Samstag, ^./Sonntag,5. November 1959 189. Jahrgang Nr. 259 Erstes Blatt acht an den Meerengen Die Freundschaft war zusammen mit einer strikten türkischen Neutralität allein eine ausreichende Garantie der türkischen Unabhängigkeit, weil sich in diesem Falle das Lebensinteresse Sowjetrußlands cm den Meerengen mit der türkischen Unabhängigkeit deckte. Eine Türkei aber, die mit England liebäugelt und paktiert, ist für Rußlands Sicherheit im Schwarzen Meer eine Gefahr. Daß es England nicht auf die Unabhängigkeit der Türkei, sondern lediglich auf seine eigenen imperialistischen Ziele ankommt, für die es im geeigneten Augenblick auch unbedenklich die Türkei opfern würde, darüber dürfte man eigentlich auch in der Türkei keine Illusionen haben. Dom Treuhänder der Echwarzmeer-Staaten zum Gendarm Englands. Von unserem Or. He.-Korrespondenien. Panama, wonach der britische Kreuzer ,4) i 5 • p a t ch" am 24. Oktober im Karibischen Meer, also einwandfrei innerhalb der panamerikanischen Sicherheitszone den deutschen Tankdampfer „Elly Friedrich" aufbringen wollte. Die Dampferbesatzung habe jedoch das -Schiff versenkt, bevor es in englische Hände fiel. Der Eindruck eines britischen Schwindels im „Eulmore"-Fall beschränkt sich übrigens keineswegs auf deutsche Kreise. Der bekannte amerikanische Rundfunkkommentator Lowell T b o m a s deutete am Mikrophon gleichfalls die Möglichkeit einer „verbrecherischen Finte" an, während die „New Yorker Staatszeitung" an einen schlechten Scherz eines Kurzwellenamateurs glaubt. Die amerikanische Sicherheitszone. Oer normale Handelsverkehr und amerikanisches Eigentum sollen geschühtwerden Washingtons Nov. (DNB.-Funkspruch.) Das Staatsdepartement gab soeben eine Erklärung aus, die es als Interpretation der Deklaration von Panama bezeichnet. Diese Interpretation klärt jedoch nicht die zahlreichen komplizierten Fragen, die sich bei der Durchführung ergeben werden. Das Staatsdepartement bemerkt daher, daß diese Fragen nur durch Verhandlungen mit den Kriegführenden von Fall zu Fal l geklärt werden könnten. Betont wird, daß eine G e - waltanwendung zur Durchführung der bereits in Kraft befindlichen Sperrzone in der Deklaration keinesfalls vorgesehen sei, daß jedoch die 21 panamerikanischen Länder sich vorbehalten hätten, notfalls in Beratungen über etwaige Maßnahmen einzutreten. Schließlich bemerkt das Staatsdepartement, die Patrouillendienste, biß die t chiedenen I panamerikanischen Länder ausübten, dienten haiwt- I sächlich dem Zweck, festzustellen, was in Len Ge° pariser Sorgen. Eine Klaffe der „privilegierten" im demokratischen Frankreich. — Argumente der französischen Friedenspropaganda. Nichtsdestoweniger schildert die USA.-Presse am Mittwoch in schreiender Aufmachung diesen angeblichen deutschen U-Bootangriff, der sich nacy -Behauptungen einiger Zeitungen sogar innerhalb der amerikanischen Küstengewa ,-r abgespielt haben sollte. „Associated Preß stellt bereits Betrachtungen über die mutmaßlichen polgen einer „Verletzung" der p a n a me ri k a n l-t sachlich scheu Sicherheitszone an, kündigte eine Konsultation mit den iberoamerrka Nischen Ländern an und sagte einen P r o t e st s ch r i 11 in Berlin voraus, sobald der Tatbestand einwandfrei geklärt seit Ausfallend ist, daß die „Cul- more" lediglich die kanadische Funkstation erreicht haben soll, nicht aber die in höchsten Alarm- zirstand versetzten U S A.