greitogj. September 1959 189. Jahrgang Ur. 204 «es Blatt Annahme von Anzeige» für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm hohe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Rpf..Platzvorschrist nach vorh. Dereinbg. 25°/0 mehr. Lrmätzlgte Grundpreise: Stellens, Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheilsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bader», Unterrichts» u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Erscheint tü glich, außer Ä \ r . 7 d Glttzener Anzeiger Auch bei Nichterscheinen N ■ MM ._ ■ von einzelnen Nummern General-Anzeiger für Oberheffen richten: Anzeiger Gießen v * 1 SrenifurtaSn 11686 Druck und Verlag: vrShlsche Univerfitütrdruckerei «.Lange in Sietzen. Schristleitung und Seschäftsftelle: Schukstratzr 7 Danzig heimgekehri ins F^eich. Gauleiter Forster meldet dem Führer die Wiedervereinigung der Freien Stadt Danzig mit dem Reich. Danzigs Befreiung. Das Staatsgrundgesetz in Kraft getreten. Ein großer Tag in der deutschen Geschichte! Danzig ist heirngekchrt ins Reich. Eine uralte deutsche Stadt darf heute einen Schlußstrich ziehen unter eine Epoche schwerster politischer und wirtschaftlicher Bedrängnis. Denn der Name „Freie Stadt" war ein trügerisches Aushängeschild demokratischer Ideologen, hinter dem die Fratze von Versailles sich nur mühsam verbarg. Denn diese „Freiheit" der Stadt Danzig sollte ja lediglich dazu dienen, den Polen hier eine beherrschende Machtstellung einzuräumen, die sie in einer mit dem Reich verbundenen Stadt nie hätten erhalten können. Den Vätern von Versailles war aber selber angst vor polnischer Herrschsucht und polnischem Größenwahn. Sie vertrauten daher dem „Völkerbund" den Schutz ihrer Neugründung an. Wie die Genfer Liga auch auf diesem ihrem eigensten Gebiet versagt hat, haben die Danziger in zwanzig Jähren erbitterten Kampfes um ihre natürlichen Lebensrechte am eigenen Leibe erfahren müssen. Nichts haben die Polen unversucht gelassen, die herrliche alte Hansestadt, deren Handel wichtigste Vermittlung zwischen dem Hinterland der Ostsee bis weit nach Rußland hinein und dem Norden und Westen war, politisch zu entrechten und wirtschaftlich zu ruinieren. Der beste Beweis für die Haltlosigkeit der von den Alliierten unterstützten polnischen Doktrin, daß der Besitz Danzigs als Zugang zum Meer, zum mindesten aber polnische Sonderrechte in der Freien Stadt für die polnische Wirtschaft lebensnotwendig seien, ist die Gründung des polnischen Hafens Gdingen und das Bemühen Polens, diesem Hafen die handelspolitische Stellung zu verschaffen, die dank einer Tradition von Jahrhunderten und aus Grund der von Polen in Versailles vertraglich übernommenen Verpflichtungen Danzig zukam. So ging Polen systematisch darauf aus. Danzigs Handel und Schiffahrt lahmzulegen, Gdingen dagegen in geradezu amerikanischem Tempo hochzupäppeln. Die deutsche Stadt sollte verkümmern, vielleicht hofften die Polen, die deutsche Bevölkerung Danzigs durch ihre zynische Drosselungspolitik mürbe zu machen für einen polnischen Handstreich, der der ohnehin nur höchst fragwürdigen „Freiheit" Danzigs ein Ende bereitet hätte. Aber an der Hinterhältigkeit Polens entzündete sich Danzigs Wille zur Erhaltung feines Deutschtums. Im Kampf mit den polnischen Schikanen wuchs nationalsozialistische Kraft, alles einzusetzen, um dem unwürdigen Zustand dieses Sonderdaseins, das eine einst blühende deutsche Stadt zu langsamem Verkümmern verurteilte, ein Ende zu machen und die Rückkehr Danzigs zum Reich vorzubereiten. Die Polen selbst haben in ihrem blinden Ehau- vinismus alles getan, die Entwicklung zu beschleunigen. In einer ihnen selbst wohl bei nachträglicher Betrachtung unbegreiflichen Sturheit haben sie nicht nur die Frist ungenützt verstreichen lassen, die ihnen der deutsch-polnische Pakt des Jahres 1934 gab, um mit dem wiedererstarkten deutschen Nachbarn zu einem modus vivendi zu kommen. Sie haben zwar in falscher Selbstgerechtigkeit die Wohltaten dieses Vertrages für sich voll in Anspruch genommen, aber gemeint, keine Gegenleistung schuldig zu sein. Ja, man fühlte sich in Warschau im Hinblick auf die weltpolitische Lage und die vielfachen Sorgen des zu neuer Größe sich emporringenden nationalsozialistischen Reiches der deutschen Freundschaft so sicher, daß die schwächlichen Epigonen des Marschalls Pilsudski diese Freundschaft geradezu als Freibrief für die völlige Entrechtung und wirtschaftliche Vernichtung des deutschen Volkstums in Polen auffaßten. So wie in den vom Reich losgerissenen polnischen Westprooinzen Ausständischenverbände und Haller-Legionäre unter wohlwollender Duldung der Zentralregierung und ihrer Behörden zu neuen unfaßbaren Drangsalierungen gegen die Deutschen in Polen schritten, so nahm auch der wirtschaftliche Vernichtungskampf gegen Danzig unerträgliche Formen an. Um hier volle Klarheit zu schaffen und dem deutsch-polnischen Pakt von 1934 einen konkreten Inhalt zu geben, der seinem Sinn und dem Willen seiner Schöpfer entsprach, machte der Führer der polnischen Regierung jenen großzügigen Vorschlag, der geeignet war, bas, deutsch-polnische Verhältnis auf gesunde Grundlagen zu stellen, weil er den Lebensnotwendigkeiten beider Völker entsprach und die große nationale Empfindlichkeit der Polen schonte. Aber in Warschau fand sich nicht der Mann, der hinreichend politischen Weitblick für die hier den Poien gebotene einmalige Chance, eine Garantie ihrer höchst problematischen Westgrenze zu erhalten, mit dem Mut der Verantwortung für eine vielleicht im Augenblick nicht populäre Politik verband. Herr Beck fuhr statt nach Berlin nach L o nd o n , um dopt Hilfe und Rat zu erbitten, wie Polen sich um die von dem Führer angebotene Verständigung mit dem Reich herumdrücken könne. Damit begann das üble Spiel der englischen Einmischung, die die Möglichkeit sachlich-nüchterner direkter Verhandlung zwischen Deutschland und Polen abschnitt und das Danzig-Korridor-Problem in das Fahrwasser verlogenster Agitation schob, es zu einer europäischen Frage machte und sich an ihm jene gefährliche Spannung entstehen ließ, die die nun schon seit Wochen den Weltfrieden bedroht. Das englische Garantieversprechen, das die Regierung Chamberlain, wider ihr beHerss. Wcheu von Berlin, 1. Sept (DNB. Funkspruch.) (Bauleiter 3 o r ff e t in Danzig richtete an den Führer folgendes Telegramm. Mein Führer! Ich habe soeben folgende Verordnung erlassen: Zur Behebung der dringenden Not von Volk und Staat der Freien Stadt Danzig erlasse ich folgendes Staatsgrundgeseh: Artikel 1. Die verfassung der Freien Stadt Danzig ist mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Artikel II. Alle gesetzgebende und vollziehende Gewalt wird ausschließlich vom Staatsoberhaupt ausgeübt Artikel III. Die Freie Stadt Danzig bildet mit sofortiger Wirkung mit ihrem Gebiet und ihrem Volk einen Bestandteil des Deutschen Reiches. Artikel IV. Bis zur endgültigen Bestimmung über die Einführung des deutschen Reichsrechts durch den Führer bleiben die gesamten gesetzlichen Bestimmungen, außer der Verfassung, wie sie im Augenblick des Erlasses dieses Staatsgrundgesehes gelten, in Kraft Danzig, 1. September 1939. _ , Gez.: Albert Forster, (Bauleiter. Ich bitte Sie, mein Führer, im Kamen Danzigs und feiner Bevölkerung diesem Staatsgrundgeseh Ihre Zustimmung zu geben und durch Reichsgeseh die wieder» eingliederung in das DeutscheReichzu vollziehen. 3n Ergebenheit gelobt Ihnen, mein Führer, Danzig unvergängliche Dankbar» (eil unb eroige Irene. heil Ihnen, mein Führer! Gez.: AlberlForsier, (Bauleiter. Danzigs Befreiungsstunde schlug. Ein Aufruf Forsters an die Danziger. \ Danzig, 1. Sept. (DRV. Funkfpruch.) (Bauleiter Forster hat an die Manner und Frauen von Danzig die nachstehende Proklamation erlassen: Männer und Frauen von Danzig! Die Stunde, die Ihr seit 20 Fahren h e r b e i g e s e h n t habt, ist angebrochen. Danzig ist mit dem heutigen Tage heimgekehrt in das Gro ßdeutsche Reich. Unser Führer Adolf Hitler hat uns befreit. Auf den öffentlichen Gebäuden in Danzig weht heute zum erstenmal die Hakenkreuzfahne, die Flagge des Deutschen Reiches. Sie weht aber auch von den ehemaligen polnischen Gebäuden und überall im Hafen. Von den Türmen des alten Rathauses und der ehrwürdigen Marienkirche läuten dieGtocken die Befreiungsstunde Danzigs ein. Wir danken unfern Herrgott, daß er dem Führer die Kraft und die Möglichkeit gegeben hat, auch uns von dem Hebel des Versailler Diktats zu befreien. / , _ , _ Wir Danziger sind überglücklich, nun auch Bürger des Reiches fein zu dürfen. Danziger und Danzigerinnen! Wir wollen in biefer feierlichen Stunde zufammenstehen, uns gegenseitig die Hände reichen und dem Führer das heilige versprechen geben, alles zu tun, was in unsren Kräften steht für unser herrliches Großdeutschland. Es lebe das befreite, wieder ins Reich heimgekehrte deutsche Danzig, es lebe unser groß- deutsches Vaterland, es lebe unser geliebter Führer Adolf Hitler! Danziq. 1. September 1939. ,, , , .. 19 v Albert Forster, (Bauleiter. der Unhaltbarkeit des in Versailles geschaffenen Zustandes und der Dringlichkeit einer Aenderung den Polen gab, hat in Warschau und den polnischen Westmarken allen chauvinistischen Elementen Oberwasser gegeben. Was wir seitdem an erschütterndem Elend der deutschen Volksgenossen in Polen, an geradezu sadistischem Terror zücht- loser Polenhorden, an hemmungslosem Größenwahn polnischer Zeitungen und Agitatoren haben erleben müssen, geht zu einem sehr wesentlichen Teil auf das Schuldkonto jener britischen Blankovollmacht, die Chamberlain und Halifax durch den förmlichen Abschluß eines Beistandspaktes trotz all der, warnenden Anzeichen dafür, daß Polen es auf einen Krieg ankommen lassen will, noch erweitert scheu Regierung und ihr Vabanquespiel, zu dem sie durch Englands und Frankreichs Blankovollmacht ermutigt wibd, in aller Schärfe bloßgelegt. Polen will keine Verständigung mit Deutschland, das muh nun endlich auch den Beschützern und Fürsprechern Polens in London und Paris eindeutig klar geworden sein. Werden sie daraus die selbstverständlichen Folgerungen ziehen? Oder soll die polnische Großmannssucht sich rühmen dürfen, für ihre Katastrophenpolitik das britische und französische Volk in einen Krieg zu führen, der zwar so oder so das Ende des heutigen polnischen Staates bedeuten wurde, aber auch für England und Frankreich ungeheure Gefahren für den Bestand ihrer Reiche heraufbeschwören müßte. Danzig i st frei! Das ist das erste Ergebnis der klaren, folgerichtigen Politik des Führers in entscheidungsschwangeren Stunden. Danzigs Dank an den Führer ist das Gelöbnis unwandelbarer Treue zu Führer, Polk und Reich. Nicht anders empfindet ganz Deutschland diese^Augenblicke großen Geschehens. In einer einzigen großen Schwurgemeinschaft steht das deutsche Volk zusammen, bereit zu höchster Kraftentfaltung und Pflichterfüllung, wo auch immer der Führer jedes einzelnen Einsatz fordert im Dienst der Größe und Unvergänglichkeit unseres Reiches. Fr. w. Lange. Danziger Banken stellen Ankauf von Zloty gegen Gulden ein. Fwd. Danzig, 31. August. Sämtliche Danziger Banken haben den Ankauf von Zloty gegen Danziger Gulden mit sofortiger Wirkung eingestellt. Diese Maßnahme ist auf die unsicheren Währungs- und Wirtschaftsverhältnisse in Polen zurückzuführen. Der Verkauf von Zloty gegen Gulden, soweit er zur Abwicklung von Handelsgeschäften noch notwendig ist, erfolgt ausschließlich gegen Genehmigung der Ueberwachungsstelle für den Zah- haben. r , Es ist ein Beweis für die geradezu. erstaunliche Langmut, mit der der Führer das Treiben der ' Polen und ihrer für die Verschärfung der Spannung verantwortlichen Hintermänner in England angesehen hat, und ein Beweis-für seine Friedensliebe, daß er trotz allem, was tagtäglich an der polnischen Grenze geschah und im Reich ein Echo leb- haftetesten Unwillens fand, sich zu einem Gespräch mit London über die noch vorhandenen Möglichkeiten zu einer Verständigung und ihre Grundlagen bereit fand. Er hat einen neuen Plan ausgearbeitet für die Regelung des Danzig-Korridor- Problems und die Behandlung der beiderseitigen Minderheiten, der an großzügigem Wurf und loyaler Fairneß seinesgleichen sucht. Polen hat auch diese zweite Chance, die sich ihm bot, aus einer schiefen und für den polnischen Staat lebensbedrohenden Situation ohne eigenes Verdienst noch einmal wieder herauszukommen, in unbegreiflicher Verblendung wiederum nicht ergriffen. Man würdigte das Deutsche Reich zwei Tage lang keiner Antwort, wenn nicht in dieser Stunde von Warschau ausgesprochene allgemeine Mobilmachung diese Antwort Polens sein soll. Das deutsche Memo- , _ rundum hat die politische Intransigenz der polni-1 lungsverkehr. Der Führer übermittelt Danzig Großdeutschlands Gruß. Berlin, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Führer richtete an den Danziger (Bauleiter For» fter folgendes Telegramm: Ich nehme die Proklamation der Freien Stadt Danzig über die Rückkehr zum Deutfchey Reich entgegen. Ich danke Ihnen, (Bauleiter Forster, und allen Danziger Männern und Frauen für die unentwegte Treue, die sie durch so lange Iahre gehalten haben. Grohdeutschland begrüßt sie aus übervollem Herzen. Das Gesetz über die Wiedervereinigung wird sofort vollzogen. Ich ernenne Sie zum Ehef der Zivilverwaltung für das Gebiet Danzig. Berlin, 1. September 1939. gez. Adolf Hitler. Sinzig eine jubelnde, glückliche Sindl. Danzig, 1. September. (DNB.-Funkspruch.) In den späten Abendstunden des gestrigen Tages hat der Rundfunk über die neuen weitgehenden Vorschläge des Führers an Polen zur Regelung des Danzig- und Korridor-Problems und die ablehnende Haltung der Polen berichtet. Danach haben Unzählige in fieberhafter Erwartung an den Lautsprechern ausgeharrt, bis in den frühen Morgenstunden der Rundfunk das Staatsgrundgesetz des Gauleiters mit dem ehernen Satz: „Die Freie Stadt Danzig bildet mit sofortiger Wirkung mit ihrem Gebiet und ihrem Volk einen Bestandteil des Deutschen Reiches" und die Proklamation des Gauleiters an die Beoöl- kerung verkündete. Und schon klebten an allen Säulen und den Hausecken der Text der Proklamation und des Staatsgrundgesetzes. Im Umsehen bildeten sich Menschenansammlungen, die die Ankün- digungen unter Jubelkundgebungen lasen: „Wir gehören Wieder zu Deutschland". Da brauste aus begeisterten Kehlen das Heil auf den Führer. Singend marschierte ein Zug j--Heim- wehr Danzigs durch die Straßen. Männer und Frauen schlossen sich ihm an und sangen mit. Immer belebter wurden die Straßen. Arbeiter gingen zu ihren Arbeitsstätten, aber ihre Frauen begleiteten sie, und wieder blieben sie stehen an den Anschlägen, um immer wieder das zu lesen, was in früher Morgenstunde der Rundfunk sagte. Dann waren schnell alle Straßen voll. Auf diesen Tag hat Danzig gewartet. Für diesen Tag hat es sich geschmückt. Eine jubelnde, glückliche Stadt ist erwacht. Danzig ist ein Bestandteil des Reiches geworden. Dafür haben treue deutsche Menschen 20 Jahre hindurch gelitten und gerungen. Noch in den letzten Tagen im Angesicht des heroischen Endsieges mußten Danziger Männer, die die Wacht bezogen hatten, für Volk und Vaterland ihr junges Leben Hingaben. Ihr Opfer wird unvergessen bleiben. Vorläufige Regelung des Zoll- und Reiseverkehrs in Danzig Danzig, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Mit Wirkung vom 1. September 1939 ist über die vorläufige Regelung des Zoll- und Reiseverkehrs auf dem Danziger Staatsgebiet eine Verordnung erlassen, auf Grund der die bisherigen Vorschriften über Zoll, Ein- und Ausfuhrverbote und Beschränkungen vorläufig Anwendung finden. Die Ausfuhr von Waren aus dem Danziger Staatsgebiet ist verboten. Der Reiseverkehr zwischen dem Danziger Staatsgebiet und dem Zollauslande wird für alle Personen gesperrt. Ausnahmen sind nur für Personen der Militärbehörden und für Heeresgut und NSB.-Transporte zulässig. Für die Mitnahme von gekauften Gegenständen durch ausländische Personen, die aus Danzig abreisen, sind strenge Vorschriften erlassen. Es dürfen nicht mehr Gebrauchs- gegenftände ausgeführt werden, als solche, die im Einzelwert nicht mehr als zwei Gulden betragen. Strenge Strafen sind bei Übertretung angedroht. Die Wareneinfuhr aus Polen und die Warenausfuhr nach Polen bedarf der besonderen Bewilligung der Abteilung Wirtschaft des Senats. polens „Kriegsflotte" aus der Ostsee geflüchtet. Danzig, 31. August. (DNB.) Nach einwandfreien Beobachtungen deutscher See- und Luftstreitkräfte haben drei polnische Zerstörer im Laufe des gestrigen Tages die Ostsee beschleunigt verlassen. Sie wurden zuletzt bei S k a g e n mit westlichem Kurs gesichtet. Damit hat der Hauptteil der polnischen Flotte, insbesondere die kampfkrästigsten Fahrzeuge, jede Verbindung mit Gdingen ausgegeche Oie Wehrmacht hat -en aktiven Gchutz -es Reiches übernommen. Berlin,!. Sept. (DRV. Aunkfpruch.) Das Ober- kommando der Wehrmacht gibt bekannt: Auf Befehl des Führers und Obersten Befehlshabers hat die Wehrmacht den aktiven Schuh des Reiches übernommen. 3n Erfüllung ihres Auftrages, der polnischen Gewalt Einhalt zu gebieten, sind Truppen des deutschen Heeres heute früh über alle deutsch-polnischen Grenzen zum Gegenangriff angetreten. Gleichzeitig find Ge- fchwaderder Luftwaffe zum Riederkämpfen militärischer Ziele in Polen gestartet. Die Kriegsmarine hat den Schuh der Ostsee übernommen. Oer Schulbesuch fällt bis auf weiteres aus. Berlin, 1. Sept. (DRB. Funkspruch.) 3m Rahmen der durch den Reichsminister für Luftfahrt und Obersten Befehlshaber der Luftwaffe erlafsenen zivilen Luftfchuhmahnahmen fällt im gesamten Reichsgebiet der Schulbesuch vom heutigen Tage bis auf Widerruf aus. Weisung an alle deutschen Handelsschiffe in der Ostsee. Berlin, 1. Sept. (DRV. Funkspruch.) Durch Rundfunk erging an die deutschen Handelsschiffe in der Ostsee eine Warnung, in der mitgeteilt wird: 1. Das Anlaufen von Danzig-Reu- fahrwaffer und polnischen Häfen wird bis auf weiteres verboten. 2. Bon Westen kommende deutsche Handelsschiffe dürfen die Linie Gjedfer—Dagter-Ort ostwärts nicht mehr passieren. 