Ur. 306 Erstes Blatt 188. Jahrgang 5amtag,3si Dezember 1938 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr . . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger ' General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühlsche Univerfitätrdruckerel R. Lange In Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25O/g mehr. 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Denn die Arbeit der nationalsozialistischen Bewegung und unserer Partei in den ersten fünf Jahren seit 1933 vorwiegend der Ueberwindung der inneren, politischen, sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rot unseres Volkes galt, dann gelang es in den hinter uns liegen- den zwölf Monaten, das größte Problem unserer außenpolitischen Lage zu lösen. Wer wird angesichts des heute aufgerichteten Großdeutschen Reiches nicht in bewegter Ergriffenheit zurückdenken an das, was wir vor sechs Jahren vorfanden. Und wer will nach einem so unerhörten Wandel im Leben eines Volkes noch länger die Richtigkeit der angeseh- len Kräfte sowohl als der angewandten Methoden bestreiten? In Deutschland — niemand, er wünschte sich denn das Unglück unseres Volkes. In der Umwelt freilich alle jene, die die Wiederauferstehung des Reiches, ganz gleich aus welchen Gründen, ablehnen zu müssen glauben. Wenn ich am Abschluß dieses reichsten Erntejahres in unserer Geschichte zurückblicke, dann erfüllt mich neben dem tiefsten Dank an die Vorsehung der Dank an meine Partei! Die nationalsozialistische Bewegung hat dieses Wunder vollbracht. Wenn der Herrgott dieses Werk gelingen ließ, dann war die Partei sein Werkzeug. Sie hat mir bald zwei Jahrzehnte lang in unverbrüchlicher Treue als Instrument geholfen, die Voraussetzungen zu schaffen, die den deutschen Wiederaufstieg einleiten und erzwingen konnten. Sie hat jene innere Geschlossenheit unseres Volkskörpers in den vielen Jayren einer unermüdlichen Arbeit geformt, die es mir nun ermöglichte, in entscheidender Stunde, die geballte Kraft der ganzen Nation hinter mir wissend, das Lebensrecht unseres Volkes vertreten zu können, apch auf die Gefahr der letzten und schwersten Konsequenzen hin. Alle die Führer und Führerinnen der Partei, ihrer Kampforganisationen sowie ihrer angeschlossenen Verbände und alle die Millionen bewußter, aber namenloser Parteigenossen und Parteigenossinnen, alle diese aktiven Nationalsozialisten können am Ende des Jahres 1938 mit Befriedigung und Stolz auf die durch ihre Arbeit mitermöglichte Schaffung des Großdeutschen Reiches blicken. Die durch den Nationalsozialismus erfolgte Aufrichtung einer neuen Volksgemeinschaft und eines unerschütterlichen politischen Regimes gestatteten es mir auch, den Aufbau der neuen deutschen Wehrmacht durchzuführen. Sie hat in diesem Jahr ihre ersten großen Bewährungsproben abgelegt. Offizier und Mann wetteiferten miteinander im Einsatz für das nationalsozialistische Großdeutsche Reich. Das deutsche Volt aber ist wieder stolz auf seine Soldaten! Der Staat selb st und seine Verwaltung haben in diesem Jahr eine Aufgabe ersten Ranges hervorragend gelöst. lieber allem aber fliegt mein Dank dem ganzen deutschen Volke zu. Es hat durch seine wunderbare Haltung wesentlich beigetragen, einer verblendeten Umwelt die letzten Hoffnungen auf das Wiederaufbrechen des alten Erbübels^der Deutschen zu nehmen, keiner der sogenannten demokratischen Staatsmänner hatte in diesem Jahre auch nur annähernd das Recht, so sehr im Namen seines Volkes zu sprechen als ich. Dies hat mitgeholfen, ohne Krieg eine europäische Frage zu lösen, die so oder so einmal gelöst werden muhte. Der Fleiß des deutschen Bauern hat uns dabei die Ernährung des deutschen Volkes sichergesiellt. Der deutsche Arbeiter aber hat es fertiggebracht, in unserer Wirtschaft die Produktion auf das auherordentlichste zu steigern. Mein besonderer Dank gilt den yundert- tausenden, die die W e st f r o n t des Reiches mit jenem Wall von Panzer und Beton umgeben haben, von dem wir wissen, daß keine Macht der Welt ihn jemals aufbrechen wird. dieser selben Zeit hat die O r g a n i s a t i o n s- fähigkeit unseres Volkes Triumphe gefeiert. Neben die glanzvollen Leistungen der W e h r- m a ch t treten die nicht minder glänzenden Leistungen auf dem Gebiet der Wirtschaft und auf dem unserer allgemeinen Verwaltung. Es wird aber einmal in der Geschichte besonders ver- „Wenn wir das Jahr 1938 heute noch einmal im Geiste an uns vorüberziehen lassen, dann kann es uns nur mit tiefstem Stolz und größter Freude erfüllen. Deutschland ist größer geworden auf dem natürlichsten und auf dem moralisch unanfechtbarsten Wege, den es gibt! Millionen von Volksgenossen, deren einzige Sehnsucht und einziges Ziel es war, zu Deutschland zurückkehren zu können, sind nun in unsere Gemeinschaft eingerückt! Sie werden das Reich nunmehr mittragen helfen uni) ihm als treue Glieder dienen, weil sie selbst am besten erkennen konnten, was es heißt, abgesprengt und verlassen zu sein. Dieses Jahr ist aber für uns auch ein Jahr großer Verpflichtungen: nie wieder das Schicksal von 1918/19! Wir müssen aus ihm die Erkenntnis und den Entschluß gewinnen, den erfolgreichen Weg niemals mehr zu verlassen." Im Geiste dieser Worte des Führers wollen wir an der Jahreswende noch einmal auf das alte Jahr zurückschauen und zugleich das neue Jahr beginnen. Das alte Jahr ist ein Jahr der Größe gewesen, wie kaum eins all der großen Jahre, die wir in der letzten Zeit erlebt haben. Hat es doch einen alten deutschen Sehnsuchtstraum erfüllt, an dem Jahrhunderte vergeblich gearbeitet und sich abge- müht haben, den Traum eines „Großdeutschland" zu verwirklichen. Was Heimkehr bedeutet, Heimkehr in die alte, traute Heimat, das haben wir alle an den strahlenden und von Tränen des Glückes und der Freude überströmten Gesichtern unserer sudetendeutschen Brüder und Schwestern ablesen können, als sie aus der Hölle des Verbanntseins und Getrenntseins von der alten Heimät endlich wieder zurückkehren durften. Und das alles nicht durch einen neuen Krieg und Blutvergießen, sondern „auf dem natürlichsten und auf dem moralisch unanfechtbarsten Wege, den es gibt". Freilich, wir wollen hinterher nicht vergessen, wie Friede und Krieg auf des Messers Schneide standen, wie aber schließlich doch ruhige Einsicht und entschlossener Wille siegten. Daß unser Volk und Vaterland nicht mehr ein Tummelplatz wilder Leidenschaften oder egoistischer Bestrebungen ist, oder das „Versuchsfeld Moskaus", wie es andere Völker so schwer am eigenen Leibe erleben müssen, die diesem Feinde aller wahren Größe einmal die Hand gereicht haben, — das danken wir nächst Gott unferm Führer, der uns wieder zur äußeren und inneren Größe geführt hat. Größe ,aber verpflichtet. Wenn uns die gewonnene Größe erhalten bleiben soll, dann dürfen wir nicht vergessen, daß ebenso wie dieses alte Jahr auch vor allem das neue Jahr „für uns ein Jahr großer Verpflichtungen"^ein wird, wenn wir „aus ihm die Erkenntnis und den Entschluß gewinnen, den erfolgreichen Weg niemals mehr zu verlassen". Diese ernsten Worte unseres Führers müssen wir uns ganz besonders zu Herzen und Gewissen nehmen. Ein Jahr der Verpflichtung, wie es das alte Jahr gewesen ist, wird es in noch höherem Maße das neue Jahr sein müssen. Besonders in dem inneren Leben und Wesen der Nation und des Volkes aus den Kräften heraus, die ihm immer wieder aus Glauben und Vertrauen, aus Opfermut und Hingabe, aus Selbstlosigkeit und all den Tugenden gekommen sind, die von jeher des deutschen Volkes Größe und Stärke ausgemacht haben. Wenn der große Preußenkönig einmal gesagt hat, daß „Gott immer mit den starken Bataillonen sei", so gili ganz gewiß, daß Gott einem Volk nur nach treuer Arbeit und Selbsterneuerung den Erfolg und den Sieg und den Segen schenkt. Oder wie unser Führer in derselben Rede gesprochen hat von der „ewig gültigen Parole, daß Gott nur denen hilft, die bereit und entschlossen sind, sich selbst zu helfen." Nach dem, was wir besonders im nun vergangenen Jahr erlebt haben, kann uns auch die Zukunft keine Vernichtung mehr bringen, wenn wir nur alle treu unsere Verpflichtung sehen und erfüllen. Gewiß werden wir noch zu kämpfen haben, wenn aber die Fronten auch im neuen Jahr fest bleiben — und dafür ist jeder von uns mitverantwortlich und mitverpflichtet — dann wird Gott auch ferner mit uns fein, wie er es im letzten Jahr so sichtbar gewesen ist. Und wenn Fichte, der deutsche Philosoph der Freiheitskämpfe, einmal die zuversichtlichen Worte gesprochen hat: „Endlich einmal muß doch hervortreten das göttliche Reich und seine Gewalt und seine Herrlichkeit", nun, dann ist ganz gewiß schon etwas hervorgetreten von dieser Herrlichkeit auch in der neuerwachten Größe unseres Volkes und Vaterlandes, in feiner neuen äußeren und inneren Größe, die uns geschenkt worden ist. So gehen wir dankbar für das alte Jahr frohgemut dem neuen entgegen. „Das Jahr wird alt, Es kreist der Tod! Dem Tapferen hilft der ewige Gott! Das Jahr vergeht. Die Sterne steh'n, Gott läßt fein Volk nicht untergeh'n! M. merkt werden, daß — trotz dieser äußersten politischen Spannungen und gigantischen Anstrengungen und Erfolge — das kulturelle Leben in keinem Augenblick zum Stillstand kam, sondern im Gegenteil auf einen wunderbaren Aufstieg hinzu- weisen vermag. So hat die nationalsozialistische Volksgemeinschaft auf allen Gebieten ihres reich- gegliederten Lebens in dem zurückliegenden Jahre gut gemacht, was Jahrzehnte, ja Jahrhunderte vorher an unserem Volke sündigten. Jenen aber, die im Glauben an diese Volksgemeinschaft seit Jahren, ja Jahrzehnten leiden mußten und die vielleicht die Errichtung des Großdeutschen Reiches selbst nicht mehr erleben durften, mag es über das Grab hinaus noch ein Trost sein, daß aus ihrem Leid das Glück und die Freuden von unzähligen Millionen erwuchs. Sie haben damit nicht umsonst gelitten und sind nicht umsonst gefallen. Denn das Jahr 1938 ist zugleich das Jahr der Ablegung des größten Bekenntnisses eines Volkes. Zweimal wurden in dieser "Frist Deutsche zur Wahl gerufen. Das erste Mal das Altreich mit den Volksgenossen unserer neuen deutschen D ft m a r f, und das zweite Mal die nunmehr ebenfalls zum Reich gestoßenen Sudetendeutschen. Somit hat in diesem Jahr zum ersten Mal in der Geschichte unseres Volkes ganz Deutschland feinem politischen Willen feierlichen Ausdruck gegeben, zum nationalsozialistischen Großdeutschen Reich zu stehen und von ihm niemals mehr zu lassen, komme, was kommen wolle. Die Aufgaben der Zukunft sind folgende: Die erste Aufgabe ist und bleibt — wie in der Vergangenheit immer wieder — d i e Erziehung unseres Volkes zur nationalsozialistischen Gemeins chaf t. Die zweite Aufgabe liegt im Aufbau und in der Verstärkung unserer Wehrmacht. Die dritte sehen wir in der Durchführung des Vierjahresplanes, in der Lösung des Problems unseres Arbeitermangels und besonders in der wirtschaftlichen Eingliederung der neuen Reichsgebiete. Außenpolitisch ist der Platz Deutschlands bestimmt und festgelegt. Die Verpflichtungen, die aus unserer Freundschaft für das faschistische Italien erwachsen, sind uns klare und unverbrüchliche. Unser Verständnis für die geschichtliche Rolle Mussolinis im Dienste der Erhaltung des Friedens des vergangenen Jahres zwingt uns zu tiefer Dankbarkeit. Wir danken aber auch den anderen Staatsmännern, die es in diesem Jahre unternommen hatten, mit uns Wege z u einer friedlichen Lösung der unaufschiebbaren Fragen zu suchen und zu finden. Im großen Weltraum ist unsere politische Einstel-1 lung bedingt durch den Antikominternver-j trag. Im übrigen aber haben wir wie immer nur den einen Wunsch, daß es auch im kommenden Jahr gelingen möge, zur allgemeinen B e - friedung der Welt beizutragen. Möge die Gnade des Herrgotts dabei unser deutsches Volk auf seinem Schicksalsweg begleiten. Es lebe die nationalsozialistische Bewegung, es lebe unser deutsches Volk und unser Großdeutsches Reich! Berchtesgaden, 31. Dezember 1938. (gez.) Adolf Hitler. Gauleiter Sprenger zum Jahreswechsel. Nationalsozialisten in Hessen-Nassau! hinter uns liegt ein Jahr ungeahnter politischer Erfolge. Die Ernte eines Jahrtausende alten Kampfes um das Werden des Reiches durfte heimgetragen werden durch die von niemandem zu übertreffende Opferbereitschaft unserer einzigen Volksgemeinschaft in der Idee de^ Nakional- fozialismus. Den Stunden des Ernstes, in welchen das deutsche Volk im vergangenen Jahre seine Entschlossenheit und seinen durch nichts zu beugenden Willen zum Einsatz für Freiheit und Ehre der Nation bekundete, folgten die Stunden des Stolzes und der Freude über die Heimkehr von 10 Millionen bislang geknechteter deutscher Brüder. Das Reich ist unser geworden, nichts Größeres kann es geben! Das Reich wurde unser durch die Tatkraft und Energie des Führers! Das Reich wurde unser, weil der Führer sich zu jeder Stunde auf uns verlassen konnte! And das Reich wurde unser, weil sich die Haltung eines ganzen Volkes, der Helden, die je für dieses Ziel gefallen find, würdig erwies! Daran laßt uns immer denken. Ein Jahr der Erfüllung liegt hinter uns. Es verpflichtet uns, um fo mehr jenen Grundsätzen treu zu bleiben, die diesen Erfolg erringen ließen. So grüßen wir das Jahr 1939 mit dem festen Versprechen, daß es uns in geübter und gewohnter Bereitschaft antreffen soll: Als Nationalsozialisten Adolf Hitlers! Gez.: Sprenger. Dr. Goebbels spricht ,um Zabresabschluh im Rundfunk. Berlin, 31.Dez. (DNB.) Zum Jahresabschluß spricht Reichsminister Dr. Goebbels heute abend von 19 bis 19.15 Uhr über den Rundfunk zum deutschen Volk. Seine Ansprache wird auf alle deutschen Sender übertragen Das Jahr GroßdeutschSands. Wenn in diesen letzten Stunden des alten Jahres, bevor wir um Mitternacht die Schwelle eines neuen überschreiten, unsere Gedanken den Jahresablauf zurückgehen und versuchen, seinen Ertrag für unser Volk in wenigen markanten Geschehnissen festzuhalten, so kann uns diesmal die Wahl nicht schwer fallen, das Jahr 1938 als das Jahr Großdeutschlands zu bezeichnen, als das Jahr der Erfüllung jenes Traumes, dem die Besten unseres Volkes durch die Jahrhunderte nachgehangen hatten, voller Sehnsucht und doch im Grunde ohne Hoffnung, daß jemals die inneren Vorbedingungen dazu geschaffen und die äußeren Widerstände überwunden würden, die dem Gedanken eines Großdeutschen Reiches entgegenstanden. Das Jahr 1938 hat uns gebracht, was feit dem Mittelalter unwiderbringlich verloren schien und was seit dem Zusammenbruch des Weltkrieges kühnster Gedankenflug nicht zu hoffen gewagt hat: die Einigung aller im mitteleuropäischen Raum geschlossen siedelnden Deutschen in einem einzigen innerlich starken, nach außen hin mächtigen großdeutschen Staatswesen, das mit einem granitenen Block von fast achtzig Millionen Menschen gleichen Bluts und gleicher Weltanschauung, gleichen Arbeitstempos und gleichen politischen Willens die größte Nation Europas umschließt, die als Faktor der Weltpolitik wieder einen Rang einnimmt, dem an Bedeutung nur das frühmittelalterliche Reich der Deutschen unter seinen kraftvoststep Herrschern sich vergleichen läßt. Der Schöpfer des neuen Großdeutschen Reiches, der Führer Adolf Hitler, selbst hat die Meilensteine genannt, die den Weg zur Vollendung seines Werkes bezeichnen: 1933 die Ueberroinbung der Parteien und Klassen, 1934 den Beginn des wirtschaftlichen Aufstiegs, 1935 die Einführung der Wehrpflicht, 1936 die Erringung der vollen Souveränität, 1937 die Inangriffnahme des Vierjahresplans als Grundlage der Sicherung unserer Freiheit auf dem Gebiet der Wirtschaft und der Ernährung und 1938 das Einbringen der Ernte: die Schaffung Großdeutschlands. Wir sehen an dieser Entwicklung nachträglich staunend und bewundernd, mit welch eiserner und beharrlicher Folgerichtigkeit der Führer seinen Weg von innen nach außen gegangen ist. Wir sehen, wie die Ueberroinbung ber aus vielerlei Quellen immer wieder gespeisten, im Lauf der Jahrhunderte so oft sich unheilvoll auswirkenden inneren Zwietracht bes beutschen Volkes burch eine die wertvollsten Eigenschaften der germanischen Rasse und bes deutschen Volkscharakters zutage förbernde, alle Lebensgebiete burchdringende und das ganze Volk zu einem Willensblock zusammenschweißende politische Weltanschauung für Adolf Hitler das Fundament wurde, ohne das alle späteren außenpolitischen Erfolge undenkbar erscheinen. Nur ein innerlich gesundes und selbstbewußtes, stolzes und tapferes, lebens- und freiheitshungriges Volk konnte dem Führer in unerschütterlichem Glauben an seine Sendung und in unwandelbarem Vertrauen zur Schlüssigkeit seiner kühnen staatsmännischen Konzeptionen den steilen Weg zur Höhe der nationalen Einigung folgen. So ist dies Jahr der Erfüllung nicht zuletzt der Ertrag zäher, nie rastender nationalsozialistischer Erziehungsarbeit am deutschen Volke, die Führer und Volk zu jener Einheit zusammenschmolz, deren Unüberwindlich- feit die Welt im Jahre 1938 in denkbar stärkster Nervenprobe staunend erleben mußte. So stand durchaus sinngemäß am Anfang des verflossenen Jahres eine Straffung und Konzentration der Kräfte durch die Umbesetzung einer Reihe von höchsten Staatsämtern. Die Leitung ber, außenpolitischen Geschäfte übernahm der bischerige Botschafter v. Ribbentrop als Reichsaußenminister, Reichsminister Freiherr von Neurath trat an die Spitze des neu errichteten Geheimen Kabinettsrats, der Führer übernahm unmittelbar den Oberbefehl über die Wehrmacht, ihm zur Seite trat General Keitel als Chef des neugeschaffenen Oberkommandos der Wehrmacht, Hand in Hand damit ging eine Reorganisation des Reichswirtscha-ftsministeriums. In seiner Rede vor dem Reichstag am 20. Februar verkündete der Führer, daß das Schicksal der zehn Millionen deutscher Volksgenossen jenseits der Reichsgrenzen dem Reich nicht gleichgültig sei. Damit war ein klarer Weg vorgezeichnet und eine letzte ernste Mahnung an alle gerichtet, die sich noch immer in dem trügerischen Glauben wiegten, daß die künstlichen Schranken der Pariser Vorortsverträge, die aus gleichem Geiste geborenen Militärbündnisse, die Sonderspezies eines „österreichischen Menschen" in einem aus eigener Kraft lebensunfähigen, nur auf den Krücken des Auslandes gegen den Willen feiner Bewohner sich mühsam von einer Krisis zur andern dahinichleppenden Staatswesen und schließlich auch das Trugbild eines tschecho-slowakischen „Nationalstaats", der nur durch hemmungslose Terrorisierung von mehr als der Hälfte seiner nicht tschechischen Volksgruppen sich zuzählenden Bürger durch das tschechische „Staatsvolk" zwanzig Jahre hindurch mühsam genug sein Gesicht hatte wahren können, daß all diese vom Haß gegen die Entfaltung ber natürlichen Lebensgesetze der Völker errichteten Konstruktionen stärker sein konnten, als die Stimme Volkstum und Lebensraum. Oie Aufgaben der Ostmark im Sroßdeutfchen Reich. Don Or.Seyß.Znquart, Deichsstatthalter der Ostmark. Ein Jahr des Heils für das deutsche Volk ist zu Ende. An dieser Jahreswende wird das Bewußtsein des Erreichten und das Gefühl für die Pflichten der Zukunft in jedem national bewußten Deutschen lebendig. Nirgends anders aber vermag man wohl das Ausmaß der Veränderung, die unsere deutsche Welt im vergangenen Jahr erfahren hat, besser zu erfassen, als hier in den Gebieten, denen nun erst die Erfüllung der nationalen Sehnsucht von Generationen zuteil wurde. Das Zentrum des neuen Südostdeutschland ist daher auch ein guter Platz, um eine Rückschau und einen Ausblick zu versuchen. . Auf den alten Karten des mittleren Europa oder in den historischen Atlanten der Zeit des Ersten Reiches sieht man Wien in einer doppelten Siel-- lung verzeichnet, einer Randstellung einerseits und einer Mittelstellung andererseits. Es ist S t a d t d e r Grenze und S t a d t d e r M i t t e, wie das umgebende Land damals Grenzmark und Zu» sammenfassungzugleich darstellt, je nachdem, ob man es im Rahmen des (Heiligen) Deutschen Reiches oder im Rahmen der gesamtösterreichi- schen Länder betrachtet. Die Grenzstadt des Reiches ist zugleich auchGrenzstadtimnationalen Sinn, nahe hinter ihren Toren endet der geschlossene Siedlungsraum des deutschen Volkes. Wenn seit der Niederlegung der alten Kaiserkrone durch Franz, den Großvater Franz Josefs, die Wirklichkeit des Reiches und damit die Bedeutung der Reichsgren^e an der Leitha und den Karpathen mehr und mehr verblaßt, so wächst gleichzeitig das Empfinden für die Bedeutung der V o l k s g r e n z e mit dem nationalen Erwachen der Nachbarvölker. Unverändert aber blieb die raumbedingte Position als Zentrum der (Habsburgischen) Monarchie, die von den Zeiten Prinz Eugens und Maria Theresias sich immer mehr zu der Gestalt verwirklichte, wie sie zuletzt das ranzisko-josefinische Oesterreich-Ungarn zeigte. Erst der Ausgang des Weltkrieges yat hier einen Schluß- punkt zu setzen versucht. Es war die Einstellung der Verfasser der sogenannten Friedensverträge, die damals triumphierte und in den Paragraphen dieser Grenzverträge einen Doppelkrieg gegen die Gesetze des Blutes und des Raumes proklamierte. Was bedeutet, so gesehen, das Ergebnis der Politik des Führers im oben zu Ende gegangenen Jahr? Die von dem Prag Masaryks und Beneschs dirigierte, unter der Patronanz von Paris und zuletzt von Moskau stehende Aktion gegen das Gesetz des Blutes, die in diesen unseren Breiten durch genau zwei Jahr- zehnte ihr verhängnisvolles Wesen treiben konnte, ist zusammengebrochen. Die nationale Rege- lung erscheint in weitem Ausmaß durchgesetzt und ihre Erstberechtigung (in München) von den Mächten anerkannt. Auch der Widersinn der Aktion gegen das Gesetz des Raumes ist aufgedeckt, und damit ist die Bahn für eine Politik frei, die auch hier den Tat- achen der Natur Rechnung trägt. Auf Wien bezogen, ist auf diese Weise dessen Charakter a l s Grenz st adt des Reiches wieder hergestellt und so eine alte Tradition wieder zu Ehren gebracht; ist ferner der Charakter aisnationale Grenz- t a d t neu und stärker denn je betont; ist schließlich aber auch die Voraussetzung wieder geschaffen, daß die Rolle, die sich aus der zentralen Lage im Raum des Gesamtdonaugebiets stets ergeben hatte, neuerlich auflebt. Welche Aufgaben erfließen daraus, für die wir als Deutsche hier in Wien, als Deutsche der Grenzmarken, angefcmgen von Kärnten bis hinauf zum neuen Sudeten^gau, uns mm zu rüsten haben? Es ist selbstverständlich, daß alles das, was mit der einstigen Position als politische Zentrale zusammenhing (im Ersten Reich war ja Wien kaum als politische Zentrale, mir als Residenz der Kaiser anzusprechen) und was mit dem Ende der Donaumonarchie wegsiel, mir mehr der 23 er« ;anaencheit a n ge h ören kann. Der neue deutsche Südosten, die zuletzt deutschösterreichischen und sudetendeutschen Gebiete werden künftig weder, was die Verwaltung betrifft, eins territoriale Ge- amtumgrengung, noch, was die Wirtschaft betrifft, ein Eigenleben besitzen. Sie ordnen sich der gesamt- deutschen Verwaltung, die in Zukunft nur noch mit den Gauen rechnen wird, und der gesamtdeut- chen Wirtschaft ein, deutscher Gemeinnutz hat auch hier vor Eigennutz, vor lokalen Jch-Gefühlen, zu gehen. Aber diese Einordnung bringt nicht nur, wirtschaftlich gesprochen, die reichen Entfal- tungsmögl.ichkeiten eines ungeheu» r e n Jnnenmarktes, besonders nach der Enge der Kleinstaaterei seit 1918, und für den Außenmarkt die nachdrücklichere Unterstützung durch die Politik einer Weltmacht, sie bringt einen weiten Aktionsradius für jede Einzelinitiative, für jede private, sei es wirtschaftliche, sei es geistige Betätigung der deutschen Menschen dieser dem Reich neu vereinigten Gebiete. Das letztere aber mag sich vielleicht als Wichtigstes erweisen. Denn wir haben es erfahren, wie sehr die Kleinstaatexistenz, sonderlich wenn sie des nationalen Schwunges'durch eine volkliche und sei es auch noch so schmal bemessene Eigenpersönlichkeit ermangelt (wie sie etwa in unserer Nachbarschaft die Slowaken besitzen), und wenn sie im Gegentel geradezu im Abgetrenntsein vom nationalen Hauptstrom besteht, vor allem für die Menschen selbst eine ernste Gefahr ist, für ihr inneres und äußeres Wachsen, wie sehr sie es mit Verkümmerung bedroht, während das Einbezogensein in alle Phasen des nationalen Stromes die geistige und seelische Durchblutung der Gesamtheit wie des einzelnen einleitet und steigert. Diese zusätzliche samt der überkommenen Kraft gilt es nun richtig zu nutzen. Der österreichische Mensch, wie gewisse Kreise den Ostmärker bezeichnen wollten, ist von tendenziösen Porträtisten ost sehr unfreiwillig in seinen Zügen umgefälscht worden; unbestritten aber lehrt die Geschichte und die Erfahrung aller Nationen als Besonderheit jedes Grenzstammes, also auch dieses deutschen der Alpen-, Donau- und Sudetenlandschaft, das völkische Bewußtsein und das zähere Wesen aus der Gewohnheit des Kampfes, der zugleich aber auch die größere Bereitschaft zur Anpassung an wechselnde Situationen, in der Gewohnheit des Umganges mit Fremden mit sich bringt. Diese Grenzer-Eigenschaften hat der Südostdeutsche durch Jahrhunderte bewahrt. Die altösterreichische Geschichte bewahrt.nicht nur die Erinnerung militärischer, sondern auch politischer und sehr oft in ihrer Auswirkung nationaler Grenzer-Erfolge. Sie bewahrt auch das in unserer Generation vielfach noch persönlich wache Gedächtnis an ein in feinen nationalen und kulturellen Ergebnissen von tausendfachen glücklichen Erfolgen gekröntes Wirken von Mensch zu Mensch. Man denke nur an die stille Arbeit deutscher Soldaten und Offiziere, deutscher Beamter und Ingenieure innerhalb der weitgezogenen Grenzen des altösterreichischen Machtbereiches. In der gewiß nicht veränderten Kraft solcher Wirksamkeit liegt das hauptsächliche Aktivum, das dieser Südostdeutsche für das neue , Deutschland besitzt, gleich wertvoll innerhalb der Reichsgrenzen und über sie hinaus. Sie ergibt eine außerordentliche Befähigung zu einer inneren und äußeren Mission. Wobei nicht nur die Wirtschaft in Betracht gezogen sei, die ihre Pioniere braucht, nicht nur die Kunst, die ihre Gesandtschaften nötig hat, sondern der ganze Bereich des Lebens. Hierbei sei im Innern wie nach außen der Vorteile gedacht, die ein neues Element in der Gesamtheit der deutschen Stämme, ein neues an Temperament und Charakter be- bedeutet. War b er Raum, in besten Mitte sich das Leben und die Arbeit des Wieners und des Donau- deutschen in der Vergangenheit abspielte, der erfolgreiche Lehrmeister für d i e Menschen hier, die er in eine Pflichtschule der Völkerkenntnis sandte, so ist nun der gleiche Raum, wenn auch anders organisiert und dem Blick auf die Landkarte wesentlich geändert erscheinend, doch wieder das Feld für die Betätigung dieser gleichen Menschen. Naturnotwendig wird das Dritte Reich, wo es im Donauraum und für den Donauraum wirkt, uns Deutsche hier in dem Teil des Reiches, der dem Donaubereich als ein mächtiger Sektor mit angehört, in erster Linie zur Arbeit aufrufen. Hier gilt es dann, d i e alten Vorzüge Wiens als Stadt der Mitte wieder walten zu lasten, wobei die veränderten Erfolgsaussichten nicht auch verringert sein werden, sondern im Gegenteil' das feste Bekenntnis der Reichspolitik zum national umgrenzten Staat sogar bessere Voraussetzungen für ein Zusammenarbeiten schaffen kann, dessen erste Früchte sich im neuen Verhältnis zu Prag und Preßburg bereits zeigen. Nach der anderen, dieser ostwärts gerichteten Kräftewirkung entgegengesetzten Seite, nach dem Westen, nachdemJnnern desRei- ches also, hat aber unser Donau-, Alpen- und Sudetendeutschtum seine innerdeutsche Aufgabe vor sich zu sehen. Die Grenzstadt Wien ist wieder große Garnison des neuen Reichsheeres, das Grenzland ist wieder Mark, das heißt Schild. Aber die nationale Grenzstadt Wien wird vor allem auch Mittlerin in das Reichsinnere und Mitarbeiterin am innern Reichtum der Nation. Solange das Deutschtum hier, das sich mit der ganzen Kraft einer generationenlangen Sehnsucht in den Dienst der geeinten Gesamtheit stellt, zugleich gemäß den Gesetzen des Volkstums und des Raumes, die ihm seine Aufgabe weisen, zu wirken weiß und vermag, braucht uns um eine der Vergangenheit würdige Zukunft dieser Stadt und dieser ganzen Landschaft zwischen den Karawanken und dem Erzgebirge nicht bange zu fein. des gemeinsamen Bluts, das völkische Zusammengehörigkeitsgefühl und die Anziehungskraft eines in sich erstarkten, mächtig aufblühenden Reiches. Wenn in Wien eine ooltsfremde Clique durch Tücke und Hinterhältigkeit, Terror und Haß einer Entscheidung auszuweichen juchte, so griff mit dem Erstarken der nationalsozialistischen Bewegung in Oesterreich die Zersetzung in den eigenen Reihen der Regierenden um sich. Das letzte Angebot des Führers zu einer friedlichen Auseinandersetzung, für die bei dem Besuch des österreichischen Bundeskanzlers S ch usch- n i g a auf dem Obersalzberg am 12. Februar die Grundlagen abgesteckt worden waren, scheiterte an der Unaufrichtigkeit Schuschniggs, der versuchte, durch eine „Volksabstimmung" unter Ausschaltung des wirklichen Volkswillens sein Regime über Wasser zu halten. Die Antwort darauf war die Volkserhebung in Oesterreich und der Ruf um Hilfe, die die in das Kabinett Schuschnigg aufgenommenen nationalsozialistischen Minister gegen die Schergen des volksfeindlichen Systems vom Reich erbaten. Den Einmarsch der deutschen Truppen am 12. März begleitete ein bis dahin unvorstellbarer Sturm ^der Begeisterung in allen österreichischen Landesteilen. Am folgenden Tage verkündete der Führer, der an der Spitze der Wehrmacht die alte Grenze überschritten hätte, in Linz die Wiedervereinigung seiner österreichischen Heimat mit dem Reich und am 10. April bei der Wahl zum ersten Großdeutschen Reichstag bekannten sich 99,73 v. H. der Bevölkerung der Ostmark zur Befreiungstat des Führers. Daß die Wiedervereinigung der Ostmark mit dem Reich auch eine Lösung des fudetendeutschen Problems unausbleiblich machen mußte, mußte in den folgenden Wochen allen Einsichtigen klar werden. Aber die tschechische Staatsführung verschloß sich nicht nur den immer drängender werdenden Forderungen der nichttschechischen Volksgruppen und den nun auch aus Paris und London an sie gelangenden wohlmeinenden Ratschlägen, sondern verstärkte noch in maßloser Verblendung ihren scharf antideutschen Kurs innen- wie außenpolitisch. Am 24. April verkündete Konrad Henlein, der Führer der Sudetendeutschen Partei, in Karlsbad sein Programm, von dessen Durchführung er das weitere Zusammenleben mit den Tschechen in einem Staat abhängig machte. Die Gemeindewahlen im Mai und Juni zeigten die beispiellose Geschlossenheit der sudetendeutschen Volksgruppe in ihrem Bekenntnis zu Henlein und seinen Forderungen. Die Regierung Hodscha suchte nun in endlosen Verhandlungen über ein „Nationalitätenstatut", das feine Unaufrichtigkeit an der Stirn trug, die Entscheidung hinzuhalten, um währenddes durch brutalen Terror die Sudetendeutschen einzuschüchtern und durch umfassende Mobilisierungsmaßnahmen sich für einen Kampf au rüsten. Mit infamer Niedertracht suchten die tschechischen Machthaber durch die am 21. Mai von Prag aus in die Welt gesetzte Lüge von einer deutschen Mobilmachung die Verantwortung für den drohenden Krieg vor der Welt- öftentlichkeit von sich abzuwälzen und die Westmächte auf ihre Seite zu ziehen. Damals faßte der Führer den Entschluß zum beschleunigten Ausbau der Westbefestigungen, der mit höchstem Kräfteeinsatz in gigantischem Ausmaß vorangetrieben wurde, um den Frieden sichern zu helfen, wenn notwendig aber auch den Schutz der Westgrenze des Reichs zu gewährleisten. Die Entsendung Lord Runcirnans nach der Tschecho-Slowakei Ende Juli bringt Prag nicht zur Vernunft. Auf seine Veranlassung hat Konrad Henlein am 2. September eine Unterredung mit dem Führer, der zehn Tage später in seiner Schlußrede auf dem Reichsparteitag in Nürnberg unmißverständlich das Selbstbestimmungsrecht für die Siä>etendeutschen fordert und Benesch als Triebfeder eines von Größenwahn diktierten Kurses bloßstellt, der sich eines Tages zwangsläufig gegen die nationalen Interessen der Tschechen felbft wenden müßte. Benesch antwortet mit der Verfügung des Standrechts und Verschärfung des Terrors in den sudetendeutschen Gebieten. Im Augenblick höchster Spannung trifft am 15. September der britische Premierminister Chamberlain zu direkten Besprechungen mit dem Führer auf dem Obersalzberg ein. Die Aussprache wird am 22. September in Godesberg fortgesetzt, nachdem Prag englisch- französische Vorschläge zur Abtretung des sudetendeutschen Gebietes angenommen hat, doch macht man keinerlei Anstalten, die Vorschläge durchzuführen. Auch das am 24. September durch die Vermittlung Englands in Prag überreichte deutsche Memorandum bleibt unbeachtet, worauf am 26. September der Führer in seiner Sportpalast-Rede feine Entschlossenheit erklärt, die sudetendeutsche Frage unverzüglich und unter allen Umständen zu