ssr. 230 Erstes Blatt 189. Jahrgang Montag,2. Oktober 1939 krschetnl täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Nit 4 Beilagen RM.1.95 ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen «on einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe mter Sammelnummer 2251 Inschrift für Drahtnach« lichten: Anzeiger Gietzea Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitätsdruckerei R. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8*/,Uhrdes Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für le^t» anzeigen von70mm Breit« 50Npf.,Platzvorschrist nach vorh.Dereinbg.25°/, mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts» u. behördliche AnzeigenbRpf. Mengenabschlüsse Staffel 8 Graf Liano beim Führer. Mehrstündige Aussprache mit dem italienischen Außenminister in der neuen Reichskanzlei. Unser Bild zeigt den italienischen Außenminister und den Reichsaußenminister beim Abschreiten der Front-der Ehrenkompanie der Leibstandarte „Adolf Hitler" auf dem Bahnhof. — (Scherl-M.) W * W W 4* - W WM ß *. ' ' ' ■&' • SM « "iy?- ■ - k - ja. ■Ä M - D ' j-7 WWHMl’ r L ABN 3 OMMtzM U, W i W Berlin, 1.Off. (DHB.) Am Sonntagnachmittag 1135 Uhr traf der Königlich-Italienische IHiniffer Aeußeren, Graf Liano, in Begleitung des bbinettschefs, Gesandten A n f u s o, und der her- ft» Marchese Lanza d'Ajeta und Marchese Hcrieni auf Einladung der Reichsregierung in Berlin ein. Die italienischen Gäste wurden auf ben Anhalter Bahnhof von dem Reichsminister des Hiswärtigen, von Ribbentrop, begrübt. Hifeer dem Königlich-Italienischen Botschafter in Birlin, Aff olico, waren Mitglieder der Reichs- ttjierung 'unb der Reichsleitung der HSDAP. fo- weitere führende Persönlichkeiten von Staat, 1> der slowakische Gesandte in Berlin, (Ternaf, ^»gefunden. Had) der herzlichen Begrüßung schritt Außen- Mister Graf Liano mit Reichsaußenminister von 8ii»bentrop und Botschafter Attolico die Front der vor.dem Bahnhof angetretenen Ehrenkompanie der ^-Leibstandarfe „Adolf Hitler" ab. Anschließend begab sich der THiniffer, begleitet vom Reichsminister des Auswärtigen, in das Gästehaus der Reichsregierung, wo Graf Liano von dem Lhef der Präsidialkanzlei des Führers, Staatsminister M e i fett e r, empfangen wurde. Die Bevölkerung Berlins, die in dichten Reihen die Anfahrtssirafeen säumte, bereitete Graf Liano einen spontan begeisterten Empfang. Der Führer empfing am Sonntagnachmittag um 18.30 Uhr in der neuen Reichskanzlei Graf Liano zu einer mehrstündigen Aussprache, die in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen von Ribbentrop stattfand. Kurz nach feiner Ankunft hatte sich Graf Liano zu einer Unterredung mit Reichsminister von Ribbentrop ins Auswärtige Amt begeben. Am Abend gab Reichsaufeenminister von Ribbentrop zu Ehren des italienischen Gastes ein Essen im kleinsten Kreise in feinem Haus in Dahlem. Wie Warschau kapitulierte. Kne junge Darmstädterin begrüßt als erste die einrückenden deutschen Soldaten. I ÄNB. Vor Warschau, 30. September. (PK- Wnderbericht.) Am Dienstag, dem 26. September, । nhdem unsere Artillerie und unsere Flugzeuge pi- Festung Warschau sturmreif ge- Wiossen hatten und als die deutsche Jnfan- ll' e ihren Angriff vortrug, kamen zwei pol - «Ai che Parlamentäre zu dem deutschen Ir ntabschnitt wesMch von Wesola. Beide Offiziere, ait unter Führung des Stadtpräsidenten . ’ Men alle drei eine" äußerst fanatffä>e Haltung, . p ihr ganzes Auftreten bewies, daß die lerdende tiHorschauer Bevölkerung nicht nur von den mmta- I p^en Maßnahmen der polnischen Generalität, sondern auch von den haßerfüllten Maßregeln des Warschauer Stadtpräsidenten beeinflußt worden war. Die deutschen Bedingungen wurden der soldatischen Verteidigung der Polen gerecht. Die Polen werden ihre Waffen selbst an festgelegten Stellen niederlcgen innerhalb der Bannmeile und von Freitag, dem 29. ab 20 Uhr in geschlossenen Verbänden waffenlos das Stadtgebiet verlassen. Sie werden zunächst in Lager übergeführt und von dort in ihre Heimat entlassen. Die deutschen Truppen ziehen am Montag, dem 2. Oktober, in Warschau ein. Die Polen erkannten die Großzügigkeit der Art der deutschen Verhandlung und der deutschen lieber« qabebedingungen vorbehaltlos an. Selbstverständlich dauert bis zum Einzug der deutschen Truppen die Waffenruhe an. Die polnischen Offiziere, die alle drei fliehend deutsch sprachen, gaben unumwunden die ungeheure Wirkung der letzten deutschen Angriffe aus der Lust und vom Lande aus zu; der zuletzt entstehende Wassermangel habe übrigens den ^Die^deut'sche Armee hat sofort in ausreichender Weise große Mengen an Medikamenten, Pflege- und Sanitätspersonal zur Pflege der Verwundeten zur Verfügung gestellt. Längs des Weichseldammes bei zu der großen Brücke von Praga nach Warschau, führt eine asphaltierte Str°ße über der einmal helle Bogenlampen gebrannt haben. Zur Rechten liegen Landhäuser und Holzhauschen für den Sommer und stattliche Villen, zur Linken am Weichselufer stehen Bootshäuser, Gartenhauschen und kleine Lokale. Auf dem Strom schaukeln Segel- iackten Ruderboote und kleine Sportfahrzeuge. Dicht hinter der deutschen Stellung, die eingebettet in einen Zweiten Damm liegt, in einem spitzen Winkel auf den hohen Weichseldamm zu beginnt das Niemandsland. Noch vor wenigen Stunden fast, kann man sagen, sind hier die deutschen Spähtrupps vorgegangen. Sie bekamen aus den Villen, aus den Bootsschuppen in der Dunkelheit vom Rücken her immer wieder heftiges Feuer. Jetzt schweigen die Geschütze. Die Bilder des Krieges säumen den Weg: Zerschossenes Gemäuer, tote Pferde, verlassene Grabenstellungen. Polnische Straßenbarrikaden sind bereits weggeräumt. Der Villenort, der sich nun ausbreitet, heißt Sachfenwinkel. Aus einer Seitenstraße kommt eine junge Frau auf uns zugelaufen. „Mutter! Mutter!" ruft sie. „Mutter, ich lebe. Das find deutsche Soldaten." Es ist eine junge deutsche Frau, die aus Darmstadt stammt, und die ihr Schicksal hierher verschlagen hat. Sie streichelt das Uniformtuch eines Kameraden. Sie lacht und weint in einem. Sie will unsere Hamen wissen. „Ich glaube, die Hamen in meinem Leben nicht zu vergessen" — sagt sie. „Die ersten drei Deutschen, die ich treffe.“ Sie hatte mit Polen zusammen in einem Keller gesessen. Aber die polnische Polizei hatte sie, die Deutsche, herausholen wollen. Immer neue Flucht, immer neue Verfolgung, immer neue Verkleidung. Ihre Mutter sitzt in Darmstadt, aber die junge Frau spricht zu ihr, als ob sie jetzt hier auf der Straße von Praga nach Warschau stände. „Mutter, ich bin gerettet“ — ruft sie. „Deutsche Soldaten..." Sie legt wie eine Schwester den Arm um einen der Kameraden. Klar und deutlich liegt Warschau in der Herbstsonne. Die riesigen Rauchschwaden, die wie unheimliche Dämonen über der Stabt lagen, sind verweht. Die Brände scheinen gelöscht zu sein. Man kann über die Weichsel hinüber jede Einzelheit erkennen. Drüben am Uferkai gehen ein paar Menschen. Waffenlose polnische Soldaten treten auf uns zu. Es sind viele Volksdeutsche unter ihnen, die sich wie Kinder freuen, daß der Kampf vorbei ist und daß sie mit Deutschen reden dürfen. Aber auch die polnischen Soldaten verwünschen den Krieg, dessen Grund — wie sie sagen — sie nie verstanden hätten. Jetzt grüßen sie tief, jetzt lächeln sie zutraulich. Jetzt haben sie keinen anderen Gedanken, als hinter dem Pflug zu gehen, der in der Heimat auf sie wartet. Es wäre sehr viel über ihre Haltung zu sagen; aber über den geschlagenen Gegner soll man schweigen ... Immer neue Gruppen von Zivilisten tauchen auf. Jetzt sicht man auch Mitglieder der reicheren Klasse, die man bisher im ganzen Lande bei der armen, leidenden Bevölkerung niemals getroffen hat. Trotz des Ernstes der Stunde sind die Frauen gepudert und aufgemacht, und sehr viele tragen kostbare P^ze. Es sind Szenen, die sich nun entwickeln, die über die Kraft der Schilderung gehen. Das Auge sieht diese Gruppen zwischen den Ruinen, diese polnischen Menschen, die gerade für das Unglück Polens vor der Geschichte allerletzte Schuld haben... Am Abend liegen wir in einem kleinen Sommerhaus in einem guten Quartier. Wir finden ein polnisches Witzblatt, das noch keine vier Wochen alt ist, und nehmen es in die Hand. Der Führer rast auf einem durchgehenden Pferbe in dieser Zeichnung in einen Abgrund, aus dem polnische Bajonette ragen... Das Bild kennzeichnet die Geistesverfassung, aus der zwangsläufig sich das historische Geschehen entwickelte. Die Kanonen schweigen in ganz Polen. Ihr Krieg ist aus. Dor uns liegt die offene Weichselbrücke nach Warschau. Man vergißt alles, man dankt dem deutschen Soldaten, man dankt dem Glück, daß man sein Leben marschierend und siegend hat miterleben dürfen in der großen Kameradschaft der kämpfenden Bataillone. Weiße Fahnen wehen hie und da in der Ferne; überall umgestürzte Geschütze. Jeder, der diese Stadt erlebt, denkt an die Gewalt des Schicksals und Größe des Willens, die der Führer trägt. Rolf Brandt. Großdeutschland flaggt zum Einzug der deutschen Truppen in Warschau. Berlin, 30. Sept. (DHB.) Der Reichsrninister des Innern und der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda geben bekannt: Aus Anlaß des bevorstehenden Einzuges der deutschen Truppen in Warschau flaggen auf An- orbnungbesFührersalleöffentlichen Gebäude im ganzen Reich für b i e Dauer von sieben lagen. Der Tag des Einmarsches wird durch Presse und Rundfunk bekanntgegeben. Die Bevölkerung wird aufgefordert, in gleicher Weise zu flaggen. Oer Chef der Zivilverwaltung für die ehemals polnischen Gebiete. Posen, 30. Sept. (DNB.) Reichsminister Dr. Frank trat seine Tätigkeit als Oberster Verwaltungschef für die gesamten ehemals polnischen Gebiete an. Aus diesem Anlaß fand im Posener Schloß eine konstitutionierende Sitzung statt, auf der Reichsrninister Dr. Frank von dem Militärbefehlshaber Posen, General der Artillerie von Bockelberg, und dem Ehef der Zivilverwaltung Deutsch-russische Wirtschaftsplanung. Das Schreiben des russischen Volkskommissars Molotow an Reichsaußenminister v o n Ribbentrop spricht von dem Willen, jenen Warenaustausch zwischen Deutschland und UdSSR, zu erreichen, dessen Höchstmaß in der Vergangenheit als erstrebenswert hingestellt wird. Der in den letzten Jahren sehr zusammengeschrumpfte Handel Deutschlands mit Rußland nahm einst die erste Stelle in der deutschen Handelsbilanz ein. Während Rußland vor 1914 besonders Getreide, Holz, Gänse und Petroleum lieferte, verschob sich in der Nachkriegszeit die Struktur der Rohstofflieferungen. Der russische Anteil an unserer Gesamteinfuhr betrug z. B. im Jahre 1935 bei Manganerzen 58 v. H., Flachs, Flachswerg 75, Papierholz 51, Grubenholz 51, gesägtes Nadelholz 35, Faßholz 31, Benzin 12, Leuchtöl 27, Gasöl, Treiböl 19, Schmieröl 18 und Asbest 58 v. H. Dazu lieferte Rußland rund ein Viertel unserer Gesamteinfuhr an Rauchwaren, also Pelzen. Die Rohstoffeinfuhr aus Rußland ist in ihrer Zusammensetzung naturgemäß gewissen Schwankungen unterworfen — so ist Rußland jetzt auch ein Ausfuhrland für turkestanische Baumwolle geworden —, obgleich das auch in der neuesten von Posen, Sena^präsident Greiser, begrüßt wurde. In einer Ansprache kennzeichnete Dr. Frank die Bedeutung der in diesen Gebieten zu lösenden Aufgaben, an denen Soldaten und Zioilverwaltung in engster Verbindung als Beauftragte des Führers- zu wirken haben werden. Das Größte an dieser Aufgabe sei, deutschen Bauern diesen Boden nunmehr unwiderruflich zu sichern und aus ihm nie wieder eine umstrittene Mark werden zu lassen. Einberufung des Deutschen Reichstages. B e r l i n, 30. Sept. DHB. teilt mit: Der Deutsche Reichstag wird in der kommenden Woche zur Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung einberufen. 14 feindliche Flugzeuge abgefchoffen. Der Sonntagsbericht des Oberkommandos. Berlin, 1.Oft. (DHB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: 3m O ft en geht die Hebergabe von Warschau und Modlin planmäßig vor sich. 3m Westen war das feindliche Artlt- leriefeuer in der Gegend von Saarbrücken stärker. Sonst keine nennenswerte Kampftätigkeit. 3m Westen wurden zwei französische und zehn britische Flugzeuge, über der Hordsee zwei britische Kampfflugzeuge zum Absturz gebracht. Wir verloren zwei Flugzeuge. * 3nsgesamt haben die Franzosen im Lause des er st en Kriegsmonats 3 7 Flugzeuge durch die deutsche 3agb- unb Flakabwehr verloren. Die Lnglänber verloren im Luftkampf unb burch Flakbeschuß 27 Flugzeuge. Avßerbem wurden, wie schon gemeldet, der Flugzeugträger „(£ourage o u s“ torpediert und ein zweiter Flugzeugträger durch einen schweren Bombentreffer 5 e r ff ö r t. Es steht fest, daß die Zahl der hierbei vernichteten Flugzeuge die angegebene Verlustziffer um ein Vielfaches überschreitet. Ein belgisches Kriedensmanisest. Berlin, 2. Okt. (DNB.) Eine Anzahl namhafter belgischer Publizisten veröfentlicht ein Manifest, in dem die Beendigung des Kriegszustandes in Europa gefordert wird. In dem Aufruf treten die Verfasser, unter denen sich bekannte belgische Journalisten befinden, die keineswegs als Freunde Deutschlands gelten, nachdrücklich für absolute Neutralität Belgiens ein. Sie erklären u. a., daß der Krieg in erster Linie ein Kampf des britischen Imperialismus fei und daß Polen für England nur einen Vorwand darstellte. Die Fortsetzung des Krieges wist?de zur allgemeinen Zerstörung und Vernichtung aller Werte führen. Niemand würde Vorteile daraus ziehen. Für Frankreich würde der Krieg die Zerstörung der Volkskraft auf hundert Jahre hinaus bedeuten. Versuche Englands und Frankreichs, das nationalsozialistische Regime in Deuffchland zu beseitigen, seien aussichts- I o s. Deuffchland könne sich ebenso wie England und Frankreich ein Regime nach eigenem Belieben zulegen. Es heißt in dem Manifest dann weiter, daß es unsinnig wäre, die Versailer Bestimmungen aufrecht erhalten zu wollen, wenn man nicht mehr die Machtmittel dazu habe. Die deutsche Vorherrschaft in Mittel- und Osteuropa bedeute f ü r Westeuropa keine unmittelbare Gefahr. Die Unterzeichner, unter denen sich die Journalisten Poulet, Herten, Avermaete, Colin und Mar- tier befinden, erklären zum Schluß, daß sie allen die Hand reichen, die in anderen Ländern mitarbeiten wollen, den Krieg zu beenden. BW-! Hans Thoma. Damann. werden. frei der Metallgehalt dieser vier Lager wird auf 190 000 Tonnen geschätzt — genügten nicht. Es mußte ein» geführt werden. Auch die Einfuhr an Zinn ist angestiegen. In den letzten Jahren nun haben die Russen auf Grund ihrer vorzüglichen Vorkommen an Bauxit auch mit der Fabrikation von Aluminium begonnen. Im Jahre 1936 wurden 200 000 Tonnen Bauxit mit einem Tonerdegehalt von 25 bis 60 v. H. gefördert. Die Alumimumpro- duktion stieg von 400 Tonnen im Jahre 1932 auf 49 000 Tonnen im Jahre 1938. Es sind große Anlagen im Bau, damit das von der russischen Regierung gesteckte Ziel, die Aluminiumerzeugung auf über 200 000 Tonnen im Jahr zu steigern, erreicht werden kann. t. tung in guter Lösung und schöner Harmonie ausklin- gen läßt, fügte Herr Schewe seiner sprachlichen auch noch eine ausgezeichnete mimische Leistung cn Dr. Hannes Razum sprach als „Stimme Gottes in schöner Ruhe und edlem Maß. Die Zuhönr dankten durch ihre große Aufmerksamkeit, so Önj es des lauten Beifalls nicht bedurfte. Heinrich Ludwig Neuner. Gießener Gtadttheater. Benatzky: „Bezauberndes Fräulein". Nach der Ueberfteigerung her Operette Mir aus- stattungsüberladenen Revue führt die natürliche Reaktion hin zu einem intimen Stil, der die Sinne des Hörers vom Schaugepränge wieder auf die menschlichen Werte und auf das Jnnenerleden leitet. Der weitgespannte Rahmen vergangener Jahre engt und schließt sich, statt oberflächlichem Spiel und Geplänkel nun ein Zug zur Verinnerlichung. Das bezeugt Ralph Benatzkys „Bezauberndes Fräulei n", das ließ in der vorigen Spielzeit „Meine Schwester und ich" erkennen. Es ist nicht mchr ein bloßes Erfüllen von traditionellen Operettenformen je nach dem Zettalter der Modelaune unterworfen, hier wird ein Lustspiel in der Beleuchtung durch die Musik wirkungsvoll intensiviert, ja, man könnte fast sagen, gemütvoll vertieft. Das „Bezaubernde Fräulein" ist eigentlich ein Störenfried schlimmster Sorte, der. infolge eines Autounfalls zu nachtschlafender Zett' in die langweilige Einsamkeit eines Landlebens hinein schneit, überall Verwirrung ansttftet, die hohen vorgesetzten Behörden des heiratsfähigen Hausherrn mit er- frifchend-ehrlicher Offenherzigkeit in Schrecken fetzt, emnört, und die Rollen zum Schluß so weit vertauscht, daß sie durch ihren reichen „Papa" um die " Hand des „fristlos entlassenen Trottels" bitten läßt. Diesem „bezaubernden Fräulein" steht em Hexenmeister mit allbereitem „Hokuspokus-Fidibus" gegenüber, der mit Sicherheit Schicksal zu spielen vermag. Die äußerst spannend auf geh ernte Handlung läßt bis zu den letzten Szenen hin nicht die Lösung des verwickelt geschürzten Knotens erkennen. Ständig wechselnde Situationen ziehen fast in atemloser Folge am Hörer vorüber, ihn immer mehr spannend auf den endgültigen Ausgang des Abenteuers. Stets aber greift die Musik als erfindungsreicher Helfer den Faden auf und leitet ihn in der bestimmten Richtung weiter mit seiner Pointierung, ironisierend die Situation aufhellend, stellenweise grotest Überhöhend, dann aber wieder Einblicke ins Innere gebend, gefühlvoll, aber nie sentimental in der Haltung. So fließen hier Spiel und Musik, Geschehen auf der Bühne und im Orchester zur Nächtlicher Ausmarsch der Warschauer Besahungsarmee Zeitschriften. — „D i e S i r e n e", die deutsche ßuftfdjW Illustrierte, behandelt die neuen Ausführung ^ bestirnmungen zum Luftschutzgesetz, die angeben,,v behelfsmäßige Luftschutzräume herzurichten fllft Ausführliche Texte und 21 große klare Zeichnung enthalten alles Wissenswerte über Splitter- Gasschutz-Sicherungen, Deckenabsteifungen, Notall gänge, Notaborte, Inneneinrichtung und vieles M dere. Außerdem bringt das Heft noch intercfW Bilder-Artikel aus dem praktischen Luftschutz '1Pi die Mitteilungen des Reichsluftschutzbuttdes, Stattsttk des Deutschen Reiches über die eingeführten russischen Rohstoffe noch nicht zum Ausdruck kommt. Die gesamte Einfuhr dieses Jahres aus Rußland bestand zu 95 v. H. aus wichtigen Rohstoffen, u. a. aus Holz, Mineralöl, Flachs, Manganerzen, Manganoeroxyd, Baumwolle (eine Million RM), Baumwollabfällen (eine Million RM), ferner aus Borsten, Pferdehaaren, Bettfedern, Därmen, Fetten und Deien. Wertmäßig wurde der Höchststand des deutsch-russischen Güteraustausches nach dem Weltkrieg im Jahre 1931 erreicht, als Deutschland den ersten Platz im Außenhandel der Sowjetunion einnahm und der Wert der gegen» seitig getauschten Waren sich auf 1,2 Milliarden RM. belief. Noch bettächtlicher war der Handel vor dem Welttrieg. Im Jahre 1913 beispielsweise war Deutschland mit 1,4 Milliarden Mark (-- 48 v. H.) an der russischen Einfuhr beteiligt, während es für 1 Millarde RM. Waren (= 30 v. H. der russischen Hochschulnachrichten. Es sind ernannt worden: zum o. Professor in N Rechtswissenschaftlichen Fakultät der UniversW Frankfurt a. M. Dr. Adalbert von Unruh; w Honorarprofessoren der Pros. Dr. med. habil. EkW Bracht, der Generalarzt Dr. med. Kittel un» der Ministerialdirektor Dr. Friedrich Weber; außerplanmäßigen Professoren der Dozent Dr. med. habil. Carlo Brentano in Berlin, für das W Vergleichende Musikwissenschaft der Dr. phil. habt Wilhelm Heinitz in Hamburg, der Dozent vn Anton Schotterer in Wien, für das Fach Pff fit der Dr. phil. habil. Otto von Auwers Berlin, für das Fach Psychologie und Pädagogik W Dr. phil. habil. Christian E ck l e, Tübingen, Mfl Dozenten für Mathematik der Dr. sc. nat. haM Martin Eichler, Göttingen, für Syphilidoloffi und Dermatologie der Dr. med. habil. Richer Geiger, Wien, für Schweißtechnik der Dr.