3. Deutsche Handelsschiffe haben den S e e r a u m der mittleren O st fee fofort zu räumen, der begrenzt wird von Gjedser-Riff im Westen und dem 57. Breitengrad im Rorden, Südspihe Gotland durch Ausweichen nach Westen oder Norden, oder durch Fortsetzung der Reise innerhalb der schwedischen und lettischen Hoheitsgewässer dieses Seeraumes oder durch Anlaufen des nächsten Hafens auher Danzig-Reufahrwaffer und polnischen Häfen. Schiffahrtswarnung für Hafen und Seegebiet der Danziger Bucht. Berlin, 1. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Zur Abwehr feindlicher Uebergriffe seitens polnischer Seestreitkräfte ist vom Zeitpunkt dieser Bekanntgabe ab mit militärischen Operationen vor und in der Danziger Bucht zu rechnen. Das Gebiet wird im Westen durch den Längengrad 18 Grad 5 Min. Ost, deutsch-polnische Grenze, im Osten durch den Längengrad 20 Grad Ost, nahe östlich des Leuchtturms Brüster-Ort, im Norden durch den Breitengrad 55 Grad Nord begrenzt. Alle sich in der Ostsee aufhaltenden Schiffe werden in ihrem eigenen Interesse vor dem Befahren des angegebenen Seegebiets gewarnt. Schiffe, die sich auf dem Wegeckach Häfen dieses Gebiets befinden, werden von deutschen Seestreitkräften Weisungen erhalten, andere Häfen anzulaufen. Der Zugana^um Hafen von Gdingen ist gesperrt. Jedes Ein- oder Auslaufen zieht die Gefahr der Vernichtung nach sich. Notverordnung für den Luftverkehr. Berlin, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der Reichsminister für Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe erläßt folgende Notverordnung: Dom heutigen Tage ab wird unter Aufhebung aller bisher ergangenen Anordnungen der gesamte Luftverkehr mit in- und ausländischen Luftfahr- Küber deutschem Hoheitsgebiet mit sofortiger rg verboten. Diese Derordnuna findet auf Luftfahrzeuge, die im Dienste der deutschen Wehrmacht verwendet werden, und auf Regierungsflugzeuge keine Anwendung. Zuwiderhandelnde setzen sich der Gefahr der Beschießung aus. Personenzugverkehr der Reichsbahn. Berlin, 1. September (DNB.) Die Deutsche Reichsbahn gibt folgendes bekannt: Je nach dem Stand der Transportlage werden an vielen Stellen des Reiches über dem durch Anschläge auf den Bahnhöfen bekanntgegebenen Stamm fah rp l an hinaus weitereZüge gefahren. Es ist daher zu empfehlen, sich vor Antritt einer Reise nach den jeweils vorhandenen günstigsten Verbindungen bei den Auskunftsstellen der Bahnhöfe zu erkundigen. Folgen des Pfundsturzes. Rekordsteigerung des englischen Notenumlaufs. London, 31. August. (DNB.) Obwohl das englische Pfund sich Mitte dieser Woche gegenüber dem bisher erreichten Tiefstand am Dienstag leicht erholen konnte, hält die Unsicherheit über die künftige Entwicklung unvermindert an, was am Donnerstag erneut darin zum Ausdruck kam, daß der Kurs wieder rückläufig wurde. Ein besonderes Schlaglicht wirft darüber hinaus auch der soeben veröffentlichte Ausweis der Bank von England auf die Finanzlage, da sich der Banknotenumlauf in Großbritannien auf einen in der englischen Geschichte noch nie d a - gewesenen Rekordstand erhöhte. Allein in der letzten Woche stieg der Notenumlauf von 508,1 auf 529,5 Millionen Pfund und weist somit eine Zunahme von 21,4 Millionen Pfund auf. Anderseits sind die Bankdepositen nach dem genannten Ausweis in der letzten Woche von 91,1 auf 90,1 Mill. Pfund zurückgegangen. In beiden Fällen spiegelt sich somit der von allen Seiten trotz der in der Vorwoche erfolgten Verdoppelung des Diskontsatzes der Bank von England von 2 auf 4 v. H. einfetzende verstärkte Geldbedarf deutlich wieder. Zwar hat auch der Goldmünzen- und Barrenbestand der Emissionsabteilung der Bank von England um 16,6 auf 263,0 Mill. Des Führers historische Entscheidung. A-olf Hitler spricht in entschei-ungsreicher Stun-e zu Volk un- Reichstag. Der Führer gibt die Parole. Berlin, 1. September. (DNB.-Funkspruch.) Der Sitzungssaal des Reichstages bildet an diesem Tage, an dem das ganze deutsche Volk die bedeutsamen Erklärungen des Führers erwartet das Bild ganz großer entscheidungsreicher Stunden. Fast vollzählig sind die Abgeordneten des Großdeutschen Reichstages versammelt. In lebhafter Unterhaltung stehen die Männer des deutschen Reichstages in kleinen Gruppen beieinander, der Ernst und Bedeutung dieser Stunde ist von ihren Gesichtern abzulesen, mancher vernimmt ihn aus ihren Worten, die man gelegentlich ausfängt. Im Sitzungssaal herrscht wie immer die Uniform vor, diesmal sieht man aber ganz besonders viel Feldgrau. Eine große Anzahl von Abgeordneten tragen schon das Ehrenkleid des deutschen Soldaten, andere wieder sind schon zu den Waffen eingezogen und müssen dieser historischen Sitzung'fernbleiben. Eine erwartungsfrohe Spannung liegt über dem Hause, das schon lange vor Beginn der Sitzung bis auf den letzten Platz besetzt ist. In der Diplomatenloge finden sich zahlreiche Vertreter der in Berlin beglaubigten Mächte ein. Nach und nach füllen sich auch die Minister- bänke. Alle Reichsminister sind zugegen. Wie immer präsidiert auch an diesem Tage Generalfeldmarschall Go er in g dem Deutschen Reichstag. Die historische ÄeichslagssiHung. Heute vormittag hat der Führer zum Reichstag und damit zum ganzen deutschen Volke gesprochen. Wie im Reichstag, so haben auch an allen Rundfunkgeräten und an den Lautsprechern in den Betrieben, die deutschen Volksgenossen mit stärkster innerer Bewegung den Worten des Führers gelauscht und sein Bekenntnis zur unbedingten Pflichterfüllung, zur Hingabe -an unser Reich und Volk bis zum Aeußersten auch zu ihrem Bekenntnis und Gelöbnis gemacht. Einleitend erinnerte der Führer an seine unendlichen Bemühungen um eine friedliche Lösung des Danzig-Korridor-Problems, zugleich verwies er in eindrucksvoller Weife darauf, daß unsere Widersacher 15 Jahre lang Zeit gehabt haben, eine friedliche Revision dieser unhaltbaren Lage durchzuführen. Wie sie aber damals alles vermissen ließen, um dem deutschen Volke an dieser Stelle Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, so sind auch jetzt wieder die außerordentlich bescheidenen Forderungen Deutschlands abgelehnt worden. Unter stärkster Zustimmung des 'Reichstages und des ganzen deutschen Volkes betonte der Führer, daß es für uns einfach unmöglich ist, weiterhin diesen Zuständen zuzusehen und uns damit abzufinden, daß uns von der Gegenseite die Erfüllung unserer Revisionsforderung verweigert wird. Einhelliger Beifall des Reichstages löste die Feststellung des Führers aus, daß für uns das Versailler Diktat kein Gesetz ist, und daß wir daher mit aller Schärfe den Vorwurf zurückweisen müssen, die von uns geforderte Revision verstoße gegen ein Gesetz. Jedermann im Reichstag und im ganzen deutschen Volke stimmte dem Führer, von ganzem Herzen zu, als er davon sprach, daß «die von ihm jetzt formulierten und in der letzten Nacht bekanntgegebenen Vorschläge zur Lösung des Danzig-Korridor-Problems so gehalten seien, daß es etwas Loyaleres und Bescheideneres überhaupt nicht mehr gäbe. Und dennoch wurden diese Vorschläge nicht nur abgelehnt, sondern mit der Gesamtmobilmachung, verstärktem. Terror und gesteigertem Druck auf unsere Volksdeutschen in Polen beantwortet. Demgegenüber stellte der Führer unter einmütiger Zustimmung fest, daß Deutschland seine Verpflichtungen gegenüber den Minderheiten stets erfüllt hat und keine Minderheit in Deutschland jemals verfolgt wurde, auch heute nicht. Jeden Hörer des Führers packte es im Herzen, als er gegen die Schandtaten der Polen Stellung nahm und insbesondere die Lüge zurückwies, unsere Volksdeutschen in Polen hätten sich Provokationen zuschulden kommen lassen. Mit Recht stellte der Führer in diesem Zusammenhang heraus, worin wohl die Schuld von Kindern und von schwachen Frauen, die von den Polen solcher Provokationen beschuldigt werden, bestehen solle. Damit wurde diese freche polnische Lüge schlagend widerlegt. Und zugleich hob der Führer in vollster Uebereinstimmung mit dem Empfinden des ganzen deutschen Volkes hervor, daß es keine Großmacht von Ehre gebe, die aus die Dauer solchen Zuständen tatenlos zusehen würde. Sodann erwähnte der Führer den Vorschlag der britischen Regierung, zwischen Deutschland und Polen durch Verhandlungen einen Weg herzustellen. Dieser Anregung hat der Führer mit seinen Vorschlägen entsprochen, die polnische Regierung aber habe den Führer und die deutsche Reichsregierung einfach auf einen Bevollmächtigten zwei Tage lang warten lassen, um schließlich mitzuteilen, daß sie noch e r w ä g e, ob sie in der Lage sei, auf die Vorschläge einzugehen. In voller Uebereinstimmung mit dem Empfinden aller deutschen Menschen erklärte der Führer, wenn das Deutsche Reich und die deutsche Nation sich etwas Derartiges widerspruchslos bieten ließe, dann müsse sie von der politischen Bühne abtreten. Deshalb hat der Führer durchaus im Sinne seines Volkes die auf englische Anregung hin entstandenen Vermittlungsvorschläge nunmehr als gescheitert bezeichnet, da die polnische Regierung keine ernste Aussprache nfit uns wünscht. Wenn Polen glaubt, es nun mit Taten von der Art machen zu können, wie sie in der letzten Nacht von den polnischen Horden wieder begangen wurden, so mag es zur Kenntnis nehmen, daß das ganze deutsche Volk seinem Führer aus vollem Herzen zustimmt, als er in seiner Rede betonte, er habe sich entschlossen, von nun ab mit Polen in der gleichen Sprache zu reden, in der Polen seit Monaten mit uns spricht. Die gewaltige Zustimmung im Reichstag bei dieser Feststellung war die klarste Aeußerung des gesunden Empfindens aller aufrechten deutschen Menschen. Den Staatsmännern im Westen sagte der Führer, daß er diese Entwicklung zwar bedauere, sich aber dadurch nicht einL Sekunde bange machen lasse. Sodann machte der Führer dem Reichstag Mitteilung von dem Nichtangriffspakt mit Rußland und erwähnte dabei die Ratifikation dieses Vertrages in Moskau und in Berlin, gleichzeitig hob er hervor, daß er mit der Stellungnahme des russischen Außenkommissars Molotow bei diesem Vertragsabschluß vollkommen übereinstimme. Der Reichstag bekundete durch lebhafte Kundgebung seine Zustimmung zu diesem Vertrag und unterstrich damit auch die Feststellung des Führers, daß dieses Werk eine politische Entscheidung von ungeheuerer Bedeutung für die Zukunft sei. Unter stärkster Zustimmung des Reichstags stellts der Führer dann als das Ziel seines Handelns fest, daß er in der Frage Danzigs und des Korridors dafür sorgen werde, daß dort Verhältnisse Platz greifen, die eine friedliche Zusammen-« arbeit zwischen Deutschland und Polen ermöglichen. Gewaltiges Echo fand seine Erklärung, er würde so lange kämpfen, bis die jetzige pol« nische Regierung geneigt sei, die Voraussetzung gen für ein solches Zusammenarbeiten zu schaffen, oder eine andere polnische Regierung diese Ge« neigtheit bekunde. Er wolle dafür sorgen, daß im Osten der Frieden an der deutschen Grenze ebensa hergestellt werde, wie an unfern übrigen Grenzen- Reichstag und Volk stimmten auch hierbei dem Führer in vollstem Maße zu. Am Schlüsse seiner Rede ermahnte der Führer den Gegner zu humaner Kriegführung, die auch wir befolgen werben, er ließ aber auch keinen Zwei- fel darüber, daß wir auch andere Mittel zur Anwendung bringen können, wenn der Gegner uns dazu durch sein Verhalten nötigt. Stürmische Zustimmung fand er auch mit der Feststellung, daß von jetzt ab gegen Polen jeder Schuß mit einem Schuß und jede Bombe mit einer Bombe vergolten wird. Die Aufforderung des Führers an das ganzs deutsche Volk, in dieser schweren Zeit mit besonderer Hingabe seine Pflicht zu tun, jeder an seinem, Platze, findet überall im Volke die denkbar stärkste Zustimmung. Gewaltig war der Eindruck bei allen Hörern, als der Führer zum Schluß sagte, er hqbe jetzt den Rock wieder angezogen, den er einst vier Jahre lang in Ehren und mit Stolz getragen habe, nämlich den Rock des Soldaten, und wenn er ' diesen Rock wieder ausziehe, dann nur nach dem deutschen Sieg! Und auch hier wieder bekundete der Reichstag als Sprecher des ganzen Volkes mit Recht die Uebereinstimmung mit dem Führer, daß es für unser Volk nur einen Ausgang dieses Kampfes geben kann und wird, nämlich den vollen deutschen Sieg! Pfund zugenommen, doch steht diese Steigerung nur auf dem Papier, da die Goldbestände bekanntlich seit Anfang des Jahres nicht mehr nach der alten Parität, sondern nach dem jeweiligen Stande des Goldpreises bewertet werden. Da dieser in der laufenden Woche eine bisher noch nicht zu verzeichnende Höhe erreichte, ist die erhöhte ausgewiesene Goldmenge nur eine buchmäßige Neubewertung. Sie ändert auch nichts an der Tatsache, daß das Verhältnis der Reserven der Bank von England 3U den Passiven binnen einer Woche von 26,0 auf 21,4 v. H. zurückging und somit die Verbindlichkeiten nur noch zu etwa einem Fünftel gedeckt werden. Volksgruppen hüben un- -rüden. • Es hat zwar einige Zeit gedauert, bis das Ausland sich von den Grausamkeiten überzeugt hat/ die polnische Banden unter Führung und Duldung der Behörden gegen zahllose Volksdeutsche verübt haben. Die Tatsache, daß Tausende deutscher Flüchtlinge im Reiche Zuflucht suchten, daß diese verfolgten Menschen .furchtbare Qualen erleiden mußten, bevor sie die deutsche Grenze oder die des Protektorats erreichten, läßt sich nicht bestreiten. Davon hat schließlich auch das Ausland Notiz genommen, obwohl die französische und englische Presse die polnischen Schandtaten möglichst totgeschwiegen hat. Die Kriegshetzer in Warschau, die mittlerweile gemerkt haben, daß ihre Aktien schlecht genug stehen, suchen nach einer Ausrede oder einer Entschuldigung für den Terror, den sie über die deutsche Volksgruppe verhängt haben. Da ihnen nichts Besseres einfällt, treten sie mit der Behauptung auf, daß die Polen in Deutschland sich einer schlechten Behandlung zu beklagen hätten. Das ist dreister Schwindel. Vor einigen Wochen gab ein Warschauer Blatt selber zu, daß die kleine polnische Volksgruppe in Deutschland trotz der politischen Spannung über nichts zu klagen habe. Seit Jahrhunderten haben polnische Dolksangehörige im preußischen bzw. österreichischen Staate gelebt und an den Segnungen der deutschen Kultur reichen Anteil genommen. Die Polen in den preußischen Provinzen hatten wirtschaftlich und kulturell eine Entwicklung erfahren, die sie turmhoch über ihre Volksgenossen in Kongreßpolen und in Galizien gestellt hatte. Die Polen in Deutschland sind auch mit ihrem Schicksal ganz zufrieden gewesen, wenn nicht gelegentlich ein chauvinistischer Hetzer Illusionen unter ihnen verbreitet hätte. Vor einiger Zeit hat ein polnischer Festredner in Posen darauf hingewiesen, daß das 5. Armeekorps an den größten Siegen des Jahres 1870 hervorragend beteiligt war. Damit wollte dieser geschichtlich gebildete Mann den Nachweis erbringen, daß der Pole ein besonders guter Soldat sei. Hier wäre die Einschränkung nötig, daß das 5. preußische Armeekorps zur Hälfte in der Provinz Posen, zur andern Hälfte im Regierungsbezirk L i e g n i tz beheimatet war! Aber trotzdem, wir ziehen aus der Posener Festrede einen anderen Schluß, als der Redner ihn gezogen hat. Wir stellen fest, daß der in Deutschland lebende polnische Staatsbürger ferne Pflichten als Soldat anständig und tapfer erfüllt hat, zum Zeichen dafür, daß er sich unter der deutschen Herrschaft und Fürsorge recht wohl fühlte. Seit dem Versailler Vertrag sind die Gebiete voy, Gewalt gegen Gewalt! Oer Führer und Oberste Befehlshaber an die Wehrmacht. DRV. Berlin, 1. September. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat folgenden Aufruf an die Wehrmacht erlassen: An die Wehrmacht! Der polnische Staat hat die von mir erstrebte friedliche Regelung nachbarlicher Beziehungen verweigert. Lr hat statt dessen an die Waffen appelliert. Die Deutschen in polen werden mit blutigem Terror verfolgt und von Haus und Hof vertrieben. Eine Reihe von für eine Großmacht unerträglichen Grenzverletzungen beweist, daß die Polen nicht mehr gewillt sind, die deutsche Reichsgrenze zu ) achten. Um diesem Wahnwitz ein Ende zu bereiten, bleibt mir kein anderes Wittel, als von jetzt ab Gewalt gegen Gewalt zu fetzen. Die deutsche Wehrmacht rotrö den Kampf um die Ehre und die Lebensrechte des wiederauferstandenen deutschen Volkes mit harter Entschlossenheit führen. 