiz der Hessischen Landesregierung beauftragt. Am 1.4.1934 erfolgte seine Ernennung zum Landgerichtspräsidenten in Gießen. Landgerichtspräsident Thüre hat sich in den fünf Jahren seines Wirkens in Gießen nicht nur im Kreise der Justizbeamten, sondern weit darüber hinaus in Stadt und Land große Wertschätzung erworben. Man wird den beliebten Justizbeamten im Bezirk des Landgerichts Gießen in guter Erq innerurig behalten. Gießen-Wiekeck. Wie uns die Kameradschaft Gießen der NSKOV. mitteilt, kann am kommenden Montag der Kriegervater Heinrich Schmidt seinen 8 0. Geburtstag feiern. Der Jubilar hat während des Weltkrieges auf dem Felde der Ehre einen Sohn verloren. Aus Anlaß des Geburtstages mürbe dem Jubilar bereits ein Glückwunschschreiben des Reichskriegsopferführers, SA. - Gruppenführers Oberlindober übermittelt, ferner hat er die Hebers reirfjung einer Ehrengabe veranlaßt. (Auch wir beglückwünschen!) ♦ Der Hand har monika-Klub Gießen veranstaltet am morgigen Samstag im „Kühlen Eine Nacht in Venedig. Von Friedrich Wilhelm Hymmen. Hyrnrnen gehört zu der aus der Hitler- Jugend hervorgegangenen jüngsten deutschen Dramatiker-Generation. Das war vor ein paar Jahren, als ich mit wenigen ersparten Groschen in der Tasche durch Italien wanderte. Venedig zu besuchen, galt schon immer als die Pflicht jedes Weltfahrers. Also faß auch ich eines Tages in einem Boot und fuhr stolz in die Stadt der Lagunen und der Dogen ein. Trinkt, ihr Augen, was die Wimper hält — diese Paläste am Wasser! Diese Paläste! Zarte Gotik, vornehme Renaissance, Fassaden von selbstsicherer Ausgewogenheit und doch von Einfallsüberschwang; trotz ihrer Ruinenhaftigkeit so lebendig, daß man an den Fenstern Rokokodamen zu sehen meint und daß man vor den prächtigen Türen weißhaarige Kaufherren erwartet, die gleich eine Schar sorgloser, eleganter Gäste empfangen werden. Wie breit der Kanal ist, wie der Rhein ... aber olles Schauen und Sinnen war bald abgebrochen, schon waren wir an der Rialtobrücke. Venedig ... mit Schauder setzte ich mcinrn Fuß auf die Stufen, Schauder vor dem Zauber, den diese Stadt ausstrahlt und dem ich schon trotz unfentimentalfter Vorsätze zum Opfer gefallen war. Vielleicht mag auch die Hitze dazu beigetragen haben, daß ich benebelten Sinnes über die Gassen und Brücken schritt, kaum aufnahmefähig für das was sich darbot. Es stellte sich bald eine Müdigkeit ein wie ich sie nur vom endlosen Besuch großer Museen her kenne, und ich schämte mich meiner Teilnahmslosigkeit, die sich gelegentlich zu Langeweile und Enttäuschung stetgern konnte. War es niete eine tote Stadt? Eine Stadt aus lauter tfaf= Jaöen? War die Schönheit nicht aufdringlich? Billig genug auch für die mittelmäßige Reisegesellschaft? Dann aber erregte mich wieder das Verfiihrerische der Atmosphäre, gerade das Traumhafte das Scheinleben. Es war ein zwiespältiger Eindruck, und richtig froh konnte ich nicht werden ... Gegen Abend wurde die Romantik sogar ärgerlich. Denn wo sollte ich ein Bett fanden. Das vo - nehme Venedig kannte kein „Asylo1, das Lau - ftreicher umsonst aufnimmt, wie Mailand und em kleines — oder gar ein einsames — Deckchen Erde oder Gras war nirgends aufzutreiben. Alles Psta- ftcr ober Brücke ober Wasser - Wasser! Eine glänzenbe Jbee! Auf dem Vrasser übernachten! Als das Platzkonzert auf dein Marrus- platz vorüber war, und es selbst für italienische Verhältnisse spät zu werben begann, schlich ich mich zu einer Gondelanlegestelle, zum Gondelparkplatz sozusagen. Dort eine unbewachte Gondel! Herrlich, ein Sitzkissen lag drin. Das war sehr viel wichtiger als das sinnige Betrachten des gesamten niondbe- schienenen Opcrettenrequisites. Ein Kissen! Zierlich schwankte die Gondel, als ich einstieg. Ein unvergleichliches Bett, berühmt, ersehnt — und ich kauerte mich nieder, begab mich in den Schutz der kostbaren Arme, die mich links und rechts wärmend umschlossen. Gute Nacht, ihr Freunde, schlaft nur in euren unbedeutenden Bürgerbetten, ich beneide euch nur um ein Geringes: um ein vernünftiges Kopfkissen ... Noch lächelte ich mich auf diese Weise