lösen. Am 29. September entscheidet das Münchener Abkommen der leitenden Staatsmänner der vier europäischen Großmächte die Abtretung des fude- tendeutschen Gebietes. Jetzt endlich fügt sich die Prager Regierung. Am 1. Oktober beginnt die Besetzung durch die deutschen Truppen, am 10. Oktober ist das Sudetenland frei. In dem Ringen zwischen Krieg und Frieden wählend dieser spannungsreichen Septemberwochen hat der Wllle zur Erhaltung des Friedens die Oberhand behalten, weil die Entschlossenheit Deutschlands, dem Recht mit allen Mitteln zum Siege zu verhelfen, wenn es nicht anders möglich fein sollte, auch mit dem äußersten des Appells an die Waffen, England und Frankreich vor die Frage gestellt hatte, ob ihnen die Aufrechterhaltung eines von ihnen als unmoralisch und unnatürlich anerkannten Zustandes einen letzten Einsatz wert war, von d^m sie wußten, daß er bas faschistische Italien mit seiner ganzen Kraft an der Seite Deutschlands sehen würde. Daladier und Chamberlain haben diese Frage verneint und für ihre Politik die warme Zustimmung des weitaus größten Teils ihrer Völker gefunden. Der Sieg des Rechts in München bedeutete den Schlußstrich unter eine Epoche, die im Zeichen von Versailles die Versklavung des deutschen Volkes verewigen sollte. Die noch in München unterzeichnete deutsch-englische Erklärung und die analoge deutsch-französische Vereinbarung vom 6. Dezember wollen im neuen Geist europäischer Zusammenarbeit durch direkte Aussprache den Weg frei machen für eine Neuordnung Europas im Sinne der nationalen Lebensrechte der Völker. Daß sich diese nur unter Ausschaltung Moskaus vollziehen kann, ist seit der tschechischen Krisis ewf) in Paris und London erkannt worden. Das jämmerliche Versagen des Moskauer Systems der Militärpakte hat die Brüchigkeit der bolschewisti schen Freundschaften bewiesen. Niemand hat in München nach Stalin und Litwinow-Finkelstein gefragt, und Benesch mußte vor der Macht der Tatsachen von der politischen Bühne abtreten, ohne daß im Moskauer Kreml sich für ihn auch nur ein Finger rührte. Wie sehr die Achse Berlin—Rom, die sich in der Septemberkrisis als unzerbrechliches Willensinstrument der beiden autoritären Staaten erwiesen hatte, das Vertrauen der Völker gewonnen hat, zeigte nichts deutlicher als der Wiener Schiedsspruch vom 2. November in dem Grenzstreit zwi- jchen Ungarn und der Tschecho-Slowakei. So ist das aus der völkischen Grundauffassung des Nationalsozialismus geborene Großdeutsche Reich der stärkste Faktor des Rechts im Völkerleben, weil es weiß, daß nur auf dem Boden des Rechts der Frieden gedechen kann. Seine Macht faßt es als Verpflichtung auf, sich mit all feinen Kräften einzusetzen für eine friedvolle Gestaltung der Beziehungen unter den Völkern, deren nationale Lebensrechte durch keine kurzsichtige Politik der Ge- walt auf die Dauer abgewürgt werden können. Das Jahr 1938, das Jahr Großdeutschlands, hot das auf das schlagendste bewiesen. Das Dreieck Berlin — Rom — Tokio, das sich im Anttkom- internpakt zum Kampf gegen die völkerverhetzende, die innere Ordnung und den äußeren Frieden gleichermaßen bedrohende Propaganda des Bolschewismus zusammengeschlossen hat, ist zugleich die Front der jungen, aufstrebenden Völker, die sich aus eigener Kraft ihre nationale Zukunft sichern. Wie die Achse Berlin—Rom sich in den Tagen von München auf das höchste bewährt hat, so ist heute auch das Dreieck Berlin—Rom—Tokio ein weit- politischer Faktor, dessen Bedeutung über das begrenzte Ziel des Antikominternpakts weit hinausgeht. Das Jahr 1938, das Jahr Grohdeutsch- lanbs, sah das Dritte Reich im Schutz seiner Wehrmacht, in der selbstbewußten Kraft seines Volkes sicher ruhend, der Freundschaft zweier starker Völker gewiß. So überschreiten wir die Schwelle des neuen Jahres voll innigen Dankes gegen den Herr- gott, dessen Segen sichtbar über dem großen Werk des Fübrers ruhte und voll Zuversicht, im Glauben an die Sendung Adolf Hitlers und die Zukunft unseres Volkes die Kraft zu finden auch für die neuen großen Aufgaben, vor die uns das neue Jahr stellen wird. Dr. Fr. W. Lange. „Jahr der Gesirndhepspflicht" Die Parole des Reichsjugendführers. Berlin, 31. Dez. (RJP.) Der Reichsjugendsüh- rer hat zum Jahreswechsel folgende Botschaft erlassen: Jugend Adolf Hitlers! Das „Jahr der Verständigung" liegt abgeschlossen hinter uns. Diele Hunderttau sende junger Ausländer haben während der vergangenen zwölf Monate Deutschland besucht, um die Schönheit unserer Lager und Sportveranstaltungen kennenzulernen. Diele von euch sind auf Auslandsfahrt in fremde Länder gegangen und haben dort mit der Jugend anderer Nationen FreundsciM geschlossen. Besonders herzlich gestaltete sich die freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Hitler-Jugend und der Jugendorganisation des faschistischen Italien. Der im Jahr der Derständi- gung erstmalig irt größerem Umfang durchgeführte deutsch-japanische Jugendaustausch hat in beiden befreundeten Völkern lebhaften Widerhall gefunden. So können wir alle mit Befriedigung feststellen, daß unser Verständigungsjahr den erhofften Erfolg gebracht hat. Auch im neuen Jahr soll die Auslandsarbeit von 1938 mit allen Kräften fortgesetzt und weiterentwickelt werden. Am ersten Neujahrstog des Großdeutschen Reiches blicken wir voll Dankbarkeit auf unseren Führer, der die Jugend der alten Ostmark und des Sudetenlandes befreite und heimholte in die Vec Optiker am JSaljnhof | uuu; Ihrev Krankenkasse Nie Skoda-Werke. Die Nachricht, die den Uebergang der französischen Beteiligung an den Skoda-Werken in den Besitz des tschecho-slowakischen Staates meldet, ist noch nicht völlig durchsichtig. Die Schneider-Creu- zot-Gruppe besaß die Hälfte des Aktienkapitals von 220 Millionen Dfchechenkronen und ließ dieses Akttenpaket durch eine Sondergesellschaft, die „Union Europöenne" verwalten. Aber sowohl diese Derwal- tungsgesellschaft wie die Skoda-Werke waren nun ihrerseits wieder beteiligt an anderen Großunternehmen der tschechischen Stahl» und Rüstungsindu- Gemeinschaft, die seinen Namen trägt. Um dem Führer Freude zu machen, wollen wir Das Jayr 1939 zurgesundheitlichen Ertüchtigung seiner Jugend verwenden. Es gilt, die Leistungsfähigkeit unseres Volkes durch vernünftige Lebensführung der jungen Generation zu erhöhen. Das könnt ihr, meine Kameradinnen und Kameraden, aus eigenem Willen vollbringen: 1. Durch svortlicheArbeitan euch selbst und systemarisch betriebene Leibesübungen; 2. durch Vermeidung solcher Genußmittel, die dem jugendlichen Organismus schweren Schaden zufügen. Wenn eine geschmacklose Zigarettenreklame von einer neuen Rauchepoche faselt, denkt daran, daß sportliche (also in der Hitler-Jugend: dienstliche) Leistung und Nikotingenuß sich gegenseitig ausschließen. Es soll in der Hitler-Jugend fein feierliches Alkohol- und Nikotinverbot ergehen. Ich halte das für überflüssig, zumal ihr alle im neuen Jahr dem Führer durch eigenen Entschluß zeigen sollt, daß ihr seinem Vorbild auch in eurem persönlichen Leben nachstreben wollt. Das Führerkorps der Hitler-Jugend wird euch dabei mit gutem Beispiel vorangehen. Jungen und Mädel des Führers, ihr habt die Pflicht, gesund zu sein. Mit dieser Parole erkläre ich das Jahr der Jugend 1939 zum „Jahr der G e s u nd h e i ts p f 1 i cht". (gez.) Baldur von Schirach. strie, insbesondere an der Berg- und Hüttenwerksgesellschaft und an „Brünner Waffe n". Die letztgenannte Gesellschaft hat vor einigen Jahren ein leichtes Maschinengewehr heraus» gebracht, das ursprünglich nach dem tschechischen Namen von Brünn, Brno genannt wurde, das aber die Engländer in das Bren-Maschinengewehr umtauften, weil sie das konsonantenreiche Brno nicht aussprechen konnten. Die Berg- und Hüttenwerksgesellschaft hatte ihren Hauptsitz. sowohl in dem jetzt an Polen abgetretenen Teschener Gebiet wie in dem tschechoslowakisch gebliebenen M ä h r i s ch - O str a u. Ihre Betriebe im Teschener oder — wie es auch genannt wird — Olsa-Gebiet hat sie inzwischen an die polnische Regierung abgestoßen. Das Hauptwerk aber blieben die Skoda-Werke in Pilsen, die bei allen internationalen Konflikten der letzten Zeit riesige Lieferungen einheimsten. Im Jahre 1937 machte u. a. ein chinesischer Auftrag in Höhe von 140 Millionen RM. erhebliches Aussehen. Die Skoda-Werke waren für die Tschecho-Slowakei auf Grund dieser Geschäfte zwar Devisenbringer, jedoch wurden schon im Jahre 1935 — dem letzten Jahre, aus dem uns über dieses Kapitel genaue Zahlen zur Verfügung stehen — vom tschechischen Staat auch Devisenbewilligungen in Höhe von mehr als 220 Millionen Kronen zur Ueberroeifung von Dividenden und sehr hohen Aufsichtsratsentschädigungen ins Ausland verlangt. Die Skoda-Werke waren auch am Aufbau der jungen rumänischen Rüstungsindustrie beteiligt; aus der, wie gesagt, sehr kurzen Nottz über den Besitz wechsel geht nicht hervor, in welchen Händen diese rmnänische Beteiligung verbleibt. Für die neue tschecho-slowakische Republik ergibt sich jedenfalls die befriedigende Tatsache, daß so wichtige Industrien jetzt in ausschließlich tschechischen Besitz gekommen sind. Dabei ist zu berücksichtigen, daß Skoda selbst auch neben der Waffenfabrikation in starkem Maße Maschinenbau und die Herstellung von Eisenbahnmaterial betreibt, während sich' eine eigene Tochtergesellschaft der Automobilindustrie widmet. Werden die Uhren angehalten? Der Staatshaushalt m Frankreich mutz fristgerecht verabschiedet werden. Paris, 31. Dez. (Europapreß.) Die Kammer sollte in den Nachtstunden zum Samstag, nachdem der Senat in den ^Abendstunden des Freitags den Staatshaushalt für 1939 in erster Lesung mit 279 gegen 16 Stimmen angenommen hatte, mit der z w e i t e n L e s u n g des Haushalts beginnen. Aber der Finanzausschuß der Kammer konnte, da der Senat zahlreiche Aenderungen an dem von der Kammer in erster Lesung gebilligten Text des Staatshaushalts vorgenommen hatte, feine Arbeit nicht rechtzeitig adschließen. Bei den Beratungen des Senats hatte sich ergeben, daß bei rund 66,2 Milliarden Franken Einnahmen ein kleiner Einnahmeüberschuß von 66,9 Millionen Franken festgestellt wurde. Die Kammer wird nun am Samstagvormittag zusammentreten. Es werden ihr nurnoch!6 Stunden in diesem Jahre verbleiben, um den Staatshaushalt noch verabschieden zu können. Höchst- wahrscheinlich wird diese Zeit nicht ausreichen. Nach alter Gepflogenheit werden daher am Silvesterabend um 24 Uhr wieder die Uhren angehalten werden. Damit soll den Parlamentsmitgliedern dann die Illusion verschafft werden, daß sie sich noch im alten Jahr befinden und den Haushalt noch in diesem Jahre verabschieden können. Besondere Miliiär-Negion im Elsaß. Paris, 31. Dez. (Europapreß.) Das Amtsblatt veröffentlicht eine Verordnung über die Schaffung einer besonderen Militär-Region im Elsaß. Diese wird durch Teilung der bisherigen 2 0. Militär-Region, die Elsaß-Lothringen umfaßte und ihr Oberkommando in Nancy hatte, geschaffen. Die neue Militär-Region wird di« Nr. 10 fragen und im wesentlichen das Elsaß umfassen. Sitz des Oberkommandos wird Straßburg sein, während der Befehlshaber der 20. Militär-Region in Nancy verbleiben wird. Mit Rücksicht auf den besonders umfangreichen Militäcapparat im In Erft reicht an Lesttaaen, - jetitj10g25pf. einer fangs hatte. Seeschlacht in der Bucht von Biscaya an- des Jahres Beschädigungen daoongetragen utH iu’ukji. 4ju fragen |in> emjiajtige Man- -eener oer zioieuung toclji ner: Was wird gespielt? Möchte Roosevelt'die Po- rium für Volksaufklärung lizeiaussicht über die ganze Welt ausüben? Es meh-1 sterialbirigent Alfred-Inge ren sich die Stimmen einsichtiger Männer, die die sam mit b> ausgenommen — würden es als einen Dienst an ityrem eigenen Lande anerkennen, wenn mit der hysterischen Heye gegen das deutsche Volk Schluß gemacht würde und die amerikanische Regierung den Mut finden würde, normale Bezieh un- gen mit Deutschland wioderherzustellen. Aus aller Wett. Todesopfer der Kälte in Rumänien. wärtigen Regimes in Washington längst in Fesseln geschlagen hat. Das Seegefecht vor Gibraltar. Der sowjetspanische Zerstörer wird von den Engländern interniert. energische Forderung aufstellen: S ch l u ß m i t d e m K r i e g s r u m m e l ! Es ist weiter erfreulich, daß es auch gerade die Stimmen von ehemaligen amerikanischen Frontkämpfern sind, die sich den verantwortungslosen Kriegshetzern entgegenstellen. Lange Jahre hindurch ist Deutschland der zweitbeste Kunde der Vereinigten Staaten gewesen. Roch 1927 bezog Deutschland aus USA. 23/« Millionen Ballen Baumwolle. Dieser blühende deutsch-amerikanische Handel ist unter der gegenwärtigen Regierung, die den jüdischen Boykotteuren zuerst ohnmächtig, dann sogar wohl- wollend gegenüberstand, zugrunde gerichtet. Die heimliche und lächerliche Hoffnung, damit das nationalsozialistische Deutschland zu ruinieren, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil, Deutschland steht heute inmitten einer konjunkturell schwankenden Außenwelt als Fels der Sicherhejt da. „Deutsch- land", so erklärte der deutsche Staatssekretär Brinkmann vor einiger Zeit, „könnte in seiner Position als eines der größten Textilien verarbeitenden Länder der Welt ohne weiteres in der Lage sein, jährlich drei dis vier Millionen Ballen Baumwolle aus USA. ei nzu führen." So könnte es fein. Stattdessen wurde eine Handelspolitik nach demo- kratischen Richtlinien ideologischer Verbohrtheit betrieben. Da kann man nur fragen: Welch eine traurige Geistesverwirrung. Der gegenwärtige Regierungschef der USA. hat sich m den Septembertagen bewogen gefühlt, an den Führer um eine friedliche Lösung der fu beten- deutschen Frage zu appellieren, und hat dabei die Worte gebraucht: „Hunderte Millionen Menschen in aller Welt würden Ihre Tat als einen hervorragenden geschichtlichen Dienst für die gesamte Menschheit anerkennen." Es hat leider nicht den Anschein, als wenn Herr Roosevelt sich seiner Worte heute noch erinnert, von seinen Mitarbeitern Hüll, Ickes, Pittman und King ganz u schweigen. In der Fülle der Resolutionen, die zum Neujahr dem amerikanischen Volk durch seine Presse zur Kenntnis gegeben werden, würde folgende Resolution sicher ein besonderes Echo haben: 125 Millionen anftän- foiger Amerikaner — fünf Millionen Juden in USA. starke bolschewistische Ucbermacht 15 Sowjetflieger abzuschießen. Kunst und Wissenschaft. Bdlerschilb M Oeuischen Reiches für Erwin Auido Koibenheyer. (Gemeinsamer Dormarsch zweier notionalkpanischer Armeen. Bilbao, 30. Dez. (DNB.) An der katalanischen Front fanden gemeinsame Operationen der Armeen des Generals Moscardo im Abschnitt Balaguer sowie des Generals Munoz Grande im Ab- schnitt Tremp statt. Beide Armeen rückten in Richtung der Straße Lerida—französische Grenze vor. Am Nachmittag wurden 34 Quadratkilometer von den Nationalspaniern erobert, wo allein sieben sowjetspanische ausgebaute Befestigungswerke vorgefunden wurden. Die Truppen der Armee Moscardo besetzten den Ort Cubells an der Straße zur französischen Grenze, während die Truppen Der anderen Armee von Norden her den Ort fast gleichzeitig erreichten. Mehr als 500 Gefangene wurden gemacht, die Marschtiefe beträgt acht Kilometer. Im Abschnitt Seros haben die Truppen des Generals Solch aga in einem erfolgreichen Vorstoß von Granabella aus ben Ort Podla b e Granabella besetzt, der nur noch 45 Kilo- meter von ber wichtigen sowjetspanischen Hafenstadt Tarragona entfernt liegt. In brei Luftkämpfen gelang es ber nationalspanischen Luftwaffe gegen 3m Dienste jüdischer Interessen. Scharfer deutscher Protest in Washington. - Das amerikanische Außenomt deckt die unqualifizierbaren Angriffe des Innenministers Ickes. zwar, wie es heißt, von einem francofreundlichen Spanier. — Der nationalfpanische Minenleger Jupiter", ber von ber „Josö Luis Diez" gerammt wurde, ist nicht gesunken, sondern nur schwer beschädigt und ist in der Bucht bei Gibraltar aufgelaufen. Weiter wird bekannt, baß während des Seegefechtes ein Schiffsgeschoß mit* t c n in einem Dorf in der Bucht einschlug. Dabei sollen fünf Menschen, darunter brei Engländer, verwundet worden fein. Nach den Aussagen eines verwundeten englischen Polizisten ist ein Haus durch die Granate in Trümmer gelegt worden Menschen befanden sich glücklicherweise nicht darin. Der sowjetspanische Zerstörer liegt nun in ber Bucht bei Gibraltar auf ®runb, etwa 50 Meter von ber Küste entfernt. Während des Gefechtes soll der Zerstörer fünf bis sechs Torpedos abgefeuert haben, von denen eines angeblich einen nationalspanischen Zerstörer getroffen haben soll. Da sich der von ben Nationalspaniern zusammen- geschossene sowjetspanische Zerstörer innerhalb der englischen Hoheitsgewässer befand, hat ein Teil ber Besatzung des britischen Zerstörers „Vanock" bas Wrack besetzt. Der Gouverneur von Gibraltar, General Sir Ebmund Jronside, beobachtete die Besetzung burch bie britischen Seesoldaten von ber Bucht aus. Wie man Cs liegt nahe, daß Washington eine Krise in ben bentsch-amerikanischen Beziehungen zum Zeitpunkt des Kongreßzusammentrittes gelegen käme, damit dem harmlosen amerikanischen Volk die gewaltige Rüstung plausibel erscheint. Das gegen» wartige Regime in Washington hat in seinen sechs 3nhren in steil ansteigender Kurve bereits fünfeinhalb Milliarden Dollar für R ü - stungsz wecke ausgegeben. Das ist selbst für amerikanische Finanzverhältnisse ein gewaltiger Be- trag. Das neue Programm soll aber alles weit in ben Schatten stellen. Da fragen sich einsichtige Man- ner: Was wird gespielt? Möchte Roosevelt die Po- m London erfährt, hat fiefj der „Jos6 Luis Diez" nach dem ersten Angriff durch bie nationalspani- schcn Einheiten absichtlich in bie englischen Hoheitsgewässer zurückgezogen, um weiteren Angriffen zu entgehen. Daraus erklärt man sich die Haltung ber beiden englischen und des französischen Zerstörers, die gegen Ende des Gefechtes die na- tionalspanifchen Einheiten daran hinderten, an bie "Aosä Luis Diez" heranzukommen. Diese ausländischen Zerstörer richteten auch ihre Scheinwerfer auf das Wrack, um badurch das Ausbooten der Toten und Verwundeten zu ermöglichen. Die Mannschaft des „Josä Luis Diez" ist vorläufig in alten britischen Kasernen untergebracht worden. — Die Polizei ist damit beschäftigt, biejenigen ausfindig zu machen, die angeblich burch Raketensignale bie nationalspanischen Seestreitkräfte von dem Auslaufen des Zerstörers verstänbigt haben sollen. Wie Reuter meldet, hörte man, baß der „Jos6 Luis Diez" möglicherweise in Gibraltar interniert werbe. Der Zerstörer ist, wie erinnerlich, bereits im August schwer beschädigt morden, als er versuchte, nachts durch die Straße von Gibraltar zu fahren. Er hat baraufhin in Gibraltar Unterschlupf gesucht und war mit französischer Hilfe wieder instandgesetzt worden. Der Zerstörer kam damals von Le Havre, wo er zum ersten Male ausgebessert worben war, nachdem er in Kiewer Geologen melden die Auffindung neuer Aaphta- und Kupfervorkommen. Nach einer Agenturmelbuna aus Kiew hat das dortige Geologische Forschungsinstitut festgestellt, daß es zwischen Dnjepr und Don in der Sowjetukraine vermutlich reiche N a p h t a - Quellen gebe. Weiter fei man in anderen Bezirken an 30 Punkten auf Kupfer gestoßen, dessen größte Lager sich in ben Gebieten von Stalingrab unb Woroschilowgrab be- fänben. Tödlicher Ausgang eines Boxkampfes. Ein in Trier veranstalteter Boxkampf nahm ein schlimmes Ende. Der Schwergewichtler Fischer (Trier), der von Dillenburger (Quierschied) k. o. geschlagen wurde, kam auf Veranlassung des Ringurztes ins Krankenhaus. Dort wurde sofort eine Schädeloperation vorgenommen, die einen Bluterguß ins Gehirn ergab. Fischer starb nach weni- gen Stunden. Z und Propaganda, Mini» ... Alfred-Jngemar Berndt, gemein- dem Leiter des Aintes Schrifttunipflege des Reichsleiters Rosenberg, Reichsgmtsleiter Hagemeyer, dem Dichter Bild imd Urkunde. Ministerialdirigent Berndt brachte gleichzeitig die herzlichen Glückwünsche des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda und Präsidenten der Reichskulturkammer, Dr. Goebbels, mm Ausdruck. Zediet der französischen Ostbefestigungen soll die Reform notwendig geworden fein, bie jeboch nur schrittweise burchgeführt werben wird. Die Teilung der 20 Militär-Region hatte sich auch auf Grund t>cr Erfahrungen, die die französische Heeresleitung aus ber Teilmobilisation im September sammelte, als zweckmäßig erwiesen. Wang Tsching-Wei plädiert für Friedensschluß. London, 30. Dez. (Europapreß) Nach Mel- düngen aus Hongkong hat der ehemalige chinesische Ministervräsibent Wang Tsching-wei dein Marschall Tschiangkaischek telegraphisch zu verstehen gegeben, daß China mit Japan nunmehr Frieden schließen sollte. Wang Tsching-wei hält sich seit einer Woche i n H o n g k o n g auf. Seine Ankunft in Hongkong war als Anzeichen dafür angesehen worden, daß China kriegsmüde sei unb Fr iebensfühler ausstr-ecken wolle. Der ehemalige Minifterpräsibent begrünbet seine Ansicht mit folgenben drei Punkten: 1. Das japanische Manifest über bie japanischen Ziele in China unb im Fernen Osten gewährleiste die Sicherheit der nördlichen Provinzen und er- halte Chinas Souveränität Weiter ver- setze es China in die Lage, verlorenes Gebiet unter feine Oberhoheit zurückzubekommen. 2. Die Antikomintern-Grundlaae des japanifch- italienifch-beutfchen Paktes fei gegen keine be- stimmte Partei gerichtet, fonbern gegen bie internationale Propaganda. Sie berühre baher auch nicht bie Beziehungen zwischen China Unb Sowjetrußland, selbst wenn China dem Abkommen beitreten würbe. 3. Eine japanisch-chinesische wirtschaftliche Zusammenarbeit fei in Zukunft möglich. Wang Tsching-wei schließt mit dem Satz: „Auf jeden Fall ist die Zurückziehung der japanischen Truppen eine Vorbedingung für den Frieden." Oie Chinesen greisen an. Schanghai, 30. Dez. (Europapreß.) Die chine- fische Heeresleitung macht zur Zeit verzweifelte Anstrengungen, um das weitere Vordringen der japanischen Truppen, die bisher 47 v. H. des gesamten chinesischen Gebiets besetzt haben, sowohl in Mittel- als auch in Südchina au unterbinden. Besonders hartnäckige Kämpfe spielen sich u m ben Besitz ber Stadt Haimen südwest- sich von Nantungschau an der Jangtsemündung ab. Die Stadt war anfangs der Woche von chinesischen Freischärlern eingenommen worben, würbe aber halb barauf von ben japanischen Truppen zurückerobert. Am Freitag hier eingelaufene chinesische Berichte behaupten, daß die Stadt neuerdings von chinesischen Frei- schärlern eingenommen worden fei. Der Schiffsverkehr zwischen Schanghai und Haimen soll zur Zeit unterbrochen sein. In S ü d ch i n a , östlich unb nordöstlich von Kanton, haben bie chinesischen Truppen entschlossene Angriffe gegen bie japanischen Stellungen in diesem Gebiet eingeleitet. Die Chinesen behaupten, die ; Stadt Tounghwa, 60 Kilometer nordöstlich von Kanton, eingenommen zu haben. Der chinesische Angriff richte sich auf die östlich von Kanton gelegenen Städte Tungkwan uno Taiping ' sowie auf die nordöstlich von Kanton gelegenen Städte Tsengcheng und Shilung, bie bei : dem erfolgreichen japanischen Vormarsch in Süd- \ china ben Chinesen ohne größeren Widerstand ent» ' rissen worden waren. Auffallend bei den neuen 1 chinesischen Gegenangriffen ist der verhältnismäßig starke Einsatz chinesischer Luft st reit- I Kräfte. Oer Abbruch der Beziehungen zwischen Paris und Teheran. Paris, 30. Dez. (Europapreß.) Wie aus einem durch das französische Außenministerium veröffentlichten Kommunique hervorgeht, ist vor allem eine ( Entgleisung des französischen Witz- i b 1 a 11 e s „ D s ä Mo eile" die Ursache für ben Abbruch der Beziehungen zwischen Ivan und Frank- $ reich. Dieses Witzblatt hatte ein höchst unpassendes I zweideutiges Wortspiel mit dem Titel des Schah c von Iran getrieben. Auch hat man in Teheran i Der Führer und Reichskanzler hat dem Schriftsteller Dr. phil. Dr. med. h c Erwin Guido Koibenheyer in Solln bei München aus Anlaß feines 60. Geburtstages den Ao 1 erfchild des Deutschen Reiches mit ber Widmung --Dem deutschen Dichter" verliehen. Zahlreiche führende Persönlichkeiten der Partei, des Staates und der Kunst gebuchten in Telegrammen. Briefen, Geschenken unb Blumenspenben des 60 jährigen Dichters, dem ber Führer bie höchste Anerkennung vor der Nation ausgesprochen hat. Im Nahmen einer kleinen Feier übergab im Hause des Dichters ber Leiter ber Abteilung Schrifttum im Reichsministe- ganz Rumänien wüten noch immer heftige Schneestürme, die den Verkehr lähmen. In der Bukowina können weder Eisenbahnzüge noch Kraftwagen verkehren. Zwischen Galatz und Bruila ift bie D o n a u 3 u g e f r o r c n. Kälte und Schnee- stürme haben auch zahlreiche T o b e s o p f e r ge- fordert. In der Umgebung ber Stadt Braila sind ein Landwirt, seine Frau, zwei Kinder und eine Schwester erfroren. Die fünfköpfige Familie sollte sich im Schlitten in ein Nachbarborf begeben, doch konnte der Schlitten im Schneesturm nicht weiterkommen. Er wurde von den Schneemassen begraben. In Galatz ist auf ber Donau infolge des starken Eisganges ein mit sechs Arbeitern besetztes Boot gekentert. Zwei Arbeiter fanben im eifigen Wasser den Tod. — In Galatz sind die Elsenbahnwerkstätten durch einen Großbrand eingeäschert worden. London, 30. Dez. (Europapreß.) lieber das Seegefecht zwischen nationalspanischen Einheiten und dem sowjetspanischen Zerstörer „I o s 6 Luis D i e z", der am Freitaymorgen von Gibraltar ausgelaufen war, werben jetzt nähere Einzelheiten bekannt. Die nationalspanischen Seestreitkräfte, bie außerhalb der englischen Hoheitsgewässer kreuzten, um ein Entkommen bes in Gibraltar reparierten sowjetspanischen Zerstörers zu oerhinbern, erfuhren von bem Auslaufen der „Jose Luis Diez" durch eine Rakete, bie in Gibraltar abgefeuert würbe, und Berlin, 30. Dez. (DJIB.) Der Innenminister der Bereinigten Staaten von Amerika, Ickes, hat vor der Zionistischen Gesellschaft in Elcveland kurz vor Weihnachten eine Rebe gehalten, in welcher er im Zusammenhang mit Anwürfen gegen bas Dritte Reich feine Führung in unqualifijierbarer Weife angriff. Der deutsche Geschaststrä - gerinWashingtonhat wegen dieser Angriffe bei dem amerikanischen stellvertretenden Außenminister schärfsten p r o t e ff e i n g e t e g t. Das amerikanische Außenamt ist jedoch nicht, wie es sich sonst im internationalen Verkehr in derartigen Zöllen von selbst versteht, von den Aeuherungen des amerikanischen Innenministers a b g e r ü rf t, sondern versuchte, diese zu decken. Es ist daher feft- zusiellen, daß, solange ein solches, offenbar jüdischen Interessen dienendes, die wirklichen deutsch- amerikanischen Interessen aber außer Acht lassendes Berfatjren in den Beziehungen der Bereinigten Staaten von Nordamerika zu Deutschland anhält, die von dem amerikanischen Außenamt dem deutschen Geschäftsträger ausgedrückte Hoffnung auf eine Besserung des wechselseitigen Berhältnisses jeder Grundlage entbehrt. * Dazu schreibt der „Völkische Beobachter" u. a „Daß das amerikanische Außenamt bie geschmack- losen Ausfälle bes U8A.-Innenministers gegen Deutschland noch zu beschönigen sucht, wirft ein bezeichnendes Licht darauf, wie das deutsch-amerikanische Verhältnis sich unter dem gegenwärtigen Regime in Washington entwickelt hat. Daß aber ber Innenminister feine völkeroerhetzenden Provokationen sogar vor einer jübischen Zionistenbewe- gung losläßt, wirst ein noch schärferes Schlaglicht aus bie innerpolitischen Verquickungen ber gegenwärtigen Regierung in USA. Es ist zunächst not- wendig, bas Bild des Ministers Ickes etivas zu vervollständigen. Es ist derselbe Ickes, ber nach der „Hlnbenburg"-Katastrophe in Lakehurst ben He- lium-Gasoerkauf an Deutschlanb unter dem nichtigen Vorwand Hintertrieb, Deutsch- land könne seine Zeppeline zum Angriff auf Amerika einsetzen. In Wirklichkeit war es nur ber zlusbrurf blinden Hasses gegen bas deutsche Volk, der Mister Ickes verleitete, ben kläglichen Versuch Zu machen, ben Fortschritt ber Menschheit zu hindern und damit seine eigene Nation zu blamieren. Das Bild bes Nooseveltschen Innenministers wirb jeboch vollends klar, wenn man weiß, daß er zu ben eifrigsten Förberern ber „American Civil Liberties Union" gehört, ber bebeutenbften Hilfstruppe bes jübischen Kommunismus in USA. $eber normale Mensch fragt sich: Warum diese hysterische Hetze gegen Deutschland Will USA. durchaus einen Konflikt mit bem beutschen Volke vom Zaune brechen? Das brutsche Volk will mit bem amerikanischen Volk in Ruhe unb Frieden leben, und kann nicht glauben, daß die Mehrheit bes amerikanischen Volkes bie gegenwärtige hysterisch-provokatorische Katastrophenpolitik in Washington gutheißt. Es ist vielmehr zu offensichtlich, daß die sich überstürzenden Ausfälle der verschiedenen U8A.-Regierungsmänner lediglich auf den jüdischen Druck zurückzu- führen sind, der bie Entschlußfreiheit des gegen- Anstoß an bem übertriebenen Lob genommen, bas eine Ausstellung altpersischer Kunst in Paris bei einigen französischen Zeitungen gefunden hat, ohne daß diese Zeitungen in gleicher Weise der kulturellen Leistungen bes neuen Iran gedacht hätten. Der französische Gesandte in Teheran hat sich im Namen seiner Regierung für die französischen Presseäußerungen entschuldigt. Diese Entschuldigung ist aber angesichts der Schwere ber Beleidigungen gegen das Staatsoberhaupt bes Irans für nicht ausreichend gehalten worden. Die litauische Staatspolizei im Memelaebiet oufflelöff. Kowno , 30. Dez. (DNB.) Die litauische Staatsregierung hat auf Vorschlag des Gouverneurs in Memel beschlossen, die Staatssicherheitspolizei im Memelgebiet sofort auf- 3 u l ö f e n. Bei den litauischen Behörden soll im Memelgebiet wieo Pst, Eisenbahn, Zoll, Gren3poli3ei und beim Gouverneur als Beamte und Angestellte den Bewohnern des Memelgebietes ber Dor 3 ug gewährt werden. Die feine^eit entlassenen ober versetzten Beamten aus dem Memelgebiet sollen nach Möglichkeit wieder auf ihre früheren Stellen zurückversetzt werden Auf den Auslandspässen wird von jetzt ab auch die Bezeichnung in deutscher Sprache zugelassen. Kleine pottiische Nachrichten. Die deutsche Regierung hat vor kurzem der britischen Regierung ihre Absicht mitgeteilt, in lieber- einstimmung mit ben in ben deutsch-englischen Flottenabkommen vom 18. Juni 1935 und vom 17. Juli 1937 niedergelegten Verfahrensvorschriften gewisse ihr auf Grund dieses Abkommens zustehenden Rechte auszuüben. Vertreter der britischen Admiralität sind am 29. b. M. in Berlin eingetroffen, wo sie mit ben zustänbigen beutschen Behörden Fragen erörtern werden, die sich aus ber obigen Mitteilung ergeben. Die Zeitung „Germania" (Berlin) teilt in der Ausgabe vom 31. Dezember ihren Lesern mit, daß sie mit bem gleichen Tage i h r Erscheinen einstellt. Das Blatt hat damit am Ende seines 68. Jahrganges zu bestehen aufgehört. Wetterbericht Mit der Ostwärtsoerlageruna des gestrigen Nordseewirbels konnte auch der Zustrom milder Meeres- lüft in Deutschland weiter Raum gewinnen. Dabei kam es vornehmlich in West- und Südwestdeutsch- lanb 311 leichtem Tauwetter, das nur durch leichtere Nachtfröste unterbrochen war. Der Zustrom milderer Meeresluft hält an. Aufheiterung bestärkt aber immer wieder das Auftreten nächtlicher Fröste. Vorhersage für Sonntag: Vielfach aufheiternd und nur geringe Niederschlagsnelgung. Nachts vielerorts Frost, Tagestemperaturen meist bei ober etwas über 0 Grab. Westliche Winbe. Vorhersage für Montag: Fortbauer ber leicht unbeftänbigen milberen Witterung; nachts verbreiteter Frost. Lufttemperaturen am 30. D^ember: mittags 0,2 Grab Celsius, obenbs 1,1 Grab; am 31. Dezember: morgens 1,5 Grab. Maximum 1,4 Grab, Minimnni heute nacht 0,5 Grab. — (Erbtcmperaturcn in 10 cm Tiefe am 30. Dezember: abenbs — 0,5 Grad; am 31. Dezember: morgens —0,1 Grad. — Niederschläge 5,2 mm, Schnee und Regen gemischt. Wintersparl-Wetterberichl. Vogelsberg, Hoherodskopf: Nebel, — 3 Grad, Gesamtschneehöhe 45 cm, Neuschnee 9 cm, Schneebeschaffenheit: gekörnt, Schi unb Röbel sehr gut. Rhön, Wasserkuppe: Nebel, —4 Grad, Gesamtschneehöhe 35 ein, Neuschnee 5 cm, Pulverschnee, Schi unb Nobel sehr gut. Taunus. Kleiner Felbberg: Nebel, —2 Grad, Gesamtschneehöhe 32 cm, Neuschnee 1 cm, Pulverschnee, Schi und Nobel gut. — Großer Felbberg: Bebeckt, —4 Grab, Gesamtschneehöhe 40 cm, Neuschnee 3 cm, Pulverschnee, Schi unb Nobel sehr gut. Schwarzwald. Feldberg: Schneefall, — 5 Grad, Gesamtschneehöhe 45 cm, Neuschnee 10 cm, Pulverschnee, Schi und Rodel gut. Hauptschristleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hau))tschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik unb für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange-; für Feuilleton: Dr. S)ans Thyriot; färben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. D A. XI. 38: 10718. Druck unb Verlag: Brühlsche Uniüerfitätsbrurferei N Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1 September 1937 gültig. Dr. Goebbels ehrt Hanns Johst. Der Präsident der Reichskulturkammer, Reichsminister Dr. Goebbels, ließ bem Präsidenten ber Reichsschrifttumskammcr, Staatsrat Hanns Johlt, der sich nach monatclanger, schwerer Krankheit auf dem Wege der Besserung befinbet, zum Jahreswechsel burch ben Leiter ber Abteilung Schrifttum seines Ministeriums, Ministerialdirigent Berndt, seine Büste mit einer herzlichen Widmung überbringen. . Span.