3ch erwarte, daß jeder Soldat eingedenk der großen Tradition des ewigen deutschen Soldatentums feine pflicht bis zum Letzten erfüllen wird. Bleibt Euch stets und in allen Lagen bewußt, daß 3hr die Repräsentanten des nationalsozialistischen Grohdeutschland seid. Ls lebe unser Volk und unser Reich. Adolf Hitler. Berlin, den 1. September 1939. • _ Posen—Westpreußen und Oberschlesien dem Reiche zum größten Teil entrissen worden. Die Zahl der im Reiche verbliebenen Polen ist unerheblich. Sie tun ihre Pflicht und leisten ihre Arbeit in loyaler Weise. Das Reich hat ihnen für ihre kulturellen Bedürfnisse eine umfangreiche kulturelle Selbstverwaltung eingeräumt, ohne daß die Republik Polen dazu zu bewegen war, ein gleiches für die deutsche Volksgruppe in Polen zu tun. Jedenfalls besteht für uns kein Anlaß, die polnische Volksgruppe zu bedrängen, und alles, was von Warschau aus darüber in die Welt gesetzt wird, sind beweislose Behauptungen. Ganz anders sehen die Dinge im polnischen Staat aus. Dieser hat bei seiner Gründung über zwei Millionen Deutsche in seine Grenzen hineingezogen. Obwohl diese Deutschen seit Jahrhunderten im Lande ansässig und an seiner kulturellen Entwicklung hervorragend beteiligt waren, hat der polnische Chauvinismus von Anfang an gegen sie eine wüste Hetze entfaltet. Ueber 800 000 Deutschs sind seit 1919 aus Polen vertrieben worden oder mußten unter dem Drucke des Boykotts und der Feindschaft aus diesem Lande weichen. Als 1772 der größte Teil der Provinz Posen zu Preußen kam, war das Land in einem Zustande der Verelendung, der fast an Barbarei grenzte. Durch die Fürsorge des preußischen Staates und durch große finanzielle Opfer ist Posen zur Blüte gebracht worden. Die deutsche Verwaltung ist sowohl den deutschen Einwohnern wie dem polnischen Dolksteile zugute gekommen, niemand wurde vertrieben und jedem wurde geholfen, der guten Willens war. Die Polen sind, nachdem sie infolge der Waffentaten der Mittelmächte sich 1919 ein neues Reich gründen konnten, umgekehrt verfahren. Sie haben ihre einstigen Lehrmeister aus dem Lande getrieben, gegen jedes Recht und jede Verpflichtung. Nach dem Versailler Verttage war das Recht der nationalen Minderheiten zu schützen und zu erhalten. Polen hat sich trotz der Genfer Liga keinen Augenblick um diese Verpflichtungen gekümmert. Der Führer der Auf- ständischen in Oberschlesien, G r a z y n s k i, wurdü Wojewode Ostoberschlesiens, erhielt also einen Rang ähnlich dem eines Oberpräsidenten ?n Preußen. Als einmal in Gens die schamlosen Vertragsbrücke und Hetzereien dieses Grazynski in aller Breite aufgerollt wurden, gab Polen kleinlaut nach und stellte in Aussicht, den Wojewoden zu entlassen. Darüber ist über ein Jahrzehnt verflossen, und Grazynski ist noch immer im Amt. Im Gegenteil: er fühlt sich anscheinend berufen, im gegenwärtigen Zettpunkt eine besonders üble Rolle zu spielen. Es ist wahrhaftig erstaunlich, daß es im Auslande Zeitungen gab, die unsere Schilderungen über die Quälereien und blutigen Bedrückungen der Volksdeutschen als „Uebertreibung" abtun wollem Als im Jahre 1934 der Führer mit Pilsudfki jenen Vertrag schloß, der ein besseres Verhältnis zwischen beiden Völkern einführen sollte, hegte man auch die Erwartung, daß die deutsche Volksgruppe in Polen ein erträgliches Dasein finden werde. Trotzdem sind auch in diesen fünf Jahren immer wieder schwere Uebergriffe erfolgt. Es hat von deutscher Seite an Vorstellungen ganz gewiß nicht gemangelt, wenn auch die Presse eine gewisse taktische Zurückhaltung geübt hat. Damals schoben die Warschauer Behörden alle berechtigten -Beschwerden auf ihre „untergeordneten Instanzen" ab, die angeblich noch nicht den Geist Pilsudskis erfaßt hatten. Sie haben es niemals getan und wollten es auch nich( tun. Insofern waren diese Jahre eine Probezeit, ein Exempel auf den Wert polnischer Versprechungen in der Gegenwart. Wir können getrost sagen, daß von deutscher Seit nichts übertrieben wurde,' sondern daß das Los det deutschen Volksgruppe in Polen noch viel schlimmer ist, als der breiten Oef- fentlichkeit bekannt ward. Damit ist die Frage beantwortet, die das Ausland aufwirft, ob die 23er« folgung der Deutschen in Polen tatsächlich eine G« fahr für den Frieden ist oder nicht. Starker Eindruck des deutschen Vorschlags in Schweden. Stockholm, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Das großzügige Angebot zur Lösung der Konfliktfrage zwischen Danzig und Polen hat, als es in der Nacht in einer Sondersendung des schwedischen Radio- Nachrichtendienstes wiedergegeben wurde, eine außerordentlich starke Wirkung auf die schwedische Oeffentlichkeit gemacht. Der erste unmittelbare Eindruck war, daß mit diesem Angebot des Führers eine sichere Grundlage für die Erhaltung des Friedens und die Ausräumung aller Konflikte gegeben fei. Ueberall war die erstaunte Frage: Warum verhandelt Polen nicht, warum treibt England die Verhandlungen nicht vorwärts? „Stockholm Tidingen" erklärt, daß es sich bei dem deutschen Angebot weder um ein Ultimatum noch um ein Diktat handle und unterstreicht, daß die Entscheidung über die letzte Entwicklung im Kampf um Frieden oder Krieg in London liege. Aus Warschau läßt sich das Blatt melden, daß ein Beamter des Außenministeriums das deutsche Angebot als unverschämtes Ultimatum (!) bezeichnet habe. Mßvolle deutsche Forderungen. Belgien über Polens Ablehnung erstaunt. Brüssel, 1. Sept. (Europapreß.) Um Mitternacht erschienen Sonderausgaben der führenden bil- gischen Blätter, die die deutschen Vorschläge zu einer Beendigung der Krise in großer Aufmachung Wiedergaben. Da die Blätter die deutsche Erklärung unmittelbar nach der Bekanntgabe' veröffentlichten, fehlen bis jetzt noch die Kommentare. Trotzdem kann man schon jM sowohl in politischen Kreisen als auch in der Bevölkerung Verwunderung und Er- staunen darüber feststellen, daß diese maßvollen deutschen Forderungen keine sofortige Annahme zur Folge gehabt haben. Das Echo in Hom. England trägt allein die Schuld. Rom, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) „Die Stunde der Entscheidung und der höchsten Verantwortung hat geschlagen." — „Die deutschen Vorschläge an Polen nageln Englands Schuld fest." — „Englands Doppelspiel." — „Polnische Freischärler und polnische Truppen überschreiten die deutsche Grenze", so lauten die riesigen Schlagzeilen der römischen Morgenblätter, die die 16 Punkte, in denen Deutschland in so maßvoller Weise seine gerechten Ansprüche dargelegt haben, in größter Aufmachung veröffentlichen. Einhellig wird festgestellt, daß Englands Haltung allein an der heutigen Entwicklung die Schuld trägt. „Messaggero" erklärt, es sei eigentlich unglaublich, daß die deutschen Vorschläge, deren Verfasser die Demokratien hätten sein können, da sie ja den im demokratischen Lager so viel gepriesenen Grundsatz des Rechts und der Selbstbestimmung der Völker entsprächen, nicht angenommen worden seien. Die Haltung Englands scheine jedenfalls auf Motive zurückzugehen, die geradezu Ekel erregen. Denn ein Wort Englands hätte genügt, um den ungerechtfertigten polnischen Starrsinn zu brechen und die Entwicklung der Dinge aufzuhalten. Daß England dieses Wort nicht gesprochen habe, beweise Europa und der Welt, welch ungeheure Verantwortung es auf sich geladen habe. „Popolo di Roma" zieht eine Parallele von der Haltuna Englands im Jahre 1914 und betont, sein Spiel sei heute noch zweideutiger als damals. England sei daran, ein Verbrechen zu begehen, für das es sich vor der Geschichte werde verantworten müssen. Europa werde seinen Richtspruch auf Grund der konkreten Tatsachen erfüllen, der Ablehnung der deutschen Vorschläge durch Polen und der zynischen Ratschläge, die England den Polen empfohlen habe, auf seinem verhängnisvollem Widerstand zu verharren. Italien wird die Neutralität der Schweiz achten. Bern, 31. Aug. (DNB.) Der italienische Gesandte in Bern, Minister T a m a r o, sprach bei Bundesrat Motta vor, um im Namen der italienischen Regierung die Erklärung abzugeben, daß Italien im Falle eines Krieges die Neutralität und Unversehrtheit der Schweizer Eidgenossenschaft peinlich respektieren werde. Der italienische Gesandte erklärte gleichzeitig, daß im Falle eines Krieges die italienischen Verkehrswege und Häfen den für die Schweiz bestimmten Waren offenstehen werden. Italien sei bereit, sich in kürzester Frist mit der Schweiz über Grenzfragen zu verständigen, die sich auf diese Freiheit der Durchfuhr beziehen. Bundesrat Motta hob in seiner Antwort hervor, daß die Schweizer Eidgenossenschaft auf jeden Fall eine strenge und gewissenhafte Neutralitätspolitik befolgen werde. Dann sprach er Minister Tamaro für die im Namen der italienischen Regierung gemachten Mitteilungen seinen Dank aus. Reichsdeutsche nach polen verschleppt. Ka tto w itz, 1. September (DNB.) An der deutsch-polnischen Grenze ereignete sich abermals ein brutaler Ueberfall polnischer Freischärler auf wehrlose Frauen. Die Reichsdeutschen Anna Martin und Emma Schwarz wurden auf deutschem Boden von einem polnischen Grenzbeamten angehalten. Während es Frau Martin gelang, weiter ins reichsdeutsche Gebiet zu flüchten, wurde Emma Schwarz nach Polen verschleppt. Ueber ihr.Schicksal ist nichts in Erfahrung zu bringen. Ausnahmezustand in Ostoberschlesien. Kattowitz, 31. Aug. (DNB.) Im Zusammenhang mit der Generalmobilmachung tn Polen ist am Mittwochabend in sämtlichen Grenzgebieten Ostoberschlesiens der Ausnahmezustand verfügt worden. Die Bevölkerung darf in der Zeit von 19.30 bis 5.30 Uhr nicht die Straße betreten, hat auch die Fenster verschlossen und verhüllt zu halten, es darf kein Lichtschimmer zu sehen sein und es dürfen keinerlei Geräusche irgendwelcher Art, wie z. B. Sirenengeheul, erzeugt werden. Der Telefon- und Postverkehr sowie der Rundfunkempfang sind unter strenge Kontrolle gestellt worden. Sämtliche Einwohner müssen sich mit besonderen Personalausweisen versehen, die zugleich zum Verkehr innerhalb des betreffenden Wohnortes berechtigen. Das Betreten anderer Orte ist streng untersagt. Ebenso darf niemand aus den benachbarten Gebieten die unter Ausnahmerecht gestellten Orte betreten. Der Verkehr wird streng überwacht. Alle Zuwiderhandlungen werden den Militärbehörden zu strenger Aburteilung übergeben. Damit ist auch in gewissem Maße das Stand- recht eingeführt worden. polnische Brandstifter überfallen deutsche Gehöfte. Thorn, 1. September (DNB.) Dis polnischen Terrorbanden versuchen weiterhin, in deutsches Grenzgebiet einzudringen, um dort deutsche Anwesen in Brand zu stecken. In Sommi- nerele, Kreis Bütow, wurde das Haus des Müllers Domke von einer polnischen Terrorbande in Asche gelegt. Bei der Untersuchung der Brandstätte fand man elektrische Zeitzünder und verschiedene Gegenstände, die auf eine gute Technik der Organisierung der Terrorbanden schließen lassen. Die polnischen'Terroristen wurden in Thorn Danzig, die alte deutsche Stadt. M M □ >4 - fc fll AMW MM > M r*-« Im Hintergrund der 76 m hohe Westturm der Marienkirche, eines der umfangreichsten und bedeutendsten Bauten der Ostseeländer, bei dem sich die baltische Gotik zu großartiger Pracht entfaltet. Davor ein Teil der N i k o l a i k i r ch e sowie der Markthalle. Rechts im Vordergrund ein achteckiger Wehrturm aus dem 15.Jahrhundert. — (Scherl-M.) unter Leitung eines Hauptmannes in b e f o n i deren Kursen geschult. Nach Abschluß der Schulungskurse begaben sich die Terrorbanden an verschiedene Grenzorte, wo sie mit Sprengstoff, Zeitzünder und ähnlichem Material versorgt tour« den. polnische Vorbereitungen an der slowakischen Grenze. Zusammenstöße zwischen polnischen Soldaten. Preßburg, 31. Aug. (DNB.) Die slowakische Presse bringt eingehende Berichte über die M a s * sierung polnischer Truppen an der! slowakischen Grenze. Die in Silein erscheinende „Slovenska Politika" schätzt die Zahl der im Abschnitt Mosty—Teschen eingesetzten Truppen auf mehr als 100 000 Mann. Fieberhaft arbeiten polnische Abteilungen in der Grenzzone. Sie errichten Schützengräben und bauen immer neue MG.-Nester. Besonders umfangreiche Vorbereitungen werden polnischerseits im Gebiet um den Jablunkapaß getroffen. Dort kam es am Mittwoch zu schweren Zusammen st äßen zwischen polnischen Soldaten aus Ost-Oberschlesien und aus Koni greßpolen. Die. Ost-Oberschlesier warfen Handgranaten gegen die Kongreßpolen, die ihrerseits mit Gewehr- und MG.-Salven antworteten. Zahlreichs Tote und Verletzte bezeugen die völlige innere Zerrüttung, die die polnische Armee befallen hat. Von den chaotischen Zuständen, die in Polen herrschen, berichten auch übereinstimmend die Flüchtlinge, die in den letzten Wochen ihr Heil auf slowakischem Boden gesucht haben. „Slovenska Politika" schätzt ihre Zahl auf 3000 und bemerkt hierzu, daß sich unter ihnen nicht nur Slowaken, Deutsche uno Ukrainer befinden, sondern in der Mehrzahl ausgesprochen polnische Volksangehörige, zumeist Vertreter der Intelligenz, die den Terror der polnischen Militärgewaltigen nicht mehr länger ertragen wollten. Die slowakischen Behörden haben für dis Flüchtlinge und Ueberläufer mehrere Lager eingerichtet und im übrigen veranlaßt, daß frem Ueber« tritt der Flüchtlinge auf slowakisches Gebiet keine Schwierigkeiten entgegengesetzt werden. Schamloses Verhalten polnischer Polizisten. Kattowitz, 1.Sept. (DNB.) Nach den bereits gestern gemeldeten schweren Uebergriffen der polnischen Polizei gegen Volksdeutsche in Warschau, Lodz und Kattowitz wird jetzt bekannt, daß die polnische Polizei anscheinend auf höhere Anweisung hin in den Bezirken Teschen und Posen ähnlich verfährt. Mit der lächerlichen Behauptung, man sei einer Terrororganisation, die Polen revolü- tiomeren wolle, auf die Spur gekommen, ging man zu einer großen Razzia gegen alle Volksdeutschen über. Die Zahl der Verhafteten geht in die Hunderte. Die Volksdeutschen wurden mitten in der Nacht aus den Betten gerissen und auf den Straßen und Höfen zusammengetrieben. Die Wohnungen wurden demoliert, wobei man sich an den gefundenen Spirituosen gütlich tat. Wie schamlos die polnischen Polizisten bei dieser Aktion vorgingen, erhellt daraus, daß man die Leibesvisitationen der Frauen nicht durch Frauen vornehmen ließ, sondern den Polizisten selbst überließ. Ein betrunkener polnischer Polizist rühmte sich in einem Tesche- ner Wirtshaus, daß die polnische Polizei bei dieser Leibesvisitation auf ihre Kosten gekommen fei, und daß er in seinem Leben noch nie einen solchen Spaß erlebt habe. Das Danziger Zeughaus. - v M x \ I MM - ' I M, . Ein großes Werk niederländischer Spätrenaissance ist das Danziger Zeughaus, von dem unser Bild den mittleren Teil zeigt. Es wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts von Antony Obbergen aus Mecheln, dem Danziger Stadtbaumeister, aus Ziegeln und Sandstein errichtet und ist ein prunkvolles Zeugnis für die wehrhafte Vergangenheit der Stadt. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Neptunbrunnen und Ariushof. Em Eine gotische Prachthalle ist der Artushof in Danzig, der im 15. Jahrhundert errichtet wurde. Die Schauseite, die auch unser Bild zeigt, trägt barocken Schmuck aus dem 17. Jahrhundert. Der Artushof erinnert an die sagenhafte Tafelrunde von König Artus. Ursprünglich war das stolze Haus ein geselliger Versammlungsort reicher Danziger Kaufleute. Seit 1742 wird es jedoch als Börse benutzt. Die Erzfigur des Neptunbrunnens wurde von dem aus Augsburg stammenden Hans Reichel im 17. Jahrhundert geschaffen, — (Scherl-Bilderdienst-M.) Der deutsch-russische Pakt ratifiziert. Einstimmige Zustimmung des Obersten Sowjets. Moskau, 31. Aug. (DNB.) Am Donnerstag kurz nach 17.30 Uhr MEZ. trat der O b e r st e Sowjet im Großen Palais des Moskauer Kreml wieder zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Ratifizierung des deutsch-russischen N i ch t a n g r i f f s - und Konsultations- paktes. Der Saal ist bis zum letzten Platz gefüllt. In den Diplomatenlogen haben sich sämtliche in Moskau beglaubigten Missionschefs eingefunden, an ihrer Spitze der deutsche Botschafter G r a f v o n der Schulenburg. Es fehlen nur die Botschafter Englands und Frankreichs. Ersterer soll wegen eines Influenzaanfalles des Bett hüten, letzterer weilt in Paris. Das Präsidium und die Mitglieder der Sowjretregierung, an der Spitze Stalin und Molotow, werden bei ihrem Erscheinen von der Versammlung stürmisch begrüßt. Der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare, Außenkommissar Molotow, kritisierte zuerst vernichtend die englisch-französischen Paktbemühungen, deren Zwiespältigkeit und unaufrichtigen Hintergründe er schonungslos aufdeckte. England und Frankreich sei es überhaupt nicht um die Schaffung eines effektiven Friedens bei den Verhandlungen mit Moskau zu tun gewesen, sondern nur um die „Fiktion eines Paktes" auf Kosten der Interessen der Sowjetunion. Demgegenüber, so betonte Molotow, handele es sich bei dem Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion um eine Entscheidung von größter weltpolitischer Bedeutung. Die Geschichte habe erwiesen, daß Feindschaft und Krieg zwischen den Völkern der Sowjetunion und Deutschlands nicht zum Nutzen, sondern zum Schaden beider gereichten. Deshalb wollten beide Völker auch keine Feindschaft miteinander haben, sondern sie brauchten friedliche Beziehungen. Der am 24. August in Moskau abgeschlossene Nichtangriffspakt sehe der Feindschaft zwischen der Sowjetunion und Deutschland ein ?nde. Die beiden allergrößten Staaten Europas hätten sich entschlossen, die Kriegsdrohung untereinander zu beseitigen und friedlich miteinander zu leben. Selbst wenn ein Krieg in Europa nicht zu vermeiden wäre, so würden infolge des deutsch-sowjetrussifchen Nichtangriffspaktes die Maßstäbe der Kriegshandlungen b e - grenzt fein. Deshalb herrsche nur dort Unzufriedenheit über den deutsch-russischen Nichtangriffspakt, wo die Kriegsbrand st ifter unter der Maske von Friedensfreunden am Merke feien. Die Sowjetregjerung orientiere sich in ihrer Außenpolitik trotzdem unbeirrbar nach den Interessen ihrer Völker, und zwar ausnahmslos nach diesen. Der Nichtangriffspakt, der einen Umschwung in der europäischen Politik darstelle und seinem Wesen nach nur dem Frieden diene, eröffne auch für die Sowjetunion neue Möglichkeiten und eine neue Entwicklung für ihre eigenen Kräfte in der internationalen Arena. Nach Beendigung.der Rede Molotows, der mehrfach von stürmischen Kundgebungen der Abgeordneten und des Publikums unterbrochen wurde, faßte der Oberste Sowjet einstimmig folgenden Beschluß: 1. die Außenpolitik der Regierung zu billigen, 2. den am 23. August in Moskau unterzeichneten Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion zu ratifizieren. ♦ Zur gleichen Zeit wurde in B e r l i n die Ratifikation des Vertrages durch die deutsche Reichsregierung vorgenommen. Verstärkung der flöten Armee und Flotte. Verlängerung der Dienstzeit und Heraufsetzung des Dienstpflichtigenalters. Moskau, 31. Aug. (DNB.) Auf der heutigen Vormittagssitzung des Obersten Sowjets hielt der Kriegskommissar Woroschilow eine einstündige Rede über die neue Gesetzesvorlage zur allgemeinen Wehrpflicht. Die Bestimmungen dieses neuen Gesetzesprojektes laufen auf eine erneute Verstärkung der Roten Armee und Flotte hinaus, die durch die weitere Herabsetzung des Einberufungsalters von 19 auf 18 Jahre bei gleichzeitiger Erfassung der entsprechenden Jahrgänge erreicht werden soll, ferner durch die Verlängerung der Militärdienstzeit, der aktiven Dienstzeit für den gesamten Unteroffizierbestand der Roten Armee und der Truppen des Grenzschutzes von zwei auf mindestens drei Jahre, durch die Aufhebung der meisten bisher bestehenden Ausnahmebestimmungen für Militärdienstpflichtige und durch die beträchtliche Heraufsetzung des Dienstpflichtigenalters für die gesamte Reserve. Der Oberste Sowjet nahm eine Entschließung an, wonach die Aussprache über die Gesetzesvorlage zur allgemeinen Wehrpflicht in beiden Kammern {»-fort au^f genommen werden soll. Volksdeutschtum im Karpathen-Vorland. Die abstoßenden Deutschenoerfolgungen in Polen haben wenigstens das Gute, dem Binnendeutschen die Tatsache recht einprägsam zu machen, daß sich die volksdeutschen Siedlungen in Polen weit über die ehemals preußischen Provinzen Westpreußens und Posen hinaus bis an die polnische Ost- grenze erstrecken. Im Zusammenhänge mit den Deutschenverfolgungen im Olsa - Gebiet wurden in den letzten Tagen wiederholt die Städte B i e l i tz und B i a l a genannt. Bielitz und Biala gehören schon seit 1918 zu Polen und sind Mittelpunkt einer regen Textilindustrie, deren handwerkliche Ursprünge bis zum Jahre 1300 zurückreichen. Bielitz und Biala liegen in der sehr anmutigen Gegend am Nordwestabhang des jetzt so viel genannten I a - b lu n k a ° P a s s e s , der dje Verbindung zur Slowakei vermittelt. Bielitz konnte sich bis in die letzte Zeit seinen überwiegend deutschen Charakter bewahren, dagegen machen die Deutschen in Biala nur noch ein gutes Drittel der Einwohnerschaft aus. Zur Polo Nisi erung hat wesentlich bei- getragen, daß einige Textilfabriken in Biala in jüdischen Besitz übergingen. Rings um die beiden Städte liegt eiin Kranz kräftiger deutscher Bauerndörfer. Die Gesamtzahl dieser Volksdeutschen in der Bielitzer Sprachinsel beträgt etwa 35 00r Die Namen der studentischen Kameradschaften. Von den mehr als 1000 Kameradschaften des NSD.