in den Schlaf, als jemand greulich zu fluchen begann. Man stieß mich, schrie und fuchtelte herum — oha, ein Gondoliere warf mich aus meiner Wiege. Brutal, daß die Menschen in dieser phantastischen Traumwelt keine gütigen Engel sind. Grollend, aber gefaßt packte ich unter dem aufregenden Geschrei meines Hnwirtes den Affen zusammen. Ich ging zum Markusplatz zurück. Noch flutete lichtvolles Leben und Treiben hin und her. Alle hatten ein Bett, dort die paar Deutschen auch, in Hotels, mit fließendem Wasser, Bad, Abendbrot und Frühstück. Ich mußte nach Billigerem Umschau halten. Und in der Tat: am Markusdom traf ich Leidensgefährten, zwei Deutsche, die wir in Padua tennengelernt hatten. Sie hatten eben erfahren, daß man am Markusdom schlafen könne. Die Steinbänke an der rechten Seite seien nach einem ungeschriebenen Gesetz für die Italiener, die an der linken für die Deutschen. Hoffentlich sind sie noch nicht belegt. Mit dieser bescheidenen Hoffnung rannten wir hin — drei Betten waren noch frei. Betten aus anerkannt feinstem Marmor, in wirklich herrschaftlicher Lage. Zwar rochen sie etwas nach Tauben, aber auch diese Tauben gehörten ja zum klassischen Ruhm unserer Herberge. Es wollte mir nicht gelingen, auf der harten Bank nun zum zweitenmal meinen Schlaf zu beginnen. Also nutzte ich die Zeit, bis ich ganz und ausreichend bunöemüöe sein würde, indem ich einen Strumpf stopfte. Das Mondlicht half mir, so gut cs konnte. Nun, cs kam ja auch nicht so genau darauf an. Erft als ich meine Nadel verlor und sie auf dem Pflaster nicht wiederzufinden war, erbarmte sich meiner ein erquickender Schlaf. Allerdings hatte ich am Morgen krumme Glieder und schmerzende Beulen, auch war cs recht kalt geworden, aber da ich vor meinem seltsamen Bett sließendes Wasser vorfand, genau so wie jene Urlauber im Hotel, war alles Ungemach bald überwunden. Es war kein gewöhnlicher Wasserkran, sondern ein kunstgeschichtlich gewiß hochbedeutsamer Brunnen, der mich mit seiner Gabe erfrischte, und ich hoffe, daß ich.mich rühmen kann, der einzige Mensch zu fein, der sich mit dem Wasser dieses edlen Baudenkmals sich rasiert hat, ganz zu schweigen von einer noch respektloseren Fußwaschung. Es war früh, vielleicht fünf Uhr, und nur die Tauben bewunderten meine Tätigkeit. Die Polizei schlief wohl noch samt ihren mittelalterlichen Uniformen. Mit dem ersten Motorboot fuhr ich herüber zur Lido-Insel, zum Meer. Am Strand war ich der erste Badegast. Die Lidogäste hatten gestern zu lange getanzt und verschliefen in ihrer Torheit die schönsten Stunden. Ich beneidete sie nicht. Mit Andacht, wie zu einer Taufe, ging ich den flutenden Wogen entgegen. Mittelländisches Meer! Von Aegypten herüberrollend zu mir, einem Sohn nordländischen Nebels. Klatschend warf sich eine Welle an mir hoch, schon drängte ein zweite heran, und ich sprang ihnen respektlos entgegen. Verheißungsvoll strahlen am Horizont schmale Wolkenketten auf, erst rötlich, dann golden, jetzt blendend, menschlichem Auge verboten — lichter- prasselnd schiebt sich der 'Sonnenrand über den Horizont, 'mit der unbeirrbaren Sicherheit eines Herrschers wächst, wächst und verwandelt die Welt. Die Sonne scheint, sagen die Leute, und schließen müde die Gardinen. Ich aber genoß und freute mich ihres Glanzes und ihrer Wärme. Ein neuer, erlebnisgeladener Tag brach an. Zeitschriften. — „K u nst dem 23 o l k", Monatsschrift für bildende und darstellende Kunst, Architektur und Kunsthandwerk, Herausgeber: Professor Heinrich Hoffmann, Verlag Heinrich Hoffmann, Wien. — In der 5. Folge des 10. Jahrganges (Mai 1939) findet sich als Leitartikel ein mit sehr guten, farbigen Reproduktionen in großem Format bebilderter Beitrag .Pieter Brueghel als. Schilderer feiner Zeit" von A. Spitzmüller, der eine lebendige und anregende Interpretation einiger charakteristischer Gemälde des „Bauern-Brueghel" enthält. Karl Strobl führt an Hand zahlreicher Aufnahmen in das Werk des ost- märkischen Bildhauers Michael Drobil ein. Sehr schönes Bildmaterial bringt auch ein Beitrag über unbekannte Schätze der Albertina in Wien