- "Ä -. «O"kko SPANIEN AlgwraiJ^mGBMirAR Europa Tarifa Alaearas Gießener ffkauftausSier hervorragende Qualität Siir die Festtage besonders empfohlen: idcl-Sils - tfpextal duitfid Braut- Ausstattungs- Wäsche liefert Ihnen in guter Qualität und preiswert DAS FACHGESCHÄFT c-01 Reuter Gießen S e Ite rs weg 61 8868D CHON. v KV PI '^W jfcERAMIR'ji GABEN VOLL HERBER v Ai KE N, kie (’cqÜickcii Mettenheimer Inh.: W. Menges 6468V GIESSEN Kreuzplatz 3 ^Schreibtische? Gießen, Bahnhofstr.49, Ruf 3941 14. an denen zu arbeiten Freude macht. Kräftig, elegant und praktisch, preiswert bei 6628a Garbenteich. G. 10. Hausen. G. 13. Heuchelheim. HG. 10, Kollekte. Kirchberg. G. 10, KG. 11. Klein-Linden. G. 13.30. Mainzlar. G. 10, KG. 11. Steinbach. G. 10. Wieseck. HG. 10, Wendel. Ev. Stadtmission, Löberstr. : Sonnt., 1. i. Gemeinschaftsstunde 15. - Allianzversammlung 20. - 5.-8. Bibelkurs 10, 15 u. 20.15. Bavtistengemeinde, Gartenstr. 13. 31. 12. Jahresschlußfeier 20.45. - 4.1. Bibelstunde 20.15. Neuavostol. Gemeinden Gießen, Händelstr. 1, Ederstr. 13.31.12. G. 20, Kirche Händelstr. - S., 1. 1., G. 9.30 u. 15.30. - M., 4. 1., G. 20.30. Bund freikirchlicher Christen, Gr. Steinweg 4, H. 1. 1. 1939 Bibelstunde 15.30. - Mittw., 4. 1., Bibel- u. Gebetstunde 20.30. GonutagsdienstfürAerzie Arzt: Dr. med. Ploch, Asterweg 34. Tel. 3317. Zahnarzt (nur in dringenden Fällen): Dr. Schott, Friedrich- Matze 36. Kirchliche Anzeigen. (G. --Gottesdienst, KG. --Kindergottesdienst, HG.--Hauvtgottes- dienst, HG.-Abendm. = Hauvt- gottesdienst mit Beichte und Abendmahl.) Gießen. Samstag, 31. Dezember, Altjahrsabend. Stadtkirche. AG. 20, Propst Knodt. Fohanneskirche. AG. 20, Ausfeld. Kapelle Alter Friedhof. AG.- Abendm. 18, Traum. Petruskavelle. AG. 20, Trapp. Sonntag, 1. Januar, Neujahr. In allen Kirchen Kirchensammlung für das Winterhilfswerk des Deutschen Volkes 1938/1939. Stadtkirche. HG. 9.30, Schmidt, KG. Matth. 11, Schmidt, AG. 17, Becker. Jobanneskirche. HG. 9.30, Liz. Wißmann (Einführung durch Dekan Sattler), AG. 17, Ausfeld. Kapelle Alter Friedhof. HG.9.30, Traum, KG. Lutb. 10.45, Traum. Pertruskapelle. HG. 9.30, König. Samstag, 31. Dezember, Altjahrsabend. Albach. G. 18.30. Daubringen. AG. 20. Garbenteich. AG. 17.30. Hausen. AG. 19. Heuchelheim. AG. 20 (Kirchenchor), Kollekte. Kirchberg. AG. 21. Klein-Linden. AG. 20. Lollar. AG. 20. Steinbach. G. 19.45. Wieseck. AG. 18. Sonntag, l.Januar, Neujahr. Albach. G. 12.30. tataMiMlerriclil Bekannte Großflrma 10/55 Pü. 'en gesucht. 0573* Allen Verlobten Praktische Winke und Ratschläge für die Hausfrau IMWer Buchhalter [Empfehlungen | Kietze», Neustadt Angebote an 8811V Keller für sofort gesucht. 88510 Hollmann-Werke, Wetzlar Gg.A.Hainer Hillerwall 7 Leibbinden Bruchbänder Einlagen Anfertigung in eig. Werkstätte Kurt Kling vorm. Heger Nach. 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Es ist aber notwendig, den Versuch zu wagen, die gewaltige Zeitwende, die wir in der kurzen Zeitspanne eines Jahres erlebten, sowohl rückschauend als Erfüllung, wie vorausschauend als Verheißung großräumig abzuschätzen, wenn wir ihren Sinn einigermaßen richtig erfassen wollen. Es kommt nicht darauf an, sich die einzelnen Vorgänge in die Erinnerung ^uruckzurufen, die sich zum Zusammenschluß von 80 Millionen Deutschen innerhalb eines zusammenhängenden Siedlungsraumes zu einem Staatsvolk von einheitlicher Gesinnung und unter einheitlicher Führung verdichteten; viel wichtiger ist, sich der Gesamtwirkung bewußt zu werden, die alle überkommenen politischen Werte umwertet, ganz Europa und die ganze Welt in Bann schlägt und noch immer ununterbrochen ihre weltweiten Kreise zieht. Ein Volk, das aus einem Kriege, den es gegen die halbe Welt führen mußte, zwar überwunden, aber äußerlich besiegt hervorging, vermochte sich ohne Krieg über die Sieger zu erheben und als Vollstrecker des Weltgerichtes der Weltgeschichte Friedensdiktate aufzuheben, die das Glück der Waffen von Gegnern besiegelte, die nicht mit Gewalt (rufrechtzuerhalten sich getrauten, was sie mit Gewalt durchgesetzt hatten. Daß es so kommen konnte, wirkt wie ein Wunder, aber als vernunftbegabte Wesen müssen wir versuchen, dieses „Wunder" als naturgesetzliche geschichtliche Notwendigkeit zu entschleiern. Nichts wirkte in den gewitterschwülen Tagen, die dem Frieden von München vorausgingen, befreiender, als die Wahrnehmung, daß die unerbittliche Entschlossenheit Adolf Hitlers, die g r o ß - deutsche Frage ganz zu lösen, zugleich in den fremden Staatsmännern, die dabei wohl oder übel Gevatter stehen mußten, ein europäisches Verantwortungsgefühl von einer Stärke weckte, welche hoffen läßt, die in Gang gebrachte großdeutfche Entwicklung werde sich als Motor einer entsprechenden großeuropäischen Bewegung bewähren. Der Werdegang des deutschen Führers und Reichskanzlers vom Volksmann zum Staatsmann hatte die sranzösifche und englische Staatsraison entwaffnet. In den entscheidenden Tagen hatte in Frankreich wie in England eine spontane Volksbewegung die Gerechtigkeit der groß- deutschen Forderung erkannt und die leitenden Staatsmänner bevollmächtigt, chren Widerstand gegen einen nicht mehr aufzuhaltenden mitteleuropäischen Erdrutsch aufzugeben. Gewiß hatte das Ausmaß der deutschen Wiederaufrüstung bei diesem Siege der Vernunft seinen unentbehrlichen gewichtigen Anteil, aber entscheidend für die friedliche Wendung war doch, daß weder in Frankreich noch in England über das Schicksal des kraft Friedensdiktats zusammengeklam- merten naturwidrigen tschecho-flowakischen Staats- gefüges.die Volksseele zum Kochen kommen konnte. Der Anfang war gemacht, das alte „Gleichgewicht der Mächte" durch ein Gleichgewicht der Volkskräfte ablösen und zur Grundlage einer neuen europäischen Ordnung werden zu lassen, die seit Jahrhunderten zum ersten Male wieder Gewähr für eine wirklich großeuropäische Entwicklung bieten würde. Diese unmittelbare Auswirkung großdeutschen Geschehens auf die europäische Völkergemeinschaft ist kein zufälliges Ergebnis jüngster Machtgestaltung. Die Tragik großdeutschen Einheitsstrebens beginnt nicht umsonst gerade da, wo auch die europäische Einheit in die Brüche ging. Fichte meint in seinen „Reden an die deutsche Nation", ,Ias christliche Europa, das vorher auch ohne fein eigenes deutliches Bewußtsein eins gewesen war und als solches in gemeinschaftlichen Unternehmungen sich gezeigt hatte", habe sich erst nach der durch den Wettlauf um überseeische Beute entfachten Raubsucht „in mehrere abgesonderte Teile zerteilt". Nun erst sei es zum Gewinne für Völker geworden, „Völker auch anderer Abkunft und Sprache durch Eroberung oder, wenn die nicht möglich wäre, durch Bündnisse sich einzuverleiben und ihre Kräfte sich anzueignen". Bei aller Uebertreibung ist diese Auffassung int Kern richtig. Jedenfalls unterscheidet sich die o st w artige Ausbreitung, durch die das Deutschtum vom 11. bis zum 16. Jahrhundert der gesamteuropäischen Entwicklung das Gepräge seines Wesens aufdrückte, vorteilhaft von dem Vorgehen der „Konquistadoren", die nach der Entdeckung Amerikas die Länder einer „neuen Welt" ausplünderten. Während über See das Siedlungswerk europäischer Einwanderer vernachlässigt wurde, bis es von denen in Schwung gebracht wurde, die sich, um dazu imstande zu sein, von den Mutterländern losrissen, war die Aufschließung neuen Siedlungsraums immer der Hauptinhalt deutscher Ostkolonisation. Nicht als dienstbare Knechte, kummervoll und duldend wie die Auswanderer späterer Jahrhunderte, sondern als stolze und gebietende Herren zogen damals deutsche Bauern- und Bürgersöhne in östliche Wildnisse, um, meist von fremden Landesfürsten gerufen, kraft ihrer überlegenen Kulturleistung verlassene Landstriche zu kolonisieren oder unterlegene Volksftämme der eigenen Bildung zu gewinnen. „Das waren", so charakterisiert treffend Friedrich Kapp dieses Kolonisationswerk, „keine bloßen Abenteurerfahrten, gleich den Kreuzzügen, in welchen Kraft, Leben und Vermögen der Einzelnen ziemlich nutzlos vergeudet wurden, sondern Unter« nehmungen voll idealen Schwungs und doch m i t einem nüchternen politischen Ziele, welches — ein in der mittelalterlichen Geschichte einzig dastehendes Beispiel! — durch die vereinigten Anstrengungen, durch die gemeinschaftliche Arbeit des Adels, des Bürgertums und des Bauernstandes erkämpft wurde". Deutschem Handel und Gewerbe- fleitz, deutscher Sitte und deutschem Recht wurde in /den Gebieten jenseits der Elbe, Oder und Weichsel, ja Über das deutsche und baltische Meer hinaus eine heimische Stätte geschaffen; alle nordischen Meere, Buchten und Eilande wurden von unternehmenden deutschen Kaufleuten durchspäht, die sich bei den Wenden und Preußen, Finnen und Russen, in Schweden und ’ßtor'egen, in Dänemark und England zu starkem Einfluß und hohem Ansehen zu bringen wußten. Noch ganz im Banne mittelalterlicher großdeut- Wellpolitik auf neuen Wegen. Die Ausländskorrespondenten des Gießener Anzeigers berichten über die weltpolitische Lage zur Jahreswende 1938/39. Englands Barometer: „Veränderlich." Dr. A. London, im Dezember 1938. England ist nervös geworden. Es hat seine Sicherheit verloren. Die zahllosen Anfragen über außenpolitische Angelegenheiten im Parlament, die Reizbarkeit, der Presse, die Empfindlichkeit der Börse ... das sind alles Anzeichen für die Unruhe, die Unsicherheit, mit der Großbritannien den Ereignissen in der Welt jenseits des Aermelkanals gegenüber« steht. Das Jahr 1938 ist für das Britische Imperium kein glückliches gewesen. Man empfindet, daß es sehr wohl der Anfang vom Ende einer Epoche in der englischen Geschichte fein kann. In Europa hat das Jahr mit der „Balance of Power", dem Mächtegleichgewicht in der Form, in der es jahrhundertelang die traditionelle Grundlage der englischen Europapolitik gebildet hat, ein Ende gemacht. Großdeutschland hat die Machtstellung, die ihm nach' Zahl und Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes und auf Grund seiner historischen Leistung zukommt, mit zwei großen entscheidenden Schlägen ein für allemal erreicht. Damit ist das Spiel des „Teile und herrsche!", durch das England sich so lange die entscheidende Stellung in den Angelegenheiten des europäischen Festlandes gesichert hatte, zu Ende. Der englische Ministerpräsident persönlich hatte schon frühzeitig diese Entwicklung kommen sehen. Sein persönliches Eingreifen in die Liquidation der Tschecho-Slowakei hatte wohl das Ziel, die englische Politik auf ein neues Gleis zu bringen, und zwar von der Erkenntnis bestimmt, daß es aussichtslos und vom rechtverstandenen englischen Interesse nicht einmal erwünscht sein würde, ber natürlichen Entwicklung der deutschen Macht in Mittel- unb Osteuropa Hindernisse in den Weg zu legen. Chamberlains Bemühen um einen friedlichen Ausgleich mit Großdeutschland war neben praktischen cluch wohl von idealistischen Gesichtspunkten bestimmt. Aber das moralische Kapital, das er durch seinen Anteil an der Herbeiführung einer friedlichen Lösung der sudetendeutschen Frage erworben hatte, wurde allzu rasch durch die Haß- und Nüstungs- propaganda verspielt, die sofort nach München in England einsetzte. Sie stellte die Ehrlichkeit des Friedenswillens, wenn nicht Chamberlains, so doch der hinter ihm stehenden politischen Kräfte in Frage und mußte das englische Eingreifen aus Furcht und Schwäche geboren erscheinen lassen. Sie hatte auch in England selber die Wirkung, daß das anfängliche Gefühl der Freude über den gesicherten Frieden in gewissen Kreisen einer Katerstimmung wich, in der man die Einigung in München als eine englische Niederlage ansah. Aber die englischen Sorgen erschöpfen sich an dieser Jahreswende nicht in Mitteleuropa. Auch im Mittelmeer, dem Hauptverbindungsweg Englands zwischen dem Mutterlande und den östlichen Besitzungen, herrscht dicke Luft. Die spanische Frage ist zwar durch das englisch-italienische Abkommen einigermaßen entgiftet, aber noch nicht aus der Welt geschafft. Än P a l ä st i n a tastet man nach jahrelanger Schaukelpolitik zwischen Arabern und Weltjudentum noch unsicher nach einer Lösung, die auch, im besten Fall nur ein Provisorium sein kann. Der Handelsvertrag mit den Vereinigten Staaten, mehr aus politischen, als aus wirtschaftlichen Erwägungen abgeschlossen, um sich im Kriegsfall Amerika als Rohstoffquelle und Arsenal zu sichern, hat die unangenehme Nebenwirkung, Englands Politik von Washington abhängig zu machen. Das macht sich nicht nur in der Palästinafrage nachteilig bemerkbar, sondern erschwert auch Chamberlains Bemühungen um einen europäischen Ausgleich. Der Vertrag mit Washington durchlöchert ferner das in Ottawa aufgebaute System der Präferenz im Empire. Die Selbständigkeit der Dominien ist gerade in der europäischen Septemberkrise zutage getreten, und wenn es auch falsch wäre, von einem Zerfall des Empire zu reden, so ist doch die außenpolitische Leitung durch London unzweifelhaft schwieriger geworden. Der Ferne Osten braucht nur angedeutet zu werden, um zu zeigen, wie größ und vielseitig die Sorgen der britischen Außenpolitik an dieser Jahreswende find. Sorgen, die die anfangs erwähnte Nervosität verständlich erscheinen lassen. Angesichts solcher Veränderungen und Schwierigkeiten muß die englische Politik nach neuen W e - gen suchen. Es ist ein tastendes Vorfühlen. Wie oft in der Vergangenheit, wenn England auf dem Festlande Enttäuschungen erlebte, mehren sich heute wieder die Stimmen, die dafür eintreten, daß England seine Interessen in Europa scharf abgrenzen und sich ganz der Sicherung und Entwicklung seiner Weltreichsinteressen widmen solle. Eine solche Selbstbeschränkung würde nicht mit einer völligen Abwendung von Europa gleichbedeutend sein. Denn auch chre Befürworter betrachten die Aufrechterhaltung der militärischen Verpflichtungen gegenüber Frankreich und Belgien und die Verteidigung Hollands als Teil ber eigenen Landesverteidigung und beziehen die Türkei und Griechenland als Vorfeld der englischen Stellung am Suezkanal in die Weltreichsinteressen ein. Die Anhänger dieser Betrachtungsweise sehen in der Ausbreitung des deutschen Einflusses im Osten und Südosten Europas, solange nicht die englische Stellung in der erwähnten „Interessensphäre" beeinträchtigt wird, eine natürliche, vielleicht sogar wünschenswerte Entwicklung. Ihnen steht die Front der Ewiggestrigen entgegen, die — allerdings in sich keineswegs einige — Front der Churchill, Duff Cooper, Eden und Genossen, die weiterhin Europa von London her beherrschen und der natürlichen Entwicklung des deutschen Volkes und Reiches — wenn nicht anders, dann mit Hilfe eines Präventivkrieges — entgegentreten wollen und zu diesem Zweck bemüht sind, das englische Volk und die Weltöffentlichkeit mit allen Mitteln gegen Deutschland aufzuhetzen. Zwischen diesen beiden Extremen sucht Ministerpräsident Chamberlain einen Weg. Er hat einen schweren Stand, denn die große Volkstümlichkeit, die ihn nach der Rückkehr von München empfing, ist verblaßt. Offizielle Opposition und mehr noch Kritik und Intrigen im eigenen Lager haben feine Stellung geschwächt. Zu der Ungeklärtheit der politischen Meinungen kommt also ein persönliches Element der Ungewißheit an der leitenden Stelle Englands: Das außenpolitische Barometer steht in London an dieser Jahreswende auf „Veränderlich". Italien und die Aeuordnung Europas. RG. Rom, ich Dezember 1938. Als Mussolini am 28. Oktober 1937 das XVI. Jahr der faschistischen Zeitrechnung mit einer Ansprache vor 100 000 Hierarchen der Partei einleitete, da stellte er dieses Jahr unter das Zeichen des „schöpferischen Friedens". In jenem Augenblick dürfte der Duce kaum vorausgesehen haben, welch tiefen Sinn sein prophetisches Stichwort durch die Ereignisse des Jahres erlangen sollte und wie bald er selbst berufen sein würde, entscheidend bei ber Ingangsetzung der Bewegung mitzuwirken, die auf einen Neuaufbau Europas auf ber Grundlage eines gerechten Ausgleichs und damit auf die Verwirklichung jenes „schöpferischen Friedens" hin- ftre'bt. Die Viererkonferenz in München, auf ber biefe Bewegung geboren wurde, wird nicht nur in ber Entstehung des Großdeutschen Reiches ein ewiger Markstein bleiben, sie bildet auch in ber Geschichte bes faschistischen Italiens einen Höhepunkt: Sie zeigte der ganzen Welt, daß Italien seinen Aufttieg inz die vorderste Reihe ber Großmächte vollendet hat und fein Gewicht bei der Entscheidung über die großen Fragen der europäischen Neuordnung — wenn es sein muß, auch über Krieg und Frieden — ausschlaggebend in die Waagschale werfen kann und will. Das Grundelement der italienischen Außenpolitik und zugleich die Voraussetzung für ihre diplomatischen Erfolge bildete auch im abgelaufenen Jahre die Achse Berlin—Rom, die gerade in diesem Zeitraum „zu Stahl gehärtet" wurde. Der Anschluß Oesterreichs an das Reich im März hat — entgegen gewissen Erwartungen — zu einer weiteren Kräftigung der Achse geführt. Im Mai verankerte der Besuch Adolf Hitlers in Italien die Freundschaft zwischen den zwei Völkern noch tiefer und dauerhafter durch die Festigung bes herzlichen und vertrauensvollen Einvernehmens, das ihre beiden Führer miteinander verknüpft. In den schicksalhaften Wochen der tschechischen Krise bewies Mussolini, indem er sich mit eiserner Entschlossenheit für die Erfüllung berechtigter deutscher Interessen und damit für die Erhaltung des Weltfriedens einsetzte, daß fein auf dem Berliner Maifeld abgegebenes Versprechen, mit Deutschland „bis ans Ende" zu marschieren, keine leere Redensart gewesen war. Das unerschütterliche Zusammenstehen der beiden Männer und ihrer Völker hat, wie Grap Ciano in seiner Kammerrede vom 30. November ausrief, „aus der Achse ein sicheres und mächtiges Instrument geformt, das sein Gewicht in entscheidender Weise in ber Entwicklung ber Geschichte geltend macht", ja, einem ganzen Zeitalter seinen Stempel aufdrückt. Das Ereignis bes verflossenen Jahres, bas — neben München — mit größter Eindringlichkeit ber Welt den Gipfel ber Macht und des Ansehens vor Augen führte, den Italien erstiegen hat, war die Inkraftsetzung ber italienisch-englischen Abkommen, deren Bedeutung durch den erwarteten Besuch Chamberlains in Rom unterstrichen werden soll. Graf Ciano sagte darüber in seiner Rebe: „Diese Abkommen find eine Gesamtheit von Vereinbarungen unter Berücksichtigung der neuen Tatsachen in Europa, im Mittelmeer und in Afrika auf der Grundlage ber absoluten moralischen, politischen und militärischen Parität, die die Beziehungen zwischen den beiden Imperien regelt. Das Inkrafttreten Des Oster-Paktes hat einen tatsächlichen und konkreten Beitrag zur Festigung des Friedens gebildet. Diese Festigung ist und mir^das hohe Ziel unserer Politik sein, und wir werden es mit jener Hartnäckigkeit, jenem Wirklichkeitssinn und jener Umsicht verfolgen, die unerläßlich sind, wenn man die Belange und natürlichen Ansprüche des italienischen Volkes mit unbeugsamer Festigkeit sicherstellen will." Noch kurz vor Jahresende ist die Debatte über biefe „natürlichen Ansprüche" in ber Presse, eingeleitet durch einige Zwischenrufe während einer Rede bes Außenministers Graf Ciano, entbrannt. Die Regierung hat sich noch nicht dazu geäußert. Trotzdem hat man in Paris und London bereits für nötig gehalten, Erklärungen dazu abzugeben, die der Schärfe nicht entbehren. Das Verhältnis Italiens zu Frankreich hat sich daher am Jahresende trotz der Wiederbesetzung des römischen Botschasterpostens durch Franxois-Poncet eher verschlechtert als gebessert. Dagegen hat Italien seine bereits freundschaftlichen Beziehungen zu den meisten Staaten bes europäischen Ostens und Südostens, auch zu denen, die man früher zum „französischen Bündnissystem" zu rechnen pflegte, noch enger gestalten können, wofür die im Laufe bes Jahres erfolgten Besuche Der Außenminister Rüschdi Aras (Türkei) und B e ck (Polen) sowie ber Ministerpräsidenten Stojadi- nowitsch (Jugoslawien) und Imredy (Ungarn) Zeugnis ablegten. In ber Innenpolitik hat bas faschistische Italien im vergangenen Jahre ebenfalls gewaltige Arbeit geleistet. Der Kampfumbie wirtschaftliche Unabhängigkeit hat zu bemerkenswerten Erfolgen auf vielen Gebieten geführt. Eine strenge Rassegesetzgebung strebt ben Schutz und die Hebung ber italienischen Rasse an. Der faschistische Staatsaufbau würbe durch die Schaffung der „Kammer der Fasci und Korporatio- n e n" abgeschlossen. So steht das Italien Mussolinis Ende 1938 im Innern geeinigter und entschlossener, nach außen mächtiger und stärker denn je da, gewillt, mit faschistischer Dynamik, auch in Zukunft gestützt auf die Achse, seine außenpolitischen Ziele im Rahmen ber allen Hindernissen zum Trotz sich langsam durchsetzenden europäischen Neuordnung mit ruhiger Mtschlossenheit weiterzuverfolgen. Frankreich ohne Volksfront. EF. Paris, im Dezember 1938. Frankreich hat die Illusion der Volksfront ab- gefchrieben. Das gange Jahr 1938 war ausgefüllt von dem schmerzlichen Prozeß, den die Ablösung von ber Volksfront bedeutete. Dies gilt für die Innenpolitik wie für die Außenpolitik. Am 30. November ist durch die Vereitelung Des Generalstreik- Versuchs die unheilvolle Machtstellung gebrochen worden, die der kommunistisch verseuchte Allgemeine Gewerksschaftsbund jahrelang innegehabt hatte. Zwei Monate vorher war am 29. September in München das Bild der überkommenen französischen Außenpolitik ausgelöscht worden, das im Zeichen der Volksfront durch die Vertiefung des Moskauer Bündnisses und die Verstrickungen ber sogenannten SicherheitspoMk seine Verhängnis» vollsten Ausprägungen erfahren hatte. Nach der Zertrümmerung der Volksfront, so wie sie von Daladier in Marseille verkündet worden ist, schickt Frankreich sich an, ben neuen Weg zu beschreiten, der in eine Aera des nationalen Aufbaus führen soll. Er will seine Kräfte anspannen, um all das nachzuholen, was im Zeichen der Volksfront auf dem Gebiete der Arbeit, der ftnanziellen und militärischen Rüstung versäumt morden ist; .aber die Stellung, die Frankreich einnehmen soll, soll fern von uferlosen außenpolitischen Träumen sein und sich harmonisch den Gegebenheiten ber Wirklichkeit anpassen. Die Anbahnung der Verstän- bigung mit Deutschland liefert hierfür scher Kraftentfaltung tat Ulrich von Hutten an der Schwelle der Neuzeit den Ausruf: „Wenn die Deutschen so vielen politischen Verstand wie Kraft hätten, so hätten sie längst die Welt unterworfen." Aber aus dieser wie aus aller späteren Litanei Über deutsche „Michelei" sprach doch nur ohnmächtiger Perdruß über weltwirtschaftliche S ch w e r p u n k t s v e r s ch i e b u n g e n , die die politische Auswertung großdeutscher Kraftentfaltung jäh unterbrachen und für Jahrhunderte lahmlegten, ohne daß irgendwelcher deutscher politischer Verstand viel daran zu ändern vermochte. Portugal, Spanien, Frankreich, die Niederlande und schließlich England wurden in eben dem Maße durch den ozeanischen Großverkehr begünstigt, wie Italien und Deutschland dadurch benachteiligt wurden, und schließlich gewann England bas Rennen um Die Ausbeutung überseeischer Länder nur deswegen, weil es sich aus ben Wirren auf dem europäischen Festland heraushalten, ihnen aber immer neuen Haderstoff liefern und sich immer einseitiger als Seemacht entwickeln torfnte. Niemals vermochte sich England zu jener großeuropäischen Gesinnung burchzuringen, die bas Deutschtum im Mittelalter ben eigenen Vorteil darin suchen ließ, ben ganzen Erdteil vorwärts zu bringet;. Mit „politischem Verstand" hat solche gierige Ausnützung zeitbedingter Vorteile nichts zu tun. Als das Deutschtum schließlich Gelegenheit schielt, auf kleinbeutscher Gründlage eine m o - berne Großmacht zu werden, bewährte sich Bismarcks Zuversicht: „Man setze Deutschland nur in ben Sattel, reiten wird es schon können." Das deutsche Volk, bas nach Anbruch ber Neuzeit an der Reformation fast verblutete, das im Dreißigjährigen Kriege den Rest seiner früheren Weltstellung verlor, konnte trotzdem alle Blutverluste überwinden, alle Verwüstungen seiner Landschaften wiedergutmachen, in politischer Ohnmacht den Ruf des „Vplkes der Dichter und Denker" erwerben, zum stärksten einheittichen Bevölkerungsblock Europas anwachsen, für die Ausschließung neuer Sieb- hmgsräume in Osteuropa wie über See die unternehmendsten Pioniere stellen und nach dem Anbruch des industriellen Zeitalters in ber Anwendung moderner Technik Engländern und Nordamerikanern den Rang ftreitig machen. Diese Volkskraft konnte nur so lange daran gehindert werden, den ihr angemessenen politischen Ausdruck großdeutscher Machtgestaltung zu suchen und zu finden, wie die Erschütterungen der Grundlagen der abendländischen Kulturgemeinschaft dem Angelsachsentum Zeit ließen, sie einem immer stärkeren äußeren Druck auszusetzen. Dieser Druck mußte trotz der deutschen Niederlage nach dem großen Kriege sich je länger je mehr vermindern, weil die „Alliierten" ihren „Sieg" mit einer viel zu großen Krafteinbuße an den überseeischen Fronten ihrer Weltreiche erkauft hatten. Italien konnte unter Mussolinis Führung zuerst den Bann brechen, in den bas Zeitalter unbedingter britischer Seeherrschaft alle natürliche fontinen» taleuropäische Entwicklung geschlagen hatte. Aus einem Gefängnis, zu dem England die Schlüssel in Händen hielt, verwandelte sich das Mittelmeer seitdem zusehends in einen Ring von Ausfallstellungen zur Macht- und Handelsentfaltung nach dem Indischen und Atlantischen Ozean. Das deutsche Volk brauchte nur den ihm von der Vorsehung bestimmten Führer Aböls Hitler zu finden, um zu „erwachen", die Fesseln der Friedensverträge zu sprengen, ben jahrhundertealten großdeutschen Traum zu verwirklichen und in fruchtbarer Wechselwirkung mit dem Weltgeschehen am Mittelmeer die europäischen Dinge um die „Achse Berlin—Rom" kreisen zu lassen. Das ist der tiefere Sinn bes großdeut- schen Jahres, das die europäischen Dinge mit der erstmaligen Verwirklichung des großdeutschen Ideals aus einer künstlichen in ihre ursprüngliche natürliche Ordnung zurückgekehitt find und nunmehr unter dem freien Pulsschlüg in Schwung kommen kann, die trotz aller Gegenbewegungen mit ber Zett den ganzen abendländischen Kulturkreis erneuern und zu einheittichen Kraftanstrengungen zwecks Abwendung gemeinsamer Gefahren befähigen wirb. LS-MMM SSW trurrft darstellt. Durch den Besuch des Reichsaußen- hatte. gleichzeitig auch bis Mitwirkung Daladier s an dem eli vor hundert Jahren Die 1839 war es auch, als der Naturforscher Darwin uuu; iui uvn tfuu, vlltz anoere iuc a cy l e r . SS',, 7. - / <■' V“ «oT« -v ,‘ in den Konflikt -ingrefl-n mürben, mar w-itgeb-nd fslne b-ruhmt« Wellr-is- antrat, tue bis 1843 wahrte. HOCHGLANZ U/e.CSS-FLÜSSIG |C- >e- die Magi not- i0Petit der Der- KleinerMckbtickanf das Jahr r8Z9.-Oas erste Kursbuch, die ersteNähmaWine das erste Schillerdenkmal. starken Truppenverbände standen bereit, ohne dadurch die tschechische Aktion irgendwie zu beeinträchtigen. War schon bis Ende September 1938 eine an der ganzen Westgrenze durchlaufende, tiefe Be- festigungszone von Infanterie- und Artilleriewerken, Bunkern und Hindernissen aller Art ausgebaut, so wird diese Zone nunmehr weiter verstärkt und durch neue Stellungen vertieft, um den höchsterreichbaren Grad von Sicherheit zu gewährleisten. Unabhängig von diesen Bauarbeiten wurde aber auch der vorgesehene Bau von Befestigungen im Osten des Reichs im Jahr 1938 planmäßig weitergeführt. Zur Bewältigung dieser Aufgabe wurden die Festigungspionierdienststel- l e n, die in erster Linie Träger dieser Arbeiten sind, wesentlich vermehrt. Für die ständigen Befestigungen wurden besondere Grenztruppenteile aufgestellt, die unter einem Generalkommando der Grenztruppen zusammengefaßt sind. Aus organisatorischen Gründen werden außerdem neuaufgestellt das Heeresgruppen. Das Programm der Selbsthilfe ist ein ebenso stolzes wie männliches Programm. Adolf Hitler. jSd der Lröffmingsjeiextze- MHV. tief einschneidender Finanz- und Steuermaßnah- men abzutrotzen gesucht. Der erste Versuch um Mat blieb erfolglos und war von einer neuen Grit- Wertung der Währung begleitet. 3m November wurde nach dramatischen Kämpfen ein neuer Versuch unternommen, nachdem Paul Reynauo, der Mann der liberalististen Wirtschastsgedanten, ren des Beurlaubten st andes. Neue Kriegsschulen zur Heranbildung des aktiven Offi- । ziernachwuchses, Akademien für die Ausbildung von Generalstabsoffizieren mußten den erhöhten Bedarf an Offizieren sicherstellen. Einrichtungen aller Art, die einstmals durch das Diktat von Versailles verboten waren, traten beim neuen Heer ins Leben. Die Motorisierung und Mechanisierung wurde beschleunigt durchgeführt. Aber auch der fast unübersehbare Bedarf eines modernen Heeres an Waffen, Munition und Ausrüstung aller Art wurde unter Anspannung aller verfügbaren Kräfte sichergestellt. 3m vergangenen Jahr wurde mit der U m - bewaffnung des Heeres mit dem neuen Maschinengewehr Modell 34 und Gra - n atwerfer begonnen. Die 3nfa n terie wurde neu gegliedert. Die Schützenkompanien wurden mit leichten Granatwerfern und einem schweren Maschinengewehr-Halbzug ausgestattet. Bei den Infanterie-Geschütz-Kompanien wurden die 4. Züge mit dem schweren Jnf.-Geschütz ausqestattet. Bei den Gebirgsjäger-Regimentern erfolgte die Ausstattung der schweren Kompanien mit dem leichten Gebirgsinfanterie-Geschütz. Die Maschinengewehr-Kompanie der InfanteriSRegimenter wurde in zwei Züge zu je 4 schweren Maschinengewehren und zu einem Zug schwerer Granatwerfer neu- gegliedert. Ferner verfügt jetzt die Masse der Infanterie-Regimenter über einen Reiterzug. Außerdem ist in einer Reihe von Divisionen die Stelle eines Infanterie-Kommandeurs, die im allgemeinen durch einen General besetzt wird, geschaffen worden. Bei der Artillerie ist die Ballon-Batterie der Beobachtungsabteilungen eingeführt worden. Die Artillerie verfügt daher wieder, wie im Weltkriege, über Fesselballone zu Beobachtungszwecken. Ferner wurde im November 1938 die Inspektion der Eisenbahn-Pioniere aufgestellt, wodurch die Eisenbahn-Pionier-Truppe, die durch das Diktat von Versailles zerschlagen wurde, wiedererstanden ist. Um den Nachwuchs des Unteroffizier- korps zu fördern, wurden neben der bisher schon bestehenden Unteroffizierschule in Potsdam-Eiche z w e i weitere Unteroffizierschulen in Frankenstein (Schlesien) und in Sigmaringen neu eingerichtet. Auch die bereits zahlreich bestehenden Vorsorge getroffen worden: Auf Befehl des Füh- rers waren in den vorhergehenden Monaten von Hunderttausenden deutscher Arbeiter der Organisation Dr. Todt, vom Reichsarbeitsdienst und nicht zuletzt von den Truppen des Heeres in beispielloser Schaffenskraft und vorbildlichster Arbeitsgemein- ............-- -- ........