= © t a t i o n ß n , denen es unmöglich war, eine Funkverbindung mit der „Eul- more" herzustellen(!). In auffallendem Gegensatz zu der gewaltigen Verbreitung, die dieser offenkundige britische Betrug wenige Tage vor der voraussichtlich endgültigen Abstimmung des Kongresses über das Waffenembargo in der gesamten amerikanischen Presse fand, steht ein bisher lediglich auf der Innenseite der New York Dimes" vergrabener Bericht aus wässern der Sperrzone vor sich gehe. Man meint im Staatsdepartement, daß die Deklaration von Panama den normalen Verkehr der a m e - rikanischen Häfen untereinander schützen wolle, nicht aber denHandelsverkehr der Kriegführenden, wenn auch kriegerische Handlungen innerhalb der Sperrzone nach dem ausdrücklichen Wortlaut der Erklärung unbedingt vermieden werden sollen. Sollte daher ein britisches Kriegsschiff ein friedliches deutsches Harchelsschiff innerhalb der Sperrzone versenken, so würde man hier nur dann eingreifen, wenn amerikanische Interessen berührt würden, d.h. wenn es sich bei der Ladung um amerikanisches Eigentum handelt oder wenn britische Kriegsschiffe sich die normalen Schiffahrtsrouten zwischen amerikanischen Häfen als Jagdgründe aussuchen sollten, und chre dortige Anwesenheit eine Gefahr für den normalen amerikanischen Handel darstellen würde. annahmt von Anzeigen für öie Mittagsnummer vis8'/.Uhr des Vormittags Grnnöpretfe für i mm Höste für Anzeigen von 22 mm Brette 7 Rpf.. für Text- anzeigen von70mm Breite 50Rps.,Platzvorschrift nach oorh Dereindg 25°/0 mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheilsanzeigen 5 Rps.,Familienanzei- gen, Bäder», Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Sie hat durch diese einseitige Festlegung dßn Frie- dßnsbestrßbungßn im Südosten ßinßn schweren Schlag versßtzt und diß Kriegsgßfahr nach Südost- europa und Kleinasien getragen. Diß Türkßi hat abßr auch ihre eigene Sicherheit in die höchste Gefahr gebracht, indem sie die kemalistische Tradition aufgab. Eine uneingeschränkte sowjetrussisch-türkische Das Empire und her Krieg. Eine kurze Meldung aus London besagt, daß dort dieser Tage eine Konferenz der britischen Dominions unter Vorsitz Chamberlains zusammen- treten wird. Es ist verständlich, daß der britische Premierminister selbst das Bedürfnis fühlt, den Vertretern der Dominions ins Gewissen zu reden, denn mit ihrer Kriegsbegeisterung ist es vorerst schlecht bestellt. Don Irland, das ja seit der Verfassung des Jahres 1937 ein souveräner unabhängiger Staat ist mit nur noch sehr begrenzten Bindungen an das British Commonwealth of Nations, braucht in diesem Zusammenhang gar nicht gesprochen zu werden, es hat im deutsch-englischen Konflikt seine strikte Neutralität verkündet. Aber auch die beiden überseeischen Dominions, die von jeher als stärkste und zuverlässigste Stützen des Empire-Gedankens galten, Kanaüa und Australien, haben sich zwar schon in den ersten Septembertagen der Kriegserklärung Englands ange- schlossen, aber inzwischen doch der britischen Regierung bereits manche bittere Enttäuschung bereitet. Beide hatten einst im Weltkrieg starke Expeditionskorps herübergeschickt, die an allen Fronten eingesetzt worden waren und namentlich in Nordfrankreich für die Briten eine höchst villkommene Unterstützung gewesen waren. Aber während damals beide überseeischen Dominions geradezu miteinander gewetteifert hatten, sich für Englands Kriegsziel zu schlagen, spürt man heute eine merkliche Zurückhaltung trotz der Versprechen, die beide Dominions in den schon Monate vor Kriegsbeginn mit der englischen Regierung gepflogenen Verhandlungen über eine enge Zusammenarbeit bei der Aufrüstung des Empire gemacht hatten. Jetzt verlegt man sich in Kanada wie Australien auf Ausflüchte, behauptet, noch nicht hinreichend vorbereitet zu sein oder bei der Verteidigung des eigenen Landes keine Truppen entbehren zu können. Englands Hoffnung, daß vor allem die kanadische und australische Luftwaffe durch Entsendung zahlreicher Geschwader die englische Stellung auf dem europäischen Kriegsschauplatz verbessern würden, scheint sich vorerst wenigstens