-StubentenbuNdes, die heute an den deutschen Hoch- und Fachschulen bestehen, werden zwei Drittel einstweilen noch mit dem Namen ihres Kameradschaftsführers bezeichnet. Nur ein Drittel der Kameradschaften trägt schon Namen, die vom Reichsstudentenführer verliehen worden sind. Die selbstgewählten endgültigen Namen sollen Symbol der besonderen Aufgabe sein, die sich die Kameradschaft gestellt hat. Die 334 Kameradschaften, denen bisher ein Name verliehen wurde, tragen 221 verschiedene Namen. In der Regel verleiht der Reichsstuben- tensührer den gleichen Namen nicht öfter als zwei- bis dreimal. 154 Kameradschaften, also rund die Hälfte, bringen in ihren Namen ein Bekenntnis zum großdeutschen Gedanken, zum bedrohten deutschen Volkstum an der Grenze und im Ausland sowie zu den deutschen Kolonien zum Ausdruck. 120 Kameradschaften haben sich in ihren Namen die Helden der nationalsozialistischen Bewegung und die großen politischen und weltanschaulichen Führer der Vergangenheit zum Vorbild genommen. 91 Kameradschaften tragen die Namen von Schlachtfeldern, von Feldherren und auch von einfachen Soldaten, die sich durch besonderen Einsatz auszeichneten. 54 Namen erinnern an deutsche Denker, Dichter, Musiker und bildende Künstler. 21 Kameradschaften schließlich haben die Namen von Forschern, Technikern und Wirtschaftsführern gewählt. Daß die Gruppe der Namen, die ein Bekenntnis zum groß- deutschen Gedanken und zum deutschen Volkstum ausdrücken, weitaus am stärksten ist, entspricht alter Tradition deutschen Studententums. Zentrale Auskunstsstelle für Verluste auf der Reichsautobahn. Kraftfahrer, die auf einer Reichsautobahn einen Gegen st and verlieren, wissen in der Regel nicht, an welcher Stelle der zurückgelegten Strecke sie den Gegenstand verloren haben und in welcher' Ortschaft sie bei der Polizeibehörde Nachfrage halten können. Um diese Schwierigkeiten zu beheben, hat der Reichsführer ff und Ches der Deutschen Polizei soeben beim Polizeipräsidium Berlin die Einrichtung einer zentralen Auskunftsstelle unter der Bezeichnung „Zentralfundnachweis" angeordnet, bei der bie Nachrichten über den Verlust ünd das Auffinden von verlorenen Sachen auf den Reichsautobahnen aus dem gesamten Reichsgebiet zu sammeln sind und die darüber Auskunft zu erteilen hat. Wenn bei einer Polizeibehörde ein Fund auf einer Reichs- autobahn angezeigt oder abaeliefert wird, so ist hiervon dem Aentralfundnachweis Mitteiluna zu machen, der dem Verlierer entsprechende Auskunft gibt. Kraftfahrer, die auf einer Reichsautobahn einen verlorenen Gegenstand finden, können den Fund, falls die Ablieferung bei der nächsten Polizeibehörde zu umständlich ist, bei einer Straßenmeisterei der Reichsautobahn oder einer Rufstelle des NSKK.-Ver- kehrshilfsdienstes abliefern. Diese Dienststellen geben über die nächste Polizeibehörde dem Zentralfundnachweis beim Polizeipräsidium Berlin entsprechende Nachricht. Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptfchriftleiters: Ernst Blum- fchein. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot (z. Z. abwesend), i. V.: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein; für Sport Heinrich Ludwig Neuner (z. Z. abwesend), i. 23.: E. Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D.A. VII. 1939: 8855. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. Ludwig Lidl im Alter von 63 Jahren. Gießen (Landgraf-Philipp-Platz 8), den 31. August 1939. Die Trauerfeier findet in aller Stille statt 5797V wird gebeten. Die Führerschaft. _________________04145 Kriegerkameradschaft 1874 Gießen Todes-Anzeige. Gestern nacht entschlief nach langem, mit großer Gedüld ertragenem Leiden mein lieber Mann, unser herzensguter, treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Im Namen der tieftrauernd Hinterbliebenen: Frau Elise Lieh und Kinder. jMK Hiermit erfüllen wir die trau- rige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Kameraden Ludwig Lieh Landgraf-Philipp-Platz 8, in Kenntnis zu setzen. — Beerdigung; Samstag, 10% Uhr, Neuer Friedhof. Um zahlreiche Beteiligung Genießen Sie diesen feinen Geschmack, trinken Sie den edlen „Rubina“- H a u s t e e Meistermischung aus deutschen ausgesuchten Kräutern in viel. Sorten, besonders: lieblich, kräftig, schwarz, Pak. ab 5(M lm Kräuterhaiis HING Herz der Stadt Gießen 5799D Dr. Franz Geyer Arzt von der Reise zurück 5796V Aus Fallobst wird Marmelade u. Fruchtsaft. Das kostet .nicht viel und Sie haben einen schönen Vorrat für den Winter. 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Buchweizengrütze gilt nicht als Grütze im Sinne des § 2 Abf. 1 Nr. 5 der Ersten Durchführungsverordnung. § 3. (1) Die Verteilungsstellen haben je eine Kundenlifte anzulegen für 1. Fleisch und Fleischwaren, 2. Milch, 3. Milcherzeugnisse, Oele und Fette. (2) Die Verteilungsstellen, die Kundenlisten für Butter führen, können diese Liste auf Margarine, Speiseöl und Käse ausdehnen. Falls sie Schmalz und Speck verkaufen, können sie die in Satz 1 genannte Kundenliste auch auf diese Waren ausdehnen. (3) Die Anlegung von Kundenlisten für andere Lebensmittel ist nicht erforderlich. (4) Die Verbraucher können sich für die in Absatz 1 bezeichneten Lebensmittel bei verschiedenen Verteilungsstellen in die Kundenlisten eintragen lassen. §4. (1) Die mit „Fleisch oder Fleischwaren" bezeichneten Abschnitte gelten für folgende Wochen: a) Abschnitte 1, 2 und 3 für die Woche vom 28. August bis 3. September; b) Abschnitte 4, 5 und 6 für die Woche vom 4. September bis 10. September. c) Abschnitte 7, 8 und 9 für die Woche vom 11. September bis 17. September; d) Abschnitte 10, 11 und 12 für die Woche vom 18. September bis 24. September. (2) Auf die mit „Fleisch oder Fleischwaren" bezeichneten Abschnitte mit den Zahlen 3, 6, 9, 12 sind je 200 Gramm Fleisch oder Fleischwaren (auch in Konserven) abzugeben, auf die übrigen Abschnitte je 250 Gramm. § 5. (1) Die mit „Milch" bezeichneten Abschnitte gelten für folgende Wochen: a) Abschnitt 1 für die Woche vom 28. August bis 3. September; b) Abschnitt 2 für die Woche vom 4. Sept, bis 10. Sept.; c) Abschnitt 3 für die Woche vom 11. Sept, bis 17. Sept.; d) Abschnitt 4 für die Woche vom 18. Sept, bis 24. Sept. (2) Auf jeden Abschnitt, der mit „Milch" bezeichnet ist, können bis zu 1% Liter Vollmilch wöchentlich abgegeben werden. Die Abschnitte sind von der Verteilungsstelle am Anfang jeder Woche abzu- trennen. Auf Wunsch des Verbrauchers können an Stelle von Vollmilch die gleichen Mengen an Joghurt, Kefir oder Vollmilch- Mischgetränken verabfolgt werden. An Stelle von % Liter Vollmilch können nach Wahl des Verbrauchers auch 170 Gramm Kondensmilch in Dosen, an Stelle von % Liter Vollmilch auch 250 Gramm Kondensmilch in Flaschen abgegeben werden. § 6 (1) Auf die mit „Milcherzeugnisse, Oele und Fette" bezeichneten Abschnitte sind abzugeben: a) auf die Abschnitte mit ungeraden Zahlen (1, 3, 5, 7) je Abschnitt 90 Gramm Butter oder Butterschmalz; b) auf die Abschnitte mit geraden Zahlen (2, 4, 6, 8) je Abschnitt 250 Gramm Schmalz, Speck, Rindertalg jeder Art, Margarine, Mischfette, Kunstspeisefette, Pflanzenfette, Speiseöle, (einschließlich Olivenöl) oder sonstige Milcherzeugnisse mit Ausnahme von Butter, Butterschmalz und Käse. (2) Das Verhältnis, in dem die in Absatz 1 Buchst, b aufgeführten Lebensrnittel bezogen werden können, richtet sich nach der jeweils verfügbaren Menge. (3) Die Abgabe der Abschnitte für Butter hat bei der bisherigen Vertellungsstelle zu erfolgen. * 1 § 7. Die mit „Milcherzeugnisse, Oele und Fette" bezeichneten Ab< schnitte gelten für folgende Wochen: a) Abschnitt 1 und 2 für die Woche vom 28. August bis 3. September; b) Abschnitt 3 und 4 für die Woche vom 4. September bis 10. September; c) Abschnitt 5 und 6 für die Woche vom 11. September bis 17. September; d) Abschnitt 7 und 8 für die Woche vom 18. September bis 24. September. § 8. Auf die mit „Eier" bezeichneten Abschnitte sind je Abschnitt 80 Gramm Käse jeder Art oder 160 Gramm Frischquark nach Wahl des Verbrauchers abzugeben. § 9. Die mit „Eier" bezeichneten Abschnitte, auf die Käse oder Frischquark abgegeben wird, gelten für folgende Wochen: a) Abschnitt 1 für die Woche vom 28. August bis 3. September; b) Abschnitt 2 für die Woche vom 4. Sept, bis 10. September; c) Abschnitt 3 für die Woche vom 11. Sept, bis 17. September; d) Abschnitt 4 für die Woche vom 18. Sept, bis 24. September; § 10. Die Mengen an Zucker, die auf die 3 Kartoffelabschnitte bezogen werden können (je V2 Kilogramm Zucker), können in einer Menge bezogen werden. § 11. Die Insassen von Krankenhäusern, Heilanstalten, Erziehungsanstalten, Wohlfahrtsanstalten, Gefangenenanstalten und ähnlichen Einrichtungen haben für die Dauer ihres Aufenthalts die Abschnitte für Lebensrnittel an die Anstalt oder Einrichtung abzugeben. Berlin, den 29. August 1939. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft. J.V.: H. Backe. Wird hiermit veröffentlicht. Gießen, 1. September 1939. 5802C Der Oberbürgermeister. I. D.: Nicolaus, Beigeordneter, Nr. 204 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Zreitag, l. September My Polen läßt großzügigen deutschen Vorschlag für das Danzig-Korridor-Problem unbeantwortet. jwei Tage wartet die Reichsregierung vergeblich auf bevollmächtigten polnischen Unterhändler. Berlin, 31.Aug. (DNB.) Der k g l. b r i t i s ch e Regierung Hal sich in einer Role vom 28. August 1939 gegenüber der deutschen Regierung bereit erklärt, ihre Vermittlung zu direkten Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen über die strittigen Probleme zur Verfügung zu stellen. Sie hat dabei keinen Zweifel darüber gelassen, daß auch ihr angesichts der fortdauernden Zwischenfälle und der allgemeinen europäischen Spannung die Dring- l i ch k e i t des Vorganges bewußt wäre. Die deutsche Regierung hat sich in einer Antwortnote vom 29. August 1939 trotz ihrer skeptischen Beurteilung des Willens der polnischen Regierung, überhaupt zu einer Verständigung zu kommen, im Interesse des Friedens bereit erklärt, die englische Vermittlung bzw. Anregung anzunehmen. Sie hat unter Würdigung aller der zur Zeit gegebenen Umstände es für notwendig erachtet, in dieser ihrer Rote darauf hinzuweisen, daß, wenn überhaupt die Gefahr einer Katastrophe vermieden werden soll, dann schnell und unverzüglich verhandelt werden muh. Sie hat sich in diesem Sinne bereit erklärt, bis zum 3 0. August 1 9 3 9 abends einen Beauftragten der polnischen Regierung zu empfangen unter der Voraussetzung, dah dieser auch wirklich bevoll- m ä ch t i g t sei, nicht nur zu diskutieren, sondern Verhandlungen zu führen und abzu- fchließen. Die deutsche Regierung hat weiter in Aussicht gestellt, dah sie glaubt, bis zum Eintreffen dieses polnischen Unterhändlers in Berlin der britischen Regierung die Grundlagen über das Verständigungsangebot ebenfalls zugänglich machen zu können. Statt einer Erklärung über das Eintreffen einer aulorifierten polnischen Persönlichkeit erhielt die Reichsregierung als Antwort auf ihre Verständigungsbereitschaft zunächst die Rachricht der polnischen Mobilmachung und erst am 30. August 1939 gegen 12 Uhr nachts eine mehr allgemein gehaltene britische Versicherung der Bereitwilligkeit, ihrerseits a u f den Beginn von Verhandlungen hinwirken zu wollen. Trotzdem durch das Ausbleiben des von der Reichsregierung erwarteten polnischen Unterhändlers die Voraussetzung entfallen war, der britischen Regierung noch eine Kenntnis über die Auffassung der deutschen Regierung inbezug auf mögliche Verhandlungsgrundlagen zu geben, da die britische Regierung ja selbst für direkte Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen plädiert hatte, gab Reichsaußenminister von Ribbentrop dem britischen Botschafter anläßlich der Uebergabe der letzten englischen Rote eine genaue Kenntnis des Wortlautes der für den Fall des Lin- treffens des polnischen Bevollmächtigten als Verhandlungsgrundlage vorgesehenen deutschen Vorschläge. Die deutsche Reichsregierung glaubte ein Recht darauf zu haben, daß unter diesen Umständen wenigstens nachträglich die sofortige Benennung einer polnischen Persönlichkeit stattfinden würde. Denn es ist der Reichsregierung nicht zuzumuten, ihrerseits fortgesetzt die Bereitwilligkeit zur Inangriffnahme solcher Verhandlungen nicht nur zu betonen, sondern auch dafür bereit zu sitzen, von der polnischen Seite aber nur mit leerenAusflüchten und nichtssagenden Erklärungen hingehalten zu werden. Aus einer inzwischen stattgefundenen Demarche des polnischen Botschafters geht erneut hervor, dah auch dieser nicht bevollmächtigt ist, in irgend eine Diskussion einzu- lreten oder gar zu verhandeln. Somit haben der Führer und die deutsche Reichsregierung nun zwei Tage vergeblich auf das Eintreffen eines bevollmächtigten polnischen Unterhändlers gewartet. Unter diesen Umständen sieht die deutsche Regierung auch diesmal ihre Vorschläge als abgelehnt an, obwohl sie der Meinung ist, dah diese in der Form, in der sie auch der englischen Regierung bekannt gegeben worden sind, mehr als loyal, fair und erfüllbar gewesen wären. Die Reichsregierung hält es für angebracht, der Oeffentlichkeit Kenntnis von diesen dem britischen Botschafter durch den Reichsauhenminister von Ribbentrop mitgeteilten Verhandlungsgrundlagen zu geben. Vorschlag für eine Regelung des Danzig-Korridor- Problems sowie der deutsch-polnischen Minderheitenfrage. Die Lage zwischen dem Deutschen Reich und Polen ist zur Zeil so, dah jeder weitere Zwischenfall zu einer Entladung der beiderseits in Stellung gegangenen militärischen Streitkräfte führen kann. Jede friedliche Lösung muh so beschaffen sein, dah sich nicht bei nächster Gelegenheit die diesen Zustand ursächlich bedingenden Ereignisse wiederholen können und damit nicht nur der Osten Europas, sondern auch andere Gebiete in die gleiche Spannung verseht werden. Die Ursachen dieser Entwicklung liegen 1. in der unmöglichen Grenzziehung, wie sie durch das Versailler Diktat vorgenommen wurde: 2. in der unmöglichen Behandlung der Minderheit in den abgetrennten Gebieten. Die deutsche Reichsregierung geht daher bei diesen Vorschlägen von dem Gedanken aus, eine endgültige Lösung zu finden, die die unmögliche Situation der Grenzziehung beseitigt, beiden Teilen ihre lebenswichtigen Verbin- dungsstrahen sichert, das Minderheitenproblem — soweit irgend möglich — beseitigt und, soweit dies nicht möglich ist, das S ch i ck s a l d e r Minderheiten durch eine sichere Garantie ihrer Rechte erträglich gestaltet. Die deutsche Reichsregierung ist überzeugt, dah es dabei unerlählich ist, wirtschaftliche und physische Schädigungen, die feit dem Jahre 1918 stattgefunden haben, aufzudecken und in vollem Umfange wieder gutzumachen. Sie sieht selbstverständlich diese Verpflichtung als eine für beide Teile bindende an. Aus diesen Erwägungen ergeben sich folgende praktische Vorschläge: 1. Die Freie Stadt Danzig kehrt auf Grund ihres rein deutschen Charakters sowie des einmütigen Willens ihrer Bevölkerung sofort in das Deutsche Reich zurück. 2. Das Gebiet des sogenannten Korridors, das von der Ostsee bis zu der Linie Marienwerder— Graudenz — Kulm — Bromberg (diese Städte ein- schliehlich) und dann etwa westlich nach Schönlanke reicht, wird über seine Zugehörigkeit zu Deutschland oder zu Polen s e l b st entscheiden. Zu diesem Zweck wird dieses Gebiet eine Abstimmung vornehmen. Abstimmungsberechtigt sind alle Deutschen, die am 1. Januar 1918 in diesem Gebiet wohnhaft waren, oder bis zu diesem Tage dort geboren wurden, und desgleichen alle an diesem Tage in diesem Gebiet wohnhaft gewesenen, oder bis zu diesem Tage dort geborenen Polen, Kaschuben usw. Die aus diesem Gebiet vertriebenen Deutschen kehren zur Erfüllung ihrer Abstimmung zurück. Zur Sicherung einer objektiven Abstimmung, sowie zur Gewährleistung der dafür notwendigen umfangreichen Vorarbeiten wird dieses erwähnte Gebiet, ähnlich dem Saargebiet, einer sofort zu bildenden internationalen Kommission unterstellt, die von den vier Großmächten Italien, Sowjetunion, Frankreich, England gebildet wird. Diese Kommission übt alle hoheltsrechle in diesem Gebiet aus. Zu dem Zweck ist dieses Gebiet in einer zu vereinbarenden kürzesten Frist von dem polnischen Militär, der polnischen Poli- z e i und den polnischen Behörden zu räumen. 4. Von diesem bleibt ausgenommen der polnische Hafen Gdingen, der grundsätzlich polnisches Hoheitsgebiet ist, insoweit er sich territorial auf die polnische Siedlung beschrankt. Die näheren Grenzen dieser polnischen Hafenstadt wären zwischen Deutschland und Polen fesizulegen und nötigenfalls durch ein internationales Schiedsgericht festzusehen. 5. Um die notwendige Zeit für die erforderlichen umfangreichen Arbeiten zur Durchführung einer gerechten Abstimmung sicherzustellen, wird diese A b - stimmung nicht vor Ablauf von zwölf 2Ü o n a (e n stattfinden. 