-IA habil. Karl Iurczyk, Aachen, für Wirtschaft Staatswissenschaften der Dr. rer. pol. habil. Schiller, Kiel, für Völkerrecht, Staatsrecht inj Rechtsphilosophie der Dr. jur. habil. Hans-Ul rilj Scupin, Breslau, für Zoologie und Ornitholoss! der Dr. phil. habil. Richard Stadie, G reif sw für das Fach Alte Geschichte der Dr. phil. ha.y Erich Swoboda, Wien, für Archäologie W Dr. phil. habil. Joseph Wiesner, Königsv«^ Ausfuhr) aus Rußland bezog. Die Sowjetunion ist eines der reichsten Rohstoffländerder Erde. Sie verfügt über das größte einheitliche Wirtschaftsgebiet. Mit großem Eifer haben die Russen nach dem Weltkrieg systematisch ihre Erde auf Bodenschätze untersucht. Eine Anzahl neuer Forschungsanstalten wurde gegründet und die wissenschaftliche Arbeit der Geologen über das ganze Land organisiert. Die Folgen haben sich dann auch bald eingestellt. Stein- ko h l e hat Rußland etwa 1443 Milliarden Tonnen, von denen mchr als Neunzehntel im asiatischen Rußland liegen. Die bedeutendsten Becken sind das Donezbecken in der Ukraine und das Kusnezker Rentier. Auch d ie Stein kohlen f örderung in Karaganda hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Insgesamt wurde die Produktion von 1913 bis 1938 von 28 Millionen auf 126,2 Millionen Tonnen allein an Steinkohle gehoben. Da der Eigenbedarf im Lande wegen der fortschreitenden Industrialisierung dauernd steigt, ist in der letzten Zett der Export an Steinkohle jurütfgegangen. Auch Braunkohle gibt es in Rußland. Man schätzt die Vorräte auf 176 Millionen Tonnen. Die Förderung an Braunkohle ist in hen letzten Jahren wesentlich gestiegen, obwohl sie im Verhältnis gur Steinkohle keine große Rolle spielt. Vielleicht wurden die größeren Anstrengungen zur Produktionssteigerung in der Erd ölwirt- schäft gemacht. Nach russischen Schätzungen sollen die Erdölvorräte der Sowjetunion etwa 32 v. H. der Welterdölvorräte, also 3 Milliarden Tonnen betragen. Don 9,2 Millionen Tonnen im Jahre 1913 stieg die Produktion auf nicht ganz 30 Millionen Tonnen im Jahre 1938. Mit dem Export liegt es hier ähnlich wie bei der Steinkohle. Er ist mit Rücksicht auf das starke Anwachsen des eigenen Bedarfs rückläufig. Eisenerzvorräte gibt es in der Sowjetunion etwa 11 Milliarden Tonnen. Davon sind 2,5 Milliarde dem Abbau unmittelbar zugänglich. Die Regierung legt auf die Förderung der Eisen- und Stahlerzeugung den allergrößten Wert. Von 1913 bis 1937 ist die Eisenerzförderung von 9,2 Millionen Tonnen auf 31 Millionen Tonnen gestiegen. Heute ist die Sowjetunion zum zweitgrößten Roheisenproduzenten Europas geworden. Durch Errichtung neuer großer Montanwerke wurde diese Steigerung möglich. Die wichtigsten dieser sogenannten Kombinate befinden sich in Magntto- gorsk (Ural), in Stalinsk (Becken von Kusnezk), Nishny Tagil (Ural), Kriwoj Rog und in Mariupol (Ukraine). Bekannt ist das M a n g a n m o n o p o l Rußlands. Die Förderung betrug im Jahre 1937 3,2 Millionen Tonnen gegen 1,2 Millionen Tonnen im Jahre 1913. 1937 wurden 1,3 Millionen Tonnen ausgeführt. Die Menge des produzierten Kupfers genügt allerdings nicht, um den Bedarf des Landes zu decken. Jedoch ist auch dieser Zweig der Bergbauproduktion vorangetrieben worden. Im Jahre 1938 wurden 104 500 Tonnen Hüttenkupfer und Elektrolysekupfer gewonnen. Das ist doppelt so viel wie 1913. Auch Blei müssen die Russen einführen, obwohl die Produktion seit 1913 von 1400 Tonnen auf 78 000 Tonnen im Jahre 1938 gestiegen ist. Mit ihrem Zink kommen die Russen aus. Auch bei diesem Metall ist eine außerordentliche Steigerung der Produktion eingetreten. Sie wurde seit 1913 fast verachtfacht. 1938 wurden 84 000 Tonnen Zink gefördert. Trotz der Selbstversorgungsbestrebungen mußte Nickel eingeführt werden. Die vier großen Vorkommen im Mittelural, im Südural, auf der Halbinsel Kola, sowie in Sibirien — Programm „mit allen Mitteln" beiderseits gefördert werden wird. Oer lettische Außenminister reist nach Moskau. Riga, 1. Oktober. (DNB.) Das lettische Mini- sterkabtnett gelangte nach einem Bericht des Außenministers über die in Moskau abgeschlossenen Verträge zwischen der Sowjetunion und E st l a n b und der Sowjetunion und Deutschland zu der Schlußfolgerung, daß diese Verträge so weitgehende Veränderungen in die politische Lage Osteuropas gebracht haben, daß auch Lettland sich zu einer Prüfung feiner außenpolitischen Beziehungen veranlaßt sieht. In erster Linie müsse eine zusätzliche Kläruna feiner Beziehungen zur Sowjetunion erzielt werden. Zu diesem Zweck beauftragte die Regierung den lettischen Außenminister M unters, sich unverzüglich nach Moskau zu begeben, um in unmittelbare Fühlung mit der Sowjetregierung zu treten. Der lettische Außenminister wird bereits am Montag aus Riga abreisen. Einheit zusammen, geknüpft, verflochten und verwebt, eins das andere fördernd und bestimmend. ♦ Mit elastischem Schwung lieh Harry G r ü n e k e (Spielleitung) das Ganze in Geschlossenheit vor dem Zuschauer abrollen, fein ausgestimmt in Haltung, Gebärde, Tanz und Wort. Ein ständiges Fließen, ja, oft ein Aufeinanderprallen und Sich- überftürzen der Situationen. Als Mittelpunkt beherrschte Friedel Fornallaz als bezauberndes Fräulein das Geschehen. Charmant, keck, selbstbewußt, mit fast dreist erscheinender unbekümmerter Offenheit und Furchlofigkeit, prickelnd und bezaubernd reizvoll im wahrsten Sinne des Wortes, im Singen, Spielen und Tanzen. Ihr gegenüber im beabsichtigten, schärfsten Kontrast war Walter Erler der typische pflichtgefesselte Beamte, nahe dran vor dienstlicher Gewissenhaftigkeit sein Inneres zu ersticken. Weich bis zur Schwärmerei, aber doch ebenso schnell enttäuscht und niedergeschlagen, durch die Fäden des „bezaubernden Fräuleins" schicksalhaft bestimmt. Aeußerst dezent in der Darstellung, aber ebenso treffend in der Charakterisierung des Couplets; eine feingeistige Durchdringung des Komischen. Im Gegensatz zu Pauls Passivität war Harry G r ü n e k e der zukunftshoffende Optimist als Maler Felix. Aktivität, pulsierendes Leben, Frische, offene Männlichkeit, fitucttionsficher im Herausstellen bestimmender Höhepunkte; ein wahrer Hexenmeister in seinem treffsicheren Couplet. Ein Typus der Verknöcherung, ein Tyrann in seinem Kreise war Hilmar Manders als Mini- sterictt-Direktor, dem sich seine Tochter, die viel an- geschwärmte Luise (Irene D u i l l) sonst meist der Ohnmacht nahe, zum Schluß doch zu entziehen vermag. Weibliches Verstehen mar Elisabeth Leip- recht als Rosette eigen. Hans Albert S ch e w e gab den geprellten Liebhaber; und Gustav BI e Y als „Papa" der „bezaubernden Annette" zeigte in seinem Spiel einen alten Herrn, der dem Leben und der Gelegenheit immer noch genußfähig und bereit gegenübersteht. Ein Hausmädchen in trefflicher Mschung von Sentimentalität und sicherem Zugreifen mar Anneliese Garbe als Julie; ihr trat Siegfried Lowitz als Chauffeur ebenbürtig zur Seite. Die Bühnenbilder hatte Karl Löffler eng auf die Handlung abgestimmt; Heinz M a r k w a r d t , gab der vielfältigen melodischen Kraft der Musik , Eindringlichkeit, Charakter und Impuls. Lebhafter , Beifall, oft auf offener Szene, bestätigte das freu» : 1 bige Mitgehen des Hauses. Dr. Hermann Hering. DNB. ..., 1. Okt. (P. K.) Es ist ganz anders als man es gewohnt ist. Eine tiefe Stille ruht über dem Kampfgelände um Warschau. Kein Abschuß gellt hinter den erstürmten Dörfern, keine Granate zischt mehr über die Köpfe, fein Maschinengewehr rattert seinen Streifen ab, keine Kolonne jagt mit Munition oder Ablösung über die Straßen. Das alles ist nun vorbei. An den Straßenkreuzungen dicht vor der Stadt stehen deutsche Truppen mitten auf dem Damm, in Wlochy, einer Stadt, die schon in dem modernen mehrstöckigen Häuserbau Vorortcharakter verrät, und über die seit langem die deutsche Artillerie hinwegschoß, spiett die Regimentsmusik auf dem Hof eines Häuserblocks, und rings herum haben sich die dort einquartierten Truppen zu frontkriegswidrigen Schwärmen gesammelt. Am stadtwärts gelegenen Ausgang des Ortes sind viele Jnfanteriegeländewagen auf gefahren, die Gefangenenzüge begleiten sollen. Am abendlichen Himmel schimmert zur Stadt noch ein Rosaschein in den Wolken, der von den schwelenden Brandstellen des Bombardements herrührt. Gleich hinter Wlochy, wenn man zum Vorort Wola fahren will, beginnt der KranzderKampfstellungen; Gräben und Einschlagstrichter haben das Feld zu beiden Setten der Straße tief zerfurcht. Die Straße selbst sperrt zwischen Häusertrümmern noch eine Verteidigungslinie der Polen, eine Barrikade aus Bäumen und Wagen, dahinter ein ganz tiefer Graben, der unbesetzt und jetzt ruhig herankommen läßt. Den ganzen Tag schon sind kleine Abteiun- gen der Besatzungstruppen, die nach der Waffenstreckung nun Warschau verlassen, durch Wlochy zum Sammelplatz in Prustkow hindurchgezogen. Jetzt, als es ganz dunkel geworden ist, hört man von Norden her ununterbrochen Marschtritt und Räderrollen. Es kommt eine große Truppeneinheit her Polen in Stärke von etwa 20 000 Mann. Gleich bei der Spitze fällt uns etwas auf. Das sind nicht die abgekämpften demoralisierten Soldaten der Weichseldivisionen, die wir bei Sanniki und Lowicz sahen. Sie gehen stramm und auftecht im Geschwindschritt an uns vorbei, jede Kolonne geführt von den eigenen Offizieren und in tadelloser Marschordnung, neues Koppelzeug um die Lenden und an der Seite den unentbehrlichen Brotbeutel. Mancher trägt um Kopf oder Arm noch einen frischen Verband. Jeder Kolonne folgen einige politische Militär- autos — so etwas kannten wir bisher überhaupt noch nicht — und die üblichen Dagagewagen mit den Pan je-Pferdchen. Unsere Begleitposten sind nur spärlich zugeteilt. An der Seite fahren Krafträder mit Hellen Scheinwerfern vorüber und warten dann wieder an einem Feldweg. Dazwischen fahren einige Kübelwagen mit daschinengewehren daraus oder auch Panzerwagen Marschau erwacht wieder zu Leben und Arbeit. DNB. 1. Okt. (P.K.) Tiefster Friede ist an der vordersten Front eingekehrt. Wo vor wenigen Stunden noch erbittert um jeden Fußbreit Boden gekämpft wurde, stehen sich heute die deutschen und die polnischen Truppen frei gegenüber. Alle haben sie feste Biwaks bezogen, und nur wenige Wachmannschaften zeugen davon, daß hier eigentlich die Kanrpflinie verlaufen ist. Die A u f r ä u - mungsarbeiten auf polnischer Sette haben mit Macht eingesetzt Ueoerall sind die Polen dabei, Straßensperren zu beseitigen. Wo gestern noch um» gestürzte Straßenbahnwagen, tiefe Erdwälle und Baumsperren den Vormarsch der deutschen Truppen versperren sollten, ist jetzt die Straße wieder befahrbar gemacht. Nur noch große Mengen Laub und kleine Erdwälle zeugen von den Hindernissen. Schwierigkeiten machen noch die zahlreichen Bodenminenfelder, die nut weißen Fackeln oder Bändern abgegrenzt sind. Vorsichtig werden die Minen ausgegraben oder aber auch mit Schüssen zur Explosion gebracht. Da und dort werden auch schon Trichter, die von Artilleriegeschossen herrühren, zugeschüttet, und zahlreiche Straßenbahndrähte, die gestern noch auf den Boden herab- hingen und eine Gefahr für den Verkehr bildeten, sind bereits entfernt. Auch das Leben der Einwohnerschaft beginnt bereits normale Bahnen anzunehmen. Der Rücksttom der Flüchtigen ist fast schon beendet, und sie sind in ihre Wohnungen zurückgekehrt. Manches Heim, besonders die Häuser, die in der Nähe der Forts liegen, haben bei der Beschießung etwas abbekommen. Was wir aber so oft festgestellt haben, ist die Tatsache, daß zahlreiche Wohnungen von auf dem Rückwege befindlichen Polen ausgeplündert worden sind. Wüst hat es in manchen ausgesehen, und was mitnehmenswert schien, haben polnische Räuber mitgehen heißen. Am 2. Oktober 1839, vor hundert Jahren, wurde der große deutsche Maler Hans T h o m a in Bernau im Schwarzwald geboren. Die heutige Nummer der Gießener Familienblätter ist der Per- sönlichkeit und dem Werk Hans Thomas gewidmet (Scherl-M.) mit Scheinwerfern. — Aber im Grunde ist nichts mehr zu besorgen. Die polnischen Soldaten haben den nutzlosen Krieg gründlich satt. Sie haben aus dem ganzen Lande, in der Hauptstadt ihrer Milttär- pflicht genügt oder sind dahin bei der Mobilmachung eingezogen worden. Als es ihrer Heimat unter deutschem Schutz nicht schlecht ging, trieb es sie nach Hause. In Warschau gab es zuletzt, wie sie erzählten, weder Licht noch Wasser noch Brot. Und dabei setzte das deutsche Artilleriefeuer ihnen übel zu. Es ist ihnen jetzt leichter ums Herz, wo der ungleiche Kampf heendet ist. Sie können hocherhobenen Hauptes in die Internierungslager gehen. Denn sie haben sich zäh gehalten, und von dort wird bald für sie der Weg zu ihrer Familie Zahlreiche Geschäfte haben wieder ihren Betrieb ausgenommen, abgesehen von den jüdischen, deren Inhaber fast allesamt das Weite gesucht haben. Hier und da, vor allem vor Lebensmittelgeschäften, sehen wir lange Schlangen von Warten- den. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die normale Versorgung der Stadt mit Nahrungsgütem sichergestellt sein wird, jedoch arbeiten alle beteiligten Stellen jetzt schon mit Nachdruck, diese Zeit |o stark wie möglich zu verkürzen. Mlschastliche Zusammenarbeit des amerikanischen Kontinent«. Panama, 1. Okt. (DNB.) Die Vollkonferenz des Panamerikanischen Kongresses nahm die Vorschläge des Wirtschaftsausschusses an, deren Sinn engste Zusammenarbeit der 21 Staaten ist, um die augenblicklichen Notstände zu beseitigen und für gedeihliche Weiterentwicklung des Wirtschaftslebens zu sorgen. Dies ist der von den Vereinigten Staaten vorgeschlagene, von anderen Staaten ergänzte Plan, der Amerika krisenfest machen soll. Da der Plan nur durchführbar ist, wenn das reiche Nordamerika die Mittel dazu liefert, so mar es ver- stündlich, daß man den Vereinigten Staaten hierin die Führung beließ. Entsprechend den Vorschlägen des Ausschusses wird ein interamerikanischer Finanz- und Wirt, schafts aus schuß mit je einem Vertreter btt 21 Staaten eingesetzt, der nicht später als am 15. November in Washington zusammentreten soll. Er wird folgende Fragen zu prüfen haben: Interamerikanische Zahlungsbilanz, Erleichterungen für Waren- und Geldaustausch, Beratung;- stelle für Ein- und Ausfuhr und alle damit zusammenhängenden Fragen, Neuregelung des Warenaustausches zur Beseitigung bet Schwierigkeiten, die die Lage in Europa durch den Verlust der Absatzgebiete hervorrief. Dieser Warenverkehr soll zwischen den amerikanischen Ländern nach liberalen Grundsätzen des internationalen Han- bei5 organisiert werden. Ferner werden erwogen: Ermäßigung von Zöllen und Abbau von Einfuhrlizenzen, Schaffung eines interamerikanischen Fi« nanzinstitutes zur Zusammenarbeit von Schotz' minifterien und Zentralbanken, Förderung der Einfuhr amerikanischer Produkte und Studium der Möglichkeit neue Industrien zu begründen. lieber die anderen Punkte des Programms, H die Erhaltung des Friedens und die Wahrung tir Neutralität, liegen noch keine Resolutionen vor. Der russische Eigenbedarf an allen diesen Stoffen ist enorm gestiegen, obwohl die weiterverarbeitende und Fertigwarenindustrie mit dem sprunghaften Wachstum der Schwerindustrie nicht Schritt gehalten hat. Trotz, dieses starken russischen Eigenverbrauches ergibt sich die uneingeschränkte Möglichkeit der vollen Erfüllung des skizzierten Wirtschaftsprogramms um fo mehr, als nach der bezeichnenden Formulierung dieses Wirtfchasts- „Ackermann von Böhmen.'' Erste Morgenfeier 1939/40. Die erste Morgenfeier des Stadttheaters in der Spielzeit 1939/40 brachte gestern vor erfreulich vielen Zuhörern eine Dichtung aus dem Jahre 1400 zu Gehör, die dem Saazer Stadtschreiber Johannes von T e p l zugeschrieben ist und die zu ihrer Zeit berühmt, viel gelobt, viel gedruckt und gelesen wurde und uns auch heute noch etwas zu sagen hat. Der „Ackermann von Böhmen" ist ein Streitgespräch, fast eine Gerichtsverhandlung vor Gottes Throkl und eine leidenschaftliche unb wortgewaltige Anklage eines Ackermannes gegen den Tod. Dem Bauern ist, so heißt es in der Urschrift, „gar ein schöne Frowe, fin gemahl gestorben", und er will sich nicht bereitfinden, den Tod der edlen Frau hinzu- nehmen, sondern er rechtet mit dem Too, schilt ihn einen Würger und Mörder, eine ungerechte Gewalt, die unvernünftig wüte in Gottes Garten. Und der Tod hat Mühe, sich zu rechtfertigen und dem Ackermann verständlich zu machen, daß sein Wirken zutiefst sinnvoll sei, und er, der Tod „ein Werkzeug sei in Gottes Hand". In lebhaftem Gegensatz stehen die Worte desAckermannes als ein Bekenntnis zu Leben, Schönheit und Menschenwürde den feindseligen Worten des Todes gegenüber, der allen Sinn des Lebens darin sehen will, daß es ihm anheimfalle. Bis Gott, als Richter angerufen, den Tod in seine Schranken weist, ihn an seine Herrschaft als an ein Leben erinnert, und dem Ackermann wissen läßt, daß „jeder Mensch dem Tode sein Leben, den Leib der Erde und die Seele Gott zu geben schuldig ist". — Das Ganze bedeutet in der geistigen Haltung schon eine Abkehr vom christlichen Mystizismus, eine erste Ablösung aus der geistigen Enge des Mittelalters. An der Dichtung, die in dieser Morgenfeier nur in erheblicher Kürzung wiedergegeben werden konnte, ist die Sprache hinreißend, bilderreich und voll inneren Lebens. Der Ueberfetzer, ^>er das Wert aus der mittelalterlichen in unsere Sprache übertrug, nennt die Dichtung in ihrer Urschrift „ein Denkmal deutscher Sprache, wie es in Vers und Prosa vor Luther sich nicht wiederfindet". Das Streitgespräch stellte an die Darstellung des Ackermanns (Hans Albert S ch e w e) und des Todes (Viktor v. G s ch m e i d l e r) erhebliche Anforderungen insbesondere im Hinblick auf den sprachlichen Ausdruck und den nahezu einstündigen Dialog. Im Schlußgebet, dem Höhepunkt, der die Dich- »urM, Bernau iT immer ta der gewid^ fen^ chen, berm cht hch- ' MWul» ®arterm| 'n, bis t«| ungsMM He beteifjng ich 3eüio|. UM H ‘olltonfnqg n die Sh deren 6 -1 ist, umtr, n und st» schaftM-!