Mittwoch, 8. November |YZ9 Nr. 262 Erstes Blatt 189. Jahrgang unwenigsten geneigt seien, sich in,Ansicht, der Krieg habe keinen ideologischen anderer Volker einzumischen. lUr sp run g, sondern sollte England nur gestatten, die Welt wie schon in den beiden letzten Jahr« Hunderten weiterhin zu beherrschen. aus- wer- Wir können es nur als Zeichen eines heruntergekommenen Hochmutes werten, wenn Halifax die Vorsehung als Zeugin dafür anrief, daß England die Macht habe, „auch die Torheit zu beweisen, mit der die deutsche Regierung ihrer eigenen Vernichtung entgegengeht". Mit billigem Großmut sprach Halifax von „Revisionen in einer fortschreltenden, sich ändernden Welt" und zeichnete in nebelhaften Umrissen eine „neue Welt" englischen Musters ab, die auf alle Völker eine besondere „Anziehungskraft" ausüben dürfte, die unter Versailles und seinen Folgen 20 Jahre lang zu leiden hatten. land mehr und mehr, unter Wahrung seiner Neutralität, Frontstellung gegen London bezieht, und daß das Bemühen Deutschlands, den Krieg keinen weiteren Umfang annehmen zu lassen, die Friedensbemühungen Italiens und die stabilisierende Haltung Moskaus, vielleicht die einzigen Möglichkeiten bietet, die neutrale Welt vor dem Chaos zu bewahren. Göring und Ribbentrop beim Empfang in der russischen Botschaft. Berlin, 7.Nov. (DNB.) Generalfeldmarschall Göring und der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop nahmen am Dienstagnachmittag an dem aus Anlaß des Jahrestages der Gründung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken stattfindenden ersten Empfang des neuernannten russischen Botschafters S ch k w a r - Berlin, 7. November. (DNB.) In einer Rundfunkansprache stellte Lord Halifax wieder einmal das abgefeimte Spiel eines vor der Bühne der Weltöffentlichkeit von Menschenliebe überfließenden und vor den Prinzipien der Demokratie sich mehr als einmal verbeugenden, aber in Wirklichkeit auf Raubzug ausgehenden politischen Intrigantentums die Engländer am — a—„ . . . die Angelegenheiten anderer Völker einzumischen. Buenos Aires, 7. Nov. (Europapreß). Die Zeitung „Prensa" veröffentlicht ein Interview mit dem spanischen General Queipo de Llano. Dieser erklärte, der Sieg Deutschlands sei unabhängig von der Dauer des Krieges gesichert. Das Deutsche Reich sei sowohl auf wirtschaftlichem als auch auf militärischem Gebiet gegen alle Möglichkeiten gerüstet. Die deutsche Luftwaffe sei wenigstens doppelt so stark wie jene der Alliierten. Frankreich und England würden das bald zu spüren bekommen. Deutschland sei ebenfo hinreichend mit Brennstoff versehen, verfüge auf Grund des Abkommens mit Rußland bejonders hinsichtlich seiner Versorgung mit Rohstoffen über große Möglichkeiten. Queipo de Llano vertrat die den drei baltischen Staaten bezeichnet der Kriegskommissar als dauerhafte Basis des Friedens im östlichen Teil der Ostsee und in Osteuropa. Der Freundschaftsvertrag mit Deutschland wird ferner als unübertreffliches Instrument gerühmt, das den Interessen der beiden größten Staaten Europas diene. Er sei auf der dauerhaften Grundlage der gemeinsamen Interessen der Sowjetunion und Deutschlands aufgebaut, darin bestehe seine gewaltige Kraft. „Dieser Vertrag ist ein Wendepunkt nicht nur in den Beziehungen zwischen den beiden Großstaaten, sondern er müßte sich auch aufs allerwesenllichste auf die ganze internationale Lage auswirken." Eine neue starke Verurteilung findet die Kriegs- Politik der W e st m ä ch t e. „Der europäische Krieg, dessen Anstifter und hartnäckige Fortsetzer England und Frankreich sind, hat sich, so heißt es in dem Heeresbefehl weiter, noch nicht zu einer verheerenden Feuersbrunst entfacht. Jedoch tun die englischen und französischen Aggressoren, die den Frieden nicht wollen, alles dazu, um den Kriegsbrand zu verstärken und ihn auch auf andere Länder auszudehnen." Die Sowjetregierung dagegen wirke auf alle Weise mit an der Wiederher st ellung des Friedens, den die Völker aller Länder wünschen. „Deutschlands Sieg gesichert." General Oueipo de Llano überdiegroßenMöglichkeitenDeutschlands. „Schiedsrichter unter den Nationen." Anmaßende und heuchlerische Rundfunk-Ansprache von Lord Halifax. Genf, 7. Nov. (Europapreß.) Die Rede Molotows hat in den neutralen Kreisen sensationelles Aufsehen erregt. In Bern wurde.sie mit Interesse zur Kenntnis genommen. In den Kreisen der Genfer Liga ist man der Ansicht, daß sie eine weitere Verschärfung der antienglischen Haltung Moskaus, die sich schon j z e w teil. bestreitbaren Tatsache rechnen. Großes Aussehen in neutralen Kreisen Die Sowjetunion bereitet sich aus alle üeberraschungen vor Ansprache und Heeresbefehl Woroschilows. bei der letzten Molotow-Rede gezeigt habe, drücke. Als eindeutige Spitze gegen England den hier die Worte Molotows gedeutet, die von den Bemühungen der kapitalistischen Welt sprechen, die Zahl der kriegführenden Staaten zu erhöhen und die neutralen Länder in den Krieg zu zerren. Der Eindruck der Rede Molotows ist der, daß Ruß- Innere Krisen trieben die Westdemokraiien in das Kriegsabenieuer. Molotow stellt die Verantwortung der Kriegshetzer klar. - Große Rede des russischen Außenkommiffars am Jahrestag der russischen Oktober-Revolution in Moskau zu Schau. Mit einem in seiner abgrundtiefen Heuchelei nur allzu durchsichtigen Enüastungsmanöver begründe^ er den Krieg gegen das Reich mit den allmählich einschläfernd wirkenden Propagandaphrasen von der „brutalen Gewalt, dem Wortbruch, der Bedrückung, der Verfolgung", die er Deutschland 3ur Last legte, und der Verteidigung der Freiheit, der Sicherheit und des Rechtes, für die England zu den Waffen gegriffen habe. Er sprach im Tonfall des europäischen Polizisten, als er England als „Schiedsrichter unter den Nationen" bezeichnete, das gegen die Verletzung geheiligter Verträge und gegen die Mißachtung des gegebenen Wortes kämpfe. *; e .. f Der edle Lord, dem aus seiner Amtstätigkeit als Dizekönig in Indien die grausame britische Brutalität und die Blutspuren nicht unbekannt sein dursten mit denen die Geschichte des Empire befleckt ist ' faselte von elementaren Menschenrechten und der Toleranz in den Beziehungen von Mensch zu Mensch. Es machte dem britischen Außenminister keine moralischen Schwierigkeiten, mit einer skrupellosen Heuchelei von der „grausamen Verfolgung von Ideen und Personen durch die ruchlosen Führer in Deutschland" zu sprechen, und im gleichen Atemzug mit der Miene des Biedermannes festzustellen, daß Moskau, 7.Nov. (DNB.) Gestern abend fand - im Großen Moskauer Opernhaus der Staatsakt ( statt, der die alljährlichen Feiern zum Jahrestag der Oktober-Revolution einleitet. An der Versamm- ( lung nahmen auf den Plätzen des Ehrenpräsidiums t die führenden sowjetrussischen Staatsmänner, an t ihrer Spitze Stalin, Molotow und Woroschilow teil, i Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare i Molotow hielt die Festrede. Die Rede war vornehmlich allgemeinpolitischen und innersowjetischen Fragen gewidmet. Rach einem Hinweis auf die Wirtschaftskrisen, - die auch die größten kapitalistischen Staaten ' England, Frankreich und USA. erfaßt haben, stellte Molotow fest, daß die reichsten und von errafften Reichtümern fett gewordenen Länder in ihren inneren Kräften keinen Ausweg aus der Lage mehr fänden und daß diese Tatsache als Grundursache dafür anzusehen sei, daß diese Mächte nunmehr neue Abenteuer suchten. Darin liege auch die wahre Wurzel der gegenwärtigen Krise. Während gewisse Pläne, Sowjetrußland in den Krieg einzubeziehen, mißlungen seien, versuchten England und Frankreich, nicht nur ihre Bevölkerung, sondern auch die Bevölkerung ihrer Dominien und Kolonien immer stärker in den Krieg hineinzuziehen. Sie kämpften angespannt, um die Anzahl ihrer Verbündeten zu vergrößern und um neutrale Länder auf ihre Seite zu ziehen. Molotow wies insbesonders auf die ernsten Fragen hin, die der gegenseitige Beistandspakt Eng- lands und Frankreichs mit der Türkei aus- gerollt habe. Die Zahl der neutralen Länder in Europa würde immer mehr abnehmen, wenn es den herrschenden Kreisen Englands und Frankreichs gelingen sollte, den Krieg zu verlängern und zu schüren, um ihn zur Stärkung ihrer Weltherrschaft und zur Behauptung ihrer zahlreichen Kolonien auszunutzen. Für andere Staaten, so meinte Molotow, sei die Neutralität nur eine Maske, hinter der sie ihre wahre, auf die Ausdehnung des Krieges gerichteten Absichten verberge, von dem sie h o h e P r o f i t e auf Kosten der krieg, führenden Völker erhofften. Die imperialistischen Westmächte hätten ihre Berechnungen hauptsächlich auf einen neuen Raub und auf eine neue Aufteilung der Welt zu ihren Gunsten sowie auf die Zertrümmerung und Ausschaltung ihrer Konkurrenten und jeglicher Ansprüche auf ihre Kolonien und ihre Kolonialreichtümer gestützt. Dank der konsequenten Durchführung ihrer Friedenspolitik genieße die Sowjetunion nach wie vor die Wohltaten des Friedens und könne so alle Zweige des wirtschaftlichen und kulturellen Aufbaues entfalten. Molotow streifte dann kurz den Bankrott des polnischen Staates, der ungeachtet der Garantien der Westmächte a u s e i n a n d e r g e f a l l e n sei und schon bei der ersten Prüfung seine Schwäche, Unbeständigkeit und Haltlosigkeit bewiesen habe. Die garantierenden Großmächte hätten so nicht nur ihre eigene Schwäche unter Beweis gestellt, sondern sie hätten auch gezeigt, daß es mit ihrer Politik m mancher Hinsicht offensichtlich nicht zum besten bestellt sei. Die Sowjetunion habe inzwischen dre stammesverwandte Bevölkern n g der W e st Ukraine und des westlichen Weißrußlands mit ihrem Staate vereinigt und ihre Bevölkerung damit von 170 auf 183 Millionen vermehrt. Molotow kam dann noch einmal auf die Gründe zurück, deretwegen die Westmächte zum Kriege geschritten seien. Die Leiter dieser Staaten und ihre Nachbeter aus den Gruppen Blums und Altlees suchten die Verbesserung ihrer Lage in einem neuen imperia- listischen Krieg. Für das Verbrechen des gegenwärtigen Krieges trügen sie die Verantwortung, jene Verantwortung insbesondere, daß der jetzige Krieg in die Länge gezogen und unter der verbrecherischen Behauptung geschürt würde, daß dieser Krieg um der Verteidigung der Demokratie willen geführt werde. Alledem entgegen stehe die Sowjetunion mit ihrem Friedenswillen und ihrem heißen Streben, eine schnelle Beendigung des Krieges herbeizuführen. Auf wirtschaftlichem Gebiete führte Molotow einige eindrucksvolle Ziffern über die Entwicklung der sowjetischen Produktion im Laufe der letzten Jahre an. Die gesamte Industrie der Sowjetunion habe gegenüber dem Vorjahr eine Mehrerzeugung von 14,4 v. H. zu verzeichnen, die Schwerindustrie allem 15 v. H., die Maschinenbauinduftrie um 25 v. H., die Rüstungsindustrie sogar um 45 v. H. Für die Landwirtschaft gab Molotow bekannt, daß die diesjährige Getreideernte 6,5 Milliarden Pud, das find 106 Millionen Tonnen, betrage, während die Erzeugung der speziellen landwirtschaftlichen Kulturen sich M o s k a u, 7. Nov. (DNB.) Zum 22. Jahrestage der Oktoberrevolution fand in Anwesenheit von Stalin, Molotow, Kaganowitsch, Mikojan usw. die übliche große Militärparade auf dem Roten Platz in Moskau statt. Die Parade, die der Kriegskommissar Woroschilow abnahm, wurde angeführt von dem Oberbefehlshaber des Moskauer Militärbezirks, Marschall Budjonny. Zu Beginn der Parade hielt Kriegskommissar Woroschilow eine kurze Ansprache, worin er bemerkte, daß die Außenpolitik der Sowjetregierung das Land bisher vom Kriege bewahrt habe. Insbesondere hätten die mit Deutschland geschlossenen Verträge „einige Herrschaften des Vergnügens beraubt, die Kastanien durch andere aus dem Feuer holen zu lassen." Die auswärtige Politik der Sowjetunion werde, so schloß der Kriegskommissar, um so erfolgreicher sein, je mächtiger der Sowjetstaat und die sowjetrussische Armee und Flotte sich entfalte. Die Sowjetunion nehme nicht am gegenwärtigen Kriege teil, sie verfolge aber mit der größten Wachsamkeit die Ereignisse und bereite sich auf alle Überraschungen vor. _ In einem Heeresbefehl des Kriegskommst- sars wird ebenfalls die Außenpolitik der Sowjetregierung berührt. Die Beistandspakte mit gleichfalls im Verhältnis vom Vorjahr erheblich gesteigert habe. Molotow schloß mit der Feststellung, daß die Sowjetunion für die Feinde noch furchtgebietender, ihren aufrichtigen Freunden aber noch teurer geworden sei. Man könne nicht wissen, welchen außenpolitischen Prüfungen Sowjetrußland noch begegnen werde; eines aber sei gewiß, daß die Verteidigungskräfte der Sowjetunion nicht ge- chwächt sondern noch mehr und noch beharrlicher verstärkt werden würden. Der mächtige Quell der inneren Kräfte der Sowjetunion sei un- versiegb-ar, und die Feinde Sowjetrußlands müßten mit jedem Jahr immer ernsthafter mit dieser Die englische Kriegspropaganda versagt. Feststellung eines norwegischen Korrespqndenten. Oslo, 8. Nov. (Europapreß.) Der Londoner Korrespondent der Osloer Zeitung „Dagbladet" behandelt die englische Kriegspropaganda und kommt zu dem Schluß, daß die Zeiten s i ch s e i t 19 1 4 gewaltig verändert haben. „Die Engländer schreiben ihrer Propaganda von 1914 bis 1918 einen wesentlichen Anteil am damaligen Sieg der Westmächte zu", heißt es in dem Bericht. „Heute aber scheint hie deutsche Propaganda der englischen völlig überlegen zu sein. In den letzten 200 Jahren ist keine englische Institution Gegenstand einer solch einstimmigen und vernichtenden Kritik gewesen wie das britische In« formationsministerium, das eigens für die Kriegspropaganda geschaffen wurde. In mehreren hundert Artikeln ist dieses Ministerium auf das heftigste angegriffen worden, aber nichts hilft. Letztens wurde das Personal von 999 auf 470 Personen vermindert und dafür eine Reihe sehr tüchtiger Spezialisten eingestellt, die aus Leibeskräften arbeiten. Aber die ganze Institution st eckt so tief im bürokratischen Sumpf, daß kaum noch etwas zu reiften ist. Nächtelang müssen die Journalisten auf die Kriegs- kommuniquös warten und wenn endlich etwas kommt, ist es schmälste K o st. Man wird Hun- gerkünftler, ob man will ober nicht. — „Sie müssen eben zwischen den Zeilen lefen",. antwortete ein Offizier einem Journalisten, der sich beklagte. Aber dieser erwiderte: „Wie macht man denn das, wenn euer ganzes Kommunique aus einer einzigen Zeile besteht?" Gandhi verlangt sofortige Wahl der KonstitnierendenVersammlnngIndiens Amsterdam, 7. Nov. (DNB.) Nach einer Meldung des Londoner Rundfunks soll Gandhi die sofortige Wahl der Konstituierenden Versammlung Indiens verlangt haben. Pandit Nehm erklärte, der Zusammenbruch der Verhandlungen zwischen der britischen Regierung und den indischen Nationalisten sei auf die grundsätzlichen Gegensätze zwischen der britischen Regierung und der Kongreßpartei und nicht, wie dies in einer englischen amtlichen Darstellung behauptet werde, zwischen der Kongreßpartei und der Moslem-Liga zurückzuführen. Oie ungarisch-rumänischen Beziehungen. Bukarest, 6. Nov. (Europapreß.) Auf einem Bankett in Arad aus Anlaß der Einweihung der neuen orthodoxen Kathedrale hielt der Minder- heitenminister Dragomir Silviu eine Ansprache. Der Minister betonte den Willen Rumäniens zur unbedingten Aufrechterhaltung seiner Integrität und befaßte sich dann mit den ungarisch-rumänischen Beziehungen. Dragomir Silviu hob hervor, daß die beiden Völker immer ein gemeinsames Schicksal gehabt hätten und betonte schließlich, zwischen der ungarischen und der rumänischen Nation müsse eine Annäherung Zustandekommen. Rumä- nien wolle diese Annäherung in erster Linie mit der ungarischen Minderheit in Rumä- nien vorbereiten. Annahme von Anzeige» tor die Mittagsnummer bis 8* /.Uhr des V ormittag» Grundpreise für I mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf.. für Text- anzeigen von 70mm Breit« 50Rpf.,Platzvorschrift nach vorh. Dereinbg. 25°/e mehr. ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie ein- spaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzei. gen, Bäder-, Unterrichts- tu behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabfchlüsie Staffel B Erscheint lüg ltch, außer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familien blätter Heimat im Bild Die Scholle Monalr-Vezugrpretr: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zemsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gietzeo Postscheckkonto: Zranifurt am Main 11686 Lektion für Kriegshetzer. Der Pariser Vertreter einer italienischen Zeitung hat dieser Tage berichtet, wie gerade die gegenwärtige Lage in Frankreich einen guten Nährboden für Mißstimmungen verschiedenster Art abgebe. Mehr als einmal könne man das Stoßgebet hören: „Wir kämpfen für die Londoner Bankiers." Mit ähnlichen Worten hat Molotow dieselbe Feststellung getroffen, als er in feiner Rede anläßlich der russischen Revolutionsfeierlichkeiten sagte, daß sich in den kriegführenden Ländern des Westens die Unzufriedenheit der ausgebeuteten und unterdrückten Masten natürlich anhäufe und daß dort unabwendbare neue Ausbrüche des Dolkszornes gegen die kapitalistische Herrschaft heranreiften. Den demokratischen Westmächten wird hier also von zwei verschiedenen Seiten noch einmal bescheinigt, w i e schlecht ihreAussichten auchvom innerpolitischen Standpunkt aus sind. Daß wir Deutsche in dieser Hinsicht die gleiche Auffassung haben wie unsere Freunde im Süden und Osten, braucht nicht erst betont zu werden. Es liegt uns fern, das nationale Pflichtgefühl des englischen und französischen Soldaten zu unterschätzen, aber mir, wissen anderseits, daß sich der einfache Mann in England und Frankreich immer häufiger die Frage vorlegt, ob es diesmal überhaupt um eine nationale Pflichterfüllung geht oder nicht viel- mehr darum, das nationale Pflichtbewußtsein für die Zwecke internationaler Geschäftemacher mißbrauchen zu lassen. Die aufdämmernde Erkenntnis der westlichen Völker ist vielleicht der wundeste Punkt in der demokratisch-imperialistischen Kriegführung, und der Leiter der sowjetrussischen Regierungspolitik hat nicht gezögert, den Finger gerade in diese Wunde zu legen. Der Jahrestag der Oktober-Revolution bietet an sich den Moskauer Staatsmännern mehr Anlaß, sich mit den inneren Problemen des Sow- Gieheim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen OruÄ und Verlag: vrShlsche UniversilSisdruckerei «.Lange in Sieben. Schristlettung und SeschSftrftelle: Lchulstratze 7 noch un- Der des Be- Verstärkte Nachfrage nach Nechtswahrern. Machtvolle Ehrenmale für untere Gefallenen. Volksbund Deutsche Kriegsgrä- en m- LlSA-Echiffe unter britischer Flagge. Wie man die Bestimmungen des LlSA-Aeutralitätsgesehes umgehen will. jetreiches zu beschäftigen. Wenn Molotow jetzt von dieser Regel abgewichen ist, wenn seine ganze Rede durchtränkt war von Hinweisen auf die Ursachen, Methoden und Aussichten des von England ange- stifteten Krieges, so geht daraus di« außergewöhnliche Bedeutung hervor, die Rußland als neutraler und docb mit Deutschland freundschaftlich verbünde« Einzug des Generalgouverneurs von Krakau. Nebernahme der Negierung des Generalgouvernements auf der Krakauer Burg. Krakau, 7. Noo. (DNB.) Am Dienstag hielt der Generalgouverneur für die besetzten Gebiete, Reichsminister Dr. Hans Frank, in Krakau seinen Einzug, um auf der historischen Burg seinen Regierungssitz zu nehmen. Die Stadt Krakau bereitete ihm einen festlichen Empfang und hatte reichen Flaggenschmuck angelegt. Im Jnnenhof der Burg, die von allen Seiten festlich angestrahlt war, waren Ehrenbereitschaften der Wehrmacht, des ^«Totenkopfoerbandes, der Schutzpolizei und der volksdeutschen Organisationen angetreten, die der Generalgouverneur in Begleitung seines Vertreters, des Reichsministers Dr. Seyß-Jnquart, und Les Generals der Kavallerie von Pogrell unter den Klängen des Präsentiermarsches abschritt. Zahlreiche Volksdeutsche sowie die Beamten und Ange- stellten der deutschen Dienstbehörden im besetzten Gebiet hatten sich gleichfalls im Jnnenhof versammelt. In den Innenräumen der Burg wurde der Gene- ralgouverneur im Audienzsaal von über 200 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens erwartet, darunter auch von einer Abordnung von ©oralen, den polnischen Bergbewohnern aus Zakopane, in ihre'n malerischen Trachten. In einer Ansprache erklärte der Generalgouverneur: „Auf Befehl des Führers übernehme ich hier auf der Burg zu Krakau d i e Regierung des Generalgouvernements. Ich'kann nur die Versicherung abgeben, daß auch von diesem Platze aus so wie allüberall in der Machtsphäre des Deutschen Reiches der Wille unseres Führers das ober st e Gesetz und der Inhalt unseres Handelns, die Wohlfahrt hängen voll von Früchten, die aber wegen der günstigen Witterung nicht ausreifen konnten. Gefährlicher Irrtum. Flaue Kriegsstimmung in französischen Arbeiter- undBauernkreisen. Klagen in der pariser presse. - Daladier soll ein zweiter ElLmenceau werden der stärker bemerkbar gemacht. In erster Linie, fassung und Sicherung der deutschen Kriegsgräber waren es Betriebswirte, S t e u e r f a ch - j werden in den einzelnen ^an}PJ9e^ In Brüssel schellte es in diesen Taaen abends spät an einem Einfamilienhaus, dessen wohner gerade die Rundfunknachrichten abhörten. Da die Hausgehilfin schon zu Bett gegangen war, ging die Frau des Hauses herunter, um die Türe zu offnen. Kaurn hatte sie dieses getan, als ihr von einem Manne, der seinen Hut ttef ins Gesicht ge- Die Belgrader Blätter veröffentlichen die Meldung über die Ermordung des Reffen des bekannten vor Jahren in der Belgrader Skupschttna erschossenen kroatischen Volksführers Stefan Raditsch, des 51jährigen Abgeordneten Iwan Raditsch, der in seinem Haus in dem Dorf Trebajewo unweit der Stadt Jsak von drei Maskierten durch fünf Schüsse getötet wurde. Von den Mördern hat man bisher ' keine Spur. Deutschland hat eilte große Schlacht gewonnen. Italienisches Echo zur Erhöhung der Lebensmittel-Zuteilungen in Deutschland. bcrfürforge, der sich dem Oberkommando der Wehrmacht unterstellt hat, gibt bekannt, daß die mit den Aufgaben der Kriegsgräberfürsorge betraute Abteilung des Oberkommandos der Wehrmacht die Wie der RS.-Rechtswahrerbund mitteitt, hat sich Arbeit bereits ausgenommen und G r ä b e r o f f i - N< Nachfrage nach Rechtswahrern im Reich wie« ziere nach Polen entsandt hat. Nach Er« Laufe der Zeit gemäß den wachsenden Versorgungs- Möglichkeiten erhöhen zu können. Sie genügten dem Bedarf der Bevölkerung und festigten das Ber- Den Haag, 8. November. (DNB.-Funkspruch). In der englischen Presse wird jetzt offen zugegeben, daß die amerikanischen Schiffahrtsgesellschaften, um den Folgen des Neutralitätsgesetzes zu entgehen, in Zukunft ihre Schiffe unter der Flagge von Panama segeln lassen wollen. „Panama biete der amerikanischen Schiffahrt den rettenden Ausweg." Ueber 90 amerikanische Dampfer mußten infolge des Neutralitätsgesetzes außer Dienst g e st e l l t werden. Der „Daily Expreß" empfiehlt nun dem englischen Schisfahrtsminister, amerikanische Schiffe aufzukausen und unter britischer Flagge segeln zu lassen. Da Großbritannien durch den U-Bootkrieg bereits 56 große Frachtdampfer verloren habe, könnte auf diese Weise ein Ersatz geschaffen werden. Das amerikanische Neutralitätsgesetz soll also auf die Art und Weise umgangen werden, daß jetzt amerikanische Dampfer unter englischer Flagge segeln sollen. Meinungsverschiedenheiten in Washington. Washington, 8. Nov. (Funkspruch. Europa- preß.) Im amerikanischen Schiffahrtsausschuß wurde am Dienstag der Antrag der United Stades Line, acht Schiffe unter her Flagge Panamas fahren zu lassen, eingehend erörtert. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß sowohl das Staatsdepartement wie auch das Weiße Haus den Antrag der United States Line befürworten. Die Isolationisten vertreten dagegen den Standpunkt, eine solche Schiffstransferierung verletze den Geist Feldpostbriefe für die Drtechronit Der R eich sinne nmin Uster hatte den Gemeinden die Anlegung einer Ortschronik zur Pflicht gemacht. Der Führung dieser Orts« chrvnik kommt während des Krieges eine besondere Bedeutung zu. Die Ehronik soll späteren Geschlech- tern auch ein getreues Bild vom Leben der Gemeinde während der Kriegszett Überliefern und die Eindrücke und Einwirkungen des gewaltigen Kriegsgeschehens festhalten. Daneben müßten die Arbeiten und Erfolge des Kriegswinterhilfswerks, des freiwilligen Arbeitseinsatzes usw. ausgezeichnet werden. Ebenso sollen besonders aufschlußreiche Feldpo st b riefe m der Ortschronit Aufnahme finden. des Neutralitätsgesetzes. So erklärte Senator Nye, daß eine Zustimmung zur Schiffstransferierung als Wille zur Kriegsbeteiligung aufge- faßt werden müsse. Entgegen der allgemeinen Ansicht, daß das Weiße Haus und das Staatsdepartement grundsätzlich mit dem Flaggenwechsel einverstanden sind, erklärte Staatssekretär Hüll in der Pressekonferenz, daß die Regierung den Transferierungsanträgen nicht sympathisch gegen- überstehe, da sie v o l l st e Integrität des Neutralitätsgesetzes wünsche. Er betonte jedoch, daß die Entscheidung hierüber ausschließlich dem Schiff- fahrtsausschuß zustehe. Keine Geleitzüge in der amerikanischen Sicherheitszone Neuyork, 7.November. (Europapreß). Das Staatsdepartement bemerkt zu der Absicht der englischen und französischen Regierung, für den Ab- ttansport ihres Kriegsmaterials beim Verlassen der amerikanischen Zonen große Geleitzüge zu bilden, die von Kriegsschiffen geschützt werden sollen, die Vereinigten Staaten wollten nicht, daß kriegerische Treffen innerhalb der Sicherheitszone der Panama-Erklärung statt- fänden. Die Regierung lege großen Wert auf die strenge Achtung des Neuttalitätsa^setzes und habe alle Vorsichtsmaßnahmen zur Bekämpfung der Spionage wieder in Kraft gesetzt auf Grund des Gesetzes, das im Weltkrieg erlassen worden sei. Sie wolle sich damit die Kontrolle der Flugzeugindustrie und auch der Hilfsindustrien sichern und gegebenen- falls die Ausführung gewisser Bestellungen für ausländische Regierungen verbieten. Plätze ausgewählt, wo die deutschen Gefallenen auf endgültig bestehen bleibenden Kriegsgräberstätten gesammelt werden, die zu machtvollen Ehrenmalen ausgestaltet werden sollen. Diese Aufgabe fällt dem Volksbund zu. Schon jetzt sind den Gräberoffizieren Architekten des Volksbundes beige- geben , um dessen große Erfahrungen auszuwerten und die spätere Ausgestaltung der Ehrenstätten vorzubereiten. Unsere Gefallenen werden in Ehrenstätten ruhen, die zu Mahnmalen deutschen Heldentums und zu Wallfahrtsorten werden sollen. Kriegswirtschaft ausgelöst habe. In England, in jenem reichsten England schreibt die „Tribuna", bekomme man die ersten Folgen des Krieges zu spüren. Trotz der in der Bevölkerung bereits bestehenden Unzufriedenheit sei die Regierung gezwungen, die Lebensmittelkarten einzuführen, nachdem der Versuch fehlgeschlagen sei, durch Erhöhung der Lebensmittelpreise den Verbrauch herabzudrücken. Die Lehre, die London und Paris aus diesen Tatsachen zu ziehen hätten, fei, daß Deutschland die Wirtschafts- b l o ck a d e nicht fürchte und daß es durch diese Blockade nicht besiegt werden könne. Auch in der Presse der Westmächte beginne die Ueberzeugung zu wachsen, daß die Westmächte den Sieg durch eine Aushungerung Deutschlands nicht würden erringen .können. Es zwinge sich daher wieder die Frage aus, auf welche Weife denn die Westmächte hofften, diesen Krieg zu gewinnen. Paris, 8. Nov. (Europapreß.) Der Pariser „Ex- celsior" gibt in der Form einer Glosse zu, daß in zahlreichen französischen Fabriken tätige Frauen und Arbeiter der sogenannten Kategorie „nicht- mobilisierbare Arbeiter" ganz offen für die Sache des Friedens und gegen den imperial! stich e n Krieg gegen Deutschland Propaganda machen. Diese Propaganda werde auch auf dem flachen Lande betrieben, wo sie sich bemerkenswerterweise der Unterstützung durch „gewisse Agenten der öffentlichen Dienste erfreue. Man wird in dieser Glosse ein bemerkenswertes Eingeständnis dafür sehen dürfen, daß es mit der Kriegsstimmung im französischen Volke nicht sehr weit her sein kann. Es keimt im breiten Volk die Erkenntnis, daß es für die Zwecke des englisch- ranzösischen Kapitalismus auf die Schlachtbank stifte licye Bedeutung hervor, die ’Jtußiano ais und doch mit Deutschland freundschaftlich ner Staat dieser gewaltigen Auseinandersetzung auch für das eigene Schicksal beimißt. Dabei verfolgt die Sowjetregierung auch die kleinen Nebenszenen des Welttheaters sehr genau und scheut sich nicht, eine interne Staatsfeier dazu zu benutzen, um über das Grundsätzliche der Außenpolitik hinaus auch gewisse Einzelfragen der jüngsten Entwicklung aufzugreifen und zu beantworten. So ist es auffällig, mit welchem Nachdruck Molotow darauf hinwies, daß an der Einbeziehung neutraler Staaten in die Sphäre des Krieges überaus aktiv gearbeitet werde und daß die Neutralität mancher Länder nur noch als Maske zur Verschleierung, Schürung und Erweiterung des Krieges diene. Die betreffenden neutralen Regie- rungen werden schon wissen, wen der sowjet- russische Regierungschef hier im Auge gehabt hat. Aber auch die Aufnahme, welche die Ansprache in London, Paris und Washington gefunden hat, zeigt, daß der sowjetrussische Regierungschef ins Schwarze traf. Mit einer Logik, die unbestechlich ist, arbeitete er die Grundursache für das neueste Abenteuer der imperialistischen Mächte heraus. Diese Grundursache besteht darin, daß nach russischer Ansicht die kapitalistischen Regierungscliquen, um ihrer in- ner e n Schwierigkeiten Herr zu werden und gleichzeitig ihre Weltherrschaft zu erhal- ten, keinen anderen Ausweg als den immer neuer Plünderungen und Eroberungen finden können. H. Evers. zogen hatte, eine brennende Flüssigkeit ins Gesicht gegossen wurde. Die Frau schrie laut um Hilfe, indes der Unbekannte verschwand. Ein Arzt stellte fest, daß es sich um Verletzungen mit Vitriol handelte. Plötzlich, nach Mitternacht, schellte das Telephon. Der Ehemann ging an den Apparat und hörte eine ihm fremde Stimme, die sich nach dem Befinden seiner Frau erkundigte. Der Ehemann sagte, die Verletzungen seien nicht so arg. Am anderen Ende der Leitung wurde daraufhin ein erleichtertes „Gott fei Dank" vernehmlich, und die fremde Stimme sprach das tiefste Be« dauern aus für diesen Unfall. Er, der aus einet Fernsprechzelle telephoniere, fei nämlich der Urheber des Unglücks, doch habe er sich in dem Haus geirrt; das Vitriol sei in Wahrheit jemandem ganz anders zugedacht gewesen. Noch ehe sich der Hausherr von seinem Erstaunen fassen konnte, hatte der unbekannte Täter wieder eingehängt. ieute und Revisoren, die von industriellen Unternehmungen verlangt wurden. Vereinzelt wurden auch Volkswirte und Assessoren für Wirtschafts - und Fachgruppen der gewerblichen Wirtschaft gesucht. Dabei sind neuerdings mit Rücksicht auf die etwaige militärische Verwendbarkeit die Aussichten ber älteren Bewerber gestiegen. Für die weibl ich e n Rechtswahrer bietet der Arbeitsdienst für die weibliche Jugend jetzt mannigfache Einsatzmöglichkeiten, so z. B. als Assessors bei der Bearbeitung von Disziplinarsachen, als Referendarin bei Bearbeitung von Vertrags- und Verwaltungsange- legen!)eiten und allgemein für alle interessierten weiblichen Rechtswahrer als Führerinnen im weiblichen Arbeitsdienst. Ein holländisch-belgischer Schritt Amsterdam, 7.Nov. (DNB.) Der König der Belgier und die Königin der Niederlande haben bei ihrer bereits gemeldeten Zusammenkunft im Haag beschlossen, ein Telegramm an d i e Staatsoberhäupter von England, Frankreich und Deutschland zu richten, um, wie in einer Verlautbarung des niederländischen Regierungspresse« dienstes betont wird, gegebenenfalls Friedensmöglichkeiten zu ermitteln. In dem Kommunique heißt es: „In einer für die ganze Welt schicksalsschweren Stunde, bevor der Krieg in Westeuropa in seiner ganzen Gewalt beginnt, haben wir die Ueber- zeugung, daß es unsere Pflicht ist, unsere Stimme abermals zu erheben. Schon vor einiger Zeit haben die kriegführenden Parteien erklärt, daß sie nicht abgeneigt wären, redliche und sichere Grundlagen für einen gerechten F r i e- d e n zu untersuchen. Wir haben den Eindruck, daß es ihnen unter den gegenwärtigen Umständen schwer fällt, Fühlung zu nehmen zur genaueren Darlegung und zur Annäherung ihrer Standpunkte. Als Souveräne zweier neutraler Staaten, die mit allen ihren Nachbarn gute Be- Ziehungen pflegen, find wir bereit, ihnen unsere guten Dienste anzubi'eten. Falls es ihnen genehm wäre, find wir gewillt, ihnen mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln, die es ihnen beliebt, uns anheimzustellen, und in der Gesinnung freundschaftlichen Derftändnisfes d i e Vermittlung von Beiträgen für eine zu erreichende UebereinKimmung zu erleichtern. Das ist unseres Erachtens die Aufgabe, die wir für das Wohlergehen unserer Völker und im Interesse der ganzen Welt zu erfüllen haben. Wir hoffen, daß unser Angebot angenommen werden wird und daß damit der erste Schritt getan wird zur Wiederherstellung eines dauerhaften Friedens." Wie in der Verlautbarung des niederländiscken Regierungspressedienstes weiter hervorgehoven wird, bildet diese Initiative der Souveräne einen neuen Beweis für die gemeinschaftliche Auffassung und die Solidarität, welche zwischen den Niederlanden und Belgien bestehen. trauen. In Frankreich und England dagegen setzten ungeordnete und improvisierte A n p a s s u n g s v e r s u ch e ein an die durch den Kriegsbeginn erzwungene geänderte Lage der Lebensmittelversorgung, die Verwirrung schafften und die Bevölkerung in den beiden Ländern gezwungc' hätten, von heute auf morgen ihre Lebensgewoh hotten umzustellen, was eine schon seit Wochen zum Durchbruch gelangte U n z u friedenheit der breiten Massen in diesen Staaten mit der ganzen geführt werden soll. Blätter wie die „Action Fran- ^aise" und andere Organe der französischen Kriegshetzer haben dem allem fein anderes Argument entgegenzustellen, als den Appell an den Ministerpräsidenten Daladier, er möge hort sein und ourchgreifen. Daladier soll, wie immer wieder gesagt wird, zu einem zweiten C16 men > ceau gemacht werden: zu einem Clömenceau der Jahre 1917 und 1918, so sagt die „Action Fran- yaise", aber nicht zu einem Ctemenceau des Jahres 1919. Aber warum nicht zu einem Ctemenceau des Jahres 1919? Sehr einfach deshalb, weil der Der- failler Vertrag von 1919, für den Mmenceau ver- antwortlich ist, den Leuten von der „Actton Fran- yaise" und ihrem Klüngel noch lange n i cf) t weit genug gegangen ist. Man kann sich also ein Bild von dem Geisteszustand dieser Vertreter des französischen Nationalismus machen ... Rom, 8. November. (Europapreß.) Die Nach- richt, daß Deutschland die Zuteilung von Lebensrnitteln an die Bevölkerung erhöht hat, bezeichnet die römische Presse als ungeheuer vielsagend. Trotz der von den Westmächten gegen das Reich gesuhr- ten Wirtschaftsblockade sehe sich Deutschland dank einer großartigen Vorratspolittk in die Laae ver- etzt, die der Bevölkerung zugestandenen Lebensmittelrattonen zu erhöhen. Auf der anderen Seite sei England unter dem Druck der deutschen Gegenblockade gezwungen, sehr beachtliche Kürzungen in den ßebensmittelrationen seiner Bevölkerung vorzunehmen. „Zu Beginn der neunten Kriegswoche", sagt das „Giornale d Italia , ,ift somit Deutschland imstande, auf dem Gebiet ber Verpflegung seiner Bevölkerung Maßnahmen zu treffen, die gleichbedeutend