Br. 151 Erster Blaff 189. Jahrgang Samstag, l./$oitnfag, 2. Juli 1939 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr . . „ —.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt §ernsprechanschlüste unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Siehe« poftschecttonto: Zrantfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruL und Verlag: vrühlsche Unlverfitätrdruckerei ».Lange in Sichen. Schriftleilnng und SeschSftrftell«: Schulftratze 7 Annahme von Anzeige« für die Miltagsnummer bis8^/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text« anzeigen von 70 m m Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach Dori). tBereinbg.25°/6 mehr. 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In Moskau verhehlt man nicht, daß der britische Bündnisantrag das alte Mißtrauen gegenüber der Schaukelpolitik der westlichen Demokratien keineswegs beseitigt hat, und dies Mißtrauen erfährt besondere Nahrung aus Englands Stellung zum ostasiatischen Krieg, in dem das Empire zwar Tschiangkaischek, den Verbündeten Moskaus, wirtschaftlich und finanziell mit allen Mitteln unterstützt und mit seinen Waffenlieferungen, mit seiner Stützungsaktion für den Tschungking-Dollor und mit seiner Förderung der unterirdischen Verschwö- rerumtriebe gegen alles, was in China mit den Japanern zusammenarbeitet, den Marschall überhaupt erst in die Lage versetzt, so hartnäckig und zäh der japanischen Expansion Widerstand zu leisten, zum andern aber England sich scheut, es zum offenen Bruch mit dem ehemaligen japanischen Bundesgenossen kommen zu lassen, zu dem die Londoner City immer noch wichtige wirtschaftliche Beziehungen unterhält. Diese Zweideutigkeit ist charakteristisch für die englische Politik, sie rnemt^ Englands beherrschende Stellun ' im Jangtse-Becken, durch Unterstützung Tschiang- kaischeks vielleicht noch retten zu können, aber he will das Risiko eines offenen Kampfes mit Japan nicht auf sich nehmen, sie kann es heute auch nicht dank ihrer sturen Einstellung zu den europäischen Problemen, die England ganz überflüssigerweise, denn seine Lebensinteressen werden in keiner der ungelösten Fragen. Europas irgendwie tangiert, zu den autoritären Mächten in ein so, gelinde gesagt, wenig freundschaftliches Verhältnis gebracht hat. Und so sucht England.sich c^uch für den Fall, daß seine Hoffnungen auf eine Erschöpfung der japanischen Kampfkraft trügen sollten, zu sichern, indem es den offenen Bruch mit Japan vermeidet und solange die Finger im chinesischen Kuchen behält wie möglich. Auch in Tokio wünscht man offenbar den Bruch nicht, denn schon der chinesische Krieg hat die militärischen, wirtschaftlichen und finanziellen Kräfte Japans in vorher ungeahntem Maße beansprucht, und jede Komplikation mit einer Großmacht des Pazifik könnte auch für die andern das Zeichen zum Kampf bedeuten. Vor allem ahnt man in Tokio, daß die Sowjetunion wahrscheinlich nur auf diesen Augenblick wartet, um'vorn latenten Kriegszustand, der schon seit Jahren an den Grenzen Mandschukuos und der Aeußeren Mongolei herrscht, zum offenen Vorstoß auszuholen. Deshalb wirken auch die von England sowohl wie von Japan gewollten Halbheiten und Undurchsichtigkeiten in Moskau so irritierend, und der Kreml benutzt die Gelegenheit des englischen Antichambrierens um den Einkreisungspakt dazu, die Engländer tüchtig m die Zange zu nehmen. Auch deshalb liegt den Engländern daran, den Tientsin-Zwischenfall beizu- Am Krisenrand. Jnterpreß Copyright. Amsterdam. im Juni. Noch im Vorjahr bestand das geflügelte Wort zu Recht, daß den Holländer nichts auf der Welt erregen könne — außer Hochzeiten und Taufen in feinem Königshause. Hundert Jahre ungetrübten Friedens und wachsenden Wohlstandes hat das Land hinter sich, selbst unter der letzten großen Weltwirtschaftskrise hat Holland im Vergleich zu anderen Ländern wenig zu leiden gehabt, und aus der neuen Zwischenkonjunktur hat es reiche Gewinne gezogen. Gehen diese hundert „fetten Jahre" jetzt zu Ende? Das ist die bange Frage, die sich heute das holländische Volk zu stellen beginnt, weil die Realität es dazu zwingt. Gerüchte Über einen im vergangenen Winter angeblich geplanten deutschen Angriff, die ihre Quelle wohl in dem „Deuxieme Bureau", dem Apparat des französischen Spionagedienstes, hatten, lösten damals in Holland eine unvorstellbare Panik aus. Eine Heeresreform war zwar schon vorher eingeleitet worden, aber nun erfolgte eine Sturzflut von Schutz- und Verteidigungsmaßnahmen, von der Teil-Mobilisierung bis zur fieberhaften Errichtung von Grenzsperren und der Unterminierung der Deiche. Inzwischen hat man sich wieder beruhigt, die Reservisten sind zum größten Teil wieder entlassen, der Angriff ist nicht erfolgt. Das hatten allerdings selbst prononciert deutschfeindliche Kenner der strategischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge den Holländern vorausgesagt. Sie argumentierten mit der Tatsache, daß selbst in der härtesten Kriegsnot ein neutrales Holland mit Rücksicht auf seine nur bei voller Neutralität möglichen Mittlerrolle für die Versorgung mit überseeischen Kriegsrohstoffen viel nützlicher ist als selbst die Vorteile, die ein besetztes Holland durch das Näherrücken der Flugstützpunkte an die englische Küste bieten könnte, ein ' neutrales Glacis ist für Deutschland bedeitt- höuser Mendelsohn & Co. und „Allgemeene Handels Maatschappij", die diese für sie recht lukrative Finanzoperation ohne viel Rücksicht auf die Währungsspannung und den Kapitalbedarf des eigenen Landes durchgeführt haben: der Devisentransfer, den dieses Geschäft zur Folge hatte, war in feinen Auswirkungen bedenklich. Es ist also nicht verwunderlich, daß im Haag und in Amsterdam neue Ab- wertungsgerüchte kursieren und — daß der Finanzminister Dr. van der Wilde fein mit unmittelbarer Demisfionsdrohung verbundenes Veto gegen die Schlachtschiffpläne eingelegt hat. Er ist ein vielleicht zu nüchterner Rechner, abgefeimter Gegner aller Wahrungsexperimente, und verleugnet als Finanztheoretiker nicht die alte klassische Schule. Ministerpräsident C o l i j n hat es in diesem Streit in seinem Kabinett nicht leicht. Auch ihm ist bei diesem riesigen Flottenprogramm nicht wohl, als sehr aktiver Anhänger der „Oxford-Bewegung" neigt er wohl auch politisch etwas zu dem vagen Das arabische Komitee schlägt die Bildung eines Ausschusses vor, der aus ausländischen Konsuln in Palästina und den Delegierten der arabischen Länder, die an der Londoner Konferenz teilgenommen haben, bestehen soll. Wenn Macdonalds Ableugnung zu Recht erfolgt ist, so werde er diesen Vorschlag annehmen können. Es wird auch angeboten, einige lebende Opfer nach London zu senden, damit Macdonald und die Londoner sie einmal sehen und die Opfer selbst bei der Beschreibung der näheren Einzelheiten der Grausamkeiten hören können, die ihnen die Quälereien und der Terror der britischen Truppen zu- fügten. Das arabische Komitee fordert den britischen Kriegsminister Hoare Belisha aus,-der britischen Armee sofort einen Befehl zu geben, die Grausamkeiten einzustellen. In der Kammer wurde das Gesetz zur Verhütung der ausländischen Propaganda in Belgien beraten. Interessant waren Ausführungen des flämischen Abgeordneten Rom- fee über die Urheber der ausländischen Propaganda. Romsee verwies auf die Umtriebe der Komintern und den starken propagandistischen Einfluß, den Frankreich in Belgien auszuuben suche. Belgische Zeitungen und Handelsgesellschaften arbeiteten' mit französischem Kapital. Der ftanzösische Einfluß suche sich besonders stark auch durch den Film durchzusetzen: fast alle belgischen Lichtspieltheater ständen unter französischem Einfluß. Romsee ließ zum Schluß noch durchblicken, daß Geldmittel aus französischen Quellen reichlich fliehen, wie zum Beispiel aus dem Geheimfonds des Quai d'Orsay. Die offenen Worte üks Abgeordneten rit-fen m Der Kämmer eine erhebliche Beunruhigung hervor. a b I e u g n e t. Wenn es schändlich ift, solche NreDer- trächtigkeiten zu begehen, warum gibt man denn der Armee nicht einen entsprechenden Befehl? Das augenblickliche grausame Wüten geht unaufhörlich und ohne Milderung weiter, Tausende wurden bereits hingeschlachtet, Städte und Dörfer zugrunde gerichtet. Englands Pläne in Vorderasien Oie Jtolk der Türkei im englischen Einkreisungsplan. Belgiens Unabhängigkeit bleibt Grundzug seiner Außenpolitik Umtriebe der französischen Propaganda bloßgestellt. kehrt führen sollen. Zu dieser völligen Umkehrung aller Voraussetzungen gehört auch, daß d i e Araber, die im Weltkrieg auf englischer Seite kämpften, heute in die schärftte Gegnerschaft zu England und Frankreich geradezu hineingestoßen werden. Die Türken und Araber Heben sich wie Hund und Katze, obwohl Araber und Türken Mohammedaner sind. Die vielen tausend Araber, die jetzt aus dem Distrikt von Alexandrette flüchten, weil sie den Einmarsch der Türken fürchten, sind ein sprechender Beweis. Zu dieser völligen Umkehrung aller politischen Verhältnisse gehört auch, daß die Türken zu den Wachtern des Suezkanals bestimmt werden, den sie im Weltkriege vergeblich in ihre Kontrolle zu bekommen versuchten. Zwischen Palästina und Aegypten, die beide schon durch eine Eisenbahn verbunden sind, wird jetzt in schnellstem Tempo auch noch eine Autostraße gebaut, die bereits m neun Monaten fertiggestellt fein soll. England selbst verdoppelt in Aegypten seine Besatzungstruppen gegenüber dem Stand von 1936. Diese Verdoppelung der rein englischen Streitkräfte widerspricht natürlich kraß dem Begriffe eines selbständigen und unabhängigen Aegyptens. Der englisch-ägyptische Vertrag sieht auch eine solche Maßnahme — charakteristischerweise! — nur für „Zeiten höchster Gefahr oder vollzogener Mobilmachung" vor. „moralischen Aufrüstungsprogramm". Ob er allerdings aus dieser Einstellung heraus den Weg finden Mrd, mit den materiellen Lasten des schwer lösbaren praktischen Rüstungsproblems seines Landes fertig zu werden, muß bezweifelt werden. „Bewaffnete Neutralität" ist, wenn sie wirksam sein soll, für eine kleine Nation teuer... Oie holländische Regierung zurückgetreten. Den Haag, 30. Juni. (DltB.) Amtlich wird mitgeleilt, daß die holländische Regierung ihren Rücktritt erklärt hat. Die Königin hot Freitag- morgen den bisherigen Ministerpräsidenten Eolijn mit der Neubildung des Kabinetts beauf- tragt. Der Anlaß dieses Regierungsrücktritts ist in finanzpolitisch en Gegensätzen innerhalb des Kabinetts zu juchen. Es wird angenommen, daß Ministerpräsident Lolijn den versuch unternehmen wird, die neue Regierung auf breiterer Grundlage unter Hinzuziehung der Freisinn», gen und der Demokraten zu bilden. Hollands bewaffnete Neutralität Don unserem B. W.-Korrespondenien. land und Frankreich auf der anderen Seite. hat die politisch-militärische Phantasie mächtig angeregt. In Jerusalem haben sich dieser Sage Die militärischen Chefs der englischen und französischen Streitkräfte in Vorderasien zusammengefunden, um öie Folgerungen aus der neuen Lage zu ziehen, die durch den Beitritt der Türkei entstanden ist. Gleichzeitig fanden in London Besprechungen zwischen englischen uni) türkischen Generalstäblern statt, und außerdem hat der ägyptische Außenminister eine Rundreise über Ankara, Athen bis nach Bukarest angetreten. Diese Reise des ägyptischen Außenmmi- sters macht die ganze Gegensätzlichkeit der gegenwärtigen Lage im vorderen Orient offenbar. Seit hundert Jahren haben die Aegypter darum gekämpft, daß sie von der Türkei unabhängig werden. Sie haben tatsächlich em sehr hohes Maß von Freiheit schon lange vor dem Kriege gewonnen, und die Oberherrschaft des Sultans von Konstantinopel war eine reine Scheinherrschaft. Im Kriege streiften sie auch diese letzten Reste der türkischen Herrschaft ab, freilich nur, um Zunächst die englische Herrschaft dafür einzutauschen. Vor zwei Jahren wurde Aegypten dann zu einem unabhängigen Staate erklärt, freilich nur unter recht erheblichen Auflagen, wozu zunächst ein ewiges „Bündnis" mit England gehört, das der Londoner Regierung nach wie vor ein gewaltiges Mitfpracherecht einräumt. Aber nun handelt es sich darum, daß d i e T ü r k e n im Kriegsfälle e t n e Armee nach Aegypten schick e.n sollen, deren famer als problematische strategische Vorteile. Die Richtigkeit dieser Erkenntnis hat sich jetzt im ganzen Lande durchgesetzt. Das hindert nicht, daß die Hochdruck-Aufrüstung in diesem Lande des : klassischen Pazifismus weitergeht, zu Land, zur See und in der Luft. Die akute Panik hot einer chronischen Sorgenstimmung Platz gemacht, nur das Objekt der Besorgnisse hat gewechselt. Jetzt spricht man nicht mehr von einem deutschen Angriff auf das Mutterland, sondern von einem japanischen Angriff auf das indische Kolonialreich, denn in ihm liegt der Reichtum Hollands begründet. Aus Petroleum, Zinn, Tabak, Kaffee, Kakao, tropischen Gewürzen, Oelpflanzen und Edelhölzern ist die holländische Finanzmacht zusammengesetzt worden, und nicht aus roten Käsekugeln und blühenden Tulpenfeldern. In dem gleichen Maße, in dem Japan seinen Einfluß in Süd-China und dem ihm befreundeten hinterindischen Siam ausbreitet, wächst die Angst Hollands. Sein riesiges Kolonialreich ist weit entlegen, für dieses kleine Land schwer zu verteidigen, und von geradezu verlockendem Reichtum. 1946 wollen die USA. die Philippinen frei geben, was dann aus ihnen wird, weiß noch niemand. Dis dahin will Holland in der Lage sein, sein Kolonialreich notfalls verteidigen zu können. Es versteht sich von selbst, daß die Aufrüstung unter diesen Umständen in erster Linie ein FIot - tenprogramm geworden ist. Zwar wird auch die Kolonial-Armee verstärkt und mit wirksamerem Material versorgt, vor allem in der F l u g- waffe, aber das Schwergewicht liegt bei der Flotte. Zwei neue Kreuzer sind im Bau, zahlreiche Zerstörer und Unterfeeboote, deren gute Qualität durch Rekordfahrten der verschiedenen Prototypen erhärtet ist. Und nun solle.! gar Schlacht- schiffe gebaut werden, die etwa der neuen deutschen „Gneisenau"- oder der französischen „Dun- kerque"-Klasse entsprechen — und zwar gleich vier! Ebenso viel wie in Frankreich und nur eines weniger als in den USA. Dieser Vergleich gibt einen Begriff von der gewaltigen maritimen Krastanstren- gung des Landes, die noch durch manche anderen Projekte, vor allem das des Ausbaues von Surabaja zum erstrangigen Flottenstützpunkt ergänzt wird. Die Erinnerungen an die stolze Seemachttradition der Geusen- und General- staaten-Zeit wird im ganzen Land durch eine geschickte Propaganda neu belebt, das Volk selbst ist es, das sich an der Wiedererstehung einer starken holländischen Kriegsmarine begeistert. Bedeutend mehr als die Regierung selbst, wenn wir von der selbstverständlichen Ressort-Begeisterung des Marineministers absehen. Im ganzen geht das Kabinett nurzöger n.d und unter dauerndem Drängen des Parlaments an die große Flottenaufrüstung heran. Weniger deshalb, weil in diesem urkonservativem Lande das Beharrungsvermögen gegenüber neuen durchgreifenden Maßnahmen größer ist als anderswo, sondern einfach weil dieses Riesen-Rüstungsprogramm die Kräfte eines 8,5- Millionen-Dolkes, und sei es noch so finanzstark, übersteigt. Die Frühjahrspanik hat bereits eine beachtliche Kapitalflucht ausgelöst und jetzt, wo große Teile des Volksvermögens in unproduktiven Rüstungsausgaben festgelegt werden sollen, wackelt auf einmal der Gulden, wackelt nicht nur, sondern gleitet langsam: Holland steht plötzlich am Rande einer ernsten W äh r u n g s - und Finanzkrise. Die augenblickliche Gulden-Schwäche hat zwar noch andere, börsentechnische Gründe, vor allem die Konsolidierung der französischen Auslandsschuld durch die natürlich jüdischen Amsterdamer Bank- Kai ro, 1. Juli (DNB. Funkspruch). Das arabische Komitee in Kairo sandte an den englischen Ministerpräsidenten und Kolonialministex Maedo- näld ein Telegramm, das auf die Behauptung des Kolonialministers, die britischen Truppen hatten tn Palästina keine Grausamkeiten verübt, folgendes .erwidert: Der ganze Orient ist erstaunt und verwundert, daß der britische Kolonialmlnister die von der britischen Armee in Palästina feit VA Jah- i gemeinen Grausamkeiten einfach t. Wenn es schändlich ist, solche Nieder- B r ü f f e 1, 30. Juni. (Europapreß.) Im belgischen Senat wurde am Freitag neuerdings die Außen- politik eingehend erörtert. Die Aussprache ergab die Forderung, daß sich die belgische Militärpolittk der Außenpolitik des Landes angleichen müsse. Die gegenwärtige belgische Außenpolitik müsse strikte eingehalten werden. Der Senator D o r l o d o t verteidigte seine bereits ftüher vertretene Auftassung, die Regierung müsse unverzüglich General- stabsbesprechungen aufnehmen. Die Großmächte, welche die belgische Grenze garantiert hätten, erwarteten, daß Belgien militärisch stark sei. Dazu gehörten aber auch rechtzeitige und exakte Generalstabsbesprechungen. Ministerpräsident und Außen- mmister Pier lot wies diese Auffassung entschieden zurück un verklärte, G en er alstabsbesprechung en seien heute keinesfalls am Platze, do üe nur die klare Atmosphäre Der belgischen Auß. ' ;wtttik trüben würden. 3n der Zange. Im britischen Parlament erfreuen sich die kleinen Anfragen außerhalb der Tagesordnung seit jeher besonderer Beliebtheit, wenigstens bei den ehrenwerten Abgeordneten. 2Nf der Ministerbank freilich hort man sie nur bann nicht ungern, wenn sie der Regierung Gelegenheit geben, eine aktuelle Frage zu erörtern, die die Regierung von sich aus anzuschneiden aus bestimmten Gründen zwar nicht für opportun hält, aber zu der sie sich doch gern äußert, wenn sie von anderer-Seite dazu aufdefor- dert wird. Man nennt das im parlamentarischen Sprachgebrauch „bestellte Arbeit", eine besonders auf außenpolitischem Gebiet höchst brauchbare Methode, von der leider unsere deutschen Parlamentarier der Vor- und Nachkriegsobservanz nicht viel wissen Milten, weil ihnen dies Spiel mit verteilten Rollen nicht lag und sie das schwerere Geschütz der großen Rede dem Frage- und Antwort-Geplänkel vorzogen, wie es im britischen Parlament gong und gäbe ist. Nun freilich kann dies letztere auch einem mit allen parlamentarischen Wassern gewaschenen brittschen Minister auf die Nerven gehen, wenn die ehrenwerten Abgeordneten sich nicht mehr an sorgfältig abgekartete Spielregeln halten, sondern chre Neugier soweit treiben, daß von der Regierungsbank schließlich nur noch konstantes Schweigen dem Parlament andeutet, daß mit diesen Fragen ein Gebiet berührt wurde, das im Augenblick, zu delikat ist, um weitere Erörterungen zuzulassen. So sehen wir in der Parlamentsdebatte dieser Tage als ein für die Abgeordneten ebenso unerschöpfliches wie für die Regierung höchst - unbequemes Thema neben den endlos sich hinziehen- den Paktverhandlungen mit Moskau immer wieder de n Tientsin-Zwischenfall auftauchen, und das Kreuzverhör, das die Opposition in Staatsanwaltspose Tag für Tag mit der Regierung darüber anstellt, zeigt einmal ganz kraß die Schattenseiten des parlamentarischen Systems, das selbst eine so disziplinierte Opposition wie die englische dazu verleitet, auch in kritischer Stunde der Naton nichts besseres zu wissen, als die Schwierigkeiten der Regierung mit Nachdruck herauszustellen, was bestimmt nicht dazu beitragen kann, dem sowohl durch die hinhaltende Taktik Moskaus wie durch die japanische Blockade der brittschen Niederlassung in Tientsin arg mitgenommenen Prestige der britischen Nation wieder aufzuhelfen. Den Grad dieser Schwierigkeiten kann man ungefähr ermessen an den ebenso nxonotor.'-". tote r;»rteg»ncn Antworten Cham berlains, die dann schließlich als letzte Waffe gegen allzu rücksichtslose Ausfrager in konstantes Schweigen ausmünden. Der Abschluß eines gegenseitigen Beistandsoer-1 Stärke bald auf lOOOOft bald sogar auf 250 000 her Tür k ei auf der einen, Eng- Mann angegeben wird. Man sieht: die Dmg. drehen trage? Zwischen der Tur^ ^„z absonderlich iin Kreise, und die englisch- französischen Wünsche laufen darauf hinaus, daß die Türken den Weltkrieg noch einmal, aber umge - Oie Reichsbank vor neuen Aufgaben. Snvate Wirtschaft und Kapitalmarkt. (egen, auch auf die Gefahr hin, dabei erheblich Haare lasten zu müssen. Aber die ostasiatischen Der- Handlungsmethoden rechnen mit noch sehr viel längeren Zeiträumen, als die europäische Diplo* matie, und auch die Ungeduld der englischen Parlamentarier, die Tag für Tag Herrn Chamberlain nach Neuigkeiten aus Tientsin und Tokio fragen, wird daran, nichts zu ändern vermögen. Der Tientsin-Zwischenfall ist daraus entstanden, daß vier chinesische Verschwörer, die der Teilnahme an der Ermordung eines hohen japanfreundlichen chinesischen Beamten beschuldigt werden, in der britischen Niederlassung von Tientsin Unterschlupf fanden und das japanische Auslieferungsbegehren von den britischen Behörden in Tientsin adgelehnt wurde. Auf die Entscheidung einer gemischten Kommission, die auf Vorschlag Englands unter Vorsitz eines Amerikaners die Schuld der vier Chinesen prüfen sollte, haben sich die japanischen Militärbehörden in Tientsin nicht eingelassen und über die britische Niederlassung die Blockade verhängt, die nicht nur für den britischen Handel in Nordchina ein empfindlicher Schlag war, sondern auch dem britischen Ansehen in Ostasien höchst abträglich war. Trotzdem hat England aus den schon angeführten gewichtigen Gründen gute Miene zum bösen Spiel gemacht und trotz vieler wortreicher Drohungen in Parlament und Presse den Verhandlungsweg beschritten. Dabei war die Hauptschwierigkeit die, daß England es darauf ankam, die Verhandlungen zwar auf den Tientsin-Zwischenfall als eine rein lokale Angelegenheit zu beschränken, gleichzeitig aber bestrebt sein mußte, diese Verhandlungen in Tokio mit der japanischen Regierung zu führen, weil gerade die Militärbehörden in Tientsin die Exponenten einer Politik sind, die auf eine grundsätzliche Klärung der Stellung Englands zum chinesischen Krieg bringt. Und gerade das möchte die britische Diplomatie unter allen Umständen vermeiden, was sie in Tokio eher erreichen zu können glaubt als in Tientsin. Das erste Ziel haben die Engländer erreicht, die Verhandlungen werden tatsächlich in Tokio geführt, aber es sieht keineswegs so aus, als ob die japanische Regierung, bei aller Neigung, die Dinge nicht übers Knie zu brechen, darauf verzichten wird, über die Beilegung des lokalen Zwischenfalls hinaus von England eine grundsätzliche Klärung seiner Politik in China zu fordern. Die Japaner haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie die fremden Niederlassungen in den chinesischen Vertragshäfen mit ihren exterritorialen Vorrechten als durch die politische Entwicklung in Ostasien überholt und mit der nationalen Wurde des chinesischen Volkes unvereinbar ansehen, übrigens einer der wenigen Punkte, in denen Chinesen und Japaner einer Meinung sind. Japan scheint zwar geneigt zu sein, die Lösung dieser Frage einer neuen chinesischen Zentralregierung zu überlassen, muß freilich darauf bringen, daß die fremden Niederlassungen als Schlupfwinkel des chinesischen Derschwörertums ausgeschaltet werden, denn gerade die Unsicherheit, die die Umtriebe der chinesischen Verschwörerzirkel besonders in den großen Städten des von den Japanern besetzten Gebiets verursachen, macht jede politische Stabilisierung unter einer neuen chinesischen Zentralgewalt unmöglich. Ein zweiter Punkt, auf dessen Klärung Japan drängen wird, ist die britische Stützungsaktion für den T s chu n g ki n g - D o l l a r, die sich gegen die von Japan in den besetzten chinesischen Gebieten eingeführte neue Währung richtet, den Peking-Juan, der von ber neu- gegrünbeten Pekinger Notenbank in Umlauf gebracht unb an ben japanischen Pen angeschlossen ist, so baß Japan, Korea, Manbschukuo unb Nord- china schon eine Währungseinheit bi Iben. Freilich haben bie Japaner große Mühe, die neue Währung in China populär zu machen, benn ihre Annahme setzt jeden Chinesen ber Gefahr aus, als mit Japan sympathifierenb ermorbet zu werben. So ist ben Japanern ber Hanbel mit Chinesen sehr erschwert, unb auch in ber Schiffahrt werben sie boykottiert, benn bie burch bie japanische Küstenblockabe ausgeschalteten chinesischen Schiffe fahren unter englischer Flagge unb nach Tarifen in ber alten chinesischen Währung, bem Tschungking-Dollar, während bie japanischen Schiffe mit ihren auf Pen lautenben Tarifen von ben Chinesen gemieben werben. Dieser Währungskampf, ber ben Japanern ben wirtschaftlichen Aufbau ber von ihnen besetzten Gebiete Chinas unb ihre Eingliederung in bie Rohstoffversorgung Japans außerordentlich erschwert, wird hinter ben Kulissen von ben Englänbern geleitet. Es kann also nicht wunbernehmen, baß Japan in den bevorstehenden Verhandlungen in Tokio England energisch auffordern wird, auf dieses Kampfmittel zu verzichten. Aber bas wird schwer halten, benn wenn auch bie britische Diplomatie — in ber es übrigens auch insofern beträchtliche Meinungsverschiebenheiten geben soll, als ber britische Botschafter in Tokio, Sir Robert C r a i g i e, für eine entgegenkommend Politik gegenüber Japan ist, währenb sein Kollege in Schanghai, Sir A. Clarke K e r r , für rücksichtslose Unterstützung Tschiangkaischeks plädiert —, wenn also auch bie britische Diplomatie mit Rücksicht auf Englanbs geschwächte Stellung in Europa geneigt fein könnte, auch in biefem für bie englischen Interessen in China vielleicht ausschlaggebenben Punkt Körbel zu lassen, so wirb es ber Regierung boch schwer fallen, ihrem Standpunkt bei den englischen Wirtschaftskreisen in China Geltung zu verschaffen. So sind schon die Aussichten auf ein positives Ergebnis ber englisch - japanischen Verhanblungen in Tokio nicht allzu rosig, bie Aussichten auf eine baraus resultierende tatsächliche Klärung sind noch geringer, weil es eben im Grunde einzig unb allein unb immer roieber barum geht, ob Englanb ben japanischen Anspruch auf ausschließliche politische unb wirtschaftliche Führung im gesamten ostasiatischen Raum anerkennen will, was ben Verzicht auf bie wirtschaftliche Vorherrschaft Englanbs in China bedeuten müßte. Kühle Köpfe in England selbst stellen heute schon fest, daß das Empire dank einer überaus kurzsichtigen Politik in Europa gar nicht mehr in der Lage ist, gegen die Anstrengungen Japans aufzutrumpfen, Ostasien von ber wirtschaftlichen Beoormunbung Englanbs im Stil einer verflossenen Kolonialepoche enbgültig zu befreien. Daran werben auch bie Beratungen in Singapur nichts änbern, bie ein Zusammenwirken ber englischen unb französischen Streitkräfte im Pazifik organisieren sollen. Die Binbungen, bie Englanb ohne, Not in Europa eingegangen ist, fesseln bas Empire auch im Fernen Osten. Fr. W. L. Vor den Verhandlungen in Tokio. Die Japaner haben wenig Hoffnung. Tokio, I.Juli. (DNB. Funkspruch.) Botschafter Kato, Japans neuer Vertreter für China, äußerte sich heute bei feiner Ankunft aus Tien - Ls i n über bie bevorstehenben Verhanblungen mit Berlin, 30. Juni. (DNB.) In ber Hauptversammlung ber Anteilseigner der Deutschen Reichsbank, in ber ein Kapital von 36 565 400 RM. vertreten war, wies Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Funk darauf hin, daß diese HD. bereits unter der Geltung des neuen Gesetzes über bie Reichsbank ftattfinbe. Danach habe die HD. ben Iah resbericht der Reichsbank zur Kenntnis zu nehmen, ferner fei ber G e - roinnanteil auf höchstens 5 v. H. beschränkt worden, und zwar bereits für das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Hauptversammlung nahm daraus den Abschluß nebst Derwaltungsbericht für 1938 zur