« Der Führer dankt seinen Soldaten. Empfang der Oberbefehlshaber in der Reichskanzlei. MW r Dr ? M i - M >>.zW ' f« - M.1 > •ff \ ÄS MK * f ffM '' - W Unfer Bild ßeigt Don Itnfs: Generaloberst von Bock, Generaloberst List, General der Artillerie von Küchler, General der Infanterie «Vast 0 w l tz, General der Artillerie Halder, General der Artillerie von Kluge, General der Artillerie von Reichenau, Großadmiral Dr. h. c. R a eder, Generaladmiral Albrecht, Konteradmiral Schniewind, Generaloberst Milch, General der Flieger Kesselring, General der Flieger Löhr und Generalmajor Jeschonnek. — (Presse-Jllustrattonen-Hoffmann-M.) Berlin, 30. SepL (DBB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht empfing aus Unlatz des Abschlusses des polnischen Feldzuges am Samstagnachmiltag in der Neuen Reichskanzlei die ür die Operationen verantwortlichen Oberbefehlshaber: Generalfeldmarschall Göring ils Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Großadmiral Dr.ltc. Raeber als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine. Generaloberst v. B r a u ch i t f ch als Oberbefehlshaber des Heeres. Generaloberst Keitel als Lhef des Oberkommandos der Wehrmacht. Außerdem vom Heere: Generaloberst v. Rund- ßedt, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd. Seneraloberst von Bock, Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord, Generaloberst List, Oberbefehlshaber der 14. Armee. General der Infanterie B l a s k 0 w i h, Oberbefehlshaber der S. Armee. Geieral der Artillerie von Kluge, Oberbefehlshaber der 4. Armee, General der Artillerie von Reichenau, Oberbefehlshaber der 10. Armee, General der Artillerie von Kluge, Oberbefehlshaber der 3. Armee, General der Artillerie Halder, Chef des Generalstabes des Heeres. Bon der Luftwaffe: Generaloberst Milch, General der Flieger Kesselring, Oberbefehlshaber der Luftflotte 1, General der Flieger Löhr, Oberbefehlshaber der Luftflotte 4. Generalmajor 3 e - fchonnek, Chef des Generalstabes der Luftwaffe. Bon der Kriegsmarine: Generaladmiral Albrecht, Gruppenbefehlshaber Ost, Konteradmiral S ch n i e w i n d, Chef des Stabes der Seekriegs- leitung. Der Führer brachte den versammelten Generalen und Admiralen seinen Dank auch im Barnen des gesamten Bolkes für die hervorragenden Leistungen in der Truppenführung zum Ausdruck. Gleichzeitig beauftragte er die Oberbefehlshaber, den ihnen unterstellten Truppen die Anerkennung für ihre Tapferkeit und Einsatzbereitschaft zu übermitteln, die zu einem in der Geschichte einmaligen Erfolg geführt haben. Mit der Berleihung von Kriegsauszeichnungen durch den Führer fand die eindrucksvolle Stunde ihren Abschluß. Das Mutterkreuz ist das Ehrenzeichen der Heimatfront für die deutschen Frauen und alle b 1 Deutsche Frauen! Deutsche Mütter! Am Ende des innen M iten Gtaain | Mzte $ku| l>-er deutschen Mutte r", in der der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Ru- x-roßen Feldzuges im Osten gedenkt eurer teute das deutsche Volk. Es gedenkt eurer im Zeihen eines Sieges, der von entscheidender Bedeutung st für die Zukunft unseres Reiches. Eines Sieges, ter zugleich der Ausgangspunkt ist für eine grundlegende neue Entwicklung in ""“*7* Uns erfüllt unendlicher Stolz : u f unser Volk, das diesen Kampf bestand an ter Front, in der Heimat und in der Fremde. Wir nd stolz auf euch, deutsche Frauen und Hütter, bie ihr im ersten Feldzug des national» iozialistischen Deutschlands euch wert gezeigt habt iuerer Männer und euerer Brüder im Kampf. beu wäre unseren Frauen und Kindern in Deutschland beschieden gewesen, wenn der pole ins Land gekommen wäre. So schwer das Opfer für die einzelnen Angehörigen ist: immer wieder wollen wir uns glücklich und dankbar vor Augen hallen: die Zahl der Gefallenen. Ber- wundelen und Bermitzlen im Kriege gegen Polen ist gering im Bergleich zum Erfolg. Denn es war doch ein Millionenheer, das von England ausersehen war, in Deutschland mordend und sengend einzufallen, wie es drüben mordete und sengte, und dieses Millionenheer wurde vernichtet. Es wurde vernichtet mit geringeren Opfern als ein einziger Tag im Weltkrieg forderte. Roch niemals in der Weltgeschichte wurde ein solch unermeßlicher Erfolg errungen mit so wenigen Opfern! Deutsche Mütter, vergeht es nie: der Wille und die Energie des Führers waren es, die vielen Zehntausenden euerer Söhne Leben und Gesundheit erhalten haben. Der Führer ist es gewesen, der darauf drang und es erreichte, daß in den wenigen zur Verfügung stehenden Jahren trotz aller Schwierigkeiten immer neue Divisionen ausgebildet und bereitgestellt wurden. Divisionen, die nun den Einsatz im Großen ermöglichten, die jeden Widerstand brechen können und die den Gegner immer wieder einzukreisen vermochten. Und der Führer ist es insbesondere gewesen, der die so weit gehende Mechanisierung der deutschen Wehrmacht durchsetzte, der immer mehr Panzertruppen zu schaffen befahl. Er war es, der einem scheinbaren „Unmöglich" immer wieder ein eisernes „Es muß!" entgegensetzte. Und sein Wille war es, der die Bunker im W e st e n entstehen ließ. So führte dieser Feldzug nicht, wie viele draußen hofften, zu einem neuen furchtbaren Aderlaß der deutschen Ration. Der Führer wußte, warum er seine ganze Willenskraft darangab, in kürzester Frist die st ä r k st e Wehrmacht der Welt entstehen zu lassen. Er wußte, daß die gleichen Kräfte, die gegen uns ringsum den Erdball aufhetzten, keine Ruhe geben würden, bis sie endlich den Kriea gegen uns entfacht hätten. Der Krieg wurde zur Wirklichkeit. Aber die Hetzer hoben sich in einem verrechnet: dieser Krieg führte nicht zur Niederlage des neuen Deutschlands, sondern zur endgültigen Sicherung seines Lebens. Viele Milliarden, das hat 'der Führer uns gesagt, sind aufgewandt worden, um dem deutschen Soldaten die besten Waffen' in die Hand zu geben und damit zugleich so weit als nur möglich ihn selbst zu schonen. Nach den wenigen Wochen des Kampfes im Osten schon haben diese Milliarden in ungezählten deutschen Menschenleben, die der Nation erhalten blieben, ihren Lohn gefunden. Wir wissen freilich, dah die Talsache der so geringen deutschen Berluste im polnischen Feldzug den Schmer; derjenigen nicht vermindert, denen das Schicksal den Blutzoll abgefordert hat. Manche Mutter, die jetzt das Ehrenzeichen erhält, trauert seil kurzem um den Tod des Sohnes im Felde. Manche Mutter, die heule das Ehrenzeichen bekommt, verlor sogar mehrere Söhne im Wellkriea. Und manch eine andere Muller Hal im Weltkrieg ihren Mann verloren, hat die Kinder ohne den Bater großgezogen und jetzt wiederum Söhne hingegeben für ihr Bolk. Diesen Müttern verleiht Deutschland m i t besonderer Ehrerbietung das Ehrenzeichen der Mutter. (W He «Ä1 “’M ionie oiislj1 r spracht1 i Leistung; imme Die M. j nikeit, fo!' Neune: icn erW1 von W ■ konischen? i von 6$l li.hr habt in her Heimat und als Deutsche im Ausland würdig euer Los getragen. In den Ehrenkreuzen, mit denen heute erneut Kinderreiche Mütter in allen Gauen des Reiches imsgezeichnet werden, in diesen Ehrenkreuzen wird ierDank an alle Frauen abgestattet, die an ijrem Platz ihrem Volk dienen. Der Dank gilt zu- ir[t den Müttern, die ihre Kinder Deutschland gaben. 5te schenkten damit dem Reich die Grundlage ’Hnes Seins und seiner Größe. Nie soll vergessen »erben, daß die Mütter mit jedem Kind nicht nur Schmerzen auf sich nehmen, sondern ihr Leben ein» ^tzen im Dienst an Volk und Nation. Um so mehr i t ber Mann verpflichtet, wenn das Leben der Hütter und der Kinder durch Feinde bedroht wird, Mn Leben einzusetzen zum Schutze derjenigen, die »r Leben nicht selbst zu verteidigen vermögen. Wir wissen, wie schwer es wiederum für eine Unzahl von Huttern der im Felde stehenden Söhne, für eine Ü nzahl junger Frauen der im Felde stehenden Männer ist, ihr Liebstes der Gefahr ausgesetzt zu sehen. Vir wissen aber auch, daß sie bei aller Sorge als teutscheMütter und Frauen stolz sind auf die Söhne imd Männer, die angetreten sind zum Schutze der Nation — viele darunter angetreten zum zweite n Male als die unbesiegten Feldgrauen der hont des Weltkrieges. Sie sind angetreten im unerschütterlichen Willen, ihre Pflicht zu tun und mehr als ihre Pflicht zu tun. Und sie haben — weiß «r Himmel — bewiesen, daß sie würdig sind Des (ten Soldatenvolkes. 3hr Sieg hat hunderttausende von Deutschen im ehemaligen polen gerettet. Hunderttausende von Müttern können nach langen Jahren wieder ohne Angst um ihre Kinder und Männer in die Zukunft schauen. Und wir gedenken mit tiefer Anteilnahme unserer volksdeutfchenFrau- en und Mütter, von denen viele so schreckliches und fürchterliches Leid gesehen und ertragen haben. Möge jede Frau und jede Mutter, die den heutigen Tag in Trauer um einen Gefallenen begeht, sich der deutschen Mütter des polnischen Gebietes erinnern — der Mütter, deren Kinder entsetzlichem Leid und furchtbarer Marter entgangen sind dank dem Opfer des deutschen Soldaten, der ihr Mann oder ihr Sohn gewesen ist. Und das gleiche Los wie den Frauen und Kindern dru- Ä! telf Heß, eine von Tiefem Ethos erfüllte Ansprache oa durchs an die deutschen Mütter richtete und dabei u. a. fol- eserWm ^endes ausführte: _ ___ _ _ . . tonalen ho 1 Diele Mütter haben Söhne im Feld — die sie im Weltkrieg geboren — alle zwanzig bis fünf- undzwanzigjährigen jungen Soldaten stammen aus diesen Jahren. Diesen Müttern gebührt doppelter Dank. Sie haben ihre Söhne in schwerster Zett zur Welt gebracht. Ihre Kinder wuchsen auf in großer Not. Daß diese Kriegsgeneration trotzdem nicht schlecht geraten ist, hat sie als junge Mannschaft im erfolgreichsten Feldzug aller Zeiten bewiesen. Möge dies den jungen Frauen von heute Mut und Zuversicht geben, in gleicher Tapferkeit auch in diesem Kriege getrost Kinder der Natton zu schenken. Deutsche Frauen! Ihr habt euer gewohntes Leben vielfach aufgeben müssen. Ihr arbeitet noch mehr als früher. Ihr müßt euch auf vielen Gebieten einschränken. Ihr steht zum Teil auf gefahrvollen Posten, und ihr habt auch die Lebenshaltung eurer Kinder eingeschränkt. Denket stets daran, daß dies alles der Führer von euch verlangen muß, um euer Leben und das Leben eures Volkes z u sichern. Ihr wißt, England wird sein Ziel, das deutsche Volk durch den Hunger seiner Kinder und die Not und Entbehrungen seiner Frauen auf die Knie zu zwingen, niemals erreichen! Es hat ein nationalsozialistisches Deutschland vor sich! Vielleicht glaubt England noch immer nicht, daß es möglich ist, die Boden- reichtümer Rußlands für Deutschland mit nutzbar zu machen. England hat manches nicht geglaubt. Es hat nicht geglaubt, daß der Nationalsozialismus Deutschland wieder hochbringen konnte. Es hat nicht geglaubt, daß die Arbeitslosigkett beseitigt werden könnte. Es hat nicht geglaubt, daß wir die riesigen Autobahnen bauen könnten. Es hat nicht geglaubt, daß wir so aufrüsten könnten. Heute muß es daran glauben! Es wird eines Tages noch, wenn es nicht vorher zur Vernunft kommt, daran glauben, daß es uns m i t dem bestenWillen nicht auszuhungern vermag, seit Rußland mit uns ist schon gar nicht! Deutsche Frauen: Ihr seid mit Eurem Schicksal unlösbar verbunden mit dem Schicksal unserer Heere. Die Entscheidungen, die Deutschlands Soldaten erkämpften, sind Entscheidungen für Euer ferneres Leben. Ebenso jedoch ist Euere Haltung in der Heimat mit entscheidend für Geist und Tatkraft der deutschen Soldaten. Und Ihr habt vorbildliche Haltung gezeigt. Ihr habt Eueren Männern und Eueren Söhnen, Eueren Brüdern und Eueren Vätern an der Front keine Sorgen aufgeladen. Ihr habt sie des Schönsten teilhaftig werden lassen, das Ihr für sie empfindet: Eueren Stolz und Euere Liebe. Das Mutterkreuz, das auf Befehl des Führers Euch heute gegeben wird, ist d a s Ehrenzeichen derHeimatfrontderdeutschenFrauen. Wenn nächster Tage die Fahnen über den deutschen Landen wehen, wenn die Glocken dröhnen zum Siege, dann dürft 3hr, deutsche Mütter, die 3hr Kinder geboren, die mitkämpften an der Front draußen oder der Front herinnen — dann dürft 3hr stolz sagen, diese Fahnen flattern auch für uns, diese Glocken läuten auch für uns, denn 3hr habt beigekragen zum Siege. Stolz und glücklich wollen wir den Sieg feiern, stolz und glücklich wollen wir des Führers gedenken. Und wir wollen zutiefst Gott danken, daß er unseren gerechten Kampf gesegnet hat, dah er mit uns war und unserem ewigen Deutschland. Sh-’?; begruM ijramms, 11 Nahrung ■ Ä „Wir find stolz auf Euch, deutsche Krauen undMüiier!" toar es ci: ■]. — - — - enGk VUÜ WIUIICI II KUA Ifl VUV Tichr« rs Der Stellvertreter des Führers ta*« sprach zu den deutschen Frauen. ü en HM Berlin. 1. Okt. (DNB.) Den Höhepunkt der leichte« Sendung des großdeutschen Rundfunks am Ernte- i a n 11 a g bildete Sonntag mittag die „Stunde 1 U 1 u ' \ « *. OT) .. U « Sa*. Sa*. C U ( I . N- xoWV^ ;r llnif llnruo; I d, habil * I Mittel1 I । Mb" | für Wl|| V pW'ffl »t DoMjl >as 2luse:LI sc. naLiJI habl Rfl t 6er Kg , ©irW'jll r, II Holland fordert in London schnellere Schiffskontrolle. Amsterdam, 1. Okt. (DNB.) Am Montag werden die englisch-holländischen Verhandlungen über di e britischen B l 0 ck a d e m a ß n a h - men beginnen. Die holländische Delegation ist in London eingetroffen. Auf englischer Seite wird Sir Frederick Leich Roß die Verhandlungen führen. Wie Amsterdamer Blätter berichten, werden die holländischen Beschwerden sich vor allem gegen die langsame 21 r t der britischen Kontrolle wenden, durch die für die Schiffahrt unnötige Verzögerungen entstehen. Einige Dampfer warteten in den britischen Kontrollhäfen drei bis vier Wochen auf Abfertigung. Daß dieser Zu- tand beschleunigt gebessert werden müsse, sei selbstverständlich. Tiso Nachfolger Hlinkas im Vorsitz der slowakischen Volkspartei. Preßburg, 2. Ott. (DNB. Funkspruch). Auf dem ersten Kongreß der slowakischen Volkspartei tu der selbständigen Slowakei, der sich am Sonntag in Trentschin zu einer wirkungsvollen Kundgebung ür den Lebenswillen des jungen Staates und seine untrennbare Verbundenheit mit dem Deutschen Reich gestaltete, wurde Ministerpräsident Dr. T i s o einstimmig zum Nachfolger Hlinkas im Parteivorsitz gewählt. Nachdem Dr. Tiso den Führer der deutschen Volksgruppe der Slowakei, Dr. Karmasin, der an der Spitze einer größeren Abordnung an dem Parteikongreß teilnahm, -erzlich begrüßt hatte, hielt er eine Ansprache, in i>er er erklärte, daß es eine selbstverständliche Pflicht gewesen ist, roeni) die Slowakei ihre Soldaten an die Seite der deutschen Truppen bestellt hätte, als Adolf Hitler sein Volk zur Sicherung seiner Lebensrechte zum heroischen Einsatz aufrief. Die Slowakei bilde heute mit Deutschland eine unzerbrechliche Einheit für ein neuesEuropa und eine bessere Gerechtigkeit. Kleine politische Nachrichten. Der Oberbefehlshaber der Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, hat dem Generalfeldmarschall von Mackensen anläßlich seines 70jähriaen Dienstjubiläums am 1.10.1939 in einem Schreiben die Glückwünsche des Heeres ausgesprochen. * Anläßlich der Wiederkehr des Geburtstages des verewigten Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten von Hindenburg schüttet die vor zwölf Jahren von chm errichtete (Stiftung „H i nde n b u r gs p e nd e" wiederum 425 000 RM. aus, die in Beträgen von durchweg 150 RM. an notleidende Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene des Weltkrieges gehen. * Die philippinische Nationalversammlung nahm mit 53 gegen 7 Stimmen eine Entschließung an, — die entsprechend den nordamerikanischen Zusagen — auf völlige Unabhängigkeit der Philippinen ab 1946 besteht. Das philippinische Volk, so heißt es, wünsche keine Überprüfung dieser Frage, die durch nordamerikanische Kongretzakte bereits eindeutig geklärt sei. * Der türkische Außenminister Saracoglu wurde am Sonntag um 18 Uhr vom sowjetischen Regierungschef und Außenkommissar Molotow im Kreml empfangen. Wichtig für Rentenempfänger. NSG. Nach einem Erlaß des Reichsversicherungsamts sind bei den Empfängern von Renten aus der Unfall- und Invalidenversicherung die Beglaubigung der Unterschrift sowie Lebens- und Witwenbefchaf- fungsbescheinigungen bis auf weiteres nur noch auf der Empfangsbescheinigung für die Januarrate erforderlich. Die Llenderung gilt bereits für die Oktoberzahlung. e Reichsfleischkarte dient bei Geflügelkauf nur als Ausweis. NSG. Um Irrtümer zu vermeiden, wird in Ergänzung dieser Meldung über die vorläufige Verbrauchsregelung für Geflügel im Gau-Hesfen-Nasfau noch mitgeteilt: Die bei der Voranmeldung vorzulegende Reichsfleischkarte dient lediglich zur Feststellung der genauen Kopfzahl jeder Familie. Die Abgabe von Geflügel erfolgt also vorläufig nicht auf die Reichsfleischkarte, im Gegensatz zu Wildbret von Schalenwild, das nur gegen entsprechende Abschnitte der Reichsfleischkarte zu beziehen ist. Aufhebung des Tanzverbots. Ab 30. September 1939 ist die Veranstaltung von Tanzlustbarkeiten ab 19 Uhr täglich wieder gestattet. Einberufene erhalten Zeitkarten erstattet. Die gegenwärtigen außergewöhnlichen Verhältnisse haben eine vorübergehende Milderung der Erstattungsgrundsätze der Reichsbahn für diejenigen Zeitkarten notwendig gemacht, deren Inhaber zur Landesverteidigung eingerufen worden sind. Nach derNeu- rcgelung werden nicht nur die in den bisherigen Vorschriften vorgesehenen Anteile erstattet, sondern bas Fahrgeld, das anteilmäßig auf die Zeit der Nichtbenutzbarkeit entfällt. Verwaltungskosten werden nicht erhoben. Bei verspäteter Rückgabe der Zeitkarten gilt als Rückgabetag der Tag, an dem der Inhaber sich zu stellen hatte. Außerdem ist angeordnet, daß die Sicherheitsgebühr für Netz- und Bezirkskarten auf Antrag auch dann zurückgezahlt werden soll, wenn die Karten von den zur Landesverteidigung Einberufenen erst später als am dritten Werktag nach Ablauf der Geltungsdauer zurück- gegeben wurden. Hauptschriflleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz, Sport und Wirtschaft: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September t937 gültig mußte nach kurzer, schwerer Krankheit von uns scheiden. Gießen (Bismarckstr. 