6. Um während dieser Zelt Deutschland seine Verbindung mit Ostpreußen und Polen seine Verbindung mit dem Meere unbeschränkt zu garantieren, werden Straßen und Eisenbahnen feftgelegt, die einen freien Transitverkehr ermöglichen, hierbei dürfen nur jene Abgaben erhoben werden, die für die Erhaltung der Verkehrswege bzw. für die Durchführung der Transporte erforderlich find. 7. lieber die Zugehörigkeit des Gebietes entscheidet die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen. 8. Um nach erfolgter Abstimmung — ganz gleich, wie diese ausgehen möge — die S i ch e r h e i t des freien Verkehrs Deutschlands mit seiner Provinz Danzig-Ostpreußen und Polen seine Verbindung mit dem Meere zu garantieren, wird, falls das Abstimmungsgebiet an Polen fällt, Deutschland eine exterritoriale Verkehrszone, etwa in Richtung von Bütow—Danzig bzw. Dirschau gegeben zur Anlage einer Reichsautobahn, sowie einer vier- gleisigen Eisenbahnlinie. Der Bau der Straße und der Eisenbahn wird so durchgeführt, daß die polnischen Kommunikationswege dadurch nicht berührt, d. h. entweder über- oder unterfahren werden. Die Breite dieser Zone wird auf einen Kilometer festgesetzt und ist deutsches Hoheitsgebiet. Fällt die Abstimmung zugunsten Deutschlands aus, erhält Polen zum freien und uneingeschränkten Ver' kehr nach seinem Hafen Gdingen die gleichen Rechte einer ebenso territorialen Straßen- bzw. Vahnver' bindung, wie sie Deutschland zustehen würde. 9. Im Falle des Zurückfallens des Korridors an das Deutsche Reich erklärt sich dieies bereit, einen Vevölkerungsauskausch mit Polen in dem Ausmaß vorzunehmen, als der Korridor hierfür geeignet ist. 10. Die etwa von Polen gewünschten Sonder' rechte im Hafen von Danzig würden pari' tätisch ausgehandelt werden mit gleichen Rechten Deutschlands im Hafen von Gdingen. 11. Um in diesem Gebiet jedes Gefühl einer Ve- drohung auf beiden Seiten zu beseitigen, würden Danzig und Gdingen den Charakter reiner Handelsstädte erhalten, d.h. ohne militärische Anlagen und militärische Befestigungen. polnische Freischärler und Soldaten greisen an. Kämpfe auf reichsdeutschem Boden. Oppeln, 1. September. (DRB.) lieber die bereits gemeldeten Angriffe polnischer Freischärler auf deutsches Reichsgebiet erfahren wir weitere Einzelheiten. Daraus geht hervor, daß es sich ohne Zweifel um einen vorbereiteten Angriff polnischer Aufständischer handelt, hinter denen reguläre polnische Soldaten stehen. Bisher konnte einwandfrei festgestellt werden, dah ein Angriff auf P i t s ch e n in der Rähe von Kreuzburg erfolgt ist. Ein weiterer Angriff auf h o ch l i n d e n nordöstlich von Ratibor hält zur Zeit noch an. Insbesondere bei dem Angriff auf hochlinden, der wohl der Verbindungsstrahe Glei- wih—Ratibor gilt, scheint einwandfrei festzustehen, daß es sich um polnische Truppenteile handelt. In h o ch l i n d e n wurde u. a. das neue Zollhaus von polnischen Aufständischen und Soldaten gestürmt. Rach IV- stündigem Gefecht gelang es der Grenzpolizei, das Zollhaus wieder zu besehen. Infolge der Dunkelheit konnte die Zahl der Toten und Verwundeten noch nicht genau fest- gestellt werden. Acht polnische Insurgenten und sechs polnische Soldaten wurden gefangen genommen. Zu dem Angriff auf Pitschen erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Gegen 20.30 Uhr stieß eine Streife der Grenzpolizei in der Gegend des Schlüsselwaldes bei Pitschen — etwa zwei Kilometer von der Grenze entfernt — aufdeutschem Reichsgebiet auf eine aus polnischen Insurgenten und Militär zusammengesetzte Gruppe in Stärke von über 100 Mann. Die Polen eröffneten sofort das Feuer, das von der inzwischen verstärkten Grenzpolizei erwidert wurde. Die Polen verloren zwei Tote, darunter einen polnischen Soldaten. Die Grenzpolizei halte einen Toten und mehrere Verwundete. 15 Polen, darunter 6 Angehörige polnischen Militärs, wurden gefangen genommen. Seit dem 26. August hat der von der polnischen Grenze umschlossene Ort R e u b e r s t e i ch im Kreise Gleiwih ständig unter nächtlichem Feuer von polnischer Seite zu leiden. Diese Schießereien arteten in der vergangenen Rächt zu einem Feuer- überfall aus, durch den die Bevölkerung aufs schwerste beunruhigt wurde. Wie immer gänzlich unmotiviert, wurde um 23.15 Ahr der Ileberfall mit Gewehrschüssen eröffnet, dem bald darauf Handgranatenwürfe der auch am Tage bewaffnet umherstreichenden Aufständischen folgte. Deutlich sind die Verwüstungen durch das polnische Feuer in Reubersleich festzustellen. An mehreren Stellen weist das deutsche Zollhaus schwere Einschläge auf. Deutlich sieht man auch an Baumstämmen die Spuren der Einschläge. Telephoulel- (ungen sind zerstört und die Lichtleitung am Zollhaus wurde zerstört. lleberall '" n Drähte herunter. .G^nGEt't Er$ Mariens« PM 'Pickel 1ABIAU io WEHLAI PlfTZläfl^ LAUENßURj 5TOI SCHLAWE3 GOI lÜTOWti MUHLMAI HEILSBER BERENT DlRSCHAUj dJpPUSCH UEPNfTZ V/C\ IN MEWl LLE1 OSTERODE NEUSTETTII >tA> deutsch JOHANNISBUl KÄMIN 'RÄUDE NZ 'RAS BÜRG D CULMSEE LOMZA THOi OSTROLENKA USCH \q KOL MAR HOHENSTriPf können (i Denkjn. *®o 1 OBAU ~ WEUMAUK SCH LO CHAI IMERSHInCH ARChaiW* JoA-.toEDLI /t> ° z; /d Zf VViAToyf aimaiei Ehern, deutsche Reichsgrenze q BÄLDEN I BUBLITZ ( Xriesenburg 'MARIENWERDER ANGERBURG RASTENBURG .. ö LOTZ EN £ NEUEUBURi * \ /©I TfFr v >> NETZWALDi NEIDENBURG l KREMERBRUCH RUMMELS Bö M! w ©^ELBING. yV/GPULM, | KÖNIGSBERG < EIBING aroburg ortelSbürg ^^KNEUSTAttf^' GDINGENQ fr zoppori !---'DANZIGS KAtmAUS^frOX W WERD' U/ SSTw ^MARIENBURG Ä \ CHRJSTßURG stuhmI ° rs PR STARGARD ¥ ; STAR6AR0/ W ß 1HELA buch 2 HEILI6F»ABE1L . q Wafflgj TOLKEMiT. B DEUTSCH^ONE^ / U Frecher Llebersall polnischer Insurgenten auf den Gender Gleiwitz. Empörende Schmährede auf Deutschland. — Alle beteiligten Polen verhaftet. 12. Die H alb 1 nsel H ela, die entsprechend der Auskimmung wieder zu Polen oder zu Deutschland käme, würde in jedem Falle ebenfalls zu demilitarisieren sein. 13. Da die deutsche Reichsregierung heftigste Beschwerden gegen die polnische VNnderheiien- beHandlung vorzubringen hat. die polnische Regierung ihrerseits glaubt, auch Beschwerden gegen Deutschland vorbringen zu müssen, erklären sich beide Parteien damit einverstanden, daß diese Beschwerden einer international zusammengesetzten Untersuchungskommission unterbreitet werden, die die Aufgabe hat, alle Beschwerden über wirtschaftliche und physische Schädigungen sowie sonstige terroristische Akte zu untersuchen. Deutschland und Polen verpflichten sich, alle seit dem Jabre 1918 etwa vorgekommenen wirtschaftlichen und sonstigen Schädigungen der beiderseitigen Minoritäten wieder gutzumachen bzw. alle Enteignungen aufzuheben oder für diese und sonstige Eingriffe in das wirtschaftliche Leben eine vollständige Entschädigung der Betroffenen zu leisten. 14. Um den in Polen verbleibenden Deutschen sowie den in Deutschland verbleibenden Polen das Gefühl der internationalen Rechtlosigkeit zu nehmen und ihnen vor allem die Sicherheit zu gewähren, nicht zu Handlungen bzw. zu Diensten herangezogen werden zu können, die mit ihrem nationalen Gefühl unvereinbar sind, kommen Deutschland und Polen überein, die Rechte der beiden Minderheiten durch umfassendste und bindende Vereinbarungen zu sichern, um diesen Minderheiten die Erhaltung, freie Entwicklung und Betätigung ihres Volkstums zu gewährleisten, ihnen insbesondere zu diesem Zweck die von ihnen für erforderlich gehaltene Organisierung zu gestatten. Beide Teile verpflichten sich, die Angehörigen der Minderheit nicht zum V e h r d i e n st heranzuziehen. 15. 3m Falle einer Vereinbarung auf der Grundlage dieser Vorschläge erklären sich Deutschland und Polen bereit, die sofortige Demobilmachung ihrer Streitkräfte anzuordnen und durchzuführen. 16. Die zur Beschleunigung der obigen Abmachungen erforderlichen weiteren Maßnahmen werden zwischen Deutschland und Polen gemeinsam vereinbart. Starker Eindruck in Berlin. Grotze Menschenmenge am Wilhelmplatz. Berlin, 31.Aug. (DNB.) Das großzügige Angebot des Führers an Polen zur Erhaltung und Festigung des Friedens und die praktische Ablehnung durch die polnische Regierung wurden um 21 Uhr durch eine Sondermeldung und in den Abendnachrichten um 22 Uhr bekanntgegeben. Sofort danach belebten sich die Straßen der Reichshauptstadt und zahlreiche Berliner ließen es sich nicht nehmen, noch zu später Nachtstunde nach dem Wilhelm-Platz zu ziehen, um in der Stunde tiefen Ernstes dem Führer ihre Treue zu bekunden. Durch den Lautsprecher am Platz wurde die Bevölkerung über die politische Lage unterrichtet und die weit Über den Platz schallenden Nachrichten lockten immer mehr Berliner an. Besondere Genugtuung wurde bekundet, als die Meldung von der Ratifizierung des deutschrussischen Abkommens durch Rußland durchgesagt wurde. Bald darauf gaben verschiedene Berliner Zeitungen Extrablätter heraus, die den Verteilern aus den Händen gerissen wurden. Besonders gegenüber der Einfahrt zur Neuen Reichskanzlei drängte sich die Bevölkerung, um von hier aus die An-'und Abfahrten der Politiker zu beobachten. Ztaiien aufs stärkste beeindruckt. Der großmütige Charakter der deutschen Vorschläge eröffnete Möglichkeit einer friedlichen Lösung. R o m, 1. September. (DNB.) Die deutschen Vorschläge zur Lösung des deutsch-polnischen Konflikts haben, wie „Agenzia Stefani" feststellt, in I t a - lien einen ungeheueren Eindruck ge- macht. Zn gut unterrichteten Kreisen herrsche der Eindruck, daß nach der Veröffentlichung dieser Dor- schlüge zur Lösung der Danziger Frage, des Korridors und des Minderheitenproblems e i n K r i e g ein Verbrechen wäre, das die Weltöffentlichkeit nicht zulassen könne. Nach dieser Entwicklung der Lage werde die Geistesverfassung Polens unerklärlich. Besonders unterstreicht man den vernünftigen und geradezu großmütigen Charakter der Vorschläge, die Deutschland unter den gegenwärtigen Umständen gemacht habe. Der Gedanke einer V o l k s a b st i m - m u n g für den Korridor und die Zuweisung des Hafens von Gdingen an Polen sowie die Einsetzung einer internationalen Kontrollkommission biete ganz klar die Möglichkeit für eine friedliche Lösung. Es scheint unglaublich, daß diese Möglichkeit ungenützt fallen gelassen werden könne. Holland findet polens Haltung unbegreiflich. Amsterdam, 1. September. (DNB.) Der erste Eindruck, den der Inhalt der Vorschläge der Reichsregierung an Polen in der holländischen Oeffentlichkeit gemacht hat, läßt sich dahin zusammenfassen, daß die deutschen Forderungen als außerordentlich mäßig und berechtigt bezeichnet werden. Man kann es nicht v erst e h e n , wie über derartige loyale Vorschläge ein Gegensatz heraufbeschworen werden könnte, der die Völker in einen völkermordenden Krieg zu stoßen droht. In Holland bezeichnet man es als geradezu unbegreiflich, daß diese Vorschläge nicht die nötige Würdigung erfahren haben. Die Oeffentlichkeit ist erstaunt, über den gemäßigten Ton und Inhalt der deutschen Forderungen, da man durch die unaufhörliche Propaganda der Einkrei- sungsmächte innerlich auf viel weitgehendere deutsche Ansprüche vorbereitet war. Man war darauf gefaßt, daß die deutschen Vorschläge mindestens den Bestand des polnischen Staates bedrohen würden. Italien auch für das ernsteste Ereignis gerüstet. Zwei Armeen unter dem Kronprinzen und Marschall Graziani gebildet. Rom, 31. August (DNB.) Der Duce hat in seiner Eigenschaft als Wehrmachtsminister das italienische Heer in zwei Armeegruppen aufgeteilt. Den Oberbefehl Über oie erste Armeegruppe erhält der italienische Kronprinz, dem die Armeegenerale Marin etti und Grosfi beigegeben werden. Den Oberbefehl über die zweite Armeegruppe erhält Marschall Graziani, dem die Generale Ambrosi und B a st i c o zur Seite stehen werden. General dall'Olgio, der langjährige Generalintendant für Krieasmaterialfabrikation, ist auf seinen Wunsch seines Amtes enthoben worden und durch General F a v e g r o s s i ersetzt worden. Zu diesen Maßnahmen des Duce erklärt „Tribuna", Italien sei bis zum letzten Mann bereit, in den Kampf zu ziehen. Alle Italiener ohne Altersunterschied seien geistig und materiell gerüstet und entschlossen, auf alle Annehmlichkeiten des täglichen Lebens zu verzichten in dem Bewußtsein, daß es um das Schicksal und die Größe des Vaterlandes gehe. „Giornale d'Ita- 1 üa" sagt, die Schaffung der beiden Armeegruppen ' beweise, daß Italien auf jedes noch so ernste Ereignis vorbereitet sei. Beide Befehlshaber verkörperten das neue faschistische Italien. In dem Kronprinzen erblicke Italien den Vertreter der Tradition seines Herrscherhauses. Seiner Ernennung komme deshalb eine Bedeutung zu, die jedermann ohne weiteres erkenne, weil sie beweise, daß das italienische Volk auch auf dem Schlachtfelde mit dem Haus Savoyen vereint sei. Marschall Graziani fei das Sinnbild des Heldentums und der afrikanischen Mission Italiens. So blicke Italien mit vollem Vertrauen auf den Duce und harre seiner Entscheidungen. Breslau, 31.August (DNB.) Etwa um 20 Uhr am Donnerstag wurde der Sender Glei- wih durch einen polnischen Ueberfall befehl. Die Polen drangen mit Gewalt in den Senderaum ein. Es gelang ihnen, einen polnischen Aufruf in polnischer und zum Teil in deutscher Sprache zu verlesen. Sie wurden aber schon nach wenigen Minuten von der Polizei überwältigt, die von Glei- wiher Rundfunkhörern alarmiert worden war Die Polizei mußte von der Waffe Gebrauch machen, wobei es auf Seilen der Eindringlinge Tote gegeben hat. Dazu gibt der Polizeipräsident von Gleiwitz die ersten Ergebnisse der sofort auf» genommenen Ermittlungen bekannt. Danach ist eine Gruppe von polnischen Insurgenten kurz nach zwanzig Uhr in das Gebäude des Senders Glei- witz eingedrungen. Zu dieser Zeit befand sich in dem Hause nur die übliche kleine Nachtwache, zumal der Sender Gleiwitz am Donnerstagabend kein eigenes Sendeprogramm mehr durchsagte, sondern die Sendungen des Reichssenders Breslau übernahm. Die polnischen Aufständischen müssen eine ausgezeichnete Ortskenntnis des gesamten Sendegebäudes gehabt haben. Sie schlugen die Wache nieder und stürmten sofort in den Senderaum. Auch das hier anwesende geringe Sendepersonal wurde mit Stahlruten und Totschlägern zu Boden geschlagen. Dann schalteten sie den Sender Breslau aus und lasen über ein mitgebrachtes Handmikrophon über den Sender Gleiwitz einen vorbereiteten Aufruf in polnischer und zum Teil auch deutscher Sprache vor. Die polnischen Insurgenten meldeten sich am Mikrophon als „der polnische Sender Gleiwitz" und sprachen im Namen des „pol- Polens militärische Lage hoffnungslos Das Urteil eines amerikanischer Fachmannes. Neuy ork, 31. Aug. (DNB.) Am Donnerstag erklärte auch das Mitglied der ersten Roosevelt- Regierung, General Jownson, daß Polens militärische Lage hoffnungslos sei, weil England und Frankreich ihm keine direkte Hilfe leisten könnten. Jownson warnte nachdrücklich vor jeder Einmischung in Europas machtpolitisches Spiel und erklärte, daß ein Blick auf die Karte genüge für die Feststellung, daß für die Truppen der Westmächte keine Marschwege nach Polen existierten. Die einzige Möglichkeit sei, die Franzosen versuchten mit dem Kopf gegen den Westwall anzurennen. Beim Westwall würde das Verhältnis aber noch um vieles ungünstiger. Jownson hält es dementsprechend für unmöglich, daß Frankreich eine Million oder mehr seiner Soldaten abschlachten lassen würde, um selbst im Erfolgsfall immer noch weit von Polen entfernt zu fein. Wenn man darüber hinaus die erheblich kürzeren Flugverbindungslinien Deutschlands berücksichtige, müsse man zu der Erkenntnis kommen, daß England und Frankreich Polen auch nicht mit der Luftwaffe retten könnten. Ueberfall auf deutsche Feldwache. Marienwerder, 1. Sept. (DNB.) Polnische Banden überfielen, unterstützt durch reguläre polnische Soldaten, die Trambahnhaltestelle in A l t ei ch e, Kreis Rosenberg (Westpreußen). Die deutsche Feldwache brachte den polnischen AnNischen Freiwilligen-Korps oberschlesischer Aufständischer". Sie erklärten, daß sich Stadt und Sender Gleiwitz in polnischen Händen befinden. Sie schlossen gemeinste Schmähreden auf Deutschland an und sprachen von einem polnischen Breslau und »einem polnischen Danzig. Der Ausruf war gezeichnet von dem Kommandanten des polnischen Freiwilligenkorps. Die völlig überraschten Rundfunk Hörer in Gleiwitz alarmierten sofort die Glei- witzer Polizei. Diese war nach wenigen Augenblicken zur Stelle, riegelte das Gebäude ab, drang in den Senderaum ein und schaltete den Sender ab. Die Aufständischen eröffneten auf die Polizei das Feuer. Nach kurzer Gegenwehr gelang es der Polizei, alle Aufstän - difchen gefangen zu nehmen, wobei ein polnischer Insurgent getütet wurde. Bei den verhafteten polnischen Aufständischen wurde ein Manuskript des bereits in pol- nischer und zum Teil in deutscher Sprache verlesenen Aufrufes gefunden. Vor dem Gebäude wurde ein polnischer Insurgent, der als Posten dort zurückgelassen worden war, fe ft genommen. Die Vernehmungen dauern noch an. Der Ueberfall war offensichtlich das Signal 3u einem allgemeinen Angriff polnischer Freischärler auf deutsches Gebiet. Etwa zur gleichen Zeit haben polnische Aufständische, wie bisher festgeslellt werden konnte, an zwei weiteren Stellen die deutsche Grenze überschritten. Es handelt sich wieder um schwer bewaffnete Abteilungen, die anscheinend von regulären polnischen Truppenteilen unterstützt werden. Abteilungen der im Grenzdienst stehenden Sicherheitspolizei haben sich den Eindringlingen entgegengestellt, die heftigen Kampfhandlungen dauern noch atu griff mit Maschinengewehrfeuer zum Stehen. Nach einem langen und lebhaften Feuerwechsel zogen sich die Polen zurück. Deutscherseits wurde ein Gefreiter tödlich verletzt und ein Schütze verwundet. Die Verluste auf polnischer Seite konnten nicht festgestellt werden, da die Angreifer sich unter Mitnahme ihrer Toten und Verwundeten zurückzogen. Deutsche Konsulate zwangsweise geschlossen. Die Konsuln zwangsweise nach Warschau gebracht. Berlin, 1. Sept. (DRV.) Die deutschen Konsulate in Lemberg und Teschen sind von den polnischen Sicherheitsbehörden zwangsweise geschlossen und die Konsuln Selos und v. Dommerau mit dem Konsulatspersonal zur Uebersiedlung nach Warschau genötigt worden. Gegen die polnische Forderung einer Schließung der beiden Konsulate sind, wie wir erfahren, seitens des Auswärtigen Amtes Vorstellungen bei der polnischen Regierung erhoben worden. Bombenattentate auf das deutsche Konsulat in Teschen. Mährisch-Ostrau, 1. Sept. (DNB.) Polnische Aufständische haben einen Bombenanschlag auf das deutsche Konsulat in Teschen verübt. Durch die