nicht erfüllen zu sollen. Beide Dominions wollen sich vielmehr darauf beschränken, chre Flugzeugindustrien der britischen Aufrüstung zur Verfügung zu stellen, int übrigen aber sich mit der Entsendung von Ausbildungs- und Hilfspersonal von einigen hundert Mann begnügen, was lediglich als eine Geste gewertet werden kann. Noch ärger sieht es mit dem dritten großen überseeischen Dominion, Südafrika, aus. Auch dieses hat sich zwar der britischen Kriegserklärung gegen Deutschland angeschlossen, aber erst nach sehr heftigen innerpolitischen Kämpfen, die noch unvermindert fortdauern und die ganze Problematik des Verhältnisses zwischen Südafrika und dem Empire an den Tag gebracht haben. Das konnte den nicht wundernehmen, der die politische Entwicklung in Südafrika in den beiden letzten Jahrzehnten aufmerksam verfolgt hat. In Südafrika wurde um die Brüssel, 4. Nov. (Europapreß.) Am Freitag hat in Paris ein Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik getagt. Veröffentlicht worden ist darüber nur so viel, daß Ministerprädent D a l a d i e r einen ausführlichen Bericht über die militärische und diplomatische Lage erstattet habe. In Wirklichkeit hoben die Minister, wie aus einer Andeutung in dem rechtsstehenden „Jour" hervor- geht, offenbar schwere Sorgen wegen der im Lande immer deullicher hervortretenden Propaganda zugunsten des Friedens. Der Pariser Abgeordnete Fernand-Laurent hat nämlich im „Jour" die dringende Forderung ausgestellt, die Regierung möge der friedensfreundlichen Propaganda im Lande eines ihrer Hauptargumente entziehen, indem sie die fchlimmsten Mißbräuche auf dem Gebiet der Befreiung besonderste- schützter Personen" vom Heeresdienst beseitige. Die Friedensprovaganda bedient sich nämlich des immer wiederkeyrenden Arguments, daß nur die einfachen Leute ohne Beziehungen zum Heeresdienst einaezogen worden feien, während es eine ganze Klaffe von „Privilegierten" gebe, die nicht mobilisierbar seien. Diese Ungerechtigkeiten müßten jetzt verschwinden. Sie seien vielleicht in bet Verwirrung der Mobilmachung zu e llschulbiaen gewesen, hätten aber jetzt im dritten Monat des Krieges keine Berechtigung mehr. Man wolle die Presse zwingen, über diese Mißbräuche nicht zu schreiben. Aber ein solches Stillschweigen würde auf die Dauer schwere Konsequenzen haben. Die Regierung Daladier ist offensichtlich im Zusammenhang mit dem russischen Problem Einwirkungen von den verschiedensten Seiten ausgesetzt. Die Rechte greift Moskau nach wie vor auf das schärfste an. Aber die Pariser Regierung kann sich ebenso wenig wie London entscheiden, den diplomatischen Kontakt mit Moskau abzubrechen. Rechtsstehende Blätter, wie die „Action Franxaise", nehmen das mit einem leichten Bedauern hin, fah- Verbrecherische Stimmungsmache des britischen Lügenministeriums in den Vereinigten Staaten. Deutscher Llbootangriff in amerikanischer Sicherheitszone frei erfunden. Bukarest, 2. November. Der Bosporus und die Dardanellen sind um» kämpft, soweit die Menschheitsgeschichte zurückreicht. Eines der ältesten und schönsten literarischen Denkmäler, Homers „Ilias", die den Kampf der Griechen um die kleinasiatische Dardanellen-Festung Troja besingt, verdanken wir diesem Konflikt. In der Neuzeit hat mit dem Verfall des Osmanischen Reiches immer mehr England fein Interesse an diesen Zufahrtsstraßen zum südösllichen Europa und zum nördlichen Vorderasien bekundet. Das mußte Zwangsläufig zu einem Zusammenprall mit Jem russischen Reich führen, das a l s größter Anliegerstaat des Schwarten Meeres ein Interesse daran hatte, daß seine Schiffe im Ernstfall nicht in diesem Meeresbecken wie in einer Mausefalle gefangen saßen. Englands Interesse an den Meerengen ist lediglich imperialistischer Natur; es hat