46), den 1. Oktober 1939. 6193D im 17. Lebensjahre. Kinzenbach, den 30 September 1939. 6187D Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 3. Oktober, um 15.30 Uhr, vom Trauerhause aus statt. In tiefem Schmerz: Marie Raabe, geb. Rinn Wwe. Ilse Raabe. Einäscherungsfeier: Mittwoch, den 4. Oktober, nachm. 3H Uhr, Neuer Friedhof. Tiefgebeugt: Ella Bethcke, geb. von Wurmb Freda Kulessa, geb. Bethcke Gisela Bethcke Dr. Adolf Kulessa, Oberleutnant d. R. und 2 Enkelkinder. Statt Karten. Mein innigstgeliebter, treuer Weggenosse, unser liebevoller Vater und Großvater General a. D. Dr. phil. Ernst Bethcke Todesanzeige. Nach kurzer, schwerer Krankheit verschied heute mein lieber, braver Sohn, Bruder, Enkel und Neffe Karl Raabe Rudi Grofcen-Linden, den 2. Oktober 1939. 04499 Am Samstagmorgen entschlief plötzlich und unerwartet unser innigstgeliebtes Kind Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 3. Oktober, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause Bahnhofstrabe 67 aus statt. In tiefer Trauer: Ferdinand Stroh Frau Emilie, geb. Rinker. im zarten Alter von 1% Jahren. « Kl I von 3 bis 20 vom Hundert erhalten Sie bei wie- I - I I 8 derholten Veröffentlichungen einer Anzeige Einspaltige Kleinanzeigen werden zum er» mäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Millimeter» »eile veröffentlicht Keine Zeugnisse in Urschrift locoern nur Zeugnisabschriften dem Bewerbungsschreiben beilegen i — Lichtbilder unoBewerbungsunter. %gen müssen zur Ver- meibung von Verlusten auf ver Rückseite Ra» men und Anschrift veS Bewerbers tragen l MW gesucht. 16I83D Vogt & Co. Goethestraße 32. 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Buchführung II (f.Fortgeschrittene) 20 „ RM. 10.50 3. Gutes Deutsch.................. 20 „ RM. 8.50 4. Kaufmännisches Rechnen......... 20 „ RM. 8.50 5. Englisch I (Anfänger)............ 20 „ RM. 10.50 Eisen und Metall: 20 $otn, = 1. Fachzeichnen - Fachrechnen I .... Stund. RM. 10.50 (wird sowohl für Angelernte und Hilfskräfte, als auch für Facharbeiter durchgeführt) 2. Elementare Mathematik......... 20 „ RM. 8.50 3. Werkstoffkunde - Werkstoffprüfung 20 „ RM. 8.50 Die Anmeldung muh sofort und persönlich auf der Kreiswal- tung der DAF., Abteilung für Berufserziehung und Betriebsführung, Gießen, Schanzenstraße 18, erfolgen. Zur Anmeldung ist die vorgeschriebene Anmeldekarte zu benutzen. Die Teilnehmergebühr muß mit der Anmeldung entrichtet werden. Letzte Anmeldefrist 5. Oktober 1939. 6143V Wirtschaftsgruppe Gaststätten- u. Beherbergungsgewerbe Kreisgruppe (Stehen. Dienstag, den 3. Oktober 1939, nachmittags 3 Uhr Atreisvevfammltmg im Saalbau Liebigstratze (Kath. Vereinshaus). Tagesordnung: 6185D Durchführung des Lebensmittel- Kartensystems und Zuteilung. Die Mitglieder aus Stadt und Land, insbesondere die Sveisewirte und Kaffeebetriebe haben zu erscheinen. Der Kreisgruvvenleiter. llllllllllllllllllllllllllllHlimillllllllllllllllllllllllllHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIB Mit offenen Augen Drei Jungen und ein Mädel entdecken ihre Waldheimat Don Werner Siebold 135 Seiten und 8 Kunstdrucktafeln. — Leinen RM. 2,85 (Es ist ein echtes Naturbuch und zugleich ein richtiges Jugendbuch also kein trockenes Lehrbuch, sondern ein Lesebuch, spannend und lebendig, aus dem Anschauungs- und Dorstellungskreise etwa eines elfjährigen Buben heraus geschrieben. Wir glauben, daß diese Geschichte jungen Lesern und Leserinnen viel Freude machen und eine Fülle von Anregungen bieten wird. Die klaren und schönen Aufnahmen, die dem Buche beigegeben sind, vertiefen und befestigen den Eindruck der Lektüre auf eine vorbildlich anschauliche Weise. Wer etwa um ein Weihnachtsgeschenk für seinen Jungen verlegen ist, wird mit Siebolds Buch bestimmt das Richtige treffen. Gießener Anzeiger Hugo Bermühler Verlag,Berlin-Lichterfelde iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Lichtspielhaus Gießen Ab heute Montag bis einschließlich Mittwoch: In letzter Minute Ein heiter-ernstes Spiel, das die Spannung eines Kriminalfilms mit dem besinnlichen Humor des Volksstückes vereint! 6186A Darsteller: Ingeborg von Kusserow Günther Lüders / Elga Brink Ferner: Beiprogramm und Die neueste Dia-Woche u.a.: Der Führer in Danzig. Eigene Maßschneiderei für Uniformen und Anzüge in höchster Vollendung volle Garantie Ändern-Aufbügeln sofort und gewissenhaft Abzeichen-Effekten für die Wehrmacht Höchstleistung durch Spezialisierung - - für alle Figuren gibt es bei Köhler passende Kleidung in ganz, ganz großer Auswahl Anzüge und Mäntel von Meisterhänden entworfen und geschnitten. - Mit fachlichem Können geprüft auf Stoffmaterial, Linie, Paßform u. formbeständiger Innenverarbeitung. So — mit gewissenhaft errechnet niedrigsten Preisen sind die Herbst- und Winter-Schöpfungen für Sie bereit. So gibt es bei KÖHLER 42 verschiedene Größen 2 5 Herren-Mäntel in sportlich. Formen, mit Koller und Gürtel, die neuen Muster 38.- 46.- 56.- 65.- 78.- Herren-Ulster Fischgräten-Muster, teils mit Überkaros, vollweit u. wuchtig 36.- 45.- 56.- 68.- 78.- Ulster-Paletots die beliebte taillierte Form, ein- farb. dunkle Stoffe,ganz a.K.-S. 28.- 39.- 48.- 56.- 68.- Gabardin- u. 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In dankbarer Würdigung sei- ks verdienstvollen Einsatzes für Volk und Vater- nt' im Frieden und im Kriege wurde ihm beim -brrtritt in den Ruhestand der Charakter als neralmajor verliehen. m ' während seiner aktiven Dienstzeit wirkte General- ijir Bethcke bereits als milikärwissenschaftlicher Eh'iftsteller und Mitarbeiter des Militär-Wochen- il' es, ferner verschiedener anderer Fachschriften, es schriftstellerische Tätigkeit setzte er nach seinem stritt in den Ruhestand durch Mitarbeit an iungen, auch am „Gießener Anzeiger", Zeit- fften und in einem Buche „Politische Generale rl das 1930 in einem Berliner Verlag erschien. !he Feder war vorher schon an mehreren ©e= nlstabswerken („Das Osfizierkorps von 1806 „Die Kriege Friedrichs des Großen") beteiligt, rÖ das letztgenannte Werk kam er in Berührung 1 dem Gaudyschen Journal, die ihn anregte im !ilärwochenblatt eine Arbeit „Die Gaudyschen Schriften für das Jahr 1758/59" zu verofsent- „Sie vergessen das Moor." „Warum?" „Weil das eine Goldgrube ist, wenn niüit es kultiviert. Ich habe privatim Versuche mit dem Boden angestellt, die mehr als zufriedenstellend aus- aefallen sind. Wenn das Moor dräniert, umgebrochen und gedüngt ist, wächst, was Sie wollen. Sogar Weizen." „Schon. Und wer soll das machen, wenn ich fragen darf?" „Der Staat oder präziser ausgedrückt die Gemeinde, wenn ihr der Staat billiges Geld leiht. Das kommt über kurz oder lang. Eingaben sind bereits unterwegs." „Eingaben, Eingaben! Gott erholte Ihnen Ihre Zuversicht, Herr Konsul", spottet Leinfelder. „Man muß an diesen Staat glauben, Herr", sagt der andere schaff. „Die früheren hatten ja nie Geld für solche Projekte; aber jetzt, jetzt rührt sich etwas. Man macht Sümpfe urbar, man stampft Straßen aus dem Boden, man ringt dem Meer einen Koog nach dem anderen ab, man hilft Notstandsgebieten — warum soll gerade Eschelbrunn für eine so todsichere Sache kein Geld bekommen? 30 Bauernhöfe kann man auf bas Moor stellen, wenn es so weit fft!" „Sie mögen ja recht haben", lenkt Leinfelder ein, obgleich er Nicht recht überzeugt ist. „Aber warum warten Sie dieses goldene Zeitalter nicht selbst ab?" „Ich kann nicht. Zuviel Schulden, im Vertrauen gesagt. Und bann — ich bin ein kranker Mann, dem der Krieg noch in den Knochen steckt und vier Jahre Südwest." „Na gut, ich will das mal beschlafen." Aus Feia- heit und aus Herzenshöflichkeit gebraucht er diese Ausrede. In Wahrheit ist fein Nein ziemlich sicher beschlossen. „Sie Horen noch von mir. Ich muß mich leider jetzt auf den Weg machen. Guten Tag, Herr Konsul." 3. Kapitel. Dr. Severin nimmt am Schreibtisch Platz, der immer mit allem möglichen vollgepfropft ist, mit aufgeschlagenen Büchern, mit Gummistempeln, mit Medikamenten, mit Krankenscheinen und derlei Dingen: Er hält veffonnen ein Reagenzglas ans Licht: die alte Kerzlein hat also doch Zucker! Dann guckt er ins Mikroskop und zählt die schmalen roten Stäbchen, die dem jungen Engelbrecht soviel Scherereien machen. Wie wäre es mit Kochsalzdiät, überlegt er und verliert sich ein paar Minuten an diese neue Spekulation. Dann reiht er sich ruckhaft aus diesen Gedankengängen und nimmt die Wirtschaftsbücher zur Hand, besieht Rechnungen und macht Notizen. Er liebt das gar nicht, dieses Kaufmännische, Unproduktive, seinem Beruf Fremde. Er blättert verdrossen, seufzt zuweilen, addiert, multi» pliziert. Schließlich kommt heraus, was er auch so gewußt hat: die Ausgaben find zu hoch, die Einnahmen ^u niedrig. Auf der einen Seite Steuern, Peffonalgchälter, Beiträge und Medikamente, Heizung, Benzin, Haushaltungskosten, auf der anderen dieses unterbelegte Krankenhaus, Kastenabstricbe und säumige Zahler. Am meisten macht ihm Friedrich Sorge. Friedrich und seine fünfzehnhundert Mark sind ein Gespenst, das durch seine Nächte geht. Er erinnert sich an Fräulein Ferbers DoffchloH. Er erinnert sich an feine primitive Methode, GeD aufzuheben. Er kramt in einem Zigarre nkistchem, auf dem Cruz Brasil und Tabacos Primeros stehe, er zählt aufmerksam die fünfhundert Mark barnc, die ein Anlauf zur Deckung der Derpflichtuna „Friedrich" werden sollen. Er wird das schone GeÄ dem Hopfenhändler hinüberschicken und ein freund- lich gehaltenes Begleitschreiben dazu, sich mit bttf Resffumme noch kurze Zeit geduDen zu wolle«. Plötzlich klopft es an der Sprechstubentür. Der Gürtler Willibald Höfling tritt ein mit knarrenden Stiefeln und ungeheuren Händen. „Na, Höfling, ein bißchen krank? Oder ist es wegen der Frau?" muntert ihn Dr. Severin auf. „Eine Bitte hätte ich, Herr Doktor." „Schießen Sie Tos." „Sie kennen doch meine Kühe, die zwei Schecken^ Mit denen habe ich Malheur gehabt.. " Severin fft sofort im Bilde. Der Mann will ihn anpumpen. Es ist nicht das efftemal, daß die ßeute mit solchen Geschichten zu ihm kommen. Severin setzt als Abwehr eine kühle Miene auf und knöpft sich seelisch zu. Er ist heftig entschlossen, unter feiner Umständen sich breitschlagen zu lassen. Er zeichn« mit dem Bleistift kleine Männchen auf einen Boger Papier, jedesmal zwei Kreise und die zugehöriger Striche daran. Es sieht sehr unbeteiligt aus. Den Mann Höfling beeindruckt bas nicht. Er erzählt in seinem singenden Dialekt weiter. „Die ein* hat sechs Liter Milch gegeben, bie andere war g« ringer, aber auch gut. Em Staat waren bie Kühe. Gestern haben sie es gar gemacht. Die eine weger einem Nagel, der im Futter war, bie andere hat sich überfressen. Muß an den Trebern gelegen haben. Die Liesel haben wir gleich eingegraben- Befehl vom Tierarzt, Brand und alles Eiter iir Bauch." Die schwere und bumpfe Phantasie Jx* Mannes Höfling entzündet sich an dieser Tragödie, er schluckt, wird immer langsamer und befontmt Wasser in die Augen. Severin kennt bie Familie. Brave Leute, eilt wenig einfältig. Die Frau ist krank, und bie Stt^ fft voll Kinder. Es langt hinten und vorn nicht, uiÄ die Kleinsten machen Klimmzüge an der Droffchub- labe. Trotzdem ärgert er sich. Weil er bas alle' so mitfühlt, weil oer Mann ausgerechnet zu ihm kommt und weil er nicht helfen kann. „Tja, es waren schone Kühe, Höfling. Aber d« ist nichts zu wollen." (Fortsetzung folgt.) nr. 205 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) 2./Z. September (939 Vorratsschuh Hilst die Ernährung sichern. Wohl zu keiner Zeit ist allen Volksgenossen, insbesondere unseren Hausfrauen, die Pflicht zur pfleglichsten Behandlung aller Nahrungsgüter so eindringlich erkennbar geworden, wie gerade jetzt. Die Neuordnung auf dein Gebiete unserer gesamten Er- nährungswirtschaft, die mit der bisherigen unbegrenzten Beschaffung der Güter des täglichen Bedarfs Schluß gemocht hat und „Jedem das Seine" nach Maßgabe von Recht und Gerechtig- ML Eine praktische Kartoffelkiste-, die Entnahme der Kartoffeln erfolgt von unten, so daß die Knollen von Zeit zu Zeit immer in Bewegung sind. feit zubilligt, hat die Anhäufung von Nahrungsmitteln in Speisekammern und Schränken unterbunden. Damit ist zugleich — erfreulicherweise! — der egoistischsten und sinnlosen Hamsterei, bei der von manchen viel mehr gekauft wunde, als in Wochen, von ihnen verbraucht werden konnte, ein wirksamer Riegel vorgeschoben worden. Dafür wird jeder vernünftige und gerechtdenkende Volksgenosse der Staatsführung nur Dank und Anerkennung wissen. Die behördliche Einteilung unserer Nahrungsgüter macht es aber zur besonderen Pflicht, mit den für die Woche bestimmten Vorräten haushälterisch zu verfahren, nicht minder auch die Nahrungsmittel, die von den Hausfrauen bisher eingemacht wurden, oder die, wie Kartoffeln, Mehl und Brot jederzeit frei und unbegrenzt zu haben find, so wirtschaftlich zu verwenden, daß nichts verdirbt und dadurch der Ernährung verloren geht. Die Wichtigkeit und dringende Notwendigkeit dieser Gesichtspunkte gelten gleichermaß'- , für alle Haushalte, gleichviel ob Stadt oder L.nb, sie gelten aber noch in erhöhtem Maße für alle diejenigen, in deren Obhut Lebensmittel zur Einlagerung bis zum Zeitpunkt der Inanspruchnahme für die Dolksernäh- rung gegeben sind. Nur wenn alle, Erzeuger und Verbraucher, Lagerhalter und Einzelkaufmann, Städter und Landbewohner, Hausfrauen und Nahrungsmittelbewirtschafter, Koch und Köchin in Hotels, Gaststätten oder Kantinen sich jederzeit dieser besonderen Verpflichtung bewußt sind, kann man damit rechnen, daß die weitgesteckten Ziele unserer gesamten Ernährungswirtschaft und die darauf aus- gerichtete Arbeit aller verantwortlichen Stellen durch die wirksame Mitarbeit aller Schichten des Volkes erreicht werden bzw. ihren verdienten ideellen Lohn findet. * Alle Nahrungsmittel pflanzlichen und tierischen Ursprungs sind vorzeitiger Zerstörung ausgesetzt, wenn sie nicht in verantwortungsbewußter und zielklarer Arbeit vor dem Verderb genügend geschützt werden. Welchen Umfang die Schädigungen durch den Verderb von Nahrungsgütern avnehmen können, ist unserm Volke von berufener Stelle schon oft klargemacht und überzeugend nachbewiesen worden. Der Verlust durch Dorratsschädlinge wird allein auf mehrere hundert Millionen jährlich beziffert. Aber noch weit größere Mengen an Lebensmitteln und dementsprechende Werte an Geld gehen in jedem Jahre durch unzweckmäßige Lagerung und mangelnde Vorbeugungsmaßnahmen in den Haushaltungen verloren. Diese Nahrungsmittel, zu deren Erzeugung unsere Bauern viel Fleiß und dankenswerte Mühe aufgewandt haben, beeinträchtigen zunächst nur den einzelnen Haushalt, bei der Vielzahl solcher Fälle und der dadurch bedingten großen Mengensteigerung sind sie aber auch ein erheblicher Verlust für die gesamte Ernährungswirtschaft. Alle diese Schäden sind um so mehr zu bedauern, wen sie bei nur etwas größerer Aufmerksamkeit und pflichtbewußter Sorgfalt vermieden werden können. In den Sommermonaten ist die Haltbarmachung und Frischhaltung der Lebensmittel besonders dringlich, jedoch auch mit mancherlei Schwierigkeiten verbunden. Aber auch in der kühleren und in der kalten Jahreszeit ist der pfleglichen Behandlung der Nahrungsmittel, insbesondere der Dauervorräte wie Kartoffeln, Gemüse, Obst, Eingemachtes usw., die nicht so rasch verbraucht werden können und sollen, größte Aufmerksamkeit zu widmen. Abgesehen von der sorgfältigsten Behandlung der Nahrungsmittel bei der Ernte und bei der Einlagerung ist besonderes Augenmerk auf geeignete und gesicherte Aufbewahrungsmöglichkeiten zu richten. Man glaube nicht, daß beispielsweise Kartoffeln, Gemüse, Obst und Eingemachtes in einem Kellerraum untergebracht werden könnten, der den Dunst- und Geruchseinflüssen von der Waschküche her ausgesetzt ist, durch dessen zerbrochene Fensterscheiben ober schlechtschließende (meist weil verdreckte) Fenster Frost und Schnee oder Regengüsse Zugang zu dem Aufbewahrungsort der Nahrungsmittel haben, Kohlen oder Aschendreck in ungewöhnlichem Ausmaß zur Verschmutzung der Vorräte führen, Heizungswärme und übermäßig Licht die Kartoffelvorräte beeinträchtigen bzw. die allzu frühe Keimung veranlassen. Wer seine Vorräte zum eigenen Nutzen und auch zum Vorteil der Gesamt- So dürfen Einmachgläser nicht aussehen. Laufende Kontrolle ist unbedingt erforderlich, um sofort eingreifen zu können. 