Kenntnis und genehmigte einstimmig das A b - findungsangebot an die Anteilseigner. Minister Funk teilte mit, daß der neue Beirat, der in den nächsten Tagen berufen werden wird, aus einer kleinen Anzahl von Sachverständigen aus den verschiedensten Gebieten bestehen wird, die für bie Reichsbank von befonberer Wichtigkeit sinb. Diese Mitglieber des Beirats werben Ausschüssen vorstehen, in die eine weitere größere Anzahl von Sachverständigen aus allen Sparten ber Wirtschaft berufen werben. Im ganzen werde man auf vielleicht 60 bis 70 Beirats- und Ausschußmitglie- der kommen. Unter den vom Führer gestellten Aufgaben befindet sich auch der Auftrag, den Kapitalmarkt für den privaten Geldbedarf in erhöhtem Umfange zu erschließen. Es werde darauf ankommen, wie bie Steuerpolitik in ber Zukunft gestaltet wird, denn der Kapitalmarkt könne nicht funftiomereti, wenn nicht gewisse Erleichterungen unb Entlastungen für bie produk- bem englischen Botschafter Craigie, an benen er teilnehmen wirb, wenig hoffnungsvoll. Er sagte: „So lange bie Englänber sich nicht entschließen können, ihre politischen Manöver aufzugeben, können wir von ber Konferenz in Tokio nicht viel erwarten, alles hängt von ber englischen Haltung ab." — Anaka, ber japanische Konsul in Tientsin, fügte hinzu, baß sich bie Haltung ber Englänber feit ber Verhängung ber Blockabe nicht geändert habe. Die Blok- k a d e werde daher fortgesetzt bis England seine Politik der Unterstützung Tschiangkaischeks und seine antijapanische Stellungnahme aufgebe. Polens „Fest des Meeres". Die Kurgäste, die gegenwärtig in Zoppot zur Erholung weilen, können von ber Dampferanlegestelle jeden Tag ein amüsantes Schauspiel genießen. Sie können beobachten, wie bie Polen unmittelbar hinter ber Danzig-polnischen Grenze Tanksper - ren errichten, wie sie nachts mit ihren Scheinwerfern eilfertig ben Himmel unb bie See absuchen und sonstige militärische Scherze betreiben, Das ist gewiß ein vergnüglicher Anblick, unb die Einwohner wie bie Gäste von Zoppot unb Danzig könnten aus vollem Herzen barüber lachen, wenn diese polnische Kriegsspielerei nicht auch einen gewissen ernsten Hintergrund hätte. Ueber die Unhaltbarkeit der militärischen Stellung Polens an ber Ostsee braucht man für den Ernstfall, ben Warschau herbeiführen möchte, nicht viele Worte zu machen — und bes- halb wirken auch bie polnischen Tanksperren zwischen Danzig und Gdingen so unsagbar komisch. Ader das wissen -die Warschauer Politiker selber wohl am besten, und deshalb sinb sie auf den verrückten Gedanken gekommen, man müsse Sie polnische Küstenlinie, die gegenwärtig nur 135 Kilometer lang ist, auf Kosten des Reiches erweitern. Aufgeputscht von den bemofratifdjen Einkreisern, hat man jene andere Lösung des friedlichen Einvernehmens, die Adolf Hitler den Polen für einen sicheren Zugang zum Meer vorfchlug, leichtherzig verworfen und bläst statt dessen in unverminderter Stärke die Kriegstrompete. Auf den pol- nifchen „Festen des Meeres", die mit großem Lärm in allen Städten gefeiert werden, annektiert man bereits im voraus die verschiedensten deutschen Hafenstädte von Memel bis Lübeck. Nichts Schlimmeres könnte den Polen passieren, als wenn die deutsche Führung es tatsächlich fertig brachte, unrechtmäßige und unnatürliche Verhältnisse auf friedliche Weise richtigzustellen. Nichts verabscheut man in den Hauptstädten der Einkreisungsmächte und ihrer Trabanten so sehr wie den Gedanken der friedlichen Revision, der immerhin schon in ber Genfer Satzung sein papierenes Dasein fristete. Besonders deutlich geht das aus einer Aeußerung des Pariser „Jntran'sigeant" hervor, der die vom Führer gewollte Heimkehr Danzigs ins Reich als einen „listigen Plan" deshalb bezeichnet, weil er ohne Blutvergießen durchgeführt werden soll. Der französische Schreiber möge zur Kenntnis nehmen, daß wir Deutsche uns tive Wirtschaft und den Kapitalverkehr auf ste u erlich e m Gebiet eintreten. Der neue Finanzplan enthalte die ersten umfassenden Möglichkeiten für steuerliche Erleichterungen. Auf diesem Wege müsse weitergegangen werden. Wenn nun Unternehmungen mit Obligationen an den Kapitalmarkt heran tret en wollen, so ist es unsere Pflicht, dafür zu sorgen, daß ber Kapitalmarkt den Ansprüchen genügen kann und nicht überlastet wird und daß einrichtiaes Verhältnis in ber Rendite zwischen Aktien unb Obligationen her- gestellt wirb Bei ber allgemeinen Wirtschaft Politik müssen wir nach wie vor bedacht sein, eine richtige Ordnung in ben Ansprüchen der einzelnen Wirtschaftsgebiete burchzuhalten. Hierbei stehe in vorberster Linie ber Export. Wie sich aus ber Handelsbilanz ergebe, sei es gelungen, ben Export auf einem Stand zu halten, der durchaus nicht als ungünstig bezeichnet werden könne. Es bestehen auch für die weitere Entwicklung der deutschen Wirtschaft durchaus stärkere Aufwärtsmöglichkeiten unter der Voraussetzung, daß der Staat durch Reglementierung und Organisation ber Wirtschaft die Führung und Lenkung in der Hand behält, was ja ohne weiteres ber Fall fei. Im Sinne dieses wirtschaftlichen Geschehens maßged'lich weiter zu arbeiten, werde gerade bie Aufgabe bes neuen Beirates bei der Reichsban-k fein, und aus dem neuen Gesetz über bie Deutsche Reichsbank werbe sich alsbald ergeben, daß bie Reichsbank stärker als bisher den großen Aufgaben genügen kann, die ber Führer ihr und ber ganzen deutschen Wirtschaft gestellt hat. x ben Vorwurf ber Listigkeit gerne gefallen lassen, wenn nur unsere Ansprüche und Lebensrechte auf friedlichem Wege Erfüllung finden. H. Ev. Deutsche Schulen in Polen ohne Begründung geschloffen. Posen, 30. Juni. (DNB.) Am 25. Juni erschienen i n M e ch n a t s ch im Kreis Birnbaum der Polizeigemeindevorsteher mit einem Oberwachtmeister der Staatspolizei in der deutschen Privat s ch u l e. Sie verlangten die sofortige Herausgabe der Schlüssel zum Schulgebäude und verschlossen dann die Schule, ohne ihre Maßnahme zu begründen. Den deutschen Eltern, die das Schulland in der Größe von 32 Morgen gepachtet hatten, wurde mitgeteilt, daß das Schulland bereits am 1. Juli, d. h. also in wenigen Tagen unb noch vor ber Ernte, „neu festg? fetzt" würde. Auch in Neu-Kattum (Kreis Birnbaum) wurde die deutsche Schule ohne nähere Begründung g e - schloss e n. In das Schulgebäude wurde bie Postagentur verlegt. Zwangsiranzosen. Das Kind eines Ausländers, bas i n Frankreich geboren ist, gilt nach französischem Recht als — Franzose. Das ist eine grobe Durchbrechung ber sonst allgemeinen Hebung, baß ein Kind seinen Eltern in der Staatsangehörigkeit folgt. Frankreich hat mit diesem Sonderrecht schon seit Jahrzehnten das Schwinden seiner Dolkskraft unb ben Rückgang seiner Geburtenziffer ausgleichen wollen, indem es einfach ausländische Kinder, die in Frankreich geboren wurden, zu Zwangsfranzosen machte. Es ist schon ein tolles Stück, daß sowohl vor wie nach dem Weltkrieg eine deutsche Frau, die ihre Mutterschaft kommen fühlt, nach Deutschland kommen muß, um hier ihrem erwarteten Kinde die deutsche Staatsbürgerschaft zu sichern! Nur für die Italiener in Tunis wurde eine Ausnahme gemacht! Und zwar aus guten Gründen; denn Tunis ist rechtlich nicht französischer Besitz, sondern Protektorat (Schutzgebiet), dessen eigentlicher Herrscher ber Bey von Tunis ist; und fernerhin wohnten zur Zeit ber Ausrufung der französischen Schutzherschaft mehr Italiener als Franzosen in Tunis, und auch heute ist bas noch so, wenn auch bie Franzosen mit allerlei tollen Kunststücken bie statistische Wahrheit ver- brehen wollen. Darum würbe ben Italienern in einem Vertrage von 1896 binbenb zugesichert, daß bie Kinder von Italienern, bie in Tunis ansässig sind, die italienische Staatsangehörigkeit erhalten. Nun hat der Kolonialausschuß der Pariser Kammer eine Entschließung angenommen, die die italienischen Ansiedler in Tunis dieses Rechtes berauben will. Die in Tunis geborenen jungen Italiener sollen Zwangsfranzosen werden. Die italienische Kolonie in Tunis hat gegen diesen Anschlag heftigen Einspruch erhoben, besonders da die Franzosen auch mit Ausweisungen vorgehen und in den Zwei Lahre Kamps im Fernen Osten. MA NDSCHUKUO JN00CWINA In diesen Tagen jährt sich zum zweiten Male der Tag, an bem ber Konflikt zwischen China und Japan zum Ausbruch kam. Unsere Karte zeigt die bisherigen Erfolge ber Japaner. Ihre Front umschließt heute sechs Provinzen Chinas vollständig, nämlich Tscha- char, Schansi, Hopei, Schantung, Kiangsu und Anhwei, sowie sechs zum Teil: Suiyan, Honan, Hupe, eine kleine Ecke von Hunan sowie den Norden von Kiangsi und von Tschekiang. Neun Provinzen befinden sich noch in den Händen ber Chinesen. Wesentlich ist jedoch, baß Japan fast bie Hälfte der gesamten chinesischen Küstenlinie, bie Mündungen der wichtigsten Flüsse sowie die bedeutendsten Hafenstädte besetzt hat. (Zeichnung Heincke. — Scherl-M.) Schlechte Argumente. Da bie führenden Leute in England offenbar das dringende Bedürfnis verspüren, sich gegenfeitig Mut zuzusprechen, ist drüben eine regelrechte Rede-Iw flation ausgebrochen. Kein Tag vergeht, an dem nicht irgendein Minister Gelegenheit sucht, sich über die Ziele der britischen Außenpolitik sich hören zu lassen. Die Engländer machen auaenblicklich ben kümmerlichen Versuch, bie Krieasschulb frage festzulegen, um im voraus alle Verantwortung für etwa kommende Ereignisse von sich auf das in Aussicht genommene Opfer abzuwälzen. Zu diesem Zwecke bedient man sich hauptsächlich zweier Argumente, die aud)1 ber britische Außenminister Lord Halifax in geradezu klassischer Weise bei seinem letzten öffentlichen Rechtfertigungsversuch verwendet hat. Das eine Argument, das die Engländer bis zum Erbrechen wiederholen, besteht in der Ableugnung jeder Einkreisungsabsicht und in ber gleichzeitigen Beteuerung, man wolle nur die Schaffung einer „ruhigen Atmosphäre" abwarten, um bann alle Probleme und Beschwerben der autoritären Staaten „wohlwollend z u prüfen". Der benkende Mitteleuropäer braucht nicht lange nach Beweisen zu suchen, um diesen Gimpelfang zu entlarven. Um die Voraus- FOTO-Arbeiten preiswert 27d FotO-Ruhl, Seltersweg 67 setzungen für eine „ruhige Atmosphäre" zu schaffen, hat England nach bem Kriege 20 Jahre lang Zeit gehabt, aber es hat in biefer Frist, ba Deutschland pazifistisch regiert unb verseucht wurde, keinen Finger gerührt, um bas Unrecht von Versailles in irgendeiner Richtung wieder gut zu machen. Und nun will Lord Halifax uns weis- machen, England warte nur auf eine Aenderung der deutschen Methoden, um seinen guten Willen be» weifen zu können? Was es mit dem angeblichen Derftändigungs- willen xber Lonboner Politik auf sich hat, barüber belehrt uns die demokratische Regierungspresse, die die Rede bes Lorb Halifax sachverständig kommentiert, Diel besser. So schreibt beispielweise der „Petit Parisien", Lord Halifax fordere, daß Deutschland seinen Wunsch nach friedlicher Zusammenarbeit nicht nur mit Worten, sondern auch mit Handlungen dokumentieren müsse. Die erste dieser Handlungen bestehe aber in einer 21 b r ü ft u n g. Nur unter dieser Bedingung sei Großbritannien bereit, dem Reich noch einmal die Hand zu reichen usw. usw. Also erst die Wasen im Vorzimmer abgeben und dann in die Konferenz. Wir kennen diese Tour noch aus den Tagen von Versailles. Auch die Londoner „Times" ist so großzügig, uns die Widerlegung der Halifaxschen Theorien abzunehmen. Sie schreibt, im vergangenen Jahr habe der Außenminister noch erklärt, daß man nicht den Wunsch hege, irgendeine Nation durch einen Ring starker Feinde einzuschließen. Sein Wunsch fei von allen Engländern geteilt worden. Der Wandel von damals zu heute fei dadurch entstanden, daß in ber Zwischenzeit bas Reich einen unwiderruflichen Beweis bafür geliefert habe, baß es Hitlers Bekenntnis zur Gewalt teile. Hier haben wir also zum erstenmal bas klare Eingeständnis von maßgeblicher Stelle, daß bie Regierung Chamberlain nicht nur jetzt eine Einkreisungspoli- tif gegen Deutschland betreibt, sondern bereits mit diesem Entschluß nach München gegangen ist. So offenbart sich Englands „guter Wille" als ein brutaler Dernichtungswille, ber bur ) humanitäre Rebefloskeln nur mühsam getarnt ist. Bis zum Erbrechen wieberholen bie britische i 2Igitationsrebner auch bas zweite 2Irqumer •, bas in ber Behauptung besteht, man müsse im Interesse bes internationalen Rechts unb bes inte' - nationalen Friebens gegen jebe Aggression unb gegen jeben Versuch ankämpfen, kleine e Völker ober einzelne Erbteile ober bie ganze W-1t — es kommt ben britischen Verleumbern auf mehr ober weniger nicht an — „burch Gewalt zu beherrschen". Dieses Schlagwort zieht sich in ben verschiedensten Abwanblungen immer roieber burch alle Reben unb Artikel ber britischen Propaganba- maschine. Es wird wahrscheinlich deshalb so häufig gebraucht, weil bie britischen Bürger aus bem reichen Anschauungsmaterial, bas ihnen ihre eigene Geschichte wie ihre gegenwärtige Politik bietet, am besten begreifen können, was B e - herrschung burch Gewalt ist.. Man braucht ja nur einen Blick nach Irland, nach Palästina, nach Indien ober nach ben baltischen Staaten zu werfen, um zu verstehen, in welch hohem Maße Englanb geeignet ist, bie Freiheit unb Unabhängigkeit kleiner Völker zu schützen. Nein, Lord Halifax hat feine Bemerkungen, mit benen er eine Kriegs- schuld gegen Deutschland zu konstruieren versuchte, in ben Wind gerebet. Er muß schon andere Be- roeisgrünbe suchen — wie wäre es mit ber vorbehaltlosen Rückgabe ber Kolonien? —, um bas beutsche Volk von einem englischen Sinneswanbel zu überzeugen. H. Ev. einzelnen Betrieben durch Entlassungen den Italienern den Arbeitsplatz streitig machen. Die französischen Truppen räumen den Sandschak. Rom, 30. Juni (Europapreß). Wie aus Ankara aemelbet wirb, haben bie französischen Truppen vereits mit ber Räumung bes Sandschaks Alexan- brette begonnen. Nach Berichten aus Beirut äußert sich die Beunruhigung, die die Abtretung bes Sanbschaks an die Türkei unter ber arabischen Bevölkerung hervorgerufen hat, in einer Massenflucht vor allem ber wohlhaben- beren Familien, da man Racheakte ber Türker» befürchtet. In befonberer Angst leben bie Armenier, die mit Gewalttaten rechnen und daher in Massen in bie Libanon-Republik abwan- bern. In Nordsyrien soll das Gerücht, baß in einem englisch-türkischen Geheimvertrag auch die Abtretung von Aleppo und Gezireh an die Türkei vorgesehen sei, gewaltige Erregung hervor- aerufen haben. Die Bewohner dieser Gebiete schicken sich deshalb zur Flucht nach Damaskus und Beirut an. Die italienischen Frontkämpfer in Frankfurt NSG. In Frankfurt a. M. trafen am Frei- tagabenb die 5 2 7 italienischen Kriegs- verletzten und Frontkämpfer ein, die auf Einladung des Präsidenten der Vereinigung deutscher Frontkämpferverbände, NSKK.-Obergruppenführer, General d. Inf. Herzog von Coburg, in Erwiderung eines Besuches, ben im vergangenen Jahr 500 deutsche Frontkämpfer Italien abgestattet haben, in Deutschland weilen. Den italienischen iffenschastliche Woche in Frankfurt Oie er- Oachgeschoß-Wohnungen. t Als damit Vermehrung von ausschlaggebender lieber Leben und Lebensäußerung bei tischen Lebewesen sprach Professor Dr. (Budapest). Professor Dr. Rippe! Bedeutung, den parasi- Darant)t (Göttingen) Zusammen- zum engen körperlichen Zusammenleben mit gegenseitiger Unterstützung durch gegenseitige Nährstoffbelieferung. Dr. Prigge (Frankfurt) behandelte die Abwehrmaßnahmen gegen Mikroorganismen. Zum Abschluß beschäftigte sich Professor Dr. Kleinschmidt (Köln) mit der Abwehr des menschlichen Organismus gegen Mikroorganismen. Die Widerstandsfähigkeit des Menschen bleibt die beste Abwehr gegen Mikroorganismen. Diese Resistenz ist abhängig von Erbmasse, Geschlecht, Lebensalter und atmosphärischer Umwelt. Der wichtigste Umweltsfaktor für die Widerstandsfähigkeit des Kindes ist die Ernährung. Bei der Behandlung muß das Ziel die Leistungssteigerung der mit der Abwehr der Mikroorganismen betrauten Körperzellen jein. Bei schweren akuten Krankheitszuständen erweist sich die Hebertragung art- und grupp en gleichen Blutes als wirksamste Maßnahme. Wenn Augen versagen Magnus-Brillen trägen! Mehr Ziegen hätten! alleinige Grundlage für unsere Milch- und Butteroersorgung wird vielfach zu Unrecht zeigte in seinem Vortrag über „Das „ . leben von Mikroorganismen untereinander und mit höheren Pflanzen" die Entwicklungsstufen des Zusammenlebens vom einfachsten Nebeneinander bis vorhanden ist. Bei drei- und zweigeschossiger Bauweise sei jeder Dachausbau int Dreispännertyp unerwünscht, ebenso bei sämtlichen zwei- und drei- pännigen Mietshausbauten mit mehr als drei Dollgeschossen. Die Herstellung von Wohnungen im Kellergeschoß wird grundsätzlich als unerwünscht bezeichnet. Auch der Ausbau von Dachgeschossen soll nach Möglichkeit beschränkt bleiben. Im Interesse ausreichender Fristen für die forderlichen Vorbereitungen hat der Reichsarbeitsminister bereits jetzt die Derkaufssonntage vor Weihnachten 1939 geregelt. Es ist bei dem Verfahren geblieben, die zwischen dem 8. und 2 4. Dezember liegenden. Sonntage freizugeben. Danach kommen in diesem Jahre der 10., 17. und 24. Dezember als Derkaufssonntage in Betracht. Lage und Dauer der Verkaufs st und en sind in oen benachbarten Bezirken einheitlich festzulegen. Für den 24. Dezember darf nach 17. Uhr kein Berkaus mehr stattfinden. Gegebenenfalls können die Derkaufsstunden an diesem Tage auf den Vormittag gelegt werden. Volk tue. . Freitagfrüh flog General Halder nach W11 -- puri. Dort wurde er vom Kommandierenden General des finnischen II. Armeekorps, General Oehquoist, und einer Ehrenkompanie des Karelischen Panzerregiments empfangen. Dom Flugplatz begab sich General Halder im Kraftwagen nach dem Artillerieschießplatz Perkjärvi, wo er Schießübungen beiwohnte. Zum Frühstück war General Halder Gast des Inspekteurs der finnischen Artillerie. Abends erfolgte die Rückfahrt nach Wn- puri, wo General Oehquist ein Abendessen gab. Lugend im Feuerlöschdienst. Zwischen dem Reichs führ er H und Chef der deutschen Polizei und dem Reichsjugend- f üh r e r ist eine Vereinbarung über die Aufstellung, Ausbildung und Ausrüstung von 3 0 0 Jugendfeuerwehren getroffen worden. Der Reichs- jugendführer stellt dem Reichsführer ff Hilfskräfte aus den Einheiten der HI. zur Verfügung, die im Feuerlöschdienst ausgebildet werden. Das Mindestalter der Jungen wird auf 15 Jahre festgefetzt. Die zum Feuerlöschdienst Kommandierten bilden keine Sondereinheiten. Die Jungen werden jedoch für die feu erwehr technische Ausbildung in besonderen Einheiten unter HI.-Führern, die selbst feuerwehrtechnisch ausgebildet sind, zusammengefaßt. Bei ■ jedem feuerwehrtechnischen Uebüngsbienft ober bei jedem Einsatz gelten die Jungen als durch polizeiliche Verfügung herangezogen und treten damit unter den Befehl des ausbildenden oder leitenden Führers der Feuerschutzpolizei bzw. Feuerwehr. Eine disziplinäre Unterstellung ist damit nicht verbunden. Der technische Dienst der HI. erstreckt sich auf alle rm Feuerlöschdienst vorkommenden Hebungen und Arbeiten mit dem Endziel der Verwendung der Jungen an allen zum Einsatz geeigneten Geräten m Gemeinschaft mit ausgebildeten Feuerwehrmännern. Die in feuerwehrtechnischen Einheiten tätigen Angehörigen der HI. genießen den Schutz der Reichs- unfallversicherung. Die Leitung der feuerwehrtechnischen Ausbildung liegt in den Händen des Kommandeurs der örtlichen Feuerschutzpolizei bzw. des örtlichen Feuerwehrführers. Alle Einrichtungen sind von der Gemeinde, in der die Einheit aufgestellt mirb, zur Verfügung zu stellen. Drei Derkaufssonntage vor dem Weihnachtsfest. Bestimmungsort eintreffen. Zigeuner bände schleppt für 2 Millionen Lei Goldmünzen bei sich. Aus eine Anzeige hin nahm der rumänische Gendarmerieposten von Ehitilia bei Wanderzigeunern! eine unerwartete Durchsuchung vor und sand dabei in ihrem Zeilt nicht weniger als für zwei Millionen Lei (50 000 RM.) Goldmünzen. Das Geld wurde beschlagnahmt und eine Untersuchung eingeleitet um festzustellen, wie die Zigeuner in den Besitz dieser großen Menge Goldes gekommen sind. Explosion in einer Petroleum-Raffinerie. In den großen Petroleum-Raffinerien von Berre bei Marseille waren Arbeiter gerade dabei, einen Ofen zu reparieren, als plötzlich ein großer Ofen in die Luft flog. Drei Arbeiter waren Frontkämpfern, die bereits auf ihrer Fahrt durch den Gau herzlich begrüßt worden waren, bereitete die Bevölkerung einen herzlichen Empfang. Auf dem Hauptbahnhof hatte sich als Vertreter des Gauleiters, SA.-Brigadeführer, Gauamtsleiter D i p - p e l eingefunden. Ferner waren Vertreter der Partei, der Wehrmacht und des Staates erschienen und als Vertreter der italienischen Kolonie der italienische Generalkonsul in Frankfurt a. M. Auf der Südseite des Hauptbahnhofes hatten Ehrenformationen der SA., ff, der NSKOD., des NS.-Reichskriegerbun- des und des Reichstreubundes Aufstellung genommen. Am Abend fand im Römer ein Empfang statt. Währenddessen trafen sich Angehörige der NSKOV. und des NS.-Reichskriegerbundes mit den italienischen Kameraden im Palmengarten, um einige frohe Stunden zu verlehen. Ein unvergeßliches Erlebnis wird den italienischen Frontkämpfern die Fahrt mit dem Dampfer „Ostmark" von Koblenz nach Rüdes- heim bleiben. An den Ufern des Rheines standen auf der gesamten Strecke die Schuljugend und die Bevölkerung und jubelten den italienischen Kameraden zu. An den einzelnen Orten empfingen Böllerschüsse die italienischen Frontsoldaten. General Halder in Helsinki. Deutsch-finnische Wasfenkameradschaft. Helsinki, 30. Juni. (DNB.) Nach Abstattung der ossiziellen Besuche legte Generalstabschef General Halder am finnischen und deutschen Heldengrab Kränze nieder. -Anschließend an em Frühstück, das der finnische Generalstabschef, General Oe sch, gab, besichtigte General Halder die alte historische ©eefeffung von Helsinki, Suomen- linna, die finnischen olympischen Bauten und die Kasernen des Autobataillons. Abends gab der Außenminister als stellvertretender Kriegsminister gemeinsam mit dem finnischen Armeebefehlshaber den deutschen Gästen ein Festessen. Minister Erkko begrüßte den deutschen Gast und gedachte der deutschen Waffenhilfe in den schwersten Schicksalsstunden Finnlands und gab dem Willen seines Landes Ausdruck, die Neutralität um jeden Preis zu erhalten. In seiner Antwort führte General Halder aus, daß er sich freue, daß seine erste Auslandsfahrt ihn nach Finnland geführt habe, mit dessen Armee die deutschen Soldaten durch besondere Bande der Kameradschaft und Tradition verbunden seien. Diese Kameradschaft zu vertiefen und diese Tradition zu pflegen sei ein wesentlicher Zweck seines Besuches. Seine steber- . zeugung sei bestärkt worden, daß Finnland, auf den starken Willen seiner Staatsführung und auf die hohe Wehrbereitschaft gestützt, der Zukunft ebenso ruhig entgegensehen könne, wie es das deutsche grundlegenden Ackerbauprobleme und -Institute der beiden verbündeten Länder vom wirtschaftlichen und ; rechtlichen Gesichtspunkt aus. lieber das erste Thema: „Natürliche und wirtschaftliche Voraussetzungen" werden der Staatssekretär im Reichsernährungsministerium, Backe, und der italienische Staatssekretär des Ackerbaues, T a f f i n a r t, sprechen. Kunst und Wissenschaft. Oie Reichsausstettung »Entartete Kunst" in Frankfurt a.M. eröffnet. In Gegenwart von Vertretern der Partei, des Staates und des kulturellen Ledens wurde die Reichsausstellung ^Entartete Kunst", die 1937 in München zusammengestellt wurde und damals im „G. 21." ausführlich gewürdigt wurde, in Frankfurt am Main eröffnet. Im Auftrag der Gaupropagandaleitung der NSDAP. Hessen-Nassau ging dabei Gauhauptstellenleiter Weinheimer auf den Sinn und Zweck der Ausstellung ein und betonte die Notwendigkeit, auch auf kulturellem Gebiet den Volksgenossen immer wieder vor Augen zu halten, vor welchem Zusammenbruch Deutschland stand. Die Ausstellung gibt einen umfassenden Heb erblick über den vom Weltbols chewi smus herbeigeführten Zerfall auf dem Gebiet der Kunst im Deutschland der Nach- kriegsjahre. Eine erste Gruppe will ganz allgemein die Zersetzung des Form- und Farbempfindens dar- tun. Die zweite Gruppe hat die Absicht, die Verhöhnung religiöser Vorstellungen zu erweisen. Den politischen Hintergrund der Kunstentartung will die dritte Gruppe vor Augen fuhren. Als besondere Abteilung schließt sich eine Gruppe an, die die Malerei im Dienste der Wehrpflichtoerweiaerung zeigen soll. Das Thema „Dirnen und Zuhälter" biUbete die nächste Gruppe. Die sechste Gruppe hat das Thema „Abtötung des Rassebewußtseins". Während hier der Neger als das damalige Rasseideal hingestellt wird, werden in der nächsten Gruppe Idiot, Kretin und Paralytiker als geistiges Ideal deutlich. Nach dem Führungskatalog kann man schließlich der letzten Gruppe nur noch den Namen „Vollendeter Wahnsinn" geben. Was hier gezeigt wird, beweißt die abgrundtiefe Gedankenwelt der damals sich als Künstler bezeichnenden Kultur- bolschewisten. Diese Ausstellung, die den Abgrund zeigt, vor dem die von den Juden beherrschte deutsche Kunst gestanden hat, stellt die beste Rechtfertigung der nationalsozialistischen Kunstpolitik dar. Aus aller Wett. Das Münchener Iagdmufeum. In der Mitglieder - Versammlung des Vereins Deutsches Jagdmuseum in München, die von dem Schöpfer des Museums, Präsident Weber, eröffnet wurde, schilderte Staatsrat Mantel in seinem Geschäftsbericht den Stand der Sammlungen und den Fortgang der baulichen Ausgestaltung des Museums. Im besonderen konnte die Sammlung afrikanischer und amerikanischer Jagdtrophäen erfreulich bereichert werden, so daß das Museum heute wohl über die reichhaltigste Trophäensammlung verfügen dürfte. Auch die Abteilungen „Wildhege und Widkrankheiten", „Jagdwaffen und Jagdgerate" sowie die „Kunstabteilung" hatten starke Zugänge zu verzeichnen. Präsident Weber dankte allen Mitarbeitern, die am Aufbau des Museums mitwirkten, besonders auch der Stadt München. Mit der Eröffnung des dritten und vierten Bauteiles am 1. Oktober und mit der Schaffung des ersten geschlossenen Hofes sei das erste Stadium in der baulichen ’ Entwicklung des Museums abgeschlossen. Mit den , Plänen für die Ausgestaltung der Lehrschauen sei ; bereits Professor Bieber befaßt. I Zum Tode General Snochenhauers. die Milchkuhhaltung betrachtet. Ein guter Milchlieferant ist nämlich auch die Ziege. Allerdings ist bis vor kurzem die Ziegen Haltung nicht planmäßig gefördert worden. Im Weltkriege nahm die Ziegenhaltung einen gewissen Aufschwung. Es gab damals 4,6 Millionen, 1938 dagegen nur noch 2,51 Millionen Ziegen. Eine Ziege liefert durchschnittlich immerhin 561 Kilogramm Milch. Durch planvolle Zucht und durch die Anwendung der Milchleistungs- prüfungen konnten jährliche Ergebnisse von 1400 Kilogramm und mehr erzielt werden. Bei einem Fettgehalt von 3,6 v. H. erzeugt eine Ziege jährlich rund 20 Kilogramm Butterfett. Jede Ziege liefert damit einen beachtlichen Anteil für die Butterversorgung. 