keine Besitzungen, zu denen der Weg durch die Dardanellen und den Bosporus Berlin, 3. November. (DNV.) Die von Neuler gemeldete angebllche Torpedierung des britischen Dampfers „Lulmore" durch ein deutsches U-Boot innerhalb der amerikanischen Neutralitätszone ist frei erfunden, wie hierzu amtlich feslgeflellt wird, befindet sich in der Nähe der als Bersenkungsort angegebenen Position kein deutsches U-Boot. Ls ist offensichtlich, daß durch diese unverschämte Falschmeldung das britische Lügenministerium die amerikanische Oef- fentlichkeit in antideutschem Sinne zube- eluflussen versucht. * Wenn nicht alles täuscht, «ist man durch den SOS= Ruf des britischen Frachters „Eulmore", der am Mittwoch angeblich innerhalb der auf der panamerikanischen Konferenz kürzlich beschlossenen Sicher- heitszone von einem U-Boot angegriffen wurde, einem neuen verbrecherischen britischen Propagandaschwindel auf die Spur gekommen. Denn schon am nächsten Morgen erhielt die amerikanische Küstenwache „Washington" von der kanadischen Funkstation Eamperoown die Mitteilung, daß sich die „Eulmore"" nach einem dort aufgefangenen Funkspruch in Sicherheit befinde. Die amerikanische Küstenwache und die USA.» Marine, die am Mittwoch mit zahlreichen Schien und Flugzeugen Beistand l-eisten wollten, stellten daraufhin die Suche sofort ein. Bezeichnender Weise 'berichtete der ULA.-Kutter „Bibb", der wenige Stunden nach dem SOS-Ruf an der von der „Cul- more" angegebenen Stelle eintraf, daß er w eher das Schiff noch die Mannschaft gesich- t e t habe. Lrlchemi täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Dte Illustrierte Viel,euer Familienblätter Heimat im Bild Die Scholl» Momttr-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer (ßeroali 8ernsprechanschlüffe unter Sammeinummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Gießet» poslschecktonto: Sranffurt am Main 11686 führt. - Der englisch-russische Kampf um die Meerengen i hat die Weltpolitik des vorigen Jahrhunderts ent- i scheidend mitbestimmt. Die Türkei, damals der ! »Lranke Mann am Bosporus", war nur ein Spiel- , ball der Interessen dieser beiden Großmächte. Im i Weltkrieg hat das B ü n d ni s m.i t D e u t s ch- < land und die tatkräftige Hilfe der deutschen Waf- । fen die Türkei davor bewahrt, Schauplatz des eng- i lisch-russischen Kampfes um die Vorherrschaft zu : werden. Es ist den Engländern nicht gelungen, sich auf der Halbinsel Gallipoli festzusetzen. Nachdem i Kriege hetzte England nach dem bewährten i Muster, andere für sich kämpfen und bluten zu ! lassen, Griechenland auf die erschöpfte Türkei. I Aber S o w j e t ru ß l a n d, Italien und damals I sogar Frankreich unterstützten die Türkei, sodaß die englischen Pläne scheiterten. Im Jahre 1921 , schloß die Türkei vor den Drohungen einer gemeinsamen Intervention der Alliierten ein Bündnis mit Sowjetrußland, das ihr endlich Ruhe vor England verschaffte. Kemal Atatürk, der Begründer der modernen Türkei, hat aus den üblen Erfahrungen der Vergangenheit und der geographischen Lage seines Landes die Erkenntnis gezogen, daß die Türkei nur durch strikte Neutralität^ und ein f r e u n d n a ch b a r l i ch e s Verhältnis zu Sowjetrußland ihre Unabhängigkeit bewahren kann. Er hat 1928 einen Vertrag mitIta- lien geschloffen, 1930 die schweren Differenzen mit Griechenland in großzügiger Weise beigelegt und schließlich 1933 den Balkanbundpakt unterzeichnet. 