sind mit einem praktischen Nachweis einer gewonnenen großen Schlacht'. Die öffentliche Meinung in London verfehle nicht, auch bei dieser so vielsaaenÄen Gelegenheit daraus zu verweisen, wie fehler- hast sich immerwährend alle Berechnungen der englischen Kriegsverantwortlichen erweisen. „ Vor wenigen Wochen, schreibt „Lavoro Fascista , habe die englische Regierung das Simial zum Kriege gegeben und unverblümt ihr zynisches Ber- trauen verkündet, daß sie das feindliche Deutschland aushungern werde. Dieser sadistische Traum habe sich in kaum faßbar kurzer Zeit als vollkommen trügerisch erwiesen. Die deutsche Drga» nisatton der Leb en s mi t tel v erteilun g fei wohl- durchdacht. Mindestzuteilungen seien zu Beginn für die Lebensmittel festgesetzt worden, um sie rrn unseres Volkes aber und die Sicherung der kulturellen friedlichen Entwicklung aller Kulturvölker das letzte Ziel unseres Werkes find. Wer sich dieser schöpferischen auf bauenden Arbeit unseres Reiches widersetzt, ist verloren. Wer sich ihr einfügt, wird leben, arbeiten und sich entwickeln können. Wir kommen in dieses Land nicht als blindwütige Eroberer, sondern als Garanten deuttch geordneter, deutsch geführter Arbeit. Kleine politische Nachrichten. Mit dem Abschluß der Revolution stet er in Moskau werden die russisch-finnischen V e r - Handlungen wieder aufgenommen, die wahr- scheinlich noch längere Zeit in Anspruch nehmen werden. Es scheint, daß auf Grund des sinnlichen Gegenvorschlages eine Basis gefunden worden ist, auf der eine Annäherung des finnischen und nrllt» schen Standpunktes für möglich gehalten wird. Der bisherige italienische Minister für Volkstul- tur, Dino Al fieri, ist zum Botschafter benn Heiligen Stuhl ernannt worden. Der bisherige Botschafter beim Vatikan, © r a f P t g - natti Morano di Custozza, wurde in den Ruhestand versetzt. * Aus der 7. Zusammenkun'ft der deutschen und italienischen Industriellen in Florenz sind die Arbeiten beendet worden. Beide Abordnungen haben mehrere industrielle Betriebe besichtigt. Aus aller Welt. Wegen tätlichen Widerstandes gegen die Staatsgewalt erschossen. Berlin, 7.Nov. (DNB.) Der Reichsführer jf und Chef der Deutschen Polizei teilt mit: Bei tätlichem Widerstand gegen die Staatsgewalt wurden erschossen: w L - 1. am 6. November 1939 der Berufsverbrecher Horst Schmidt, zuletzt wohnhaft in Berlin. Schmidt hat sich in der Uniform eines Marineoffiziers als Angehöriger eines siegreichen U-Bootes ausgegeben und in gemeinster Weise zahlreiche Schwindeleien begangen; 2. am gleichen Tage der Jude Israel Mondschein, der sich unter Gewaltanwendung an deutschen Mädchen verging. Vollstreckung eines Todesurteils. _ Am 7. November 1939 wurde der am 17. Mai 1907 in Piderbach (Kreis Linz) geborene Alois Stadler hingerichtet, der vom Sondergencht Linz (Donau) wegen Brand st iftung und Verbrechens gegen die Verordnung gegen Volksschadunge zum Tode verurteilt worden ist. Stadler hat am 24. September 1939 in Schmieding (Oberdonau) ein Wirtschaftsgebäude in Brand gesetzt und hierdurch erhebliche Werte an landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Geräten vernichtet. Er hat das Verbre- chen begangen, um sich an dem Besitzer des Anwesens, seinem früheren Arbeitgeber, zu rächen. Elektrifizierte Eifenbahnlinie Chiasso—Mailand—Voghera eröffnet. Am (Erinnerungstage des Marsches der Faschisten auf Rom würbe die neu elektrifizierte Eisenbahn-Linie Chiasso—Mailand—Voghera • mut einer Eröffnungsfahrt des italienischen Verkehrsministers Benni feierlich eingeweiht. Durch die Elektrifizierung dieses letzten 106 km langen Anschlußstückes der großen zweigleisigen nord-südlichen Hauptoerbindungen Italiens wurde das italienische elektrische Eisenbahnnetz mit den Schweizer Elektro- bahnen direkt verbunden. Auf dem Bahn- Hof von Chiasso übermittelten die Vertreter der schweizerischen Eisettbahnbehörden dem italienischen Verkehrsminister die Glückwünsche der schweizerischen Eisenbahnverwaltung. Reichsinslitut für ausländische und koloniale Forstwirtschaft. Der Reichsforstmeister gibt im Einvernehmen mit dem Reichserziehungsminister die Errichtung eines Reichsinstituts für ausländische und koloniale For st wirtschaft in Hamburg bekannt. Das bisherige Institut in Tharandt in Sachsen beendet damit feine Tätigkeit. Zum Letter des Reichsinstituts ist Professor Dr.-Jng. Heske bestimmt worden, der bisherige Leiter des Tharandter Instituts. Das Reichsinstitut hat zur Aufgabe die wissenschaftliche Bearbeitung der Weltforstwirtschaft, die wissenschaftliche Erforschung der Grundlagen und Methoden ttopischer Forstwirtschaft und die Vermittlung kolonial-forstwissenschaftlicher Fachausbildung. Außerdem steht das Reichsinstitut der Reichsregierung zur Beratung in Fragen der Welt- und Kolonialforstwirtschaft zur Verfügung. Paprika- und Mandelernte an der Bergstraße. Wie sehr die Lage der Stadt W e i n h e i m an der Bergstraße von der Natur begünstigt ist, geht dar- aus hervor, daß bei der Obstgroßmarkthalle Weinheim in diesem Jahre Gewächse des Südens, Paprika und reife Mandeln zur Ablieferung und zum Versand gekommen sind. Paprika, das als Gemüse und Gewürz von den Hausfrauen immer mehr geschätzt wird, reift an der Bergstraße gut und wird in wenigen Jahren auf jedem Wochenmarkt als geschmackvolles, heimisches Gemüse zu sinden sein. Die M a n d e l e r n t e war in diesem Jahre gut, wenn auch größere Mengen noch nicht angeliefert werden konnten. Die Zitronenbäume in den hiesigen Anlagen und Gärten Die Kämpfe an -er Westfront Eine Rückschau auf die bisherigen Ereignisse lpK.-Sonderbericht von Hermann Leitz) Kameradschaft ist stärker als der Tod Am eigentlichen Westwall sich 3n der Leuchte über dem Schraubstock sollt« eine »o-DattM Lampe verwendet werden. Verlangen Sie In den Slektrolicht.Fachgeschäfien immer die weltbekannten InnenmottiertrN nun bitter rächen. Oer französische Rückzug aus dem deutschen Vorfeld. „Wir werden weiter marschieren." Dollmast flaggen am 9. November. Donnerstagabend spricht Rudolf Hetz. Berlin. 7. Koo. (DKB.) Am Donnerstag, den 9. November, nicht, wie gestern irrtümlich ge- meldet, am 8. 11., abends 19.30 Uhr, spricht der Stellvertreter des Führers über alle deutschen Sender. Die Rede wird in die örtlichen Feierstunden der NSDAP. übertragen. Aus Anlaß des 9. November fordert der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda die Bevölkerung auf, ihre Wohnungen und Häuser mit den Fahnen des Reiches Vollmast zu beflaggen. Wit Rücksicht darauf, daß am 9. November dieses Jahres allgemeiner Arbeitstag ist, fällt auch der Unterricht in den Schulen an diesem Tage nicht aus. Der Bedeutung des Tages ist in den einzelnen Klassen in feierlicher Weise zu gedenken. Nach der fünfzehnten Handgranate zogen es die vier Ueberlebenden vor, in die Gefangenschaft ab- ^marschieren. Wir haben sie uns nachher angesehen, junge brave französische Soldaten, die ihre Pflicht bis zum Aeußersten erfüllt hatten, Angehörige eines Jägerregiments zu Pferd. Sie wunderten sich über die Höflichkeit, mit der sie behandelt wurden. Einer fragte schließlich, ob sie denn nun nicht erschossen würden. Armer Poilu! Was mag man dir alles erzählt haben von der abgrundtiefen Grausamkeit der barbarischen Deutschen? Es entspricht ganz der Art rechten deutschen Soldatentums: Zäh und verbissen in der Verteidigung, ungestüm und todesmutig im Angriff! Ja gerade im Angriff erhebt sich der deutsche Soldat zu fast unwirklicher Größe, der „furor teutonicus“ der Alt- vorderen beseelt ihn, wenn er sich endlich aus Gräben und Löchern erheben kann, und läßt jeden Feind erzittern. Das erlebte auch der Franzmann wieder, der gerade in dem hier in Frage stehenden Frontabschnitt, sozusagen mit deutscher Einwilligung, einen geringen Geländegewinn erzielen konnte, den er dann allerdings zu seinem persönlichen Pech maßlos aufbauschte und als großen französischen Sieg darstellte. So als sei der Einbruch in den Westwall bereits vollzogen und somit, dieses sagenhafte Bollwerk durchaus kein unüberwindliches Hindernis. Die wahnwitzigen Siegesberichte sollten der Franzmann wiederum sein Glück versuchen könnte. Kein militärischer Spaziergang mehr! Zu Zeiten deutscher Schmach und Wehrlosigkeit, in denen man so ungehindert einen „militärischen Spaziergang" ins Ruhrgebiet oder gar nach Berlin ausführen könnte, sind freilich vorüber. Das war einmal und kommt nicht wieder! Das haben die Franzosen denn auch sehr rasch einsehen müssen, als sie zwischen Saarbrücken und Hornbach, sowie rechts von Saarbrücken, im Waldgebiet des Warndt, zum Angriff schritten. In diesen Abschnitten der Westfront, wo in der Folgezeit nun auch allein gekämpft worden ist, liegt die Bunkerlinie zum Teil weit hinter der Grenze. Das hat seinen guten Grund, auf den aber hier nicht näher eingegangen sei. Schon unsere schwachen Gefechtsvorposten leisteten im Verein mit den Pionieren, deren Sperren durch Minen und Verhaue bittere Nüsse für den Angreifer bedeuteten, einen derartigen hinhaltenden Widerstand, daß ihn der Gegner nicht zu brechen ver- hand zum Abschied reicht, ernste Entschlossenheit auf seinen Menen. Links von uns, noch im Abschnitt der Kompanie, war der Feind hinter einem Walde durchgestoßen. Während wir einen Vorstoß von rechts erwarteten, eilte er zu seinem bedrohten ersten Zug. „Der kommt nicht wieder!" flüstert mir sein Feldwebel zu. Und so war es auch. Wochen später fanden ihn die Kameraden im Rübenfeld, wo sie ihn zuletzt im Kampfe mit einem übermächtigen Gegner gesehen hatten. Mitten ins Herz hatte ihn die^feindliche Kugel getroffen. Das sind nur einige Beispiele aus dem Bereich unserer Armee; es gäbe ihrer noch viele zu vermelden. Naturgemäß hatte unsere „unvergleichliche Infanterie" die Hauptlast des Kampfes im Vorfeld zu tragen. Aber sie stand nicht allein. Da sind vor allem die Pioniere, die sich an den Abwehrkämpfen hervorragend beteiligt haben; ja, dieses Vorfeld mit all seinen Hindernissen war nicht zuletzt ihr Werk und eigentliches Bereich. Dann waren aber auch vor allem die „Pak", die Panzerjäger oder Panzerabwehrkanonen auf ihrem Posten. Wo irgend ein feindlicher Panzerwagen sich zeigte, empfingen sie ihn mit wohlgezielten Schüssen, so daß den Panzern rasch die Lust zum Angriff verging. Und da war ja auch nicht zuletzt unsere Artillerie; sie stand naturgemäß weiter zurück, aber der Beobachter saß vorn und lenkte das Feuer seiner Batterie, auf daß feder Schuß sein Ziel fand. So wurden die Kämpfe im Vorfeld zu einer Art Generalprobe für das treffliche Zusammenspiel der verschiedenen Waffen. NSG. Wie überall im Deutschen Reich so begeht auch der Gau Hessen-Nassau im Hinblick auf den Kriegszustand in diesem Jahr den 9. November in schlichtem Rahmen. Zum Gedenken an die im Kampf um ihr Vaterland gefallenen Nationalsozialisten finden am Abend in den Ortsgruppen der NSDAP, des Gaues kurze Feierstunden statt, in deren Mittelpunkt die Ehrung der toten Kämpfer Adolf Hitlers steht. An den Gräbern uni) Mordstellen der Kameraden, die im Ringen um ein neues Deutschland ihr Leben ließen, ziehen in der Frühe des 9. November wie alljährlich d i e Ehrenwachen der Kampfformationen auf. Im Laufe des Tages werden dann noch von den Hoheitsträgern und Formationsführern an den Grabstätten Kränze niedergelegt. In der größten und stärksten Festungsanlage, die die Weltgeschichte kennt, in der eigentlichen deutschen Bunkerlinie, hat man von einem rechten Krieg insofern erst noch wenig gemerkt, als bis jetzt nur ein einziger Bunker beschossen worden ist Das Ergebnis war gleich Null. Die französische Artillerie hätte mit genau demselben Erfolg auch den Mond beschießen können. Wenn es infolgedessen in den Bunkern nun auch friedlicher zuging als im Vorfeld bei den Spähtrupps, so standen und stehen doch auch hier viele tausende tapferer deutscher Soldaten im angestrengten Dienst für ihr Vaterland. Und auch das soll die Heimat ruhig wissen: Es ist keineswegs so, daß hier einer dauernd und von Langeweile geplagt im Bunker läge, da gibt es Arbeit und Wachdienst in Hülle und Fülle. Im übrigen sorgt die Führung schon für einen ge- sunden Wechsel und für Ablösung in den Aufgaben innerhalb des Vorfeldes und der Bunkerlinie wie auch im Ruhequartier. Erkundungen und Unternehmungen. Zahlreiche Späh trupp Unternehmungen und gewaltsame Erkundungen, die vielfach mit großem Schneid und bewundernswerter Tapferkeit durchgeführt worden find, lieferten den Beweis dafür, daß der alte deutsche Angriffsgeist, wie er im Polenfeldzug wiederum die Welt in Bewunderung und Schrecken versetzte, auch bei den Truppen der deutschen Westfront lebendig ist. Greifen wir als Beispiel nur ein kleines Stoßtruppunternehmen, das von Männern aus Westfalen und Hessen-Nassau in der Gegend des Stiftswaldes bei Saarbrücken durchgeführt wurde, heraus: Eine planmäßige und sorgfältige Vorbereitung sicherte den vollen Erfolg des Unternehmens. Im Schutze der Dunkelheit wurde spät abends mit Floßsäcken die Saar überquert. Nicht das gerinAte Geräusch durste den Gegner vorzeitig aufmerksam machen. Die Trupps erreichten, vom Gegner unbemerkt, ihre Ausgangsund Sicherungsstellungen. Punkt 23 Uhr ging die unter das feindliche Drahthindernis gelegte geballte Ladung hoch. Durch diese Gasse stürzten die Stoßtrupps und überrannten das feindliche Graben- system. Einige sonst vom Feinde besetzte Häuser waren verlassen. In einem Hause spielte sich ein kurzer, heftiger Kampf ab, der mit der Erledigung der feindlichen Besatzung endete, während ein Gefangener eingebracht werden konnte. Inzwischen hatte sich ein anderer Trupp einen vollbesetzten französischen Unterstand vorgenommen. Tapfere französische Soldaten. Die Besatzung wehrte sich verzweifelt und wollte sich nicht ergeben, so daß Handgranate um Handgranate in den Unterstand geworfen werden mußte. Äst nicht das Beispiel des heldenmütigen Leutnants Klapproch aus Ober-Ingelheim geradezu das Hohelied der Kameradschaft! Dieser junge Offizier warf sich, als er mit feinem Spähtrupp von feindlichen Panzerwagen überrascht wurde, in unvergleichlichem Heldenmut gleichsam als Kugelfang den schwergepanzerten Kriegswagen entgegen, warf feine Handgranaten und verschoß seine letzte Patrone, um durch das selbstlose Opfer seines jungen Lebens den Rückzug der Kameraden zu ermöglichen. Und wahrlich, war es Furcht oder Respekt vor solchem Heldentum, der feindliche Vormarsch fand an dieser Stelle ein Ende. Fünf Meter von dem toten deutschen Leutnant entfernt, richteten sich die französischen Gefechtsvorposten ein. Ein Schandfleck auf französischer Soldatenehre wird es aber immer bleiben, daß Soldaten der „Grande Nation" es nicht einmal für nötig hielten, dem Gefallenen ein würdiges Grab zu bereiten. Fünf Meter vor ihrer Stellung ließen sie unsere Toten liegen, um sie schließlich mit einigen Schaufeln Erde kümmerlich zuzudecken. Der Vorfall ist um so empörender, als bekanntermaßen jeder gefallene französische Soldat von deutscher Seite mit allen militärischen Ehren beigesetzt wird. Ich kenne genügend Fälle, wo tote Franzosen von unseren Kameraden, sogar unter größter Gefahr des eigenen Lebens aus dem Niemandsland geborgen und mit soldatischen Ehren bestattet wurden. Wenige Kilometer davon entfernt erfüllte sich auch das Schicksal eines anderen deutschen Offiziers, des Oberleutnants Kopzinski, Kompanieführer der zweiten Kompanie eines westfälischen Infanterie-Regimentes. Nach sehe ich ihn vor mir, wie er mir die Vermutlich hat das Zusammenwirken verschiedener Umstände den Franzosen Veranlassung gegeben, ihre Gefechtsvorposten aus dem deutschen Vorfeld etwas unfreiwillig und mit erheblichen Verlusten zurückzunehmen. Auch für sie war es gewiß kein reines Vergnügen, in den notdürftig ausgebauten Stellungen und Erdlöchern Hausen zu müssen. Um so weniger, als es nun Tag um Tag zu regnen begann. Da ersoffen alle Unterstände, und in den Gräben stand das Wasser knietief und höher. Dazu wurde es unwirtlich kalt, und alle Bäche verwandelten sich in reißende Flüsse. Sie überschwemmten die Täler und schnitten teilweise den französischen Gefechtsvorposten die Rückzugs- und Versorgungslinien ab. Aber auch aus anderen Gründen war der Aufenthalt im deutschen Vorfeld gegenüber einem so aufmerksamen Gegner für den Poilu durchaus ungemütlich. Dafür hatten schon die Pioniere mit ihren Minen gesorgt. So ist es also möglich, daß die Anregung, aus diesem ungastlichen Gelände bald scheiden zu können, zuerst von der Truppe selbst ausgegangen ist. Allerdings, mit der planmäßigen Räumung Westwall — unbezwingbar! Immer wieder steht im In- und Ausland der Westwall im Brennpunkt der militärisch-polittscken Diskussion. Immer mehr trifft man auch in der ausländischen Presse auf sachliche Darstellungen über den Westwall. Anderseits versuchen die Kriegshetzer in England, ihren Soldaten und auch dem deutschen Volke zu erzählen, daß der Westwall gar nicht so stark wäre und überhaupt erhebliche Lücken aufweifen würde. So übernimmt es zur rechten Zeit der „Aufklärungsdienst zur Reichsver- teidiguna", eine sachliche, mit bestem, authentischen Material unterstützte Darstellung vom unüberwindlichen Westwall zu geben. „Westwall — unbezwingbar", das ist der Titel des von R^TH. Kühne verfaßten Heftes, das in der wehrpolitischen Schriftenreihe des „Aufklärungsdienftes zur Reichsverteidigung" erschien. Wenn man diesen klaren und interessanten, mit neuem Bildmaterial unterstützten Bericht lieft, so wird man von der Unbezwingbarkeit des Westwalles überzeugt fein. — Das Heft ist für 10 Rpf. überall erhältlich. mochte. Das soll auf gar keinen Fall eine Herabsetzung der soldatischen Leistung des Gegners bedeuten. Wir kennen auch Beispiele