1938 betrug die Gesamtmilcherzeugung der Ziegen rund 1,2 Milliarden Liter im Altreich, von denen 300 Millionen Liter als Trinkmilch und die übrige Menge zur Butterherstellung verwandt wurde, was 27,5 Millionen Kilogramm Ziegenbutter ergab. Angesichts dieser Leistungen muß eine Vermehrung der Ziegenhaltung in den landwirtschaftlichen Kleinbetrieben erfolgen. Von Vorteil ist außerdem, daß die Ziege ein sehr genügsames Tier ist, für das sich verhältnismäßig leicht eine betriebseigene Futtergrundlage schaffen läßt. Es kommt allerdings nicht auf eine planlose Vermehrung des Bestandes, sondern auf die Züchtung guter, ! eistungs. fähiger Tiere an. Im Rahmen der notwendigen Steigerung unserer Milch- und Fettversorgung ist jedenfalls die Ziegenhaltung ein recht beachtlicher Faktor. Kleine politische Nachrichten. Der Führer hat dem Präsidenten der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Borlin, Ministerialdirektor a. D. Professor Dr. Theodor Vahle n aus Anlaß der Vollendung seines 70. Lebensjahres die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. * Der Führer hat auf Vorschlag des Reichsministers der Justiz den Generalstaatsanwalt ßa uh in Karlsruhe zum Oberreichsanwalt beim Volksgerichtshof in Berlin ernannt. Der Führer hat dem Reichsarbeitsminifter Seldte zu feinem gestrigen 57. Geburtstage telegraphisch Glückwünsche übersandt. ♦ Der Gesundheitsminister des australischen Bundesstaates Neu-Süd-Wales, Fitz Simon, traf in Deutschland ein, um die Einrichtungen des deutschen Gesundheitswesens kennenzulernen. Zu Ehren des neuseeländischen Ministers für Forst Siedlung, Reiseverkehr und Propaganda, Lan'gstone, der sich auf der Durchreise in Berlin aufhält, gab Staatssekretär von Weizsäcker ein Frühstück, an dem der britische Botschafter in Berlin, Henderson, teilnahm. Da Finanzminister Bergsvik und Handelsminister Madseen den Wunsch ausgesprochen hatten, sich aus der Regierung zurückzuziehen, fand eine Hm - bÜbung der norwegischen ^Regierung statt. Arbeitsminister Torpp übernimmt bje Finanzen und Justizminister Sie den Handel. Der Vorsitzende des Unterlaufes St o e stad wurde zam Handelsminister und der Richter Wold zum Justizminister ernannt. setzende und heute hoch entwickelte Seuchenbekämpfung hat das Polk vor unermeßlichem Schaden bewahrt. Professor Dr. Stellwaag vom Vorstand des Forschungsinstitutes in Geisenheim behandelte das Massenauftreten von pflanzenschädigenden Insekten. Die Witterung ist für die Massen- Freitag wurden die sterblichen Heberreste des Generals der Kavallerie Knochenhauer vom Sterbehaus zum Dienstaebäude des Generalkommandos des X.Armeekorps in Hamburg übergeführt. In feierlichem Zuge trugen Unteroffiziere des Stabes den mit der Reichs- kriegsflagge geschmückten Sarg den Weg, den der General täglich zu seinem Dienstzimmer ging. Das gesamte Offizierkorps des Generalkommandos und die Beamten der Wehrkreisverwaltung geleiteten ihren Kommandierenden General auf diesem letzten Wege. Dänisches IHotorboof von Fähre gerammt In dem Fahrwasser zwischen dem dänischen Hafen Esbjerg an der Westküste Jütlands und der In- sei Fanöe geriet ein mit vier Personen besetztes Motorboot vor die Fähre, obwohl deren Kapitan Warnungssignale gegeben hatte. Das Motorboot wurde gerammt und sank sofort. Einern von der Fähre ausgesetztes Rettungsboot gelang es, den 12 Jahre alten Sohn des Motorbootfahrers zu retten Der Vater konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Mutter und Tochter waren in der kleinen Kajüte. Es gelang ihnen nicht, sich zu befreien, so Mit Rücksicht auf den Wohnungsmangel und die Baustoffknappheit sind Bestrebungen im Gange, durch Ausweitung der baupolizeilichen Bestimmungen einen härteren Ausbau von Dachgeschossen zu erreichen. Das Reichsheimstätten- amt der Deutschen Arbeitsfront hat dazu dahin Stellung genommen, daß dann eine größere Wärmeisolierung und eine genauere Festlegung der Bestimmungen gefordert werden müsse. Dachgeschoßwohnungen müßten den Wohnungen in Vollgeschossen hinsichtlich der Belüftung, Belichtung, Hygiene und Wohnlichkeit gleichwertig sein. Bei Einzelhäusern könne das Dachgeschoß voll zu Wohnräumen ausgebaut werden. Bei Gebäuden mit zwei und drei Dollgeschossen im Zweispännertyp müsse der notwendige Trockenboden und Abstellraum gesichert sein. Bei eingebautem Reihenhaus dürfe das Dachgeschoß nur ausgebaut werden, wenn in jedem Geschoß nur eine Wohnung Der englische Flugzeugträger „Glorious" und vier Zerstörer werden am 7. Juli in der gr t e d) i = sche n Bucht von Phalero n emtreffen. Weitere Einheiten der englischen Mittelmeer flotte sollen mehrere griechische Inseln und Häsen, darunter Na- varino und Mythilene, im Juli anlaufen. * Der Nationalsynod der rumänischen orthodoxen Kirche hat mit 406 von 432 abgegebenen Stimmen den Metropoliten von Jassy, Nikodem, zum neuen rumänischen $ a t r i a r d) e n gewählt. 2lls ältester Metropolit hatte Modem bisher den vor einigen Monaten verstorbenen Patriarchen Miron Cristea vertreten. Der erste deutsch-italienische S t u d i e n k o n - ar eß über die Organisation der Landwirt s cha f t wurde in B o l o g n a eröffnet. Er bezweckt die Prüfung sowie den Vergleich der auf der Stelle tot, ein vierter mußte in lebensgefährlichem Zustand in ein Krankenhaus gebracht werden. Keine öffentlichen Hinrichtungen mehr in Frankreich. Die ftanzösische Regierung hat sich erst jetzt veranlaßt gesehen, die O e f f e n t l i ch k e i t bei Hinrichtungen auszuschließen. Den unmittelbaren Anstoß gaben peinliche Begleitumstände bei der Hinrichtung eines 'Raubmörders irr Versailles. Die dortigen Behörden hatten versucht, einen Massenandrang an dem öffentlichen Hinrichtungsplatze zu vermeiden und darauf kam es nicht nur zu einem lebhaften Murren, sondern auch zu recht unliebsamen Szenen des Publikums. Pariser Blätter brachten dann Aufnahmen von der Hinrichtung, die mit photographischer Treue alle Einzelheiten darstellen. Die Regierung hat jetzt ihr Notverordnungsgesetz benutzt, um solche kulturschänderische Hn- liebfamteiten zu unterdrücken. Schon vor 41 Jahren hatte der Senat einen entsprechenden Gesetzentwurf angenommen, aber die französische Kammer hat diese Anregung nie aufgenommen — die Herren „deputes (Abgeordneten) wollten ihre Wähler nicht um das ausgesuchte Vergnügen der Teilnahme an Hinrichtungen bringen. Vorwand für diese Rücksicht auf die Sensationsgier der lieben Wähler war die Behauptung, daß öffentliche Hinrichtungen besonders abschreckend wirkten. Die Oeftentlichkeit der Hinrichtungen in Frankreich hat in der französischen Sprache eine ganz merkwürdige Spur hinterlassen. „S t r e i k" oder „Ausstand" heißt im Französischen „greve“. Woher kommt nun dieses Wort? Hrsprünglich bedeutet es ganz etwas anderes, nämlich „S t r a n d". Gemeint war der Strand an der Seine vor dem Pariser Stadthaus. Dieser Platz vor dem Pariser Stadthaus hieß seit undenklichen Zeiten: „La place de greve“, was nichts anderes heißt als „Strandplatz". Dort aber fanden feit dem Mittelalter die Hinrichtungen statt; auch war die- jer Strandplatz, der zugleich der Platz vor dem Rathaus war, ein Lieblingsaufenthalt für Müßiggänger, und nun kann man sich alles weitere schon denken: Don dem Hinrichtungsplatz, auf dem die Müßiggänger der Vollziehung des Todesurteils gern zusahen, bekam im übertragenen Sinne der gewollte Müßiggang, nämlich der Streik oder der Ausstand, seinen Namen. So kommt es, daß in der französischen Sprache der Streik seinen Namen nach dem „Strand" führt, nämlich nach jenem Strand vor dem Pariser Rathaus, auf dem die Hinrichtungen jtattfanben. Wetterbericht Im Nordseegebiet hat sich ein neuer Teilwirbel entwickelt, der die über Großbritannien südwestwärts strömende kältere Meeresluft weiter auf das Festland verfrachtet. Ihr in einzelnen, immer kälteren Staffeln erfolgender Einbruch gibt auch in unserem Gebiet am Samstag Anlaß zu wiederholten teilweisen gewittrigen Niederschlägen und .zeitweise böig auffrischenden Winden. Das Wetter bleibt auch weiterhin unbeständig, doch kann mindestens für vorübergehend wieder mit Niederschlagsberuhigung gerechnet werden. .. v Vorhersage für Sonntag: Veränderlich mit häufiger Aufheiterung und nur vereinzelten Schauern. Bei lebhaften Winden aus West bis Nord Lufttemperaturen am 30. Juni: mittags 19,4 Grad Celsius, abends 17,3 Grad; am 1. Juli: morgens 17,3 Grad. Maximum 21,6 Grad, Minimum heute nacht 16,4 Grad. — Lufttemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. Juni: abends 21,2 Grad; am l.Juli: morgens 18,4 Grad. — Sonnenscheindauer 4,8 . Stunden. _________________ Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. ’ Stellvertreter des Hauptschriftleiters: HL. Neuner. Verantwortlich für Politik und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thynot (beurlaubt), t. D.: Dr. Fr. W. Sange; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst : Blumschein (beurlaubt); i. D. Heinrich Ludwig . Neuner; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner. ; Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den ; Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2). 21.V 1939: ■ 9133 Druck und Verlag: Brühlsche Hnwersitats» i druckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen- i Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. . Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps- mehr, t Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., i mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preis- > liste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig. daß sie ertranken. Dem schweren Unglück wohnten! Hunderte von Augenzeugen bei, ohne eine Möglichkeit zur Hilfe zu haben. Bienenoafer starb mit feinen Bienen. In Kaltenberg in der Mark ist der Friseur Dreyer auf tragische Weise ums Leben gekommen^ Er hatte seine Bienenstöcke geräuchert, und als er wieder zurückkehrte, hatte sich eine offene Flamme entwickelt. In kurzer Zeit brannte das Bienenhaus lichterloh. Er eilte hinzu, um zu löschen, war jedoch der Aufregung nicht gewachsen. Inmitten seiner jterbenben zwölf Bienenvölker sank er, vom Herzschlag getroffen, zu Boben. Brieftauben überfliegen die Alpen. Zum erstenmal wird am 1. Juli 1939 ein offizieller StaffettenfluH Deutschlan d—I t a « lien mit Brieftauben über die AlpSn ftattfinberu Die „Federazivne Colombiere b'Jtalia" und der Deutsche Reichsverband für Brieftaubenwesen E. 2L wollen hiermit der Verbundenheit ihrer beiden Länder symbolijch Ausdruck verleihen. Die Tauben wer- den am 1. Juli gleichzeitig in Rom und in Berlin morgens 5 Hhr aufgelassen. Es ist zu erwarten, daß sie bereits am Nachmittag des 2. Juli an ihrem Der letzte Tag der Wissenschaftlichen Woche in Frankfurt a. M. wandte sich den praktischen Fragen der Seuchen- und Schädlingsbekämpfung zu. Geheimrat K iß kalt (München) gab einen Heberblick über die Seuchen im Schicksal des deutschen Volkes. Die statistischen Zahlen beweisen eindeutig den großen Erfolg der Seuchenbekämp- jimg im 19. Jahrhundert. Ihr Verdienst ist es, daß wir auch im Krieg von jeglichen Seuchen verschont geblieben sind. Was Seuchen WA V BRÄNDPLÄTZ | Kaufgesuche | Gesucht: KleindieseMnr 4—5 PS, mögt. Benz ob. Deutz, in tieft betriebs- tücht. Zustand. - Daseltistgünst. atizugeven: Benz-Dieselmotor Mod. R. 1, 14/ 12 54/11 PS. - 500/450/400 n. m. schwer. Licht- schwungr., wen. gebr. Schriftliche Angebote unter 4660Da.d.G.A. I Wohnhaus 3 x 5-Zimmer- wobn., Garten, Hofraum u. Einfahrt m. Nebengebäude, das als Lager u. Werkstätte dient, vreisw. z. verk. Adolf Schmidt, Licher Straße 5, ^mmob.u.Hyv. Svr.: 8-10.30 u. 14-16. Televh. 1.2 Opel Kahrin-Limousine in gutem u. sehr gepflegt. Zust., guter Läufer, m. reicht. Zubehör, geg. bar sof. zu verkaufen. Anzusehen: Zeug- hauskaserne. Braves, ehrlich. MMtii zum bald. Eintritt gesucht. 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Von Ulrichstein nach Lauterbach, von Alsfeld nach Ulrichstein, von Schotten nach Nidda, durch das Laubachtal von Schotten nach Grünberg, von Gedern die Nidda bergauf über Hartmatzns- hain, dem Hoherodskopf nach Herbstein! Kreuz und quer durch den Vogelsberg, wahrlich eine dankbare Aufgabe. Ueherall saubere Dörfer und Märkte, allüberall Berührungspunkte kulturellen Lebens mit lebendiger Vergangenheit, verwoben mit dem Weistum eines unverdorbenen, seinem Boden anhangenden Kirche ist 1568 erbaut. In der Umgebung des Ortes finden sich manche Hügelgräber und Reste vorgeschichtlichen Ackerbaus. Nördlich von Höchst liegt auf waldiger Höhe das Wambolder Schlößchen, so genannt nach den Freiherrn von Wambold. Hier künden geringe lieber» reffe von einer römischen Niederlassung. Südlich von Höchst, gleichfalls auf bewaldeter Höhe, hat man die Reste einer römischen Villa gefunden und westlich von dem Ort, auf der Hochfläche zwischen Mümling- und Gersprenztal, war an der Stelle, die heute Haselburg heißt, nahe bei Hummetroth, die räumlich bedeutendste römische Anlage. Das Land hier war also schon lange besiedelt und bebaut. In römischer Zeit lag die Gegend von Höchst innerhalb des sich in nicht allzuweiter Entfernung hin- ziehenden Limes. Heute ist Höchst ein ausblühender Ort, dessen Bewohner sich mit Ackerbau, auch mit Industrie befassen. Vor allem ist Höchst ein gern und ost besuchter Ausflugsort, fei es als Ziel, sei es als Ausgangspunkt für schöne Wanderungen. Schon die chen eingebürgert, die eine „herrliche Bräunung an den Anfang ihrer Anpreisungen stellen. Die meisten dieser Salben nützen nichts, heißen sie wie sie wollen. Ich nenne hier auch zwei Mittel gegen Sonnenbrand:„Tschamba-Fij" für Gesicht und Körper, „Labisar^ für die Lippen! Für diese Empfehlung bekomme ich weder Geld noch gute Worte: ich gebe sie, weil sich die genannten Sonnenbrand- Schutzmittel wirklich als vorbeugend und heilend bewährt haben! Und noch etwas! Es ist herrlich, sich einmal ganz frei und ungehemmt in der Natur freuen und bewegen zu können und mit der Natur verbunden zu sein. Dieses glückhafte Gefühl der Freiheit und des Ungebundenseins soll aber niemals ein Freibrief dafür sein, sich als „Naturverbundener" nicht mehr zu rasieren und keinem abgerissenen Knopf nachzutrauen oder zu glauben, daß besonders große Nadelstiche einen gerissenen Hosenboden besonders apart erscheinen lassen. Schlichtheit und Sauberkeit in allem geben uns auf Bergfahrt nicht nur erhöhtes Lebensgefühl, sondern bewahren uns darüber hinaus vor dem berechtigten Kopfschütteln der Bergbauern! Lauterbach (Oberhessen), das idnllischc Landstädtchen int lieblichen Tal der Lauter, am Hang des Vogelsberges, umgeben von weiten, stillen Buchen- und Tannemväldern und von fnmtcit Höhenzügen. Sommerfrische. Malerisches Alt-Lauterbach, -veunat- museum. Großer Stadtpark (30 Morgen). Mod.Srelschwlmmtmd. 1576 wurde als Folge der Res aufgehoben. Vom Kloster ist Bauten heute echalten. Der frühere Konventsbau wird jetzt als Pfarrwohnung benutzt. Das Propsteigebäude ist heute vermietet; ein an seiner Front sich erhebender runder Treppenturm fällt durch sein stattliches Aussehen auf; der untere Teil stammt aus 1592, die Bedachung ist dagegen neueren Datums; die Schlüsselscharten erinnern an einstige Wehranlagen. Das ehemalige Refoktorium dient jetzt als Scheune; hier findet sich ein schönes gotisches Portal mit Laubwerkverzierungen, das freilich schon ziemlich zerstört ist. Von der alten Klosterkirche steht heute noch der Turm an der Westseite des Langhauses, aus romanischer Zeit. Die heutige Richtige Kleidung auf Bergfahrten. Von Leo K. Krasser, Äannfachwart und Zugend-Bergführer. „... Das eine war eine deutsche Touristin mit ausgeprägten Weiblichkeiten, entblößtem Hals, rot und schwitzend, mit Tiroler Hut und Fasanenfeder, mit zehnpfündigen Bergschuhen und einem mit Sicherheitsnadeln gerafften Lodenrock ..." Ja, das habe ich neulich in einem herzerquickend bösen Abschnitt eines bekannten Buches gelesen. Und weil gar so viel Wahrheit in dieser stillen Naturbeobachtung liegt, kann ich den Wortlaut nicht verschweigen; er reizt mich geradezu, über das Kapitel, das die Überschrift kennzeichnet, eine Art von Predigt zu halten, deren Weisheit sich auf alte Erfahrung gründet und die von selbst befolgten Ratschlägen — dessen versichere ich Sie — nur so strotzt. Wenn man also in die Berge reift, fei es allein, mit Kind und Kegel oder mit KdF., soll man sich bewußt fein, daß man an den Gegenpol von Norderney oder Borkum fährt; was hier billig ist, ist dort noch lange nicht recht! Shorts oder ähnliches stümperhaftes Kleiderwerk hat in den Bergen nichts zu suchen, weil es vorkommen kann, daß einem der Wind „durch und durch" pfeift. Ich meine dabei den Jochwind, der meist recht scharf in Moll bläst (auch bei schönem Wetter), also lange nicht so heroisch wie der Wind an der See. Und wenn dann noch ein erfrischender Regen das edle Antlitz der Berge verschleiert und das Wasser in den Halbschuhen quatscht, 1 finden Sie das nicht poetisch? Mir wenigstens fehlt die dichterische Ader und wir Bergsteiger haben unseren Stolz — soweit er die Ausrüstung betrifft — immer noch in erster Linie in der großen Zehe sitzen, die sich in einem gut anliegenden, bequemen und starken Schuh wie zuhause fühlen muß. Man wird für Berg-Spaziergänge noch lange keine „Knospen", wie man bei uns die schwer genagelten Bergschuhe nennt, anziehen, wohl aber feste Schuhe, die bis über die Knöchel reichen und wenigstens leicht benagelt sind. Mit solchem Schuhwerk ver- knaxt man sich nicht den Fuß, rutscht nicht bei jedem Schritt und hat auch bei Schlechtwetter warme und trockene Füße. Hat jemand die verpönte Gewohnheit zwar nicht in Angst-, sondern vielmehr in Fußschweiß auszubrechen, ist es für ihn noch mehr wie für jeden anderen wichtig, über den Strümpfen feste Socken zu tragen, die den Schweiß aufsaugen, den Fuß weich betten und außerdem das Eindringen von Steinchen verhindern. 3 Paar Strümpfe und Socken zum häufigen Wechsel werden die Füße mit Dank zur Kenntnis nehmen. Die Lange der Strümpfe richtet sich ganz nach der Ueberklei- dung, Bei Männern, die auf Bergfahrt am besten Pumphosen (Knickerbocker) tragen, reichen Kme- strümpse vollkommen aus. Sofern Frauen und Mädchen bei Touren nicht ebenfalls Pumphosen tragen, müssen unbedingt lange Strümpfe vorgezogen werden. Ist es heiß, kann man auf Bergpfaden ja den Knie-Verschluß der Hosen öffnen. Bei Frauen kommt für einfache Wanderung auch noch der Hofen-Rock aus festem Stoss in Frage. Kleider bewähren sich bei Touren nicht. Außerdem sieht ein hübsches Sporthemd oder eine schlichte Bluse weit ansprechender aus, als ein durch Regen verzogenes Wanderkleid! lieber Bluse oder Sporthemd trägt man, wenn es kühler ist, eine Jacke oder Weste mit Aermeln, wobei aber darauf zu achten ist. daß sie den Rücken vollständig bedecken. An kalten Tagen kann unter der Weste noch ein Pullover getragen werden. Die Kopfbedeckung scheint immer noch ein Problem zu sein, besonders für die Weiblichkeit. Wir Männer tragen immer schon unseren alten, wasser- und winddichten Lodenhut, den mir — ,e älter er ist — um so lieber gewinnen. Die Frauen scheinen, halt, sie scheinen nicht nur, sondern find um ihre jeweilige Wellen- und Tackel-Anlage viel zu besorgt und haben daher zu recht absonderlichen Kopfbedeckungen Zuflucht genommen, die weder schön und noch weniger zweckmäßig sind, Noch bin Gicht Rheuma Jschias richtet. Wie fast der ganze Odenwald, ist auch die Gegend von Höchst alter Kulturboden. In der Geschichte erscheinen Ort wie Zent Höchst zuerst 1158, als die Abtei Fulda hier begütert war und die Kur- pfalz damit belehnte. Dann kam Höchst an die Herren von Breuberg, die auf dem etwa eine Stunde entfernten „Hohen Haus Breuberg" saßen; von ihnen erhielten es ihre Erben, die Grafen von Wertheim, deren Stammsitz sich am Zusammenfluß von Main und Tauber erhebt; nach deren Aussterben erlangten die Häuser Erbach und Löwenstein den gemeinsamen Besitz, bis 1806 das Großherzogtum Hessen mir vielem anderen standesherr- lichem Besitz auch Höchst erhielt. Um 1200 wurde in Höchst ein Augustinennnen- kloster gegründet, das „unserer lieben Frau" geweiht war. 1508. folgten Benedektinerinnen; nach 1576 wurde als Folge der Reformation das Kloster ' ' noch ein Teil der Volkes. Schauen wir hinüber nach Münzenberg, der trotzigsten Stauferveste, zum hierliebenden Lich mit dem berühmten Grabstein des Ritters von Lich, und wir stehen in Gießen, der das Land um den Vogelsberg mit feinem Reichtum und einer leben- digenden Geschäftigkeit versorgenden Grenzstadt. Kommen und schauen ... vermag man dem Suchenden nur zu raten. Freilich fehlen der stillen, ganz in sich versunkenen Landschaft die weithin leuchtenden grellen Schlaglichter, wie sie die Alpen, Rhein und die See zu geben vermögen, wohl Höchst im Odenwald. Von Hans Otto Becker. Wo das Odenwaldflüßchen Mümling seinen ur- sprünqlich von Süden nach Norden gerichteten Lauf zum Main nach Osten ändert, liegt in einem verhältnismäßig weiten Talkessel, von bewaldeten Höhen und Hängen umgeben und beschützt, der freundliche Marktflecken H ö ch st. Der Ort ist Station der Odenwaldbahn, die von Darmstadt bzw. Hanau über Wiebelsbach—Heubach nach Eberbach führt, und ist Ausgangspunkt der Bachgaubahn, deren Ziel Aschaffenburg ist. Die Odenwaldbahn durchährt, kurz bevor sie Höchst berührt, den 1600 Meter langen Hetschbacher Tunnel zwischen Frau-Nauses und Hetschbach, nach dessen Verlassen fid)1 für kurze Zeit ein Blick auf den Kegel des Breubergs mit einer alten Feste öffnet. Die Autostraße nach Höchst ührt von Groß-Umstadt über den Berg, den die Eisenbahn durchfährt, in vielen Schleifen die Höhe nehmend, die das fogenannte ■ Rondell, mit einem Christusbild aus Sandstein zur Seite am Waldrand, krönt; ein überraschend schöner Blick in das grüne Mümlingtal mit seinen dunklen, bewaldeten Hängen erschließt sich bei der jetzt bergab gehenden Weiterfahrt. Das Landschaftsbild von Höchst ist bedingt durch den warmen roten Farbton der Sandsteinhänge; aber auch klimatisch betrachtet findet sich hier eine bevorzugte Gegend, geschützt vor rauhen Winden; das in nordöstlicher Richtung weiterziehende Mümlingtal heißt daher seit alters die Rosenau oder auch Blumenau; und bei dem Nachbarort Sandbach hat man des günstigen Klimas wegen eine Lungenheilanstalt, die Ernst-Ludwig-Heilanstalt, er» und andererseits für den radfahrenden Wanderer mit schonen Straßen und Abfahrten den Anstieg lohnt. Mag man nun den Vogelsberg in Gelnhausen, der alten Barbarosjapfalzstadt betreten, mag man in Nidda und Schotten in seinen Bann geraten oder von Nordosten her kommend aus Fulda in Schlitz, der farbenfreudigen Stadt, dieses alte Kulturland betreten, mit Staunen und Wohlbehagen wird der Gast dem Reiz dieses Landes verfallen, den Sitten nachschürfen und den Bauer bei feiner mühevollen Arbeit begleiten. Bei jedem Schritt spricht uns die Geschichte des Landes an, einerlei, ob wir in Schlitz vor dem wuchtig trutzigen Wehrschloß stehen, einem mächtigen Würfel der Renaissance, in Alsfeld, der ältesten Stadt Oberhessens', den Marktplatz mit feinem zierlichen Rathaus aus Giebelwerk und Laubengang unsere Bewunderung zollen, dem geschäftigen Treiben am Markttag beschaulich zusehen, oder Büdingen, die Stadt der Tore betreten, lieber» Haupt Büdingen, welche Vielheit ficht uns an! Die mächtigen Rundbogen des Jerusalemer Tores, der Schloßeingang, die weiten Wehrgänge, die Romantik der Kirchenportale und eine verwirrende Vielfalt schöner Brunnen, ein bestechendes Beispiel des Bollwerkbaues, mit dem das Mittelalter feine Siedlung umspannte. Wir erfreuen unser Auge am Fachwerk des Herdsteiner Rathauses, stehen erstaunt vor den Schloßquadern der Herren von Nidda und finden i n O r t e n b e r g die lleberrefte einer idealen mittelalterlichen Stadtfeste. Schenken wir weiter Bad Salzhausen unsere Aufmerksamkeit, einem sich regenden Bad, das seinen Ruf immer fester verankert und seinem vulkanisch begründeten warmen Sprudel großen Ru sichert. Schotten, bekannt durch die Rennbahn, die alljährlich Hunderttausende anlockt, idyllisch im Kessel, geschützt vor rauhen Winden gelegen, hat feine äußere Struktur wohltuend erneuert und ist zentraler Ausgangspunkt von Süden her. Reich natürlich ist dieser alte Kulturboden, war er doch der Sitz der Chatten, an Denkstätten, die in ferne Zeiten zurückreichen, so streifen wir nur kurz den Glauberg, der uns durch seine Funde neue Einblicke in die Kultur unserer Ahnen geschenkt hat, erinnern uns der „wilden Fr a u", einem aufstürmenden Quadernbau, über dessen Sinn man noch keine volle Klarheit erlangt hat, wohl Grün berg. Die Sommerfrische an Wald und Wasser, malerisch am Fuße des Vogelsberges gelegen. Herrliche Spaziergänge m den Tälern, in prächtigen Tannen- und Laubwäldern, Ausflüge nach dem hoben Vogelsberg. Eisenbahnknotenpunkt. Gute Gattitatten. Grofies Waldschwimmbad. Prospekt durch die Stadtverwaltung. ich nicht verkalkt und ich freue mich das ganze Jahr, wenn mich im Sommer zwei schwarze Augen eines gesunden Bauernmädels aus einem roten, dreieckigen Kopftuch hervor ganz heimlich angelacht haben; da war es meistens so, daß ich auch gelacht Üab’ — oder war ich dabei der erste? — und dann packte sie wiederum eine Garbe um die andere und ich zog weiter in der Mittagsglut den Bergpfad entlang. Wie langweilig und lächerlich schauen dagegen unsere Stadt-Jungfern aus, die mit einem scheckigen Kopftuch ebenso natürlich wirken mochten wie mein Bauernmädel. Das Kopftuch will m heißer Sonnenglut erarbeitet sein beim Heuen, beim Korn- schneiden, auf dem Acker — bann, und nur dann hat es Berechtigung! Jeder kleide sich so, wie es seinem Lebenskreis entspricht. In den Bergen hat nur bas Berechtigung, was Wetter, Sturm und Sonnenschein trotzen kann: Ein schlichtes Gewand, ein fester Lodenhut (auch für Frauen!), gute Schuhe und ein dauerhafter Regenschutz! Jur Bekleidung weiteren Sinnes gehört auch der Schutz der Haut vor Sonnenbrand. Gegen dieses schmerzhafte und durchaus nicht verschönernde liebel haben sich viele Mittel und Mittelfehlen der Gegend die Saison bedingten Luxusorte mit ihrem mondänen Treiben, den Vergnügungen des Abends, doch, haben wir bas nicht alle Tage, während wir hier beschaulich dem Zug der Sterne zuträumen können! Einfühlen wollen und sollen wir uns in die Landschaft, in die Eigenart ihres Charakters, und wir werden um ein Erlebnis reicher sein, freilich kein schreiendes, reklamesüchtiges, sondern ein stilles, inneres Erleben, das uns im Herzen froh macht und uns gesunb, reiner und zufriedener die Allgewalt der Natur auf tut, die nichts verschwendet, sondern sich nur dem ganz zu geben verspricht, der sich ihr einfügt, sich ihr mit feinem ganzen Fühlen hingibt und die Augen mitbringt zu freudigem Schauen! So mag es einerlei sein, ob wir in Salzhausen, in Büdingen, in Gelnhausen ober in Alsselb diesen uralten, vulkanischen Boben betreten, er wirb uns überall seine natürliche Schönheit erschließen. Die Rhön ist schöner geworden. Auf ber Wasserkuppe in der Rhön findet vom 23. Juli bis 6. August ber große Segelflug-Wettbewerb statt. Etwa 80 Maschinen werben daran teil- nehmen. Im preußischen Teil ber Rhön finbet man bereits ein gut ausgebautes Straßennetz. Von allen Seiten gelangt man schnell zu ber Wasserkuppe, bie mit 950 Meter ber höchste Berg ber Provinz Hessen- Nassau ist. Das neue Deutschland arbeitet unermüdlich an ber Erschließung ber Rhön, bie als Erholungsgebiet von Jahr zu Jahr größere Bebeutung erlangt. Inzwischen konnte auf ber Wasserkuppe auch ein mobernes Schwimmbad errichtet werben. Der Vogelsberg als Wanderziel. Von Jos. 61. Lohr Umrandet von den Senken der Wetterau, der oberen Lahn und ber Kinzig, bem Kernstück deutscher Romantik, aus dem die Gebrüder Grimm den Urstoff ihrer Märchep und Sagen geschöpft haben, erhebt sich das kompakte Massiv des vulkanisch gewachsenen Vogelsbergs. Sanft ansteigend, wellig durchbrochen, umwoben von zarten, duftenden Tälern, von unteren, springenden Bächen begleitet, steigt er allmählich empor zu feinen höchsten Erhebungen, bem Taufstein und dem Hoherodskopf. Beibe beherrschen weithin das Land und schenken weite Aussichten gen Fulda, bem entfernten, bläulich leuchtendem