19' tn wirtschaft in der richtigen Weise betreuen will, muß dafür sorgen, daß die Dorratsräume gründlich sauber sind, stets in den Räumen bzw. in der - Speisekammer frische Luit herrscht und die einzelnen Nahrungsmittel in einem solchen Zustand gehalten und verpackt werden, daß kein Schädling Unterschlupf oder eine versteckte Einnistungsmöglichkeit findet. In den städtischen Haushalten gilt dieses Erfordernis aber nicht nur für die Speisekammer, sondern auch für den Keller oder für Kammern, in denen Eingemachtes aufbewahrt wird: auf dem Lande gilt es außerdem für die Böden, Scheunen und Speicher, kurzum für alle Räume, in denen Vorräte lagern. Wer für die Erfüllung dieser Forde- Die Gläser mit dem Eingemachten müssen von Zeit zu Zeit durchgesehen werden, um das Verderben des Inhalts zu verhüten. - ■ rung nicht Sorge trägt, hat nicht nur am eigenen Geldbeutel die Folgen zu tragen, sondern er versündigt sich zugleich auch an den lebenswichtigen Interessen der Volksgemeinschaft. Wo vorhandene Vorratsräume, auch Speisekammern, diesen Erfordernissen nicht entsprechen, wird man sich mit zweckdienlichen Schränken behelfen müssen, vor allem aber den Einkauf von frischen und leichtverderblichen Lebensrnitteln nur in solchen Mengen vornehmen dürfen, daß sie noch bei nächster Mahlzeit verzehrt werden und Vorräte dieser Art zu längerem Aufbewahren nicht kommen. Die beste Lösung, auch vom Standpunkt des Geldbeutels aus gesehen, bleibt natürlich die Anschaffung eines Kühl- ober Eisschrankes, die heute bereits in billigeren unb doch durchaus zweckdienlichen Ausführungen hergestellt werben. türlich nicht angewandt werden. Lockmittel (Köder) gibt es erst für wenige Vorratsschäblinge, abgesehen oon ben allbekannten Fliegenfängern und -glocken. Ratten und Mäuse können in geeigneten Fallen leicht und wirksam abgefangen werben: gifthaltige Köber zu verwenden, ist in ben Vorratsräumen ober; beren Umgebung selbstverstänblich nicht angebracht. * Ein erweiterter, allgemeiner Vorratsschutz aller zur menschlichen Ernährung bienenben Erzeugnisse und Waren, oerbunben mit einem planmäßigen Vernichtungskampf aller entgegenwirkenden Zerstörer unb Schmarotzer, ist im Großen wie im Kleinen als eine Volksaufgabe aufzufaffen, bie sowohl im Interesse ber Volksernährung, als auch ber Ge-> sunbheit der Bevölkerung erfüllt werben muß. Hauptsächlichste Vorratsschäblinge im Haushalt sind bie Insekten mit ihren Larven (Maben unb Raupen). Ebenfalls kann aber auch bas „Beschlagen" der eingemachten Früchte mit Pilzen unb Bakterien schäblich werben, währenb bas Auftreten von Mäusen oder gar von Ratten in ben städtischen Haushaltungen wohl meist seltener sein bürste. In den länblichen Haushalten kommen alle diese Schüblinge ebenfalls in Betracht, Mäuse und Ratten wird man dort auch zu ben häufiger anzutreffenben Feinden unserer Nahrungsgüter rechnen müssen. Es ist ber Mühe wert, sich biese tierischen unb pilzlichen Schabenbringeh etwas genauer anzusehen. Von ben wichtigsten seien hier folgenbe genannt. An Fleisch unb Käse: Fliegen und Brummer: am Backobst (Rosinen, Feigen, Manbeln, Nüsse): Saftkäfer, Dörrobstmotten, Milben: im Mebl (Grieß, Teig- unb Backwaren): Mehlmotten, Mehlkäfer, Mehlmilben: an ben verschiebenen (Setreibearten: Kornkäfer, Kornmotten, Milben: in ben Hülsenfrüchten: Samenkäfer, Samenmotten. Eingemachte Früchte werden von Fäulniskeimen und Schimmelpilzen befallen, auch tierische Schädlinge, Gärungserreger usw. können verberblich wirken. Hier kann nur bauernbes Aufpassen unb rechtzeitiges Eingreifen nützen: es wird sich meistens um beschädigte Gummiringe, mangelhaft schließenbe unb abge- bröstelte Glasbeckel ober gelockerte Verschlüsse han- beln. Schimmelbilbung auf der Oberschicht und verschimmelte Früchte werben entfernt: es wird nochmals aufgekocht und etwas Zucker zugesetzt, immer vorausgesetzt, baß biese Mängel, insbesondere Gärungen, frühzeitig beobachtet unb behandelt werden. Zur Bekämpfung der Vorratsschäblinge bieten bie bereits erwähnten oorbeugenben Maßnahmen bie beste Aussicht, ba Brutstätten ferngehalten ober in sauberer Umgebung alsbald entdeckt werben. Neben Sauberkeit unb Durchlüftung ber Räume finb als mechanische Abwehrmittel u. a. anzusehen: Abbich- ten der Fugen und Ritzen in Böben und Wänden, Entfernen von Scheuerleisten unb sonstigen Schlupfstellen, ferner Reinigung der Räume mit scharfer Seifenlauge, Kalkanstrich der Wände und Decken usw. Chemische Spritz- und Bestäubungsmittel sowie Vergasungen können in belegten Vorratsräumen na- Die Aufbewahrung von Obst muß mit größter Sorgfalt erfolgen. Unser Bild zeigt eine praktische Obst- Horde, in ber von allen Seiten genügenb Luft an die Früchte herankommen kann. (Aufnahmen [4): Engelbart.) - . ■ vL ■ Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen! Dec Täter mitten unter uns Roman von Kurt Riemann Copyright by Verlag Oskar Meister, Verbau L Sa. 22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Sind Sie verrückt? Soll das Personal lachen über feinen neuen Chef? Auf keinen Fall jetzt einen Fremden hierher. Herrgott, was für Sachen! Los! Holen Sie ein Glas frisches Wasser und ein Handtuch! Ich sehe solange nach ihm." „Wie Sie wünschen!" Achselzuckend geht Hellmers, bas Verlangte zu holen. Als er zu rückkommt, ist Holgerson schon wieder bei Besinnung. „Das ... das sollen Sie büßen!" knirscht er in ohnmächtiger Wut. Aber Joachim kümmert sich gar nicht um ihn. „Den Abtransport übernehmen Sie wohl, Mister Perkins!" meint er spöttisch, schließt den Stahl- schrank ab unb wendet sich zum Gehen. „Mich jehen Sie hier nur noch zur Abwicklung ber laufenden Geschäfte wieder." Wenige Minuten nach ihm verlassen auch die beiden Herren den Raum. Der Sänger scheint doch sehr mitgenommen zu sein, zu tief ist er in seinem Selbstgefühl verletzt. Mit zitternden Knien wankt er an der Seite des besorgten William Perkins. Erstaunte Blicke folgen beiden, unb manches Kopfschütteln gibt es hinter ihrem Rücken. Was mag ba wohl vorgefallen sein? Im Auto allerdings scheint Holgerson schnell wieder munter zu werden. Als nämlich William Perkins anerkennend äußert, er habe nie geglaubt, die kitzliche Angelegenheit so gut erledigt zu sehen, lacht Holgerson grimmig unb meint selbstbewußt: »Gelernt ist gelernt!* 19. Und abermals d i e „Schwarzen Sterne". „Ums Himmels willen, Doktor, was ist denn da nur geschehen?.. Aufatmend läßt sich Hellmers in bas helle kühle Leder des grünen Kabrioletts sinken. Divian hat ben Wagen vorsorglich geschlossen, damit niemand sieht, wer neben ihr sitzt. Welch Glück, daß Onkel William gleich von dem fürchterlichen Auftritt erzählt hat! Vielleicht gelingt es, noch alles in Orbnung zu bringen, vielleicht können ein paar Frauenhänbe bie Wogen glätten, die der Streit ber Männer aufgewühlt hat! Auf keinen Fall kann boch Hellmers jetzt entbehrt werden. Während der Wagen längst das Weichbild der Stadt verlassen hat und nun auf einer faum belebten Nebenstraße läuft, erzählt Joachim in kurzen Zügen, was sich zugetragen hat. Er beschönigt nichts, verschweigt nichts. Wozu auch? Hier ist doch alles für ihn aus, unb wenn ihn nun die Verzweiflung hart werden läßt — wer follls ihm verübeln? Wieder ein halbes Dutzend Jahre gearbeitet — wieder streicht ein anderer den Lohn ein. Ein Mensch, dem seine Arbeit gehört — und diese Frau! Es ist zum Verzweifeln! Nein, er hat gewiß keinen Grund, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Für mich ist meine Arbeit abgeschlossen!" schließt er hart, und seine Hanb fährt durch bie Luft, als zerschneide sie ein unsichtbares Band. „Ich habe meine Pflicht getan, habe sie gern und freudig getan... aber nun rühre ich keinen Finger mehr." „Und an diesem Entschluß ist nichts zu ändern?" „Wenig. Mister Holgerson wird kaum kommen unb um Verzeihung bittten." Divian lenkt ben Wagen in einen Querweg, um zu menben. Doch bann hält sie in plötzlichem Entschluß an. „Unb wenn ich das nun für ihn täte?" „Frau Vivian! Warum kämpfen Sie mit solchen Waffen? Sie wissen, daß ich bagegen keine Wehr habe! Aber es ist nicht fair, ben Gegner mit Waffen zu schlagen, die ihm nicht ebenfalls zur Verfügung stehen!" „Also _ nein ...!" Divian sieht starr vor sich hin, reglos, selbst die Lippen bewegt sie kaum: „Und ich habe mich so gefreut, einen Menschen zu finden, mit bem ich gut Freunb werden könnte..." „Sie sind traurig, daß diese Hoffnung zuschanden werden soll?" fragte er mit heiserer Stimme. „Habe ich Sie recht verstanden?" „Ja", nickt sie ernsthaft. Und wie um das Gewicht des kleinen Wortes zu bestätigen, nochmals: „Ja! ©ie haben ganz recht verstanden, Herr Doktor!" „Wissen Sie auch, was Sie von mir verlangen, Mrs. Holgerson?" „Das weiß ich, Doktor Hellmers. Aber wer fragt mich nach bem, was man von mir verlangt und erwartet?" „Sie bitten für Ihre Werke, denn Sie wissen genau, baß ich für bie Weiterentwicklung not- wenbig bin. Es ist leicht, für bie Existenz des eigenen Hauses zu bitten." Eine Weile ist es still nach diesen harten Worten. Doch bann spürt er ihre Hanb auf ber feinen unb hört den vollen Alt ihrer Stimme. „Warum belügen Sie sich, Hellmers? Sie glauben boch nicht im Emst baran, daß ich um irgendeines Vorteils willen solch ein Verlangen an einen Mann stellen könnte. Spielen wir doch nicht Versteck Doreinanber! Sie wissen es so gut wie ich, worum es bei dieser Zwiesprache geht. Wir wissen es, wir fühlen es. Wir werben nur als tapfere, anftänbige Menschen nicht bavon sprechen!" „Verzeihen Sie!" murmelt er. „Es war töricht von mir." Dann küßt er still ihre Hanb. Als die ersten Häuser in Sichtweite gelangt sind, bittet er, aussteigen zu bürfen. „Ich möchte noch eine Stunbe allein sein, und außerdem fürchte ich, baß man darüber rebet, wenn ich in Ihrem Wagen gesehen werde." „Ich fürchte mich nicht!" lächelt sie leise. „Ich freue mich nur, einen Freund zu behalten", unb babei reicht sie ihm bie Hand aus dem geöffneten Schlag ihres Wagens. Als er sich über sie zum Kuß neigt, fühlt er, wie sich ihre Finger ganz sacht unb zaghaft an seine Wange schmiegen. Nur für die Dauer eines winzigen Augenblicks ... aber diese kleine Gebärbe macht ihn sehr glücklich. — Inspektor Linkerton ist aufrichtig wütend. Seit brei tagen telephoniert er in ber Weltgeschichte umher, ohne auch nur eine Spur von seinem Freunde Pembroke entdecken zu können. Der ist und bleibt verschwunden. Rätselhaft verschwunden. Dazu der Aerger mit dem trottligen Mr. Perkins aus Schweden. Daß ein Mann wie ber selige Sir John an solchen Bruder kommt, ist auch eine ber unbegreiflichen Gottesfügungen. Jeden zweiten Mann sitzt ber Mann hier und betet dieselbe Litanei: die geheimnisvolle Karte, drei schwarze Sterne, bazu bie blöbsinnige Bemerkung auf der Rückseite. Und immer muß man ihfn sagen: „Noch nichts, Mister Perkins, wir können beim besten Willen keine Spur entdecken." Ein ekelhafter Zustand! Dabei scheint tatsächlich was an der Geschichte zu sein. Wenn Sir John dieselbe Karte erhalten hat — und das muß wohl ber Fall gewesen fein, benn William Perkins, der Halbnarr, hat sie ja selbst unter den Papieren des Toten gefunden — dann ist die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen, daß hier mit Vorbedacht ein Netz gelegt wirb, um scheinbar die ganze Familie zugrunde zu richten. „Zum Teufel, was ist denn?' brüllt Linkerton den Sergeanten Smith II an, der sich unter Anwendung aller Vorsichtsmaßnahmen dem erzürnten Löwen genähert hat. „Schleichen Sie gefälligst nicht wie 'n blindes Suppenhuhn durch bie Gegend! An klopfen haben Sie wohl überhaupt nicht nötig, was?' „Verzeihung, ich habe achtmal geklopft, Herr Inspektor! Aber ..." „Kein Aber! Dreimal Klopfen genügt, dann ein- treten! Verstanden? Und nun zur Sache! Was ist los?" „Der Sänger Holgerson wünscht Sie zu sprechen!" „Bin ich 'n Theaterbüro? Was will benn ber hier?" Smith II grinst über sein breites Gesicht unb meint in bedauerndem Ton: „Aussehen tut er wie ’n aufgedonnerter Puter, und stillsitzen kann der keine drei Minuten!" „In Gottes Namen, ’rein mit ihm! Aber nach fünf Minuten kommen Sie und holen mich zu einer Konferenz!" „Wie immer, Herr Inspektor!" (Fortsetzung folgt.) As auf weiteres vollkommene Verdunkelung Oer Zivile Lustschutz ist aufgerufen. Nur lebenswichtigerEinsah derKraststoffe Besondere Pflichten -er Kraftfahrer. [en und R. B. gegen. die wir euch schon aus- Er zur mit hochgehalten von einem schwarzen Halstuch, mit seiner Verknotung wie der Keim eines dernen Selbstbinders die lange Knopfreihe hohen Weste kraftvoll abschließt. Lichtreflexe beiden Brustseiten machen aufmerksam auf das moder auf ein ICH. k s Re- Autrei 5’eite „Michel, nach der Ernte schicke ich «M Freiersmann", lachte Klaus. „Meinst wohl, weil ich keine Frau für funden habe, wäre ich nichts dazu?" lächelte jetzt sogar freundlich. „Wissen Sie", sagte er und warf die Zigarre achtlos ins Meer, „in der Nähe werden Benzinfässer verladen. Das Rauchen ist hier verboten!" Er drehte sich um und wollte weggehen, verhielt aber den Schritt, denn der elegante Herr, zu dem er eben gesprochen hatte, preßte die Hände an die Schläfen und lachte in kreischenden, schrillen Tönen, die allmählich in ein tierisches Brüllen übergingen. „Diese Fremden!" sagte der Polizist verwundert, „komische Leute!" Und ging davon. 3. Auch Fahrten zu beruflichen Zwecken sind auf unbedingt notwendige Fälle zu beschränken. 4. Die Kraftdroschken werden nur für solche Volksgenossen bereitgestellt, die in ro eiligen Fällen nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ihr Ziel erreichen können. 5. Die Tankausweiskarten find kein Freibrief zur schwunden und mit ihm der millionenschwere Diamant. Während die Polizei alle Wege und Verkehrsmittel, die aus der Stgdt führten, hermetisch zernierte, saß der Flüchtling in einem wohlvorbereiteten Keller und unterzog seinen Körper einer Tortur. Durch Hunger, radikale Schwitzkuren und Dauerturnen verminderte er sein Gewicht binnen wenigen Wochen um 30 Kilo. Aus dem kugelrunden, dickbäuchigen Derhaert war ein mageres, faltiges Männchen geworden. Uebermangan-Einreibungen in die Haut, Atropin in die Augen, ein kleines mit Henna gefärbtes Schnurrbärtchen und eine kahle Glatze anstelle des aschblonden Haarwaldes, ließ den französischen Weinreisenden Emile Verlon entstehen, auf den der falsche Paß lautete. Ein halbes Jahr im Dunkel, und dann wagte er den Schritt über die Grenze. War er einmal in London, so konnte ein neues Leben beginnen. Bei der Paßkontrolle war alles gut gegangen, nicht einmal seine eigene Mutter hätte ihn erkannt. Die Zolluntersuchung war unerhört gründlich, noch immer fahndeten die Beamten nach dem verschwundenen Diamanten. Er wurde einer genauen Leibesvisitation unterzogen. Während der ganzen Prozedur aber rauchte er ungeniert vor den Augen der Kontrolleure die dickbäuchige Havanna. Zwei Monate hatte er sich mit der Herstellung biejer Zigarre abgeplagt. Eine bloße Atrappe hätte bestimmt den Verdacht der Beamten erregt. Endlich kam das befreiende Wort: Passiert? Es war geglückt! Und jetzt, wo er nur auf den Dampfer wartete, jetzt, wo er alle kritischen Momente glücklich überwunden hatte, jetzt im letzten Augenblick sollte alles schief gehend Was mochte diesem verdammten Polizisten an ihm auf fallen? Sollte er ihn erkannt haben? Ausgeschlossen! Oder verdächtigte er am Ende gar die Zigarre? Nicht wahrscheinlich! Warum starrte er dann aber so auffällig herüber? Verhaert warf wieder einen kurzen Blick hinüber und im gleichen Moment jagte ein eisiger Schreck durch seine Glieder. Der Polizist kam auf ihn zu! „Geben Sie mir die Zigarre!" hörte er eine kalte Stimme sagen. Willem Derhaert schloß die Augen, seine Knie wankten. Willenlos leistete er dem Befehl Folge. „Aus!" schoß es ihm durchs Hirn. „Schief gegangen!" Wie sie ihm wohl hinter den Trick gekommen waren? Das Blut brauste in seinen Ohren "nd er wartete ergeben auf das Schnappen der ^tahlfesseln um seine Handgelenke. DNB. Es wird amtlich bekannt gegeben: Wer heute noch Kraftstoff im Rahmen der angeordneten Einschränkung erhält, trägt eine besondere Verantwortung vor der Allgemeinheit. Er darf Kraftstoff nur dann verbrauchen, wenn er ihn f ü r lebensnotwendige Fälle einfetzt. Daher richtet sich jeder Kraftfahrer nach folgenden Grundsätzen: 1. Die Beförderung aller lebenswichtigen Güter ist vordringlich. Auch der Nutzkraftwagen darf nicht zu anderen Zwecken eingesetzt werden. 2. Wer aus Bequemlichkeit oder zum Vergnügen fährt, entzieht der Allgemeinheit ein lebenswichtiges Gut. Sein Tun ist verwerflich. Hauswämschen unter dem offenen, stolzen Schoß- rock aus Tuch, lange Hosen mit verbeulten Knien und derbe Schuhe vervollständigen feinen Sonntag sanzug. Seine linke Hand umfaßt über die Stuhllehne weg mit kräftigem Druck den rechten Oberarm seiner Frau, an der er gewiß eine starke Stütze und treue Helferin in Haus, Hof und Feld gehabt hat. Wunderbar, wie gut sich dieses Bild auf Blech erhalten hat, das man schon nach wenigen Minuten für ein paar Groschen als fertige Werkstattarbeit mitnehmen konnte. Dazu blieb es das einzige Bild von unseren Ururgroßeltern, denn vor reichlich 70 Jahren photographierte man noch nicht so viel wie heute. Und schließlich gewann es in unseren Tagen noch biologischen Urkundswert, wenn chm auch der polizeiliche Identitätsnachweis fehlt. Dafür sieht es von feinem Ehrenplatz in unserem Familienalbum als kostbares Erbstück der sechsten Generation ent- Nächsten Tag hauen v..... , - Aber nichts dergleichen geschah. sation. Der bekannte Schleifer Pechaert war Der-1 Der Polizist stand noch immer vor chm. UltHei Mn zeitig durch aller - Fall. Die l Men di Pentti jWo tV „Michel, mach' keine Witze!" entgegnete Klaus schnell, wendete und fuhr zum nächsten Schnitt. Michel sprach noch etwas mit dem Bauer Peter. „Warum net?" sagte der im Fortgehen. „Sag's dem Klaus, einen Tag wollen 1 ' ' " helfen. Was meinst du, Erna? Die nickte mit rotem Kopf und steckte sich die Doppelähre ans Mieder ... w 06w< tigteit ■ wald is Gesund FOTO-Arbeiten preiswert 727D FotO-Rllhl, Seltersweg 67 s Ä R» > L.Nn Minier sorgfältig waren seine Vorbereitungen. Ueberdies spielte ihm der Zufall eine unerhörte Chance in die Hände. Er erhielt den neiiA«*»******'’« Wihel- Diamanten, den Schleifen! Der zivile Luftschutz ist aufgerufen worden. Um jeden Zweifel zu beheben, wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß von sofort ab bis auf weiteres völlige Verdunkelung durch- z u f ü h r e n ist. Es ist also nicht nur Die Lichtreklame auszuschalten, sondern auch die Wohnungen sind so zu verdunkeln, daß kein Lichtschein ins Freie treten kann. Auch die Straßenbeleuchtung wird ab heute nicht brennen. Es ist weiter zu beachten, daß mit dem Aufruf des zivilen Luftschutzes Vorsignale zum Fliegeralarm Der Vijzel-Oiamani verschwunden! Don Kurt Günther von Ascher. An der Nieuwe-Kade in Amsterdam, an der tigen irgew Nachri Die 9 die E Zeit 9 erhalte Sui Die zes lä Oberfd beginn stunden die erf gibt- • ein«! Fand, beho.