heroischen Verhaltens französischer Soldaten zur Genüge. Aber es zeigte sich rasch, daß der französische Soldat nicht weiß, wofür er kämpfen muß. „Tout pour la France, mais rien pour Chamberlain!" „Alles für Frankreich", so rief erbittert ein französischer Gefangener aus, „aber nichts für Chamberlain!" Deutsches Heldentum im Vorfeld. „Im Felde, da ist der Mann noch was wert, da wird das Herz noch gewogen!" Wahrlich im Vorfeld der Bunkerlinie hat sich das Dichterwort wieder einmal herrlich erfüllt. Hier bewährten sich die höchsten Mannestugenden: Mut und Tapferkeit vor dem Feind! Die Kameradschaft, dieses tieffte Erleben der Gemeinschaft, hier im weit' und breiten Vorfeld hat sie wiederum, wie in den Schützengräben des Weltkrieges, ihre herrlichsten Blüten gezeitigt. Während deutsche Truppen ihre siegreichen Standarten und Fahnen durch Polen trugen, während sie in einem Feldzug ohnegleichen in wenigen Wochen einen Staat und eine Wehrmacht auslöschten, die kurz zuvor sich noch frech gebrüstet hatten, das deutsche Heer und Volk bei Berlin vernichtend zu schlagen, hielten im Westen Hunderttausende deutscher Männer die Wacht am Rhein und an der Saar. Viele von ihnen wären lieber im Osten mit dabei gewesen, wo deutsche Regimenter im Angesicht des Führers unvergänglichen Lorbeer an ihre Fahnen heften durften. Aber das Schicksal hatte ihnen eine andere Aufgabe — und wahrscheinlick kerne geringe — zugewiesen, nämlich den Rücken der im Osten kämpfenden Armee gegen den Ansturm der Kriegsmaschinerie der beiden Westmächte zu decken, mit ihren Leibern die Heimat zu schützen und so die Voraussetzung zum schnellen Sieg im Osten zu schaffen. Der Westwall, den der Führer in weiser Voraussicht in der richtigen Einschätzung unserer neiderfüllten Gegner hatte bauen lassen, war ihnen Rückhalt und Bollwerk. Aber selbst die stärkste Feste wird schließlich eine sichere Beute des Feindes, wenn die Verteidiger keine Helden, sondern schlechte Soldaten sind. Die Geschichte der Vorfeldkämpfe im Westen, von Beginn der Kampfhandluntzen bis heute, ist Beweis genug für den unbesiegbaren soldatischen Geist, der die deutsche Armee des Jahres 1939 beseelt. Ja, es sind geradezu unsterbliche Beispiele wahrhaft heldenmütiger Einsatz- und Opferbereitschaft bekannt geworden. So sind deutsche Soldaten in selbstverständlicher Pflichterfüllung in den sicheren Tod geschritten, sich um der Kameraden willen bewußt aufopfernd und bis zur letzten Kugel verteidigend. Nur mit scheuer und ehrfürchtiger Bewunderung mag die Heimat vor so viel Heldentum stehen. Oie Lage zu Beginn des Krieges. Trotz der erfolgten Kriegserklärung Englands und Frankreichs standen sich die Heere an der deutsch- französischen Grenze zunächst völlig kampflos gegenüber. „Wird der Ausbruch der Feindseligkeiten auf diesem Kriegsschauplatz verhindert werden können?" Das war die Frage, die viele Gemüter bewegte. Wer wird den ersten Schuß abgeben? Der Führer hat es oft genug betont: wir wollen nichts von Frankreich! Wir wollen in Frieden und Freundschaft mit unserem westlichen Nachbarn leben. Dementsprechend verhielten sich auch die deutschen Grenzwachen, die in den kritischen Tagen z. T. weit vor dem Westwall ihre Vorpostenstellungen bezogen hatten. Der Aufmarsch der Franzosen innerhalb und vor der Maginot- iinie wurde von uns in keiner Weise gestört. Aber bald sollte sich zeigen, daß Frankreich im Auftrage Englands diesen Krieg doch zu führen gewillt ist. Poilus und französische Söldner aus Nordafrika überschritten in dem Gebietsstreifen zwischen Saar- brücken und Hornbach die Grenze. Am Grenzstein 18 im Stiftswald vor St. Arnual (Saarbrücken) fiel auf diesem Kriegsschauplatz der erste deutsche Soldat für sein bedrohtes Vaterland, Gefreiter Becker aus Heiligenstadt, ein Meldegänger, den die tödliche Kugel an der Seite feines Leutnants traf. Marokkanische Truppen, die sogar oft von französischen Offizieren mit der Pistole vorgetrieben werden muhten, griffen den schwachen Grenzposten an. Gefreiter Beck überbrachte seinem etwa 180 Meter von der Grenze entfernt beim Zollhaus liegenden Zugführer die Meldung. In diesem Augenblick traf ihn die feindliche Kugel in die Schläfe, und er sank mit einem leisen Seufzer zu den Füßen seines Leutnants hin. Kein Wörtlein rang sich mehr über die zusammengepreßten Lippen des jungen Thüringers, der so in der frühen Morgenstunde eines leuchtenden Spätsommertages den Soldatentod fand. So starb im Westen der erste Deutsche den Heldentod. Die Kameraden trugen ihn zurück, und der Kompanieführer drückte am Grabe aus, was alle bewegte: „Der Gefreite Beck, der erste Tote aus unserer verschworenen Gemeinschaft einer Kompanie deutscher Soldaten, war uns allen ein guter und treuer Kamerad. Als erster hat er nun für dieses schöne, deutsche Land sein Herzblut hinge- geben. Wieviele von uns auch noch folgen mögen, das Beispiel des Kameraden mahnt uns, ebenso selbstverständlich und treu, jederzeit zum letzten Opfer bereit zu fein." Die Sonne sank, und ihre letzten Strahlen überfluteten die in spätsommerlicher- Reife liegenden Felder und Gärten des historischen Schlachtfeldes von Spichern aus dem Jahre 1870, als die Ehrensalve über das Grab des ersten deutschen Gefallenen des westlichen Kriegsschauplatzes drängte. Am Einfallstor zum Reich. Auch dem Laien zeigt schon der Blick auf die Karte, daß die Franzosen zu ihrem „Marsch nach Berlin" wohl die vordem geschützte Flanke durch die Saarpfalz und über die Kaiserslautener Senke wählen würden. Es ist das historische Einfallstor zum Reick, wie es von vielen französischen Feldherrn im Laufe der Jahrhunderte benutzt worden ist. Mit der Besetzung des alemannischen Elsaß hat das Streben der Franzosen zum Rhein ohnedies im südlichen Teil der Westfront einen endgültigen Abschluß gefunden, wobei es nur bedauerlich bleibt, daß die Franzosen die Größe dieses im Interesse des Weltfriedens gebrachten deutschen Opfers überhaupt nicht zu würdigen scheinen. Ist so ein Angriff gegen den Westwall in der Rheinebene mit ferner rückwärtigen, natürlichen Festung, dem Schwarzwald, heute geradezu eine Unmöglichkeit, so bleibt nur das Gebiet zwischen Luxemburg und Rhein, wo wurde es nichts. Denn kaum hatten deutsche Flieger und Spähtrupps eine gewisse Bewegung beim Gegner bemerkt, da stieß unsere Infanterie schon nach. Wochenlang hatten sie nun hier im Dreck gelegen, hatten an Strapazen geduldig auf sich genommen, soviel nur ein Mensch zu tragen vermag. Bis auf die Haut durchnäßt und völlig verdreckt waren sie, durchftoren, flamm und steif die Finger. Nun sollte Bewegung in diese Erstarrung kommen. Wie freuten sie sich darauf, sich endlich einmal aus ihren Gräben und Löchern erheben und dem Feinde nach- stoßen zu können! Der Gegner wurde von den Ereignissen völlig überrascht. Teilweise hatten die französischen Gefechtsvorposten überhaupt keine Kenntnis von einer beabsichtigten Räumung ihrer Stellungen erhalten. Einige wollten gehört haben, daß die für sie bestimmte Ablösung sich geweigert habe, nach vorn in den „Schlamassel" zu gehen. So hätten sie eben noch länger aushalten müssen. Unsere schneidige Infanterie. Wie dem auch fei, der deutsche Angriff ließ dem Gegner nirgends Zeit zu einer ordnungsmäßigen Räumung. Mit welchem Schneid unsere Infanterie vorging, ergibt sich aus dem Beispiel der Kom. panie Lesekamp, eines hessischen Infanterie-Regiments. Der Befehl, mit einem Spähtrupp etwa ihr et Kilometer vorzustoßen, wurde so rasch ausgeführt, daß die Dollzugsmeldung — ihrer Schnellig- feit wegen — beim Bataillon zunächst ein ungläubiges Kopfschütteln auslöste. Die Kompanie folgte sofort -dem Vorgehen ihres Spähtrupps und bestand hierbei, wie auch am nächsten Tage, heftig« Kämpfe mit den Franzosen. Sie machte nicht weniger als 51 Gefangene. Ebenso ungestüm, wenn auch nicht gleichermaßen erfolgreich, war auch das Vorgehen der anderen Kompanien dieses Bataillons. Sie haben sich ausnahmslos glänzend geschlagen; einzelne Offiziere und Mannschaften jedoch vollbrachten geradezu Wunder 'der Tapferkeit. Ein tragischer Kampf. Bei der Uebenvältigung eines größeren Trupps Franzosen fiel unter anderem der tapfere Unteroffizier Korndörfer aus Höchst im Odenwald. Die Feinde hielten auf den Anruf des feinen Kameraden weit voranstürmenden Unteroffiziers schon die Hände hochgereckt, da warf im letzten Augenblick einer aus ihrer Mitte eine Handgranate. Unteroffizier Korndörfer lag in seinem Blute. Nun bat der besiegte Gegner um sein Leben. Die Männer, die eben noch in grimmiger Feindschaft den fron- zösischen Soldaten gegenüberstanden, waren jetzt ihre guten Kameraden, die dann alles Hingaben, um den besiegten Franzmännern helfen zu können. In solcheit Stunden beweist sich am besten die Größe eines rechten deutschen Soldatentums. (Schluß folgt.) MR.EN Oer Schall Hilst dem Fotografen. Wunder aus der Welt der Wellen. — Töne als Explosivstoffe. Von Dl-. $. Irische. Wir haben es heute mehr denn je mit Wellen zu tun. Ob wir uns noch häufiger als sonst an den Rundfunkapparat setzen, oder ob wir uns mit einem Leuchtknopf schmücken, um im Dunkeln nicht an* zurempeln, oder ob wir gezwungen sind, den heimischen Lichtstrahlen sorgfältig den Weg nach außen zu versperren. Die meisten Menschen, die einst in der Physitstunde verständnislos dagesessen hatten, wissen heute auch über diese Wellen ganz gut Bescheid. Es wäre eine Beleidigung, fragte man einen Rundfunkhörer, ob er sich unter Wellenlänge etwas vorstellen kann. „Na, hören Sie mal? Da nehme ich einen Wasserspiegel und werfe einen Stein hinein. Wo der trifft, rührt er das Wasser auf, so daß Bewegungen kreisförmig über die Oberfläche laufen: sie hebt sich und senkt sich. Die Erhebungen sind dann die „Wellenberge", die Vertiefungen die „Wellentäler". Mit dem Abstand von einer „Talsohle" zur nächsten habe ich die „Wellenlänge". Solch ähnliche Wellen machen die von der Antenne gesendeten elektrischen Schwingungen in der Luft, — aber auch das Licht, das von einer Lampe ausgeht, oder die Wärme, die aus dem Heizkörper strahlt." Kürzer als ckZMillionstel-Millimeter. Bel dieser Verwandtschaft mit den Lichtwellen müßte man die Radiowellen doch sehen können, wenn sie aus der Antenne kommen? — Aber man hört doch auch die Wärme nicht, die der Ofen abgibt, obwohl die Schallwellen ebenfalls zu der Verwandtschaft gehören! Das liegt daran, daß alle diese „Strahlen" zwar als Wellen die Lust, das Wasser oder feste Gegenstände durchdringen, aber sehr verschiedene Längen haben und mit unterschiedlicher Schnelligkeit schwin- g e n. So haben die Radiowellen Längen von mehreren Hundert Metern, während die längsten, bisher gemessenen Wärme st rahlen nur Wellen von 0,33 mm erreichen. Sie liegen damit schon im Gebiet d e s Lichtes, freilich der „infraroten Strahlen", also der Lichtstrahlen, die das Menschenauge noch nicht, sondern erst z. T. die P h o t o p l a t t e „sehen" kann. Die anderen nun schon nicht mehr sichtbaren Lichtstrahlen, die „ultravioletten", haben dagegen nur noch Wellenlängen zwischen 4/10 000 und 13/1000 000 Millimeter. Sie reichen so an das Gebiet der alles durchdringenden Röntgenstrahlen, die noch kürzere Wellenlängen haben. — Man suche sich vorzustellen: Strecken, die kürzer sind als 13 Millionstel-Millimeter! Fallen die Lichtwellen durch chre Kürze auf, so sind die Schallwellen durch besonders schnelle Schwingungen ausgezeichnet: Wellenberg und Wellental wechseln sich außerordentlich häufig in der Sekunde ab, z. B. bei den für das Ohr hörbaren Schallen der Sprache, Musik oder einfachen Geräuschen 16 bis 20 000 mal. Wie es aber beim Licht noch nicht sichtbare Infrarot- Strahlen und nicht mehr sichtbare Ultraviolett- Strahlen gibt, nennt man die nicht hörbaren Schalle „Infraschall-" und „Ultrafchallwellen". Gerade diese letzteren, also Schallwellen mit mehr als 20 000 Schwingungen pro Sekunde sind in der jüngsten Zeit Helfer der Te chnik geworden. Töne zersprengen feste Gegenstände. Alle Stoffe, die ihrer Anlage nach überhaupt schwingen können, haben nämlich eine „Eigenschwingung"; sie schwingen deshalb mit, wenn in ihrer Nähe ein Gegenstand mit der gleichen Schwinaungszahl Wellen aussendet: eine Diolin- saite schwingt mit, wenn eine andere neben ihr angezupft wird. Man kann auch ein Weinglas zum Klingen veranlassen, wenn man in der Tonhöhe hineinsingt, in der es beim Anstoßen ertönt. Singt man aber zu kräftig hinein, so schwingen die Glasmoleküle immer stärker mit und schwingen schließlich auseinander: Das Glas zerspringt So können die Schallwellen alle Stoffe durch Mitschwingen in ihrem Gefüge zerstören, wenn diese mir eine Eigenschwingung besitzen. Der Chemiker vermag z. B. schon mit den hohen Tönen eines Streichinstrumentes den „Eigenton" von Jodftickstoff zu treffen und kann die Jodstickstofftnoleküle durch intensives Schwingen „explodieren" lassen. Diele Stoffe schwingen aber unhörbar, weil mit mehr als 20 000 oder weniger als 16 Schwingungen pro Sekunde. — Deshalb kann man auch das Licht oder die Wärme nicht hören! — Um ihren „Eigenton" treffen zu können, mußte man künstlich Jnfta- und Ultraschallwellen erzeugen. — Kürzlich entdeckten die Physiker, daß Platten aus Quarzkristall, die man stark zusammen preßt, plötzlich an einer Seite positiv, an der anderen negativ elektrisch geladen sind; beim Aufhöten des Druckes zeigen sie umgekehrte Ladung. Macht man die Seiten aber durch Stromzuleitung künMch positiv und negativ elektrisch, so dehnt sich die Quarzkristallplatte aus oder zieht sich zusammen. Nun legen die Techniker solche Quarzkristallplatten zwischen isolierte Schemen aus leitendem Material, — nach Art eines Kondensators, wie ihn jeder Radioapparat enthält, — und schicken Wechselstrom in die beiden Deckscheiben. Dadurch werden sie positiv, bzw. negativ aufgeladen, je nachdem, wir der Strom wechselt. Der gewöhnliche Lichtstrom in den Wohnungen wechselt die „Pole' meist hundertmal in der Sekunde; der Polwechsel läßt sich aber durch entsprechende Einrichtungen beliebig vervielfachen. Muß sich die Quarzkristallplatte unter der Induktion so mehrere tausendmale in der Sekunde zusammenziechen und wieder ausdehnen, so setzt sie die umgebende Luft oder Flüssigkeit in entsprechende Schwingungen: Es entstehen Ultraschallwellen. Auf diese Weise ist es möglich, die Eigenschwingungen aller Stoffe zu treffen, die sich chemisch in Lösungen abscheiden bassen, und so deren Gefüge zum Platzen zu bringen. Man kann z. B. feste Molekülverbindungen, wie etwa Schwefelwasserstoff, auseinanderreißen und den Schwefel ablösen. Auch als Zerstäuber lassen sich die U-Schallwellen verwenden: Das lichtempfindliche B r o m \ i I b e r, das früher nur verhältnismäßig grobkörnig in die „Emulsion" der Photoplatten eingelagert werden konnte, wird jetzt durch die Schwingungen aitfs feinste in der Gelatine verteilt; der Photograph vetdankt also die feinkörnigen Negative die sich fast unbegrenzt vergrößern lassen, den hoch- schwingenden Schallwellen. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptfchriftleiters: Ernst Blum« schein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen. Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich -25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. nach einem segensreichen Leben im Alter von 75 Jahren. November 1939 6726V La Traviata 6728V 6732V Statt Karten. Wilhelm Haber Nachdruck verboten Ohne Gewähr Die Hinterbliebenen: 7. November 1939 1. Ziehungstag In der heutigen Dormittagsziehung wurden gezogen Kartenverkaufsstelle der KdF. 6723P Gießen, Berlin und Bromberg, den 8. November 1939. DieTrauerfeier findet auf Wunsch des Verstorbenen in aller Stille statt 04983 Heute 131068 UfEDßE DRUCKSACHEN VW tz IX D C Brühl. Gießen Blut 3 Gewinne zu 10000 RM. 332561 75 Gewinne zu 500 RM. 40806 48742 75546 84796 91303 104972 107868 141120 317566 270 Gewinne zu 200 RM. 1119 4856 9006 16002 22374 26067 33302 34051 40151 41727 43183 44772 46036 47151 52948 52982 53333 58402 65154 88745 93353 96407 WkH Putzfrau 2mal wöchentlich gesucht. ls78«v sucht [04984 Schuhhaus Wollt Stadttheater zu billigen Preisen: Mk. 1.75, 1.55, 1.25, 1.05, 0.85 Karten-Vorverkauf Schanzenstraße 18, Zimmer 2 55630 100941 142300 170128 218524 245451 267254 292894 317374 346128 394956 101661 146019 171260 220056 246452 276038 299457 322363 346746 399511 104294 135481 192304 224956 248673 273313 298255 342728 390010 107955 146304 177716 220524 251206 281727 299503 328049 352491 110059 148093 208653 229506 251094 279950 301953 348151 390894 122356 154824 185598 223240 255645 282354 307885 329382 355551 113295 151693 210645 231159 252195 281963 308210 349156 145265 312026 147999 123688 154983 191202 228482 257452 282524 309430 329884 357194 119225 165862 212073 241656 253213 284560 317161 370081 164597 213380 240916 266373 289833 311623 335008 381597 127644 184749 213722 243437 261596 290642 319103 370178 56990 197225 368621 101049 129429 188543 218834 243973 270655 295675 335796 373308 102654 133817 189298 222885 247739 272866 296032 341853 339484 116790 152987 211789 234051 252307 282709 309574 357777 129983 155408 210195 233938 258196 282926 309776 334024 366001 52310 188676 367417 166463 216375 244269 267175 290128 316511 343539 386799 Verlobungs-Anzeigen liefert Brühl’sche Druckerei Buchhandlung sucht gebildetes Fräulein z. Mithilfe im Laden und Büro. Handschr. Bewerb. u. 6730D andenGieß.Anz. Von schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden ist mein lieber Mann, unser lieber Vater und Großvater Die Trauerfeier findet am Freitag, dem 10. November, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Katharina Haber, geb. Lorenz Dr. Franz Haber und Frau Carola, sowie 3 Enkelkinder, [geb. Schmitt im 67. Lebensjahr am Samstag, dem 4. November 1939, durch sanften Tod erlöst worden. 