Gewalt der Explosion wurde das Filla - Denkmal zerstört. Zwei weitere Bombenattentate wurden gegen zwei deutsche Druckerei en in Teschen verübt., Gydannyce - Gedanum - Danzig. Die „Perle Polens", eine deutsche Stadt. Zur Zeit versuchen die Polen durch ein Serienwerk in englischer Sprache den Briten den Wert ihres Landes zu veranschaulichen. Das geradezu verschwenderisch ausgeftattete Werk „Glories of Pol and“ zählt natürlich auch „Gdansk" (= Danzig) zu den „Perlen Polens" und erweckt den Anschein, als sei es nur zur Zeit der Ordensritter und in den letzten hundert Jahren vor dem Weltkrieg in der Macht „teutonischer Gewaltmenschen" gewesen. Da sich der Verfasser, gelinde gesagt, in seiner Darstellung fast andauernd „irrt, sei hier kurz der deutsche Weg Danzigs aufgezeigt. Zum erstenmal wird Danzig in der deutschen Geschichte um das Jahr 1000 erwähnt als „Gydan- nyce"; diese Bezeichnung stammt aus dem Altgermanischen und bedeutet soviel wie „Siedlung in der Flußniederung". Die Römer nannten es im frühen Mittelalter Gedanum; aus diesen beiden Worten entwickelte sich später der Name Danzig, den die Polen am liebsten in „Gdansk" umändern möchten. , . Im Jahre 995 erhoben die einheimischen Herzöge vonPommerellen die von kaschubischen und pruzzischen Fischern und Bernsteinsuchern bewohnte ausgedehnte Siedlung zu ihrer Residenz und errichteten in ihrer unmittelbaren Nähe eine feste Burg. Um das Jahr 1224 erfolgte die Gründung Danzigs als Stadt, die a u s f ch l i e ß - lichvon Deutschen bewohnt war und nur nach deutschem Recht verwaltet wurde. Bald wuchs die junge Stadt und gehörte in wenigen Jahrzehnten zu den wichtigsten Handelsplätzen des Ostens. Ein Versuch des Markgrafen von Brandenburg, die Stadt im Jahre 1271 für sich zu gewinnen, mißlang; dagegen faßte der Deutsche Orden 1303 festen Fuß in Danzig, das sich ihm 1310 anschloß. Unter dem mächtigen Schutz der Ordensritter konnte es seine Handelsbeziehungen von Riga und Kowno im Osten bis nach Dänemark, Flandern und England im Westen nicht nur ausbauen, sondern auch wirklich auswerten. Natürlich gehörte Danzig im 13. Jahrhundert auch dem Städtebund der Hanfe an und galt als Hauptstadt des vierten Quartiers, d. h. für die preußischen und livländischen Städte. Nach dem Zusammenbruch des Ordensjtaates kam Danzig mehrere Male in die Gewalt fremder Mächte, von denen sich manche türkischer Söldner bedienten. Als wieder einmal im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts wilde Kämpfe vor den Mauern der alten Hansestadt tobten, verfaßte ein heute vergessener Dichter, Hans Hasenstädter, folgenden markigen Kampfruf: O Danzig, halt dich feste, du weitberühmte Stadt! Betracht jetzund dein Beste und geh nit lang zu Rat. Mit vielem Kontrahieren wird es nit werden gut. Der Feind will dich vexieren, drum tut nit mehr traktieren und faß' eines Mannes Mut! Dem Feind tu widerstreben, laß dich nit weiter ein; tuftu dich ihm ergeben, so wirds dir bringen Pein! Das wirft du wohl erfahren, wenn du halb türkisch bist; dafür will dich bewahren au vielen tausend Jahren der mächtige heilige Krist. Der Sänger mit dem merkwürdigen Namen starb 1577, doch sein Lied lebt weiter, weil es gesungen ward aus einer gequälten deutschen Seele. Nach 1600 erlerne Danzig eine neue Blütezeit und erhielt den Beinamen „Königin an der O st - s e e". Erst im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts, als die Schweden und Russen mit Brandenburg- Preußen in Streit gerieten wegen der Weichselmündung, verlor es an Macht und Ansehen, aber das Deutschtum der Bevölkerung, die zu allen Zeiten mindestens zu 95 Hundertteilen deutscher Herkunft gewesen ist, blieb unversehrt erhalten; Ausländer" durften zum Beispiel weder in der freien Stadt Handel treiben noch größeren Grundbesitz erwerben. Im Jahre 1793 wurde Danzig dem preußischen Staate angeschlossen und so befreit von den Lasten einer Politik, deren Anforderungen es nicht mehr in vollem Maße gewachsen war; vorerst wurden die daraus zu erwartenden Ergebnisse nicht merkbar wegen der napoleonischen Kriege, durch die im Tilsiter Frieden 1807 Danzig auch zur Freien Stadt erklärt ward. Nur nach und nach gelang es der feit 1814 wieder mit Preußen vereinten Bürgerschaft, zu neuem Wohlstand zu kommen. Mit dem Aufschwung, den die gesamte deutsche Kolkswirt- schast seit 1870 nahm, begann auch Danzigs Entwicklung zur deutschen Großstadt. Nach 100 Jahren friedlicher Arbeit, wie sie der Stadt nur in der Zeit der Deutschritter beschieden gewesen war, trennte der Weltkrieg sie vom deutschen Mutterlande. Nun brandet wieder fremde Flut um ihre Mauern; nun geht wieder ein Kampf um die alte deutsche Feste, der Kampf der deutschen Seele, der deutschen Arbeit und des deutschen Willens. Man darf im Geschehen der Völker weder die Macht der Seele noch die Kraft der Kulturen übersehen, sie wirken unablässig, sind Tat und Werk. Und hierin liegt Danzigs größte, letzte Bedeutung, seine uremige Aufgabe in der deutschen Ostmark. Im Jahre 1927 schrieb ein klar und gerecht denkender Engländer, der Diplomat Arthur Green- w o o d , die Worte: „Die alten städtischen Akten, die Sprache der Gesetze und des Gerichtshofes zeigen, daß Danzig immer eine deutsche Stadt gewesen ist." TI. Zeitungen des Schützengrabens. Infolge der Tätigkeit meines Trupventeils auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen gelang es mir, eine ganze Menge von sogenannten .Kriegszeitungen" zusammenzubringen; leider war aber alles nur Stückwerk; daher überwies ich das Material der deutschen Sammelstelle, wo es am besten aufgehoben war und wohin auch m. A. die noch in Privathänden befindlichen Sachen dieser Art gehören, also überwiesen werden sollten. Außer den unter obiger Überschrift in Nr. 200 des „Gießener Anzeigers" erwähnten Blättern kann ich noch die „Armee-Zeitung der 2. Armee" anführen, die in der „Armee-Druckerei 2" hergestellt wurde und den Leutnant H. Reimann zum Schriftleiter hatte; so war es wenigstens nach den mix zugänglichen Nummern 551 bis 554 (5. Kriegsjahr), von denen die letzte am 2. Oktober 1918 erschienen und als Sondernummer zum 71. Geburtstag des Feldmarschalls „llnferm Hindenburg" gewidmet war. In Nr. 551 ist über das Wort „laut" geplaudert und darauf hingewiefen, daß dieses Wort nichts mit den Behältern (Wassertank usw.) zu tun hat, sondern von dem englischen Ingenieur Tom Tank Burral stammt, der im Anfang des Krieges starb. Er hatte für landwirtschaftliche Maschinen an Stelle der einfachen Räder andere eingesetzt, durch welche die Fortbewegung auf dem Ackerboden bester wurde; dieser Mechanismus wurde dann später zum Prinzip der Kriegsmaschinen gemacht, die unter oem Namen ,Zank" zuerst von den Engländern angewandt worden sind. Burral war in der Fabrik zu Thetford in der Grafschaft Norfolk angestellt, wo seine Neuerung hergestellt wurde; die Arbeiter der Fabrik tauften die mit der Verbesserung verfehenen Maschinen „Tanks"; der Name ging dann auf das Kriegsgerät über. — Die Armeezeitung erschien zweimal wöchentlich zu je acht Seiten, und mit Bildern; die Sondernummer 554 hatte 12 Seiten und war sehr reich und gut illustriert. Aus dem Osten brachte ich einige Exemvlare der „Kownoer Zeitung" mit, die am 1. Januar 1916 erstmalig erschien und von da ab täglich am Nachmittag ausgegeben wurde; sie war auf dickem grau-hellgrünem Papier gedruckt und hatte inhaltlich die Form einer gewöhnlichen Tageszeitung. Zur Kategorie der Kriegszeitu-ngen muß man auch die „Lazarett-Zeitungen" rechnen. Don diesen liegen mir noch zwei Exemplare vor; das eine ist betitelt „Hessische Lazarett - Zeitung. Herausgegeben durch den Ausschuß für Volksvorlesungen zu Frankfurt a. M. vom Hessischen Landesverein vom Roten Kreuz, Darmstadt"; das andere Exemplar hat den Titel: „Gießener Lazarett-Zeitung. Herausgegeben durch .. vom Zweigverein Gießen vom Roten Kreuz, Gießen". Die Darmstädter Ausgabe hatte eine „Gießener Beilage", deren Schriftleitung lag in Händen von Geh. Hofrat Dr. H. Haupt, Gießen, Keplerstraße 1, und Prof. Dr. Helm, Gießen, Stephan- straße 7. Die Lazarett-Zeitungen enthielten auch wichtige „Mitteilungen über Unterrichtswesen, Berufsberatung und Stellenvermittlung". Die bekannteste Kriegszeitung ist wohl die ,Liller" geworden. Die ersten Nummern sind selten, die allererste Nummer ist sogar sehr selten. Die Zeitung war zunächst sehr primitiv, zum Teil noch schlecht gedruckt, natürlich mit französischem Material, so daß z. B. die Buchstaben ä, ö und ü stets durch ae, oe, und ue ausgedrückt waren. Die Schriftleitung ist anfangs nicht genannt. Der Leitartikel in Nr. 1 unter dem Titel ,Kameraden" gibt den Zweck der Zeitung bekannt und bittet alle um Mitarbeit; wer etwas auf dem Herzen hat, soll es der Schriftleitung getrost anvertrauen; nur Dinge, die „unfern Gegnern zum Vorteil dienen könnten, dürfen keinen Raum in diesen Spalten finden". Der Feind, wenn er die Zeitung in die Hände bekommt, soll daraus nur erkennen, „wie groß, wie stark, wie kampfesmutig, wie siegesgewiß, wie herzensfröhlich ift das deutsche Heerf" £L G. , -Aus der Stadt Gießen. Achtung! Luftschutz! Wenn die goldenen Aepfel reifen... Don M. A. v. Lütgendorff. In Großdeutschland kommen auf je 100 Einwohner durchschnittlich 155 Aepfelbäume, und in guten Apfeljahren kann der Durchschnittsertrag dieser Bäume bis auf 30 Kilogramm für den Baum stei- aen. Der Gesamtbedarf des deutschen Volkes an Aepfeln beträgt eine volle Milliarde Kilogramm. Eigentlich sind das schon fast unvorstellbare Massen, aber diese Apfelmilliarden stellen durchaus keine Phantasiezahlen dar, sondern sind Tatsachen. Es gibt sogar Jahre, in denen selbst diese Riesen- zcchl von der deutschen Apfelernte noch übertroffen wird. Rund drei Viertel des Obstes, das in Deutschland geerntet wird, sind nämlich Aepfel. Und es sind wirklich „goldene" Aepfel, denn sie dienen der Volksgesundheit und straffen das Wirtschaftsleben, und das ist der beste Dienst, den sie uns leisten können. Die Bedeutung des Apfels für das Wirtschaftsleben wurde schon früh erkannt. Bereits im Jahr 500 n. Z. gab es bei den Germanen Gesetze, die den ansässigen, wie auch den einwandernden Landmann zur Anlage und Pflege von Obstbäumen — das heißt vornehmlich Apfelbäumen — verpflichteten, und dreihundert Jahre später war der deutsche Apfelbau schon auf einer verhältnismäßig hohen Stufe, In Bayern forderte ein altes Gesetz den Anbau von 16 Obstbäumen — worunter fast nur Apfelbäume verstanden wurden — für den „ganzen Hof". Befanden sich in einem solchen Hof weniger als die vorgeschriebenen Obstbäume, jo mußte für jeden fehlenden Baum eine Geldstrafe entrichtet werden. Selbst im Rechtsleben hat der Apfel einmal eine Rolle gespielt, indem das westgotische Gesetz verlangte, daß jedem Knaben unter sieben Jahren von einer Gerichtsperson ein Apfel vorgehalten werden sollte oder eine Münze. Griff er nach dem Apfel, so glaubte man ihn für die Landwirtschaft geeignet, suchte er dagegen die Münze zu fassen, so bestimmte man ihn für den Handelsberuf, oder sonst einen „schwierigen" Lebenserwerb. Uebrigens gab man in der althochdeutschen Sprache dem Apfelbaum den weiblichen Artikel, so daß es also nicht „ber", sondern „die" Apfelbaum hieß. Die älteste deutsche Bezeichnung für den Apfel lautete „aphul" oder „aphol", während man den Apfelbaum „apioltre" oder „aphultra" nannte. Die Wissenschaft der Neuzeit hat aus dem Apfel manches herausgeholt, von dem man sich in früheren Zeiten nichts hat träumen lassen. Da ist zum Beispiel sein Vitamin geh alt, der, nebenbei bemerkt, in der Schale des Apfels sechsmal so groß ist als im Fruchtfleisch in der Nähe des Kerngehäuses, daher man denn einen Apfel lieber ungeschält verzehren sollte. Dann stellt man heute aus den Pektinstoffen, den Gallertkörpern des Apfels, ein Blutstillungsmittel her, Sangoftop genannt, mit dem sich durch Einspritzungen oder Einführung in Magen oder Darm ganz verblüffende Erfolge bei Blutungen erzielen lassen, die namentlich Bluterkrankte so häufig in schwere Lebensgefahr bringen. Eine andere Heilwirkung geht vom Apfel aus, wenn man ihn im zerriebenen Zustand bei Darm- Erkran-kungen anwenüet, wobei der erregungshemmende Einfluß hauptsächlich durch die im Apfel enthaltenen Obstsäuren und den Gerbstoff bedingt wird, die den Darm mechanisch reinigen und entgiften. Dazu kommt noch eine merkwürdige Eigenschaft des Apfels, nämlich die Tatsache, daß Aepfel auf -in der Nähe befindliche Gewächse keimungs- und Wachstumshemmend einwirken können. Lagert man zum Beispiel ungekeimte Kartoffeln mit frischen reifen Aepfeln zusammen, so wird die Bildung der Augen bei den Kartoffeln stark unterbunden, ähnlich verhält es sich auch, wenn man Wickenkeim- linge mit Aepfeln zusammenbringt, da auch in d'e- sem Falle das Wachstum der Keimlinge fast völlig gehemmt wird. Auch Bananen- und Orangenkeimlinge unterliegen der gleichen Beeinflussung, deren Ursache zweifellos in einer die genannten Pflanzen schädigenden Ausdünstung der Aepfel liegt. Wodurch der „Apfelhauch" seine Nachbarn schädigt, ist allerdings noch nicht geklärt. Rotbäckig, saftig, groß und klein, gelb oder grünlich, hängen die Aepfel jetzt zwischen dem dunklen Laub, und zwar zwischen viel Laub, weil auf jeden Apfel auf seinem Baum ungefähr 30 bis 50 Vlät- ter kommen. Aber „wenn es so weit ist", dann haben jung und alt gute Zeiten. Denn Apfelzeit fft und bleibt goldene Zeit. Vornotizen. Tageskalender für Frelkag. Gloria-Palast (Seltersweg): „Der Polizeifunk meldet". Kein Ehrenkreuz für verfforbeneMütter. Der Reichsinnenminister stellt in einem Erlaß nochmals klar, daß an verstorbene kinderreiche Mütter gruicksiätzlich keine Verleihung des Ehrenkreuzes erfolgen kann. Lediglich in den Fällen, in denen die zu ehrende Mutter zwischen dem auf der Ver- lechungsurkunde angegebenen Tag und dem Aushändigungstag stirbt, kann den Angehörigen Ehren- kreuz und Verleihungsurkunde überlassen werden. BOM- und Zungmädel des Gaues Heffen-Tlaffau bei der Obsternte. NSG. Um den Ertrag der in diesem Jahre so überaus reich ausgefallenen Obsternte sicherzustellen, haben alle hessen-nassauischen BDM.- und Jungmädeleinheiten und die Arbeitsgemeinschaften des VDM.-Werkes „Glaube und Schönheit" Weisungen erhalten, sich in diesen Wochen erneut zum Ernteeinsatz und zum Helfen bei der Ob st ernte bereit zu stellen. Gerade die flinken Hände unserer Jungmädel können beim augenblicklichen Arbeitskräftemangel wertvolle Hilfsdienste leisten; z. B. durch das Auflesen von Fallobst, durch Entsteinen von Zwetschen und Pflaumen für das in melen Orten unseres Gaues übliche Honigkochen, durch Schälen von größeren Mengen von Kernobst, iias zum Dörren bestimmt ist, usw. Der BDM.- Obergau Hessen-Nassau führt diese Aktion in Zu- ammenarbeit mit den Kreisbauernschaften durch. Anforderungen von Einsatzkräften sind an die zu- tändigen Untergaudienststellen des BDM. zu richten. Fernunterricht durch das Deutsche Volksbildungswerk. NSG. Das Deutsche Volksbildungswerk führt in Zukunft Fernunterricht durch, an dem jeder teil- nehmen kann, der sich in der Muttersprache nicht sicherfühlt. Er soll vor allem denen helfen, die aus rgendwelchen Gründen nicht in der Lage sind, auch Kompott einzukochen, soweit der Zucker irgendwie reicht. Auch bis zum Spätherbst können wir hier und da einmal, wenn z. B. Wäsche ist, die Tagesarbeit durch unsere Konserven vereinfachen. Rasch ist das geleerte Glas wieder mit dem gefüllt, was billig am Markt ist. Ob Obst, ob Gemüse oder z. B. Tomatensalate, alles lohnt sich einzumachen, wenn man preiswert kauft. Kaum bekannt ist, daß man auch „Mischobst" sterilisieren kann. Birnen, Pfirsiche, Pflaumen oder Zweffchen, Mirabellen usw. vertragen sich gut im Glase. Jedes Eckchen im Glase kann dabei ausgefüllt werden. Pfirsich- und Birnenscheiben, blau- oder rotschalige Früchte geben dem Ganzen eine herrliche Farbe. Später ist Mischobst von Apfel- und Birnscheiben, Zwetschen und Herbstpfirsichen oder einigen Melonenscheiben einzulegen. Die obstarme Zeit des letzten Winters hat gewiß vielen Hausfrauen bewiesen, wie wertvoll eigene Vorräte bei großer Familie sind. Mag namentlich in den ersten Tagen der Bezugsscheinpflicht die Zuckerzuteilung das Einkochen von Obst bestimmen, so fällt diese Beschränkung bei Gemüse ganz weg. Es gibt jetzt soviel Gemüse zu kaufen und in soviel Arten, daß jeder Geschmack auf seine Rechnung kommen kann. Bei den Hausftauen liegt es, sich ausreichend einzudecken. ** Die Reichslotterie findet statt. Der Präsident der Deutschen Reichslotterie weist nochmals darauf hin, daß die Ziehung der 5. Klaffe am Samstag, 2. September, beginnt. ♦* Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 16. bis 31. August: 16. August: Margarete Steller, geb. Pfeffer, o. B., Wwe., 84 Jahre, Schillerstraße 9; 17.: Adolf Helfenbein, o. B., 61 Jahre, Marburger Straße 83; Carl Schmidt, Goldschmied, 69 Jahre, Bahnhofstraße 10; 21.: August Krebs, Amtsgehilfe a. D., 68 Jahre, Seltersweg 62; 22.: Michael Wolz, Invalide, 80 Jahre, Steinstraße 73; Theodore Jochim, Schneiderin, 25 Jahre, Kaiserallee 139; Erwin Müller, Koch, 27 Jahre, Seltersweg 19; 23.: Elise Mades, Hast du schon deine Selbstschuhgeräte beisammen? Durch die 7. Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz ist den Hauseigentümern die Beschaffung von Selbstschutzgeräten für jede Luftschutzgemeinschaft zur Pflicht gemacht worden. Bei der Erfüllung der Verpflichtung wirken sämtliche Mieter des Hauses mit. Die Vermieter- und Mieterverbände haben im Einvernehmen mit dem Reichsluftfahrtministerium einen Aufruf erlassen, in dem zur gemeinsamen Zusammenarbeit bei der Beschaffung der Selbstschutzgeräte aufgefordert wird. Auf der Rückseite des Aufrufes ist eine Liste mit den notwendigen Geräten abgedruckt. In den Luftschutzgemeinschaften, in denen die Geräteaufstellung noch nicht vollständig ist, gehe deshalb der Luftschutzwart mit dieser Liste zunächst zum Hauseigentümer und lasse dort diejenigen Gegenstände eintragen, die der Hauseigentümer von sich aus beschaffen oder zur Verfügung stellen kann. Danach begebe sich der Luftschutzwart von Mieter zu Mieter, erläuterte ihnen Art und Zahl der noch fehlenden Geräte und stelle durch Eintragung in der Liste fest, welche Gegenstände der Mieter zur Verfügung stellt oder welchen Geldbetrag er spendet. Die meisten Selbstschutzgeräte werden in den einzelnen Haushaltungen bereits vorhanden fein, z. B. Eimer, Wasserbehälter, Sandkisten, Schaufeln, Aexte. Andere Geräte, z. B. Einreißhaken, Feuerpatschen, können unschwer aus vorhandenen Mitteln selbst hergestellt werden. Der Luftschutzwart gibt hierzu die notwendige Auskunft. Die Luftschutzhausapotheke und die Handfeuerspritze müssen dagegen gekauft werden. Wo sie nicht erhältlich sind, rann die Luftschutz-Hausapotheke durch Einzelbeschaffung ihrer wichtigsten inhaltlichen Bestandteile bei Apotheken oder Drogerien einstweilen ersetzt werden. Solange eine Handfeuerspritze noch nicht vorhanden ist, können als Ersatz zusätzliche Wassereimer verwendet werden. Sehr gute Dienste leisten auch Garten- und Garagenschläuche, die an die Haus- wasserleitungen angeschlossen werden können. Heffen-Aaffaus Frauen fmb tapfere Kameraden NSG. Die ersten Tage der Bezugsscheinpflicht für die wichtigsten Nahrungsgüter liegen hinter uns. Sofort nach Verkündung dieser vorsorglichen Maßnahme der nationalsozialistischen Staatsführung hatten alle Haushalte in den Städten und Dörfern unseres Gaues die Bezugsscheine erhalten, die dafür forgen, daß eine gerechte Verteilung der reichlich vorhandenen Lebensmittel im Ernstfall erfolgt. Im national» ozialistischen Staat hat nicht der den Vorzug, >er über einen größeren Geldbeutel verfügt, sondern alle Volksgenossen haben die gleichen Rechte, wie sie auch die gleichen Pflichte dem Staat gegenüber zu erfüllen haben. Es wird hierin keine Ausnahme geben. Jeder bildet ein Glied in der großen Volksgemeinschaft, die in ihrer Gesamtheit das Schicksal des Volkes in frohen und ernsten Zeiten teilen muß. Die Frauen des Gaues Heffen-Nafsau haben die weitblickende Vorsorge verstanden und sich sofort umgestellt. Ueberall im Rhein-Main-Gebiet hat das Geschäftsleben nach der Einführung der Bezugsscheine ohne größere Stockungen seinen Fortgang genommen. Dem Geschäftsmann gebührt dafür Anerkennung. Diese Tatsache kennzeichnet aber auch die entschlossene Haltung unserer Frauen allen Maßnahmen gegenüber, die von der Regierung getroffen werden. Viele haben die Nöte des Weltkrieges miterlebt. Daß der Führer bei einer aufgezwungenen kriegerischen Auseinandersetzung um die Lebensrechte der Nation die Not nicht erst an das Volk herankommen läßt, sondern ihr schon in Krffenzeiten vorbeugt, hat sie im Glauben an ihn noch bestärkt. Mit Rühe sehen sie der weiteren politischen Entwicklung entgegen. Die letzten Tage haben so gezeigt, daß auch im Gau Hessen-Nassau die Frauen tapfere Kameradschaft halten. Wie chre Männer einsatzbereit an den Grenzen des Reiches zum Schutz des Vaterlandes stehen, werden sie an ihrer Stelle dem Führer bei der Durchsetzung der Lebensnotwendigkeiten des Volkes helfen und damit der Nation dienen. Jagd und Forst im September. Der September birgt eine Fülle von Geheim- niffen und Schönheiten im Walde, die in sich, wie das buntgefärbte Herbstlaub, schon eine Vorahnung vom Sterben des Jahres, von der Erstarrung des Winters bergen. Nicht nur, daß der Wald sich vor der kommenden Oede festlich schmückt, auch die Tiere scheinen vor der Notzeit des Winters ihre besten Kräfte zu entfalten und chre herrliche Vielfältigkeit zeigen zu wollen. Wenn die Zugvögel rufen, die Kraniche sich auf den Wiesen sammeln oder mit lautem Rufen in die Lüfte zu erheben, zu dem eigentümlichen Keil formen und südwärts ziehen, dann befällt den Forstmann, der gerade mit dem Auszeichnen der für die Durchforstung vorgesehenen Bestäicke be- chäftigt ist, ein schmerzliches Gehobensein; bald sind wieder Novemberstürme, Schnee und Winter, werden Axt und Säge des Waldarbeiters zur Ernte des Holzes die Stille des- Waldes erfüllen. Wenn die Störche sich zu Taufenden auf den Feldern sammeln und in einzelnen Zügen südwärts ziehen, hält der Jäger bei seiner Pürsch inne und eilt in Gedanken dem Vogelzug voraus an die fetten Gestade des Nils in Afrika, wo die Vögel wiederum Winterquartier beziehen werden. Lange hält den Jäger die Sehnsucht auf seiner Pürsch fest, obgleich er im Revier zu tun hat: es gilt Wechsel und Standort der Hirsche festzustellen, die zwar noch in der Feiste sind, aber sich schon immer mehr zu den Brunftrudeln schlagen und Ende September ihre urigen, halligen Brunfffchreie ertönen lassen werden. Gleichzeitig gilt es aber auch, wenn Damwild im Revier ist, die Feisthirsche auszumachen, denn auf diese zu jagen ist Hirsch- und weidgerecht, weil der Damschaufler in der Feist- zeit viel vorsichtiger ist als in der Brunstzeit Ende Oktober. Selbstverständlich müssen in erster Lime die Artverderber und Kümmerer zur Strecke kommen, während die starken Hirsche für die Brunst erhalten bleiben müssen. Don Mitte des Monats an ist an den Abschuß von weiblichem Rotwild und Rehwild zu denken. Der Waldjäger, der in seinem Bezirk auch Schwarzwild beherbergt, muß an den Abschuß von Ueberläufern und Keiler denken, um Schäden an benachbarten Feldern zu vermeßen. Wenn die Brachvögel oder Regenpfeifer am Abend ziehen, oder Gänse ihre Eins an den Himmel malen, wird der Jäger sich auch erinnern, daß die Tage kürzer, die Nächte länger werden und für fein Wild durch vorbeugende und helfende Maßnahmen die winterliche Not gemildert werden muß. Wenn die Zugvögel ziehen und an der Dichtung ein Schwarm von Meisen unter der Führung eines Buntspechtes turnt und zwitschert, morgen Zeisige in den Zweigen hängen, dann wieder Goldhähnchen oder Zaunkönige da sind, dann weiß der Forstmann, daß es Zeit wird, die Herbstkulturarbeiten einzuleiten, damit sich nicht zuviel Arbeit zusammendrängt, und die Pflegearbeiten — das Anbringen von Teer und anderen Schutzmitteln an die Jungpflanzen gegen Wildverbiß — durchführen zu lassen. Er weiß dann auch, daß es Zeit wird, Luderschächte anzulegen, Schlagbäume herzurichten und die Plätze für die Aufstellung von Schwanenhälsen auszuwählen, damit der Fang bes. Raubwildes im Winter vorbereitet ist. Er weiß, daß auch die Krähen von dem Wandertrieb der Zugvögel ergriffen sind und stundenlange Schwärme aus dem Norden in Deutschlands Gaue einwandern und hier an jungem und kranken Wild unermeßlichen Schaden verursachen können. Er wird deshalb die aufgestellten Krähenhütten auffuchen und mit dem echten oder künstlichen Uhu Krähen be- jagen. Wenn die Zugvögel ziehen und rufen, füllt die Natur den Wald mit tausend köstlichen Farben aus, dann läßt sie den König des deutschen Waldes in brünstiger Liebe rufen, daß das Echo vielfältig widerhallt, bann läßt sie die reiche Tier- und Vogelwelt in allen Bäumen, A-esten und Zweigen erscheinen und zeigt ihre Pracht dem, der zu sehen versteht. Abendkurse zu besuchen. Wie viele Volksgenossen auf dem Lande können z. B. nicht an den Veranstaltungen des Volksbildungswerkes teilnehmen, weil die nächste Uebungsftätte zu weit entfernt ist. Viele in der Stadt möchten sich auch beteiligen. Ihr Beruf ober anbere Pflichten la fen ihnen aber keine Zeit dazu! Diesen Volksgenvs en werden die neuen Fernkurse sicher willkommen ein, Anmeldungen für die Fernunterrichtskurse nimmt die Gaudienststelle des Deutschen Volksbildungswerkes in der Gauwaltung der DAF. Hessen-Nassau entgegen. Die Teilnehmer erhalten ein Lehrbuch. Die darin gestellten Aufgaben sind schriftlich zu bearbeiten, die Lösungen an die Gaudienststelle einzuschicken. Der Unterrichtsleiter sieht die Arbeiten durch und schickt sie verbessert zurück mit Anweisungen und Ratschlägen. Außerdem wird er jederzeit gerne Fragen beantworten. Um Lehrer und Kursteilnehmer in noch engere Fühlung zu bringen, ist beabsichtigt, in gewissen Abständen eine Besprechung von Arbeiten und Beantwortung von Fragen der Kursteilnehmer im Rundfunk einzuschieben. Jede Hausfrau sollte sich reichlich mit Obff und Gemüse eindecken. NSG. Durch die Rationierung mehrerer Lebensmittel beschäftigt jede Hausfrau die Frage: „Soll ich einmachen?" In jedem jungen Haushalt sollte einer der billigen ©terilifierungsapparate vorhanden sein. Die kluge Hausfrau benutzt ihre Gläser mindestens dreimal im Jahre. Sie kauft immer dann ein, wenn die Ware am billigsten, frisch und in Massen am Markte ist, wie zur Zeit Gemüse und Obst. Sie hält aber nur Vorrat, wenn sie geeigneten Raum zum Aufbewahren hat. Die Hausfrau sterilisiert z. B. Winteräpfel gegen Ende des Winters, ehe die Aepfel an Wert verlieren, als Apfelmus, der bis zur Rhabarberernte verbraucht wird. So umgeht sie die obstknappe Frühlingszeit. Hochbetrieb herrscht jetzt von August bis in den Spätherbst. Wird Fallobst nach Sturm angeboten, so kauft sie, um viel Brotaufstrich, aber geb. Seyer, o. B., 82 Jahre, Licher Straße 74; 24.: Karl Römer, Invalide, 72 Jahre, Wetzsteingasfe 4; Minna Schreiner, geb. Günter, o. D., 33 Jahre, Hinter den Schießgärten 26; 25.: Luise Neuling, o. B., Wwe., geb. Salzmann, 84 Jahre, Steinstraße 72; 26.: Jakob Weinehl, städtischer Arbeiter, 45 Jahre, Walltorstraße 23; 27.: Minna Schädel, geb. Volp, o. B., 74 Jahre, Ludwigstraße 46; 28.: Ernst Schupp, Zugschaffner a. D., 47 Jahre, Frankfurter Straße 136; Johannette Ockel, geb. Jughard, o. B., 66 Jahre, Plockstraße 14; 29.: Friedrich Habe- nicht, Kaufmann, 48 Jahre, Horst-Weffel-Wall 32; 30.: Meta Döll, geb. Schröder, o. B., 82 Jahre, Rodheimer Straße 30; Konrad Wörner, Lokomotivführer a. D., 85 Jahre, Rodheimer Straße 30; 31.: Louis Lich, Autoschlosser, 63 Jahre, Landgraf-Phi- lipp-Platz 8. Aus der engeren Heimat. Todessturz von der Leiter. Der 80 Jahre alte Landwirt Philipp Leib in Gleiberg stürzte so unglücklich von der Lei- ter, daß er mit schweren inneren Verletzungen und einem Oberschenkelbruch nach Gießen in die Klinik eingeliefert werden mußte. Hier ist der bedauernswerte Mann am heutigen Freitag früh seinen schweren Verletzungen erlegen. Der vor einigen Tagen bei Erntearbeiten in Kirtorf in der Scheune abgeftürzte und mit schweren inneren Verletzungen in die Gießener Klinik eingelieferte Adolf Sonnenschein liegt auch heute noch in der Klinik i n ernstem Zustand darnieder. Großfeuer im Schliherlaud. Lpd. Schlitz, 31. August. Im Anwesen des Bauern Johannes Rinn er in Unter-Wegfurth brach ein folgenschweres Schadenfeuer aus, dem die ganzen Oekonomiegebäude zum Opfer fielen. Das Feuer, das in der Scheune feinen Ursprung hatte, fand an den fast vollständig eingefahrenen Erntevorräten reiche Nahrung und breitete sich mit großer Geschwindigkeit aus. Nur mit Mühe konnte das Vieh gerettet werden. Scheune und Stall verbrannten vollständig, dagegen gelang es, das Wohnhaus zum größten Teil zu erhalten. Landkreis Gießen. A Groß en°Linden, 30. Aug. Dieser Tage konnte unsere älteste Einwohnerin, die Witwe Christine Peppler, geborene Stamm, Bahnhofstraße 110, ihren 8 9. Geburtstag feiern. Die Greisin ist chrem Alter entsprechend noch rüstig und macht noch Gänge in die Nachbarschaft, nur die Sehkraft hat nachgelafsen. — Durch die Rührigkeit der hiesigen NS. - Frauenschaft und den Opfersinn der Bevölkerung konnte hier beträchtliche Anzahl Kleidungsstücke für deutsche Flüchtlinge aus Polen gesammelt werden. * Laubach, 1. September. Der diesjährige Schwimmunterricht an unserer Volksschule hat bis heute folgendes Ergebnis gebracht. Von insgesamt 75 Schülern der vier oberen Jahrgänge sind 41 Schwimmer; das sind nicht ganz 55 v. H. Dieses nicht günstige Verhältnis hat unter anderen Ursachen die der mehrfachen längeren Erkrankungen im Lehrkörper im vorigen Jahr. Gut dagegen ist die Leistungshöhe der Schwimmer. Von den genannten 41 sind 33 Freischwimmer, darunter wieder 25 Fahrtenschwimmer. Zwei derselben, Fritz Frank und Johanna Franz, haben den Grund- schein erworben. In diesem Sommer wurden auch zum ersten Male kleine Versuche mit dem 3. und 4. Schuljahr (im ganzen 50 Schüler) unternommen. 15 derselben können nun schwimmen, 7 von letzteren sind Freischwimmer geworden. Als hervorragend muß bezeichnet werden, wenn Waltraud Rausch (nicht ganz 9 Jahre alt) und Margot Göbel (9 Jahre) sich neben dem Freischwimmer- auch noch das Fahrtenschwimmerzeugnis erwerben konnten. Kreis Friedberg. = Butzbach, 30. Aug. Heute nachmittag gingen mehrere Gewitter von seltener Stärke über unserer Stadt nieder und waren von wölken- bruchartigen Regenfällen begleitet. Die Wassermengen stürzten von den angrenzenden Höhen durch die anschließenden Straßen. Gräben und Sinkkasten konnten sie nicht fassen, so daß die Straßen in ihrer Gesamtbreite von dem Wasser bedeckt waren. In tiefer gelegenen Stadtteilen stauten sich die Wassermassen und drangen in die Keller ein. Während des Gewitters fielen zeitweise größere Mengen Hagel. Mit dem Motorrad in den Straßengraben. Lpd. Dillenburg, 31. August. Der 25jährige Kraftfahrer bei der Reichsbahn Erich Ström- mer aus Eiershausen, der sich abends auf dem Weg zu seiner Arbeitsstätte befand, rannte mit seinem Motorrad, das wahrscheinlich auf der regenfeuchten Straße ins Schleudern geraten war, in den Straßengraben und zog sich so schwere Verletzungen zu, daß er kurz darauf st a r b. Ein jüdisches Schieberkonsortium kaltgestettt. Lpd. Frankfurt a. M„ 31. August. Die Große Strafkammer verurteilte wegen Devisenverbrechens den polnischen Staatsangehöriaen Bernhard S i p- per und den in Frankfurt a. M. geborenen Benno Israel Stein lauf zu je fünf Jahren Zuchthaus und 100 000 RM. Geldstrafe unter Einziehung eines zum Teil in Gold beschlagnahm- ten Betrages von 80 750 RM. Es wurde festgestellt, daß Sipper 150 000 RM. und Steinlauf 110 000 RM. nach dem Ausland verschoben hatten. Die Angeklagten gehörten einer weitverzweigten jüdischen D e v i s e n s ch m u g g le r b a n d e an, die organisiert war, um gewerbsmäßig inländisches Kapital, insbesondere von Ostjuden, ins Ausland zu verschieben. Das Haupt der Organisation war ein polnischer Jude, der früher in Saarbrücken ansässig war und sich jetzt in Paris aufhält. Als Helfershelfer bediente er sich seiner Verwandten und Bekannten. Der Zollfahndungsstelle gelang die restlose Aufklärung des Falles und die Beschlagnahmung von Hunderttausenden. Eine Anzahl Beteiligter, unter denen sich auch Frauen befanden, wurde bereits auswärts abgeurteilt; sie erhielten hohe Zuchthausstrafen. Die Bande sammelte bei Juden, die auswandern wollten, hohe Summen, die sie gegen entsprechende Prozente an Adressaten im Ausland verschieben wollten. Die Organisation war mit großem Raffinement aufgezogen und wurde von einem ausländischen jüdischen Bankunternehmen unterstützt. Der 23jährige Sipper war in Wiesbaden geboren und war auch dort ansässig. Sein aus Polen stammender Vater hatte in Wiesbaden ein Trödlergeschäft. Seine Eltern befinden sich heute in Palästina. Sip- per wurde am 19. Juli v. I. in einem Frankfurter Hotel verhaftet, als er im Begriff stand, eine größere Schiebung vorzunehmen. Er war in dem Konsortium an die Stelle einer Berliner Jüdin getreten, der es gelungen war, zeitig das Ausland zu erreichen. Der 30jährige Benno Israel Steinlauf, der ebenfalls Jude ist, bekleidete in Frankfurt den Posten eines kaufmännischen Angestellten. Er war gelegentlich seines Aufenthaltes im Ausland an die Schieberorganisation geraten. Wirtschaft. Erhöhung des Wagenstandgeldes. Fwd. Dom Donnerstag, 24. August, an ist bei sämtlichen Reichsbahndirektionen Westdeutschlands das Wagenstandgeld auf das Dreifache erhöht worden, d. h. es sind für Wagen aller Gattungen nach Ablauf der Ladefrist am ersten Tage 6, am zweiten 9, am dritten und vierten je 12 und für jeden weiteren Tag 18 RM. zu entrichten. Wegen der Schwierigkeiten der Be- und Entladung bleibt es bei den Wagen der 88-Gruppe für den ersten Tag nach Ablauf der Lieferfrist beim einfachen Standgeld, vom zweiten Tage ab wird das Fünffache erhoben. Bei den Tiefladewagen bleiben der erste und der zweite Tag ohne Erhöhung, vom dritten Tag ab wird das Zehnfache erhoben. Mein-Mainische Börse. Tendenz: weiter fest. Frankfurt n. M., 31. August. Das Fehlen von nennenswerten Abgaben unterstützte die feste Haltung der Börse nicht unerheblich, weil andererseits die einseitige Kausneigung der Kundschaft fort- bestand. Die Geschäftstätigkeit erfuhr indessen eine weitere Schrumpfung. Am Aktienmarkt zeigten die ersten Kurse durchschnittliche Befestigungen von 0,50 bis 1,50 v. H., etwas schwächer waren nur Holzmann mit 158,50 (159,75). Chemiewerte blieben weiterhin im Vordergrund, besonders JG.-Farben mit 157,25 (155,75), ferner Scheideanstalt 1,50 v. H. erhöht auf 213 und Rütgerswerke um 1 v. H. auf 145,75. Am Montanmarkt gewannen Verein. Stahl 0,40 v. H. auf 100,40, Hoesch 1,25 v. H. auf 107,25 und Deutsche Erdöl 1,50 v. H. auf 125. Fest waren außerdem Zellstoff Waldhof mit 114,50 (112,75), Rheinmetall mit 122 (120,25), ferner zogen Bekula auf 165,50 (164,50), Gesfürel auf 131,90 (131,50), Daimler auf 120 (119,50) und Verein. Deutsche Metall auf 174,50 (173,50) an. Der Rentenmarkt lag ruhig. Von Auslosungsanleihen Reichsaltbesitz knapp gehalten mit 131,80 (131,90), Dek Osama I unv. 136,50, ebenso II mit 156,50. Von Industrie-Obligationen erholten sich 5 v. H. Gelsenberg auf 97,25 (96,65), im übrigen ergaben sich hier meist wieder leichte Abschwächungen. Von Stadtanleihen gingen 4,50 v. H. Hanau auf 97 (97,50) und 4,50 v. H. Heidelberg von 26 auf 94 (95) zurück. Reichstitel und Pfandbriefe konnten sich trotz Angebots behaupten. Steuergutscheine I gaben auf 97,70 bis 97,60 (97,80) und Kommunal-Umschuldung auf 92,90 (93) nach. In der zweiten Börsenstunde herrschte ausgesprochene Geschäftsstille, teilweise bröckelten die Kurse dadurch leicht ab, die Gesamthaltung erfuhr aber keine Beeinträchtigung. JG.-Farben 157 nach 157,25, Verein. Stahl etwa 100 nach 100,40, andererseits Rheinstahl fest mit 130,25 bis 131 (127,75), ebenso Schuckert mit 179,50 (178), Harpe ne r mit 135 (133). Im Freiverkehr gingen Katz & Klumpp um 1 v. H. auf 93 bis 95 und Verein. Fränk. Schuh auf 78 bis 80 (80 Geld) zurück. Tagesgeld auf Ultimoansprüche hin gesucht und 3 v. H. (2,50) v.H. Abendbörse fest. Die Abendbörse lag zwar still, aber fest, wenngleich an den Aktienmärkten nur vereinzelte Abschlüsse erfolgten und die Kurse dabei nicht ganz einheitlich lagen. Die höchsten Berliner Schlußkurse wurden nicht immer erreicht, jedoch verschiedene tiefer liegende überschritten. JG.