^ stelle" Zentra Apre Siiit Die Slnnoh Ostpre' untern sangsb König« Slbfem unbeschränkten Benutzung der Wagen! Ihre Inhaber haben sich nach diesen Grundsätzen zu richten. Ihre Beachtung wird polizeilich kontrolliert werden. Wer gegen die Grundsätze verstößt, wird Verantwortung gezogen werden. Er muß auch sofortiger Stillegung seines Wagens rechnen. großen Dampfer der Koninklijke Nederlandsche Scheepoaartmaatschappij anlegen, die den Passagierdienst nach London besorgen, stand ein Mann mit einer Zigarre im Mund. Obwohl er anscheinend seelenruhig an der Kaimauer lehnte und den grünlichen Wellen zusah, die sich an den Steinquadern brachen, schielte er in Wirklichkeit in höchster Aufregung nach dem Polizisten, der etwas zehn Meter entfernt mit gespreizten Beinen vor dem Laufsteg stand und ihn seit ungefähr einer halben Minute aufmerksam betrachtete. Der Mann mit der Zigarre wechselte das Standbein und wandte dem Wachebeamten wie zufällig den Rücken zu. Er war von kleiner, schmächtiger Statur, olivenfarbenem Teint und trug ein schmales, schwarzes Schnurrbärtchen. Niemand hätte in ihm den stadtbekannten Diamantenschleifer Willem Verhaert vermutet, dessen mysteriöses Verschwinden vor einem halben Jahre alle Polizeizentren Europas in fieberhafte Tätigkeit versetzt hatte. Der Mann tat einen tiefen Zug aus der Zigarre und blies den Rauch nervös in die Luft. Hatte der Polizist Verdacht geschöpft? Sollte im letzten Augenblick alles mißlingen, der Plan zweier Jahre zuschanden werden? Er nahm die Havanna vorsichtig von den Lippen und barg sie in seinen bebenden Händen. Wenn der Polizist ahnen würde, daß sich in der dickbauchigen Tabakhülle, in einer wassergekühlten Kapsel verborgen, der verschwundene Dijzel-Diamant befand! Oder ahnte er tatsächlich etwas? Warum blickte er die Zigarre immer so eigentümlich an? Derhaert suhlte, wie sein Puls klopfte. Jahrelang hatte er in dieser Stadt gelebt, war einer der bekanntesten Diamantenschleifer Amsterdams gewesen. Und obwohl Millionenwerte durch seine Finger wanderten, war es ihm nie geglückt, es über einen bescheidenen Wohlstand hinaus zu bringen. Dabei war er nahe der Fünfzig, Junggeselle und fieberte nach den Genüssen des Lebens. Und dann beschloß er den großen Coup. Aeußerst I "! Koch, ijranff Whri Sorgefi Anfehei ** 5 1472 58 Dreine, ten 19( unb $i »iffenfc wesen ' ratur it '* D vom Sntereffi " D Mnii 8T Ion IN ist M bt ♦ö markt Matte deutsch vm kraut i bis 10 Bohne, 15 bis 20,Hm IBM Og 32 bis Birne, 20 bis bis 1,2 Tauben bis 40, madjgu 5 bis! dusche. „Ja, Michel." Da konnte der Knecht nichts mehr erwidern und schaffte weiter. — Als die Abendglocke vom Dorfe her ihren Feierabendruf über die Gemarkung sandte, rüsteten die Bauern ringsum zur Heimkehr. Zu Hause gab*5 mit dem Dieh noch Arbeit genug. Klaus, Michel und die Italiener aber werkten weiter. „Macht Feierabend!" rief im Dorbeigehen der Bauer vom Peterhof. „Morgen ist auch noch 'n Tag!" Klaus, der gerade beim Wenden war, hielt einen Augenblick die Pferde an. „Bei uns könnt' der Tag achtundvierzig Stund' haben. Wir sind noch weit zurück mit der Arbeit. Wie weit seid ihr?" „Uebermorgen geht's schon los mit dem Hafer. „Wär's bei uns auch so weit! Das hier ist unsere letzte Gerste. Noch kein Halm Weizen ist gemäht. Die Mutter krank, keine Erntehilfe zu kriegen", klagte Klaus. Erna, des Peterbauern Jüngste, war herzuge- kommen. Sie bückte sich und hov eine Aehre auf. „Eine Doppelähre!" Klaus stieg ab und trat zu Erna, die ihrem Vater die doppelte Gerstenähre zeigte. „Die sind selten", sagte Klaus. „Ich habe mein Lebtag noch keine gefunden." Michel, der die gemähte Gerste mit den beiden Italienern zu Garben band, kam auch herzu. „Das bedeutet Hochzeit", sprach er laut und sah Erna und Klaus an. Bornotizen. Tageskalender für Samstag. Kreisleitung der NSDAP. Kreis Wetterau und Wirkschastsgruppe Einzelhandel, Kreisgruppe Gießen: 14 Uhr „Burghof" (Caf6 Ebel) Versammlung des Gießener Einzelhandels. — Gloria-Palast (Selters- weg): „Der Polizeifunk meldet". Tageskalender für Sonntag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Polizeifunk meldet." heute nachmittag wichtige Versammlung des Einzelhandels. Am heutigen Samstag um 14 Uhr findet im „Burghof" (Caf6 Ebel) eine wichtige Versammlung des Gießener Einzelhandels statt. Im Hinblick auf die außerordentliche Wichtigkeit der Versammlung werden alle Einzelhändler erwartet. Die Doppelähre. Don Hermann Müller. Der Klaus vom Kranzhof war noch weit mit der Arbeit zurück. Er hatte alle Hände voll mit dem Schnitt des Rogaens und der Gerste zu tun und als einziger Hofbesitzer in der Gemarkung noch keinen Halm Weizen geschnitten. Es mangelte auf dem Kranzhof an arbeitstüchtigen Armen. Die alte Kranzbäuerin war seit dem Frühjahr krank; die Magd mußte an ihrer Stelle die Dienste der Hofbäuerin versehen, und ihre Kraft fehlte bei der Erntearbeit. So blieben dafür nur der Jungbauer Klaus, der Knecht Michel und die beiden italienischen Landarbeiter übrig. Bis diese sich eingeschafft hatten, dauerte es auch noch eine Weile. Ja, wenn neben Klaus eine junge Bäuerin auf dem Kranzhof hätte schalten und walten können! Aber so lange der Mutter Augen noch offen waren, gab sie die Herrschaft in Haus und Hof an keine Schwiegertochter ab. Klaus blieb bei seiner Mutter der Junge, obwohl er längst das heiratsfähige Alter erreicht hatte. Und feinen Sinn an ein Mädchen zu hängen, wagte Klaus nicht, weil es eben die Mutter nicht wollte. Michel, der Altknecht, der über dreißig Jahre auf dem Kranzhof war, gewissermaßen zum Hof gehörte und in vielen Dingen ein gewichtiges Wort mitsprach, sagte: „Klaus, so geht das nicht weiter; unser Hof kommt immer mehr in den Rückstand, öorg', daß eine Junge auf den Hof kommt." „Sei jetzt still mit dem Gered", erwiderte der junge Bauer. „Wenn die Mutter gesund ist, dann werde ich schon mit ihr sprechen." „Wenn die Mutter gesund ist", wiederholte Michel gedehnt, und er sagte das in einem Ton, aus dem der Zweifel sprach. „Nicht mit der Mutter mußt du reden, mit einem tüchtigen Mädchen, Klaus." „In der Ernte hat noch keiner gefreit." „Warum nicht jetzt? Zwei junge flinke Arme schafften, hier die Arbeit voran." sie bei der Polizeibehörde Nachfrage halten können. Um diese Schwierigkeiten zu beheben, hat der Reichsführer ff und Chef der Deutschen Polizei soben beim Polizeipräsidium Berlin die Einrichtung einer zentralen Auskunftsstelle und der Bezeichnung „Zentralsundnachweis" angeordnet, bei der die Nachrichten über den Verlust und das Auffinden von verlorenen Sachen auf den Reichsautobahnen aus dem gesamten Reichsgebiet zu sammeln sind und die darüber Auskunft zu erteilen hat. Wenn bei einer Polizeibehörde ein Fund auf einer Reichsautobahn angezeigt ober abgeliefert wird, so ist hiervon dem Zentralfundnachweis Mitteilung s- Oer neue Landgerichtspräsideni im Amt. Am gestrigen 1. September hat der neue Landgerichtspräsident des Landgerichts Gießen, Hermann C o l n o t, fein Amt angetreten. Der jetzt im 51. Lebensjahr stehende Landgerichtspräsident wurde in Biedenkopf, wo fein Vater Amtsgerichtsrat war, geboren. Sein Urgroßvater, der die Befreiungskriege mitgemacht hatte, kam nach seiner Verabschiedung als Offizier als preußischer Amtsbürgermeister nach Atzdach. Hier war auch sein Sohn, der Großvater des neuen Präsidenten, bis 1890 Bürgermeister. In Atzbach verlebte Hermann Colnot einen großen Teil seiner Jugend. Nach dem Studium in Heidelberg, Leipzig, Berlin und Marburg kam er als Referendar wiederum in das Nassauer Land, so nach Königstein, Langenschwalbach, Wiesbaden, Frankfurt. Später war er in Stettin, wo sein Vater m der Zwischenzeit als Oberlandesgerichtspräsrdent amtierte, tätig. 1915 legte er sein Assessoren-Examen ab, dann war er nach vorübergehender Tätigkeit bei verschiedenen Amtsgerichten in Pommern, 1921 Landrichter in Frankfurt a. M., 1927 wurde er als Amtsgerichtsrat nach Minden in Westfalen versetzt. Die weiteren Etappen waren 1928 Wetzlar, wo er ab 1. 1. 1934 aufsichtsführender Richter wurde, und Wiesbaden, woyin er 1937 als Amtsgerichtsdirektor berufen wurde. Sowohl in Wetzlar, als in Wiesbaden war Colnot im Kreisparteigericht tätig. In den von ihm u. a. in der Fachschaft „Deutsches Recht" veröffentlichten Aufsätzen hat Colnot zu der Frage der Ausschaltung des Juden aus dem deutschen Volke mit Mitteln der Rechtspflege Stellung genommen, wie er auch durch das in der Fachwelt bekannte „Wetzlarer Urteil" von Mitte Juni 1935 vor der Herausgabe der Nürnberger Gesetze von sich neben machte. Postsperre für die Truppe ab 3. September aufgehoben. Rähere Bestimmungen noch abwarten. Das Deutsche Nachrichten-Büro meldet: Die bisher bestehende Postsperre für die Truppe wird nach einer Mitteilung des Oberkommandos der Wehrmacht am 3. September aufgehoben. Zugleich wird die Beförderung von Postsendungen nach dem Feldpostverfahren freigegeben werden. Es wird aber dringend gebeten, mit Zuschriften an die Soldaten zu warten, bis die näheren Bestimmungen bekannt- gegeben werden. Also einstweilen abwarten! Voreiliges Schreiben ist zwecklos. Brief- und Postsendungen laufen sonst große Gefahr, verloren zu gehen. Weitere Bekanntgaben über Feldpostsendungen folgen. Verluste auf der Reichüauiobahn. Einrichtung einer zentralen Auskunftsstelle durch den Reichsführer ff. Kraftfahrer, die auf einer Reichsautobahn einen Gegenstand verlieren, wissen in der Regel nicht, an welcher Stelle der zurückgelegten Strecke sie den Gegenstand verloren haben und in welcher Ortschaft Klaus war damit einverstanden, und Michel ordnete alles Weitere. Nicht nur am nächsten Tage, sondern bis zum Ernterest schafften die Leute vom Peterhof und vom Kranzhof zusammen. Und dabei geschah es, daß beim Haferbinden Klaus und Erna ihre Köpfe so dicht über eine körnerschwere Garbe beugten, daß eins die Wärme und das Leben des andern spürte und sie das Zusammenschafte n als besondere Beglückung empfanden. Seitdem sand Klaus Mut, die Mutter nicht mehr viel zu fragen, ob Erna die rechte Bäuerin für den Kranzhof lei. nicht gegeben werden. Wenn die Sirenen ertönen, bann bedeutet das „Fliegeralarm". Die Bevölkerung hat sich dann sofort in die Luftschutzräume zu begeben und sich bis zur Entwarnung darin aufzuhalten. Also nochmals: Ab sofort völlige Verdunkelung. Es gibt nur zwei Signale: der langgezogene auf- und abschwellende Heulton bedeutet „Fliegeralarm", der langgezogene, in der Tonhöhe gleichbleibende Heülton bedeutet „Entwarnung". Im ßug-e der laufenden Prüfung, inwieweit die Bezugsscheinpflicht für Spinnstofswaren und Schuhwaren im berechtigten Interesse der arbeitenden Bevölkerung erleichtert werden kann, ist die Bezugsscheinpflicht für eine für diesen Teil der Bevölkerung besonders wichtige Gruppe von Textilerzeugnissen aufgehoben worden. Der Reichswirtschaftsminifter hat verordnet, daß Arbeits- und Berufskleidung vom heutigen Tage ab ohne Bezugsscheine getauft werden kann. Diese Maßnahme wird vor allem von den im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Lage ihren Arbeitsplatz wechselnden Volksgenossen begrüßt werden. Die Arbeits- und Berufskleidung umfaßt B e - rufsoberbekleidung, sowie S ch u tz k i 11 e l und Arbeitsschürzen. Von nun an sind also beispielsweise Monteuranzüge, Fleischerkittel, Schwesterntracht, Aerztekittel und Arbeitsschürzen für Erwerbstätige (nicht dagegen für den Haushalt) frei verkäuflich. Straßenbekleidung, die üblicherweise im Berufe getragen wird, gilt nicht als Berufskleidung und kann daher nur gegen Bezugsschein bezogen werden. Auf dem Gebiet der S ch u h w a r e n ist gleichzeitig die Bezugsscheinpflicht für Leder zur B e- sohlung von Schuhen durch Schuhmacher und andere Werkstätten, die Schuhe ausbessern, aufgehoben worden. Schuhe können also an Schuhmacher und Reparaturanstalten zur Besohlung wie zu jeder anderen Ausbesserung ohne einen Bezugsschein gegeben werden. Eine Bezugsschein für den Bezug von Leder für Besohlung von Schuhen brauchen nur noch sogenannte Selbstbesohler. Die für die Erteilung von Bezugsscheinen zuständigen Behörden werden solche Bezugsscheine auf Grund von Richtlinien, die ihnen die Reichsstelle für Lederwirtschaft gibt, nach Prüfung des Eingelfalles ausftetyen. Die Lockerung der Bezugsscheinpflicht für Leder Aus der Stadt Gießen. Ein kostbares Erbstück. Es ist nur eine kleine Photographie, aber es sind unsere Uruxgroßeltern. Als einfache Bauersleute in einem lieblichen Tal am Südabhang des Vogelsberges waren sie schon recht alt geworden, bis sie das Schicksal noch einmal vor den Apparat eines Photographen führte. Das kam so: ihre Tochter hatte in die Wetterau geheiratet, und es konnte nicht ausbleiben, daß sich die alten Leute aufmachten zu einem Besuch, weil es gerade Kirmes war. Auf der breiten Dorfstraße zwischen den beiden Tanzwirtschaften hatte neben Karussell, Zucker- und Spielwarenständen auch ein fliegender Photograph fein leichtes Zelt aufgeschlagen. Da gelang es unserer Urgroßmutter mit vieler Mühe, ihre alten Eltern $u einer Ausnahme zu bewegen, um sie fern der Heimat wenigstens „obgemouilt" bei sich zu haben, wie der Dolksmund sich damals „photographiert" übersetzte. „Do wollt' aich net väbgemouilt fei’!" gatt übrigens als die stärkste Abwehr gegen ein zänkisches, friedloses Haus. Die Gunst und der Stimmungsgehalt bewahrten uns vor dem berüchtigten, heute überwundenen Atelierbild mit den tellergroßen Augen und dem beinahe sakralen Gesichtsausdruck. Und so sehen wir unsere Ururahne in durchaus ungezwungener, lebenswarmer Haltung seitlich auf einem Stuhle sitzen. Den linken Fuß kräftig vorgestellt, ruht ihre Hand mit dem weißen Taschentuch auf der breiten, faltenreichen Schürze, während sie den rechten Unterarm locker auf die Stuhllehne stützt, lieber das Mieder fallen als festliches Schmuckstück die langen Enden eines buntseidenen Halstüchelchen mit Fransen. Ein dunkles Perlenhäubchen läßt das in der Mitte schöngescheitelte, in anmutigen Linien herabfließ ende Haar frei und umrahmt ihr ovales, volles Gesicht, das einen würdevollen Ausdruck zeigt. Neben ihr an der Stuhllehne steht, anscheinend nicht mehr so rüstig, ihr Mann. Die große, heute beim Arbeitsdienst übliche Bauernkappe überschattet sein schmales, kantiges Gesicht. Unter dem bartlosen Kinn leuchtet ein schöner, weißer Hemdkragen, zur Besohlung von Schuhen ist möglich, weil inzwischen durch die Anordnung 52 der Reichsstelle für Lederwirtschaft eine gleichmäßige Behandlung der Schuhmacher und Reparaturanstalten gewährleistet ist. Die Belieferung der Schuhmacher und Reparaturanstalten mit Unterleder ist im Handel gleichzeitig wieder erleichtert worden, indem die Reichsstelle für Lederwirtschaft den Belieferungssatz von 50 auf 80 v. H. der in ihrer Anordnung 52 festgesetzten Grundmenge erhöht hat. Die Reichsstelle hat dabei eine entsprechende Regelung für die Abgabe von Unterleder an Selbstbesohler auf Bezugsschein getroffen. Herstellung von Rohwurst undHleischwaren. Die HD. der deutschen Viehwirtschaft veröffentlicht im Verkündungsblatt des Reichsnährstandes Nr. 74 eine Anordnung Nr. 15 betr. Herstellung von Roh- murft und Fleischwaren vom 27. Auaust 1939. Hiernach wird u. a. allen gewerblich Fleisch be« und verarbeitenden Betrieben verboten, Rohwurst mit Ausnahme ftischer Streichmettwurst im Kranzdarm, ferner von Pökel- und Rauchfleifchwaren einschl. gekochtem Schinken, jedoch mit Ausnahme von geräuchertem fetten und mageren Speck, Fleisch und Fleischwaren in luftdicht abgeschlossenen Behältern und Aufschnittwaren aus gekochtem und gebratenem Fleisch herzustellen. Ausgenommen vom Verbot ist die Herstellung in unmittelbarem oder mittelbarem Auftrag für die Wehrmacht. Eine Anordnung Nr. 16 regelt das Bezugsscheinwesen bei Fleisch- und Fleischwaren. Hiernach sind die Einzelabschnitte der Ausweiskarten für den Be- zua solcher Waren auf Sammelbogen zu je 300 Stück aufzukleben und aufzurechnen. Einzelabschnitte der Ausweiskarten für Schwer- und Schwerstarbeiter mit erhöhten Zuteilungen sind gesondert aufzukleben und aufzurechnen. Keine Vezugsscheinpflicht für Arbeits- und Verussbekleidung. Leder zum Besohlen durch Schuhmacher und andere Werkstätten ist frei. ** Dienstjubiläum. Der Maschinist Anton Koch, tätig bei den Universitätskliniken in Gießen, Frankfurter Straße 39, feiert am 3. September sein 25jähriges Dienstjubiläum. Herr Koch erfreut sich bei Vorgesetzten und Gefolgschaftsmitgliedern des besten Ansehens. ** Städtische Bücherei. Im August sind 1472 Bände ausgeliehen worden. Davon kamen auf: Literaturgeschichte 2, Zeitschriften 18, Gedichte und Dramen 10, Erzählende Literatur 919, Jugendschriften 196, Länder- und Völkerkunde 90, Geschichte und Biographien 137, Kunstgeschichte 11, Naturwissenschaft und Technologie 31, Heer- und Seewesen 7, Staatswissenschaft 19, außerdeutsche Literatur in den Originalsprachen 3 Bände. ** Die Bezahlung der Strom- und Gasgelder, vor allem der Zahlungsrückstände vom Juni, macht die Direktion der Stadtwerke zum Gegenstand einer Bekanntmachung, die von den Interessenten sorgsam beachtet werden möge. ** Die Heberolle liegt zur Einsichtnahme offen. Für die Festsetzung der Beiträge für land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft ist die Heberolle nunmehr zur Einsichtnahme durch die Beitragspflichtigen aufgelegt worden. G. A.-Gpori. Opferspiele fallen aus. Wie der Kreisfachwart für Fußball uns mitteilt, fallen die Opferspiele am 3. September aus. Rennmannfchasten bleiben in Belgrad- Die gegenwärtig in Belgrad weilenden deutschen Rennmannschasten von Mercedes-Benz und Auto- Union sowie die Mannschaft des NSKK. erhielten «cm Freitag im Gemeinschaftsempfang über den Nundfunk Kenntnis von der politischen Entwicklung. Nach dem spontanen Entschluß, sofort die Heimreise enzutreten, setzte sich NSKK.-Obersturmführer Die ne mann als der vom Korpsführer beauftragte Betreuer der Mannschaft mit der deutschen Gesandtschaft in Verbindung. Es wurde den deutschen Fahrern an geraten, mit Rücksicht auf die Freundschaft mit Jugoslawien sowie auf die wirtschaftliche Bedeutung des Belgrader Rennens, das mit dem Start der deutschen Wagen steht und fällt, rorerst auf ihrem Posten zu bleiben. Dieser Entschluß hat in Belgrad große Befriedigung ausge- kst. Beim Training konnte Hermann Lang auf Mer- csdes-Benz seinen Rekord vom Vortag noch weiter unterbieten. Er fuhr 1:15,2 Minuten = 131,8 km/st) fjr die 2794 Meter lange Strecke. Sein Marken- führte Manfred v. Brauch itsch kam auf 129,6 im/st, und Hermann Müller (Auto-Union) wurde mit 1:17,0 (= 129,2 km/st) gezeitet. Die verspätet eingetroffene NSKK.