206226 228654 239083 268738 291987 370442 383878 391086 397807 399437 Die Verlobung ihrer Tochter Walgund mit dem Bannführer Sigurd Taesler geben bekannt Antonie Berkenhoff, geb. Theegarten Wilhelm Berkenhoff Lydia Wagner, geb. Berkenhoff Paula Berkenhoff, geb. Falkenstein Marie Berkenhoff, geb. Jacobi Johannes Wagner, Reg.-Baumeister und 8 Enkelkinder. Sigurd Taesler Bannjährer Dr. Ludwig Alefeld und Trau Felizitas geb. Poly Gießen tZ. Feldpost Nr. 19182 Gewinnauszug 1. Klasse 2. Deutsche Reichs,otterle Gießen (Bismarckstraße 43), Bad Münster am Stein, Waldböckelheim, im Felde, den 7. November 1939. Ordentliches Mäddien in besseren Haushalt zumI.Dzbr. gesucht. Guter Lohn und gute Behandlung. für meinen gemischten Betrieb sofort gesucht. Bäckerei, Konditorei u. Ca!6 Heinrich Weimar, Franks. Str. 41, Fcrnspr. 2833. 329672 166613 218663 291891 17572 73793 148930 Meine Verlobung.mit Fräulein Walgund Alefeld gebe ich bekannt iiLZioimer mit Pension von Beamten in ruhig. Hause gesucht. Schriftl. Angebote unter 04975 a.d. Gieß. Anzeiger erbet. Tüchtiger, selbständiger Ordentl.,sauber. Mädchen für halbe oder *7. Tage gesucht. Die Quelle neuen Lebens. Der Gehalt an Lecithin u.Eifei* machfs! Gr. Flasche RM.2.75 Kurfl. RM. 4.00 Univ.- Apotheke zum gold. Engel, A. .Habrich, Marktplatz, Borzustell. 6?3iD 'sannen Walltorstr. 17. Weg 9 i. Opern - Vorstellung — am 11. November 1939, abends 8 Uhr Kinderwagen 'N großer Auswahl I m»IN ZWEI FARBEN Schmackhaft und nahrhaft. Oie Geheimnisse der Feldküche. Ein Besuch in der Äersuchöküche des Heei-esverwaltunasamts. Man darf sich den Feldherrn von heute und seinen Generalstabschef nicht so vorstellen, als ob die Truppenführer nur mit dem Zirkel auf der Landkarte arbeiten und in der entscheidenden Stunde den Befehl zum Angriff geben. Dieser Angriffsbefehl ist erst die Folge einer ungemein vielseitigen Arbeit, bei der keine Einzelheit vergessen lverden darf. Mit zu den wichtigsten Arbeiten der Truppenführung gehört es, rechtzeitig die notwendige Verpflegung für die Syldaten herbeizuschaffen, denn mit hungrigen Sol- boten ist ein Sieg schwer zu erringen. Diese Weisheit ist nicht erst von heute Schon Friedrich der Große hat sie als Feldherr erkannt, als er sagte: „Die Pläne eines Feldherrn stehen immer mit den Prooiantverhältnissen in Verbindung, und die größten Projekte werden zuletzt heroische Chimären, wenn er nicht vor allen Dingen darauf bedacht war, sich wegen der Lebensmittel sicher zu stellen." Bei der deutschen Wehrmacht hat man selbstverständlich die Verpflegung nicht vergessen und beim Heer ist es die besondere Aufgabe des Heeresverwaltungsamtes, die Magenfragen befriedigend zu lösen. Das Heeresverwaltungsamt hat aus den Erfahrungen des Weltkrieges gelernt. So ist zum Beispiel mit dem Drahtverhau unseligen Angedenkens gründlich Schluß gemacht worden und man hat statt dessen hochwertige und neuartige Lebensmittel entwickelt und hat auch der Kochtechnik für Friedensküchen und für Feldküchen größte Aufmerksamkeit gewidmet. Ebenso wichtig wie die Lebensmittel selbst ist nämlich auch die sorgfältige und zweckmäßige Verarbeitung und Zubereitung, damit die ursprüngliche Zusammensetzung der Werte, nicht nur der Nährstoffe, sondern auch der Geschmacks- und Ergänzungsstoffe, schalten bleibt. Im Zeichen des totalen Krieges hat das Heeresverwaltungsamt die Derpflegungsrationen für die Soldaten in der Heimat und an der Front so festgesetzt, daß sie sich dem großen Ganzen durchaus einfügen. So selbstverständlich eß ist, daß der Soldat gut verpflegt wird, so sind dvch die Sätze so beschaffen, daß nicht etwa eine besondere Bevorzugung der Soldaten besteht. Es ist gar kein Zweifel, daß der Soldat sich sinnvoll in die Ernährungsfront des deutschen Volkes zur Abwehr der englischen Blockade eingliedert. Der Verpflegungssatz des Soldaten in den Heimatgarnisonen entspricht etwa dem eines Schwerarbeiters. Der Schwerstarbeiter in der Heimat erhält, nach Kalorien gemessen, immer noch mehr Nährwerte als der Feldsoldat draußen. Es wird aber dem Feldsoldaten gegeben, was er zum Leben nötig hat und es wird ihm in einer Form gegeben, die auch das Essen zum Vergnügen macht. Wenn der Kompaniekoch zum ersten Male seine Feldküche begrüßt, so kocht er nicht auf blauen Dunst los, sondern er findet in seiner neuen Feldküche auch ein Feldkochbuch vor, das ihm die notwendigen Anleitungen gibt. In diesem Kochbuch ist als wichtigste Grundregel festgelegt worden: „Die Feldküchenkost soll die Verpflegungsteilnehmer nicht nur sättigen, sondern gesund und leistungsfähig erhalten. Sie muß daher der allgemeinen Geschmacksrichtung entsprechend sorgfältig zubereitet und möglichst abwechslungsreich gestaltet werden. Keinesfalls darf sie in eine sich immer wiederholende, mit Unlust aufgenommene Massenspeisung ausarten. Die Herstellung der Feldküchenkost ist daher eine verantwortungsvolle und hohe Aufgabe. Die wahre Kochkunst besteht dann, aus den einfachsten Lebensmitteln eine gut zubereitete und abwechslungsreiche Kost herzustellen. Dem Verpflegunqsteilnehmer darf kaum bewußt werden, daß die Gerichte als Massenspeisen im Kessel zu- bereitet worden sind." Der Koch von heute soll auch nicht nur, so wie wir es einstmals bei Verdun erlebten, wochenlang nichts anderes als Graupen kochen, sondern, wenn schon Graupen gekocht werden müssen, dann ist es die Aufgabe des Kochs und des Küchenunteroffiziers, für die notwendige Abwechslung zu sorgen. Da gibt es z. B Graupen mit Suppengrün und Rindfleisch, Graupen mit Grünkohl und Speck, Tonatengraupen, Selleriegraupen, Zwiebelgraupen oder auch saure Graupen mit Gewürzgurken und Fleisch. Es ist die Kunst mit Hilfe von Gewürzen und Beikost in der Feldküche aus ein und demselben Rohstoff immer wieder neue Geschmacksrichtungen hervorzubringen, ohne daß das Grundgericht erkannt wird ♦ Man denkt tn der Wehrmacht von heute keineswegs daran, alles über einen Kamm zu scheren. Es gibt ja nicht nur Infanterie, die aus der Feldküche ernährt werden muß, sondern es gibt auch Truppenteile, für die eine Sonderoerpflegung notwendig ist. Der Flieger, der tn seiner Maschine Stunde um Stunde über die Nordsee fliegt, um schließlich über dem Firth of Forth seine Bomben los zu werden, muß anders ernährt werden als ein Infanterist im Graben. Das gleiche gilt für die Männer, die im Panzerspähwagen Hunderte von Kilometern auf schlechten Straßen zurücklegen Das gleiche gilt für* Festungstruppen, die in den großen Bunkern wochenlang unter stärkstem Artilleriefeuer liegen. Das gilt schließlich auch für Gebirstruppen, die aus ihrem Körper bei schwierigen Aufstiegen das Letzte herausholen müssen. Diese Soldaten brauchen alle bestimmte Konzentrate, die ihnen höchste Kraftanstrengunq gewährleisten. Auch dafür hat man neuartige Lebensmittel geschaffen, z. B. den fo genannt en Pemmikan- Landjäger. Das Vorbild für diesen Pemmikan lieferte Nansen, der sich ja auf feiner Nordpolfahrt im wesentlichen mit diesem Lebensrnittel aufrecht erhielt. Es handelt sich hier um eine Hartwurst aus geräuchertem Fleisch, geräuchertem Speck, Edelsoja, getrocknetem Obst, Molke, Tomatenmark, Hefeextrakt, Paprika und Lecithin, also allen zum Aufbau des Körpers notwendigen Nährstoffen. Dann gibt es weiter Weinsäure- und Zuckerdrops, die aus Holzzucker und Traubenzucker hergeftellt sind und vor Ermüdung schützen, sowie die neuartige Schokakola, eine mit Kola angereicherte Schokolade, die als Stärkungsmittel dient und sich durchaus bewährt hat. Es muß überdies darauf hingewiesen werden, daß es sich bei diesen neuartigen Lebensrnitteln nicht etwa um Experimente handelt, sondern diese Lebensrnittel sind nach vielen Proben auf Grund bestimmter Anforderungen hergestellt worden. Sie sind dann vom chemischen und vom sanitären Standpunkt aus auf das genaueste untersucht worden und haben sich erst in kleineren Versuchen und dann in Truppenversuchen bewähren müssen, ehe sie für die Wehrmacht eingeführt wurden. Diese Versuche sind insbesondere auch mit der Sojabohne gemacht worden und die bisherigen Erfahrungsberichte zeigen, daß sich das Vollsojamehl als sehr brauchbar und vorteilhaft für die Truppenküche erwiesen hat. Der Geschmack der Speisen wird erheblich verbessert, der Sättigungs- wert gehoben und zudem sind die Speisen angenehm locker und von gutem Aussehen. Infolge Des hohen Nährstoffgehaltes erwies sich das Vollsojamehl insbesondere verwendbar als Streckungsmittel zur Einsparung von Fleisch, als Mittel zur Einsparung von Fett sowie als Ersatz für Ei und als Ersatz für Milch. Der Anbau der Sojabohne gewinnt bei uns von Jahr zu Jahr wachsende Bedeutung. Die Sojabohne unterscheidet sich von anderen Hülsenfrüchten wie z. B. Erbsen und Bohnen durch ihren fast doppelt so großen Gehalt an hoch» wertigem Eiweiß und durch chren sehr hohen Fettgehalt. Das' Edelsoja wird nach Entfernung der Schale ohne Anwendung von Chemikalien herge- stellt und ist trotz des hohen Fettgehaltes sehr haltbar. Besonders reich ist Edelsoja an Vitamin B sowie an mineralischen Salzen: hierbei kommt dem knochenbildenden Phosphor eine besondere Bedeutung zu * Probieren geht über Studieren. Fräulein Spieß, die vielgewandte Leiterin der Versuchsküche des H e e r e s Verwaltungsamtes, hat ihren graben Tag, denn zum ersten Male sollen die Geheimnisse der Feldküche enthüllt werden. Es gibt also ein ausgewachsenes Essen, bei dem alle die neuartigen Lebensmittel auf Geschmack und Nährwert probiert werden können. Da sind die neuen Bratlinge, die aussehen und schmecken wie Klovse und die eiweißangereicherte Lebensrnittel aus pflanzlichen Rohstoffen enchalten. Da ist Blut- und Leberwurst, deren Nährwert mit Edelsoja verstärkt worden ist und die im Geschmack ganz ausgezeichnet sind. Einen besonderen Erfolg erzielt die Leiterin der Versuchskücbe mit ihrer Roggengrützsuppe mit Fleischeinlage. Hinterher wird freilich festgestellt, daß es sich um eine neuartige Suppen- fonferne aus Roggengrütze mit Walfleisch handelt Als Feldküchengericht wird dann ein prächtig schmeckendes Gulasch mit Kartoffelbrei und Rotkohl gereicht. Auch dieses Geheimnis wird enthüllt. Es handelt sich hier um einen Gulasch aus tiefgekühltem Fleisch, das nach einem neuen Verfahren zubereitet worden ist und das sich vom Gefrierfleisch dadurch unterscheidet, daß bei diesem Fleisch keine Zerreißung der Zellen eintritt, wie das bei Gefrierfleisch der Fall ist. Der Kartoffelbrei entstammt getrockneten Kartoffeln, ine ebenfalls nach einem neuen Verfahren geschaffen _ wurden und der Rotkohl ist getrocknetes Gemüse. Bei diesem Rotkohl erkennt man aber, daß mit dem Drahtverhau, mit dem Dörrgemüse von einst für immer Schluß ist, denn dieser Rotkohl unterscheidet sich in keiner Weise von frischem Gemüse. Er ent» hält im übrigen die Ditaminwerte genau wie das beim frischen Gemüse der Fall ist. Weil aber die Soldaten nicht nur Hunger, sondern auch Durst haben, so ist im Heeresverwaltungsamt auch ein Marschgetränk geschaffen worden, ein erfrischendes Getränk aus Zitronensäure und Kochsalz, das sich beim Feldzug in Polen schon außerordentlich gut bewährt hat. Diese Gerichte verdanken ihren Erfolg nicht nur der gerieften und sachgemäßen Zubereitung, sondern sie sind vor allem richtig gewürzt worden. Das fann genau so gut wie in der Heimat auch in der Feld- füche an der Front geschehen, denn jede Feldküche ist besonders reichlich mit deutschen Gewürzen ausgestattet, als da sind: Körnersenf, Kümmel, Majoran, Bohnenkraut und Dill. Zu diesen treten als weitere Zutaten Zwiebeln, Tomatenmark und Hefeextrakt. Dieser Ueberblick dürfte den Hausfrauen und Müttern, deren Männer und Söhne als Soldaten in der Heimat oder an der Front stehen, die Sorgen um das leibliche Wohl sicher Nehmen. Die Feldküche ist fein Luxusrestaurant, aber was die Feldküche liefert, ist nahrhaft und schmackhaft, und so wird auch die Feldküche mit!)elfen, daß wir diesen Krieg gewinnen. Walter Steaing. Französische Bunker unter Hochwasser. Die britische Lügenpresse hatte, vor einiger Zeit behauptet, daß Bunfer des deutschen Westwalls vom Hochwasser überschwemmt seien. Diese Lügenmeldung wurde durch die amtlichen deutschen Meldungen sofort widerlegt. Dagegen zeigt dieses soeben eingetroffene Bild französische Bunter a u f de r linken Rheinseite, die vom Hochwasser überschwemmt wurden, so daß ihre Besatzungen sie räumen mußten. In ähnlicher Weise wurden zahlreiche andere ftanzösische Bunker unter Wasser gesetzt. — (Aufnahme: PK.-Bauer-sScherl-jM.) Kunst und Wissenschast. Der Lyrlkprels der „Dame". Im neuesten Heft gibt die Zeitschrift „Die Dame" das Ergebnis ihres „L y r i f p r e i f e s 19 3 9" bekannt. Der erste Preis in Höhe von 1000 RM. wurde dem schlesischen Dickster Friedrich Bischoff für sein Gedicht „Das Füllhorn" zuerkannt. Fünf weitere Preise zu je 200 RM erhielten Hans Wühr, Josef Leit geb, R. E. T r i ft r a m , Herbert Strutz und W. E. S ü s - find. Zu den preisgekrönten Gedichten veröffentlicht die „Dame" kurze Lebensbeschreibungen und Bilder der Dichter. Vor einigen Jahren erhielt der Schriftleiter des „Gießener Anzeigers", Dr. H a n s Tyyriot, den ersten Lyrikpreis der „Dame". Gedächtnis-Ausstellung Adele Sandrock. Das Manskopfsche Museum für Musik und Theater in Frankfurt hat einen großen Teil des Nachlasses der großen Schauspielerin Adele Sandrock zu dauerndem Besitz erhalten und ihm in einer Sonderausstellung „Vergängliche Schauspielkunst" der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Gedächtnisschau zeigt an vielen Bildern und Kostümen den großen Umfang des Könnens Adele Sandrocks, das von Bizets „Carmen" über Goethes Gretchen bis zur modernen Filmgestalt reichte. Adele Sandrock hat in ihrer Jugend viele Opernrollen gesungen. Zu. ihren besten Leistungen zählte die Carmen. Daran erinnert das Carmen-Kostüm, das mit Schmuck, Kamm, Schuhen und Strümpfen vollständig ausgestellt ist. Auch die weltberühmten Kostüme der Sandrock als Sappho und Medea sowie ihr Gret- chenkostüm sind in Frankfurt. In Verbindung mit der Ausstellung zeigt das Museum auch eine Erinnerungsschau an den jüngst verstorbenen Frankfurter Schauspieler Mathieu Pfeil. Außerdem sind mit viele Liebe und Sorgfalt Photos, Briese und Schriftstücke zusammengetragen von: Joses Kainz, Matkowski, Max Grube, Deorient, Girardi, Baumeister, Friedrich Haase, Ludwig Wüllner, Hugo Thimig, Georg Reimers, Klara Ziegler, Luise Dumont, Stella Hohenfels, Franziska Ellmenreich, Hansi Niese, Agnes Sorma und Hedwig Bleibtreu. INolybdän-Erzfunde in Norwegen. Beim Dau der süd norwegischen Eisenbahn wurden vor kurzem in der Näye von Kvines- dal in einem Eifenbahntunnel reiche Funde von Molybdän (ein zähes Schwermetall, das in der Glühlampenindustrie Verwendung findet und in Legierungen mit Eisen einen harten Werkzeugstahl ergibt) gemacht. Die Erzader geht so tief in den Berg hinein, daß große Möglichkeiten für einen lohnenden Betrieb vorhanden sind. Hannhinnerch sieht zum erstenmal Soldaten. Von Heinrich kuppel Hannhinnerch ist ein alter Schwälrner Bauer, der seinen Hof mustergültig bewirtschaftet und an die fünfzig Ernten eingebracht hat. Nun sitzt er mit seiner treuen Lebensgefährtin im traulich stillett Ellerhaus, dessen Fenster über die Straße auf den Hof gehen, dem alle ihre Kräfte geweiht waren. Aber so ganz untätig sind sie beide noch nicht. Da gibt es überall „zu raten und zu taten", im Haus und in der Küche, im Stall und im Garten, bei den Kindern und bei den Bienen. Und das Gärtchen am Giebel des Ellerhauses, das sie noch ganz allein besorgen, will auch feine Pflege und Ordnung haben. Also müßig sein, das gibt's auch mit siebzig Jahren noch nicht. Der Hannhinnerch aber hat noch etwas anderes zu tun. Da kommt fein Enkel, der kleine Hinnerch, und bettelt: „Großvater, erzähl mir von früher! Erzähl mir, wie du klein warst!" Und dann erzählt der Großvater wie schon off aus seinen jungen Jahren. Heute ist's ein lustiges Stückchen, das er uns preisgibt: Die ersten Soldaten. Die Sonne war gerat) aufgegangen, als mich lautes Pferdegetrappel, für das ich immer ein gutes Ohr hatte, und freudige Rule der Kleinmagd: „Soldaten! Soldaten!" aus dem Morgenschlaf rissen. Ein Sprung aus den Federn und in die Hose, ein paar Laatschen an die Füße, und schon war ich draußen. „Willst du dich nicht erst ordentlich anziehen?" rief mir die Mutter nach. Aber nein, nein, dann kam ich doch zu spät, und ein Dorfjunge war ja doch im allerunmöglichsten Anzug immer noch ordentlich angezogen. Also los! „Eil dich, eil dich!" rief das Mädchen. Auch die Großmagd kam jetzt mit dem Melkeimer in der Hand aus dem Kuhstall und lies hinter mir her. „Soldaten! Soldaten!" Alles war wie behext. Wo die drei Dorfttraßen zusammenlaufen, hielten sie. Auf hohen, schönen Pferden, in weißen Waffenröcken und ebensolchen Reithosen, die in langen, weit über die Knie reichenden Stiefeln mit Sporen steckten, so hielten sie da, vier mächtige Kerle mit blitzenden Säbeln und funkelnden Stahlhelmen —: „Deutzer Kürassiere!" So etwas hatte unser Dorf nun doch noch nicht gesehen. Wie überirdische Gestalten kamen mir diese weißen Reiter vor, und die blanken Schwerter und die in der Morgensonne blinkenden Helme umgaben sie mit einem wahren Himmelsschein, als seien sie eben vom Himmel gestiegen und aufgesessen. Aufgesessen auf diese langbeinigen Pferde, diese Prachttiere, die so herrlich gesattelt und gezäumt waren! „Könnten wir uns doch hier einen aussuchenl" meinte die Ann. „Ja", entschied ich mit Kennerblick auf die Gäule, „den Fuchs mit der schmalen Blesse!" „Nein, nein", unterbrach mich hastig die Ann, „den Schwarzen