1936 gewinnt die Türkei durch den Vertrag von Montreux wieder die volle Souveränität über die Meerengen, die ihr durch die Friedensverträge genommen worden war. Sie darf die Meerengen b e f e st i g e n , sowie sie für fremde Kriegsschiffe und Petroleumtransporte sperren, und zwar nicht nur im Falle eines bewaffneten Konfliktes, in den sie hineingezogen wird, sondern bereits bei „allememer Kriegsgefahr". Nach dem Tode Atatürks versucht E n g l a n b in der Rolle des uneigennützigen Beschützers der Türkei vor der angeblichen italienischen Gefahr, die vom Dodekanes her drohe, feine verlorene Position an den Dardanellen zurückzugewinnen. Die Frucht dieser Bemühungen ist der vor einigen Tagen unterzeichnete englisch - französtsch-türkische Beistandspakt. Das darin enthaltene Versprechen des gegenseitigen Beistandes wird sehr verwässert durch die Klausel, daß der Vertrag nicht anwendbar fei, wenn die Türkei dadurch in die Gefahr eines Krieges mit Sowjetrußland tapie. Wesentlicher als der sichtbare Inhalt des Vertrages sind der Zeitpunkt und die Umstände, unter denen er zustand ege kommen ist. Die Tatsache, daß die Türkei einen solchen Vertrag mit zwei kriegführenden Staaten abschließt, ist an sich schon ein Bruch der Neutralität. Man kann nicht neutral bleiben, wenn man mit der einen Kriegspartei einen Beistandspakt schließt, dessen Sinn dadurch verdeutlicht wird, daß bereits die hohen Militärs — General Weygand, General W a v e l und Marschall T s ch a k m a k — über die praktische Durchführung verhandeln. Vielmehr hat sich die Türkei, wie die „Jswestija" ganz richtig schreibt, von England und Frankreich in den Bannkreis des Krieges ziehen lassen. Wohlweislich hat sich die Sowjetunion, die doch auch ihre berechtigten Interessen an den Meerengen hat, von dieser neuen Konstellation fernge- halten. Mit Recht hat der sowjetrussische Vertreter auf der Konferenz von Montreux seinerzeit den Standpunkt vertreten, daß das Schwarze Meer nur die Interessensphäre der Anliegerstaaten fei und daß daher kein sachliches Interesse an der von England aus imperalistischen Motiven geforderten freien Durchfahrt für feine Kriegsschiffe bestehe. Auch ein führender bulgarischer Politiker, der frühere Gesandte Bulgariens in Paris, Stainoff, hat das dieser Tage in der Zeitung „Duma" mit anderen Worten gesagt und praktisch ist man in allen übrigen Anliegerstaaten nicht viel anderer Meinung. Die Türkei hätte die schöne Aufgabe gehabt, als unparteiischer Treuhänder an den Dardanellen der stärkste Repräsentant jenes Neutrali- tätsblockes zu sein, den alle südosteuropäische Staaten erstreben. Statt dessen ist sie — trotz Oesterreich, Tschecho-Slowakei und Polen — auf ein verschwommenes und praktisch nicht zu verwirklichendes Beistandsoersprechen der Westmächte hereingefallen. ren aber gleichzeitig fort, gegen Moskau scharf- zumachen. Dabei ist es ganz offensichtlich, daß es sie französische Regierung mit Rücksicht auf die in weiten Kreisen des eigenen Volkes, besonders bei der kommunistischen Anhängerschaft herrschenden Stimmung gar nicht wagen kann, den verhängnisvollen Schritt eines Abbruches der Beziehungen zu Rußland zu unternehmen. Probefahrt des italienischen Panzerschiffes »Vittorio Veneto". Rom, 3. Nov. (Europapreß.) Das Panzerschiff „Vittorio Deneto", das erste 35 000-Tonnen-Schlacht- schiff der italienischen Kriegsmarine, hat auf einer zweitägigen Kreuzfahrt im Adriatischen Meer seine Abnahmefahrt glänzend bestanden. Das Panzerschiff, dessen Maschinen 130 000 PS entwickeln können, erreichte dabei eine Geschwindigkeit von 30 Knoten in der Stunde. Die Blätter, weisen darauf hin, daß alle Teile des Schiffes, vom kleinsten Bolzen bis zu den gewaltigen in Dreiertürmen ungeordneten Geschützen, italienischer Herkunft sind. Die „Vittorio Veneto" ist das erste einer Reihe von vier Panzerschiffen von 35 000 Tonnen. Ein Schwesterschiff, die „Litto- r i o", wird in den ersten Monaten des Jahres 1940 in Dienst gestellt werden. Ein zweites Schwesterschiff, die „I m p e r o", soll am kommenden Sonntag vom Stapel laufen. Das vierte Panzerschiff dieser Klasse, die „R o m a", geht ebenfalls der Fertigstellung auf der Werft entgegen. Die Schiffe dieser Klasse sind 230 Meter lang und 31 Meter breit. Die Artillerie besteht aus 9 in Drillingstürmen angeordneten Geschützen von 38,1 Zentimeter, 12 Geschützen von 15,2 Zentimeter und 12 Geschützen von 9 Zentimeter. Außerdem ist noch jedes Schiff mit zwanzig leichten Schnellfeuerkanonen und vier Wasserflugzeugen ausgerüstet. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Drnfi und Verlag: vrühlsche Unlverfilätsdruckerei R. Lange in Lietzen. 8christieilung und Seschäslrftelle: Lchulftratze 7 Washington, 3. Nov. (DNB.) Das Reprä- entantenhaus lehnte mit 242 gegen 181 Stimmen den Antrag des Abgeordneten Shanley, das Waffenembargo beizubehalten, ab. Die endgültige Fassung der Neutralitätsoorlage ist Freitag vormittag vom Konferenzausschuß beider Häuser ausgearbeitet worden und soll zur Schlußabstimmung dem Senat und Repräsentantenhaus vorgelegt werden. In der oorausgegangenen Debatte erinnerte der demokratische Abgeordnete S w e e n l e y aus Ohio daran, er habe bereits während des USA.-Besuches des englischen Königspaares im Frühsommer dieses als er st en Agenten des Weltkrieges bezeichnet. Der Abgeordnete fragte dann weiter ironisch, ob es christlich von feiten der Amerikaner ei, Giftgas zur Tötung ihrer christlichen Brüder in Europa zu verkaufen. Sweenley erklärte, die Bibel, die Roosevelt vom englischen Königspaar als Geschenk erhielt, sei dasselbe schöne Buch, das von den Missionaren von geringerem Ruf als König Georg einfältigen Eingeborenen in Afrika geschenkt werde, denn, so rief Swenley aus, „B i b e l und Flagge sind bisher immer dem britischen Händler vorangegangen". Sweeley richtete sodann vor dem versammelten Repräsentantenhaus und den dicht besetzten Galerien ein Gebet an Gott, „die Bereinigten Staaten vom Schicksal der 60 oder 70 von Frankreich und England eroberten Gebiete zu erlösen" und er schloß mit den Worten: „O Herr, erlöse uns von Lord Lothian. unserem neuen britischen Botschafter, der mehr Zeit im Staatsdepartement verbringt, als irgendein anderes Mitglied des Diplomatischen Korps." Die Forderung des demokratischen Abgeordneten Mac Cormack, die amerikanische Regierung solle den Botschafter Steinhardt wegen Molotows Kritik an Roosevelt aus Moskau abberufen, verursachte im Repräsentantenhaus ebenfalls eine erregte Debatte. Mac Cormack nannte die Molo- tow-Rede einen „ernsten Bruch des Völkerrechtes" und einen „Versuch einer Beeinflussung der amerikanischen Oeffentlichkeit", was mit der Abberufung des Botschafters beantwortet werden müßte(!). Mac Cormack, dessen Aeußerungen vereinzelten Beifall auslösten, wurde sofort von dem Republikaner Fish stark angegriffen, der Mac Cor- macks Rede die k r i e g e r i s ch st e Kongreß- rede seit Amerikas Eintritt in den Krieg im Jahre 1917 nannte. Falls die Vereinigten Staaten entschlossen seien, aus religiösen Beweggründen den Für ein freies Südafrika. ..Außerhalb der englischen Staatengemeinschaft." Amsterdam, 3. Nov. (DNB.) Der wegen seiner Gegnerschaft gegen die Teilnahme Südafrikas am Krieg gegen Deutschland zurückgetretene Ministerpräsident H e r tz o g hat eine sehr scharfe Rede gegen den fetzigen Ministerpräsidenten S m u t s und dessen Anhänger gehalten. Er erklärte, die britischen Chauvinisten hätten offenbar in der Südafrikanischen Union noch immer zu viel Macht. Er werde nicht eher ruhen, bis d e r letzte englische Chauvinist aus der Union vertrieben sei. Hertzog hat ferner die Möglichkeit einer baldigen Zusammenarbeit mit Dr. M a l a n , dem Führer der burischen Nationalisten, durchblicken lassen. Dr. Malan erklärte, daß. da es nicht möglich gewesen sei, sich aus dem Kriege