von Hofrat Dr. Anton Reichel. Interessante Gegenüberftel- (ungen und einige grundsätzliche Hinweise findet man in einer vorzüglich illustrierten kleinen Ab- I Handlung „Lichtbild und Malerei". Gloria-palast: „Umwege zum t'M Der Führer besichtigte das Volkswagenwerk. Der Führer stattete am Mittwoch unerwartet dem im Bau begriffenen Volkswagenwerk in Fallersleben einen Besuch ab. Bei dieser Gelegenheit tonnte er sich von dem gewaltigen Fortschritt der Arbeiten überzeugen, der im Laufe eines einzigen Jahres erzielt wurde. Unser Bild zeigt einen umfassenden Ueberblick über das Riesenausmaß des Werkes, so, wie es sich dem Führer darbot. — (Presseamt DAF. — Schcrl-M.) tuii 7, nienmustern p. in Stoffspezialhaus Bernard & Sohn Waschkrcppdrnck, 80 cm breit, in Hotten Bhi- Dirndlblockkaro, 80 cm breit, für das beliebte Dirndlkleid .. .p. m Xellwoll- itlousNclinc- »ruck. 80 cm breit, in schön. Farbstcllung., p. m Diriidl-Cretonne. Selcnic. 68 cm breit, in größt.Farbsortiment flQ fürSportkleider, p.m “«34- 80 cm breit, in aparten 1 04 Blumenstreifen......p.m ■•U*t I>i rn d I-Zell w.-Karo, 70 cm br. beliebt. Block-Karo, s. gute 4 4E waschb. tragfäh. Zellwollw. 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Für den Neubau der Gebäude für den Mittelmarkt in Gießen sollen auf Grund der Reichsverdingungsordnung folgende Arbeiten vergeben werden. 1. Erd- und Maurerarbeiten. 2. Kanalbauarbeiten. Dia Unterlagen find beim Stadtbauamt — Aster weg 9 — abzuholen. Die Angebote sind bis zum Donnerstag, dem 15. 3uni 1939, vorm. 10 Uhr, einzureichen. Gießen, den 8. Juni 1939. 4173D Der Oberbürgermeister. Stadtbauamt. I. A.: G r a v e r t. Mehr Freude an der Matur ' durch Bermühler-Bücher! Bekanntmachung. Heugras-Versteigerung der Stadt (Ziesten. llionfag, den 12. Juni 1939, soll das Heugras von den ftädtisck)en Wiesen öffentlich versteigert werden, und zwar: Um 8.30 Uhr (Zusammenkunft an Ort und Stelle) von den Wiesen in der Gemarkuna Großen-Buseck, sowie der Wiesen am Bügeeck und Schindcrseck. Um 9.15 Uhr (Zusammenkunft au der Anneröder Straße) von den Wiesen im Utersbrunnen. Um 10 Uhr (Zusammenkunft in der Restauration „Zur Stadt Lich", Licher Straße 59) von den Wiesen im Heegstrauch, Ohleberg, am Weiher, von den Wiesen int Wicsecktal an der Eselswiese, Z Wiesen beim Schlachthof, sowie drei Wiesen in der Schwarz- lad). Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen wünschen, wollen sick; an den Wiesenmeister Klos, Bückingstraße 4, wenden. Gießen, den 5. Juni 1939. 4I69A Der Oberbürgermeister. I. V.: Nicolaus. Landschanshund Volkstum D.Heimal Sonntag, 11. Juni, vormittags 9 Uhr Führung durch die Milchzenlralo GioSon Treffpunkt vor der Milchzentrale t Gebr. Grieb). Am Pfarrgarten. ,176d Verschiedenes Auto an Selbstfahrer zu vermiet. 4i?gD Alicemtrasre 35 Telefon 4335. Geburtsanzeigen bei Brühl, Gießen Älbeitsvergebung^ Für den Neubau eines Rentnerheimes der Gemeinnützigen Wohnungsbau-G.m.b.H., Gießen, sollen folgende Arbeiten vergeben werden: 1. Erd-, Maurer- und Betonarbeiten. 2. Spenglerarbeiten. 3. Dachdeckerarbeiten. Zeichnungen und Bedingungen liegen bei dem Architekten Fischer, Seltersweg 85, offen. Angebotsvordrucke können dort in Empfang genommen werden. Angebote mit entsprechender Anschrift sind spätestens bis Donnerstag, den 15. 3uni 1939, vorm. 11 Uhr, beim Stadtbauamt, Asterweg 9, einzureichen. Gießen, den 8. Juni 1939. 4174V Der Oberbürgermeister. Stadtbauamt. I. A.: Gravert. Empfehlungen FÜR DIE REISE Koffer und Taschen von (4170A Leder-Röhrig 43 Neustadt 43 Kleine Anzeigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Darum: Kleinanzeigen in die Hei» matzeitung, oen Gießener Anzeiger Mitesser und Pickel entfernt Schönheitswasser Aphrodite So wirk! Drogerie Winterhoff, Krenzplatz 10 Löwen-Drogerie, Seltersweg 69 Parfümerie Plank, Seltersweg 8 Frisier-Salon Wahl, Bahnhofstr. 63 Parfümerie E. Mnhl, Mänsbnrg 8. WF D RF DRUCKSACHEN ¥1 CHOC Brühl, Gießen Die ersten neuen Mjesittinge eingetroffen. Stück 22 Pfennig. A-Koch Nachfolge»; Fisch- und Feinkost (4179D Mäusburg 15 — Telefon 3612.