-Mannschaft trainierte mit ihren 2-Liter-BMW.-Sportwagen zum erstenmal. Als schnellster kam Briem auf eine Zeit von 1:29,4 Minuten (= 110,6 km/st). Die übrigen Rutschen Teilnehmer in dieser Klasse sind Wenscher lind Röse, gleichfalls auf BMW.-Spoxt. „ machen, der dem Verlierer entsprechende Auskunft gibt. Kraftfahrer, die auf einer Reichsautobahn einen verlorenen Gegenstand finden, können den Fund, falls die Ablieferug bei der nächsten Polizeibehörde zu umständlich ist, bei einer Straßenmeisterei der Reichsautobahn oder einer 'Rufstelle des NSKK.-Verkehrshilfsdienftes abliefern. Diese Dienststellen geben über die nächste Polizeibehörde dem Zentralfundnachweis beim Polizeipräsidium Berlin entsprechende Nachricht. Güterverkehr nach Ostpreußen gesperrt. Die Reichsbahndirektion Frankfurt teilt mit: Die Annahme von Gut aller Art nach allen Bahnhöfen Ostpreußens ist gesperrt. Im Inland aufgelieferte, unterwegs befindliche Güter aller Art für Empfangsbahnhöfe im Bezirk der Reichsbahndirektion Königsberg werden zurück- und zur Verfügung des Absenders gehalten. Achtung! Landjahr! Mitteilung für die Ellern von Landjahrpflichtigen. Für die Landjahrlager des Reiches sind rechtzeitig Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt worden, durch die Unterkunft, Verpflegung und Betreuung aller Landjahrjungen und Landjahrmädel für jeden Fall gewährleistet find. Diese Maßnahmen sind sorgfältig vorbereitet worden. Es besteht demnach für die Eltern und Verwandten von Landjahrpslich- tigen nicht der gerinaste Anlaß zu Besorgnissen irgend welcher Art, falls sie eine Zeitlang keine Nachricht aus den Landjahrlagern erhalten haben. Die Regierungspräsidenten der Bezirke, in benen sich Landjahrlager befinden, werden veranlassen, daß die Eltern der Landjahrpflichtigen zur gegebenen Zeit Mitteilung über den Aufenthalt ihrer Kinder erhalten. Kurzausbildung beim Roten Kreuz. Die Kreisstelle Gießen des Deutschen Roten Kreuzes läßt am morgigen Sonntag im Singsaal der Oberschule für Mädchen einen Kurzausbildungskursus i beginnen, bei dem die Teilnehmer in acht Doppelstunden für die Arbeit im Deutschen Roten Kreuz die erforderliche Grundlage erhalten sollen. Gießen-Wieseck. Gestern konnte unsere Mitbürgerin Elisabethe O ß w a l d, Wagengasse 12, auf eine 50jährige Tätigkeit als Milchausträgerin zurückblicken. Frau Oß- wold ist heute noch sehr rüstig und erfreut sich guter Gesundheit. Wir gratulieren herzlich. Gießener Wochenmarklpreise. * Gießen, 2. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Eier, Klasse 8 13, A 12^, B 12, C 11^, D 10%, Wirsing, % kg 6 bis 7, Weißkraut 5, Rotkraut 7 bis 8, gelbe Rüben 7 bis 8, rote Rüben 9 bis 10, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 9, Bohnen, grün 13 bis 20, gelb 13 bis 20, Erbsen 15 bis 20, Feldsalat, Vio 15, Tomaten, % kg 15 bis 20, Zwiebeln 12 bis 15, Kürbis 8, Kartoffeln, % kg 5 Rpf., 5 kg 47 Rpf., 50 kg 3,50 RM., Frühäpfel, % kg 15 bis-30 Rpf., Falläpfel 6 bis 8, Pfirsiche 32 bis 35, Brombeeren 35 bis 40, Preiselbeeren 35, Birnen 15 bis 30, Zwetschen 12 bis 17, Mirabellen 20 bis 25, Renekloden 15 bis 18 Rpf.,, Hähne 1,10 bis 1,20 RM., Suppenhühner 90 Rpf. bis 1 RM., Tauben, das Stück 60 bis 70 Rpf., Blumenkohl 10 bis 40, Salat 5 bis 8, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 1 bis 5, Endivien 8 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 20, Ra- dieschen, das Bündel 8 bis 10 Rpf. Der gerechte Anteil ist jedem gesichert. Ausreichende Vorratshaltung beim Handel. — Sinnlose Hamsterei unterbunden. Die erste Wirkung der Ausgabe der Bezugsscheine für lebenswichtige Versorgungsmittel war, daß freudige Zustimmung durch das ganze Volk ging und daß anderseits unsere Widersacher draußen in der Welt erschrocken waren über den Grad der Vorbereitung und der Präzision, mit der Deutschland ihren Angriff von vornherein abzuwehren in der Lage ist. Wenn den Engländern und Franzosen eine Tatsache den Ernst der Situation hat deutlich werden lassen können, dann die der Ausgabe der Bezugsscheine, die ihnen zeigt, daß das nationalsozialistische deutsche Volk gewillt ist, mit der ganzen Wucht seiner völkischen Kraft sich dem Angreifer entaegenzuwerfen, daß es bereit ist zum totalen Krieg. Wenn wir 1914 auch nur in ähnlicher Weise gehandelt hätten wie heute, wäre kein Versailler Friedensdiktat das Ende des Ringens zwischen Deutschland und der Entente gewesen. Deutschland hätte sich keine Entbehrungen' aufzuerlegen brauchen, wie in den Jahren 1917 und 1918, und es hätte sich dadurch seine Nerven gesund erhalten können. Nach jenen Erfahrungen hat es daher in Deutschland auch niemand verwundert, daß die Bezugsscheine griffbereit dalegen und die Maßnahme über Nacht durch geführt wurde. Es war für uns alle zwar eine Ueberraschung, als wir die Kunde über die Einführung der Scheine hörten und lasen, es war aber eine freudige Ueberraschung, denn jeder von uns weiß, daß die Versorgungslage und die Bevorratung in Deutschland in allen Waren gut ist und viel besser als 1914, da der Führer wachen Auges seit Jahren den Dernich- tungwillen unserer Widersacher erkannte und darauf seine Maßnahmen aufbaute. Diese Versorgungslage bleibt uns nun unangetastet erhalten, und jeder von uns hat die Gewißheit, daß auch in Zukunft ein gerechter, auskömmlicher Anteil auf ihn und seine Familie entfällt. Die Maßnahme hat aber auch für den Handel und das Gewerbe insofern eine keineswegs zu unterschätzende Bedeutung, als durch sie die normalen Funktionen des Gewerbes und des Verteilerapparates erhalten bleiben, oder anders und noch deutlicher gesagt: es ist die E x i st e n z s i ch e - rung für Handel undGewerbe. Durch diese Maßnahme ist verhindert worden, daß Handel und Gewerbe durch einen einmaligen großen Ausverkauf in schwerste Mitleidenschaft und Unordnung geraten konnten. Wenn es auch einige Tage mit dem regulären Verkauf in den Geschäften Schwierigkeiten machen wird, weil insbesondere bei Spinnstoffen und Schuhwaren die Bezugsscheine erst den Verbrauchern ausgestellt werden müssen, so wird doch in Kürze diese Stockung im Geschäftsleben überwunden sein, und dann hat jeder Geschäftsmann die Gewähr, daß er auch fernerhin damit rechnen kann, sich seine Stammkundschaft zu erhalten, weil er genau so wie sein Nachbar und Konkurrent in der Lage ist, aus einem gut sortierten und gefüllten Lager weiterzuliefern, so daß für das Publikum keine Veranlassung besteht, sich zu „verlaufen". Und was bedeutet diese Maßnahme für jeden opn uns in finanzieller Hinsicht? Die Reichsregierung hat dafür gesorgt, daß wir nicht nur die Gewißheit haben, in Zukunft mit allen notwendigen Versorgungsgütern eingedeckt zu sein, sondern sie hat uns auch das Geld in der Tasche erhalten. Sie hat uns davor bewahrt, daß irgendjemand nervös werden und sein Geld durch sinnlose Käufe verschleudern kann. Vorräte haben die Fabriken, der Großhandel und der Einzelhandel zu halten, das ist ihre normale volkswirtschaftliche Funktion, aber nicht die des einzelnen Volksgenossen! Er soll und muß die Möglichkeit haben, sich das zu kaufen, was er jeweils braucht! Und diese Gewißheit hat er heute! Aus der engeren Heimat Tod Wirtschaft eröff- zwar in ruhiger Haltung, da von der Kundschaft allgemein Zurückhaltung geübt wurde. Die Tendenz blieb aber fest und die Aktienkurse setzten größtenteils durchschnittlich 1 v. H. höher ein, um aber im Verlaufe eher leicht zurückzufallen. Das Geschäft hatte nur kleinen Umfang, wobei der Monatsbeginn miffprach. Stark befestigt und etwas lebhafter lagen JG.-Farben mit 161 (157,25), gingen allerdings später auf 160 zurück. Scheide- anstatt gewannen 2 v. H. auf 215, von Montan- werten Mannesmann 1,65 v. H. auf 106,65, Klock« ihrem stofflichen Umfang nach zu den reichhaltigsten derartigen Sammlungen gehören dürfte und im Stadtarchiv verwahrt wird. Ihr Schöpfer war der badische Staatsminister Johann Freiherr v. Türkheim-Altdorf (1778 bis 1847), der als Verwandter der Lilli Schönemann und Gatte einer Freifrau von Günderode mancherlei Beziehungen zu Frankfurt hatte. Zeitlich durch viele Jahrhunderte zurückreichend beginnt sie inhaltlich mit den „Gekrönten Monarchen" ganz Europas, berücksichtigt fast sämtliche deutschen Reichsstände, sowie viele deutsche und außerdeutsche weltliche und geistliche Fürsten, Grafen und Herren, Alt- und Neuadelige, geistliche Korporationen und Klöster, die Republiken Nordamerika und Schweiz, endlich zahlreiche Städte und Verwaltungen. Eine Kaiserin Elisabeth von Rußland etwa ist ebenso vertreten wie die viel weniger bekannte Königin Maria de Gloria oder das Fürstentum Monaco. Unter den etwa 100 Abdrücken von berühmten Orignalen sei als Beispiel angeführt das Siegel Childerichs I. aus dem 5. Jahrhundert. Zwar ist ein sehr beträchtlicher Teil der Sammlung noch ungeordnet, darunter auch die vorhandenen Bürgersiegel. Zusammen mit der unlängst aus dem Stadtgeschichtlichen Museum übernommenen großen Serie von Siegelabgüssen und den von jeher im Archiv befindlichen zahlreichen Originalsiegeln bildet unser Stadtarchiv nun auch in dieser wie in so manch anderer Hinsicht einen neuen Anziehungspunkt für die wissenschaftliche Forschung. Wertvoller Zeitungsfund in Mainz. LPD. Mainz, l.Sept. In der seit etwa Jah- resftist dem Mainzer Gutenberg-Museum angeschlossenen Forschungsstelle für Papiergeschichte machte deren Leiter, Dr. Alfred Schulte, bei der Durchsicht alter Akten einen wertvollen Fund. Er stellte sieben Nummern aus dem Jahre 1758 der „Chur-M aynzischen Wöchentlichen Frag- und Anzeigungs-Nachrichten" fest, von denen bisher nur vierundeinehalbe Nummer als erhalten bekannt waren. Die nach einer vom 30. Dezember 1743 datierten Verordnung des Mainzer Kurfürsten Carl Friedrich von Ostein begründete Zeitung erschien zweimal wöchentlich, Dienstags und Samstags, erstmals Januar 1744. Die neuaufgefundenen Nummern, die von Februar bis November 1758 reichen, gehören also dem 15. Jahrgang der Zeitung an. Sie wurde gedruckt im Mainzer 'Rochushospital, das auch neben der Post die Zustellung besorgte, und enthielt neben landesherrlichen, gerichtlichen und wirtschaftlichen Nachrichten auch private Anzeigen. Dagegen vermißt man in den vorgefundenen Nummern politische und örtliche Meldungen, von der Ankündigung musikalischer Veranstaltungen abgesehen, so daß die Zeitung lediglich den Charakter eines Anzeigenblattes trägt Benzin gehört nickt in Kinderhände! Lpd. Pfungstadt, 1. Sept. In einem Hause in der Adolf-Hitler-Straße kam einem bei einer Familie zu Besuch weilenden elfjährigen Knaben eine Benzin flasche in die Hand, die zum Reinigen von Kleidern bereitgestellt war. Der Junge kam dabei mit der offenen Flasche dem Herdfeuer in der Küche so nahe, daß dos Benzin explodierte. Der Junoe erlitt schwere Brandwunden an der Hand. Außerdem sprangen die Flammen sofort auf die Vorhänge, auf Tisch und Stühle über, doch konnte der Brandherd noch im Keime erstickt werden. Regierungsveterinärrot Or. Zürn f. ♦ Wetzlar, 1. Sept. Im hiesigen Landratsamt sprach heute nachmittag der Regierungsveterinärrat i. R. Dr. Zürn, der erst am 31. Juli wegen Krankheit in den Ruhestand getreten war, vor mit dem Wunsche, in dieser Zeit, da jede Kraft gebraucht wird, der Volksgemeinschaft wieder dienen zu dürfen. Während der Rücksprache wurde der verdiente und tatfreudige Beamte von Oampfsägewerk Lollar B. 7!uhn AG. Lollar-Gießen. Fwd. Die mit 155 000 RM. arbeitende Gesellschaft erzielte in 1938 einen Rohertrag von 395 000 RM., dem u. a. 227 000 RM. Personalaufwendungen, 62 000 RM. Steuern, 8000 RM. Zinsen und 24 000 RM. Abschreibungen auf Anlagen gegenüberstehen. Nach Zuweisung von 48 000 RM. zu den freien Rücklagen verbleibt einschl. 4950 RM. Vortrag ein Jahresreingewinn von 29170 RM., über dessen Verwendung keine Angaben gemacht werden. In der Bilanz betragen Vorräte 129 000 RM., Warenforderungen 105 000 RM., eigene Aktien nom. 50 000 RM., flüssige Mittel 12 000 RM. Anderseits bei 155 000 RM. Grundkapital Rücklagen 143 500 RM., Rückstellungen 60 000 RM., WarenschuDen 22 000 RM., Wechselschulden 15 000 RM. und sonstige Schulden 19 500 RM. Anlagen stehen mit 129 000 RM. zu Buch. Vhein-Mainiscke Börse. THiffagsbörfe ruhig, aber fest. einem Herzschlag ereilt, der seinen sofortigen T > d zur Folge hatte. Frankfurt a. M., l.Sept. Die Börse nete unter dem Eindruck des politischen Geschehens Unfall beim Abschleppen eines Lastkraftwagens. Am Donnerstag zwischen 20 und 21 Uhr ereignete sich auf der Reichsautobahnftrecke Gießen— Alsfeld in der Gemarkung Lumda ein Verkehrsunfall, der zum Glück noch glimpflich verlief. Dort fuhr ein Lastkraftwagen in Richtung Alsfeld, der ein anderes Lastauto an einem Seil abschleppte. An einer abschüssigen Stelle rollte der Hintere Wagen nach vorne, so daß die Straffung des Abschleppseils nachließ und das Seil sich zwischen die Achse des abschleppenden Wagens verfing. Dadurch stürzte der Hintere Lastkraftwagen um, glücklicherweise blieb er aber auf der Autobahnstrecke liegen. Die Mitfahrer des umstürzenden Wagens kamen erfreulicherweise mit leichten Verletzungen davon, an dem Wagen entstand jedoch allerlei Sachschaden. Gemeinderat in Schotten. * Schotten, 1. Sept. In feiner gestrigen Sitzung beschäftigte sich der Gemeinderat mit dem Voranschlag für das städtische Krankenhaus, der in Einnahme und Ausgabe mit je 113 000 RM. abschließt. Der Voranschlag wurde angenommen. Mit einer freiwilligen Versteigerung der der Stadt gehörigen alten Herberge ist der Gemeinderat einverstanden. Der Waldwirtschaftsplan für den Stadtwald für 1940 wurde besprochen und diesem zugestimmt. Landkreis Gießen. <£ Leihgestern, 2. Sept. Seinen 83. Geburtstag kann am Montag, 4. September, der schon über 6 Jahrzehnte auf dem Neuhof dahier bedienstete Heinrich Winter in guter Rüstigkeit begehen. Dem Jubilar unseren herzlichen Glückwunsch. Kreis Büdingen. * Büdingen, 1. Sept. Auf der Landstraße nach Rinderbügen ereignete sich am heutigen vormittag ein A u t o u n f a l l. Dabei wurden der 29 Jahre alte Maurer Karl Schlegel aus Kefenrod und der 18 Jahre alte Armin Hartmann aus Büdingen verletzt und alsbald nach Gießen in die Klinik verbracht. Dort liegt Schlegel mit einer Gehirnerschütterung darnieder, während Hartmann nach Versorgung seiner leichteren Verletzungen nach Hause entlassen werden konnte. Frankfurt a. M. erwarb eine Siegelsammlung. Lpd. Frankfurt a. M., 1. Sept. Der Stadt Frankfurt gelang kürzlich der Erwerb _ einer Sammlung von rund 20 000 Original- si egeln, die nicht nur zahlenmäßig, sondern auch Abzeichen der Erntehilfe. Jeder Student, der am Ehrendienst in der Erntehilfe teilnimmt, erhält die vom Reichsstudentenführer geschaffene Plakette. — (Scherl-Bilderdienst-M.) ner und Buderus je 1 v. H., während Stahlverein 0,25 v. H. abbröckelten auf 99,75. Im übrigen kamen zunächst u. a. zur Notiz: AEG. 118 (unv.), Betula 166 (165,50), Gesfürel 132,50 (132), Daimler 119,50 (119,75), Zellstoff Waldhof 114,75 (114,50), Hapag 51,50 (50,50), Westdeutsche Kaufhof unv. 96,25. Verein. Deutsche Metall blieben von der Kapitalerhöhung unberührt und lagen mit 174,50 unverändert. Am Rentenmarkt war das Geschäft äußerst klein. In Pfandbriefen bestand stellenweise größeres Angebot als in den letzten Tagen, es fanden bei unveränderten Kursen schlank Aufnahme. Industrie-Obligationen schwächten sich dagegen meist 0,25 bis 0,50 v. H. und 5 v. H. Eisenbahn-Renten- Bank sogar 1 v. H. auf 84,50 ab. Staats- und Stadtanleihen notierten unverändert, Reichsaltbesitz eine Tönung fester mit 131,90 (131,80). Steuergutscheine I bewegten sich bei 97,45. Im weiteren Verlauf war das Geschäft sehr klein, die Haltung blieb unter leichten Schwankungen fest. Höher waren u. a. AEG. mit 118,75 nach 118, Goldschmidt mit 139,50 nach 138,50, Verein. Stahl Vcc tzplikec am JBatjnhof j mit 100 noch 99,75 und Pheinstahl mit 133 nach 132,50 (131), nur Waldhof 0,50 v. H. rückläufig auf 114,25. Auch bei den erst später zustandege- kommenen Kursen überwogen Befestigungen von etwa 1 v. H. Der Freiverkehr lag geschäftslos; Dingler Maschinen waren mit 100 v. H. angeboten (zuletzt 102,50). Tagesgeld unverändert 3 v. H. Abendbörse uneinheitlich. Die Abendbörse blieb im ganzen gesehen auf einen festen und zuversichtlichen Ton gestimmt, hatte aber keine einheitliche Entwicklung. Während JG.-Farben gefragt wurden und 1,25 v. H. an- zogen auf 161,25 und Siemens um 1 v. H. auf 195, lagen in einigen anderen Papieren einige Bestens-Verkäuse vor. So ermäßigten sich Mannesmann um 1,40 v. H. auf 105,25, Verein. Stahl um 0,75 v. H. auf 99,25, Adlerwerke auf 96 (96,75), Bemberg auf 132 (132,75), Gesfürel auf 131 (132,50) und AG. für Verkehr auf 110 (110,50). Rheinstahl gewannen 0,25 v. H. auf 133,25, Metall- gesellschaft 0,50 v. H. auf 110,50, Rbeinmetall 0,25 v. H. auf 121 und BMW. 0,25 v. H. auf 137,25. Daimler mit 119,50, Licht & Kraft mit 132,50 und Reichsbank mit 179,50 blieben behauptet. Renten waren sehr still, 6 v. H. JG.