herauszuhalten, Südafrika sich jetzt außerhalb der englischen Staatengemeinschaft st e l l e n müsse. Chamberlains Wochenbericht. Verlust einer Anzahl Handelsschiffe nicht mehr zu bestreiten. London, 3. Nov. (DNB) Im Rahmen seines wöchentlichen Lageberichtes vor dem Unterhaus konnte Chamberlain nicht umhin, zuzugeben, daß England, wie er sich ausdrückte, „eine Anzahl" Handelsschiffe verloren habe. Für den internen Propagandagebrauch operierte Chamberlain mit der seltsamen und durchsichtigen Be- hauptunq, daß die Rede Molotows in Berlin „einige Enttäuschung ausgelöst" habe. Er erklärte sich ober anderseits nicht bereit, auf die Ausführungen Molotows über die Kriegsziele der Alliierten einzugehen. Im übrigen sprach der englische Ministerpräsident von dem Kneg gegen Deutschland als einer edlen (!) Sache, in deren Rahmen die Dienstkräfte des Kolonialreiches in der wirksamsten Weise benutzt werden würden. Die Mitglieder des Oberhauses konnten aus dem Munde von Lord Halifax erneut hören, daß das Vertrauen in die gegenwärtige deutsche Regierung zerstört und diese deshalb allein verpflichtet sei, die Bemühungen zur Wiederherstellung des zer- störten Vertrauens zu unternehmen. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen benutzte der Außenminister die bekannten heuchlerischen Phrasen von der „Verletzung der europäischen Ordnung, der Vernichtung der Freiheit" und der „Schaffung einer besieren Ordnung auf der Grundlage der Gleichberechtigung", die ia, wie erinnerlich, seit langem das ausschließliche Patent der britischen Regierung So wird auch dieser soziale und politische Gegensatz von England geschickt ausgenutzt, um alles in der Hand zu behalten. Das Weißbuch, das der britische Dizekönig Lord Linlithgow soeben über seine letzten Verhandlungen veröffentlicht hat, zeigt die gleiche Taktik. Es kann einen „bemerkenswerten Unterschied der indischen Ansichten" feststellen, denn der Vizekönig hat sich wohlweislich Vertreter der verschiedensten Parteien, Kasten, Religionsgemeinschaften und Interessentengruppen zu Verhandlungspartnern ausgesucht, um sie gegeneinander auszuspielen. Im übrigen wiederholt das Weißbuch die leeren Versprechungen, mit denen die britische Regierung schon immer die Inder hingehalten hat. Die Kongreßpartei ist freilich die Antwort nicht schuldig geblieben. Nehru, der Präsident des Allindischen Kongresses, hat erklärt: „Wenn das Englands letztes Wort ist, gehen unsere Wege auseinander." In den Regierungen der acht wichtiasten Provinzen des Reiches sind die Minister als Protest gegen die „Scheinverfassung" zurückgetreten. Aber die Kongreß-Partei selber ist in verschiedene “'Xl-------- *"r—ri—von denen die Anhänger Oie Waffenaussuhrsperre ausgehoben Abstimmung im amerikanischen Repräsentantenhaus. poden Smuts mit der Neubildung des Kabinetts. Er hat dann die von England geforderte Kriegserklärung erlassen. Aber der Widerstand gegen seine ganz im britischen Fahrwasser segelnde Politik ist ständig im Wachsen, so daß er schon, um der Oppo- sition den Wind aus den Segeln zu nehmen, die Absicht bestreiten mußte, ein südafrikanisches Erpe- ditionskorps nach Europa zu entsenden. Die An-, . Hänger Hertzogs gehen nun mit den Nationalisten Richtungen gespalten, bu.. uc.