Taunus unb hinüber zur verwandten Rhön, bie nur burch das Tal der wilden Kinzig getrennt ist. Meilenweit sich erstreckende, wildreiche Waldbe- ftänbe, unterbrochen von blumenbestreuten Wiesen, hingeklecksten Dörfern und Marktflecken, die sich den Reiz der Unberührtheit bewdhrt haben, Bächen unb temperaturhohen Quellen verschaffen bem Vogelsberg weithin ben Ruf eines Reiselands für erholungsbedürftige Großstadtmenschen. Er vermag still und unaufdringlich Ruhe und Labung zu schenken bei einem Volke, bas in feiner Geradheit, Urwüchsigkeit und einem Trachtenreichtum wetteifert, dem Fremden die Laiidschaft in ihrem Wesen ganz zu erschließen. Doch, so günstig auch der Vogelsberg durch seine »dealen Bahnverbindungen, der ihn fast durchquerenden Autobahn ausgeschlossen ist und die Zufahrten aus Frankfurt, Gießen und Fulda kurze Anfahrten brauchen, entwickelt sich der Vogelsberg mehr unb mehr zu einem Reisegebiet der Raistou- risten und beschaulichen Wanderer. Bedingt einerseits durch die Abwechslung des welligen Geländes, das immer neue Ausblicke und Fernsichten gewährt Alter Winkel in Ortenberg." — (Aufnahme: I. Cl. Lohr, Frankfurt.) W MW eine Rundfahrt um Diamond Head herum, sollen An der Saale Hellem Strande sals. eines „Sag der Deutschen Kunst. Amerikas Hauptfestung im Stillen Ozean. Hier die größten Geschütze der Welt nächste Umgebung bietet Gelegenheit zu abwechslungsreichen genußvollen Waldspaziergängen. Weiter in die Ferne führen Gänge zum Otzberg, der nördlichen Warte des Odenwaldes, zum Breuberg, der größten und schönsten Burg des Gebirges; ins Mümlingtal zu den Nachbarorten Bad König, Zell, Michelstadt, Erbach; über die Hasenrother und Hum- metrother Höhe zur sagenumwobenen Höllsteiner Höhe und der Ruine Schnellert; endlich hinüber ins Maintal nach Oberburg oder Wörth. Alle diese Wege erschließen schöne Teile des östlichen Odem walos, die nicht nur landschaftlich, sondern auch durch die reichen naturgeschichtlichen Erinnerungen aller Art immer wieder den Besucher zu fesseln vermögen. Ein „Gehbad" für Rheumakranke. Bad Oeynhausen hat seine Kureinrichtungen jetzt um ein „Gehbad" vermehrt, das die Heilung der Rheumakranken erleichtern soll. Das neuartige Gehbad besteht aus einem großen, mit 15 Kubikmeter kohlen äurehaltigem Thermalwasser gefüllten Becken Es ist an den Seiten mit Haltestangen versehen und ermöglicht selbst den Gehbehinderten die Bewegung ohne fremde Hilfe, da das spezifische Gewicht des Wassers die Schwere der kranken Glieder aushebt. Auf die so gelockerten Gelenke wirkt die Heilkraft des heißen Thermalsprudels stärker ein als auf die in einer Wanne ruhenden unbewegten. Aloha! Honolulu, den 20. August 1931. Gibt es wohl einen Ort auf der Welt, wo man dem Reisenden, der eben ankommt, zur Begrüßung einen duftenden Blumenkranz umhängt? Das ist mir heut hier in Honolulu begegnet. Auf dem Pier spielte zum Empfang unseres Dampfers eine Militärkapelle, und Hunderte von Menschen erwarteten das Schiff, alle mit Kränzen in der Hand. Im Augenblick, wo die Sperre aufgehoben wurde, flutete der Strom an Bord, und zum Willkommen bekam jeder feinen Kranz um- gehänat. Besonders geschickt und freigebig warb auf diese Art eine Hotelagentin Gäste. Ich komme auf den Pier, ein junger Mann aus befreundetem Hause in San Francisko begrüßt auch mich mit dem Blütenkranz. Aloha! ist das Grußwort auf diesen Inseln. Aloha steht mit großen Buchstaben auf dem Signalturm am Hafen geschrieben. Aloha! Liebe! Wort und Sitte haben schon die ersten Weißen, die sich vor hundert Jahren in Honolulu. niederließen, von den Eingeborenen übernommen. Unser „President Wilson" bleibt hier einen Tag liegen; Man macht einen Plan für die Jnselrund- fahrt. Ein schöner Sechssitzer bietet sich an. Joseph I. Gomes, der Chauffeur, sagt: Schlechte Zeiten, nur 20 Dollar für den ganzen Tag, große Tour, rund um die Insel! Wir sind fünf Personen, jemand aus München, jemand aus Augsburg, jemand aus Neuyork, aber mit Spreewasser getauft, und zwei junge amerikanische Lehrerinnen, macht vier Dollar auf jeden. Wir fahren los und kommen über den Platz, wo mitten in der Stadt das Denkmal Kameha- m e h a s des Großen steht: der nackte Körper aus dunkler Bronze, Schurz, Federmantel und Federhelm vergoldet, auf den ersten Anblick seltsam, aber die Figur, die stolze Gebärde, das kühne Gesicht machen Eindruck. Dieser Kamehameha wurde 1781 Häuptling auf Hawaii. Er eroberte den ganzen Archipel, vereinigte ihn zu einem einzigen Staat, öffnete ihn für den Handel der Weißen und neigte sich zum Christentum. Man nannte ihn den Napoleon der Südsee. 1872 starb sein letzter männlicher Nachkomme, 1898 wurde das Sternenbanner in Honolulu gehißt. Kamehamehas braune Kinder sind im Aussterben, aber 50 000 Amerikaner, 30 000 Chinesen, 150 000 Japaner, dazu viele Mischlinge bevölkern jetzt die Inseln. Honolulu und das ganze Eiland Oahu ist eine Welt voll von Blumen und Früchten. Bäume, so groß wie Eichen, leuchten brennend rot und gelb unter einer Decke von Blüten. Die feuerrote Hibis- kusblüte auf ihrem dunkelgrünen Strauch säumt Robert Guiscards, das Neapel und Sizilien beherrschte. !^>as konnte in jenen Tagen ein Deutscher nicht alles sein? Befehlshaber in Apulien oder an der Klause von Verona, Gesandter in Konstantinopel oder Gefolgsmann seines Kaisers beim Einreiten in Jerusalem; ritterlicher Gast unter der Fahne des Deutschen Ordens in Preußen ober Lio- land ober Mitkämpfer auf der Walstatt bei Liegnitz unter Herzog Heinrich gegen die Mongolen! Die Pommernherzöge riefen adlige Lehnsleute, Bürger und Bauern in ihr wildes Land, und die Könige von Ungarn warben Kolonisten, um ihre Krone an den Tr cm ssy Iranisch en Pässen zu verteidigen. An der Ostsee wuchs der Kranz der deutschen Städte von Lübeck bis Reval; die Hansen hatten ihre Kontore in Bergen und Nowgorod, und der Engländer lernte das Geld, das die deutschen Kaufleute in sein Land brachten, das Pfund der Osterlinge nennen. Deutsche Kleriker und deutsche Baumeister studierten auf der Universität von Paris und auf der Bauhütte in Reims; deutsche Ritter tränkten ihre Pferde im Tiber und im Jordan. Vom Atlantischen Ozean bis Arabien, von Sizilien und Byzanz bis zum Nordmeer reichten die Linien der Politik, des Handels, der Heerfahrten, des wissenschaftlichen und künstlerischen Verkehrs, die sich in Deutschland kreuz- ten. Dies Deutschland muß man sich vorstellen, wenn man Antwort auf die Frage sucht, woher die un- Gladenbach — Dernbach — Bottenhorner Heide — Hartenrod. Wir fahren über Niederwalgern nach dem anmutig in einem Talkessel gelegenen Gladenbach und folgen von hier schwarzen Punkten, die uns an der Ruine Blankenstein vorbei über Kehlbach durch die wegen ihrer schluchtartigen Wald- und Wiesentäler Hinterländer Schweiz genannten Landschaft bergauf über Römershausen nach dem hochgelegenen Dernbach, der Perle des mittleren Hinterlandes, bringen. Von der den Ort bekrönenden Burgruine genießt man einen feinen Blick. Rote Punkte führen uns jetzt über die hochliegende große Bottenhorner Heide, die namentlich zur Blütezeit des Heidekrauts einen reizvollen Anblick gewährt, nach Bottenhorn. Unterwegs bieten sich prächtige Blicke auf Dernbach, nach Koppe, Hemmerich, Schneeberge und Dünsberg. Von Bottenhorn leiten uns rote Striche abwärts. Auf unserem Wege erfreuen uns wieder hübsche Blicke auf Tringenstein, ins Dilltal, nach Greifenstein und Hirschbergkoppe. Wir kommen durch das rings von steilen Bergen eingeschlossene Dorf Schlierbach und alsbald nach unserem Endziel Hartenrod. Wander- zeit: 4 Stunden. Weliwanderer in der Weltenwende Paul Rohrbach zum 70. Geburtstag. stehen. Kein Besucher darf sich nähern, kein Flieger darf in Honolulu mit einer Kamera an Bord auf* steigen. Man weiß, wer die Festung heimlich umlauert! — Noch ein kurzer Besuch an dem berühmten Badestrand von Waikiki, wo die „Brandungsreiter" ihre Kunst üben, noch ein Blick ins Aquarium, wo Märchenfische, so bunt wie Schmetter- finge, und furchtbare Seeteufel hinter gläsernen Wanden schwimmen, und bann, nur zu früh, wieber auf ben Pier, wo der „Presibent Wilson" gerabe unter bem Aloha-Turm liegt. Noch em bunter alle Wege. Bvugainvillien fließen wie purpur- violette Wasserfälle von Mauern und Zäunen. Unmöglich, die Namen aller Blumen zu nennen, die süß duftend in den Gärten, an den Hecken, an allen Landstraßen blühen. Prachtvolle Autostraßen laufen um die Insel, durchschneiden sie von Gestade zu Gestade. Jedes benutzbare Stückchen Boden ist mit Zuckerrohr oder Ananas bepflanzt. Millionen Früchte wachsen in endlosen Reihen, eine graugrüne, stachlige Wildnis. Die Ananas von Hawaii geht in Büchsen schiffsladungsweise in die Welt, das meiste nach Amerika. Wir kreuzten die Insel, vorbei an Haleiwa, dem märchenhaft schönen Dillenort am türkisblauen Meer und hielten am Mormonentempel. Es gibt 12 000 Heilige der Jüngsten Tage in Hawaii, meist Chinesen. Dann kamen wir zum David von Punaluu. Er ist ein eingeborener Hawaiier, der sich ein Grashaus nach alteinheimischer Art gebaut hat. Die Regierung zahlt chm ein Monatsgeld, damit er den Fremden die primittve Roman- ttk der alten Zeit vormimt. Alle seine Geräte sind von Stein und Holz. In den Matten, mit denen das Dach feiner Hütte unterlegt ist, stecken Tausende von Visitenkarten, und jeder Besucher wird um die seine gebeten. Hinter dem Haus ist ein Teich mit Lotosblumen, die David mit Grazie den Damen überreicht. Er ist ein schöner Bursche, sein brauner Körper ist wohlgeformt wie ein Modell, die blasierten Amerikanerinnen machen förmlich Jagd auf ihn. Großartig war die Fahrt über den Pali- Paß. Steile Felsmassen aus rotbraunem Gestein erheben sich wie riesige Türme, eine Windsbraut führt in unablässigen Stößen auf dem Gebirgskamm ihren wilden Tanz auf. Man sieht tief hinab aufs Meer; am Gestade leuchtet es grün, weiter draußen tiefblau und dunkelviolett, dazwischen schneeweiß die wanderttden Kämme der Brandung. Ueber den hohen, buntgefärbten vulkanischen Felsen, über dem tropischen Pflanzenkleid liegen ein weißblauer Himmel und brennende Sonne. Pünkttich um Mittag hält Joseph I. Gomes vor dem deutschen Pfarrhaus: ein deutscher Willkommensgruß, ein deutscher Familientisch, deutsche Speisen, deutsche Bücher — alles mitten im Stillen Ozean, wo warme Tropenlust durch die offenstehenden Türen streift und tropischer Blu- menbuft hereindringt. Ein Sohn des Hauses ist Lehrer in Kanton und arbeitet dort an einer Dissertation für eine deutsche Universität; ein zweiter verdient sich in Honolulu als Lehrer das Geld, um in Deutschland zu studieren. Dazu eine Tochter, ein ganz geliebter Backfisch, der barfüßig auf die höchste Auch in diesem Jahre wird anläßlich des „Tages der Deutschen Kunst" in München eine Fest- Plakette heraus gegeben, die von dem Münchner Bildhauer Karl Roth entworfen und von ihm selbst in Stahl geschnitten wurde. Die Plakette zeigt die aufrechte Gestalt der Pallas Athene, der Schutzgöttin der Kunst. Unterhalb des Schices steht zu ihren Füßen ein Adler, als Wächter der deutschen Kunst. Die Plakette wird hergestellt aus einem neuen Werkstoff Maanewin, einer Verschmelzung von Magnesium und Aluminium. — (Scherl-M.) Gießen — Hangelstein — Beuern — Bersrod — Winnerod — Reiskirchen. Zu dieser Wanderung benutzen wir die am Justizgebäude beginnenden blauen Dreiecke. Wir gehen über die Wiesen bis zum Philosophenwald und an dessen Rand entlang nach unserem Vorort Wieseck, der zum Teil durchschritten wird. Hinter der Ludwigsburg führen die Zeichen zum Hange l st e i n, dessen bemerkenswerte Punkte, wie Aussichtspunkt über dem Steinbruch, Felsenkanzel, Teufelskanzel und Unionslinde, wir berühren. Wir kommen über den Daubringer Paß mit schönen Blicken in das Busecker- und Lumdatal und auf stillen Waldpfaden nach Beuern, wo wir rasten können. Der Weitermarsch geht über Bersrod, hinter dem wir die Reichsautobahn überschreiten, nach Winnerod mit seinem altersgrauen, efeuumrankten Kirchlein, in dessen Innern die zum Teil noch wohlerhaltenen sehenswerten Epitaphien der letzten Herren von Windhausen sich befinden. Die Zeichen verlassend, gehen wir nun auf guter Straße nach unserem Endziel Reiskirchen. Dauer der Wanderung: 5V2 Stunden. Naumb urg, 5.Oktober 1926. Im Westchor des Naumburger Doms stehen e Figuren. Sie sind nicht hineingestellt in den t, sondern der Raum und die Bildwerke sind füreinander gedacht. Don den zwölf Gestalten sind zwei Ehepaare; acht stehen einzeln. Die berühmtesten sind Ekkehard und Uta, das eine der beiden Paare. Alle waren Stifter oder Wohltäter des Doms Ihre Burgen lagen in Thüringen und Sachsen, im Gebiet der alten Markgrafschaft Meißen. Diese Steinbilder sind bas Höchste, was mittelalterliche deutsche Plastik geschaffen hat. Wüßte man den Namen des Künstlers, der sie um die Mitte des 13. Jahrhunderts schuf, so würde man ihn unter die größten Bildhauer von den Griechen bis auf die Gegenwart rechnen. Alle die Jahrhunderte vorher waren in der bildenden Kunst auf deutschem Boden gebunden durch lieb erlief erung, durch Befangenheit ober durch Kampf mit Stofs und Form. Der Naumburger Meister hat beides beherrscht. Seine Ausdrucksmittel sind sparsam, aber gerade darum von hoher Wirtting. Alle zwölf Gestalten leben, und jede wirkt durch Blick, Gebärde und Haltung als die Verkörperung eines Gedenkens oder Wie sind diese Kunstwerke aus einer Zeit, da sich die Sterne des Hohenstaufengeschlechtes schon abwärts neigten, zu erklären? Warum wurden vorher keine von gleichem Range geschaffen, und warum mußten nachher wieder Jahrhunderte Der» gehen, bis einem deutschen Meister ähnliches gelang? Der Naumburger Dom steht im Uebergang von der romanischen zur gotischen Bauweise. Der Westchor wurde errichtet, als Kaiser Friedrich II. regierte, der Enkel Barbarossas, der Sohn Heinrichs VI. von Konstanze, der Normannentochter aus dem Haufe Kokospalme klettert, auf dem Schwimmbrett stehend gleich der kecksten Hawaiierin durch die Brandung fährt, aber sich in Deutschland einen deutschen Mann holen möchte, „damit ich mit meinen Kindern nicht englisch reden muß!" Man konnte an diesem Pfarrhaus schon seine Freude haben! Der Pastor hatte als Silberhochzeitsgeschenk von einem wohlhabenden Gemeindemitglied ein schönes neues Auto bekommen. Damit machten wir noch eine oiunosayn um uiumunu t u u yctum, x uiuci ««« —v/tv einen großen erloschenen Kraterberg am Meere, Kranz für den Scheidenden, noch ein Händeschütteln ~ • ----- ~ - — auf Wiedersehen in Deutschland! — schon geht Ibie Schraube an — Aloha! Aloha! Wanderfahnen Janine 1" Marika Rökk und Rudi Godden sind elektrische Glühlampen, die strahlen ließen, so sind es hi und 25 000 Glühlampen. W< ;er nun glaubt, daß Verscherzt, man lacht, bis Gaststätte in Berlin, und flamen. Aber bald schwirrt es einander. Man plaudert, man die Arbeit von neuem ruft. deren weite Gärten und Felder inmitten des drängenden Steinmeeres eine Riesentankstelle Rosenduft bilden. Während so der Rosenmonat Juni eitel Lust an» für vermutet hier eine sommerliche Idylle. Doch kaum hat man den Torweg des Hauses Nr. 132 durchschritten, da sieht man rechts das Theatergebäude, geradaus die Gartenbühne, deren Zuschaüerraum mit einem Riesenzelt überdacht ist, und zwischen Theatergebäude und Gartenbühne den Garten selbst, der mit wundervollen hohen Bäumen bestanden ist, deren dichte Laubkronen die Mauern der angrenzenden Stockwerkhäuser verdecken. Bunte Gartenschirme und bequeme Korbsessel fordern zum Verweilen auf. Was aber dem Ganzen das echt berlinerische Gepräge gibt, das ist die — Kaffee- küche! Hier herscht noch der alte Brauch: „Familien können Kaffee kochen. So spielt sich in diesem Großstadtwinkel ein gemütliches Familien- und Volksleben ab, dem der Berliner von Herzen zugetan ist. Uebrigens hat das Rose-Theater an sich nichts mit Rosen zu tun. Es heißt nach seinem Besitzer, dessen künstlerischer und kaufmännischer Geist dieses Theater durch alle Stürme der Inflation und der Systemzeit gerettet hat. Freude bringt, gibt es einen Menschen in Berlin, der bereits wieder mit Sorgen in die Zukunft sieht. Denn der Juni bringt ja neben den blühenden Rosen auch die Wende, von der ab die Tage wieder kürzer werden. Und das will für den, der Frau Berolinas Lichtrechnung pünktlich bezahlen soll, viel heißen. Diese Rechnung hat es „in sich", wie aus den vor kurzem abgehaltenen Beratungen über den Berliner Haushaltsplan hervorging. Man versteht es daher wohl, daß der Stadtkämmerer elektrische Glühlampen, die in Berlin ihr Licht erbeute 100 000 Gaslampen Aber da gibt es noch eine deren hohe schattige Bäume zum Besuch einladen, und die zugleich in engster Nachbarschaft mit einer Kunststätte gelegt ist: das Gartenrestaurant des Rose-Theaters. Es liegt im Osten Berlins, in der Großen Frankfurter Sttaße. Niemand Bries aus der Reichshauptstadt Von unserer berliner Schristleiiung. Man sieht und hört weniger Kinder auf der Straße, daran erkennt man den Beginn der Berliner Schulferien. Die Rundfahrtwagen haben jetzt ihre große Zeit; denn stehen vielen Durchreisenden auch nur wenige Stunden zur Verfügung, zu einer Rundfahrt reicht es und man sieht doch einiges von der Neugestaltung der Reichshauptstadt. Aber nicht das Ferttge, das Werdende wollen die Berliner Gäste gerade sehen und darüber gibt auch der Baedeker keine Auskunft. So fand in dem neuen Botschaftsviertel am Tiergarten in diesen Tagen das Richtfest der neuen japanischen Botschaft statt, das vierte in dieser Diplomatenkolonie. In Jahresfrist werden über 20 Staatsvertretungen ihren Umzug hierher in die neuen Bauten vollzogen haben, der notwendig wurde, weil die bisherigen Gesandtschaftsgebäude der Neugestaltung Berlins im Wege stehen. In der Gegend, wo 1813 der preußische General Bülow den französischen Marschall Oudinot durch die Schlacht bei Großbeeren von der Eroberung Berlin abhielt, sind gegenwärtig 6000 Mann an dem Bau des 7 Kilometer langen Verschieb ebahnhofs beschäftigt, auf dem nach feiner Fertigstellung täglich 700 Wagen .verschoben' werden können. In diesem Jahre noch soll auch mit dem Bau des riesenhaften Süd- bahnhoses begonnen werden. Neue Seen von stattlicher Größe entstehen in der Umgegend Berlins durch das Ausbaggern gewaltiger Erdmassen, die zum Aufichütten neuer Bahnkörper benötigt werden. Auch für die Spree bricht mit der Neugestaltung Berlins eine neue Zeit an. Sie wird hier und da erheblich verbreitert. Zwischen dem Reichstagsufer und der Roonfttaße ist ein umfangreicher Häuserblock niedergelegt worden, um die Spree nach dem Königsplatz gelangen zu lassen. Der Spreebogen vor dem Lehrter Fernbahnhof, der auch nicht mehr allzu lange dort stehen wird, muß verschwinden. Von dem Durchstich am Reichstagsufer wird auch das jetzige Reichstagsminifterium des Innern (das ehemalige Generalstabsgebäude) getroffen, das ebenfalls verschwindet. Mitten auf dem Königsplatz ist für die Spree ein neues Bett von fast 70 Meter Breite ausgebaggert worden, es fehlt nur noch die Verbindung nach beiden Seiten des „begrabeten" Flusses. Doch dieses neue Bett wird später durch die Kongreßhalle wieder überbaut. es, die in diesem von Pariser Lust erfüllten großen Spielfilm neue Triumphe feiern. Plötzlich taucht eine Anzahl ostmärkischer Bauern und Arbeiter auf. Sie spielten soeben in einer großen Jnnenszene des Ganghvfer-Filmes „W alb r auf ch", dessen Außenszenen bereits im Großglockner-Gebiet gedreht wurden. Filmsterne und Filmkomparsen sitzen hier einträglich und kameradschaftlich beieinander. Doch halt! Weshalb wenden sich mit einem Male alle Köpfe dem Pörtnertore zu? Eine elegante Limousine fährt vorüber und in chr sitzt — Zarah Leander. Auch sie will zur Kantine, aber nicht zu der, in der wir sitzen, sondern zu jener Kantine, die in einer der Atelierhallen aufgebaut ist für den allerneuesten Zarah-Leander-Film „Das Lied der Wüste". In diesem Augenblick verstummt das Gespräch an den Tischen unter den hohen Ka- " ......... wieder munter durch- Berlins dem Kürzerwerden der Tage höchst abhold ist. Wie hoch beläuft sich nun Frau Berolinas Lichtrechnung? Sie beläuft sich auf 11 Millionen Reichsmark und ist damit um 1 Million höher als im ver- aangenen Jahre. Dieses Ansteigen der Berliner Lichtrechnung ergibt sich einmal aus dem steten Anwachsen Berlins, zum andern daraus, daß Berlin immer Heller wird — — wenigstens am Abend! Waren es 1933 rund 76 000 Gaslampen und 19 000 lin für feine „Erleuchtung" Zuviel Geld ausgibt, dem fei gesagt, daß sich die Lichtrechnung von 11 Millionen RM. auf rund 4,4 Millionen Einwohner verteilt. Also: je Tag und je Berliner Nase beträgt die Rechnung 0,7 Reichspfennige. Wer möchte da noch von einem übertriebenen Licht-Luxus sprechen? * Berlin hat viele Gasfftätten, in denen man zur Sommerszeit unter hohen, schattigen Bäumen die Großstadt vergessen kann. Dennoch zieht es den Wissenden immer wieder hinaus nach Babels- berg-Ufastadt zur Ufa-Kantine. Hat man das Pförtnertor zum Ufa-Gelände durchschritten, so erblickt man sofort linker Hand die großen, breit ausladenden Kastanien, unter denen es sich selbst an den heißesten Tagen behaglich sitzen läßt. Gewiß gibt es Berliner Kaffeegärten, die eleganter eingerichtet sind. Aber sitzt man in ihnen in so interessanter Nachbarschaft wie hier in der Ufa-Kantine? Ringsum an den Tischen, die in den großen Drehpausen fast alle besetzt sind, herrscht eine lebhafte Unterhaltung, die oft von einem fröhlichen Lachen unterbrochen wird. In einem seltsamen Durcheinander begegnen sich hier die Jahrhunderte und Kontinente. Dort sitzt eine Schar „friderizianischer" Pimpfe, die in dem Karl-Ritter-Film „Kadetten" mitgewirkt haben und sich nun an einer Portion Eis gütlich tun. An jenem Tische spricht man von dem „Sensationsprozeß Casill a", einem Film, der in Amerika spielt und in dem Heinrich George einen berühmten Anwalt darstellt. Wieder an einem anderen Tisch hört man rufen: „Hallo Berlin, Juni 1939. Tankstellen sind in unserem motorisierten Zeitalter eine Lebensnotwendigkeit. Zumal in Berlin, dessen Bestand an Kraftfahrzeugen am 1. Juni dieses Jahres 226 289 Stück betrug, mithin 8667 mehr als am selben Stichtag des Vorjahres. Nun find Tankstellen an sich kein besonderer Schmuck des Sttaßenbildes. Dennock gibt es in Berlin, vor allem an den großen Ausfallstraßen, viele Tankstellen, die sich mit schönen gärtnerischen Anlagen umgeben haben, in denen es grünt und blüht. Vor einer solchen Tankstelle fuhr jüngst ein schnittiger Sportzweisitzer vor. Während der Herr dem Auffüllen seines Bezinvorrates sachverständig zusah, entstieg seine Begleiterin dem Wagen 'und lustwandelte zwischen den blühenden Beeten. „Was machst du denn da?" war die erstaunte Frage des Herrn. Woraufhin er zur Antwort erhielt: „Ich? Ich — tanke Rosenduft!" Ja, so sind die Berliner! Sie verbinden stets das Nützliche mit dem Angenehmen. Das Erfreuliche ist nur, daß ganz Berlin nach Herzenslust Rosendust tanken kann. Denn selten hat es in Berlin eine so reiche Fülle blühender und duftender Rosen gegeben wie in diesem Jahre. So fiel denn auch das Britzer und Neuköllner Rosenfest ganz besonders schön und üppig aus. In diesen südöstlichen, dichtbevölkerten Stadtteilen Berlins gibt es nämlich überraschenderweise noch 180 Rosenzüchter, daz> ßMuMyrfäfage ^juckc^cha.fi .M.CbrietäHiße 29/30 - ^aKri^v(y{&tv-. 2/4. Somit wird im Juli unser Tisch gedeckt sein? geheuere Befruchtung des deutschen Geistes in der Hagen, Bolter und Dietrich von Bern sind ebenso Eiten Hälfte der Hohenstaufenzeit stammte. Ohne lebendige, mit einer starken und doch beherrschten . ri .ff r ... crß aAma Ma /YA>tajs flD/Mflörhn.nh ß^offiflifion niio fFtPokfirf 1ttlh <1 Von Oberregierungsrat Or. Wolfgang (Llauß. Der SptiKeramZahntzof ! Geschichten aus aller Welt Meisterhand gezeichnete Gestalten, wie Ekkehart und Uta, wie Hermann und Reglindis, wie die Witwe Ausdruck kommt. Diese Lebenskreise, die ihre Bewegungskräfte aus der politischen Aktivität der Gegenwart gewinnen und sie in einprägsamen Bildern des Wortes und des Tones schildern, wurden durch Werke ergänzt, die den Arbeitswillen und den Arbeitsvorgang verschiedener Berufe schildern. Es ist einleuchtend, daß hier die Wahl des Textes die Grundlage bilden kann und muß, auf der die Phantasie des Komponisten frei schaltet. Zugleich aber ist es nur natürlich, daß jene Berufe verherrlicht wurden, deren Tätigkeit in einer idealistischen Beziehung zu den volkswichtigen Aufgaben unserer Zeit stehen.. Das Bauerntum stand im Mittelpunkt der chorischen Feier ,Lob des Bauernstandes". Walter Neins „Erntefeier" erreicht vor allem in den besinnlichen Teilen eine schöne, man möchte sagen herzliche Gefühlstiefe, die bereits wesentlich in absolute Bezirke der Kunst vorstößt. Ein ungemein aktives und hoch interessantes Werk ist Karl Schäfers Kantate „Die Kelter". Das Lob des Weinbaues wird hier gesungen, mehr noch aber kommt es in den prägnanten instrumentalen Zwischenspielen zum Ausdruck, die die außerordentliche Phantasie des Komponisten, die er vor Jahren schon mit einem Klavierkonzert beim Weimarer Tonkünstlerfest bewiesen hat, zu großartigen Bewegungsbildern der Arbeit ohne jede aufdringliche Ueberdeutlichkeit In den kommenden Wochen wird die Gemüse- versorgung, dem Fortschreiten der Jahreszeit entsprechend, von anderen Gemüsearten beherrscht werden wie im Juni. Während in den letzten Wochen Kopfsalat Kohlrabi, Frühwirsing und Spargel im Vordergrund standen, werden im Juli in erster Linie Blumenkohl, Tomaten, Bohnen und Karotten reichlich vorhanden sein und sich zum bevorzugten Verbrauch empfehlen. Daneben wird die Hausftau selbstverständlich auch noch andere Gemüsearten am Markt finden, jedoch dürften die Anlieferungen bei den genannten Gemüsearten besonders umfangreich werden. Jedenfalls sind im Juli wiederum reiche Möglichkeiten gegeben, um dem Gemüse in unserem Küchenzettel den bevorzugten Platz einzuräumen, den es aus volkswirtschaftlichen und gleichzeitig auch gesundheitlichen Gründen verdient. Diese Tatsache sollte um so mehr beachtet werden, als grundsätzlich .erneut darauf hingewiesen werden muß, daß der Fleischverbrauch in Deutschland ganz allgemein nicht weiter erhöht werden sollte. Besonders wäre es erwünscht, wenn in den körperlich nicht schwer arbeitenden Schichten der Bevölkerung allgemein die Ueberlegung angestellt würde, daß zuviel Fleisch für ihre Gesundheit nicht nur nicht erforderlich, sondern sogar schädlich ist. Es ist zweifellos richtig, wie kürzlich von einem maßgebenden Mann der Gesundheitsführung festgestellt wurde, daß heute so viel "Fleisch in Deutschland verbraucht wird, daß es oft nicht mehr Nahrungsmittel, sondern Genußmittel ist. Gerade der Geistesarbeiter sollte aber zur Erhaltung seiner unentbehrlichen Leistungsfähigkeit auf Fleisch als Genußmittel verzichten und sich auf die wirklich für die Ernährung erforderliche Fleisch- führt. Die beiden abendfüllenden Werke, das uraufgeführte Oratorium Paul Höffers „Der reiche Tag" und das schon in Düsseldorf bei den Reichs- musiktagen gehörte Werk „Saat und Ernte" von Kurt Thomas bewegen sich in recht gegensätzlicher Weise um den im Grunde gleichen Gedanken: wie jeder Tag für sich, so ist auch der Kreislauf eines ganzen Jahres (in Thomas' Werk am Jahreslauf des bäuerlichen Wirkens geschildert) dem Rhythmus von Arbeit und Ruhe unterworfen. Höffer, der bei den Reichsmusiktagen 1939 mit einem Kompositionsauftrag ausgezeichnet wurde, erreicht eine ausgesprochen oratorische Breite: die Chöre besitzen Schwung, ohne je das Niveau einer künstlerischen Prägung zu verlassen, die