- .....,schäft die gewaltigen deutschen Westbefesti- emer Truppen-Luftichutzschme. Zur Ausbildung der > g u n g e n e-baut worden. Die zum Ein atz in und koMMando 6 in Hannover sowie das XIV., XV. und XVI. Armeekorps, deren Stäbe in Magdeburg, Jena und Berlin liegen. Die sudetendeutschen Gebiete ober wurden den benachbarten Wehrkreisen IV, VIII, XIII und XVII eingegliedert. Der militärische Kräftezuwachs im Sudetenland gestattete die Aufstellung der 4 6. Division und einer weiteren Panzer- Division. Das deutsche Heer setzt sich somit Ende 1938 zusammen aus 18 Armeekorps mit 39 Infanterie-Divisionen, 3 Gebirgsdivisionen, 4 leichten Divisionen, 5 Panzer-Divisionen, 1 Kavallerie-Brigade und Grenztruppenteilen. Wie groß das Interesie des Auslandes am deutschen Heer und seinem Ausbau ist, hat sich erneut im Jahre 1938 durch zahlreiche Korn- nandos und Besuche ausländischer Offiziere gezeigt. Im Laufe des Jahres waren nicht weniger als 134 ausländische Offiziere auf längere oder kürzere Zeit zum deutschen Heer und 37 Offiziere von 12 Nationen zur Kriegsakademie kommandiert. Ferner fanden durch 32 fremdländische Offiziere und 5 Militärkommissiionen Besuche beim Heer statt. Vom deutschen Heer waren andererseits etwa 120 Offiziere für Kommandos, Besuche, als Delegation und als Sportabordnungen ins Ausland kommandiert. Beim Rückblick auf das Jahr 1938 und den kraftvollen weiteren Ausbau des deutschen Heeres können wir mit berechtigtem Stolz der durch den Führer verwirklichten Worte gedenken, die einer der besten deutschen Geschichtsschreiber, Heinrich von Treitschke, über die Errichtung des preußischen Volksheeres vor 130 Jahren schrieb: „Durch ihr Heer gewannen die Preußen wieder, was keine große Nation auf die Dauer entbehren kann: den nationalen Stil, die stolze Sicherheit des Auftretens!" Dies Wort paßt auf unsere Zeit wie kaum eines aus der Vergangenheit. Aber noch wichtiger als technisches Können ist die unbedingte innere Geschlossenheit des Volkes in Waffen. Sie ist das Fundament jedes Staates, die Voraussetzung für eine machtvolle Weiterentwicklung des deutschen Volkes durch friedliche Arbeit. Heer und Volk gehören zusammen, wie das Jahr 1938 es bei vielerlei Gelegenheiten eindeutig bewiesen hat. Wenn sich vielleicht mancher Volksgenosse in den vergangenen Monaten die Frage vorgelegt haben mag, ob die gewaltigen Mittel, die für Rüstungszwecke aufgewendet werden, wirklich notwendig waren und sind, so hat er sich gerade im Verlauf des Jahres 1938 bei Betrachtung der wehrpolitischen Lage Deutschlands und der dringenden Notwendigkeit unserer Rüstungsmaßnahmen überzeugen können. Das deutsche Volk kann überzeugt fein, daß das deutsche Heer, wenn es erforderlich sein sollte, wie im vergangenen auch im kommenden Jahr jederzeit einsatzbereit und schlagkräftig ist, um getreu seinem Fahneneid und in unerschütterlicher Verbundenheit mit dem Volk gewordenen Nationalsozialismus des Dritten Reiches die Ehre und das Recht der Nation erfolgreich zu vertreten. annähernd 3 0 Divisionen, von denen fast die Hälfte motorisiert oder-Panzer-Divisionen waren, von verschiedenen Seiten konzentrisch in das Sudetenland ein. Nicht m ringere Kräfte waren vorsorglich für den Fall bi reitgestellt, daß der friedensmäßige Einmarsch durch offenen Widerstand der Tschechen in eine kriegsmäßige Operation übergeleitet werden mußte. Eine große Zahl von Geschützen bis zu den schwersten Kalibern, Panzerkampfwagen-Derbände und andere Kampfmittel waren zur schnellen Bezwingung der tschechischen Befestigung bereitgestellt. Auch die Luft- und Flakwaffe sowie der Hei- matluftschutz waren voll einsatzbereit. Aber auch für den Fall, daß andere Machte „Die Wehrmacht bürgt nach dem Willen des Führers für Deutschlands Sicherheit. Das Heer ist sich der in dieser Feststellung enthaltenen Verpflichtung bewußt. In zäher Friedensarbeit stärkt es seine Schlagkraft und Einsatzbereitschaft/ Der Ober- befehlshader des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, gab diese Geleitworte dem „Jahr- buch des deutschen Heeres 1939". Was in diesen Sätzen gesagt wurde, hat das deutsche Heer im Jahre 1938 durch die Tatbewiesen. Es hat nicht nur in zäher Friedensarbeit feine Schlagkraft und Einsatzbereitschaft gestärkt, es war auch, als der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht durch sein staatsmännisches und entschlossenes Handeln die Eingliederung Oesterreichs und des Su- detenlandes vollzog, so vorbereitet, daß es im Ernstfall jederzeit zur Verfechtung des deutschen Rechtes eingesetzt werden konnte. Um diese Tatsache voll würdigen zu können, muß man sich bewußt sein, daß diese Einsatzbereitschaft in erster Linie durch die zielbewußte Wehrpolitik des Führers ermöglicht worden ist. Im November 1938 jährte sich zum zwanzigsten Male die Katastrophe von 1918. Dem politischen Zusammenbruch folgte damals der moralische und militärische von verhängnisvollem Ausmaß. Deutschland wurde militärisch und wirtschaftlich zum ohnmächtigen Objekt der Diktatmächte von Versailles. Aber in diese trüben Zeiten deutscher Geschichte fiel zugleich die Geburt s st unde des „Reichsheeres", des deutschen Heeres der Nachkriegszeit. Es wurde in den nachfolgenden Jahren unter dem damaligen Ehef der Heeresleitung, Generaloberst von Seeckt, in zielsicherer Leitung und selbstloser Arbeit zu einem Führerheer erzogen, aus dem nach dem Willen des Führers das deutsche Heer erwachsen konnte. Nur dadurch, daß Offizier wie Soldat des Reichsheeres zum militärischen Vorgesetzten erzogen und geschult waren, wurde es möglich, daß in dem knappen Zeitraum von zwei bis drei Jahren nach dem Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht und dem Wehrgesetz aus dem völlig unzureichend bewaffneten Berufsheer von 100000 Mann die um ein Vielfaches verstärkte Armee der allgemeinen Wehrpflicht mit neuen Waffem gattungen und modernster Ausrüstung hervorgehen konnte. / Hand in Hand mit dem Aufbau des aktiven Heeres ging die kurzfristige Ausbildung der bisher ungedienten Jahrgänge in den Ergänzungseinheiten, um dem Mangel an ausgebildeten Reserven schnell abzuhelfen. Nicht minder wichtig für den Ernstfall war die Ausbildung von Offizie- günftige Aussichten. Ministerpräsident D aladier ist wohl der beste Kopf, um die Einheit der Franzosen zu verwirklichen und gleichzeitig von Frankreich den verderblichen kommunistischen Einfluß fernzuhalten. Das parlamentarische Regime ist geschwächt, aber Frankreich behält es bei und paßt es den Erfordernissen seiner Lage an. Wenn dies weiterhin geschieht, wird Daladier vielleicht länger an der Macht bleiben, als dies in Frankreich für einen Ministerpräsidenten bisher sonst üblich war. Jnnerpolitisch hatte das Jahr 1938 mit dem Ab- tasten der verschiedenen Möglichkeiten parlamentarischer Gruppierung begonnen, die sich im Zeichen schwerster finanzieller Bedrängnis boten. Angesichts der fortwährenden kommunistischen Behinderung ließ der damalige Ministerpräsident C h a u t e m p s tm Januar fein Kabinett, in dem sich Radikalsozia- listen und Sozialdemokraten in die Macht teilten, aufftiegen. Das rein radikalsozialistische Kabinett Chautemps, das nun folgte und von rechts und links beargwöhnt wurde, blieb knapp zwei Monate im Amt. Das BierMochen-Kabinett L6on Blum, das nun gebildet wurde, ein ausgesprochenes Dolksfrontkabinett, regierte genau so lange, als die Durchführung des österrreichischen Anschlusses dauerte, vom 13. März bis zum 11. April; das war auch die Zeit der größten außenpolitischen Ohnmacht Frankreichs. Der Senat brachte Blum durch die Verweigerung der angeforderten Finanzvollmachten zu Fall. Seit dem 11.April ist jetzt Edumch Daladier als Ministerpräsident im Amt, eine für Frankreich verhältnismäßig lange Regierungszeit. Zweimal hat er dem Parlament Vollmachten für eine Reihe will, das durch den emetischen Königsbesuch in Paris im Juti und die gegenseitigen Ministerbe- suche nach außenhin bekundet worden ist. Die Besserung seines Verhältnisses zu Italien strebte Frankreich durch die Entsendung des Botschafters Fran^ws-Poncet nach Rom an. Aber die Wolken über dem Mittelmeer sind noch nicht verschwunden. Frankreich widersetzt sich noch Francos Anerkennung und es fragt sich nervös, ob Italien das Problem Tunis wieder auftollen wird, das seit den Tagen Crispis vor fünfzig Jahren offen geblieben ist. Das Wort von der „imperialen Zielsetzung" einer neuen französischen Außenpolitik ist mehrfach gefallen. Wie wird sie ausfallen, und welche Früchte wird sie ernten. Aber es wird immer wieder hervorgeboben, daß Frankreich die Stärkung einer militärischen Gteb timg lediglich als Vorbedingung für eine ehren- volle Mitwirkung an einem neuen europäischen Gleichgewicht betrachte. Die Verständigung mit Deutschland wird als Grundpfeiler einer solchen Politik betrachtet, die nach dem Zusammenbruch der gegen Deutschland gerichteten Versailler — - ir uni) nach der militärisch Abgestellt und in der Heeresgruppe 5 (Wien) zusammengefaßt. Wie rasch und reibungslos diese Neugtiederung durchgeführt werden konnte, dafür ist der beste Beweis, daß die im Oktober beim Einmarsch in das Sudetenland beteiligten ehemaligen österreichischen Truppenverbände den reichsdeutschen voll angeglichen waren. Aeußerlich und innerlich war ein Unterschied in Haltung, Ausbildung und Organisation nicht mehr erkennbar. Sie waren in wenigen Monaten auf das engste mit den reichsdeutschen Truppenverbänden verwachsen — ein eindeutiger Beweis dafür, daß Oesterreichs Offiziere und Soldaten innerlich von jeher deutsch fühlten und dachten. Zwischen der Heimkehr Oesterreichs ins Reich und der Befreiung des Sudetenlands bestand, militärisch betrachtet, ein wesentlicher Unterschied. Im Gegensatz zum friedlichen Einmarsch in Oesterreich, der ohne nennenswerte militärische Vorbereitungen durchgeführt wurde, mußte Deutschland auf Grund der Mobilmachung und feindseligen Haltung der damaligen tschechischen Regierung vor Annahme des Münchener Abkommens mit der Möglichkeit kriegerischer Verwicklungen bei Regelung der sudetendeutschen Frage rechnen. Jnfolge- desien hatte das Heer weitgehende Vorbereitungen getroffen, um jeder Eventualität mit Aussicht auf Erfolg begegnen zu können, Zehn Armeekorps, auf fünf Heeresgruppen verteilt, rückten daher als Vollstrecker des Willens der deutschen Nation in den Tagen vom 1. bis 10. Oktober 1938 m i t Das deutsche Heer an der Jahreswende Don Theodor von Zeska, Hauptmann tm Oberkommando der Wehrmacht. Das erste Schillerenkmal. Mit Darwin ging im selben Jahre der Komponist und Klaviervirtuose Franz Liszt auf seine große europäische Konzertreise, die von 1839 bis 1847 dauerte und seinen Namen unvergänglich machte, während sein späterer Schwiegersohn Richard Wagner im Jahre 1839 nach Paris ging. Ueber- autz reich oä musikalischen Ereigmstea ijjt dieses Um die Jahreswende gleichen wir alle dem römischen Gotte Janus. Wer je eine Abbillmng des antiken Januskopfes gesehen hat, der weiß, daß dieser „Gott der Zeit' zwei Gesichter fein eigen nannte. Mit dem einen Gesicht sah er in die Zukunft, mit dem anderen in die Vergangenheit. Just so, wie wir es in dieser Zeit der neuen K a• lender zu tun pflegen. Nun soll hier aber nicht von dem vergangenen Jahre die Rede fein. Wir wollen vielmehr einen großen Sprung rückwärts machen und uns einmal die Welt vor hundert Jahren ansehen, was nicht ohne Reiz ist. Aktuell wie heute. Sobald wir das Geschichtsbuch des Jahres 1839 aufschlagen, erkennen wir, daß es eigentlich nichts an Aktualität verloren hat. Im Jahre 1839 geschah es nämlich, daß die Engländer die an der Südspitze Arabiens gelegene Stadt Aden besetzten. Dieser Stadt liegt am Südausgang des Roten Meeres die französische Stadt Dschibuti gegenüber. Und schon sind wir mitten in der Aktualität von tyeute! Unversehens taucht das Wort Italien auf- wo sich — ebenfalls im Jahre 1839 — der erste Eisenbahnzug in Bewegung setzte. Während aber die Italiener ihre erste Eisenbcchn bejubelten, waren die Engländer auf diesem Gebiet bereits einen weiteren Schritt vorangeeilt, denn genau vor hundert Jahren gab die Great Western Railway für die Eisenbahnstrecke Liverpool—Manchester das e r ft e Kursbuch der Welt heraus. Vom Kursbuch zum Lesebuch ist nur ein kleiner Schritt. Wieviele Schritte aber waren nötig, bis es zu den heute in allen Kulturstaaten vorhandenen Volksbüchereien kam! Den ersten Schritt tat der Deutsche Karl P r e u s k e r aus Großenhain in Sachsen. Er forderte in einer Schrift „allgemein^ Bürgerbibliotheken". Seine engeren Landsleute aber gründeten im selben Jahr 1839 in Dresden den ersten deutschen Tierschutzverein, der heute noch besteht. Oie ratende Nähnadel. Auch an Erfindungen und Entdeckungen war das Jahr 1839 keineswegs arm. Der Dampfhammer von James N a s m y t h wurde erfunden. Zugleich erfand man, was besonders jeden Kraftfahrer interessieren wird, das Vulkanisieren des Kautschuks, d. h. das Umwandeln des Kautschuks in nicht klebenden, elastischen, in Aether und Benzol unlöslichen Gummi mittels Erhitzen mit Schwefel (Heiß-Vulkanisieren) oder mittels Schwefelchloridlösung (Kalt-Vulkanisieren). Auch die erste Generatorengasfeuerung wurde gebaut, und von Talbot ein Entwickler für Papiernegative erfunden. In Basel entdeckte man das Ozon, während der Gelehrte v. Schwann seine Zellenlehre veröffentlichte. In diesem Jahre geschah aber noch mehr! Die Hausfrauen werden dieser Erfindung mit warmen Herzen Dank wissen: die bis dahin mit der Hand geführte Nähnadel wurde durch die Erfindung der Nähmaschine zur „rasenden Nähnadel , ohne die heute die Welt nicht auskommen könnte. Jahre 1938 zur Westbefestiaung an den Rhein zogen, ebenfalls einer gewissen Aktualität nicht entbehrt. Was das Jahr 1839 auf dem Gebiete der Kunst weiterhin entstehen ließ, das war das erste Schillerdenkmal, das der berühmte dänische BiDhauer Thorwaldsen gestaltete, und das in Stuttgart errichtet wurde. Dieses Ereignis lehrt, daß man sich früher mit der Errichtung von Denkmälern viel Zeit ließ, mußten doch 34 Jahre nach dem Tode Schillers vergehen, bis man diesen großen deutschen Dichter durch ein Denkmal ehrte. Oie Wett wird »nervös". Wenn sich Übrigens wegen der eben erwähnten Westbefestigungen am Rhein der Welt jenseits der deutschen Grenzen eine vorübergehende Nervosität bemächtigt hat, so sind daran nicht wir Deutschen, sondern — es muß schon gesagt werden — die Franzosen schuld. Denn in Frankreich entstand im Jahre 1839 jenes verhängnisvolle Wort „Nervosit ä t", das sich jetzt an seinem hundertsten Geburtsjahr rühmen kann, den ganzen Erdball erobert zu haben. Doch noch zwei andere Worte traten im Jahre 1839 mit der Nervosität einen Wettlauf an. Das eine ist das Wort „Photographie", das andere das Wort „Putsch". Allerdings mußte es sich die Photographie gefallen lassen, in unserer Zeit, die sa gern Silben spart, nur noch als „Photo" oder gar „Foto" leben zu dürfen. Wie und wo aber entstand das Wort „Putsch"? Es ist ein ausländisches Gewächs. Es leitet sich ab von einem Aufstand, Der sich im Jahre 1839 in Zürich erhob. Erst feit diesem Jahre also gibt es in der Welt „Putsche"! Jetzt aber wollen wir uns doch des Januskopfes erinnern, indem wir das ereignisreiche Jahr 1839 verlassen und wieder in die Zukunft sehen. Denn wie reizvoll auch ein Blick in die Vergangen!) ett ist, wir selbst müssen im bevorstehenden Jahre viel leisten: worüber sollten sich auch sonst unsere Nachkommen im Jahre 2039 unterhalten, wenn sie sich ihrerseits die „Welt vor 100 Jahren" betrachten. TL Waffengattungen wie in den voichergehenden Jahren auch im Uebungsjahr 1938 auf die Truppenübungsplätze verlegt, die infolge des wachsenden Ausbaus des Heeres vielfach vergrößert werden mußten. Im Laufe des Sommers und Herbstes wurden Geländeübungen und Herbstübungen aller Waffen durchgeführt, die im besonderen Maße zur Weiterbildung von Angehörigen des Beurlaubtenstandes dienten. Als der Führer nach der Erhebung des deutschen Volkes in Oesterreich und auf Grund der Bitte der neuen nationalsozialistischen Regierung m Wien, reichsdeutsche Truppen als Garanten einer größeren gesamtdeutschen Zukunft nach Oesterreich zu entsenden, am 12. März 1938 den Befehl zum Einmarsch gab, lieferte das neugeschaffene Heer des Dritten Reiches den Beweis, daß es einsatzbereit war. Unter Generaloberst von Bock als Oberbefehlshaber des Armeeoberkommandos 8 rückten wenige Stunden nach dem ergangenen Befehl die Truppen des VII. und XIII. Armeekorps mit der 7., 10., 17. und 27. Division, der Heeres- bienftftelle 10, der 2. verstärkten Panzer-Division, ferner Teile der Luftwaffe, der -Verfügungstruppe und Polizei in die deutsche Ostmark ein. Nur mühsam konnten die Truppen sich durch die jubelnde Bevölkerung ihren Weg bahnen. Ritterlich und brüderlich reichten sich die Kommandeure der deutschen und österreichischen Regimenter die Hand zum Willkommensgruß. Die Waffenbrüderschaft des Weltkrieges war wieder erstanden. Bereits einen Tag nach dem Einmarsch der reichsdeutschen Truppen verfügte der Führer nach der Wiedervereinigung Oesterreichs mit dem Reich die Eingliederung des ehemaligen österreichischen Bundesheeres in die deutsche Wehrmacht. Sie war Ende März bereits restlos durchgeführt. Ihre Eingliederung machte aber, ebenso - wie die damit erforderlich gewordene Umbewaffnung, besondere Maßnahmen notwendig. Um Offiziere und Mannschaften des ehemaligen österreichischen Bundesheeres auf deutsche Aus- bildungs- und Gefechtsgrundsätze umzustellen, wurden daher in den Sommermonaten 1938 geschlossene deutsche Bataillone nach Oesterreich verlegt, die als Lehrbataillone dienten. Im Zusammenhang mit der Ein- und Umgliederuna des ehemaligen österreichischen Heeres wurden dann in der Ostmark bas XVII. und XVIII. Armeekorps neu auf- Jahr: Schumanns ,Kinderszenen" entstanden, Schuberts G-ckur-Sinfonie wurde im Gewandhaus zu Leipzig'uraufgeführt; Verdis Oper „Dberlo" wurde geschaffen; und endlich auch die dramatische Sinfonie „Romeo und Julia^ von B e r l i o z. Die Dichter blieben hinter den Musikern nicht zurück. So schuf Hebbel seine „Judith"; schrieb Jmmer- mann seinen „Münchhausen"; beendete Rückert seine sechsbändige „Weisheit des Brahmanen", das bisher größte Lehrgedicht in deutscher Sprache. Der Philosoph Schopenhauer veröffentlichte sein Werk „Ueber die Freiheit des menschlichen Willens"; Karl S i m r o ck aber, der viele alt- und mitteldeutsche Dichtungen (so den „Heliand" und Nibelungenlied) ins Neuhochdeutsche übertrug, dichtete sein Lied „An den Rhein, an den Rhein", das im Hinblick auf die deutschen Arbeiterheere, die im Lehrtruppen winden ergänzt durch Ausstellung ein-'r Sanitäts-Lebr- i*rh Veriuchskomvanie und scl'af einer Truppen-Luftschutzschifte. Zur Ausbildung der klingen erbaut worden. Die zum Einsatz in und . Truppe wurde» die Einheiten der verschiedenen l hinter diesen Befestigungsanlagen erforderlichen -r Q. W hp-n am 10 Oktober vvrge- Ministers von Ribbentrop m Pans und die Das £anb M . 0dabei unterzeichnete gemeinsame Erklärung wie nommenen Erneuerungswahl n f , durch das Echo, das diese Erklärung gefunden 8^ 5 belch-ims^ ^ß es mt d«r ™ Will- greifbar tabummfiart. Die rfeiteitfa auch bfe fflÄtog Satabto an dem P«k des europäitom Gleichgewichts betettte mÄe8ner abtommen gebimgt, fo wie eä für Frankreich w-itechm, baß es an fernem ™ Kammer mit »ftanmng =J?,9 - «J» ”^a Unt 5ju Sn getan hatte. Die Entwicklung, die zu dem Mun- chener Abkommen geführt hat, hatte in den Septemberwochen für Frankreich Tage schwerster seelischer Erschütterungen bedeutet. Die Tellmobn- machung im Zusammenhang mit dem tschecho- slowakischen Konftikt war reibungslos durchgesuhrt worden; aber man war sich gerade bei dieser Gelegenheit darüber klar geworden, daß der Zustand der Luftwaffe Frankreichs davon abhalten mußte, sich auf ernste Verwicklungen einzulassen. Unter diese Dinge ist nun ein Schlußstrich gezogen. Frankreich will unter einem neuen Lustsahrtmim- iter seine Luftwaffe neu aufbauen. Wird es angesichts der immer wieder aufflackernden Arbeitskämpfe wirklich daM kommen? Nr. Z06 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Samstag, 3s. Dezember 1938 Einheimische Künstler erzählen von ihrer Arbeit. Kleiner Gtreifzug durch Maler- und Bildhauer-Werkstätten am Jahresende. Wir haben zum Jahresende einen kleinen Spaziergang durch einige Stätten der Kunst gemacht, haben die Ateliers etlicher einheimischer Maler und Bildhauer ausgesucht und uns mit der Leica und im Gespräch ein wenig darin umgetan. Wir wollten, statt einer feierlichen Bestandsaufnahme am Ultimo, für diesmal nur Bilder betrachten und uns dabei erzählen lassen von der Arbeit des einzelnen, von Plänen und Aufgaben, von Aussichten und Eindrücken Einiges von dem, was wir von diesem Nundgange mitgebracht haben, sollen die folgenden Zeilen und Bilder festhalten. Vielleicht wird der eine oder andere Leser davon angeregt, einen solchen Besuch auf eigene Faust zu wiederholen: wir sind gewiß, daß er überall freundlich willkommen geheißen wird. Das Verhältnis zum Künstler und zum Kunstwerk wird nirgends unmittelbarer und persönlicher sein als da, wo der Künstler schafft, wo das Wunder des Werkes Wirklichkeit wird. Das Häuschen liegt oberhalb der Stadt Laubach im Walde. Wir steigen das letzte Stück zu Fuß hinauf. Die weichen Linien der Landschaft beginnen sich schon im sinkenden Licht des Dezembertages zu verwischen. Drinnen empfängt uns wohltuende Wärme, herzliche Gastbereitschaft und, so- gleich spürbar, die geistige Atmosphäre des Hauses, doppelt gespeist aus den beiden Kraftfeldern künstlerischen Schaffens, die hier, abseits vom Lärm der Hagenauer: Schwälmer Bauer. (Aufn.: Dr. F. Klein.) $ L- O "X Klipstein: Selbstbildnis, Radierung. Welt, beheimatet sind: denn nächst dem Maler und Radierer Felix Kl t pst ein dürfen wir auch der Dame des Hauses unsere Aufwartung machen, Frau Editha Klipstein, deren Roman „Anna Linde" vor einiger Zeit erschien; sie erzählt uns von einer kürzlich unternommenen Reise in die Schweiz, von einem Besuch in Schloß Muzot, Rilkes Name taucht auf und erfüllt für Minuten den Raum ... dann beschäftigen uns Felix Klipsteins Arbeiten in Werkstatt und Wohnraum. Auf der Staffelei steht ein nahezu vollendetes, sehr lebendiges Selbstporträt, im Nebenzimmer eine feine Büste des Hausherrn vom Bildhauer Bourcarde. Viele Blätter gehen durch unsere Hand, bekannte und noch unbekannte, und während wir ein paar besonders charakteristische Stücke photographieren, springt das Gespräch lebhaft hin und her. Wir hören, daß Klipstein einige Bilder an das Luftfahrtministerium verkauft hat; wir halten auch einmal den schweren Holzstock mit dem Laubacher Stadtbilde in der Hand, ein Stück unendlich mühevoller, unendlich liebevoller Arbeit, und es ist von merkwürdigem Reiz, diese Holzplatte mit dem davon gewonnenen Blatt zu vergleichen, das unweit an der Wand hängt. Zuletzt, ehe wir gehen müssen, blättern wir in der spanischen Mappe, versinken im Anblick dieser unerhört lebendigen Augenblickseindrücke einer Studienreise von 1909, ganz weich, knapp und fließend hingewischt mit Kreide, und Klipstein erzählt uns dazu vom spanischen Volksleben, von Musik und Kneipen und Stieren und Toreros, eine ferne, farbige Welt taucht vor uns auf, während ein Blick durchs Fenster eben noch die in winterlicher Dämmerung zerfließenden Umrisse der vertrauten Landschaft erfaßt und im Grunde die weihnachtlichen Lichter der Stadt. Herr Hagenauer, den wir in seinem Atelier im Liebig-Bau aufsuchen, ist eben von Willingshausen zurückgekommen. An den Wänden hängen Bauernbilder und Landschaften aus der Schwalm, die dort im Auftrage einer Behörde entstanden sind. Für Hagenauer, der aus dem Allgäu stammt und die Schwalm noch nicht kannte, war die Willingshäuser Landschaft ein ganz neuer und starker malerischer Reiz. Er hat dort Bantzer kennengelernt und dos Malerstübchen, und er gehört nun auch zu der jüngeren Generation, die in der stillen Kolonie an eine ehrwürdige Tradition anknüpft. Der Auftrag hat ihm die Möglichkeit verschafft, „endlich einmal unbekümmert drauflos malen zu können". Uebri- gens wendet er sich mit Nachdruck gegen die verbreitete, aber falsche Auffassung, daß der Künstler nur dann wirklich etwas leisten könne, wenn die Sorge um den nächsten Tag oder die nackte Not hinter ihm stehen. Die Bauern dort in der Schwalm, erzählt Hagenauer, nehmen das Malen als Beruf ernst, und er seinerseits will in seinen Bildern das Wesentliche und Ursprüngliche im Bauerntum gestalten — nicht „das Sonntägliche". Das zwingt zu möglichster Sparsamkeit und Vereinfachung. Und die Bauernbilder und die Landschaften, die wir hier sehen, lassen den nahezu unerschöpflichen Reichtum malerischer Motive wieder einmal erkennen, den die Schwalm bietet, und bestätigen auch die eben entwickelte Auffassung in der großzügigen Klarheit Ködding an einem Relief-Modell. der Farben und Formen, in der strengen Festigkeit der Konturen. — Neben den Willingshäuser Arbeiten möchten wir noch eine kleine Vorarlberg- Landschaft aus früherer Zeit sesthalten und ein Mutter-Bildnis, das zu den schönsten und menschlich reifsten Leistungen in diesem Atelier gehört. Noch ehe wir das patrizisch weiträumige Haus an der Marburger Straße betreten, werden wir am Eingang von den schwarzen Scotch-Terriern Narr und Nobel mit Schnuppern und Schwanzwedeln freundlich in Empfang genommen. Bevor wir ins Allerheiligste hinaufstei- getz, stehen wir im Erdgeschoß vor einer prachtvoll farbigen, tief gegliederten Landschaft mit dem Gleiberg im Hintergrund. Es ist ein Lieblingsmo- tiv von M u e ll er-L e u- tert und gewiß eines seiner vollkommensten Bilder. Im Atelier herrscht das typische, pikante Werkstatt-Aroma, in dem sich der Duft von Oelfarbe, Terpentin und Zigaretten mischt, und man empfindet sogleich den Reiz eines solchen Besuches im Atelier, die intimere Atmosphäre, die keine Ausstellung zu geben vermag. Indem wir nach dem lockendsten Ziel für die Leica suchen, haben wir Mueller-Leutert: Ostsee-Landschaft. M Muße genug, uns umzusehen, einen Stoß graphischer Blätter durchzumustern, uns zwischendurch die reizende kleine Weihnachtsgeschichte eines in höchst kultivierten Farben gemalten Stillebens erzählen zu lassen, um schließlich zum Mittel- und Blickpunkt des Reimes zurückzukehren: das ist eine weit aus- schwingende Küstenlandschaft, späte Frucht der Studienfahrt an der Ostsee .. Es hilft nichts, sie wird von der Staffelei hinunter in den dezemberlich kühlen Garten geschleppt, wo sich ein von Fachausdrücken strotzender Dialog der Leica-Spezialisten entspinnt, indes der in solchen Fragen ahnungslose Kunstbetrachter beschämt beiseite steht; auch Narr und Nobel wedeln nur freundlich von ferne ... Hernach sitzen wir drinnen gemütlich, wärmen uns auf und lassen uns von Willingshausen erzählen, wo Mueller-Leutert im letzten Sommer im Thiel- mann-Haus gewohnt und gearbeitet hat ... das meiste sind Skizzen, die „richtigen" Bilder sind, wie bei den Küstenlandschaften, erst nach ein oder zwei Jahren reif. Die acht Wochen abseits vom Lärm der Welt, in der lieblichen Landschaft der Schwalm, werden noch ihre Früchte tragen; übrigens ist Muel- ler-Leutert dort ins Malerstübchen ausgenommen worden, dem der eben preisgekrönte Altmeister Bantzer präsidiert; das ist eine hohe Auszeichnung ... immer noch Bilder, immer noch Photos, das Gespräch zieht weite Kreise, heiter und ernsthaft... „lieber Malerei kann man nicht sprechen", diesen Satz des Hausherrn wollen wir festhalten; es lohnt sich, darüber nachzudenken. * 66 Kröll mit dem Zeichenblock. P Holzbildhauerei, und wir sehen, daß man nicht nuck Vollfiguren aus dem Holz herausholen kann, fon* bern auch reliefmäßig wirkende flächige Arbeiten: wie die vierzehn großen holzgeschnitzten Städten wappen, an denen Baurcarde eben in behördlichem Auftrage arbeitet, und die als Wandschmuck für ein Wirtschaftsgebäude gedacht sind. Wir lassen uns hernach in der Werkstatt die Technik erklären und sehen zu, wie mit dem scharfen dreikantigen Werkzeug, das „Geißfuß" genannt wird, ein Stück der vorgezeichneten Kontur aus der Holzplatte herausgegraben wird. Der dominierende Eindruck in der Werkstatt geht von dem überlebensgroßen Modell zu einem Kriegerdenkmal aus. Die ernfte, schlichte Gestalt entspricht der Würde eines Ehren-» males für die Gefallenen. Es ist nicht ganz einfach, eine Teilaufnahme von der monumentalen Figur zu erhalten, wir müssen auf Leitern turnen und ein Gerüst bauen, um unfern kleinen Scheinwerfer richtig in Stellung zu bringen... Ehe wir uns veri abschieden, tun wir noch einen Blick ringsum und erleben ein stilles Wiedersehen mit einigen der besten älteren Arbeiten Bourcarde s, den Porträtbüsten seiner Frau und seines Vaters und der wundervollen Totenmaske des früh verstorbenen Malers H. E. Kleine. — * Lotte Droefe vor einem Studienblatt. Während wir die Kamera einrichten, steht die Malerin vor einer großen Zeichnung, einer Figurengruppe Mutter mit Kind, und zieht mit weicher Kohle ein paar Konturen nach: es ist ein Studienblatt zu dem großen Bilde in der Weihnachts-Ausstellung, von dem kürzlich die Rede war; dieses Bild ist als Mittelftück eines Triptychons gedacht, und das Triptychon bildet wieder ein Bindeglied in dem großen Motivkreise, den Lotte Droefe gestalten will: das ganze Leben der Frau darzuftel- len in einer Folge figürlicher Kompositionen. Das ist schöner, ein ewig menschlicher und nie veraltender Gegenstand, vielleicht besonders anziehend für eine Malerin, deren Formensprache auf große, freskenhafte Wirkungen zielt. Wir wünschen Fräulein Droefe einmal eine Ausgabe, welche den Raum und die Wandflächen lieferte, solche Ideen zu verwirklichen. Ansätze dazu sind schon vorhanden, und es sollen immer neue Entwürfe entstehen, das Thema im einzelnen zu studieren und durchzuarbeiten. Die Künstlerin hat kürzlich einen Auftrag erhalten, der ihren malerischen Ideen entgegenkömmt und für eine weibliche Hand besonders geeignet scheint ... Später steht die Malerin am Erkerfenster der Atelierwohnung, von wo man einen schönen Blick zum Philosophenwald hat. Wir stöbern derweil ein wenig in der kleinen Bibliothek, die seitlich im Erker ihren Platz hat; da gibt es de Coster und Grimmelshausen,' die Lagerlof und Hamsun, Fontane und Jacobsen, und wir finden, daß diese Bücher auf eine charaktervolle Weise zu den Bildern.stimmen, die man hier sieht, Figuren und Porträts, ^Landschaften und Stilleben, lieber Bücher und Bilder, Theater und Film kehrt unser Gespräch zum Ausgangspunkt zurück, zu den für die Zukunft geplanten Entwürfen; und der lebendige Schaffensimpuls, der aus den Projekten spürbar wird, ist der letzte Eindruck, den wir von diesem Besuch mit heimnehmen. * Hinter dem Umspannwerk, auf halbem Wege Zwischen Gießen und Gleiberg, lassen wir den Wagen stehen und machen uns seitlich in die Felder. Die Landschaft ringsum ist weiß verschneit; am Waldrand drüben hoppeln die Hasen. Herr Bourcarde kommt uns im Schneetreiben entgegen; nun sind wir oben und treten ins Haus. Das Haus ist das merkwürdigste weit und breit: es war früher mal ein O-Zugwagen und es gibt drinnen eine gemütliche Ecke mit Zweiter- Klasfe-Polstern. Seltener Genuß, darauf zu sitzen. Hanne, die jüngste Tochter des Hauses, zwei Jahre alt und etwas, erzählt uns eine lange Geschichte, bis wir uns auf den eigentlichen Zweck unseres Besuches besinnen und uns von Herrn Bourcarde berichten lassen, was ihn gegenwärtig beschäftigt. Seine Spezialität ist bi» Das Atelier liegt im Dachstock des Liebig-Baues« Man hat da oben einen schönen freien Blick über die Stadt. Der Raum ist groß, hell und gemütlich. Mussolini-Büste von Güngerich. (Ausnahmen |7J: H. L. Neuner.) Nachdem Herr Kroll uns willkommen geheißen hat, sehen wir uns, neugierig wie wir sind, ein bißchen um und entdecken allerlei Maler-Hausrat, der der Werkstatt ihr eigentümliches Gesicht gibt: eine Schwarzwälder Uhr, einen exotischen Spitzhut aus Borneo, einen Totenkopf und einen Negerdolch aus Afrika, Stahlhelme und Masken, Tabakspfeife und Bücher, Kaktus und Grammophon. Aber die Bourcarde bei der Arbeit an einem Modell« Hauptsache im Atelier sind natürlich allemal die Bilder, alte und neue, wie die große Figurengruppe auf der Staffelei, an der $err Kroll eben arbeitet. Das Bild ist von einer Behörde in Auftrag gegeben. Ein anderes, auch nach nicht bekannt, stellen wir für die Leica ins rechte Licht: „Hinter der Bühne" heißt die farbenreiche, stimmungsvolle Komposition, in der eine junge Dame im Kostüm, ein Gitarrespieler und ein Hund eine aparte Gruppe bilden. Während wir rücken, leuchten und knipsen, geht das Gespräch hin und her. Herr Kröll erzählt, wie befriedigt die Maler, die hier oben häufen, über die freundlichen, gut beleuchteten Räume sind, welche die Stadtverwaltung ihnen zur 'Beifügung gestellt hat. Der Behördenauftrag sorgt dafür, daß etwas entstehen kann. Kröll sieht hierin auch eine Bestätigung dafür, daß seine Bemühungen um die figürliche Malerei von Erfolg gekrönt sind. Die Arbeitsbeschaffung durch die Reichsregie- „ rung hat ihre Früchte getragen: das Jahr 1938 hat sich viel erfreulicher angelassen als die vorhergehenden. Nur die Initiative der privaten Kunstliebhaber läßt zu wünschen übrig. Ja. und dann tft es ein Kreuz mit Modellen, männlichen wie weiblichen ... einerlei, ob es sich um Akt ober Gewcmd- studie oder Kopfmodell handelt: es gibt keine, ober nur unter vielen Schwierigkeiten. Man kann ja beim Photographieren ähnliche Erfahrungen machen. Vielleicht sind da noch letzte Reste alten Aberglaubens lebendig — wer weiß? • ♦ Wie die Weihnachtsmänner beschneit kommen wir ins Atelier am Eichgärtenweg. wo die Bildhauer Johannes K ö d d i n g und Ludwig Gänge- rich gemeinsam ihren Arbeitsplatz haben. Im Erdgeschoß bei Herrn Ködding sehen wir uns das langgestreckte Gipsmodell an, Teilstück eines Reliefs für das Stadsgebäude unserer Artilleriekaserne. Der Künstler hat an diesem Projekt drei Jahre lang gearbeitet, und es ist interessant, in großen Zugen die Entstehungsgeschichte zu verfolgen, den ersten Entwurf mit Den frontal gerichteten und stilcherten Figuren am Modell mit der endgültigen Fassung zu vergleichen, die das kriegerische Motiv viel realistischer empfindet: die Kanoniere am Geschütz und die Pferde sind so ungezwungen natürlich erfaßt, wie es die im wesentlichen flächig wirkende Relief-Technik gestattet. Herr Ködding zeigt uns bann auch noch ein kleineres Mobell, das einen Eindruck von der Gesamtanlage vermittelt, von den maßstäblichen Verhältnissen und von der Art, wie die beiden Re- liess — bas Gegenstück behandelt ein landwirtschaftliches Motiv — mit dem Baukörper in Einklang gebracht werden. Die Ausführung des Reliefs ist in Muschelkalk gedacht. * * Im Oberstock ist Herr G ü n g e r i ch bei der Arbeit. Hier finden mir einen skizzenhaften Entwurf zur Clementia von Gleiberg als Städtegrunderin. die als vollplaftische Figur von beträchtlichem Format als Fassadenschmuck am Marktlaubengebäude gedacht ist. Herr Güngerich bemerkt dazu, wie er sich die., in Haltung und Linienführung möglichst vereinfachte Frauengestalt des 12. Jahrhunderts aus dem Romanischen gleichsam ins Gegenwärtige übersetzt und die Plastik organisch in die Baugruppe cmgeorbnet denkt. Außerdem finden sich in der Werkstatt einige im wesentlichen vollendete Bildnis- plastiken, Köpfe von Mussolini und Dr. Goebbels, die in ihrer großzügigen Linienführung einen ab« gewogenen Ausgleich zwischen Stilisierung und Naturnähe walten lassen. — hth. Aus der Stadt Gießen. Das ewige Wagnis. Von Hans Hartmann. Platter Verstand ist geneigt, zu sagen, daß der Einschnitt an Silvester und Neujahr künstlich sei unb erfunden, um wieder ein Fest mehr feiern zu können. Gewiß, die Sterne ziehen ihre Bahnen, die Erde dreht sich weiter, ohne vom neuen Jahr Notiz zu nehmen, die Wachstumsvorgänge, die schon millio- nensältig in der Pflanzen- und Tierwelt stattfinden, werden nicht unterbrochen, unser Herz schlägt im Takte und versinnbildlicht das Urgeheimnis alles Lebens: Immer Leben zu sein und keinen Augenblick den Sttom zu unterbrechen. Und doch ist dieser Einschnitt mehr als nur eine ,Konventton". Er fällt recht nahe mit der Sonnwende zusammen, und diese ist ein Ereignis der Natur. Die nördliche Halbkugel der Erde neigt sich nun wieder der Sonne zu. Und wenn irgend etwas, so kann uns dies kosmische Ereignis auf größere Gedanken bringen. Nachdem die Wende am 21. Dezember stattgefunden hat, warten wir, daß jetzt das Dunkel langsam weicht und wir dem Licht entgegengehen. Diese Jahreswende ist von einem symbolischen Gehalt erfüllt, den man ihr nie wird nehmen können. Denn es hat sich mit ihr ein Erlebnis verbunden, das das eigentliche Erlebnis dieser Tage ist: wir fühlen, daß wir einen Augenblick Atem holen und es neu mit dem Leben wagen. Wir tun also, was die Natur nicht tut: wir halten einen Augenblick stille, blicken rückwärts auf das, was war und geschah, und bann „machen wir uns auf" und wagen es mit dem neuen Jahr. Es ist ein Vorrecht des Menschsems, daß wir, hn Unterschied zu den ewig ftteßenden Naturkräften, Abschnitte in unserem Leben machen, es gliedern und so erst „gestalten". Wir freuen uns dieses Vorrechtes und machen bewußt davon Gebrauch. Wie bei einem lieben Gestorbenen fällt alles Unwesentliche, alles nur Scheinbare ab, und nur der innerste Gehalt bleibt. Ihn fühlen wir als eine die Seele durchdringende Kraft. Wir gewinnen seltsame Klarheit über uns selbst in der Silvesternacht. Wir wissen, wo und warum wir versagt haben. Wir fühlen, wann wir mutlos gewesen sind und woran es uns gebrach. Wir fühlen, ob und warum wir gegenüber unserer Familie ober unserem Volk nicht so mutig und hingegeben waren wie wir hätten sein sollen. Wir wollen es besser machen! Und wir sehen in dem Jahre, was nun beginnt, eine neue große Aufgabe. Ein unbeschriebenes Blatt, in das wir unsere Züge eintragen dürfen, das heißt aber: unseren Willen, unsere Tapferkeit, unsere Un- beirrbarfeit, unsere neuen Erkenntnisse vom Wege des Lebens und von der Erkenntnis der Dinge, so daß neue Wahrheit m uns aufbricht und wirksam wird. Alles Leben ist Wagnis. Die Gestaltung unserer Familie, unseres Berufslebens und -Erlebens ist Wagnis. Wir fühlen dieses Wagen besonders verpflichtend in dem Zeitabschnitt, der heute beginnt. Dornotizen. Tageskalender für Samstag (Silvester). Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Der Maulkorb".— Gloria-Palast, Seltersweg: „Pour le mdrite“. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Tanz auf dem Vulkan". Tageskalender für Sonntag (Neujahrstag). Stadttheater: 15 bis 17.30 Uhr „Fran Holle": 19 bis 21.30 Uhr .Lauter Lügen". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Pour le merite“. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Tanz auf dem Vulkan". Stadttheater Gießen. Heute abend findet im Stadttheater die Silvester- Premiere statt. Es gelangt das heitere Spiel in sieben Bildern „Der Maulkorb" von Heinrich Spoerl zur Erstaufführung. Spielleitung Hannes Razum, Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet außer Miete statt. Die Intendanz, macht darauf aufmerksam, daß dieses Stück nicht im Abonnement gegeben wird. Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Am 1. Januar, Neujahr, findet nachmittags eine Wiederholung von „Frau Holle", Märchen von Walter Osterspey, statt. Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim, musikalische Leitung Heinz Markwardt, Tänze Thea Maaß. Außer Miete. Anfang 15 Uhr, Ende 17.30 Uhr. — Am Abend erste Wiederholung des Lustspielerfolges „Lauter Lügen", Gesellschaftskomödie von H. Schweikart. Spielleitung Hermann Schultze-Griesheim, Bühnenbilder Karl Löffler. Außer Miete. Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr. Neuer Pfarrer der Lukasgemeinde. Der von dem Präsidenten des Landeskirchenamts zum Pfarrer der Lukasgemeinde in Gießen berufene Pfarrer und Studienrat Lic. Erwin Wiß - mann zu Darmstadt wird am morgigen Neu- jahrstag in Der Johanneskirche durch Den zuständigen Dekan Sattler (Wieseck) in fein neues Amt eingeführt. In ihm findet nach einem furjen Spezialvikariat des Pfarrassistenten Wendel der nach Hannover verzogene Pfarrer Bechtols- Heimer einen Nachfolger. Der neue Gießener Pfarrer wurde in Gießen als Sohn des Großh. Baurats Philipp Wißmann (gestorben 1908) am 20. Juni 1895 geboren. In seiner Vaterstadt Gießen besuchte er Vorschule und Gymnasium. Nach im Frühjahr 1913 bestandenem Maturum studierte er Theologie in Tübingen und Heidelberg. Als Kriegsfreiwilliger trat er im August 1914 ins Heer, bei dem er sich bis Dezember 1918, zuletzt als Leutnant der Reserve, bei der Artillerie befand. Seine Studien setzte er nach dem Kriege in Gießen fort und legte hier im Winter 1920/21 Die Theolgische Fakultätsprüfung ab. Im März 1924 promovierte er zum Lic. theol. an der Theol. Fakultät zu Gießen. Nach Besuch des Predigerseminars zu Friedberg und bestandener Schlußprüfung fand er Verwendung als Pfarrverwalter in Nidda von April 1922 bis März 1923, dann bis August 1924 als Pfarrassistent in Griesheim bei Darmstadt. Er wurde Dann Pfarrer in Wenings (Oberhessen) bis April 1928. Don April 1924 bis Herbst 1938 war er Dozent für evangelische Religionspädagogik am Pädagogischen Institut zu Darmstadt, Dann in Mainz, hieraus an Der Hochschule für Lehrerbildung zu Friedberg und Darmstadt. 1924 bis 1933 war er gleichzeitig noch evangelischer Religionslehrer an höheren Schulen in Darmstadt. Seit Wintersemester 1935/36 hat Pfarrer Lic. Wißmann einen Lehrauftrag für evangelische Religionspädagogik und Katechetik in Der Theologischen Fakultät Der Universität Marburg. 25 Jahre im polizeidienff. Von Der Polizeidirektton Gießen wird uns mitgeteilt: Am 1. Januar 1939 kann Herr Polizeibüroassistent Heinrich Ludwig auf eine 25jährige Polizeidienstzeit zurückblicken. Nach über 6 jähriger, tadelloser Militär, und Kriegsdienstzeit trat Herr Ludwig am 15. Mai 1920 als Schutzmann bei Der PolizeiDirektton Gießen ein. Diele Jahre versah er seinen oft nicht leichten Straßendienst, um alsDann vom Jahre 1927 ab im Polizeiverwaltungsdienst als Polizeibüroassistent Verwendung au finden. Während seiner langen Polizeidienstzeit hat sich Herr Polizeibüroassistent Ludwig stets als ein pflichttreuer, gewissenhafter und stets hilfsbereiter Beamter erwiesen, Der sich nicht nur Die Achtung aller seiner Vorgesetzten unD KameraDen, sonDern Darüber hinaus auch Die aller Volksgenossen erworben bat. ** 82 Jahre alt. Der frühere Gastwirt Der Wirtschaft „Zum Schipkapaß", jetzige Privatter Jean Arnold, Bahnhofstraße 4, kann am morgigen Neujahrstag in ausgezeichneter geiftiger und körperlicher Frische seinen 82. Geburtstag begehen. Der Jubilar erfreut sich in weiten Kreisen in Stadt und Land großer Wertschätzung. Täglich macht er noch seinen gewohnten Spaziergang. Dem alten Herrn bringen auch wir unfern herzlichen Glückwunsch bar. ** Siebzig Jahre alt. Das älteste Gefolgschaftsmitglied der Firma Bänninger GmbH., Gießen, Platzmeister Heinrich Weiß aus Großen- Linden, kann am heutigen Silvestersamstag seinen 70. Geburtstag feiern. Herr Weiß, Der am 2. März d. I. fein 25jähriges Arbeitsjubiläum bei Der Firma Bänninger begehen konnte, ist noch von seltener körperlicher und geistiger Frische. Seine ganze Erscheinung läßt sein hohes Alter nicht erkennen, unb mit jugendlich rüstiger Tatkraft erfüllt er noch seine beruflichen Aufgaben. Herr Weiß nahm als erstes Gefolgschaftsmitglied der Firma Bänninger vor zwei Jahren an einer großen KdF.-Fahrt nach Madeira teil: Darüber berichtete er gelegentlich eines Kameradfchastsabends in launiger Weife. Das kluge unD immer humorvolle Geburtstagskind erfreut sich bei feinen Arbeitskameraden, wie auch in feiner Heimat allgemeiner Wertschätzung. \ Hitler-Jugend Bann 116. Theaterring der hlller-3ugeud. Am Mittwoch, 4. Januar, findet die Vorstellung für die Zusatzkarten des Dheaterringes (3. Vor- stellung) statt. Es gelangt zur Aufführung „Der Hochverräter", ttagisches Schauspiel von Langen- beck. Anfang 19.30 Uhr, Ende 21.30 Uhr. Schwerer Unfall eines Kraftfahrers. Eine Mahnung: Derdunstungskälte rüst Erfrierungen hervor! Der Kraftfahrer der Reichspost beim Postamt Gießen, Ludwig D e h u s , wohnhaft Krofdorfer Straße 9, erlitt in Der Nacht zum 23. Dezember einen ebenso schweren, wie eigenartigen Unfall. Er war auf einer Dienstfahrt nach Frankfurt unterwegs, um Pakete dorthin zu bringen. Auf der Rückfahrt auf her Reichsautobahn, unweit von Bad-Nauheim, auf minhumfegter und schneebedeckter Höhe, bemerkte er plötzlich, daß Der Unter« Drud förDerer am Motor fein Benzin mehr heranbrachte und her Wagen stehen blieb. Er stieg aus und versuchte den Schaden zu beheben, indem er Benzin aus dem Tank hob und es in den llnterbrutfförherer gießen wollte. Da der Schaden nicht rasch zu beheben war, hatte er fast eine Stunde zu tun. Zu allem Unglück herrschten in jener Nacht etwa 15 Grad unter Null, so daß ihm bald die Finger steif wurden. Hinzu kam, daß es Dehus bei seiner Arbeit und im Bemühen, rasch voranzukommen, anscheinend nicht vermeiden konnte, daß ihm habet Benzin über die Hände und über Die Arme lief. Dieser Umstand wurde ihm zum schweren Verhängnis! Durch hie Verdunstung hes Benzins entstand neben der an sich schon niedrigen Außentemperatur eine zusätzliche K ä l t e w i r k u n g, die Der Kraftfahrer anscheinend zu gering einschätzte und glaubte, daß es ihm nichts ausmachen werde. Dem war aber nicht so! Dehus erlitt schwere Erfrierungen an den Händen und beiden Armen, so daß er nicht mehr weiterarbeiten konnte und sich um Hilfe bemühen mußte. Da er noch geraume Zeit auf her Autobahn bleiben mußte, bis es möglich wurde, ihm Hilfe zu bringen, Dürfte sich das Uebel noch verschlimmert haben. Erst nach einiger Zeit wurde das Postamt in Gießen verständigt, das sofort einen Wagen nach Bad-Nauheim sandte und den pflichttreuen Mann abholte. Er mußte sofort in die Chirurgische Klinik gebracht werden. Die Aerzte hoffen, ihm Hände und Arme erhalten zu können. Der Vorfall Dürfte für jeden Kraftfahrer eine rechte Mahnung sein, bei großer Kälte mit Benzin vorsichtig umzugehen. Es hat sich bei diesem Unglücksfall praktisch erwiesen, daß Benzin nicht nur durch Explosiv- und Feuerwirkung gefährlich werden kann, sondern auch durch den Wärmeentzug, der bei der Verdunstung in der unmittelbaren Umgebung entsteht. Beim Aufspringen auf den fahrenden Zug tödlich verunglückt. Ein schwerer Unglücksfall, Dem leider ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich am gestrigen Freitag gegen 18.50 Uhr auf dem Bahnhof Lollar. Dort sprang Der Hüttenarbeiter Wilhelm Balthasar Lotz aus Allendorf an her Lumda auf den bereits in Richtung Allendorf fahrenden Zug auf, um mit ihm nach Hause zu kommen. Der bedauernswerte Mann glitt aber ab und stürzte unter den Zug, von dem er so unglücNich überfahren wurde, daß her Tod auf her Stelle eintrat. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau unb zwei Kinder. „Eyn glücklich new Lar." r Don Walther Schwerdtseger. Aller Dinge Anfang wird gern in den Bereich mystischen Wirkens erhoben. So hat man Dann auch früh den ersten Tag des neuen Jahres als ein schicksälkündenDes Omen angesehen. Eine Anzahl bäuerlicher Wetterregeln bringt diesen Glauben zum $ Ausdruck, und das gesamte Neujahrsbrauchtum geht c auf ähnliche Vorstellungen zurück. Selbst ein so , durchsichtig-klarer Geist wie Wilhelm v o n H u m - [ boldt gab solchen Empfindungen Raum. An die J „Freundin", Charlotte Hildebrandt, schrieb er zur , Jahreswende: „Es gibt mehr oder weniger günstige r Jahre, und Das beweist sich, wie ich oft im Leben bemerkt habe, manchmal an gewissen Anzeichen in , den ersten Tagen, wo Die neue Jahreszahl beginnt. Sie werden das vielleicht etwas abergläubisch finden, aber es ist es Doch nicht so ganz und so sehr." Schon im Altertum wurde es daher Sitte, sich , zum Jahresbeginn Glück zu wünschen unb auch < Geschenke zu machen. Wir finden Diese Sitte sowohl < bei Den Aegyptern wie bei ben Chinesen. Die ' römische Wunschformel „Prosit!", möge es dir ‘ nützen, Dir ein glücklich Jahr sein! haben wir übernommen. Und noch heute ist in Frankreich Neujahr, ( nicht der Christtag, bas Fest Des Schenkens. In manchen ©egenben Deutschlanbs hat sich bis । heute der Brauch des „Neujahrssingens" erhalten. Arms Schulkinder zogen von Haus zu Haus, „ein ! seliges neues Iar" wünschend, „Danach die ewige frohe Seligkeit. Gottlob, bas neue Jahr geht an, das alte ist vergangen. Wir wandern auf her Lebensbahn Und trachten mit Verlangen Nach einem Reich der Seligkeit, Das auch im Himmel ist bereit. Glückauf zum neuen Jahr!" Manche dieser Lieder sind sehr alt unb gehen bis ins Mittelalter zurück. Im 14. Jahrhundert berefts hat eine geschäftstüchtige Dame, Frau Clara Hatzlerin, eine reichhaltige Sammlung solcher Neujahrslieder und -wünsche angelegt. Selbst von Den Meistersingern — so von Den Nürnbergern Hans Folz unb Rosenplüt — kennt man eine Reihe von Klopf-an-Versen, Die man am Neuiahrs- morgen Den an das Haustor Klopfenden als Wunsch oder Mahnung zurief. In Sübdeutschland kann man zuweilen Daher noch die Bezeichnung „Klöpflins- iage" für Die zwölf Tage zwischen Weihnachten und Epiphanias finden. In Goethes Spruchweisheit liest man Die volkstümlich Derben Reime: „Im neuen Jahre Glück und Heil! Auf Weh und Wunden gute Salbe! Auf groben Klotz ein grober Keil, Auf einen Schelm anberthalbe!" Recht griesgrämig klingen Die Neujahrswünsche, Die FrieDrich Der Große in Der Form eines Armeebefehls seinen Offizieren sandte. Da heißt es am Silvester 1781: „Ihre Majestät der König lassen allen Herrn Ofsicirs zum neuen Jahre gratulieren, und die nicht sind, wie sie sein sollen, möchten sich bessern." Und zwei Jahre später noch grämlicher: „Ihre Majestät der König lassen allen guten Ofsicirs vielmals zum neuen Jahr gratuüren und wünschen, daß sich Die übrigen so betragen, daß Sie ihnen künftig auch gratuüren könne." Letzter Nachhall der alten Neujahrsreime und »lieber, Die „eyn glücklich new jar" wünschten, sind die aebruchen Neujahrsglückwünsche, Die von Boten, Handwerkern, Austrägern und Hauswarten zum Jahreswechsel überreicht werden. Aber wenn die Jahreswende den meisten Menschen als Schicksalstag erscheint, wird sie Dem NachDenklichen zu einer StunDe Der Besinnung. „Man sagt sich wohl tausendmal, daß Die Jahreseinteilungen etwas ganz Unbedeutendes unb Unwesentliches sind, unb in her Tat ginge hie Zeit ebenso leer unb ebenso bewegt, wie sie jeher ergreift unb wie sie jeder aufnimmt, hin, wenn man ganz vergäße, welche Woche, welcher Monat und welches Jahr es wäre. Allein Diese trocken vernünftige Philosophie verliert sich Doch im Leben, unb wer nur irgend Empfindung in sich trägt, geht immer ganz andern vom 31. Dezember zum 1. Januar, als von zwei anderen aufeinander folgenden Tagen über. Es ist, als wenn her Mensch versucht, durch die Zeiteinteilun- aen der Flüchtigkeit Der Zeit Einhalt zu tun ... Sie selbst geht zwar immer fort, aber der Mensch ftef)t wie auf einer schmalen Grenze zwischen der 23er« Vergangenheit unb Zukunft still, er sammelt sich, nimmt in seinen Gedanken den zuletzt verflossenen Zeitabschnitt zusammen und umspannt den nächstfolgenden mit neuen Vorsätzen, Entwürfen, Hoffnungen unb Besorgnissen." Auf dieser Grenze zwischen her Unwiderbringlich- kett des Vergangenen und her Ungewißheit des Kommenden scheiden sich hie Geister. In Der Stille des Pfarrhauses von Cleversulzbach konnte M ö - rite zum neuen Jahre singen: „Herr, dir in die Hände, Sei Anfang und Ende, Sei alles gelegt!" Von Der Sorge bedrückt, Daß alles menschliche Wirken in Der Unendlichkeit Der Zeit verweht werde wie Spuren im Sande, schrieb Lenau: „Eins sei gebeten, Jahr: Was Du getan, gesonnen. Verlaufe nicht im Sand wie Wein zerschlagner Tonnen." Und Goethe: „Zwischen Dem Alten, Zwischen dem Neuen, Hier uns zu freuen Schenkt ims Das Glück, Unb Das Vergangne Heißt mit Vertrauen Vorwärts zu schauen, Schauen zurück." Siuhweck und Bubenschenkel. Ein alter Frankfurter Silvesterbrauch ist Das Verzehren von sog. Stutzwecken zum. Punsch ober zur Bowle. Die Stutzwecken werben nur zum Jahresende hergestellt. Sie sind ein Gebäck alis feinem Hefeteig von länglicher Form, bas an ben Enden in je einen Knauf ausläuft. In her Mitte werden einige Schnitte in Den Teig gemacht.' In ben Gastwirtschaften in Frankfurter Vororten werben solche Stutzwecken in Der Silvesternacht im „Losspielen" ausgewürfelt. Am. Neujahrstag essen hie Frankfurter, ebenfalls einem alten Brauch folgend, Sauerkraut oder Weißkraut. Dies soll bewirken, Daß man das ganze Jahr über Geld hat. Im südlichen Hessen (frühere Provinz Starkenburg) schenken Patin unb Pate am Neujahrstag ihrem Patenkind Das „Neujährche" in Gestalt eines Lebkuchenherzens oder eines „B u bensch e n k e 1 s" ober auch einer Brezel mit einem Zopf. Der Bubenschenkel und der Zopf gehen auf alte Dpferbräudje (Knochen- unb Haaropfer) zurück. Der Bubenschenkel kommt in verschobenen Formen, zwei- bis fünfteilig, vor. In manchen Orten schenkt man sogar gebackene Hasen und Puppen, also vor- weggenommene Frühjahrssymbole. All diese Backwaren sind sehr umfangreich, von Blechgröße oder noch größer. Im alten Frankfurt war Die Silvesterfeier ein wirkliches Volksfest, an dem auch der Hohe Rat Der Stadt teilnahm. In Dem berühmten Römer versammelte er die Stände, und man vergnügte sich hort lang und weiblich. Dabei verteilte her Rat Geschenke und wurde — eine Art Der Ehrerbietung — auch selbst beschenkt. Bereits in her Mitte des 14. Jahrhunderts erhielten diejenigen Ratsmitglieder, Die Das Amt her Rechenmeister verwalteten, ferner die Stadtschreiber, andere Beamte und Das Gesinde im Römer ein Geldgeschenk aus Der Stadtkasse. Auch Die Kaufleute gaben ihren Hauptkunden ein Geschenk. Aus Dem Jahr 1614 tft sogar ein regelrechter Geschenktarif bekannt, in Dem Die Höhe her Geldgeschenke genau in Gulden unb Taler angegeben war. Durch Diese Geschenke sollte die Bettelei anr Neujahrstage unterbunden werden. Ein alter Brauch war auch Das Andichten Des „Hoch-Edlen und Hoch- Weisen Magistrats" in allerlei Lobeshymnen, hie auf feines Büttenpapier gedruckt wurden. Dr. G. Der Zirkus ist da! „Beim kleinsten Jahrmarktzirkus", so schreibt Der Maler Eugen Oßwa 1D in einem von ihm selbst farbig bebilderten Aussatz hes Januarheftes von 23 elhagen & Klasings Monatsheften „erwartet man Pferde, Dressierte Pferde. Handstände. Athletenarbeit, Kautschuk, Arbeit am Trapez und römisches Ringen — das macht noch keinen Zirkus. Pferde geben dem Unternehmen erst das Recht, sich Zirkus zu nennen. Es sind oft recht arm und müh aussehende Tiere, Die im kleinen Kreis herumhoppeln, über Stangen hüpfen und Der kleinen Miß Ella als Voltigierpferd dienen. Wenn dann die Besucher — 1. Platz 30 Pf., 2. Platz 20 unb Galerie 10 Pf. — zu lächeln anfangen, von Hutteln, Kleppern oder Schindermähren sprechen. Dann möchte man am liebsten sagen: Stiftet Den Tieren Hafer und Heu, Dann werden sie bald wohlgenährter aussehen, und Das Wiehern roirD sich wie ein Ausdruck von Lebensfreude anhören. Hier wirb manchmal sehr gute Arbeit geleistet. Bei Dem mangelhaften Verständnis der zuschauenden Menge ist es Dann nicht Reklame, sondern fast notwendig, daß der Herr Direktor an* kündigt: ,Mache das verehrliche Publikum Darauf aufmerksam, daß der Trick, der wo jetzt kommt, sehr schwer ist. Ich bitte daher um äußerste Ruhe und Aufmerksamkeit!* Der Mann an her Drehorgel kurbelt rasch noch einige Umbrehungen, Der Direktor gibt das Zeichen, die Musik bricht ab, unb Der Pony .macht sein Sach ganz wunderschön! Bravo! Bravo? Man möcht's fast nicht für möglich hatten!*" Und solche Pferde helfen auch noch den Wohnwagen auf der Landstraße ziehen. Man möchte wünschen, daß dieser Aufruf des ausgezeichneten Münchner Malers, eines begeisterten Zirkusfreundes, überall offene Herzen fände. Hessens Handballelf hat viel vor. Reffens Handballer werden in den nächsten Wochen und Monaten neben den Meisterschaftsspielen noch einige Gaukämpfe erledigen. Spiel- Vereinbarungen wurden bisher mit den Gauen Mittelrhein, Württemberg und Baden getroffen, doch ist bisher lediglich der Kampf gegen Mittelrhein (zum 15. Januar nach Koblenz) fest abgeschlossen. Als Austragungsort für das Rückspiel gegen Mittelrhein ist Gießen vorgesehen. Der Rückkampf gegen Württemberg wird wahrscheinlich nach Hanau gelegt und zwei Spiele gegen Baden sollen im April oder Mai im Gebiet Baden und in Fulda stattfinden. Die Meisterschaftsspiele der Gauklasse werden am 8. Januar fortgesetzt. Eine Winterbahn-Meisterschaft der Radfahrer? Die Dortmunder Westfalenhalle hat die Absicht, in dieser Saison eine Winterbahn-Meisterschaft der Radfahrer durchzuführen und sich dabei an das Muster der Meisterschaften der Pariser Winterbahn anzuschließen. Wenn dieser Plan vom Deutschen Radfahrerverband genehmigt wird, sollen acht unserer besten Steher zusammengebracht werden, und zwar Metze, Lohmann, Schön, Stach, Hoffmann, Merkens, Umbenhauer und Bautz. Als Termin ist der 5. Februar vorgesehen. Norwegen gegen den „Rest der Welt". Am 11. und 12. Februar feiert der Norwegische Schlittschuläuferverband sein 45jähriges Bestehen mit einer internationalen Schnellaufveranstaltung, in deren Mittelpunkt ein Kampf Norwegens gegen den „Rest der Welt" steht. Das Tressen führt über die vier Strecken 500, 1500, 5000 und 10 000 Meter. Als wahrscheinliche Gegner der norwegischen Schnellläufergarde werden u. a. die beiden Deutschen Stiepl und Wazulek genannt, die im Augenblick allerdings gerade ihre Dienstpflicht ableisten. Europa-Eiskunstlauf-Meisterschaften der Frauen. Der britische Eislaufverband als Veranstalter der Europameisterschaften im Kunstlaufen der Frauen am 23.Z24. Januar in London teilt mit, daß zu vieler Meldungen wegen Sperrbe- stimmungen erlassen werden mußten Jede Nation darf nun nach einer Sonderbestimmung des Internationalen Verbandes nur vier Läuferinnen melden. Partei und Staat als Sportträger. Durch einen Erlaß des Führers und Reichskanzlers ist der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen unter der Bezeichnung „Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen" unter die Obhut der Partei gestellt worden. Das bedeutet, daß nunmehr die Partei das weitausgespannte Gebiet der Leibesübungen betreut, also die deutschen Menschen, die sich irgendeiner sportlichen Tätigkeit widmen, deren Pflege zu den Aufgaben des Neichsbunües gehört. Der Reichsbund, der bisher zwar staatlich organisiert und geleitet war, aber nicht eine staatliche Funktion als solche aus- übte, wird auf seinem Gebiet zum Hoheitsträaer, ist nicht nur Beauftragter, sondern auch Repräsentant. An und für sich ist das eine bedeutsame Neuerung, denn die Leibesübungen werden nunmehr zur Angelegenheit von Partei und Staat, erfassen das ganze Volk, um es gleichermaßen auch körperlich und seelisch zu ertüchtigen und zu entwickeln. Daß der Reichsbund in Zukunft hie Bezeichnung „Natio- nÄsozialistischer Reichsbunü für Leibesübungen" führt, bildet in gewisser Hinsicht ein Gegenstück dazu, daß Organisationen ähnlicher Art im Auslande auf den Hoheitsträger abgestempelt sind. So gibt es in den Niederlanden einen Königlich-Niederländischen Fußballoerband, ebenso eine Organisation mit ähnliche Bezeichnung in Schweden. Ganz ab- ges-ehen davon, daß es zu einer alten Tradition in England gehört, auch Organisationen, die sportlichen Zwecken dienen, als königlich-britische Einrichtung firmieren zu lassen. Es bedeutet weiter, daß alles, was mit Leibesübungen zusammenhängt, zumal dann, wenn es sich repräsentativ im Auslande betätigen soll, als großdeutsche Abordnung nicht etwa nur von der engeren Organisation beauftragt und abhängig ist, sondern von der Partei selbst, also dem Hoheitsträger des Reiches schlechthin. Hefter allem steht, daß die Leibesübungen eine Angelegenheit und Sache sind, die zwar als solche im freien Sektor einzelner Verbände ausgeübt wird, die aber unter Leitung und Ueberwachung der Partei steht. Das Reich selbst sichert den Vollzug aller Maßnahmen, die irgendwie die sportliche Tätigkeit angehen, wobei streng darauf zu achten ist, daß es sich hier um die Gruppen- und Sportarten handelt, die im Reichsbund für Leibesübungen bisher schon organisiert sind. Das Nationalsozialistische Kraftfahrerkorps sowie das Fliegerkorps, endlich der Wehrsport, bleiben davon unberührt. An der Spitze des Nationalsozialistischen Reichs- bundes steht der Reichssportführer, der kraft dieses Amtes vom Führer und Reichskanzler beauftragt ist, alle die Maßnahmen zu treffen und zu überwachen, die die sportliche Tätigkeit angehen. Wie sich das auf dem ersten großdeutschen Turn- und Sportfest in Breslau gezeigt hat, gewährleistet die enge Verbindung von Partei, Reich und Sportverbänden nicht nur rege sportliche Arbeit, sondern auch eine Höherentwicklung aller Sportarten und Wettkämpfe. Das gilt sowohl für die Wettkämpfer des Inlandes, als auch für die im Ausland, also nicht nur für die olympiscken Kämpfe als vielmehr auch für die internationalen Treffen, auf denen die Bestleistungen festgestellt werden. Für den Nachwuchs galt ja bisher schon die Bestimmung, daß die Voraussetzung für jede sportliche Tätigkeit in einzelnen Gruppen und Verbänden die Mitgliedschaft bei der Hitler-Jugend ist. Ein Unterbau war also schon vorhanden, auf dem sich der Uefterbau des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen nunmehr kraftvoll und ■ machtvoll erhebt. Kurze (Sportnotizrn Das Sportprogramm des Neujahrstages schmilzt mehr und mehr zusammen. In ganz Süddeutschland aibt es keine Gauligaspiele im Fußball und Handball, auch die Kreispokal- Spiele des Gaues Südwest und der Freundschaftskamps Eintr. Frankfurt — VfB. Stuttgart wurden abgesagt. Ebenso fallen der Rugbykampf Bour- gogne — Baden in Dijon und die schwäbischen Schi-Titelkämpfe im Abfahrtslauf in Oberstdorf dem Wetter zum Opfer. ♦ Der Rastend urger E V. ist nach seinem 2:2-Unentschieden gegen VfK. Königsberg auch diesmal wieder Ostpreußens Eishockey-Merfter. Deutsche Amateurboxer, und zwar die Berliner Campe und Krahl, sowie der Bonner Voosen, werden sich auch 1939 wieder an den englischen Polizeimeisterschaften am 1. Februar in London beteiligen. * Reiter aus neun Nationen — Frankreich, Polen, Belgien, Rumänien, Ungarn, der Tschecho-Slowakei, Italien, Schweden und Deusich- land — beteiligen sich am Internationalen Turnier vom 27. Januar bis 5. Februar in der Berliner Deutschlandhalle. Rundfunkprogramm. Sonntag, 1. Januar. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.10: Evangelische Morgenfeier. 8.50: Rechenschaft und Bekenntnis. Von Goswin P. Gath. 9: Deutsche Meister. 9.45: Dichter unserer Zeit. Karl Götz: Bei den Rußlanddeutschen in dem nordamerikanischen Staat Süd-Dakota. 10: Kater-Frühstück („Flüssige Melodien"). 10.30: Ruf der Jugend zum neuen Jahr. Gar fröhlich zu singen, so heben wir an... 11: Eng ist das Leben, und weit ist das Land... Hörfolge mit Musik zum 60. Geburtstag des Dichters Erwin Guido Kolben- Heyer (31.12.). 11.30: Affen — Kater — Möpse. Haustiere" am Neujahrsmorgen. — Kurioses aus der Tierwelt —. 12: 22 Länder Europas wünschen der Welt ein glückliches neues Jahr. 12.15: Musik am Mittag. 13: Das Mikrofon unterwegs. 13.15: Musik am Mittag (Fortsetzung). 14: Kasperlstunde für groß und klein: 14.30: Sportereignisse des Sonntags. Ein Reigen sorgloser Melodien. 15.30: „Das neue Jahr hebt an." Hörfolge mit Musik. 16: Musik zur Unterhaltung. Einlage 17 bis 17.10: Sportereignisse des Sonntags. 18: Volkstum und Heimat. Alemannischer Bauernkalender. 18.30: In froher Runde 'ne halbe Stunde! 19: Der Tag der kleinen Freude. Ein heiterer Vorschlag zur „Güte" von Herbert Witt. 19.45: Sportspiegel des Sonntags. 20: Nachrichten. 20.10: Das Christelflein. Spieloper. 22: Nachrichten. 22.20: Sportbericht. Montag, 2. Januar. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Wir wollen uns auf unsere Kraft besinnen. Eine Werkfeier zum Jahresbeginn. 9.40: Kleine Ratschläge für den Garten und die Zimmerpflanzen. 11.30: Ruf ins Land. 12: Schloßkonzert I. 13: Nachrichten. 13.15: Schloßkonzert II. 14: Nachrichten. 14.15: Diel Vergnügen! 15: Für unsere Kinder: Wir basteln einen Kalender für das neue Jahr. 15.30: Jdar-Obersteivsr Edelsteinschleifer in Brasilien. 15.45: Politischer Scheinwerfer. 16: Nachmittagskonzert. Einlage 17 bis 17.10: „Weltchronisten, Quacksalber und Propheten." 18: Hier spricht der Jurist: Wenn der Erbhofbauer stirbt. 18.15: Von Terzen, Quinten, Stich und Hieb. 18.30: „Wie oft sind wir geschritten." Eine Hörfolge über unsere Kolonien. 19.15. Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 20: Nachrichten. 20.15: Stuttgart spielt auf. Heitere Feierabendmusik. 22: Nachrichten. 22.20: Zwischenmusik. 22.30: Kamerad, wo bist du? 22.45: Nacht- und Tanzmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) M., Goethestrahe. Lebte der im Felde gefallene Ehemann im gesetzlichen Güterstand der Verwaltung und Nutznießung, so wurde er, falls eine letztwillige Verfügung (Testament oder Erbvertrag) nicht vorlag, gesetzlich zur Hälfte von seinen Eltern, sofern diese im Zeitpunkt seines Ablebens noch lebten, zur andern Hälfte von seiner Ehefrau beerbt, der auch der Hausrat zufiel. Das Kind aus zweiter Ehe hat feine Mutter gesetzlich bis zu 8/< beerbt, während das restliche V« dem Hinterbliebenen Ehegatten zusteht. An dem hinterlassenen Sparguthaben des ersten Ehemannes seiner Mutter ist es daher mit Vs berechtigt. Lebten im Zeitpunkt des Todes des im Felde gefallenen Ehemannes dessen Eltern nicht mehr, so sind gesetzliche Erben der dritten Ordnung die Großeltern des Erblassers und deren Abkömmlinge geworden; lebte zur Zeit des Erbfalls von den väterlichen oder mütterlichen Großeltern der Großvater oder die Großmutter nicht mehr, so erbt der Ehegatte des Erblassers auch den Teil den Nachlasses, der dem weggefallenen Großelternteil beim Erleben des Erbfalls zugefallen wäre. Von diesem erhöhten Erbteil der Mutter hätte das überlebende Kind bei gesetzlicher Erbfolge alsdann 3/< geerbt. Wirtschaft * Carl Miele in Gütersloh f. Der Gründer der Mielewerke AG. in Gütersloh und Ehrenbürger dieser Stadt, Carl Miele, ist im Alter von 70 Jahren nach einem arbeitsreichen Leben im 40. Jahre der Gründung seines Werkes gestorben. Um den Ausbau des von ihm gegründeten Unternehmens und um die wirtschaftliche Förderung seiner Heimat durch die Arbeit seiner Werke hat sich der Verstorbene bleibende Verdienste erworben. Rhein-Mainische Börse. Still, aber freundlich. Fran kfurt a. M., 30. Dez. Entgegen den vorbörslichen Erwartungen zeigte die Börse am Aktienmarkt ein freundliches Gepräge, da vorwiegend mäßige Käufe erfolgten, während sich die letzttätigen Abgaben im Zusammenhang mit dem Jahresultimo weiter vermindert haben. Die Unternehmungslust blieb im ganzen aber noch klein, so daß die Umsätze keinen besonderen Umfang erreichten, wie auch wieder sehr viele Schwankungswerte mangels Umsatzes anfangs imnotiert blieben. Im Dunhschnitt Tagen die Erhöhungen bei 0,25 bis 0,50 v. H. Von Maschinenaktien traten Demag nach der gestrigen Schwäche mehr hervor mit 144,25 bis 145 (142,75). Sonst setzten vorerst ein: Reichsbank 186,50 (186), Mannesmann 107,90 (107,25), Verein. Stahl 104,50 (104,25), IG. Farben AEG. mit 113, Zement Heidelberg mit 146,50 und 151 (150,50), Rheinmetall 129,25 (128,75), Metallgesellschaft 118,25 (118), Feldmühle Papier 117,50 (117,25). Unverändert lagen Hoesch mit 107,50, Scheideanstalt mit 200. Aschaffenburger Zellstoff bröckelten noch 0,25 v. H. oft auf 107,75. Am Rentenmarkt zeigte sich in Vorwirkung des großen Zinstermins eher Kaufinteresse. Besonders fest lagen auf den bevorstehenden Kupon- abgang Reichsbahn-VA. mit 125 (124,25); Reichsaltbesitz zogen auf 127,60 (127,40) und im Frei- verkehr Kommunal-Umschuldung bei größeren Um» sotzen aus 92,40 (92,13) an. Am Einheitsrenten- markt war das Geschäft hingegen noch ziemlich still, auch wiesen die Kurse kaum Veränderungen auf. Allgemein etwas befestigt waren jedoch Liqui- dattonspfandbriefe, Franks. Hyp. 100,50 (100,30), Rheinische 100,50 (100,30), Meininger 100,50 (100,30). Von Stadtanleihen stiegen 1928er Mainz auf 96,50 (96). Industrie-Obligationen waren nahezu unverändert, etwas niedriger 5 v. H. Gelsenkirchen Berg mit 99,90 (100,25). Fest lagen Deko- sama I und II mit 134,65 (133,75) bzw. 150,40 (149,50). Reichsbahn-VA. waren im Verlause mit 125 angeftoten. 