-Farben gingen mit umo. 157,25, Bemberg 0,40 o. H. höher mit 132,50 um. Arn Montanmarkt wurden Verein. Stahl mit 100 (100,40, Berlin aber 99,50), Hoesch mit 107,50 (107,25), Mannesmann mit 105 (104,75, Berlin 105,90) Deutsche Erdöl mit 124,75 (125 bzw. 125,50) gesucht, ebenso Laurahütte mit 18,75 (19). Im übrigen wurden noch Adlerwerke mit 97,50, Daimler mit 119,75 (119,50), Gesfürel mit 132 (131,90), Metallgesellschaft mit 111, Scheideanstalt mit 213 und Moenus mit 116 gefragt. Am Einheitsmarkt stiegen Andreae Roris-Zahn auf 160,50 (156,80). Von Renten gingen 4,50 v. H. Franks. Pfandbriefbank Gold R 12 bis 15 mit unv. 99, 4,50 v. H. Meininger Gold R 22 mit unv. 99, 5 v. H. Gelsenberg mit 97,25 (97,13) um, während 6 v. H. JG.- Farben zu 120,40 (120,50) und Reichsbahn-VA. zu 122,50 gefragt waren. Steuergutscheine I stellten sich bei einigem Geschäft auf 97,50 bis 97,55 (97,70 bis 97,60). Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 31. August. Auftrieb: Rinder 462 (gegen 828 am 24.8.), darunter 49 (105) Ochsen, 101 (143) Bullen, 220 (400) Kühe, 92 (180) Färsen. Kälber 549 (609), Schafe 20 (35), Schweme 1033 (711). Rotiert wurden je 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 46,50 (45 bis 46,50), b) 42,50 (42,50), c) 37,50 (37,50). Bullen a) 43 bis 44,50 (44,50), b) 40,50 -(40,50). Kühe a) 42,50 bis 44,50 (43 bis 44,50), b) 39,50 bis 40,50 (38,50 bis 40,50), c) 33 bis 34,50 (30 bis 34,50), d) 20 bis 25 (23 bis 25). Färsen a) 44,50 bis 45,50 (45 bis 45,50), b) 40 bis 41,50 (40,50), c) 36,50 (36,50). Kälber a) 63 bis 65 (62 bis 65), b) 56 bis 59 (56 bis 59), c) 45 bis 48 (44 bis 50), d) 30 bis 40 (30 bis 40). Hümmel —. Schale a) 42 (40 bis 42), b) 39 (39),c) 32 (25 bis 32). Schweine a) 62 (62), bl) 61 (61), b2) 60 (60), c) 56 (56), d) 53 (53), Sauen 2fl) 61 (61). Marktverlauf: Rinder, Kälber und Schweine zugeteilt, Hämmel und Schafe mittel. § Jl.-'Spoitt ©r. Luh bei den Siudenten-Weltspielen in Wien erfolgreich. In Wien fanden vom 20. bis 27. August die Studenten-Weltfpiele statt, an denen europäische und auch überseeische Rationen teilnahmen, vor allem Italien, Ungarn, Schweden, Japan, Peru, Finnland und Estland. Wie bekannt, konnte Deutschland im Gesamtergebnis mit Vorsprung die Spitze vor Italien erobern. Der weit über die Grenzen unseres Heimataaues bekannte Wurfathlet Dr. Luh (VfB.-Reichsbahn in Gießen) konnte wieder einmal feine gute Form unter Beweis stellen, indem er im Kugelstoßen mit der guten Leistung von 14,72 Meter den vier- ten (!!) Platz belegte. Dabei schlug er die bekannten Italiener Silvestri und Biancani. Unser Olympiasieger Gerhard Stock wurde Sieger dieser Konkurrenz mit der hervorragenden Leistung von 16,33 Meter vor dem Europameister Kreek (Estland) mit 16,26 Meter; 3. Groß-Fengels (Deutschland) 14,79; 4. Dr. Luh (Deutschland) 14,72; 5. Silvestri (Italien) 14,01; 6. Biancani (Italien) 13,86 Meter. Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer langjährigen, harten Trainingsarbeit, und um so höher zu bewerten, wenn man bedenkt, daß Dr. Luh infolge einer schweren Knieverletzung ein ganzes Jahr aussetzen mußte. Alle Kegler werden organisiert. Im Einvernehmen mit dem Reichssportführer hat der Fachverband für Kegeln im RS.-Reichsbund für Leibesübungen an alle Kegelgemeinschaften die Aufforderung gerichtet, sich bis zum 1. Oktober über den Deutschen Keglerbund anzumelden. Von Zehn- tausenden der in Frage kommenden Gemeinschaften haben sich bisher erst Hunderte gemeldet. In den Kegelklubs ist man meist davon überzeugt, nicht gemeint zu sein, weil es sich nicht um Sport handele. Demgegenüber weist der Deutsche Keglerbund darauf hin, daß es sich beim Kegeln um eine regelmäßig betriebene Leibesübung handele. Die fachliche Betreuung solle fid) nicht nur auf die leider noch zu kleine Zahl von Wettkampfkeglern erstrecken, sondern auf alle Kegler im Reiche. Auch das Kegeln habe im Rahmen der Leibesübungen feine Aufgabe, nämlich die Erfassung und Erhaltung der älteren Menschen, die gerade im Kegeln eine ihnen gemäße und zweckdienende Leibesübung fänden. Hermann Lang am schnellsten. Rennwagenlraining in Belgrad begann. Zu dem Auto-Rennen, das am kommenden Sonntag in Belgrad stattfindet, wurde am Donnerstag zum ersten Male trainiert. Es gab schon an diesem Tag erstklassige Zeiten, obwohl die 2,794-Kilometer- Rundstrecke im Herzen der Stadt nicht gerade ideal ist. Der Kurs ist zwar nach dem Ausbau den An« forberungen moderner Rennwagen angepaßt wor« den, aber einige Wellen im Kleinpslasterbelag wirken sehr störend. Die deutschen Fahrer erfüllten bet diesem ersten Stadt in Belgrad die großen Erwartungen der Jugoslawen und warteten mit Zeiten auf, die weit unter denen der Konkurrenz liegen. Als schnellster Fahrer erwies sich wiederum Hermann Sang, der auf seinem Mercedes-Benz die Runde in 1:17 Min. = 129,2 km/st zurücklegte. Sein Markengefährte Manfred von Brauchitsch kam auf 1:17,7 Min. = 127,8 km/st und Hermann Müller benötigte auf dem Auto-Union-Wagen 1:18,3 Min. = 126,6 km/st. Ruvolari, der ebenfalls gemeldet ist, war noch nicht zur Stelle. An seiner Stelle fuhr Bigalke in dem Auto-Union einige langsame Runden. Li. Garvs hai'S geschafft. Deutscher Sieg im Stockholmer Fünfkampf-Wettbewerb. Das Stockholmer Fünfländertreffen im Modernen Fünfkampf wurde mit dem 4000-Meter-Gelände- lauf zum Abschluß gebracht. Zwar belegten die vorzüglichen Schweden die ersten Plätze, aber Deutschlands große Olympiahoffnung, Lt. Garvs, placierte sich tls Fünfter, und damit stellte er auch den Sieg in der Gesamt-Einzelwertung sicher, zumal der Finne Kiviperä, der sich nach dem Schwimmen an die Spitze gesetzt hatte, verhältnismäßig schwach lief. Lt. Garvs siegte in dieser großen vorolympischen Prüfung mit insgesamt 30 Punkten vor dem Schweden Lt. Bratt, Oblt. Grut und Lt. Egnell, die aber ihrem Land zum Sieg im „Preis der Rationen" vor Deutschland verhalfen. Mit Lt. Garvs hat zweifellos der beste Fünfkämpfer des auserlesenen Stockholmer Feldes den Sieg davongetragen. Der junge deutsche Offizier setzte sich am zweiten Tag an die Spitze der Gesamtwertung, verlor sie aber durch eine mäßige Leistung im Schwimmen vorübergehend an den Finnen Kiviperä, aber beim Laufen stellte Lt. Garvs dann doch den Sieg endgültig sicher. Zweitbester Deutscher war Oblt. Lemp, der diesmal nicht so erfolgreich kämpfte wie sonst. Er belegte vor Oblt. Freiherr von Schlotstein den siebten Rang. Hptm. Cramer wurde Vierzehnter und Lt. Fleckner Zwanzigster. Die Ergebnisse: 4000-Meter-Gelände-Lauf: 1. Lt. Gultafsson (Schweden) 14:33 Min.; 2. Lt. Canell (Schweden) 14:54; 3. Oblt. Grut (Schweden) 14,54,4; 4. Serg. Lindblad (Finnland) 15:08; 5. Lt. Garvs (Deutschland) 15:17; 6. Lt. Bolgar (Ungarn) 15:20; ... 12. Oblt. Freiherr von Schlotheim (D.) 15:42,4; 13. Oblt. Lemp (D.) 15:42,6; 15. Hptm. Cramer (D.) 16:02,2; 23. Lt. Fleckner (D.) 16:38,0. Gesamt-Einzelwertung (Reiten, Fechten, Schießen, Schwimmen, Lausen): 1. Lt. Garvs (Deutschland) 30 Punkte (2+3+6 + 24+5), 2. Lt. Bratt (Schweden) 34 P. (5+4 + 11 + 5 + 9), 3. Oblt. Grut (Schweden) 36 P. (14 + 15+3+1+3), 4. Lt. Egnell (Schweden) 38 P., 5. Lt. Kiviperä (Finnland) 39 P., O. Oblt. Gyllenstierna (Schweden) 43 Punkte, 7. Oblt. Lemp (Deutschland) 46 Punkte, (6+20+5 + 2 + 13), 8. Oblt. Freiherr v. Schlotheim (Deutschland) 52 P. (11 + 2+7+-20 + 12), 9. Serg. Lindblad (Finnland) 52 P., 10. Lt. Gustavsen (Schweden) 54 P. — 14. Hptm. Cramer (D.) 69 P. (20+4 + 18+12 + 15), 20. Lt. Fleckner (D.) 83 P. (17 + 4 + 23 + 16+23). Rationen-Wertung: 1. Schweden. 108 Dünkte (Lt. Bratt, Oblt. Grut, Lt. Egnell), 2. Deutschland, 128 P. (Lt. Garvs, Oblt. Lemp, Oblt. Freiberr von Schlotheim), 3. Finnland, 157 P. Lt. Kiviperä, Serg. Lindblad, Fäbnr. Vartia), 4. Ungarn, 195 P., 5. Schweiz, 243 P. Rurze (^portnotizen Major Stein, der Leiter des Fahrstalles der Heeres-Reit- und Fahrschule und seit vielen Jahren erfolgreichster Fahrer im deutschen Turniersport, ist zum Oberstleutnant befördert worden. * Adolf Heuser (Bonn) ist bei der Internationalen Box-Union als Bewerber um den freien Titel eines Europameisters im Halbschwergewicht angemeldet worden. Bekanntlich verlor Heuser den Titel durch Uebergewicht kampflos. * Die Fecht-Weltmeisterschaften, die am Wochenende nicht stattfinden können, sollen nun, einem Beschluß des Weltverbandes zufolge, am 25^ September in Meran beginnen. Nur noch „Großdeutsche Krastfahrmeister-". Die Oberste Nationale Sportbehörde für die Deutsche Kraftfahrt hat eine Anordnung erlassen, nach der im Zeichen der Schaffung des Großdeut« schen Reiches für die Großen Preise und die Meisterschaften neue Bezeichnungen gelten. Es wird in Zukunft nur noch den Großen Preis von Großdeutschland für Rennwagen bzw. Motorräder geben und auch die Ehrentitel wurden dementsprechend in „Großdeutscher Straßenmeister" und „Groß- deutscher Bergmeister" umgewandelt. Aus aller Wett. Zwei Eifenbahnbrücken bei Lüttich eingestürzt. Der Blitz in vorbereitete Sprengstoffladung geschlagen. Lüttich, 1. Sept. (DRB.) In der Nähe von Lüttich ereignete sich eine schwere Explosions-Katastrophe. Eine neue Eisenbahnbrücke ;n Val-Beloit ist am Donnerstagabend bei einem Gewitter vom Blitz getroffen worden. Da die Brücke aus militärischen Gründen mit Minen belegt war, kam es zu einer gewaltigen Explosion. Die Brücke stürzte in d i e Maas. Im Augenblick der Explosion fuhr ein vollbesetzter Personenzug auf die Brücke. Die Lokomotive und der Tender dieses Zuges find in die Maas gefallen. Zahlreiche Fahrgäste wurden durch die Trümmerstücke der explodierten Minen getroffen und verletzt. Der Lokomotivführer und der Heizer des Zuges wurden getötet. Ebenso fand der Führer einer Lokomotive die von der anderen Seite auf die Brücke fuhr, den Tod. Auch diese Lokomotive stürzte in den Fluß. Die Katastrophe forderte, soweit bisher bekannt ist, 12 Todesopfer und 46 Verletzte. Unter den Toten sind ferner vier Soldaten, die die Brücke bewachten. Der Schaden ist sehr groß. Infolge der gewaltigen Explosion, die durch dis vom Blitz entzündeten Minen verursacht wurde, wurden Hunderte von Fenstern im Umkreis zerstört. Eine Fabrik steht in Flammen, Wasserleitungen sind geborsten, und das Wasser hat sich in den Straßen verbreitet. Die Brücke von Ougree, die sich in nächster Nähe der in die Luft geflogenen Brücke befindet, ist ebenfalls eingestürzt. Zwei Personen, die sich in der Nähe befanden, sowie ein Soldat, der auf der Brücke Wache hielt, wurden getötet. Brütfcnneubßu eingestürzt. Von 40 Arbeitern bisher nur sieben gerettet. Aus Stockholm wird gemeldet: In Hernoesund stürzte während des Baues eine Brücke über den Angermanelven ein. 40 Arbeiter, die auf der Brücke tätig waren, stürzten ins Wasser. Bisher konnten sieben Arbeiter gerettet werden. iiiiiiiwii i Der Täter mitten unter uns Roman von Kurt Riemann Copyright by Verlag Dskar Meister, Werdau L Sa. 21. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) „Das ist das Glück eines Mannes", fügte sie leise hinzu, „eine Frau aber ..." Sie bricht ab, als reue sie dieses Gespräch bereits und hastig gibt sie der Unterhaltung eine andere Richtung. „Warum haben Sie eigentlich nicht geheiratet, Herr Doktor? Ich kann mir denken, daß manche Frau glücklich wäre, zu geben, was Ihnen fehlt! Einern Manne Kamerad zu sein, der so in seiner Arbeit lebt wie Sie ... das ist doch das schönste Frauenlos." Er lächelt mühsam und legt die Hände fest auf dem Rücken zusammen. Nur jetzt nicht verraten, wie es in ihm aussieht! ,Zch habe wenig Zeit gehabt", stößt er kurz hervor. „Dann ist auch die Rechte nicht dabei gewesen. Und als sie kam ... da gehörte sie einem anderen Manne. Können Sie begreifen, was das heißt?" ,Ja." Vivian blickt still zu Boden. Sie getraut sich nicht weiterzufragen. Schweigend gehen sie zurück. Als sie in ihren Wagen steigt, reicht sie ihm die Hand, die er lange in der feinen hält. „Wir tragen jeder das Schicksal, das wir verdient haben ... ich danke Ihnen für diese Stunde." „Und wann werben mir wieder miteinander so reden können?" „Bitte ... nicht wieder! Ich ... bin nur eine Frau ... und habe auch ein Herz. Es war sehr schön. Leben Sie wohl, Doktor. Man muß lernen, gut zu vergessen!" Leise surrend entfernt sich der Wagen. Er aber lächelt still vor sich hin. „Vergessen? ... Nein, man soll behalten, was das Schicksal Schönes schenkt. Auch wenn's nicht soviel ist, wie man wohl wünschte!" Lange sieht er ihrem Wagen nach, dann steigt er versonnen in den seinen und läßt ihn langsam hügelab in die Stadt rollen. Er bemerkt es nicht, daß sich ein breitschultriger Herr, dem man den Beamten von Scotland-Pard auf zehn Schritt ansieht, sehr eingehend nach ihm erkundigt und voller Befriedigung dem einzigen Kellner des stillen Lokals ein Geldstück in die Hand drückt. „Daß das der Herr Doktor war, wußte ich, aber daß er einsame Spaziergänge mit Frau Vivian Holgerson unternimmt ... schau, schau!" Behaglich schmunzelnd sieht er noch eine Weile dem entschwundenen Wagen nach. „Wo ist denn das Telephon?" fragt er dann den Ober. „Ich habe ein Gespräch nach der City zu erledigen." 18. Ein F a u st s ch l a g. Am nächsten Morgen kommt es im Werk zu jenem Zusammenstoß zwischen Hellmers und Holgerson, von dem noch die Rede sein wird. Gegen neun Uhr fand sich Holgerson mit William Perkins zusammen im Werk ein, um eine eingehende Besichtigung vorzunehmen. Hellmers hat man gebeten, die beiden Herren zu begleiten. Während Perkins in feiner betulichen, harmlosen Art fast alles lobt und auch bei den wenigen Gegenvorschlägen, die er Hellmers unterbreitet, immer Sachkenntnis und Zurückhaltung zeigt, ist Holgerson von einer anmaßenden Torheit, die Joachim langsam aber sicher in eine verzweifelte Wut treibt. Er sieht, wie die Arbeiter grinsen, wenn Holger- son durch seine Fragen beweist, daß er die Grundprinzipien der Fabrikation nicht erfaßt hat. Er selbst kommt sich vor wie ein Narr, als er ihm die verwickelten Vorgänge an den einzelnen Maschinen erläutert. Und immer diese abfälligen Bemerkungen, die offenbar niemand anders treffen sollen als ihn. Zuerst tut er so, als höre er das gar nicht. Er weiß ja, daß Holgersons Tage hier gezählt sind, dafür wird Mrs. Holgerson schon sorgen. 1 Aber im Labor reißt ihm doch die Geduld. „Hier also brüten Sie Ihre Ostereier aus!" Mit diesem dummen Witz durchschnüffelt Holgerson die weiten Räume, in denen die Angestellten kaum aufblicken von ihren Mikroskopen und Retorten, ruhig weiternotieren, sich leise Anweisungen und Ergebnisse zurufen. Still lächelnd folgt ihm William Perkins. Offenbar nimmt er den Komödianten genau so wenig ernst wie Hellmers. Im Privatraum Joachims endet die Besichtigung. „Und hier in diesem Schrank befinden sich die Pläne für unsere letzten Werkerfindungen!" , beschließt Hellmers die Führung und läßt beide einen Blick in den mächtigen Stahlschrank tun. Jetzt bringt Holgerson endlich heraus, was ihn bewogen hat, diese .Inspektion" wie er es nennt, zu unternehmen. „Alles ganz ordentlich, lieber Doktor!" meint er gönnerhaft. „Aber nun kommt doch wohl anderer Schwung in die Bude. Jetzt wird verdient! Heftig sogar! Sie verstehen doch?" »Hellmers faßt den eleganten Mann scharf ins Auge. „Bitte ... verdienen wir etwa nicht? Wenn mich nicht alles täuscht, haben die Werke Ihnen eine ansehnliche Erbmasse erarbeitet." „Das entzieht sich wohl Ihrer Beurteilung! Mischen Sie sich bitte auf keinen Fall in Angelegenheiten der Werksleitung!" weist ihn Holgerson schneidig zurück. „Ich sage: hier wird zuviel experimentiert und zu wenig fabriziert! Wir find nicht dazu da, den andern zu zeigen, wie man's macht, damit sie den Rahm abschopsen. Versuchen kostet Geld. Begreifen Sie das? Von jetzt ab: unser Geld, verehrter Herr Hellmers!" Einen Augenblick ist Joachim ganz verblüfft. „Haben Sie diese Weisheit etwa allein ausgedacht?" fragt er zurück, als hätte er nicht recht verstanden. „Bitte ... das sind die Ergebnisse meiner Beratungen mit Fachleuten!" „Schöne Fachleute! Entweder sind das Narren oder rücksichtslose Profitjäger, die Ihnen das verzapft haben!" „Wollen Sie diese Behauptung aufrechterhalten, wenn ich Ihnen sage, daß ich mich darüber mit Mister William Perkins unterhalten habe?" „Ich kann mir nicht denken, daß Mister William Perkins sich so geäußert hat." Beschwichtigend meint Perkins, das habe er natürlich nicht in dieser krassen Form gesagt, jedoch sei er im Grunde genommen zu einem gewissen Teil der gleichen Meinung. „Das heißt also: ich kann gehen?" „Aber um Himmels willen!" stöhnt Perkins entsetzt. Sie werden uns doch nicht falsch verstehen? Liebster, bester Herr Doktor! Das sind doch alles nur Mißverständisse! ..." „Nimmt Herr Holgerson zurück, was er behauptet hat? Soll dieses Werk so weitergedeihen wie es unter Sir John Perkins ausgewachsen ist ober wollen Sie die allgemeine Plünderung sofort beginnen?" „Was für unverschämte Ausdrücke!" brauft Holgerson auf. „Was fällt Ihnen ein? Sie vergessen, daß Sie hier Angestellter sind! Sie sind zum nächsten Termin entlassen!" Ruhig sieht ihn Hellmers von oben bis unten an. „Glauben Sie etwa im Ernst, daß ich nach alledem noch eine Stunde länger geb rieben wäre, als cs nötig ist? Bestimmt nicht, verehrter Herr. Aber ich habe noch Zett, Ihnen die Wahrheit zu sagen, Herr Holgerson! Männer wie Sir John Perkins brauchten ein Leben, um solch Werk aufzubauen. Aufgeblasene Narren und Nichtskönner wie Sie reißen es in drei Monaten in den Abgrund. Sie müssen hier erst ausgeschaltet werden, verschwinden müsset Sie, Herr Tenor, sonst ... na, ich bin zu Ende! Trotzdem dürfte in dieser Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen sein." „Unverschämter Lümmel!" Knirschend vor Wut stürzt sich Holgerson auf Hellmers, aber der läßt ihn kaltblütig gegen seine Faust anrennen, daß er mit einem Wehelaut zusammenbricht. Joachims Faust ist ihm in die Magengrube ge« fahren. „Um's Himmels willen!" stöhnt der alte Perkins. „Was haben Sie getan? Seid ihr denn alle beide wahnsinnig geworden?" „Ich werde den Laboratorlumsdiener schicken, damit der ohnmächtige Operettenheld da seine Beine wiederfindet!" entgegnet Hellmers verächtlich. „Ein seltsamer Held! Dabei habe ich ihn kaum angerührt l" (Fortsetzung folgt.)