Homophonie herrscht vor, und man möchte in unserer von der polyphfien übermüdeten Zeit ausrufen: Lieferant auch Ihrer Kranken Kasse nicht in besonders großem Umfange, auf den Markt kommen wird. Im übrigen hat die Hitze Anfang und Mitts Juni die Obsternteaussichten zweifellos besinn trächtigt. Mit einer Rekordobsternte dürfte also wohl nicht mehr zu rechnen sein. Für die Möglichkeit, den Fleischverbrauch zu vermindern, dürfte deshalb vor allem wichtig sein, daß die Fischversorgung in den nächsten Wochen nicht nur reichlich, sondern auch besonders vielseitig sein wird. Zu dem Kabeljau, Rot- bars und Seelachs, der schon in den letzten Wochen reichlich zur Verfügung stand und auch im Juli nicht fehlen wird, kommen nunmehr für einen bevorzugten Verbrauch auch noch Salzheringe, Bücklinge und Marinaden in Frage. Selbstverständlich kommen zur Deckung des Eiweißbedarfs als Ersatz für das Eiweiß von Fleisch auch weiterhin Buttermilch, entrahmte Frischmilch, auch in Form von Trockenmilchpulver, Harzer, Mainzer, Schimmelkäse und Quarg in Frage. aei züglich der Vollmilch ist darauf aufmerksam zu machen, daß hier ein verstärkter Verbrauch, zul dem 'das Sommerwetter meist Veranlassung gibt, volkswirtschaftlich nicht erwünscht ist; denn Graz, Ende Juni. Die „Stadt der Erhebung", das schöne Graz in der grünen Steiermark, die vergangene Zeiten des Deutschen Reiches Zaun" genannt haben, hat vier Tage hindurch neue deutsche Chormusik gehört. In allen Sälen der Stadt, voran im berühmten Landhaus, einem prachtvollen Renaissancebau im Herzen der Stadt, in den schönen mittelalterlichen Höfen, oben auf dem Burgberg, draußen in den benachbarten Dörfern und schließlich in den großen Fabriken sangen nahezu vierzig Chöre aus dem ganzen Reich: Graz war zur klingenden Stadt geworden. Das Fest der deutschen Chormusik, das der Reichsverband der gemischten Chöre Deutschlands, nach Bremen und Augsburg als drittes Reichstreffen in Graz veranstaltete, brachte ein Programm, das in allen Formen neuer deutscher Chormusik die lebendigen Impulse der Zeit auffing. Die Konzerte, die man allerdings eher als Zusammenkünfte musikbegeisterter Menschen zu gemeinsamem Musizieren nennen möchte, hatten besttmmte Titel, Gedanken, die sich mit wenigen Ausnahmen auf die Grundideen unserer Zeit beziehen lassen: die Werke besangen die Schönheit deutscher Landschaft, sie sprachen vom Ethos der Arbeit, das die tättge Kraft aller Deutschen und aller Berufe auszeichnet, sie verherrlichten den großdeut- | eben Gedanken. Als Ergebnis der Grazer Tage muh daher über der rein künstlerischen Wertung die Feststellung stehen: Hier in der Chormusikübung der Gegenwart treffen sich kunstbereite Menschen in großer Zahl; keine andere Musikform ist imstande, die Grundlage, auf der dann auch zur hohen Kunst erzogen werden kann, wirklich so breit ins singende Volk hineinzubauen. Aus der Ueberfülle der Musiken seien nur einige „Richtlinien" erwähnt, die unsere Komponisten sich gestellt haben. Von der Schönheit deutscher Landschaft sprachen K. F. Noetels im Auftrage der gemischen Chöre geschriebene Kantate „Unser Land und H. Sp ittas Kantate „Land, mein Land" nach Worten von Karl Bröger; beide Werke sind aus dem politischen Lied der Gegenwart entstanden. Sehr viele neue Werke stellen in einer meist symbolisch-hymnischen Weise das große Ziel unserer Zeit in den Mittelpunkt. Armin Kn ab faßt Hölderlin-Hymnen (auch HansWedigin feinem „Hymnus" der Liebe") unter dem Titel „Das heilige Ziel zusammen; der hohe künstlerische Geschmack Knabs schaffte ein Kunstwerk schönster Eindringlichkeit. Unter dem Titel „Volk im Lied" waren a capella-Sätze zu hören: neben Rein, Simon, Brust, Jörns und Spitta fiel wieder Armin Knab auf, dessen „Deut- scher^Morgen"-Chor zu den schönsten Ergebnissen der Grazer Tage zu zählen ist. Eine Sud eten- deutsche Chorstunde, deren Werke den Weg Frohmut herrscht, instrumentale „Zwischenspiele", Serenaden und manches andere waren willkommene Besetzungsoariationen. Alle die Tätigen zu nennen, ist unmöglich. AuS allen Teilen des Reiches kamen Städtische Chöre in großer Zahl und Madrigaloereinigungen. Sie haben, das zeigten die Tage in Graz, durchweg ein hohes Niveau, und schon die Beschäftigung mit den satztechnisch und chorisch meist schwierigen Werken beweist sa zur Genüge, welcher Unternehmungsgeist unsere Chöre beherrscht und was sie können müssem Hans Rutz. Das Fest der deutschen Chormusik Heimat und Arbeit als Themen neuer Chormusik. Von unserem Sonderberichterstatter. quicklebendig wurde und schleunigst das Zimmer verließ. Inzwischen kam der Arzt, aber das vergiftete Kind war verschwunden. Nur ein winziger Raum der großen Wohnung war verschlossen, und alles Trommeln an die Tür war vergeblich. Der Arzt hatte sich unterdessen die Flasche mit den Resten des tödlichen Giftes angesehen und begann sogleich herzhaft zu lachen. Die Eltern sahen ihn entgeistert an, bis er sie aufklarte, daß ein harmloses Abführmittel der Inhalt der Flasche war. Mit Rizinus hatte der Apotheker dafür gesorgt, daß Selbstmordlust nebst Liebeskummer abgefuhrt wurden und die drohende Tragödie zu einem happy end wurde. Füchse mit Diamanten und Perlen. Ndz. Oslo. Die Pelztierzucht in Skandinavien entwickelt sich in jüngster Zeit sozusagen zu einem Zweig des Juweliergewerbes. Nachdem die Norweger aus dem bekannten Silberfuchs als veredelte Form den Platinafuchs herangezüchtet haben, liey e- Den schwedischen Pelztierzüchtern keine Ruhe. Sie zeigen seit einigen Wochen ein Zuchtergebnis das sie wegen der hellglänzenden Stellen auf dem Pelz „Diamantenfuchs" getauft haben Aber die norwegischen Konkurrenten nahmen das Rennen aus. Sie kommen als neueste Leistung mit dem „Perlfuchs" Der Silberfuchsfarmer Garthus in Begna- dalen wartet jetzt mit Tieren auf, die im allgemein nen den Platinafiichsen «pichen aber dazu em Bauchfell von ganz besonderer Art besitzen. Es schillert perlmutterartig vom Hellen Grau zum Blau und Violett. — Daher der Name „Perlfuchs . Schwimmenlernen wäre das Beste! AS. Stockholm. In den skandinavischen Ländern, die ja besonders reich an Seen und Flüssen sind und noch dazu aus- qedehnte Meeresküsten haben, sind in der Sommersaison die Todessalle durch Ertrinken uechalMlS- mäßig zahlreich. Alle Menschen baden, leider kon- mn aber nicht alle Menschen schwimmen - nur Polyphoniker, auch die homophone Satzweise kann, ohne einer betonten Romantik zu verfallen, „heute noch" schöne Ausdrucks- und Bewegungstiefen er» reichen. Am Rande der großen Themen der Grazer Tage gab es natürlich vieles, worüber man sich herzlich freuen sollte: Cesar Bresgens „Bauernhochzeit ist ein großartiger Wurf, nur die zimperlichen werden etwas dabei finden, wenn man einer natur» lieben Degeberchett, wie es eine Bauernhochzeit fit, auch ebenso naturhafte Rhythmen und Melodien gibt. Eine luftige Chorstunde bewies ebenfalls, daß unter den Sängern noch aller Zeiten herzlicher Löwen unmittelbar bei seinem Hause brüllen und sah aus dem Fenster das Tier, wie es ein von ihm niedergeschlagenes Kalb verzehrte. Er gab einen Schuß ab und traf den Löwen an der Schulter, der darauf in großen Sätzen davonsprang. Auf seine Meldung durch den Fernsprecher versammelte sich morgens eine Anzahl Männer bei seinem häufe, die die Spur verfolgten und den Löwen auf einem Felde etwa 2 Kilometer entfernt auffanden. Als die Jäger näherkamen, sprang der Löwe auf und stürzte ihnen entgegen, gerade auf den Führer der Treibjagd, Redmond zu, der aber sofort schoß: die Kugel ging dem Tier durch den Kopf, so daß er tot zusammenbrach. Der Löwe war noch jung und in der Gefangenschaft geboren und aufgewachsen. Unglück in der Liebe... und im Spiel. Ndz. Paris. Der Rechtsanwalt in Vienne an der Jfere ist über Nacht zum schwärzesten Pechvogel des kleinen französischen Städtchens geworden. In einer Konditorei sah er endlich die Dame sitzen, die er schon längst auf der Straße von fern angfichmachtet hatte. Er faßte Mut, faßte dann in die Brieftasche unö riß schnell einen Zettel heraus, auf den er eine Einladung zum Stelldichein schrieb, die er Der Schönen überbringen ließ. Sie verließ daraufhin die Konditorei, erschien aber abends nicht zum Rendezvous. Der Enttäuschte schlich betrübt in seine Junggesellenbude und lauschte dem Rundfunk Das wurde eine aufregende Sache: Unglück in der Liebe, Glück im Spiel! Sein Lotterielos war mit einem Gewinn von einer Million Franken herausgekommen. Meder faßte er in die Brieftasche, aber das Los war verschwunden. Da dämmerte ihm die Erkenntnis, daß er in der Hast das jetzt so kostbar gewordene Los für sein Billet doux verwandt hatte. Am nächsten Tage suchte er wieder Die Konditorei auf und traf auch die gesuchte Dame an. Diesmal heischte er nicht Liebe, sondern einen Zettel. Tert vor Erschütterung bebender Stimme erklärte Die Schöne, sie habe auf der Straße Den Zettel mit der unverschämten CinlaDung in tausend Fetzen zerrissen und fortgeworfen. — Womit angesichts Der strengen Bestimmungen der französischen Sottem für den Rechts anwalt ein Vermögen verloren ist. das er beinahe besessen hätte. schaffen. Die große Bewegung umfaßte viel mehr als nur das Gebiet der bildenden Kunst. Die Männer und Frauen, die im Dom von Naumburg stehen, haben auf ihren Schlössern das Nibelungenlied gehört, als es noch eine neue Kunde war. Weder als Kunstwerk noch als zeitgeschichtliches Kulturdokument ist es anders denkbar als auf dem Hintergrund Der Musischen Epoche. Wir hören den Mißmut des Dichters in jenem Verse durch, wo er Darauf anspielt, im modernen kirchlichen Zeitalter sei es nicht mehr erlaubt, alle Geschichten von Siegfried zu erzählen, und wir können es beklagen, daß uns darüber die deutsche Fassung der Heldensage, Dort wo sie sich mit dem Göttermythus berührt, unbekannt geblieben ist. Der Dichter aber sah sich dadurch zu der mächtigen Straffheit Der Handlung und zu der menschlichen Vertiefung der Charaktere gezwungen, durch die sich das Nibelungenepos selbst über die Homerischen Gedichte erhebt. Diese Charakter sch We- rung ist höchste Kunst. Siegfried und Kriemhild, etwa 50 v. H. in Schweden —, und die Folge fit, daß viele hundert Peifionen jährlich das Leben durch Ertrinken verlieren. Nun hat man in Dänemark eine energische Aktion gegen dieses Hebel ergriffen. Der dänische Rettungsbund und das Rote Kreuz haben zusammen eine Kommission gebildet, die die Badeplätze genau kontrollieren und eine große Anzahl an Rettungsmannschaften heranbilden wird. Wie der Sekretär des schwedischen Lebensrettungsbundes, Hauptmann Möller, mittsilt, denkt man auch m Schweden daran, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen. Ein starker Mann. Ndz. Kopenhagen. Durch eine erstaunliche Kraftleistung hat Der nord- jütische Bauerngutsbesitzer Alfted Olsen einem jun« qen Müllerburschen das Leben gerettet. Der junge Mann war Der rotierenDen Mittelachse Der Windmühle so nahe gekommen, daß sein Rock in Das Getriebe geriet. Auf seine Hilferufe eilten Olsen und ein Nachbarsohn Axel Nielsen herbei. Die Abstellvorrichtung funktionierte nicht, und Die Lage Des eingeklemmten Müllerburschen wurde immer kritischer. Der baumstarke Olsen brachte es aber fertig, mit Aufbietung aller seiner Kraft einen Wmd- mühlenflügel mitten im Lauf festzuhalten. Fast eine Viertelstunde lang hielt er auf diese Weise d,e Drehung auf. Inzwischen hatte Nielsen mit dem Messer den Rock abgetrennt, der in Die Achse geraten war und Den unglücklichen Müller zu stran- gutieren drohte. Löwenjagd in Irland. C.L. Belfast. Eine dramatische Löwenjagd fand in einer der letzten Nächte in der Umgebung von Wexford in Irland statt. Der Löwe war aus der Menagerie eines Wanderzirkus entwichen, während er von einem Käfig zum anderen gebracht werden sollte, glücklicherweise, ohne daß die 2000 Zuschauer Den Vorgang bemerkten. Sofort wurde in dem ganzen Gebiet Alarm gegeben, und aus Den verschiedenen Ortschaften eilten zahlreiche Gendarmen, Waldhüter und Bürger herbei, die eine Treibjagd begannen, während die Einwohner Der Dörfer stH.angsterfiillt in ihren Häusern verbarrikadierten. Die Nachfor- chungen blieben zunächst erfolglos. 2Iber um drei Uhr morgens hörte Der Farmer Wynters Den jede Zunahme des Verbrauchs von Vollmilch führt zu einem Rück gang Der Buttererzeu« gung. Diese Tatsache sollte man sich auch besonders im Zusammenhang mit der nun einsetzenden Frühobsternte vor Augen halten. Warum nicht zum Beispiel Erdbeeren mit Quarg statt Erdbeeren mit Vollmilch? Selbstverständlich bleibt auch für Den Juli die alte Parole bestehen, Fett nach Möglichkeit durch verstärkten 2S er « zehr von Kohlehydraten, wie Kartoffeln, Kartoffelmehl, Sago, Deutschem Puddingmehl, Haferflocken, Graupen. Zucker, Marmelade, Kunsthonig und Rübensaft zu ersetzen. Die Aussichten für die kommende Versorgung mit pflanzlichen Nahrungsmitteln sind er* freulicherweise nicht ungünstig. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts war der Stand des Getreides Anfang Juni im Deutschen Reich größtenteils recht gut. Der Winterroggen zeigte allgemein eine sehr gute Entwicklung, der Winter- weizen, Der allerdings beträchtliche Auswinterungen zu verzeichnen hatte, hat sich im letzten Monat in seinem Stand etwas verbessert. Lediglich die Wintergerste steht weniger gut als in normalen Jahren. Der Stand des Sommergetreides ist ebenfalls als recht gut anzusprechen. Trotz der teilweise stark verzögerten Bestellung liegen die Begutachtungs, Ziffern im Reichsdurchschnitt bei allen Sommergetreidearten über mittel, zum Teil sogar höhe« als im Vorjahr. Die Entwicklung Der Hackfrüchte ist durch Die kühle Witterung im April und Mai etwas aufgehalten worden. Bei allen Hackfrüchten, von den sehr wichtigen Spätkartoffeln abgesehen, ist der Stand jedoch besser als zup gleichen Zeit des Vorjahres. Die Futterpflanzen stehen mit Ausnahme des Klees ebenfalls besser als in Durchschnittsjahren. Auch Der Stand des Gemüses wird in den Hauptanbaugebieten nach den bisherigen Ermittlungen des Statistischen Reichsamts bei fast sämtlichen Gemüsekulturen besser bewertet als int Vorjahr. menge beschränken. Wenn Diese Forderung hier mit aller Offenheit ausgesprochen wird, so fit dabei zu betonen. Daß hierfür nicht etwa eine in nächster Zeit zu erwartende Zuspitzung der Versorgungslage mit Fleisch maßgebend ist (zumal die Schwemeanlie- erungen in Den nächsten Monaten zunehmen wer- jen), sondern lediglich Die allgemeine Entwicklung des Fleischverbrauchs in den letzten Jahren und Monaten. Es sind schon wiederholt Zahlen über die Steigerung des Fleischverbrauchs seit 1932 genannt worden. In der Regel waren dies jedoch Die Angaben über den Fleischverbrauch je Kopf Der Bevölkerung. Von sachverständiger Seite ist nun, um das enorme Ansteigen des Fleischverbrauchs in Deutschland einmal ganz klar vor Augen zu führen, berechnet worden, daß das deutsche Volk im Jahre 1938 einen Mehrverzehr an Fleisch gegenüber 1932 hatte, der insgesamt fast 8 Millionen Schweinen entspricht. Der Mehrverzehr an Schweinefleisch allein, also ohne den in Der eben genannten Zahl eingerechneten Mehrverzehr von Rind-, Kalb- und Hammelfleisch, betiug im Jahre 1938 gegenüber 1932 nämlich 4,2 Millionen Schweine. Diese Zahlen zeigen, wie unerhört Die Derbrauchszunahme ist. Es dürfte demnach jedermann einleuchten, daß eine Fortsetzung dieser Entwicklung zwangsläufig zu Spannungen m der Fleischversorgung führe« muß. Einer derartigen Derbrauchssteigerung vermag weder Die. Jnlands- erzeugung trotz größter Anstrengungen, die Produktion zu erhöhen, zu folgen, noch fit es möglich, die Einfuhr in dem erforderlichen Umfange zu steigern, weil derart große überschüssige Fleischmengen am Weltmarkt gar nicht zur Verfügung stehen. Die darum notwendige Parole einer Verminderung des Fleischverbrauchs dürfte im gegenwärtigen Zeitpunkt um so williger ausgenommen werden, als nicht nur reichli ch G e m ü s e zur Verfügung steht, sondern nun auch Frühobst allmählich mehr und mehr, wenn auch zunächst noch den stauffichen Welthorizont und ohne Die geistige Beweglichkeit, Die jene Epoche in Deutschland erweckte, sind Die Skulpturen in Naumburg ebenso wenig zu denken, wie ihre Vorstufen in Bamberg und Straßburg und wie die Goldene Pforte in Freiberg, das schönste Kirchenportal, Das je ge- Verantwortung (eitet: mit Heinrich Sirnbrtger, dessen Chöre nach Gedichten aus Georges „Der Stern des Bundes" hohes Können und eine eigenartige, starke Klangphantasie auszeichnen, und mit Felix Petyrek, Diesem geschmackvollen Komponisten, Der nun als Nachfolger ©rabners in Leivzig amtiert. Auch Karl Höllers Hymnischer Gesang (nach Worten aus Dem Indischen!), Eberhard Wenzels „Daß Dein Herz fest sei" und ©rabners „Weg ins Wunder" zählen zu den größeren Musik- formen Der Tage, deren gleichnishafte Symbolkraft auch in Der breiten Anlage Der Musikform zum Tas ist die Liebe der Matrosen. Ndz. Paris. Der H8A.-Kreuzer „Omaha" hat nach zweijährigem Aufenthalt im Mittelmeer feine Anker gelichtet und Villesranche verlassen. In den Blattern wird aus diesem Anlaß mitgeteilt, daß sich in dieser Zeit 70 Besatzungsmitglieder mit französischen Mädchen verheiratet haben. Auch den anderen siel aber der Abschied nicht leicht, denn sie hatten in den Jahren das Leben an der Riviera liebgewonnen. Die vielen Mädchen, die sich auch noch Hoffnungen gemacht hatten, aber unverheiratet geblieben, fino, werden jetzt mit der Neuigkeit getröstet, daß ein anderer 08A.-Kreuzer, „Trenton", in Kürze den Platz der „Omaha" im Mittelmeer übernehmen wird. In den Zeitungen wird scherzhaft bemerkt, daß Die Seeleute mit ihrer Heirat einen recht ansehnlichen Beitrag zur französisch-amerikanischen Freundschaft im Verhältnis zu manchen Diplomaten geleistet hätten. Rizinus gegen Liebeskummer. Ndz. Buenos Aires. Der kluge Blick eines Apothekers hat in einem Vorort der argentinischen Bundeshauptstadt einem Mädchen das Leben gerettet. Dorita hatte wie jedes hübsche Mädchen ihren Schatz. Eines Tages wich das Idyll dem Liebeskummer,, und Dorita war plötzlich überzeugt davon, daß sie aus dem Leben scheiden müsse. In einer Apotheke verlangte sie Cyankali, damit sie die Ameisen im väterlichen Garten ausrotten könne. Der Apotheker sah Tranenspuren, schloß auf Liebeskummer und gab dem Mädchen ein Fläschchen mit einem .schwarzen Toten- topf uni) der dicken Aufschrift „Gift!". Dorita ging nach Hause, schloß sich in ihr Zimmer em und trank die Flasche leer, um dann den Eltern mtt- zuteilen, daß sie sich soeben vergiftet habe Das Haus geriet in größte Aufregung, Arzt und Polizei wurden schnell benachrichtigt, und unterdessen lag Dorita stumm auf ihrem Bett, den süßen ~oo erwartend. Der schlich nun zunächst in Den Magen und setzte ihr bald so. ernsthaft zu, daß sie wieder unD ©ruf Dietmar, Der Erschlagene, im Naumburger Domchor. Weil Das Leben selbst in so freien und hohen Wellen ging, Darum vermochte Damals auch Die Kunst Den Steinen und Den Versen solch ein Leben zu geben. Es war Die große Politik des staufischen Geschlechts, feine ungeheure Künheit und fein Streben nach Dem Höchsten, wodurch sich Der Deutsche Horizont jener Zeit so ins Weite Dehnte. Mochten Die Wissenschaften und Die ritterlich höfische Kultur Des Mittelalters ihren ersten Aufschwung auch in Frankreich erlebt haben — es war Doch etwas anderes, wenn Die Idee Des Imperiums einen 70- jährigen Helden, wie Barbarossa, unter dem Kreuz sterben ließ, oder wenn sein Sohn Dem byzantinischen Kaiser entbieten ließ, er wolle Die Grenze des Abendländischen Reiches nach Thessalonich setzen! Diese stauische Politik hat Deütschlands erste hohe Kulturblüte heraufgeführt. Als die Staufen Dahinsanken, verlor Das Deutsche Leben, erst äußerlich, und Dann auch innerlich, Das großartige Format, zu Dem es gelangt war, und Das ihm ein Kurfürstenkollegium ebenso wenig wiedergeben konnte, wie Der Tuchhandel und Die Heringsflotte Der Hanseaten. Motorboot-Weltrekord Hans Stucks. Beim ersten Versuch 82,6 Kilometerstunden. Hans Stuck in seinem Weltrekord-Motorboot. — (Scherl-BiGerdienst-M.) W Auf dem Scharmützelsee östlich der Reichshaupt- stadt stellte der zweifache deutsche Automeister Hans Stuck einen neuen Stundenweltrekord in der 800-kg-Motorbootklasse auf und erzielte für Deutschland den zweiten Weltrekord für Innenbord-Motorboote. Hans Stucks „Tempo", das mit einem 5,5 1 500 PS starken Rennwagenmotor der Auto- Union ausgestattete Boot, erreichte nach vorläufiger Berechnung 82,5 Kilometerstunden auf der 15,8 Kilometer langen Rundstrecke. Der bisherige Rekord des Italieners Venturi stand fett 1937 auf 70,74 Kilometerstunden. Mit einem Boot, das vor drei Tagen seine erste Probefahrt bestanden hatte, stellte Hans Stuck jetzt auf Anhieb eine Weltbestleistung auf. Stucks erster Wasser-Weltrekord mit dem Gleit- flächen-Renn-boot „Tempo" wurde mit demselben 500-PS-Auto-Union-Motor von 5,5 Liter erkämpft, mit dem er 1934 auf der Berliner Avus einen Stundenweltrekord von 182 Kilometer erstritt. Mit Hilfe eines neuen Getriebes erreicht der Motor statt bisher 4000 jetzt 7200 Umdrehungen der Schraubenwelle. Das ermöglicht auf der Geraden eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 150 Kilometer. Das Boot hat drei Tanks mit zusammen 220 Liter Brennstoff. Die Rundstrecke aus dem Scharmützelsee war 15,6 Kilometer lang. Während Italien insgesamt 31 Weltrekorde für Motorboote aufgestellt hat, verfügt Deutschland bisher nur über drei Weltrekorde. Die bisher mit einem Rennboot überhaupt erreichte höchste Geschwindigkeit von 210,68 Stundenkilometer wurde von dem berühmten englischen Rennfahrer Campbell mit einem Boot schwerster Klasse erzielt. Sparsamkeit am falschen platze. Du willst zum Drogisten gehen, mein Freund, um Brennspiritus zu kaufen. Wenn auch sonst der Sparsamkeitsdrang dich nicht zu sehr bedrückt, — in diesem Falle ist er in dir erwacht. Warum d«7m Drogisten die Flasche bezahlen, hast du gedacht; die leere Kognakflasche vom letzten Geburtstag tut es doch auch! Also wird die Flasche ausgespült und zum Drogisten mitgenommen. Aber, o weh, — der Drogist erklärt, er könne dir den gewünschten Brennspiritus nicht in dieser Flasche verabreichen. Dein Murren verrät, daß du glaubst, der Mann wolle dir nur eine Flasche zu dem Spiritus verkaufen. Weit gefehlt! Der Drogist hat mit seiner Weigerung nichts anderes getan als seine Pflicht. Du staunst? Solltest du ryirklich noch nie etwas davon gehört oder in der Zeitung gelesen haben, welch entsetzliche Unglücksfälle dieser falsche Sparsamkeitssinn schon hervorgerufen hat?- Solltest du noch nie etwas davon gehört haben, welche Folgen hier durch Verwechslungen hervorgerufen wurden, wie schlimmste Verletzungen durch Salzsäure, die in einer Bier- oder Weinflasche auf« bewahrt wurde, oder Krankheiten übelster Art durch andere Säuren oder Laugen. So etwas kann mir nicht passieren, denkst du. Ich weiß immer genau, welchen Inhalt die bei mir vorhandenen Flaschen haben. Genau so werden andere auch gedacht haben, bis es eben eines Tages zu spät war. Denn, wenn du selbst auch vorsichtig sein solltest, willst und kannst du dafür geradestehen, daß nicht zufällig Besuch in der Hoffnung, einen guten Tropfen vorzusinden, sich eine schlimme Krankheit, vielleicht gar den Tod holt? Es gibt der Zufälle so viele, und so mancher hat schon die schwersten Folgen gehabt. Ich glaube, mein Freund, wenn du dir vergegenwärtigst, wie viele Unglücksfälle früher durch solchen Leichtsinn herbeigeführt wurden, wirst du dein Murren einstellen und begreifen, warum der Drogist dir deinen Wunsch nicht erfüllen konnte und durfte. In Genußmittelflaschen und sonstige Gefäße, die eine Verwechslung zulassen, gehören eben Säuren, Laugen usw. ein für allemal nicht hinein. Darum: Sparsamkeit — ja! Aber nicht am falschen Platze, besonders aber nicht in Fällen, in denen der andere Teil, käme er dem geäußerten Wunsche nach, seine Berufspflichten verletzen würde. >R«R SESTWELE Weltberühmt, 1. Juli bis 6. August Don Gil mit den grünen Hosen, spanisch. Lustspiel von Tirso de Molina Der Flnrschütz von Wakefield, Uraufführ. Volkskomödie v. H. W. Hillers Ein Sommernachtstranm, Lustspiel von Shakespeare Romeo nnd Julia, Tragödie von Shakespeare 4556D Prospekte u. Spielplan durch Reise- u. VerkehrsbUros u. d. Stadtverkehrsamt Marburg Allen Verlobten. und zukünftigen Eheleuten in Gießen und Umgebung gewidmet ist das vornehm ausgestattete, reich bebilderte Haus- und Kochbuch Praktische Winke und Ratschläge für die Hausfrau Kostenlose Vermittlung des Buches nur an Verlobte durch die Geschäftsstelle des Verlages — Schulstraße 7. Rest Bergschenke Groß.schatticA£a/nJe ? RICHTERS Frühstückskräutertee Auch oll Drixioblelten und Orix-Exko (Dro i) in Apotheken und Ürog, Sie dachte nicht daran! Die moderne Frau aber will schlank, gesund und auch noch Schürze winkend und empfangsbereit vor Dem Tore stehen sah. Die Burgl war auf alles gefaßt, nur [ darauf nicht, ihren Herrn und Gebieter inmitten . einer Reisegesellschaft aus dem Wagen klettern zu ) sehen. Der Berglwirt schob sich an ihr vorbei, stapfte Zeitschriften. — „Weftermanns Monatshefte" bringen in ihrer Juli-Folge einen Aufsatz „Deutsche Zeit — deutsche Kunst" von Edz. Schumann mit schönen Abbildungen. Von Wilhelm von Scholz erscheint eine Schilderung „Weimarer Erinnerungen' aus dem Anfang unseres Jahrhunderts und Professor Schultze (Naumburg) hat einen mit mehreren Schriftproben versehenen Beitrag „Selbstsucht und Güte in der Handschrift" zur Verfügung gestellt. Einen „ketzerischen Streifzug durch die Malerparadiese" unternimmt Rudolf Haupt mit heiteren Bildern. Die Abhandlung „Weg und Aufgabe des farbigen Fotos" vermittelt einen guten Einblick in die Arbeit der Lichtbildkunst. Neben Erzählungen von Käthe Koopmann, Adalbert Forstreuter und Walter Grothe erwähnen wir noch Beiträge von Edith Mikeleitis „Vom Geheimnis des nahen Sehens' und Dr. Deutelmoser „Volkstumsbewegung auf den Färöer", Akelei. Von Hans Brandenburg. Wenn die Sense das Gras im Unterland schon geschnitten hat, blühen im Oberland bis zu den Almen noch die Höhenwiesen, Sommerwiesen also, nicht nur Frühlingswiesen, Wiesensommer bis in den Juli hinein. Wer kennt und nennt all Die Arten oberbayerischer Feldblumen? Ich kenne viele, aber ich kann sie nicht aufzählen, ich kann sie nur zum 'Strauße sammeln, von jeder Blume immer nur eine Art, und doch zu einem großen Strauße, den die Hand kaum faßt. Oft will der Klee am schönsten scheinen, der weiße Klee, der rosa Klee der Steinklee, der Hornklee, sie alle vereinigt auf dem gebuckelten Grund zu einer Brandung bunten Goldschaums, die emporwellt zum Schub der dunklen Fichtenwogen und grellen Bergrücken im Himmelsblau. Doch da sind auch die Orchideen, die Knabenkräuter, die weißen, die violetten, die gefleckten, und all das abgeftuste Gelb von Klappertopf und Hahnenfuß, von Arnika und Baldrian. Feiern aber will ich vor allem die Akelei. Ich habe sie fast nur noch für eine Gartenblume gehalten, jetzt ist sie. wieder Aglei, das Polkskind und nach dem Schanktisch und hieb die Maßkrüge unter Den Zapfen. Die Burgl hatte inzwischen alles erfahren und bediente. Ihre Ohren hatten dabei beftärtbig Besuch, und ihr Gang hatte etwas Schwebendes, Anzeichen einer ungeheuren inneren Heiterkeit, die leider nicht -tärfer zum Ausdruck kommen konnte, denn der Berglwirt sah aus wie fünf Minuten vor einer Explosion. Und Dann erhob sich Der Reiseleiter, um den Berglwirt zu feiern, dessen „Instinkt", wie er agte, ihn mit so untrüglicher Sicherheit dahin ge- ührt habe, wo es sich so herrlich leben lasse: Aus Den Berglhof. Er biüe