mit dem Schnurrbart!" „Ach", lachte ich, „ein Schwarzer ist ja gar nicht dabei. Und ein Gaul mit einem Schnurroart? — Ach, ad), Ann!" Doch die Ann hatte ebensoviel Sachkenntnis wie ich: nur ging ihre Liebhaberei auf einen ganz anderen „Gegenstand" Ihr lag nur an einem „geliebten Gegenstand", wie es bei den Schwälrner Purschen und Mädchen heißt, wenn sie scherzhaft vom Schatz reden. Die Schwester unseres Großknechtes Wilhelm kam aus dem Wirtshaus, ihrem väterlichen Haufe, und brachte eine Schürze voll Flaschenbier. Jeder Reiter nahm eine Flasche, setzte sie an den Mund und trank sie leer. Nun fragten die Kürassiere nach dem Weg nach Ziegenhain, und ein ganzes Rudel kleiner, lebendiger Wegweiser sprang ihnen schon voraus. Vor dem Dorfe setzten sie ihre Pferde in Trab, daß die Funken stoben. Aber wir dahinter her, daß der Staub aufwirbelte. Im Hui hatte ich meine Laatschen verloren. Also in bloßen Füßen mit! Den Soldaten schien unser Wettlauf mit ihnen große Freude zu machen. Sie fangen ein Reiterlied, die Pferde schnauften, die Pallasche klirrten, die Reiter lachten, und mir jappften wie die Jagdhunde. Nun ließen sie die Pferde wieder in Schritt fallen. Dann machten sie einen Augenblick halt, und einer sprach: ,Hhr seid aber doch Hauptkerle! Könnt ja laufen wie Windhunde! Ihr werdet die Franzmänner schnell haben, wenn es mal losgeht!" Dann trabten sie weiter. Lange schauten wir ihnen nach, die Sehnsucht im jungen Herzen, auch einmal solche Kerle zu werden. Ja, wir wollten schon, wenn's losging, unseren Mann stehen! Das gelobten wir uns an jenem unvergeßlichen Tage. Oer Dackel. Von Gertrud Diehschts. Der Bücherrevisor Krause ist außer sich, als er entdeckt, daß fein Rosenstämmchen im Garten wieder bis auf die Wurzel von der Erde aufgewühlt ist. Herrn Krauses Gedanken in bezug aus die bevorstehende Revision dieser Angelegenheit, zwecks Ermittlung des Missetäters gleichen Dynamitpatto- nen. Das Geheimnis muß auf der Stelle jetzt gesprengt werden. Herr Krause hat Müllers Mariechen tn Verdacht. Die aufgerissenen Augen der Sechsjährigen, die durch den angrenzenden Gartenzaun nach ihm spähen, taxiert er auf Scheinheiligkeit, den Finger im Munde auf Verlegenheit, das plattgedrückte Naschen am Zaun auf Neugier und schlechtes Gewissen. Jedem echten Erfolg geht Selbstüberwindung voraus. Herr Krause ist wie ein Schulbube über den Zaun gesprungen. Er hat Mariechen bei den Ohren. „Willst du das noch ein einziges Mal tun, du Strolch, was?" fragt er. Seine Augen funkeln böse hinter den Brillengläsern. „Großpapa" .., schreit Mariechen empört, „Großvater, komm mal schnell, Herr Krause will mir hauen, weil ich's nicht gewesen bin". „Wer ist es denn gewesen?" fragt Herr Krause streng. „Na, der da"... schluchzte Mariechen und deutete auf Schlumps, ihren Dackel. Der sitzt in der Mitte des breiten Gartenweges, die Stirn in Falten gezogen, die Ohren hängend, den Schwanz eingeklemmt, die Pupillen in Rich- tung nach Herrn Krause gedreht. Sein durchtrie- benes Dackelgesicht, die schmutzigen Pfoten, und die von der Bekanntschaft mit der Mutter Erde zeugende lehmige Schnauze sprechen für die Echtheit vieser Aussage. „Hinterlistiges Luder"..., sagt Herr Krause und läßt das unschuldige Mariechen los. Herr Krause ist bereit, den Dackel „Schlumps" ein für alle Mal Revisionen in fremden Mauselöchern unter Rosen- sträuchern auszutreiben. Aber bis der Herr Bücher- reoisor die notwendigen Schritte dazu unternommen fyat, ist Müllers Dackel mit seiner jungen Herrin bereits in alle Winde gestoben. Fünf Minuten später steht Herr Krause vor Großvater Müller, um dem alten Herrn feine Er- ziehungspläne über Kinder und junge Hunde zu unterbreiten. Der Großvater Müller ist ein sympathischer, freundlicher Mann, mit schönen, menschlichen Eigenschaften. Er hat nur einen Fehler ... er hört schwer ..., und aus einer kleinen Eitelkeit heraus, gesteht er dies nicht gern ein. Sichtlich erfreut über des Nachbars Besuch, erhebt er sich aus seinem Lehnstuhl und bietet Herrn Krause einen bequemen Platz und eine gute Zigarre an. „Danke", fagt Herr Krause etwas beschämt, räuspert sich und rückt nahe an Herrn Müller heran. „Mein lieber Herr Müller, ich komme wegen Ihres Dackel, und wegen Ihres Mariechen."-- „Wonach soll es riechen?" Herr Müller lachte aus leuchtenden Blauaugen in Herrn Krauses Brillengläser. „Mein Gott", sagte Herr Krause jetzt nervös. „Sie verstehen micht ganz falsch. Sie sollten mal etwas für Ihre Ohren tun". „In die Ohren tun? Ich habe immer Watte drin, mein bester Herr Krause." „Himmelbombenelement, Herr Müller! Deshalb verstehen Sie mich auch nicht! Jetzt passen Sie mal auf: wir wollen die einfache Kur gebrauchen und nehmen Ihnen die Watte heraus." „Wie?" fragte Herr Müller, „Sie wollen eine Kur von mir wissen gegen Ratten im Haus? Ja bas ist ’ne böse Sadje. Ich habe diese Plagegeister auch mal gehabt. Das einfachste Mittel ist: Sie holen sich meinen Dackel „Schlumps" herüber. Der läfjt nicht eine einzige mehr aufkommen. Er bringt sie alle um." Kalter Schweiß perlte auf Herr Krauses Stirn. Er hatte das Gefühl, daß jedes weitere Wort in dieser hoffnungslosen Angelegenheit eine Kraftoer. schwendung war. Herr Müller hatte sich erhoben, eilfettig und hilfsbereit. Er öffnete das Fenster, pfiff laut und rief dann mit schallender Stimme m den Hof hinunter: „Mariechen---Herzenstind---such schnell mal unseren Schlumps und trag ihn zu Krauses herüber — nein — nein — keine Widerrede ™ “ der Hund soll sofort hingeschaftt werden, oer- ftartben? . "Auf Wiedersehen, Herr Müller", schrie Krause völlig verzweifelt, „ich verzichte ...!" Müller (sehr liebenswürdig): „Danke, danke, gleichfalls Herr Nachbar. Sehr gern geschehen! Grüßen Sie bitte Ihre FamMe 1 r. k. - < 13'u kurz angebunden, an Die Jrau aug öer fremöe = »-i 1f (Nachdruck verboten.) 36. Fortsetzung. Zukunft schauen kann, sehe ich Rentabilität voraus. Natürlich müßten Sie auch den Ertrag des kulti- getan hat Tag und Nacht im Dienst. Bei den Notkreuz-Helferinnen im Bahnhof Gießen Roman aonfflalW Kloepftr iopotigljt hg Hari Duntfcr Verlag * Berlin w 62 verblüfft zu. „Wir riskieren bei dieser Regelung gerade so viel, wie man vertreten kann. Denn soweit ich in die zu kurz angebunden, auch soll er zu hohe Rechnun- 'y ' - ■ ?anze Art ist halt preußisch, und Brahms. BDM.-llntergau 116 Gießen. Betr.: Der 9. November. Die Mädel- und JM.-Einheiten nehmen an dem Gemeinschaftsempfang der Ortsgruppen am 9. November teil. Betr.: BD2N.-Derk-Gruppen Gießen-Stadt. Die Schulung für die BDM.-Werk-Gruppen findet nicht am Donnerstag, sondern am Freitag, 10.11., 19 Uhr, im Moeserheim statt. Benachrichtigungen der Führerinnen erfolgen durch die Gruppenführerin. Betr.: Sanitätskurs für den Jahrgang 1922. Der für Donnerstag angesetzte Kurs fällt wegen des 9. Novembers aus. Nächster Dienst ist Donnerstag, 16.11.1939. Die Untergauführerin. Aus der Stadl Gießen. Nachtstück. Die Sonne ging unter wie auf alten Hohschnitten in vergessenen Kalendern. Mit schrägen Lichtbalken auf gnädig geöffneten Wolken — und einem goldroten Licht, das die düstere Erde nicht mehr zu erhellen vermochte. Durch die Gärten ging das Frösteln des November. Bleich, weiß, winzig schimmerten die letzten Blumensterne. Alle Dahlien hat der Regen zerzaust. Auf gelben Blättern gleitet man aus. Aber eine Eiche am Weg hält ihr Laub fest. Wir werden es wieder sehen in einem Monat noch, gelber, härter, sirrend im Wind, aber zäh mitten im Winter. Schau durch die Zäune und Gatter: nun werden alle Gärten kahl. Durch die Spaliere pfeift der Wind. Auf einem moosgrünen Rasenstück von seltsamer Frische hocken drei Amseln. Starr, wie aus Ton. Bis eine davonhüpft, lautlos, aber das Hüpfen hat gleichwohl etwas Musikalisches, als ob Hände eine Tonleiter klimpern. Nun war man wieder zwischen den Häusern der Stadt. Hinter einem verdunkelten Fenster klang warm der volle.Sang einer Violine, ein Klavier begleitete, es war Mozartmusik. Vor einer Haustür verabschiedete sich ein Paar, lang. Die Liebe kennt keine Jahreszeiten. Vielleicht war es ein Soldat, der sich von seiner Liebsten trennte. Der Mond war schmal geworden, kaum noch halb, aber ein hellgestrichenes Haus fing sein Licht auf. Eine Scheibe glänzte wie Perlmutt. Ein Stock klirrte und tastete, Schritte verklangen. Vor 25 Jahren: £e Quesnoy. Erinnerung an schwere Kampftage unseres alten Infanterie regiments 116. vierten Grundstücks unter die Aktiva schreiben, was ja nicht mehr wie recht und billig ist. Nun?" „Lassen Sie mich einen Augenblick überlegen sagt Severin leise und tritt ans Fenster. Er zieht die Bilanz aus den letzten zwei Monaten, die reich an Enttäuschungen waren. Aber die Schuld liegt wohl zumeist bei ihm selber. Seine Erwartungen waren zu hoch gespannt, seine Wunschträume zu verstiegen. Es wird überall auf der Welt nur mit Wasser gekocht. Stadt oder Land? Licht und Schatten gibt es hier und dort. Stadt und Land ist nicht Gegensatz, sondern eine Frage individueller Eignung. Jeder lebe da, wo er hingehört. Er, Severin, gehört aufs Land, das hat ihm dieser kleine Sprung in die Großstadt hinlänglich bewiesen. Er braucht das weite Grün der Wiesen und die zuchtvolle Strenge umgebrochener Aecker, er braucht Ellenbogenfreiheit für seine Kunst und besinnliche Feierabende in der Geißblatttaube. Dor zwei Monaten dachte er anders, gewiß. Aber die Gründe, die chn damals in die Stadt lockten, sind heute gegenstands- los geworden. Die Fabri filmt, und von Friedrich will man micht befreien. Und gegen Einsamkeit und Stumpfsinn und Freudlosigkeit gibt es ein.probates Mittel: heiraten. Nikoline Ferber heiraten, die ihn versteht, die chn umsorgt und die so viel für ihn Ein Radfahrer fuhr lautlos vorbei. Dann war es totenstill in der einsamen Straße. Die Häuser wirkten wie eine geheimnisvolle Operndekoration. Man sah fast nur die Umrisse, aber hatte man bei Tag jemals die Schönheit dieses Giebel entdeckt, den Schwung jenes Balkons? Dann kamen Wolken, grau und schwer. Es begann zu tröpfeln. Plötzlich spürte man, daß unabänderlich Herbst war. Und nun war man auch zuhause. Nässe lag auf der eisernen Klinke. r. k. Im Dienste des Deutschen Roten Kreuzes stehen in Gießen auch verschiedene Frauen, die schon wah- rend des Krieges 1914/18 mitarbeiteten und aus unmittelbarer Erkenntnis der Notwendigkeiten, letzt wieder mithelfen. Manche von diesen Helferinnen hat schon das 50. Lebensjahr überschritten. Den jungen Kameradinnen sind sie ein leuchtendes Beispiel und mit ihren praktischen Erfahrungen eine wegweisende Hilfe in vielen Fällen, wenn sich eine junge Helferin oder eine Anwärterin nicht recht zu helfen wüßte. Die Arbeit, die hier von den Helferinnen und Helfern des Noten Kreuzes, wie auch von den in steter Bereitschaft stehenden Aerzten schon in den vergangenen Wochen Tag und Nacht geleistet wurde, verdient uneingeschränkt dankbare Anerkennung. N. Die Parole für alle OKK -Einheiten. Der Landesführer IX des Deutschen Roten Kreuzes, -Brigadeführer, Staatssekretär O r t lepp , hatte die Kreisführer und die Leiter der Führungsabteilungen der DRK.-Kreisstellen aus dem Gaugebiet Hessen und angrenzender Gebietsteile zu einer Dienstbesprechung in den Rathaussitzungssaal in Kassel befohlen. In einer richtungweisenden Ansprache gab der Landesführer die Parole für den weiteren Einsatz aller DRK.-Einheiten in dem uns aufgezwungenen Kriege und die Richtlinien für deren weitere Ausrichtung in politischer, soldatischer und fachlicher Hinsicht. Was in eifriger Friedensarbeit vorbereitet wurde, hat in der Stunde des Kriegseinsatzes bereits seine Bewährung gezeigt. Der schlagkräftigsten Armee der Welt steht der beste Sanitätsdienst zur Daß er nicht eher hinter dieses Kolumbusei ge- kommen ist! Der Gedanke, Nikoline zu heiraten, bereitete ihm plötzlich ein heftiges und durchdringen- des Vergnügen. Er sieht ihre kleine, schnuppernde Nase vor sich, ihre fröhlichen Mummelaugen und ihren weichen, wehenden Gang. Man holt ihn zurück, wie schön, und er wird wieder bet den Kindern sein und bei Nikoline, und sie werden zu viert in dem alten, mangelhaften Haus an einem neuen Leben zimmern. Man wird zwar nur em kleiner Landdoktor bleiben, der zu jeder Tages- und Nachtzeit auf elenden Straßen herumkutschiert, aber wenn er 'heimkommt, werden ihn strahlende Gesichter empfangen. Er wird nicht berühmt werden, er wird nicht reich werden, aber darauf kommt es nicht an. Wichtig ist nur, daß man Arbeit hat und sie ausfüllt; daß man Freude hat und sie teilt Severin reißt sich auf den Absätzen herum und kommt direkt auf Bürgermeister Heller zu: „Gut, ab gemacht: ich gehe wieder nach Esche!- brunn!" 2 0. Kapitel. Nikoline zerknüllt den Zettel und wirft ibn samt dem Kuvert in den Kanonenofen der Apotheke. Friedrich hat sie dringend ersucht, um drei Uhr bei den „Drei Brüdern" zu sein, weil er etwas mit ihr besprechen müsse. Was will er denn schon wieder, seufzt sie gereizt. Nikoline ist keine glückliche Braut. Sie schleicht bedrückt und versonnen im Haus herum, ist schroff zu den Kindern, und keines der fröhlichen, falsch gesungenen Liedchen kommt ihr mehr über die Lippen. Dr. Wenz macht sie nervös, das Moorpro,ekt läßt sie kalt, und selbst die Wasserleitung entlockt ihr keine Jubelrufe, obschon die Küchenpumpe alle Tage hinfälliger und störrischer wird. Am liebsten läßt sie sich von der Arbeit erschlagen, die m diesen Typhuswochen wahrlich nicht gering ist. An allem ist Friedrich schuld. . Damals im ersten Ansturm des Mitleids und der Opferbereitschaft hat sie ihm ihr Jawort gegeben, aber jetzt belehrt sie jeder Tag aufs neue, daß chr Versprechen an Friedrich ungeheuer schwer zu halten ist. Er stellt Ansprüche an ihr Gefühl, denen sie nicht gerecht werden kann. Sein Aeußeres, sein ganzes Gehaben peinigt sie. Die vom Zwicker gerötete ' Stelle ferner Nasenwurzel, der gräßliche Schnurrbart, die pedantische Art seiner Unterhaltung, seine Röllchen — alles quält und irritiert sie — sie weicht ihm aus, wo sie kann, und entschuldigt tsich mit Ueberlastung, was angesichts dieser Epi- ,Jst es wirklich Typhus?" wirft Severin ein. '„Ja. Es hat eine Masse Scherereien gegeben, aber jetzt ist das ärgste überstanden. Was jetzt noch herumzipft, liegt im Spital, und neue Fälle sind Gott sei Dank nicht mehr hinzugekommen. Der Bezirksarzt sagt, wir seien mit einem blauen Auge davon gekommen, und die Absperrungsmaßnahmen könnten in der nächsten Woche aufgehoben werden. Wer nun wieder zu dem anderen. Wir Haden in der Sitzung beschlossen, daß die Stadt Ihre beiden letzten Hypothekenzinsraten zur Tilgung übernimmt und Ihnen außerdem so lange einen jährlichen Unkostenzuschuß in Höhe des Deftzi.s gewahrt, als der Spitalbetrieb sich nicht rentiert. Kann man nobler sein?" _ „Respekt, das nenne ich anständig! gibt Severin „Mensch, dann schwimmt ihr ja im Reichtum , scherzt Severin. „Reichtum ist übertrieben. Aber die Ellbogen können wir wenigstens wieder rühren. Was nur das alleine wert ist, daß die vertrackten Wohlfahrtsunterstützungen wegfallen. Unsere Erwerbslosen kriegen Arbeit, die Bauern billiges Neuland, die Gemeinde kann vom Wasserzins und den Oedlanderträgnissen das vorgeschobene Kapital amortisieren; kurz, für jeden springt etwas heraus. Nehmen Sie mal Ihre eigene Praxis an. Wenn unsere Arbeiter wieder beschäftigt sind, kommt alle naselang etwas vor, gequetschte Finger, Rheumatismus, was weiß ich. Außerdem werden die Leute auch in Zukunft besser bezahlen können. Und daß Sie und der Konsul bei dieser Bodenkultur so quasi mitgenommen werden, ist auch nicht von Pappe, den wir müssen das Moor in einem Zug drainieren und können nicht vor eurem Besitz Haltmachen. Wissen Sie noch, wie Sie beim Klöster!kauf geschimpft haben? Das Gerafft sei zu teuer, und Sie könnten mit der Wüstenei da hinten nichts anfangen? Ist es Ihnen jetzt noch zu teuer, he?" fragt der Bürgermeister. „Nein, jetzt nicht mehr", muß Severin lachend zugeben. „Aber damals, Hand aufs Herz, habt ihr mich mit dem Krankenhaus schön aufsitzen lassen; zum Donnerwetter nochmal, deswegen sitze ich doch hier in München." „Ich glaube, Sie scheu das noch immer nicht em! Ja, wie konnten wir denn? Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren. Aber wir wollen diese alte Brühe nicht aufwärmen. Ich will Ihnen lieber einen Vorschlag machen, Doktor. Sie gehen wieder nach Eschelbrunn ... lassen Sie mich ausreden. Mr haben ihrethalben eine geheime Stadtrat^ sitzung gehabt. Mit Herrn Dr. Wenz verstehen sich die Leute nicht recht. Er ist ja ganz tüchtig, soweit ich als Laie es beurteilen kann, und während der Typhusgeschichte hat er sich famos ins Zeug gelegt, aber die Eschelbrunner sind halt auf Sie einge- schrooren und wollen keinen anderen, da ist nichts zu machen. Ihr Vertreter ist ihnen zu radikal und Zum 25. Male jährten sich jetzt die Tage, da unser altes Gießener Infanterie-Regiment 116 die nächst Anloy schwersten Kämpfe des Jahres 1914 an der Westfront zu bestehen hatte. Es war das schwere Gefecht von L e Quesnoy, das unsere alten 116er vom 30. Oktober bis zum 2. November 1914 gegen die in starker Stellung liegenden Franzosen ertragen mußten. In den Reihen der heute noch lebenden Mitkämpfer wird diese Kampfhandlung, an der viele Kriegsfreiwillige, meist Gießener Studenten, beteiligt waren, rückschauend als das „Langemarck der 116er" bezeichnet. Wer in der Regimentsgeschichte des alten Regiments 116 den Abschnitt über diese Kampftage heft, muß bestätigen, daß der Vergleich jener opferreichen, von größter Hingabe der Truppe zeugenden Kämpfe mit Langemarck seine volle Berechtigung hat. Nach der Schilderung der Regimentsgeschichte lagen die 116er vierzehn volle Tage in Crsmery (südwestlich von St. Quentin in der Nähe von Ham und Nesle, an der damals am weitesten nach Paris vorspringenden Frontecke) in Ruhe. Es war für die durch Kämpfe, Marschleistungen und zuletzt auch durch Krankheit schwer mitgenommene Truppe die erste größere Ruhezeit seit dem Auszug ins Feld. Da wurde die kaum wiedergenesene Truppe am Abend des 30. Oktober 1914 durch die Meldung: „Der Feind hat mit starken Kräften das von der 21. J.