-Farben 120,40, Reichs- bahn-VA. ebenfalls unv. 122,50. Steuergutscheine I gingen eine Nuance fester mit 97,55 bis 97,60 (97,45 bis 97,50) um. SchulleistungundLebensleistuna Eine zuverlässige Frage, ob Schulleistung und Lebensleistung einander entsprechen, erhält man nicht durch die lieber prüfung von Lebenserinnerungen berühmter Männer, die immer Ausnahmen darstellen, sondern nur durch praktische Untersuchungen. Dr. Lottmann hat solche Untersuchungen an- gestellt, über die er jetzt im amtlichen Organ des Jugendführers des Deutschen Reichs berichtet. Seine Untersuchungen erstrecken sich auf zwei humanistische Gymnasien im Norden und Westen des Reiches, von denen das eine in einer Großstadt, das andere in einer mittleren Kreisstadt mit viel Schülerzugang vom Lande liegt. Insgesamt waren 927 Abiturienten aus dem Abschlußfahrgängen 1885 bis 1914 Gegenstand des Veraleichs von Schul- leistuna und Lebensleistung. Die Schulleistungen dieser Abiturienten wurden für alle drei Schul- stufen (VI bis IV: Unterstufe, U III bis U II: Mittelstufe, O II bis O I: Oberstufe) und das Reifezeugnis gesondert feftgefteöt. Es wurden also für fast alle Abiturienten die Schulleistungen von der ersten Klasse bis zum Abschluß erfaßt. Die nahezu 2 5 0 0 0 Zeugnisse, die dieser Betrachtung zugrunde liegen, wurden eraänzt durch die Charakteristiken, welche die Lebrer über die Schüler beim Abitur abgegeben haben, und die beantworteten Fragebooen, die an die Abiturienten versandt worden sind. Es ist klar, daß die Ergebnisse, die für den Durchschnitt gewonnen sind, nicht aüf jeden einzelnen Vertreter der Berufsgrupve bezogen werden können, da innerhalb der Berufsgriippe neben dem festgestellten Durchschnitt auch die Extreme nach beiden Seiten auf treten. Es ist nicht von ungefähr, daß die Studienräte sich während der ganzen Schulzeit als oute Schüler behaupten, ihnen liegt der Schulbetrieb, was fa auch in ihrer Berufswahl zum Ausdruck kommt. Ihr Beruf fordert von ihnen neben der pädagogischen Befähigung eine ganz besondere (Planung und Neigung zur theoretischen Arbeit. Sehr interessant ist die Betrachtung der verschiedenen Gruppen von Rechtswabrern. Von diesen wurden als nute Schüler die Kammergerichtsräte ermittelt, also Juristen, die im Revisionsverfahren eine größere Bereitschaft für die Bearbeitung grundsätzlicher Fragen des Rechtes auf- weisen müssen als die übrigen Juristen. Mit überdurchschnittlichen schulischen Leistunaen findet man weiter die Rechtsanwälte und die Juristen in freien Berufen, die theoretische und praktische Intelligenz in gesunder Mischung zu vereinen haben. Als Zwischengruppen zwischen theoretischer und praktischer Intelligenz mit einer entsprechenden schulischen LeistungssteUung sind die Chemiker und Vertreter der Technik anzusehen. Ausam- mensassend ist schließlich festzustellen, daß nach diesen Untersuchungen, die auch für Realgymnasien Geltung haben, die höhere Schule vornchmlich in Richtung auf eine theoretische Intelligenz zuungunsten der praktischen Intelligenz aus- gelesen hat. Die oft gehörte Fragestellung „Tüchtige Schüler — Tüchtige Männer?" ist fatsch, weil sie nicht vertieft worden ist durch die Frage „Tüchtige Männer wozu?" Der Hinweis - ein VA in die Zeitschriften. ©er Held: die Gemeinschaft. In der Zeitschrift „Der Deutsche Film" beschäftigt sich Frank M a r a u n mit jenen Filmen, deren eigentlicher Held nicht eine Einzelperson, sondern die Gemeinschaft ist. Der Verfasser knüpft an den Umstand an, daß der Film ein besonders enges Verhältnis zur Technik und zu der Masse hat und sagt: „Der Film, mit der Technik und mit der Masse zusammen aufgewachsen und groß geworden, gehört dem Lebensraum dieser beiden Mächte als künstlerisches Ausdrucksmittel an. Er allein hat das Fassungsvermögen, diese Mächte in sich aufzunehmen und zu gestalten. Diese seine Möglichkeit ist heute allerdings vorwiegend noch eine Forderung. Seine Berufung, „dem Zeitalter den Spiegel vorzuhalten und ihm den Abdruck seiner Gestalt zu zeigen", gibt sich erst langsam zu erkennen. Daß es jedoch für die schicksalbestimmenden Mächte dieses Zeitalters keinen besseren Spiegel gibt als den Film, das lehren uns alle jene Filme, die an der Stelle eines individuellen Helden eine Gemeinschaft, eine Gruppe, einen im Zeichen einer Idee oder eines Werkes zusammengeschlossenen Verband von Menschen in den Mittelpunkt ihrer Gestaltung rücken. Man braucht nur die Titel dieser Filme zu nennen, um deutlich zu machen, daß hier eine wesenhafte innere Uebereinstimmung zwischen dem gestalteten Stoff und dem Mittel der Gestaltung, nämlich dem Film, besteht. In diese Reihe gehören z. B. „Verräter", „Urlaub auf Ehrenwort" und sein englisches Gegenstück „Farewell again“, „Pour le merite", „13 Mann und eine Kanone", „Mann für Mann", „Kadetten", die älteren Filme „Mädchen in Uniform", „Mieter Schulze gegen alle", „Stoßtrupp 1917", der amerikanische Film „Der letzte Alarm", sowie der italienische „Die weiße Schwadron" und, aus der Gattung des abendfüllenden Kulturfilms, „Die Männer von Aran", dieses packende filmische Portrait einer naturhaften Lebensgemeinschaft. Ein Blick auf diese Liste zeigt uns, daß sich hier unter diesen Gemeinschaft gestaltenden Filmen eine bemerkenswert große Anzahl jener Werke befindet, die unserer Erinnerung am teuersten sind, die unserem Anspruch auf eine echte Filmkunst am weitesten entgegenkommen." Der Herr vom Hartschimmelhof. Zum 70. Geburtstag Professor Karl Haushofers, des Geopolitikers und Nestors der Volksdeutschen Arbeit, am 27. August veröffentlicht die Zeitschrift „Deutsche Arbeit" einen Beitrag, in dem wir neben dem weit in die Welt hinaus wirkenden Gelehrten vor allem den Menschen Karl Haushofer in seiner engen Verbundenheit mit der deutschen Erde kennenlernen. Seit 1900 betreut Haushofer den Schimmelhof auf der Hart in Oberbayern, keinen Luxushof, sondern einen schwierigen Betrieb in einer Seehöhe von 650 bis 730 m, dessen Kuturböden erst geschaffen werden mußten: „Der Hof hat z. B. noch keinen Stromanschluß, und viel von dem, was unter dem Namen Haushofer gedruckt wird, ist bei der Petroleumlampe geschrieben worden. Haushofer ist wie ein Antäus: ein Tag mit dem eigenen Boden unter den Füßen hat immer wieder genügt, um ihm auch im abgespanntesten Zustand die alte Kraft wieder zu geben. Dieser Boden ist ihm wie ein Heiligtum. Er zeigt den Freunden den kleinen ummauerten Friedhof mit der spietzgiebeligen Kapelle und sagt lächelnd, wie gut es da sein werde. Das hindert aber nicht, daß er sich mit vulkanischem Temperament dagegen wehrt, daß eine seiner alten Lieblings-Buchen geschlagen werde, so sehr der Forstmann auch ihre Ueberständigkeit betonen mag. Sein Verhältnis zur Heimat steht weit über allem Rechnen. Aus den Bäumen und aus den Bergen spricht ihm mehr als nur zeitlicher Wert. Darum liebt er auch die Einsamkeit, die diese Moore, Wälder und Hügel Oberbayerns zur guten Stunde haben können. Es gibt kaum etwas, worin der Charakter dieses Hofes und feines Besitzers so klar zum Ausdruck kommt, wie das Gästebuch, das von Hausho.fer selbst mit unzähligen Aquarellen, seinen Federzeichnungen und tiefsinnigen Gedichten geschmückt ist, die wie eine Chronik die Geschichte dieser Hart von der Eiszeit bis zu den heutigen Zeitläuften festhalten. Da stehen die Gäste aus dem fernen Osten mit ihren Schriftzeichen in schwarzer Tusche verzeichnet, politische Menschen aus allen Winkeln der Erde, daneben der Kulturingenieur oder Straßenbauer der engsten Heimat, der etwa über die Drainage einer Mooswiese nachdenkt. Da stehen die Namen politischer Führer unserer Zeit neben dem des Studenten, der sich Rat für seine Arbeit geholt hat. Sie alle haben unter den Windlichtern auf der Terrasse gesessen, wenn die großen Hirschkäfer über ihren Köpfen brummten, wenn das Käuzchen schrie, wenn die Holztauben gurrten. Einen Steinwurf vom Haus entfernt treten die Rehe aus, unt) es entspricht wieder nur dem Charakter dieses Heiligtums und seines Herren, daß in der näheren Umgebung des Hauses strenges Schußverbot besteht, sei der Bock noch so stark und das Jägerherz des Gastes noch so leidenschaftlich bewegt." Jugend im Theater. Für die Theaterbegeisterung der deutschen Jugend braucht es keine Beweise mehr, der vielfältige Einsatz der Hitler-Jugend für die Bühnenkunst redet eine zu deutliche Sprache. Daß die Jugend auch den Willen besitzt, in ernster Selbsterziehurig zum wirklichen Kunsterlebnis vorzudringen, das beweist ein so erfrischender Beitrag wie der von Günther Boeh- nert in der Zeitschrift „Die Spielscha r", der auf allerlei störende Angewohnheiten hinweist, mit denen sich junge Menschen — ebenso gut übrigens viele Erwachsene — selbst in ihrem Kunstgenuß beeinträchtigen: „Dazu gehört", so schreibt Boeh- nert, „die widerliche Ueberheblichkeit der voreiligen Kritik. Was man da so in der ersten Pause bereits für vernichtende Ansichten hören kann, übersteigt das erlaubte Maß bei weitem. Da ist das Urteil schon fertig über ein Stück, das man noch gar nicht bis zum Ende kennt, oder über einen Schauspieler, bei dessen Spiel man oft erst am Schluß merkt, warum er im ersten Akt gerade so und nicht anders gespielt hat. Selbst Fachleute sollen nicht unter dem ersten Eindruck urteilen, sondern die Sache „erst mal überschlafen". Darum hat Dr. Goebbels ja die Schnellkritik, die am nächsten Morgen bereits gedruckt in der Zeitung stand, verboten. Es würde von hoher Reife zeugen, wenn wir uns aus freien Stücken und Einsicht diesem Verbot der Schnellkritik anschließen würden. Urteile wie „Na, das ist heute mal mies" oder „Mensch, eine poplige Ausstattung heute" oder „Das Gretchen hat meine Mutter schon in einer Schülervorstellung gesehen" treffen immer nur den selbst, der sie ausspricht. — Lehrt uns nicht die ganze Großartigkeit der Zeit, sich picht mit Kleinigkeiten aufzuhalten? Lehrt uns nicht die Weltanschauung des Führers, in jedem Ding den Kern zu suchen, das es bewegende Innere, anstatt fortgesetzt über lächerliche Äußerlichkeiten zu stolpern, von denen alles Menschenwerk doch nie ganz frei sein kann? Ist es nicht völlig belanglos, ob die Stiefel des Prinzen von Homburg historisch ganz echt sind, kommt es nicht einzig darauf an, daß das Gefühl des Prinzen, das wir miterleben dürfen, echt ist? Erzieht euch da untereinander! Lacht jeden aus, dem eine Kulisse oder ein vorgetäuschter Schiffsuntergang wichtiger erscheint als der lebende Mensch. Wer schon in der Materie hängen bleibt, wird nie zu dem Geist vorstoßen, der die Materie durchseelt. Und um dieses Geistes willen sitzen wie im Theater, denn um seinetwillen wird Theater gespielt. — Das darf nun aber auch nicht in das andere Extrem führen. Daß man in Lustspielen lachen soll und darf, haben manche noch nicht begriffen, wie ihre stoisch unberührten Gesichter oft beweisen. Es kommt hier nicht darauf an, das eine anzuerkennen, um das andere zu vernichten, sondern es geht uns darum, alle Dinge, an den ihnen gebührenden Platz zu rücken, sie in eine gewisse Ordnung zu bringen. Es gibt da in unserem Vaterland nun unzählige Menschen, besonders in Norddeutschland, die von der geistigen Substanz einer Dichtung so ergriffen sind, daß sie den Applaus am Schluß eines Stückes als barbarisch, als „kalte Dusche" empfinden und durch ihn aus ihrer Verzauberung gerissen werden. Abgesehen davon, daß es vielleicht ganz gut ist, daß eine Verzauberung nicht dauert, sondern ein bestimmtes Ende findet, vergessen diese nun wieder, daß es ebenso unzählige von Volksgenossen gibt, deren Spannung die Lösung durch das Klatschen geradezu erfordert. Ohne diese Erlösung würde der Abend für sie in Nervenspannung unbefriedigt schließen. Es wäre lächerlich, die einen gegen die anderen ausspielen zu wollen. Seid großzügig? Wer nicht klatschen kann, läßt es, und wer klatschen muß, ist deshalb noch lange fein Banause. Freiheit auf diesem Gebiet ist auch kein Liberalismus; es lohnt sich nicht, für jede Kleinigkeit so große Worte zu bemühen." Auch Licht und Lust müssen „bewirtschaftet" werden. Nach der Ansicht der meisten Menschen gehört das Wetter zu den Tatsachen, die der Mensch hinnehmen muß, wie sie eben sind. Diese Auffassung ist, wie Heinrich Wiepking-Jürgens- m a n n in der Zeitschrift „Raumforschung und Raumordnung" ausführt, nur halb richtig. Er sagt: „Es mag für viele, auch landwirtschaftlich tätige Menschen verwunderlich erscheinen, daß man Licht und Luft „bewirtschaften" soll oder gar kann. „Wind und Wetter" bedeuten für jeden Bauern unendlich viel angesichts seiner Bestellungs- und Erntemöglichkeiten. Die Großwetterbi Dung en können wir in Deutschland auch bei bester und totalster Landschaftsausbitdung nicht oder doch nur sehr wenig wirksam beeinflussen. Die zur Großwetter- bildung zusammenströme nde n ungeheuer großen Energiebildung erfolgen in fast allen Fällen außerhalb des Reichsgebietes bei Island, über dem Golfstrom, bei Labrador oder, sonstwo über den Erdball verteilt. Wir haben lediglich die Möglichkeiten entweder schädigende Einflüsse des Großwetters nach Möglichkeit abzuwehren oder aber für die Schaffung eines benfbar günstigsten Kleinwet - ters Sorge zu tragen. In diesen beiden Müglich- keiten liegen jedoch außerordentlich große Nutzungseffekte. Allein durch Spät- und F r u h f r ö ft e verlieren wir in jedem Jahre rund eine halbe Milliarde Reichsmark an landwirtschaftlichen Produ kten. Hierbei wurden nur di e an gemeldeten Beträge addiert und ganz außer acht gelassen wurden die großen forstwirtschaftlichen Schädigungen. Wenn die Verluste durch Verwehungen, Verkrustungen und Verwilderungen des Bodens und die Wachstumsstörungen bei krautartigen Pflanzen, Bäumen und Waldrändern, her- oorgerufen durch überstarken oder stetig in gleicher Richtung streichenden Wind, hinzugerechnet werden, so sind allein durch die — wenn auch nur teilweisen — Abstellungen der Wind- und K al tlu f t s ch äd e n überaus große zusätzliche Nutzungserträge aus der deutschen Landschaft zu erzielen. Zu starkes Licht ist wachstumsschädlich. Zui trockene Luft in gleicher Weise. Wir müffen besN halb im weitgehendsten Maße Bäume, Schutz« streifen und Wälder neu, der Sonnenlage, der Geländeform und der Bodenart entsprechend» in die ausgeplünderten, bäum- und schutzlosen Landschaften bringen." Menschenauslese der Eiszeit. Hochinteressante Untersuchungen über die Erfindungen unserer Ahnen bringt Pros. Dr. Ernst Schultze in einem Serienbeitrag „Der Erfindungsreichtum der arischen Urzeit" in der Zeitschrift „Deutschlands Erneuerung", Heft 7. In seiner gründlichen Behandlung des Themas kommt der Verfasser auch auf die Gründe der besonderen Auslese der mittel- und nordeuropäischen Rasse zu sprechen. Er sagt dazu: „Ich möchte eine Vermutung aussprechen, die mir unentbehrlich scheint für das stürmische Vorwärtsdrängen der mittel- und nordeuropäischen Rasse, wie wir sie zunächst noch nennen wollen, bevor wir ihnen den Namen Arier geben. Die Vermutung, die ich wagen möchte, ist die einer scharfen geistigen Auslese der Menschen Mittel- und Nordeuropas durch die Vereisung. Wer damals überhaupt standhielt und nicht in den Unbilden der Witterung den Tod erlitt, muß außerordentlich zäh und energisch gewesen sein. An Auswanderung war schwerlich zu denken. Es mangelte an jeder näheren Kenntnis fremder Gebiete. Und wenn wirklich einmal ein Wanderschwarm der Sonne nachzog und der Vereisung entging, so mußten doch die Zurückbleibenden weiterhin den härtesten Kampf mit den immer übler werdenden Lebensbedingungen führen. Halten konnte sich nur, wer furchtlos allen diesen Schrecken ins Auge sah, den Kampf mit Raubtieren wagte und sich erfindungsreich in Kälte und Mangel zu schicken wußte. Man betrachte nur die aus Renntierknochen hergestellten Geräte vor Fernewerder, die zwischen Potsdam und Brandenburg bei einer Anzahl tiefer Gruben gefunden worden sind, dis als Tierfanggruben gelten. Gewiß lassen diese Harpunen mit ihren bald ein-, bald zweireihigen Widerhaken auf den ersten Blick eine Verwandtschaft mit den französischen auf dem Magdalenien erkennen. Aber die Speerspitzen, an denen seitlich lang herunter scharfschneidige Feuersteinstücke eingelegt sind, muten durchaus originell an. Nur körperlich sehr zähe, geistig hoch begabte und' erfindungsreiche Menschen konnten die Eiszeit überleben. In diesen drei Richtungen hat sich also, so behaupte ich, eine natürliche Auslese abgespielt, die im Laufe zahlreicher Geschlechter eine zähe, kluge und erfindungsreiche Rasse übrig ließ. Ihre Kopfzahl dürfte recht gering gewesen fein, denn sicher hat die Eiszeit mehr Todesfälle verursacht als Geburten gestattet. Allein so winzig das Häuflein der Ueberlebenben fein mochte — es bestand nun eben aus Menschen, die ihren Vorfahren und den Bewohnern anderer Erdgebiete vor allem an Geist und Charakter überlegen waren. Dieselben Einflüsse mögen noch in späterer Zeit nachgewirkt haben, nachdem das Eis abgeschmolzen war. Blieb doch das Klima in Mittel- und Nordeuropa sehr viel ungünstiger als im Süden und Westen. Man lese einmal, wie Tacitus das scheußliche Klima Germaniens seinen Römern malt: er schüttelt sich förmlich in der Erinnnerung an dieses kalte, regnerische Land. Allein gerade diese harten Lebensbedingungen sind das Kunstmittel geworden — so könnte man es teleologisch bezeichnen — das die Natur anwandte, um hier eine stahlharte Rasse mit hervorragenden Eigenschaften aufwachsen zu lassen. Es ist kein Zufall, daß die deutsche Landwirtschaft noch heute, eben weil sie klimatisch unter erheblich schlechteren Verhältnissen arbeitet, der französischen überlegen ist, auf der Einheitsfläche für fast alle Bodenfrüchte höhere Beträge erzielt. Die Not ist eine harte Gebieterin, aber sie erzieht zu höherer Leistung. Wer sich nicht abmüht, geht zugrunde. Weil aber die Menschen des europäischen Eiszeit- gebietes diese furchtbare Zeit überstanden, war nun n ihnen der göttliche Funke geweckt." ist nach kurzem schweren Leiden für immer von uns gegangen. Gießen (Rodheimer Straße 30), den 30. August 1939. 5805V Die Beerdigung fand auf Wunsch der Verstorbenen in aller Stille statt. 04144 aus. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 2. September 1939. 04155 Großen-Buseck, den 31. August 1939. 5815V Am 30. August 1939 entschlief sanft nach langem, schwerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater und Onkel Werbe-Drucksachen bei Brühl. Schulstr.7 Gießen (Rodheimer Straße 30), den 31. August 1939. Die Einäscherung fand auf Wunsch des Entschlafenen in der Stille statt In tiefer Trauer: Louise Meyer, geb. Balßer Ferdinand Gans II., Bürgermeister a. D. und Familie. Geeichte Waagen und Gewichte aller Art. Baby-Waagen zu verleih. 6612D KarlSchrnidt, Gießen, Löberstratze 19. In tiefer Trauer: Ludwig Döll Familie Willi Döll Familie Robert Döll* Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 3. September, nachmittags 2 Uhr statt. Todes-Anzeige. Nach Gottes Ratschluß entschlief heute sanft nach längerem schweren Leiden im 88. Lebensjahr mein lieber, unvergeßlicher Mann, unser guter Schwiegervater, Großvater, Pate und Onkel Da hilft Quick mit Lezithin. 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