3m Freiverkehr wurden genannt: Dingler mit 99 bis 101, (Elfäff. Wolle mit 90 bis 91, Verein. Fränk. Schuh mit 79 bis 81, Katz & Klmnpp mit 92 bis 93. — Tagesgeld unverändert 2,75 v. H. Abendbörfe sehr ruhig. Auch an der letzten Abendbörfe im Jahre 1938 war das Geschäft mangels Kundschaftsbeteiligung überaus still, so daß sich die Feststellung der Kurse größtenteils ohne Umsatz vollzog. Die festere Grund- ftimmung des Mittagsverkehrs konnte sich jedoch erhalten, was auch in zumeist gut behaupteten No- tierungen zum Ausdruck kam. Geringe Abweichungen hatten nur Buderus mit 105 (104,50), Adlerwerke mit 103,50 (103,25), Demag mit 145,50 (145), Rheinmetall mit 129,50 (129,25) und Metallqesell- ichoft mit 117,90 (118,25). Sonst notierten u. a.: IG.-Farben 150,75, Mannesmann 108,40, Rhein stahl 132,50, Verein. Stahl 104,50, Bemberg 132,75, Deutsche Erdöl 121, Scheideanstalt 200, Licht und Kraft 130,75, Gesfürel 129,75, VDM. 170. Auch Großbankaktien kamen wie mittags zur Notiz, Commerzbank 111,50, Deutsche Bank 115,50, Dresdner Bank 107,75, ferner Effektenbank mit 86. Von Ren- ten stellten sich 5proz. Gelsenkirchen Berg 0,50 v. H. hoher auf 100,40, 6proz. JG.-Farben auf unv. 117,25, ebenso im F.eiverkehr Kommunal-Umschul- düng auf 92,40. Die Gilvesterpfannkuchen. Von Christine Großmann Bei Schmidts war es Traditton, in einige der Pfannkuchen zu Silvester kleine Zettelchen mit sinnigen Derschen zu stopfen. Früher hatte Vater Schmidt mit seiner safttgen, manchmal etwas derben Komik diese Derschen zusammengestottert — jetzt aber war Ilse erwachsen genug, daß sie zum ersten Male den Versuch wagen wollte, sich dichterisch zu betätigen. Außerdem gab es einen zweiten, für Ilse ungemein wichtigen Grund, in diesem Jahr die Zettelchen und ihre Beschriftung zu übernehmen. Für die Feier hatten Schmidts nämlich einige Bekannte eingeladen, darunter Hans und Peter, zwei junge Studenten, die Ilse verehrten, vielleicht sogar liebten. Es war nun so, daß Ilse eigentlich nicht recht wußte welchen von beiden sie lieber mochte — der wichtige Grund also: das Schicksal sollte entscheiden! Bei der Arbeit des Versemachens kamen Ilse allerdings Zweifel an ihrer dichterischen Begabung; aber dies Problem war schnell überwunden... Wozu gab es einen Wilhelm Busch, einen Ringel- natz, den unbekannten Dichter Hieronymus Silvester und den Zitatenschatz! Fein säuberlich schichtete sie die elf Zettelchen übereinander, jeder mußte natürlich einen bekommen, es kam nur darauf an, wer den richtigen bekam und Ilse zweifelte nicht im mindesten an der Macht ihres Orakels. So kam der Silvesterabend heran. Der Punsch dampfte aus der sehr beachtlichen Terrine, die elf bewußten Pfannkuchen lagen etwas vereinsamt auf einer Extraschüssel, Vater Schmidt begutachtete noch einmal das Arrangement der Papierfcblangen, Knallbonbons und kleinen, heiteren Sächelchen (die Streichholzschachtel mit der Maus, den quietschenden Bierfilz, die Knallerbsen usw.) — es war alles in bester Ordnung, die Gästen konnten kommen. Als erste erschien Tante Milchen, Vaters unverheiratete Schwester, die nicht nur als Erbtante, sondern auch des Schmidtchens Humor wegen beliebt war. Dann betrat lärmend und seideknisternd Familie Kaminski das Zimmer, bestehend aus Vater, Mutter und besagtem Sohn Hans, stud. med. Ilses Freundin Hertha kam mit ihrem Bruder Peter, stud. phil., und als letzte folgte ihnen das junge Ehepaar Grieftr. Die Bgrüßung war vorüber, man wartete auf das große Silvester-Amüsement. Gibt es etwas Groteskeres, als eine Reihe ernsthafter Leute, die sich mit dem festen Vorsatz: ,^)eute wollen mir aber mal lustig fein!* in einem jahrmarktmäßig herausgeputzten Zimmer zwanglos gruppieren?! Und gibt es etwas Komischeres, als zu sehen, wie ernsthaft diese Leute auf ihrem Vorsatz zu beharren gesinnt sind?! Vater Schmidt ging scbmunzelnd herum — er und seine Schwester Milcyen waren wohl die einzigen, die nicht nur am Silvesterabend lustig waren — und setzte jedem einen dieser bunten, leicht blödsinnigen Hütchen auf, die selbst aus dem seriösesten Mann eine Karikatur machen. Programmgemäß folgte auf diese „Einkleidung" der erste Heiterkeitsausbruch. Vater Kaminski schritt männlich aufrecht zum Tisch, spießte einen der Pfannkuchen auf den Zeigesinger und sah sich triumphierend im Kreise um, wobei er — als sein bestes Publikum — in eine drohende LachL ausbrad). Ilse lachte mit, denn es war keiner von' den bewußten elf. Es ging lustig zu bei Schmidts, die junge Frau Grieser konnte die gayzen Register ihrer Angst aufziehen, als ihr aus der Streichholzschachtel die kleine Gummimaus entgegensprang und Mutter Schmidt setzte sich mit Todesverachtung auf den quietschenden Bierfilz, was alles sehr erheblich zur allgemeinen Heiterkeit beitrug. Als man endlich feststellte, daß nur noch eine Stunde bis zum Anbruch des neuen Jahres fehlte, hatten alle, einschließlich Tante Milchen, einen Schwips. Ilse saß selig, aber mit einigem Bangen zwischen Hans und Peter, und wußte noch immer nicht, welchen sie lieber mochte. Der Punsch hatte sie überdies so leichtfertig gemacht, daß sie glaubte, eine Entscheidung für einen wäre überhaupt Unsinn! Weshalb nicht beide? Wo dock) beide so nett waren! Aber Vater Schmidt wollte endlich mit der Tradition zu Rande kommen und verkündete — in nicht sehr gutem Schriftdeutsch, daß diese elf Pfannkuchen und so, na, und jeder sollte sich eben einen nehmen, dann würde man ja sehen! Jeder langte sich also einen Pfannkuchen von der Extraschüssel, obwohl keiner mehr Appetit auf Pfannkuchen hatte, überflüssig zu sagen, daß Vater Kaminski den {einigen mit dem Finger aufspießte, wobei er in eine dröhnende Lache ausbrach. Dafür durfte er auch als erster feinen Vers vorlesen, was er gern und mit lauter Stimme tat: „Humor ist eine zarte Pflanze, die man behutsam pflegen muß!" Alles lachte, und Vater Kaminski lachte am lautesten, denn er verstand den Sinn nur so weit, als es seine Eitelkeit zuließ. Als nächste verkündete Tante Milchen frei nach Wilhelm Busch, Enthaltsamkeit sei das Vergnügen in Dingen, welche wir nicht kriegen. Die gute alte Tante war fast gerührt. daß man aus ihrem unglücklichen Leben sogar etwas wie eine philosophische Weisheit machen konnte und gab das Wort an Mutter Kaminski weiter, die mit gräßlich falscher Betonung beteuerte, daß es nur ein einziges böses Weib auf dieser Welt gäbe ... „nur schlimm, daß jeder seins für dieses Böse hält!" Dies wäre fast zu einer Klippe der ausqebrochenen Fröhlichkeit geworden, denn Mutter Kaminski war ein bißchen empfindlich; aber Vater Kaminski betonte ausdrücklich, daß er nie gemeint hätte ... das käme überhaupt nicht in Frage! Und man glaubte ihm. So las einer nach dem andern seinen Vers, dis nur noch vier übrig waren. Ilse beugte sich atemlos vor, denn jetzt griff Peter nach seinem Zettel und las: „Das Leben ist der Güter höchstes nicht, der liebel größtes aber ist die Schule." Hans brüllte los. „Na, mein Lieber, da würde ich doch lieber von der Philologie umfatteln!" aber er hätte nicht so laut lachen sollen, denn jetzt ging die Heiterkeit auf feine Kosten: „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es könnt geladen sein!" — „Und das einem Mediziner!" schmetterte ihm Peter boshaft entgegen. — Der Zufall war witzig genug gewesen, jedem etwas Passendes zu bescheren; aber Ilse war ärgerlich, sie hatte sich die Verteilung so ganz anders vorgestellt — wer tonnte nur den bewußten Zettel haben, auf den es ankam. Aber da las Vater Schmidt schon mit genußreichem Schmunzeln: „Wenn du mich liebst, dann sag es mir! Wenn du mich liebst, dann küß mich hier!" „Pa, dann komm mal her, mein Herz", meinte er und küßte seine Tochter lachend auf den Mund, dabei flüsterte er ihr so laut ins Ohr, daß alle es hören konnten: „Reingefallep!" Ilse wurde knallrot und lief aus dem Zimmer. Als sie nach ein paar Minuten wieder erschien, waren drei Dinge geschehen. Erstens: hatte Ilse sich vorgenommen, im nächsten Jahr mit der Pfannkuchen-Verschen-Tradi- tion zu brechen, zweitens: war der letzte Zettel verschwunden — Ilse batte ihn unterschlagen — und drittens: zeigte die Uhr auf 12. Die Gläser klangen, von der Straße herauf tönten „Proft-Neujahr"-Nuse und das Knallen der kleinen Feuerwerkskörper, und auf jedem Platz lag ein zerkrümelter Pfannkuchen. Der verschwundene Vers aber war ein einge» schmuggeltes Erzeugnis von Vater Schmidts bewährter Dichtkunst und zeigte, daß Vater manchmal viel schlauer sind als ihre Töchter. Er hicß: .Meine Mädchen wünschen viel. Manchmal ist ein Kuß das Ziel. Liebes Mädchen, merke dir, Hans und Peter sind erst für viel später!" Vom Eilvester-punsch. Im Jahre des Herrn 1690 erschien zu London ein Buch „Reisebericht aus Ostindien und Persien", in dem ein^ vielerfahrener Reisender namens Fryar von den Sitten und Gebräuchen in jenen fernen Ländern erzählte. An dieser Reisebeschreibung interessieren uns heute weniger die Wunder' und Herrlichkeiten der Natur, die hier beschrieben sind, als seine Mitteilung über ein neues Getränk für alle fröhlich Silvester Feiernden. Fryar teilte näm- Uch den Briten, die für alkoholische Neuigkeiten sehr empfänglich waren, ein Getränk mit, das in den ostindischen Kolonien aufgekommen war. Es bestand aus fünf Stoffen und hatte daher feinen Namen nach dem indischen Wort für die Zahl 5, nämlich „Pantscha", erhalten. Es war der Punsch, der auf diese Weise seinen Einzug in Europa hielt. Bald hatten die Engländer eine große Geschicklichkeit darin erlangt, die fünf Elemente des feurigen Trankes richtig zu mischen: eine Säure (Zitronensaft), eine Süßigkeit (Zucker), ein Gewürz, eine geistige Flüssigkeit (Rum, Arrac, Cognac usw.) und als fünftes Wasser, mußten dabei sein. Der Punsch fand bald seinen Weg nach dem Kontinent; aber zunächst gewannen ihm nur die Holländer, die ebenfalls über ausgepichte Kehlen verfügten, den „steifen Magenwärmer" Geschmack ab. 3n Deutschland mußte erst ein trinkfester Herr kommen, der das Punschtrinken einführte, und der land sich erst im alten Dessauer, der nach der Melodie feines Leibliedes „So leben wir ..die „Saufkomvagnien" nicht verschmähte. Er brachte den Punsch ins Tabakskollegium des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm, in dem holländische Sitten überhaupt bevorzugt wurden. Der berühmteste Sänger des Punsches ist Schiller geworden. In seinem bekannten Punschlied ver- fterrlicht er aber nur vier Elemente, da den Deutschen die bei den Engländern so beliebte Gewürzzutat nicht zusagte. Auch die Romantik ließ bei geistreichen Reden fröhlich die Punschgläser erklingen, und noch in den vierziger Jahren wurde in geselligen Zirkeln hauptsächlich Punsch getrunken. Die ausgelaufenen Geister bunter Phantastik, die aus dem Dampf der Punschterrine aufsteigen und die Gemüter mit feurigen Visionen umnebeln, treiben besonders in den Erzählungen E. T. A. Hoffmanns ihren Spuk, und von ihm wurde der Trank auch zum eigcnN-cfr-' Silvester- getränt erhoben, als das c. ,:i.) :■ in unsere Zeit e.rhalten hat. K™ Shvins -Melchior-Mer Hessenquell - Pilsner Export und zu den Feiertagen das beliebte BodcblCt (Starkbier) R63D am 1. Januar 1939 87720 in der Evans. Stadtmission, 20 Ehr. HEUTE SILVESTER - 20 Uhr die ausgelassene Silvesterstimmung bringt nur Zeit gewinnen 8526D SONNTAG NEUJAHR 8815T> Fernsprecher 3267 H. Alebrbeim facbgescbäft Marktstraße 9/11 Gießen für Kautsch ♦ Sessel JVIatratzen Löberstrasse 17 8869 A Zeit 19.30-20.30 Uhr 8634 A 20.30-21.30 Uhr die besten Wünsche zum neuen Jahre! Sprechstunde des Schulleiters: Stud.-Ass. Walther, tagt, von 11*13 Uhr. Fernruf 2129 Bitte ausschneiden und auf heben! TC.it dem Stadttheater ins neueJahr! 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Erlernung der 10-Finger-RHnd- Nchreibniethode Preise: RM. 8.-, Angehörige der Wehrmacht, Mitglieder und Lehrlinge RM. 6.-. 20.30-21.15 Uhr 2. Fortbildung (Ziel: Sicher- | heit und Geschwindigkeit) I Preise: RM.5.-, Angehörige 1 der Wehrmacht, Mitglieder und Lehrlinge RM. 3.- 21.15-22.00 Uhr 3. Übungen für Praktiker Preis für Mitglieder RM. 2- Anmeldung und Auskunft schriftlich oder mündlich bei Ortsvereinsführer Hans Werner, Tannenweg 30, oder zu Beginn des Unterrichts. Wir betreuen außer unseren Mitgliedern Beamte, Schüler, Wehrmachtsangehörige und Privatpersonen,soweit letztere nichtMitglied der Deutschen Arbeitsfront sind. Deutsche Stenografenschaft Ortsverein Gießen 8913i Öffentliche Handelslehranstalt der Industrie- und Handelskammer Gießen Wernerwall 11/15 • Handelsschule für Jungen Handelsschule für Mädchen einjährige Höhere Handelsschule zweijährige Höhere Handelsschule (Wirtschaftsoberschule) Voraussetzung für die Handelsschule ist achtjähriger Schulbesuch und Bestehen einer Aufnahmeprüfung. Es findet nur eine Aufnahmeprüfung statt. Verspätete Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden. Für die Höhere Handelsschule wird Sekundareife oder Mittel- schulreife verlangt. Eine Aufnahmeprüfung ist nicht vorgeschrieben. Anmeldungen werden frühzeitig, möglichst jetzt schon, erbeten. Ausführliche Druckschrift kostenlos. Fernruf 2480 - ___________________8567P Zhre Verlobung geben bekannt Minna Schmitt Wilhelm Eichmann Schühenstraße 11 Ederstraße 1 Gießen, Neujahr 1939 05696 Zhre Verlobung geben bekannt Lina Listmann Friedrich Horn Gießen Rödgen Neujahr 1939 05687 2)oris Ijüefjr/jeim Srnst Sdjmitt, Architekt zeigen ihre Verlobung an Gießen Silvester Frankfurt a M. Asterweg 56 1938 Neustadt-Odenw. ______________________________________________8809V J Wir haben uns verlobt Friedel Höß Erich Kauder Gieren Dresden (Ludendorfuser 21) Dresden Silvester 1938 05737 Wenn die Frage der Aussteuerbeschaffung in Bettwaren und Wäsche an Sie herantritt, wollen wir Sie gern beraten, um Sie gut und preiswert zu bedienen. Wir grüßen unsere Kundschaft mit den besten Wünschen für das kommende Jahr! C. Röhr & Co. Bahnhofstraße 44 8847A Cafe Leib SONNTAG, den 1. Januar 1939, ab abends 8 Uhr Wirtanzen in’s neue Jahr! Die Musik wird ausgeführt von Mitgliedern der Kapelle des Infanterie-Regiments 116 Eintritt 50 Pfennig HOTEL SCHUTZ Große 8801 d Silvesterfeier «StMMVNEMMMlWSSSS Hausverwaltungen übernimmt 05710 Geh. Mistel, fiie&eii Marburger Strafte 100 Telefon 2538. Eintritt 50 Pfennig NttvsGttelbevs l. Januar (Neujahrstag) nachmittags ab 3 Uhr; T AN Z Musik wird ausgeführt von Mitgliedern des Inf.-Regts. 116 Abends ab 11.30 Uhr steht ein Omnibus zur Rückfahrt nach Gießen bereit 8867D Ihre Geschäftsdrucksachen Stellen die Verbindung ner zu Ihren Erzeugnissen Man stellt eich die Beschaffenheit Ihrer Waren so vor. wie man Briefbogen. Briefumschläge. Postkarten, Rechnungen. Geschäfts karten Ihres Hauses beurteilt. Legen Sie deshalb Wert auf gepflegte Drucksachen 1 Wir bieten eie Ihnen Briihl’sche Druckerei, Schulstr. 7, Ruf 2251 Nr. 3116 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)Samstag, 3l. Dezember (938 Ein Lahr erfolgreichster Arbeit der Stadt Gießen. Guie Bilanz. In diesen letzten Stunden des Jahres 1938 Wir Baben den Leiter der Stadt Gkeßen, )berbüraermeister Ritter, gebeten, uns zum Jayreswechsel eine Uebersicht über den heutigen Stand der wichtigsten Angelegenheiten der Stadt Gießen zur Verfügung zu stellen. Dieser Bitte entspricht der Oberbürgermeister mit dem nachstehenden Aufsatz. D. Schriftltg. Das abgelaufene Jahr war für die Stadt Gießen ein Jahr erfolgreichster Arbeit auf nahezu allen Gebieten der Verwaltung. In noch viel stärkerem Maße, wie sich die verderbliche Reichspolitik der Systemzeit auf die Gemeinden auswirkte und sie schrittweise mit, in den Abgrund riß, wirkt sich die zielbewußte und klare Linie der Aufwärtsentwicklung auch auf die Gemeinden aus. Wenn auch nicht ganz in dem Tempo der privatwirtschaftlichen Kapitalbildung, die aus dem Gefamtfteueraufkommen deutlich zum Ausdruck kommt, so wirkt sich doch die Finanzpolitik des Reiches in ganz hervor- ragender Weise auch auf die Finanzen der Gemeinden aus. Besonders die großen geschichtlichen Ereignisse, die unser Vaterland durch die energische Führung Adolf Hitlers zu Großdeutschland werden ließen, haben sich auf unsere Stadt in der mannigfaltigsten Art und Weise bereits ausgewirkt, und sie werden in den kommenden Jahren noch besonders , in Erscheinung treten. Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung unserer Stadt ist die Bildung des selbständigen Stadtkreises auf Grund des Gesetzes vom 9. August 1938. Der Stadt Gießen sind hierdurch neue Aufgabengebiete zugefallen, die seither der Zuständigkeit des Kreisdirektors bzw. des Polizeidirektors unterlagen. Im Zusammenhang hiermit und insbesondere durch die in Kürze bevorstehenden Eingemeindungen von Wiese ck und Klein-Linden hat sich die Notwendigkeit einer Umorganisation unserer Stadtverwaltung ergeben. An diesen Aufgaben wird zur Zeit gearbeitet, und es ist zu hoffen, daß hiermit gleichzeitig eine weitere Vereinfachung der Verwaltung verbunden werden kann. Besonders vorteilhaft hat sich die im abgelaufenen Jahre der Stadtverwaltung angegliederte Preisbildungsstelle für Mieten und Pachten ausgewirkt, *i)ie von der Bevölkerung schon reichlich in Anspruch genommen wird. Ferner ist im Zusammenhang mit der Bildung des Stadtkreises Gießen ein Verwaltungsgericht errichtet worden, das in Kürze seine Tätigkeit auf- nehmen wird. Mit der Verbesserung unserer Verkehrsver- !h ä l t n i s s e ist begonnen. Die neue Straßenführung am Kirchenplatz jft inzwischen fertiggestellt, und weitere Auflockerungen und bessere Durchfahrten in der Altstadt werden folgen. Das große Geschäfts- und Wohngebäude gegenüber der Stadtkirche, bestehend aus 9 Läden und 24 Wohnungen, ist im Rohbau fertig. Es fügt sich in den Rahmen dieses Stadtviertels gut ein. Die architektonische Lösung kann als ausgezeichnet betrachtet werden. Auch die Straßenverbreiterung Gartenstraße, Lud- wigsplatz, Kaiserallee bis zur Moltkeftraße ist durchgeführt, die Verbreiterung der Licher Straße wird auf dem Fuße folgen, womit erreicht ist, daß diese Straßen dem steigenden Verkehr als Zubringerstraßen zur Reichsautobahn künftig in jeder Beziehung gewachsen sind. Auch die elektrische Straßenbeleuchtung wurde sowohl in diesen Stra- ßenzüge-n als auch in anderen Straßen erheblich verbessert. Der S'traßenbahnbetrieb konnte ebenfalls weiter ausgebaut, werden, um auch den erhöhten Anforderungen des Verkehrs gerecht zu sein. Zwei weitere Omnibusse wurden bereits in Betrieb gestellt, und es ist vorgesehen, Anfang 1939 nochmals zwei Omnibusse anzuschaffen, damit das Kliniksviertel und der Vorort Klein- Linden in das Verkehrsnetz unserer Stadt einbzogen werden können. Durch eine großzügige Umgestaltung des gesamten Straßenbahnverkehrswesens, Schaffung neuer Linien, hoffen wir, noch im Jahre 1939 den berechtigten Wünschen unserer Bevölkerung gerecht werden zu können. Auch im Jahre 1939 werden wir der W o h - nungssrage unsere besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Im abgelaufenen Jahr wurden mehrere hundert Neubauwohnungen im Schwarzlachgebiet und im Eichgärtengebiet und außerdem noch eine Reihe von Einzelhäusern erstellt. Trotzdem macht sich der Mangel an geeigneten Wohnungen noch stark bemerkbar. Die Fertigstellung der Neubauten im Schwarzlach- und im Eichgärtengebiet hat sich durch die politischen Geschehnisse im Sommer und Herbst leider so verzögert, daß der größte Teil dieser Wohnhäuser erst in den kommenden Wachen bezogen werden kann. Dieses großzügige Bauprogramm machte den Bau von Straßen in einem hier noch nicht gekannten Umfang erforderlich. Besonders ist darauf hinzuweisen, daß aus dem gleichen Grund fhit der Errichtung des H I. - Heimes, dessen Erstellung für unsere Stadt ein dringendes Bedürfnis ist, noch nicht begonnen werden konnte. Sowie die Altwohnungen auf der „Schönen Aussicht" frei gemacht und die Gebäude nicdergeleat sind, wird mit dem Neubau des HJ.- Heimes umgehend begonnen werden können. In der Elektrizitätsversorgung unserer Stadt wurden ebenfalls Verbesserungen durchgeführt. So wurden die Ortsnetze Wieseck und Heuchelheim auf eine höhere Spannung umgestellt, um eine größere Sicherheit in der Stromversorgung zu gewährleisten. Die Umstellung des Stromnetzes in unserer Stadt auf W e ch s e l st r o m hat ebenfalls weitere Fortschritte gemacht, sodaß in absehbarer Zeit mit der gesamten Umstellung gerechnet werden kann, was eine gleichmäßigere und vorteilhaftere Stromlieferung für unsere Bevölkerung zur Folge hat und andererseits die Wirtschaftlichkeit unseres Elektrizitätswerkes planmäßig steigert. Dadurch war es auch möglich, schon jetzt der Frage der Umgestaltung der Stromtarife näherzutreten. Mit Wirkung vom 1. Januar 1939 tritt nun ein neuer landwirtschaftlicher Stromtarif in Kraft: ferner soll noch im Jahre 1939 der neue Haushalts- und Gewerbetarif eingeführt werden. Den Verbrauchern wird dadurch die Möglichkeit zur Abnahme größerer Strommengen zu günstigen Bedingungen gegeben. Um eine Verbesserung der Wasserversorgung unserer Stadt zu ermöglichen, wurden im Don Oberbürgermeister Dritter, Gießen. Querfborner Tal vier neue Brunnen gebohrt, die Wasser in genügender Menge liefern.. Damit ist die Wasserversorgung unserer Stadt in den nächsten Jahren als gesichert zu betrachten. Auch hinsichtlich des Markt- und Messewesens kann ein -beachtenswerter Aufschwung in der Besucherzahl als auch in den Umsätzen festgestellt werden. Im abgelaufenen Jahr konnte in Verbindung mit dem Viehmarkt einem langgehegten Wunsch der Marktbesucher entsprochen und eine Bauernschänke am Viehmarktplatz im Stile der neuen Viehversteigerungshalle erstellt werden. Erfreulicherweise hat sich auch die neu errichtete Viehoerteilungsstelle gut 'eingeführt. Darüber hinaus ist endlich zu erwarten, daß Gießen in Kürze den vorgesehenen Mittelmarkt erhält. Das Stadtheater und Orchester erfreuen sich durch ihre gesteigerten künstlerischen Leistungen auf dem Gebiete des Schauspiels, der Oper, Operette und des Konzerts einer stets wachsenden Besucherzahl. Es ist zu wünschen, daß die günstige Entwicklung auch im kommenden Jahr anhält, damit die Leistungssteigerung durch erhöhten Besuch belohnt wird. Wir können mit Recht stolz sein auf die derzeitige künstlerische Höhe unseres Stadttheaters und des Orchesters, die anerkanntermaßen weit über gleiche Unternehmungen mittlerer Städte stehen. Es muß deshalb mit Recht Zum Jahreswechsel spreche ich allen P, Politischen Leitern, Waltexn.und Warten angeschlossenen Verbänden und sonstigen wünsche aus. Das Zahr 1938 hat uns Großdeutschi ebenso in unerschütterlicher Treue und Hi führen. Dann wird die Vorsehung unsere nicht ausbleiben. £ erwartet werden, daß seitens unserer Bevölkerung diese Leistungen nicht nur anerkannt, sondern durch stärkere Abonnementbeteiliguna weitester Kreise der Aufwärtsentwicklung eine gesicherte Grundlage gegeben wird. Haushaltsrechtlich hat das Jahr 1938 auf dem Gebiet des Finanz- und Steuerwesens wesentliche Aenderungen gebracht. Wie durch die Deutsche Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 in § 105 angekündigt wurde, sollte eine Reihe von Gebieten durch besondere Verordnungen neu geregelt werden. Während für die Bildung von Rücklagen bereits im Jahre 1936 durch die Rücklagen- oerordnung besondere Bestimmungen ergangen sind, ist im September 1937 auch das Haushaltsrecht, in Anlehnung an die für die Aufstellung und Ausführung des Reichshaushalts geltenden Bestimmungen grundsätzlich geregelt worden. Durch die Haushaltsverordnung, die für alle Gemeinden mit über 3000 Einwohnern gilt, wurden einheitliche Bestimmungen sowohl in formeller als auch in materieller Hinsicht geschaffen. Die einschneidende Bedeutung der Vereinheitlichung des Haushaltsrechts wird' besonders klar, wenn man die Verschiedenartigkeit der seitherigen Haushaltspläne betrachtet. In formeller Hinsicht ist durch die Gemsindehaus- haltsverordnung eine einheitliche Systematik geschaffen worden, innerhalb welcher die sämtlichen Einnahmen und Ausgaben einzugliedern sind. Dadurch ist die Möglichkeit geschaffen, Vergleiche unter den einzelnen Gemeinden anzustellen, was nach dem bisherigen Verfahren außerordentlich schwierig, ja geradezu unmöglich war. Auch in materieller Hinsicht ist eine Vereinheitlichung insoweit eingetreten, als genau festgelegt wird, welche Einnahmen und Ausgaben dem ordentlichen und welche dem außerordentlichen Haushaltsplan zuzuweisen sind. Durch die zwingende, Vorschrift, dem Haushaltsplan eine Reihe von Anlagen beizufügen, ist erreicht, daß der Haushaltsplan eine genaue Uebersicht über die gesamten Verhältnisse einer Gemeinde bildet. Die gesamte Realsteuergesetzgebung ist mit dem Inkrafttreten des neuen Grundsteuer- gesetzes am 1. April 1938 zur Durchführung gekommen. Wenn auch hier und da noch Härten vorgekommen sind, so kann doch im großen und ganzen gesagt werden, daß das neue Gesetzgebungswerk eine gerechte Lösung für die Beteiligten^darstellt. Der Finanzausgleich zwischen Reich und Gemeinden führt dem Reich zur Erfüllung seiner großen Aufgaben neue Einnahmen zu. Durch das Abänderungsgesetz zum Finanzausgleichsgesetz vom 31. Juli 1938 werden dem Reich folgende Einnahmequellen, die seither den Gemeinden zustanden, überwiesen: die Biersteuer, die Körperschaftssteuer der Versorgungsbetriebe, das Aufkommen an ,Grunderwerbsteuer, die Gebühren für die Mithilfe der Gemeinden bei der Veranlagung für die Reichseinkommensteuer. Am fühlbarsten dürfte wohl für die meisten Gemeinden der Wegfall der Körperschaftssteuer der Versorgungsbetriebe sein. Dieser Tatsache hat der ReichsfinanMinister in einem Runderlaß vom 20. August 1938 dadurch Rechnung getragen, daß er den Gemeinden gestattet hat, ihren Versorgungsbetrieben eine Konzessionsabgabe aufzuerlegen, ferner eine Neubewertung ihres Vermögens nach bestimmten Grundsätzen vorzunebmen und auch weitere Maßnahmen zu treffen, die eine steuerliche Entlastung der nunmehr unumschränkt körperschaftssteuerpflichtigen Betriebe bedeuten. Die Stadt Gießen hat im Zusammenhang damit zwei Ortssatzungen erlassen, eine für die Versorgungsbetriebe und eine für die Verkehrsbetriebe, in denen die Konzessionsabgabe auf 15 v.H. der Roherträge festgesetzt wird. Von starker finanzieller Bedeutung sind auch die durch den Finanzausgleich zwischen Land Hessen und Gemeinden bedingten Maßnahmen, die im Zusammenhang mit der neuen Realsteuergesetzgebung eine Aenderung der finanziellen Verhältnisse zwischen dem Land Hessen und den Gemeinden notwendig machten. Wenn auch nicht unmittelbar damit zusammenhängend, so muß doch erwähnt werden, daß die Sondergebäude st e u e r vom Rechnungsjahr 1938 ab nicht mehr teils von den Gemeinden und teils vom Land Hessen, sondern nur noch vom Land Hessen erhoben wird. Die „Mietunterstützungen aus Mitteln der Son- dergebäudesteuer" sind i'm Zusammenhang mit der Aenderung der Sondergebäudesteuer in der bisherigen Form in Wegfall gekommen, sie werden als „Mietbeihilfen" jedoch vollständig aus Gemeindemitteln weitergewährt. Auf dem Gebiet des Schulwesens sind den Gemeinden durch starke Erhöhung der Stellenbeiträge zu den persönlichen Kosten der Volksschule, der Berufsschule und der ungedeckten persönlichen Kosten der höheren Schule neue Lasten erwachsen. Es ist bedauerlich, daß wir im Verhältnis zu vorstehenden Schullasten nicht die Mittel, die einer Großstadt zur Verfügung stehen, zur Förderung unserer Universität aufzubringen in der Lage sind. Jedöch wird es uns nach wie vor eine vornehme Pflicht fein, unsere Ludwigs-Universi- t ä t, die um die deutsche Wissenschaft außerordentlich beachtliche Verdienste hat, mit allen zur Verfügung stehenden ideellen und wirtschaftlichen Mitteln zu unterstützen. v$ßie wir auf der Bau- und Siedlungsausstellung unseres Gaues feftfteUen durften, wird durch die Initiative unseres Gaulgjters und Reichsstatthalters der Ausbau des Klinik- irfei- und Volksgenossen, insbesondere den sowie den Führern in den Gliederungen. Organisationen meine herzlichsten Glück- and gebracht. Wöge uns das Jahr 1939 ngabe zu gemeinsamer Arbeit zusammen- Arbeit anerkennen, und der Erfolg wird Backhaus, Kreisleiter. Viertels erheblich beschleunigt. Schon in den nächsten Jahren werden neue Gebäude, die sich würdig in den Rahmen der Stadt eingliedern, errichtet werden, die dazu beitragen sollen, dem deutschen Volk in seinem Existenzkampf tüchtige Wissenschaftler zu stellen. Wir sehen in der tatkräftigen Forderung unseres Gauleiters die Anerkennung für die Leistungen unserer Universität von der ältesten Zeit bis in die Gegenwart und insbesondere für die ziel- bewußte und tatkräftige Mitarbeit und einheitliche Ausrichtung des Lehrkörpers nach der Machtergreifung unseres Führers. Die traditionsgemäße Soldatentreue unserer Gießener Bevölkerung ist uns allen bekannt. In den schweren Tagen des September und Oktober hat sie diese Treue wieder unter Beweis.gestellte Die Beliebtheit unserer Soldaten bei allen Gießenern fand ihre erneute Bestätigung in dem jubelnden Empfang unserer Soldaten bei ihrer Rückkehr aus dem Sudetenlande. Ich habe mit Freuden feststellen können, wie Männer und Frauen, Mädchen und Kinder vom frühen Morgen bis in die Nacht hinein auf die Ankunft unserer Soldaten warteten, um ihnen einen Blumengruß mit herzlicher Begeisterung zu überreichen. Für diese spontane Gefühlsäußerung und Verbundenheit unserer Bevölkerung mit unseren Soldaten danke ich allen Teilen der Gießener Einwohnerschaft. Es zeugt von nationalsozialistischem Geist, daß wir auch in Gießen der wiedererstan- denen Wehrmacht das notwendige Verständnis und Interesse entgegenbringen und ihr für ihre Einsatzbereitschaft Dank wissen. Es freut mich aber auch, hier auf die Tatsache Hinweisen zu können, daß in Gießen viele Väter von wehrpfl'chtigen Söhnen, und vor allem die alten 116 er, ihren besonderen Stolz darin erblicken, den Sohn im Gießener Regiment 116 dienen zu sehen und auch dadurch zu bekunden, daß unsere Bevölkerung und die Gießener Soldaten eine engoerbundene Gemeinschaft sind Durch die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung und das auf allen Gebieten neu erweckte Leben kennt man in Deutschland den sogenannten „Wohlfahrtserwerbslosen" nicht mehr. Dem seitherigen Wohlfahrtsamt sind neue gesetzliche Aufgaben erwachsen, die im Interesse der Gesundheitsförderung unseres Volkes durch- geführt werden müssen. Die Tätigkeit des jetzigen Wohlfahrtsamtes hat mit Unterstützungen im früheren Sinne nichts mehr zu tun, und deshalb wurde die Bezeichnung sinngemäß in „Sozialamt" abgeändert. Das Jugendamt, das dem Sozialamt angegliedert ist, hat in diesem Jahr auf eine 25jährige erfolgreiche Tätigkeit als Amtsvormund zurückblicken können. Eine weitere wichtige Maßnahme auf wirtschaftlichem Gebiet bedeutet für die Gemeinden die am 21. November 1938 erlassene Eigenbetriebsverordnung, die teils mit dem 1. Januar, teils mit dem 1. April 1939 in Kraft tritt und sowohl in organisatorischer, als auch in finanzieller Hinsicht eine Neuregelung bringt. Abschließend kann gesagt werden, daß b aS Jahr 1938 ein Jahr der Erfolge auf allen Gebieten des kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Lebens unseres ganzen deutschen Vaterlandes war, und mit Freuden dürfen wir feststellen, daß damit die Stadt Gießen im Rahmen ihrer Aufgabengebiete und entsprechend ihrer Größe vollauf Schritt halten konnte. Die Stadtverwaltung mit ihrem gesamten Verwaltungsapparat wird auch künftig ihre vornehmste Aufgabe in der Förderung der berechtigten Interessen unserer Volksgenossen erblicken, um dadurch zur Hebung | des Wohlstandes und des Ansehens des gesamten deutschen Volkes beizutragen. Die Erfolge des verflossenen Jahres werden uns ein Ansporn für das neue Jahr sein zu immer größeren ßei ft ungen. Was aus der überaus reichen Fülle der Planunaen des letzten Jahres noch zu tun und vollende übrig geblieben ist, wird im Jahre 1939 hoffentlich zu Ende geführt werden können. lenken wir noch einmal die Blicke rückwärts. Wir erwägen aber auch vorausschauend die großen Ausgaben der nächsten Zukunft. Auf unsere Bitte hin äußert sich in unserer heutigen Ausgabe der Leiter der Stadt Gießen, Oberbürgermeister