^t u.. Dr. Malans zusammen. Letzterer hatte zwar bei den Gandhis die Gewalt ablehnen und durch passiven lebten Wahlen nur 29 Parlamentssitze erobern tön» Widerstand und wirtschaftlichen Boykott zum Ziel 13 Stimmen verfügt, ist anzunehmen, daß das Zu- ammengehen von Hertzog und Malan der nationalistischen Opposition einen starken Austrieb geben wird, zumal ihr Programm einer unbedingten Neutralität Südafrikas zusammen mit dem Verlangen nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit auf die burische Bevölkerung größte Anziehungskraft ausüben wird. So wird England vermutlich an seinem Dominion Südafrika nicht viel Freude erleben. Auch aus Indien kommen für England wenig tröstliche Nachrichten. Man Hoffl wohl in London immer noch, mit dem alten, in langen Jahrzehnten erprobten und immer wieder bewährten Rezept des Gegeneinanderausspielens der völkischen, religiösen und politischen Gegensätze Indien bei der Stange zu halten und dafür zu sorgen, daß mit Hilfe einiger billiger Zugeständnisse doch im Grunde alles beim alten bleibt. Aber über die Entsendung indi- chek Truppen nach Singapore, Aden, Aegypten und dem Irak ist es schon zwischen den anglo-indischen Behörden und dem indischen Nationalkongreß zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen, und es ieht keineswegs so aus, als ob sich Indien auch riesmal wieder wie im Weltkrieg mit der Lockspeise vertrösten lassen wollte, daß nach dem Kriege über die Gewährung des Dominionstatuts ernstlich gesprochen werden müsse. Die indische Kongreßpartei hat schon jetzt erklärt, daß sich Indien damit nicht begnügen könne und von England eine unzweideutige Erklärung gefordert, Indien die volle Unabhängigkeit zu gewähren. Die Partei hat ferner in einer Entschließung ihre Mitglieder aufgefordert, alles zu tun, Üm eine Einbeziehung Indiens, feiner Menschen- und Materialquellen in den gegenwärtigen Konflikt zu verhindern. Einen ähnlichen Standpunkt hat auch die muselmanische Ahrar-Partei auf ihrem Kongreß in Bombay eingenommen. Aber England vertraut weiter auf die Uneinigkeit des indischen Volkes, die Zersplitterung dieses riesigen Dolkskörpers von 340 Millionen Seelen in Hunderte von Rassen und Stämmen, die mehr als 50 verschiedene Sprachen und weit mehr als zweihundert verschiedene Dialekte sprechen, in über zweitausend scharf voneinander geschiedenen Kasten auseinanderfallen und, in unzählige Religionen und Sekten gespalten, sich mit beispielloser Heftigkeit bekämpfen. England hat es immer glänzend verstanden. besonders den religiösen Gegensatz zwischen den 240 Millionen Hindus und den 78 Millionen Mohamedanern wachzuhalten, wie es auch gewußt hat, den eingeborenen Fürsten, den Maharadschas, klar zu machen, daß ihre eigene Macht mit der englischen Oberherrschaft steht und fällt, denn die radikalen Anh^zger der nationalistischen Kongreßpartei sind keineswegs geneigt, das indische Volk künftighin in einem unabhängigen Indien anstelle für Englands Macht und Größe etwa für das mühelose Wohlleben einiger 70 eingeborener Potentaten frohnen zu lassen. England neigen, während Iawaharlal N e h r u für ein unabhängiges Indien kämpft und die bengalischen Radikalen unter Subash Chandra Bose auch die revolutionäre Tat nicht scheuen. Man wird sich unter diesen Umständen und angesichts dieser höchst verwickelten und schwer übersehbaren Verhältnisse vor übereilten und allzu optimistischen Prophezeiungen hüten müssen, aber soviel darf wohl mit einigem Recht gesagt werden, so leicht wie vor 25 Jahren im Weltkrieg wird es England diesmal nickt mehr fallen, seine Herrschaft in Indien auf- recytzuerhalten und die ungeheuren wirtschaftlichen Reserven Indiens, das nicht umsonst die Perle in der britischen Krone genannt wird, seinen Kriegszwecken dienstbar zu machen. Wenn England nicht sehr vorsichtig operiert, treibt es Indien zum offenen Konflikt mit all seinen unabsehbaren Folgen. So wird der Krieg gegen Deutschland, den eine verblendete, nur ihren fanatischen Haß kennende Clique in England verbrecherisch und leichtfertig vom Zaun gebrochen hat, zu einer Kraftprobe für das britische Empire, dessen Bestand man in London skrupellos aufs Spiel gesetzt hat. Dr. Fr. W. Lange. lernen Magien nur z.« varianieniaiitje ciuucm tun- ouö . - - -