-D. verteidigte Le Quesnoy-en Santerre überrumpelt und weggenvmmen!" jäh aus der Ruhe aejagt. Sofort wurde alarmiert, und noch am späten Abend des 30. Oktober und im Verlaufe der Nacht rückten die Bataillone nach vorn. Das Regiment wurde zur Wiedereroberung des Dorfes Le Quesnoy angesetzt. Die Reqimentsgeschichte schildert in überaus anschaulicher Weise die Schwere dieser Kämpfe, die in den frühen Morgenstunden des 31. Oktober 1914 mit voller Kraft entbrannten und bis zum Abend des 2. November Tag und Nacht anhielten. Immer wieder versuchten die Kompanien der 116er, dem in starkverschanzter Stellung liegenden Feind das Dorf Le Quesnoy zu entreißen, aber trotz allen Heldenmutes und trotz größter Kraftanstrengung gelang ihnen dieses Vorhaben nicht. Zwar kamen sie bis nahe an das Dorf heran, dann AS'GeMlnWsl M Mt öur® » Die Mitglieder des Feierabendringes werden nochmals gebeten, die Eintrittskarten für die Theatervorstellung am 11. November, „La Ira- viata", bis spätestens Freitag, den 10. November, in der Schanzenftrahe 18, Zimmer 2, abzuholen, andernfalls dieselben im freien Verkauf weitergegeben werden. 6729D Gleichzeitig geben wir bekannt, daß noch Karten im freien Verkauf, ebenfalls in der Schanzenftraße Nr. 18, zu haben sind. ______________________ In aller Stille sind seit den Tagen des Kriegsausbruches zahlreiche Helferinnen des Deutschen Roten Kreuzes, Ortsgemeinschaft Gießen, in den Hilfsdienst getreten und haben eine Reihe von Aufgaben übernommen, die ihrer Berufung entsprechen. Mit großer Energie wurde zunächst im Bahnhof ein Raum eingerichtet, in dem und von dem aus mancherlei Hilfe geleistet werden kann. Die erste Leistungsprüfung ließ nicht auf sich warten! Es galt zuerst, den Soldaten, die sich auf der Fahrt zur Front befanden, Erfrischungen zu reichen, die in der Form von heißem Tee gegeben wurden. Weitere große Aufgaben erwuchsen, als es galt, bei der Betreuung 'der Rückwanderer aus den Grenzgebieten mitzuwirken. Während damals die Helferinnen und Helfer der NSV. die Verpflegung übernommen hatten, war es die Aufgabe des Roten Kreuzes, den Verletzten, Kranken, kranken Kindern usw. zu helfen oder mitzuhelfen bei der lieber führung der mit den Krankenzügen ankommenden Rückwanderer in die Kliniken. Die Arbeitsgebiete des Roten Kreuzes mußten dabei klar von denen der NSV. — schon allein aus hygienischen Gründen — getrennt sein und bleiben. In den bisherigen Kriegslagen wurde über die Fürsorge für die Rückwanderer hinaus alle Aufmerksamkeit den Soldaten zugewandt, die den Bahnhof Gießen passierten und hier kurzen Aufenthalt hatten. Es war stets ein prächtiges Bild, zu sehen, wie die Soldaten die jungen Helferinnen umdrängten, und Becher und Feldflaschen zur Füllung mit Tee bereithielten. Die Helferinnen unseres Gießener Roten Kreuzes sind dabei schon mit vielen Mundarten der deutschen Landschaften vertraut geworden. Mancher dankbare Blick streifte die bemie sogar einleuchtend klingt. Zweimal in diesen vierzehn Tagen ließ es sich allerdings nicht vermeiden, daß sie längere Zeit mit ihm zusammen fein mußte: beim Feuerwehr-Jubiläum, und dann im Asbacher Wäldchen beim Baden, wo er sie unvermutet überraschte. Beide Male kam es zu ein paar ungeschickten Küssen und au einer hölzernen Unterhaltung, die in der Hauptsache von Friedrich bestritten wurde. Er nannte sie Herzblatt und Schatz, und diese Kosenamen brannten ihr wie Striemen auf der Haut. Um sie öfter sehen zu können, hat er sich neuerdings einen Schulterrheumatismus ausgedacht, der von Dr. Wenz tagtäglich mit Höhensonne behandelt wird. Dr. Wenz schmunzelt, weil jede Bestrahlung drei Mark kostet. Aber Nikoline schwitzt Blut. Sie kürzt diese Veranstaltungen möglichst ab und erstickt jeden Annäherungsversuch im Keime. Friedrich hat es nicht leicht, und sie hat es nicht leicht; es ist ein Jammer mit den beiden. Seit drei Tagen ist Friedrich ausgeblieben, und heute hat er durch die Magd jenen Zettel geschickt, unter der Vorspiegelung, es handele sich um ein Rezept. Um dreiviertel drei ist Nikoline aufbruchberett, stiehlt sich aus dem Haus und pfeift Bulli, der vor Aufregung tropfende Lefzen und einen rotierenden Schwanzstummel hat. Sie haßt dieses Heimlichtunmüssen, das ihr da aufgenötigt wird, und sie schickt Stoßgebete zum Himmel, daß ihr bei den „Drei Brüdern" niemand begegnen möge. Es ist überhaupt ein Wunder, daß die Eschelbrunner Spurnasen ihr Verhältnis zu Friedrich noch nicht entdeckt haben. Friedrich wartet bereits. Die „Drei Brüder sind eine hohe, breiftämmige Fichte, die an einer unbelebten Wegkreuzung inmitten von Unterholz steht, gar nicht weit außerhalb des Ortes. Friedrich hat in der Nähe einen Schlag, und es fällt nicht auf, wenn er jetzt hemdärmelig und axtbewehrt sich an den Baum lehnt und ein Zündholz anreibt. Er hat alles vorher genauestens bedacht und ist nut feinem Arrangement zufrieden, soweit feine übrige Gemütsverfassung dies zuläßt. „Guten Tag, Nikoline. Blödsinnige Hitze heut, nicht?" v „Ja, setz dich, Bulli. Daß du nur nicht zu tagen anfängftr Sie reicht Friedrich die Hand. „2£r Zettel hat mir heute gar nicht in den Kram gepaßt, ich kann doch so schlecht weg", sagt sie zugesperrt. Am liebsten möchte sie sich ins Grab werfen und losheulen und niemand sehen. (Fortsetzung folgt.) jungen Helferinnen, die in peinlich sauberen schneeweißen Schürzen und gestreiften Kleidern auf dem Bahnsteig standen und den Soldaten nachwinkten. Für die Soldaten wirb deutscher Tee gekocht. Es handelt sich dabei um Brombeerblätter- und Pfefferminztee, der gemischt wirb und ein Getränk von angenehmem Geschmack und stark belebender Wirkung ergibt. Unsere Gießener Helferinnen haben es aber auch übernommen, für Urlauber und solche Soldaten zu sorgen, die zu ihren Truppenteilen unterwegs und oftmals mehrere Tage auf der Bahn sind. Für Urlauber und Soldaten, die in kleinen Trupps kommen, wurden zwei Schlaf- und Aufenthaltsräume eingerichtet. In großzügigem Entgegenkommen mürben in ber Anatomie (Bahnhofstraße) mehrere Räume freiaemacht, gründlich gereinigt und dort Lager aufgeschlagen. Tische und Stühle sind da, an Fenster und auf den Tischen stehen Blumenstöcke, und wenn auch alles behelfsmäßig ist, so fühlen sich die Soldaten darin doch wohl. Im Gästebuch sind schon viele Namen und manches Wort der Dankbarkeit verzeichnet. Zu berücksichtigen ist dabei, daß alle diese Maßnahmen fast ausschließlich aus den Mitteln der Ortsgemeinschaft des DRK. bestritten werden müssen. Gegenwärtig sind die Helferinnen dabei, sich m den Pausen mit dem Strickzeug zu beschäftigen. Auch diese Arbeit gilt der Fürsorge für die Soldaten. Bunte Wollreste wurden zusammengetragen, aus denen kleine Vierecke gestrickt werden, deren je 50 Stück große und warme Decken ergeben. Niemand von den Helferinnen fragt nach Dank oder Anerkennung. Für die Soldaten wird ebenso selbst- verständlich, wie gerne gearbeitet.___________________ Seite. Diesen Wehrmachtssanitätsdienst von ber Front bis in die Heimat zu unterstützen, ist neben den großen friedensmäßigen Aufgaben die Hauptaufgabe des Deutschen Roten Kreuzes. In den Feld- unb Heimatlazaretten, in den Rettungsstellen des Luftschutzes, im Bahnhofsdienst als Erfrischungs- ftcllen für Verwundeten- und Truppentransporte, in den Krankenhäusern und in allen sanitären Betreuungsstellen der Bevölkerung, in Rotkreuzküchen, in Nähstuben usw., überall stehen heute die Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes im Dienste für die Volksgemeinschaft. Der größte Teil der DRK.- Helfer trägt das Ehrenkleid des deutschen Soldaten und ist zum Sanitätsdienst der Wehrmacht ringe- zogen. Für die Aufrechterhaltung des sanitären Teiles des Straßenunfalldienstes, sowie für die Neuerrichtung und Fortführung aller Unfallhilfsstellen in den Städten und auf dem Lande stellt das Deutsche Rote Kreuz seine ausgebildeten Kräfte zur Verfügung. All diese umfangreichen und verantwortungsvollen Aufgaben können nur erfüllt werden» so betonte DRK.-Generalhauptführer Ortlepp, wenn sich tatbereite Kräfte aus dem ganzen Volke gerade für die jetzt erforderliche Arbeit des DRK. zur Verfügung stellen und das Deutsche Rote Kreuz den Schutz und die Förderung der Partei und deren Gliederungen erfährt. Die Kreisführer wurden deshalb erneut zu engster Zusammenarbeit mit den Parteidienststell en verpflichtet, wie auch umgekehrt der Stellvertreter des Führers in einem neueren Erlaß die Dienststellen der Partei und deren Gliederungen und angeschlossene Verbände angewiesen hat, dem DRK. die Durchführung seiner umfassenden Ausgaben zu erleichtern und zu ermöglichen. Mit dem Appell des Landesführers, das Kriegswinterhilfswerk, das nach der Führer-Rede zugleich auch das Hilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz ist, in jeder Weise zu unterstützen, und dem Sieg-Heil auf den Führer, den Schirmherrn des Deutschen Roten Kreuzes, wurde die Arbeitstagung beendet. aber hörte unter der Wucht der feindlichen Abwehr jede Bewegung auf. Am Abend des 2. November erkannte, wie die Regimentsgeschichte betont, die höhere Führung die Unmöglichkeit der Tat. Sie war nicht auszuführen, sonst hätte sie das Regiment ausgeführt. Nun kam der Befehl, sich vom Gegner loszulösen und die Stellung in eine Linie zurückzunehmen, die von der 21. J.-D. besetzt werden sollte. Es war, wie der Leser ber Regimentsgeschichte erkennen kann, eine schwere Ausgabe, die mit der Durchführung dieses Befehls noch zu erfüllen war, aber auch diese Pflicht wurde von der Truppe trotz der vorangegangenen schweren Opfer vorbildlich erfüllt. Abschließend wird über diese Gefechtstage in ber Regimentsgeschichte gesagt: „Das Gefecht bei Le Quesnoy war für das Regiment der letzte Ausläufer des Bewegungskrieges. Am U eher gange zum Stellungskrieg gelegen, trug es die Merkmale beider Kriegsarten in sich. Die freie Entfaltung im rückwärtigen Gelände, das Vorgehen über das freie Feld, das Anlaufen zum Sturm auf den Gegner unterschied sich wenig von den bisherigen Kämpfen. Das mehrtägige Stilliegen hart am Gegner, tief eingegraben, das zusammengezogene Artilleriefeuer auf bestimmte Stellen, die durch Befehle festgelegte Zeit zum Ausfall, das sind die Kennzeichen des beginnenden Stellungskrieges, den das Regiment in den nächsten Jahren zur Genüge kennenlernen und zu immer schrecklicherer Vervollkommnung sich entwickeln sehen sollte." Die einstigen Mitkämpfer von Le Quesnoy, die damals als junge Männer — zum größten Teile Gie- ßener Studenten aus allen Korporationen, die mit dem Band um die Brust am 8. Oktober 1914 aus Gießen ausmarschierten — für unser Land und Volk fochten, werden in diesen Tagen ihre Gedanken zurück gelenkt haben zu jener schweren und opferreichen Zett. Dabei wird aber auch die Erinnerung an die gefallenen Kameraden wieder besonders lebendig geworden sein, ferner der Stolz auf die Beteiligung an jener großen Waffentat, die zu den bedeutendsten Ereignissen in der Geschichte des alten Regiments 116 zählt. Vornotizen Tageskalender für Mttwoch. Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr: „Für die Katz". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Eine Frau wie Du". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Unschuld vom Lande". Stadttheater Gießen. Heute abend wird das volkstümliche Lustspiel „Für die Katz" von August Hinrichs wiederholt. Spielleitung: Karl Volck. Bühnenbild: Karl Löffler. Die Vorstellung findet als 6. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Anfang 19.30 Uhr, Ende gegen 21.45 Uhr. Der Schweizer Dichter Jakob Schaffner in Gießen. Am Montag, 13. November, 20 Uhr, wird im großen Hörsal der Universität der Schweizer Dichter Jakob Schaffner auf Einladung des Goethe- Bundes und des Kaufmännischen Vereins in Arbeitsgemeinschaft mit der Volksbildungsstätte Gießen einen Vortrag halten. Es gibt wohl keinen, den man als Sendboten der starnmoenvandten deutsch-schweizer Dichtung in Deutschland lieber begrüßt als Jakob Schaffner. Gießener Konzertverein. Das erste Solistenkonzert dieses Konzertwinters wird am Sonntag, 19. November, stattfinden. Die hervorragende Pianistin Poldi M i l b n e r wird einen Kmvierabend veranstalten. Das Programm enthält Werke von Beethoven, Schubert, Chochin Oie Partei Hilst allen Volksgenossen. Anonym zwecklos! NSG. Das Gaupresseamt erinnert daran, daß anonyme Schreiben cm den Gauleiter keinerlei Behandlung erfahren können. Da jedoch in diesen Schreiben oft mit berechtigten Klagen auf Miß- stände hingewiesen wird, deren Abstellung notwendig sein kann, werden die Beschwerdeführer im Interesse der von ihnen verfochtenen Angelegenheit aufgefordert, diesen Schreiben ihren Namen bei- .zufngen. Nur so werden berechtigte Beschwerden eine Nachprüfung und Behandlung erfahren. Anonym vorgetragene schriftliche Klagen jedoch enden im Papierkorb. Die Partei hilft allen anständigen Volksgenossen in ihren Bemühungen, Dinge abzustellen, die der Volksgemeinschaft schaden. Als wesentliche Voraussetzung dazu jedoch ist es notwendig, daß die Beschwerdeführer selbst mit voller Namensnennung zu ihren Klagen stehen. Letzlich ist diese Forderung nicht mehr als ein Gebot allgemeingültiger Anständigkeit, dessen Befolgung von jedem erwartet werden muß. Vei Wertungssperre gelockert. Durch Verordnung des Ministerrates für die Reichsverteidigung vom 31. 10. 1939 ist die bisher auf Grund der DO. vom 1. 9. 39 bestehende Verwertungssperre für Liegenschaften und bewegliche Sachen im weiten Umfange gelockert worden. Auf Antrag des Grundstückseigentümers, des Schuldners oder des Gläubigers können die bisher einstweilen eingestellten Versteigerungsverfahren auf Grund der allgemeinen Vorschriften fortgesetzt werden; nur auf besonderen Antrag kann das Vollstreckungsgericht weiterhin das Verfahren einstweilen eingestellt lassen, wenn dies im Interesse eines Beteiligten geboten erscheint. Die Verwertung beweglicher Sachen ist nunmehr wieder uneingeschränkt zulässig, soweit nicht die allgemeinen Vollstreckungsschutzvorschriften eingreifen. Insbesondere ist insoweit nach wie vor auf Artikel 6 Abs. 1 Nr. 3 der VO. vom 1. 9. 39 hinzuweisen, der in Kraft geblieben ist. Damit ist vor allen Dingen sichergestellt, daß in Fällen, in denen, wie z. B. bei land- und wehrwirtschaftlichen Erzeugungsbetrieben und bei zum Wehrdienst Einberufenen, eine besondere Schutzbedürftigkeit besteht, auch nach dem gelockerten Vollstreckungsnotrecht eine ausreichende Sicherheit gegen unbillige Vollstreckungen gegeben ist. Heroorzuheben ist aus dem Inhalt der DO., daß nunmehr der allgemeine Vollstreckungsschutz auch für die Verwertung von Sachen gilt, die auf Grund gesetzlichen oder vertraglichen Pfandrechtes mit Beschlag belegt worden sind. Schließlich sind in der VO. einige Zweifelsfragen geklärt, die bei der Anwendung der Artikel 6 und 9 der DO. vom 1. September 1939 entstanden waren. Auf Grund einer in der Schlußvorschrift enthaltenen Ermächtigung kann der Reichsminister der Justiz weitere Durchführungsoorschriften in eigener Zuständigkeit erlassen. Mit Feuerung sparen! Kohle ist heute einer der wichtigsten Kraft- und Rohstoffe für die Wirtschaft und den Export. Der Hausbrand muß auf das notwendige Maß beschränkt werden. Wir richten uns deshalb für die kalten Tage ein. Schlecht schließende Fenster und Türen werden nachgesehen, mit Litze oder altern Stoff abgedichtet. Für Arbeitsplätze am Fenster werden aus altern Material erforderlichenfalls Vorhänge gearbeitet. Wird die Klicke als Wohnküche benutzt, so überlegen wir vor Beginn der Heizperiode, ob alle Einrichtungsgegenstände für den Winter am richtigen Platz stehen. Wir halten nach Möglichkeit für die Kinder eine Arbeits- oder Spielecke frei, stellen ein kleines Regal bereit, eine Kiste für Spielzeug und dergleichen, räumen Schrankfächer und Schubläden auf und teilen sie neu ein, berücksichtigen dabei gelegentliche Schreib- und Näharbeit, Aufbewahrung von Lebensmittelkarten, Haushaltsbuch und dergleichen mehr. Ferner sorgen wir für angemessene Beleuchtung, trotz Verdunkelung. Sie kommt der Arbeit der Hausfrau und ihrer Familienangehörigen zugute und erhöht die Behaglichkeit. Der wärmespendende Herd wird mit Ueberlegung für die Essenzubereitung und für warmes Wasser ausgenutzt. Achtsamkeit, wieviel Kochzeit jeweils erforderlich ist, planvolles Arbeiten und Benutzung einer Kochkiste helfen Feuerung sparen. Wer statt mehrerer Zimmer in diesem Winter nur einen Raum für alle Familienmitglieder heizen kann, sollte ebenfalls rechtzeitig die Einrichtung des Zimmers auf die andersartige und erhöhte Inanspruchnahme abstellen. Unwichtiger Hausrat sollte beiseite gestellt werden, etwa ein Teetisch zugunsten einer Nähmaschine, eine Sesselgarnitur zugunsten von Arbeitstisch und Bücherbord für die Kinder und dergleichen mehr. Jeder kann dann Ordnung halten und sich in „seiner Ecke" neben dem Familientisch einrichten. Unnötiges Hin- und Herlaufen und Türenöffnen werden so vermieden. Von einer Heizung der Schlafräume sehen wir selbstverständlich ab; in warmen Räumen zu schlafen ist ungesund. Damit sich keine Feuchtigkeit in den Betten nieder- schlägt, ist gutes Lüften und Durchzug täglich notwendig. Ueber die richtige Behandlung der verschiedenen Oefen, über richtige Auswertung von Heizmaterial geben die hauswirtschaftlichen Beratungsstellen des Deutschen Frauenwerks Auskunft. Strafkammer Gießen. Der A. W. in Friedberg hatte sich wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen an Personen unter 14 Jahren, begangen im August d. I., zu verantworten. Der Anklagevertreter beantragte eine Ge- samtgefängnisstrafe von einem Jahr. Der Angeklagte wurde, unter Freisprechung im übrigen, wegen Sittlichkeitsverbrechens in zwei Fällen zu einer Gesamtgefängnis strafe von acht Monaten, abzüglich drei Monate Untersuchungshaft, verurteilt. Strafmildernd wurden das reumütige Geständnis und die seitherige Unbescholtenheit des Angeklagten berücksichtigt. August Rink in Gießen, ganz erheblich und auch einschlägig vorbestraft, mar beschuldigt, im August an einer Person unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vorgenommen zu haben. Der Anklage- Vertreter beantragte eine Zuchthausstrafe von einem Jahr und neun Monaten und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von drei Jahren. Der Angeklagte wurde zu einer Zucht- bausftrafc von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte wurden ihm auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Dem Angeklagten, auf den die Vorstrafen nicht den erforderlichen Eindruck gemacht haben, wurde eröffnet, daß er im Wiederholungsfälle mit Sicherungsverwahrung zu rechnen habe. Abgabe von Schokolade und Lebkuchen im Bereich des Landesernährungsamtes Hessen. NSG. Mit sofortiger Wirkung sind folgende Mengen an Süßwaren für jeden Verbraucher in der Zeit bis zum 19. November 1939 zum Verkauf freigegeben: 1. 