Rit- t e r, über d i e Bilanz der Stadt Gießen am Jahresschluß 1 9 38. Was er in seinem Aufsatz unserer Bevölkerung zu sagen hat, ist für jeden Volksgenossen in Gießen von großer Bedeutung, und es wird auch sicherlich bei allen Mitbürgern die verdiente aufmerksame Beachtung finden. Denn was der Oberbürgermeister hier mitteilt, ist ein Arbeitserfolg, den jeder Volksgenosse zutreffend als eine gute Bilanz bezeichnen kann. Lassen wir hier nur einige wichtige Punkte der jüngsten Entwicklung in Gießen noch einmal vor unferm geistigen Auge erstehen und denken wir dabei kurz an jene Jahre zurück, da die meisten dieser Punkte Gegenstand des starken, leider aber vergeblichen Strebens waren. Das Ziel, Gießen als selbständigen Stadtkreis zu sehen, wurde in kommunalpolitisch interessierten Gießener Kreisey schon vor etwa 15 Jahren oft erörtert Erst das Jahr 1938, das sechste Jahr des fruchtbaren nationalsozialistischen Aufbauwerkes, hat mit einem Schlage jenes Streben und Hoffen zur vollendeten und verheißungsvollen Tat werden lassem Ein anderer, außerordentlich bedeutsamer Faktor wird in wenigen Wochen in der gleichen Weise geschichtliche Tat werden: die ebenfalls schon seit etwa zehn Jahren besprochene Eingemeindung von Wieseck und Klein-Linden. Vor allem im Jahre 1932, bei dem Ringen um die Erweiterung unserer Straßenbahn nach Wieseck, stand die Frage dieser Eingemeindung als krönender Schluß der Straßenbahnerweiterung deutlich mit zur Stellungnahme. Unter mancherlei Kämpfen gelang es damals, wenigstens die Straßenbahnerweiterung zu verwirklichen. Die Eingemeindung war in jener Zeit noch nicht spruchreif, hüben und drüben waren der Gegner noch zu viel. Im Hintergründe stand damals aber auch schon die gleiche Entscheidung hinsichtlich unseres Vorortes Klein-Linden. Hier geht die Entwicklung nun den umgekehrten Weg: utimitfeTbar bevor steht die Eingemeindung, nicht lange wird aber auch die Schaffung der schon seit Jahren notwendigen Verbindungslinie auf sich warten lassen. Oberbürgermeister Ritter macht in seinem heutigen Aufsatz diese Sachlage eindeutig klar, indem er von dem Ausbau des Verkehrsnetzes nach dem Klinikviertel und nach Klein-Linden spricht und dabei erkennen läßt, wie vordringlich ihm die Verwirklichung dieses jahrelangen Sehnens der Volksgenossen im südlichen Stadtviertel und in Klein-Linden erscheint. Dabei spielt auch der weitere Ausbau des Klinikviertels, auf den der Oberbürgermeister mit Hinweis auf die dankenswerte Unterstützung durch den Gauleiter aufmerksam macht, eine bedeutsame Rolle. Wir stehen also in diesem Teile unserer Stadt unmittelbar vor einer neuen, weittragenden Entwicklung, von der unser Gießener Gemeinwesen und auch unser künftiger Stadtteil Klein-Linden viel Gutes erwarten können. Daß der Universität in diesem Zusammenhänge mancherlei neue, aufwärtsweisende Ehancen eröffnet werden, ist angesichts der hochschulfreundlichen Gesinnung unseres Oberbürgermeisters und auch dank des lebhaften Interesses des Gauleiters und Reichsstatthalters für unsere Ludoviciana gewiß. So wird denn die Eingemeindung von Wieseck und Klein-Linden mit allen ihren Auswirkungen ^in neuer wichtiger Abschnitt unserer Gießener Stadtgeschichte werden. Neben den neuen Aufgaben an der Peripherie unserer Stadt wird vom Oberbürgermeister auch die große dringliche Aufgabe im inneren Stadt bereich mit aller Tatkraft gefördert. Diese Arbeit findet ihren stärksten Ausdruck in dem Werk der A l t st a d t s a n i e r u n g. Auch hier muß man sagen: lange Jahre vergeblich ersehnt, nun endlich wird das Hoffen Wirklichkeit! Wer sich rückschauend den jammervollen Zustand am Kirchenplatz-Lindenplatz vor gut Jahresfrist vergegenwärtigt und damit das heutige Gesicht dieses Teiles der inneren Stadt vergleicht, der wird vorbehaltlos zugeben müssen, daß schon in diesem Abschnitt der Altstadtsanierung segensreiche Arbeit.für die Weiterentwicklung unserer Stadt geleistet rft. Daß es auf diesem Wege keinen Stillstand geben und die Auflockerung der Straßen und Gassen im Stadtkern weiter fortschreiten wird, versteht sich nicht nur von selbst, sondern ist eine dringende Notwendigkeit. Man denke nur an die geradezu lebensgefährlichen Verkehrsverhältnisse in dem Engpaß des Selterswegs, aber auch an die unhaltbaren Zustände in dem Gelände zwischen dem Seltersweg und der Bahnhofstraße. Hier werden in beiden Abschnitten die weiteren Arbeiten der Altstadtsanierung ebenfalls die seit Jahren erstrebte gründliche Verbesserung bringen. Dabei werden auch manche längst überständige und zum Teil sogar schon baufällige Buden zwischen dem Seltersweg und der Bahnhofstraße mit Recht dem „Zahn der Zeit" zum Opfer fallen. Und wer etwa noch zweifeln sollte an der Notwendigkeit dieses Aufräumungswerks, der mag einmal den Blick vorwärts auf eine Zeit richten, die vielleicht nur noch ein oder zwei Jahre vom heutigen Tage entfernt liegt. Der Volkswagen wird auch im Verkehr in Gießen schon in wenigen Jahren eine Rolle spielen, bei der die heutigen Straßen- und Unterbringungsverhältnisse völlig ungenügend sein werden. Die Stadt wird sich dann vor der großen, sicherlich gar nicht leichten Aufgabe sehen, nicht nur in weitem Ausmaß ve.rmehrte Parkplätze zu schaffen, damit auch das Geschäftsviertel in der Innenstadt verdiente Belebung aus dieser Derkebrssteigerung ziehen kann, sondern es wird auch die Verpflichtung auftauchen, Garagen- räume in erheblichem Ausmaß für die wesentlich arößere Zahl von Kraftwagen in Gießen auf dem Wege der gewerbsmäßigen Garagenhaltung zu beschaffen, weil eben nicht jeder künftige Besitzer eines Volkswagens bei feiner Wohnung den erforderlichen Unterstellraum besitzt. Mit der zweckentsprechenden Verwertung öfterer Gebäude, z. B. Heute noch leerstehender oder nur teilweise benutzter gewerblicher Bauten, wird es allein nicht getan fein. Neubauten für den Zweck der Garagenbereitstellung werden sich nicht umgehen lassen. Und in dieser Hinsicht wird man auch von der weiteren Altstadtsanierung ansehnliche Zukunftsmöglichkeiten erwarten dürfen. So können wir, abgesehen von allen übrigen positiven Ergebnissen, schon an diesen wenigen überragenden Punkten unserer Stadtwirtschaft fest. i ■ - /■ -:z, WiWWä '' f-w J '<; bei » S'L £*5-, giften g^! Sft E i* - „®W offe L- b°!L Sbtt !ch°> legl!,^ 9' „ufrn ?»9» b“ »ÄH« %a '.MS r^°'n ( »fe* ÄS L-h- «I1 y«* *1 d-'Li» SA» cL« f-W L s-ftf Iptisi das M l &■««j Äj «*#?» m fii Leiter IgS Gerichten, -d jlusgangsp^ Rraemer meisterai diesem Zeitp der Zug m! Das schon Neuen Bürgi lich ein ze Hauses mi räume. Sei Weit bereit: auf diesem bringen. kleben D< roe^en bei besonders ar licher In anerkennens bemüht, hik Schießstc lich schönen heben. Dies! der Beweg! Reichskriege verein E Leben erwei Kräfte die n panbes an De. bw W5äv in Obnhchr es jufammi und dem kü Schießstc Zeltlage Arbeit zur schen sein a Die Fin In zufriede tilgung und vorgenomm an die fünf hingen der ( DieWoh chen und Inschriften verzierten Bürger- und Bauernhäuser, Brücken, Tore und vieles andere mehr. Um eine erfolgreiche Durchführung des Vier- jahresplans zu gewährleisten, wurde der Preis« Überwachung ganz besondere Aufmerksamkeit zugewandt. In sämtlichen größeren Gemeinden des Kreises fanden umfassende Kontrollen statt. Durch die Gendarmerie wurden in allen Gemeinden wiederholt durch Stichproben Feststellungen in preisrechtlicher Hinsicht getroffen. 57 Ordnungsstrafen wurden im Jahre 1938 wegen Zuwiderhandlung gegen die Preisvorschriften verhängt. Im Hinblick auf die bei dem Großbrand in Holzheim in der Silvesternacht 1937/38 gemachten Erfahrungen wurde das Feuerlöschwesen des Kreises Gießen durch Einrichtung der Bezirksmotorspritzen und der st i l l e n Dem Auge das Beste! Lassen Sie sich beraten von \ (Optiker JUa&nus dem Optiker Ihres Vertrauens / Seltersweg 33 / Kassenlieferant. den, di- im Jahre 1938 -ine besondere Bedeutung i erlangten. ,. „ , ., Daß die bisher schon stets umfangreiche Arbeit des Kreisamts nicht geringer geworden ist, mag : eine Gegenüberstellung der Eingänge des Jahres 1936 mit 114 289, 1937 mit 130 926, 1938 mit < 141582 erläutern, wobei zu bemerken ist, daß ein wesentlicher Teil der Arbeit auf mündliche Vorsprache hin, also ohne besonderen Eingang erfolgt. Eine der vornehmsten Aufgaben des Kreisdirektors ist die Staatsaufsicht über die Gemeinden des Kreises, die sicherstellen soll, daß die Gemeindeverwaltung im Einklang mit den Gesetzen und mit den Zielen der Staatsführung erfolgt. Es ist mir eine besondere Freude, hier festzustellen, daß, abgesehen von Kleinigkeiten, ein besonderer Anlaß zum Einschreiten in 1938 nicht gegeben war, und daß die Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern der Gemeinden des Kreises in kameradschaftlicher Form und in bestem Einvernehmen erfolgte. Daß dabei von feiten der Kreis- verwaltuna auf gesunde finanzielle Verhältnisse und deren Beibehaltung besonderes Augenmerk gerichtet wurde, mag nur erwähnt werden. Ebenso aber auch, daß die Bürgermeister von sich aus dieser Frage, der Grundlage einer geordneten Gemeindeverwaltung, das größte Interesse entgegenbrachten. Dabei kann mit Stolz vermerkt werden, daß die Gemeinden des Kreises ihren alten und neuen Aufgaben durchaus gerecht wurden, und vor allem auch auf dem Gebiete des HJ.-Heimbaues und des Sportstättenbaues hinter anderen Kreisen keineswegs zurückstanden. Daß der neue Finanz- und Lastenausgleich zwischen Ländern und Gemeinden vom 10. Dezember 1937 und die Realsteuerreform nicht ohne starken Einfluß auf die Gemeindefinanzen und Voranschläge, ebenso wie auf den Haushalt des Kreises blieben, war selbstverständlich. Auf. Einzelheiten einzugehen, würde in diesem Rahmen zu weit fuhren. Angesichts der Notwendigkeit, den zivilen Luftschutz'auch auf dem Lande nicht nur zu organisieren, sondern darüber hinaus die Luftschutz- bereitschaft der Bevölkerung laufend zu kontrollieren und praktisch zu erproben, wurden in Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern, den Amtsträgern des RLB. und den Betriebsluftschutzleitern Luftschutzübungen der verschiedensten Art veranstaltet und überwacht. Das neue Jahr wird auf dem für die Landesverteidigung so überaus wichtigen Gebiete des Luftschutzes keinen Stillstand bringen. Besonderes Augenmerk wurde dem W o h - nungs- und Siedlungswesen gewidmet. Größere Siedlungen wurden im abgelaufenen Jahre in den Gemeinden Großen-Buseck und Heuchelheim errichtet; geplant werden solche in Großen-Linden, Grünberg, Hungen, Klein-Linden und Watzenborn- Steinberg. Die Erweiterung ihrer bereits bestehenden Siedlungen beabsichtigen die Gemeinden Laubach, Lich und Lollar. Im Referat Naturschutz und Denkmalpflege wurde dem bestehenden Schönen, kulturell Wertvollen und Erhaltenswerten größte Aufmerksamkeit gewidmet. Dazu gehört all das, was in früheren Zeiten Natur und Kunst und handwerklicher Fleiß an äußerlich sichtbaren Werten geschaffen haben und was uns als Erbe der Väter und Vorväter überkommen ist: die herrlichen Schöpfungen der Natur, die hochstämmigen, breitkronigen alten Eichen, die Dorflinden, die Blutbuchen, die prächtigen Linden-, Platanen- und Ulmenalleen, die seltenen Pflanzengemeinschaften, etwa auf dem Lindenberg bei Birklar, in den Waldungen des Han- ■ gclsteins, oder des Vergwerkwaldes bei Gießen. > Ferner die Teiche und Gewässer, aber auch die ■ Stadtmauern, Türme, wehrhaften Kirchen. Klöster, ; charakteristischen Fachwerkbauten, die mit Sinnsprü- Der Leiter der Verwaltung des Landkreises i Gießen, Kreisdirektor Dr. Lotz, stellt uns 1 auf unsere Bitte den nachstehenden Aufsatz ; zum Jahresschluß zur Verfügung. D. Schriftltg. Wenn der griechische Philosoph Heraklit ein deutscher Zeitgenosse wäre, wenn er mitten im pulsierenden Leben unserer Tage stünde, hätte er sicher seiner Erkenntnis „alles fließt" eine andere Form, vielleicht die Form ,/alles strömt" gegeben Denn was wir heute im nationalsozialistischen Deutschland erleben, das ist kein gemütlich dahinziehender Fluß mehr, sondern ein Strom, der ungestüm seinem Ziele zueilt. Und doch bei allem unbändigen Leben dieses Stromes ist er kein ungebandlgter Geselle. Wir, die wir das Glück haben, in dieser Zeit und in diesem Strom zu leben, fühlen deutlich und zu jeder Zeit, daß die vorwärtstreibende Kraft dieses Stromes einer Führung unterliegt, die nicht nur treibende Kraft, sondern auch lenkender Wille ist. Von diesem Strom werden wir alle mitgetrieben, ob wir wollen oder nicht, und wir haben unsere Segel in den frischen Wind gestellt und freuen uns der flotten Fahrt, ganz gleich, ob wir em kleines, oder ein großes Schiff zu führen haben. Aus Treibholz find wir zu kraftgeschwellten Seglern geworden, die verantwortungsfreudig und verantwortungsbewußt ihrem Ziele zustreben. Das danken wir der treibenden Kraft und dem lenkenden Willen — unserem Führer. Wenn ich im Folgenden vom Kreise Gießen rede, so tue ich das, weil der Kreis Gießen das Gebiet ist, dessen Verwaltung mir zu treuen Händen übertragen wurde, und weil ich der Auffassung bin, daß ein Jahresende, und gar das Jahresende 1938, den verantwortlichen Leiter eines Gebietes oder Amtes dazu verpflichtet, Rückschau auf die Ereignisse des' vergangenen Jahres zu halten, sich Rechenschaft über das von seinem Amt bzw. Gebiet Geleistete zu geben und aus dieser Rückschau den rechten Ausblick auf das vor uns liegende Jahr zu gewinnen. Zunächst ist festzustellen, daß das Jahr 1938 dem Kreise Gießen eine wesentliche Verkleinerung seines Gebietes gebracht hat. Durch Gesetz vom 9.8.1938 über die Bildung der Stadtkreise Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und Worms ist die StadtGießen mit d-m 1.November 1938 aus dem Kreis Gießen, dem sie den Namen gegeben hatte, ausgeschieden. Damit hat der Kreis Gießen, der bisher nach der Volkszählung vom 16. 6.1933 = 105 621 Einwohner zählte, 35 913 Einwohner verloren. Dieses Schicksal des Verlustes einer großen Einwohnerzahl teilt er mit den Kreisen Darmstadt, Mainz, Offenbach und Worms. Einen, wenn auch zahlenmäßig geringen Ausgleich hat der Kreis Gießen durch die Auflösung des Kreises Schotten erfahren, der durch Gesetz vom 7.4.1938 über die Auflösung der Kreise Bensheim, Schotten und Oppenheim mit Wirkung vorn 1. November 1938 zu bestehen aufgehört hatte. Damit kamen die Orte Freienseen, Gonterskirchen,. Klein-Eichen, Lardenbach, Laubach, Ruppertsburg und Wetterfeld und die selbständiaen Gemarkungen Laubacher Wald I und II und Stockhäuser Hof mit zusammen 4712 Einwohnern zum Kreise Gießen. Die Uebernahme erfolgte in feierlicher Form in einer Bürgermeisterversammlung am 1. November 1938 in Laubach. Wenn auch, gemessen an der Zahl der Einwohner, der Zuwachs gering war, so hat der Kreis Gießen doch damit eine landschaftlich reizvolle Gegend erhalten und deshalb auch diese Vergrößerung sehr begrüßt. Es ist nicht leicht im Rahmen einer kleinen Abhandlung das ganze Arbeitsgebiet eines Kreisamtes erschöpfend zu behandeln. Es sollen daher auch nur einige wenige Arbeitsgebiete herausgegriffen wer- Tleujahrsappelle in allen Betrieben unseres Gaues. NSG. Zu Beginn des neuen Arbeitsjahres, das allen schaffenden Volksgenossen unseres Gaues wieder hohe Verpflichtungen auferlegen wird, die cs zu erfüllen gilt, führt die Gauwaltung der Deutschen Arbeitsfront in allen Betrieben des Gaues Hessen-Nassau Appelle durch. In den Kleinbetrieben, wie in den großen Werken, werden die Gefolgschaftsmitglieder sich am 2. Januar, um 8.10 Uhr, versammeln und so gemeinsam mit einer Feierstunde das Arbeitsjahr 1939 beginnen Im Mittelpunkt der Appelle steht eine Feierstunde im Betrieb der Firma Voigt & Haeffner in Frankfurt a. M., wo Gauobmann Becker über den Rundfunk zu allen Schaffenden sprechen und die Parole für das neue Arbeitsjahr geben wird. Großes Wecken und Platzkonzert der Wehrmacht. Am morgigen Neujahrstag findet militärisches Großes Wecken durch eine Abteilung unseres Jnf.-Rgts. 116 statt. Die Abteilung führt ein berittener Offizier, sie besteht aus dem Musikkorps und den Spielleuten, ferner einem Feldwebel, drei Unteroffizieren und 45 Mann. Der Abmarsch erfolgt um 7 Uhr von der Wache Bergkaserne aus. Der Marsch geht durch die Kaiserallee, Moltkestraße, Hitlerwall, Walltorstraße, Lindenplatz, Kirchenplatz, Mäusburg, Kreuzplatz, Seltersweg, Hindenburgwall, Gärten- straße, Ludwigsplatz, Kaiserallee, Licher Straße zur Bergkaserne zurück. Am Neujahrstag um 13 Uhr gibt das Musikkorps Unserer 116er ein Platzkonzert am Ehrenmal der gefallenen 116er auf dem Landgraf-Phllipp- Platz Für das Konzert ist folgendes Programm vorgesehen: 1. „Mit Fried und Freud", Ehoral; 2. Ouvertüre zur Oper „Zar und Zimmermann^ (Lortzing); 3. Fantasie aus der Oper „Rigoletto (Verdi); 4. „Ein Hochzeitstag" aus der Oper „Trold Haugen" (Orieg); 5. „Wein, Weib und Gesang", Walzer (Strauß). Oie grauen Glücksmänner sind wieder da. Heber fünf Millionen Gewinne kommen zur Verteilung. Am gestrigen Freitagvormittag um 11 Uhr hat im ganzen Reich der Verkauf der Lose für die neue Winterhilfslotterie begonnen. 5000 graue Glücksmänner sind gestartet. Zum ersten Male treten sie nun auch in Oer Ostmark und im Sudetengau in Erscheinung. Im Altreich gehören sie schon längst zu den volkstümlichsten Gestalten des winterlichen Stadtbildes. Die neue Winterhilfelotterie bringt verschiedene Neuerungen. Die Zahl der Lose mußte infolge der Ausdehnung der Lotterie auf Großdeutschland auf 36 Millionen Losbriefe erhöht werden. Dementsprechend erfuhren auch die Gewinne eine Ausweitung. Es gelangen nunmehr 5 130 000 Gewinne im Werte von 5,9 Millionen Reichsmark zur Verteilung. Auch die Summe der Prämiengewinne wurde erhöht. Sie beträgt jetzt 86 000 Reichsmark. Jede der 18 Serien enthält Prämiengewinne von 50, 100 und 500 RM. Außerdem werden Sonderprämien non 10 000 RM., 5000 RM. und achtmal 1000 RM. ausgeworfen, die am 31. März 1939 zur Auslosung kommen. (teilen, daß wir heute ein Jahr großer Erfolge auf dem Gebiet der kommunalen Arbeit beschließen zugleich aber auch vor einer Fülle neuer wichtiger Aufgaben stehen, die den weiteren vollen Einsatz aller Kräfte unserer Gemeinschaft erforderlich macht. Mit dieser guten Gießener Jahresbilanz 1938 können wir das Bewußtsein verbinden, daß unsere Stadt unter der tatfrohen Führung ihres Oberbürgermeisters Ritter in der schaffensfreudigen Kraft des Nattonalfozialismus weiteren gedeihlichen Auftrieb gehmen wird als blühender Teil des segensreichen Aufbauwerks unseres Führers Adolf Hitler. 6. Alarmanlagen neu organisiert. Für die Neu- organisatton hat der Kreis Gießen einen Betrag von etwa 11 000 Mark zur Verfügung gestellt. Aus dem Gebiete des Gewerberechts wurden 54 Wirtschaftskonzessionen, 61 Ausnahmegenehmigungen auf Grund des Einzelhandelsschutzgesetzes und 44 Ausnahmegenehmigungen auf Grund der 3. Handwerksverordnung erteilt. Zur Durchführung der von dem Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei ungeordneten Maßnahmen zur Hebung der Verkehrszucht wurden zahlreiche Derkehrskontrollen durchgeführt und dabei viele Anstände festgestellt, die in erster Linie auf grobe Nachlässigkeit der Verkehrsteilnehmer zurückzuführen find. Während des ganzen laufenden Jahres trat die Maul- und Klauenseuche in einer mehr oder weniger großen Zahl von Gemeinden auf. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ist es bisher nicht gelungen, diese außerordentlich leicht übertragbare Seuche aus dem Kreise zu ^verbannen. Dem Eindringen des gefürchteten Kartoffelkäfers aus dem Westen wurde die notwendige z Aufmerksamkeit gewidmet und in allen Gemeinden des Kreises ein Suchdienst organisiert, der glücklicherweise ohne positives Ergebnis blieb. Der Einsatz der Wehrmacht aus Anlaß des Konflikts mit der Tfchecho-Slowakei hatte der B e • zirksfürforge stelle eine vermehrte Arbeitsbelastung durch die außerordentliche Steigerung der Familienunterstützungen gebracht. Währeno im Jahre 1937 insgesamt nur 153 Anträge bearbeitet wurden, hat sich diese Zahl im Jahre 1938 auf 1044 erhöht. Wenn im Jahre 1937 dafür 33 207 Mark aufgewandt wurden, erforderte die Familienunterstützung in 1938 einen Betrag von 112 444 Mark. Die Eingliederung auch des letzten einsatzfähigen Volksgenossen in den Arbeitsprozeß hat sich auch auf dem Gebiete der Amtsvormundschaft ausgewirkt. Im Jahre 1937 wurden von dem Kreis- jugendamt Gießen rund 42 000 Mark Unterhaltungsgelder hereingebracht. Wenn auch das Jahr 1938 noch nicht beendet ist, so kann dennoch schon heute gesagt werden, daß in diesem Jahre ein wesentlich höherer Betrag an Alimenten hereingeholt werden wird. Das vom Kreisjugendamt verwaltete Vermögen der Mündel und sonstigen Jugendlichen betrug in 1937 rund 66 500 Mark und ist setzt auf rund 98 500 Mark gestiegen. Die Zahl der Vormundschaftsfälle seit Einführung der gesetzlichen Amtsvormundschaft (1.4.1924) beläuft sich zur Zett auf 1140. Der Zugang im letzten Jahre betrug 50. Vom Kreisdirekior zum Landrat Rückblick und Ausblick. Von Kreisditektor Dr. Loh, Gießen. ihm wird der Geist der Ritter des Ordens „Pour le m£rite“ lebendig fein; Der Film ist so reich an Gestalten und Szenen, daß man die Handlung nur in großen Umrissen beschreiben kann. Was der Spielleiter Karl Ritter mit feinem Regiestäbe — vor allem der Kameramann Günther Anders ist hier mit hoher Auszeichnung hervorzuheben — geleistet hat, gehört technisch und künstlerisch zum Reifsten, was die deutsche Produktion bisher hervorbrachte. Hier ist ein Film, der aus innerer Ueberzeugung und persönlichem Erlebnis ein Stück deutschen Schicksals formt, der eine Brücke schlägt vom Gewesenen zum Gegenwärtigen und in seiner Gesinnung und Haltung als vorbildlich und erzieherisch zu gelten hat, wie das in den erwähnten Prädiraten zum Ausdruck gebracht worden ist. * Die Figurenfülle in diesem Film ist nahezu verwirrend, wenn auch viele Gestalten darunter sind, welche flüchtig belichtet und vorübergehend auf« tauchen und wieder verschwinden. Die Zentralgestalt ist, durch fast alle Szenen hindurch, der Rittmeister Prank, der von Paul Hartmann wundervoll gegeben wird: ein Mann von soldatischer Sttaffheit in Wort und Haltung, knapp, klar, energisch; gerade einen solchen Menschen mußte, wie in Hartmanns Darstellung glaubhaft gemacht wird, der Zusammenbruch im Innersten treffen und bis an den Rand der Selbstaufgabe führen. Dieser Rittmeister versteht die Welt nicht mehr, in die er heimkehrt. Erst die neue Zeit gibt ihm Sinn und Aufgabe seines Lebens zurück. Aus den vielen Offiziersrollen heben sich neben Hartmann vor allem Herbert A. E. B ö h m e, Albert Hehn, Heinz Welzel und Paul Otto sehr persönlich profiliert hervor. Fritz Kämpers knüpft hier an seine unvergessene Leistung in „Urlaub auf Ehrenwort" wieder an: fein Offtziers- stellvertreter ist ein ganz ähnlicher Mann wie jener Berliner Straßenbahner. Die Frauen treten in diesem Männerfilm naturgemäß zurück: Jutta F r e y b e (Isabel), Carsta L ö ck und M. von Ditmar in der Rolle einer jungen Französin heben sich in kleinen Szenen heraus. Das mag genügen, zumal die Betonung auch der darstellerischen Gemeinschaftsleistung wichtiger und für die Art der Spielführung charakteristischer erscheint als eine halbwegs erschöpfende Aufzählung einzelner Namen. — (Ufa). Im Beiprogramm läuft eine interessante neue Wochenschau, die u. a. auch einen Bildbericht von der Uraufführung des Filmes „Pour le m^rite“ in Berlin enthält. Hans Thyriot ' 8cberl-Ma PhoL Ufa-Hftmtnerer buch geschrieben. ihn die Meldung macht, Romberg habe den kampfunfähigen Gegner, der im Flugzeug wehrlos die Hände hob, abschwenken und entkommen lassen. (Aus dieser kleinen, höchst bezeichnenden Szene pricht der gleiche schöne Geist der Ritterlichkeit wie aus der bekannten Schilderung Ube^ von seiner Begegnung mit dem berühmten Franzosen Guyne- mer.) Es wird hier übrigens nichts verschwiegen oder beschönigt; es gibt auch schwere Krisen im Ge- chwader, und sie sind gleicherweise begründet durch )ie erdrückende Materialüberlegenheit des Gegners wie durch versagende Nerven in den eigenen Reihen. Dann kommt das bittere Kriegsende, die Auflösung der Front, die Rückführung des Geschwaders — wider ausdrücklichen Befehl — in die Heimat, der erste Zusammenstoß mit der roten Revolte ... und dann die vielen zermürbenden Zusammenstöße, Zusammenbrüche, Verzweiflungen in einer fremd gewordenen, aus allen Fugen geratenen, von allen guten Geistern verlassenen Heimat. Hier und da, vereinzelt und zerstreut in einem Privatleben, das sie anwidert, in einem Beruf, der sie entwürdigt, tauchen die alten Geschwader-Kameraden wieder auf. Während der Rittmeister nach allerlei vergeblichen Versuchen, Boden unter die Füße zu bekommen, bei der erbitterten Verteidigung seines in die Heimat geretteten Flugzeuges verhaftet und zu Gefängnis verurteilt wird, aus dem die Kameraden ihn vergeblich zu befreien versuchen, haben andere den Mut nicht sinken lassen: im Segelfliegerlager in der Rhön unternehmen sie die ersten schüchternen Versuche, die deutsche Fliegerei von Grund auf neu erstehen zu lassen. der neunzehnjährige Leutnant Fabian, der Offizier- stellvertreter Moebius und, außerhalb des Geschwaders, der ,Iost" (Kommandeur der Flieger) -t- das sind einige unmittelbar nach der Wirklichkeit gebildete Soldatentypen, jeder ein ausgeprägter Charakter für sich, in denen sich Geist und Haltung der Frontfliegerttmppe auf eine vorbildliche Weise So gehen die Jahre hin, die Zeit wandelt sich, ein neuer Geist beginnt sich in Deutschland zu regen. Die große Wendung, die den Anschluß an die nächste Gegenwart herstellt, ist vollzogen mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland: während die Hakenkreuzfahnen an allen Fenstern erscheinen, vernimmt man die Stimme von Dr. Goebbels, welche die für die Wiederaufrichtung der deutschen Wehrmacht entscheidenden Sätze verkündet. Damit ist auch für die ehemaligen Frontflieger der Tag gekommen, auf den sie gewartet haben. In der neu erstandenen Luftwaffe ist der Geist lebendig, der im alten Jagdgeschwader bis zum letzten Tage geherrscht und sich durch die trüben Zeiten des Scheinfriedens hindurch behauptet hat. Der Rittmeister, der sich ins Ausland gerettet hatte, um da eine Aufgabe für sich zu finden, kehrt nach Deutschland zurück, und der getreue „Kofi", jetzt General der neuen Luftwaffe, übergibt dem zum Obersten ernannten Prank ein Gescywader: auch in Das Werk ist das filmische Ehrenmal der deutschen Kriegsftiegerei, des deutschen Fliegeraeistes schlechthin. Der Orden „Pour le mdrite , von Friedrich dem Großen als höchste preußische Kriegsauszeichnung gestiftet, wird zum Sinnbild aller ritterlichen und soldatischen Tugenden, zum Sinnbild einer männlichen Haltung, die im Kriege sich ruhmvoll bewährte und über die schimpflichen Jahre der Nachkriegszeit hinweg in unseren Tagen ihre Wiederauferstehung erlebte. Der Spielleiter Karl Ritter, der einer der ersten deutschen Fliegeroffiziere überhaupt war (seine Anfänge gehen zurück bis zum Manöver 1911) und als Minenwerfer, Flieger und Generalstabsoffizier am Kriege teilgenommen hat, war wie kein anderer dazu berufen, ein solches Thema für den Film zu gestalten. Er hat auch, mit Fred Hildenbrandt zusammen, das Dreh- Spielleiter Karl Ritter. repräsentieren. Dem entsprechen sowohl die kameradschaftlichen Gespräche im Lager wie die unerhört realisttsch dargestellten Luftkämpfe in den alten offenen Maschinen; dergleichen hat man bisher im Film kaum je zu sehen bekommen. Dieser Geist spiegelt sich aber auch in einigen anderen Szenen, wie z. B. der mit dem abgeschossenen englischen C-aptain Brown (schon hier kann man erleben, daß Ritter und seine Leute auch über einen sehr gesunden Humor verfügen) und jener andern mit dem „Sorgenkinde" des Geschwaders, dem Leutnant Romberg, der vom Pech verfolgt wird, vom Rittmeister noch eine letzte Chance erhält, abermals „mit leeren Händen" vom Feindflug zurückkehrt und schweigend seinen Urteilsspruch ent» I gegennimmt, — bis ein Kamerad vertritt und für „Pour le merite.“ Gloria-Palast. Der Film „Pour le mdrite“, über dessen feierliche Berliner Uraufführung in Anwesenheit des Führers wir dieser Tage berichtet haben, bedeutet ohne Zweifel einen Höyepunkt nicht allein in der bisherigen Entwicklung des Spielleiters Karl Ritter, sondern in der künstlerischen Gestaltung des deutschen Films überhaupt. Das wird, was Ritter betrifft, besonders deutlich, indem man sich klarmacht, daß feine Stellung in der heimischen Produktton durch die Filme „Patrioten", „Verräter", „Unternehmen Michael" und .