Die Anwesenden, ein Hoch auf Den findigen Berglwirt auszubringen. Der also geehrte wog unschlüssig einen Maßkrug in Der HanD und wußte nicht, ob er werfen oder einen Versöhnungsschluck trinken sollte. Unter Dem Beifall feiner Gäste entschloß er sich aber doch zum letzteren, und so Durfte am EnDe dieses Tages Die Burgl doch noch ihrer Heiterkeit freien Lauf lasten, während der Berglwirt sich mit der stattlichen Einnahme einigermaßen tröstete. In einem Punkte aber war seine Autorität über die Burgl dahin, und er hütete sich, weitere Reisepläne laut werden zu lassen. Wer weiß, was die Burgl darauf geantwortet hätte! Reichsstatthaller in Hessen — Landesregierung — mit Wirkung vom 1. Juli 1939 die Gemarkungen der Stadt Gießen (mit Schiffenberg, Klein-Linden und Wieseck), ferner der Orte Annerod, Rodgen, Leihgestern und Heuchelheim zu Wohnsiedlungsgebieten erklärt. Der Oberbürgermeister macht hierzu darauf aufmerksam, daß in diesen Gemarkungen die Teilung eines Grundstückes, die Auffassuna eines Grundstückes oder eines Grundstücksteiles oder die Hebertragung von Rechten zur Nutzung oder Bebauung der ausdrücklichen Genehmigung der zuständigen Behörde bedürfen. Hervorragende Gesamtleistung des Sturmes 1/M 147. Der Sturm 1/M 147, der sich am vergangenen Donnerstag vor dem Gruppenführer Prinz Richard von Hessen und im Rahmen des Reichswettkampfes einer umfassenden Prüfung auf verschiedensten Gebieten des Dienstes im NSKK. unterzog, konnte die Genugtuung erhalten, als beste Einheit der Motorstandarte 147 bezeichnet zu werden. Der Gruppenführer sprach dem Sturmführer Freund und den Kameraden des Sturmes feine volle Anerkennung aus. Lichtbildner heraus! Der photographische Wettbewerb des Fremdenverkehrsvereins Gießen. Der Fremdenverkehrsverein Gießen veranstaltet in diesem Jahre wieder einen Photo-Wettbewerb, der dem Zweck dienen soll, Bilder vom schönen und charakteristischen Motiven unserer Stadt und der nächsten Umgebung zu erhalten, die dann der Werbung für unsere Stadt dienstbar gemacht werden können. Für die Wettbewerbsteilnehmer sind wiederum stattliche Geldpreise ausgesetzt, die sicherlich für manchen Lichtbildner ein lebhafter Anreiz zur Beteiligung sein werden. Die Aufnahmen, die dabei eingesandt werden sollen, müssen das Wesen unserer Stadt so kennzeichnen, so einprägsam und lebendig wie möglich veranschaulichen. Es wird Wert darauf gelegt, daß schöne Baudenkmäler der Vergangenheit in Bildern festgehalten werden, daß die Landschaft in ihren charakteristischen Erscheinungen, daß das heimische Leben in seinen mancherlei Erscheinungsformen gebannt wird usw. Besonderen Wert legt die Wettbewerbsleitung auf die Erlangung schöner Gesamtansichten mit den Burgruinen von Gleiberg, Vetzberg usw. Don jedem Wettbewerbsteilnehmer werden drei verschiedene Bilder erwartet. Flandernfahrt der Langemarckschute. Am Donnerstagnachmittag kehrte eine Gruppe von Lehrern und Schülern der Langemarckschule nach Gießen zurück, die unter Leitung von Ober- studiendirektor Angelberger vom 26. bis 29. Juni eine Fahrt zu den wichtigsten Schlachtfeldern in Flandern und vor allem zu der Stätte unternommen hatte, die der Schule den verpflichtenden Namen gab. Gründlichst vorbereitet und von schönem Wetter begünstigt hinterließ die Fahrt, die ohne jede Störung verlief, bei allen Teilnehmern tiefe und packende Eindrücke von schönen Gegenden und Städten Deutschlands sowie vom gründlichen Wiederaufbau in Belgien. Sie führte dann unter kundiger Berichterstattung von Studienrat Hölzel in die erfolgreichen Abwehrkämpfe der 25. (hessischen) Division im Herbst 1917 ein und erlebte ihren Höhepunkt im Heldenhain von Langemarck. Dort fand eine schlichte, ergreifende Feier zu Ehren der Gefallenen statt, denen die Schule einen Eichenkranz als Gruß aus der Heimat mitbrachte. Die Reisegruppe besuchte dann noch den Kemmel, weitere Orte im Kampfgebiet, Dixmuiden, Nieuport, Ostende, die Mole von Zeebrügge, um über Brügge, Gent, Brüssel und Lüttich in Aachen die Omnibusfahrt wieder abzuschließen. Heber Köln und Koblenz führte die Bahn alle Teilnehmer nach Hause. Diese erste Fahrt der Schule nach Flandern darf nach jeder Richtung als voller Erfolg bezeichnet werden. Weitere Fahrten sollen Ende August folgen. Zuchttierversteigerung in Gießen. Die Landesverbände der Rinderzüchter, Gruppe Fleckvieh, und der Schweinezüchter führten in der Rhein-Main-Dersteigerungshalle eine Zuchttieroersteigerung durch, die einen starken Besuch aufzuweisen hatte. Bei der am Vortage durchgeführten Einteilung der Tiere in die Wert klassen wurden von den Fleckviehbullen in der Gruppe der herübuch- fähigev Vatertiere 11 der Wertklasse II und 20 der Wertklasse III, in der Gruppe der nichthsrdbuch- fähigen Bullen einer der Wertklasse II uüd 31 der Wertklasse III zugewiesen. Spitzentiere waren für die Landesbullen-Dersteigerung in Frankfurt a. M. zurückgestellt worden. Das aufgetriebene Bullenmaterial war durchweg sehr befriedigend. Etwas besser lagen die Verhältnisse bei den Ebern, von denen insgesamt 56 aufgetrieben für ein wenig Nachdenken! Da zögert keiner - ,. . und auch Sie sollten von Ihrem Kaufmann oder von Sunlicht Berlin einen Prospekt für das große FEX- Preisausschreiben verlangen, das neben vielen anderen Preisen 4800 Mark als 1. Preis ausschreibt. Die Preisfrage lautet: „Was sagen Sie zu FEXK nur 28 pf FEX des Veredelten Landschweines wurden ausgezeich. net mit der großen Preismünze Karl Wenzel (L a n g - G ö n s) und mit der kleinen Preismunze Peter Nicklas (O b e r - O f l e i d e n). Dre Der- steigerung nahm einen unerwartet schnellen Verlauf. Die Bullen wurden sehr rasch zu guten Durch- schnittspreisen abgesetzt. Bei den Ebern war der Verlauf zeitweise schleppend, aber dennoch wurden sämtliche Tiere umgesetzt. Einteilung in die Wertklassen: Fleckviehbullen. Herdbuchfähige Bullen: Wertklasse IIiHch. Scholl II., Arnshain; Georg Becker, Londorf: FH. Rodemer, Helmesmühle: Otto Caspar, Zell; Friedr. Kalbfleisch, Schwarz (2 Tiere); Phil. Bär ch, Heuchelheim: Konrad Eisländer, Schwarz: Georg Krug II., Schwarz: Karl Reinhardt, Ober- Gleen; Heinrich Heitzenröder, Nieder-Moos; Alfred Lehmer, Borsdorf. Nicht h'erd buchfähige Bullen, Wert- kl affe II: Fr. Momberger III., Stumpertenrod. Eber des Veredelten deutschen Landschweines. Wertklasse I: Karl Wenzel, Lang-Göns; Otto Er- des, Stangenrod. — Wertklasse II: Peter Nicklas, Ober-Ofleiden; Adam Döring III., Rimbach (2 ' Tiere); Rich. Luh, Lang-Göns (2 Tiere); Wilhelm Konr. Brückel, Lang-Göns (2 Tiere); Will). Anton Stoll, Lang-Göns (2 Tiere); Wilh. Philippi IL, Trais-Müngenberg (2 Tiere); Otto Erbes, Stangenrod; Otto Wilh. Velten, Lang-Göns; Wilh. Luh; Lang-Göns; Otto Velten I., Lang-Göns; Karl Wenzel, Lang-Göns; Christ. Röder, Laubach; Reichs- kurat. für Technik und Landwirtschaft Lehrhof Lauterbach; Lehr- und Versuchsgut Selgenhof; Wilh. Weil III. Wwe., Lang-Göns; Freiherr!. Riedes^fche Gutsverwaltung Sickendorf (2 Tiere); Adam Lenz, Rimbach, und Heinrich Eckstein, Arnshain. (Eber des Deutschen Ldelschweins: Wertklasse II: Karl Brückel, Lang-Göns (2 Tiere); Eugen Weber, Lang-Göns, und Willy Keßler, Lang- Göns. Nemonte-Markt in Gießen. Der oberhessische Remontemarkt fand am Freitag« nachmittag hier auf dem Pferdemarktplatz am Schlachthof statt. Er wurde durchgeführt von der Landesbauernschaft Hessen-Nassau, die Landstallmeister Dr. Dender damit beauftragt* hatte. Vorgeführt wurden 22 drei- und vierjährige Warmblut» pferde aus den oberhessischen Zuchten. Die Remonte- Kommission unter Führung von Major von See« waren. Die Eber des Veredelten deutschen Vand- schweines wurden 2 der Wertklasse I und je 24 der Wertklasse II bzw. III zugeteilt. Die Eber des Deutschen Edelschweines wurden mit 4 der Wertklasse II und 2 der Wertklasse III zugewiesen. Bei der unter der Leitung des Direktors des Tierzuchtamtes Gießen, Landwirtschaftsrat Dr. E. Wagner durchgeführten Versteigerung konnte der Hauptabteilungsleiter II der Landesbauernschaft, Bauer Scharch (Windhausen) fünf oberhessischen Züchtern für beste Leistungen auf dem Gebiete der Tierzucht Ehrenpreise des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft überreichen. Den großen Ehrenpreis erhielt Heinrich Scholl II. (Arnshain), die große Preismünze Friedrich Kalbfleisch (Schwarz) und die kleine Preismünze Fr. H. Rodemer (Helmesmühle) für die Zucht von Fleckvieh: für die Zucht alkalifcei das zeitgemäße Sunlicht Feinwaschmittel: es reinigt gründlich, schont und verschönt! „Welteislehre und Geologie " Gestern abend veranstalteten der NSD.-Dozenten- bund die Volksbildungsstätte Gießen und die Naturwissenschaftliche Abteilung der Gesellschaft für Natur- und Heilkunde in dem bis auf den letzten Platz besetzten Hörsaal des Geologischen Institutes unserer Universität einen Vorttagsabend, der den Zuhörern viel Wissenswertes bot, insbesondere aber .eine Klarstellung über die wahre Bedeutung der Hörbigerschen Welteislehre brachte. Der Kreisreferent des Dolksbildungswerkes, Dr. Heidt, eröffnete den Vortragsabend mit herzlichen Worten der Begrüßung. Sodann sprach Prof. Dr. Hummel über das Thema: „Welteislehre und Geologie". Seinen Ausführungen fei folgendes entnommen: Die Welteislehre Hörbigers wurde in den letzten Jahren in der Oeffentlichkeit viel erörtert; sie ist ein Versuch, die Weltentstehung und Weltentwicklung einheitlich und in Abweichung von der üblichen wissenschaftlichen Deutung zu erklären. Es wird dabei vorausgesetzt, daß Eis im Weltenraum eine große Rolle spielt, ferner, daß die Bewegung der Planeten im Weltenraum allmählich gehemmt wird, so daß die kleineren Weltkörper von den größeren eingefangen werden können und schließlich auf sie herunterstürzen. So soll in der Vergangenheit schon mehrmals ein Mond auf unsere Erde herunterge- türzt sein, und auch dem jetzigen Mond soll eine )erartige Katastrophe bevorstehen. Das scheinbar so folgerichtige Gedanken geb äude der Welteislehre steht jedoch in krassem Widerspruch zu zahlreichen wissenschaftlichen Beobachtungen. Der Geologe hat insbesondere einzuwenden, daß wir keine Spuren der früheren Mond-Katastrophen auf der Erdoberfläche finden können. Alles, was von der Welteislehre zur Stützung ihrer Ansichten angeführt wird, läßt sich auf andere Weise viel zwangloser erklären. Die Geologie kennt zwar Anzeichen zahlreicher Einbrüche des Meeres in die Festländer, jedoch fehlen alle Anzeichen für die von der Welteislehre angenommenen Großfluten. Ebenso fehlt jede Spur der Mondtrümmer, die nach der Welteislehre in der Vergangenheit mehrmals die Erdoberfläche bedeckt haben müßten. Der heutige Mond würde auf der Erdoberfläche eine 43 Kilometer dicke Trümmerschicht bilden; die von der Welteislehre vermuteten früheren Monde können nicht viel kleiner gewesen fein, wenn sie die ihnen zugeschriebenen Anziehungskräfte gehabt haben sollen. Wir müßten also viele Kilometer mächtige Mondtrümmer-Schichten aus der Erdoberfläche finden, wenn sich jemals solche Mondkatastrophen ereignet hätten. Es wäre auch ganz unmöglich, daß der Mensch oder irgendein Lebewesen eine derartige Katastrophe überdauert hätte. Die Welteislehre jedoch nimmt an, daß die Menschheit mehrere Mondeinstürze erlebt hätte, und daß die menschlichen Sagen noch heute davon zu erzählen wissen. Wenn die Wissenschaft die Welteislehre ablehnt, so geschieht dies nicht aus Gelehrtenhochmut, sondern die Ablehnung ist notwendig, weil die Welteislehre den selbstverständlichsten Grundsätzen der wissenschaftlichen Forschung widerspricht, weil ihre Annahmen mit den Beobachtungstatsachen nicht in Einklang zu bringen sind. Die Welteislehre wird oft als das Ergebnis technischen Denkens bezeichnet und daraus mit einem gewissen Stolz der Gegensatz zu den Naturwissenschaften erklärt; gerade dies hat der Welteislehre in den Kreisen der Techniker viele Anhänger zugeführt. Es ist richttg, daß die Arbeitsweise von Technik und Naturwissenschaft — trotz aller Berührungspunkte — grundsätzlich verschieden ist: die Technik ist eine schöpferische Kunst, die aus zweckentsprechend ausgewählten Teilen ein neues Werk, eine neue Maschine zusammenfügt. Die naturwissenschaftliche Forschung hat dagegen umgekehrt die Aufgabe, die vorhandenen Gegebenheiten der Natur auflösend zu untersuchen und zu erklären. Der Techniker kann zugleich Naturforscher fein, wie auch der Naturforscher technische Aufgaben zu lösen vermag; verfehlt ist es jedoch, wenn man die schöpfe- risch-zusammenfügende Arbeitsweise der Technik dort anwendet, wo nur die auflösende und erklärende Untersuchungsweise des Naturforschers am Platze ist. Dies ist der Grundfehler Hörbigers; das Ergebnis ist ein Gedankengebäude, das mit der wirklichen Welt nicht mehr Aehnlichkeit hat als etwa ein Kraftwagen mit einem Rennpferd. Die Welteislehre hat in den letzten Jahren versucht, sich als das ausgesprochen nordische, ja das nationalsozialistische Weltbild hinzustellen, um daraus ihren Gegensatz zur überkommenen Schulweisheit zu erklären. Dies hatte zur Folge, daß die Reichspropagandaleitung der NSDAP, kürzlich die Welteislehre kennzeichnete als eine „unter nationalsozialistischem Deckmantel auftretende Hcheinwissen- schaft, die den klarsten wissenschaftlichen Forschungsergebnissen widerspricht", und die „den Ruf des deutschen Geistes und der Partei umso schwerer schädigt, als ihre Vertreter es verstehen, die Reklametrommel gewaltig zu rühren, und so natürlich viele Ahnungslose finden, denen die entgegen* stehenden, unumstößlichen wissenschaftlichen Forschungsergebnisse nicht bekannt sind." Der Vortrag wurde mit lebhafter Aufmerksamkeit verfolgt. Dem Redner wurde dankbarer Beifall zuteil. Eine kurze Aussprache schloß sich an. Aus dem Kreise der Zuhörer wurden mehrere Fragen gestellt, die vom Redner des Abends beantwortet wurden. Dr. Heidt schloß den Abend mit Hinweisen auf die nächste Vortragsveranstaltung. An einem Sonntag im August soll unter sachkundiger Führung ein Rundgang durch den Botanischen Garten unserer Universität unternommen werden. Bei dieser Gelegenheit wird auch die Schmetterlingssammlung von Universitäts^Gartenbauin'spektor Nessel, die eine der größten Privatsammlungen in Deutschland darstellt, gezeigt werden. 'üble getan durchsichtig ruht leicht und schwebend aus gelt seine lichten, besonnten (Sommer — Gommer. Von Hermann Hesse. Still löse ich die rostige Kette vom alten Baumstamm, schiebe mein leichtes Ruderboot ins Wasser, knie hinten auf und stoße vom Strande ab. Der See liegt weit hinaus spiegelglatt und flimmert grün und silbern. Die Sonne brennt in voller Mittagskraft herunter, und der jenfeitige Seerand spiegelt einen blauen, leuchtenden, von festgeballten schneeweißen Sommerwolken durchzogenen Himmel. Hinter mir entweicht das schattige Wiesenufer mit hohen Pappeln und breiten, alten, tiefhängenden Weiden, und mit* dem Ufer flieht auch alles das zurück, was mir dort am Lande Arbeit und Freuden, Pein und Sorgen macht. Es wird fern und unkenntlich, es verliert an Wichtigkeit und Wert, je weiter ich in den blendenden Brand der Farben und Lüste hineinfahre, desto fremder, älter, unbegreiflicher wird mir das kaum erst Vergangene. Zu Hause liegt alles, wie ich es liegen ließ. Da liegen Briefe, auf die ich amnorten soll, und Rech- nunaen, die ich bezahlen, und Einladungen, denen ich folgen soll, an gefangene Arbeiten und aufgeschlagene Bücher. Alle diese Dinge scheinen mir, indes ich langsam seewärts rudere, uralt und wesenlos, töricht und unnötig, einer sonderbar entarteten Welt zugehörig, der ich entronnen bin und die ich nicht mehr verstehe. Ein Kohlenhändler will Geld von mir, weil ich vorigen Winter mit seinen Kohlen eingeheizt habe. Ein Verlagsbuchhändler will, ich solle doch wieder ein neues Buch schreiben — als ob das ein Sommervergnügen wäre; ein Freund verlangt Auskunft über die hiesigen Wohn- und Steuerverhältnisse. Ist das nicht alles lumpig, lächerlich und wertlos? Heber mir blaut in ungeheurer Weite und Glut der vieltausendjährige Himmel, Wolken schreiten ihren uralt heiligen Reigen, stille Berge stehen kühn und unveränderlich — wie ist es möglich, daß daneben immer noch der komische Bagatellenkram der kleinlichen Menschengeschäfte und Menschensorgen besteht! Nein, er besteht nim- lenden Höhe Got herabschaut in dies Tal und Gebirge und diesen See und seine Ufer samt Dörfern, Klöstern, Höfen und närrischen Menschen mit Wohlgefallen und Güte betrachtet.' Und ich weiß auch, daß alles, was ich in dieser Stunde sehe und lebe und tue, gut und notwendig und köstlich ist. . Denn jetzt sehe ich Gott in die Augen, jetzt redet der Geist der Erde und der Geist der Höhe, der See und das weithingestreckte Gebirge mit mir. Jetzt bin ich kein einzelner, keine Persönlichkeit, kein ängstlich abgetrenntes und unterschiedenes Wesen mehr, sondern einfach ein Kind der Erde, das keine eigenen Gedanken und Wünsche und Sorgen hat und hingegeben dem größeren, reichen Leben der Lüfte und Wasser, Wolken und Wellen zuschaut. ner, schwimmender Vogel. Wie habe ich das kleine, schmucke Fahrzeug lieb! Von allen Dingen, die ich besitze, ist es das einzige, das fern von Haus und Zimmer und fern von den Geschäften des Alltags nebendraußen lebt und meiner wartet wie ein Stück Natur, wie ein Baum oder ein Tier. Es ist vielleicht auch von allen Dingen, die ich besitze, das einzige, an welchem nur schone, reine, liebe Erinnerungen hängen. Mein Boot hat mich wohl schon traurig, nachdenklich oder müde gesehen, aber es sah mich nie verdrießlich, ängstlich, mißmutig, hastig und zornig. Es ist mir auf ungezählten Fahrten lieb und vertraut geworden. Ich kenne alle seine Fähigkeiten und Vorzüge, auch seine wenigen kleinen Fehler, es hat mir hundert Mal genützt unh mich hundertmal erfreut und vergnügt, und ich habe es geschont und gepflegt, mit Teer verdichtet, mit schonen Farbkn bemalt und jedesmal am Strande zu einem sicheren, sandigen und guten Landeplatz geführt. Da schwimmt es heiter und zierlich, wartet auf mich und schaut nach mir aus. Ich kehre zu ihm zurück und klettere triefend und erfrischt über Bord, ziehe die Ruder ein und lege mich der Länge nach auf den Boden. Nackt in der Sommersonne zu liegen ist mir immer eine Wonne: es ist schön, wenn man es auf einer Wiese oder im Sand am Ufer mer; er ist untergegangen, wie alles Lächerliche untergeht, ist zu Sage, Traum und unbegreiflicher Vergangenheit geworden. Unbegreifliche Vergangenheit! Alexander der Große und der Perserkönig Darius sind mir nicht ferner und merkwürdiger und unverständlicher, als der heutige Morgen und der gestrige Abend es sind. Was tat ich? Ich weiß nicht mehr; vielleicht Briefe schreiben, vielleicht Bücher lesen. Warum tat ich es? War esf notwendig? War es gut? War es unnütz und schädlich? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, daß in dieser gegenwärtigen herrlich schönen Stunde die Mittagssonne mir die Arme und das Gesicht noch brauner macht, daß auf der weiten Wasserfläche unerhörte, fabelhafte Farben spielen und inbrünstig glühen, daß aus der glühenden strah- Und nun habe ich unvermerkt die Seemitte erreicht. Dorf und Kirche des verlassenen Ufers sind fern gerückt und klein geworfen, die Gebüsche am Strande fließen ineinander, und über die Hügelhöhe hinweg, die noch vor einer Weile die höchste war und scharf im Blauen stand, sehe ich jetzt ferne Berge ragen, Berge mit dunkeln, weichen Waldrücken und andere mit steilen Felshängen. Weit um mein Boot her glänzt der unbewegte Wasserspiegel, und nach wenigen Augenblicken bin ich der Kleider ledig, habe den köstlichen Sprung ins Kühle getan und schwimme ziellos in dem weichen, durchsichtig reinen Wasser dahin, in Bögen und Kreisen, bald heftig schlagend und plätschernd, bald unhörbar leise und heimlich. Mein weißes Boot mit dem hellgrünen RcuMe und den hellgrünen Ruderschaufeln " * ft der Fläche und spie- Flanken wie ein schön- oder auf der Dachterrasse eines Hauses tut, aber nirgends ist es so schön wie auf einem großen Wasserspiegel im Boot, das wie ein Kelch die Wärme empfängt und hält. Da geht der Sonnenbrand durch Haut und Fleisch bis ins Mark, und wenn es zuviel wird, braucht man nur einen raschen Sprung zu tun und liegt sogleich im tiefen, klaren Wasser. Zu Anfang des Sommers, wenn der Leib noch weiß und kleidergewohnt ist, gibt es kleine Beschwerden, da brennt die Haut und rötet sich und schält sich ab. Dann aber wird sie fest und braun und sonnensicher, und dann kommt die Zeit, da der Leib seiner selbst froh wird und in animalischem Wohlsein atmet und gedeiht und Sonne, Wasser und Lust als seinesgleichen fühlt. Dann hort auch die Empfindung der Einheit von Leib und Seele auf, ei n p einlich es Abhängigkeitsgefühl zu fein. Denn wie der Körper sich frei und wohl und sicher fühlt, so legt die Seele das Kleid der Gewohnheit und Alltäglichkeit von sich, atmet erstaunt und frei, kehrt zu heimatlichen Quellen zurück, wird dankbares Kind der Erde und Sonne, fühlt Verwandtschaft mit allen! Lebenden und lernt die Sprache der Mutter Erde wieder verstehen. Sie wird Kind, Welle, Wolke, Lied, sie singt und träumt, sie erlebt Sagen und Wunder. Wie alle Dichtung Erinnerung ist, so sind die seltsamen Regungen und phantastischen Träume, die in solchen Sonnenstunden in uns spielen, Erinnerungen an fernstes Ehemals, an Schöpfung und Hrzeit, an den „Geist über den Wassern ..." Ein leiser Luftzug weckt mich auf. Der See beginnt sich in unendlich feinen, zarten Linien zu kräuseln, die Wolken über dem Gebirge Haden sich vereinigt und wachsen mit stummer Eile himmelan, werden dunkel und drohend. Bald wird es Donner und Wind geben, vielleicht Sturm. Wie das im Luftreich arbeitet, strebt und brütet! In Eile werfe ich die Kleider um, lege die Ruder aus und trete die Heimfahrt an. Das Seegekräusel wird zum Wellenschlag, doch sind die Wellen noch klein und rund und geben wenig Widerstand. Mein gutes Boot fährt rasch darüber hin, und ehe noch die ersten Regentropfen fallen und das Wasser am Ufer zu branden beginnt, sind mir im Hafen. Heimkehrend finde ich Bücher, Briefe und Rechnungen auf meinem Tische liegen, fange ungern zu arbeiten an und werfe nach einer Viertelstunde das ganze Zeug wieder von mir. Das Vefttändnis für die Notwendigkeit dieser törichten Dinge ist mir noch immer nicht wiedergekehrt. Draußen ist ein wütender Gewitterregen ausgebrochen, die Dorfgasse ist ein gelber Bach, und die Dächer glitzern weiß von den aufprallenden Güssen. Drüben überm See blitzt und donnert es prächtig, und mich faßt wie in Knabenzeit bei diesem Toben ein übermütiges Frohgefühl. Pfeifend ziehe ich hohe Stiefel und eine Lodenjacke an, drücke den Filz auf den Kopf und wandere ohne Ziel in das laute, herrlich zürnende Gewitter hinaus Pofaunenflänge. Anekdoten um Franz v. Dingelstedt, zu seinem I25jät)rigen Geburtstage am 30.3uni. In Ricklingen bei Hannover, wo er als Gymnasiallehrer durch heitere Streiche und kühne Aufsätze manchen Anstoß bei Behörden und Bürgern erregte, verdiente sich Dingelstedt seine literarischen Sporen. Damals erschien in Hannover „Die Posaune", ein ziemlich geistloses, ästhetisches Blättchen. „Wissen Sie, welcher Unterschied zwischen Ihrer Posaune und der des Jüngsten Gerichts besteht?" fragte Dingelstedt den Herausgeber Harrys. Harrys schüttelte mißtrauisch den Kopf. „Nun, das ist doch einfach", lächelte Dingelstedt. „Bei der Posaune des Gerichts wachen die Toten auf — bei Ihrer Posaune schlafen die Lebendigen ein..." * Als Intendant in München emvfand der Dichter voll Mißmut die Gleichgültigkeit des altbayerischen Ahels gegenüber jeglichem kulturellen Fortschritt. Felix Dahn berichtet von einem Vortrag, den Dingelstedt damals im Liebigschen Hörsaal hielt. Hof und Adel waren zahlreich vertreten. Dingelstedt begann folgendermaßen: „Angesichts eines geistleeren Hofes und eines heruntergekommenen Adels" — lange Kunstpause — eisiges Entsetzen der Zuhörer — „war es, daß im 17. Jahrhundert in Wien und so weiter..." ♦ In Fulda wohnte in dem Hause Dingelstedts ein schrulliger Junggeselle, der die Hälfte feines Lebens in Wirtshäusern verbrachte. Er hieß Größer und besaß einen Hund, der ihn auf allen seinen Gängen begleitete und den er „Schnaps" genannt hatte. Eines Tages war Schnaps verschwunden, wahrscheinlich hatten Zigeuner ihn mitgenommen. Größers Schmerz war groß, und Dingelstedt sandte ihm gerührt folgenden poetischen Trost: „Herrn Größers Hund, Schnaps zubenannt, entkam ihm jüngst durch Diebeshand. Darob nun sollt er sich nicht kränken und hübsch die Billigkeit bedenken ~ da ihm nur e i n Schnaps ist entkommen, und er so viele selbst schon hat genommen!" * Als Direktor des Wiener Hoftheaters war Dingelstedt einmal beim Begräbnis eines bekannten Theaterkritikers zugegen. Es waren nur wenige Schauspieler anwesend. „Das ist kein Wunder!" sagte Dingelstedt auf eine diesbezügliche Frage, „der Kritiker hat sie sein Lebtag „mitgenommen", nun fürchten sie wohl, daß er sie auch diesmal mit- nimmt!" IBACH „M100“, Gr. £050 130X76 RM.UÖ „MIDI“, Gr.£480 150X75 RM.Ut Prospekte auf Wunsch! 234d Holzwarenfabrik E.H.Miiller Gießen,Tel.2332 Alleinvertretung: ti.Ebert Klaviermacher Bleichstraße 17 Fernruf 2403 Verkauf u. 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September 1939 geboren werden, kommen erst bei der Mehreinkommensteuer 1940 für eine Er- Mäßigung in Betracht. Die Ermäßigung besteht darin, daß für das dritte und jedes folgende Kind ein Freibetrag von 900 Mark vom Mehreinkommen abgezogen wird, so daß die Geburt eines 3. bzw. 4. usw. Kindes die Steuer um je 135 RM. ermäßigt bzw. Befreiung Herd ei führt. Für die Erlangung der Ermäßigung genügt es, daß das Kind in der Einkommensteuererklärung mitaufgeführt ist. Auswirkungen bei der Vermögensteuer. 15, rote Rüben, das Bündel 10 bis 12, Spinat, Vi kg 15 bis 16, Römischkohl 10 bis 15, Bohnen, grün 25 bis 30, Erbsen 20 bis 30, Tomaten 30 bis 45, Zwiebeln 15 bis 18, das Bündel 10 bis 15, Rhabarber, Vi kg 14 bis 15, Pilze 50, Kartoffeln, neue, % kg 12 bis 14 Pf., alte, % kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,40 bis 4 Mark, Pfirsiche, % kg 40 bis 45, Himbeeren 50, Kirschen 30 bis 45, Stachelbeeren 20 bis 25, Johannisbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 35 bis 55 Pf., junge Hähne 1 bis 1,20 Mark, Suppenhühner 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 70 Pf., Blumenkohl, das Stück 10 bis 60 Pf., Salat 5 bis 8, Salatgurken 20 bis 45, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 15 Pf, Frühkartoffeln, 50 kg 10 Mark. Wiederbeginn der Sprechstunde 3. Juli Gießen, den 29. Juni 1939. Der Oberbürgermeister. Ritter. Todesanzeige. Am 22. Juni 1939 starb infolge Unglücksfalles der Unteroffizier DieAxtimHaus erspart den Zimmermann, aber nicht bei Hühneraugen, da hilft nur „Lebewohl“. Blechdose (8 Pflaster) 65 Pf. in Apotheken und Drog. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgänge unserer lieben Entschlafenen, für die Liebe, die ihr während ihrer langen Krankheit zuteil geworden ist, sowie Herrn Pfarrer Gondrum für seine trostreichen Worte am Grabe sagen wir unseren innigsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Emil Schlag. Praxis bis zum 12. Juli geschlossen Dentist Zutt Bahnhofstraße 76 Ein vorzüglicher, stets pflichtbewußter Unteroffizier, ein ausgezeichneter Kamerad ist damit aus unseren Reihen gerissen. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. Keidel Oberleutnant und Kompaniechef 10./In£-Rgt. 115. Betrifft: Wohusiedlungsgebiet Gießen. Vorstehende Bekanntmachung bringe ich , zur öffentlichen Kenntnis. Die Teilung eines Grund- stücks, die Auflassung eines Grundstücks oder Grundstücksteils sowie jede Vereinbarung, durch die einem anderen ein Recht zur Nutzung oder Bebauung eines Grundstücks oder Grundstücksteils eingeräumt wird, bedarf gemäß § 4 des Gesetzes über die Aufschließung von Wohnsiedlungsgebieten vom 22. 9. 1933 zu ihrer Wirksamkeit der Genehmigung der zuständigen Behörde. Soweit der Stadtkreis Gießen tn Frage kommt, ist der Oberbürgermeister der Stadt Gießen zur Erteilung der erforderlichen Genehmigung zuständig. Gießen, den 29. Juni 1939. 4640C Betrifft: Wohusiedlungsgebiet Gießen. Bekanntmachung. Auf Grund des Gesetzes vom 22. September 1933 über die Aufschließung von Wohnsiedlungsgcbieten (Reichsgesetzbl. I S. 659) werden folgende Gemarkungen mit Wirkung vom 1. Juli 1939 zum Wohnsiedlungsgebiet erklärt: 1. Stadt Gießen mit Schiffenberg, Klern-Lrnden und Wieseck, 2. Annerod, 3. Rödgen, 4. Leihgestern, 5. Heuchelheim. Darmstadt, den 20. Mai 1939. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — I. V.: Reiner. Sicher zu haben: medix.-Drogerie Haus Hindenburg H. Blges, Seltersweg 68a.- Löwen- Drog, W. KUblnger Nllg., Sellerew. 63 StoWnövi- rostfrei sofort plifsieranstalt Häuser Ludwigstraße 8. 03259 Betr.: Ausweiszwang. Bekanntmachung. Aus gegebenem Anlaß wird erneut darauf hingewiesen, daß nach dem Paßgesetz von 1867 Reichsangehörige und Ausländer verpflichtet sind, sich auf amtliches Erfordern — jederzeit — über ihre Person genügend auszuweisen. Reichsangehörige über 15Jahre kommen dieser Ausweispflicht zweckmäßig durch Vorzeigen irgendeines gültigen amtlichen Lichtbildausweises nach, da sie andernfalls Gefahr laufen, bis zur Feststellung ihrer Person polizeilich festgehalten zu werden. Für Ausländer ist diese Ausweispflicht durch die Paßverordnung von 1919 zum Paßzwang erweitert worden, d. h. alle Ausländer müssen beim Aufenthalt im Reichsgebiet, wenn sie sich nicht nach der Paßstrafverordnung von 1923 strafbar machen wollen, einen gültigen Heimatpaß oder einen nach deutschem Recht anerkannten Paßersatz bei sich führen. Auf Anregung von Land rat Dr. Lotz wurde < ?estern von zahlreichen Bürgermeistern des Land- < reifes Gießen eine Fahrt unternommen, die dem j besonderen Iweck diente, Schwimmbäder zu besichtigen und den Bürgermeistern Anregungen verschaffen sollte, wie sie in ihren Gemeinden ähnliche Einrichtungen schaffen können, die der Leibesertüchtigung auch der ländlichen Bevölkerung dienen können. Die Besichtigungsfahrt galt Gemeinden und Städten verschiedener Größen, so daß sehr anschaulich zu erkennen war, in welcher Form, entsprechend ihrer wirtschaftlichen Leistungskraft, die einzelnen Gemeinden das Problem des Schwimmbadbaues lösten. Die Fahrt, die mit mehreren Personenkraft- ■ wagen und drei vollbesetzten Omnibussen durchge- ■ führt wurde, führte zunächst nach Rüsselsheim, wo ein Schwimmbad großen Ausmaßes im Entstehen begriffen ist. Anschließend wurde der Weltflughafen Rhein-Main besucht. Dann wurde die Fahrt nach Groß-Gerau fortgesetzt, sie führte ferner nach Krum- stadt und nach dem Siedlungsdorf Allmendfeld, das hie ländlichen Bürgermeister in allen seinen Anlagen besonders interessierte. lieber Bensheim, Heppenheim und Lindenfels wurde dann die kleine Gemeinde Hammelbach im Odenwald besucht, die durch den Bau eines Schwimmbades ihre Bedeutung als Kurort besonders steigern konnte. In Erbach wurden das Schloß, der Marktplatz, schließlich auch das Elfenbeinschnitzmuseum besichtigt und dabei starke Eindrücke gewonnen. Auch das Sportgelände von Erbach wurde einer eingehenden Besichtigung unterzogen. In Michelbach wurde das schöne Rathaus bewundert und ebenfalls den Sportstätten ein Besuch obge- stattet. Die Fahrt fand ihren Abschluß in Seligenstadt, wo die Aufmerksamkeit der Gäste dem herrlichen Marktplatz, ferner der Einharts-Basilika und den sonstigen Sehenswürdigkeiten der Stadt galt. Zu später abendlicher Stunde und erfüllt von den überreichen Eindrücken, die die Fahrt vermittelte, kehrten die Bürgermeister wieder zurück. Ueberall waren sie mit großer Herzlichkeit ausgenommen worden. Ueberall auch wurden umfassende Erklärungen über die von den einzelnen Gemeinden durchgeführten Sportanlagenbauten gegeben, so daß der Zweck her Fahrt vollauf erfüllt worden sein dürste. * Beförderungen bei der Reichspost. Im Dienstbezirk Gießen der Reichspost wurden ntit Wirkung ab 1. Juli bzw. 1. April nachstehende Beamte befördert: Postinspektor Georg Faust zum Oberpostinspektor, die Postsekretäre Georg Korell und Heinrich Paulus zu Oberpostsekretären und die Postsekretä^in Marie Reuhl zur Oberpostsekretärin. Der außerplanmäßige Werkführer Willy Flach wurde zum Werkführer ernannt/ Weiterhin wurden die Postbetriebsassistenten Heinrich Martin, Theodor Bünding, Heinrich Weiß, Johann Flach, Adam Ritz, Otto Kaiser, Jakob Schneider, Heinrich Mattern, Konrad Schmehl, Wilhelm Semper und Johannes Kind, sowie der Oberpostschaffner Karl Staubach zu Postbetriebsworten befördert. Die Postschaffner Heinrich Sann und der am Zweigpostamt Londor tätige Friedrich Dietzler wurden zu Postbetriebsassistenten ernannt. Zum Oberpostschaffner wurde der Postschaffner Otto Neeb und zu Postschaffnern Friedrich Wetz, Ludwig Balser, Ludwig Lich, Otto Jung und Theodor Rinn ernannt. Gießener Dochenmarktpreise. ♦ Gießen, l.Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, deutsche Eier, vollfrisch, Klasse S 13, A 12/4, B 12, C 11K D 10^, Wirsing, % kg 15 bis 16, Weiß- kraut 15 bis 16, gelbe Rüben, das Bündel 12 bis Abgabe her Einkommensteuererklärung noch während des Kalenderjahres im Hinblick auf die bevor- tehende Geburt eines Kindes eine Herab- etzung der Einkommensteuer vorauszahlun- ge n beantragt werden können, zumal bei der Geburt des ersten Kindes. Es genügt, daß die endgültige Einkommensteuer voraussichtlich um mehr als Vs, mindestens 100 RM. niedriger sein wird als die durch den letzten Steuerbescheid festgesetzten Vorauszahlungen. Bei Ehepaaren, die bisher nach Gruppe III veranlagt wurden, macht bei einem Einkommen von 4300 RM. oder darüber die Ermäßigung der Einkommensteuer infolge Geburt des ersten Kmdes stets mehr als 100 RM. aus, bei Ehepaaren, die wegen langjähriger Kinderlosigkeit ihrer Ehe nach Gruppe II zu veranlagen wären, sogar schon ab 2000 RM. Einkommen. Ermäßigung der Vürgersteuer. Bei der Bürgersteuer tritt eine Ermäßigung erst von der Geburt eines 2. Kindes ab ein. Hier ist für die Gewährung der Kinderermäßigung der Familienstand am jeweiligen Stichtag maßgebend. Daher werden bei der Bürgersteuer 1940, die im Dezember 1939 durch Steuerbescheid bzw. auf der Steuerkarte angefordert werden wird, nur solche Kinder mitgezählt, die spätestens am 10. Oktober 1939 geboren sind bzw. geboren sein werden. Kinder, die erst nach dem 10. Oktober 193,9 geboren sind bzw. bis zum 10. Oktober 1940 geboren werden, werden erst bei der Bürger- steuer 1941 berücksichtigt. Dies gilt sowohl für die auf den Steuerkarten angeforderte Vürgersteuer, die von Lohn- oder Gehaltsbezügen einbehalten wird, als auch von her Bürgersteuer, die durch Steuerbescheid festgesetzt wird. Bei einem zur Einkommensteuer veranlagten Einkommen unter 2600 RM. oder Gehalts- oder Lohneinkünften (brutto) unter 2800 RM. wird her Reichssatz (Steuermeß. betrag) für das 2. Kind und 3. Kind um je 2 RM. ermäßigt; vom 4. Kind ab besteht Steuerfreiheit. Liegt das Einkommen darüber, aber unter 25 000 RM., so wird der Reichssatz für das 2. und 3. Kind um je 1 RM., vom 4. Kind ab um je 2 RM. für jedes neugeborene Kind ermäßigt. Bei Einkommen über 25 000 RM. wird keine Kinderermäßigung gewährt. Zur Erlangung her Ermäßigung bei der Bürgersteuer genügt es regelmäßig, daß das oder hie neugeborenen Kinder von dem Haushaltungsvorstand in der Haushalt-Lifte der Personenstandsaufnahme am 10. Oktober mitaufge führt werden, da nach dieser die Lohn st euer karten und Bürgersteuerbescheide ausgeschrieben werden. Ist das neugeborene Kind trotzdem auf der Steuerkarte bzw. im Bürgersteuerbescheid noch nicht berücksichtigt, so ist bei der für die Ausschreibung zuständigen Gemeindebehörde Einspruch einzulegen und eine entsprechende Berichtigung zu beantragen. Mehreinkommensieuer-Freibelrag. Bei der Mehreinkommensteuer bringt erst die Geburt eines dritten Kindes eine Vergünstigung. Da diese davon abhängt, daß für das Kind in dem sog. „Zweitjahr" bei der Einkommensteuer Kinderermäßigung zu gewähren war, werden bei h er Mehreinkommen st euer 1939 nur Kin- Dio Steuervergünstigungen, die durch die Geburt ' eines Kindes ausgelöst werden, sind im Laufe der Jahre immer mehr ausgebaut worden. Diese zunehmende Verfeinerung hat dazu geführt, daß viel- ach noch bei den Eltern eines neuen Erdenbürgers Inklarheiten über den Umfang der Vergünstigungen, den Zeitpunkt für ihr Inkrafttreten und die Wege zu ihrer Erlangung bestehen. Eine zusammenfassende Darstellung erscheint daher angebracht. Lohnsieuerermäßigung bei Gehalts- und Lohnempfängern. Bei der Lohnsteuer kann das Inkrafttreten her Vergünstigungen am schnellsten und einfachsten erreicht werden. Der Gehalts- oder Lohnempfänger kann sich bereits kurz vor dem glücklichen, aber ja nicht völlig unerwarteten Ereignis seine Steuerkarte vom Arbeitgeber aushändigen lassen. Er hat dann, zumal in Orten, wo das Standesamt und die zur Ausschreibung der Steuerkarten zuständige Gemeindebehörde in einem und demselben Gebäude untergebracht sind, nur einen einzigen Gang, wenn er unmittelbar nach der Anmeldung des Kindes auf dem Standesamt die noch tintenfrische Geburtsurkunde im Nebenzimmer bei dem zuständigen Beamten zusammen mit her Steuerkarte vorzeigt, damit letztere berichtigt wird. Die Vergünstigung wird bereits für hie nächste auf die Eintragung folgende Lohnzahlung gewährt. Wenn man sich beeilt, kann man also noch für ein Kind, das erst am Tag der Gehaltszahlung selbst geboren ist, die Vergünstigung erhalten. Stirbt ein Kind in den ersten Tagen nach der Geburt, jedoch nachdem es bereits auf der Steuerkarte eingetragen ist, so bleibt die Ermäßigung trotzdem bis zum Ende des Kalenderjahres bestehen. Der Umfang her Vergünstigung ist aus her Lohnsteuertabelle ohne weiteres zu ersehen. Einkommensteuer-Ermäßigung im Steuerbescheid und bei den Vorauszahlungen. Bei her Veranlagung zur Einkommensteuer wird eine Kinderermäßigung nur für die neugeborenen Kinder gewährt, die mindestens vier Monate während des maßgebenden Kalenderjahres zum Haushalt btr Eltern gehört haben. Daher können z. B. nur die vor dem 1. September 1939 geborenen Kinder bei der Veranlagung für 1939 berücksichtigt werden, und auch diese nur, wenn sie lebend zur Welt gekommen und nicht bereits vor Ablauf von vier Monaten nach ihrer Geburt wieder verstorben sind. Für Kinder, die erst nach dem 31. August 1939 geboren werden, kann frühestens bei der Veranlagung der Einkommensteuer für 1940 eine Kinderermäßigung gewährt werden. Doch kommen nach her Geburt eines ersten Kindes in der Zeit zwischen 1. September und 31. Dezember 1939 Ehepaare, deren Ehe vor dem 1. Januar 1934 geschlossen wunde und bisher kinderlos geblieben ist, bei der Veranlagung für 1939 wenigstens in hie Steuergruppe III bzw. sie bleiben in dieser Steuergruppe; die Steuergruppe II, deren Sätze um etwa 40 v. H. höher sind, bleibt ihnen also erspart. für Erlangung dieser Vergünstigungen genügt es, die neugeborenen Kinder auf der Steuer- , erklärung mit Vornamen und Geburtsdatum aufgeführt werden. Geburtsurkunden brauchen . nicht bei gefügt zu werden. Sehr oft wird schon vor seit über drei Jahrzehnten zum treuen Leserkreis des Gießener Anzeigers. ** Ausweiszwang. In einer Bekanntmachung des Herrn Oberbürgermeisters wird darauf hingewiesen, daß für jeden Reichsangehörigen, insbesondere auch für Ausländer, hie sich im Reichsgebiet aufhalten, her Ausweiszwang besteht. Jedermann muß in der Lage sein, einen gültigen amtlichen Ausweis vorzeigen zu können. ** Ausgabe von Versicherungskarten zur Handwerker-Altersversorgung. Die Kreishandwerkerschaft gibt bekannt, daß die Ausgabe der grünen Derficherungskarten zur Altersversorgung innerhalb des Kreises Gießen an verschiedenen Orten erfolgt, und zwar in Gießen für Stadt und nächste Umgebung, ferner in Grünberg, in Laubach, in Lich, in Hungen und in Lollar jeweils für die Stadt bzw. die Gemeinde selbst und für die nähere Umgebung. Die Ausgabe der Karten erfolgt jeweils in den Diensträumen der Bürgermeistereien. Bei der Vermögensteuer wird für jedes Kind, das am Stichtag her Dermögensfeststellung mit den Eltern zusammen zu veranlagen war, diesen ein Frei betrag van 10 000 RM. vom steuerpflichtigen Vermögen abgezogen. Doch st, ha seit 1935 keine neue allgemeine Vermögen- teuerveranl a aung durchgeführt worden ist, bisher noch immer her Familienstand vom 1.5a« nuar 1935 allgemein maßgebend, und zwar auch bei etwaigen Neuoeranlagungen wegen Erhöhung oder Rückgang des steuerpflichtigen Vermögens. Für zwischen dem 1. Januar 1935 und 31. Dezember 1938 geborene Kinder kommt die Gewährung eines Freibetrages von 10 000 RM. nur in Betracht, wenn ein Ehegatte oder.eines her mit den Eltern nach dem Stande vom 1. Januar 1935 zusammen veranlagten Kinder verstorben ist und die Vermögenfteuer wegen Erhöhung ober Rückgang des Vermögens der Ueberlebenden auf den 1. Januar 1939 ' neu veranlagt wird. Bei Erhöhungen des Vermögens nimmt das Finanzamt von sich aus eine Neuveranlagung vor. Herabsetzungen der Vermögensteuer wegen Rückgang des Vermögens müssen bis zum Ende des Kalenderjahres, auf dessen Beginn der Ver- mögensrückgang festzustellen ist, vom Steuerpflichtigen beantragt werden. Für jedes in den Jahren 1935 bis 1938 geborenes Kind, für das kein derartiger Frei- bet r a g vom Vermögen ab gezogen wird (weil kein Todesfall ober keine Vermöge nsänderung um mehr als ein Fünftel ein getreten ist), wird den Eltern der Jahresbetrag her Vermögensteuer 1939 um je 50 RM. im Billigkeitswege ermäßigt. Der Antrag auf diese Ermäßigung ist an keine bestimmte Frist gebunden. Er kann jederzeit noch mit Wirkung für die bereits am 10. Mai 1939 fällig gewesene erste Rate her Vermögensteuer für hie Zeit vom 1. April 1939 bis 31. März 1940 bei dem Finanzamt gestellt werden. Dr. Bickerich. Büch erlisch. — Trübners Deutsches Wörterbuch. Im Auftrag her Arbeitsgemeinschaft für deittfche Wortforschung herausgegeben von Alfred Götze. Fünfzehnte Lieferung: Hirt — Hütte. Preis 1 RM. Verlag Walther he Gruyter unb Co., Berlin 1938. — (27) — Mit dieser 15. Lieferung wird zum ersten Male ein vollständiger Band des gesamten Werkes abgeschlossen: 3. Band, G bis H. Zugleich wird eine neue Gliederung des Ganzen in acht Bände bekanntgegeben. Der neuen Lieferung liegt ein Verzeichnis her llMarbeiter bei. Der Arbeitsplan ist im übrigen der gleiche geblieben, wie er den früher erschienenen Abschnitten zugrunde lag. Aus dem Inhalt seien diesmal die folgenden Wortgeschichten genannt: Hirt; hoch; Hochzeit; Hokuspokus; Hölle; hören; Horn; Hose; Humor; Hundsfott; hurra; Husar; Hut. Hans Thyriot. — Die Lohnsteuer. Was Arbeitgeber unb Arbeitnehmer von der Lohnsteuer sowie her vom Arbeitslohn zu berechnenden Wehrsteuer, Bürgersteuer und Kirchensteuer wissen müssen! Mit ausführlichen Lohn- und Wehrlohnsteuer-Tabellen. (2. Auflage.) Don Obersteuerinspektor P. Heeg. Verlag Wilh. Stoll fuß in Bonn. Preis 1,25 RM. — (34) — Die Schrift behandelt allgemeinverständlich die wichtigsten Bestimmungen über den Abzug der Lohnsteuer vom Arbeitslohn unter Berücksichtigung der neuesten Gesetzgebung. — Die Gewerbesteuer. (2. Auslage.) Von Steuerinspektor Dr. W. Sinzig. Verlag Wilh. Stoll- fuß in Bonn. Preis 1,25 RM. Das neue Gewerbe- steuergesetz hat eine reichseinheitliche Regelung getroffen. Dieses ist in übersichtlicher Form erläutert. Geeignete Beispiele sind herangezogen unb geben dem Benutzer praktische Fingerzeige. frleb kaufte sechs Pferde, darunter Nachkommen her bekannten Vererber „Vordermann" unb „Diamant" an. Es waren bies Pferbe her Züchter chch. Deith II., Reichelsheim/W. („Vordermann"); Wilhelm Nicklas, Weitershain/Kr. Gießen („Deich- graf"); Arthur Roth, Muschenheim („Lichtfleck"); Emst Bruckmann, Birklar („Diamant"); Rudolf Koch, Trais-Münzenberg/Kr. Friedberg („Diamant") unb Albr. Müller, Bellersheim („Dorbermann"). Bei der Prämiierung wurden drei zweite Preise ausgegeben, und zwar an Willi Mann (Nidda), an Johannes Wehrheim (Robheim v. b. H.) unb an Theodor Peter (Bernsfeld). Bürgermeister des Kreises Gießen auf großer Besichtigungsfahrt. -****üiesser. Friedri chstr.7 Lieferant aller Kassen ThSi bei ^^bringt die leichte .. ,de chter M M . IM eise finden gtostüm plantet \kleid Sovnxn^ rroßer bekannt aW 'tn Ausw: angenehmer und ein orig- einen feschen ein duftiges ein nettes > ■ nVi Fernsprecher 3186 und 3146 Gießen, Walltorstraße 63 4632P )0k oto-U/ettGeivetG / Der Fremdenverkehrsverein Gießen veranstaltet zwecks Erlangung guter Aufnahmen von Gießen und seiner nächsten Umgebung einen photographischen Wettbewerb. Die Bedingungen für dieTeilnahme an diesem Wettbewerb sind in den Gießener Photohandlungen erhältlich. Letzter Einsendungstermin ist der 1. Oktober 1939. Fremdenverkehrsverein Gießen | Einspaltige ~| werden zum ermäßigten . Grundpreis von 6 Pf. für die Kleinanzeigen Millimeterzelle veröffentlicht! Um jedem Zweifel und Irrtum in Kreisen unserer gesch. Kunden und Freunde zu begegnen, geben wir auf diesem Wege nochmals bekannt, daß nach dem Tode unseres Herrn Fritz Flimm das seit nunmehr über 30 Jahren bestehende Versicherungsgeschäft von uns weitergeführt wird. Wir bitten diejenigen Freunde, deren Versicherungen gemäß ergangenem Rundschreiben zu unserem Bestände gehören und darüber hinaus alle Interessenten für Versicherungen jeder Art, uns ihr Vertrauen zu erhalten und entgegenzubringen. Befähigt durch eine langjährige praktische Tätigkeit und geleitet von den Grundsätzen des anständigen Kaufmannes, werden wir in der Lage sein, Sie jederzeit ausgezeichnet zu bedienen und zu beraten. Kath. Flimm • Dr. F. Flimm Agent, d. Neuen Frankfurter-Allg. Vers. A. G. Allianz und Stuttgarter Verein SPORTHAUS BAUER Neue Mainzer Straße 25 Ruf Nr. 24 472 Tennis- und Sport-Kleidung Jagd- und Lodenmäntel für Damen und Herren Alteisen, Metalle Rohprodukte aller Art Lumpen, Knochen, Papier Flaschen Autodecken Gebrauchte Maschinen und Anlagen kaufen fOorn & 'Co., Gießen Schützenstraße 62 407P Fernsprecher 4243 FRANKFURT AM MAIN <330v Tiere mit Gefühl und Verstand von Dr. Werner Fische! 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Juli 1939, von 6-13 und von 15-18 Llhr in der Dienststelle der Kreishandwerkerschaft Dietzen, Doethestratze 7,1. Stock. • am Donnerstag, dem 6. Juli 1939^von 8 bis 12 Llhr in Grünberg. . am Donnerstag, dem 6. Juli 1939, von 2 bis 5 Llhr nachmittags in Laubach. am Freitag, dem 7. Juli 1939, von 8-12 Llhr in Lich. am SamStag, dem 8. Juli 1939, von 8-12 Llhr in Hungen. am Montag, dem 10. Juli 1939, von 8-12 Llhr in Lollar. k ■ 1 I von 3 bis 20 vom Hundert erhalten Sie bei wie- l\l acn I aSSe derholten Veröffentlichungen einer Anzeige Die Ausgabe der grünen Versicherungskarten zur Altersversorgung (Ange- stellten-Versicherungl wird wie folgt durchgeführt: Für Gießen-Sladl und Umgebung von Montag, den 3. Juli, bis Mittwoch, Aiiersversorgung des Handwerks auf Grund des Gesetzes vom 22. Dezember 1938. Die Ausgabe der Karten erfolgt jeweils in den Diensträumen der Bürgermeistereien (Gießen siehe oben). Zur Entgegennahme der Dersicherungskarten sind folgende Unterlagen zum Ab- schluh einer Vvllversicherung vvrzulegen: a) Handwerkskarte, b) letzter Einkommensteuerbescheid. Zum Abschluß einer Halbversicherung (kombinierte Versicherung) ist außerdem der Versicherungsschein oder eine Bescheinigung der Lebensversicherungs-Anstalt oder -Gefellschaft oder die letzte Prämienquittung vorzulegen. rkvelshandwevkevsthaft Gietzen Stühlek« Kreishandwerksmeister. 4558V set Schloßbrauerei Braunfels Ll'lu'"L„ Modestube Körner bleibt wegen Geschäftsverlegung einige Zeit geschlossen. Wohnung: plockstraßelb II., Fernsprecher 3410 4635D SONNTAG CARL NOWACK 'das rassig,herbe Edelbier.' 1./2.ZUUMY Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Nr. 151 vierter Blatt M ■ M v L DM Ernste Arbeit. Beim Studium der Fachliteratur. Regelmäßig werden Auch die Musik wirft gern und eifrig gepflegt. kannte mit dem Geld Kamerad- noch die Kamerad- insbeson- Dem Gießener Studententag 1939, der in den Tagen vom 6. bis zum 9. Juli die Studenten in unserer Stadt zu feierlichen Stunden, zur sportlichen Leistung, zu einem Tag der Wissenschaft und in großer Kameradschaft vereinigen wirb, ist ein Wart des Stellvertreters des Führers, des Reichsministers Rudolf Heß, vorausgestellt, das sicherlich von den Studenten unserer Gegenwart gut verstanden wird. Es lautet- „Richt der Titel, nicht der Rang sichern Euch auf die Dauer Autorität, sondern Eure Haltung und die Frucht Eures Wirkens!" Im Geiste diess Wortes aus berufenem Munde, gesprochen beim Deutschen Studententag 1938 in Heidelberg, vollzieht sich die Arbeit im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB-), vollzieht sich die Arbeit des deutschen Studenten überhaupt, denn der Student weiß, daß von ihm das Letzte un äußerer und innerer Haltung verlangt werden muß und daß er mit seiner Leistung der' Zukunft und den großen Aufgaben unserer Volksgemeinschaft zu dienen hat. Für die wissenschaftliche Leistung gibt ihm die Universität das Rüstzeug — die innere und, äußere Haltung, die der Student in der Gegenwart schon zur Universität mitbringen muß, kann er im Leben der Kameradschaft beweisen, in ihr kann er sie vertiefen und verstärken. In der Kameradschaft des NSDStB. muß er seine innere und äußere Haltung auch täglich neu beweisen. Dem Leben in den schäften des NSDStB. seien diese Zeilen dere gewidmet. In unserer Stadt gibt es acht solcher leichten Säbeln wird zur Vorbereitung für die scharfe Mensur gefochten. Aus all dem, was bisher gesagt worden ist, geht schon hervor, daß es in der Kameradschaftserziehung um die ganze Person geht. Der Student im Groß- deutschen Reich hat sich aber nicht nur im Kreise seiner eigenen Kameradschaft zu bewähren. In den Blick vom Haus der Kameradschaft „Admiral Schoer" über Gießen zu Gleiberg und Vetzberg. Stunden der politischen Erziehung gewidmet. vergangenen Jahren unterzogen sich imitier wieder Studenten der hiesigeu Kameradschaften dem Ernte- Hilfsdienst, der sic schon verschiedentlich nach dem deutschen Osten führte, und zwar nach Oberschlesien, wo sie über mehrere Wochen den Bauern zur Seite standen. Mancher Gießener Student stellte sich (m öer keramischen und der Glasindustrie der Bayerischen Ostmark) in den Fabrikdienst und ermöglichte manchem Arbeiter einen über das Normale hinausgehenden bezahlten längeren Urlaub. Gießener Studenten waren zum Erntedilfsdienst in Einsiedeln, Oppeln, Groß-Strelitz, in Trockengriind und Groß- ftpiyi, und zum Fabrikeiusatz in Weiden (Oberpfalz). In diesem Jahre werden besonders viele Studenten für die Erntehilfe im Osten, an der polnischen Grenze eingesetzt, wo sie dem deutschen Bauern eine wertvolle Stütze sein sollen. Auch die Gießener Studenten werden beweisen, daß sie die Parole: „Der deutsche Student bewährt sich im Osten!" verstanden haben In einer Kundgebung, die vor einiger Zeit in der Neuen Aula der Universität in Anwesenheit aller Gießener Studenten stattfand, lieft bcr Gaustudentenbundsführer die Größe der Aufgabe des Ernteeinsatzes im Osten erkennen. Dieser große Ernteeinsatz beginnt am 15. Juli. Zuvor aber werden sich unsere hiesigen Studenten aus Anlaß des Gießener Studententages noch einmal in großer Gemeinschaft finden, ihre Gemeinschaft bewußt erleben, ihre Ausrichtung erfahren, um dann mit geschärften Sinnen nach dem deutschen Osten zu fahren und sich einreihen in der Front der Kämpfer und Arbeiter auf vorgeschobenem Posten. finden sie sich ein zu der erwähnten Kulturarbeit, zum Studium der Fachliteratur, zur schriftlichen Arbeit, schließlich aber auch zum geselligen Beisammensein und zu heiterer Gemeinschaft. Da wird das edle Schachpiel gepflegt und (wenn sich die Richtigen dazu finden) auch einmal ein Skat gedroschen nach allen Regeln der Kunst. Da nun auch in jedem der Häuser Klaviere und andere Musik-Instrumente zu finden sind, wird auch die Musik gepflegt. Der eine oder andere Student verbringt dabei manche Viertelstunde am Klavier oder am Flügel, zum Ausgleich vielleicht für anstrengende Vorlesungen am Vormittag, übt ernsthaft oder phantasiert vor sich hin, solange — bis es den anderen zu bunt wird... * Eine große Rolle spielt innerhalb der Kameradschaften auch die Leibesübung. Regelmäßig werden durch die Kameradschaften Sportnachmittage abgehalten. lieber die Grundausbildung hinaus werden Fußball, Handball und Basketball gepflegt. Von jedem wird verlangt, daß er sich darum bemüht, den Grundschein der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft zu erwerben, selbstverständlich wird auch die Leichtathletik in vielen Disziplinen gepflegt und auf eine gute Mannschaftsleistung gesehen. Im Winter widmet man sich dem Hallenturnen, dem Boxen usw. Mit Mantel an. Er hatte ein Gefühl der Befreiung, daß er nun den bedrückenden Wänden des Hotels entrinnen konnte. Frische Luft fehlt mir!, beruhigte er sich. Nur frische Luft! Die Hotelhalle war voller Leben. Burd trat an den Enipfangstisch. Alles, was um ihn geschah, bekam etwas'Unwirkliches. „Rufen Sie die Garage Alter Westen an! Mein Wagen soll vorfahren: Fragend sah er den Empfangschef an.