100 Gramm Tafelschokolade ober 125 Gramm Pralinen und berg!. 2. 125 Gramm Lebkuchen aller Art. Es läßt sich nicht ermöglichen, baß der Verbraucher in jeder Verkaufsstelle Schokoladenerzeug- nisse gerade in dem oben angegebenen Verhältnis erhält. Die Verkaufsstelle kann also, je nach den vorhandenen Beständen, die Abgabe vornehmen. Die Abgabe für diesen Zeitpunkt ist einmalig, d. h. jede Nährmittelkarte berechtigt nur zum einmaligen Bezug der vorstehend bezeichneten Mengen. Dieser erfolgt auf die in Kraft befindliche Nährmittelkarte gegen Abstempelung auf der Vorderseite, und zwar für Sckokolwde und Pralinen oben mit dem jeweiligen Zusatz „Sch“ bzw. „P“ und für Lebkuchen auf dem unteren Teil des Stammabschnittes der Nährmittelkarte mit dem Zusatz „L“. Der Einkauf kann von der Verbraucherschaft in allen Schokoladen- und Süßwarengeschäften, Lebensmittelgeschäften, Konditoreien usw. vorgenommen werden. Weitere Freigaben sind auch für die Zeit vom 20. November an vorgesehen, über die noch Veröffentlichungen seitens des Landesernährungsamtes Hessen erfolgen. Die Abgabe von Kakaopulver, Schvkoladenpulver und Kakaopulvermischungen ist noch nicht gestattet. Hierüber erfolgt ebenfalls noch Bekanntgabe des Zeitpunktes und der Menge. Aus der engeren Heimat. 400jähriges Vachaus zu Homberg. —.— Homberg (Ohm), 7. Nov. Unser hiesiges Rathaus kann in diesem Jahre auf eine 400jährige Geschichte zurückblicken. Es wurde im Jahre 1539 erbaut. Das Rathaus ziert ein Glockenturm und ein erkerartiges Ecktürmchen mit einem Spitzhelm. Auf dem Glockenturm befand sich ehemals eine kunstvolle Uhr, die neben dem Zifferblatt einen Mann zeigte, der die Stunden durch Pfeifen angab; auch ein Hahn war angebracht, der sein „Kikeriki" ertönen ließ. Diese Uhr wurde allerdings im Jahre 1612 entfernt. Das stattliche Rathaus enthält zwei Schulsäle, das Bürgermeisteramt mit Sitzungssaal, das Standesamt, die Stadtkasse und einen Raum für die Erhebung staatlicher Gelder. In Webenräumen sind Akten und verschiedene Altertümer aufbewahrt. Für das nächste Jahr ist eine äußere Instandsetzung des alten Gebäudes geplant. Vom Voten Kreuz in Alsfeld. 0 Alsfeld, 7. Nov. Unter der Leitung des Kreisführers des Deutschen Roten Kreuzes im Kreis Alsfeld, Land rat Dr. S ch ö n h a l s , fand im „Deutschen Haus" die Abschlußprüfung der Teilnehmerinnen des Lehrganges zur Erwerbung der Anwartschaft als Helferinnen des Deutschen Roten Kreuzes statt. Der Kursus war von 24 Teilnehmerinnen besucht. Die Prüfung wurde durch den Oberfeldführer des Deutschen Roten Kreuzes, Medizinalrat Dr. I o ck e l (Alsfeld) vorgenommen und bestand in einer mündlichen Prüfung und im praktischen Teil im Anlegen von Verbänden. Der Oberfeldführer gab in einer Ansprache seiner Anerkennung Ausdruck für die befriedigenden Leistungen der Teilnehmerinnen an dem Lehrgang, die nunmehr als Anwärterinnen für die Aufnahme in das'Deutsche Rote Kreuz mit einer sechsmonatigen Probezeit gelten, die ihrer weiteren Ausbildung gewidmet ist. Anschließend fand ein Karne- radschastsabend der Teilnehmerinnen und der Gäste statt, zu dessen Beginn der Kreisführer auf die Wichtigkeit der Arbeit des Deutschen Roten Kreuzes hinwies, zur engen Zusammenarbeit mit den Gliederungen der Partei aufforderte und den Anwärterinnen weiterhin eifrige Arbeit an der Fortsetzung ihrer Ausbildung nahelegte. Die Ansprache schloß' mit einem Treugelöbnis an den Führer. Zu der Veranstaltung waren als Gäste der zuständige Ortsgruppenleiter von Alsfeld, sowie Bürgermeister Dr. Dölsing als Vertreter der Stadt und die Vertreterinnen der örtlichen NS.-Frauenschaft erschienen. Wertvolle Münzen gestohlen. Lpd. Diez, 7. Nov. Aus dem Nassauischen Heimatmuseum im Schloß Oranienstein wurden mehrere wertvolle Münzen gestoh- l e n. Don dem Dieb fehlt bisher jede Spur, und es mangelt auch an Anhaltspunkten dafür, ob der Diebstahl wegen des Metallwertes der Münzen (Gold), oder aus Sammlerleidenschaft erfolgte. Landkreis Gießen. * Leihgestern, 7. Nov. Beim Hantieren mit einem geladenen Flobert, mit dem zwei junge Leute von hier nach Spatzen schießen wollten, entlud sich die Waffe. Das Geschoß drang einem der jungen Männer m den Oberschenkel und verletzte ihn so erheblich, daß die Ueberführung nach Gießen in die Chirurgische Klinik erforderlich wurde. Deutschland—Protektorat Böhmen und Mähren. Das erste Kriegs-Länderspiel auf deutschem Boden führt unsere Fußballer am kommenden Sonntag in der Kampfbahn des Breslauer Hermann-Göring- Sportfeldes mit der Auswahl des Protektorats Böhmen und Mähren zusammen. Dieser Fußballkampf wird weit über die Grenzen des Großdeutschen Reiches hinaus größtes Interesse beanspruchen, treffen doch hier zwei FußballMannschaften aufeinander, die zu den besten der Welt zählen. Wenn man die früheren Begegnungen mit der ehemaligen Tschecho-Slowakei berücksichtigt, dann ist der sonntägige Kampf in Breslau der vierte zwischen beiden Nationen. Zwei deutschen Siegen steht ein tschechischer gegenüber, und das Torverhältnis lautet 5:5. Folgende Spieler werden unter Leitung des jugoslawischen Schiedsrichters Popovic den Kampf aufnehmen: Deutschland: Klodt (Schalke 04); Janes (Fortuna Düsseldorf), Billmann (1. FC. Nürnberg); Kupfer (1. FC. 05 Schweinfurt), Sold (1. FC. Nürnberg), Männer (Hannover 96); Lehner (Schwaben Augsburg), Schön (Dresdner SC.), Conen (Stuttgarter Kickers), Binder, Peffer (beide Rapid Wien). Protektorat: Burkert (Zidenice Brünn); Burger, Stumpf (beide Sparta Prag); Smejkal (SK. Pardubitz), Boucek, Kols'ky (beide Sparta Prag); Riha, Ludl (beide Sparta Prag), Bican, Ko- pecky (beide Slavia Prag), Puc (Viktoria Zizkov). Lehners 50. Länderkamps. Der Augsburger „Schwabe" Ernst Lehner steht am kommenden Sonntag beim Fuhballänderkampf zwischen Deutschland und dem Protektorat Böhmen und Mähren zum 50. Male in der deutschen Nationalmannschaft. Dieses Jubiläum verdient besonders gewürdigt zu werden, weil ja Lehner der erste deutsche Fußballspieler ist, der die ,,50" erreicht hat. Ihm am nächsten kommt vorerst der Düsseldorfer Paul Janes, der in Breslau feinen 47. Länder- kämpf bestreitet. Lehners Laufbahn als Nationalspieler begann im November 1933 in Zürich, wo er mit hals, die Eidgenossen 2:0 zu schlagen. Bis heute spielte der Augsburger dann in 49 Länderkämpfen gegen 20 Nationen. (!) Interessant ist, daß Lehner in allen 49 Kämpfen Rechtsaußen spielte. Lleberraschende Hanvball-Eraebnisie. Wieder einmal hat es im Handball w überraschenden Ergebnissen geführt. Zwei Spiele gingen mit Ergebnissen aus, die man nicht erwartet hatte, der Rest kann vielleicht noch gerade so als in Ordnung gehend empfunden werden. Vollkommen durchgedreht scheint Lützellinden zu sein. Die Mannschaft kann sich einfach nicht mehr zusammenfinden und verliert von Sonntag zu Sonntag. Eine Krise scheint auch wieder einmal Holzheim mitzumachen. Tv. Holzeim—Tv. Hörnsheim 8:12 (4:7) Tv. Lützellinden—Tv. Münclcholzhausen 6:9 (3:4). Tv. Katzenfurt—Tv. Dutenhofen 12:2 1900 Gießen—Tv. Londorf 8:4 (3:2). Die Tatsache, daß Holzheim Ersatz einstellen mußte, gab dem Spiel das Gepräge. Es wurde zwar gekämpft, die Spannung, die sonst derartigen Tressen eigen war, fehlte diesmal vollkommen. Auch technische Feinheiten konnte man nur vom Gegner sehen, der das Spiel denn auch sicher gewann. Lützellinden hatte einen ausgezeichneten Start und lag bald mit 3:1 in Führung. Anstatt diese Führung nun auszubauen, übertraf man sich gegenseitig in der Versiebung schönster Torgelegenheiten. Knapp aber nicht ganz unverdient konnte Münchholzhausen gewinnen. Ersatzgeschwächt und mit teilweise jungen Kräften waren die Dutenhöfer gefahren. Sie kamen deshalb niemals richtig zur Geltung, zumal die Platzbesitzer wieder einmal mehr in großer Form waren. Eine gute Figur gab die junge Mannschaft der Spvgg. 1900 ab. Wenn auch Londorf gegenüber seinen sonstigen Leistungen nicht wiederzuerkennen war, so überraschte doch die Leistung der Platzbesitzer. Iugendfußball der Spielvereinigung 1900. 1. Jugend — Butzbach 1. Jugend 3:0 (1:0). Die Blau-Weißen weilten am Sonntag mit Zwei Mannschaften zu Freundschaftsspielen in Butzbach. Die 1. Jugend traf dabei auf die gleiche Mannschaft, die in der vergangenen Spielzeit im Kampf um die Bannmeisterschaft 8:1 geschlagen wurde. Die Butzbacher griffen mächtig an, aber in der 15. Minute r-UXd—L Deutsche! Für den Sieg ist lllllt) ausschlaggebend, welches Dolf ElliW sich jn her Heimat am festesten 'S' mit der Front verbunden fühlt. Auch hier werden wir Deutsche im Ariegs-WHW. 1939/40 starker sein als unsere Feinde es sich vorzustellen vermögen. fiel doch der erste Treffer für 1900. Trotz ständiger schöner Angriffe blieb es aber zunächst bei dem einen Erfolg. Nach der Pause legten die Butzbacher abermals kräftig los, sie scheiterten aber stets an der Hintermannschaft des Gegners. Schließlich fiel, nachdem schon 30 Minuten der zweiten Halbzeit vergangen waren, das zweite Tor für die Blau- Weißen und wenige Minuten später wurde der Schlußstand hergestellt. Leider schied kurz vor dem Abpfiff der Linksaußen durch eine Kopfverletzung aus. Die Jugend der Blau-Weißen zeigte eine tadellose Leistung und verdiente ein Gesamtlob. Die 2. Jugend trat nur mit 10 Mann an und hatte in der Folge einen schweren Stand. Die spielstarken Butzbacher gingen immer wieder in Führung, wenn den Blau-Weißen der Ausgleich gelungen war. Die 1900er mußten sich dem stärkeren Gegner mit knappem Ergebnis beugen. Die Tabelle der Kuhbail-Vunde. Durch ein technisches Versehen ist gestern die Tabelle der Fußballrunde unrichtig wiedergegeben worden. Wir lassen nachstehend die Tabelle in rich- tiggestellter Form folgen: Die Tabelle. Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. 1900 Gießen 6 5 1 0 11:1 Leihgestern 4 3 1 0 7:1 Großen-Buseck 5 3 1 1 7:3 Steinberg 4 3 0 1 6:2 VsB.-R. Gießen 6 2 2 2 6:6 Steinbach 4 1 0 3 2:6 Londorf 5 1 0 4 2:8 Großen Linden 6 0 1 5 1:11 Krofdorf 2 0 0 2 0:4 Wirtschaft. Derfahrensvereinfachung auf dem Gebiet der Devisenbewirtschaftung. FWD. Der Reichswirtschaftsminister hat das Genehmigungsverfahren bei den Devisenstellen neu geordnet, um eine wesentliche Verkürzung der Bearbeitungsdauer zu erreichen und dem Publikum weitgehende Erleichterungen zu verschaffen. Die Mehrzahl der bei den Devisenstellen gestellten Anträge wird auf Grund der neuen Arbeitsmethoden künftig im Regelfälle Zug um Zug erledigt werden können. Bisher wurden die Devisenanträge bei den Devisenstellen formlos eingereicht. Bei formlos eingereichten Anträaen bestand der Mangel, daß die Antragsteller häufig nicht wußten, welche Angaben für die deoisenrechtliche Bearbeitung bei den Devisenstellen erforderlich waren. Für die am häufigsten oorkommenden Anträge sind deshalb einheitliche Antragsvordrucke eingeführt worden, die bei sämtlichen Banken, Sparkassen und Girozentralen erhältlich sein werden. Aus dem Wortlaut der neuen Antragsvordrucke vermag nunmehr der Antragsteller zu ersehen, welche Angaben zu machen sind, so daß die Devisenstellen im allgemeinen keine Rückfragen wegen formeller Mängel oder Fragen mehr zu halten brauchen. Bei Anträgen, die im Zusammenhang mit dem Außenhandel stehen, empfiehlt es sich, an deutlich sichtbarer Stelle den Vermerk „Antrag detr. Außenhandel" anzubringen. Der Reichswirckschafts* Minister hat angeordnet, daß derartige Anträge von den Devisenstellen unter allen Umständen sofort zu bearbeiten sind. Die Wirtschaftsgruppen Privates Bankgewerbe— Centtalverband des deutschen Bank- und Bankiergewerbes, Sparkassen und öffentlich-rechtliche Kreditinstitute haben die ihnen anaeschlossenen Kreditinstitute aufgefordert, das neue Verfahren weitmöglich zu fördern, da es allen an der Devisenbewirtschaftung Beteiligten große Vorteile bringen wird. Gießener Schlachtviehmarkt. Zu dem gestrigen Gießener Schlachtviehmartt (Schlachtviehverteilungsmarkt) in der Diehversteige- rungshalle Rhein-Ntain in Gießen wurden 4 Ochsen, 6 Bullen, 45 Kühe, 29 Färsen, 67 Kälber, 151 Schweine, 16 Schafe auf getrieben. Preise: Ochsen 24 bis 45, Bullen 33 bis 45,5, Kühe 20 bis 43,5, Färsen 33 bis 44,5, Kälber 44 bis 65, Schafe 35 bis 46 Rpf. je xk kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise bezahlt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,10, bl (135 bis 149,5 kg) 1,10, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,10, c (100 bis 119,5 kg) 1,08, d (unter 100 kg) 1,02, e—f (unter 80 kg) 0,98, gl (fette Specksau en) 1,10, i (Altschneider) 1,10, g2 (andere Sauen) 1,10, h (Eber) 1,06 RM. Marktverlauf: Alles ausverkauft: Vhein-Maiuifche Börse. Ueberwiegend fest. Frankfurt a. M., 7. November. Die Börse blieb sowohl am Aktien- als auch am Rentenmarkt überwiegend fest. Das Geschäft zeigte aber keine Belebung, da der Nachfrage der Kundschaft in den meisten Fällen nicht das entsprechende Angebot gegenüberstand. Am Aktienmarkt hielten sich die Erhöhungen in etwas engeren Grenzen als am Tage zuvor, es überwogen aber Besserungen von 0,25 bis 1 v. H. Stärker erhöht waren Heidelberger Zement mit 135 (133) und am Montanmarkt Rheinstahl mit 131,75 (130,50). Im übrigen befestigten sich u. a. IG.-Färben auf 158,75 (158,25), Felten auf 137,50 (137), Gesfürel auf 133,50 (132,50), Daimler auf 116 (115), AG. für Verkehr auf 110 (109) und Verein. Stahl auf 93,50 (93,40). Nach dem kürzlichen Anstieg etwas leichter waren Demag mit 142,25 (143), Westdeutsche Kaufhof mit 78,25 (78,50) und Lechwerke Augsburg mit 104 (104,50). Hoesch eröffneten mit uno. 108, desgleichen Scheide anstatt mit 208 und Betula mit 150. Arn Rentenmarkt hatten die neuen Reichsbahn-Schätze starke Nachfrage zu 98,75, ferner blieben Pfandbriefe, Ligui-Pfandbriefe und Industrie- Obligationen gesucht. 5 v. H. Mittelstahl 100 (99,75), 5 v. H. Gelsenberg und 5 v. H. Gelsenbenzin je 99,50 (99,25), 4,50 v. H. Main-Kraft 96 (95,65). Von Liqui-Pfandbriefen Meininger 102,40 (102), von Stadt anleih en 4,50 v. H. Heidelberg 95,50 (95). Länderanleihen zeigten z. T. Abweichungen bis 0,25 v. H. Don Auslosungswerten Reichsaltbesitz auf den näherrückenden Ziehungstermin weiter gefragt mit 135,40 (135,25). Steuergutscheine I, Kommunal- Umschuldung und Schuldbuchforderungen lagen wenig verändert. In der zweiten Börsenstunde traten kaum noch Veränderungen ein, das Geschäft blieb beschränkt. Die später festgestellten Kurse zogen zumeist 0,50 bis 1 v. H. an, darüber hinaus stiegen Aschaffenburger Zellstoff auf 95,50 (93,13), Holz mann auf 145 (143,50), Südd. Zucker auf 218 (216). Im Freiverkehr nannte man u. a. Bürbach Kali mit 86, Ellsäss. Bad. Wolle mit 74 bis 76, Katz & Klumpp mit 91,50 bis 93,50 und Rastatter Waggon mit 38 bis 40. TagesgeD 2 (1,75) v. H. .Frankfurter Sck»!achtviehmarkt Frankfurt, 7. Nov. Auftrieb: Kälber 566 (gegen 537 am 31.10.), Hämmek und Schafe 450 (291), Schweine 2123 (1994). Notiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Kälber a) 62 bis 65 (63 bis 65), b) 55 bis 59 (55 bis 59), c)45 bis 50 (46 bis 50), d) 30 bis 40 (32 bis 40). Hämmek a2) 49 bis 51 (49 bis 50), b2) 44 bis 48 (44 bis 47), c) 30 bis 42 (30 bis 42). Schafe a) 40 bis 42 (40 bis 42), b) 36 bis 39 (37 bis 39), c) 20 bis 32 (20 bis 32). Schweine a) 56 (56), bl) 56 (56), b2) 56 (56), c) 55 (55), d) 52 (52), e) 50 (50), Sauen gl) 56 (56). Marktverkauf: Kälber, Hämmek, Schafe und Schweine zugeteilt. jRunbfunfprogramnt Donnerstag, 9. November. 6 Uhr: Landvolk, merk' auf! 6.05: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8.05: Gymnastik. 8.20: Musik am Vormittag. Ausführung: Musikzug der SA.-Gruppe Hessen. 9.30: Schulfunk. 10: Konzert. 11: Konzert. Ausführung: Der Chor und das große Orchester des Reichs- senders Frankfurt. 12: Stadt und Land — Hand in Hand. 12.10: Mittagskonzert. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 14: Nachrichten. 14.15: Immer, wenn Soldaten fingen ... 16: Nachmittagskonzert. 17 bis 17.10: Nachrichten. 18: Ruf ins Land: Berichte vom Landesernährungsamt. 18.15: Konzert. Dazwischen 19.10: Berichte. 19.30: Ansprache zum 9. Nov. 20: Nachrichten. 20.15: Uebertragung vom Deutschlandsender. Dazwischen: 22 bis 22.15: Nachrichten.