„Urlaub auf Ehrenwort" in erster Linie gekennzeichnet ist. Das ist überdies gelegentlich der Uraufführung von „Pour le mdrite“ unzweideutig zum Ausdruck gebracht worden durch die Verleihung der Prädikate „staats- polittsch und künstlerisch besonders wertvoll"; außerdem wurde dem Film als erstem das von der Reichsjugendführung neu geschaffene Prädikat „jugendwert" zuerkannt. Die Handlung gliedert sich in drei große Abschnitte und verfolgt die Schicksale eines deutschen i Jagdgeschwaders vom letzten Kriegsjahr 1918 im । Westen über die Zeit des Waffensttllstandes, der ' Revolution und Inflation bis zum Anbruch des neuen Reiches, wie wir ihn alle miterlebt haben Die Szenen, die bei den Jagdfliegern an der Front spielen, geben einen ungemein lebendigen Eindruck von dem Geist, der da herrschte, von dem Dienst, der da getan, und von dem Kampf, der da geführt wurde. Der Geschwaderführer, Rittmeister Prank,! Insgesamt hat sich das Jugendamt im abgelaufenen Jahr mit über 1000 Jugendlichen beschäftigt. Die Kraftfahrzeugstelle war zu An Städte im Kreise Gießen halten Rückschau und was Und „Ich sehe doch, daß Ihr überreichlich Klee Kartoffeln als Aesung habt stehen lassen!" „Das hat der Frühere so gewollt!" „Ich nicht mehr, Uhlenkast. Ich schieße nur, mir zusteht. Wir wollen hirschgerecht bleiben. Die Kraftfahrzeu g stelle war zu Anfang des Jahres 1938 besonders mit der Umschreibung »er Kennzeichen VO in VH beschäftigt. Im Kalenderahr 1938 wurden vom Kreisamt Meßen insgesamt 2420 Führerscheine ausgestellt und 2370 Kraftfahr- irgend so ein alter Beihirsch mit gutem Geweih wird uns immer noch vor die Büchse kommen." Uhlenkast schob eine Buche in den Kamin, daß die Flamme hell aufloderte. Aus den brennenden Scheitern tropfte der Buchensaft. Ein herber Holz- duft erfüllte den Raum. Gott fei Dank, dachte er. Und dieser Spanier, dachte er, mußte ein anständiger Kerl sein. „Gibt es da bei Ihnen auch Hirsche?" „Rein, aber im Solinger Land, im Bergischen. Dafür aber brauch ich die Jagd auf Krickenten und Bekassinen nicht erst am Schweriner See zu lernen. Die habe ich oft auch in Spanien geschossen." So! Der Alte nickte zufrieden. Und wie er denn eigentlich an den Schweriner See gekommen fei? Der Alte schaute mit scharfen Augen durch seinen Pfeifenrauch. Er hatte das Trebbiner Boot längst bemerkt. Jago erzählte, daß er das Fräulein Hellfahr von München her kenne. Und die habe ihm oft von dem schönen Mecklenburg und seinen Seen und Wäldern erzählt. Und er selbst habe schon längst vorgehabt, sich in Deutschland anzukaufen, das ja schließlich das Land feiner Vorfahren fei. Und da sei ihm dann Plöhne angeboten worden — und nun, er sei froh, daß er so unbedenklich zugegriffen habe. „Geld ist hier nicht zu verdienen!" sagte der Alte. „Rein, aber auch nicht zu verlieren", sagte Jago. Mus den sieben Gemeinden der sog. Laubacher Ecke wurden rund 40 Vormundschaftsfälle übernommen. Uhlenkast saugte heftig an seiner Pfeife. „So!" sagte er befriedigt. Dann sprechen sie über Jagd. Davon verstand der Spanier was, das hatte Uhlenkast sofort heraus. „Und ein paar Hirsche sind auch jedes Jahr geschossen worben?" Uhlenkast nickte. „Meistens em Stück!" „Ich denke mehrere! In dem Bericht ..." „Ja, auf'm Papier. Aber das waren keine Hirsche." „Und wie stehfs Heuer?" „Wie bitte?" Öb es in diesem Jahr auch einen Hirsch zu schießen gäbe? Uhlenkast saugte heftig an seiner Pfeife. »,Es sind alles Treckhirfche", sagte er zögernd. „Woher?" „Ostsee!" Er zeigte mit dem Kops hinter sich. „Das heißt: Ihr lockt den großen Nachbarjagden die Hirsche weg?" v Uhlenkast saugte ruhig an seiner Pfeife. „Sie bleiben hier, und damit ist alles in schönster Ordnung!" Er hatte Wert darauf gelegt, bei Uhlenkast einen guten Eindruck zu machen. Beziehungen zu den Hellfahrs hatte der Jäger offensichtlich. „Kommen Sie ö.fter nach Trebbin?" fragte Jago möglichst harmlos. „Bis dato nicht!" sagte Uhlenkast und lachte vor sich hin. * Am folgenden Vormittag — das Wasser war wieder glatt wie Seide — ruderte Uhlenkast seinen neuen Herrn über den See nach Trebbin. Von der weinumrankten Terrasse winkte ihnen Elisabeth entgegen. „Du bleibst zu Tisch", sagte Elisabeth zu Jago. „Diesmal sollst du alles gründlich kennenlernen!" Und sie war ihm eine Hausfrau von einer anmutig beflissenen Liebenswürdigkeit, sie führte ihn in Küche und Keller, durch Hof und Garten, durch Scheunen und Ställe. Sie stieg mit ihm durch die Lindenallee zur alten Buche empor, damit er den Blick aus der Höhe habe über Gut und See bis nach Plöhne hinüber. „Da drüben wohnst du, hier wohne ich. Du hast dir ja drüben etwas Neues geschaffen, ich habe hier etwas Altes und mir unendlich Liebes zu verteidigen!" Er sah sie fragend an. „Ja", rief Elisabeth, und sie war von einer übermütigen Fröhlichkeit. „Alles, was ich vor wenigen Monaten sagte, gilt nicht mehr. Du hast uns Frauen oft wankelmütig gescholten, nun, so will ich es scheinen. Ich werde wieder Schauspielerin, und ich werde es mit neuer Freude und Kraft, mit ganz neuen Impulsen und Zielen! Nicht aus Eitelkeit und Selbstsucht, auch nicht aus Geltungsdrang und Schasfenstrieb, nein, Jago, aus Liebe zur Heimat, aus Liebe zu Trebbin!" Nun war es freilich an Jago, ein wenig erstaunt und erschrocken zu fein, Elisabeth erzählte ihm alles, was er über Karl Hellfahrs schwierige Lage bereits wußte, sie berichtete auch, daß sie mit ihren tausend Peseten dem Bruder schon geholfen habe. „Ich muß arbeiten, Jago, und verdienen. Meine Arbeit hat ein ganz neues Ziel. Meine Berufung zur Kunst bekommt einen neuen Inhalt. Mein ganzes Leben,hat Sinn und Zweck. Oh, ich bin froh, daß ich etwas kann und daß ich dies Können in den Dienst einer so schönen und gewaltigen Aufgabe stellen darf. Willst du mir helfen?" „Wie soll ich bas, Elisabeth?" Er war traurig. Ihm schien für eine Frau die Liebe Ziel genug. „Du hast so viele Verbindungen in München, in Äeue Tatkraft in Grünberg. Der Leiter der Stadt G r ü nb e r g, Bürgermeister Kraemer, konnte in der Unterredung mit uns über vielseitige kommunale Arbeit im Jahre 1938 Berichten. Zunächst möchten wir als bedeutsamen Ausgangspunkt die Einführung von Bürgermeister Kraemer in das Grünberger Bürgermeisteramt im März 1938 verzeichnen. Von diesem Zeitpunkt ab ist ein neuer, vorwärtsstreben- der Zug in der (Brünberger Verwaltung verspürbar. Was schon lange notwendig war, wurde von dem Neuen Bürgermeister mit Tatkraft angepackt: nämlich ein zeitgemäßer Umbau des Rathauses mit entsprechender Gestaltung der Diensträume. Sehr beachtenswerte Ergebnisse hat diese Arbeit beretts gebracht. Weitere fruchtbare Tätigkeit auf diesem Gebiet wird das kommende Jahr bringen. Neben Verbesserungen im Straßenwesen der Stadt hat sich der neue Bürgermeister besonders auch um die Förderung sportlicher Interessen auf breiter Grundlage in anerkennenswerter Weise und mit gutem Erfolg bemüht. Hier ist vor allem der neue städtifche Schieß st and mit Schießhalle in der landschaftlich schönen Gegend des Schwimmbades hervorzuheben. Dieser Schießstand steht allen Formationen der Bewegung und den alten Soldaten im NS- Reichskriegerbund zur Verfügung. Der Schützenverein Grün berg soll aber auch zu neuem Leben erweckt und ihm durch die Zuführung junger Kräfte die weitgehende Nutzbarmachung des Schießstandes anoerfraut werden. Das Schwimmbad vor den Toren der Stadt, eines der schönsten Bäder in Oberhessen, ist teilweise erneuert worden, so daß es zusammen mit dem geplanten Sportplatz und dem künftigen H I. - H e i m , wie auch mit dem Schieß st and und dem Platz für das H I. » Zeltlager ein bedeutsames Stück der städtischen Arbeit zur sportlichen Ertüchtigung junger Menschen fein wird. Die Finanzwirtschaft der Stadt hat sich In zufriedenstellender Weise gestaltet. Schuldentilgung und gesetzliche Rücklagen wurden planmäßig vorgenommen, zugleich ist bei den Rücklagen auch an die künftigen großen Aufgaben und Verpflichtungen der Stadt gedacht worden. Die Wohnungsbautätigkeit ging in an» „ß anbrat" zu führen habe. Der Kreis Gießen heißt in Zukunft „Landkreis Gieße n", im Gegensatz zu dem Stadtkreis Gießen. Damit verschwindet in Hessen im Zuge der Vereinheitlichung der Titel des Kreisdirektors, den die Leiter der hessischen Kreise seit 13. März 1917 auf Bestimmung des Großherzoas Ernst Ludwig hin an Stelle des früheren Titels „Kreisrat", der durch Edikt vorn 6. Ium 1832 eingeführt worden war, geführt hatten. Der neue Landratstitel ist in der Geschichte der hessischen Verwaltungsorganisation nichts Neues. Auch in Hessen gab es schon Landräte. Nach Einführung der konstitutionellen Verfassung vorn 17. Dezember 1820 waren durch Entschließung oom 14. Juli 1821 bei den unteren Verwaltungsbehörde^ in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen Landratsbezirke mit Landräten geschaffen worden. Diese Landratsbezirke waren jedoch lediglich staatliche Verwaltungsbezirke. Eine Selbstverwaltung gab es damals noch nicht. Im Gegensatz zu diesen alten hessischen Landräten ist der bisherige preußische Landrat sowohl Leiter des Kreises als staatlicher Verwaltungsbezirk als auch Leiter des Kreises als Selbstverwaltungskörper. Die Stellung des preußischen Landrats stimmt also insoweit mit der des bisherigen hessischen Kreisdirektors überein. Der bisherige hessische Kreisdirektor und ab 1. Januar 1939 Landrat hat aber entsprechend der hessischen Verwaltungsorganisation, die bis auf weiters noch bestehen bleibt, eine in vieler Beziehung erweiterte Zuständigkeit. Das witt) schon daraus leicht verständlich, daß es in Hessen im Gegensatz zu Preußen (Regierungspräsident, Oberpräsident) zwischen Landesregierung und Kreisamt keine Mittelinstanz gab und gibt. Die in 1937 aufgelöste Provinzialdirektion war keine Mittel- mit gleichzeitiger zweckmäßiger Unterbringung des alten Marktbrunnens, und auf eine Verschönerung des Kirchenplatzes mit dem Denkmal und des Kriegerdenkmalplatzes von 1870/71 abzielt. Wichtige Vorschläge und Planungen sind in einem unter Aufsicht des Londesdenkmal- pflegers ausgearbeiteten Projekt enthalten. In fernerem Zusammenhang damit sind noch einige U m - bauarbeiten im Rathaus mit dem Ziele einer weiteren Verschönerung dieses Baues ins Auge gefaßt. Die Finanzierung dieser neuen Bauvorhaben ist schon jetzt weitgehend vorbereitet, wodurch die Durchführung des Planes wesentlich gefördert wird.. Auch für den Friedhof sind Verschönerungen beabsichtigt; ein bekannter Gartenarchitekt soll nach dieser Richtung hin ein Projekt ausarbeiten. Im kommenden Frühjahr hofft die Stadt ferner mit dem Bau einer Siedlung, Und zwar zunächst drei Einfamilienhäuser, mit Garten und Stallungen, beginnen zu können. Bürgermeister Kraemer will keine Arbeit und keine Mühe scheuen, um die im Interesse der Stadt bis jetzt gesteckten Ziele baldmöglichst zu erreichen. Gute Fortschritte in HulMU. Der Leiter der Stadt Hungen, Bürgermeister Hofmann, konnte in einer Unterredung mit uns voll Zufriedenheit duf den Weg feiner Stadt im Jahre 1938 zurückblicken. Die st ädtische Finanzwirtschafck entwickelte sich im Jahre 1938 planmäßig. Die gesetzlichen Rücklagen wurden in dem vorgeschriebenen Ausmaß gemacht, ferner wurden noch Rücklagen für die Errichtung eines HJ.-Heimes mit Uebungs- ftätte und für andere wichtige Aufgaben vorgenommen.. Der Schuldentilgungsdienst wurde zum Teil verstärkt durchgeführt, neue Schulden wurden nicht gemacht, so daß eine normale und gesunde Entwicklung zu verzeichnen ist. In einer Reihe von Straßen wurde das Kanal- n e tz erweitert, ferner wurden zur Förderung von Wohnhausbauten Straßen ausgebaut bzw. neu hergestellt. Die Beschäftigung des Handwerks und des Gewerbes war im Jahre 1938 andauernd zufriedenstellend. Auch die beiden Sägewerke hatten einen erfreulichen Aufschwung zu verzeichnen. Die Ziegelei weist einen befriedigenden Beschäfti- gemefjenem Rahmen vor sich. Es ist vorgesehen, auch in Zukunft den Erfordernissen des Wohnungsbaues alle Aufmerksamkeit zu widmen. Erfreulicherweise , besteht auch Aussicht, im nächsten Jahre weitere gewerbliche Betriebe in Grün- berg erstehen zu sehen und damit für die heimische Wirtschaft neue Auftriebsfaktoren zu gewinnen. Industrie, Gewerbe und Handwerk waren auch in diesem Jahre gut beschäftigt. Arbeitslose sind schon lange nicht mehr vorhanden. Dagegen besteht auch in Grünberg das große Problem des Arbeitermangels, insbesondere auch für die landwirtschaftlichen Betriebe. Die V e r k e h r s w e r b u n g hat sich die Stadtverwaltung auch in diesem Jahre besonders angelegen sein lassen. Die Werbegemeinschaft (GWG.) hat bei den Bemühungen zur Förderung des Wirtschaftslebens in Grünberg mehrfach wertvolle Mitarbeit geleistet, insbesondere durch die umfangreiche Lichtwerbung vor Weihnachten. In gleicher Zielsetzung hat sich der Verkehrsverein allezeit tatkräftig um die Verschönerung der Stadt und der nächsten Umgebung bemüht, und er kann auf diesem Arbeitsgebiet eine Reihe guter Erfolge verzeichnen. Die Stadt hat in Würdigung dieser guten Mitarbeit den Zuschuß an den Verkehrsverein von 100 auf 300 Mark erhöht, um die Arbeit des Vereins damit weiterhin zu fördern. Der Fremdenverkehr hat sich dank aller dieser Maßnahmen in diesem Jahre vedeutend erhöht und ist damit zu einem wichtigen Faktor für die Geschäftswelt geworden. Auch auf dem Gebiete des Schulwesens hat die Stadt in der Landwirtschaftsschule eine neue Mädchen klasse mit zur Zeit 27 Schülerinnen, geschaffen. Die Oberschule für Jun- g e n hat eine weitere gute Entwicklung zu verzeichnen. Angesichts der Ueberfüllung der Volksschule sieht sich die Stadt gezwungen, ein weiteres Schulhaus durch einen Neubau gegenüber 6er jetzigen Schule zu schaffen; die entsprechenden Schritte sind bereits eingeleitet, so daß im kommenden Frühjahr wohl mit dem Bau begonnen werben kann. Gegenwärtig sind in dem Volksschulgebäude auch 19 Berufsschulklassen untergebracht. Eine weitere Verschönerung der Stadt wird gegenwärtig mit einem Projekt vorbereitet, das auf eine Neugestaltung des Marktplatzes, instanz. Das war lediglich der Provinzialausschuß auf dem Gebiete der Verwaltungsrechtspftege. Dieses Verwaltungsgericht 2. Instanz besteht auch heute noch nach der Auflösung der Provinzen in dem Bezirksverwaltungsgericht, von dem je eines den Kreisämtern Gießen, Mainz und Darmstadt angegliedert ist, und dessen Vorsitzender der Kreisdirektor dieses Kreises ist. Der ehemalige hessische Provinzialdirektor war, abgesehen von einigen nicht allzu bedeutenden Befugnissen, vor allem Leiter der Provinz als Kommunalverband. In der Bestätigung als Kommunalverband lag die nunmehr historische Bedeutung der hessischen Provinzen. Der Verfasser dieser Zeilen hat die besondere historische Ehre, der letzte Leiter der Provinz Oberhessen und der letzte Kreisdirektor des Kreises Gießen gewesen zu sein. Wenn auch die Aen» berung eines Titels keine besondere Bebeutung beanspruchen kann, so rechtfertigt sie doch für den Inhaber ein kurzes Besinnen und einen Blick zurück. Geblieben ist das Arbeitsgebiet. Das ist das Wesentliche, und das läßt den Blick wieder nach vorwärts auf das vor uns liegende Jahr lenken. Der Kreis Gießen hat zwar durch dieAuskrei - sungderStadtGießenein Drittel feiner Einwohnerzahl verloren, und er wird durch die bevorstehende EingemeindungvonWieseckund Klein-Linden in den Stadtkreis Gießen weiterer 6000 Einwohner verlustig gehen. Trotz dieses Verlustes an Steuerkraft aber wird er noch einer der größten Kreise Hessens bleiben und, wenn auch Einschränkungen mancher Art notwendig werden sollten, doch im Rahmen der hessischen Kreise seine Pflichten voll erfüllen — für Deutschland und seinen Führer. MlootWWIl? Roman von Hubert Rausse. Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München. 19. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!) 10. Kap'M. Man kann nicht sagen, daß der Jäger Uhlenkast •auf Plöhne besonders begeistert gewesen wäre, als er erfuhr, daß die ihm am>edräute Jagd nun von einem Spanier gekauft worden sei. Da wäre ihm säst der Berliner Lehmann noch lieber gewesen. Er schimpfte brummend vor sich hin und schüttelte seinen Kopf: Ein Spanier, der Schmid heißt. Plöhne war ein alter Bauernsitz von hundert Morgen, davon die Hälfte Wald. Die schöne Lage am See und die gute Jagdgelegenheit hatten bas Gut in fremde Hände gebracht. Wenn es dennoch in bestem Stande war, so lag das an Jäger Uhlenkast, der nun mal zum Haus gehörte und von den wechselnden Besitzern wie ein wertvolles Erbstück übernommen wurde. Er lebte mit seiner alten Haushälterin in dem Bauernhaus' und hielt gleichzeitig das angebaute Jagdhaus in Ordnung. Das war ein niedriger Bau, der außer dem Notwendigsten und einigen kleinen Schlafzimmern nur einen einzigen riesigen Raum enthielt: die Wohnstube. Sie war im Halbkreis um einen gewaltigen Herd herumgebaut, der wie ein Opferaltar alles beherrschte. Rechts war der Futterplatz — wie Uhlenkast sagte —, links so eine Art Schreib- und Leseecke. Das offene Feuer brannte und lohte. In den wenig benutzten Räumen konnte man das im September schon gebrauchen. Jago hatte den Jäger zu feinen Rühreiern mit Speck eingeladen, und nun saßen sie gesättigt am flackernden Kamin. Uhlenkast legte sachgemäß die Buchenscheiter in die Flammen. „Und da haben Sie also Angst gehabt?" lachte Jago. „Bischchen schon", sagte Uhlenkast. „Viel schlimmer konnte es ja schon nicht mehr kommen; aber ein Ausländer, das war noch nicht da!" „Und jetzt wissen Sie, daß dieser Spanier doch ein Deutscher ist!" „Sagen Sie", fagte Uhlenkast, „aus Solingen. Das kenne ich, ich meine Solingen. Aber was heißt eigentlich Jago?" „Jago? Das ist mein Vorname! Sie kennen doch die spanische Staat Santiago, gleich Sankt Jago, das ist soviel wie heiliger Jakobi" zeugzulassungen vorgenommen. Bisher gehörte zum Arbeitsgebiet der Kraftfahrzeugzulassungsstelle auch das jetzige Gebiet des Stadtkreises Gießen. Mit dem 1.4.1939 wird die PolizeUnrektion in Gießen die Arbeit hinsichtlich dieses Gebietes übernehmen. Die Kreiskasse Gießen hatte durch die infolge der Auflösung der Provinz bedingte lieber» nähme der Kassegeschäfte als Auftragskasse der Landeshauptkasse eine bedeutende Erweiterung erfahren. Zu den eigentlichen Kassegeschäften des Kreises Gießen trat das umfangreiche Rechnungswesen für das Hess. Straßenbauamt, das Landes-Alter- und Pflegeheim, das Hess. Ehern. Untersuchungsamt und für Das neu geschaffene Bezirksverwaltungsgericht hinzu. Durch diese Entwicklung war der Kreis gezwungen, das Haus Hitlerwall 41 anzukaufen und die Kreiskasse dorthin zu verlegen. Wenn ich meinen kurzen Streifzug über die vom Kreisamt Gießeü im Jahre 1938 geleistete Arbeit überschrieben habe mit dem Titel .Vorn Kreis» Direktor zum Landrat", so hat das seine besondere Bewandtnis. Denn durch 3. Verordnung siber den Neuaufbau des Reiches vom 28.11.1938 hat der Reichsminister des Innern bestimmt, daß tünftig das Hess. Kreisamt die Bezeichnung „Der Land rat" und der Kreisdirektor die Bezeichnung gungsstand auf. Schon lange hat die Stadt Hungen keine Arbeitslosen mehr zu verzeichnen. Die für Hungen vesonders bedeutsamen Märkte konnten in diesem Jahre wegen der Maul- und Klauenseuche leider nicht durchgeführt werden; insbesondere war der Ausfall des Prämiierungsmarktes und des Schafmarktes, des einzigen in ganz Oberhessen, für das Wirtschaftsleben der Stadt unangenehm. Bei der städtischen Waldwirtschaft ist ein erheblich höherer Einschlag von Nutzholz im Rahmen des Dierjahresplanes zu verzeichnen. Der Absatz dieser größeren Holzmenge vollzog sich in zufriedenstellender Weise, da fast ausschließlich die örtlichen Betriebe als Käufer des Holzes in Betracht kamen. Beim Schulwesen trat die Oberschule für Jungen mit einer guten Aufwärtsentwicklung ihrer Schülerzahl besonders in Erscheinung. Dadurch Ein glückliches neues Jahr wünscht allen Freunden A. Ruhl jr. Gießen, Seltersweg 67 8308D machte sich eine Erhöhung der Lehrkräfte auf vier erforderlich; eine fünfte Lehrkraft wird wohl vom nächsten Jahre ab noch beschäftigt werden müssen. Die seitherigen Räume für diese Schule sind nicht mehr ausreichend, so daß für das nächste Jahr Die Beschaffung neuer Räume vorgesehen ist und jetzt bereits als gesichert gelten kann. Von den städtischen Aufgaben für 1939 erwähnte der Bürgermeister vor allem ein Siedlungs- Vorhaben in größerem Maßstab, mit dessen Inangriffnahme im Frühjahr 1939 zu rechnen ist und Dem eine Planung auf Jahre hinaus zugrunde liegt. Die Fertigstellung Der im Frühjahr 1939 beginnenden Siedlungsbauten ist für den Herbst 1939 als gesichert anzusehen. Dadurch wird auch das Wohnungswesen in Hungen eine erhebliche Verbesserung erfahren. Im Rahmen des Siedlungsvorhabens sollen ferner neue Straßen geschaffen werden, außerdem sind der Ausbau weiterer Straßen und die Erweiterung des Kanalnetzes vorgesehen. Arbeiten der Reichsbahn in der Gemarkung der Stadt Hungen werden gleichfalls von erheblicher wirtschaftlicher Auswirkung fein und in Gemeinschaft mit Den städtischen Plänen eine weitere Belebung Der heimischen Wirtschaft herbeiführen. Alle Anzeichen Deuten Darauf hin, daß sich die Stadt Hungen auch im Jahre 1939 in gesunder Weise weiter entwickeln wird. Laubach sehr zufrieden. In unserer Unterredung mit Dem Leiter Der Stadt ß au bad), Bürgermeister Högy , stand Die Zuteilung Laubachs und Der Laubacher Ecke zum Kreis Gießen als wichtigstes (Ereignis Des Jahres 1938 für diese Orte natürlich im Äord ergründe. Neben der guten Lage der städtischen Fi- nanzwirtschaft, der weiteren planmäßigen Schuldentilgung, Der ausreichenden Stärkung der gesetzlichen Rücklagen und Der befriedigenden Entwicklung Der Steuereingänge ist vor allem die Tatsache zu betonen, daß man in Laubach nach Dem nunmehrigen Stande Der StaDt mit einer weiteren z u s r ie den stellenden Entfaltung aller städtischen Möglichkeiten rechnet. Auf dem Gebiete des Straßenbaues hat Laubach die erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß jetzt alle Haupt- und Durchgangssttaßen mit guten Fahrbahnen und mit neuzeitlichen Bürgersteigen versehen sind. Die Verschönerung Des Stadtbildes hat man sich auch im Jahre 1938 angelegen sein lassen. Hier ist vor allem zu betonen, Daß die StaDt Die Freilegung alter Fachwerkhäuser, Deren Laubach (einschließlich Berlin, beim Brasky. Ihr habt eine Reihe von Niederlassungen in . Südamerika. Du bist ein Spanier. Streng Dein Denken mal an: wie und wo kann ich am besten mit meiner Kunst Das Geld verdienen. Das Karl gebraucht, um aus allen Schwierigkeiten herauszukommen?" Jago sah schon seinen Plan. Er fannte Elisabeth, Fragen und Bedenken hatten gar keinen Zweck. Er fragte also auch gar nicht lange, sondern er schob nur seine große Hand zu ihr hinüber: „Schlag ein, Elisabeth!" Sie legte ihre Hand in Die seine. „Du weißt, was Du tust. Du bist ja fein Kind mehr. Du weißt, daß Das Leben immer zweierlei ist: Freud und Leid, Erfüllung und Enttäuschung, Sieg und Niederlage. Wir wollen uns nicht unterkriegen lassen, und ich will Dir helfen um Der Heimat willen." Am Mittag saßen sie um den runden Tisch auf Der Veranda. Jago hatte den Ehrenplatz, Der Den vollen Blick freigab über Den See, ihm zur Rechten Die Mutter, zur Linken Elisabeth, Dann der Vater, Karl — und irgendwo saß, wie damals in allen deutschen Häusern, auch Die Frau Sorge mit am runden Tisch als grauer Gast. Wie gern hätte Jago sie vertrieben! Elftes Kapitel. Jte Fall! Jte Fall! Auf einmal kannten alle Berliner den Namen. Erst flüsterte man ihn in den literarischen Zirkeln, bann stand er an allen Plakatsäulen — „Die Tochter des Kunstreiters", in Der Titelrolle Jte Fall —, Dann kam Der glänzende Erfolg dieser Eröffnungsvorstellung, und mit einem Schlage war Das Theater am Kurfürstendamm, waren Jte Fall und Doktor Brasky im Mittelpunkt Der öffentlichen Anteilnahme. Wien, das feine Inflation schon hinter sich hatte, war modern und führend in Berlin. Das Wiener Theater zog. Jte Fall machte volle Häuser. Und Jte Fall fand sich in Der neuen Rolle des Stars mit jener unbefangenen Sicherheit zurecht, Die das kleine Mädel schon im Ottakring ausgezeichnet hatte. Jte ließ sich nicht verblüffen. Das ewig hetzende Berlin mußte sich ihre Anerkennung mühselig erringen. „Was arbeiten S' Denn? Sie rennen alleweil um« ananD. Wie die Ameisen!" Eine Pressemann notierte schon. Alles, was Jte sagte, war wissenswert; alle illustrierten Blätter zeigten ihre Bilder. (Fortsetzung folgt!) Scheunen) über 200 besitzt, mit einem Zuschuß aus städtischen Mitteln unterstützt. Die Wohnungsbautätigkeit war im scheidenden Jahre rege im Gange, wobei insbesondere den Siedlungshäusern mit Vorgärten und der Schaffung eines mustergültigen Bauernhofes am Stadtausgang nach Schotten zu besondere Aufmerksamkeit gebührt. Zur Verschönerung des Stadtbildes hat auch der alljährliche Blumenschmuckwettbewerb wiederum wesentlich beigetragen. Handwerk und Gewerbe, ebenso die Laubacher Industriebetriebe hatten in diesem Jahre flott zu tun und konnten an dem wirtschaftlichen Aufschwung in guter Weise teilnehmen. Arbeitslose hat Laubach schon seit einigen Jahren nicht mehr aufzuweisen. Im Gegenteil, es macht sich sowohl in den landwirtschaftlichen Betrieben Laubachs, als auch bei der Holzhauerei empfindlicher Mangel an Arbeitern bemerkbar. Seit 15. Oktober hat Laubach in der in den oberen Räumen der Turnhalle eingerichteten Bannführerschule einen neuen Faktor von weittragender Bedeutung erhalten. Die Laubacher Bevölkerung hat diese Einrichtung sehr begrüßt und durch das Laubacher Handwerk nach Kräften fördern helfen. Die unteren Räume der Bannführerschule sind aber auch weiterhin Ausbildungsstätte für die allgemeine Turnerei in Laubach. Das Jugend- Landheim des BDM. hatte auch in diesem Jahre während des Sommers guten Besuch aufzuweisen. Der Fremdenverkehr war erfreulicherweise sehr rege, insbesondere in den Tagen des Ausschuß-Festes. Laubach hatte auch die Freude, während der Sommermonate KdF. - Urlauber aufnehmen zu können. Als einen Wendepunkt von großer geschichtlicher Bedeutung sieht Laubach seine Eingliederung in den Kreis Gießen an, welche die Herstellung einer naturgegebenen Verwaltungsgrundlage, als gesunde Parallele zu den schon immer bestehenden engen wirtschaftlichen Beziehungen der Laubacher Ecke zur Stadt Gießen, bedeutet. Für das Jahr 1939 sind bisher der Bau eines zweiten Hochbehälters für die Wasserleitung und Erweiterungsarbeiten im Wasserleitungsrohrnetz, ferner eine Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes mit dem Ziele einer weiteren Verschönerung der Stadt vorgesehen. Blumenschmuckwettbewerb und verstärkte Verkehrswerbung werden ebenfalls wieder wichtige Arbeitspunkte der Stadt fein. Im übrigen werden im kommenden Jahre bereits die ersten Vorarbeiten zu der 400-Jahrfeier des Laubacher Ausschusses im Sommer 1940 beginnen, die in großem Rahmen begangen werden soll. Alle geborenen, auswärts wohnenden Laubacher, auch die int Ausland weilenden, sollen zu dieser großen Feier eingeladen werden, damit sie bei dieser Gelegenheit wieder einmal in ihrer alten Heimat weilen können. Ein H I. - H e i m und die Herrichtung eines Sportplatzes in einer landschaftlich schönen Gegend des Stadtbereichs werden projektiert. Wiederum erwartet Laubach neben vielen anderen Fremden gerne auch KdF.-Urlaüber. Kräftig vorwärts in Lich. Bürgermeister Geil, der bereits seit einer Reihe von Jahren die Verwaltung der Stadt Lich leitet, koftnte uns in einer Unterredung mit berechtigter Genugtuung von einem kräftigen Vorwärtsschreiten der Stadt Lich im Jahre 1938 berichten. Die städtischen Finanzen befinden sich in bester Ordnung. Alle Rücklagen und Fonds konnten ohne Schwierigkeiten ausreichend mit neuen Mitteln gespeist werden. Arbeitslose kennt man auch in Lich schon lange nicht mehr. Im Gegenteil, es besteht ein großer Mangel an Arbeitskräften, der es z. B. notwendig machte, für die Holzhauerarbeiten in den großen Waldungen der Stadt Arbeitskräfte aus dem Vogelsberg heranzuholen. Im Verlaufe des Jahres wurden an Straßen und Plätzen umfangreiche Erneuerungsarbeiten durchgeführt, die sich auf die Schaffung neuer Bürgersteige und guter Fahrbahnen aus Kleinpflaster erstreckten, zugleich aber auch nach modernen städtebaulichen Grundsätzen vorgenommen wurden. Besonders ist in dieser Hinsicht der Ausbau der Bahnhofstraße zu erwähnen, ebenso die Schaffung von Grünanlagen auf dem angrenzenden Reichsbahngelände. Der Ausbau des Waldschwimmbades durch die Schaffung von 45 neuen Einzelkabinen und eines großen unterkellerten Wirtschaftsraumes, ferner eines 30 Meter langen Bassins für Nichtschwimmer und eines 1,40 Meter hohen Sprungturms hat wesentlich dazu beigetragen, daß der Besuch dieser städtischen Einrichtung, trotz des häufig ungünstigen Wetters, sehr gut war und die Einnahmen aus dem Bad eine sehr zufriedenstellende Entwicklung aufwiesen. Zu diesem erfreulichen Ergebnis hat auch die rege Derkehrs- werbung erheblich beigetragen. Der hervorragenden Tätigkeit des Verkehrs - und^Verschönerungsvereins auf diesem Sondergebiet der Fremdenwerbung, wie seines verdienstvollen Einsatzes für die Werbung überhaupt, außerdem auch für den dankenswerten alljährlichen Blumenschmuckwettbewerb, gebührt vollste Anerkennung. Auch durch dieses wahrhaft gemeinnützige Wirken hatte Lich während des ganzen Sommers einen guten Fremdenbesuch zu verzeichnen. Die Wohnungsbautätigkeit war rege im Gange. Insbesondere ist hier auf den Bau der NS.-Heimstättensiedlung yinzuweisen, die sich als ein bedeutungsvoller Faktor für die Stadt erwiesen hat. Industrie, Handwerk und Gewerbe, denen die Stadt alle Förderung zuteil werden ließ, konnten im Rahmen des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs eine erfreuliche Entwicklung verzeichnet und trugen dadurch ihrerseits ansehnlich zur Stärkung der Kraftquellen der Stadt bei. Die Wirtschaftslage in Lich war denn auch im Jahre 1938 nach jeder Richtung hin als günstig anzusehen. Dank ihrer großen und gepflegten Wal- düngen konnte die Stadt den außerordentlichen Holzbedarf in diesem Jahre voll befriedigen. Auf dem Gebiete des Feuerschutzes konnte die Stadt durch die Beschaffung einer zweiten Motorspritze eine weitere wirkungsvolle Sicherung im Dienste der Gesamtheit gewährleisten. Als bedeutsames Ereignis ist auch die Umwandlung der früheren Kleinkinderschule zu einem NSV.-Kindergarten anzusehen. Für das Jahr 1939 ist vorgesehen, daß der vordere Teil des Hopfengartens, unter Erhaltung der unter Denkmalschutz stehenden Wall-, anlage, zu einer öffentlichen Anlage ausgestaltet werden soll. In der Butzbacher Straße sollen beiderseits Bürgersteige und eine 9 Meter breite Fahrbahn geschaffen werden. Der jetzt als Verkehrshindernis wirkende Postbrunnen soll eine Neugestaltung in Form eines Nischen- brunnens erfahren. Die Ringstraße soll eine zeitgemäße Gestaltung erhalten. Schließlich ist im Hinblick auf die Enge der Innenstadt und auf den. stark angewachsenen Kraftfahrverkehr an gewisse Erweiterungen in der Innenstadt und an die Schaffung von Parkplätzen zu denken. Eine Sportplatzanlage im Anschluß an das Schwimmbad ist als finanziell gesichert anzusehen. In absehbarer Zeit ist auch mit der Errichtung eines HI.-Heimes zu rechnen. Schließlich ist noch eine Neuordnung im Bestattungswesen durch Errichtung 'eines Leichenhauses auf dem Friedhof als dringend notwendig ins Auge zu fassen. Ebenso ist die allgemeine Einführung von Wassermessern eine der vordringlichsten Aufgaben. 40 Jahre Borrmann Gießen, Neustadt 5-7, Fernsprecher 4165 K Eisenwaren Werkzeuge Öfen und Herde Kesselöfen !§ii Haus- und Küchengeräte Waschmaschinen Garten geräte iiiiiiiiiiii IIJL EDGAR BORRMANN EDGAR Borrmann 88F6A = .................. r 118^9 s Um/ —niiiiiiiiinuiHiL EDGAR BORRMANN Gießen (Dammstr. 22), Frankfurt (Oder),31. Dezember 1938. 887QD 8862V 8800D 8819V Mitglied der Elektro-Gemeinschaft Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 1. Januar. 14 30 Uhr, vom Sterbehaus Obergasse 8 aus statt Nachlässe von z dw 20 v. 6. erhalten 61t bei wiederholten Aufnahmen einer Anzetg» Die Beerdigung findet Montag, den 2 Januar, nachmittags 3y2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt Fettscheine nicht ausgehändigt. I. Verbilligungsscheine 7* Elektro Leuchten-/ Radio In tiefer Trauer: Karl Weidig Elisabeth Weidig August Weidig In der Nacht zum 29. Dezember verschied ganz unerwartet nach schwerem kurzem Leiden meine liebe Frau und treusorgende Mutter, Tochter, Schwester und Schwägerin Anna Hölzing, geb. Wiener im blühenden Alter von erst 30 Jahren. In tiefer Trauer; Adam Hölzing, nebst Sohn und Angehörigen Daubringen, Mainzlar, den 29. Dezember 1938. Die Beerdigung findet Sonntag, den 1. Januar 1939. nachmittags 3 Uhr statt Familien-Drucksachen Verlobungsanzelgen bei Brühl,Schulstraße7 Geburtsanzeigen a) für Kleinrentner und b) für Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene und Empfänger von Familienunterstühung: Garten- strahe 2, Zimmer 11: Montag, 2. Januar, und Dienstag, 3. Januar 1939; c) für Sozialrentner: Lonystrahe 2, am Schalter: Montag, 2. Januar 1939. d) für Volksgenossen, die nicht in laufender Betreuung des Sozialamts stehen: Gartenstrahe 2, Zimmer 16. Buchstaben A—F: Montag, 2. Januar 1939, „ G—K: Dienstag, 3. Januar 1939, „ L—R: Mittwoch, 4. Januar 1939, „ S—Z: Donnerstag, 5. Januar 1939. II. Margarine-Bezugsscheine: Gartenstrahe 2, Zimmer 16. Buchstaben A—G: Freitag, 6. Januar 1939, „ H—P: Samstag, 7. Januar 1939, „ R—Z: Montag, 9. Januar 1939. Gießen, 31. Dezember 1938. Der Oberbürgermeister. Sozialamt. I. V.: Dr. Hamm. Unser geliebter Vater, Schwiegervater und Großvater Herr Christian Weidig ist im Alter von 87 Jahren für immer von uns gegangen. Bekanntmachung. Betr.: Fettschein-Ausgabe für die Monate Januar bis März 1939. Ausgabezeit für alle Abteilungen: nur vormittags von 8 bis 12% Uhr. Fettscheine, die an den nachstehend genannten Tagen nicht abgeholt werden, können später nur noch Mittwochs, vormittags, in Empfang genommen werden. An Kinder werden Bekanntmachung. Die Lieferung und Versetzung der Straßensinkkasten für die Straßen „Am Sandfeld", „Am Philosophenwald" und die Querstraßen unterhalb der Lieblgshöhe, sollen auf Grund der RDO. öffentlich vergeben werden. 8852D Die Unterlagen sind ab Montag, den 2. Januar 1939, bei uns zu erhalten. Die Angebote sind bis zum Sonnabend, dem 7. Januar 1939, vormittags 10 Uhr, auf dem Stadtbauamt, Asterweg Nr. 9, abzugeben, wo die Oeffnung im Beisein der erschienenen Anbieter erfolgt. Zuschlags- und Bindefrist 4 Wochen. Gießen, den 30. Dezember 1938. Der Oberbürgermeister. Stadtbauamt. I. A.: G r a v e r L Bekanntmachung. Mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde ist der allgemeine Beitragssatz meiner Kasse mit Wirkung vom 1. Januar 1939 von 6K v. H. auf 6 v H. herabgesetzt worden. Die Mitgliederklassen bzw. Lohnstufen werden teilweise vom genannten Tage geändert Die vom 1. Januar 1939 geltenden Beitragsberechnungstabellen, aus denen das Nähere zu ersehen ist sind ab 2. Januar 1939 bei der Hauptverwaltung in' Gießen und den Zahlstellen erhältlich. 8802D Gießen, den 31. Dezember 1938. 3et£eliEt0e[£an0l[anlenlofief.0.£onöltel5®leBen Frankfurt Pferde-Märkte 3. Januar, 31. Januar, 28. Februar, 21. Mfirz 1939 Besuch a. Sperrgebieten verboten Zahlr. Antrieb von Pferden all. Bassen, Nach langem, schwerem Leiden verschied am Freitag, dem 30. Dezember, mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Grohvater Heinrich Klaum III. Bahnarbeiter L R. im 76. Lebensjahr. In tiefer Trauen Luise Klaum und alle Angehörigen. Großen-Linden, Allendorf (Lahn), 30. Dezember 1938. 8874 A Vogtsc he Plivat-Handelsschule Gießen, Goelhestr.32 Gtadttheater-Miete. Die Einlösung der vierten Rate der Stammiete hat an der Theaterkasse, Johannesstraße 3, zu erfolgen, und zwar: 8799C Montag, den 2. Januar 1939, für die Dienstag- Mieter, Dienstag, den 3. Januar 1939, für die Mittwoch- Mieter, Mittwoch, den 4. Januar 1939, für die Freitag- Mieter in der Zeit von 10 bis 13 Uhe. Nach Einzahlung auf Postscheckkonto Frankfurt am Main 37210, Kasse des Stadttheaters Gießen, erfolgt Uebersendung einer besonderen Quittung. Die zu zahlende vierte Rate beträgt: Familienlogen mit 5 Plätzen 42,— RM. Familienlogen mit 4 Plätzen 31,60 „ I. Ring 10,40 „ II. Ring 8,40 „ III. Ring 6,20 „ IV. Ring 1,20 „ V. Ring 4,— „ Durch die Einführung der neuen Stammiete-Ein- trittsfarten kann die Einlösung der einzelnen Raten nur noch an der Tageskasse erfolgen. Eine Einlösung an der Abendkasse ist in Zukunft nur noch in Aus» nahmefällen möglich. Gießen, den 28. Dezember 1938. Der Oberbürgermeister. Zweijährige Handelsklasse für Schulentlassene mit 8 jähriger Schulbildung. Für Mädchen auch Kochen und Nähen. Schulgeld RM 17.—, keine Nebengebühren. Frühzeitige Anmeldung erbeten, da die Aufnahmeprüfung bereits vor Ostern stattfindet und eine spätere Aufnahme nicht vorgenommen werden kann. Ein- u. halbjährige Handels- fachMasse Aufnahme m. Sekundaoder Mittelschulreife ohne besondere Aufnahmeprüfung. Schulgeld RM 19.—, keine Nebengebühren. Anmeldungen für das neue Schuljahr und Auskünfte jederzeit im Schulgebäude Gießen, Goethestr.32. Ruf 2486 Nr 306 Zünsler Blatt__________ Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)_________Samstag, ZI. Dezember (038 Aus der Siad! Gießen. Abst...^Sabend beim E.-Batai