^„Grußen- dors, sagten Sie doch? Milmersdorfer Straße? ' „Gewiß, Mister Burd." f t t „Wenn eine junge Dame nach nur fragt — stc soll warten! Ich bin beim Notar!" Ein Boy, der angerufen hatte, meldete: „Die Garage läßt sagen, Mister Burd möchte fünf Minuten harten. Der Chauffeur sei noch nicht wieder da. Aber er werde sofort geholt." Burd blieb einige Sekunden am Empfangstisch stehen Die Drehtür kreiste. Sie wehte eiben kühlen Luftzug von draußen herein. Wie em Verschmachtender sog Burd ihn ein. Die Atemnot, unter per er litt, machte es ihm unmöglich, nur noch fünf Minuten in dieser menschendurchguirlten Halle zu verweilen. Sein Verlangen nach frischer Lust trieb schrift gefälscht!" . ... Der junge Mensch in der Lederjacke umgriff Burds Arm. „Du kannst mich nicht enterben? Ich rechnen, und ich habe bannt merodschaft gewählt, weil Admiral Scheer von großer nationaler Bedeutung und gebürtiger Hesse war. Eine zweite Kameradschaft (Fischer) hat das Recht, den Namen „Ulrich von Hutten" zu führen. Diese Namen bedeuten eine Verpflichtung. Die übrigem Kameradschaften erwarten noch die Verleihung eines (selbstgewählten) Namens. Die Arbeit derKamerad- schaftcn des NSDStB., die ihre Sammelpunkte und Stätten der ureigensten Arbeit in den Häusern der ehemaligen studentischen Korporationen haben, ist reich und vielfältig und erfaßt jeden einzelnen, fordert die Persönlichkeit eines jeden heraus. Da sind viele Der Student in seiner Kameradschaft Zum Gießener Studententag 1939. Kameradschaften (Hillenbrand) hat als erste den Namen „Admiral Scheer" verliehen erhalten. Den Namen hat die Ka- GROSSGARAGE ■Öltet U/esten Roman von Harald Baumgarten Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35 schäften, die bisher und zum Teil jetzt Namen der Kameradschaftsführer tragen.. Eine der 4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Aber James Burd kannte die Gestalt. „Er ist es!", zischelte er halblaut, unb .es war ihm, als griffe eine Hand nach feiner Kehle. Ich hätte ihm nicht schreiben sollen, daß ich nach Deutschland komme?, warf er sich vor. Also hier wartet er auf mich? Ob er sich einbildet, er könne mich umstimmen? Er wird sich täuschen. Er ist unwürdig, ja — unwürdig! Er ist ein Lump! Ein lastender Druck preßte sich auf fein Herz, daß er ersticken zu müssen meinte. Mit einem Klirren schloß er das Fenster. Ballte die Hände zu Fäusten. Schweißperlen bedeckten seine Oberlippe. Seine Gedanken verwirrten sich. Aus den Zimmerecken schien ihn das Gesicht des Mannes anzulauern, der unten auf der Straße stand. Sinnlose Befürchtungen überfluteten ihn. Dieser Lump, der sich nicht gescheut hatte, seinen Namen zu falschen, obwohl er nur Gutes von ihm empfangen hatte, würde auch vor keiner anderen Schandtat zuruck- schrecken. Er mußte ihn unschädlich machen? Seme letztwilliqe Verfügung mußte geändert werben. Keine Rücksicht mehr gegen biefen Menschen! Klipp und klar mußte därinstehen, daß dieser Mensch em Wechselfälscher und Betrüger war! Als Burd sich an den Schreibtisch setzte, schwankte das Zimmer schon wieder. Er beachtete es nicht und griff mit zitternder Hand nach dem Brief, den er in feine Brusttasche gesteckt hatte. Ich werde noch einen Zusatz hinzufügenk, nahm er sichi vor. Einen Zusatz, der es ihm verleiden soll, das Desta- ment anzufechten! Aber die Krankheit, bie ihn nun schon feit Wochen mit dunklen Fittichen begleitete, lähmte seine Entschlußkraft und ließ feine Gedanken hin und her springen. Galt die Verfügung noch, wenn er jetzt einen Zusatz machte? Es gab da doch Bestimmungen, an die er sich nicht mehr klar @rUfii«bfpr'id)t 3ames Burd, P°lasth°t°l. Ich hob- eine unaufschiebbare Sache mit Ihnen zu besprachen, Herr Notar. Kann ich Sie sofort aufsuchen ? H Die Antwort klang zögernd „Ich habe wichtigen Besuch hier. Hätte es nicht Zeit bis morgen Nein nein! Ich muß es noch ^ute in Ordnung bringen!' Ich werde Sie nicht lange aufhalten. Bitte Herr Burd! Kommen Sie! Mit einem tiefen Atemzug legte der Alte den Hörer auf. Nichts kann mehr geschehen, wenn cch bas Schriftstück dem Notar gegeben habe! so ist es ordnungsgemäß... Umständlich zog er den dicken zu laufen. , . v r Zu einem Notar müßte ich gehen!, durchschoß es ihn plötzlich. Das wäre das Sicherste! Auch Charlotte könnte in Gefahr geraten, wenn ich ihr das Schriftstück gäbe. Vielleicht sieht der Kerl sie ms Hotel kommen, verfolgt sie. Es klopfte. Der Empfangschef erschien. „Sie haben mich rufen lassen, Mister Burd?" „Ja", raunte der Alte mühsam und suhlte, wie jedes Wort ihm schwersiel. Der Empfangschef erschrak. Mr. Burd sah ganz anders aus als vor drei Jahren, da er wer Wochen lang im Palasthotel gewohnt hatte. Ob er einen Arzt wünschte —? _. Burd sah ihn überlegend an. „Nennen Sie mn einen zuverlässigen Notar!" „Notar Grußcndors ist ost für unser Haus tätig, Mister Burd. Bei Verträgen, die hier abgeschlagen werden, wirb er häufig zugezogen. Danke. Wo wohnt er?" In ber Potsbamer Straße ist sein Büro Seme Privatwohnung liegt nicht weit. In ber Wilmers- borfer Straße." Ler^Empsangsckief verbeugte sich und ging. Wieder griff Burd nach dem Telephonhorer. Verbinden Sie mich mit ber Pnvatwohnung des Notars Grußendorf in ber Wilmersdor er Straße! Es bauerte eine geraume Weile, die sich fur Burb endlos dehnte. Dann kam eine Stimme: „Notar ihn auf bie Straße. Feuchter Nebel schlug ihm entgegen. Am Borft- stein blieb er stehen. Obwohl bie Lust schwer und naßkalt war, vermeinte er, hier braufeen freier atmen zu können. Er fah sich um. Dort drüben mutzte bie Garage Alter Westen liegen. Warum sollte er hier an der Bordschwelle warten? Er konnte doch ebensogut die paar Schritte hinuber- gchen! Er wußte nicht, daß es eine Vorahnung war, die ihn so ruhelos machte. Burd trat auf den Fahrdamm. Der Boy an der Drehtür des Hotels fah ihn im Nebel ver- ^Die^Aulos krochen nur; sie tuteten unaufhörlich- ihre gelben Lichter suchten wie Fangarme. Mühsam ging Burd Schritt vor Schritt. Aus dem Nebel tauchte eine Gestalt auf und kam wie ein schwebender Schatten auf ihn zu. James Burd blieb wiederum stehen. Die gleiche, böse Eregung, die ihn am Fenster seines Hotelzimmers überfallen hatte, packte ihn aufs neue. „Da bist du ja -?" stieß er heftig hervor Der junge Mensch sprach leise und hastig auf ihn ein. „Anders kann ich dich ja mtd)t erreichen. Aber ich muß mit dir sprechen! Du darfst nicht wahrmachen, was du mir angedroht hast! Meine ganze Existenz wäre vernichtet ... erinnern konnte. Zeugen mußten doch unterschreiben? Er würde den Empfangschef rufen! Seim Hand tastete nach dem Hörer des Telephons:, Schicken Sie mir sofort den Empfangschef herauf." Unbeweglich wartete er. Wie die Luft in dem Zimmer ihn bedrückte! Die trockene Hitze war unerträglich. Er hatte das Verlangen, auf die Straße Burd lachte verächtlich auf. „Deine Existenz —?'' Er machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ich habe dich beobachten lassen, James. Du fühlst dich in der schlechten Gesellschaft wohl. Du willst nicht arbeiten. Aus allen Stellungen, bie ich dir vsrfchafft habe, bist du entlassen worden. Jetzt bist du zum Verbrecher herabgesunken: Du hast meine Unter- Abende einer politischen Erziehung gewidmet, mancher Abend steht unter einem bestimmten Thema, bas herausgegriffen ist aus dem Lebensbereich unsres Volkes, fei es nun die Kolonialfrage, die Aufgabenstellung des deutschen Volkes im Osten, die Sache unserer Ausländsdeutschen, die Notwendigkeit der Nahrungsfreiheit unseres Volkes, der Wehrhoheit usw. Und immer haben sich die Kameraden dazu zu äußern und sich darum zu bemühen, daß sie em Verhältnis zu all den Problemen gewinnen, die nun einmal unserem deutschen Volke gestellt sind. Es werden Leseabende veranstaltet, in denen die Besten unserer Nation zum Worte kommen. Immer auch werben die „Alten Herren", mit denen eine stete Verbindung zu pflegen ist, zu Vorträgen, oftmals zu Lichtbildervorträgen, gebeten, die fur die jungen Kameraden immer ein reicher Gewinn sind. Die Häuser der ehemäligen Korporationen sind Iden jungen Mannschaften eine stete Heimstatt. Dort gerechnet." _,, . . Burd tat, als höre er es nicht. Schleppend ging er weiter. ... Aber der Schatten blieb bei ihm. „Du zwingst mich zum Aeutzersten! Ich schrecke vor nichts zurück ..." „ ir,. - ,Das glaube ich. Aber ich habe meinen Entschlufz gefaßt. Er ist uniimstöfelich!" Burd schlug auf, seine Brust. „Hier ist das Schriftstück! Ich bin auf dem Wege zu einem Notar; ich werde noch etwas hm-, zufiigen, das dich unschädlich machen wird. Mach, daß du fortkommst!" Er wollte schreien, aber [eine Stimme gehorchte nicht; nur1 ein heiseres Flüstern kam über seine Lippen. Nun hatten sie die gegenüberliegende Straßenstite erreicht. Die Lichter der Großgarage Alter Westen kämpften sich durch den Dunst. Vorm Eingang |al> man verschwommen die Gestalt des Tankwarts; er stand neben der Benzinpumpe und war eifrig beschäftigt, ein neues Reklamefchild zu befestigen. Der junge Mensch, der im Nebel vor Burd aus-, getaucht war, blieb ein wenig zurück. Das Blut rauschte wieder in Burds Ohren, wah* rend er vorwärtshastete. Die Garage kam ihm wis eine Rettungsinsel>vor, auf der er vor diesem Bedränger Schutz Hüben konnte. Jetzt ging er an Huckemann vorbei, der sich kaum umblickte. Der Chauffeur Preetz würde sicherlich schon beim Wagen ^Jn feinen Gedanken sprach Burd bereits mit dem Notar... Der Tunnel, der dunkel vor ihm gähnte, war wie ein schwarzer Schlund. Er ging wie auf trügerischem Moor, das jede Sekunde unter ihm wegzusinken drohte... James Burd griff nach seinem Herzen. Es arbeitete schmerzhaft rasend. Ich müßte das Schreiben dem Tankwart geben, an dem ich eben oorbeiging!, dachte er verzweifelt. Aber er war schon zu tief in die Garage hinein* gegangen. (Fortsetzung folgt.). Beim Schachspiel. „Schwarz zieht und gewinnt." „Kiebitze" spielen mit. Aus der engeren Heimat. Offenbachs Haushaltsplan nach zehn Jahren erstmals wieder ausgeglichen. Lpd. Offenbach, 30. Juni. Sn der Ratsherrensitzung der Stadt Offenbach am Donnerstag konnte Oberbürgermeister Dr. Schranz die Mitteilung machen, daß es 1939 erstmals nach zehn Jahren wieder gelungen fei, einen ausgeglichenen Haushaltsplan vorzulegen. Dieses Ergebnis muß als ein einzigartiger Erfolg nationalsozialistischer Gemeindeverwaltung gewertet werden, wurde doch noch im Rechnungsjahr 1932 ein Fehlbetrag von über 8 Mill. Mark ausgewiesen. Die Haushaltssatzung für 1939 setzt die Einnahmen und Ausgaben für den ordentlichen Haushalt auf 15 843 300 Mark und für den außerordentlichen Haushalt auf 2 418 650 Mark fest. Das Ist-Aufkommen der reinen Gemeindesteuern beträgt nach dem Haushaltsplan 1939 8 444 000 Mark gegenüber der Rechnung 1937 mit 5 542 000 Mark. Diese Mehreinnahmen aus Gemeindesteuern sind allein durch den natürlichen Steuerzuwachs entstanden. Die Aufwendungen für das Mrsorgewesen sind im abgelaufenen Rechnungsjahr erneut bedeutend zurückgegangen. Das Rohvermögen der Stadt Offenbach beträgt rund 65 Millionen Mark. Die Schulden beliefen sich am 1. April d. I. auf 36,3 Mill. Mark, das bedeutet eine Verminderung der Schulden um 2,092 Mill. Mark. Der Oberbürgermeister teilte in der Sitzung mit, daß der Reichsstatthalter in Hessen die Stiftung zur Errichtung eines Kun st Hauses in Offenbach genehmigt habe. Das Stiftungskapital wurde aus einer Zuweisung aus nicht selbständigen städtischen Stiftungen in Höhe von 52 000 Mark und aus den von der Konzertgesellschaft Offenbach verwalteten Barbeträgen und Wertpapieren aus der Kunsthauslotterie mit rund 41 400 Mark gebildet. Landkreis Gießen. △ Großen-Linden, 30. Juni. Gestern wurde der infolge eines Unfalles verstorbene Ortsbauernführer und Beigeordnete Wilhelm Wenzel zu Grabe getragen. Ein Trauergeleite, wie es unser Ort nur selten sieht, folgte dem Sarge des so jäh in den besten Jahren aus dem Leben gerissenen Mannes. An der Spitze marschierten die politischen Leiter der Gemeinde, die Kriegerkameradschaft, der Gesangverein „Germania", dessen 1. Vorsitzender der Verstorbene war und die Freiwillige Feuerwehr. Rach der Gedächtnisrede des Ortsgeistlichen sprach Bürgermeister Michel zu der großen Traueroersammlung und hob die großen Verdienste des Verstorbenen um die Gemeinde und besonders um den Bauernstand hervor. Nachdem die Kriegerkameraden eine dreifache Ehrensalve über dem Grabe abgefeuert hatten, fanden zahlreiche Kranzniederlegungen statt, und zwar im Auftrage der Gemeinde, des Gemeinderats, der Gemeindeangestellten, des Gesangvereins, der Kriegerkameradschaft, des Kreissängerbundes, der Altersgenossen und der Schulklasse seiner Tochter. Umrahmt war die Trauerfeier von zwei Chören des Gesangvereins „Germania" unter Leitung des Lehrers Blaß. Großen-Linden, 1. Juli. Am heutigen Samstag, 1. Juli, kann unsere Mitbürgerin, die Witwe Christine Menges, geb. Menges, ihren 8 3. Geburtstag feiern. Die hochbetagte Frau nimmt an den Geschehnisse unserer Zeit noch regen Anteil. (Wir beglückwünschen zum Geburtstag!) Kreis Büdingen. g. Schotten, 30. Juni. Dieser Tage wurde der alte, Gemeindeschäfer Karl Funk zu Grabe getragen, der bald ,6 0 Jahre im Dienst der Stadt und der Schäferei stand. — Das altehrwürdige Rathaus, ein sehenswerter gotischer Fachwerkbau, erhält eben einen neuen Anstrich. Die dicken, massiven Eichenbalken kommen besonders schön zum Vorschein. — In der Hauptdurchfahrtsstraße am alten Krankenhaus ist ein Parkplatz eingerichtet worden. c. Schotten, 20. Juni. Der neu in den Gemeinderat berufene Ratsherr Pg. Wilhelm Hoffman wurde in der gestrigen Ratsherrntagung in sein Amt durch den Bürgermeister eingeführt und vereidigt. Die Rechnung des städtischen Wasserwerks, die in Einnahme mit 19 010 Mark und in Ausgabe mit 17 603 Mark abschließt, wurde vorgetragen und angenommen. Grundstücksbesitzer, die ihre Gärten an die städtische Wasserleitung anschließen wollen, müssen, so wurde beschlossen, die Zuleitung auf ihre Kosten legen lassen. Heber die neue Siedlung am Schleifenweg und ein weiteres Bauprojekt wurde verhandelt. Im Beisein des Chefarztes Dr. W a l - t e r wurde eine Reihe von Fragen des städtischen Krankenhauses besprochen. Sprechstunden der Reduktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach- mittag geschloffen. 9. dl.Spott „Rund um Schotten" vorzüglich vorbereiiei. Wo sieht der Zuschauer am besten? Koh. Sp kund um Schotten ns««. N 0 15km Michelbach Schotten Godern ‘SWrfäL l Zeitnahme ZErsatzteillsger 3 Ehrengäste CFahrerläget £.Rennbäro PT 6k 4p1 \tur Autobahn Laubach Rerkplätz» +—Arzt Ä— San-Kraftwagen p—Fernsprecher s—Beobachter EE3— Zuschauerplätze Neue Fahrstrasse zur Rennstrecke =- Lugangsweg f. Fußgänger Strasse vom Rennbüro (S) bis Strecho für jeden Verkehr gesperrt Wer am 9. Juli 1939 das traditionelle Rennen „Rund um Schotten" miterleben will, der muß sich heute schon dafür interessieren, von welchem Platz aus er dieses große Motorsportgeschehen am günstigsten beobachten und verfolgen kann. Wenn man durch das schöne oberhessrsche Landstädtchen Schotten kommt, so stößt man an dessen Ortsausgang auf die Rennstrecke. Sie teilt sich nach Nord und Süd und führt hinaus zur Poppenstruth. Dieser Punkt liegt 330 Meter höher als Start und Ziel, so daß die Rennfahrer auf vielen Kurven einen ganz gewaltigen Höhenunterschied zu überwinden haben. Größere Parkplätze befinden sich unmittelbar an diesen Zuschauerplätzen, auf denen man, neben einer herrlichen Rund sicht über den schönen Vogelsberg, einen guten Ueberblick über große Streckenteile hat. Auf der Südstrecke ist ein besonders bevorzugter Platz an der großen Kehre zwischen Kilometer 10 und 11. Dort steht allerdings nur ein kleiner Parkplatz zur Verfügung, aber für diejenigen, die ihr Fahrzeug dort nicht mehr abstellen können, wird ein kurzer Fußmarsch von den nächstgelegenen Parkplätzen durch den schönen Laubwald nach der Anfahrt sehr willkommen sein. Im übrigen sind an allen wesentlichen Zuschauerplätzen riesige Lautsprecher aufgestellt, die dem Zuschauer den Stand des Rennens fortlaufend vermitteln, so daß jeder Besucher von „Rund um Schotten" überall auf seine Kosten kommen wird. Henner Henkel unter den letzten Acht Englische Tennismeisterschaften in Wimbledon. Der deutsche Meister Heinrich Henkel eröffnete am Freitag bei den englischen Tennismeisterschaften in Wimbledon den Reigen der Spiele auf dem Hauptplatz. Im Kampf um den Eintritt ins Viertel- final war der Franzose Jacques B r u g n o n sein Gegner, der am Vortag überraschend den Italiener des Stefam ausgeschaltet hatte. Brugnon war dem Deutschen in keiner Weise gewachsen. Henkel spielte sehr konzentriert und arbeitete besonders am Netz recht erfolgreich. Jngesamt gab Henkel nur vier Spiele ab und siegte sicher mit 6:1, 6:3, 6:0 über feinen 44 Jahre alten Gegner. Im zweiten Satz ließ Henkel den Franzosen auf 3:0 davonziehen, aber dann buchte Henkel eine Serie von 12 Spielen (!) hintereinander, womit der Kampf entschieden war. Außer Henkel kamen noch der Jugoslawe P u n ° cec, der Amerikaner E. Smith und der Inder Ghaus Mohammed unter die „letzten Acht". Bei den Frauen erreichten u.a. Frau Sperling (Dänemark), Frau Mathieu (Frankreich), Frau Halst (Frankreich), Frau Fabyan (USA.) und die Engländerinnen Scott und Stammers das Achtelfinal. Im Männer-Doppel blieb das deutsch-dänische Paar Gulcz-Plougrnan nach einem harten Kampf mit den Neuseeländern Malfroy-Coombe auf der Strecke. ' Weitere zehn Segelflieger in Stettin. Zielstreckenflug vor dem Abschluß. Mit Recht kann man den vorletzten Tag des Ziel- strecken-Segelflugwettbewerbs als einen Großkampf- lac; bezeichnen. Nachdem der Donnerstag infolge des schlechten Wetters keine größeren Leistungen zugelassen hatte, herrschte am Freitag sehr gutes Flugwetter, so daß sich die Teilnehmer schon zu früher Stunde in Magdeburg, Brandenburg und Rangsdorf auf die Reise machen konnten. Als Erster erreichte NSFK.-Sturmführer Huth bereits um 10.55 Uhr den Zielflughafen Stettin; dann folgten Obersturmführer Reu kauf, der von Rangsdorf kam, Segelfluglehrer- Ritter, Sturmführer Hofmann, Hauptsturmfuhrer Peters, Flugkapitän Hanna Reitsch, Truppführer Kracht, Sturmführer Krafft, Obersturmführer Beck und Oberleutnant Flatowfki. Nur noch ein Tag steht für die zurückgebliebenen Segelflieger zur Verfügung; bann ist dieser Zielstreckenflug zu Ende, der an alle Teilnehmer, Flieger und Bodenpersonal, große Anforderungen stellte. Insgesamt haben jetzt von 22 Teilnehmern vierzehn das Ziel erreicht. Hedwig Haß wieder Meisterin! Deutsche Fechtmeisterschaften in Wuppertal. Es ist der deutschen Florettmeisterin Hedwig Hast (FC- Ofenbach) bei den Deutschen Fechtmeisterschaften in Wuppertal geglückt, ihren Titel erfolgreich zu verteidigen, obwohl sie erst nach Stichkampf in die Endkämpfe gekommen war. In der Schlußrunde wurde die Meisterin von der Offenbacherin Lilo Deutzer mit 4:2 bezwungen, siegte dann aber gegen ihre gefährlichste Widersacherin, die Wienerin Ellen Preiß, mit 4:2. Beide Fechterinnen blieben später jedoch ohne Niederlage, erfochten sechs Siege und mußten zum Stichkampf antreten. Hier lag die Titelverteidigerin zuerst 2:0 zurück, siegte dann aber doch noch über 3:2 mit 4:3. Bei den Männern nahmen 80 Florettfechter den Kampf um die Deutsche Meisterschaft auf, die der Wiener Rudi Fischer nicht verteidigt. Rennfahrer Seaman im Londoner Vorort putney beigeseht. Der englische Rennfahrer Seaman wurde am Freita-gnachmittag in dem Londoner Vorort Putney beigesetzt. Im Auftrag des Führers legte ein Vertreter der deutschen Botschaft am Grabe des bet dem Rennen von Spa mit einem deutschen Wagen tödlich Verunglückten einen Kranz nieder. Korpsführer Hühnlein hatte ebenfalls einen Kranz geschickt. lleber 1OOO Wettkämpfer beim Keldbergfeff. Das Feldbergfest, das älteste deutsche Bergfest, erlebt am kommenden Sonntag auf dem Gipfel des Feldbergs im Taunus feine 85. Wiederholung. Die Beteiligung bei diesem reichsoffenen Fest ist auch diesmal ganz ausgezeichnet; 135 Vereine aus den Gauen Südwest, Baden, Hessen, Mittelrhein, Niederrhein und Sudetenland haben für die verschiedenen Mehr-, Mannschafts- und Staffelkämpfe über 1000 Meldungen abgegeben. Am volkstümlichen Dreikampf der Männer (Oberstufe), der aus 100- Meter-Lauf, Kugelstoßen und Weitsprung besteht, werden sich 125 Athleten beteiligen, während zum gleichen Kampf der Unterstufe 360 Meldungen abgegeben wurden. Bei den Frauen (75-Meter-Laus, Hochsprung, Kugelstoßen bzw. 75-Meter-Lauf, Weitsprung, Dollballwurf) wurden 50 bzw. 185 Meldungen abgegeben. Der wichtigste Mannschaftskampf ist der um das Dölfungenhorn, der im Vorjahr vom Polizei-SD. Frankfurt gewonnen wurde. Neben dem Preisverteidiger find diesmal H Frankfurt, JG.-Farben Höchst, Tv. 1871 Mainz, Tv. Neu-Isenburg, Tbd. Wiesbaden, Tv. Weilmünster, Jahn- Gem. Oberursel und Tv. Mannheim-Seckenheim be* teiltgt. Ein Faustballturnier und Mannschaftskämpfe im Fechten stehen ebenfalls auf dem Programm. Der Veranstaltung wird u. a. auch Reichsdietwart Kurt Münch (Berlin) beiwohnen. Rundfunkprogramm. Sonntag, 2.3uH: 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Wir fingen den Sonntag ein! 8.45: Dichter im Dritten Reich: Gerhard Schumann: „Schau und Tat". 9: Deutsche Meister. Max Reger. 10: „Gläubiges deutsches Herz". Eine Stunde der Besinnung am Feiertag. 10.50: Zauber der Melodie. Frederic Delius. 11.15: „Brüder über dem Meer". Schicksale und Begegnungen. Hörfolge. 12: Musik am Mittag. 13: Die SA.-Gruppe Kurpfalz im Wettkampf. Bericht vom großen Wehrmannschaftskampf und von der großen Ausstellung in Darmstadt. 13.15: Musik am Mittag. 14: Kind erstünde für groß und klein: „Wir fahren ins Weltmeer, und fehlt auch das Geld sehr, wir bleiben doch munter und frisch". Mit der Kameradschaft Frieder nach Norwegens Fjorden. 14.30: Volkstum und Heimat: Uf’m Bergli bin i gfeffe... Alemannische Volkslieder aus der Schweiz. 15.15: Platzkonzert. Es spielt der Musikzug der SA.-Gruppe Kurpfalz. Dazwischen: Berichte von den Sportwettkämpfen der SA.-Gruppe Kurpfalz in Darmstadt. 16: Nachmittagskonzert. Tanz- und Unterhaltungsmusik. Einlage: 1000 Jahre Heilbad Salzig. 18: Rund um das Tanzparkett. Er und Sie beim Walzertakt. Erlauscht von Werner Brinkau. 19: Die Kuban-Kosaken singen. 19.30: Sportspiegel des Sonntags. 19.50: Die Sportwettkämpfe der SA.- Gruppe Kurpfalz in Darmstadt: Die Sieger. 20: Nachrichten. 20.15: Aus dem Kurhaus Bad-Nau- heim: Abendkonzert. Einlage: Jugoslawische Novellen. 22: Nachrichten. 22.15: Sportbericht. 22.30: Unterhaltung und Tanz. 24 bis 3: Nachtkonzert. Montag, 3. 3uli: 5 Uhr: Frühmustk. Es spielt das Musikkorps eines Flakregimentes. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Morgenlied, Morgenfpruch — Nachrichten. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Kleine Ratschläge für den Garten. 8.40: Froher Klang zur Werkpause. Es spielt das Orchester des Oberschlesischen Landestheaters. 10: Schulfunk. Kinderliedersingen, Blatt 4. 11.40: Ruf ins Land. 12: Schloßkonzert. Es spielt das Niedersachsen-Orchester. 13: Nachrichten. 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Wir blättern in unserem Aufnahme-Album (Eigenaufnahmen des Reichssenders Frankfurt). 16: Nachmittagskonzert. Ausführung: Das Sinfonie- und Kurorchester Badenweiler. Einlage 17 bis 17.10: Neues für den Bücherfreund. 18: Am Rande der Dorfstraße. Häuser, Höfe und Aecker erzählen... 18.30: „Visier 250". Unsere Infanterie im Gefechtsdienst. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher (Jndustrie-Schallplatten und Eigenauf- nahmen). 20: Nachrichten. 20.15: Sonne über Schwarzwald gipfeln. Landschaft, Brauchtum und Geschichte längs der alten Höhenstraße Pforzheim- Basel. 22: Nachrichten. 22.15: Sportnachrichten in Kürze. 22.35: Nachtmusik und Tanz. 24 bis 3: Nachtkonzert. Dienstag, 4.3uti. 5 Uhr: Frühmusik. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Morgenspruch. Nachrichten. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. Ausführung: das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 8.40: Froher Klang zur Werkpause. 10: Schulfunk: Was Amerika den Deutsche verdankt. Eine Hörfolge. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. Ausführung: das Rhein-Mainische Landesorchester. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Klein — aber fein! (Eigenaufnahmen des Deutschen Rundfunks.) 16: Aus Bad Ems: Nachmittagskonzert. Ausführende: das Staatliche Kurorchester Bad Ems. 17 bis 17.10: Das Mikrophon unterwegs. 18: Volk und Wirtschaft. Die Reichsbahn — das größte Unternehmen der Welt. 18.15: Wunder des Möwenflugs. 18.30: Platzkonzert. Ausgeführt vom Musikkorps der 2. Schiffstamm-Abteilung Wilhelmshaven. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Dom Niederwald zum Deutschen Eck: Unsere Jungen und Mädel auf froher Rheinfahrt. 20: Nachrichten des drahtlosen Dienstes. Anschließend: ,Hier spricht die Reichsgartenschau". 20.15: Konzert zum 85. Geburtstage von Heinrich Zöllner. 21: „Steputat & Co." Eine Kleinstadtkomödie von Helmut Lang. 22: Nachrichten. 22.15: Sportnachrichten in Kürze. 22.20: Politische Zeitungsschau. 22.40: Großer Tanzabend 24 bis 3: Nachtkonzert. Wirtschaft. Mein-Mainische Börse. Mittagsbörfe uneinheitlich. Frankfurt a. M., 30. Juni. Die Börse hatte am Aktienmarkt kein besonderes Geschäft. Es fehlte an Kundschaftsbeteiligung. Die Kursentwicklung blieb weiterhin uneinheitlich, es überwogen aber erneut Rückgänge. Von den zunächst nur wenig notierten Werten notierten IG. Farben mit 142 bis 141,75 (141,90), Metallgesellschaft mit 110,50 (111), Aschaffenburger Zellstoff mit 82,65 (83,65), Berger Tiefbau mit 140 (141), Verein. Deutsche Metall mit 165 (167) und Deutsche Linoleum mit 143 (150,50) bei 7,2 Prozent Dividendenabgang. Leicht erhöht waren Reichsbank auf 185 (184,75), Mannesmann mit 102,25 (102) und Rheinmetall bei 63 Prozent Dividendenabfchlag auf 113,50 (119,50). Hoesch mit 105 und AEG. mit 108 lagen unverändert. . Am Renten markt waren Steuergutscheine angeboten. Serie I. die vorbörslich noch mit 103,45 umgingen, ließen bis auf 102,60 nach, Serie II Juni auf. 97,40 (97,50) und per Juli etwa 97,05 (97,35). Das zunächst wenig lebhafte Geschäft war später etwas reger. Am Pfandbriefmarkt hat das Angebot wesentlich nachgelassen, ebenso in den Konsolidierungsanleihen des Reiches. Liquidationspfandbriefe und Stadtanleihen behauptet, Industrie- Obligationen bis 0,25 v. H. nach beiden Seiten abweichend. Reichsaltbesitz unverändert 131,65, Reichsbahn-DA. 121,90 (121,75), Dekosama I 137,25 (136,75). Im Verlaufe blieb das Geschäft ohne Belebung, die zum Teil bekannt gewordenen Ausführungen des Reichsbankpräsidenten auf der Reichsbank-HV. blieben ohne Einfluß. Weitere Notierungen ergaben sich kaum. Die erst später festgestellten Kurse wichen etwa 0,50 bis 1 v. H. ab Motorenwerte waren etwas erholt, BMW. 126 bis 126,25 (125,50), Daimler 117,50 (117). Fester Südd. Zucker mit 218 (216,50). Der Freiverkehr war ruhig, etwas höher Verein. Fränk. Schuh mit 75 bis 77 (74 bis 76). Tagesgeld zog auf den Bedarf zum Halbjahres- Ultimo auf 3,25 (2,75) v. H. an. Abendbörfe gut behauptet. Das Abendbörfengefchäft verlief träge, zumal wegen des bevorstehenden Wochenendes. Die größtenteils nominellen Kurse wiesen kaum Abweichungen auf, wie auch sonst die Gesamthaltung gut behauptet war. IG. Farben 0,25 v. H. abbröckelnd auf 141,75. Knapp gehalten waren außerdem von Elektropapieren Gesfürel mit 122,50 (123), Schuckert mit 172 (172,50) und AEG. mit 107,50 (108) und am Montanmarkt Mannesmann mit 102 (102,25). Dagegen etwas höher gefragt Verein. Stahl mit 97,75 (97,50), Rheinstahl mit 131 (130,75). Adlerwerke mit 96,50 (96). MAN. mit 136,50 (136) und Berger Tiefbau mit 140,25 (140). Scheideanstalt und Metallgesellschaft lagen u. a. behauptet mit 205,50 bzw. 110,50. Von Renten brök- feiten Reichsaltbefitz 0,13 v. H. ab auf 131,50, Reichsbahn-VA. unverändert 121,90. Steuergutscheine Serie II etwas lebhafter und höher, Juni 97,35, Juli 97,20; Serie I still und mit 102,70 unverändert. Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M., 30. Juni. Obwohl am Ob st markt die Zufuhren an Erdbeeren und Kirschen sehr groß sind, reichten sie für die starke Nachfrage nur knapp aus. Stachelbeeren und Johannisbeeren hatten gutes Angebot und wurden ebenfalls flott abgefetzt. In Heidelbeeren lagen geringe Mengen aus Schlesien vor. Die Preise wurden allgemein weiter ermäßigt. Aus dem Ausland lagen geringe Zufuhren an Pfirsichen und Aprikosen vor, Apfelsinen fanden kaum Interesse. — Am Gemüsemarkt herrschte weiterhin starkes Angebot, insbesondere an Salat und Kohlrabi. Bei mittleren bis schleppendem Geschäft und teilweise rückläufigen Preisen verblieben starke Ueberftiinbe. Frankfurter Eier- und Vutter-Grohmarkt. Frankfurt a. M., 30. Juni. Die geringere Legetätigkeit der Hühner ließ keine Steigerung der Eier anlieferungen an die Kennzeichnungsstellen zu. Für die Versorgung der städtischen Verbraucher kommen daher vornehmlich Auslandseier in Betracht, die' im wesentlichen aus den Nordländern und zum Teil aus Holland stammten. Vorläufig wird man kaum mit einer Besserung der Eierversorgung rechnen können. Im Gegensatz zu der sonstigen Entwicklung im Reich ist in der Milchwirtschaft Hessen-Nassaus der sommerliche Höchststand noch nicht erreicht. Bei noch leicht gestiegener Milchanlieferung konnte daher die Butter erzeugung etwas ausgedehnt werden. Für die Versorgung des Rhein-Main-Gebietes waren allerdings trotzdem die üblichen Au^ucheli^erun- qen durch die Reichsstelle nötig, zumal auch die Fremdenverkehrsgebiete neben den Großverbrauchern zusätzlich beliefert werden mußten,